Miln 25 Wt, 177 Zweites Blatt. LSI. Jahrgang. *«**tt. 76 9U bnr^Ä Hamtt* 9^tiM*,enwNtte» trat Mittwoch 81. Juli 1901 Ml. 1« »ha« BtstcT^G. tiigjtitr* tu »»Art« 10 Wfl. Ndrrfie für Depesche», Anzeiger Sirtzr». FernfprechanschiuH Ät. 6*. GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Giesten 58.8 Mk. auf 1 Hektar 1 15.4 , W Hebet die neuen Papierzölle sind in der Oeffent- lichkeit Irrtümer verbreitet. In mancher Zeitung wird hervorgehoben, daß die Forderungen der Papierindustrie nach Zollverstärksng, ganz besonders nach Zollerhöhung auf Druck- Papier, unerfüllt geblieben feien. Nun beträgt der jetzige Vertragszoll auf Druck-, Schreib«, Lösch, und Seidevpapier aller Art, sowie zu Rechnungen, Etiketten, Frachtbriefen, Devisen u. s, w. vorgerichtetes Papier 6 Mk. Der neue Tarif erhöht diesen den Vertragsländern gewährten Satz um 4 Mk., auf 10 Mk. Andererseits wird die Papier industrie von dem neuen Tarif dadurch ungünstiger gestellt, indem ihr das „Halbzeug-, Holzschliff und Cellulose, beim Bezug vom Ausland um 25 Proz. im Zoll verteuert wird. Allerdings mag die deutsche Cellulose Industrie diese Zoll» erhöhungen zu schätzen wissen. Mehrfach find auch Cellulose und Papierfabriken vereinigt. e «. * Noch eine Frage. Ist die neue Einteilung des Zolltarifs der jetzt im Gebrauch befindlichen vorzuziehen? Der neue Tarif ist, im Interesse eines möglichst ausgedehnten Zollschutzes für die einheimische Gütererzeugung, außer, ordentlich zergliedert, er ist systematisch, man kann sagen, wissenschaftlich exakt, logisch-kurz, er hat manche löbliche (Eigen. Es wäre auch nicht zu verstehen, wenn die Mehrheit unseres Volkes sich für Erhöhung der Getreidezölle erwärmen sollte, deren preisbildende Wirkung hauptsächlich nur einer .......I'_ ’ 2 'A von Großproduzenten zugut r y % käme. Uns liegt das Interesse für die breite Schicht der 'LflCn la.ndw. Betriebe näher, welche — wie es überwiegend auch i N11 m Großherzogtum Hessen der Fall ist — vorzugsweise in rtabO dec Viehzucht und Gewinnung landwirtschaftlicher Neben, i? öttt ^^dukte stehen. Für diese ist ein Vorteil aus der Erhöhung Zur AtchUfe der Futter' uud Wtrtschafisuot. Mittheilung der Ackerbau-Abteilung durch Geh. Regierung-. rat Professor Dr. Orth. IL Eine der wichtigsten Aufgaben kommt naturgemäß dem Feldbau zu, um im Laufe des Jahres nach! Möglichkeit noch diejenigen Pflanzenmassen zu erzeugen, welche zur Sicherung des Wirtschaftsbetriebes und zur Erhaltung des Viehstandes erforderlich sind. Bei der Verlustgefahr, der neue Aussaaten in trockner Zeit ausgesetzt sind, wird dabei die Billigkeit der Aussaat besonders berücksichtigt werden müssen.*) Was zunächst den für Massenerzeugung so wichtigen Hackfruchtbau betrifft, so ist -zu hoffen, daß die starren Kartoffelbau treibenden Güter auch in der Futtergewinnung gesichert sein werden, wie es in dem trocknen Jahre 1892 in so hervorragender Weise der Fall gewesen ist. Die Kartoffel zeigt in solchen Notjahren ihre großartige ßeiffc ungsfähigkeit, wie sie ja infolge der Hungerjahre 1770/71 überhaupt erst eine größere Beachtung in Deutschland- gefunden hat. Eine wichtige Hackfrucht, besonders für milde Bodenarten, ist die Wasserrübe, Brachrübe oder Stoppelrübe, wovon jene gegenwärtig noch passende Aussaatzeit hat, die letztere möglichst bald nach dem Umbrechen der Stoppel ausgesät werden must Die Brachrübe (englisch turnips), auf kräftiges Land- in 40—50 Zentimeter Reihenentfernung gedrillt, und auf 25—30 Zentimeter Entfernung verzogen, kann durch reiche Düngung und Hackarbeit zu erheblichen Erträgen gebracht werden und die Herbstz- und Winterfütterung bis Neujahr ganz wesentlich unterstützen. Diej Unkosten für den Samen (2 Kilogramm auf 1 Hektar, 100 Kilogramm engl. Turnips 170 Mk. gleich 3,40 Mk- für 1 Hektar) sind als mäßig zu bezeichnen. Stoppelrüben erfordern bei stärkerer breitwürfiger Saat 3 Kilogramm, also bei einem Preise von 120 Mk. für 100 Kilogramm, 3,60 Mk. Unkosten auf 1 Hektar und geben nur den halben Ertrag wie die Brachrüben, sie werden in diesem Jahre namentlich in wärmeren Gegenden und bei der frühen Ernte des Getreides ebenfalls vielfach in Frage kommen müssen. Unter den Gemengsaaten ist für leichten Boden zur Herbst- und nachfolgenden Frühjahrsnutzung Johannisroggen mit zottiger Wicke zu baldiger Aussaat sehr zu empfehlen, leider ist der Samen der zottigen Wicke zur Zeit in hohem Preise. Die Aussaat kostet für 140 Kilogramm auf 1 Hektar (einhalb zottige Wicke, einhalb Jo- lunerläffifltf 2> ieost«ä-chn auf jo fort ßtfuit. bereS Uaft. Aber sür d-u Verkehr praktischer, Übersicht- llcher dürfte doch wohl die Anordnung des alten Tarifs f’J' ®e£. al!re Tarif beruht auf dem Prinzip der alpha- betlscheu EmteUung der Warengruppen; er beginnt mit der Rubrik „Abfälle- und schließt mit „Sim“. Man findet sich mtt Lelchtlgkeit in dem Tarif zurecht. Alle Welt hat sich an diese Form gewöhnt. Der neue Tarif mit seiner gänzlich veränderten Anordnung wird zu vielen Verwirrungen und Irrungen Anlaß geben. Bis ein solches System erst allgemein erfaßt ist, währt es längere Zeit. Eben weil der neue Tarif so zahlreiche «enderungen der Zollsätze enthält, würden diese Aender-- ungen am ehesten klar geworden sein durch Zugrundelegung der bekannten und vertrauten Anordnung. Es find mehrere Entwürfe zum Zolltarifschema ausgearbeitet worden. Man könnte immerhin versuchen, ob sich nicht unter Benutzung der jetzigen Tarif-Form der neue Tarif gewissermaßen in den alten hineinarbeiten läßt. Ferner würde eine amtliche tabellarische Ueberficht für Industrie, Landwirtschaft, Handel, Reichstag usw. zweckmäßig fein, worin zusammengeftellt sind: die zollfreien, die unverändert gebliebenen, die erhöhten, die ermäßigten und die neu hinzukommenden Positionen. In dem jetzt vorliegenden, komplizierten Tarifentwurf werden nur Wenige sich zurechtfinden. hnjertt ich her WmMeti . August 1901 on der Wl MM IL |t. 111 mrg'schm Terrasse, ad'schw Sartm.Stestaurim 16 M. 2.—, AlllelHamKack ien letzten Sonntag 60 Pfg. des Gewerbevereivs. >? A35 * S;Ss* 6 Miw ■"»SJ.«!,!“! b lucht, o as»Z. 8'60’ 8.80 M. 35> 70, 90 Psz. 1*85 U *1120,«,6«» -aw dämm Kurz., M' u”b ?6 hannisroggen) 70 KUogr. zottige Wicke, ICO Kilogr. 