Nr. 17S Erscheint tLgkich außer Sonntag«. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Familien» dlütter viermal in der Woche betgelegL Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Un tvers.-Buch- u. Stein- druckeret (Pirsch Erbens Medaktton, Erpedttion und Druckerei: Schnlstraße 7, Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fcrnsprechanschluß Nr. 51. Zweites Blatt. 153. Jahrgang Samstag 1. August 1903 Gietzener Anzeiger ** General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Be)«g»pret-r inonatlich75Ps„ viertel» jährlich Mk. 2L0; durch Aohole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ps.; durch diePost Mk. 2.— viertel- tährl. mrßschl. Bestellg. Annahme von Anzeiger! ür die Tagesnummei j18 vormittag« 10 Uhr ZeUenpret«: lokal 12 Ps. auswärts 20 Psg. BeraNtwortlich Hh den poltt and atigern. Teil: V. Wittko: für »Stadt und LanhE und .GerichtSsaal^: August Götz; füx den Anzeigenteil: van« Beck. Aie heutige Yuwwer umfaßt 14 Seiten. Städtische KandwerKspolitiL. Seit 30 Jahren treiben Reich und Einzelstaaten Hand- werkspolitik. Viel Fruchtbares ist dabei bis jetzt leiber noch nicht herausgekommen. Die Sozialpolitik ist halb so alt und hat große positive Kulturwerte von dauernder wirtschaftlicher und politischer Bedeutung geschaffen. Lange bestand mangelhafte Klarheit über die Grunvlage, wer der natürliche Träger der Bestimmungen sei, dem Handwerk mit praktischen Mitteln zu helfen. Zuerst ist das Reiche dann sind die Einzelstaaten angerufen worden. An die Gemeinden als Träger der Handwerkspolitik hat man noch kaum gedacht, obwohl bei dem Umfange der Handwerksbetriebe und als die unmittelbarsten dtutznießer ihrer Leistungen gerade die Kommunen die nächsten zur Handwerkspolitik sind. Für die Unterbringung und Sozial- pslege der industriellen Arbeitermassen haben manche Gemeinden der ganzen Bürgerschaft außerordentliche Lasten zugemutet. Für das Handwerk haben viele, lediglich soweit das Fortbildungsschulwesen in Frage kam, und auch da nur der staatlichen Initiative folgend, eine offene Hand gehabt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Steuern und Mieten drücken den kleinen Handwerker vor allem, schon wegen der festen Fälligkeitstermine. Von den Steuern weniger die Staatssteuern, als die Gemein de- z u s cy I ä g e. Daß die Gemeinden sehr gut Wohnungspolitik treiben können, ist anerkannt. Diese Betätigung bildet den Zweck der z. B. in unserer Nachbarstadt Frankfurt a. M. von Miquel begonnenen und von Adickes fort- gesührten Bodenpolitik. Die kleine westfälische Stadt Lüttringhausen hat Handwerkerwohnungen mit Werkstätten gebaut urrü vermietet sie billig. Sie giebt ferner zu 4 Proz. zwanzigjährige Darlehen an Handwerker, die auf städtischen Boden selbst bauen wollen. Da von den Landesversicherungsanftalten Geld zu gemeinnützigen Bauten zu zweieinhalb Prozent erhältlich ist, setzt die Stadt bei diesem System nichts zu, während sie andererseits ihre Steuerquellen stärkt. In den Städten mit Großindustrie eröffnet sich in der billigenAbgabeelektri scher KraftmitVor- zugstarisen für die Handwerksbetriebe die Möglichkeit, den Uebergang der Handwerker zum Maschinenbetrieb und zur Spezialisierung ihrer Arbeit zu erleichtern. In dieser Erwägung werden in einzelnen Städten sogar Darlehen zur Motorbeschaffung gewährt. An Orten, wo, wie z. B. in Rathenow, das Handwerk sich fast ausschließlich einem Gewerbszweige widmet, ist das noch leichter. In solchen Orten muß und kann die Gemeinde auch bei der Bildung von Einkaufs- und Vertanssgesellschaften tätiger Hand anlcgen. Die erhöhte Steuer crakt der Gemeinden verpflichtet sie zu ernsterer Handwerkspolitik. Zur M«yt des neuen Papstes. Aus Rom wird vom 31. Juli gemeldet.^ In der gestrigen Kongregationssitzung wurde den Kardinalen die Konklave- medaille mit dem Wappen Oreglias überreicht. Viel kommentiert wird die Einladung der französischen Kardinäle seitens des französischen Gesandten beim Vatikan. Tie Stimmen der französischen Kardinäle werden sich auf Ram- polla und Vanutelli verteilen. — Heute vormittag 10 Uhr fand als Einleitung zu den mit dem Konklave in Zusammenhang stehenden Feierlichkeiten in der Paulinischen Kapelle eine von dem Kardinal Serasine V a n n u t e l l i zelebrierte feierliche Messe statt, der 61 Kardinäle beiwohnten. Nach der Beendigung verlas Monsignore Sardi eine lateinische Ansprache, in der die Kardinäle aufgefordert werden, eine fromme, gelehrte und mildtätige Persönlichkeit zum Papst zu wählen. Gegen 12 Uhr war die Zeremonie beendigt. Seit nachmittags 3 Uhr herrscht in der Umgebung des Vatikans, wo das Konklave abends zusammentritt, reges Leben. Die Begleiter der am Konklave teilnehmen Kardinäle trafen zu Wagen mit den den Kardinälen gehörigen Gegenständen ein. Erne beträchtliche Menschenmenge hatte sich bereits angesammelt. An allen Fenstern des Vatikans waren die Läden geschlossen. Unt 4 Uhr wurde das in der Nähe aufgestellte Militär verstärkt. Eine starke Abteilung berittener Karabinier: verteilte sich über die Zugänge zu den päpstlichen Palästen. Der Konklavemarschall, Fürst Chiegi, traf im Vatck'an um 4 Uhr ein, wo auch die Kardinäle nacheinander ankommen. — Me 62 Kard inäle sind mit dem bekannten Zeremoniell in das Konklave ein getreten. Im ganzen wurden um 7 Uhr 365 Personen eingeschlosseu. Von Details ist nur zu berichten, daß die Kardinäle in der letzten Kongregation das Honorar der Aerzte Leos XIII. auf 50 000 Lire sestsetzten. Tie Einfahrt der Kardinäle in den Vatikan gegen 4 Uhr hatte nur wenig Neugierige angelockt. Als di Pietro in das Portal einsuhr, ries ein italienischer liberaler Journalist: „Das ist der neue Papst!" worauf der Kardinal ihn lächelnd segnete. Die Kardinäle haben nur für drei Tage Wasche mitgenommen. Wenn das Konklave länger dauert, muß neue Wäsche durch die von Prälaten bewachten Dournr- quets eingeführt werden, die täglich je vier Stunden geöffnet sind. Die Bearbeitung der Wähler dauerte bis zum letzten Augenblick an. Heute wurde eine Broschüre gegen Rampolla an alle Kardinäle verteilt. Die Regierung laßt während des Konklaves den Petersplatz beständig start bewachen. Außerdem patrouillieren reitende Karabinier: um die Mauern des Vatikans. — 365 Personen find in das Konklave eingetreten, nämlich: 62 Kardinäle, 40 ^ädischofe unt» Bischöfe für den Sicherheitsdienst, 14 Köche, 20 Lastträger und andere Bedienstete. Von morgen vormittag ab tut auf der Piazza San Pietro und der Risogimento Santa Maria ein starkes Militüraufgebot ständig Dienst, Abteilungen von 32 Mann patrouillieren das Gebiet rund um den Vatikan ab. Fie ungarische AestechuAgsaffäre. Im Abgeordneten hause ergriff gestern, Freitag, vor