Dienstag 1. September 1903 Zweites Matt. Iie heutige Wummer umfaßt 8 Seite« so (Nachdruck verboten.) 153. Jahrgang jeder anderen Partei^ sie seien nicht imstande gewesen^ den NabionalsoKiaLAmus als etwas ParteiLLldendeS hin- zustellen. Die Gedanken, die sie vertreten, seien für die Sozialdemokpatie nicht ohne Nutzen gewesen, und ihr Eingreifen in der Berusteinfrage sei keineswegs unbeachtet gedlreben. Mer es sei nicht erreicht worden, daß die Ar- beiterbevölkerung die Zukunstskraft in unserer Bewegung erkannt habe. Qualität an Menschen hätten sie besessen, aber die Quantität habe gefehlt, und an diesem Quantitätsmangel sei unendlich viel zu Grunde gegangen, was sie hätten leisten können. Die Fortführung der Bewegung auf weitere fünf Jahre würde eine langsame und blutarme Geschichte geworden sein, eine Entwicklung kleiner Abbröcklungen und kleiner Gewinne, deren Ende nichts anderes als in fünf Jahren ein Lag wie der heutige sein würde, aber dann nicht so wie der heutige, gesund und geeint durch den Kmnpf! Durch den Rücktritt des Vorstandes sei eine geschulte Leitung für die Fortsetzung der Geschäfte- nicht mehr vorhanden. Zur Sozialdemokratie gehen könne der Verein nach alledem, wie er entstanden sei, nicht. Tenn die Sozialdemokratie stehe dem deutschen Staatts- gedanken heute ebenso prinzipiell ablehnend gegenüber wie 1896. Mer das ist in diesem Sinne heute nicht vorhanden und wir Haden gesehen, daß wir als Konkurrent von außen her die Entwicklung nach dieser Richtung hin nicht beschleunigen können. Die innere Entwicklung der drei Millionen werde in der bisherigen Weise weiter gehen, als ein Prozeß, der M langsam gehe, als daß sie erwarten könnten, bis einmal die Sozialdemokratie Schiffe bewillige. (Heiterkeit.) Auch die soziale Stellung vieler Mitglieder müsse bei einem solchen Schritte unseres Vereins in Betracht gezogen werden. Am schwierigsten sei die Frage für die Arbeiter, sie sind zju uns gekommen mit dem Bewußtsein, sozial aber nicht sozialdemokratisch zu sein. Wenn sie zur Sozialdemokratie übergehen wollten, hätten sie es längst getan. In der Mehrzahl würden diese mit zur FreisinnigenVereinigung gehen. Zur Resignation absolutester Art biete jedoch das, was sie erlebt hätten, reuten inneren Anlaß, deshalb empfehle er ihnen, den Weg des Anschlusses zu gehen. Es verstehe sich von selbst, daß sich der Anschluß nicht mit ungetrübtem Glücksgefühl vollziehe und nicht in dem Gefühl, daß man sich sehr glücklich gefunden habe. Mer wenn sie trotzdem dazu aufforderten,^ so werde das erleichtert dadurch, daß der Liedakteur Weinhausen bei der „Nation" eintrete. Wt der Fusion würden sie politisch nie etwas anderes werden, als was sie ur- sprünglich beabsichtigt haben. Sie müßten mithelfen, daß außer der Sozialdemokratie noch eine Gruppe bestehe, die die deutsche Bildungswelt davor bewahre, daß sie nicht insgesamt in die Arme der Indolenz der Reaktion falle. Ten Gedanken aufrecht zu erhalten, daß die nationale Frage nicht aufgehört habe für den, der weniger als 1200 Mark Einkommen habe, den Gedanken, daß wir eine demokratische Entwicklung brauchen, wenn wir nicht schließlich ein Sklavenmeer auf der einen und eine übermächtige Kohlenseudalität aus der anderen Seite haben wollten, das müsse Vereins. Wir wünschen ihm, daß sich seine Erwartungen erfüllen. Schließlich ist nody zu bemerken, daß nach MMuß der Verhandlungen zwischen Naumann und dem Vorsitzenden des Wahlvereins der Liberalen, Schrader, ew Telegramm-Wechsel stattgesunden Hat- Professor Lujo Brentano aus München wird dem Berliner Tageblatt zufolge nunmehr der fr eisinnig en Vereint g u n g als Mitglied beitreten. Aas neue Iürstenhaus Kröach-Schönöerg und seine Stammgeschichte. Politische Tagesschau. Der „erste Staatsmann" Rußlands. Seit langem nicht sind die Urteile der hiesigen Presse auseinandergegangen, wie in Bezug auf den WeMel Tetlr U Witiko: für .Stadt und und ,GertchtSfaal*r August Götz: für den An- gelgentetl: HanS Beck. „Omnia cum Deo Et nihil sine Eo.“’ (Erbach'jche Devise.) GiehenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt fiir den Ureis Gießen Are Zukunft der Wationalfoziatcu. Ter ncrkionalsoziale Parteitag, über den wir gestern bereits berichtet haben, hat mit einem Kompromiß abgeschlossen. Tr. Naumann hat darauf verzichtet, der Gesamtheit einen Antrag aus Anschluß an die Freisinnige! Vereinigung zu unterbreiten, sondern lediglich den Antrag, die bisherige Zentralorganisation arrfzuheben, den Fortbestand der Orts- und LandesOrganisationen aber von deren eigener Entschließung abhängig zu machen. Tiefer Antrag wurde angenommen. Der weitere Vorschlag Naumanns, Anschluß an die Freisinnige Vereinigung, wurde mehrfach lebhaft bekämpft, aber eine Mstimmung der Gesamtheit darüber fand nicht statt. Tie Gruppen, die den Antrag befürworteten, versammelten sich besonders, und es ist das osfenbar die Mehrheit der anwesenden Delegierten. Die bisherigen Mitglieder des Nation al sozialen Vereins werden nun nach den gefaßten Beschlüssen und den gemachten Eröffnungen vier verschiedene Wege einschlagen, um ihre Ideen zu verwirklichen; «ein Teil geht in die Fr e i s i n n i g e V erein i gu n g aus, ein Teil, einzelne Mitglieder und Lokalvereine, schließen sich dem Liberalen Wahlverein an, andere Vereine sind gewillt, ihre nationals oziale Selbständigkeit und den gegenseitigen Zusammenschluß aufrechtzuerhalten, einige Mitglieder endlich, wie Dr. Maurenbrecher und Hildebrand, der kürzlich verhaftete Redakteur der „Zeit", werden sich der Sozialdemokratie anschließen. Aus der großen Rede des neuesten Heidelberger theologischen Ehrendoktors Naumann teilen wir heute noch folgendes mit: Im letzten Grunde sei im Jahre 1896 die neuartige Auffassung der sozialen Dinge, wie sie sich in der kurzen sozialpolitischen Epoche, die unter dem Grafen Caprivi durch die kaiserlichen Erlasse eingeleitet worden war, das Bindende gewesen. Wir hatten den Gedanken, daß hier eine große sozialpolitische Kraft emporwachse, die dem deutschen Volke zum Fluch oder zum Segen werden konnte, je nachdem sie sich entwickelte, und unser Gedanke war daraus gerichtet, an dieser Massenbewegung mitzuarbeiten, in der Richtung, daß eine mächtige nationale Bewegung daraus werde, sodaß sie schließlich eine national-soziale Partei bilden würde. Wir haben dem Bürgertum zugerufen: Es ist hohe Zeit, sozial zu werden, und wir haben den Arbeitern zu gerufen: Es i[t hohe Zert, national zu werden! Und diese Arbeit der letzten sieben Jahre sei unler