153. Jahrg Freitag, L Mai 1903 erungS-Novelle Ich habe die Ehre, die Urschrift der Botschaft dem Herrn Präfi- dentcn des Reichstags zu überreichen. f(uf Grund der mir von S. M. errheilten Ermächtigung e r - kläre ich namens der verbündeten Regierungen den Reichstag f ü r geschlossen. Präsident Graf Ballcstrem: Wir aber, die erfüllt sind Von dem Gefühl, das uns während der gan?::i Zession, während der ganzen Legislarurpcriode geleitet hat. nämlich von dem Gefühl der Liebe. Treue und Ergebenheit gegen das erhabene Reichsoberhaupt. geben diesem Gefübl Ausdruck, indem ich Tie bitte, mit mir zu rufen: S. M.. der Deutsche Kaiser Wilhelm II., König von Preußen, er lebe hoch! sTie anwesenden Abgeordneten, die sich von ihren Plätzen erhoben baben, stimmen dreimal lebhaft in den Ruf ein.) Ich schliche die Sitzung, Schluß 4% Uhr. 802. Sitzung vom 80. Zpril. Uhr. Am Tische des Lundesraths. Gras Posa- 6 ° u^bcr Tagesordnung steht die dritte Berathung des Kranken -Versicherungs-Gesetzes. In der Generaldebatte führt • ar^-bolt-n Abg. Trimborn (Gtr.) aus: Entscheidend für un,er Verhalten angenommen. Die bereits mitgetheilten Resolutionen werden mit den be- antragten Äenderungen angenommen, ebenso eine noch von Abg. T r i m b o r n ((EentrJ gestellte Resolution auf Vereinfachung und Zusammenlegung aller VcrsichcrnngSgesctze. (Reichskanzler Graf von Bülow betritt den <©aat.) Hiermit ist die K r a n k e n v e r s i ch ^'T^ü^ist^dw^Tagesordnung erschövst. Nächst- Sitzung: beute IN Uhr. (3. Berathung der Kranke n k a s s e n no veil e.j Schluß 12% Uhr. Abg. Stadthagen lSoz.) polemisirt gegen den Abg. Dr. Arendt. Es ist unrichtig, daß die Novelle den Arbeitern Vortheile bringt, sie bürdet ihnen nur neue Lasten auf. Deshalb ist co endlich an der Zeit, daß ein neues Gesetz kommt. daS unS eine wirkliche Krankenversicherung bringt, ohne eine Entrechtung der Arbeiter zu bitten. Unsere Anträge zu dem Gesetz halten wir nur gestellt, um Ihnen au zeigen, daß wir Zutrauen zu Ihnen hätten (Heiterkeit), ein Gesetz aum Wohle der Arbeiter zu machen. ~ Abg. v. Savigny (Tentr.) bittet dringend, seine Resolufton an- zunehmen. . Damit schließt ine GeneraldiSkussion Nach einer persönlichen Bemerkung deS Abg. Dr. Arendt be« ginnt die S p e z i a l d i S ku s s i o n. ...... ... gu § 42 sind mittlerweile die angekundigten Anträge eingr- gangen: der des Abg. Trimborn. wonach eine Absetzung von Siaficnbcamten durch die Aufsichtsbehörde nur erfolgen kann, wenn eine grobe Amtsverletzung in Bezug auf d»e Kassen, f iih r u ng erfolgt ist; ferner ein Antrag Roes, cke - Destau, wonach die Bestimmung wieder g e st r i ch e n werden soll, daß eine von der höheren Verwaltungsbehörde zu genehmigende Dienstordnung für jede Krankenkasse geschaffen werden soll. Beide Anträge werden angenommen. Gegen dieselben stimmen die meisten Mtiglieder der Rechten, gegen den zweiten auch einige National-Liberale sAbgg. Dr. Sattler, Dr. Semler u. A.j. Im Uebrigcn wird daS Gesetz ohne Debatte nach den Be- schlüssen der zweiten Berathung angenommen. In der Gesammtabstimmung wird daS Gesetz gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und eines Theils der Reichspartei nommcn. verbündeten Regierungen um baldige Vorlage eimS Gesetzentwurfs zu ersuchen, durch welchen die reichSgesetzl ch ^-arckc nvcrsichcr u ngs pfli ch t auf di- Saus in hu s r . e. auf alle Handlungsgehilfen und Lehrlinge, auf die land und f o r st w i r t h s ch a f t l r ch e n Arbeiter sowie auf die D, e n p bOt IL D^verbündeten Regierungen zu ersuchen a) tage thunlichst bald, wenn möglich in der nochsten Ses^n. einen Gesetzentwurf zmn Zwecke einer emgehenden und grunUichen 'Ä Jo r;ir'wma6ung ^Cm=w”3un^n?fcTin“bi"reU^ eine' CrLgJ tigkeiten obliegt, mit der Maßgabe mbi a - Kassenärzte und welche fick dieser Regelung unterstellen, alS Kasienarzie unu Apotheker im Sinne des § 6 gelten. CäT_.