FMetsn. und Druckerei: Schulstratze 7e Ddreffe für Depeschenr «uzeiger Gießen. Fernsprechcmschluß Nr. 51. Nr. 204 erfahrt tSgltch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden trn Wechsel mit dem Keffischen Landwirt die Gießener Familien» blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Ver» lag der Brüh lachen Univecl>Buch-ruStein- druckerei (Pietsch Erben) Erinnerungen zum LKeptemöer. Es ist wohl nicht überflüssig einmal wieder an die herrlichen Worte zu erinnern, die mig Wilhelm am Tage der Gefangennahme Napoleons irr'ed an an die Wnigin schrieb: „Es ist wie ein Trani selbst wenn man es Stunde für Stunde hat abrolle^sehen. Wenn ich mir denke, daß nach einem großen Glichen Krieg ich während meiner Regierung nichts ahmreicheres mehr erwarten konnte und ich nun diel weltgeschichtlichen Akt erfolgt sehe, so beuge ich mi vor Gott, der allein mich, mein Heer und meine Merbündeten. ausersehen hat, das Geschehene zu vollbringe und uns zu Werkzeugen seines Willens bestellt hat. Nurn diesem Sinne vermag ich das Werk auszufasien und Demut Gottes Führung und seine Gnade zu preisen." U zum Schluß: „Was ich alles empfand, nachdem ich t drei Jahren Napoleon auf dem Gipfel seiner Macht ghen hatte, kann ich nicht beschreiben. — Der Empfang c Truppen, das Wiedersehen des dezimierten Gardekps, das alles kann ich Dir heute nicht beschreiben; icwar tief ergriffen von so viel Beweisen der Liebe und Hiebung. Nun lebe wohl — Wilhelm" Bei der Mittagstafel am 3-ePtember 1870 ließ König Wilhelm zum erstenmal seit -ginn des Krieges Cham- pagrrer auftragen, und als a Gläser gefüM waren, erhob er sich zu folgender Ansache: „Wir müssen heute aus Dankbarkeit auf das Wl meiner braven Armee trinken. Sie, Kriegsministervon Roon, haben unser Schwert geschärft; Sie, Gerat von Moltke, haben es gleitet, und Sie, Graf Bismck, haben seit Jahren durch die Leitung der Politik Preust auf seinen jetzigen Höhepunkt gebracht. — Lassen Sie ns also auf das Wohl der Armee, der drei von mir Gennten und jedes einzelnen unter den Anwesenden trinkender nach seinen Kräften zu den bisherigen Erfolgen beicragen hat." Gegenüber den beliebterLersuchen, das gute Recht, mit dem Wnig Wilhelm an er Spitze seines Volkes in den Kampf zog, zu verdächen, zeugt der Erlaß, mit dem Wnig Wilhelm am 2. fli 1870 einen allgemeinen Bettag auf den 27. Juli anouete, von des Königs gutem Gewissen. Es hieß darin: Hch bin reinen Gewissens über den Ursprung dieses .ieges und der Gerechtigkeit unserer Sache vor Gott gew. Es ist ein ernster Kampf, den es gM, und er wird mrem Volk und ganz Deutschland schwere Opfer auferleg. Aber ich ziehe zu ihm aus im Aufblick zu dem allwissden Gott und mit Anrufung seines allmächtigen Beistand. Schon jetzt darf ich, Gott dafür preisen, daß vom ersteGerüchi des'Krieges an durch alle deutschen Herzen nur e Gefühl rege wurde und sich kund gab,' das der Entrüstiz über den Angriff und der freudigen Zuversicht, daß Et der gerechten Sache den Sieg verleihen werde. — Ll Jugend auf habe ich vertrauen gelernt, daß an Ges gnädiger Hilfe alles gelesen ist. Auf ihn hoffe i und fordere mern Volk auf zu gleichem Vertrauen. Jcdeuge mich vor Gott in Erkenntnis seiner Barmherzig t und bin gewiß, daß meine Unterthanen und meine Lasleute es mit mir tun." Ein schönes Zeugnis üb den Heldenmut unserer Soldaten im großen Kriege 18771 liegt in folgenden Worten! eines Felddiakonen: „Die elden auf den Schlachtfeldern sind auch Helden im Lazart, und mit ihrer männlichen Stärke im Leiden und Dullr war eine kindliche Empfang- lichkeit für Gottes Wort vbunden. Es war erhebend zu hören, wie schwerleidende ltänner und Jünglinge mit schmerzzitternden Lippen erärten: „Wir leiden gern, wrr leiden ja fürs Vaterland."Es war oft rührend zu sehen, wie die Blicke aller sich n ihrem Lager aus auf den richteten, der ihnen ein „ffiehl dem Herrn deme Wege oder ein anderes Wort anHerz legte, und wie dann unter dem Hören hie und da dielugen feucht wurden oder hell aufglänzten und die Händ sich falteten.' Ter neue Direktor ber$unftgeh>etbetoule in Dussel- 6 o r f Professor Peter lehrens, bekannt durch fern vornehmes Haus in der Drmstädter Kolonie, hat von bei f Stadtverordnetenversammlng für die Schule einen weu-lPra i per König vonKngland in Wien. Der Wnig von Englai ist am Montag vormittag von Marienbad nach Wien abc^eist und dort am Nachmittag Louis zieren. Emil v Behring ist, wie wir bereits meldeten, zum Wirklichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Ercellenz" ernannt worden. Das rst dre gebuhrwde Anerkennung für die ganz hervorragenden Leistungen Beh- rings. Die von ihm geschaffene Serum-Therapie und- weiter die experimentelle Tt)erapie, zu deren Begründern er nut Pasteur, Koch und Ghrtich zahlt, haben der Medizin M wissenschasllicher Hinsicht eine neue Richtung gegeben. Zw- aleich haben sie, wie das Herabgehen der Diphtherie-Sterblichkeit zeigt, großen praktischen Nutzen gebracht. Dabei ist chuf dem neu angebanten Gebiete erst alles noch im Werden. Was jetzt erreicht ist, b-rechllgt zn großen Hofs nungen. In so frühem Alter wie Behruig ist noch keimnr Mediziner in 'Preußen eine so hohe Auszeichnung zutell geworden. Bernhard v. Laugeubecl erhielt sie, als er nut 72 fahren sich vom Lehramte zuruckzag, läsmara) war <4 Mafire alt und Ernst v. Bergmann war tiv als er das I Prädikat ..Ercellenz" erhielt. Behring, fleht noch vor fernem teren Zuschuß von jährlich 7500 ML erhalten, da die Stadt Düsseldorf ein begreifliches Interesse an der Hebung ihrer Knnstgewerb eschule hat. Pros. Behrens h at den ebenfalls von Darmstadt her bekannten Bildh auer R u d o l f B o s s e l t berufen. Als erste große Ausgabe wurde der Schule ine Ausführung eines' Lesesaales der Düsseldorfer Stadtbiblio- thek' zu teil Der Saal soll auf Anregung des weitsichllgen Oberbürgermeisters Marx, welcher darauf bedacht ist, die alten Traditionen Düsseldorfs als Kunststadt zu pflegen, als hervorragendes Prunkstück die Weltausstellung von St. eingetroffen und begeistert empfangen worden. Wiens Straßen waren festlich geschmückt und von vielen Mew- schenreihen umsäumt. Um 3h2 Uhr nachmittags kündigten brausende Hochrufe an, daß der Kaiser Frauz Jo s e f die Hofburg verlassen habe, um sich nach dem Bahnhöfe zu begeben. Er trug die Oberstenuniform des englichsen Dra- goner-Garde-Regiments. Auf dem Bahnhofe war eine Ehrenkompanie aufgestellt. Die Erzherzöge sowie die Spitzen der Behörden sanden sich dort ein. Punkt fünf Uhr traf der Hofsonderzug ein. Unter den Klängen „God save the king" entstieg König Eduard in Oberstenuniform seines zwölften österr. Husarenregiments dem Salonwagen. Der Kaiser eilte auf den Wnig zu. Die Monarchen umarmten sich aufs herzlichste. Nach der Begrüßung der Erzherzoge und Würdenträger bestiegen die Monarchen einen ä la Dau- mont bespannten