keinen Umständen für sie selbst und das Vaterland verloren gewesen. Unter den Passiven ihrer Bilanz stehe an erster Stelle der Umstand: Die Arbeiter feien nicht gekommen in größerer Zahl! Der Gedanke, der internationalen Sozialdemokratie eineKon- kurrenzpartei zur Seite zu stellen, sei nicht verwtrlltM worden. Die Sozialdemokratie sei auch bei dieser Wahl wieder ungeheuer gewachsen und auch über die Nationa^ sozialen und ihre Arbeit hinweggeflutet tote über dre Arbeit auch fernerhin ihre Ausgabe sein. (Lebh. Beifall.) Darüber sei kein Zweifel, daß die nächste Zukunft noch nicht der Sozialdemokratie gehöre, so' oern der Regierung und dem Zentrum,.und viese Periode werde auf alle Falle unsruch tb ar sein. In allen großen Fragen habe der Freisinn seine Schuldigkeit getan, z. B. in der Flotten vor läge, der Zuchu-ausvorlage und dem Kamps um den Zolltarif. Die Mächte, welche sich der Arbeiterschaft entgegenstellen, sind die Syndikate. In vielen Tingen würden sie einen eigenen Weg gehen können, z.B. inkommunalenAngelegenheiten. Er fordere sie auf, sich anzuschließen und mitzuarbeiten im neuen Kreise. (Lebhafter Beifall, vereinzelter Widerspruch.) Diese Ausführungen, so Beherzigenswertes und Bedeutendes sie im einzelnen enthalten, können den gewollten Eindruck nicht machen, da sie an einem inneren Widerspruche leiden, an einer Unsicherheit, in per das schließlich Borgejchlagene, der Anschluß au die Freisinnigen, nur gewählt wird, iveil es als das kleinere Uebel erscheint. Am meisten trat sein Schwanken gegenüber der Frage des Anschlusses an die Sozialdemokratie hervor. „Wissen Sie denn, ob mich die Sozialdemokraten haben wollen?" fragte er. Wenn Naumann als das Ziel der Nationalsozialeu hinstellt, die internationale, antinati-onale Sozialdemokratie durch eine nationale Arbeiterpartei zu ersetzen, indem er die Arbeiter national, die bürgerlichen Parteien sozial macht — so mußte der llebergang zur Sozialdemokratie als „eine Verleugnung der heiligsten lleber- zeugungen" Hingestelll werden, wie es Prof. So h m in markiger Weise tat. Wie weit es Naumann möglich sein wird, seine Ideen innerhalb der Freisinnigen Vereinigung zur Geltung zu bringen, muß die Zukunft lehren. Er selbst bezeichnet den Schritt als ein Wagnis. Was ihn zu dieser Partei hinzieht, ist ihre Haltung in nationalen Wehrfragen und in der Zollfrage. „Wenn wir nicht bemüht sind, aus das Bürgertum zu wirken, dann dürsten sich die Zustände des Königreichs Sachsen bald verallgemeinern." „Wir müssen uns durchretten für bessere Zeiten", llnd in der Zwischenzeit praktisch tätig sein, das erscheint chm eher möglich im Rahmen einer parlamentarischen Partei als durch : die theoretischen Debatten des bisherigen nationalsozialen Vezngvpret-i monatlich 75^ vierteljährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post All. 2.— viertel- jährl. auSschl. Destellg. Annahme von Anzeigen ür die TageSnummer Di3 vormittags 10 Uhr, ZetlenpreiSr lokal 12 Pf* auswärts 20 Psg, ihn in Gewahrsam bringen. Er steigt in derselben Herberge ab, in der auch Luther übernachtete, ohne es zu wissen. Als er in der Nacht in der Nähe seines Zimmers einen Betenden hört, wird er tief ergriffen. Als er nun am Morgen erführt, daß jener Andächtige Luther gewesen, eilt er zu dem Mönche und gesteht ihm seinen bösen Plan. Nach längerer Unterredung mit Luther kehrt Eberhard als Freund der lutherischen Sache nady Hause zurück. Mit dem Tode feines Vetters Valentin von der Michelstädtischen Linie wird Eberhard 1531 alleiniger Herr der Grafschaft Erbach. Ties war die Veranlassung, daß er beim Kaiser Karl V. um die Reichsgrafenwürde nachsuchte, die er auch auf 'dem Reichstage zu Regensburg 1532 erhielt. Ws der Landgraf Philipp von Hessen auf seinem Zuge zur Wiedereinsetzung des geächteten Ulrich von Württemberg 1534 den Odenwald berührte, fand er bei Eberhard in Fürstenau gastliche Ausnahme. t r Ter schmalkaldische Krieg brachte den Erbachischen Landen viel Unruhe und Drangsale. Gras von Büren zog mit seinen Spaniern und 'Niederländern durch die Grasschaft und verteilte seine Truppen in die Törfer derselben. Mit einer Geldbuße von 12ÖÖ0 Reichstalern mußte der Mzug erkauft werden. 1549 erklärte der Kaiser dre Erbacher Grafen als Anhänger des Schmalkaldischen Bundes in die Reichsacht und konfiszierte chre Güter, die sie erst 1552 durch den Passauer Vertrag wieder zurückerhiellen. Georg IV. (1569—1605) vereinigte die ganze Grafschaft, zu der noch die Hälfte von Breuberg, Wildenstein und Kleinheubach am Main kamen, sodaß getzt die ganze Herrschaft eine Bevölkerung von 60000 Seelen zählte. Von feiner landesherrlichen Tätigkeit geben mehrere weise Ge- fetze und Verordnungen Zeugnis, so eine Ehegeri chts- Ordnung, eine Ordnung über die F e l d p o l i z e i, V^- ordnungen gegen übertriebenen Aufwand bet Hochzeiten und Kindtaufen, eine Bäcker-Ordnung, eine Gerber-O rdnung. Sein Wahlspruch war: „Gott ist mein Trost!" Georgs Söhne: Friedrich Magnus, Ludwig und Georg Albrecht teilten sich die .Herrschaft nach den üblichen Grundsätzen des Hauses. Ludwig erhielt vom Kaiser Ferdinand den Ritterschlag, wa» damals noch selten vorkam, weshalb er fortan den Bern amen de „Ritter" führte. Sein ältester Sohn Georg ^nedruh starb 1632 unter den Augen des Kourgs Gustav Adolf von Schweden bei Nürnberg den Heldentod. Von -ullys Krugs scharen hatte die Grafschaft oul zu leuen, fodap udwi oft klagte, daß es chm und den ^emen an Brot fehle. Schluß folgt. Tie jüngste Zeit mellute uns eine neue Standes erhöhung in Hessen. Ter Setlior des Hauses Erbach, G^f Gustav von Erbach-Schönberg, wurde von unserem fürsten anläßlich des 40jährigen Jubtlaums der ^.