Zweites Blatt. 9? 153. Jahrgang Mittwoch 1. Juli 1903 • »** äglich außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt bte Giehener Kamillen» blätter viermal in der Woche bergelegt. RolcUwnS druck u. Vertag bei Brühl 'scheu Unwech-Buch-u. Stein- bmdrun (Pietsch Arbeit) Redaktion. LrvedUioa uiib Druckerei: vchnlstratze 7. Adresse für Depeschen; Anzeiger Gießen. ^mi|prrd)anfd)lu6 Wt 6L 9 A Acer © Gietzener Anzelger v General-Anzeiger ** E? i w* den poltt and allgem. Amts- Md Anzelgeblatt für den Kreis Gietzen MOZ _________________________________ U zetqentett: Han« Beck. Aie Heutige Yummer umfaßt 10 Seiten. Deutsches Keich. Berlin, 30. Junr. Me der ,F!eichScnr^^ meldet, Nahm der Kaiser heute den Bor trug des StaQtssekretLrs des Aeichsmarineamtes entgegen. — Tas Marine-Amt zu Washington dementiert nach einer Deoesche aus Newyork die Meldung des Ncwyork Herald", der zufolge die Flotten o ssiziere die genaue Inspektion d e s Krie g s sch iffe s „Kear- sarge" durch den deutschen Kaiser unpa send sanden. Me Inspektion sei „eher" ein Höflichkeits- beweis. — Der Reichskanzler Graf Bülow ist ans Kiel hier eingetroffen. — Der Bundesrat ftnrrmfe in seiner heutigen Sitzung dem Ausschußberichte über den Entwurf einer Verordnung, betreffend die Erstreckung der für die Kauffahrtei- K geltenden Vorschriften auf Gouvernementsfahrzeuge n Schutzgebieten und dem Ausfchußberichte über die Vorlage, betreffend den Entwurf abgeänderter Musterstatuten für Orts- und Betriebs- (Fabrik-) Krankenkassen zu. — Justizrat Staub meint in der „Deutschen Juristenzeitung", das Ergebnis der R e i ch s t a g s w a h l e n sei vom Standpunkt der Juristen insofern zu beklagen, als tatsächlich wenigerJuristen in das neue Parlament einziehen. Die Gesetzesmacherei könne dadurch in formeller Hinsicht, in Bezug auf Klarheit und Konsequenz, nur noch schlechter werden, und die sich an die Experimentaljurisprudenz der Parlamente knüpfenden, immer wieder beklagten Schwierigkeiten der Auslegung von so zu stände gekommenen Gesetzen würden sich rroch mehr häufen. — Der im Reichstagswahlkreise Celle-Gifhorn gewählte Welfe Freiherr v. Hodenberg wird sich der „Germ." zufolge dem Zentrum als Hospitant anschließen. Die Zentrumsfraktion des neuen Reichstags wird daher 100 Mitglieder und 4 welfischeHospitanten zählen. — Der „Avanti", ein römisches Blatt, bringt heute abend eine Unterredung mit dem soz. Reichstagsabg. (Ä. Bernstein, der die Siotwendigkeit betonte, daß die Sozialisten zu chrer Verteidigung in denReichstags- vorstand eintreten müßten, selbst wenn ein Gang zu Hofe damit verknüpft; dieser sei doch nur dem Eid auf die Verfassung vergleichbar, der in gewissen Parlamenten das Mandat bedinge. Zudem sei die Reichsverfassung höchst denwkratisch und der Kaiser sei dem Reichstag gegenüber nitr der Bundespräsident. Er hoffe, daß die Fraktion dies einseheu und Singer in den Vorstand entsenden werde. (In gleicher Weise spricht sich Bernstein in der Letzten Nummer der „Sozialistischen Aio- uatshefte" aus.)''" — Die zur Reichskasse gelangte Jüeinn ahme, abzüglich der Ausfuhrvergütungen usw. und der Verwalt- ungstosten, beträgt für die Zeit vom L April bis Ende Mai bei den nachbezeichneten Einnahmen: Zölle 74 642 951 Mark (plus 6 362 636 Mark), Tabaksteuer 1470 980 Atark (— 169 551 Mk.), Zuckersteuer und Zuschlag 20006 153 Mk. (plus 5 591558 Mark), Salzsteuer 8 317 175 Mark (plus 458 765 Mk.) Maischbottichsteuer 4 831638 ML (— 603 934 Mark), Verbrauchsabgabe von Branntwein und Zuschlag 20 760100 Mk. (plus 1103 965 Mk.), Brennsteuer 760 603 Mk. (plus 670 872 Mk.), Schaumwein st euer 501957 Mark, (plus 501957 Mk.), Brausteuer und Uebergangsabgabe von Bier 5128172 Mk. (— 113 746 Mk.), Summa 130 984157 Mark (plus 9 664 818 Mark. — Spielkartenstempel 308549 Mark (— 18 381 Mark). — Wie der „Nat.-Ztg." zufolge verlautet, sind Befestigungs-Anlagen aus der Insel Borkum in der Ausführung begriffen. Kiel, 30. Juni. Gestern abend fänden auf dem amerikanischen Flaggschi ff Belustigungen für Unteroffiziere und Mannlchasten der deutschen Flotte statt. ' lus dem Vorderdeck war eine Bühne eingerichtet für Box- lmd Ringtümpse, sowie andere Spiele. Am Nachmittag war an Bord des Schiffes eine Festlichkeit für die deutschen Offiziere mit ihren Damen, an der auch Prinz Heinrich tellnahm. Am Abend fand eine glänzende Illumination des amerikanischen Geschwaders statt. Das amerikanisch e G e s ch w a d e r verließ abends den Hafen. Sämtliche amerikanischen Schiffe feuerten einen Salut, der von allen im Hasen liegenden deutschen Kriegsschissen mit 21 Schüssen erwidert wurde. Die amerikanischen Schiffe führten im Großtop die deutsche, die deutschen Schisse dre amerikanische Flagge. Die Mannschaften der deutschen Schisse paradierten auf der Seite, aus der die amerikanischen vorbeifuhren. Die Signalstation Düstrenbrook gab dem abreisenden Geschwader das Flaggensignal „Glück- d Kö ln 30. Juni. Reichskanzler Graf Bülow richtete an den Karoinal Erzbischof Dr. Fischer folgendes Telegramm: Ew. Eminenz Ernennung zum r ich mit aufrichtiger Freude vernonrmen. Ich spreche Ihnen meinen herztick/n Glückwunsch aus zu der neuen Wurde, deren Verleihung ich auch im vaterländischen n- 161 Ka r 1 miit1', 30. Ium. Der hier versammelte Landes- ausschuß der badischen N a t i o n a l s o z i a l e n, verstärkt durch weitere Vertreter der badischen Ortsvereme, hat aus Grund einer Besprechung des bekannten (auch von-uns auszugsweise wiedergegebenen- Naumannschen Artikels im Hillbtick aus den einzuberufenden nationalsozialen Ver- treterlag einstinlmig folgende Resolution gefaßt. 