84 Mk. 70 „ JohanniSroggm, 100 „ 22 „ 60, Der Zolltarif-Entwurf. Ans industriellen Kreisen unserer Stadt erhalten wir folgende Zuschrift: „Die Ihrer Berichterstattung in Nr. 175 d. Bl. angefügte Betrachtung und Schlußfolgerung kann nicht unwidersprochen bleiben. Ich gestatte mir dazu nachstehende Widerlegung und darf einer gefälligen Aufnahme derselben in Ihrem geschätzten Blatte — audiatur et altera pars — wohl entgegensetzen. Die Beibehaltung des seither von den verschiedensten Seiten mit Erfolg so scharf bekämpften Maximal- und Mini- mal-TarifS für Getreide ist insofern bedeutsam, als dies Zugeständnis an die Agrarier Zeugnis ablegt von deren dominierendem Einfluß im Preußischen Ministerium. Diese Tarife können ohne Nachteil nur von einem Lande angewandt werden, welches unter hohem Zollschutz seine Industrien erst zur Entwickelung gelangen lassen will und dessen Ausfuhr Überwiegend aus Waren besteht, welche der Weltmarkt aufnimmt, für die nicht ein bestimmtes Absatzgebiet zu erobern ist. Für Deutschland mit seiner hochentwickelten, täglich mehr anschwellenden Industrie, für welche stets neue Absatzgebiete erschlossen werden müssen, trifft diese Voraussetzung nicht zu: DaS System der Maximal- und Minimal- Tarife stellt die Handelsbeziehungen zweier Länder vor die einfache Entscheidung „Annehmen oder Ablehnen- «nd macht Verhandlungen von vornherein unmöglich. Es ist in der That unbegreiflich, wie sich die Reichsregierung felbst solche Fessel Anlegen, ihre Aktionsfreiheit beschränken «nd damit den Erfolg ihrer Tarifoerhandlungen mit den Vertragsstaaten in Frage stellen kann. Dem Maximal- und Minimaltarif wird darum auch wohl durch die weisere Erkenntnis der Übrigen Regierungen im Bundesrat ein stilles Begräbnis Vorbehalten sein. Aus der gegenwärtigen Zusammensetzung des Reichstags und der seitherigen Stellungnahme seiner Fraktionen läßt sich nicht folgern, daß die Majorität des deutschen Volkes für diesen erhöhten Schutz der Landwirtschaft wäre. Fände unter der vorliegenden Parole eine Neuwahl dieser Körperschaft statt, dann würde eine Berufung auf die ausschlaggebenden Fraktionen zutreffender sein, alsdann aber voraussichtlich ein völlig verändertes Bild zu Gunsten verständnisvollerer Hütung der BolkSwohlfahrt und damit Förderung unserer Handelsvertrags-Politik sich ergeben. Aber auch an den heutigen Gruppen dürften die zu erwartenden VolkSkundgebungen nicht spurlos vorübergehen, selbst die einheitliche Haltung des sonst so gut disziplinierten Zentrums erschüttern. Als Boranzeichen läßt sich schon jetzt auf katholische Arbe-itervereine verweisen, welche auf einmal angesichts der drohenden Verteuerung der Lebensmittel rebellisch werden und jüngst in einer Protestversammlung zn Iserlohn ihrem Abgeordneten die fernere Gefolgschaft kündigten, falls er für die Getreidezollerhöhung eintrete. Als Menetekel sollten sich unsere Regierungen daS Ergebnis der Reichstagswahlen in Memel und Duisburg dienen lassen. — Die große Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen, namentlich in letzterem Wahlkreise, der Hochburg des schutzzöllnerischen Bundes der Industriellen, giebt unzweifelhaft zu erkennen, welch' wirksames, selten versagendes Agitationsmittel der Sozialdemokratie durch die Bevorzugung von Sonderintereffen überliefert worden ist. Auch die Berufung auf die Haltung der nationalliberalen Fraktion dürfte versagen. Sie zählt in ihren Reihen namhafte, sehr verständisvolle Angehörige der Industrie; auch sie kann sich ferner der Bolksmeinung, wie sie schon heute — selbst in ihren eigenen Organen — zum Ausdruck gelangt, nicht verschließen und wird zum überwiegend größeren Teil im gegnerischen Lager zu finden fein. Be zeichnend hierfür ist besonders die Stellung des „Leipz. Tageblatts", welches durch die Zollvorlage wohl zum ersten male sich im Widerspruch mit feiner Regierung befindet. Da- Blatt schreibt, daß eine Zustimmung der sächsischen Regierung zu solchen Getreidezollerhöhungen einigermaßen im Gegensatz stehen würde „zu den weit größeren Jutereffen der sächsischen Industrie und des Handels, welche die bedenklichsten Schädigungen zu gewärtigen hätten.- Die weiteren Zollerhöhungen für Vieh, Geflügel, Wurst, Butter „mit der daraus zweifellos zu erwartenden bedeutenden Steigerung der Lebensmittelpreise wollen u. E. augenblicklich recht schlecht zu den in Sachsen bestehenden wirtschaftlichen Verhältnissen paffen: Arbeiterentlassungen uud in Aussicht stehende Lebensmittelverteuerungen! Und doch ist es gut, daß gerade jetzt diese Sätze bekannt werden, da so am besten die agrarische Gefahr beleuchtet wird und die bedrohten Kreise sich zu einem Kampfe gegen das rücksichtslose Agrariertum auf- raffen." der Futtermittel nicht ersichtlich, dagegen würden sie sich bei einem weiteren Niedergang der Industrien ihrer besten Abnehmer beraubt sehen.- △ * * So die Zuschrift an uns. Es giebt noch manchen Zollsatz im neuen Tarif, der in Gewerbe und Industrie von der einen Seite begrüßt, von der anderen Seite bekämpft werden wird. Im Gartenbaugewerbe, wo sich Schjutzzöllner und Freihändler gegenüberstehen, haben die elfteren nicht die erhoffte Berücksichstig- ung gefunden. Blumen und Gemüse sind sreigeblieben. — Bei dem Jnteressenten-Widerstreit zwischen der Soda- und der Seifen-Jndustrie und den übrigen Soda verbrauchenden Industrien ist die Soda-Industrie unterlegen mit ihren Vorstellungen, daß die englische Konkurrenz eine Herabsetzung der Soda-Zölle bedenklich erscheinen lasse. Die Seifen- Jndustrie re. hatten dem entgegen' sogar zur Aufhebung dieser Zölle geraten. Resultat im Zolltarifentwurf: Ermäßigung des Zollsatzes auf rohe, auch krystallisierte Soda von 1.50 Mk. auf 0.90 Mk., und der kalzinierten Soda von 2.50 Mk. auf 1.50 Mk. — Eine wesentliche Zollerhöhung haben die Stahlfeder-Fabrikanten durchgesetzt, nämlich von 60 Mk. auf 96 Mk. pro Doppelzentner. Die Zollerhöhung wurde besonders von den sächsischen Fabrikanten befürwortet wegen der starken englischen Konkurrenz in diesem Artikel. Stahlfederfabriken in anderen Bezirken wieder nehmen den Standpunkt ein, die Zollerhöhung sei überflüssig, die Birmingham-Feder vorläufig unerreichbar. Händlerkreise, die vielfache das englische Fabrikat mit deut« scher Aufschrift beziehen, schlossen sich dem Einspruch an. Die Regierung hat wohl hauptsächlich die Beschränkung des englischen, neuerdings auch! des französischen, Fabrikats „unter deutscher Flagge" im Auge, zumal deutsche Federn in diese Länder kaum abgesetzt werden können (Jahresbericht der Leipziger Handelskammer). — Die deutsche Fahrrad-Industrie, die einen mehr als sechsfachen Zollsatz gegen jetzt auf Fahrräder und bearbeitete Fahrrad-Teile im neuen Taris-Entwurf erhält, hatte zwar nicht im eigenen Lager, aber in mehreren Handelskammern, so Nürnberg und Hildesheim, Gegner der Zollerhöhung. Auch die Fahrrad-Händler verhielten sich großenteils ablehnend. Andere Handelskammern und namentlich der „Bund der Industriellen" unterstützten die Verstärkung des Schutzzolles. Ein harter Kampf dürste zwischen den landwirtschastl. Interessenten und Industriellen über den