Eintritt in die Tagesordnung Franz Ko s su t h in der Bestechungsangelegenheit das Worr und erklärt, es liege ihm fern, eine:: Verdacht cruszusprechen. Nachdem jedoch der Gouverneur von Fiume, ein der Regierung nahestehender Mann, die Urheberschaft der Bestechung eingestandcn habe, ruhe der Verdacht auch auf dem Ministerpräsidenten, und wenn es nicht gelinge, in dieser Mchjtung die öffentliche Meinung vollständig zu beruhigen, erscheine der Ministerpräsident als ungeeignet, um auf seinem Posten zu bleiben. (Stürmischer Beifall links.) Präsident Ap- vonyi beantragt hierauf, einen Untersuchungsaus- I ch u ß zur Aufklärung der Bestechungsangelegenqeit zu wählen und das Haus zu vertagen, bis der Ausschuß Bericht erstatten werde. Dieser Antrag wird angenommen mit der Einschränkung, daß die Vertagung nicht über den 10. August dauern soll. Ministerpräsident Graf Khuen- Hedervary erklärt mit Bezug auf die Aeutzerungen Kosjuths, er werde vor dem Untersuchungsausschuß erscheinen. (Allgemeine Zustimmung.^ Der Ministerpräsident fährt dann fort: Kosjuth erklärte, mich wegen der Bestechf- ungsangelegenhcit nicht verdächtigen zu wollen, fordert mich, aber auf, den Platz zu verlassen. (Beifall links.) Meiner Ansicht nach würde ich mich nicht nur gegen mich, sondern auch gegen das Land versündigen, wenn ich dieser Aufforderung Folge leisten würde. (Lebhafter Beifall rechts. Bewegung links.) — Die parlamentarische Untersuch u n g s k o m m i s s i o n wird sich, wie aus Budapest vom 31. d. M. gemeldet wird, morgen konstituieren und unter Ausschluß der Oesfentlichkeit die Untersuchung der Bestech- ungsafsäre beginnen. Ter Ministerpräsident und der Gouverneur von Fiume, Graf Szapary, weroen zuerst vernommen werden. — Die Abends erschienenen oppositionellen Blätter jubeln über den errungenen Erfolg, der zum Siege führen müsse, und eifern zu rücksichtslosem Kamps an. Wie weiter aus Budapest telegraphiert wird, soll sich der Redakteur Dien es, der bekanntlich in die Bestechungs-Affäre verwickelt ist, nach, Berlin begeben haben. Bei den Bestechungen sollen noch mehrere Vermittler beteiligt gewesen sein, die alle bis auf den Redakteur Singer flüchtig sind. Drei Mitglieder der Regierungspartei haben ihren Austritt bereits angemeldet Weitere Austritte werden erwartet. In den Wandelgüngen des Abgeordnetenhauses herrschte die denkbar größte Aufregung, da Gerüchte im Umlauf sind, daß noch andere oppositionelle Abgeordnete bestochen (int) und die Opposition eine Unrersuchpng gegen sämtliche Mitglieder der Opposition fordern wird, damit etwaige Schuldige gebranömarkt werden können. Der Abgeordnete Papp äußerte, er habe vollgültige Beweise, daß Gras uyuen-^eoervary der eigentliche Urheber der Bestechungs-Versuche sei. Aus Budapest, 1. August, wird bereits gemeldet, daß die. zur Ausrlärung der Bestechungs-Angelegenheit eingesetzte parlamentarische Untersuchungs-Kommission gestern abend eine Sitzung abgehalten hat, in der zunächst der Abgeordnete Papp die bereits bekannte Darlegung über den Bestechungsversuch gab. Hierauf wurde der bisherige Gouverneur von Fiume, Graf Ladislaus Szapary vernommen, welcher erklärte, daß er der Urheber der ganzen Sache sei und im Interesse der Beendigung des ex-lex-Zu stand es gehandelt habe. Zugleich bittet er das Abgeordnetenhaus wegen seines die Würde des Hauses ver- letzerckren Vorgehens um Verzeihung und erklärt feierlich aus Ehrenwort, daß der Ministerpräsident von der ganzen Angelegenheit nicht die geringste Kenntnis besessen hat. Deutsches Keich. Kiel, 31. Juli. Die Königin-Mutter Margherita von Italien traf heute mit Begleitung hier ein und begab sich an Bord der englischen Dampsyacht ,,Jolanthe", um eine Fahrt nach Norwegen anzutreten. — PrinzAdal- b er t von Preußen reiste heute nachmittag nachCadinen ab. Berlin, 31. Juli. Nach einer Meldung des „Posen. Tgbl." wird der Kaiser in der zweiten Hälfte des Monats August auf wenige Stunden nach Posen kommen. Der Aufenthalt dort wird einen rein militärischen Charakter haben. — Wie aus Brüssel telegraphiert wird, hat die in der belgischen Hauptstadt wohnende Frau Mathilde Wessel ein Schreiben des Abgeordneten Bebel erhalten, dch: angeblich schrieb, er wolle die Affäre Wessel im Reichstage zur Sprache bringen. Wessels Verteidigung in Deutschland würde gegebenenfalls der sozialdemokratische Abgeordnete Rechtsanwalt Haase in Königsberg übernehmen. Kolouialpost. Berlin, 31. Juli. Zur Erledigung der Samoa- treitfrage berichtet die „Schjes. Ztg.", daß nunmehr auch über die 5Me der zu zahlenden En tschädigun gen die Verständigung erfolgt ist. Die Mitteilung davon ist aus London dieser Tage nach Berlin gelangt. Der nähere Bericht und die amtliche Anzeige davon find denmächst zu erwarten. Da wegen der Höhe der Enlschädigungsiummen leine neuen Verhandlungen angeknüpft worden sind, so ist es wahrscheinlich, daß die früher aufgestellten Verluste in 5^)öhe von einer Million Mark zur Auszahlung gelangen. Ausland. Wien, 31. Juli. "Rach einer Meldung der Londoner „Daily News" gedenkt König Eduard diesen Herbst nach Men zu reisen und Kaiser Franz Jvsef einen Besuch abzustatten. Petersburg, 31. Juli. Die Sitzungen der Kommission zur Revision der deutsch-russischen Handelsverträge beginnen am 3. Auguft d. I. — Heute erhielten sämtliche russischen Grenzzolltammern vom russischen Finanzministerium die Anweilung, fortan vollwertiges ausländisches Geld anstandslos über die Grenze passieren zu lassen. Damit ist eine seit Jahren namentlich von der deutschen Geschäftswelt beklagte Grenzplackerei beseitigt. Aus Stadl und Land. Gießen, den 1. August 1903. ** Aus dem Programm für die landwirtschaftliche Ausstellung. Die feierliche Eröffnung findet am 10. September mittags mit dem Glockenschlage 12 statt. Um 2 Uhr folgt ein Festessen in der Festhalle. Während des ganzen Nachmittags arbeiten die Preisrichter bis zum Abend, der Konzert und Tanz bringen soll. Ain Tage darauf findet vormittags die Wanderversammlung des oberhessischen Bienenzüchtervereins statt. Am Nachmittag wird bereits von 4 Uhr an konzertiert. Der dritte Tag bringt am Vormittag die Preisverteilung und Vorführung der prämiierten Tiere. Dann giebts ein Festesten der Preisrichter und diesem folgt die Generalversammlung des Verbandes der Herdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rind. Am Nachmittag und Abend wird wieder konzertiert und zwar am Abend vom Bauerschen Gesangverein. Der 13. September, ein Sonntag, verspricht mannigfache Vergnügungen, abends z. B. Feuenverk, der Montag darauf den Herbst-Pferde- und Zuchtviehmarkt und Prämiierung von Pferden. Am Dienstag findet schließlich eine Verlosung statt, bei der Gewinne im Werte