1. Di Organstaliori der NaLionaljozialen als ^lilisckw Parteigruppe ist unter allen Umstünden bei a u & e 0 a 11 e n. L Dec Ausgang der letzten Reichstagswahlen kann die Ausland. Lon dv n, 30. Juni. Das Kriegsamt veröffentlicht eine Depesche des dem abessynischen Heere beigegebenen Obersten Rochefort aus Biyaado vom 6. Juni, welche besagt, daß das abcssynische Heer nach Gewaltmärschen am 31. Mai in der 9tähe von Jeyd Speerreller des Mullah überraschten. Die Speerreiter seien nach schwachem Widerstande geflohen. Der Onkel des Mullah und 1000 Speerreiter sollen getötet und sein ganzer Viehvorrat einschließlich 1000 Kamele erbeutet sein. Infolge der Niederlage wandte sich der Mullah mit seinen Fußtruppen nach den Wasserstationen Gumburau. Die Abessynier bewegen sich in südlicher Linie nach Dscherlgubi-Galadi. Paris, 30. Juni. Die Kammer nimmt für 100 Kilo Lebendgewicht bei Kühen und Bullen einen Zoll von 30 Francs als Höchstzoll und 20 Francs als Mindestzoll an; ferner bei Kälbern und S ch a s e n 40 Francs Höchstzoll und 25 Francs Mindestzoll, bei Schweinen 25 bezw. 15 Francs, bei frisch ausgeschlachteten Schafen 50 bezw. 35 Francs, bei ausgeschlachteten Schweinen 40 bezw. 25 25 Francs, bei Rindfleisch 50 bezw. 35 Francs, und bei gesalzenem Schweine- und Rindfleisch und anderen Fleischarten 50 bezw. 35 Francs. Der ganze Antrag wird sodann angenommen. — Die Vorlage betreffend die Bewilligung von 600 000 Francs für die Reise Loubets nach England und für den Empfang des Königs von Italien in Paris wurde von Kammer und Senat angenommen. Loubet ist übrigens von König Eduard von dem Gebrauche entbunden lvorden, der bei Hofe Kniehosen vorschreibt. Wien, 30. Juni. Der Ministerrat beschloß am letzten Freitag, die Demission des gesamten Kabinetts An geben. Der Kaiser behielt sich die Entscheidung vor, die un Laufe dieser Woche erioartet wird. Die llrsache der Krise liegt in dem vom ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Khuen ausgeüb.ten Druck wegen der raschen Erledigung der Ausgleichsvorlage durch den Reichsrat, welche durch die tschechische Obstruktion verhindert wird. Budapest, 30. Juni. Die Sitzung des Abgeordnetenhauses , in der sich das neue Ministerium heute vor stellte und Graf Khuen Hedervary seine Programmrede hielt, verlief äußerst stürmisch. Insbesondere der Passus in der Rede des Ministerpräsidenten, worin er erklärt, daß seine Politik auf der Basis des Ausgleiches von 1867 stehe und daß die Vorlage über die Erhöhung des Rekruten-Kontingents nur vorläufig zurückgezogen sei, entfesselten bei der Opposition einen solchen Sturm, daß der Ministerpräsident seine Rede zeitweise unterbrechen mußte. Man .rief: „Betrug, Wortbruch, Hinaus mit ihm!" usw. Nachdem wieder Ruhe eingetreten und der Ministerpräsident seine Rede beendet hatte, gab Kossuth die Erklärung ab, daß seine Partei auch gegenüber dieser Regierung die Opposition in entschiedener -ob ßnTuaiOdjß naiaquo aaqaj ojuaga qun ajiagx genüber, welche auf der Basis des Ausgleiches von 1867 stehe. Newyork, 30. Juni. Es verlautet, das europäische Geschwader der Vereinigten Staaten wurde zu einem Besuche in Kronstadt für 1904 ein geladen. Parteiangehörigen nur zu entschiedener Weiterverbreitung deS nationalen Gedankens bestimmen. — Professor Goldschmidt ist von der hiesigen natioualliberalen Parteileitung zurückgetreten. Voraussichtlich werden nun die Jungliberalen oben an kommen und dem Zentrum gegenüber eine schärfere Tonart anschlagen. Straßburg i. E., 30. Juni. Die Niederlage der klerikalen Partei im Wahlkreise Straßburg-Land führte zu Ausschreitungen gegen Protestanten und Juden. Mehrere hundert Männer rotteten sich zusammen, Revolverschüjse und Steinwürfe wurden aewechsell. Es wurde versuckch. Verhaftete zu befreien, wobei die Fenster des Wacht Haus es zertrümmert wurdem Von Straßburg aus wurde militärische Hülse angeboten. Die Protestanten und Juden werden geschäftlich boykottiert. München, 30. Juni. Der gestrige längere Vortrag des Finanzministers v. Riedel und der heutige Vortrag des Ministerpräsidenten v. Podewils beim Prinzregenten sollen daraus hindeuten, dag die Frage des Rücktritts des Ministerpräsidenten v. Riedel nunmehr akut geworden ift Derselbe tritt in den nächsten Tagen einen längeren Urlaub an. Als sein Nachfolger soll Ällnisterialrat Ritter von Psass in Frage kommen. Aus Stadt und Knud. Gießen, 1. Jull 1903. •* Persona lnach richten. Durch Entschließung des Großh. Ministeriums deS Innern wurde der Großh. Regierungsassessor August Heß in Gießen mit AuShckseleistung bei dem Großh. KreiSamt Mainz beauftragt. — In den Ruhestand wurde versetzt der Bahnwärter in der Hessisch- Preußischen Eisenbahngemeinschaft Martin Schmelzer zu Heideöheim mit Wirkung vom 1. Juli 1903 an. ** Das Militärkonzert, das gestern abend unter der Leitung deS Stabstrom'peters Karl Vitz und WUtwirkung deS Kammermusikers L. Kümmel im Garten des Reuen Saalbaues stattsand, war leider nicht so besucht, wie es die Leistungen der Kapelle verdient hätten. Der gute Ruf des Kammervirttiosen Kümmel, dec mit großer Leichtigkeit und glänzender Technik seine Pistonvorträge zu hören gab, hätte mehr Besucher anlocken müstm. f rr Kümmel bewies in seinen Vorträgen „Viola Air Vari6 Rr. 7* von Beriot und „Fantasie Polka Virtuoso“, einer eigenen Komposition, daß er ein ausgezeichneter Künstler im Spiel seines Instrumentes ist. Aber auch das Rtusikkorps des 1. Oberelst Feldartillerie-Regiments Rr. 15 bewährte sich als gut geschulte Kapelle, namentlich im Divertisiement aus ^Riebelungen^. ** Zur Generalmusterung weilte in diesen Tagen der Brigabekommandeur Generalmajor Graf K a u i tz hier. **Landwehrübun g. Etwa 300 Landwehrleute sind zurzeit beim hiesigen Regiment zu einer Uebung eingezogen. Sie bilden ein Bataillon zu drei Kompa,gnien. w. Großenlinden,30. Juni. Eine unserer Ncutz« bar-Gemeinden hat nunmehr, einem Vorbilde folgend, eine neue Friedhofskapelle erbauen lassen. In jener neuen Kapelle befindet sich auch ein Raum zur Aufbewahrung des neu bestellten Leichenwagens. Es erwies tich jedoch zu nicht geringem Schrecken aller Anwesenden, daß entweder das Tor zu niedrig oder der Leichenwagen zuhoch war. Nach Anhörung des bauleitenden Architekten blieb nun nichts anderes übrig, als das auf dem Wagen befindliche Kreuz durchzusägen und mit einem Charnier- band zum Umklappen zu versehen. R.