Wagen zur Fahrt nach der Hofburg. Die Menschenmenge empfing den König aus dem ganzen Wege mit Hochrusen. Der Wnig kaufte freundlich grüßend für die Huldigungen. Um' 5 Uhr 30 Min. langte der Zug in der Hofburg an, wo die Standarten beider Herrscher gehißt wurden. In der Hofburg waren zum Empfange versammelt die Erzherzoginnen, der Minister des Aeußern, beide Ministerpräsidenten und mehrere Hofwürdenffmger. Nachdem der König die Erzherzoginnen begrüßt und die Verstellung der übrigen Persönlichkeiten entgegengenommen hatte, zog sich der König in die für ihn bestimmten Gemächer zurück. Beim Galadiner, wobei auf den Wunsch des Wisers dem König mit Rücksicht auf dessen Marienbader Kur ein eigenes Menu serviert wurde, brachte der Kaiser folgenden Toast aus: Es freut mich, Euere Majestät bei mir begrüßen zu können, und herzlichst willkommen zu heißen. Eurer Majestät Besuch ist ein neues Unterpfand für den Fortbestand der so innigen und vertrauensvollen Beziehungen, welche seit Alters her zwischen unseren Familien gleichwie zwischen unseren Ländern bestehen, und auf einem 'um so festeren Boden fußen, als keinerlei politische Interessengegensätze zwischen un^ vorhanden sind, welche dieses erfreuliche Verhältnis einer Trübung aussetzen Lunten. Ich, gebe der zuversichtlichen Hoffnung Ausdruck, daß dies auch in Zukunft zu keiner Wandlung sichren wird, nitb danke für die oiel- fachen Beweise der Freundschaft, die Euere Majestät mir bei verschiedenen Anlässen boten. Ich erhebe mein Glas aus das Wohlergehen Sr. Majestät. Wnig Eduard lebe hoch! Tie Musik spielte die englische Hymne. Hierauf erwiderte König Eduard ebenfalls in deutscher Sprache in freier Rede folgendes: Gestatten Euere Majestät, daß ich Ihnen danke für Ihre Freundlichkeit. Ich kann nur sagen: Der Empfsang, den ich bekommen habe in dieser großen Weltstadt, hat mich tief gerührt. Euere Majestät wissen, daß ich immer den größten Anteil genommen habe an Ew. Majestät kaiserlichem Hause. Euere Majestät können gewiß sein, daß die Gefühle, die ich von meiner hochseligen Mutter für Euere Majestät und Ihr Haus überkommen habe, bleiben werden. Gestatten Euere Majestät, daß ich heute, da ich seit meiner Thronbesteigung das erstemal Gast Eurer Majestät bin. Euere Majestät zum Feldmarschall meines Heeres ernenne. Ich trinke auf das Wohl Sr. Majestät des Wisers. Er lebe hoch! Es folgten dreimalige Hochrufe. Der Kaiser reichte dem Könige die Hand, verneigte sich dankend und trank dein Könige zu. Der König saß zwischen der Kaiserin und der Erzherzogin Maria Josefa. ~ Die Londoner Tageszeitmrg „Daily Telegraph" bespricht den Besuch des Königs Eduard in Wien und führt aus, es .gebe nur eine Frage von hervorragender Bedeutung, bei der England und Oesterreich-Ungarn in hohem Grade interessiert seien, das sei die orientalische. Anspielend auf die Fortschritte, die Bosnien, Herzegowina in österreichischer Verwaltunggemacht haben, schreibt das Blatt weiter, für die Bewohner der noch übrigen europäischen Provinzen der Türkei werde es gut fein, Tie Statue n der eiden römischen Kaiser Hadrian und Alexa der Severus, deren vorläufige, überlebensgroße Ddelle der Kaiser dieser Tage auf der Saalburg besitigte, sind vom Bildhauer Johannes Götz in dem übereferten Charakter ^der Imperatoren anfgefaßt. Für den opf standen dem Künstler Austen aus den Kgl. Mufeen zu Lrlin in Gipsabgüssen zur Verfügung. Die Kaiser erseinen beide in reichverzierter, leicht mit der Toga umlngener Jmperatorentracht; sie find im Augenblick der „llocution" dargestellt, und eine Bewegung der Hand begltet die Anrede an die Krieger oder an das Volk. Hadun, der den erhobenen rechten Ärm auf die bis zum Aden reichende Lanze stutzt, ist als Bild edler Manneskrft in der Blute fernes Lebens verkörpert; das Antlitz unahmt ein tarier Vollbart, und das Haar iftxntit dem Lcöeer geschmückt. Als Hängung tritt uns Alexander Severs entgegen, der schon rm Alter von 27 Jahren bei Mainz in jähes Ende fand. DieFrgur saßt mit der linken Handden Griff des .kU-MU Enschen Schwertes. Die 6cibeii Situen werden rm Auftra^, des Kultusministers hergestell und in Bronze aus geführt 50. Geburtstage. 1854 zir Hemsdorf bei Deutsch-Eylau in Ostpreußen geboren, machte Emil Behring seine medizinischen Studien als Zögling der mllitürärzllichen Bildungsanstalten in Berlin und> wurde 1878 Doktor und 1880 Arzt. Seine wissenschaftlichen Forschungen, bei denen er von vornherein eigene 2üege ging, begann er unter schwierigen äußeren Verhältnissen als Alllitärastistent in Posen. Als Stabsarzt in Bomi wurde er von Bii^ gefördert. 1889 kam Behring, als Stabsarzt der Hygieneanstalt in Berlin als Assistent zugeteilt, in den Bannkreis von Robert Wch. Von hier aus trat er zuerst Mit seinen grundlegenden Forschungen über Serumtherapie an die Oeffenllichkeit. Die Ueber- siedelung an das damals begründete Institut für Infektionskrankheiten ermöglichte es Behring, seine Ideen mit besseren Hilfsmitteln und auf breiterer Grundlage auszuführen. Durch die Ernennung zum Professor der tz^ygiene an der Universität Halle erhielt Behring 1894 zuerst eine leitende Stellung. Im Jahre darauf wurde er an die Spitze der Hygieneanstalt in M ar bu r g gestellt. Hier errichtete Behring teils aus eigenen Mitteln, teils ntit Unterstützung der Höchster Farbwerke, die groß angelegte Anstalt für experimentelle Therapie, worin er gemeinsam nfit einen auserlesenen Schar von Mitarbeitern seiner genialen Ur beit über ätiologische Behandlung der ansteckenden Krankchciten 011 Auie der „RcichSanz." meldet, ist über die deutsche S ü d p o l a r - E x p e d i t i o n folgende weitere telegraphrschc diachricht eiugegangcit: Expedition glücklich ^>t. Helena angekommen, alles wohl. Drygalskr Die tzvtsteyung und Kntwicklung der Kießeuer Haöakindustrie. Gießen, 1. September. Die so betitelte, von der hiesigen phllosophischen Fakultär genehmigte Dissertation des Ulmer Handelskammerfekretärs Otto Ke hm aus Hößlinswart in Württemberg enthält eine erschöpfende Darstellung der Entwicklung unserer heimischen Tabakindustrie von ihren ersten Anfängen bis zum Jahre 1900. Es ist dies ein Gebiet, das nicht nur für die an der Tabakindustrie näher beteiligten Weise, sondern allgemein von Interesse ist. Handelt es fich^ doch um den Werdegang eines Gewerbes in unserer Stadt uno deren Umgebung, das für uns von ganz hervorragender Bedeutung geworden ist, indem es unserer Stadt ein gut Teil ihres Gepräges und einer großen Anzahl der Nn- wohner ihren Wohlstand giebt. Wir wollen aus der uns vorliegenden, 110 Druckseiten umfassenden und überaus anregend geschriebenen Abhandlung einen Auszug geben. Tie ersten Anfänge einer Gießener Rauchtabakindustrie gehen zurück auf das Jahr 1812, in welchem Philipp Gail in unserer Stadt, gelegen in einem tabakmonopolfreien Lande, deren es damals nur wenige in Deutschland gab, eine Rauchtabakfabrik gründete. Hier durfte er wegen des starken Tabakkonsums, insbesondere unter den Studenten und dem Militär, auf einen guten Absatz hoffen. Gail begann seine Fabrik mit nur acht geschulten Arbeitern; der Absatz wuchs jedoch im Laufe der nächsten Jahre in einem Maße, daß er schon 1822 ca. 40 Arbeiter beschäftigte und ca. 1500 Zentner Rauchtabak erzeugte. Diese Erfolge führten im Jabre 1825 zur'Gründung einer zweiten Fabrik in Gießen durch H. Schirmer. 