von 35—40 000 Mk. in Betracht kommen. ** Schauspiel- und Konzerthaus. Gestern abend haben die beiden unlängst gewählten Arbeitsausschüsse wieder eine gemeinsame Sitzung abgehalten, in der, wie wir hören, im wesentlichen wichtige Wahlen vorgenommen wurden. Zum Vorsitzenden des Gesamtausschusses ist nunmehr definitiv Kommerzienrat Heichelheim gewählt worden. Diese Wahl bürgt allein wohl schon für einen rüstigen und erfreulichen Fortgang der Vorarbeiten. Stellvertretender Vorsitzender des Gesamtausschusses wurde Kommerzienrat Georgi. Ferner wurden in den Bauausschuß gewählt die Herren Fabrikant Horst, Schlofiermeister Dörr, Bauunternehmer Winn, Weinhändler Helm, Fabrikant S ch assta e dt, Brauereibesitzer Bichler, Weißbindermeister Petri III. und Geheimrat Prof. Gaffky; in den Finanzausschuß Landgerichtsdirektor Bücking, Fabrikant Klingspor, Rentier Spamer, Stadtv. Pirr, Rechtsanwalt Grünewald, Pianeforte- händler Rudolf, Musikalienhändler Cha liier und Kaufmann Balser, sodaß die beiden Ausschüsse mit den 7 von uns schon genannten Herren jetzt aus je 15 Mitgliedern sich zusammensetzen. Die umfassende Tätigkeit eines Schriftführers und Referenten des Gesamt-Ausschusses übertrug man dem Prof. Dr. Fromme. Daß man die Presse ganz übergangen hat, ist schwer begreiflich, da man ihre Hilfe doch auch in Zukunft in ganz besonderer Weise in Anspruch wird nehmen wollen. — Am Montag abend soll wiederum eine Sitzung der beiden Ausschüsse stattfinden. * * Prüfungen. Das gestern bekanntgegebene Re-- sultat der Prüfungen für das höhere Lehramt in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Abteilung war folgendes: Von 21 Kandidaten bestanden folgende 14 Herren: Boeck, Emmel, Heineck, Käfter, Klump, Lamby, Lust, Petersohn, Schaffnit, Schimpf, Schmidtgen, Seitz, Waklhäuser, Weber. Von den übrigen 7 waren 3 vor und während des Examens zurückgetreten. * * Promenaden-Konzert findet morgen Sonntag, lli/2 Uhr, in der Südanlage statt mit folgendem Programm: Ouvertüre z. Op. Hans SachA von Lortzing; Blau Aeugelei::, Lied ohne Worte von Krauße; Venus-Walzer von Lincke; Finale a. d. Op. Rienzi von Wagner. * * Das Konzert des Berliner Tonkünst ler- Orchesters ist abgesagt worden und findet also heute abend nicht statt. * * Fernsprechverkehr. Vom 1. August ab ist Gießen zum Svrechverkehr mit Berkheim (O.-A. Eßlingen), Nellingen (O.-A. Eßlingen), Obereßlingen, Eßlingen und Wildbad zugelassen worden. Gesprächsgebühr 1 Mk. * * Gießener Volksbad. Die Badefrequenz in unserem Volksbad hat sich in den abgelaufenen 6 Monaten dieses Jahres gegen die des Vorjahres erfreulicherweitse erheblich vermehrt. Es wurden abgegeben vom 1. Januar bis Ende Juni im ganzen 53 231 Bäder gegen 48 650 in 1902, also rund 4500 Bäder mehr. Wir geben die Zahlen ber einzelnen Bäder und bedeuten die in () gesetzten Bäder die des Vorjahres. Schwimmbäder: Scanner 25383 (22 005), darunter ä 10 Pfg. 4773 (4197), Frauen 5910 (4914), darunter ä 10 Pfg. 1246 (924), Brausebäder: Männer 9794 (9674), Frauen 1752 < 1399), Wannenbäder 1. Klasse: Männer 1648 (1474), Frauen 613 (551), 2. Klasse: Männer 4346 (4031), Frauen 2877 (2887), Heilbäder und Massage: Männer 780 (804), Frauen 152 (129). Obschon die Zahl der Frauen, welche das Volksbad benutzen, von Jahr zu Jahr zugenommen hat, )io ibleivt doch zu wünschen, daß diese Benutzung noch stärker werden möge. * * Unserem geftrigen Stadtverordnetensitz- ungsbericht werden wir gebeten nachzntragen, daß Stadtv. Sch mall sich damit einverstanden erklärte, daß Stadtv. Nachbarstaaten. Wie aus Worms berichtet wird, übernimmt Redakteur Hans Trützschler von Falkensicin, früher Chefredakteur des entschlafenen „Franks. Journals", jetzt Feuill.-Redatteur des ^Franks. Gen.-Anz.", am 1. Oktober die Redaltwn der ^Wormser Zeitung"- funten und Hörer wie folgt zusammen: Kaufleute OT, JiidustrieNe und Techniker 13, Juristen und höhere Ver- waltuugsbeamte 15, mittlere Verwattungsbeamte 18, Lehrer 52 (darunter 16 akadern. und 36 jcmin. gebildete), Lehre- rinnen 43, sonstige Berufe 12, abgesehen von den beruf- losen Frauen, deren Zahl 41 beträgt, Von den Hospitanten waren 47 akademisch gebildet. Soeben wird das Vorlesungsverzeichnis der Akademie für daö Wintersemester 1903/04 versandt, das am 21. Oktober d. I. mit der Feier des Rektoratswechsels beginnt. Es gliedert sich nach folgenden Rubriken: Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaften und Konsularpraxis, Versicherungswissenschaft und Statistik, Handelswisjenschasten (Kaufmännisches Rechnen, Bnchfuhr- ung, Korrespondenz, Handelsgeographie usw.) Geschichte, Literatur mit) 51unstgeschichte, Neuere Sprachen, Technik und andere Hilfswissenschaften. Es werden im ganzen 86 verschiedene Vorlesungen (einschließlich Seminar-, Laboratorium und sonstige praktische Hebungen) gehalten, acht mehr als im vorigen Semester, und es werden noch wertere hinzukommen. Gerichtssaal. Gießen, 1. August. In der gestrigen Straskammer- i h u n g unter dein Vorsitze des Landgerichtsrats Dr. Schäfer kam zunächst zur Verhandlung die Stafsache gegen H. M. wegen Jagdvergehens zur Zeit der W e t t e r f e l d e r Treibjagd in der Feldgemarkung von Ober-Bessingen. In erster Instanz vor dem Schöffengerichte Lanbach war der Angeklagte in eine Geld- trafe von 60 Mk. verurteilt worden. In der gestrigen Berufungsverhandlung ergab die Beweisaufnahme folgendes: Der Angeklagte hat genieinsam mit anderen Rölhgeser Bürgern die dortige Jagd gepachtet. Am Tage der Wetterfelder Treibjagd waren auch die Röthgeser ausgezogen. Unter ihnen war der Angeklagte mit feinem Hunde aus fremdes Jagdgebiet eingetreten. Der Hund streifte frei auf dein Felde umher. Ein Gewehr hatte der Angeklagte nicht bei ich. Das Gericht verwarf die Berufung. Auch die Höhe der von dem Vorderrichter erkannten Geldstrafe wurde als angemessen erachtet. — In der Strafsache gegen H. D. wegen Beleidigung wurde vor Eintritt in die Beweisaufnahme auf den Antrag des Vertreters der Staatsanwaltschaft die O e f f e n t l i ch k e i t wegen Gefährdung der Sittlichkeit ausgeschlossen. Tas nach Wiederherstellung der Oeffentlichkeit verkündete Urteil wies die Berufung des Angeklagten wie diejenige der Staatsanwaltschaft als unbegründet zurück; die Kosten der Berufungsinstanz wurden dem Angeklagten zur Last gelegt einschlteßlich der der Beleidigten — diese hatte sich auch in der Berufungsinstanz als Nebenklägerin angeschlossen — erwachsenen notwendigen Auslagen.— Beim Postamt Büdingen war von G. K. eine Einzahlung geleistet worden; unter dem Gelde befand sich ein n a ch g e m a ch t e inmark - t ück. Im objektiven Verfahren wurde von der Staatsanwalt- chast Einziehung des Falschstücks beantragt. Die Strafkammer erließ dahingehendes Urteil. — Der Pumpenmacher G. E. war vom Schöffengericht Hungen auf Grund des § 366 Z. 7 Str.