Nr. 78 • rf*eiet tSgktch außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden im ©edtlel mü dem ffesftsche« £anJ®irt die •itfctner Familien blätter oiermal tn der Woctze beifldegL Rotationsdruck u. Verlag der Brühl 'leben Umoerl.-Buch-u Stem- bruderei cUieddiitrben) SUbafnon, ErvebiNon und Druckerei: Lchalstr-He 7. tlbrefle für De pichen: «n teiger •leben. $rrn Iprrd>antd)Iuft'Mr. 51. Donnerstag 2. April 1903 153. Jahrgang Zweites Blatt. ¥ O O monatli*76'91,üiett* A- V (X M . läL.hd) »IL 1J0; burx» GietzenerAnzeiger« General-Anzeiger v v *7 den polü. und aQgem. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen MW ZUe heutige Kummer umfahl 8 Seiten. yolitifdjr Tagesschau. Tie neue Reich»a«leihe. Nachdem das Reich^hauShoitsgcsetz Gesetzeskraft erlangt fiat und die Verabschiedung des preußischen Stoatshaus- I^UsgesetzeS für die nächsten Tage zu erwarten ist, kann mit Sichech.it angenommen werden, Daß dte Aufforderung zur Zeichnung auf die neue Reichsanleihe unmittelbar beoor* ,:eht. Die le^te Zeichnung hat am 22. Januar vorigen Jahres stattgcsunden. vt wurden damals 115 Millionen Mark Relchsanleihe und 185 Millionen Mark preußischer Staatsanleihe zum Ihirfc von 89.80 Prozent aufgelegt während der Börsenkurs dieser Werte damals 9u.4O Prozent betrug. S g der vorjährigen Anleche war ganz un» gewöhnlich. Die ^leill-oanleihe wurde 61 fad), die preußische vtaaeranlcihc 4-lsach überzeichnet, das heißt, statt der geforderten 3uU Millionen Mark wurden rund 15 Milliarden Mark gezeichnet Bet der 300 Millionen Mark-öleichsanleihe un Zahie 1901 war scl-on die sehr erhebliche rund 15h,saa-e Uebcrzetchnung auf 4621 Millionen Dlarf erfolgt Der Kurs der Reichsaiittihe und preußischen Kvnsols hat sich seitdem in erfreulicher und stetiger Entwicklung wesentlich verbessert lir ist zurzeit auf 92.70 Prozent angelangt und allseitig herrscht die Ueberzcugung, Dag dieser Kurs gegenüber den Mut feil der staatlichen Werte der meisten Übrigenstaaten noch ungemein niedrig ist Im deutschen Publikum beginnt immer nu.br Die Einsicht Pla^ zu gräien, Daß Die beste Kapitalanlage stets Die sicherste ist und dast je sicherer ein Wertpapier ifti. es- um so geringeren Ertrag abwirft Laß unsere LionsolS an Sicherheit von feinem anderen Wertpapiere übertroffen werden, ist eine Tatsache, über die man (em Wort zu verlieren braucht. Angesichts der großen Flüssigkeit des Geldmarktes ist daher anzunehmen, bau auch die jiu-erlich noch vor Lstern erfolgende amtliche Bekanntmachung der Anleihe Die weiteste Beachtung finden wird. Honeniltch werden diejenigen Zeichner in erster Linie be- rudjichtigt werden, die ihre Ersparnisse dauernd dem Staate aiiDerttaucn wollen. Tenn für das Reich hat bei dem überaus glanzeiiden Lredit den sie im Jnlande wie auf Dem Weltmärkte gemeßen, eine v.elsache Ueberzeichnung Der Anleihe einen sehr geringen Wert Diese gewaltigen lieber* zeichnungen gehen überwiegend von großen und Reinen Spekualnten aus, die im Vertrauen au| den sichern Erfolg der Anttihe einen kleinen Kursgewinn glatt und bequem einzusteden versuchen. Für Reich und Staat ist eS von weit größerem Interesse, daß die Anleihe in ihrem ganzen Betrage möglichst rasch in feste Hände gelangt und der durch Die Zeichnung unvermeidlich hervorgerufene Druck auf dem Geldmarkt aufs schnellste beseitigt wirk; der Weg, diesen Erfolg durch Sperrerklärungen zu erzielen, hat sich auf die Dauer alS ungangbar bewiesen, da er nicht genügend kontrolliert werden kann. Staat und Reich haben cm großes Jntercsse daran, daß möglichst viele Staotsgläubilec sich dieser vorzüglichen Einrichtung bebicnen. Nicht minder wird das Interesse aller Konsolsbescher dadurch gefördert, tocil durch ein derartiges Vorgehen entsprechende Lbonsolsbeträge dauernd aus dem Markte genommen werden und dadurch cm weiteres Steigen des Kurses gesichert wird, soweit bad überhaupt möglich ist. Die Nachrichte« von Gewalttale« in Mazedonien mehren sich jeden Tag. Wie „W. T. B." heute au8 Konstantinopel meldet, ist der r us sische Ko n s ul inMi- trowißa Schtscherbina, der sich durch energisches Auftreten gegen die Albanesen schon mehrfach bemerkbar ge- mad)t hat, von albonesischcn Soldaten v e r w u n d e t worden. Obwohl Einzelheiten noch nicht bekannt sind, darf man als sicher annehmen, daß cd sich um ein politisches Attentat, einen Racheakt von Libanesischer Seite handelt. Nachdem die Libanesen zu offensiven Kundgebungen gegen die Reformen über gegangen sind, da- Dorf Bucrtru bei Mitronnha überfallen, die dortigen christlichen Qfcn- dar men fort geführt und am Montag einen mit schweren Verlusten zuruckgeschlagenen Angriff auf Mttrowitza ge- madyt haben, entsendete die Pforte alle verfügbaren Gendarmen und Truppen von Saloniki und anderen Städten an Ort und Stelle. Auch sollen acht Bataillone aus dem Wilajet Ätdm bereits unterwegs fein, Denen weitere zwei folgen. Wie auS Belgrad telegraphiert wird, kompliziert sich Sie Situation in uutserbien dadurch besonders, daß die ein» heimischen türkischen Truppen, Die gleichfalls aus Albanesen bestehen, mit ihren aufrüljrenfdjen Stammes-Ge- nosscn gerne infame Sache machen. Falls nicht baldigst anatolischc Truppen auf dem Kampfplätze erscheinen, steht em Ehristengemetzel und