Nr. $105 TrscheiA t tägrich außer S onntags. Dem Gieß« rerAnzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Glesien« m Kamillen' blätter viemnal in der Woche beigelegt Rotationsd« ^ck u. Verlag der Br ühl'schen Untoers.-Br i(f)»u.©tein- druckerei(P'!etschErben- Reüaktto». Eroedition Gchalstr aße 7. Adresse für Depesche:,r «uzetger « "etz-n. Fernsprcchanschl ußNr.51. Erstes Blatt. 153. Jahrgang Mittwoch 2. September 1903 JBßKBt O Jk n—Ä BezugSpretS; UÄ W monatlich75Pi.,viertel» Kietzener Anzeiger eenmWligeiger " ES Amts- md Anzeigeblatt für den Kreis Sichen WtzZ KSEaCTPTHmffliriri T ilifi |i iiii jul । tu .■in iij *** zeigentetl: Han« Beck. KeKanntmachung. Betr.: Das Großherzoglich Hessische Regierungsblatt. Die bis 1898 erschienenen Jahrgänge des Großherzog- lichen Regierungsblattes sollen von heute ab, so lange der Vorrat noch reicht, zu ermäßigten Preisen verkauft werden, und zwar: die Jahrgänge statt bisher zu jetzt zu 1821—1837 Mk. 2.— Mk. 0.60 1838—1^877 „ 5.— „ 1.— 1878—1898 „ 5.— „ 2.— Hauptteil 1878—1898 „ 2.— „ 0.60 Beilage. Bestellungen nimmt die unterzeichnete Buchhandlung ent-- gegen. Darmstadt, 21. August 1903. Die Buchhmrdlung Großherzoglichen Staatsverlags. Kklranntmnchuilg. Die unterm 14. Juli 1903 angeordnete Sperre der Sandgässe, zwischen Marktstraße und der Straße „In Löber's Hof", wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 2. September 1903. Großhierzogluhes Polizeiamt Gießen. WoviarchrnzusammcnKünste. Ter Umstand, daß König Christian von Dänemark in diesem Herbste sein vierzigjähriges Regie r u n g s j u b i 3 ä u m .feiert, bringt eine Monarchen- zusammenkunst auf Schloß Fredensborg für Mitte September. Tic Zahl' der fürstlichen Gä.ste wird außerordentlich groß sein; albe Erwarteten treffen ein, nur von einem Kommen Kaiser Wilhelms war bisher nicht die Rede. König Christians erster Gast ist Prinz Georg von Griechenland, der Generalgouverneur von Kreta.—In wenigen Tagen trifft das Sech Westernpaar, die Kaiserin-Witwe Maria F e o d o r o w n a von Rußland und Königin Alexandra von England, in Fredensborg ein, und gleichzeitig w ird K ö nig Georg von Griechenland erwartet. Am 9. September wird dann König Oskar von Schweden mnd Norwegen dem Nachbarmonarchen einen Besuch abstattten, und vom 16. bis 20. September wollen der K a i s e z und die Kaiserin von Rußland in Fredensborg Aurfenthalt nehmen, um direkt von hier nach D a r m st a d t , zu reisen. Gleichzeitig soll König Ed u a r d von E n g land kommen wollen. Endlich wird noch ein seltener Gapt eintreffen: die Königin-Mutter von Italien, die sich augenblicklich auf einer Nordlandreise befindet, hat ihren Besuch auf Fredensborg für den 10. September angemeldet. Es liegt nahe, arczunehmen, daß das Zusammentreffen |o zahlreicher gekrönter Häupter in diesem Falle lediglich als eine Familienzusammenkunft zu betrachten ist, umsomehr, als einige bac aus dem dänischen Schlosse Fredensborg versammelten Monarchen wenige Tage später in D armst ad t bei den Hochzeitsfeierlichkeiten der Prinzessin Alice von Battenberg mit dem Prinzen Andreas von Griechenland, die dort am 6. und 7. Oktober stattfinden, wie uns heute ein Privattele- gramm aus Darinstadt meldet, wiederum miteinander zusammen treff em. Einen Versuch, der M o n a r ch e n- begegnung in Darmstadt politische Bedeutung z u zu s ch r e i b a n , hat vor einigen Tagen das Kopenhagener Organ „Politiken" gemacht. Das Blatt stellt den Prinzen Georg von Griechenland, den Generalgouverneur von Kreftr, in den Mittelpunkt des Interesses und meint, es handiie sich sozusagen um eine „Versetzung" des Prinzen von Kreita nach Macedonien. Auf Kreta seien geordnete Zustände erreicht, und die Vereinigung der Insel mit Griechenland fei nur noch eine Frage der Zeit. In Macedonien aber k'dnnten sich die Verhältnisse sehr bald so entwickeln, daß d-ie Mächte daselbst für einen christlichen Fürsten als Kommissar Verwendung hätten, und Prinz Heorg rechne mit trieser Möglichkeit. Wir unsererseits glauben weder an eine.politische Bedeutung der Tage von Fredensborg noch der von Darmstadt. Unser DarmMoter Privattelegramm hat folgenden Wortlaut: sd. Darmstadt, 2. Sept. Zu den Ho chzeits feier lich- teiten am 6. und 7. Oktober liegen hier bisher die end- giltigen Zusagen folgender Fürstlichkeiten vor: des Kaisers von Rustand, des Großfürsten Sergius, des Prinzenpaares Heinrich vmr Preußen, der Könige von Griechenland und DünemaÄ und des Prinzen von Wales. Kaiser Wilhelm hat eiiijc Zusage noch nicht hierher gelangen lassen. Also König Gduard wird nicht selber in Darmstadt anwesend sein, sondern sein Sohn, der englische Thronfolger, wcrd ihn rertrete-a, und des Kaisers Kommen ist noch unbestimmt. So darss bei einem solchen Familienfeste auf politische Beratungen von Wichtigkeit leineswogs gerechnet werden. „ Ter Besuch d«s Zaren in Wien wird, tote eine halb- offizielle Korrespondenz aus diplomatischen Kreisen er- sährt, bereits für Anfang September erwartet. Volttische Tagesschau. Die Ergebnisse des Reichshaushaltsetats. Ter „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ergebnisse des Reichshaushaltsetats für das Rechnungsjahr 1902. Danach ergibt der Finanzabschluß der Reichshauptkasse einen Fehlbetrag gegen den Etat von 30 7 2 2 5 2 1,6»4 Mk. (21 988 127,74 Mk. Mindereinnahmen und 8 734 393,90 Mk. Mehrausgaben). Von den Mehrausgaben sind hervorzuheben: beim