ET Adresse für Depeschenr Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 5L Nr. 231 Erscheine täglich außer SannlagS. Dem Gießener Anzeiger werben im Wechsel mit dem kesfifchen Landwirt die Siebener Kamillen» blitter viermal in der Woche dergelegt. Rotationsdruck tu Verlag der Brüh lachen Untverf,-Buch- u. Stetn- brudetet (Pietsch Erden) Zweites Blatt« 153. Jahrgang Freitag 2. Oktober 1903 ______ _ Vezngsprers» monatlich 7b Pt^ viertel- Gießener Anzeigers General-Anzeiger v ** aSf-Hfe Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Are heutige Wummer umfaßt 10 Seiten. AenKmalsfeierkichKetten in Köln. Köln a. Rh., L Oktober. Zur Enthüllimg der Denkmäler für die Kaiserin 'Augusta und den Kaiser Friedrich trafen heute mittag der Großherzog und die Großherzogin sowie der Erbgroßherzog von Baden hier ein. Um 2 Uhr 4ö Minuten langte der Kronprinz von Bonn hier au. Nach der Festrede des Oberbürgermeisters Becker fiel die Hülle des Kaiserin Augusta-Denkmals. Der Kronprinz leate einen Kranz des Kaisers am Denkmale nieder. Auch die badischen Herrschaften brachten Blumenspenden dar. Der K ronpri nz hatte eine lan gere Unterredung mit dem Kardinal-Erzbischof Fischer. An verschiedene Persönlichkeiten wurden Orden verliehen. Das rheinische Kürassier-Regiment von Geßler stellte die Ehren-Eskorte. Nach der Enthüllung des Kaiserin Augusta-Denkmals begaben sich die Herrschaften nach dem Kaiser Friedrich- Ufer zur Enthüllung des Denkmals Kaiser Friedrichs. An der Feier nahmen il a. teil: der Bonner Universitätsrektor Zitelmann und Kardinal Fischer, den der Kronprinz einlud, im Fürstenzelt Platz zu nehmen. Nach dem Vortrag des Kölner Männergesangvereins „Die Himmel rühmen des ewigen Ehre" hielt Oberbürgermeister die Festrede. Hieraus siel auf ein vom Kronprinzen gegebenes Zeichen die Hülle. Tie Musik intonierte die Nationalhymne, der Kronprinz salutierte, Oberbürgermeister Becker brachte ein dreimaliges Hoch auf Kaiser Wilhelm aus. Der Kronprinz legte im Auftrage des Kaisers einen Kranz von MarschaU Niel- Rosen nieder, ebenso das Großherzogvaar und der Erbgroßherzog von Baden, sowie verschiedene Korporationen. Tie Herrschaften besichtigten darauf -eingehend das Denkmal, das Kaiser Wilhelm im Sattel sitzend darsteUt, der: Blick nach dem Rheinstrom gerichtet. Ter Kronprinz und das Großherzogpaar zogen ins Gespräch den Bildhauer Breuer, den Schöpfer des Denkmals, und den Regierungsbaumeister Moritz, der den Rundbau gefertigt hat. ML dem Vortrag des „Niederländischen Dankgebets" durch den Männeraesangverein schloß die Feier. Nach der Enthüllung fand ein Festmahl im Gürzenich -statt. Oberbürgermeister Becker begrüßte den Großherzog, den treuen großen Mitkämpfer Kaiser Wilhelms L um die Einheit und Grüße Deutschlands. Die heutige Feier weihe 'das neue Ratssilber ein, nachdem das alte im dreißigjährigen Kriege verloren gegangen. Der Redner schloß mit einem Hoch aus den Kronprinzen und die fürstlichen Gäste. Ter Kron Prinz erwiderte, er sei sich der großen Auszeichnung wohl bewußt, die ihm durch den Auftrag seines Vaters, der ihn zur Vertretung hierher gesandt, zuteil geworden. Andererseits erfülle ihn mit aufrichtiger Genugtuung und herzlicher Freude der Gedanke, an der Stätte wieder wellen zu dürfen, wo er als fröhlicher: Student in der Mitte der Bürger geweseu Tie ganzen Gefühle, die er in diesem Augenblicke für die Stadt Köln und den Oberbürgermeister persönlich hege, fasse er zusammen in dem Rus: alaaf Köln! Sodann hiell der Großherzog von Baden eine A usprache, worin er zunächst in seinem und der Großherzogin Namen den Dank für die Einladung