'ZMrch die Bildung und allmähliche Erweiterung des Zollvereins 1825—1850 wurde die Gießener Tabakindustrie noch mehr gefördert, indem sich vor allem die Kaufkraft der Bevöllerung hob und auch der Tabakkonsum innerhalb des Groß Herzogtums fortwährend zunahm, sodaß Gießen schon damals den ersten Platz in der hessischen Rauchtabanndustrie einnahm Daneben wurde in bescheidenem Umfange Schnupf- und Kautabak fabriziert. Im Jahre 1839 erfolgte ein Ereignis von größter Be» deutung für die Entwickelung der Gießener Tabakindustrie: die Gründung der ersten Zigarrenfabrik durch die Fabrikanten Bücking und Köpfer. Sie war eine der ersten im Zollverein und die erste im Großherzogtum Hessen Ihre Anfänge waren keineswegs leicht, vor allem, da es an einem geübten Personal fehlte; aber auch hier überwand der starke Absatz die Schwierigkeiten, sodaß Gießen im Jahre 1850 ca. 200 Zigarren arbe^ter beschäftigte, denen ca. 130—140 Rauchtabakarbeiter gegenüberstanden. In den folgenden Jahren nahm sie sogar einen'Aufschwung, wie sie ihn seither nie wieder erlebt hat. Die bestehenden Betriebe wurden auf das Doppelte und Dreifache erweitert und eine Reihe Neu gründungen vor genommen, sodaß im Jahre 1859 9 Fabriken in der Stadt und einige in der Umgebung, z. B in Wieseck, vorhanden waren. Dieser großartige Auffchwung erfiärt sich hauptsächlich aus dem Erschließen eines sehr günstigen 2lbsatzgebietes in Nordamerika, aus der Verbesserung der Verkehrsmittel durch Eisenbahnen, sowie aus der Verdrängung der ausländischen Zigarren vom deutschen Markte durch eine Erhöhu ng des Tabakzolles im Jahre 1851. Nach vorübergehender Ebbe infolge des Verlustes des nord amerikanisch en Marktes durch den 1860 dort ausbrechenden Bürgerkrieg und der Einführung eines Prohibitivzolles wenn sieiünter dieselbe führende Hand gebracht werden könnten, und wenn Oesterreich und Rußland mit einer gewissen Vollmacht bedeutend erweitert werde, solange Oesterreich in der Sage sei, seine Rechte und Ansprüche zu wahren und einen gleichen Truck auszuüben, wie sein Wllege und Rivale. Die österreichische Presse bringt zum größten Teil fympathische BegrüßungIartikel, nur die alldeutsche ,^Dftb. Rundschau" veröffentlicht ein Schmähgedicht auf den König Eduard. EEes Matr. 153. Jahrgang Dienstag 1. September 1903 Ä VezrrgSpretSi U W monatlich7öPf., viertel. GehenerAmelgerW " General-Anzeiger " SEK v den poltt und allstem. Amb und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MW W " zetgentetl: Han« Beck. üi Nordamerika im Jahre 1862, steigerte sich der Absatz wieder in einem Maße, daß selbst FUicckaründiuigeu und erhebliche Verstärkungen des Arbeiterpersonals erfolgten. Der neue Zollvereinsvertrag vom 8. Juli 1867 zwischen dem norddeutschen Bunde und den süddeutscher! Staaten brachte allerdings Beunruhigung und Besorgnis in die GiHener Zigarrenindustrie, da er bestimmte, daß innerhalb des Zollvereins gewonnener oder zubereiteter Tabak gemeinsam und übereinstimmend besteuert werden sollte. Aus den längeren hierüber gepflogenen Verhandlungen ging, int Jahre 1868 ein Gesetz hervor, welches eine nur mäßige, eäägliche Tabekbesteuerung vopscch. Im deutsch-französischen Kriege 1870/71 wuchs die Nachfrage nach Zigarren, namentlich nach gewöhnlichen Sorten, jwti) mehr, da im Kriege weit mehr Zigarren konsumiert werden, als im Frieden. Der allmähliche wirtschaftliche Aufschwung nach dem Kriege, der Ueberfluß an Geld infolge des Milliardensegens erzeugte nunmehr einen Konsum im Jnlande, wie er zwischen 1860 und 1900 nie wieder eüitrat, sodaß die Gießener Tabakindustrie im Jahre 1873 18 selbständige Betriebe und eine große Anzahl von Filialen mit etwa 2500 Arbeitern umfaßte. Die gleichen Fortschritte hat die Rauch tabakindustrie in den Jahren 1850—1873 zwar nicht gemacht, jedoch ist auch sie allmählich gewuchsEN, während die Kaut ab Ölindustrie, übrigens auch in der Folgezeit, eine untergeordnete Rolle behielt. Durch die bekannte wirtschaftliche Krisis des Ja hres" 1893 wurde dem reißenden Fortschr iti des Gießener Tabakindustrie ein Ende bereitet und diese trat nunmehr in das Stadium langsamen Wachsens; jedenfalls befand sie sich stets im Vergleich zu anderen deutschen Labakiudustrien in guter Lage, was auch die unruhige Periode der Jahre 1878/79 nicht ändern konnte, in welcher die Reichsregierung ständig Versuche zu einer Aenderüng der Tabakbesreuerung, ja zur Einführung des Monopols, machte. Sie endete mit dem Gesetze vom 16. Juli 1879, welches eine achtmal höhere Tabakbeste u e ru n g brachte. Hierdurch war' die Zigarrenfabrikation in Gießen vor die nicht leichte Aufgabe gestellt, diese Mehrkosten durch möglich st unmerkliche Verringerung der Qualität ihrer Fabrikate und langsame Preissteigerung allmählich auf die Konsumenten überzuwälzen. Während sie noch mit diesen nachteiligen Folgen zu kämpfen hatte, wurden die bekannten sozialen Gesetze über Kranken-, Unfall-, Alters- und Jnvaliditätsversicherung der Arbeiter geschaffen, welche den Fabrikanten neue Lasten auferlegte. Dasselbe gilt von der speziell die Tabakinbusftie betreffenden Bekanntmachung des Bundesrats vom 9." Mai 1889, betr. die Ein- richtungen in den Betrieben der zur Anfertigung von Zigarren bestimmten Räume, welche die bisher teilweise s e h r mangelhaften Arbeitsräume einer gründlichen Verbesserung unterwarf. Diesen Schwierigkeiten zum Trotz hat in der er st, en Hälfte der'neun-, ztger Jahre ein neues Wachstum der Zigarrenindustrie in Gießen stattgefunben: die Arbeiter wurden um ca. 40 Pro zent vermehrt, die Zahl der selb- ständigen'Betriebe wuchs auf 51. Hiergegen war der Fortschritt in der zweiten Hälfte der neunziger Jahre ruhiger; der Bestand der GießenerZigarren- industrie ft eilt sich schließlich im Jahre 1900 wie folgt dar: In 74 größeren Betrieben arbeiteten 3731 Arbeiter. In der Stadt Gießen waren 19 solcher Betriebe mit 1080 Arbeitern, auf dem Lande im Kreise Gießen 33 Betriebe mit ca. 1250 Arbeitern, im Kreise Biedenkopf 10 Fabriken mit 702 Arbeitern, endlich im Kreise Wetzlar 12 Fabriken mit 693 Arbeitern. Diese 74 Betriebe befinden sich im Besitze von etwa 50 Fabrikanten, welche hauptsächlich/ in Gießen und seiner unmittelbaren Umgebung wohnen. Die Gießener Zigarrensabrikanten sind in ihrer Mehrzahl; Groß-Industrielle, welche weit über 100 Arbeiterbeschäftigen, ihre Fabrikat e