Auswärtigen Amt 693 000 Mark, beim Reichsheer 1 93 3 000 Mk. (Es waren nämlich bei den fortdauernden Ausgaben 3 262000 M?., bei den einmaligen 297 000 Mk. mehr erforderlich, während 1626 000 Mk. Mehreinnahmen aüfgekommen Md.) Die Mehrausgaben der Marin ev e r w alt u n g betragen 7 28 000 Mark. Bei den eigenen Fonds des Reichsschatzamts ist eine Ersparnis von >971000 Mk. zu verzeichnen. Tie Mehreinnahmen aus dem Mün^wesen belaufen sich aus 1 9210Ö0 Mk. Tie Verwaltung der Reichsschuld erforderte eine Mehrausgabe von 2 926 000 Mk. und die des Reichsinvaalidenfonds eine solche von 2 001000 Mk. infolge der verstärkten Fürsorge für die Kriegsinvaliden. Bei den ordentlichen Einnahmen sei bemerkt: Die Zölle und die Tabaksteuer brachten ein Mehr von 13 860000 Mk. gegen den Etat, die Ver- brauchsabgabe für Branntwein ergab eine Minderes n n a h m e von 3 253 000 Mk. und die Reichsstempelabgabe eine solche von 2 203000 Mk.; diese den Bundesstaaten zustehenden Steuern ergaben einen Mehrertrag von 8 404 813,57 Mk., welcher zur Tilgung der durch den Rerchs- haushaltsetat von 1903 bewilligten Zuschußanleihe zurückbehalten wird. Die durch das Gesetz vom 9. März 1902 eingeführte Schaumweinsteuer brachte 2 750000 Mk. ein, die Brennsteuer weist eine Mehreinnahme von 4 818 000 Mark aus. Mindereinnahmen ergaben: Die Zuckersteuer 16 731000 Mk., die Maischbottichsteuer 917 000 Mk., die Brausteuer 2 464 000 Mk., die Wcchselstempelsteuer 738000 Mark. Bei der Post- und Telegraphenverwaltung beträgt der Ausfall 3 397 000 Mk., die Verwaltung der Reichs- eisenbahnen hat einen Mrnderüberschuß, von 644000 Mk., die Reichsdruckerei einen Mehrüberschuß von 647 000 Mk. Tie Einnahmen aus dem Bankwesen weisen einen Minderertrag von 9 093000 Rck. Üuf. Deutschland contra Chamberlain. Ter „Daily Expreß" bringt ein angebliches Cirkular eines deutschen Professors, der natürlich unge^ nannt bleibt, worin deutsche Großsirmen zu Geldbeiträgen zur Bekämpfung Chamberlains in den englischen Wahlen ersucht werden. Ter Anonymus schlägt die Errichtung offizieller deutscher Preßbureaus in London und eine Subventionierung des Kobdenklubs vor, ferner die Bestechung englischer Politiker und eine regierungsseitige Bedrohung des Projektes kolonialer Preserenzzölle mit prohibitivem Zoll auf englische Güter. Tas angebliche Cirkular erklärt Deutschland für den Erben der englischen Kolonien und ruft aus: „Tie deutsche Erbschaft wird vernichjteh, wenn Chamberlain feine imperialistischen und fiskalischen Projekte ausführt, welche die gegenwärtige hilflose Sammlung der stagnierenden Nationen in ein yomogencres fortschrittliches Reich, verwandeln würden. Kein Mittel und keine Kosten sollten gespart werden, um Chamberlain zu vernichten." Tas Machwerk charakterisiert sich selbst als Mystifikation oder Ausbruch eines. chauvinistischen Narren. Tie Publikation durch den „Daily Expreß" wäre kaum der Meldung würdig gewesen, aber einzelne Chamberlain- Blätter fallen schon begierig darüber her und nehmen den Rus aus: „Wer nicht für Cyamberlain stimmt, stimmt für den deutschen Na tionalfeind." Deutsches Keich. Berlin, 1. Sept. Bei günstigem Wetter fand heute die große Parade des Gardekorps statt, die der Kaiser abnahm. Derselben wohnte die Kaiserin mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise, die hier anwesenden Fürstlichkeiten und die fremdherrlichen Offiziere bei. Nach dem Abreiten der Fronten folgte ein zweimaliger Vorbeimarsch. Der Kaiser hielt die Kritik ab, und kehrte dann an der Spitze der Fahnen und Standarten nach dem Schloß zurück. — Wie der „Rcichsanz." meldet, hat der Kaiser die Generalobersten von Hahnke und Graf Häseler zu Mitgliedern des preuß. Herrenhauses auf Lebenszeit berufen. — In dem Telegramm, welches der bayrische Minister- wäsident Frhr. v. Podewils anläßlich der Ernennung des Freiherrn v. Stengel zum Reichsschatzsekretär an den Reichskanzler Grasen Bülow sandte, gibt er seiner Freude darüber Ausdruck, durch den Vorschlag dieser Wahl einen erneuten Beweis der vertrauensvollen Beziehungen haben geben zu könpen,^ welche Preußen und Bayern zum Frommen des Reiches verbinden. — Aus das Telegramm, in dem Pfarrer Dr. Naumann den Vorsitzenden des liberalen Wahlvereins Direktor Schrader über das Ergebnis des national- ozialen Parteitages Mitteilung machte, hat Schrader ein Antworttelegramm gesandt, in welchem er 'eine große Freude über den Anschluß von 111 national- ozialen Delegierten an die Freisinnige Vereinigung und die zuversichtliche Hossnung ausspricht, daß, „wer in einmütigem, eifrigem Zusammenwirken den Ernfluß des Liberalismus bestärkt, die Schassung fteiheitttcher, sowie sozialfort- 'chrittlichcr Gesetze und Maßnahmen fördern und dadurch Deutschlands Größe und innerem Frieden dienen werde. — Vom 9. bis 12. September tagt in Straßburg i. E. der Deutsche Anwaltstag. Seine Tätigkeit wird sich vornehmlich mit dem Bericht der Kommission über die zur Gründung einer Ruhegehalts-, Witwen- und Waisenkasse vorgelegten Vorschläge befassen. Als weitere interessante Punkte der Tagesordnung seien hervorgehoben: Mittel zur Abkürzung der Zivilprozeßdauer; über die Stellung der Verteidigung im Strafprozeß und ferner die Frage, ob und inwieweit eine Bestrafung uneidlicher falscher Zeugenaussagen anzustreben sei. — Die Taufe des Linienschiffes L wird aus Wunsch des Kaisers der Großherzog von Hessen vollziehen. München-Gladbach, 