^übernähme feiner Standesherrschast in den erblichen Fu s e H°u?Erbach, das sich die Lmien Lrbach-Fürstenau, Erbach-Erbach und Erdach-SchMberg te^t, blickt auf eine hohe Vevgangenhert und rerche Geschuhte zurück. Tie Vorfahren der Erbachischen Dynastte gehörten einem alten, freien fränkischen Geschlechte am feines Ansehens vom Kloster Lorsch und dem Reiche dre hohe Gerichtsbarkeit und besondere BenefrMen «chrelb Dre Erbacher mehrten ihren Grundbesch und brlüeten hn zur Herrschaft aus. Die Herlertung chrer Wstammnna von Einh art, dem Biographen Steti des Md ferner Gemahlin Jmma gehört der Sqge an und urchdg^ schrchtlich begründet. Als den Stammvater des Erba^ scheu Hauses haben wir wohl Eberhard o ch anzusehen, der um 1148 starb. Erbache führt seinen Namen nach entern Beaten «taje, dem Ertbach-Ertpach-Erbach- der un Dorfe l^bachrn dre Erde fällt, oberhalb des Torfes Stockhervr^wrÄ^^aus bett Erde hervorkommt n,rd sich dann rn dre yteiM« Vor 1223 bekleidete das krbaAche dasR e r ch s , ch c » k e n a m t am Rhein; die ^«4°- wur^RetchK Ministerialen und besaßen Rerchslehen. Kong ) tritt die Schenken von Erbach und dre mrt dem Sch«tkNEt verbundenen Reichslehmr an den Ps^Maf tdwrD uuo die Erbacher werden dadurch pk^äS^s 1 rialen. Zwei Söhne Conrads I. von Er^ch treten n den Aenst der Kirchl; 1287 erscheint Eng-lh°rd von M 8Ki,“m .tr. .tÄSWKSi Tas älteste männliche Glied des Hauses hatte die Verwatz- ung des Schenkencrmts; es bestand ein Sen io rav In dem Kampfe des Pfalzgrafen Ludwig, Herzogs in Bayern, und Friedrichs von Oesterreich um die deutsche Wnigskrone stehen Eberhard und Conrad III. von Erbach ach Ludwigs Seite. Dieser Conrad III. war ein hochbedew- tender Mann- Ms Kaiser Ludwig der Bayer 1334 mit den rheinischen Kurfürsten und Städten einen Landftieden am Rheure ausrichtete und ein Siebenergericht besteMe, wurde Conrad in. von Erbach Obmann dieses Gerichts. Hundert Jahre später ist die Stellung der Erbacher unter den Schänden des Reiches eine angesehene; sie können 1422 zur Reichsarmee 6 Gleven (Geharnischte) stellen, eine verhältnismäßig große Zahl zu den anderen Standen. Im Jahre 1451 ernannte Erzbischof Dietrich von Mamz Philipp IH. von Eribach zu seinem Vitztum (Statthalter) vdn Alchaffeuburg; außerdem war derselbe Großhofmerstxr (Minister) beim Erzstiste Mainz. In der bayerischen Fehde, die im Jahre 1504 Kaiser Maximilian gegen den Kurfürst von der Pfalz führte, nahm Landgraf Wilhelm II. von Hessen, ein Verbündeter des Kaisers, Besitz von dem Erbachschen Grundeigentum an der Bergstraße. Erbach erlitt bedeutende Verluste mt Ländereien und konnte nach sieben Jahren trotz seiner Vorstellungen beim Kaiser nur erlangen, die thm geblrebenen Bicken- bachschen Besitzungen sowie die SchWfs« Schönberg und Habitzheim als hessische Lehen zutmckzuerhal^t Der den aus dieser Fehde 6eltef. ftch für dte Herrschaft Erbach °Uf Ju^ der ^ickingi scheu Fehde, die der Kurfürst von Trier im Bunde mit dem Kurfürsten von der Pfalz und dem Landgrafen Philipp von Hessen 1522 aussocht war Eberhard von Erbach Oberbefehlshaber des pfcHt- icben Leeres Er leitete die Schanzarbetten und die Be^ chwhung vor der Sickingschen Burg der Feste Latrdstuhl ht der Pfalz. Auch in dem Bauern krieft, in der furchtbaren Erhebuna der Bauern gegen ihre Lehnherreu, zeigte Erhard vt^ Äerkeit, Mäßigkeit und Besonnenheit W k-r-E er iZFeld ziehen, ohne für SfeiB und Koch in den Tälern des Qdenwaldes besorgt zu fein. Bei der Beliebtheit ihres Herrn blieben die Erbachischen Lande von den tobenden Wogen des Aufstandes verschont. Eberhard, ansanas eilt entschiedener Gegner der damaligen kirchlichen Kegung soN durch einen besonderen Vorstall ein Freund lutkierischen Sache geworden fein. Der Erbacher schenk wM^Luther mit mehreren Geharnischteit auf seiner Durchreise durch Miltenberg am Main den Weg verlegen und Nr. 204 täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gretzener Familien» Natter viermal in der Woche belgelegl. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Stein- druckerei (Pietsch Erben) Redaktion. Expedition und Druckerei: Schnlftratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. Fernsprechanschluß Nr. 51. tu der Leitung des russischen Finanzministeriums. DQs „B. T.", die „Voss. Ztg." und andere Blatter noch rn der Provinz, sind der Ansicht, daß bre Ernennung ^vrttev zum Ministerpräsidenten eine verblümte Kaltstellung bedeute. Der Zar habe dem mächtigen Finanzminister, der bei seinen wettgreisenden wirtschaftspolitischen. Plänen nicht immer eine glückliche Hand gezeigt habe, einen „guten Abacnrtt'' verschasst. Die „^Nationalztg." hingegen meint, die Rangerhöhung Witte's stellt nwglicherweise eine Durch- «angLvhase für die spätere Ernennung zum russischen Reichskanzler dar; sie bedeute auf jeden Fall eilte Auszeichnung. In demselben Sinne urteilen die hervorragenden russischen Zeitungen. Aus diplomatischen Kreisen wird versichert, daß der überwiegende Einfluß Witte's in der russischen Regierung in Zukunft mehr noch als bisher sich zeigen werde. Witte sei nicht der Münn, ein dekora- ttves Amt anzunehmen. Das Dekorative werde von nun an eher dein Finanzministerium anhasten, dessen neuer a t). Pleske, die Direktiven des Ministerpräsidenten beachten müssen, besonders in der Hand els v ertrag sPolitik. Die Beförderung Witte's sei einfach eine Dokumentierung der Tatsache, daß Herr v. Witte auch in den Augen des Zaren als der „erste Staatsmann Rußlands'^ gilt. Die Peters bur ger Bör s e erblickt in dem Ministerwechsel keinen Systemwechsel. Sie ist der Ansicht, daß das Finanzministerium auch unter Pleske im Geiste Wittes geleitet werden wird. Sie nimmt an, daß Witte sich vor- nelynlich den Handelsverttägen widmen werde. Den Abschluß des Katholikentages hat eine Fe st Versammlung der Windthor st Kunde gebildet. Es wurde nach dem „Wests. Merk." ein Gedicht ooegetragen, welches in launiger Weise schildert, wie Windt- horst im Himmel vierspännig beim Herrgott vorfährt, um für sein liebes Deutschland um Nachwuchs an tüchtigen Männern zu bitten, worauf ihm Gott huldreich verspricht, Windthorsts Geist den jungen Windthorstbunden einzuflößen. Abg. Roeren erklätte, er halte die Aufgaben des Windthorstbundes für die wichtigsten, die ein Verein in Bezug auf das öffentliche Leben sich gestellt hat. Wer irgend iveiter sehe, werde zustimmen müffen, daß wir am Vorabend des größten Kampfes der religiösen und sittlichen Fragen stehen. Der Präsident des Katholikentages, v. Orterer, erklärte: Wir Alten vermiffen unseren Windthorst schmerzlich, aber die Epigonen sind auch nicht schlecht; sie haben Windthorsts Erbe treu bewahrt. Es wäre gar nicht gut, wenn es viele Windthorsts gäbe, denn dann würde der eine nicht viel mehr bedeuten. Landtagsabg. Marx betonte, es sei ein Beweis für die Vorteile, die der Windthorstbund biete, daß andere Parteien die Gründung von Jugendvereinigungen nachmachten. Die Sozialdemokratie brauche sie nicht, denn sie habe einen Jugendverein in jeder Famüie. Vom Aufschwünge der Landwirtschaft hat der Gutsbesitzer zur Horst im Zenttalausschuffe der oldenburgischen landwirtschaftlichen Vereine in einem Vortrag über die Entwicklung der Landwirtschaft während der letzten 25 Jahre bemerkenswerte Ausführungen gemacht. Nach dem „Gemeinnützigen" erklärte er: Die einen reden von einem Aufschwung, die andern