-G.-B. verurteilt worden, da er am 21. März 1903 zu Wohnbach mit einem eidicken Stein auf den Sohn des Wilhelm Wolf IV. von Wohnbach geworfen habe, ohne diesen jedoch zu treffen. Die heutige Hauptverhandlung ergab den nämlichen Tatbestand. Die Strafkammer verwarf kostenfällig die Berufung des Angeklagten. — Der Müller Ehr. F. hatte am 15. Dezember 1902 unterlassen, einen Rechen vor dem Radwerk seiner Mühle anzubringen. Das Schöffengericht Alsfeld sprach den Angeklagten frei und überbürdete der Staatskasse die Kosten des Verfahrens einschließlich derjenigen der Verteidigung des Angeklagten. Die Staatsanwaltschaft legte Berufung ein und beantragte, das Urteil des Schöffengerichts insoweit abzuändern, als die Kosten der Verteidigung des Angeklagten der Staatskasse auferlegt seien. Die Strafkammer gab der Beruftmg der Staatsanwaltschaft statt, da der Angeklagte bei der einfachen Sachlage selbst seine Rechte hätte wahren können, doch seien die Auslagen, die dem Angeklagten bei eigener Verteidegung erwachsen wären, zu seinen Gunsten zu üe- rucksichttgen. sd. Gießen, 1. Ang. Der Unteroffizier H. Such land von der 7. Komp. Inf.-Regt. Nr. 116 war wegen Achtungsverletzung vom Standgericht Gießen am 11. Juli zu 8 Tagen Mittelarrest verurteilt worden und hat dagegen alsbald Berufung eingelegt. Der Anklage liegt folgender Tatbestand zu Grunde: Suchland war Küchenunteroffizier. Am 29. Juni wurde von dem Vorstand der Küchenverwaltung gemeldet, daß die Kessel nicht hinreichend gereinigt wären. Am 1. Juli hielt der Vorstand wieder eine Revision ab, fand nach der Aussage des Musketiers Sitnon den ersten Kessel in Ordnung, während er bei dem zweiten Kessel wieder Unreinigkeiten beanstandete, worauf der Unteroffizier S. erwiderte, daß, um Rost zu vermeiden, der Kessel mit Schmalz eingeschmiert sei. Der Hauptnrann fuhr in seinen Beanstandungen fort, was den Unteroffizier veranlaßte, wiederholt eine Enkschul- degung zu versuchen, worauf er von dem Hauptmann energisch zurechtgewiesen und angeblich mit Schimpfworten traktiert wurde, lvas übrigens bestritten wird. Ebenso veranlaßte der Offizier den Angeklagten, eine stramme militärische Haltung einzunehmen, was dieser in demonstrativer Weise tat. Am 3. Juli reichte der Unteroffizier Be- chwerde wegen ungerechter Behandlung seitens des Hauptmanns beim Regiment ein; am 6. Juli wird er wegen seines Vergehens vom 29. Juni zu drei Tagen Mittelarrest verurteilt, aber am gleichen Tag wird auch seitens des Hauptmanns die Klage gegen S. wegen der am 1. bei der Kesselrevision erfolgten Achtungsverletzung erhoben; ams 7. Juli endlich wird dem Unteroffizier S. mitgeteilt, daß seine am 3. gegen den Hauptnrann v. B. erhobene Beschwerde von dem Obersten für begründet erachtet worden sei. In der Verhandlung vor dem Kriegsgericht zu D a r m st a d t am 30. v. M. behauptete nun der Angeklagte, daß er keineswegs widersprochen, sondern sich nur rechtfertigen wollte. Musketier Simon sagt aus, daß die Beanstandungen des Hauptmanns B. eine Antwort provoziert hätten. Der Vertreter der Anklage beantragt, die Bes- rusung des S. zu verwerfen, da die Strafe nicht zu hoch sei, während dagegen auch der von dem Gerichtsherrn inzwischen eingelausenen Berufung nichl stattzugeben sei, da man dem Angeklagten zu gute halten müsse, daß die Auslassungen des Offiziers geeignet waren, ihn zu reizen. Der Verteidiger des Angeklagten Justizrat M e tz bittet um eine viel mildere Strafe. Der Gerichtshof verwarf die Berufung des Gerichtsherrn, gab dagegen der Berufung des Angeklagten statt und hob das erstinstanzliche Urteil auf. S. wurdp nur wegen seiner achtungswidrigen Haltung zu * Tagen gelindem Arrest verurteilt. sd. Darmstadt, 31. Juli. Der Musketier Josef Jacobberger aus Bitschweiler i. E., zum Jns.-Regt. 9cr. 116 eingezogen, verschwand eines Tages, begab sich nach Frankreich und trieb sich längere Zeit dort umher, bis ec schließlich wieder in seiner Heimat sestgenommen wurde. Er wird wegen Fahnenflucht zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt und ,in die zweite Klasse des Soldatenstandes versetzt. Frankfurt, 31. Juli. Der Fabrikbesitzer Dr. Schick zu Breitscheio, der früher hier wohnte, richtete am 8. September 1902 eine Eingabe an das evangelisch-reformierte Dekanat zu Dillenburg, worin er sich über den Pfarrer Philippi zu Breitscheio beschwert. Er führte darin u. a. aus, daß der Pfarrer es ihm durch sein sittliches Ver- Kirch die Verordnungen des Polizeiamts wegen der ^Heater- frage als zu weitgehend bezeichnete und den Oberbgm. bat, hier nach Möglichkeit eine Milderung anzustreben. Er führte weiter au$, trnii er sich gefreut haben würde, wenn rer Oberbürgermeister auch hinsichtlich der von ihm untcriagtcn evangelischen FriedhofSwe.he durch den eilten Stadtpfarrer eine gleiche Mäßigung als Cbef der städtischen Verwaltung sich aufedegt hätte, damit nicht, wie es in dem hiesigen sozialdemokratischen Blatte geschehen sei, unseren evangelgchen Geistlichen allein die Sch'ild zugeschoben wurde. Der Wahr- ung des konfessionellen Friedens habe in dieser 'Angelegen- beit der Leiter unserer Stadtverwaltung nicht gedient. — Ferner ist zu bemerken, daß Stadtv. Pirr nur von dem Tonne na b suhrwa gen gesprochen und die stadt,seheVerwaltung gebeten hat, diesem m Reinigung und Desmsettion strengere Ueberwachung zuteil werden zu lassen. ** Iuqendfest. Wir können mitteilen, Daß oas Juaendfest im Philosophenwalde abgehalteu werden kann. Der Festplatz wie die Wege dahin sind vollkommen trocken. M. Beuern, 31. Juli. Lehrer Hedrrch, welcher die dritte Lehrer stelle hier als Vikar versteht, wurde die vakante Stelle zu Obermoos definitiv übertragen, wohin er gestern von hier abreiste. Seine kleinen Schuler gav^n ihm eine kleine Strecke das Geleite. w. Aus dem Biebertal, 1. Aug. Wenn man dem einsamen Waldweg nachgeht, der von Rodheim über die Höhe nach Waldgirmes-Wetzlar führt, so kommt man an einen Stein, welcher den Namen Frauen kreuz tragt. Der Stein steht genau auf der Grenze, wo Die Waldungen Rodheim, Heuchelheim und Kinzenbach zusammeittreffen, aus letzterer Gemarkung und trägt Die Bezeichnung N. W. 1 < 71. Frauen f. Er steht vermutlich an stelle eines alteren Kreuzes, das hier gestanden und dessen Errichtung folgenden Anlaß gehabt haben soll. Auf der Burg zu .ckafian-^veil- lmrg wohnte einst der reicye Gras Otto mit seiner Gemahlin Jutta, denen nichts am. Erdengluck zu fehlen schien. Lästerzungen suchten dem Grafen allerlei Rederi der Untreue seiner Gemahlin zuzuraunen, Nur zu leicht lieh der Graf den Verleumdern