1. Sept. Wie Lic. Weber in einer Versammlung evangellscher Arbeiter mitteilte, wird demnächst eine Ze n t r a l st e l l e für dasevange- l i s ch e Deutschlan d mit dem Sitz Berlin errichtet werden, um durch soziale Reform die soziale Revolution zu überwinden. Beteiligt sind u. a.: die evangelischen Psarrervereine und Lehrervereine, der Evangelisch-soziale Kongreß,' der Teutsch-evangelische Frauenbund, die Allgemeine Konferenz der Sittlichkeitsvereine und der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine Deutschlands. Metz, 1. Sept. Tie fortgesetzt von der Typhusgefahr bedrohten Gesund heitsverhältnisse der Stadt Metz haben vor wenigen Tagen den Kaiser zum Einschreiten veranlaßt. Er entsandte folgendes Telegramm an den Statthalter Fürsten Hohenlohe-Langenburg: Wiederum, wie in den letzten Jahren, ist in Metz, vorläufig in der Zivilbevölkerung, eine Typhusepi- demie ausgebrochen, welche die Garnison ernstlich gefährden kann. Sie hat ihren Ursprung in der schlecht verwahrten „Bouillon-Quelle" und ihrer in unerhörtem Zustande befindlichen Leitung. Diese Sachlage ist lediglich Schuld derStadtverwaltungMetz, welche absolut nicht zu energischem Handeln bezüglich ihrer Wasserversorgung sich entschließen kann. Laut Nteldung der Kommission, welche im Vorjahr die sanitären Verhältnisse in Metz und Umgegend untersuchte, —darunter Exzellenz von Leuthold und Koch — sind die Zustände geradezu himmelschreiend und empörend; trotz allen Trängens und Protestierens des Generalkommandos des 16. Armeekorps, welches andauernd auf die schwere Gefahr für das Militär hingewiesen und das Wasser als unbrauchbar bezeichnete, hat die Stadt nichts ernstes getan! Tas ist nun nicht länger angängig! Im Kriegsfälle würden diese Zustände eine Katastrophe unvermeidlich zur Folge haben. Ich ersuche Ew. Durchlaucht umgehend mit den aller- schärfsten Mitteln den Zuständen ein Ende zu machen, und die Stadt zu ihrer Pflicht zu zwingen. Wilhelm. Hierauf depeschierte Statthalter Fürst Hohenloye sofort an den Metzer Stadtvorstand, daß, wenn nicht schleunigst Abhilfe geschaffen würde, die Sanierungsarbeiten von der Landesverwaltung auf Kosten der Stadt in Angriff genommen werden würden. Am 30. ging dem Statthalter vom Bürgermeister in Metz die Meldung zu, daß mit den Sanierungsarbeiten begonnen fei. Konstanz, 31. August. Der Großherzog von Baden empfing heute aus der Mainau den Präsidenten des gestern in Basel geschlossenen Z i o n i st e n - K o n g r e s s e s, Dr. Theodor Herzl-Wien, in längerer Audienz. Kolonialpost. — Aus Bremen wird gemeldet, daß der Norddeutsche Lloyd plant, im deutschen Bismarck-Archipel, und zwar in der Blancolbucht zwischen Matupi und Mala- gunan, einen gegen die Pafsatwinde geschützten Hafen und Pieranlagen herzustellen. Ausland. Paris, 1. Sept. Eine Abordnung der Gesundheitskommission wird sich in nächster Zeit nach Deutschland begeben, um die Fragen der Wasserversorgung, der Bekämpfung der Tuberkulose und der epidemischen Krankheiten, sowie der Ernährung und Fleischversorgung des deutschen Heeres zu studieren, in welchem die Zahl der Todesfälle geringer als in der französischen Armee ist. Die Kommission begiebt sich über Aachen, Düsseldorf und Hamburg nach Berlin. Auch Dresden, Leipzig, Frankfurt und Straßburg sollen besucht werden. Petersburg, 1. Sept. Amtlich wird bekannt gegeben» daß der Präsident des Ministerkomitees, v. Witte, in den Reichsrat berufen worden ist. Rew-Pork, 1. Sept. Die „New Port Times" melden aus Costarica: In Panama ist wegen Ablehnung des Hay-Herran-Vertrages eine Revolution ausgebrochen. Die Indianer haben sich erhoben. Die früheren Anhänger des Generals Herrera warben in den Bergen 1000 Mann an. Die Regierungstruppen von Panama, deren Zahl weniger als 1500 beträgt, sollen der Revolution günstig gesinnt sein weil sie schlecht bezahlt sind. Kus dem Klient. Tie Preßpolitiker in Newport sind sich noch nicht einig, was die in die türkischen Gewässer beorderten amerikanischen Kriegsschiffe nunmehr zu vollbringen haben, da es keinen Gesandrenmorv zu sühnen gibt. Tie „World" will bei dieser Gelegenheit reinen Tisch gemacht, d. h. si inici)c amerikanischen Forderungen an die Türlei beigeli.ieben wissen, eventuell unter Blockade der türkischen Häfen und Anwendung von Repressalien gegen den türkischen Handel. Dieser unvernünftigen Anregung stefit eine vernünftige gegenüber, nämlich die der „Evening Post", die den Präsidenten Roosevelt ausfordert, die Schiffe zurückzuziehen. Ties ist auch vom Standpunkte der europäischen Mächte, die auf dem Balkan interessiert sind, nur zu wünschen. Durch ein rigoroses Vorgehen der Vereinigten Staaten gegen die Pforte würde die orientalische Frage in der bedenklichsten Weise kompliziert, wie sich denn überhaupt das Auftreten des amerikanischen Elements im Orient als unheilvoll erwiesen hat. Daß die Verhandlungen der Mächte mit der chinesischen Negierung nach den Wirren sich in die Länge zogen, war bekanntlich gleichfalls den amerikanischen Quertreibereien aufs Konto zu setzen. Vielleicht ist Präsident Roosevelt doch noch besonnen genug, sich nicht mit politischen Abenteuern in Europa zu befassen. Immerhin ist die Hoffnung darauf gering angesichts der hartnäckigen Konsequenz, mit der die amerikanischen Vertreter trotz aller türkischer Dementis die Sache als ernsthaft beurteilen. Staatssekretär Hay erhielt von dem amerikanischen