von einer Notlage der Landwirtschaft. Er, Redner, stehe auf dem Standpunkt, daß in den letzten 25 Jahren ein gewaltiger Aufschwung der Landwirtschaft zu verzeichnen sei, wie er vielleicht nicht in den hundert Jahren vorher erzielt worden sei. Es bestehe also das Gegenteil von einer Notlage. Dieser Auffchwung sei daraus zu schließen, daß der Wohlstand, die Zahlungsfähigkeit, die Kaufkraft der Landwitte zugenommen habe. Auch aus dem Aufblühen der kleinen Ortschaften sei zu schließen, daß es der Landwittschast gut gehen müsse. Der Kaufpreis für den Grund und Boden habe sich erhöht. Ueberall auch seien neue Wittschaftsgebäude nötig geworden, die alten genügten nicht mehr für die Ernte. Auch aus dem Gebiete des Ackerbaues sei ein Fortschritt zu verzeichnen, die Früchte ständen besser, die Ernte ertrüge seien höher geworden. Große Flächen seien neu kultiviert worden. Die Weiden hätten ganz gewaltigeFortschritte gemacht. Vom Vieh seien die einzelnen Stücke besser genährt, weil bessere Nahrung vorhanden ist, die Anzahl sei gewachsen. Auch in der Schweinezucht sei ein großer Fortschritt erzielt worden. Eine Hauptsache dieses Aufschwunges sei darin zu suchen, daß durch Anwendung von Kalk, Thomasmehl und Kainit wie durch votteilhafte Be- wäfferung die Ernte gesteigert worden ist. Wenn auch nich die Getreidepreise, so seien doch die Viehpreise wesentlich gestiegen. Aus dem Verkauf der Roherzeugnisse des Ackers werde nicht Bedeutendes erzielt, der Verkauf von Rindvieh, von Milch und Butter wie von Mastschweinen liefere die Einnahmen. Weiterhin meinte Herr zur Horst, wenn die Landflucht der Arbeiter und die Steigerung der Löhne auf das Doppelte oder gar das Dreifache nicht wäre, so tonnte die Landwirtschaft ausrufen, sie „säße dicke drin". Allerdings trifft nach unserer Ansicht diese Darstellung wohl nur auf einzelne nordwestdeutsche Distrikte zu. Deutsches Keich. Berlin, 31. Aug. Infolge des schlechten. Wetters hat der Kaiser die auf heute vormittag angesetzte Parade abgesagt. — Das in der Stadt verbreitete Gerücht, wonach der Kaiser bei dem Ritt nach! dem Parad e- felbe mit dem Pferde gestürzt sein soll, und deswegen die Parade ausgefallen sei, ist nach Erkundigungen km maßgebender Stelle völlig unbegründet. — Die heute ausgefallene Herbstparade des Gardekorps sindet morgen vormittag 9 Uhr statt. — Heute abend fand bei dem Kaiserpaar im weißen Saale des königlichen Schlosses eine Tafel für d as Gardekorps statt. Bei demselben saß dem Kaiser- paare gegenüber der kommandierende General des Gardekorps, rechts vom Kaiser folgten die Großherzogin von Sachsen, der Kronprinz, Prinz Friedrich Leopold, links von der Kaiserin der Großherzog von Sachsen, Prinzessin Friedrich Leopold und Prinz Eitel Friedrich. — Kaiser Wilhelm trifft in der Nacht vom 12. September m Mo ha cs in Ungarn ein. Am 17. erfolgt die Reife nach Wien zu einem zweitägigen Aufenthalt. — Der „Reichsanz." gibt bekannt, daß dem Schatzsekretär Frhrn. v. Thiel mann unter Verleihung des Ranges und Charakters eines Staatsiministers die nach- aesuchte Dienstentlassung erteilt worden ist, und daß Frhr. von Stengel zum Schatzsekretär unter Verleihung des Charakters als Wirkl. Geh. Rat mit dem Prädikat Exzellenz ernannt, und mit der Stellvertretung, des Reichskanzlers in den Reichsfinanzangelegenheiten gemäß einem Gesetze von 1878 beauftragt ist. . — Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Anzahl Ordensverleihungen an italienische Offiziere vom früheren ttalienischen Expeditionskorps in Ostasien. Breslau, 31. Aug. Bei der Beerdigung des General- Superintendenten Nehnnz wurde der Präsident des preuß. evang. Oberkirchenrats Dr. Bar kh aus en im Trauerhause von einem Schlaganfalle betroffen unb starb sofort. Friedrich Wilhelm Barkhausen war 1831 zu Misburg bei Hannover geboren. 1873 wurde er Geh. Regierungs- und vorttagender Rat im Ministerium der geistlichen Angelegenheiten und mit -der Regelung der kirchlichen Verfassung der neuen Provinzen betraut. 1881 wurde er zum Direktor der geistlichen Abteilung befördert, 1890 Unterstaatssekretar im Ministerium, und 1891 Wirkt. Geheimer Rat und Präsident des Evangelischen Ober-Kirchenrats. Die Universität Marburg verlieh ihm 1883 die theologische Doktorwürde honoris causa. . . — Nach einer Petersburger Drahtmeldung fand in der Deutsch-Russischen Handels-Vertrags-Kommission am Samstag die erste Lesung des Entwurfes statt. Dem hiesigen „Confect." wird mitgeteilt, daß die deutschen Unterhändler nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, am 28. August von Petersburg abgereist sind, sondern erst am 2. September abreisen werden. Die bisherigen Besprechungen sollen einen günstigen Verlauf genommen haben. Tie „Königsb. Hart. Ztg." will wissen, daß der Abschluß des neuendeutsch-russischen Handelsvertrages nahe bevorstehe. Ein bedeutendes Verdienst um diesen Erfolg hat sich der deutsche Generalkonsul in Petersburg, Maron, erworben. Mannheim, 31. Aug. Der heutige Vertretertag des Reichsverbandes der nationalliberalen Jugend besprach die allgemeine politische Lage und stellte als einmütige Meinung der Versammlung fest, daß die „Bekämpfung der bisherigen ultramontan reaktionären Mehrheit" entschiedener als bisher Pflicht der Vertretung der Partei sein müsse. Ferner sprach sich die Versammlung für Beibehaltung des bestehenden Reichstagswahlrechtes und dessen Ausdehnung auf die Bu n d e s st a a t e n aus. Als Ort des nächsten Verttetertages wurde Leipzig gewählt. Ausland. London, 31. Aug. Heute fand in Hatfield das Begräbnis Salisburys im engeren Kreise statt, gleich- zeittg in der Westminsterabtei ein Gedächtnisgottesdienst, an dem Vertreter des Königs, des Prinzen von Wales, der deutsche Geschäftsträger Graf Bernstorsf für den deutschen Kaiser, sowie Vertteter verschiedener Botschaften und Gesandtschaften und hervorragende polittsche Persönlichj- teiten teilnahmen. Petersburg, 31. Aug. Man meldet aus Täbris blutige Kämpfe zwischen Kurden und christlichen Syro-Kaldäern. Dieselben wurden von der persischen Regierung bewaffnet, befindet sich aber in der Minderheit. Russische Kreise verlangen eine Intervention des russischen Konsuls zu Gunsten der Christen. Tausende unzufriedene Familien aus Turkestan haben durch Abgesandte um die Aufnahme in die russische Untertanenschast gebeten. (Also Rußland möchte wieder ein Stückchen Zentralasien aufschnappen. D. Red. d. Gieß. Anz.) Dschibuti, 31. Aug. Einem Telegramm aus Adis- Abeba zufolge, ist die Nachricht von der E r k r a n k u n g des Kaisers Menelik unrichtig. Menelik erfreue sich der besten Gesundhett.