das Ohr. Ein Besuch bei einem befreundeten Nachbar im oberen Lahntal führt Mann und Frau allem über diesen Waldweg, während die Diener dem Wunsche des Grafen gemäß in einiger Entfernung nach- folgten. Schweigend schreitet mit finsterem Blick Gras Otw neben seiner Gemahlin dahin. Immer dichter schließen sich die Bäume, öder und düsterer wird der Waldpfad. Jutta wagt nicht, das Schweigen ihres Gemahls zu unterbrechen. Doch plötzlich bleibt dieser stehen, herrscht sie an und spricht: „Tu kannst. Unwürdige, Dir eine Gnade verdienen, wenn Du mir gestehst, wie schändlich Tu mir die Treue brachst!" Mit diesen Worten setzte er den Dolch auf die Brust der Ahnungslosen. Bleich vor Entsetzen schweigt sie im Bewußtsein ihrer Unschuld. Dadurch wird der argwöhnische Graf noch wilder- er stößt den Dolch ins Herz. Ein schwacher Schrei, ein milder Blick iivch nach dem Mörder und ihr Leben ist davon. Durch höhere Schickung wird Juttas Unschuld offenbar. In Trauer und Schmerz verzehrt sich b-r Witwer. Durch Buße und Reue hofft er Beruhigung zu finden. Daraus pflanzt er das heilige Zeichen des Kreuzes an der Stelle, wo feine Gemahlin ihre edle Seele aushauchte. Dann pilgert er im Büßergewand nach dem heiligen Grabe. In Weltentsagung brachte er sein Leben dahin, bis der Tod ihm Ruhe gewährte. Tie Stelle, wo die Leidenschaft ihr blutiges Opfer forderte, heißt zur Erinnerung an jene Begebenheit das „Frauenkreuz". Offenbach, 31. Juli. Tem Beispiel anderer Städte /olgend, hat eine größere Anzahl hiesiger Kolonialware n h ä n d l e r sich zur Bildung einer Einkaufs-Genossenschaft zusammengeschlossen. Tie Mitglieder derselben werden dadurch in Stand gesetzt, unter gleichen Vorteilen wie die Grossisten ihre Einkäufe zu machen und dem Publikum unter günstigen Bedingungen eine gleichmäßige und gute Ware zu liefern. Worms, 31. Juli. Gestern abend wurde hier Tr. Cijka, technischer und kaufmännischer Tirektor der Aktiengesellschaft für Großfiltration unter dem Verdachte verhaftet, eine im verflossenen Jahre hier gewesene Schauspielerin, welche sich eines Verbrechens gegen das keimende Leben schuldig gemacht haben soU, zur Begehung dieses Verbrechens angestistet, bezw. ihr Beihülfe geleistet zu Univerjitüts-Nachrichten. Akademie für Sozial- unoHandelswisse n- schasten zu Frankfurt cu M. Die Frankfurter Akademie hat für ihr gegenwärtiges viertes Semester abermals einen erheblichen Zuwachs ihrer Besucher zu verzeichnen. Die Zahl ist von 95 auf 121 gestiegen. Dem Berufe nach sind darunter 62 Kaufleute, 19 Industrielle und Techniker, 17 Juristen und höhere Verwaltungsbeamte, 3 mittlere Verwaltungsbeamte, 13 seminarisch gebildete Lehrer, die sich größtenteils auf den Handelslehrerberu vorbereiten, 3 Studierende der neueren Sprachen und < Vertreter sonstiger gelehrter Berufe. Von den Besuchern haben 40 bereits eine anderweitige akademische Bildung abgeschlossen. Bemerkenswert ist namentlich dre bedeutende Zunahme der Zahl der kaufmännischen Besucher. Von 41 im vorigen Semester ist sie auf 62 gestiegen. Außer von Den „Besuchern" im engecu Sinne (Studierenden) wird die Akademie im laufenden^ Semester von 216 Hospitanten und 77 Hörern besucht. Nach dem Berufe setzen sich die Hospi- Uermischlrs. * Bremerhaven, ßl. Juli. Bei einem Dachstuhlbrand ist eine 17jährige Dienstmagd und ein lljähriges Mädchen in den Flammen umgekommen. * Königsberg, 31. Juli. Blätter berichten über ein bei Juditten stattgehabtes Duell. Die Tuellanten waren kurländische Edelleute und nahe verschwägert. Beim zweiten Kugelwechsel wurde der Aeltere, in der Mitte der 60er Jrchre stehend, von seinem Gegner in den Unter- eib schwerverletzt. Inns b ru ck, 31. Juli. Aus dem Zillertul wird Hochwasser gemeldet. Der Bahnverkehr zwischen Neuenhof und Zell ist unterbrochen. Die Uferschutzbauten werden überall verstärkt. Die Temperatur ist im Fallen, im Gebirge fällt Schnee. * Die Heinersdorser Kinder. Heinersdorf erhält einen neuen Pfarrer. Bei der ersten Predigt /mißfällt es ihm, daß die Frauen ihre kleinen Kinder mit in die Kirche bringen, die durch Schreien öfters die Andacht stören, weshalb er noch zum Schluß einige Worte hierüber an die Mütter .richtet. Beim Verlassen der Kirche tritt der Ortsvorstand zögernd auf den Herrn Pfarrer zu. „Nun", ruft der Pfarrer, „Herr Sa)ultheiß, „haben Sie mir etwas zu sagen?" „Ja!" antwortet der und kraut sich verlegen hinter den Ohren, „Herr Pfarrer! Ihre Predigt ist recht schön gewesen, aber eines hat uns nicht gefallen!" „Das wäre?" „Sehen Sie, Herr Pfarrer, in der Bibel steht doch: „Lasset die Kindleüi zu mir kommen, und . . „I", ruft der Pfarrer dem bibelfesten Schulzen zu, „das waren aber auch keine Heinersdorser Kinder!" *Eineiunge Braut. Der gesamte Stadtteil Psyrm in Athen bejand sich in hellem Aufruhr, weil die neunjährige Helenitza mit einem 25jährigen jungen Mann verheiratet werden sollte. Wirklich saß das Mädchen ganz würdig auf dem Sofa, mit Orangeblüten und dem Brautschleier geziert, in Erwartung des Popen, der zur Vollziehung der Trauung gebeten war. Als aber der Pope erschien, weigerte er sich trotz des Erlaubnisscheins des Metropoliten, seines Amtes zu walten. Man begab sich deshalb zum Metropoliten selbst, der die Trauung nochmals gestattete, aber riet, die Feier nachts zu veranstalten, wenn die Neugierde der Nachbaren nicht störend eingreifen könne. So geschah) es, mcd wirklich wurde das neunjährige Mädchen unter allen Zeremonien seinem Aus erwählten ehelich verbunden. hoben. Bei Vollzug der vom Gr. Amtsgericht angeordneten Verhaftung des Dr. Cifka feuerte dieser auf den mit der Verhaftung beauftragten Kriminalschutzmann RuppelmittelsRevolverszweischarseSchüsse ab, trotzdem der Schutzmann ihm vorher aus dessen Frage: „Wer da?" ausdrücklich zugerufen hatte, daß er Polizeibeamter sei. Glücklicherweise gingen beide Schüsse fehl. — Unter dem gleichen Verdachte wurde ferner noch die geschiedene Ehefrau eines früheren Wirtes in Untersuchungshaft genommen. Hofgeismar, 31. Juli. Um Ostern dieses Jahres trafen ein Förster und ein Forstlehrling, die auf Wilderer fahndeten, im Reinhardswald zwei wildernde Männer. Ta diese die Flucht, ergriffen, auf Anruf nicht standen und die Waffen nicht ablegten, so wurde g e s ch o f s e n. Während der eine Wilderer unerkannt entkam, erhielt der andere, ein Mann Namens Fiegehenne aus Hombressen, einen Schuß durch den Oberschenkel. Die faustgroße Wunde im Oberschenkel rührt von einem Mantelgeschoß mit freigelegter Bleikappe her, einem der berüchtigten Dumdurn-Ge- s ch o s s e. Jedermann in Deutschland erinnert sich noch, mit welcher Entrüstung man vernahm, daß die Engländer im Anfang des Burenkrieges sich der Dumdums bedient hätten. Trum sollte man sich erst recht hüten, diese Geschosse mit chrer scheußlichen Sprengwirkung gegen Deutsche zu verwenden, auch wenn sie Wildschützen sind, und sich lieber der „humanen" Vollmantelgeschosse bedienen. Tie Aerzte hatten im Anfang dem Mann das Bein nicht ab genommen, weil sie es zu erhalten hofften, aber er liegt noch jetzt ohne viel Hoffnung aus Erhaltung des Lebens darnieder. Derselbe Mann war vor mehreren Jahren von einem Förster innerhalb des Wildgatters beim Wildern ertappt worden. Aus Befehl des Forstrats feuerte der Förster und traf ihn in die Schulter. Obgleich es dem Manne gelang, das an drei Meter hohe Gatter zu überklettern, wurde er nachträglich doch gefaßt und bestraft. Ten Leuten in den Walddörjern liegt das Wildern noch tief im Blute. Zu der alten Idee von dem Recht jedes Mannes, alles Getier im Wald und Feld, in Der Lust und im Wasser durch Ergreifung sich anzueignen, gesellt sich vererbter Haß gegen alles Wild aus Der Feudülzeit. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Die Neberschwcmmungen in Schlesien und Brandenburg Es besteht, wie verlautet, ans Seiten schlesischer R eich s t a g s abg e o r d ne t e r die Absicht, im Rei ch s- taa den Offizieren und Soldaten Dank abzustatten für Le bei der Hochwassergefahr der bedrohten Be- völkernna geleisteten Dienste. Seitens einiger Landgemein- den denen Die Soldaten durch ununterbrochenes Arbeiten au ' Dämmen und Deichen Ernte und ^hoft vor dem Verderben bewahrten, ist dem Dank bereits Ausdruck aeacbcn worden. Es geht daraus hervor, daß die .Hilfeleist- una besonders durch die beiden schlesischen Pionierbataillone von allergrößtem Werte war. Die Ächisser, Fischer, Zimmerleute, Brumienbauer, aus denen die Bataillone zumei)i sich rekrutieren, haben unter Leitung ihrer technisch durchgebil- Dctcn Offiziere Tag und Nacht in aufopfernder Weise gearbeitet und sind teilweise noch jetzt tätig. Das Militär hat bewiesen, Daß es seinen Berus erblickt im Schutze der Bevölkerung auch in Friedenszeiten. Dessen darf wohl im Parlament mit Worten der Anerkennung gedacht werden, nicht minder auch des Verhaltens Der betre fsend en Trichpen- kommaiideure, die ihre Mannschaften unverzüglich m die gefährdeten Ortschaften entsauDten. Einen besonderen Anlaß, Der bewaffneten Macht dankbar zu fein, hack schneßlich die bäuerliche Bevölkerung. Wenn ein großer Teil der reichen Ernte Schlesiens gerettet und in Die Scheuer gebracht ist, so ist Day auf Die Hilfeleistung der Soldaten bei den Emtearbeiten zurückzusühren. Die Leutenot, unter der die Landwirtschaft im Osten beständig leidet, hatte andern- alls die bäuerlichen Besitzer diesmal auf das empfindlichste getroffen. Für den Kaiser wird dem Vernehmen nach ein ausführlicher Bericht über Die Tätigkeit des Militärs in den Hochwassertagen angefertigt. Ter „Nordd. Allg. Ztg." zufolge wurde unter Vorsitz des Finanz Ministers von Den beteiligten staatlichen Ressorts die Lage des U e b e r s ch w e m m u n g s g e b i e t s in der Provinz Brandenburg berat en. An der Sitzung nahmen Der Oberpräsident v. Bethmaun-Hollweg, der Regierungspräsident v. Windheim-Frankfurt a. d. O. und der LanDesdirektor Frhr. v. Manteuffel tell. Don diesen wurde übereinstimmenD erklärt, daß bisher bei den öffentlichen Teichen bis auf einen weder an der Warthe, noch an der Oder Teichbrüche eingetreten seien; im übrigen ließe sich die Beschädigung wegen der Höhe des Wassers noch nicht übersehen. Aus gleichem Grunde könne noch nicht beurteilt werden, welche Mittel notwendig seien, um Die Herbstbestellung zu erniöglichen, und in welchem Um- ange die staatliche und provinzielle Hilfsaktion geboten ein würde, um die durch die Ueberschwemnmng Geschä- jigten dauernd im Nahrungszustande zu erhalten. Während Die Warthe in Posen bereliS stark gefallen sei, habe das Hochwasser der Warthe und der Oder erst soeben Küstrin passiert. Auch hinge der Umfang Der Schäden, namentlich oweit sie durch Trängewasser verursacht wurden, von der noch nicht übersehbaren Tauer des Hochwasserstandes der Oder unD der Warthe ab. Zur Beseitigung der augenblicklichen Notstände, zu Den ersten Arbeiten an den beschädigten Teichen, sowie für die erforderlichen sanitären Maßnahmen bedürfe es einer Summe von 50000 Mark a fonds -erdu. Tiefer Betrag wurde vom Finanzminister, vorbe- )altlich der Genehmigruig des Landtags, b e r e it gestellt. iin MWer beteilig den M Lernrte Schöffe' einM gerich>° ? 193/ tDCtb» S-em ' sigen wegen • schmied . Znstrume nahmen in -arr Arbeit ar keber liel Mer zu Sonntag Arbeiter vnd so e' Sie gab er bezahlens noch nut)! Weil lau Ochs weg' ylonaten sMitgetei Prioai Lest. Demi Torn Boch> Harp Kraul lauten die c ragende, iw ieute versiä sicherlich ih leichteren t bleibt Die e wie vor al ullwickelun halb auch Lordergrir bie Kurse l skigend; . Ä welche dm Lerhar Wn em rmächsi. nächn, Tüi bei bet V WiMY ckerdnv hallend %eut ftem vogui eine i Für veiy lll-Do gefiel und ^ioitb *le in, feto S Ntoe s nekn, Wn, ; Süq'ti »alten u nmö glich Mache, den evangelischen Gottesdienst zu besuchen und die Wohltaten der Religion zu empfangen. Tr. Schick wurde vom Dekanat aufgefordert, Tatsachen anzuführen, aus denen er auf ein unsittliches Verhalten des Pfarrers schließe, und gab an, daß sich der Pfarrer gegen ihn und 'seine Familie gehässig zeige, und damit die Pflichten eines Lehrers der christlichen Liebe verletze; auch beteilige er sich öfters an Zechgelagen. Wegen dieser Aeußerungen erhob der Staatsanwalt die Offizialklage gegen den Fabrikbesitzer wegen Beleidigung, die mit dessen Verurteilung zu einer Geldstrafe von 100 Mk. durch das Schöffengericht zu H e r b o r n endete. Die vom Angeklagten eingelegte Berufung jvurde von der Strafkammer des Landgerichts zu Limburg verworfen. Zwar müsse dem Angeklagten, so hieß es in der Begrünvung, der Schutz des § 193, Wahrnehmung berechtigter Interessen, zugebilligt Merden, doch ließen die inkrimmierten Aeußerungen ihrer Form und den begleitenden Umständen nach eine beleidigende Absicht erkennen. Das hiesige Oberlandesgericht schloß sich diesen Rechtsaussührungen der Voriustanz an und verwarf die eingelegte Revision. [] Marbur g, 31. Juli. Die Ferienkammer des hiesigen Landgerichts beschäftigte sich heute mit einer Anklage wegen Majestätsbeleidigung gegen den Kesselschmied Karl Ochs aus Stasfelstein in Bayern und den Instrumentenmacher Richard Backofen aus Dresden. Beide nahmen als Handwerksburschen anfangs vorigen Monats in Hardenrod bei Gladenbach in einer Backsteinfabrik Arbeit an. Gelegentlich des Nachtessens bei ihrem Arbeitgeber ließen sie sich unehrerbietige Aeußerungen gegen den Kaiser zu Schulden kommen und setzten auch am nächsten Sonntag,in der Wirtschaft dieses Gespräch fort. Durch einen Arbeiter kam die Sache zu den Ohren des Gendarmen, und so erfolgte die Verhaftung der beiden jungen Leute. Sie gaben heute zu ihrer Entschuldigung an, wegen Nicht- bezahlens ihres sauer verdienten Lohnes, den sie bis heute noch nicht .erhalten hätten, gereizt gewesen zu sein. Das Urteil lautete unter Zubilligung mildernder Umstände gegen Ochs wegen Majestütsbeleidigung in zwei Fällen auf vier Nonate und gegen Backofen auf zwei Monate Gefängnis. Fandet und Verkehr. UotksVirtschast. Berliner Börse vom 31. Juli 1903. (Mitgeteilt von der Bant für Handel und Industrie, Gießen.) Privat-Diskont 3% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit.... 208.