-B. Darmstadt, 1. Juli. (Eigener Drahte bericht.) Aus Schwermut erschoß sich hier der 22jährige Schlossergeselle Buntschuh aus Besiungen, der ein Verhältnis mit einem Mädchen hatte und Vater geworden war. — Gestern haben hier starke Gewitter erheblichen Schaden angerichtet. In Eberstadt, Lengfeld und Griesheim, wo der Blitz in eine Hosraite schlug, die niederbrannte, und wo ein Pferd und ein Rind erschlagen worden, hat das Unwetter am ärgsten gehaust. — Der Leiter des Instituts La Chatelaine in Gens, Karl Thudichum, aus Büdingen erhielt das Ritterkreuz 2. Klasse Philipps des Großmütigen. Mainz, 30. Juni. Die Reichs tagswahl- geschichte von Mainz wird vom klerikalen „M. Journ." wie folgt erzählt: 1871 hatten die Nationalliberalen mit Bamberger das Mandat Mainz-Oppenheim. 1874 gewann das Zentrum mit Moufang das Mandat Main^ Oppenheim, 1877 siegte der demo kr atistch-n atio n al- l i b e r a l e Dr. Oechsner, 1878 siegte wieder das Zentrum mit Monfang, 1881 siegte die Sozialdemokrat ie erstmals mit Liebknecht, verlor jedoch 1881 bei dem Verzichts des doppelt gewählten Liebknechts den Wahlkreis an den Fortschrittler Philipps, 1884 eroberte das Zentrum mit Racke denselben, um 1890 wieder dem Sozialisten Jöst den Wahlkreis überlassem zu müssen, 1893 siegte nochmals der Sozialist Jöst, jedoch bei der Nachwahl 1896 ging das Mandat an das Zentrum mit Dr. Schmitt zurück, welcher 1898 bei der regelmäßigen Erneuerung des Reichstages in dessen Besitz blieb, bis 1903 den Sozialdemokraten mit Dr. Davio die Vertretung des Wahlkreises wieder zufiel. Vermischtes. * Berlin, 30. Juni. Wegen Erbschleicherei und Anstiftung zum Meineid werden von dem Untersuchungsrichter des Landgerichts I Berlin die verwitwete Frau Geheime Kommerzienrat v. Zimmermann und deren Gesellschafterin, die unverehelichte Martha Schüler, beide aus Berlin, steckbrieflich verfolgt. In Beglellung der beiden Frauen, die sich wahrscheinlich in Amerika aufhalten, befindet sich, der Magnetiseur Willy Reichel. * Brü|) e1, 30. Juni. Ein Dynamit-Attentat wurde gegen das Haus der Kohlengrube „Gute Hoffnung in Lambufart verübt. Die Explosion wurde zwei Meilen im Umkreise vernommen. Das Haus wurde vollständig demoliert, ebenso das Nachbargebäude. Eine gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. * Paris, 30. Juni. Zum achten Male wurde gestern der Versuch gemacht, den Paris-Brüsseler Expreß- zug zur Entgleisung zu bringen, indem an verschiedenen Stellen die Schienen durch Lösung der Schrauben gelockert waren. * Konstantinopel, 20. Juni. Der Konventionalzug traf heute nach sechsstündiger Verspätung, die durch eine Ueberschwemmung zwischen den Stationen Tschorlu und Muradlu verursacht war, hier ein. Rach rascher Ausbeflerung des auf der Strecke entstandenen Schadens wurde der regelmäßige Verkehr wieder ausgenommen. Es ereignete sich kein Unfall. * Der Kaiser sein eigener Matrose. Eine heitere Episode aus der Kieler Woche, bei der der Kaiser und der amerikanische Botschafter Tower die Hauptpersonen waren, macht jetzt die Runde in amerikanischen Kreisen. Es ist bekannt, daß der Kaiser bei Rennen seinen „Meteor selbst segelt, das Ruder führt und fein schnelles Bot zum Siege steuert. Er ist dann ganz Sportsman; daß er bei solchen Gelegenheiten aber felbsl Hand anlegt, um die Segel eiuzuholen, dürfte weniger bekannt sein. Es wird nun von Augenzeugen erzählt : Am Samstag hatte der Kaiser während des Rennens den amerikanischen Botschafter Tower, Kommandeur Potts, den amerikanischen Marine- Attachee, Mr. Cornelius Vanderbilt, Mr. Summers, Admiral tzollmann, Grafen Tielc-Winckler, Grafen Redern und Marquis Camden als seine Gäste an Bord des „Meteor". Cs wehte eine stramme Brise, „Meteor" flog nur so über das Wasser, und der Kaiser war vor Freude über den sicheren Sieg in ausgezeichneter Laune. Als die Jacht das Zielboot erreichte mib es hieß, beim Wenden die Segel umzulegen und straff zu zwhen, ergriff der Kaiser mit den Worten: „Nun aber alle Hand angelegt!" ein Tau; sofort sprangen alle seine Miste zu und zogen, biS daS Segel ftrafj rrie ein Brett stand. W sie dann wieder im Schatten der Segel auf der Reling sahen, meinte der Botschastcr rower^ „Schade, daß kern Photograph hier war." Aber sofort ries der Kaiser Prinz Adalbert zu: ,,Adalbert, hol' Teilte Kamera. Mr. Tower wünscht ein Bild von der Geschichte." Uni) dann legten sie alle, der Kaiser an der Spitze, wieder Hand ans Tau, Prinz Adalbert knipste, und dieser hellere Zwischenfall der Kieler Woche, der Kaiser als sein eigener Matrose und neben ihm der amerikanische Botschastcr an einem Seile ziehend, war auf die Platte gebannt. • Duell zwischen Ehemann und Ehefrau. Dem »New -Jork Herald" ist aus der Eich von Mexiko die Nach- rlcht über ein merkwürdiges Duell zugegangen. Das Ehepaar Escobedo vertrug sich so schlecht, daß Mann und Frau sich entschlossen, dem ewigen Unfrieden durch ein Duell ein Ende zu machen. Jeder von ihnen bewaffnete sich mit einem Revolver, und beide schaffen gleichzeitig. Die Frau wurde durchs Herz geschossen und der Manu erhielt einen Schuß in den Kops. Er lebte noch lange genug, um die näheren Umstände des Duells zu beschreiben, machte aber keine Angaben über die direkten Ursachen desselben. AayrcsNst der «Lündcs-Flruvrlsttat wurde heute morgen in der Aula der Universität in üblicher Weise gefeiert. Eine große Festversammlung hatte sich dort um 11 Uhr eingesunden. Die Klänge des KronungSmarsches aus der Oper „Der Prophet" und Tantum ergo von Schubert leiteten die Feier ein. Die Festrede hielt der Rektor der Universität, Prof. Dr. Krüger. Sie handelte von dem Verhältnis von Kritik undUeberlieferung auf dem Gebiet der Erforschung des Urchristentums. Der Vortragende roieS auf die Wahrheit des Harnackschen Wottes hin: »Wir sind in der Krittk der Quellen des ältesten Christentums in einer rückläufigen Bewegung zur Tradition". Dieses Wott gebe nicht etwa nur einer vorübergehenden Stimmung, sondern einer gutbegründetcn Tatsache Ausdruck, für die sich aus anderen Gebieten der antiken Geschichtsforschung unschwer Parallelen erbringen ließen. Es handle sich dabei nicht um eine Reaktion im parteipolitischen Sinn, sondern um das Ergebnis einer durch fortgesetzte kritische Beschäftigung mit der Ueberlieferung gewonnenen freien und unbefangenen Stellung zur Ueberlieferung. In einem kurzen Ueberblick wurde das Werden dieses Standpunktes klar gelegt, und sodann zwei Hauptgebote einer gesunden Kritik grundsätzlich und an Beispielen erörtert: einmal, daß es unstatthaft sei, die Ueberlieferung und das von ihr dargebotene Urkundenmaterial zu mißachten, sodann, daß der Krüiker nicht seine Anschauung von dem geschichtlichen Verlaus der Dinge zur Richterin über die Urkunden setzen dürfe. Im Anschluß an seine Rede verlaß der Rektor die Chronik der Universität für das abgelaufene Jahr und nannte die Preisträger der Preisaufgaben für 1902/03. Es handelte sich um folgende Aufgaben (die juristische Preisaufgabe wurde nicht bearbeitet): 1. Ausgabe der theologischen Fakultät: .Melanchthons Anschauung vom Gottesdienst." Der Ver- saffer der Arbeit ist stad. theoL Karl Unverzagt. 