Konsul in Beirut, Raondal, das erste direkte, vom 31' August datierte Telegramm, lautend: „Der A n s ch l a g aus das Leben Magelsens ist fehlgeschlagen. Er ist demselben nur mit knapper Not entgangen und trug keine Verletzungen davon." Ein von Belgrad aus verbreitetes Gerücht, daß das macedonische Komitee die Ermordung eines eng lisch en Konsuls oder eines englischen Zeitungskorrespondenten .sowie ein Bombenatten tat gegen die in Mon astir befindliche amerikanisch e Mission beschlossen hätte, wird von feiten des Komitees als eine böswillige Erfindung bezeichnet. Im Gegenteil sei kürzlich beschlossen worden, den Bandenführern aufs strengste ein- zulchärsen, Ausschreitungen gegen die christliche Bevölkerung sowie gegen die Fremden zu vermeiden und diese nach Kräften zu schützen. Ferner verlautet, das macedonische Komitee habe seine Forderungen selbst an die allerhöchste türkische Stelle gerichtet. Die Ueberwachung des Jildis und und des Zentraldepartements wurde' deshalb neuerdings verschärft. Auch dre russische Botschaft soll Drohbriefe erhalten haben. — Nachrichten aus Adrianopel zufolge, ist der Kommandant von Kirküisse, Wehbi Pascha, abgesetzt und durch den Generalstabsoberst Jsrnai Bey, der zum Generalmajor befördert worden ist, ersetzt. Ein Dorf im Bezirk Tibre im Wilajet Monastir ist angezündet worden. Es wird fortgesahren, die Dörfer in der Gegend von Kaza und Sischewo einzüäscher«. — Nach gestrigen telegraphischen Mitteilungen aus türkischer Quelle sollen mehrere Banden auf Beschluß der jüngst in Sofia stattgehabten Versammlung der macedonischen Komitees vorbereiten, die Grenze bei Küstendil und Bidwitza zu überschreiten. Im Verlaufe des bei dem Dorfe Smi- lewo im Bezirk Kazzagostos, Wilajet Monastir, stattgehabten Zusammenstoßes wurde eine 60 Mann starke Bande gänzlich aufgerieben. Während 9 Tagen sind im Wilajet Monastir über 300 Komitadschi getötet und verwundet worden. Bei Tirnowo fanden drei N a ch t kä m pf e statt. Seit der Ankunft des Kommandanten der Artillerie aus Adrianopel, Schukri Pascha, ist die Verfolgung der Banden wesentlich wirkungsvoller. Einige kleine Truppen- und Gendarmerieabteilungen aus Kirkilisse und Tirnowo werden seit Beginn der Bewegung vermißt. Es wird geglaubt, daß jie sich in den Gebirgs- und Waldgegenden verirrt haben. Tie Abwanderung der Bewohner des Grenzgebietes nach Kirki- lisse dauert fort. — Komiteebanden griffen seit dem 18. August drei Grenzwachthäuser an und steckten diese in Brand. Von den 25 Mann der Besatzung retteten sich 9. Tas Strumitzagebiet befindet sich nunmehr ebenfalls in vollem Aufruhr. Hierdurch wird die Situation für Bulgarien kritisch. Aus Konstantinopel wird noch der „Frkf. Ztg." berichtet: 200 Bulgaren, unter denen die Polizei vier Mitglieder des Komitees gefunden haben will, wurden verhaftet. Bei Monastir wurde eine große bulgarische Bande aufgerieben, 20 Insurgenten wurden getötet. _Jn Petersburger diplomatischen Kreisen verlautet, daß Rußland demnächst die Frage wegen Ernennung eines christlichen Gouverneurs für Macedonien bei den Vertragsmächten anregen werde. Das Fest der Thronbesteigung des Sultans wurde am 1. d. M. in Konstantinopel in feierlicher Weise begangen. Es verlief ohne Zwischenfall. Bei dem aus diesem Anlasse stattfindenden Empfange hielt der ökumenische Patriarch im Namen sämtlicher erschienenen Oberhäupter der verschiedenen Kirchengemeinden eine Ansprache, in der er unter anderm sagte: Indem wir unser Antlitz mit Abscheu von den Uebeltätern abwenden, und ihre Handlungen nicht billigen, vertrauen wir auf das Wohlwollen Ew. Majestät. Die internationale Bereinigung zum Studium der Wittelstandsfrage. Stuttgart, 1. Sept. Der internationale Mittelftandskongreß zu Antwerpen hatte eine Kommission mit der Aufgabe betraut, zur Konstituierung eines internationalen Verbandes für den Mittelstand und Errichtung einer internationalen Sammelstelle des aus den Mittelstand bezüglichen Materials die vorbereitenden Schritte zu tun. Tie Kommission hat zahlreiche Autoritäten verschiedener europäischer Staaten auf dem Gebiete der Mittelstandsfrage nach Stuttgart zu einer Versammlung eingeladen. An den Beratungen, die heute begannen, nahmen u. a. teil: als Vertreter des Ministeriums des Innern Ministerialdirektor v. Mosthaf, Präsident Heiligenstädt, Direktor der preußischen Zentral-Ge- nossenschaftskasse, als Vertreter des Landesverbandes bayerischer Handwerkergenossenschaften Dr. Kroidl^ Professor Blondel-Paris, Ministerialdirektor Stevens-Brüssel, Professor Brants-Löwen re. Ministerialdirektor Stevens als Liel der Vereinigung, das Material über alle Mrttelstandsfragen und alle sich mit der Mittelstanös- srage beschäftigenden Bücher zu sammeln. Bei der Beratung der Statuten empfiehlt Präsident Heiligen städ t i)te Ausdehnung der Arbeiten sowohl auf den städtischen als den ländlichen Mittelstand, denn bei dem ausgebildeten x ä äb un^_ allgemein geübten Freizügigkeit E^blstandes ließen sich städtischer und ländlicher gar Nicht trennen. Aus einem Kataster über das ganze Gel- nojtenschaftsweseri in Deutschland, das gegen Ende dieses oder anfangs nächsten Jahres erscheinen werde, ergebe sich, dag eme solche Unterscheidung unmöglich k Man accep- .daraufhin die Ausdehnung der Adelten auf den ländlichen und städtischen Mittelstand. Die hauptsächlichsten Bestimmungen der Statuten des neuen Verbandes besagen: „Zum Studium