sind durchweg besserer Qualität in der Preislage von 35 bis 60 Mk. pro Mille; indessen werden auch Zigarren bis zum Preise von 100 Mk. und darüber gefertigt, ^chr Absatz ersfteckt sich, über das ganze Deutsche Reich. Was die Arbeitsveryältnisse in der Gießener Tabakindustrie betrifft, so haben schon ftüh in derselben die weiblichen Arbeiter vorgeherrscht. Dies hat sich, im Laufe der Entwicklung noch bedeutend gesteigert, was sich leicht baraus erklären läßt, daß zur Arbeit in der Tabakindustrie weniger körperliche Kraft, als vielmehr eine Fertigkeit der Hand erforderlich ist, welche Mädchen so gut erwerben können, wie Männer, zudem ist das weibliche Arbeitspersonal anspruchsloser. Die Arbeiter, resp. Arbeiterinnen gruppieren sich in Roller und Wickelmacyer. Ein Roller fteilt 500 bis 600 Stück Zigarren mittlerer und geringerer Sorte täglich her; vom Hundert der in Gießen hauptsächlich erzeugten mittleren Sorte erhält er 40 bis oO Pfg., der Wickelmacher etwas weniger. Ein Arbeiter soll durchschnittlich einen Jahresverdienst von 478.19 Mk. und einen Tagesve rdienst von 1.60 Mk. haben. Diese Lohnverhältnisse sind nicht ungünstig, und machen es etwa 60 Prozent der verheirateten Arbeiter sogar möglich, sich kleine Häuser zu erwerben. Daher stellen auch die Arbefter der Gießener Tabakindustrie keine proletarische Arbeiterschaft dar, nur ca. 10 Prozent der Familien sind rein proletarisch. Weniger erfreulich sind dagegen ihre Gesundheits- Verhältnisse^ da die Arberter den ganzen Tag rn einer Luft atmen, welche mit Tabakstaub durchsetz! ist, ein Zustand, der nie ganz beseitigt werden kann. Die Folge hiervon soll das relativ häufige Auftreten von Lungenschwindsucht jein. Bei diesem nachteiligen Einflüsse der Fabrikarbeit auf die Gesundheit der Arbeiter war zu allen Zeiten ein erheblicher Prozentsatz derselben krank. Dies veranlaßte schon im Jahre 1849 den Begründer der Gießener Tabakindustrie, Gail, aus eigenen Mitteln eine Kasse zu errichten, aus welcher die erkrankten Arbeiter seines Betriebs unter st ützt wurden. Sie fand leider keine Nachahmung, lodaß für die Mehrzahl der Arbeiter, sobald sie erkrankten, bittere Not einzog, ein Zustand, der sich erst durch das segensreiche Krankenversicherüngsgesetz von 1883 geändert hat. Gegen Schluß seiner Abhandlung sagt der Verfasser, indem er die ganzen Arbeitsverhältnisse noch einmal überblickt, und zwar mit Recht: „Die Gießener Tabakindustrie hat der in ihr beschäftigten Arbeiterschaft weit mehr Licht als Schatten gebracht, sodaß ihr weiteres Blühen und Gedeihen zugleich im Interesse der in Rede stehenden Arbeiterschaft ist." VoMischr Tagesschau. Neue Steuerprojekte. Der neue Staatssekretär des Reichsschatzamtes, Frhr. v. Stengel, hat zwar gegenüber einem Interviewer geäußert, daß er an Steuerprojekte vorerst nicht herän- treten werde; aber in der Presse hält man trotzdem an dem Glauben fest, daß die Reichssinanzreform auf nichts anderes hinauslaufe. Tie „Nat.-Ztg." erachtet es sogar für einen schweren Fehler, es weiter mit dem „Fort-i wursteln" zu versuchen, denn das Sparer: habe leider seine ziemlich engen Grenzen. M e hr fo rd erun gen würden hervortreten für das Heer, die Marine und die Kolonien, dazu in Gehalts- und Pensionsfragen und zur Schuldentilgung. Da dürfte sich die Reichssinanzreform nicht in dem engen Rahmen einer anderen Abrechnurigs- sorm zwischen Reich und Einzelstaaten halten, sondern sie müsse auf neue Mittel für die Deckung des steigenden Bedarfs gerichtet sein. Auch für die Reichsregierung sei es taktisch weit richtiger, dem jungen Reichstag neue Steuerpläne' vorzulegen, als sie aufzuschieben, bis wieder die tausend Rücksichten aus die nahende Neuwahl in den Vordergrund treten und die sachliche Arbeit stören. — Auch ein Teil der Zentrumspresje denkt an neue Steuern. Die „Donau-Ztg." z. Bi, welche Frhrn. v. Stengel des Wohlwollens des Zentrums und besonders der bayrischen Mitglieder versichert und seine Berufung zum Schatzsekretär als außerordentlich glücklich bezeichnet, führt aus, daß Frhr. v. Stengel sich an die indirekten Steuern halten werde, an die Konjumsteuer, und da wisse man, daß Bayern auf die Ta b akf a b r i ka t st e ue r hinarbeite, die auch Preußen willkommen wäre. Daß im Bundesrat ein solches Projekt keinem nennenswerten Widerstände begegnete, glauben wir; im Reichstage wäre die Situation aber doch sehr wesentlich anders; immerhin tut man namentlich bei uns zu Lande gut, diese Steuerwünjche nicht zu unterschützen und sich auf ihre r e chtz e i ti g e Be kä mpfu n g einzurichten. Eine der ersten Ausgaben des neuen Reichsschatzsekretärs, schreibt die „Neue polit. Korresp.", wird die Bereitstellung von Mitteln für das neue Militär-, P e n s i o u s g e s e tz fein. Nach sachverständigem Urteil handelt es sich dabei um etwa 20 Millian e n M ar k j ä h r- lich. Tie Vorlage ist im Kriegsministerium feit längerer Zeit ferkiggeftellt. Stadtbevölkernng und Entartung. In der „Zeitschrift für Sozialwisseuschaft" veröffentlicht Prof. W. Kruse, Hygieniker an der Universität Bonn, einen längeren Aufsatz „Entartung", in dem er u. a. folgendes sagt: „Wenn man den Rückgang der körperlichen Tüchtigkeit bei den Kulturvölkern beleuchten wollte, pflegte man besonders auf die städtische und industrielle Bevölkerung zu verweisen. Tie 'Schilderungen, die Marx von der englischen Fabrikbevölkerung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegeben hat, und viele andere aus 6» er feilen Zeit sind allerdings unbestreitbare Zeugnisse dafür, daß die schauderhafte Ausnutzung der A r b e i t s k r a s t, die d a m als gang und gebe war, zusammen mit erbärmlicher Ernährung uno sonstigen schlechten Lebensverhältnisfen, zu körperlicher Entartung führen muß. In manchen Gegenden, namentlich solchen, wo gewisse Arten der Hausindustrie vorherrschen, werden Nachklänge der damaligen Zustände noch zu spüren sein. Im großen und ganzen ist aber die Besserung nicht wegzuleugnen, und die noch manchmal ausgesprochene Behauptung, die l ä n d l i ch e B e v ö l k e r u n g sei der st ä d t i- schen in körperlicher Tüchtigkeit weit überlegen, ist in dieser allgemeinen Form sicher nicht richtig. Neuerdings hat Bindewald in einer recht sorgfältigen und auch sonst lesenswerten Arbeit aus der Rekru- tierungsftatistil von einigen Stadt- und Landkreisen Preußens wieder den Vorrang der Landbewohner vor den Städtern erweisen wollen. Die betreffenden Falle sind nichl zu bestreiten, nur ist es nicht erlaubt, aus ihnen allgemeine Schlüsse zu ziehen. Etwa gleichzeitig kommt Elben in einer Untersuchung zu dem Resultat, daß in Württemberg der Vergleich bezüglich der Milit är t aug lichteit e herzu g u n st e n der gewerblichen alsderagra- rischen Bezirke ausfalle. Ich kann daher nur wiederholen, was ich vor einigen Jahren ausgesprochen: „Der üble Einfluß