2. Ausgaben der medizinischen Fakultät: a) Für den akademischen Preis:_ ,Bedeutung und Erfolge der Schieloperation." Der Verfaffer der Arbeit ist cand. med. Georg Köhler, b) Für den Balserpreis: ,5)ie Natur der bei Katatonie zu beobachtenden Muskelzustände soll unter Anwendung graphischer Registriermethoden untersucht werden. Der Verfaffer der Arbeit ist cand. med. Karl Ermes. 3. Aufgaben der philosophischen Fakultät: a) Griechisch-philologische Aufgabe: »De die natali a Graecis et Romanis celebrato quaestiones instituantur“. Der Verfaffer der Arbeit ist stad. phil. cl. Wilhelm Schmidt, b) Philosophische Ausgabe: »Experimentelle Untersuchung der beim Nachzeichnen von Linien und Winkeln entstehenden Größenfehler." (Zweimal bearbeitet) Verfaffer sind: 1. stad. math. Julius Richter, 2. stad. phil. H. Wamse r. Für das Jahr 1903/04 werden folgende Preisaufgaben gestellt: Tas Thema der theologischen Fakultät lautet: „Gregors von Tours Auffassung vom Christentum und seine Theologie. — Die juristische Fakultät stellt als Preisaufgabe: „Die Bestimmungen des deutschen Reichs- und hefflschen Landes-Strafrechts zum Schutz des öffentlichen Personen-, Güter- und Nachrichtenverkehrs, ihre Einordnung in das System der Straftaten und ihre Kritik in der Literatur". — Die Themata der medizinischen Fakultät lauten: 1. Für den akademischen Preis: „Die Umwandlung der Zottenform bei der Entwickelung der Raubtierplazenta ist durch Rekonstruktion klar zu legen". 2. Für den Balserpreis: Die Bedeutung der Leucocytose für die Diagnose der akuten Eiterung". — Tie philosophische Fakultät stellt folgende Preisaufgaben: 1. Mathematische Aufgabe: „Beurteilung von neueren Darstellungen der Grundlagen der Arithmetik". 2. Botanische Ausgabe: „Die Verbreitung von Gentiana verna in der Ebene und die Erklärung für die vielfache Unterbrechung ihres Verbreitungsgebietes". 3. Nationalökonomische Aufgabe: „Die Entwickelung des Sparkaffenwesens im Großherzogtum Hessen mit besonderer Berücksichtigung der Veränderungen des Sparkassen- zinssußes". 4. Griechisch-philologische Ausgabe: .jComoediae Doricae, quae falso appellatur, personas num Aristophanes aliique comici Attici antiquiores suos in usus Converter int, quaeritur. 5. Romanisch-philologische Aufgabe: „Die Pikardische Mundart im 13. Jahrhundert". Danach wurde vom Akademischen Gesangverein unter Universitätsmusikdirektor Trautmann der Schlußchor aus dem Oratorium „Josua" von Händel, „Dem Gott Jehova schalle Tankgesang", vorzüglich vorgetragen. Mit den Klängen eines Armeemarsches wurde dec feierliche Akt beendet. Ein '-veleidignugsprozetz. -t Gießen, 1. Juli. L Unsere Strafkammer hatte gestern einen großen Tag. 3d)on vor 9 Uhr war der Saal gedrängt voll, meistens von Studenten, aber auch aus den Kreisen unserer Bürgerschaft besucht. Den Vorsitz in der Verhandlung führte Lcmd- gerichtSrat Müller. Punkt 9 Uhr wurde die Strafsache gegen den praft. Arzt Dr. Klein wegen Beleidigung deL Geh. Schulrats Proseffor Dr. Schädel, des Leiters unseres Gymnasiums, auf gerufen, in der etwa 20 Zeugen zu hören waren. Dr. Klein, welcher von Rechtsanwalt Grünewald verteidigt wurde, nahm auf der Anklagebank Platz. Die Beleidigungsklage wurde durch Staatsanwalt Reuß oertreten, während Geheimrat Schädel als Nebenkläger sich durch Rechtsanwalt Dr. Spohr vertreten liefe. Vor Eintritt in die Verhandlung gab der Vorsitzende, Landgerichtsrat Müller, anheim, ob nach X?age der Sache zwischen den Parteien nicht ein Vergleich zu chtießen sei. Er bemerkte dabei, daß das Ministerium zwar den Strafantrag gestellt habe, daß aber, falls die Parteien zu einer Einigung gelangten, die vorgesetzte Behörde des Geheimrats Schädel wohl damit zufrieden sein und den Strafantrag zurückziehen würde. Rechtsanwalt Grünewald erklärte, daß bereits vor einigen Tagen Landgerichtsdirektor Bücking den vergeblichen Versuch gemacht hat, eine Einigung in der vorliegenden Sache herbeizuführen. Dr. Klein sei bereit zu einer Beilegung der Sache, wenn der Gegner zuerst eine schwere Beleidigung, welche er in seiner Eingabe an das Ministerium nicht nur seinem Klienten, sondern auch dessen ganzen Familie zugefügt habe, zurücknehme. Hierzu findet sich Geheimrat Schädel nach der Erklärung seines Vertreters, Rechtsanwalts Dr. Spohr, nicht bereit, und cs wird, nachdem die Zeugen aus dem Saale sich entfernt haben, in die Verhandlung selbst ein* getreten. Der Vorsitzende bringt zur Kenntnis des Gerichts, daß die Differenz des Angeklagten mit dem Geheimrat Schädel seinen Grund hat in dem Maturitätszeugnis, welches die Schulbehörde dem Sohne des ersteren wegen dessen Betragens erteilt hat. Der Vorsitzende verlieft dieses Zeugnis. Die Betragensnote lautet: »Glicht ohne Tadel; seine Haltung und sein Benehmen entsprechen oft nicht den Anforderungen der Schule." Es kommt darauf ein Brief des Angeklagten, gerichtet an die Großh. Direktion des Gymnasiums zu Gießen vom 12. März d. I. zur Verlesung, worin der Schreiber auf die einem Sohn im Maturitätszeugnis erteilte Betragensnote Bezug nimmt und bemerkt: »Wenn auch mein Cohn Hans während des Schulbesuchs öfter durch Haltung und Benehmen den Anforderungen der Schule nicht entsprochen haben mag, so kann eS sich hierbei doch