und zur Er- rterung der Mittelstandsfrage wird eine internationale i Vereinigung gegründet, in welcher die Behandlung konfessioneller und politischer Fragen selbst dann ausgeschlossen bleiben soll, wenn sie die Interessen des Mittelstandes zu berühren scheinen. Ter Verband verzichtet auf jede Propaganda zu Gmlsten eines Reformprogramms und auf jede Beeinflussung der bestehenden Interessengruppen für die allgemeinen und persönlichen Studien seiner Mitglieder. Der Verein kann auch die Veranstaltung von Kongressen unterstützen, die Nichtmitgliedern zugänglich sind." Tas Präsidium des Verbandes wechselt alle drei Jahre unter den dem Verbände angehöreuden Ländern. Für die nächsten drei Jahre wurde es Teutschland übertragen, nach,- dem die belgischen Vertreter abgelehnt hatten. In der Nachmittagssitzung fuhr der neu gegründete Verband in der' Beratung der Statuten fort. Die Arbeit des Verbandes ist in der Weise gedachh, daß die Mitglieder des aus je zwei .Vertretern der verschiedenen Länder bestehenden Ausschusses das Material in den Ländern sammeln und an das Sekretariat, dessen Sitz in Brüssel ist, ein senden. Mit dem Sekretariat ist eine Zeutralbibliothek und ein Archiv verbunden. Eine Veröffentlichung des Ma- terials erfolgt nach Weisungen des Ausschusses.__________ Aus Atadt und Lund. Gießen, 2. Sept. 1903. * * S. K. H. der Großherzog wird, wie wir hören, am 10. d. Mts. um 12 Uhr hier eintreffen, sich sofort zur landwirtschaftlichen Ausstellung begeben, bis etwa 2 Uhr dort verweilen, an dem Essen teilnehmen und wohl um 3 Uhr etwa unsere Stadt wieder verlassen. * * Die in Gießen einquartierten 118er werden am Donnerstag, den 3. September, im Garten des Neuen Saalbaus ein großes Extrakonzert veranstalten. Die Kapelle hat bereits am Sonntag in Klein-Linden gezeigt, daß sie hohen Anforderungen gewachsen ist. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. * * Die 117er aus Mainz werden am Samstag dem 5. September im Jagdschlößchen zu Dutenhofen konzertieren. * * Haupttreffer. Ein erheblicher Teil des Haupttreffers, 25 000 Mark, der Gothaer Lotterie fiel auf Nummer 11602 in die Kollekte des Hauptkollekteurs Werler in Gießen. * * Ein Eisenbahnunfall hat sich gestern, wie uns ein Mitreisender mitteilt, zugetragen. Der fahrplanmäßig 5.45 abends von Frankfurt a. M. nach Kassel abgelassene Personenzug hatte kaum den Bahnhof Frankfurt verlassen, als ein anscheinend in den 30er Jahren stehender Mann von der Böschung aus sich über die Schienen legte, wobei ihm der Kopf abgefahren wurde. Mit Ausnahme der letzten vier Wagen ging der ganze Zug über die Leiche hinweg. Es entstand eine Zugverspätung von nur ca. 6 Minuten. X Kinzenbach, 1. Sept. Die reiche Zwetschen- e rnte, die uns die Gunst des Wetters in Aussicht stellt und einigermaßen das fast gänzliche Fehlen der Aepfel verschmerzen läßt, scheint sehr frühe ihren Anfang zu nehmen. Kaurn zeigen die Zwetschen das erste Blau, so beginnt auch schon eine starke Nachfrage. Auswärtige Händler wetteifern im Kaufpreis miteinander, indem sie die Zwetschen schon in Waggonladungen aufkaufen. Während in der vorigen Woche ür den Zentner 2.80 Mk. geboten rvurden, hat sich in diesen Tagen ihr Preis schon auf 3.30 Mk. erhöht. Bei solchen: Angebot schlagen unsere Landleute so viel los als sie abernten können. k- Lich, 1. Sept. Tie Weiterführung der nahezu vollendeten Bahnstrecke Butzbach-Lich über unsere Stadt hinaus bis Grünberg beschäftigt schon jetzt die in Betracht kommenden Gemeinden sehr lebhaft. In aller Kürze soll in unserer Stadt eine Versammlung der Bürgermeister der Gemeinden Nieder-Besfingen, Ober-Bessingen, Münster, Ettingshausen, Queckborn und Grünberg stattfinden. Auch die Landtagsabgeordneten werden daran teilnehmen. Erst nach Weiterführung bis'Grünberg wird die Bahn ihren vollen Wert erhalten und für den Bergbau und die Industrie ein neues Gebiet erschließen. Queckborn besitzt ein großes Holzschnerdewerk und bedeutende Lungsteinbrüche, Ettingshausen und Ober-Bessingen sind reich an vorzüglichen Basaltlagern, und bei Münster liegen Braunkohlen. Tie Gemarkungen Ettingshausen und Nieder-Bessingen besitzen viel Roteisenerze; die Gruben mußten vor Jahren infolge zu hoher Transportkosten eingestellt werden. Alle diese Bodenschätze würden durch die Bahnstrecke an Wert gewinnen, den betreffenden Gemeinden Verkehr und Industrie und den Bewohnern Verdienst bringen. -i- Friedberg, 1. Sept. Heute fand die Entlassung der Kandidaten des evangel. Predigerseminars statt. Das Seminar wurde im abgelaufenen Semester von 18 Herren besucht, von welchen 12 entlassen wurden. Voraussichtlich treten nur sechs Kandidaten ein. — Nächsten Sonntag findet auf der städtischen Seewiese ein großes Jugendfest verbunden mit Sedanseier statt. — In Bruch en-Brücken brach gestern nachmittag Feuer aus, wobei die mit Getreidevorräten gefüllte Scheune des Gemeindeeinnehmers ein Raub der Flammen wurde. Z Schotten, 1. Sept. Kreisstraßenmeister Hohenadel t mit dem heutigen Tage in den Ruhestand getreten. Nahezu 35 Jahre stand er im Dienste des Kreises. Den Rest seines Lebens gedenkt er bei seinem Sohne (Uhrmacher Hohenadel) in Vilbel zu verbringen. -h- Vom oberen Vogelsberge, 1. September. Der Hagelschaden, den das Unwetter vorige Woche verursachte, i't größer, als man anfangs dachte. Jeden Tag begehen Taxatoren der verschiedenen Hagelversicherungen die Felder. Viele