Die Ermordung aller fremden Konsuln zu befürchten. Ungefähr 10 000 bewaffnete Albanesen bedrohen stündlich die Ruhe. In Wut- jdmtu Durchzogen Die Albanesen die Stadt und mißhandelten Die Christen auf Der Straße. Ein hervorragender Serbe wurde tödlich verletzt. Tie russisch-offiziöse „Nowvje Wremja" ver- öffemiidd ieiiartdel, Die sich auf Die gründe der Fort- dauer Der Wirren in Maeedonien beziehen. Es heißt in den Artikeln: Tie Führer Der Bewegung und auch einzelne bulgarisch Minister, Die etwa gmubccn, Rußland werde sich von dem Grundprinzip der Wahrung des allgemeinen Friedens abbringen lassen, täuschten sich bitter. Augenscheinlich gebe sich die englische Presse die größte Mühe, die Lage m Macedonicn möglichst beunruhigend erscheinen zu la|;en; leid« aber benehme sich dis französische Presse ganz ebenso. Der selr» same Versuch, Frankreich als Beschützer der öallauft aaten aus treten zu lassen, übte einen sehr ungün Fügen Einfluß au». Tie neue Rolle Frankreichs am Balkan gab der macedonischen Revvlutionspartei und den mit ihr chmpathisierenden bulgarifd/en Ministern Den Anlaß, auf Die Hilfe Frankreichs unD RußlanD» zu hoffen und anzunehmen, daß RußlanD, da» sich zunächst aktiver Handlungen auf eigene Rechnung enthalten wolle, hinter dem verbündeten Frankreich stehe. Abgesehen davon, daß diese Auffassung für Rußland, das nie eine Doppelrolle gespielt hat, beleidigend ist, sei sie auch ge,ährlich, indem sie falsche Hofsnungen einflöße und Rußlands ivahre Absichten DiSlreditiere. Vielleicht seien die französischen Politiker durch den Erfolg der Demonstration vor Mhtilene angefeuert, die dank Rußlands Unterstützung nut glänzen- Dem Siege der franzöfisd-en Diplouiatie geendet habe. Möge eine französisd) e Armada nach den Dardanellen aufbrechen, Rußland werde den Freunden nicht behilflich sein. Aus Befehl des SultanS werden in Deutschland übrigens zwölf Mitrailleusen gekauft werden. gfiilfdjrs ilfidj. Berlin, 1. April. Der Kaiser trat heute die Reise nach Kopenhagen an. Ter Kaiser hat befohlen, daß die Yacht Hohknzollern nicht nach dem Mittelmeer gehen soll. Nach dem ,B. L.-A.' beabsichtigt der Monarch, die englische Dampf pacht .Saphir*, auf der die kaiserlichen Prinzen jetzt ihre Reise un Orient unternehmen, zu benutzen. — lieber die Verwendung deS dem Kaiser zugesallenen Vermächtnisses, das aus der Hinlerlasienschaft der Baronin Cohn-Oppenheim stammt und 2 Mill. Mk. beträgt, wird die Nachricht verbreitet, daß der Monarch den Betrag bereits unter viele verarmte Offiziers- und Beamten, famllien verteilt habe. Diese Nachricht ist unzutreffend. Zu- nächst ist die Erbschaft noch nicht ausgeschüttet. Weller hat der Kaiser die Absicht geäußert, nicht einzelnen Familien, sondern nicht gut dotierten OfflzerkorpS Zuwendungen zu macheiu Bekanntlich sind die neu gegründeten Regimen- ter nicht im Besitz derartiger Fond», wie die allen Truppen- teüc, welche bedürftigen Offizieren damit helfen können. — Der ,Re»chSanz.i veröffentlicht folgende» Bulletin über das Befinden der Kaiserin: Das Befinden Ihrer Majestät ist andauernd gut Der Verlauf deS Hellungspro- zeffeS ist durchaus regelrecht, sodaß von weiterer Berichterstattung vor der Hand Abstand genommen wird. Zunkec. — Ter Kronprinz und Prinz Eitel Friedrich sind heute von Port Said nach Konstantinopel ab» gereist. — Am 28. und 29. März fand in Berlin eine Sitzung deS Geschäftsführenden Ausschüsse» des .Alldeutschen Verbandes* statt, bei der folgende Entschließung gefaßt wurde: Ter GeschättSsührende Ausschuß dankt den RtichStagSabqa. Dr. Hasie und 6d)rnnpf für ihr warme« Einireien für untere Volksgenossen m Ungarn, und |prid)t die Ueder-eugung au«, daß sie damit gegenüber den unerhörten Beschunpsungen des Deutsch, tum« im ungarischen Abgeordneienhause in würdiger Weise die Ehre de« deutschen Namens gewahrt haben. Er versichert auch bei dieser Gelegenheit den Verbandsoorsiyenden, Prosefsor Dr. Haße, seines unemgeschräillten Vertrauens. Neben Erledigung einer Reihe von geschäftlichen Angelegenheiten wurde auch beschloffcn, den diesjährigen Verband» tag in der Zell vom 11. bi» 18. September in Plauen L V. abzuhalten. Hannover, 1. April. Al» der Kaiser zum letzten Male im Januar hier weilte, wurde dem Hauptmann und Kompagnicchef im 1. hannoverschen Infanterie - Regiment Nr. 74. Max v. Feldmann, kurz vor Begum der Parade auf dem Waterlooplatze eine Tochter geboren. Der Kaiser, der davon Nlitleilung erhielt, beglückwünjchte den Offizier und nahm gleichzeitig die Patenstelle an. Bei der kürzlich er- folgten Taufe erhiett das Kmd den Namen Wilhelmine. Der Pate sandte als Angebinde einen kostbaren Becher mit dem Namen deS Kindes und Widmung, den der Oberst und Flügel- aDfutant v. Heyden-Linden überreichte. Auslanö. Kopenhagen, 1. April. Das Kov enhagener Blatt .Sozialdemokrat schreibt: Als Haupt unseres großen südlichen Nachbarstaates besucht der Kaiser Kopenhagen. AIS dänische' Staatsbürger müffen wir ihm einen würdigen und na chbarschaftlich freundlichen Empfang wünschen. Alle vernünfttgen Dänen wünschen nur daS beste nachbarschaftliche Verhältnis zwischen Dänemark und Deutschland. Wir sehen nur eine Gefahr in der auswärtigen Politik für unser Land, nämlich in den Verdacht zu geraten, daß