stets nur um ganz geringfügige Lappalien gehandelt haben. Der Briefschreiber bestreitet der Schulbehörde daß Recht, auS irrelevanten Anständen ein Maturitätszeugnis, ein Zeugnis, welches der Inhaber auch später noch im Leben öfter vorlegen muß, so wie es im vorliegenden Fall geschehen fei, zu verschlechtern. Der Briefschreiber spricht dann die Hoffnung aus, daß die Großh. Direktion sich dieser Darlegung nicht verschließen und eine AuSmerzung der Betragensnote auS dem Zeugnis seines Sohnes bewirken werde, da er sonst zu seinem Leidwesen die Angelegenheit weiter verfolgen würde. Hierauf kommt ein Antwortschreiben des Gymnasial- >irektors an den Angeklagten zur Verlesung, worin ein* eiienb daraus hingewiesen wird, daß die Abwehr des Tones, in dem das Schreiben des Dr. Klein gehalten sei, einer anderen Gelegenheit Vorbehalten bleibe. Zur Sache selbst bemerkte Geheimrat Schädel: 1. Die Verfemung, die bei Hans Klein meist recht Inapp erfolgte, hat mit dessen Betragen nichts zu tun; 2. die Unbescholtenheitszeugnisse wurden stets mehr nach dem bürgerlichen Gesichtspunkte ausgestellt, und gegenwärtig ist sogar dieselbe Norm für diese Zeugnisse maßgebend, wie für die gleiche Tätigkeit der Polizeibehörden; 3. dagegen ist die Betragensnote im Reisezeugnis die Summe der in der Anstalt insbesondere im letzten Jahre erhaltenen Betragensnoten. Tas Schreiben >er Großh. Gymnasialdirektion fcljliefet dann wörtlich wie folgt: „Ta Sie sich bewußt find, Ihre Pflicht als Vater so gewissenhaft wahrzunehmen, ist Ihnen uaiürlidj bekannt, daß Ihr Sohn nie ein unbemäkeltes „gut" im Betragen erhalten konnte, sondern stets eine niedere Note infolge von Vorgängen, die Ihnen ja als Lappalien und Lächerlichkeiten erscheinen mögen, obieltiv aber einen hohen Grad von Unverfrorenheit und gelegentlich von Unwahrhastigkeit zum Grunde hatten. Daß aber die Schule bei ihrem Erziehungswerke die richtige Unterstützung bei Ihnen nichlt gesunden hat, dafür seien Sie an Ihren Briefwechsel mit Herrn Professor Hüter erinnert." Hierauf verliest der Vorsitzende ein Antwortschreiben des Angeklagten, persönlich an Geh. ^xfyulrat Dr. Schädel gerichtet, welches lautet: „Der Ton, in welchem ich zu schreiben beliebe, richtet sich genau nach dem Grade der Verehrung, welchen ich dem Adressaten zolle. Die Unwahrhaftigkeit, deren mein Sohn Hans in dem von Ihnen angezogenen Falle geziehen wurde, war seinerzeit mit hoher Wahrscheinlichkeit begründet, aber durchaus nicht bewiesen, der Sache nach in der Tat eine Lappalie. Die Unverfrorenheit (ich mache Sie darauf ausmerlfam, daß ich dieses Wort im Gegensatz zu Ihrer Gepflogenheit ohne Bindestrich schreibe, um meinerseits eine formale Beleidigung zu vermeiden) in einem anderen Falle lag lediglich auf der anderen Seite, denn es muß in der Tat eine Unverfrorenheit genannt werden, wenn ein älterer Lehrer so bedauerlich wenig Selbstbeherrschung zeig* daß er seine Würde vergessend sich erdreistet, einen Oberprimaner tätlich anzugreifen. Mag dieser Pädagoge es der größeren Besonnenheit des beleidigten Jünglings, einem glänzenden Resultate des pflichtgemäßen häuslichen Vorbildes, verbauten, daß er für feine Unverfrorenheit nich>t den reichlich verdienten empfindlichen Denkzettel bekam. Diesen Vorgang nenne ich trotz seiner symptomatisch ernsten Seite eine Lächerlichkeit, und wer sich dabei lächerlich gemacht und unsäglich blamiert hat, darüber kann wohl kein Zweifel bestehen." Bis hierher ist der Brief in frimiert. Der Vorsitzende bemerkt, daß das Ministerium außer den verlesenen Schriftstücken auch den Begleitbericht des Geheimrats Scyädel zu diesen Briefen gleichzeitig mit dem Antrag aus Bestrafung des Dr. K. nach 6 196 Str.-G.-B. der Staatsanwaltschaft übermittelt hat, und daß es angemessen erscheine, auch beit Inhalt dieser Eingabe zur Kenntnis des Gerichts zu bringen. Rechtsanwalt Dr. Spohr als Vertreter der Nebenklage protestiert gegen die Verlesung dieses Berichts unb beantragt, darüber einen Beschluß des Gerichts herbeizuführen. Der Vorsitzende erklärt, oaß er sich für befugt halte, allein zu entscheiden, was aus den Akten vorgetragen werden fülle, und daß er Per Ansicht sei, der Begleitdericht des Geheimrat Schädel, auf welchen sich das Ministerium bet Stellung des Straf an träges mit beziehe, müsse verlesen etwas und zur Kenntnis des Gerichts gebracht werden. Tr. Spohr beantragt, der Gerichtshof wolle beschließen, daß das erwähnte Schriftstück nicht verlesen werden soll. Der Gerichtshof beschlieyt die Verlesung, welche erfolgt. Aus dem Inhalt dieses Berichts ist für den vorliegenden Fall von Interesse, daß dem Ministerium gegenüber als Tatsache behauptet wird, daß auf Grund des Schreibens )cr Mutter einer jungen Dame an Dr. Klein dieser der Dame geantwortet habe: galten Sie Ihre Henne ein, ich laste meinen Gockel lauf.-n." An diese Darstellung knüpft Direktor Schädel die Reslektion, mit was für einer Famitte man es hier zu tun habe. Es wurde darauf in die Beweisaufnahme eingetreten. Diese war großenteils inhaltlos. Der Ordinarius des jungen Klein in der Oberprima, als Zeuge vernommen, bekundet u. a., daß er aufgefordert et, für bas Maturitätszeugnis des Hans Klein eine Note über dessen Betragen zu geben, unb bag, gestützt auf vor Gericht von ihm angegebenen Momente, sein Votum etwas chärfer gelautet habe, als bas, welches nachher burch bie Lehrerkonferenz, an der er nicht teilgenommen habe, festgesetzt worben sei unb in bas Zeugnis Aufnahme gefunden habe. Vom Vorsitzenden befragt, was er, der Zeuge, über den Fall Netto zu sagen habe, erklärt Dr. Messer, er habe erfahren, daß bie Schüler seiner -klasse einen Besuch, den er dem Geheimrat Professor Netto kurz vor der Versetzung gemacht hatte, der aber rem gesellschaftlicher Natuitz gewesen fei, dahin gedeutet hätten, als wolle er den Soyn des Geheimrats Netto bei der Versetzung durchbrücken. Es ei ihm bicjc Mißdeutung seines Besuchs im Hause Netto im Interesse seines Ansehens bet seinen Schülern selb st v er- ländlich unlieb gewesen. Da sei eines Tages Geheimrat Schädel vor der Versetzung in die Klasse