____________________________________________ Aus dem Hrtent. Die Ungemüttiu)teilen im Orient nehmen ihren beklagenswerten Fortgang. Nach dem „Wiener Korrejp.-Bur." ist mit dem Gesttigen (31. August) nicht uür der Verkehr mit dem Orientexpreßzug auf der Strecke Mr starrt iuopcl- Sofia, sondern auch mit dem Ko uv e n t io n al z u g e aus der Stteüe Konstauttuopel-Adrianopel eingestellt. Dieser Zug wird dura) den Zug ersetzt, der um b Uhr früh in Konpantinopel abgeht. Es ist Damit bewirkt, daß der Verkehr dieses Zuges aus der Sttecke Konstantinopel-Alustcv- plapafcha bei Tage ersolgt. Daraus geht hervor, wie ängstlich die Gemüter am goldenen Horn sein müssen. Eine starke Einsallsbande geht heute von Sofia nach Mace- donien ab. General Zontschew hat sich beretts vor einigen Tagen nach Macedonien begeben. Tie Komitees behaupten, außer großen Zuschüssen vom bulgarischen. „Roten Kreuz" und vom slavischen Zkyril- und Methodverein noch von einem ausländischen Freunde der Macedonier 200 000 Fr. erhalten zu haben. Nach neueren Meldungen soll die Zerstörung der Klöster Sfeti und Prochar in Altserbien von Türken erfolgt sein, weil die Türken vermuteten, daß sich in denselben revolutionäre Banden versteckt hielten. Ter Kaimakam von Malkstonowo sorderte die Notabeln der Stadt aus, eine Eingabe zu machen, in der behauptet wird, die Insurgenten beraubten die Christel Da die iliotabeln dies Anfinnen zurückwiesen, ließ sie der Kaimakam tags daraus a u f h ä n g e n. Das sind die hauptsächlichsten der neuesten üblen Meldungen. Fürst Ferdinand von Bulgarien ist inzwischen in seinem Lande eingetroffen, nach seiner Residenz Sofia aber hat er sich noch nicht getraut. Er ist aus seinen ungarischen Jagdgründen nach der rumänischen .Hafenstadt Con- stanta, von dort mit seiner Jacht nach der bulgarischen Hafenstadt Varna gereist und gestern (Montag) auf seinem Schlosse Euprinograd eingettossen, wo er die „weitere Entwicklung der Ereignisse abwarten" will. Tie „Agence Tele- graphique Bulgare" bezeichnet natürlich das Gerücht von der Entdeckung eines Minen ganges unter* dem fürstlichen Palais zu Sofia als vollständig aus der Lust ,go grissen. — Die „Voss. Ztg." meldet aus Sofia: Obwohl die Komtteekreise leugnen, erhält sich das Gerücht, daß die Macedonier ein Schreiben an den Fürsten Ferdinand gerichtet haben, worin dieser ausgofordert wurde, sich entweder der macedonischen Sache anzuirehmen oder abzudanken. Entgegen den offiziellen türkischen Darstellungen besteht man auf der amerikanischen Gesandtschaft in Konstantinopel darauf, daß ein Attentat auf den amerikanischen Konsulin Beirut stattgefunden hat. Das unglückliche Versehen, durch welches Magelsen als tot gemeldet wurde, und Präsident Roosevelts Entschluß, trotz der Aufklärung des Irrtums den Befehl an das Geschwader, nach Beirut zu gehen, nicht zurückzuneymen, gaben inzwischen zu scharfer Krittk Anlaß. Der türkische Gesandte in Washington, Chkib Bei, eilt von seinem Urlaubsaufent- halt Seyville nach Washington, um bei Staatssekretär Hay die Rückberufung des Geschwaders durchzusetzen. Dre Revolutionäre würden das Erscheinen des Geschivaders als Beweis der Sympathie der Union für sie ansehen. Roosevelt selber soll infolge des Irrtums des amerikanischeu Gesandten in Konstantinopel Leishman betr. den Zwischen- all in Beirut mißgestimmt sein und beschlossen haben, den Gesandten, der den Irrtum verschuldet hat, abzuberrrsen. E> soll geäußert haben, ein solcher Mann ser nicht fähig, die Staaten bei einer anderen Regierung zu vertreten. Trotz alledem sind von Genua die amerikanischen Kreuzer „Brooklyn" und „San Francisco" nach Beirut abgegangen! Aus Stadt und Saud. Gießen, den 1. September 1903. •* Das neue Bibliothekgebäude der Landes-- Universität an der Stephanstraße geht im Aeuheren seiner Vollendung entgegen. Die innere Ausstattung fehlt indes noch ganz. Die Bibliothek wird im Laufe des Jahres 1904 dahin übersiedeln. Die alte Universitäts-Bibliothek auf dem Brandplatz soll alsdann Lehrzwecken dienen. Aian beabsich< tigt zunächst das botanische Institut darin unterzubringen. "Von der Eisenbahnverwaltung. Mit Genehmigung des preuß. Ministers der öffentlichen Arbeiten ist an Stelle des Vorstandes der Betriebsinspektion II in Gießen dem Betriebsingenieur Klose in Gießen die Vertretung des Vorstandes der Maschineninspektwn in Fällen kurzer Abwesenheit übertragen worden. ** Einem Betrug ist die Postverwaltung auf dtt Spur gekommen. Drucksachen werden nur dann beför- dett, wenn sie vollständig frei gemacht sind, andernfalls gelangen sie an den Absender zurück, soweit sich dieses durch Aufdruck u. s. w. durchführen läßt, ohne daß der Absender Strafgelder zu zahlen hätte. Es giebt Leute, die selbst aus das Ersparen einer Zweipfennigmarke Gewicht legen, da die Ersparnis bei einer größeren Anzahl solcher Sendungen sich bis zu einem sehr bemerkenswerten Betrag vervielfältigen kann. Und es ist gar nicht so schwer, nach dieser Richtung hin das Postgesetz zu umgehen. Man schreibt nämlich ganz einfach seinen eigenen Namen als den des Empfängers auf die Drucksache und den Namen dessen, für den die Sendung bestimmt ist, als den des Absenders auf die Rückseite. Da nun nicht freigemachte Drucksachen nicht befördert werden dürfen, so gehen die Sendungen „postwendend" an den Absender zurück, d. h. sie gelangen frei in die Hände dessen, für den sie bestimmt sind. Dieser schlaue Kniff läßt sich zwar nur im Ortsverkehr anbringen, aber trotzdem wird er von vielen angewandt. Daß dies ein Bettug ist, darüber setzt man sich hinweg. Die Postverwaltung ist nun aber doch hinter das Verfahren gekommen und sucht einen Uebeltäter zu fassen, um ein warnendes Beispiel aufstellen zu lassen. ** Eine Sedanfeier veranstaltete am Sonntag Nachmittag der hiesige Kriegerverein auf Textors Terrasse. Die Krieger versammelten sich um 3 Uhr auf Oswaldsgarten unter Vorantritt der Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 118 nach der Hardt. Hier war Konzett und gemütliches Zusammensein. Toaste wurden ausgebracht auf Kaiser und Giwßherzog. sd. Darmstadt, 21. Aug. Die Ziehungstagi. der 2. Hessisch-Thüringischen Staatslotterie beginnen am 9. September und werden fortgesetzt am 10., 11., 12., 14., 15., 17., 18., 19., 21., 23., 24., 25., 26. und 28. September, und der Schlußtag, an welchem die letzten Prämien, soweit sie noch nicht gezogen sind, herauskommen, am 1. Oktober d. I. fc. Offenbach a. M., 31. Aug. Auf der gestern in Klein-Auheim abgehaltenen „sozialdemokratischen Kr eis kvn f er enz Offenbach-Dieburgs sprach sich der LandtagSab-g. Ulrich bezüglich der V i z e p r ä s i d e n te n- frage im Sinne Bernsteins und Vollmars aus. Wegen seiner Niederlage im Reichstagswahl- kampfe bekam Ulrich harte Worte zu hören. Er soll nicht genug agitiert haben. Auf der Konferenz waren 3ö Ortschaften mit 63 Delegierten vertreten. sc. Kastel, 31. Aug. Hier wurden ein 58jähriger Arbeiter und seine 21jährige Tochter wegen Blutschande verhaftet. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Herborn ist am Sonntag ein Kaiser Wilhelm I.-Denkmal enthüllt worden in Anwesenheit des komm. Generals v. Lindequist. Tierarzt Wenzel, dem der Kronenorden 4. Kl. zu teil wurde, hielt die Weiherede. Bei dem Festesten brachte Exz. v. Lindequist das Kaiserhoch aus und auf Veranlassung des Landrats v. Wussow wurde ein Telegramm an Kaiser Wilhelm II. gesandt. Der Gesamtentwurf des Denkmals stammt vom dortigen Architekten Hoffmann. Nach einem Festzuge entwickelte sich noch ein schönes Volksfest, bei dem Prof. Knod die Festrede hielt. — In Wetzlar ist der langjährige frühere Bürgermeister Moritz gestorben. Beinahe ein Vierteljahrhundert lang — von 1876 bis Ende 1900 — hat der Verblichene an der Spitze des dortigen Gemeinwesens gestanden. Vermischtes. * Mannheim, 31. August. Bürgermei ster Ullmer in Oftersheim wurde wegen Urkundenfälschung verhaftet. * München, 31. August. Ein Automobilwagen üb erfuhr einen Arbeiter. Dieser ist tot. Der Führer wurde, da der Wagen umstürzte, schwer verletzt. * London, 31. August. Eine Kra nk e nschw est e r namens Wienes hat von einem Kranken, den sie während seiner Pockenkrankheit pflegte, 5 Millionen Franks geerbt. * Cadix, 31. August. Der östreichische Kreuzer „Sperla" ist in der Nähe des hiesigen Hafens gesunken. Ein Dampfer der Transatlantischen Gesellschaft rettete 11 Mann der Besatzung. * R o m, 31. August. Unweit Civitavecchia wurde eine Postkutsche von zwei Räubern üb er fall en und aus- geplündert. * Krakau, 31. August. In Brody sind 7 Personen infolge Vergiftung durch Pilzgenuß gestorbem ♦ Brüssel, 31. August. Dt- Polizei verhaftete in Mons einen Zahlmeister, welcher 11000 Frcs. Regi- tncntägelber entro en bet hat. • Ein Grubenunglück. Nach einer Mcklbung aus Kattowitz ist auf ber Staubkohlenhalbe bet „Branbenburg- ®Cube* Feuer ausgebrochen. Zu Mitleibenschaft gezogen ist auch bie Nußkohlenhalbe, bie einen großen Wert repräsentiert. Das Feuer wirb Tag unb Nacht bekämpft • Wieber ein Absturz. Am 30. August stürzte beim Ebelweißsuchen auf ber Arnischfluhen (Berner Ober- laub) Herr Oberweyer aus Erlenbach (Santon Bern) ab; er mürbe mit zerschmettertem Kopfe unb gebrochenen Seinen tot aufgefunden. ♦ Eine Windhose hat m West- und Ostpreußen ungeheuren Schaden angerichtet. In Cadinen wurde die ganze Birkenallee vernichtet. In Pank lau sind zahl- reiche-Schiffe gesunken und in vielen Orten wurden Scheunen und Ställe umgeworfen. In Mühlhausen wurde ein Postwagen umgeworfen und der Postillon schwer verletzt. In Tolkemit wurden 20 Schiffe auf den Strand gesetzt und alle schwer beschädigt. Auf dem Haff ist beim Anzünden des Leuchtturmfeuers der Arbeiter Domke ertrunken. Auf dein Drewenzsee kenterte ein Boot mit 2 Insassen. Die Insassen wurden gerettet. In Tilsit ist ein Fahrzeug mit 33 000 Ziegelsteinen gesunken, wobei ein Arbeiter ertrank. * Eine großartige Dabakausstellung wird auf .der Weltausstellung in St. Louis 1904 in dem Landwirtschaftspalast zu sehen sein; sie wird einen Rarem von 300 Fuß Länge und 52 Fuß Breite einnehmen. Die Kosten werden sich auf viele tausend Dollars belaufen. .Man wird Beete mit'Tabakpflanzen bestellen, um die Entwickelung des Blattes in den verschiedensten Stadien bis zur Reife zu zeigen. In besonders erbauten Gärungsschuppen werden die Blätter der Gärung unterworfen. In einer anderen Abteilung wird man die Behandlung, Verpackung, Aufbewahrung der fertigen Tabakblätter zeigen; in toieber «euner anderen Abteilung wird der Tabak in Platten gepreßt, grob und fein geschnitten und zu Schnupftabak verarbeitet werden. Alle Maschinen und Werkzeuge, die bei der Tabakfabrikation verwendet werden, wird man im Betriebe sehen können. Der Cigarettenfteund findet eine Abteilung, in der gegen hundert gleichförmig kostümierte Mädchen Cigaretten fabrizieren. Man will hie geschicktesten und schnellsten Arbeiterinnen dieser Branche aussuchen. In ssiner anderen Abteilung sieht man die Cigarrenmacher bei der Arbeit. Die Anfertiger der Havannacigarren werden kubanische Kostüme tragen. Es werden auch hier natürlich nur die geschicktesten Arbeiter aus der Havanna engagiert werden. Da diese Leute die englische Sprache nichjt verstehen, werden besondere Führer dem Publikum die Handarbeit der Kubaner in englischer Sprache erklären. Liebhaber können Havannacigarren an Ort und Stelle, unmittelbar nachdem sie fertiggestellt worden sind, kaufen. Mehr als hundert Cigarrenarbeiter wird man mit den verschiedensten Maschinen aus amerikanischen Tabaken die verschiedenen Sorten amerikanischer Cigarren, von den billigsten bis zu den teuersten, herstellen sehen. In der Mitte der Ausstellung wird sich eine Pagode'erheben, die einen Durchmesser von 34 Fuß hat und nur aus Tabak erbaut ist. Ebenso wird der Globus, der auf ihrer Spitze sich besindet und 75 Fuß Umfang hat, aus Tabak augefertigt sein. Ein großes Schiff, aus Tabak hergestellt, wird man auf.einem weiten Tabaklager, welches Meereswellen nach- ahmt, sehen. Universitäts-Nachrichten. — Die Errichtung von Akademien für praktische Medizin wird, wie schon berichtet wurde, von dem preußischen Unterrichtsministerium vorbereitet. Ueber den Stand der Sache teilt die „Neue pol. Korr." mit: Dre erste Akademie für praktische Medizin wird Düsseldorf erhalten, und zwar in Verbindung mit dem neuanzulegenden sirankerchause. Auch über die Errichtung weiterer Akademien wird un Kultusministerium bereits verhandelt, und zwar sind solche m Frankfurt a. M. für Süddeutschland, in B r e s l a u für Ostdeutschland, in Magd eburg oder Halle für Mitteldeutschland und in Berlin für Norddeutschland in Aussicht genommen. Für die neuen Akademien für Medizm kommen nur städtische Krankenhäuser in Frage. Mit den Magistraten zu Düsseldorf und Frankfurt a. M. sind die Verhandlungen fchon so weit gediehen, daß Vertragsentwürfe vorliegen. Von der Errichtung von Akademien in Breslau, Halle urd Magdeburg war auch fchon