zu der Feier und die Begrüßung aussprach, die ihnen beiden bei ihren innigen Beziehungen zu den heute Geehrten sehr wohlgetan habe. Wir betrachteten und bewunderten die Denkmäler mit pietätvoller Empfindung und schließen uns dem Danke dafilr au, daß die beiden hohen Persönlichkeiten in dieser Weise richtig erkannt und geehrt worden sind. Der Großherzog erinnerte daran, was Kaiser Wilhelm in der Zell, da er in der Rheinprovinz tätig war, Bedeutungsvolles geschaffen habe. Tie Erinnerung daran werde in der Provinz stets sorlleben. In Koblenz habe er die erste Grundlage zu der Reorganisation der Armee gelegt, die er, als er -ur Negierung kam, aussührte. Ihm seien hauptsächlich die Erfolge des Jahres 1870 zu verdanken, und in seiner Tätigkeit habe chn die Kaiserin Augusta unterstützt, und was die Kaiserin Augusta für die Rheinprovinz getan, welchen Tank ihr die Provinz für ihr wohltätiges Wirken und alles, was sie zum Wohle des Vaterlandes unternommen, schulde, sei heute am Denkmal in schönster Weise hervorgehoben worden. Nicht allen aber sei bekannt, in welchem Maße sie ihre ganzen Geisteskräfte zur Mitwirkung an der Lösung der nationalen Fragen eingesetzt habe. Tie Kaiserin darüber haben hör.n. und ihre Dlligk^llin ti.fer Richtung haben verfolgen können, sei dem Großherzogpaare in unauslöschlicher Erinnerung. Das von der Stadt Köln ihr gesetzte Denkmal sei nach seiner Meinung ein Tank für ihre nationale Gesinnung und alles, was sie in dieser Hinsicht späterhin als Kaiserin gewirll habe. Im gleichen Geiste aber sei Kaiser Friedrich in Koblenz erzogen und von Kaiser Wllhelm geleitet worden. Und was wir Kaiser Friedrich verdanken, so etwa ftchr der Groß- Herzog d arnach fort, das, meine Herren, haben Sie ja auch mit so schönen Worten ausgesprochen. Es ist unvergleichlich, aber auch vorbildlich gewesen, vorbildlich in jeder Beziehung. Auch ihm diesen Dank zu bringen, ist eine schöne herrliche Gabe der Stadt Köln. Aber, meine Herren, wenn wir einen Rückblick auf die Vergangenhell getan haben, so wollen wir auch einen Hinausblick nehmen in die Zukunft. Mr haben den Vertreter des Kaisers hier vor uns und wir blicken auf ihn mit der Hoffnung, daß er einer g lücklich en Zutun ft entgegen gehe und noch lange an der Seite des Vaters das kennen lernen werde, was notwendig ist, um in der Zukunft tätig sein zu können. (Beifall.) Wll alle aber müssen uns das Wort geben, daß wir helfen wollen, das was geschaffen in den Jahren 1870 bis 1871, aufrecht zu erhallen, und wll können es nur aufrecht erhalten, wenn unsere Gesinnung tadellos und aufrichtig ist und wll rückhaltlos und mullg aus die Bahnen gehen, die notwendig sind, um, ich sage es noch ausdrückliche heutzutage Herr und Meister zu bleiben, stark zu werden, daß das Reich gedeihe und immer kräftiger werde, immer mehr Ansehen erwerbe. (Lebhafter Beifall.) In dieser Empfindung bitte ich Euere kaiserliche Hoheit um die gütige Erlaubnis, hier ein Hoch auszubringen auf das Teutsche Reich. Das Deutsche Reich lebe hoch! Die Versammlung stimmte begeistert ein und sang stehend die Nationalhymne. Gegen 7 llhr wurde die Tafel aufgehoben. KtttyülluNg des Richard Wagner-Aenkmals in Z^rliu. Berlin, 1. Okt. Die feierliche Enthüllung des Richard Wagner-Denkmals fand heute mlltäg statt. Das prachtvolle Sommerwetter nut dem Aussehen, das der Sllell um die Denkmalsweche erregt hatte, der bekannllich alle Künsller von Ruf und namentllch alle namhaften Musiker der Gegenwart von der Feierlichkeit fern gehallen hat, lockte Tausende von Neugierigen heran. Der ausgezeichnet gewählte Platz am Tiergarten war im weiten