gekommen, um einzelne Schüler selbst auf ihre Fähigkeiten hin ziu prüfen. Er habe die Gelegenheit der Anwesenheit des Direktors in der Klasse benutzen wollen, um den Schülern gegenüber eine Erklärung wegen des mißdeuteten Falles Netto abzugeben, er sei jedoch hieran von Geheimrat Schädel gehindert unb gleich zu Beginn seiner Erklärung von biefem unterbrochen worden. Auch ein weiterer Versuch, den Fall Netto der Klasse gegenüber rufzuktären, sei vom Direktor nicht zugelassen woroen. Durch vieses Vortommuis sei erst recht der Argwohn der Klasse bestärkt, man wolle den Netto durchdrücken bei der Versetzung. Der Zeuge hat darauf von Geheimrat Schädel die Zustimmung erivirit, dem Argwohn seiner Schüler durch eine Erklärung zu begegnen, unb er habe daraufhin dies auch getan. Geheimrat Professor Netto wird daraus als Zeuge befragt, was er über die Versetzung seines Sohnes wisse, unb erklärt' „Nichts, ich we«.p nur, daß ber Knabe nicht versetzt wurde." Professor Netto fügt hinzu, baß er sich reue, enblich einmal dem müßigen Gerede, dem Stadtklatsch, unter seinem Eide bie Spitze ab brechen zu können, und bemerkt, daß er mit Direktor Schädel nie wegen seines Sohnes etwas zu tun gehabt habe. Vor ber Versetzung habe er, ohne daß er sich an bie;en gewendet, einen Brief bekommen, den der Zeuge zu den Litten übergibt, worin ihm die Mitteilung wurde, daß sein Sohn nicht versetzt werde. Er, der Zeuge, haoe sich bann wegen ber Gründe an beit Schulleiter gewendet, weshalb bie Versetzung seines Sohnes unterbleibe. Darauf sei ihm ein zweiter Brief, den Poferssor Netto auch überreicht, zugegangen, nach bessen Kenntnisnahme er bie Nichtversetzung seines Sohnes vollkommen gebilligt und begreiflich gefunden habe. Dies fei, so erklärt der Zeuge, der nackte Tatbestand, und weiteres wisse er nicht. (Schluß folgt) Um 9 Uhr abends verkündete der Vorsitzende Landgerichtsrat Müller das Urteil dahin: Wegen des ersten an bie Direktion bes Gymnasiums gerichteten Briefes hat ber Gerichtshof auf Freisprechung erkannt, weil, wenn der Inhalt auch etwas spitz, doch der Angeklagte damit den Zweck verfolgt hat, die Betragensnote in dem Maturitätszeugnis abgeändert zu bekommen. Nach Ansicht des Gerichts muß dem Tr. Klein hier der § 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) zugebilligt werden. Die Antwort des Direktors Professor Dr. Schädel auf den ersten Bries richtet sich ihrem Inhalt nach gegen ben Sohn und nicht gegen ben Angeklagten. Wegen des zweiten unter Anklage stehenben Briefes kam ber Gerichtshof zu einer Verurteilung. Der Brief ist persönlich an Geheimrat Schäbel abrejfiert unb es kann aus bem Inhalt nur angenommen werben, baß ber Verfasser die Absicht hatte, dem Empfänger des Schriftpücks Geringschätzung darzutun. Der Brief enthält gewollte und beabsichtigte Injurien. Der Gerichtshof geht von der Ansicht aus, baß der Angeklagte bona fide gehandelt hat, er glaubte an eine parteiische Behandlung in drei Fällen. Das Gericht hat aber aus der Beweisaufnahme die Ueberzeugung gewonnen, daß bie Lehrer sich vollständig korrett benommen haben. Der Gerichtshof lehnt es ab, ein Urteil in technisch-pädagogischer Hinsicht abzugeben. Der Gerichtshof hat den Angeklagten Dr. Karl Klein zu einer Geldstrafe von 150 M.ark Verurteilt. Gerichtssaat. Duisburg, 30. Juni. Unter großem An dränge begann vor dem Schwurgericht der Prozeß Terlinden. Die Angeklagten bestreiten die Schuld. Terlinden bestreitet, sich strafbar gemacht zu haben. Er habe mit kleinen Mitteln begonnen. Der wirtschaftliche Niedergang in den 90er Jahren habe ihn in Geldschwierigkeiten gebracht und er |et genötigt gewesen, Geld aus Wechsel aufzunehmen. Wechselreitereien habe er aber nicht getrieben. Die ungeahnte Ausdehnung des Geschäfts habe 1897 eine Umwandlung desselben in eine Aktiengesellschaft notwendig gemacht. Schließlich sei er genötigt gewesen, Aktien zu verpfänden. Er habe Aktien-Duplitate unfertigen lassen, aber auch diese verpfänden müssen. Ties habe er jedoch nicht getan, um sich einen rechtswidrigen Gewinn zu verschaffen, da seine Aktien keinen Börsenkurs hatten und überhaupt an der Börse nicht gehandelt wurden. Tie Aktien hatten den Banken (einerlei Sicherheit geboten. Die Banken hatten ivohl nicht auf Grund der hinterlegten Aktien, sondern um Prozente zu erhalten, also persönlichen Kredit gewährt. Deshalb habe Kosbadt Duplikataktien mit seiner Einwilligung ansertigen lassen. Kosbadt bestreitet, daß Aktien zivelter Emission mit seiner Einwilligung oder gar auf seine Bestellung hergestellt ivorden seien. Er habe im Gegenteil Terlinden darauf aufmerksam gemacht, ^daß eine Anfertigung von Duplikataktien doch sehr bedenklich sei. Terlinden lüge, wenn er behaupte, KoSbadt habe den Umlauf der Wechsel verschuldet. Es ivird sodann eine Reihe Briefe verlesen, aus denen den Angeklagteii nachgewiesen tu erb en soll, daß sie bemüht waren, die Banken durch allerlei Machenschaften in den Glauben zu versetzen, die ihnen zur Diskontierung übergebenen Gefälligkeitswechsel seien Warenwechsel gewesen. Terlinden bestreitet, betrügerische Absichten gehabt zu habeii. Den Banken sei der Charakter der Wechsel gleichgiltig gewesen. Jedoch hätten sie nicht offiziell erfahren dürfen, daß es sich um Gefälligkeitsaeeepte gehandelt habe. Nach längerer Verhandlung wird die Weiterverhandlung auf morgen Dcrtnat Leipzig, 30. Juni. Tas Re ichSge richt verwarf die Revision des Grasen P ü ck l e r - Kleintschirne gegen das Erkenntnis des Berliner Landgerichts vom 20. Januar, wodurch er wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten und wegen Beleidigung des Geh. Sanitätsrats Dr. Neumann zu insge- jamt 10 000 Mk. verurteilt worden war, hob hingegen auf die Revision des Nebenklägers das Urteil auf, insoweit Graf Pückler der Anklage der ^Beleidigung der Glogauer Juden durch die Behauptung, sie hätten einen Giftmord gegen ihn veranlaßt, freigefprochen worden war. Insoweit wurde eine neue Verhandlung vor dem Landgericht II angeordnet. London,30.Juni. Der Bediente William Brown, welcher als angeblicher Prinz Athrobald Stuart vonModena