die Rede. Neu ist, daß auch in Berlin eine Akademie für praktische Medizin errichtet werden soll. — In Sachsen-Weimar ist eine bemerkenswerte Bestimmung für den Vorbereitungsdienst der Referendare (Access ist en) getroffen worden. Danach ist der Referendar der Regel nach mindestens, drei Monate lang in einem gewerblichen Betriebe, z. B. einen: angesehenen Bankhaus, größeren Fabrikunternehmen, einem größeren landwirtschaftlichen Betriebe oder bei einer Jorstinspektion, Oberförsterei, einer größeren städtischen Verwaltung, Versicherungsanstalt oder dergleichen zu beschäftigen. — Zum Vorsitzeuden des photographischen Sach- v e rstän d ig e n - B er e i ns für Württemberg, Baden und Hessen wurde an Stelle des zurückgetretenen Professors Lemcke Professor I g l e r an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart ernannt, zum stellvertretenden Vorsitzenden der lit terarischen S a cb v e r sl ä n d i g e n -- K o m m i s s i o n für Württemberg, Baden und Hesf en gleichfalls an Stelle des Professors Lemcke, Professor Dr. Herniann Fischer an der Universität Tübingen, sowie an Stelle des letzteren als stellvertretendes Mit- glied Professor Karl W e i t b r e ch l. Gerichtssaal. Kiel, 31. Aug. Fregattenkapitän Gerdes, Kommandant des Kreuzer? „Amazone", der kriegsgerichtlich wegen fahrlässigen Verschuldens beim Auslaufen seines Schiffes im französischen Kriegshafen Brest freigesprochen worden war, wurde auf Berufung des Gerichtsherrn vom Oberkriegsgericht des Geschwaders zu drei Tagen Kammerarrest verurteilt. Kandel und Verkehr. Uolkswirtj'chafl. Berliner Börse vom 31. August 1903. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 3% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit.... —.— 204.50 Deutsche Bank . . . —.— 211.62 Darmstädter Bank . . 136.75 136.50 Bochumer Guß . . . 186.60 187.75 Harpener Bergbau . . 182.10 182.25 Schluß-Tendenz: fest. Familien-Uachrichteir. Gestorben: Johann Lambert in Darmstadt. Meteorologische Beobachtungen der Station Gietzen. »ochste Temperatur am 30.—31. Aug. 23,4° C. liedrigste , , 30.-31. „ 8,3" C. August Septembers 1903. Barometer auf 0° reduziert Temperatur der Luit Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 31. 81. 1. 2m 9'26 1^36 749,1 751,7 754,2 23,5 17,2 IM 12,9 12,5 9,8 60 86 97 SW. NW. N. 4 1 2 Sonnenschein Heller Himmel Nebel Verlauf der Witterung von Samstagbis Montag. Das am Freitag westlich Irland lagernde £ief ist rasch von West nach Ost im Norden unseres Gebietes vorübergezogen. Es verursachte am Samstag bei seiner Annäherung Regenfälle bei südlichen Winden, welche nachmittags beim Vorüberzug des Tiefs über Westen nach Nordwesten drehten. Tie Nordwestwinde wehten lebhaft und riesen kräftige Regenschauer und Abkühlung hervor. Auf der Rückseite des abziehenden Tiefs dehnte sich das Hoch mehr über unsere Gegend aus, und es erfolgte Aufklaren, sodaß Sonntag vielerrorts heiteres Wetter herrschte. Zu gleicher Zeit erschien iviederum im Westen ein Tief unb ist dasselbe heute, Montag, rasch zur Nordsee gezogen, die Nordwestwinde über Westen nach Süden zurückdrehend, sodaß erhebliche Erwärmilng eintrat, da die Südwinde aus dem warmen im Süden lagernden Hoch herauswehen. Das Tief dürfte rasch ostwärts abziehen. Neueste MelmuMu. Originaldrahtmelduugen des Gießener Anzeigers. Wiesbaden, 1. Sept. Aus dem Wege zwischenCastel und Biebrich wurde gestern auf der Fahrstraße ein etwa 30jähriger, anscheineird dem Arbeiterstande angehöriger Mann tot aufgefunden. Wie die angestellten Ermittelungen ergaben, ist der Mann anscheinend von einem schweren Automo bil üb erfahr en und sofort getötet worden. Seine Persönlichkeit tonnte bisher nicht festgestellt werden. L. London, 1. Sept. Ein Prozeß, der durch seine Begleitumstände in ganz Amerika Aufsehen erregt, begann, wie der „Daily Expreß" aus N e w yo r k meldet, gestern vor dem Gericht in Newark (Neu-Jersey). 6 bekannte Persönlichkeiten der hohen F i na n z und I n d u st r i e sind des Totschlags beschuldigt. Sie werden für den Tod von 9 Kindern verantwortlich gemacht, die im Februar d. I. beim Zusammenstoß zwischen einem Zuge der Delaware Lackawanna Eisenbahn mit einem Straßenbahnwagen ums Leben kamen. D^ie Angeklagten sind der Präsident der Pennsylvania-Eisenbahn, Cassatt, und fünf Direktoren der Lackawannabahn. Mehrere von ihnen sind Multimillionäre. Castellamare di Stabia, 1. Sept. In Ponte. Sarno kam es wegen einer gesundheitspolizeilichen Anordnung der Behörde zu einem Zusammenstoß zwischen Karabinieri und Bauern. Diese warfen mit Steinen und verwundeten den Polizeikommandanten und einen Karabinier. Als ein Schutzmann einen Schuß in die Luft abgab, wurde er von den Bauern umzingelt. Er machte nun von der Waffe Gebrauch, tötete drei Bauern und verwundete mehrere. Die Ordnung ist wiederhergestellt. Belgrad, 1. Sept. Nach hier eingetroffenen Meldungen aus Uesküb sind die Ortschaften Rakvo, Delnice und Annenci nach blutigem Kampfe von den Aufständischen zerstört worden. Bei Klissura und Smilowo sanden heftige Kämpfe zwischen türkischem Militär und Ausständischen statt. — ’ Sofia, 1. Sept. Ein von den Aufständischen in Kru- schewo eingerichtetes Kriegsgericht verurteilte fünf griechische Spione zum Tode. Das Urteil wurde sofort vollst r eckt. Konstantinopel, 1. Sept. Die kriegerische Stimmung im Mldiz^Palast ist infolge Einflüsterungen seitens einer Großmacht im Wachsen begriffen. Die Türkei wird Bulgarien ohne Kriegserklärung überfallen. (??) Die Pforte hat bereits die Redifs des 2., 3. und 4. Armeekorps einberufen. Telephonisches* Kursbericht. 372% Reicheanleihe . . 101.80 3% do. ... 89.80 37,o/o Konsole .... 101.45 3% do......89.90 372% Heesen .... 100.35 3112% Oberheeeen . . . 99.20 4% Oesterr. Goldrente . . 102.50 476% Oeeterr. Silberrente 100.60 4% Ungar. Goldrente . . 100.40 4% Italien. Rente . . . 98.50 4Va% Portugiesen . . . 49.15 3°/ Portugiesen. .... 30.70 1% C. Türken .... 3455 Türkenlose ...... 128.40 4% Griech. Monopol.-AnL 43.80 47a % äussere Argentiner 41.90 3% Mexikaner .... 27.65 4%% Chinesen .... 92.40 Electric. Schuckert . . . 98.30 Nordd. Lloyd . . . . 101.10 Kreditaktien ..... 205.30 Diskonto-Kommandit. . . 188.00 Darmstädter Bank . . . 136.90 Dresdener Bank .... 146.80 Berliner Handalßges. . . 153.60 Oesterr. Staatsbahn . , . 141.30 Lombarden ..... 16.70 Gotthardbahn . . . . , 189.25 Laurahütte ...... 231.00 Bochum ...... 