wir Deutschland feindliche Gefühle und Pläne hegen. Kaiser Wilhelm repräienhert Die deutsche Nation, vor deren Tüchtigkeit, Fleiß und Wiffen- schaftlichkell wir den tiefsten Respekt haben, und wie wir gern in guter Nachbarschaft zu leben wünschen als kluge friedliebende Dänen, wünschen wir, daß daS Staatsoberhaupt deS deutschen Reiches eine schöne freundliche Ausnahme in den Tagen, wo er Gust unseres Landes ist, m unserer Hauptstadt finden möge. London, 1. April. T«iS Unterhaus nahm die dritte Lesung der Vorlage cm, welche die lUmiraluät ermächtigt. den Mannschaftsbesland der Flottenreserve zu erhöhen und bei verschiedenen Dienstzweigen MarinevolunteerS einzu- reihen, die in KnegSzellen zum Dienst m allen Welttellen ver- pstichtet sein sollen. — Der Londoner GrafschaftSrat erklärte sich bereit, An» Meldungen auf Die neue Emission von 5 Millionen PfunD Sterling Zprozenttger konsolidierter Londoner GrafschaftSanleihe entgegkiizunehmen. Der EmijsionSprei» Der Anleihe ist vom GraffchaftSrat auf 95 Pfund 10 Shilling für je 100 Pfund festgesetzt. Paris, 1. April. Den Karthäusern wurde amtlich mitgeteilt, daß ihr GenehmigungSgesuch abgelehnt worden sei. Dieselbe SDliltedung wird in nächster Zell auch den anderen Kongregationen gemacht werden. Ta» Gesetz ist auf die Karthäiner schneller angewandt worden, well diese schon Anordnungen für die Räumung des ihnen gehörigen Hoipi- talS m der Nähe der Grande Ehartreuse getroffen hatten. Der Gerichtshof in Grenoble ernannte einen Bevollmächtigten für die Liqidation des Vermögens der Grande Ehartreuse, wodurch der Welterbetrieb gesichert ift — Infolge deS von Kammer und Senat angenommenen Gesetze», welches den Senatoren die Bekleidung eine» anderen Amte» verbietet, müffen verschiedene Senatoren auf ihre Aernter alS solche verzichten, u. a. EombeS, der Flnanzminister Rouvier und der Iuftlzminister Ballß. Damit fallen gleichzeitig die den Letzteren neben ihrem Minister- gehalt von 6UUOO Francs ihnen als Senator bisher gewährten Gehälter von je 9000 Franc« fort. Rom, 1. April. Die „Trlbuna" will roiffen, König Eduard werde feinen Aufenthalt in Neapel benutzen, um dem König und der Königin zwischen dem 27. und 80. April einen Besuch abzustatten. Petersburg, 1. April. Infolge Kundgebungen bet Studenten gegen den Rektor der Universität wurde diese von der Obrigkeit geschlossen.___________________________ Parlamentär tjches. ed. Darmstadt, 1. April. Die Abgg. Häusel und Genoffen haben in der Kammer folgenden Antrag betr. die '.Regelung der Mietentschädigung für Dien st- wohnungen der Staatsbeamten eingebracht: Hohe Kammer wolle beschließen, Gr. Regierung zu ersuchen, alsbald den Landständen eine Gesetzesvorlage zugehen zu taffen, durch welche Art 17 des Gesetzes vom 9. Juni 1898, die Be- folbungen der Staatsbeamten betr., dahin abgeändert, bezw. ergänzt wird, daß für alle diejenigen Beamten, welche nicht schon im Genüsse einer Dienstwohnung stehen: 1. der vorletzte Absatz de« genannten Artikels außer Wirkung gesetzt wird, und 2. die im zweiten Absatz unter a. b und c festgesetzten Werte der Dienstwohnungen auf 16, 12 und 8 pEt. der Besoldung erhöht werden. Von einer näheren Begründung wird im Hinblick auf die in der 10. Sitzung der Zweiten Kammer vom 19. Februar l. I. stattgehabten Verhandlungen abgesehen*. Durch die oorgeschlagenen Ansätze, Die gegen Die seitherigen um 60 pEt. höher sind, glauben wir da» richtige Nlaß getroffen zu haben, um gleichmäßig die Interessen deS Staates und (einer Beamten zu wahren. — 86 Abgeordnete beantragen: Hohe Zweite Kammer wolle an die Großh. Regierung das Ersuchen richten unter Beibehaltung des dreijährigen juristischen Studiums an der Universität und eine dreijährige Aeceßzeit in das nächstjährige Budget einen Betrag einstellen, der zur weiteren Ausbildung Der jungen Verwaltungsbeamten nach bestandenem Staatsexamen in Landwirtschaft, Industrie, Handel und Gewerbe, Genossenschaftswesen ic. Verwendung finden soll. Fte tziöffnui g tus Z'tovtnziaistcchevyauses. Gießen, 2. April. Die Eröffnung des Piwvinzialsiechenhauscs fand gestern nachmittag um 2i/a Uhr in feierlicher Weise statt. Vertreter der Regierung, Der Behörden, der Stadt und anderer interessierter Kreise hatten stch auf Einladung des Provinzial« ausschusses eingefunden. Geh. Oberbaurat o. Weitzien, von dem bekaniitlich der Entwurf und Die Pläne der vortrefflichen und wohltätigen Anstalt herrühren, begrüßte die Erschienenen und sagte in kurzer Rede einiges über den Ursprung des Projektes und den Verlauf der Verhandlungen bis zur enbailiigen Feststellung. Provinzialdirektor Dr. B r e i b e r t hob die Verdienste des verstorbenen Prooinzial- direktors Geh. Rats v. Bechtold um das Zustandekommen Des Siechenhauses hervor und betonte die Wichtigkeit und die hohen Aufgaben, bie eine solche Anstatt zu erfüllen habe. Er wandte sich dabei an Dr. MaLÜoald, in dessen Hände er die ärztliche Leitung nieberlegte, indem er darauf h.nwies, daß die liebevolle und sorasame Versorgung der Pfleglinge ja hauptsächlich der Tätigkett und Gefchicklichkett des leitenden Arztes überlassen sei. Dr. Martwald et* iDiberte in kurzen Worten, Daß er sich der hohen Aufgaben und der Verantworttichkett feine» Postens recht wohl bewußt