Landwirte erhalten ganz ansehnliche Beträge. Darmstadt, 1. Sept. Seine Königliche Hoheit der G r o ß h e r z o g wohnten gestern vormittag auf dem Truppenübungsplätze den Besichtigungen der Infanterie-Regimenter Nr. 115 und 168 durch den Herrn Kommandierenden General bei. RB. Darmstadt, 1. Sept. Die Großh. Landesbrand küsse wird auch in diesem Jahre wieder ansehnliche Beträge aus ihren Ueberschüssen an alle diejenigen Gemeinden Hessens verteilen, welche eigene Wasserleitungen besitzen und die für die Benutzung bei Bränden erforderlichen Hydrantenanschlüsse eingerichtet haben. Es ist bekanntlich statutenmäßig ein Teil des Ueberschusses an diese Gemeinden zu überweisen, der als Beitrag zu den Kosten des Feuerlöschwesens derselben bestimmt ist. Für Darmstadt soll diesmal der zu überweisende Betrag aus den Ueberschüssen sich auf etwa 30 000 Mk. belaufen. -k- Mainz, 1. Sept. Eine s ozia ld e m o kr a ti s ch e T e l e g i e r t e n v e r s a rn in l u n g des Wahlkreises Mainz- Oppenheim beschloß . betreffs des Rei ch s t a g s p r ä di ums, die Angelegenheit der Reichstagsfraktioiu zur Erledigung zu überweisen. Ferner nahm die Versammlung eine Resolution an, nach welcher die alljährlicsie Maifeier auf Temonstrationsversammlungen am Abend beschränkt werden soll. — Wie die „M. N. Nachr." wissen wollen, werde der Raubmörder Tetrojs, der anfangs dieses Jahres in Sponsheim seine Tun ie beraubt und ermordet hat und dieserhalb zum Tode verurteilt wurde, kommenden Samstag hin gerichtet werden., da der Großherzog die Begnadigung versagt habe. Eine Bestätigung der Mitteilung bleibt abzuwarten. — Die Eröffnung der hiesigen T h e a l e r s a i s o n findet am 15. September statt und zwar mit Gorkis „Nachtasyl", dem als erste Opernvorstetluug Wagners „Walküre" folgt. Tue alsdann zunächst zur Aufführung gelangenden Werke si.td der Wajsenschmied, Loqe^Mn, Traviara, Trompeter, Vogelhändler, Landstreicher, Hochtourist, Liebesschaukel und Romeo und Juliei sc. Wiesbaden, 1. Sept. Louis A otha trifft nächste Woche zu längerem Kurgebrauche h ier ein. Er nimmt in der Villa „Prinzessin Luise" Wohn ung. In der Villa wohnt schon sett längerer Zeit Bothas Schwester. sc. Hanau, 1. Sept. In Mittelbucyen ertränkte sich die Frau des Cigarrenarbeiters W. Kaiser I. in einer Jauchengrube. Als Motiv der Tal. wird längere Krankheit angegeben. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Nach dem Monatsbericht der Arbeiterkolonie Neu- lllrichstein für August befanden sich dort Ende August stellen-, bezw. arbeitslos 52 Mann. — Der neue Oberpräsident von Hessen-Nassau, v. Wi.ndheini, ist in den Ehrenausschnß des Stenographen-Verbandes Stolze- Schrey für den bevorstehenden Stenographenkag in Frankfurt a. Dl. eingetreten. — Die Enthüllung des Grabdenkmals für den verstorbenen Ehrenbürger deic Stadt Frankfurt a. M., Staatsmiuister Dr. v. Miquel, auf dem Frankfurter Friedhof hat der Aiagistrat auf den 8. September, abends 6 Uhr, festgesetzt. — Das Königl. Proviantamt in Hanau hat mit dem Ankauf von Roggen und Hafer begonnen; auch wird der Ankauf von Heu, Roggen-Flegel- und Roggen-Maschineustroh nach Aiaßgabe der verfügbaren Räume fortgesetzt. Die Lieferungen haben frei Magazinhof Hanau auf Gefahr des Verkäufers zu erfolgen. Mrmljchtrs. * Berlin, 2. Sept. Ter Berliner Preßklub hielt gestern eine Sitzung ab und beschl oß, das von den Direktoren der P v m m e r n b a n t seinerz/.it ausgeuommcne Tarlehen im Betrage von 25000 Ml. zucückzuzahlen. Der Vorstand wurde beauftragt, der nächsten Sitzung die er- orderlicheu Vorschläge zu machen uno durch Umfrage sest- zuslellen, mit welchen Beiträgen die Mitglieder des Klubs an der Aufbringung der Summe sich beteiligen wollen. * Kottbus, 1. Sept. In der letzten Nacht tötete der Seemann Friedrich Krause seine Geliebte, die Kellnerin Klara Schioni, und daun sich selbst durch Revolverschüsse in den Kopf. * T h o r n, 1. Sept. In der Mellienstraße in der B-rom^ berger Vorstadt smd sieben Personen unter typhusver- d ä ch t i g e u Ersa-cinungen erkrankt. * Paris, 1. Sept. In der Ortschaft Mont Faucon kamen bei einem Brande zwei Frauen in den Flammen um. I Paris, 1. Sept. Am Hause s3tuc Lahan Dir. 4 wurde ein Bo mbenattentat vollführt, d as sich als ziemlich ungefährlich herausgestellt hat und wahrscheinlich auf die Beraubung der nahe gelegenen r u rn ü n i s ch e n K i r ch e abzielte. Ter Explosionstörper, der zwar einen Menschen hätte töten können, aber zu einer größeren Beschädigung nicht geeignet war, bestand aus einer mit Eisendraht umwickelten Kiste, die wahrscheinlich mit Pulver und Kugeln gefüllt war. Man glaubt, es mit einem anarchistischen Attentat zu tun zu haben. Als de:r Hausverwalter die Bombe nachdem Kommissariat trug, kam ein Unbekannter heran und wollte die Bombenkiste ausgeliefert haben; er ließ gegen den Verwalter Drohungen aus, als die Uxber- lassuug der Kiste verweigert wurde. I Gmunden, 1. Sept. In Kaltenbachwildrriß tm Traunfleingebiet ist ein Herr aus dem Gefolge der Königin von Spanien ab gestürzt; er ist schwer verletzt. INewyork,l. Sept. An der Sndküste Kubas richtet eine unbekannte Krankheit Verheerungen an; sie tritt schlimmer aus, als das gelbe Fieber. * Wellington, 1. Sept. In Wiuauge fand eine. Geiser-Eruption statt. Vier Damen, welche von dem tödlichen Wasser überschüttet wurden, wurden getötet. * Wilderer. Wie aus Halle a. d. S. berichtet wird, wurde