des städtischen Lebens auf die Körp erentwicklung ist gewaltig überschätzt worden." Mr haben allerdings hier und da ein gewisses Uebergewicht 'der ländlichen Bevölkerung über die städtische in dieser Beziehung konstatieren können, aber es hält sich, meist in bescheidenen Grenzen. Es scheint, daß einige vorwiegend städtische Berufszweige, besonders diejenigen, bei denen man von einem Mangel an Bewegung oder von Abwechslung in den Bewegungen oder von ungünstiger Körperhaltung sprechen kann, geeignet sind, die normale Entwicklung des Körpers zu hemmen. Daneben kommen aber noch Einflüsse mannigfacher Art, die nichts mit dem Unterschied von Stadt und Land zu tun haben, ganz wesentlich in Betracht. Die Gründe der Verschiedenheiten sind vorläufig dermaßen undurchsichtig, daß man sich sehr hüten muß, Erfahrungen, die man an einem Ort gemacht zu haben glaubt, zu verallgemeinern." Zum Entwurf eines Gesetzes über den Verficherungsvertrag. Der Ständige Ausschuß des Deutschen Landwirtschaftsrats hat zu dem Gesetzentwurf über den Versicherungsvertrag folgenden Beschluß gefaßt: Der Ständige Ausschuß begrüßt in dem Gesetzentwurf über den Verficherungsvertrag eine weitere wohldurcbdachte und wirksame Förderung des Versicherungswesens und erblickt in demselben einen dankenswerten und doch die Gerechtigkeit gegen den Versicherer nicht verletzenden Schutz des Versicherten. Der Ständige Ausschuß beschließt, die Anträge der Referenten (veröl. Zeitschrift für Agrarpolitik. Nr. 8 d. I.) dem Reichskanzler als Material für die, weitere Bearbeitung des Gesetzentwurfes zu unterbreiten. Der Ständige Ausschuß spricht sich aber entschieden gegen die Einbeziehung der öffentlichen Versicherungsan st al- t e n in das Gesetz aus. «Herr und Ilotte. Tie seit längerer Zeit erwarteten V e r änd er un g en in den höheren Kommando st eilen der deutschen Marine sind nunmehr verfügt worden; Admiral v. Koester, Generalinspekteur der Marine, Chef der Ma- rinestation der Ostsee und Chef der Uebungsflotte, ist zum Herbst dieses Jahres zum Chef der zu bildenden aktiven Schlachtslotte und gleichzeitig zum Chef des 1. Geschwaders; Admiral Prinz Hei n r i ch, Chef des 1. Geschwaders, mit demselben Zeitpunkte zmn Chef der Marinestation der Ostsee und Kontre.wmiral Fritze, Jjnspektei des Torpcdowcsens und Ches des 2. Geschwaders de^bungsflotte, mit gleichem Zeitpunkte Zum Chef des z ildenden 2. aktiven Geschwa- d e r s ernannt Wort. r. r , Ein merkwürdp militärischer Konflikt hat ftch tu den höchsten franlsischen O s f i z i e r s kr e i s e n ereignet. Wie aus itzs telegraphiert wird, hätte nach dem „Gaulois" der Pinettsches des Kriegsministers, Brigadegeneral Per eisdem Kommandanten des 17. Armeekorps wegen gewissssleußerungen des letzteren in einem dienstlichen SchreibelVorstellungen gemacht. Der kommandierende Generahndte das Schreiben^ mit ^m Vermerk zurück, daß erUn Vrigadegeneral Per ein 8 Tage Hausarrest zudikfe. Kie und Schule. Der 7. Deutschtzortbildungsschultag wird am 2. und 3. Oktober Hamburg ab gehalten werden. Mit demselben wird sie 12. Generalversammlung des Deutschen Vereins sühas Fortbildungsschulwesen verbunden fein. \ Kunst ch Wissenschaft. zu stehlen, die allerdings und eine schwarzlederne Brieftas ** Ausz eich nun S. Allergnädigst geruht, a 26. Minister Dr. Feodor Gstth Gießen, 1. Sept. 1903. K. H. der Großherzog haben August d. I. dem Finanz- die Erlaubnis zur Annahme und zum Tragen des ihnstn Seiner Majestät dem Deutschen Kaiser und König von eußen verliehenen Kronen-Ordens erster Klasse zu erteilen. LU. Promotion e Im Monat August 1903 wurden an der Landesuniversität pnooiert: 3iun Dr. med.: Joseph Hillers, approbierter st aus Velen i. W., Wilhelm Andresen, approbierter fzt aus Berlin, Hermann Klein, approbierter Arzt aus Bodrd, Gustav Luft, approbierter Arzt aus Gießen. — Zunpr. med. vet.: Otto Schmidt, approbierter Tierarzt aus ünchen, Assistent am Tierspital dahier, Bernhard Schutt, approbierter Tierarzt aus Rüddingshausen. — Quni . phil.: Friedrich Heinrich Katz, cand. ehern, aus Singaporestudolf Homburg, Gymnasialoberlehrer in Kassel, Hugofchlemmer, cand. ehern, aus Heddernheim, Karl 58 rü cf cand. ehern, aus Wiesbaden, Dr. med. August Mey er sind. phil. aus Menden i. W. ** Landwirtschaftlle Ausstellung. Die Eröffnung der Ausstellung austm Trieb findet bekanntlich am Donnerstag dem 10. Septei^r, mittags 12 Uhr statt. Se. Kgl. Hoheit der Großherzt hat, wie wir schon berichteten, sein Erscheinen hierzu in Aycht gestellt. Es steht zu erwarten, daß die Ausstellun^bis zum Eröffnungstermin in allen Teilen sertiggestellt seiwird; schon jetzt ist der größte Teil der Gebäude, besonders r Ställe, fix und fertig. Die Einbringung der Tiere findet ittwoch den 9. und Donnerstag den 10. September in \i ersten Morgenstunden statt. Wie wir ferner hören, wird on der Eisenbahndirektion für das aus dem nördlichen Tei^der Provinz kommende Vieh Mittwoch den 9. September e Vieh-Extrazug eingelegt werden. Ebenso soll in Aucht stehen, daß die morgens 8 Uhr und mittags 12 Uhiin Gießen aus Fulda eintreffenden Züge am Uebe^ang des Licher Weges zum Aussteigen halten. ’ a. Heuchelheim, 30. Aiust. Die abgelaufene Woche war für die Landwirte danher guten Witterung, arbeitsreich. Da man aber hier i Getreide vom Felde direkt zur Dreschmaschine zu bringeipflegt, so konnten die drei ausgestellten Maschinen, obglei sie fast Tag und Nacht in Tätigkeit waren, nicht den Forderungen genügen. Der Flegeldrusch kommt auch hier stier mehr in Abgang. r. Dutenhofen, 31. Lust. Allem Anschein nach haben die seit Freitag hier im parkier liegenden zwei Kompagnien vom Jnfanterie-Regivit Nr. 117 sich schon gut eingelebt. Ihr erstes diesjährig Manöver-Quartier werden sie bis zum 8. September bew ien. Jeder Tag bietet dem einzelnen Mann reichliche Geleiheit, seine freie Zeit nach Belieben zu genießen. Viele l en ihren Quartierwirten bei der Ernte, andere scherzen mi den Dorfschönen oder vergnügen sich in den Wirtschafter Darmstadt, 31. August.Die Hochzeit des Prinzen Andreas von Griechenlan mit der Prinzessin Alice von Battenberg findet nach r „Franks. Ztg." in Darmstadt am 7. Oktober statt. Frankfurt, 30. Auguj Ein internationaler Hoteldieb scheint wieder in^eutschland aufgetaucht zu sein. Wie die Polizeibehörde nteilt, machte sich dort ein junger Manu in einem Hotel i einen Amerikaner heran und benutzte die Bekanntschaft !.u, ihm ein Paar goldene Manschettenknöpfe mit erbsenguen Perlen, eine goldene Herrenremontoiruhr mit Sprung! kel und gesprungenem Glas zufällig leer war. Die Manjcktenknöpfe sind je 500 Mk. wert, die Uhr 1000 Mk. Die ihr enthält auf dem Zifferblatt den Namen Howard und stf dem Deckel das Atono- gramm H. W. Der Dieb ist oa 20 Jahre alt und 1,68 bis 1,79 Meter groß, hat eir ovale Stirn, gute Zähne, hellblondes Haar und ein bartlosi Gesicht, trägt einen dunkelblauen Sakkoanzug und nem sich Arthur White aus New-Pork. Homburg, 31. August. :ine Eß-Wette wurde in einem Restaurant ausgetragen, rin junger Herr erbot sich zu später Stunde, 2 Pfund Sel'artemagen zu essen, was ein Metzgermeister bezweifelte. 