sei und daß er seine Kraft mit Freude und Zuversicht in den Dienst feiner Kranken stellen wolle. Als letzter Redner sprach im Namen des Staatsministeriums Ministerialrat Weber. Mtt Znteresse habe man in Darmstadt den Fortgang der Arbeiten verfolgt, und man sei erfreut, daß Hessen nun eine Anstalt besitze, auf die es stolz fein könne. Se. ftönigL Hoheit der Grv Sher zog habe ebenfalls mit größter Sufmerfjamtcit den Dau dee Ziechenhauses verfolat und sei mit den Leistungen der Urheber und Der Bauleitung recht wohl zufrieden. £um Zeichen dessen habe er geruht, dem Kvmmlssionsmitglied, Landgerichtsrat Dr. Schäfer, die Krone zum Ritterkreuz L Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, und dem Ingenieur Schiele das Ritterkreuz 1. Kl. dieses Ordens zu verleihen. Er überreichte den beiden Herren die Auszeichnungen persönlich, und beglückwünschte sie, und die übrigen Anwesende:! schlossen sich dem an. ES erfolgte hiernach die Führung der Geladenen durch die Räumlichkeiten der Anstalt. Sie geschah in drei Abteilungen durch Geb. Oberbaurat v. Weltzien, Landgerichtsrat Dr. Schäfer und Baurat Diehm. Wir besichtigten zunächst die Küchenbauten, die TampskockMche mit allerlei zweckentsprechenden Vorrichtungen und Apparaten. Aus beiden Seiten befanden sich die Speiscausgabestellen für Männer und Frauen mit den dazu gehörigen kleinen Räumen. Sehr sehenswert und in ihren Errichtungen vollauf zufriedenstellend war auch die aroße DcunpfwajchHiche, deren Wasch- und Wringmaschinen elektromotorisch getrieben und uneingeengt gehandhabt werden können. Trockenapparatc sind in den Nebenraumen aufgestellt, in denen sich auch PlaH für Ausbesserungsarbeiten vorfindet. In unmittelbarer Verbindung mit diesen Kücheneinrichtungen befinden sich im Erdgeschoß drei große Kessel der Dampfheizung Hinter den Küchengebäuden liegt ein der Beschäftigung arbeitsfähiger Kranken dienendes lleineSWirtschaftsgebäude. Tann folgten wir unserem Führer nach einem der eigentlichen Krankenhäuser. Es giebt deren je eines aus beiden Seiten des Verwaltungsgebäudes, das hinter dem Hauvteingang an der Licherstraße steht. Diese Krankenhäuser betritt man, wie alle derartigen Anstalten, mit einem Gefühl der Unbehaglichkeit und Bekümmernis. Tie armen Kranken müssen sich, trotz der Fürsorge, die für sie getroffen wird, doch manchmal recht verlassen Vorkommen. Aber was getan werden konnte, ist geschehen: die Wohn- und Schlafräume sind einfach und schmucklos, aber sie genügen in jeder Hinsicht den notwendigen Bedürfnissen und den Anforderungen der Hygiene. Im oberen Stockwerk, im großtn Speiseraum, sanden wir schon Insassen, eilte, gebrechliche Männer. Wie niedergedrückt und unbehilflich stand dort am Fenster der Alte und legte seine Hand scheu auf das Fensterbrett; wie scharf und fragend musterten uns die weißhaarigen Leute, die da auf der Bank an der Wand saßen! Man dachte unwillkürlich an Uhdesche und Liebermannsche Gemälde. Die ganze Einrichtung erinnerte daran: lange Tische und einfache Stühle. Für Zuführilng frischer Luft, für Reinlichkeit und Ueberwachung ist genügend Sorge getragen. Bäder und Bcausezellen befinden sich unten. In jedem dieser Krankenhäuser findet sich Platz für 120 Personen. Das eine ist für Männer, das andere für Frauen bestimmt. Bei jedem dieser Gebäude befindet sich noch eine kleine Anstalt für solche Pfleglinge, deren Zustand Absonderung von den übrigen erfordert. Heute ist das Siechenhaus aufnahmefähig für zusammen 280 Kranke. Im Derwaltungshause sahen wir unten das Pienst- zimmer der Verwaltung, das Aerztezimmer mit Operationstisch rc., dabei die Wartezimmer für die Kranken. Eine Treppe hoch wohnen besser situierte Kranke. Einen Stock höher ist die Wohnung des Verwalters. Die Anstalt wird in den dahin gehenden Bedürfnissen durch Zentralheizung, Wasserleitung, Ventilation rc. auss Beste versorgt. Das Schmutzwasser wird zunächst provisorisch in Gruben geführt; später erfolgt der Anschluß an die städtische Kanalisation. Wir verließen das Siechenhaus mit der Ueberzeugung, daß damit in der Tat einem großen Bedürfnis auf die beste Weise gedient ist. Auch das Aeußere dec Gebäude läßt nichts zu wünschen übrig. Gefällig und sauber im Anstrich und zierlich im Wechsel der angesetzten Rokovo- glebel, stehen o'ie Häuser da draußen im Freien aus der Höhe und in der Nähe des Waldes. Nach der offiziellen Eröffnung der Anstalt begaben such die Geladenen noch zu einem geselligen Zusammensein in Steins Garten. Tabei hielt F i u a n z m i n i st e r G n a u t h eine kleine Ansprache, in der er ebenfalls des Interesses des Landesfürsten gedachte und ein Hoch auf Kaiser und Großherzog ausbrachte. Landgerichtsrat Dr. Lchäfer verfehlte nicht, am Geburtstag des großen Kanzlers die Erinnerung an ihn wachzurufen und die Anwesenden auszusordern, durch Erheben von ihren Sitzen das Andenken Bismarcks zu ehren. Iustizrat Tr. Gutfleisch würdigte namens des Provinzialausschusses die Verdienste des Geheünrats v. Weltzien und brachte ein Hoch auf ihn aus, worauf sich der Geeyrte erhob und seinen Dan( ausfprack> Mit einem Hoch des Provinzialdirektors Tr. B r e i d e r t aus den Finanzminister war auch diese Festlichkeit beendet. Hntclguung des Klinikgelaudes vor dem