„s, o;ffpr dl bin- Abg. v. Savignn ((Str.) beantragt, noch folgende Ziffer d) ym Singer (Soz.): Nachdem der Abg. Trimborn Namens feiner Fraktion sLachen rechts) diese ErNettung abgegeben hat bitte ich mit der ausdrücklichen Bemerkung, daß sich meine Freunde für die dritte Berathung Alles Vorbehalten, falls der angckundigte Antrag Trimborn abgelehnt werden sollte, den Herrn Präsidenten, Haus- di- Zurückziehung m-in-s Anttag M « « m * n t r i di e Abstimmung zu verkünden. (Lachen rechts.) Präsident Graf vallestrem: Da die namentliche Abstirnnmng noch nicht oegonnenhat. so habe ich kein Bedenken, die Zurücknahme ■uÄuIafien Auch früher ist schon analog verfahren worden. Är 8 42wird hieraufft, einfacher Sbfttmmung ange- n 6 "ßu den weiteren Paragraphen liegen einige sozialdemokratische I AbänderungS-Anträge vor. die alle zusammen in einet Rede bOn «da Albrecht begrinbet werden, nachdem die betreffenden Paragraphen zusammen zur Debatte gestellt werden. Die Anttaye verfolgen den Zweck, eine größere Centtalisafton der Kassen herbei- ^^Nach einigen Bemerkungen deS Abg. Thiels lSoz.) und deS Berichterstatters Hofmann-Dillenburg (nat.-lib.) werden die sozial- ‘"'$7 unw-s-utlich-r Debatte in Vt" Ä m f o I u t i - n , n äuge. find die materiellen Vortheile, die daS Gesetz den Arbeitern bietet Zuerst werden jetzt alle Handlungsgehilfen, die ein Gehalt biS zu 2000 Mk bekommen, unter daS Gesetz gestellt, und dann wird anstatt für 13. für 26 Wochen Krankengeld gezahlt. Außerdem wird . ber ortsübliche Tagelobn bei der Krankengeldzahlung hoher ange- । setzt alS bisher. Ferner ist eine Angehorigen-Untersmtzung emge- fährt. Der Hauptitteitpunkt war der § 42. Doch habe ich schon . in der zweiten Lesung erklärt, daß wir einen politischen Mißbrauch hier absolut nicht wollen. daS wollen auch die Freisinnigen, d,e mitt- fete Linke, nicht. (Große Heiterkeft.) Durch unfern Antrag, daß sich die Worte ..grobe Pflichtverletzung' nur auf die Kassenfuhrung beziehen, ist dieser Mißbrauch auSgeschlosiem Dieser Zusatz 'st eine wesentliche verbesierung deS Gesetzes. Auch werden wir für die Streichung deS Absatzes VII sDienstordnung für Kastenbeamte) stimmen, obwohl wir ihn für ganz berechtigt halten. Wir hoffen, daß bei einer künftigen Revision eine ähnliche Bestimmung wieder cinaefügt wird und haben deshalb die Resolution Savigny einge- bracht. Unsere Haltung ist also lediglich bedingt durch dw Geschäftslage deS Hauses. Ohne Diäten ist das HauS nicht beschlußfähig ah halten. Unsere Stellungnahme ist also nichts weiter als ein Zeichen unserer Arbeiterfteundlichkeit und ein Ausfluß unserer politischen Klugheit und Erfahrung. (Lacksin ttnkS.) Grell beleuchten wir zum Schluß noch einmal die traurigen Folgen der Diäten - lvsigkeit, wir leiden Alle unter dem AbsentismuS. (Beifall im Etr.) Abg. Dr. Arendt (Reichsp.) Ich wünsche auch, daß bald eine gründliche Revision des Gesetzes kommt, und erkenne auch den hohen materiellen Werth der Novelle für die Arbeiter an. Dagegen kann ich dem Vorredner nicht beiftimmen in seinem Verhalten zum § 42, besonders zum Absatz VII. Die Sozialdemokraten haben schon tn der Kommission erklärt, daß sie das Gesetz zu Fall bringen würden, wenn die Bestimmungen des § 42 aufrecht erhalten wurden Sie haben ihre Drohung auSgeführt. Gewiß ist die Beschlußunfahigkeit bedauerlich, aber ich glaube, das Haus wäre gestern beschlußfähig gewesen (Lachen links), wenn die Sache nicht zu überraschend gekommen wäre. Ihre Zurufe erleichtern es mir, den Antrag zu i stellen, daß das Haus nicht beschlußfähig ist. (Bewegung.) Meine ! Freunde werden den Kotau vor der Sozialdemokratie nicht mitmachen. ■ (Große Bewegung.) Der Abg. Richter halte ganz recht, es war ge- , schäftSordnungSwidrig. während der Abstimmung solche Anträge ein» , aubringen. DaS Centrum hat damit nur feine Kapitulation vor , der Sozialdemokratie motivirt. Wir können die Vorlage zu Fall - bringen, wenn wir wollen. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir , sind nicht beschlußfähig, fordern Sie uns nicht heraus, dies festzu- I stellen Wir hätten gewünscht, daß daS Gesetz durch die Sozialdemokratie zu Fall gekommen wäre; statt desicn aber kommt das Centrum und hilft ihnen, das Gesetz mit in die Maifeier zu bringen. Meine Freunde werden die« zu aller Zeit vor dem ganzen Lande festftellen, sie werden jederzeit der völlerverderbendcn Sozialdemokratie entgegentreten. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Im Lande tmrb man Ihrer auch immer mehr überdrüssig, weite Volkskreise haben sich schm, zusammengethan zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Wir bekämpfen sie auch hier, wenn wir auch Nicht einen Anttag auf namentliche Abstimmung wollen, um das Gesetz mcht zu gefährden Wir sehen davon ab, die Beschlußunfahigkeit fe st zustellen, um unseren Arbeitern das Gesetz zu Gute kommen zu lasse». . , .. i In dem Kampfe hatte die Regierung aber die Führung übernehmen müsien. sie hätte uns vorangehen sollen Was hat die Regierung statt besten aber gethan? Durch die Aufhebung des 2 des Icsi'itengesehes hat sie einen Keil getrieben in die Parteien, die sich zusammengethan haben gegen die Sozialdemokratie. Sodann hat sie daS Wahlgesetz eingebracht. (Lachen links.) Wir fürchten dies Gesetz dnrcharis nickit. die Wahl war langst geheim. daS neue Wahlgesetz wird überhaupt keinen sichtbaren Eindruck Hervorrufen. (Stürmisches Gelächter links.) Präsident Graf Ballestrem: Ich bitte Sie. den Redner nicht so oft zu unterbrechen, wenigstens nicht am letzten Tage. (Große mir erwartet haben. Ich habe stets danach getradjtet, die Würde des Reichstags zu wahren und seine Arbeiten zu fördern. Wenn mir das nicht immer gelungen fein sollte, so liegt das an der Unvollkommenheit der menschlichen Natur, aber nie daran, daß es mit an gutem Willen gefehlt hat. Ich habe bei jeder Gelegenheit, auch bei den schwierigsten Dingen, feine anderen Motive für mich gelten lassen, als sachliche, und ich habe immer so als Präsident gehandelt, wie ich es vor meinem Gewissen verantworten konnte. (Beifall.) Ich danke Ihnen vielmals und ich wünsche Ihnen auf Ihrem ferneren Lebensweg alles Gute und wünsche auch, daß die. die das Bestreben haben, wieder in diesem Saale zu erscheinen, wiederkommen. (Heiterkeit.) Noch einmal meinen herzlichsten Dank. Schmerzlich berührt hat c5 mich indeß, daß es der Vorredner war. der mir den Dank ausgesprochen hat, nicht weil er es war, ber sprach, sondern weil der, der sonst immer die Freundlichkeit hatte, den Tank auszusprechen, nicht unter unS ist. Unser verehrter Herr von Levetzow ist schwer erkrankt, und mit mir bedauern Sic es gewiß, daß er durch seine Krankheit verhindert war, in ber letzten Zeit hier zu erscheinen. (Zusttmrnung.) Wenn der Abg. von Normann mir seinen Dank ausgesprochen hat. so muß ich den größeren Theil des Dankes mit übertragen auf die Herren, die mich bei den Arbeiten im Bureau unterstützt haben, die Herren Vicepräsidenten und Schriftführer. Herr v. Normann ist ja selbst eine Zeit lang an meiner Seite als Schriftführer thätig gewesen. Auch den Quästoren gebührt Tank, sic arbeiten zwar gewissermaßen nur hinter den Kulissen (Heiterkeit), aber es ist doch ein sehr wichtiges Amt. Schließlich bitte ich noch, wenn wir jetzt auseinanber- achen. mit ein freundliches Andenken ßu bewahren. (Lebhafter Beifall.) Das Wort zur Verkündigung einer kaiserlichen Botschaft hat der Reichskanzler. , , , , Reichskanzler Graf Bülow: Ich habe dem hohen Hause eine allerhöchste Botschaft zu verkünden. Dieselbe lautet: ..Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher flauer und König von Preußen, thun kund und fügen hiermit zu wissen, daß wir unfern Reichskanzler Grafen Bülow ermächtigt haben, gemäß Artikel 12 der Verfassung die gegenwärtige -itzung des Reichstags in unserem und ber verbündeten Regierungen Namen am 30. April dieses Jahres zu schließen. Urkundlich unter unserer höchiteigcnhandigen Unter,chtift und beigefügtem Kaiserlichen Insicgel gegeben Bückeburg, den 20. April 1908. Wilhelm I. R." Parlamentarische Verhandlungen. j Nachdruck ebne Vereinbarung nicht »e fiellll. Deutscher Reichstag. BOI. Sitzung vom 30. April. n Uhr. Das Han? ist m ä big besetzt. Am BundesratHSlisch: Graf PosadowSky u. Die -wette Berathung des Krankenversicherung»- Gesetze» wird fortgesetzt mit der Abstimmung über den § 42 im ®°W^rim6flrn (Cft.): JK habe NamenS meiner Freunde zur Geschäftsordnung eine Erklärung abzugeben, welche möglicher Weise die Erledigung ber heutigen Tagesordnung wesentlich erleichtern wird. Ich habe den verehrten Herren anzukundigen, daß toir in ber brüten Lesung zu § 42 einen Anttag einbringen und auch mit unseren Stimmen unterstützen werden, wonach die Worte „grobe Pflichtverletzung" ersetzt werden sollen durch bic Worte „grobe Verletzung der Amt»pflicht in Bezug aus die Kassenführung". Einer näheren Begründung to Antrages enthalte ich mich, weil dies ,m Rahmen der Geschafts- ordniingSbemerkung nicht zulässig sein würde, ^ch mottvire daher auch nicht unser Vorgehen bezüglich dieses AnttageS. Ick habe fobann weiter zu erklären, daß wir in der dritten Lesung für den Fall, daß I von irgend einer anderen Seite bie © t r e i dj u n g be3 ^^fabl deS 8 42 (Dienstordnung für die flanenbeamten) beantragt werden sollte, einem solchen Anträge z u st i m me n wurden. (Lachen rechts) Auch diese- Vorgehen kann ich im Rahmen einer Gcschafts- ordnungsbemerkung nicht näher .erläutern ich bernerke nur. daß dieser zweite Schrttt geschieht mit Rücksicht auf die Geschäftslage 6,0 tog,,«W" (frelf. ®p.): Ich »erfennt nidtt bi, to» I meinende Absicht dcs Vorredners, muß unS aber für die Sukunst dagegen verwahren, daß mitten tn der Abstimmung solche Er- BI,SÄ ^L-m'?L^°"-7Lin w-ich-m^mm sich di- B-rhandlung ,ul-hi btftmb. D>- Di-Iussum -ck-r § 42 war geschlossen, bie Abstimmung über die einzelnen Absätze hatte fiattgefunbcn, ber Abg. Singer hatte beantragt, über ben ganzen k 42 namentlich abzustimmen. Dieser Anttag war genügenb untec* stützt Während ber namentlichen Abstimmung stellte sich Beschlußunfähigkeit deS Hauses heraus. Wir befinden unS daher gegen- wärtigbwieder €tabium bor Beginn der namentlichen Ab- (Schr richttgl links.) Staatssettetär Graf Posadowsttu Geaenüber den Ausführungen des Abg. Dr. Arendt stelle ich fest, daß wcnn der 8 42 in dieser Form angenommen wird, tote es letzt beabnchtigt ist, ledig- Abg. Dr. Arendt (fortfahrend): Wir hatten beim Zolltarif kaum bie Obstruktion niedergekämvft, da hätte die Regierung nicht mtt solchen Gesetzen kommen sollen. Die Regierung scheint sich ber Gefahr gar nickst bewußt zu fein, bie von ber Goualbemotrtitc droht Die Sozialbemok-atte ist keine Arbeiterpartei, sie ist eine revoluttonäre Partei. beShalb ist sie auch gegen ben Schutz ber nationalen Arbeit. (Lachen bei ben Sozialdemokraten.) Fragen Sie mir Herrn Iauresl Meine Freunbe können die Abänderungen zum 8 42 nicht annehmen, weil wir diesen Paragraphen für nothig halten. Die Krankenkassen haben einen Humanitären Charakter, die