2 Wette wurde abgeschlossen, zwei Schwartemagen per 1 Pft) erschienen auf der Bildfläche und mit Erstaunen und Kauen umstanden ihn alle und sahen ihn kauen. Aber verdrückte nur einen mit Mühe und Not und besaß dana nur noch die Kraft, dem g.oeiten Pfundmagen die Haut ibzuziehen, worauf Niesser und Gabel kraftlos seinen Här'n entglitten. „Ja, ja!" sagte der Metzger, „ein Schwarteage is kai Schlistertöttelet!" — Als nun der verwettete N:steiner angefahren tvurde, yatte sich der Patient schon focit erholt, daß er seinen Aerger herunterspülen konnte, eint Berappen gab er die Parole aus: „Pikkolo, Du segst ix!" Hanau, 28. Aug. Von grjer archäologischer Bedeutung war der Fund einer (s gantenf äule, die vor längerer Zeit in der Gernarkmi Butterstadls bei Hanau in Gestalt von einigen hundert ffe:eren und größeren Bruchstücken ausgegraben wurde un sich jetzt nach ihrer Zu- sarrrmensetzung im Besitz des Hovauer Geschichtsvereins befindet. In einem Vortrag „Römisches und Prähistorisches aus Der Umgegend von Hanau", gehalten von Gymnasial- Oberlehrer Dr. Küster auf der Hauptversammlung des Vereins von Lehrern an höheren Unterrichtsanstalten der Pro- vinH Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck zu Esch- wege, hat der Referent eine genauere Beschreibung der Säule gegeben, die allgemein interessieren dürfte. Er führte aus: aus einem Basaltfundament erhebt sich der quadratische Viergötterstein, 82 Ctm. hoch, 41 Estin, breit. In seinen Nischen stehen die Reliefbilder von vier Götterfiguren, deren sichere Bestimmung noch nicht gelungen ist. Auf der Deckplatte sitzt eine siebeneckige Trommel, die die 25 Gtm. hohen Reliefs der sieben Wvchengötter auf den nischen- förmmigen Seiten trägt. Darüber befindet sich ein Gesims, darauf der 1.34 Meter hohe, mit Bluttornamenten versierte Säulenschaft mit weit ausladendem Kcrpitäl. Auf die/em ruht die Plinthe, die die 95 Ctm. hohe Gigantew- gruppe trägt. Der Gigant, dessen Oberkörper weit über die Plinthe hinausragt, wird von einem Reiter überritten. Den Kopf hat er hinweggewandt, um ihn vor den Tritten des Pferdes zu schützen; sein Schlangenleib liegt unter dem Tiere. An der Seite trägt der bärtige Reiter ein Schwert, auch ein Teil des siegenden Mantels ist noch, vorhanden. Am Zügelarm trägt er ein vierspeichiges Rad, durch das der Reiter die Linke gesteckt hat, und das im Gegensatz zu anderen Gigantensäulen der ganzen Gruppe einen besonderen Charakter verleiht. — Ein vor einiger Zeit bei dem Umbau der Kirche in Wachenbuchen (Kreis Hanau) im Mauerwerk gefundener Viergötteraltar, der fast dieselbe Größe hat wie die Butterstgdter Gigantensäule, zeigt vier gut erhaltene Reliefbilder: Juno, Minerva, Herkules, Merkur. Hanau, 31. August. Der Oberpostsekretär R. Wagner von hier, gegen den bekanntlich wegen Betätigung sozialdemokratischer Gesinnung vor einiger Zeit das Disziplinarverfahren eingeleitet wurde, ist laut „Han. Ztg." vor kurzem in die Redaktion der sozialdemokratischen „Leipz. Volksztg." eingetreten. — Ein Akt empörender Roheit leistete sich ein zum Automobilrennen nach Frankfurt fahrender Automobilist, dem Vernehmen nach ein Fabrikant aus Stettin, der auf der Chaussee zwischen Hanau und Rückingen einen harmlos seines Weges fahrenden Bauer mit einem Knüppel derart verbläute, daß der Bauer mit seinem eigenen Fuhrwerk nach Langendiebach zum Arzt gefahren werden mußte. Der Arzt konstatierte neben anderen Verletzungen einen Armbruch. Der Bauer hatte mit seiner Fuhre dem dahinrasenden Automobil nicht rechtzeitig ausweichen können, weshalb eine kleine Karambolage erfolgte. Das gab dem Automobilisten Veranlassung, kehrt zu machen und in Gemeinschaft mit seinem Chauffeur über den armen Landbewohner herzufallen. In Hanau wurden durch die telephonisch benachrichtigte Polizei die Personalien des Automobilfahrers festgestellt, der hoffentlich einer empfindlichen Strafe entgegengeht. sj Dreihausen bei Marburg, 31. Aug. Wegen des rätselhaften Verschwindens eines 2 Jahre alten KindeZ zirkulieren hier seit Monaten die verschiedensten Gerüchte. Das Kind ist von der Mutter in der Familie mit in die zweite Ehe gebracht worden und wurde dann im Mai angeblich in Frankfurt in Pension gegeben; nach anderer Darstellung wurde es dort von einer fremden Dame im Gedränge entführt. Am Samstag weilte wegen der Angelegenheit das Marburger Gericht in unserem Ort. Hoffentlich wird die Sache jetzt aufgeklärt. Vermischtes. * Aachen, 31. August. Der Aufhebung des Cercle priv6 des Prangers de Calamine in Altenberg stellen sich Schwierigkeiten entgegen. Soweit es an der preußischen Regierung liegt, geschieht alles, um eine baldige Schließung des Spielklubs herbeizuführen. *Saarlouis, 31. Aug. In vergangener Nacht wurde hier ein Unteroffizier des 30. Infanterieregiments von einem Wachtposten erschossen. * Meppen, 31. Agg. Gestern nachmittag machten fünf juirge Leute eine Bootfahrt. Düs Boot kenterte und alle sielen ins Wasser. Drei konnten sich retten, während zwei ertranken. Braunschw eig, 31. Aug. An Typhus sind neueren Meldungen zufolge in letzter Woche wieder drei Kinder gestorben. Bis jetzt ist es noch nicht gelungen, den eigens lichen Entstehungsherd der Krankheit festzustellen. — Der Handwerker Plieske geriet mit drei jungen!Leuten in Streit, die über ihn herfielen und chn so schwer mißhandelten, daß er bald darauf verstarb. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt. — In dem benachbarten Höh in gen hat eine Windhose ungeheuren Schaden an- gerichtet. Zahlreiche Häuser wurden abgedeckt. * Konstanz, 31. August. In Ueberlingen am See ist das Wohnhaus eines Taglöhners heute vormittag eingestürzt. Seine Frau wurde lebensgefährlich verletzt, ein Sohn getötet. Das Nachbarhaus des Kaufmanns Burt ist gespalten. Eine Frau Heiz wurde verschüttet und erlitt erhebliche Verletzungen. * Bern, 31. August. Am Dent de Brenleire (Kanton Freiburg) ist ein 18 jähriger Deutscher, namens Berger, der mit drei Kameraden Edelweiß pflückte, tot gestürzt. * Paris, 31. Aug. Das Blatt „Nacion" hatte dieser Tage eine Artikelserie veröffentlicht, betitelt: „Im Lande der Unwahrheit und Hungersnot", welche sich mit der Lage der bretonischen Fischer heschästrgte. Ein Matt in Rennes hatte gegen den Inhalt dieser Artikel Protest erhoben und die Bevölkerung gegen den Redakteur der „Nacion", Tealhade, aufgeshachelt. Teülhade mußte nach Camaret flüchten, da die aufgebrachte Menge den Redakteur mit dem Tode bedrohte. * Das Zeiß-Fernrohr auf der „Schynrgen Platte". Wie die Direktion der Berner Oberland-Bahnen mitteilt, ist