neu eingefuhrten Que- brachoholzzoll (2Mk.) entbrennen. Dieser von Eich§enschälwald- ungs-Besitzern verlangte Zoll war bisher von oer Regierung stets verworsen worden, um der deutschen Leder- Industrie den Bedars an Gerbstoff nicht zu verteuern. Deutschland vermöge, so äußerten sich wiederholt Mitglieder der Regierung, den Bedarf an Gerbstoffen nicht zu decken, ebensowenig wie den Bedarf an Wolle. Bei den Gerste- und Hopsenzoll-Erhöhungen geraten Landwirtschaft und Braugewerbe hart aneinander. Aus dem Wollzoll ist nichts geworden; Wolle soll auch! nach dem neuen Tarifentwurf zollfrei bleiben. Aber zweifellos wird bei den Reichstagsverhandlungen von den Vertretern der Landwirtschaft die Wollzoll-Forderung aufs neue lebhaft geltend gemacht werden. Man sieht an diesen Beispielen, wie viele Schwierigkeiten der Zolltarifentwurf zu überwinden hat, wie in ein und derselben Branche, oder in verwandten, aufeinander angewiesenen Branchen die Ansichten über Zollschutz, das Maß dieses Schutzes, oder Zollfreiheit ausein- andergehen. Die erregten Proteste des Auslandes, Drohungen mit Vergeltungsmaßregeln gegen die Schutzzoll-Verstärkung machen das Durcheinander vollständig. Es giebt noch viel heißte Arbeit zu den Handelsverträgen, die in erster Linie wohl die Handelskammern auf sich nehmen werden. Die Gießener Handelskammer wird in der nächsten Woche eine Sitzung abhalten, in der beraten werden soll, in welcher Weise am wirksamsten der Kampf gegen die neuen Getreidezolltarifsätze aufzunehmen und durchzuführen ist. Jedenfalls werden die Handelskammern benachbarter Städte gemeinsam vorgehen, und in Wort und Schrift eine Bewegung Hervorrufen, wie zurzeit der sogenannten Zuchthausvorlage, des preußischen Volksschulgesetzentwurfes, der Lex Heinze usw. Eine Zeit frischen, fröhlichen, verjüngenden Kampfes steht uns bevor. SSSeS** zusammen 74.2 Mk. auf 1 Hektar Es werden deshalb vielleicht auf leichteren sandigen Bodenarten Pelluschken-Erbse (Sanderbse) im Gemenge mit Sommerroggen, auf Lehm- und Thonboden Wickhafer vielfach wegen ihres wesentlich billigeren Preises einzutreten haben, und bei baldiger Aussaat können dieselben bei günstigem Wetter noch in diesem Jahre einen Ertrag abwerfen. An Aussaatkosten ist dafür noch nicht die Hälfte des Preises von Johannisroggen—Zottige Wicke in Ansatz zu bringen. Doch sind diese Saaten so bekannt, daß darauf nicht weiter eingegangen zu werden braucht. Unter den Gemengesaaten kann auch zu früher Frühjahrsnutzung die nicht zu späte Herbst-Aussaat von 1 einhalb bis 2 Hektoliter Staudenroggen mit 6—8 Kilogramm Winterraps oder Winterrübsen in kräftiger Düngung in Frage kommen. Von Blattfrüchten würde auf freiem Land bei chwerem Boden die gewöhnliche Wicke noch mit Erfolg, ruf leichtem Boden vielleicht auch noch Serradella ausge- ät werden können. Der Preis der Wicke ist nicht erhöht und genug Samen davon vorhanden. Weniger ist dies *) Anmerkung. Tie nachstehend angegebenen Preise ind von der Saatstelle der T. L. G. mitgeteilt worden. Dieselben sind je nach Nachfrage wechselnd und nicht lir längere Zeit vorauszusagen. Bei manchen Sämereien st auch der Vorrat nicht groß. Um so mehr wird es nötig ein, daß jeder für seinen Bedarf bald Deckung sucht. j-wsB-5 tVj o.&Oe-A' MiterM •wM06 ... . . ' auf . so-llte, deren preisbildende Wi tfUflrßW verhältnismäßig kleinen Zahl 1 --v, käme. Uns liegt das Untere। Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. ** Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 13, ausgegeben am 27. Juli 1901, enthält: Eine Ueberficht der vom Ministerium des Innern für daS Etatsjahr 1901/02 genehmigten Umlagert der Kommunalbedürfuifse in den Gemeinden der Kreise Alsfeld, Bensheim und Bingen. Entlassung. Der Stationsassistent bei der Main« Neckar-Eisenbahn Johannes Wolf zu Eberstadt wurde seines Dienstes entlassen. ? Lollar, 29. Juli. DaS Sägewerk zu Staufenberg hat heute den Betrieb eingestellt. Der Besitzer, Zimmermeister Heinrich Geißler, ist seit dem 24. ds. MtS. verreist und soll bis heute noch nicht wieder zurückge- kehrr sein. d. Hattenrod b. Reiskirchen, 28. Juli. Unser neues Schulgebäude, das im Frühjahr begonnen wurde, ist bereits im Rohbau vollendet. Der innere Ausbau wird wahrscheinlich erst im nächsten Frühjahr erfolgen. Der Neubau enthält nur einen Schulsaal. Der bisherige Schulsaal wird zur Vergrößerung der Lehrerwohuung verwendet werden. k- Ober-Seemen, 29. Juli. Am 9., 10. und 11. August findet hier die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Zu der Festlichkeit ist ein reiches Pro- gramm aufgestellt worden. Am 9. August findet um 1 Uhr «bschiedsgottesdieust in der alten Synagoge statt. Dann stellt fich ein Fefizng auf, der fich zur neuen Synagoge be- giebt. Dort erfolgt die Ueberreichung des Schlüffels und Nichtjuden ausMicßeu, und daraus war cs in früheren feiten abgesehen, besonders mit den spmsegcscheu, was im Talmud deutlich ausgesprochen ist (Traet, «-abb^ l<, bh Eine neue Zeit ist mit Gott gekommen, xie Gegenwart bringt den Israeliten in tausendfache Beziehung zur nicht- israelitischen Seit. Wer wollte sich dessen nicht freuen. Annäherung der Menschen und Völker rst die Devye der Zeit . Politische Tagesschau. " Ter Reichskanzler wird vora^sichtlich im Laufe des August für die nächste dreijährige Srtzungsperrode des. Kolonialrats eine Neuernennung vonMrtglredern vollziehen. Man darf gespannt sein, ob unter den vom Kolonialdirektor in Vorschlag zu bringenden Herren Vorzugs- weise Parlamentarier sich befinden werden. She Glicht der Regierung soll ja- dahin gehen, durch starrere Heranziehung von Mitgliedern des Reichstags gennslerma^n eine Lücke zu gewinnen für die Verhandlungen rm Kolonialrat und Parlament. Tas Vorschlagsrecht der großen kolonialen Gesellschafter! scheint in dem, bisherigen Um> fange beibehalten werden zu sollen, sodaß alles in^vliem eine Verringerung der Mitgliederzahl des Kvlonialrats^ nicht in Frage kommen dürfte. Gegenwärtig ftnd 34 Mandate ür dieses „Vorparlament" vergeben, eme Besetzung, die )on einigen Seiten als zu umfangreich angesehen wird, da ’ie der lediglich begutachtenden Körperichaft eme gewftst Schwerfälligkeit zu Perlechen geeignet sei. Ursprünglich zählte der Kolonialrat auch nur 20 Mitglieder. ^^J^rger Parlamentarier gehört ihm zurzeit der Zentrumsabgeordnete Tr. Porsch (Breslau) an, der aber kein Reichstagsmandat, sondern ein solches zum preußischen Landtag besitzt. _________ Stechlin, ein Roman des feinsinnigen Th e o do r Fo n- tane, enthält ein kleines, eigenartig herausciseliertes Denkmal für den Fürsten Chlodwig Hohenlohe. Zwei Herren, ein streberhaft veranlagter Assessor v. Rex und ein