Arovinzial-Ausschuß. (Schluß aus dem L Blatt.) Iustizrat Hirschhorn citicrt die neuesten Entscheidungen des Reichsgerichts, danach liegt bei Enteignungen Baugelände vor, wenn nach der natürlichen Entivickelung der Stadt, nach den örtlichen Verhältnissen, in absehbarer Zeit die Möglichkeit besteht, dalß das Terrain Baugelände wird und dann ist die Entschädigung auch für Bauland zu gewähren. Der Geh. Iustizrat Jockel habe vom Verkehrs^ Publikum gesprochen. — Der Redner fragt, ob denn der Bauunternehmer Winn, die Architekten Stein L Meyer u. cl, welche sagen, es handele sich um wertvolles Dillengelände, nicht Leute seien, die zum Verkehrspublilum gehören. Der Bauunternehmer Winn habe für Planksches Gelände c 15 Mark geboten und dafür war es dem Eigentümer nicht verkäuflich, oder sei man auf der Gegenseite der Meinung, Winn habe nur zum Spatz geboten. Die Frage, ob das Quartier, welches man enteignen wolle, ohne die Projekte der Kliniken nicht schon bebaut wäre, sei nach der Beweisaufnahme nur zu bejahen; denn das glaube wohl niemand, daß man in der StephanSmark oder gar in die Schwarzlach vornehme Villen errichten würde, die letzten Wochen hätten doch bewiesen, daß für solche Bauten in Gießen ein Bedürfnis vorliege. Wenn aber der Staat mit seinen Projekten derartige Situationen schafft, wie links der Franksurterstraße für das Gelände zwischen Wilhelm- und Klinikflraße, bann habe er auch die Pflicht, volle Entschädiguna zu geben, falls er dasselbe wegnimmt. Iustizrat Herschhorn geht dann auf die Rechtfertigung der Forderungen der von ihm vertretenen Eigentümer ein. Dem Rentner Scbwan seine Parzelle liege dicht angrenzend an Planks Gelände, wofür man 8 Mk. geben wolle, und die- grenzt an DoströmS Stück Lund, für welches 19 Mk. pro Meter bezahlt worden seien. Die wolle man diese Preisunterschiede von Gelände, welche- dicht beieinander liege, rechtfertigen. ES sei unbereck^ gt, Schwan 3 Mk. wen g-w zu g.b.n c.ls Piank und b.eTe.n wieder 11 Mk. weniger als Boström. ES fei ganz und gar ur.btoi^|- kich, wie man Geläntx, daS man mit 5 Mk. bezahlt habe, .welche- aber oben an der Sckjöne« AuZsicht liege, vergleichen wolle mit dem Planffchen, mit dem Schwan sch en, mit dem Gailschen Gelände oder mit dem der Balser-Stiftung. Er habe schon einmal erklärt, die Balserstiftung wolle kein Geld, sie brauche es nicht. Müsse sie es aber nehmen, so sei sie gezwungen, dafür wieder Gelände angrenzend an dasjenige ihrer Besitzung, welches man ihr nehmen wolle, zu erwerben. Sie könne solches aber nur haben von dem Anlieger, von Gails Erben, denen sie für den Meter 19 Mk. bezahlen müsse, denselben Preis, den die Balserstiftung verlange für das Land, welches sie für die Kliniken abtreten solle. Die Gegenseite habe darauf hingewiesen, daß die Stadt Gießen für die Kliniken Parzellen zu 5 Mk. für den Meter abgetreten habe. Wie könne man diesen Umstand al& Beweis heranziehen. Die Kommune habe ein Interesse daran, daß Kliniken gebaut würden, und wenn, wie es geschehen, bie Stadt dem Staat Gelände halb schenkt für ilniversitätszwecke, so bietet doch dieser Umstand keine Analogie für private Verkäufe. Haubach habe sein Gelände oben an der Frankfurterstraße viel zu billig an den Staat überlassen. Wenn ein Geländekundiger, wie Haubach, ein seiner Mutter gehöriges Grundstück am Riegelpfad denMeter mit 15 Mk. verkauft habe, was auch nicht zu hoch sei, so entsprächen 5 Mk. für das in Frage kommende Kliniksgelände auf keinen Fall dem wahren Wert. Die Vcrgleich- zifsern wiesen darauf hin, daß die Lokalkommission zu niedrig taxiert habe. Die Eigentümer seien im vorliegenden Falle sämtlich angesehene Gießener Bürger, die zum größten Teil daS Gelände ererbt oder schon lange im Besitz haben, und nicht Geländespekulanten. Iustizrat Hirschhorn bittet den Provinzialausschuß, die von seinen Klienten geforderten Entschädigungen diesen als angemessen auch zuzusprechen. Darauf spricht Rechtsanwalt Katz. Er begründet eingehend die Forderung von Gabriel, der 122 OÖO Mark für seine Besitzung verlangt. Was dem Professor Boström recht war, das müsse für Herrn Gabriel auch billig sein, meint RechtSanw. Katz. Wenn dieser seine Freude an dem Stück Gartenland hatte, so sei sein Klient mit seiner Besitzung eng verwachsen. Es sei Väter Erbe, von dem er sich trennen solle, es ist sein Haus, in dem ec groß geworden. Jeden Baum habe er pflanzen und gedeihen sehen, und von Jahr zu Jahr Müde, Geld und Arbeit Darangeroenbet, aus seinem Garten das zu machen, was er tatsächlich geworden fei, die schönste und wertvollste Obstplantage in der ganzen Stadt. Es sei überhaupt nicht möglich, daß der Fiskus seinen Klienten den Gegenwert geben könne, für dessen Besitzung, die ihm ans Herz ge- wachsen, von der er sich nicht trennen wolle, es sei nicht möglich, das zu entschädigen. Aber wenn es sein müsse, wenn Herr Gabriel die Besitzung hergeben müsse, dann solle der Staat den Mann auch reichlich und voll entschädigen wie es das Gesetz wolle. Die Lokalkommission sage, das Haus seines Klienten sei nur 27 000 Mark wert. Architekt Meyer, ein Mann, der von der Sache was verstehe, habe bekundet, daß ein solches Haus nur für 35 000 Mark zu erbauen sei. Das ganze Gelände zwischen Klinik- und Wilhelmstraße habe die