vor einigen Tagen auf dem schönsten Aussichtsberge „Schynige Platte" bei Jnterlaten-Wilderswyl ein großes Aussichtsfernrobr aus der oplischen Werkstätte von Carl Zeiß in Jena aufgestellt worden. Das mächtige Instrument wiegt acht Zentner, die Aufstellung bot aber, da eine Zahnradbahn hinaufsährt, keine Schwierigkeiten. Das Objektiv des Fernrohres hat 130 Millimeter Durchmesser, seine Länge beträgt mehr als 2 Meter, die Bildumkehrung erfolgt durch Prismen, die Vergrößerung ist 35- und 60 fach. Dieser Wechsel kann durch einfache Drehung des Revolver-Okulares bewirkt werden. Eine sinnreiche Konstruktion ermöglicht es, daß das Auge des Beobachters stets in gleicher Höhe bleibt, ob man nun tief ins Tal blickt, z. B. nach Grindelwald, oder nach den Besteigern der 4167 Meter hohen Jungfrauspitze Umschau hält. Das Gesichtsfeld ist ungewöhnlich groß, so daß man ein bedeutendes Stück der Landschaft auf einmal überblicken kann. Die entfernten Felswände, die Rasenbänder, die Gletscher und Schneefelder stellen sich in guter Deutlichkeit und in einer Plastik dar, als ob man nur etwa 200 Meter von den betrachteten Objekten entfernt wäre, während Eiger, Mönch und Jungfrau 11, 12 und 13 Kilometer entfernt sind, das Wetterhorn gar 16 Kilometer! Die häufigen Besteigungen dieser Berge und das Stufenschlagen mit dem Gletscherpickel im ewigen Eise, alles läßt sich aufs Deutlichste beobachten. * Den besten Maßstab für die stetige Abnahme des Litauer tu ms und die Fortschritte des Deutschtums unter den Litauern bieten die alljährlich zur Herbstzeit stattfindenden Einsegnungen, sowie der Kirchenbesuch Während noch vor zwei bis drei Jahrzehnten in jedem Kreise des in Frage kommenden Bezirks litauische Konfirmationen vorkamen, sind diese jetzt in einem großen Teile, wie i;n Pillkaller, Skallupön er, Gold ap er, Gum- binner und Jnsterburger ganz, und in andern zum großen Teil in Wegfall gekommen. Ja sogar in Niederungskirch spielen, wie Lappieuen, wo die Litauer noch in der Mehrzahl sind und die Kinder neben dem deutschen auch litauischen Unterricht erhalten, lassen Litauer ihre Kinder deutsch einsegnen, um zu bekunden, daß sie diese ganz dem Deutschtum übergeben. Bei gleichen Fortschritten des Deutschtums werden in zwei bis drei Jahrzehnten überhaupt keine litauischen Konfirmationen mehr Vorkommen. Aehnlich verhält es sich, mit dem litauischen Kirchenbesuch. Obwohl an allen Kirchen Geistliche angestellt sind, welche die litauische Sprache beherrschen, kommen an verschiedenen Orten doch wenig oder gar keine Litauer zur Kirche, sodaß die litauischen Gottesdienste ausfallen müssen und an verschiedenen Stellen nur in längeren Zwischenräumen abgehalten werden. Es liegt dies daran, daß das jüngere und Heranwachsende Geschlecht infolge der erhaltenen deutschen Schulbildung sich immer mehr zur deutschen Kirche hält. * Mephistop Heles am — Po st sch alt er. Ter Frankfurter Schauspieler Bay rHamm er hatte sich auf einer Sommerreise nach Nordseebad N. postlagernd eine Geldsumme nachsenden lassen, die auch pünktlich unter der Adresse „Schauspieler Bohrhammer, N." eintraf. Leider hatte der Künstler sich die übliche Nachlässigkeit zu Schulden kommen lassen, ohne genügende Ausweispapiere zu reifen und geriet in arge Verlegenheit gegenüber dem Postbeamten, welcher den vom Mimen sehnsüchtig erwarteten Mammon nicht herausgeben wollte. Eine dargereichte Visitenkarte, eine Briefadresse re. wollten dem Beamten nicht genügen, der noch einen Vorgesetzten zu Rate zog, aber immer wieder kopfschüttelnd zu dem Musenjünger zurückkehrte mit den Worten: „Wenn Sie nur wenigstens noch einen Beweis hätten!" Rasch entschlossen rezitierte B. die ersten Verse des Mephistopheles aus Goethes Faust: „Da du, o Herr, dich einmal wieder nahst Und fragst, wie alles sich bei uns befinde" re. Bei der Stelle: „Ich sehe nur, wie sich die Menschen plagen" wurde der Beamte weich und verabfolgte dem Künstler die Summe, indem er spracht „Daß Sie ein Schauspieler sind, glaube ich nun. Hoffentlich sino Sie auch der Schauspieler B.!" * Eine Doktorarbeit über Gerhart Hauptmann. In der „N.-P. Staatsztg." lesen wir: Vor uns liegt ein kleines Werk, „Naturalism in the Recent German Drama with Special Referenze to Gerhart Hauptmann“ betitelt, ein Werkchen, mit dem der Verfasser, ein New-Porker Deutsch-Amerikaner, Alfred Stoeckins mit Namen, sich den Titel eines Doktors der Philosophie an der Kolumbia-Uni- versität errungen hat. Wohlverdientermaßen, denn das Werk ist ein unwiderleglicher Beweis dafür, daß der Autor sich eingehend, sehr eingehend mit seinem Gegenstände und der ziemlich umfangreichen einschlägigen Litteratur beschäftigt hat. Als Doktordissertation läßt es auch in der Form nichts zu wünschen übrig; das Thema ist, wie die schon vorausgeschickte Jnhaltstabelle erkennen läßt, nach einer sein säuberlich in so und so viele Haupt- und Unterabteilungen zerfallenden Disposition behandelt. Eine Bereicherung der Hauptmann-Litteratur ist die Broschüre aber kaum zu nennen. Der Verfasser hat Eigenes nicht zu sagen — Zitaten aus den Werken von Berliner Schriftstellern begegnet man auf Schritt und Tritt. * ,F)rdeutlicher Professor". In einem kleinen mitteldeutschen Ort bringt ein berühmter Professor, so er- zcchlt man der „Tägl. Rundsch.", seine Sommerferien zu. Einer von der alten Sorte, sehr zerstreut und wenig um sein Aeußeres bekümmert. Erne Bäuerin sieht ihm eines Morgens gedankenschwer nach. Am rechten Schph hängt ihm die Socke nieder, der Kragen ist linW nicht ein geknöpft, der Hut zerbeult. Sie Bäuerin schüttelt nachdenklich das Haupt: „Und so was nennen die Städtschen nun — ordentlicher Professor!" Gerichtstag!. -k- Mainz, 30. August In einer Extrasitzung der Strafkammer des hiesigen Landgerichts beschäftigte man sich gestern mit einer lOköpfigen D i e b e s-, Hehler- und Einbrecherbande, die Ende verflossenen unb Anfangs dieses Jahres in der Neustadt hier wie auch in den Vororten ihr Unwesen getrieben hatte. Das Haupt der Bande war ein 28jähriger Ärbeitssoldat, der Taglöhner Johann Läufer, der aus dem Militärlazarett in Ehrenbreilstein entsprungen war und hier bei einem Bruder Unterschlupf gefunden hatte. Das Brüderpaar „arbeitete" anfänglich allein, dann zog es nach und nach mehrere Komplicen heran, die ihnen als Hehler wie als Gehilfen dienlich waren. Ganze Berge von Waren hat die Bande durch Einbrüche gestohlen, die gestern zum Teil in dem Gerichtssaal aufgehäuft waren. Eßwaren scheint die Bande besonders bevorzugt zu Haden, denn in den verschiedenen Hehlerstellen fand man Speisen, Getränke und Zigarren in großer Menge. Als bei den Hehlern die geraubten Gegenstände nicht mehr sicher waren, verbarg man sie in einem leeren städtischen Kanal, den man zufälligerweise als die Lagerstätte der vielen gestohlenen Sachen entdeckt hat. Den Dieben kam