in der vergangenen Nacht der Gemeindevorsteher Bentmann aus Zschiefewitz bei Bitterfeld von zwei Wilderen, welche er verfolgte, durch zwei Schüsse tödlich verwundet. Beutmann schleppte sich nach einer Wohnung, wo er verstarb. I Bankdieb st a h l. Nach einer Züricher Depesche )er „Frkf. Ztg." wurden einem Ausläufer an der Kasse der Nationalbank 15000 Franks gestohlen. Der Dieb konnte entweichen. I Ein Gegner des Rasse n - S e l b st mordes. Stephen A. Reeves in New-Albany im Staate Indiana hat dem Gouverneur Turbin die telegraphische Meldung erstattet, daß er von seiner Gattin zum d r i t t e n ma le mit Zwillingen beschenkt worden sei. Ter Gouverneur übermittelte nach der „Voss. Ztg." die Depesche des stolzen Vaters dem Präsidenten Roosevelt mit einem Begleitschreiben, worin es heißt, das T.'legramm bilde einen weiteren schlagenden Beweis dafür, daß die guten Be- wochuer des Staates Indiana scharfe Gegner des vom Prä- identen kürzlich so streng verurteilten^ „Rassen-Selbstmor- des" seien. Wericktssaal, * * Gießen, 2. Sept. Strafk ammersitzunq vom 1. Sept. Der Forstwart-Aspiraitt Karl A l b r a n d , der Stein- Hauer Rödling, der Dienstknecht Theodor Mattern und Robert Karl hatten sich vor der Straskanuner wegen beschimpien- den Unfugs und Störung des G o t t e s d i e n st e s durch Erregung von Lärm, verübt an: Eharfreita-.g in der Kirche zu Schwickartshausen, zri verantworten Das Gericht faßte jedoch nur eine von Rödling während des Gottesdienstes getane rohe Aeuße- rung als beschlwpfenden Unfug am und verurteilte ihn 51t einer Gefängnisstrafe von 5 Tagen; die Angeklagtem Mattern und Karl erhieltet! wegen groben Untugs Geldstrafen von je 15 Mk. - der Aligeklagte A l b r a n d wurde i r e i g e s p r 0 ch e 11. - Der Dl'enst- knecht Kasiiuir Knot h von Bernhardt, bedienstet gewesen bei Landwirt Hunke in Grebenau, Hal einem armen Mitbediensteten 17 Mk. und feinem Dienstherrn einen Kopfbezug vou 2 Mk ent- wendet. Mit Rücklicht aus die stattliche "Anzuhl von Vorstrafen erhält der in strafbarem Rückfall befindliche Angeklagte eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr; auch werden ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren abgesprochen und auf Zulässigkeit von Polizeiaufsicht erkannt. — Der Hausierer Heinrich Ludwig Hoffmann zu Vilbel ließ sich beikommen, am 24. Juni 1903 auf dem Friedhöfe zu Vilbel während einer ^rauerfeier die Grabrede des Geistlichen durch ungehörige Zwischenrufe zu stören und beschinipfenden Unfug am offenen Grabe zu verüben, indem er nach Beendigung der kirchlichen Feier in einem Werktagsanzuge mit einer Zigarre rm Munde an das Grab heran- irat und sich dort grobe Ungehongketten zu Schulden kommen ließ Urteil: 2 Wochen Gefängnis. — In recht grober Weise Hal der Obermüller Stroh von Wmdecken das Vertrauen seines Brotherrn des Mühlenbesitzers Wilhelm Philipvi in Büdesheim, mißbraucht Nachweisbar allein hat er diesem in der Zeit vom Herbst 1902 bis Frühjahr 1903 mehr als 700 Pfund Mehl der verschiedensten Sorten gestohlen. Seine Abnehmer waren die Mitangeklagten Brunnenmacher Werth, Zinimermann B r e t t e n h a u e r, die Maurer Waas uub Rödiger und der Weißbiiider Reul, sämtlich von Windecken, die sich hierdurch der Hehlerei schuldig machten. Noch Entdeckung der Diebstähle veranlaßten Werth, Waas und Rödiger den Stroh, nach der Schweiz zu fliehen und gaben ihm hierzu das nötige Reisegeld. Sie hatten sich daher auch noch wegen Begünstigung zu verantworten. Tas Urteil lautete gegen Stroh auf 1 Jahr 6 Monate Gefängnis, gegen Wert, Waas und Rödiger auf je 5 Wochen Gefängnis und Bretthauer und Reul 5 Wochen Gefängnis. — Ten Schluß der Verhandlung bildete die Strafsache gegen den Gr. Bürgermeister Johannes Fitzges XIII. von Götzen. Der Angeklagte hat im Jahre 1900 bei Anfertigung von Loszetteln eine von einem Interessenten in seiner Abwesenheit vollzogene Unterschrift als vor ihm vollzogen beglaubigt. Infolge einer Anzeige eines mit dem Bürgermeister auf gespanntem Fuß lebenden Einwohners von Götzen kam die Sache jetzt zur Kenntnis der Behörden. Das Gericht mußte den unbescholtenen und tüchtigen Beamten wegen Falschbeurkundung bestrafen. Das Urteil lautet auf das Strafminimum, 1 Monat Gefängnis. Kiel, 1. Sept. Wegen Majestätsbeleidigung und schwerer Körperoerletznng wurde der Torpedomatrose Kroll vom Marinekriegsgericht zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt. Arbeiterbewegung. Chemnitz, 1. Sept. Gegenüber einer Blättermeldung, daß der Textil-Arb eitgeber-Verband beabsichtige, auch die hiesige Ärbeiterschaft auszusperren, kann die „Ehernn. Allg. Ztg." auf Grund von Erkundigungen berichten, daß eine derartige Maß- regel nicht beabsichtigt ist, und es auch, soweit sich übersehen läßt, nicht kommen lassen werde. Anderenfalls will der Verband keine weiteren als die bereits gemachten Zugeständnisse machen. Eine Vermittelung der Regierung wird seitens des Verbandes abgelehnt. Landwirtschaft. Weilburg, 1. Sept. Bei Eröffnung der 82. Generalversammlung des Vereins nassauischer Land- und Forstwirte betonte Landeshauptmann Sartorius, daß sich Meliorations- und Genossenschaftswesen gedeihlich entwickeln; dagegen habe die Konsolidation immer noch mit erheblichen Widerständen zu käinpfen. Weiter war von allgemeinem Interesse die Diskussion über das Fleischschangesetz. Eine der Hauptguellen der Belästigung ist die Zuteilung mehrerer (bis 14) Ortschaften zu einem Schaubezirk. Landeshauptmann Sartorius wies im Verlauf der Debatte darauf hin, daß diese Einteilung von den Landräten herrührt. Die gemäß den Referaten von Hepp-Seelbach, Wagner und Knapp-Gnadental, sowie anderer schließlich gegen vereinzelte Stimmen angenommene Resolution fordert Freilassung der Hausschlachtungen vom Schauzwang, event. Herabsetzung der Gebühren und je einen Fleischbeschauer für jeden Ort wie früher. Kandel und UerKehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 1. September 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 3% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit.... 205.