Anwactsckjaft, Baugelände zu fein, schon darum, weil in den amtlichen Plänen die Straßen als ProjeÜe eingezeichnet worden seien. Der Vertreter Gabriels verweist auf den von ihm zu den Akten Überreichten Plan und beantragt wiederholt, den Geometer Wißner darüber zu hören, ob diese Planzeichnung mit Projektierung der Straßen von ihm amtlich gefertigt sei. Auch Professor Riegel habe bestätigt, daß entlang dem Gelände Gabriels eine Straße vorgesehen gewesen. — Wer die Verhältnisse der Stadt Gießen kenne, der werde zugestehen müssen, daß es sich bei der geplanten Enteignung nicht nur um Baugelände, sondern sogar um bevorzugtes Baugelände hanoele und darüber sei er mit feinem Kollegen Hirschhorn einig, wären die Kliniken nicht in Sicht gewesen, dann wäre das Quartier längst zur Bebauung geöffnet und auch schon bebaut Wenn er für Gabriels Gelände für den Meter 15 Mark verlange, so sei dies nach Maßgabe der Verhältnisse nicht zu hoch und es müsse dieser Betrag auch bewckligt werden. Auch darin habe sein Kollege Hirschhorn recht, Jöckels ablehnender Standpunkt bezüglich einer Entschädigana der Lbsibäume und Umfriedigungen sei irrig. Nach der feststehenden Praxis des Provinzialausschusies würde hier volle Entschädigung zu erfolgen haben. Wenn der Bauinspektor Becker behaupte, baß sich das Anwesen seines Klienten bei einer Vermietung nickst rentieren würde zum taxierten Preise, so komme es darauf zwar nickst an, aber die Villa in ihrer freien Lage, mit dem prachtvollen Blick, abseits dem Straßenlärm, dazu der wohlangelegte Obstgarten mit seinen ebelen Sorten, das fei etivas für einen reichen Mann, der den Pfennig nicht anzufehen brauche. Leute, die etwas von der Sache verstünden und bie Annehmlichkeiten einer solchen Besitzung zu würbigen unb zu schätzen wüßten, solche Leute würben ben, geforberten Preis für bie Besitzung auch bezahlen unb für ihr Gelb auch nicht zu wenig bekommen. Rechtsanwalt R ö m h e l d bemerkt, daß wohl alle darüber einig feien, daß c5 sich hier nicht um landwirtschafk- lich benutzbares Gelände, sondern um Baugelände handele, welches seinem wahren Werte nach bezahlt werden müsse. Ob dies im geringeren oder höheren Maße zu geschehen habe, darüber herrsche Streit. Da über das Enteignungsrecht ein ausgiebiger hessischer Kommentar nicht bestehe, und ein preußischer Kommentar bereits von feinen Kollegen herangezogen fei, so führe er noch einen badischen Kommentar über die in Frage stehende Materie an. Röm- Held verweist auf die betreffenden Stellen, welche nach Lage der Sache auf den vorliegenden Fall zutreffen sollen. Es sei außer Zweifel, daß vielleicht eine nicht beabsichtigte, aber tatsächliche künstliche Beeinflussung, eine gewisse Preishintenanhaltung burch die Stadt Gießen für daS Gelände links der Franksurterstraße, durch, die nicht erfolgte Eröffnung als Sauquartier erfolgt sei unb zwar mit Rücksicht auf die KlinikSprojekte, Die in der Luft schwebten, und die nun praktisch geworden seien. Dieser Umstand könne nicht zu Unaunsten der Eigentümer bei der Enteignung in Betracht kommen, wohl aber müßten alle bie Momente, welche bafür sprächen, daß es sich um wertvolleres Baugelände hanoele, mehr gewürdigt werden, als die Lokalkommission dies getan habe. Herr Römhelb bittet den Provinzialausschuß, den von seinem Klienten Rosenthal für sein Gelände geforderten Preis diesem zuzubilligen. Geh. Iustizrat Dr. Re atz, der für den Eigentümer Deidig eintritt, verweist auf seinen zur Sache einge- reichten Schriftsatz, durch den er bargelegt hat, wie nach den Bestimmungen de« Bürgerlichen Gesetzbuch- im vorliegenden F-ail entschädigt werden müsse. Er bittet die von ihm schriftlich mcti inerte Forderung yi prüfen und auch als billig zu gewähren. Pfarrer Tr. R c u m a x x verweist baceuf, daß die evangelische Gvrne^denrrtrerung für ihr Gelände txx gewiß sehr bescheidenen Preis von 8 Mark für den Meter verlangt habe. Wenn Dauinspektor Becker darauf hinwies, daß ja nicht jeder Quadratmeter des Gelände- zwischen Klinik- und Wilhelmstraße für die Bebauung nutzbar fei, weil doch Straßen dasselbe durchqueren müssen, und daß man für das zur Straße abzutretende Gelände nur 1,20 Mark erhalte, so werfe er die Frage auf, wo das geschrieben stehe. Tie Kirchengemeinde habe zu ihrem Nachteil seinerzeit, als bie Kirchrraße burchgelegt würbe, auch geglaubt, es sei so, bie Stadt brauche nicht mehr als 1,20 Mark pro Cuabratmcter für Gelänoe zu Straßenzwecken zu entschädigen. Da habe man benn nicht mehr genommen. Ja man habe sogar noch ein paar vom Kirchen- gelänbe ^Pfarrgarten) durch die Straße obgcschnitiene Üte- ländestucke der Stadt überiajfen, natürlich auch für 1 IDuirt 12y2 Pf., unb wie wertvoll biefe Stücke geworden feien, erfehe man daraus, daß die Stadt dafür nach einigen Jahren 42 Mark für den Quadratmeter von einem Rc- llcttanten verlangt hat. Bauinfpettoc Becker meint, das Gelände, welches oben an die Klinikstraße stößt, hege unmittelbar an Staatsgelände, unb biefer würde dasselbe nie zu einer öffentlichen Straße herben. Dagegen sage er, ivenn der Staat sich weigert und die Notlvenoigkeit der Straßenanlage liegt vor, dann wirb bejfen Gemnde ebenso enteignet, wie bas Terrain eines Privatmannes enteignet wiro. Pfarrer Dr. Naumann