Umkreis dicht belagert. Auf der linken Tribüne standen die vereinigten Kapellen der Gardetruppen, aus der rechten gegenüber der Berliner Sängerbund unter Leitung des Prof. Schmidt vom Lehrergesang- verein. In einem mit der Kaiserllone geschmückten Pavillon an der Vorderfront des Denkmals erwartete man den Vertreter des Kaisers, Prinz Eitel Fritz, und den Ehrenpräsidenten des Komitees, Prinz Friedrich Heinrich von Preußen. Kurz nach 12 Uhr fuhren chre Wagen vor und Minister Studt, Gras Hochberg und Intendant v. Hülsen waren zum Empfang da. Das Festprogramm begann mit dem von den Regimentskapellen gespielten Wagnerschen Kaisermarsch, in dessen Ende der Männerchor mit dem von Wagner gedichteten, darin eingeflochtenen Lied einsiel. Die große Entfernung von Orchester und Chor blieb dabei, was den Gesamteindruck bellaf, leider nicht ohne Einfluß. Darauf folgte der Chorgesang: „Ehret euren deutschen Meister", gleichfalls von Milltärmusik begleitet. Dann hiell Kommerzienrat Leichner, der Vorsitzende des Komitees, ein Berliner Puder- und Schminkesabrllant, die Festrede. Er pries mit weichintönenden Worten den „nationalen Meister", betonte das Internationale der Festversammlung und feierte zum Schluß das von dem braven Pros. Eber lein schlecht und recht geschaffene Denkmal „als den Ausdruck des lebendigen Willen des deutschen Volkes". Nach seiner Rede, die in einem Kaiserhoch endete und von den beiden Prinzen stehend angehört wurde, fiel die Hülle des Denkmals. Das Mllitär spielte „Hell Dll im Siegerkrauz". Es folgte nvch der Chor aus den Meistersingern: „Wachet auf" usw. Während des Gesanges wurden den kaislllichen Prinzen die Vertreter auswärtiger Verbände und Regierungen vorgestellt. Mit der Niederlegung von Kränzen durch Deputierte und einer sehr kurzen Besichtigung des Denkmals schloß die Feier. Der offiziellen Einladung zufolge waren „die Herren vom Zivil im schwarzen resp. blauen Frack" befohlen worden, sagt die ,^reis. Ztg.". Ursprünglich war die Anlage in einem well größeren Umfange geplant. Der Kaiser bestimmte jedoch daß der Rahmen der im Tiergarten vorhandenen Monumente, besonders ber_ von Goethe und Lessing, nicht überschritten würde. Es fand zuerst ein allgemeiner Wettbewerb mit internationaler Jury und unter Ausschluß der Ausländer statt. Bei dem letzten Wettbewerb erhielt Eberlein, ein Künstler ohne Bedeutung, der einem Klinger nicht das Wasser reicht, den ersten Preis; auch: wurde ihm die Aussührung des Denkmals übertragen, doch mußte er seinen Entwurf nach Anordnungen des Kaisers vollständig umarbeiten. Die Figur Magners, die ursprünglich vor dem Postament thronte, wurde hinaufgesetzt und trat hier an die Stelle einer Muse. Tas Denkmal, ganz aus griechischem Marmor gemeißelt, erhebt sich auf einem zweistufigen Granllplateau von 14 Metern im Quadrat. Em breller Stufenunterbau führt zu drei welleren Marmorsmfen, und auf einen Sockel gründet sich dann das viereckige, an der Rückselle abgerundete Postament in gedrungener Form und von romanischem Charatter; es ist mit Ziersäuleu, Bogen und Qrna- FemUeton. Der bekannte Wetterprophet Rudolf Falb ist, wie wir bereits gestern kurz meldeten, in Schöneberg bei Berlin an einer Lungenentzündung gestorben. Falb .ist 65 Jahre alt geworden. Er wurde in Steyermark geboren und zum katholischen Geistlichen geweiht. Nachdem ser einige Zeit lang Seelsorger gewesen war, trat er aus dem geistlichen Stand aus, wurde Protestant und legte sich .auf Astronomie, Physik unb ähnliche Zweige der Wissenschaft, um die Welt mit seinen Wetterprognosen zu beglücken. Vorhersagungen Falls sanden in