un d S o h n d e s K a i s e rs von Oesterreich die geschiedene Gräfin Rüssel geheiratet hatte, wurde heute in Winchester wegen falscher Namensangabe bei der Trauung zu zwei Tagen Gefängnis verurteilt, aber sofort aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Urteil wurde vom Publikum mit lautem Beifall begrüßt. Universitäts-Nachrichten. Heidelberg, 30. Juni. Professor Emil Kräpelin, Vorstand der Jrrenklmik, folgt einem an ihn ergangenen Rufe an die Universität München. Breslau, 30. Juni. Die juristische Fakultät ernannte den Oberpräsidenten Herzog v. Trachenberg (der heute in den Ruhe- starrd tritt. D. Red. d. Gieß. Anz.) zum Ehrendoktor. Paris, 30. Juni. Der Senat der Universität hat drei Professoren die Mittel zu einer Reise um die Welt zur Verfügung gestellt. Sport. DieDirektion der Radrennbahn Sportplatz a. d. Hardt beabsichtigt am 26. Juli ein großes internationales Rennen für Berufsfahrer zu Veranstaltern Das Programm soll sensationell werdem Landwirtschaft. C. Gießen, L Juli. Wenn im Frühjahr der Stand der Wiesen auf eine gute Heuernte rechnen ließ, so sind die Hoffnungen doch einer Enttäuschung gewichen. Der kalte Mai und die erste Hälfte des Juni ließe»! das Füllgras nicht hervorsprießen und die heiße Witterung in den letzten Tagen hat ebenfalls den Graswuchs wenig gefördert. Wir stehen also vor einer geringeren Heuernte, als in den Vorjahren. Die Heugrasversteigerungen letzter Woche waren stark besucht und demgemäß eine rege Nachsrage nach gutem Grase vorhanden. Man überbot sich derrnaßen, daß uns Fälle bekannt sind, in welchen gerade der doppelte Taxationsprers erzielt wurde: Wie man hört, stellt sich der Preis von frischem Heu auf 3—4 Mk. pro Zentner, abgeholt von der Wiese ohne Macherlohn. Sollten andere Gegenden ebenfalls unter Heumangel zu leiden haben, so dürfte ein weiteres Steigen der Preise die jolge sein. L. Hessischer Landwirtschaftsrat. Am Freitag den 3. Juli nachm. und am Samstag 4. Juli vorrn. findet in Darmstadt (Zentralstelle für die Gewerbe) eine Sitzung des Hessischen Landwwtschastsrats statt. Ans der Tagesordnung steht unter anderem folgendes zur Beratung: Voranschlag des Hessischen Landwirtschaftsrats pro 1904/05. — Festsetzung des Gesamtvoranschlags über die Verwendung der Staaisnnttel für Förderung der Viehzucht, sowie des Obst- und Gemüsebaues pro 1904/05. — Beschaffung der Mittel zur Durchführung und Unterhaltung der regelmäßigen Veranstaltungen und Unternehmungen des Hessischen Landwirtschaflsrats pro 1903,04 (Vortragskurs, Preisnotierung, Beschickung der Gartenausstellung, Volumgewichlsermittelung, Studienreise rc. — Definitive Beschlußfassung des Landwirtschaflsrats über das Referat des Ministerialrats Braun über die Errichtung einer Landwirtschaftskammer. — Zuwahl von Sachverständigen. Neuwahl der Ausschüsse. — Ermäßigung der Frachtsätze für die Beförderung von Zuckerrüben, Schnitzel, Melasse, Roh- und Kristallzucker. Ausdehnung der Preisnotierung auf Futter- und Düngemittel. — Abänderung der Bestimmungen über die Verwendung der Staatsnuttel für Förderung der Viehzucht rc. — Anfrage des Großh. Ministeriums des Innern betr. Abänderung des Reichsviehseuchengesetzes. — Maßregeln zur Bekämpfung der Verdingung. Die Lieferung der für die Nebenbahn Herborn--Westerburg (Teilstrecke Herborn-Schönbach) erforderlichen Eementdurchlaß- rohre und zwar: 283 Nieter Bahndurchlaßrohre von 0,3 bis 0,6 Meter lichter Weite, und 225 Meter Seitendurchlaßrohre von 0^? bis 0,6 Meter lichter Weite soll im Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden. Bedingungen können auf der Eisenbahn-Bauabteilung in Herborn eingesehen, auch das Verdingheft gegen postfreie Einsendung von 0,50 Alk. (nicht in Briefmarken) ebendaher bezogen werden. Eröffnung der Angebote am LL Juli 1903, vormittags H1/, Uhr, bis zu welcher Zeit die mit entsprechender Aufschrift versehenen Angebote eingesandt sein müssen. Herborn (Hessen-Nassau), den 30. Juni 1903. 5178 Königliche Eifeubahu-Bauabteiluug. sie ist die richtige Haushaltungs-Seife für sparsame Hausfrauen. Auch Sie können sich leicht davon überzeugen: Schneeweiss wird die Wäsche beim Gebrauch von Zwirbeilmchen Dienstags, Donnerstags und Samstags von morgens 9 Uhr an zu Haven bei 5179 Wer Schomber Walltorftraße 51. Caf‘6 Ebe 1.1 Heute abend 49101 Stammessen. R Filet saute mit gerösteten Kartoffeln, g ■■■■WNMMMMMMBMIMKWIMtfMiMMKHrn Industrie, Gießen.) u. Telephonischer Kursbericht« 378°/o 3% 3V,% 3% 37r°/° Anfangs- 210*25 . 136.30 . 175.50 . 184.90 (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Privat-Diskont 81/* Prozent. 3^,56 Oberhessen . . < 456 Oesterr. Goldrente . < 41/6 56 Oeeterr. tiilberrente 456 Ungar. Goldrente. . 4°/o Italien. Rente . . , 47,56 Portugiesen . . , ö0/ Portugiesen, . . . 156 C. Türken . . . Türkenlose..... 4% Griech. Monopol.-AnL 41/, 56 äussere Argentiner 3% Mexikaner » . , 4Va9/o Chinesen . . , Electric, bohnckert . . Nordd. Lloyd . . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Beniner Handelsges. , Oesterr. Staatsbahn . . Lombarden • • • • Gotthardbahn .... Laura hätte . , . . , Bochum ...... Harpener..... Tendenz: ruhig« Oest. Kredit. . Deutsche Bank Darmstädter Bank Bochumer Guß . Harpener Bergbau Schluß Schlußkurse. 208.60 210.00 136.30 175.40 184.62 Reichsanleihe do. Konsole . do. . . Hessen Frankfurt a. H., 1. Juli 102.05 91.55 101.95 91.60 101.00 100.00 102.90 100.30 101.60 103.50 50.00 31.30 34 39 132.60 45.10 Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 30. Juni 1903. 1903. . 26.50 . 92.85 . 93.20 . 99 25 . 208.20 . 186,50 . 136.50 . 147.30 . 154.50 . 144.00 . 17.90 . 190.00 . 216.00 . 173.50 . 