— 204.50 Deutsche Bank . . . 211.80 Darmstädter Bank . . 136.70 Bochumer Guß . • ♦ 187.50 Harpener Bergbau . . 182.40 Schluß-Tendenz: schwächer. 211.50 136.62 187.50 182.25 Temperatur der Lahn und der Luft am 2. September 1903. Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 rind 1 Uhr. Wasser 16°, Luft 21". Albert Rübsam e n. Ueuelle Alewungra. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Miskolicz, 2. Sept. Der Kommandant der 15. Infanterie-Division, Konja, Melcher sich per Wagen in das Manöverfeld begeben hatte, erlitt einen schweren Unfall. T-ie Pferde des Wagens scheuten. Ter Kommandant wurde aus dem Wagen geschleudert und erlitt einen Beinbruch. Kopenhagen, 2. Sept. An gut informierten Stellen verlautet, daß der Besuch des Zar enpaa res in Däne- mar k i m September sehr unwahrscheinlich ist. Tie vom Zaren getroffenen Dispositionen sind vorläufig derartig, daß er erst durch Skrernewice reiß, um an der Jubiläumsfeier des' dortigen Ulanen-Regiments teilzunehmen. Tann begibt er sich zu den Jagden in Polen, von wo er direkt nach Darmstadt zur Hochzeits- feier fährt. Dann wird er auf seiner Reise nach Rom 'Kaiser Franz Josef besuchen. Ta der Rom-Besuch im Oktober stattfinden wird, ist zwar die Möglichkeit, aber wenig Wahrscheinlichkeit für einen Besuch in Dänemark vorhanden. London, 2. Sept. Tie nächste Kabinettssitzung dürste die Entscheidung über C h a m b er l a i n fällen. Der Herzog von Devonshire forciert mit seinem Demission s g e s u.ch die Stellungnahme des Ministerrats. Ter Sekretär des Eobden-Klubs fordert Chamberlain in einem offenen Briefe zur Zurücknahme seiner Behauptung aus, daß der Klub vom Auslande subventioniert werde, um im Interesse des Freihandels tätig zu sein. London, 2. Sept. Der vom „Daily ^preß" veröffentlichte angebliche Brief eines deutschen Professors (Bgl. die heutige „Polit. Tagesschau".),, in dem die deutschen Exporteure um Hergabe von Geldmitteln ersucht werden, um die Reichszollplätte Chamberlains durch Unterstützung der dagegen gerichteten Bewegung des Cobdenklubs zu Falle zu bringen, wird verspottet und für eine Mystifikation erklärt. Ter nicht genannte Schreiber des Briefes erwähnt darin einen Artikel des Professors Brentano in der „Fort Nightly Review", ohne zu wissen, daß der Artikel ursprünglich in einem Hamburger Blabte erschienen war. Man erklärt es für unmöglich, daß ein deutscher Professor in einem Briefe an einen Hamburger Kaufmann eine englische Uebersetzung statt des deutschen Originals zitiert. Der Versuch, die antideutsche Stimmung für die Chamberlainschen Zollpläne auszunutzen, ist vollständig sehlgeschlagen. D o v e r, 2. Sept. Der WettschwimmerHolbein, der gestern abend mit seinem neuen Versuch, den Kanal zu durchschwimmen, begonnen hat, macht gute Fortschritte. Um 11 Uhr nachts befand er sich vier Meilen von der Küste entfernt. Dte See ist vollständig ruhig und günstiges Wetter hält an. Sofia, 2. Sept. Am gestrigen Thronbesteigungstage des Sultans ist die Revolution auch in Zentral- Macedonien proklamiert worden. Das neue Aufstandsgebiet umfaßt das Gebiet des Struma-Flusses. Die Ausstandsleiter sind General Zontschew und Oberst Jankow. New y or k, 1. Sept. In Ciudad del Bolivar ist ein deutscher Untertan Namens Spreck wegen berechtigter S t e u e r v e r w e i g e r u n g durch Castros Regierung verhaftet worden. Er wurde aber später Tank der energischen Vermittlung des deutschen Gesandten wieder sreigelassen. — Der Beiruter Vizekonsul kabelte seinen Bekannten: Ich bin gesund wie ein Fidelbogen. Telephomscher Kursbericht« 3V2% Reichsanleibe . . 101.80 3% do. . . . 89.75 3Va% Konsole • - . . 101.50 8:J/o do.....89.90 3*/2% Hessen . . . . 100.25 3’/2% Oberhessen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.50 4* 6% Oesterr. Silberrento 100.50 4% Ungar. Goldrente . . 100.10 4°/o Italien. Rente . . . 102.90 4'2% Portugiesen . . . 49.75 3°/ Portugiesen. .... 30.70 1% C. Türken . ... 34 05 Tiirkenlose ......127.60 4% Griech. Monopol.-Anl. 43.75 4Uo % äussere Ar^entiner 41.90 | 8% Mexikaner .... 27.40 41/2 /a Chinesen .... 92.45 Electric. Schuckert . . . 98.00 Nordd. Lloyd . . . . 100.25 Kreditaktien ..... 204.30 Diskonto-Kommandit. . . 187.60 Darmstädter Bank . . . 136.90 Dresdener Bank .... 146.60 Berliner Handelsges. . . 153.60 Oesterr. Staatsbahn . . . 140,50 Lombarden.....16.70 Gotthardbahn . . . . 189.20 Laurahütte...... 230.00 Bochum ....... 187.60 Harpener......182.00 Tendenz: ruhig. bewanrteste Nahrung für magen- d arm kranke 5702 ^uf dem Trockenboden wird die schönste Wäsche nicht hell, wenn man ein geringes billiges Waschpulver verwendet hat, welches Soda und oft noch schärfere Substanzen enthält. 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