Larenkreisen mancherlei Beachtung, da sie wegen ihrer Elastizität in Charatter und Ausdehnung scheinbar nicht selten zutrafen. In Wirttichteit hätte jeder Schäfer ebenso gut prophezeien können; derrn war das Wetter hier nicht so, wre Fall vorhergesagt hatte, so gab es doch irgend einen Winkel, wo die Prophezeiung zutraf; und war Erdbeben in Aussicht gestellt mit achttägiger Wartefrist vor und nach dem Termin, so konnte man sich bestimmt darauf verlast en, daß in diesen vierzehn Tagen von irgendwo her, jedenfalls aber aus Peru, ein Erdstoß gemeldet wurde. Fall hatte also wieder einmal recht gehabt. Als der erste Eindruck der Fallschen Prognosen verflogen war, da ist es dem inzwischen alt und krank gewordenen Manne mitunter recht schlecht ergangen. Zu seinem 60. Geburtstage wurden für ihn von guten Leuten in deutschen Landen 000 Mark gesammelt. In den letzten Jahren hat Falb still in Schöneberg gelebt und »raßer der Herausgabe seiner Prognosen nichts mehr unternommen. Seine Wetterprophezeiungen werden auch von den Anhängern Falls nicht mehr recht ernst genommen; es gibt Spötter, die vergnügt sind, wenn Fall während der Ferienzeit Regen und Unwetter bereit hat. Dann wird das Wetter gewiß gut, sagen sie, — und gewöhnlich haben sie recht. Es ist Überhaupt eine eigene Sache mit dem Wetterräten, und mehr als einer hat sich schon vor Fall damit in die Nesseln gesetzt. In Mitteldeutschland sehr bekannt war Stannebein, der auf der Esels- miefe des „Leivziger Tageblatts" in der Mitte des vorigen Srbunberi§ 1an3e Zeil grafte. Stannebein hatte sich Schichten im Luftraum zurechtgelegt, uiid wenn er an- kündigte: Wolken in der fünften und sechsten Schrcht, so war das Wetter banüch. einzuriel)ten. Met vrelem Behagen EST. haben die Sachsen jahrelang Stannebeins Wettermacherei über sich ergehen lassen. Bekannt war auch Professor Klinkerfues in Göttingen als Wettermacher, der sich anfangs der achtziger Jahre erschoß. Klinkerfues mar von der Wichtigkeit und Richngkell seiner Wetternachrichten so überzeugt, daß ihn einmal der unlautere Wetllewerb eines Bauern in der goldenen Aue so in Rage setzte, daß er selbst zu dem Manne fuhr, um mit ihm abzurechnen. Nach stundenlanger Fahrt traf er bei dem unwissenschaftlichen Kollegen auf dem Torfe ein. Er wollte sich zunächst nicht zu erkennen geben, um nachher den „dummen Bauern" desto gehöriger abtrumpfen zu können. Er redete denn auch den leutseligen Laiidmann an, wie er es gemacht habe, um in den Ruf als unfehlbarer Wetterprophet zu kommen. „Ja", erwiderte unser Bauer in schönstem hannöverschem Platt, „das ist ganz einfach. Ta ist in Wtttngen so ein verrückter Professor, der auch Wetter macht. Wenn der nun in die Zeitung druckt, daß es schlecht werden soll, so sage ich: es wird gut; sagt er gut, so sage ich schlecht. Das ist gewöhnlich richtig." Klinkerfues soll sich sacht saldiert haben; an seine Reise hat ihn später niemand erinnern dürfen. — So kann es einem beim Wettermachen ergehen, und so ist auch Fall in der Zeit der schönsten, sonnigen 5^erbsttage hingeschieden, für die er Regen und nochmals Regen prophezeit hatte. Ein unver brenn bares T Heater will C o q u e- lin, der berühmte Pariser Schauspieler, erfunden haben. Es soll nach seinen Angaben 300 Plätze enthalten. „Es wird in diesem Theater alles verkehrt sein" — so teilt Coquelin mit — „die Logen unten, das Parterre oben und die Orchestersitze zwischen beiden. Tie Bühne wird zum Teil so eingerichtet werden, wie die des antiken Theaters; man wird von allen Plätzen aus gleich gut sehen und hören, und es wird sich kein Mensch den .Hals zu verrenken