Sozialdemokraten wollen sie aber ihren Zwecken dienstbar machen. I um ihren Agitatoren Stellungen zu verschaften (Unruhe bei ben Sozialdemokraten.) Wenn bie Arbeiter darunter leiben, so verdanken sie bas nur ben Sozialbemokraten. A-der, der Sozialdemokraten wählt, ber gefährdet auch da» allgemeine Wahlrecht (Lachen bei den Sozialbemokraten). wer daher bas allgemeine Wahlrecht will, muß gegen bie Sozialdemokraten stimmen. (Beifall rechts) 6 Abg. Roesicke-Destau (freif. Vergg ): Ware der § 42 in der Fastung der Kommission verblieben, so hatte bas uns unsere Zustimmung zum Gesetz sehr erschwert. Gegen die Wahrung ber Interesten der Acrzte haben auch wir nichts einzuwenben. Nur hielten wir es nicht für zweckmäßig daß die Regelung bet Frage schon jetzt vorgenommen werde. Daß Herr Dr. 3renbt feine Drohung, das Gesetz zum Scheitern zu bringen, zum Sckiluß seiner Rede zurückgenommen hat. freut mich sehr. Der Nachrhcil des Scheiterns würde ja nicht auf bie ^lalbemokaten, lonbern mif bie Häupter feiner Freunde, ja mif alle Parteien m 11 A u s - nähme ber Sozialdemokraten (Sehr wahrI) fallen. Die Annahme ber Novelle in dieser Gestalt bedeutet nicht einen ^ieg ber I Sozialdemokratie, sondern einen Sieg des sozialen Fortschritte. erledigt, die Tagesordnung ist erschöpft. Präsident Graf Ballestrem: Ich darf annehmen, baß wir am Ende unserer Tagung stehen, der an Arbeiten und Mühen reichsten Legislattirperiobe bc5 Reichstag». (Der Präsident giebt hierauf die übliche Geschäftsübersicht.) Die Sozialdemokraten haben inzwischen ben Saal verlassen Abg. v. Normann (kons.): Wir haben gehört, daß wir am Sckstuste unserer arbeitsreichen Tagung stehen und damit auch am Schluß unserer geineinsamcn Arbeit. Während der ganzen Periode hat unser hochverehrter Präsident die Geschäfte deS HauseS geführt und bie Verhandlungen geleitet. Wir wistcn Alle, baß das oft nicht Icickt war, unb wir sind Alle voll von höchster Anerkennung und Dankbarkeit für bic große Geschaftskenntniß, für bie immer gleiche Unparteilichkeit unb bie Liebenswürdigkeit, mit der er stets seinem schweren Amte gerecht geworden ist. (Lebhafte Zusttmrnung.) Ich bin sicher, ich entspreche unserer Aller Wunsch, wenn ich in dieser Abschiedsstunde unserem hochverehrten Herrn Präsidenten unseren aufrichtigsten und herzlichsten Dank ausspreche. (Lebhafte Zu- sttmmung.) Präsident Graf Ballestrem: Ich danke dem verehrten Herrn Vorredner, ich danke aber auch ganz besonders Ihnen, die Sie seinen Worten zugestimmt haben Es ist mein Bemühen gewesen, daS Amt, das Sie mir anvertraut haben, stets so zu führen, wie Sie eS von zuzrifügen: t) gcs°rd-rt-n G-s-tzcickwuif zur gründlichen Scfcrm ÜcB »cfcM? «-»9« st-llt-n m der I. R-s°. I üch di- Vorlage der °-rMnd-t-n m-?i-rnng-n angenommen totü. Abg. f rim5)TSna?aebiIfen' zu streichen, da (Sehr richttgl) Die Absicht der verbündeten «Regierungen ging nie xtTtit® Mung (»nh-oq R°nl>, di- vant. Sic Entsetzung der «all.nbe-mlen bei -mdcr-n Pisicknocr d-r zw- I ^,^s,cher>mg -inb-zogen sind. !-tzung-n zu ermöglichen, "ls bei ,°lchen m Bezug au, d.- Kan-n- lOT8^"^Änü6er die «-s°.usi°n°u mied aus die 3. s^ng^unmmeg lml^nd °^E°Li» L ------------‘ siomMMon gemacht. °°n d-r Regierung also nicht »erlangt Morden. (Sehr richttgl) Es ist niemals unsere Pflicht gewesen. Äommii- fionsbeschlüste zu bertbcibipen. en Stadtverordneten eingehend erklärt wurde. Kurz vor der Schanzenstraße war man am Ziel und einer nach dem anderen unserer Stadtverordneten flieg hier wieder auf chwankender Letter an die Oberfläche, wobei man die Beobachtung machen konnte, welcher von den älteren Herren in der Jugend fleißig geturnt hat, denn diesen wurde das ungewohnte Leitersteigen am leichtesten, ja mancher von