Garde-Hauptmann v. Czako reiten durch Brandenburger Land, w olbei Cremmen em Hohenlohedenkmal steht. Und dabei entspinnt sich zwischen ihnen folgendes Zwiegespräch: , Gott, Rex, wie Sie sich wieder irren. Ich habe nichts gegen die einen, und ich habe nichts gegen die andern. Alles, was ich von Wallfahrten gelesen habe, hat Mich immer nur wünschen lassen, mal mit dabei zu sem. Und ad vocem der Hohenlohes, so kann Ihnen nur sagen, für die hab ich sogar lvas übrig, in meinem Herzen, viel, viel mehr als für unser eigentliches Landesgewächs. Oder wenn Sie wollen, für unsere Autochthonen." „Und das meinen Sie ganz ernsthaft?" „Ganz ernsthaft. Und wir wollen mal fünf Minuten wie vernünftige Leute darüber reden. Wenn ich sage „wir", so meine ich natürlich mich. Denn Sie sprechen immer vernünftig. Vielleicht ein bischen zu sehr." Rex lächelte: „Nun gut, ich wills Ihnen glcmben. „Also die Hohenlohes", fuhr Czako fort. „Ja, wie steht es damit? Wie liegt da die Sache? Da kommt hier so anno domini ein Burggraf ins Land, und das Land will ihn nicht, und er muß sich alles erobern, die Städte beinah und die Schlösser gewiß. Uiid die Herzen natürlich erst recht. Und der Kaiser sitzt mal wieder weitab und kann ihm nicht helfen. Und da hat nun dieser Nürnberger Burggraf, wenns hoch kommt, ein Dntzend Menschen um sich, schwäbische Leute, die mit ihm in diese Mördergrube hmabsteigen. Denn ein bißchen so was war es. Und geht auch gleich los, und die Quitzows und die, die es sein woUen, rufen die Pommern ins Land, und hier auf diesem alten Cremmer Damm stoßen sie zusammen, und die paar, die da fallen, das sind eben die Schwalben, die es gewagt hatten und mit in den Kahn gestiegen waren. Allen vorauf aber ein Graf, so ein Herr in mittleren Jahren. Der fiel zuerst und versank in den Sumpf, und da liegt er. Das heißt, sie haben ihn rausgeholt, und nun liegt er in der Klosterkirche. Und dieser eine, der da voran ftel, der hieß Hohenlohe." „Ja, Czako, das weiß ich ja alles. Das steht ja schon int Brandenburgischen Kinderfreund. Sie denken aber immer, Sie haben so was allein gepachtet." „Immer vorsichtig, Rex; im Kinderfreund steht es. Gewiß. Aber was steht nicht alles — von Kinderfreund gar nicht zu reden — in Bibel und Katechismus und die Leute wissen es doch nicht. Ich zum Beispiel. Und ob es nun drin steht oder nicht drin steht, ich. sage nur: so hat es angefangen und so läuft der .Hase noch. Oder glauben Sie, daß der alte Fürst, der jetzt dran ist, daß der zu seinem Spezialvergnügen in unser sogenanntes Reichskanzlerpalais gezogen ist, drin die Bismarckschen Nachfolger, die sich wahrhaftig nicht danach drängten, ihre Tage vertrauern? Ein Opfer ist es, nicht mehr und nicht weniger, und ein Opfer bringt auch der alte Fürst, gerade wie der, der damals am Cremmer Damm als erster fiel. Und ich sage Ihnen, Rex, das ist das, was mir imponiert; immer da sein, wenn Not an Mann ist. Die Kleinen von hier, trotz der „Loyalität bis auf die Knochen", die mucken immer bloß auf, aber die wirklich Vornehmen, die gehorchen, nicht einem Machthaber, sondern dem Gefühl ihrer Pflicht." Ueberlieferung in das religionsgesetzliche Leben einführte? Mag daher das Schächten auf ein Jahrhunderte altes Herkommen sich stützen, mosaisch ist es nicht geboten, und noch weniger ist es religiös motiviert, daß das Fleisch eines Tieres, das auf eine andere Weise getötet worden, dem Israeliten zum Genüsse verboten und dem Aase gleich zu achten sei. Das Schächten ist eine von den Satzungen, die das jüdische Leben so drückend erschweren, die den Israeliten von einem innigeren geselligen Umgang mit Zur Schächtfrage geht uns ein längeres „Eingesandt" der „Deutschen Gerberztg," zu, dessen wesentliche Teile wir hier wiedergeben wollen. Der Einsender schreibt: Es wäre von eminenter Wichtigkeit gewesen, wenn der seitens der sächsischen Schlächter beim Fleischer-Berbande gestellte Antrag auf ein allgemeines Schächtverbot Annahme gesunden hätte. Liest man aber die über diesen Antrag ge- iflogencn Verhandlungen, so kann man sich doch eines gelinden Kopfschütterlns nicht erwehren. Daß das Schachten eine qualvolle Art der Tötung eines Schlachsttieres ist, wird jedem, der auf irgend einem Schlachthofe einem derartigen Akte beigewohnt hat, und der noch einiges Gefühl auch für das liebe Vieh besitzt, zum Bewußtsein gekommen ein. Außerdem liegen von veterinärärztlichen Autoritäten so manche dahin gehende Gutachten vor, daß alle Unbefangenen über diese Tierquälerei mit sich im Klaren ein werden. Der Rabbiner Tr. L. Stein aus Frankfurt a. M. äußerte sich zur Schächtfrage wie folgt: „Die Satzung, ein Tier, dessen Fleisch gegessen werden soll, zu schächten, hat durchaus keine Begründung in der Bibel. Es ist im mosaischen Gesetze keine Spur zu finden, daß das Töten eines zum Genüsse erlaubten Tieres vermittelst eines nach zahlreichen strengen Regeln aus^uführen- den Schnittes in den Hals (Schächten, Schechita) zu ge- cheheu habe, oder gar, daß ein Tier, bei dem diese Handlung überhaupt oder nur eine der dabei üblichen Observanzen unterlassen wurde, zum Genüsse verboten sei. Die Opfertiere wurden allerdings, um das Blut zu Sprengungen an den Altar zu empfangen, durch Schechita getötet, welche Bezeichnung deshalb auch ausdrücklich in den bezüglichen Schriftstellen gebraucht wird. Dieser Grund fällt für das profane Leben hinweg; hier stellt uns daher das mosaische besetz die Art der Tötung völlig frei und wird deshalb — ein Umstand, der hier von besonderer Bedeutung ist — dort, wo des profanen Schlachtens Erwähnung geschieht, nicht der Ausdruck Schachat gebraucht, wie bei den Opfern, sondern Sabach, was die Wendung des Schlachtens überhaupt bedeutet, ohne nähere Bezeichnung der Tötungsweise. Dein Talmud fällt es daher aucb schwer, die Vorschrift des Schlachtens auch nur im allgemeinen durch irgend einen Schriftvers, wenn auch nur andeutungsweise, zu beweisen. Allerlei Ansichten treten hier auf, die zuweilen ans Lächerliche streifen. So z. B. meint der Rabbi: „Es heißt wesab- chata (Du sollst schlachten); dieses Wort sei zu lesen: sab— chata: wo das Blut strömt, da schneide hinein." — Risum teneatis! — Als Hauptbeweis wird die Schriftstelle festgehalten: „Und Du sollst schlachten von Deinem Rind- und Kleinvieh, wie ich Dir geboten habe" (5. M. 12, 21). Da nun die Art des Schlachtens im Penteteuch nirgends bestimmt wird, so ist daraus zu entnehmen — meint der Talmud — daß die bezüglichen Vorschriften von Gott dem Moses mündlich mitgeteilt worden seien. Hier wird dem einfachen Wortsinne Zwang angethan, um zahllose Satzungen in das religionsgesetzliche Leben willkürlich einzuführen, wovon das