brauchen, um die Bühne zu sehen. Für den Saal nehme ich mir das antike Theater zum Muster, aber nur im Prinzip; ich werde ihn also nicht stufenförmig aufbaucn, denn es wäre besonders für die heutige Damenwelt unangenehm, wenn die Beine der oben sitzenden Herrschaften die Köpfe der unten sitzenden berühren würden. Ten Zugang zu dem Saale soll eine rechtwinklige Säulenhalle bilden. Rechts und links befinden sich die Kassen. Man tritt durch zwei große gewöllte Türöffnungen ein und gelangt in einen Vorraum, der gewissermaßen eine Ergänzung der Säulenhalle bildet. Atan findet sich sieben Türen gegenüber, die zu den Salons der Logen führen, denn alle Logen sollen Salons haben. Daneben sind stufenförmig die Orchestersitze angelegt, und über ihnen befinden sich die Balkonsi mit den Plätzen, die man früher im Parterre fand. Der Horizontalschnitt des Saales wlld ein Trapez bilden, und fast alle Zuschauer werden der Bühne gegenüber sitzen. Die Bühne selbst wird gewissermaßen unabhängig vom Saale sein, und der Schauspieler wird sich dort bequem bewegen! können wie im antiken Theater. Die Dekorationen sollen sehr einfach fein. Fortuny hat eine elektrische Lampe erfunden, die die Dewrationen sozusagen durch Projektion auf die Bühne verpflantt. Sie verbreitet ein helles, aber unendlich mildes Licht, das vortresiliche Perspektiven gibt. Es werden mit diesem Licht alle Phasen der Nacht und des Tages dargestellt werden können: die Morgenröte, die erlöschenden Sterne, der fahle Lichtschein, der dem. Sonnenausgang vorangeht, die Wolken am Horizont, die Sonnenscheibe, die Dämmerung, des Mondes Silberschein am blauen Nachthimmel. Wenn das Theater fertig fein wird, werden wir irgend ein Stück geben. Zwischen dem ersten und dem zweiten Atte trete ich vor und halte etwa folgende Ansprache: „Meine Damen und Herren, bitte, räumen Sie den Saal und gehen Sie in die Vorhalle, wo Ihnen Er- ftischungen gereicht werden sollen. Mein Freund Binet (der Erbauer des Theaters) wird inzwischen das Theater an- zünden!" Balo darauf wird das Publikum konstatteren können, daß das Theater unverbrennbar ist. Auch für den Rauchabzug wird gesorgt fein, denn die Fenster werden sich bald nach dem Ausbruch des Feuers autvmcllisch offnen und den Rauch hinausziehen lassen..." — Das sieht nun allerdings wie eine Erfindung aus, aber wie die einer wirksamen grotesken Erzählung für einen neuen Schwank. Paris, 1. Ott. Unter den Freunden Zolas ist beschlossen worden, eine internationale Subskription zu organisieren, deren Erträgnis zum Ankauf der Zolaschen Be^ sitzung. in Medan Verwendung finden soll. Daselbst soll ein Vif 1)1 für obdachlos e«D ich ter und Schriftsteller errichtet werden. Staatskommissar. _ T^unug-isckea — ,. „„ Ierno n -> v OH Elektro- u. Maschinen- 8 ^LMBGS^LLL ln0eni6ur°. -Techniker ______ und -w'3tj das Postament, und hier ist ein Motiv aus „Rheingold" zur Darstellung gewählt: Getragen von den an Felsen aufschäui.^.cd«,^ Wellen,. , ... , . <4 erscheint eine der Rheintöchter: mit der rechten Hand zaust von so vielen als eine Gefahr für die Grundlagen des fte'neckisch den Bart des Alberich, der den Niebelungeu- Staates angesehen. Es glauben noch so viele, daß ^nan schätz hütend mit beiden Armen umspannt. Die Gruppen die Frau gewaltsam zum Manne machen wolle. Die ^rau fügen sich massig, gewissermaßen als Hochreliefs dem fordert die gleichen Rechte wie der Mann. arauv ziehen Piedestal an und gewähren von allen Seiten einen fesselnden manche falsche Schläue, ^a aber F-r au aus i h r er Mick. Wie das Ganze zusammenwirkt, kann sich erst üach Familie, aus i h re m M utter tu m