erklärt ferner, er habe keinen Auftrag, für bad zur Enteignung vorgesehene Lanb einen Höheren Preis zu verlangen, als 8 Mark für ben Meter; wenn aber ber Provinzialausschuß bafür 10 Mark zubillige, so sei er überzeugt, Die evang. Kirchengemeinde werde den Mehrbetrag dankbar nehmen. Es nehmen nacheinander noch kurz das Dort zur Entgegnung Iustizrat ISckel unb Bauniipektor Becker. Iufrizcat Hirfcyhorn er Härt, wenn er wolle, tonne er über die Sache noch mehrere Stunden sprechen, er glaube aber der Sackst am besten zu dienen unb gewiß auch in aller Interesse zu handeln, wenn er sich setze unb nichts mehr sage. Tem schließen sich bie anberen Anwälte, mit Ausnahme bes Rechtsanioalts Katz an, ber aber nur wenige Worte noch spricht, woraus der Provinzial-Ausschuß sich zurückzieht, um nach einer halben Stui De Durch Den Verfitzenden, Provinzialoirektvr Tr. Breidert verkünden zu ,la|f.n, daß Das Urteil, wie schon mitgeteilt, in einer noch zu bestimmenden Sitzung verkündet werden wird. Aus Hluöl und £unö. Gießen, am 2. April 1903. * * Personalien. Die LehramtSaeeessisteu Büttner zu Offenbach, Dr. Daudt zu Mainz, Glenz zu Wörrstadt, Hirsch zu Oppenheim, Knauß zu Worms, Konrad zu Dieburg, Rüssel zu Bingen und Wagner zu AlSseld wurden zu Lehramtsassesioren ernannt. * * Abschiedsfeier für Professor LuciuS. Wie unS mitgeteilt wird, ist für den 20. April eine AbfchiebSfeier für den nach Darmstadt berufenen KreiSschulinspektor Prof. Dr. Lucius geplant. • * Bef itzwechsel. Die Bäckermeister Spieß'sch^ H o sra ite an der Neustadt ging durch Kauf für 42 000 Mk. in den Besitz des Bäckcrrneister (Sengnagel über. — TaS früher A tt i g sche Haus, SelterSweg 9lr. 2, wurde vom jetzigen Besitzer Kaufmann Arnold, vorbehaltlich ber Genehmigung ber Stabtverordneten-Verfamnilung für 31 000 Mark an bie Stabt Gießen verkauft. Diese ist im Besitz beS HintergebäubeS beS Besitztums, woburch dasselbe überaus wertvoll wird. o- Grebenhain, 31. März. Die letzten Holzversteigerungen ergaben gegenüber den früheren Versteigerungen ganz außergewöhnlich hohe Preise. Buchenscheitholz 1. Klaffe pro Meter 7—9 Mk., 11. Klaffe ber Raummeter 4—5 Mk., Büchenknuppel I. Klaffe pro Nieter 4.50—6 Mk., II. Klasse 3—4 Mk., Buchenreisig pro Meter 2—3 Mk., Buchenslöcke pro Raummeter 3.50—4.50 Mk. Fichtenstanim- holz kostet ber Festmetcr durchschnittlich 18—22 ÜDlf. Fichten» Schichthaufen der Raummeter 5—6 Mk. Die beiden letzten Holzarten waren verhältnismäßig billig. ES finden später noch weitere Versteigerungen m hiesiger Oberförslcrei statt. — Kaum ist bie ruchlose Tat des Raubmorbcs auf der Strohe zwischen hier und Ilbeshausen den Bewohnern unserer Gegend etwas auS dem Gedächtnis gekommen, so ist nun ivieder an diesem noch nicht lange begonnenen Bahnbau unter den ausländischen Arbeitern eine blutige Szene Dorgcfommcn. Einige derselben kamen in der nahe der Cbcrmalöfiraije, an der Staatsstraße zwischen hier und HartmannShain cibauten Kantine in Streit, wobei einer einem anderen mit euum Messer einen tiefen Stich in die Brust versetzte. Ter Täter entfloh in den nahen Wald. Ter Schwerverletzte mußte sich daS Meffer selbst hcrauSziehen, brach dabei die Spitze ab, welche der Arzt herauSholen mußte. Der Verletzte wurde in daS Krankenhaus nach Lauterbach verbracht. An seinem Auskommen wird sehr gezweifelt. Zivei andere Tiit« Helfer wurden in das Gefängnis nach Heibflcm verbracht. ed. Darmstadt, 2. April. (Eigener Draht- bericht be5 Gieß. Anz.) AuS Anlaß ber 50jährigen (SrünbungSfeicr ber Dank für Handel und In« dustrie fand heute früh im Bankgebaudc em Festakt statt, in welchem der Vorsitzende dcS AiisslchtSrats, Kommerzienrat Michel-Mainz, bie zahlreich Erschienenen begrüßte, worauf Bankdirektor HarguS einen kurzen Umriß über die Grun- dungSgeschichte unb bie GeschäftSweife brachte, sowie der verdienstvollen Mitarbeiter gedachte. DaS GesellschastSkapital ist uon 4 Millionen Gulden im Gründungsjahre 1853 aus heute 132 Millionen Mark gestiegen. Einige Beamten wurden von der Regierung burch Ordensverleihungen ausgezeichnet. Die Bank hat der PensionSkaffe 100 000 Mk. überwiesen. Ve» tretet der Reichsbank, ber Hochschule und der Handelskammer brachten ihre Glückwünsche bar. Ferner sind zahlreiche Tcle- qramme unb Blumenspenben eingclausen. Um halb 12 Uhr sand bie große Generalversammlung statt. Diese war von 47 Mitglieder« besucht, btt 50 ISO Stimme« vertraten. Den Vorsitz führte Kommerzienrat Michel. Der Geschäftsbericht wurde erstattet unb dem Aufsichtsrat wie der Kaffe Entlastung erteilt. DerBrutto-Ucberschuß für 1902 beträgt 9 285 388 Mk. Tie Dividende wurde auf sechs Prozent festgesetzt mit 792 000 DU. Die Tantiemen an die Aufsicht-ratSmitglieder betragen 37 499 WT, bie an b« Direktoren 787 171 Mk., bie Gratifikationen an btc Beamten 186 157 Mk. Demnach verbleibt ei« tatsächlicher Ueberfchuß van 117 304 Mk. T« Zahl AufsichiHraiOmllGliaSar «uUe von 16 a-s 1< «- lendnnt: seh wR ober. 180 40 45.20 102.70 I 8'/0 Mexikaner 92 h5 4* i ✓ Chinesen 102.70 Klectrio. boLuckort Nordd Lloyd . . Kreditaktieo . . . Diekonto-Kommandlt. Dtrnitldk* Buk Dresdener Bank . . Ber iner Handelegaa. Oeatorr. Staat- oahn . Lombarden • • • (Jotthar ibaha . . . Laura’ Qtto , . , , Borbora . . . . . Harpener . . . . 