Bibelwort keine Ahnung hat. Auch die jüdischen Schrifterklärer sehen es (dem vernünftigen Grundsatz gemäß: „Der Schriftvers muß nach seinem natürlichen Sinne genommen werden." Talm. Tract. Sabb. 63a) gar wohl ein, daß die angeführte talmndische Auslegung bezüglich des Schachtens dem natürlichen Schriftsinn nicht entspreche. Allein der Talmud hat seine Anhänger an den Glauben gewöhnt, daß neben dem natürlichen, vernünftigen Schiriftsinne, der offen zu tage liegt, noch ein zweiter in der Tiefe einhergehe, den die mündliche Deutung gebe — und wie unvernünftig ist oft dieser! Wir führen v.m den Kommentaren nur den angesehenen mittelalterlichen Schriftgelehrten Nachmaniges (vulgo: Ramban) auf, der den Vers, um in möglichstem Einklang mit dem Talmud zu bleiben, also nimmt: „Du sollst schlachten — nämlich im profanen Leben — wie ich Dir geboten habe bei den Opfern, durch den Schnitt in den Hals." Das., nennen wir, sich gut aus der Schlinge ziehen; allein es ist dennoch weder die Wahrheit, noch stimmt es mit der Deutung der Rabbiner überein. Die Sache liegt aber klar. Der Talmud führt die betreffende Stelle in der ihm diensamen Weise abgekürzt auf: „Du sollst schlachten, wie ich Dir geboten habe." Allein gerade die dazwischen liegenden Worte: „von Deinem Rind- und Kleinvieh, welches der Ewige Mr gegeben", lassen über den wahren ©inn der Stelle keinen Zweifel Raum. Jenes „wie ich Dir geboten habe" bezieht sich« nämlich auf die Vorschriften, welche im Gesetze anderwärts über die zum Genüsse erlaubten Tiergattungen vorkommen, deren zahlreichste Klasse Rind und Schaf (auch Ziege) bilden, und die im nächsten Verse noch durch die erlaubten Gattungen von Wild ergänzt werden. Wie wäre es auch möglich, anzunehmen, Gott habe lediglich bei diesem Gesetze so nachdrücklich der mündlichen Lehre gedacht? Warum, fragen wir, geschieht die Erwähnung dieses Ausdrucks nicht auch anderwärts bei den vielen Gesetzen des Pentateuch, deren belastende Hinzufügungen der Talmud unter der Flagge der Fütterungszwecke und zur Steigerung der so hochwichtigen Futtervorräte und zur Füllung des Futterbodens benutzt werden können. z . Alle die oben genannten Mittel erfordern eine em- gehende Erwägung, wieweit sie je nach Jahreszeit, Boden, Fruchtfolge, Verwendbarkeit, sowie Erhältlichkeit der Saat noch angewendet werden können. Tie wahre Wirtschaftlichkeit zeigt M sowohl tn der Erhaltung und möglichst zweckmäßigen Ausnutzung des Vorhandenen, wie in der weiteren Voraussicht und den angemessenen Ausgaben zur richtigen Z^t. ^er Segen einer gut geführten Düngerwirtschaft macht sich. auch dadurch bemerklich, daß Ersatzftüchte mit viel größerer Sicherheit gebaut werden können, zumal wir wirtschaftlich überall den Maßstab anzulegen haben: Was ist mit wirft chaft- lichen Mitteln auszuführen, was nicht? Und zu den wirt- schaftlichen Aufgaben gehört auch- daß überall möglichst >ie besten Gewinnungs- und Aufbewahrungsarten zur Erhaltung des Gewachsenen in Anwendung kommen. Möge es dem einzelnen Landwirt gelingen, möglichst bald zu der in dieser Zeit schwierigen Uebersicht zu gelangen, was für ihn not thut, und geschehen kann und muß. Mögen Staat und Gesellschaft zusammenwirken, um in der Unterstützung des Einzelnen das Vaterland vor größerem Hebel zu bewahren. den) und Wickhafer (für schweren Boden). können, bald gesät, bei günstigem Wetter in 8 Wochen große Massen an Futter liefern. Ist der Boden nicht kräftig genug, so ist Beigabe von 600 Kilogramm Kainit, 200 Kilogramm Superphosphat und 100 Kilogramm Chilisalpeter für 1 Hektar zu empfehlen. Bei großen Massen würde demnächst ein Teil eingesäuert werden können. Im allgemeinen ist zu empfehlen, für Nachsaat eine entsprechende Auswahl verschiedener Nutzpflanzen zu treffen, um, wenn die eine nicht gedeiht, in der andern einen entsprechenden Ersatz zu haben. Giebt es fruchtbares Wetter, so wird man wegen eines Ueberschusses nicht in Verlegenheit kommen. Än großer Uebelstand für das kommende Jahr ist, daß die Kleepflanzen in so großem Umfange vertrocknet sind. Luzerne und Esparsette leiden unter der Dürre weniger und bewähren auch unter so ungünstigen Verhältnissen bis zu gewissem Grade ihre große Ausnutzungsfähigkeit der Bodengrundlagen, sie sind deshalb in gutem Bestände ein Schatz für jede Wirtschaft im Interesse ihrer Futter- Gewinnung. Me Aussaat dieser kleeartigen Pflanzen mit oer Drillmaschine, bei Luzerne und Esparsette auch ohne Ubberftucht in unkrautfreiem kräftigen Land, ist noch immer möglich, und auch der Samen nicht übermäßig hoch im Preise. In diesem Frühjahre besäte lückenhafte Kleeschläge ergänzt merben*™ Bestände durch Nachsaaten noch jetzt A. stickstoftsammelnden und -erhaltenden Futter- und Grundungungspflanzen mit ihrer reichen Bewurzelung zur Äbrsnutzung zum T^l tieferer Bodengrundlagen haben über- «ll für den Wrrtschostsbetrreb eine betontere Bedeutung, Stet vermehrte Anbau von Gründüngungsvflanzen, welche in einzelnen Jahren ausgezeichnete, in LnLren auch sehr ungenügende Massenertrage liefern, hat nocb den araüen Vorteil, daß sie bei günstiger EntwiMung wie I Me wirtschaftlichen Verhältnisse mit sich bringen, aud^ für bei Serradella der Fall. Keimfähige eaat kostet davon zur Zeit für 100 Kilogramm gleich 28,0 Mk., dasergiebt bei nur 40 Kilogramm Aussaat auf 1 Hektar afto gleich 11,2 Mk. Ebenso sind auf geringen unbestellten ^and höben Lupinen beachtenswert, welche als Gründünger zur Erhaltung der Tüngerwirtschaft bedeutsam ftnd. Bei 200 Kilogramm Aussaat für 1 Hektar, verursacht gelbe Lupine, 100 Kilogramm zu 22 Mk, 44 Mk.,_ blaue Suptn ,10° Kilogramm zu 17 Mk, 34 Mk. an Unkosten auf Hektar- Reife Lupinensamen können entbittert dazu benutzt werden, den Eiweißgehalt des Futters zu erhöhen, auch für solche Tiere, an welche Lupinen in der Regel Nicht verfuttert TV Ctbctl Von besonderer Wichtigkeit äst es, überall, wo Stoppelsaaten gesät werden sollen, schon bei der Getreideernte die Vorbereitungen zu treffen, daß die Stoppel möglichst rasch umgebrochen werden kann. Dies wird durch die mehrscharigen Pflüge wesentlich erleichtert, namentlich auch dadurch, daß die Garbenhaufen möglichst in Reihen so aufgestellt werden, daß das Umpflügen bereits zwischen denselben vorgenommen, und nach dem Umsetzen der Garben auf das gepflügte Land rasch beendet und so schleunig als möglich mit der Einsaat begonnen werden kann. _ Will man einen Ersatz für eingegangenen Rotklee haben, so kann bis Anfang August Inkarnatklee auf milden Bodenarten eingefät werden. Derselbe liefert im andern Jahre frühzeitig Grünfutter, so daß noch eine Nachfrucht (Kartoffeln, Kohlrüben u. a.) hinterher gebaut werden kann. Aussaat für 1 