— 207.40 Deutsche Bank . . . 211.50 211.25 Darmstädter Bank . . 136.75 136.50 Bochumer Guß . • . 180.00 179.50 Harpener Bergbau . . 179.60 179.40 Schluß-Tendenz: schwach. Frankfurter Börse. Wochenbericht. Von Amerika lauten die Situationsberichte wieder zuversichtlicher, indessen hervorragende, mit den Verhältnissen in Wallstreet genau bekannte Finanzleute versichern, daß die Zeit der dortigen Exekutionen nun doch sicherlich ihrem Ende nahe. SDlcm schenkte deshalb den dortigen leichteren Erschütterungen nur noch geringe Beachtung; vielmehr bleibt die erfreuliche Tatsache bestehen, daß unsere Spekulation nach wie vor alles zukünftige Heil in der langsamen, aber stetigen Fort- entwickelung unserer heimischen Industrie erblickt. Man hat deshalb auch die Eisen- und Kohlenwerte wiederum in den Vordergrund gezogen und haben infolge günstiger Abschlußgerüchte die Kurse Einzelner beträchtlich steigen können. Bochumer, Laura steigend; das gleiche gilt von Gelsenkirchen, Harpener, Hibernia, für welche Kauflust anhielt, obgleich nicht zu verkennen ist, daß den Verhandlungen bezüglich des Kohlensyndikats durch das Verhalten einiger außenstehender Zechen noch manche Schwierigkeit erwächst. Bankaktien erfuhren einige Belebung, da man zunächst, wie sich auch aus der zuversichtlichen Auffassung der Lage bei der letzten Aufsichtsratssitzung der Reichsbank ergab, eine Verbilligung des Geldes für den Herbst vorausfehen roUL, Es ist dies allerdings in anbetracht der Erntekäufe und der hierfür bereit zu haltenden Barmittel ein schon oft trüglich gebliebener Schluß. Deutsche Anlehen zeigten mehr Widerstandsfähigkeit. Von fremden Staatsfonds Türken Lit. C. und Türk. Lose bevorzugt. Es wird auf die Bestrebungen, diesen bei der Unisikation eine Besserstellung einzuräumen, hingewiesen. Spanier bevorzugt. Für Argentinier und Portugiesen spekulative Meinungen vorherrschend. Serben recht fest. Bulgaren schwach auf politische Verstimmung. Mexikaner in guter Fruge. Oesterreichische Bahnen still; die parlamentarische Lage in Ungarn gebietet Zurückhaltung. Italienische Bahnen gebessert. Schifffahrts-Aktien in besserer Strömung. Von Industrie- Aktien Chemische Griesheim, Höchster, Albert, Aluminium steigend. Privatdiskonto 33/ie pEt. Köln, 31. Juli. In der heutigen Sitzung des Auffichtsrats des Hörder Bergwerks- und Hüttenvereins wurde der Ab schlich von 1902/03 vorgelegt. Derselbe weist einen Bruttogewinn von Mk. 4108 156, gegen Mk. 2 048 013 im Vorjahr auf, wovon Mk. 2 600118 gegen Mk. 2 048 013 im Vorjahr zu Abschreibungen verwendet werden. Der Generalversammlung der Aktionäre wird vorgeschlagen, nach Dotierung des gesetzlichen Reservefonds und nach Deckung der vertragsmäßigen Tantiemen eine Dividende von 4 p Et. auf die Prioritätsaktien A zu verteilen und den Rest von Mk. 332 750 auf neue Rechnung vorzutragen. Die Generalversammlung soll am Montag, den 12. Oktober, mittags 12 Uhr, in Köln stattfinden. Als Nachfolger des am 30. September aus dem Hörder Bergwerks- und Hüttenverein aus- scheidenden Generaldirektors Geh. Kommerzienrats Tüll wurde das bisherige Vorstandsmitglied der Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn-Gesellschaft, Beukenberg in Dortmund, gewählt. Gewerkschaft Gießener Brauusteiubergwerke vormals Fernie. Der Bericht des Fernie-Werkes für Juni weist eine Ausbeute von Mk. 120 041,45 mit einem Reingewinn von Mark 40 329,60 für diesen Vorrat auf. —In einer in den nächsten Tagen anberaumten, zu Köln a. Rh. stattfindenden Sitzung des Grubeu- vorstandes wird u. a. Beschluß gefaßt über den Zeitpunkt der Rückzahlung der Schuld an Fernie. Auch wird man über die geplanten Betriebsverbesserungen (direktem Eisenbahnanschluß, elektrischer Betrieb rc.) beraten. Markte. Gieße«, 1. August. Marktbericht. Auf heutigemWockenmarkt kosteten: Butter pr. Pfd. 1,00—1,20 Mk., Hühnereier 1 St. 0—0 Pfg., 2 Sick. 13—15 Pfg., Gänseeier 11—12 Pfg., Enteneier?—8 Pfg., Käse pr. Stck. 5—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg., Erbsen pr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Tauben pr.Paar 0,80—0,90Mk., Hühner pr. St. 1,30—2,20 Mk., Hähne pr. Stück 0,65—1,70 Mk., Enten pr. Stück 1,70—2,00 Mk., Gänse pr. Pfd. 54—60 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 68—78 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—66 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 66—76 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 80 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 68—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 56—74 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 8,00—9,00 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 9,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Pfg. Kirschen per Pfd. 3g—40 Pfg., Aepfel per Pfd. 0—00 Pfg., ui Körben 00—00 Pfg. Trauben 00—00 Pfg. Landwirtschaft. Butzbach, 31. Juli. Die Abschätzungskommission für den durch den Hagel ungerichteten Schaden weilte vorige Woche in hiesiger Gegend. Den größten Schaden hatte der Hagel in der Gemarkung Holzheim angerichtet, manche Landwirte erhielten bis zu 50 pEt. Entschädigung. — Die Öb st aus sichten sind hier recht günstig. Die Aepfelbäume sind vielfach gestützt. Birnen und Zwetschen geraten ebenfalls gut. Kirchliche Nachrichten. Katholische Gemeinde. Samstag, den 1. August 1903. Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beichte. Sonntag, den 2. August. 9. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6 7» Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. w um 7 Uhr: Die erste heil. Messe, vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. • um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Vormittags um 9 V, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 27, Uhr: Andacht. Schisssnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 31. Juli. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer »Chemnitz", Kapitän von Letten- Petersen, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist heute 8 Uhr morgens wohlbehalten in Baltimore angekommen. Briefkasten. Sendungen an die Redaktion des ,,Gieß. Auz." bitten wir nicht an einen unserer Redakteure, sondern nur an die Redaktion zu adressieren. Unser leitender Redakteur Witt ko ist bis zum 20. August v e r r e i st. Neueste Melöunqen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. London, 1. Ang. Lord Churchill hielt gestern vor seinen Wählern eine Rede, worin er die Politik Chamberlains sch arf kritisierte. Er erklärte, daß für den Herbst Neuwahlen unabwenobar seien. London, 1. Aug. Der König und die Königin verließen gestern Galway. Die Bevölkerung bereitete dem Königspaare einen herzlichen Abschied. Bern, 1. Aug. Die Prinzessin von Wales ist gestern in Thun eingetroffen. Wien, 1. Aug. Nach hier emgetrofjenen Nachrichten soll Fürst Ferdinand von Bulgarien dem Familienrat des Hauses Koburg die Frage vorgelegt haben, ob er auf den bulgarischen Thron verzichten soll. Doch wurde beschlossen, er solle vorläufig davon absehen. Budapest, 1. Aug. Der Stadthauptmannschast ging aus Berlin die Meldung zu, daß der steckbrieflich verfolgte ehemalige Reichstags ab geordnete Di en es in Gesellschaft seiner Freundin nach Hamburg gereist sei. Die Hamburger Behörde wurö-e telegraphisch um die Verhaftung Dienes ersucht. Petersburg, 1. Aug. Nachdem Rußland das um> fangreiche Flottenprogramm von 1898, für welches 90 Mill. Rubel ausgeworfen wurden, so gut wie vollendet hat, ist nunmehr ein .neues Flottenprogramm vom Zaren bestätigt worden. Darnach sollen sechs weitere Geschwader-Panzer und drei g^oße Panzerkreuzer sowie eine Reihe von Torpedobooten gebaut werden .und bis zum Jahre 1906 fertig gestellt sein. New-Pork, 1. August. Die Brücke über den Fluß Willamette bei Portland (Oregon), auf welcher eine große Zuschauermenge den Schwimmkünsten eines armlosen Mannes zusah, brach ein. Eine große Anzahl Personen fiel ins Wasser, 50 ertranken. Teiephomscher Kursbericht. Frauktart ». 1. August 1903. 372% Reichsanleihe . . 102.35 3% do. ... 91.00 37s°/o Konsole .... 102.00 3% do......90.90 3%% Heesen .... 101.20 37,56 Oberhessen . . . —.— 4% Oesterr. Goldrente . . 102.00 47s 56 Oesterr. fcilberrente 100.70 4% Ungar. Goldrente . . 101.10 4°/ü Italien. Rente . . . 103.40 47,56 Portugiesen . . . 49.80 3°/, Portugiesen. .... 31.35 1% C. Türken .... —.— Türkenlose......131,80 4°/o Grieoh. Monopol.-Anl. —.— 47,56 äussere Argentiner 41.00 37a Mexikaner ... 26.75 4%% Chinesen .... 92.50 Electric, tichuckert . . . 93.70 Nordd. Lloyd . . . . 98.00 Kreditaktien ..... 207.40 Diskonto-Kommandit. . , 187.40 Darmstädter Bank . . . 136.70 Dresdener Bank .... 147.50 Berliner Handelsges, . . 154.00 Oesterr. Staatsbahn . . . 143.10 Lombarden . . . , . 17.30 Gotthardbahn.....190.70 Laurahütte......219.50 Bochum.......178.80 Harpener......179.30 Tendenz: still. Koiisnmmin 6. G. zii Großeil-Bcht. Sonntag den 9. August l. I., nachmittags 21/, Uhr Generalversammlung bei Gastwirt H. Brück. Tagesordnung: 1. Rechnungsablage für 1902. 2. Verschiedenes. 5939 Der Vorstand: H. Meyer I., Direktor. Karl Siegfried, Lagerhalter, äa 5930 Familie Scholz. Familie Glombisch. Gießen, Breslau, den 1. August 1903. Die Beerdigung findet Montag den 3. August, vormittags 11 Uhr, vom Portale des neuen Friedhofs aus statt. Todes-Anzeige. Hiermit die traurige Nachricht, daß unsere innigst geliebte, gute Mutter, Schwiegernuttter, Schwägerin und Tante Fm Selma Jalowietzky nach langem Leiden heute sanft entschlafen ist. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Gertrud Schneider, geb. Jalowietzky. Karl Schneider. Bekanntmachung. Es wird hierdurch bekannt gemacht, daß nur der Unterzeichnete und dessen Ehefrau berechtigt sind, Gelder für die Fürstliche Kasse in Empfang zu nehmen und darüber vollgültig zu quittieren. Hungen, 31. Juli 1903. Fürstl. Rendant. Wiegmeyer. 5920 SamStag den 12. Sept. 1903 nachmittags 27, Uhr werden auf hiesigem Ortsgericht die vor dem Flamen Bechtholö, Joh. Phil, von Wismar stehenden Parzellen (alt 43/34a) neu 26/121 — 892 qm Wiese am alten Lahnfluß, (alt 46/307) neu 25/79 = 1564 qm Acker und 382 qm Wiese in der Llchtenau am. Römersloch öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 31. Juli 1903. Großh. Ortsgericht Gießen. 5942 Gros. Versteigerung. Mittwoch den 5. August d. I. versteigere ich gemäß der §§ 1235 bis 1240 des bürgerl. Gesetzbuchs Schanzeustraße 18 (Zum Orpheum) : 1. Vormittags 10 Uhr: a. zum Wirtschaftsbetrieb gehörige Gegenstände als Wein-, Bier-, Champagner- rc. Gläser, Tabletten, Kassetten, Würfelbecher, Schirmständer, Huilliers, Salz- und Pfeffer-Gläser, einige Vorräte an Zigarren, Spirituosen und Wein rc. 2. Nachmittags 2 Uhr: b. Haus- und Küchengeräte sowie Weißzeug als vollständige Betten, Tische, Stühle, Wasch- garmturen, Nachttische, Sophas, Spiegel, Nähmaschine, Schreibtisch,Vertikow,Regulateur,Bücherschrank, Tischdecken, Servietten, Bettvorlagen, Handtücher, Messer- putzmaschine rc. rc. Die Versteigerung findet bestimmt statt. 5932 Born, Gerichtsvollzieher. Ein Pterde-Los gratis! Ziehung am 14. September d. J. 5929 erhält jeder Kunde, der bei mir an einkauft. Giessen, Mäusbnrg 12. Frankfurter Schublager. 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Gleichzeitig mache die Herren Bürgermeister derjenigen Gemeinden und sonstige Interessenten, die prima Zuchtmaterial kaufen wollen, besonders auf diese hervorragende Kaufgelegenheit aufmerksam. Der Erste Gießener Ziegen-Znchwerein. Nöding, Vorsitzender. 5928 Arbeitspserde-Markt zu Frankfurt a. M. Am Mittwoch dem 12. Augnst d. IS. findet auf dem Platze des Landwirtschaftlichen Vereins, Osteudstr. 80, em MT Markt sür Arbeitspferde statt. Derselbe beginnt morgens ü Uhr und endet abendS 6 Uhr. Nähere Auskunft' erteilt das Sekretariat des Landwirtschaftlichen Vereins, Ostendstr. 30, daselbst sind Anmeldeformulare, sowie die Scheine für die Aufstellung der Pferde auf dem Marktplatz l zu haben. Der Borstand 0917 des Frankfurter Landwirjchastlichen Vereins. außer £*•% -s* «dr-»-"' Aus ^Wringt, mn | f fchädl-iche v mäßiger S arbeiten, in den me Fest, das i der betedjti bietet, ein 'eines lmige Orten alt* hängstch, 1 Wirtshaus Kirmes bi solch eintöi säglich sch^ jungen Nui die Kirmes Kirmesmät Frauen bi Las ganze Ausnahme? werden fol und man Gründstchke will. Tie tagen; wer wenn irger Sesteszeit. gnügt im des einen ob und oemünf. Md Lchinlei sih näher zu i ein Vollst angehörige, soziale Unt den läßt, die der Ä Erlebnisse wird in bei schnitten. 3 obet kleiner so die Bau Lu besuchen, da im Lchu bunben, abei historische Lj tomenmg, ish verletz:, ■ Vater fragte daran iffnde W im £n sur seine K wit nach i