pH tzN! ch und der Enthüllung des Tentmals ergeben. geistig ihre b-eft e Kr af t h oU, )o ist chre Wes ens- Der zur Ausführung gewählte griechische Marmor ist be stimm th eit für alle Zukunft gesichert, und cm einzelnen Stellen nicht ohne Fehler; so macht sich z. B. so wird sie ihren Emfluß, wo sie ihn gewmnt, nie al das Geäder an den Figuren Siegfrieds und Brünhlldens Mann, son dern immer als Frau auvüben. x.ie unvorteilhaft bemerkbar. Prof. Eberlein erhielt für das Grenzen dieses Einflusses sind ledoch noch nicht bestimmt, Werk 100000 Mark. Das Denkmal hat eine Höhe von nur das eine ist sicher, die b e stimmende Ein w ir t- etwa sechs Meter; davon kommen auf das Postament 3,30, ung der Fra u auf d as öffentliche ~eb en taitn auf die Statue 3 70 Meter. nur in der Richtung liegen, die ihr Wirken in der Fa- Am Abend gab es im Wintergarten ein Festmahl mit mitie aiideutet. Was Anlage uiid Verhältnisse in der <600 Teilnehmern. Ter Kaiser war vertreten durch den ganzen Menschengeschichte in der Frau in der Enge ihrev Prinzeu Friedrich Heinrich von Pvenßen. Prinz Fried- Kreises hat werden lassen, wird in der Freiheit und Selbst- rich Heinrich eröffnete die Feier mit dem Kaisertoaste Verantwortlichkeit tote alles Menschliche nicht verkümmern, und feierte Wagner, der Herz und Gemüt zugleich erbaue, sondern zur edleren Kultur gelangen. Eine Voraussetzung Kommerzienrat Zeichner hiell die Festrede. Kultus- ist aber unerläßlich: wo die Fr au Ansprüche erhebt, muß minifter Dr. Studt führte aus, in der Errichtung des sie eiü ernstes wirkliches Können mitbrtngen. Auf dem Denkmals und der heutigen Feier liege nicht nur eine gewerblichen Gebiet wird das schotl etngesehen. Es wird Ehmna Wagners, sondern etwas alle Völker ohne Unter- dem Wert des Einflusses der Frau nur zugute kommen, schied mit einander Verbindendes. Er schloß mit einem mentu sie in reiflicher Schickung, sei es durch berufliche Hoch auf die Auslandgäste. Bei dem Festmahl sprachen Organisation oder in Vertiefung ihres poliAschen ^nt^:- ferner Cher am y-Frankreich über „Das Vollsverbindende esses durch eine dessere Bildung, od^ d>u^, praktische 'm Wagners Wesens San Martin o-Italien über die soziale Arbeit in chreu kunfhigeti Wirkungskreis hinerw' Anerkennung, die Wagner in Italien gefunden, Sav ar y- wächst. In der Fannlre, vor allem als der (Ä:zieyungs- Enaland über die „deutsche Nation", P a y n e - Amerika, der ftätte der aufwachsenden Generation, wird erst die Mutter, ’t)em Namen Wagners Anerkennung zollte, v. Pos für t, der die sich einer vollen bürgerlichen Berantw ortun g und einer Winchener Intendant, brachte ein Hoch auf Leichner aus. vollen bürgerlichen Geltung betoiitzt ist, chre Aufgabe den Geh. "Rat Dr. Jordan bedauerte die Abtoeseüheit der Anforderungen einer neuen Zeit entsprechend erfüllen Famckie Wagner. Es folgten dann Gesangsvorträge. können. In der Schule werden wir gelehrt, stolz darauf Wie nach der ,^6-. A. Ztg." verlautet, ist der Kom- zu sein, daß die Frauen der alten ^eutscheti gEemsam nnt änerzienrat Leichner zum Geheinten Kommerzienrat ernannt den Mälinerti die Feinde von der Wagenburg zurück^ chorden schlugen. Auch heute drohen Feuide. Sie zu betampftn gilt pH gemeinsamer Arbeit. Daß Mann und Frau sich dazu --------------"7—“ 7 zr: . wieder siiiden, ist das Ziel und Ende der Frauenbewegung. Ile Krau als Aurgerrn. 