92 70 101.18 3*V/e »"/. 3* »•/i Boieheanleihe do. Konsole . do . . Heeern Oberbeeaan ^uiicbuiniil tu Orr Ztjnagpgr, Auvauiuge. Israklilischr Vkligtonsgrmkinbe. 6 a m 8 t o fl, den 4. 91 p r i l 1903. Vorabend 6.45 Uhr. Morgens 9 llhr. Nachinittags 830 Uhr. Lchrift-tferklürnng. EaddalhauSgang 730 Uhr. ^attöbtrnt ber rsrarlUifchkn Akligionryestllschast. kabdothfeier am L April 1908. Freitagabend 6-30 Uhr. SamSlag Vormittag 830 Uhr. Predigt. Nachmittags 830 Uhr. babdathau-gang 730 Uhr. Wochenqottesbienst: Dlorgen» 7.U0 Uhr, odeuds 630 Uhr. . 104 00 101.00 . 102.25 . 103.40 . 50.10 . 81.75 . 26.10 . 93 05 . 99.50 . 97 00 . 21730 . 191.50 . 143 40 . 149.70 . 15930 . 141 30 . 14.25 . 191.20 . 225 50 . 19430 . 1SÖ.40 yi‘nin|d|ii’b. * Hamburg, 1. April. Zwischen dem General Gladischew und dem Grafen Tsernadiew sand gestern be. Bergedorf em Eübelduell (lolL Aach 12 Minuten «btttenen Kampfe« wurde Gladischew schwer ver- wu ndeL — Im Anschluß an die Niederlegung von Kränzen im Mausoleum zu FnednchSruh sand abends eme imposante EiSmarck-Gebentseier slalt. 4* Oeeterr. bilberrente 4,% Ungar. Uoldnnte. . . 4«/ Itahen Rente . . , 4' ,X Portugiesen . . , •/ i'ortugKM n. . . . , 1H C. TQmen . . . Turkenloee .... 4*/0 Unech. Monopol -Anl. 4* , % Äueeero Argenliner «7,H 4 H Oeeterr. Ooldrente Telephonischer Kursberichte Franktnrt a. n.. 2. April 19b8 ilrui’ltr itirluuiujciL Criginaldrahtmcldungeu de» Gießcuer Anzeiger». Kiel, 2. ilpnL Ter Kaiser tzaf mit Gefolge heute früh kurz vor 7 Uhr hier rin, nahm die Meldungen dcS öu:wn3d)tfö Admirals R3fuc, des S6onimanbohenzollcrn". Um 7i/s Ubr verließ die „Hohcnzollern" mit dem Kaiser an Lord, gefolgt von dem tlcuicn Kreuzer „Nymphe" und dem Torpedoboot „Skipner" unter dem oalui der Lricgvschiffe den Hasen und trat die Fahrt nach Kopenhagen cm. London, 2. April. „Daily Telegraph" meldet aud Aden: Tcr englsche Fo r s ch u n g ö r e i s e n d c Büro wurde im Marang.birgc, 120 englische Meilen nordöstlich von Aden, von Beduinen in verräterischer Weise überfallen und ncbst dem größeren Teile seiner au» neun Mann bestchenden EingcbvrencN-Begl-iUtng verwundet. Pari», 2. April. In hiesigen diplomatischen Kreisen wird mit ziemlicher Bestimm.hett behauptet, daß der Mi- litä r-Attachs der hiesigen rus|ischen Botschaft, offiziellen russischen . läuft. Tie hier weilenden bulgarisclien Offiziere, die bei Lazarew au-- unb eingehen, machen kleinen Hehl daran-, baß troh aller Anstrengungen der Mächte doch ein Aufstand in Makedonien auöbrechen werde. TS wird Oberstleutnant Lazarew, in regen Beziehungen zu den hiesigen Mitgliedern de- macedonischeu Ko« miteeS steht und dabei eine Haltung beobachtet, die bei Politik direkt zuwider- höht, die au «scheiden den Mitglieder wiedergewählt und neugewählt die Kommerzienräte Behrenberg-Goßler in Hamburg und Biermann tn Bremen. Tarmstadt, 2. April. (Orig.-Tel. deS „Gieß. Anz.") Die unter dem Vorsitze deS Herrn Geheimrat Michel abgehaltene Generalversammlung der Ixxrmftäbter Bank er teilte cinftimmifl Techarge für die Gesä)äftSleitung 1902 unb setzte die Dividende ivie von AujsichrSrai und Tirck- tion vorgeschlagen, auf sechs Prozent. Die auSschetdenden Mitglieder des Aussichtsrates wurden einstimmig roieber- gewahlt: an Stelle des verstorbenen Herrn Kommerzienrat Wilhelm PretorruS wurde Herr John von Berenberg-Goßler in Hamburg, sowie außerdem Herr Kommerzienrat vter- waiin tn Bremen neugeiudblt. erzählt, daß Lazarew dem bulgarischen Emigranten Petrow, einem Mitglieoe des macedonischen Komitees in Paris, 200U0 Francs zur Uebermittelung nach Macedonien anS- gehändigt habe. 26491 (feine frbl. 3-Immer- rvohuung mit Küche, üblich. Zub. u. Balkon, in befL Lage, p. 1. Mai zu verm. Vtah. Liebigstr. 64, 1«. 180] Lieg. 4-Zinimenvohnung im 1. Stoll, Neubau (febcrfirafee, mit Gas, Blcichplatz und Wartenanteil, daselbst eine Mansardenwohnung mu 4 Zimmer per sofort zu oerm. Näheres bajelöft ___Büttner ck Damm. 2784] Kleine Wohnung zu vermieten_______Ederstrafee 6. Liebigstratze57 2785] Tine schone 5-Zirnrner- wohnung mit Badezimmer, Zubehör sowie Vorgarten per so- fort zu vermieten. 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Gott dem Allmächtigen hat eS gefallen, meinen lieben Gatten Heinrich Jakob nach langem, schwerem Leiden zu sich zu rufen, waS wir Verwandten und Freunden mit der Bitte um stille Teilnahme anzeigen. li'dimintriDoynung mieten. Todes-Anzelge. Freunden, Bekannten und Verwandten hiermit die traurige Nachricht, daß unsere liebe Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Wilhelmine Freitag im 28. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden gestern abend sanft entschlafen ist Die trauernden Hinterbliebenen. I. 2t: Lodwig Freitag. Heuchelheim, den 2. April 1903. 2816 Die Beerdigung findet Freitaa den 3. April, nachmittag« 4 Uhr, vom Sterbehause, Bahnhofstraße 2, au« statt. Rühriger Agent von eingefichrter, deutscher Ktitt'?krs.-8ksklM imter günstigen Bedingungen gesucht. Df unter F. EL 145 wt HaafenPein4Uogler,«-'». Frankfurt a. M. 2804 Wilm Johannctte Sein bei chrer Krankheit und ihrem Hinscheiden so viel Liebe erwiesen haben, sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. 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