179.00 eine eingehende Untersuchung vornehmen. Der Minister wurde von mehreren Abgeordneten mit der Bemerkung unterbrochen, der Finanzminister, der gleichzeitig Präsident der betreffenden Eisenbahn-Gesellschaft ist, hätte besser daran getan, sich an Ort und Stelle zu begeben. Der Finanzminister erwiderte, die Katastrophe sei wahrscheinlich durch zu schnelles Fahren über die Brücke veranlaßt woroen. Andere Abgeordnete verlangten eine strenge Untersuchung. Die republikanischen Abgeordneten griffen die Eisenbahngesellschaft aufs heftigste an. Der Kammerpräsident nahm während der Debatte die Ausweisung eines Journalisten vor, welcher Zwischenrufe gemacht hatte, worauf sämtliche Journalisten die Tribüne verließen, nach kurzer Zeit aber wieder zurückkehrten. Aarau, 1. Juli. Bei einer Benzin-Explosion wurden 6 Personen verwundet. Zürich, 1. Jnli. Bei dem Lawineunfall ernt St. Gotthard wurde der Obersekundaner Liebmann so verletzt, daß er jetzt gestorben ist. Arad, 1. Juli. Ein H an d w er ks bursche, welcher bei dem Wirt Schabo aus Mitleid Unterkunft gefunden hatte, ermordete nachts im Schlaf Schabo, dessen Frau unv ein Hind, und raubte dann einen kleinen Geldbetrag. Es gelang, den Mörder zu verhaften. Budapest, 1. JuU. Im Gerichtssaale verletzte eine Fr au^, die gegen ihren Mann wegen Kindesentführung prozessierte, bei der Freisprechung den Gatten und dessen Anw alt durch Revolv erjchüfse. Die Täterin wurde verhaftet. Belgrad, 1. Juli. Der König hat die meisten der an der Revolution beteiligten Offiziere mit kostbaren Geschenken überrascht. T?r Witwe des erschossenen Obersten und Adjutanten Naumowitsch schenkte er 20 000 Dinar. Belgrad, 30. Juni. Auswärts verbreitete Meldungen von Finanzschwierigkeiten Serbiens werden von hiesiger maßgebender Seite als vollkommen erfunden bezeichnet. Am Tage der Ermordung des Königs Alexander befanden sich in der Hauptkasje des FinanHministe- riums 2 Millionen, außerdem bei der Nationalbank und der Monopolverwaltung 8 Millionen. Ebenso wird die Nachricht, König Alexander habe sich vom Ertrag der letzten Anleihe einen Vorschuß in Höhe der Zivilliste für drei Jahre geben lasten, als böswillige Erfindung erklärt. Petersburg, 1. Juli. Nach der „Lodzer Ztg." hat der Dichter Maxim Gorki kürzlich in einem hiesigen Klub 2. Klasse 27 000 Rub el im Spiel gewonn en. -Tendenz: schwächer. Die Gesellschaft Selters-Sprudel Augusta Viktoria, G. m. b. H. zu Selters a. Lahn, hielt gestern hier in Gießen ihre Generalversammlung unter Anwesenheit ihrer fast sämtlichen Ge- sellschaster ab. Die einzelnen Punkte der Tagesordnung fanden mit einmütigen Beschlüssen rasche Erledigung. Es wurde beschloßen, bet reichlichen Abschreibungen eine Dividende von Schweineseuche und der Schweinepest. — Maßregeln zur Bekämpf-, jüngste Eisenbahn-Katastrophe zur Sprache. Der ung des Scheidekatarrhz - Erneuerung des Viehseuchenüberein- Bauten--Minister erklärt, daß sich die Regierung den w^ungÄ^seMHUmgÄ ^dO^°"°'ch'Ungarn. — Er- j Trauer-Kundgebungen anschließe. Die Regierung^ werde 6 p E t. an dte Änteilhaber zu verteilen. War schon das Geschäftsergebnis im verflossenen Jahre als ein gutes zu bezeichnen, so kann dasselbe für die am 1. April begonnene neue Geschäftsperiode als noch besser in Aussicht gestellt werden. Bereits 150 000 Kilo Kohlensäure und über 400 000 Gefäße Wasser gelangten seit dem 1. April zum Versand an die Kundschaft und auf 20 Waggons Kohlensäure und Mineralwasser liegen momentan Bestellungen vor. Der Tag und Nacht andauernde Betrieb ist als flott zu bezeichnen und man muß schon heule an die Vergrößerung des Werkes Herangehen, um den stets sich vermehrenden Bestellungen genügen zu können. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungeu des Gießener Anzeigers. Frankfurt a. M., L Juli. Der Gärtner Strack aus Rödelheim, der sich heute vor dem Schwurgericht verantworten sollte, hat sich im Untersuchungsgefängnis erhängt. Berlin, L Juli. Dr. Ludwig Fulda erklärt im „Bert. Tagebl." im Anschluß an die Verhandlungen im Pommernbank-Prozeß, daß er zu der Zeit, als Direktor Römeick vor mehreren Jahren deut Berliner Presse- Klub ein Darlehen zusagte, weder Vorsitzender des Klubs, noch überhaupt im Vorstande war, sondern von der Angelegenheit erst nach dem Zusammenbruch der Pommernbank Kenntnis erhielt. Stendal, L Juli. Der Lehrer Ergeleben aus Engersen wurde vom Schwurgericht zu zwei Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt, weU er sein eigenes Schulhaus in Brand gesteckt hat. Bremerhaven, L Juli. Prinz Geo r g von Bayern und Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben sind heute mit dem Lloyddümpfer „Kaiser Wilhelm IL" aus Amerika hier ein getroffen. Könitz, 1. Juli. Die Reichstags-Nachwahl in Konitz-Tuchel für den doppelt gewählten v. Czar- l i n s k i findet am 10. Juli statt. München, L Juli. Vier Münchener Touristen verirrten sich bei einer Besteigung der Zugspitze. Sie wurden in' halb bewußtlosem Zustande aufgefunden und gerettet. Bamberg, L Juli. Ein Liebespaar ließ sich in Selb in Oberftanken von einem Zuge überfahren. Madrid, 1. Juli. In Valovia in der Provinz Vulu- dolid ging ein furchtbares Unwetter nieder, welches die Heftigkeit eines Cyklons batte. Mehrere Häuser sind eingestürzt. Zahlreiche Bewohner flüchteten sich aus die Dächer der Häuser, um dort Hilfe zu erwarten. Der Schaden ist enorm. Eine große Menge Vieh ist umgekommen. Madrid, 1. Juli. In der Kammersitzung kam die Versteigerung. Donnerstag den 2. d. M., nachmittags 3 Uhr, sollen dahier im Löwen, Neuenweg 28, 1. eine größere Partie Schuhwaren 2. Haus- u. Küchengeräte aller Art 3. eine Ladenemrtchtung und 4. ein Fahrrad gegen bar versteigert werden. Gießen, L Juli 1903. 5180] Seipel, Gerichtsvollzieher. Stadt. Schlachthaus. Freibank. Heute und morgen: 5019 OchlevSM 50 pfg. Kaffee von reinem, kräftigem Geschmack m eigener Brennerei stets frisch gebmlitksW.zllWPfg. und höher, empfiehlt 5177 Georg Wallenfels, Marktplatz 21. Telephon 4«. «Ai Prim Portland-^ Cemettt Allerbeste Marken per Ctr. 1,45 Mk. [4502 LülhkühciisicrLLchililiiibcrgtr j 22 Marburgerstraße 22. Aescßäfts-Derkegung Meiner werten Kundschaft zur gefälligen Kenntnis, daß sich mein Lackier-Geschäft vom 1. Juli ab In Löbers Hof 6 befindet. 5168 Bellofj LMmmHer. Vor den bevorstehenden Sommerreisen ernpfehlen wir dringend, Mobiliar, Wertgegenstände u. Bargeld gegen Einbruch"Biebstahl beider Aachener und Münchener Feuerversicherungs-Gesellschaft zu versichern. 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