1-- Den letzten Vortrag im öffentlichen Frauentag zu ,‘Sötn hielt Frl. H^elene Lange über die „Frau als Bürgerin". Der Jnhall des Vortrags läßt sich wie folgt wiedergeben: In einer Fachzeitschrift las ich vor kurzem eine Geschichte, die mir unwillkürlich in Gedankenverbindung zu dem Thema trat, das ich zu behandeln habe. Als in den 30 er Jahren dev vorigen Jahrhunderts die «rfte Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth gebaut werden sollte, wurde das bayrische Medizinalkollegium um ein Gutachten gebeten. Die ZNänner der Mssenschaft erklärten sich gegen die Eisenbahn, die Geschwindigteit würde Gehirnkrankhecken erzeugen, jedenfalls empfchle es sich, längs der Bahn einen zehn Fuß hohen Bretterzaun zu errichten. Die Geschichte des deuffchmi Frauenvereins weist ähnliche Erfahrungen auf. Als Luise Otto zum erstenmal den Gedanken der Frauerrbewegung auftoarf, waren auch die Männer der Wissenschaft dagegen, und einer führte die Sache zurück auf die wachsende Zahl ber unzufriedenen und nervösen Frauen und sagte dazu: Wie einst in den Zecken der Sittenverderbnis des Altertums steigt aus dem Schlamm die Emanzipation der Frauen empor. Heute aber brausen schon die ersten elektrischen Fernzüge dahin, ohne daß die Notwendigkeit der Bretterzäune sich herausgestellt hätte. In der Fraueiibetoegung aber gibt es Bretterzäune noch genug, und doch darf heute das Thema | „die Frau als Bürgerin" in allen ernst zu nehmenden -Kreisen auf eine sachliche und vorurteilslose Erwägung rechnen, denn die Entwicklung der Frauenftage hat die Frau bereits in vieler Hinsicht zur Bürgerin gemacht, hat sie in ein unmittelbares Verhältnis zu Staat und Gemeinde gesetzt. Eckie Kette von Tatsachen auf geistigem, wirtschaftlicyem und sozialem Gebiet hat dahin geführt. Auf geistigem Gebiet haben die Leistungen der Frau das Turchschnittsmaß der männlichen Leistungen überall da erreicht, wo volle Bckdungsftecheck herrschte. Auf ihre geistige Inferiorität läßt sich ihre bürgerliche Ab- hänaigkeit also nicht mehr stützen. Die llmwanolung aller Hroduckionsverhältnisse, die Entwertung der Hausarbeit eo O sr vH A «-* Q o C5 00 c .'Z CO 2 s?J 1-1 c w u 5< <4 5-> Z Es CD C <5 g. S Z «St ,5 Di isä s C «St c ‘-o .21 Ö5 ^7 g M-' -ZO c c-> >?5-O CO 5 w-. » s$ S « x8* -° “ ZZ . *CD L O L CD $> _,_* E^lC «St C-» £- -CGD Z ~~“ 5 Ö C -CD ?—t - — V c D OD CD « G.2i w c «st c T Cu LZ c 'c CO o <35 2 o O --§N L «3 g 2 ■g 2-vo® c i® - E c s c c _L o ° *2 c 4? u CD C sc s O 5 CD C - rr o «XQ Z u zd Ci e rt± c -° T» O _,_, C2.2- g — N I c o p CO o <35 -V «St" «St rr o >8'. 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Eintrittskarte« für Nichtmitglieder ä, 20 Pfg. im Zigarren» geschäft von Wilh. Möser, Sellersweg 63. Karten für Atitglieder sind nur zu haben bei der Trägerin des Volksboten sowie bei den Vorstandsmitgliedern Carl Beck, (Lrednerstraße 40, Kour. Graulich, Schiffenbergeriveg 58, Jac. Ritsert, Landmannstr. 6, PH. Wagner, Neustadt 4. Die Mitglieder seien noch hierdurch benachrichtigt, daß der Anfang auf 7 Uhr verschoben werden mußte, mit Rücksicht auf die am gleichen Tage stattsindende Friedhofs-Ginweihung. [7332 rs © S e g $-< 3 ä « o o A O oj> II. Kesstsch-Würirrgische Staatslotterie (Mitteldeutsche Staatsiotterie) Stefane V/L Klasse. (16. Tag) 1. ©Motor 1903; Alle Nummern, neben welchen nichts bemerkt ist, sind mit 206 Mark gezogen, (Ohne Gewähr.) 99 [400] 1055 370 420 615 [400] 901 2112 500 55 613 3065 580 90 680 896 4109 276 750 5888 925 84 6238 439 528 7075 93 267 420 528 [400] 99 615 778 9008 825 933 10299 362 11181 449 12032 1 3368 742 14286 323 419 544 97 765 15043 [400 u. e. Pr. V. 25 000] 115 415 658 67 77 16904 1 7412 743 18196 725 19005 20255 338 [1000] 98 [1000] 433 568 904 21325 533 719 859 2 2214 [400 u. e. Pr. v. 25 000] 575 752 99 [400] 831 23973 24193 558 [400] 853 25592 640 [400] 725 881 [400] 96 26364 938 68 27814 [1000] 960 28245 [>000 u. e. Pr. v. 50 000] 518 29432 71 688 30238 [400] 411 [400] 519 662 81 914 [400] 31425 518 611 [4001 56 32070 348 33020 550 34360 625 722 . 