Hektar 30 Kilogramm, 100 Kilogramm gleich 50 Mk, ergiebt 15 Mk. Unkosten für die Saat- Eine beliebte Stoppelsaat ist weißer Senf, rein oder im Gemenge mit silbergrauem Buchweizen. Sens, Buchweizen und.Spörgel zeichnen sich durch ihre Raschwüchsig- leit aus, so daß bei nicht zu geringem Boden noch auf einen erheblichen Grünfutterschnitt gerechnet werden kann. Ich sah denselben in vorzüglicher Beschaffenheit im Herbst 1862 auf dem Büdesheimer Hof bei Vilbel, so daß ein guter Teil des Herbstfutters dadurch gedeckt wurde. Reinsaat bei Senf auf 1 Hektar 20 Kilogramm, 100 Kilogramm gleich 48 Mk., macht gegenwärtig 9,60 Mk. Unkosten- Der Vorrat an Senf.ist nicht groß, doch kann schpn neue Ernte in Frage kommen. Me Reinsaat Buchweizen 80 Kilogramm auf 1 Hektar, 100 Kilogramm gleich 25 Mk., macht 20 Mk. auf 1 Hektar. Großer Spörgel in Reinsaat 24 Kilogramm auf 1 Hektar, 100 Kilogramm 36 Mk., verursacht 8,64 Mk. Unkosten, und auf geringen sandigen Bodenarten ist er deshalb mehrfach auch für Stoppelsaat in Verwendung. Wenn auch die Qualität des Futters eine vorzügliche ist, so liefert der Spörgel doch viel zu wenig Masse, als daß daraus viel gerechnet werden kann. Auch hat er auf die Nachfrucht in der Regel einen wenig günstigen Einfluß Mit der so leistungsfähigen Lupine, mit Serradella und anderen Blattfrüchten ist er deshalb im Erfolge keineswegs zu vergleichen. Eine andere im Gemenge mit Senf und Buchweizen mehrfach äusgesäte Stoppelsaat ist der Oelrettich; dieser kostet zur Zeit 52 Mk. für 100 Kilogramm. Bei Reinsaat von 28 Kilogramm auf 1 Hektar kommt die Saatmenge auf 14,56 Mk. Auch der Oelrettich wird von den Landwirten, welche ihn kennen, wegen seiner Raschwüchsigkeit als Grünfutter vielfach geschätzt. Auch die Lupine (gelbe, blaue und vstpreußische weiße) wird in diesem Jahre als Nachftucht bei der sehr frühen Getreideernte, vielleicht auch nach Frühkartoffeln, vielfach als Stoppelsaat noch angesät werden können. Den leichten Sandböden sieht man im Nachsommer und Herbst gern mit Pflanzenwuchs bedeckt, damit eintretende Regengüsse nicht blos keine Verluste an salpetersauren Salzen ergeben, sondern noch zu einer erheblichen Erzeugung von organischen Nährstoften, bezw. Stickstoff-Anreicherung führen können. Nach 6 Wochen könney bei günstigem Wetter bereits zu Grünfutter benutzt werden weißer Sens und brauner Senf (Spielart J)cm weißem Senf mit dunklem Samen) und Buchweizen. Sen wird in der Blüte gemäht; sobald Samen angesetzt wird, ist er als Milchfutter weniger geeignet. Senf kann auch dazu benutzt werden, um in schlecht bestandenen Serradella- seldern, wie dies in diesem Jahre nach dem Abbringen des Getreides häufig der Fall sein wird, gedrillt die Lücken auszufüllen und das Feld vor Verunkrautung zu bewahren. Inkarnatklee wird von neuer Saat noch bis Anfang August gesät werden können. Stoppelrübensamen muß bald gesät werden. Me erste Entwicklung der Stoppelrüben kann durch Beigabe von 1Ö0 Kilogramm Chilisalpeter für 1 Hektar wesentlich gefördert werden. Mit Aussaat von Johannisroggen, wenn möglich mit etwas zottiger Wicke, in kräftiger Düngung sollte bald begonnen werden. Anfang September kann noch Staudenroggen mit Winterrübsen zur Frühjahrsnutzung in kräftigem Land ausgesät werden. Pelluschkenerbsen — Sommerroggen (für leichteren Bo- Äflö# des nNtglL beä Mer L^voll- 1 hom Ko- Dkrtz srecht bpr !~ .y m allew Mn&,äW ;iw 4Ä?ve &s§® -w «Mm I^heodor^o», Mirwefierteä «Wolle. »J Wt ». $e$* 'W$r«Mrgt ^mk»ml steht. u»d ^Aegespräch^ en- ajw habe nichts '. gegen die andern habe, hat mich ” zu sein. Unb' >nen nur sagen, str •ni Herzen, viel, viel getvächs. Oder wenn ' "^b das meinen Und wir wollen eute darüber reden, rtürlich mich. Tenn leicht ein bischen zu. lls Ihnen glasen." i. „Irr, wie steht es. tommt hier so anno das Land will ihn )ie Städte beinah und : natürlich erst recht, b und kann ihm nicht rger Burggras, wenns um sich, schwäbisch? ergrübe hinabsteigen. ► geht auch gleich los, in wollen, rufen die fern alten Gremmer paar, die da Mv., ja alles. Das steht ja wsieund. Sie denken n gepachtet." „Immer cht es. Gewiß. Aber rfreund gar nicht zu nb bie Leute wissen es es nun drin steht oder il es angesMgen und ren Sie, daß der alte nemSpezialverMe" alais gewn ift, drin sich wahrhafttg E uern? Ein *. wd ein G-r k»t der damals am da fein, wenn Ml 7twtz der,Malitat immer bloßes' >m nicht einem w flicht^ -- N- stets »°*s ?„ M ®** btt n- . , - der Mai"' kJ"**"“ , stanten< S'Ä,r,Ä L'» ,.3* «ä sLkS "■ LL 'ird - J f«" tA4S e»”8« d die feierliche Elöffnurlg der Synagoge. Es folgen Gesänge, Weihepredigt und Gottesdienst. Am Nachmittag giebt es Konzert auf dem Festplatze. Am SamStag Morgen ist Fest- gotteSdienst, am Nachmittag Konzert, am Abend Festball; am Sonntag Nachmittag Konzert, am Abend Festball und Feuer- werk. — Das Gotteshaus ist von Herrn Leopold Zimmer« mann und dessen Gattin Josefine, geb. Wolf, in Newyork gestiftet. Den Anlaß hierzu bot die goldene Hochzeitsfeier der Eltern des Stifters vor vier Jahren. Leider hat die Mutter desselben die Einweihung nicht mehr erlebt. Sie ist vor kurzem unerwartet gestorben. Das Gotteshaus enthält auch zugleich Räume für die Schule, Lehrerwohnuug und sonstige Gemeiudeeinrichtungen. Es hat eine eigene Gasbeleuchtung, Wasserleitung und wird eine Zierde für die Gemeinde bilden. Zu den Feierlichkeiten trifft der ganze Ort Borkehrungen. Es ist eine eigene große Festhalle errichtet, ein Teil der Regimentsmufik des Leibgarde Regiments Nr. 115 in Darmstadt gewonnen, und da ein großer Znzvg fremder Gäste erwartet wird, so verspricht es einen glänzenden Verlauf zu nehmen. ♦♦ Darmstadt, 29. Juli. Der Großherzog reiste gestern mittag 12,42 Uhr nach Koburg. Er wird dort in Schloß Rosenau, wo die Großherzogin und Prinzessin Elisabeth kürzlich zum Besuch bei der Herzogin Maria eingetroffen sind, einige Tage verweilen. Heute findet im Mausoleum zu Koburg im engsten Familienkreis eine Trauerfeier für den im verfloffeneu Jahre verstorbenen Herzog Alfred statt. Bon Koburg wird sich der Großherzog am 10. August nach Bayreuth begeben. — Fürst Ferdinand von Bulgarien traf gestern aus Bayreuth, wo er einer Aufführung beigewohnt hat, in strengstem Inkognito hier ein, um die Ausstellung der Künstlerkolonte zu besuchen. Er stieg im Hotel „Zur Traube" ab. Die Abreise erfolgte heute. (Die Großväter der Großherzogin und des Fürsten Ferdinand waren bekanntlich Brüder.) — Kleine Mitteilungen onl Hessen und den «achdarsitutten. Auf der Strecke Frankfurt-Homburg werden ab 1. August d. I. die Schnellzüge ab Frankfurt 6.30, 3.15 und 8.10 Uhr, sowie der Schnellzug ab Homburg Morgens 7.30 Uhr iu Oberursel