ihnen entwickette sogar dabei eine gewisse Eleganz. Ta man einmal zusammen war, wurde auf das gute Werden unserer Kanalisation noch ein gemeinsamer Schoppen im Hotel Schütz genommen. Man war sich einig, daß das chwierige Werk der Durchführung der Kanalisation für msere Stadt in guten Händen sich befindet, und daß bisher wohl jeder, der dabei tätig ist, voll und ganz seine Schuldigkeit getan hat, um ein Werk zu schaffen, welches unserer Stadt in jeder Beziehung zum Segen gereichen wird. Uebrigens wurde uns noch mitgeteilt, daß Gießen nach Fertigstellung der Kanalisation wohl die erste und einzige kanalisierte Stadt in Deutschland sein wird, welche eine Einrichtung in dieser Beziehung besitzt, die nicht einen einzigen sogenannten Notauslauf hat. ** Der hiesige Zweigverein des Allgem. Deutschen Sprachvereins hiett in vergangener Woche seine Hauptversammlung ab. Nach Anhörung des Kassenberichts erfolgte die Neuwahl des Vorstandes, die die Wiederwahl des seitherigen Vorstands ergab. Vorsitzender ist Geh. Hoftat Dr. Behaghel, Schriftführer Hauptmann Großmann, Stellvertreter des Schriftführers Professor Dr. Horn. Sodann hielt der Vorsitzende einen Vortrag über die Frage der deutschen Sprachakademie, die neuerdings wieder vielfach erörtert wird. Die Ansichten über die Ziele einer Sprachakademie gehen freilich weit auseinander: das zeigen die Antworten von Gelehrten und Schriftsteilem auf eine Umfrage, die eine literarische Zeitschrift vor kurzem veranstaltet hat. Der Redner toanbte ich mit Entschiedenheit gegen eine Akademie nach dem Muster der Academie franyaise, gegen eine Körver- chaft, die ohne Einblick in bas Sprachleben willkürliche Gesetze aufttellt. Dagegen tritt er ein für ein Sprachamt, das ohne Voreingenommenheit den tatsächlichen Sprachgebrauchs in all seinen Schwankungen feststellt und dann die Folgerungen aus den Tatsachen jedem einzelnen überläßt. Die wissenschaftliche Körperschaft, wie Behaghel vor- chlagt, würde der Allgemeinheit Ergebnisse von Forschungen übermitteln, die über die Kräfte eines einzelnen hinausgehen. Es sind zahlreiche und wichttge Aufgaben, die noch der Lösung harren. Die vorhandenen Akademien der Wissenschaften haben die deutsche Sprachwissenschaft ast gar nicht gepflegt. Wenn diese Akademren nicht selber an die großen Fragen der deutschen Sprachwissenschaft herantreteu wollen, so muß eine besondere Reichs an statt für deutsche Sprache die Arbett in die Hand nehmen. An den Vortrag schloß sich eine anregende Be- prechung einiger Fragen des Sprachgebrauchs an. Bei neser Gelegenheit trat es wieder klar zu tage, wie wünschenswert ein Sprachamt wäre, denn ohne ausgedehnte Erhebungen über den tatsächlichen Sprachgebrauch kann man keine Regeln aufstellen. ** An Blutvergiftung starb der 52 Jahre alte Bahnbedienstete Balser. In der Werkstätte tätig, flog ihm ein Messingfunke beim Schmieden an den Hals, was wenig beachtet wurde. Ostern reiste B. noch nach Köln zu seinem Sohn. Dort schwoll die verletzte Stelle an, es trat Blutvergiftung ein, an der B. am Sonntag verstarb. Der treue und gewissenhafte Beamte wurde vorgestern unter großer Beteiligung zur letzten Ruhe gebettet. Daß sie in Dors und Städten, So grimmig aus mich sah'n? Von jedem bummen Junge», Der klettert auf den Parnaß, Werd' ich gewiß besungen, Und weiß doch nicht, um waSk Ich wollt' es feit langen Zeiten Verhindern mit Gewalt, Und zeigte mich drum den Leuten Beständig naß und kalt. Ich ließ von meinen Reizen Nicht das geringste seh'n; Ost mußte man noch Heizen Und schier in Pelzen gehn. Und doch — ist's nicht erschütternd? — Ward nimmer ich verschont, Sie nannten, vor Kälte zitternd, Mich noch den Wonnemond. O, widerlicher Schwürdel! Rian höhnt sie ins Gesicht, Man