35168 414 74 [400] 797 953 [400 u. e. Pr. v. 25000] 36589 772 850 3 7083 192 416 563 38416 591 837 [400] 915 39713 846 40274 41295 538 [1000 u. e. Pr. v. 50 000] 845 42180 924 43628 910 44678 712 36 [1000] 49 81 876 46573 840 [400] 47324 48212 519 [40 000] 76 49018 381 [400] 50566 902 51157 5 2194 302 508 630 919 53288 [2000] 455 [1000 u. e. Pr. v. 50 000] 538 627 899 54035 [400 u. e. Pr. v. 25 000] 121 272 [400] 844 [1000] 55058 213 993 56170 382 576 860 5 7347 58386 [400] 952 [400 u. e. Pr. v. 25 000] 59770 942 [400] 99 60382 513 [1000] 61885 [400] 62144 245 723 63018 468 629 89 64134 65196 638 735 66284 833 67561 [400] 68161 351 419 966 69008 37 108 520 786 70385 974 71663 72928 [2000] 33 7 3151 509 638 932 74033 338 737 875 75651 846 T400 u. e. Pr. v. 25 000] 996 76068 198 579 81 620 724 77081 350 432 [400] 84 78179 289 487 [1000 u. e. Pr. v. 50 000] 518 837 949 99 [400] 80199 81276 630 [400] 790 [4001 927 [400] 66 [400 u. e. Pr. v. 25 0 001 82097 188 [400] 674 [1000] 83158 12000] 501 [2000 u. e. Pr. V. 100 000] 763 84001 107 [400 j 78 [400] 379 [400 u. e. Pr. v 25000] 495 509 [400] 638 763 85093 131 214 81 478 [1009] 691 871 86605 [400] 775 87868 88566 707 817 89130 312 90070 681 940 91529 98 815 57 92125 872 93788 95284 763 [400] 808 96448 600 97205 430 684 869 98160 556 82 99 142 [4001 46 809 Danksagung1 Für die vielen Beweise herzlicher Anteilnahme bei meinem schweren Verluste sage ich innigen Dank. Giessen, den 2. Oktober 1903. 7404 geöffnet. [74121 Der Vorstand. ! 7397 Die tkeftranerudeu Hinterbliebenen. Men-Buseck, Aachen, Gießen, New-York, den 2. Oktober 1903. 7418 Hochfeine, echte Unversucht schmeckt Mcfttsr sagt ein altes, aber wahres Sprichwort - Bei mir kann 7131 04785 AK P Samstag abend Svanlau. ^’l5,|iooooa.terGei(i"',ir,t.ll ?-------l_______ aeör. GeDetuUClWr W Ziehung garantiert 7. Oktober 1303 7405 -.za laben 6813 Reue Heller-Linsen der Deutsch - Kolonialen - Lotterie ZWKMW ■Y- •"< ■'■•■■vir..'-. aufgehoben haben. Frankfurt a. M., den 30. September 1903. Johannes Prang and Frau, Dachdeckermeister. Gießen, den 2. Oktober 1903. Die Beerdigung findet Montag den 5. d. MtS., vormittags 11 Uhr, auf dem alten Friedhöfe statt. Gießen, den 29. September 1903. Armenamt Gießen. Gurschmann. Kunstwerein. Die Gemälde - Ausstellung im Turmhaus am Brand ist von Sonntag den 4. 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Betreffend: Die ärztliche Behandlung der Stadtarmen. zurück.^ ^valdozent Dr. Voihard ist von der Reise wieder Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des HinscheidcnZ und der Beerdigung unfereS lieben, unvergeßlichen Vaters, Schwiegervaters und Großvaters weltberühmtes Fabrikat, neues Snnerfrnnt n. neue Linsen empfiehlt 7201 Georg Wallenfels Marktplatz 21. Telephon 46. und neue Linsen empfiehlt 6995 ChristianWallenfels 17 Marktplatz 17 am Kriegerdenkmal. Telephon 262. Gegründet 1826. Wir beehren uns, hiermit ergebens! mitzuteilen, daß wir mit dem heutigen Tage die Vertretung unserer Firma durch HkM BÄax Weissbäekes* Gietzen, Steinstrasze 12. Große Auswahl in allen er- Äe,,HaassciiMlieB von 70 Pfg. an empfiehlt [7214 Franz Neumeier, Sonnenfir. 20—22 ßCtdtCltt werden. Ludwig Kohlermann, Bleichstrage 12. Durch Hwetschenhouig- Knlsäuerungs- Gewürzpnlvcr spart man Zucker. Portion für einen Kessel voll 50 Pfg. 7321 Adler-Drogerie, Seltersweg 39. 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