anhalten. Damit halten nunmehr alle Schnellzüge auf der genannten Strecke in Oberursel an. — Der deutsche glatthaarige Pinscher „Stift", l1/» Jahre alt, Züchter und Besitzer Philipp Heißner in Darmstadt, hat auf der großen internationalen Hundeausstellung in Heidelberg einen ersten, einen zweiten und einen Ehrenpreis für den besten glatthaarigen Pinscher erhalten. — Wie die sozialdemokratische Frankfurter „Bolksstimme" mitteilt, ist ihr zweiter Expedient, W. Zapay, seit vergangenen Mittwoch verschwunden. In den von Z. geführten Büchern hat sich ein Fehlbetrag von 350 Mark herausgestellt. Gegen den Flüchtigen wurde Anzeige erstattet. Vermischtes. * Die elektrische Vollbahn. Man schreibt aus Berlin: Am Freitag versammelten sich die Mitglieder des AufstchtSrateS und des Vorstandes der Studien-Gesellschaft für elektrische Schnellbahnen in der Maschinenfabrik der Allgemeinen ElektrizitätS-Gesellschaft zur Besichtigung des von dieser Gesellschaft gebauten elektrischen Schnellbahn- wagens. In einem Bortrage ging der Chef-Ingenieur der A E. G. Lasche näher auf die Bedingungen ein, die eine elektrische Bollbahn zu erfüllen hat. Er führte dabei u. a. auS, daß die schnellsten Geschwindigkeiten, die bisher mit Dampflokomotiven erzielt worden find, und auf amerikanischen Bahnen bis auf ca. 111 Kilometer in der Stunde gebracht wurden, auch bereits jetzt durch elektrischen Betrieb sich erreichen laffen. Es fehlen aber zu einer genauen Feststellung Der wirtschaftlichen Ueberlegenheit der Elektrizität gegenüber dem Dampfe bei Vollbahnbetrieb noch die erforderlichen Unterlagen. Die Konstruktion der Fahrzeuge, der Kraft, bedarf und die Beanspruchung d-S Oberbaues sind durch Versuche festzulegen. Die Geschwindigkeit bei den Erprobungen wird zunächst bis auf ca. 200 Kilometer in der Stunde getrieben, ohne daß hiermit eine endgiltige obere Grenze festgelegt werden soll. Es bildet überhaupt die Ermittelung der höchsten zulässigen Schnelligkeit durchaus nicht den einzigen Hauptpunkt der vorzunehmeden Untersuchungen. Es soll vielmehr auch festgestellt werden, in wie weit der elektrische Betrieb eine größere Bequemlichkeit des reisenden Publikums ermöglicht, und unter welchen Berhältniffen auch bei geringeren Geschwindigkeiten er der Dampflokomotive gegenüber sich angenehmer und billiger gestaltet. Insbesondere kommt dabei in Frage, daß, wie zuerst die von der A. E. G. iw Jahre 1899 ausgeführte 175 Kilometer lange Anlage zwischen Laufen am Neckar und Frankfurt a. M. gezeigt hat, durch Elettrizität eine Kraftübertragung auf die weitesten Entfernungen ausführbar ist. Als Stromart kommt hierbei nur Wechselstrom oder Drehstrom in Betracht. Aus diesem Grunde hat die A. E. G. für ihren Schnellbahuwagen auch Drehstrommotoren angewendet. Der Wagen selbst ist ungefähr 22 Meter lang. An jedem Ende besitzt er einen Fahrerstand, sodaß also der Führer stets am Vorderende des Wagens seinen Stand nehmen kann, ganz gleich, welche Fahrtrichtung eingeschlagen wird. Der übrige Jnnenraum ist zur Aufnahme von Paffagieren bestimmt. Es ist also nicht eine besondere Lokomotive mit angehängten Wagen, wie bei Dampfbetrieb erforderlich. Der Wagen ruht auf zwei dreiachsigen Drehgestellen, deren jedes durch zwei Elektromotoren von je 250 P. ß. normaler und 750 P. 8. maximaler Leistung angetrieben wird. Die vier Elektro- motoren entwickeln also zusammen bis zu 3000 P. 8. Sorgfältig durchkonstruierte Schaltapparate, Sicherungen, elektrische Beleuchtung und Heizung, eingehende Vorrichtungen für die Bremsung rc. vervollständigen die Einrichtung. Der Wagen wurde auf dem Probier gestellt, in der Maschinenfabrik der Ä. E. G. mit voller Geschwindigkeit von 200 Kilometern in der Stunde den anwesenden Herren der Studien-Gesellschaft vorgeführt, und diese waren in hohem Grade erstaunt über die Ruhe, die bei dieser bis dahin ungekannten Geschwindig- leit im Innern des Fahrzeuges herrschte. ES werden nun. mehr die Versuchsfahrten auf der hierzu zur Verfügung ge- stellten Militärbahn zwischen Schöneberg und Zoffen be- pomnen, sobald die nötigen Verstärkungen des Oberbaues auf dieser Strecke vollendet find. Den erforderlichen Strom liefert die von der A. E. G. errichtete Zentrale Oberspree der Berliner Elektrizitätswerke. In drei Leitungen wird von dieser Zentrale aus Drehstrom von 12 000 Volt Spannung den längs der Bahn geführten oberirdischen Speiseleitungen zugeführt. Von letzteren erfolgt mittels senkrechter Bügel, von welchen zweimal drei Stück auf dem Dache des Wagens angebracht find, die Abnahme des Stromes. — Wir zweifeln nicht daran, daß nach der Sorgfalt und Genauigkeit, mit der die Versuche vorbereitet find, das großartige Problem, auf das die Technik der ganzen Welt mit gespannter Erwartung hinblickt, zur Ehre und zum Ruhme der deutschen Industrie gelöst wird. * Berlin, 29. Juli. Bei der Explosion einer Pulvermühle zu Wetteren wurden drei Arbeiter getötet. Mehrere andere wurden verwundet; zwei von diesen sind ihren Wunden bereits erlegen. * Berlin, 29. Juli. Auf dem Bahnhof Charlotten- burg entgleisten gestern Vormittag mehrere Wagen eines vollbesetzten Personenzuges. Ernste Verletzungen find nicht vorgekommen, nur kleine Abschürfungen und OhnmachtSfälle. Die Geleise waren bis 4 Uhr nachmittags gesperrt. Die Ursache der Entgleisung ist noch nicht festgestellt. • Berlin, 29. Juli. Der „ReichSanzeiger" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, betr. die deutsche Süd« Polarexpedition. Durch den Erlaß wird Profeffor Drygalski zum Leiter der Expedition bestellt. Die Expedition soll im August Kiel verlassen und fich nach Kerguelen begeben, wo eine magnetisch-meteorologische Station zu errichten ist. Dann ist die Fahrt nach Süden fortzusetzen. Als ForschungSfeld gilt die indisch atlantische Seite des Südpolargebiets. Falls die Erreichung eines Südpolarlandes gelingt, ist, wenn angängig, auf ihm eine wissenschaftliche Station zu errichten und thunlichst während eines Jahres zu unterhalten. Die Rückkehr ist nach der Bestimmung des Expeditionsleiters int Frühjahr 1903 oder spätestens im Frühjahr 1904 anzutreten. • Bremen, 29.Juli. Ein Großfeuer brach in den Packhäuseru der Tabakfirma Eugen Hoffmann u. Co. aus. Der Schaden ist groß, jedoch durch Versicherung gedeckt. Eine 10 Meter hohe Giebelwand stürzte ein, zehn bis fünfzehn Feuerwehrleute unter Trümmern begrabend. • Vestersuud (Schweden), 29. Juli. Seit einiger Zeit teilten in Besterjämtland umfangreiche Waldbrände. Die Löschungsarbeiten find bisher erfolglos. 