188.20 Harpener......183.10 Tendenz: fest. Aufgebot. Das Aufgebotsverfahren zum Zwecke der ist bezüglich der nachstehend verzeichneten, mehr als 40 Jahren nach Amerika ausgewandert und seitdem verschollen. Das vom antragstellenden Pfleger Anton Todeserklärung Schmidt von Großen-Buseck verwaltete Vermögen beträgt zur angeblich ver- Zeit 250,81 Mk. 8. Katharina Margaretha Arnold, Tochter der !n ausgewandert und seitdem Igstellenden Pfleger Johannes verwaltete Vermögen der Ver- geb. am 20. August 1815, am 4. Oktober 1817 und m 6. Juni 1822 Söhne der »Gießen; dieselben sind in den I Amerika ausgewandert und lagstellenden Pfleger Karl Loos In der Verschollenen beträgt schollenen Personen beantragt worden: 1. Katharina Müller, Tochter des Vermögen der Verschollenen beträgt etwa 338 Mk. 9. Louis Vogt, Sohn der Konrad Vogt Eheleute von Gießen, geb. am 14. Januar 1851; er ist im Jahre 1880 ausgewandert und hat seit 1881 nichts von sich hören lassen. Das vom antragstellenden Pfleger Wilhelm Vogt in Gießen verwaltete Vermögen beträgt 1225 Mk. 10. Heinrich Bergen von Allendorf a. d. Lda., geb. am 10. April 1835, Sohn des Joh. Jost Bergen und seiner Ehefrau Elisabethe, geb. Schlerf daselbst, seit 1886 unbekannt wo abwesend, angeblich in Mexiko verstorben. Vermögen angeblich 1528,33 Mk. Antragsteller Eberhard Bergen in Baltimore. 11. Christian Höchste in, geb. am 27. Juni 1838, Sohn der verstorbenen Ludwig Höchstem Eheleute in Großen- Buseck; er ist vor vielen Jahren nach Amerika ausgewandert und seitdem verschollen. Antragsteller ist der Bruder Konrad Hochstein in Großen-Buseck. Das verwaltete Vermögen des Tochter des in Gießen verstorbenen Heinrich Dcktmar Eheleute, geb. wahrscheinlich 1863 in Paris; sie ist vor etwa 15 Jahren ausgewandert und verschollen. Das vom antragstellenden Pfleger Karl Moll in Gießen verwaltete Vermögen der Verschollenen beträgt zur Konrad Müller Eheleute Heinrich Peter Arnold und Maria Katharina, geb. mrd dessen Ehefrau Anna Elisabeth, geb. Bergt, geboren am Haas, geboren am 9. Januar 1816; sie ist im Jahre 1836 und deren uneheliche Tochter nach Amerika oder England ausgewandert und verschollen. ■x 21. Februar 1859 daselbst; Antragsteller ist Karl Arnold von Steinbach. Das verwaltete Zeit 37,52 Mk. Verschollenen beträgt ca. 180 Mk. 4. Elisabethe Selzer, Tochter des Bezirksboten 12. Karl Balser III. von Steinbach, geb. daselbst Johann August Selzer und dessen Ehefrau Marie geb. Zinßer, am 15. März 1845 und verheiratet gewesen mit der am geboren am 12. September 1833 in Gießen; sie ist vor 8. September 1896 verstorbenen Elisabethe geb. Kauß; er vielen Jahren nach Amerika ausgewandett und hat seit etwa ist vor 15 Jahren nach Amerika ausgewandett und es ist 1874 nichts mehr von sich hören lassen. Das vom antrag. seit mindestens zehn Jahren keine Nachricht über ihn hierher stellenden Pfleger Friedrich Helfrich in Gießen verwaltete gelangt. Antragsteller ist der Sohn des Verschollenen: Vermögen beträgt zur Zeit 199,67 Mk. Philipp Karl Balser aus Steinbach. 5. Katharine Velten, Tochter der verstorbenen Jo- 13. Dorothea Euler, geb. am 17. Juli 1861 und Hannes VeltenIV. Eheleute von Langgöns, geb. daselbst am Heinrich Euler, geb. am 3. Juni 1863 in Launsbach, 6. September 1838; sie ist im Jahre 1857 nach Australien Kinder des verstorbenen Dietrich Euler II. und Ehefrau ausgewandett und seitdem verschollen. Das vom antrag- Elisabetha geb. Debus in Staufenberg; sie sind vor 20 bis stellenden Pfleger Johs. Bergt X. von Langgöns verwaltete 25 Jahren nach Amerika ausgewandett und seit mindestens Vermögen der Verschollenen beträgt etwa 2650 Mk. 10 Jahren ist keine Nachricht mehr über sie hierher gelangt. 6. Konrad Fischer, Sohn der verstorbenen Joh. Hch. Antragsteller sind die Geschwister der Verschollenen: Marie Fischer Eheleute von Treis a. d. Lda., geb. am 20. April Mannel geb. Euler in Worms und Margaretha Reinschmidt 1812; er ist vor 1837 ausgewandert und verschollen. Das geb. Euler in Frankfurt a. M. Das Vermögen beträgt 6 vom antragstellenden Pfleger Johann Heinrich Erb vop Treis bis 700 Mk. bezw. 218,27 Mk. a. d. Lda. verwaltete Vermögen des Verschollenen beträgt 14. Marie Wambach, geb. Dern, geb. den 25. ^e- ca. 200 Alk. bruar 1837, und Ludwig Dern, geb. den 28. Januar 7. Louls Meyer, Sohn des Christoph Meyer von 1840, erstere vor ca. 40 Zähren, letzterer im Wchre lt>70 Großen-Buseck, geboren am 15. Oktober 1845; er ist vor nach Amerika ausgewandert, Kinder der in Großen-Lmden verstorbenen Eheleute Heinrich Dern II. und Elisabetha, gell Velten. Dieselben sind seit mehr als 10 Jahren verschollen. Antragsteller ist Heinttch Dern VI. in Großen-Linden. Für Marie Wambach wird ein Vermögen von ca. 460 Mark verwaltet. Es werden aufgefordert: 1. die oben bezeichneten Verschollenen, sich spätestens im Aufgebotstermin zu melden, anderenfalls die Todeserklärung erfolgen wird, 2. alle, welche Auskunft über Leben und Tod der Ver» schollenen zu erteilen vermögen, spätestens im Aufgebotstermine dem Gericht Anzeige zu machen, 3. alle, welche Erbansprüche an den etwaigen Nachlaß obiger Personen bilden zu können glauben, solche bis zum Aufgebotstermine anzumelden und zu begründen, widrigenfalls sie, soweit gesetzlich zulässig, bei der Erb- verteilung unberücksichtigt bleiben und den bekannten Erben aus ihren Antrag Erbschein erteilt wird. Aufgcbotsterrnin wird anberaumt auf Mittwoch den 27. April 1904, vormittags 10 Uhr int Gerichtsgebäude des unterzeichneten Gerichts. Gießen, den 27. August 1903. 6562 Großberzogl-iches Amtsgericht. Mobiliar-Bersteigerung. Donnerstag den 3. Septemver, nachmittags 1% Uhr, werden Grünbergerstraße 26 folgende Mobilien gegen bar versteigert: 1 Plüschgarnitur, Tische, Stühle, vollständige Betten, Reale, Spiegel, 1 Badewanne, Haus- und Küchen- gerate, 1 Ofen. I. A.: Schneider. Die Sachen können Donnerstag zwischen 10 und 12 Uhr eingesehen werden. 04162 Kohlen- und KoKslieserung. Die Lieferung von Hüttenkoks und Anthracitkohlen für die beiden evangelischen Kirchen und das Konsirrnanden- Haus an der Kirchsttaße soll für das Winterhalbjahr 1903/04 vergeben werden. Angebote wolle man bis zum 8. September d. I., bei dem Unterzeichneten einreichen. Gießen, den 1. September 1903. 6548 Der Evangelische Gesamt-Kirchenvorstand. Dr. Naumann. Difittarten in jeder beliebigen Schriftart unb Karton» forte, sowie mit Zirkeln aller ftubentifäcn Vereinigungen, liefert zu mäßigen preisen brühl'sche UniversiMs-Druckerei, Zckulitratze 1 Wieseck, den 1. September 1903. 04146 O D K angeordnet. 6537 vermieten. 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