maltraUrrt das Gesindel Und sie — sie fühlens nicht l* Hoffentlich macht dieStnal aber der Mai gut, roaS der April bis zu seinen letzten Tagen versäumte. _ ^Maria von Magdala" wurde am Mittwoch in Frankfurt a. M. trefflich rezitiert und feffelte das Publikum sehr, besonders der zweite Akt übte eine bedeutende Wirkung aus. Madrid, 30. April. In der heutigen Schlußsitzung des Aerzte-Kongresses wurde Lissabon als nächster Kongreßort gewählt. ♦* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Georg Lamberth in Gießen zum Lehrschmied bei dem Tierspttal der LandessiUniversität mit Wirkung vom 1. Mai 1903 an ernannt. ** In dem tiefsten Bauwerk der Stadt Gießen. Gestern nachmittag gegen 6 Uhr versammelten sich die Stadtverordneten auf der Brücke an der Kreuzung der Bahnhofstraße über die Wieseck, um von hier aus eine Wanderung tief unter der Eüds in einem Dell des fertig- gestellten Siels der Kanalisation auzutreten. Ehe man aber mittels einer langen Leiter in die Tiefe hinabstieg, verbreitete sich der Letter des städtischen Tiefbauamts, Ingenieur Braubach, über die Anlage, indem er einleitend ausführte, daß für die Kanalisation das Beste gut genug fei und daß es falsch wäre, bet einer solchen Anlage sparen zu wollen, weil sich dieses mit der Zett bitter rächchi würde. Unsere Kanalisation würde so ausgeführt, daß spätere größere Reparaturen daran von vornherein hintenan ae- jjalten würden. Herr Braubach wies darauf hin, daß die Sohle des Siels hohl sei und so als Ableitung für das Grundwasser diene, welches sich durchs die Kanalisation, wie überall, wo man kanalisiert, gesenkt habe, sodaß damtt die tiefer ttegenden Keller vorn Grundwasser nicht mehr zu leiden haben würden. Es wurde bann die unter der Wieseck bergestellte Dückeranlage erklärt und dabei die Berficheriuig abgegeben, daß dieselbe tadellos im Betrieb ihre Schuldigkeit tun werde. Interessant war die Mitteilung darüber, wie man so lange Zeit an der Kreuzung der Westanlage und Bahnhofstraße habe bauen müssen. Hier mußte man den Schoorgraben mittels gemauerter Dückeranlage unter dem Siel der Kanalisation durchletten, eine Arbeit, die ungeheuer kompliziert und schwierig war und zwar umsomehr, weil man gleichzeitig die Einrichtung traf, diesen TÜcker so einzurichten, daß man mittels eines eisernen Verschlusses das Wasser des Schoorgrabens in dem Abfallschacht soweit flauen kann, daß dieses Wasser als lieber- lauf in das Siel läuft und fo mit fortgenommen wird. Man hofft damit z. B. bei Hochwasser der Lahn, bei welchem heute das Wasser des Schporgrabens durch die an der Stadtmädchenschule befindliche Pumpenanlage zur Lahn geschafft würde, die Tätigkeit dieses Pumpwerkes auf ein Minimum zu befchrünken, event. es entbehrlich zu machen oder nur noch als Reserve zur Benutzung berett zu halten. Nach den Mitteilungen sind bisher im ganzen 915 Meter gemauerter \ianal fertiggestellt und jetzt werden pro Woche davon 40 bis 50 Meter geschaffen. Bon den Cementrvhren liegen bereits 2275 Dieter, während 400 Meter Thonröhren verlegt wurden. Hierzu kommen noch 1500 Dieter Rohre, die zur Entwässerung rc. der Siechenanstalt dienen und ebenfalls unter Leitung des Tiefbauamtes verlegt wurden. Ingenieur Braubach verwies darauf, daß der Baugrund für die Kanalisation leider an vielen Stellen schlechter sei als man erwartet habe, und daß daher die Baugrube verhältnismäßig recht tief hergestellt werden müsse, um auf gewachsenem Boden durch gestampften Kc.s c erst sicheres Fundament herzustellen, auf dem das Siel zu ruhen oder die Rohre zu liegen kommen. Tiefer Umstand sei besonders daran Schuld, daß die Wrbeüen an eben solchen Stellen mit chlect'tem Baugrund nur langsam voranschritten. Hierzu komme noch, daß