man dadurch aus die Spur, daß eines Tages unfern Zahlbach viele Gegenstände vergraben vorgefunden wurden, die man als von einem Diebstahl in Bretzenheim herrührend erkannte. Der Platz, wo man die Gegenstände fand, wurde am anderen Abend in großer Entfernung von Schutzleuten, Schützen und Soldaten umstellt, und Sauter, der sich zur Hebung der vergrabeneri Schätze einsand, vechastet. Läufer nannte die Namen seiner Gehilfen bei den Einbrüchen wie die Hehler. In der Sitzung beantragte der Staatsanwalt gegen Läufer eine Gesamtzuchthausstrafe von 15 Jahren, gegen zwei weitere Mitangeklagre wegen Diebstahls und Einbruchs Zuchthausstrafen von 8 'und 2 Jahren, gegen zwei der Hehlerei bezichtigte mitbeklagte Frauen 10 und 5 Jahre Zuchthaus. Gegen die übrigen Angeklagten wurden Gefängnisstrafen von 6 bis 8 Atonaten beantragt Bei den Angeklagten, bei welchen Zuchthausstrafe beantragt, wurde ferner Stellung unter Polizeiaufsicht beantragt Das Urteil wird am 3. September verkündet. Worms, 28. Aug. Ein Nachspiel der Wahl fand vor der hiesigen Strafkammer statt. Lehrer Schumacher saß auf der Anklagebank. Am 15. Juni hatte er in einer natioualliberalen Versammlung gesagt, den klerikalen „Wormser Nachr." könne eine sensationelle Notiz kein anderer gebrachst haben als der „musikalische Lorscher Hannes". Der „Lorscher Hannes" war ein zerlumpter Mensch, der in Wirtschaften herumzog und gegen Trinkgeld musizierte. Vor Gericht beteuerte er, er habe keine bestimmte Persönlichkeit im Auge gehabt. Die meisten Zeugen bezogen die Bemerkung auf den Lehrer Ludwig, der ans Lovsch stammt und im musikalischen Leben von Worms hervortritt. Dieser strengte Beterdigungsklage an. Das Gericht kam nicht zu einer Verurteilung, weil es nicht den Nachweis als erbracht sah, daß Schumacher mit seiner Bemerkung den Kläger meinte. Eisenbahn Zeitung. Zu den Betri ebseinnahmen der preußisch» hessischen Staats bahnen schreibt die Zeitung des Vereins deutscher Eiseub.-Verwaltungen: Die in den letzten Monaten beobachtete Steigerung der Einmrhmen der preußisch-hessischen Staatsbahuen hält an. Die Ende Juli dieses Jahres gegenüber dem ersten Drittel des Vorjahres erzielte Mehreinnahme beläuft sich auf über 24 600000 Mk. Ta die Mehreinnahme Ende Juli rund 18000 000 Mk. ans- machte, so ist das Mehr, das auf den Juli entfallen ist, auf Über 6 000 000 Mk. auzunehmen. Der Juli hat sich demgemäß auf der Durchschnittshöhe der ersten drei Monate des lausenden Finanzjahres gehalten. Bemerkenswert ist hierbei, daß der Güterverkehr in fortgesetzter Steigerung begriffen ist und damit Zeugnis dafür ablegt, daß der inländische Verbrauch sich seit einiger Zeit beträchtlich gehoben hat. Halt diese Entwicklung an, so ist für das laufende Jahr auf einen für die gesamten Staatsfinanzen wieder günstigen Wschluß der Eisenbahnverwaltung zu rechnen. Landwirtschaft. — Deutsche Gersten- und Hopfen-Ausstellung in Berlin 190 3. Wie in früheren Jahren, so veranstaltet auch in diesem Jahre die Versuchs- und Lehranstalt für Brauerei in Berlin gemeinsam mit der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft und dem Deutschen Hopfenbauverein eine Ausstellung von Braugerste, Brauweizen und Hopfen. Diese Ausstellung, die vom 10. bis 18. Oktober in Berlin ftattsindet, erfreut sich einer stetig wachsenden Beteiligung. Bei den großen Erfolgen, den die an der gemeinsamen Beschickung beteiligten hessischen Gersten in den letzten Jahren erzielt haben, indem in den beiden letzten Jahren jeweils der Siegerpreis nach Hessen siel, wäre es sehr zu bedauern, wenn sich die Landwirte infolge des Wegfalles der Unterstützungen und der gemeinsamen Beschickung bestimmen ließen, sich der Beschickung dieses Jahr zu enthalten und so die nach vielen Anstrengungen gewonnene sehr gute Position auf diesen Ausstellungen wieder zu gefährden. Sport. — Das Radeln als Verjüngungsmittel wird in einer amerikanischen Frauenzeitung mit folgenden Worten empfohlen: „Ich konnte", so schreibt eine Dame, „trotz aller Anstrengungen einer Vermehrung meines Körpergewichts kein Ziel setzen. Ich ruderte, spielte Tennis, kasteiete mich mit einer strengen Diät — nichts half. Der ungalante Arzt meinte: Das kommt mit den Jahren! Da teilte mir eine tadellos schlanke Freundin ihr Geheimnis mit: sie radelte täglich in möglichst flottem Tempo, ohne auszuruhen oder abzusteigen. Stellte sich dabei Durst ein, so drückte sie eine mitgenommene Zitrone ganz weich, bohrte ein kleines Loch hinein und sog den Saft aus. Beim Nachhausekommen rieb sie sich erst mit lauem Wasser ganz ab, dann frottierte sie den Körper, besonders Beine und Füße, mit einem rauhen Rubberstofftuch sehr stark und lange. Dies Frottieren geschah reibend und zugleich drückend. Dazu aß sie viel Obst und trank Zittonenwasser. — Ich befolgte diesen Rat, benutzte das im letzten Jahre etwas vernachlässigte Rad täglich, handelte genau nach Vorschrift, und habe die Fretlde, jetzt, nach sechs Wochen, acht Pfund fchlattker und förmlich verjüngt zu fein." Das Mittel scheint nicht nur zweckentsprechend, sondern auch in gesundheitlicher Beziehung empfehlens- wert zu sein.__ Schiffslmchrichteil. Hamburg-Amerika Linie. Hamburg, 28. August. Der Hamburger Post-Dampsei „Phönicia", Kapitän Schmidt, ist am 27. August, 5 Uhr nachm., wohlbehalten von Hamburg via Boulogne s/M. in Newyork angekommen. MöcheutliHe Ueberstcht da Todesfälle i» der Stadt Gieße». 34. Woche. Vom 16.-22. August 1903. (Einwohnerzahl: angenommen zu 26 900 (inkl. 1600 Mann Militärs Sterblichkeitsziffer: 23,19, nach Abzug von 5 Ortsfremden: 13,53 °/co. Kinder Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, toie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von attswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im 1. Lebensjahr: 2.- vom -15. Jahr Kindbettfieber 1(1) KD — — Tuberkulose der Lungen KD 1 Tuberkulose des Bauchfells Kl) 1(1) _ Schlagfluß 1 1 — Brechdurchfall angeoorene Lebens- 1 — — 1 schwäche 1 — 1 — Neubildungen Kl) KD — — Alterskran'kheiten 1 1 — — Blinddarmentzündung 2 (2) 2(2) — — Nierenentzündung 1 1 — — Krämpfen 1 — 1 — Summa: 12 (5) 9(5) 2 1 Anerkannt und unübertroffen ist die Wirkung auf die Haut der wissenschaftlich und technisch vollkommensten Schönheits-, Toilette- und mildesten Kinderseife EüjrrhoSin -Seife Beweis: Glänzende Begutachtung von cirka 1000 Professoren und Aerztcn. ESüyrr ihoim - Glycerin ist das hervorragendste und wirkungsvollste Präparat für Haut und Teint. Bequeme Anwendung, fettet nicht, herrlicher Wohlgeruch, der Liebling aller Damen. - Bilden Pracht-Sammel-Album Europa, dazu 400 verschiedene hochinteressante und belehrende Ansichten. x= ö ö* 3 Z -ö 3 ?_s 58 CD — 14- 32 ro 3 C *^ c^ sä' «-» O er 5" c? 5 3 03^°« 3 3 3 « o 3 ÖD CO er «» CO 3 s 3 er 3 3 CO 3 o 3 er I w 3 'S 3 CO -
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