da, wo die getrennte Kanalisation angewendet sei, (wie z. B. augenblicklich in der Walttor- straße), d h. eine Regenwasser und eine Fäkalienlettung in einer Straße zu liegen komme, diese beiden Leitungen nickt zu gleicher Zeit nebeneinander verlegt werden könnten. Es liege dies daran, daß der Regenwasserkanal seine tieffte Lage an seiner Mündung, nämlich am Schoorgraben habe, und man von dort aus die Verlegung der Röhren beginnen müsse. Der Kanal für die Fäkalien aber führe entgegengesetzt in das gemauerte Siel, und habe dort seine tieffte Stelle, weshalb die Verlegung dieser Rohrleitung auch von hier aus begonnen werden mußte. Es lasse sich, so wurde versichert, diese Arbrnt nicht anders madjen und der Laie dürfe sich daher nicht wundern, daß in einer Straße ein doppelter Aufbruch vor- genommen werde, den die Bauleitung gewiß gern vermeiden würde, wenn es sich tun ließe. Betreffs des gemauerten Kanals wird bemerkt, daß er in dem Teil, den man aus eigener Ansck>auung heute kennen lernen werde, 1,95 Meter hoch und 1,56 Meter breit sei, so daß man ihn ungehindert passieren könne. An der tiefsten Stelle der Stadt, am tiefen Weg, liege das Siel immer noch 1V2 Meter unter dem Niveau der Straße. Allerdings nehme die Höhe und Breite des Sieles, je mehr es dem Ende zugehe, immer mefyr cck; schon von der Neustadt unter dem Stadtbach am Gisindahn Zeitung. -i- Butzbach-Li ch, 30. April. Vorige Woche haben an dem Bahubau die Erdarbeiten bei Treis Münzenberg begonnen. Tie beiden Pfeiler, die zur Ueberbrückung der Wetter bei Hofgitt Colnhausen nötig find, sind soweit fertiggestellt. ' Bei diesen Fortschrttten steht zu hassen, daß die Bahn dennoch bis zum 1. Oktober d. I. fertig werde, was denn auch namenttich von der Landwirtschaft treibenden Bevölkerung der von der Bahn durchschnittenen Gegend sehnlichst gewünscht wird. Ta außer Getreide auch Zuckerrüben und Kartoffeln in großen Mengen angebaut werden, die doch meistens im Spätherbst verfrachtet werden, so würden dem Versand durch Fertigstellung der Bahn bis zu obigem Termin ungeheure Vorteile erwachsen, da alsdann stundenweite Fahrten bis zu den jetzigen Stationen Lich und Butzbach wegfielen. Tie Grundbefitzer, die das Gelände dazu stellen mußten, machen keine Schwierigkeiten. Nur die Besitzer der Stadt Lich, mit Ausnahme des Fürst!. Hauses, sind noch nicht recht für den baldigen Verkauf ihrer Grundstücke zu haben. Hoffentlich besinnt man sich in diesen Kreisen noch eines besseren. .Mehr Regen als Sonne, Mehr Leid als Wonne Und der gestrengen Herti»», die Jeder kennt, Kurzes, doch hartes Regiment — So »st man's von je an mir gewohnt; Drum heiß' ich tn Deutschland: Ter Wonnemond*. Heinrich Heines Lied vom .wunderschönen Monat Mai" vor 25 Jahren Friedrich Stoltze, der Frankfutter Humorist, Mrche und Schule. Trier, 30. April. Die paritätische Töchterschule mit Seminar hatte mit 481 Schülerinnen gegen 485 im vorigen Jahre einen Abgang von 24 Katholiken und eine Zunahme von 16 Protestantinnen zu verzeichnen. Der Schulstreit hat hiernach die auf bischöflicher Seite gehegte Ermattung nicht erfüllt. Airs Stadt und Land. Gießen, 1. Mai 1903. parodiett: .Im wunderschönen Monat Mai, Da alle Knospen sprangen, Da hab ich meinen Ofen neu Zu heizen angefangen/ Auch das Volkslied ,$Benn’§ Mailiifterl weht' hat eine Umdichtung erfahren: -Wenn's Mailusterl weht Giebts wiederum Schnee. Tie Blümerl erfrier'»» b'rauS Im Wald auf der Höh. Und d' Vögerl, die g'sung'n hab'n So schön im April, Krieg'»» Froslbeul'n im Kröpferi Und wer'n mäuseristill!" — Rudolf Löwenstein mißt den lobhudelnden Poeten die Schuld bei für die Unfreundlichkeit des Mai. Er läßt den Mai entrüstet schelten: .Tie Malesizpoeten! Was hab' ich ihnen getan,