3500 Mann Militär find zur Hilfe kommandiert. Menschenleben find nicht in Gefahr. Auch bei Sala verwüstete ein großer Waldbrand ein Gebiet von einer Meile Länge und einer Biertelmeile Breite. • Jugendliche Duellanten. Ein Zweikampf mit rötlichem Ausgange, in dem acht- und zehnjährige Knaben auf die Mensur gegen einander treten, gehört glücklicherweise noch zu den Seltenheiten. Dennoch hat es sich dieser Tage in Cevignola in der italienischen Provinz Foggia ereignet, daß, infolge eines beim Ballspiele ausgebrochenen Zwistes, der zehnjährige Mauro La Rango seinem um zwei Jahre jüngeren Schulkameraden Raphael Laserpi einen gleichalterigen Kartellträger ins Haus schickte, um ihn zum Kampfe auf Meffer herausfordern zu laffen. Am letzten Dienstag bei Sonnenaufgang trafen sich die feindlichen Helden von der Schulbank in Begleitung zweier Zeugen auf einem verlassenen Banplatze und gingen mit ihren der mütterlichen Küche entlehnten Meffern auf einander los. Schon beim ersten „Waffengang" erhielt der nicht auf Deckung bedachte kleine Mauro eineu Stich in die Brust, der nicht allein dem Kampfe, sondern auch dem Leben des unglücklichen Knaben ein Ziel setzte. Wie von Furien gehetzt, ist nach dem blutigen Werk Raphael Laserpi in einen benachbarten Wald geflohen und seitdem nicht wieder gesehen worden. * Selters und Cigaretten in China. In dem Bericht des britischen Konsuls in Tschifu für das Jahr 1900 erscheint unter neuen Importen die Summe von 40000 Mk. für kohlensaure Waffer und eine solche von 200000 Mark für Cigarren und Cigaretten. Ein großer Teil dieser Luxus- gegenstände wurde von den fremden Truppen im Norden konsumiert. Auf das Mineralwaffer reflektieren die Chinesen nicht, sie haben eine heilige Scheu vor dem „ExplofionS- waffer". Cigaretten find jedoch heute dort bei jedem Krämer zu finden. Sie werden meistens aus amerikanischem Tabak in Schanghai hergestellt; besonders sind diejenigen Cigaretten- packete beliebt, die das bunte Bild irgend einer weiblichen Schönheit enthalten. Man kann diese Bilder in den Läden der Kaufleute, die in der Nähe der Tempel religiöse Gegenstände seilhalten, wieder auftauchen sehen. Auch eine moralische Eroberung! • Eheringe mit Symbolsteiuen. Eine neue, noch wenig bekannte Mode schreibt Eheringe mit Symbolsteinen vor. Weß Ursprungs dieser neue Gebrauch ist, kann allerdings nicht bestimmt werden. So viel steht aber fest, daß er — sicher einem abergläubischen Frauenköpfchen sein Dasein verdankt. Die Zauberkraft eines mit Symbolsteinen ver- scheuen Eheringes soll allerdings darin bestehen, daß kein unberufenes Auge das Vorhandensein der Steine entdeckt — die Vermeidung deffen ist auch sehr leicht möglich, denn die notabene ganz kleinen Steinchen befinden fich an der Innenseite des Ringes, in einer Fläche mit ihm, so daß fie gar nicht spürbar find. Will also eine Braut oder ein Bräu- tigam ihre oder seine andere Hälfte zur Treue zwingen, so trägt der Feffelring innen einen kleinen blauen Stein, sei eS nun ein Saphir ober Türkis; macht man nur auf fortdauernde Liebe Anspruch, so wählt man einen Rubin, wünscht man aber neben der Liebe auch die Treue, so müffen unbedingt beide Steine den Ring schmücken. Topase sollen die Eifersucht bannen. Smaragde auf gutes Ehewetter hoffen laffen — qui vivra, verra! Gerichtssiuü. Mainz, 27. Juli. Ter hier wohnende Heizer Albert Gaiser und dessen Ehefrau haben im Mai im Wiesbadener Bahnhofsvorraum zurückgelassene Gepäckstücke mit wertvollem Inhalt, die dort angekommenen Reisenden gehörten, in zwei Fällen gestohlen. Die gestohlenen Gegenstände hatte das Diebspaar auf dem hiesigen Pfandhaus versetzt. Die Strafikunmer verurtellte den Mann zu 3 einhalb Jahren Zuchthaus und dessen Frau zu 1 Jahr Gefängnis. — Vor dem hiesigen Kriegsgericht sollte sich am Donnerstag der Kanonier Koch ans Wiesbaden vom 3. Fußarttllerieregi» ment wegen Thätlichkeit gegen einen Unteroffizier verantworten. Der Letztere war mit angeklagt. Koch, dessen Vater Beamter in Wiesbaden ist, und der nach Lage der Sache jedenfalls freigesprochcn worden wäre, hat sich als krank vor der Verhandlung von seinem Regiment entfernt und dürfte den Tod im Rhein gesucht haben, denn an demselben Tage wurde am Rheinufcr bei Mombach seine Kopfbedeckung aufgefunden. Berlin, 27. Juli. Ter „Germania" zufolge be.» gnadigte der Kaiser den verantwortlichen Redakteur der „Germania" Hans Contzen, der wegen Beleidigung der Justtzbehörden durch die Presse anläßlich der Angelegenheit des Konitzer Mordes zu 1 Monat Gefängnis verurteilt worden war, zu 14 Tagen Festung. Berlin, 29. Juli. Ein durchgebrunnter Ehemann wurde gestern der vierten Ferienstraftammer in der Person des 5.'-jährigen Konditors Emil Jaeckel aus der Untersuchungshaft vorgeführt. Der Angeklagte, der seit vielen Jahren eine gut gehende Konditorei betrieb, erfreute sich im Norden Berlins eines besonderen Ansehens. Im November 1899 ging Müller die zweite Ehe ein. Er heiratete ein Mädchen in reiferen Jahren, das bereits einmal im Jrrenhause gewesen war und ein Vermögen von 19 5C0 Mr. besaß, das auf der Reichsbank angelegt war. Wenige Tage vor der Hochzeit ließ Jaeckel sich das Vermögen seiner Braut aushändigen. Das Ehepaar uvternahm eine kurze Hochzeitsreise und berührte dabei Leipzig, wo Jaeckel die Wertpapiere gegen Papiergeld um- setzte, ohne daß seine Ehefrau darum wußte. Nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise erklärte Jaeckel, daß er von dem Gelde seiner Frau ein Haus in Darmstadt kaufen wolle. Seine Ehefrau war damit einverstanden. Jaeckel kam nicht wieder; daß er von vornherein die Absicht gehabt hatte, mit dem Vermögen seiner Frau durchzugehen, wurde angenommen, weil Jaeckel außer sämtlichen vorhandenen Baarmüteln auch seine gesamten Kleider und Wäschestücke mitgenommen hatte. Der Angeklagte ist später auf einem Bodensee-Dampfer in Begleitung einer Dame von einem Bekannten getroffen und angesprochen worden. Wie der Angeklagte angiebt, ist er erst in Darmstadt, nachdem sich dort der Häuserkauf zerschlug, auf den Gedanken gekommen, seine Frau zu verlaffen. Er sei erst nach der Schweiz und von dort nach New-Pork gereist. Als er hier innerhalb kurzer Zeit gegen 8000 Mk. verloren habe, sei er nach. Deutschland zurückgekehrt und in Worms verhaftet worden. — Dem Angeklagten werden noch zwei Unterschlagungen zur Last gelegt. Seine Verkäuferin hatte ihr Gehalt nicht abgehoben, weil der Angeklagte erklärt hatte, er werde es bei einer Bank für sie anlegen. Dies hatte er nicht gethan und die Verkäuferin dadurch um 250 Mk. geschädigt. Eine arme Krankenpflegerin hatte dem Angeklagten ihre ganzen Ersparniffe in Höhe von 1600 Mk. anvertraut, auch dies Geld hatte er mit auf die Reise genommen. Das Urteil lautete auf anderthalb Jahre Gefängnis und zweijährigen Ehrverlust. Kiel, 27. Juli. Das Kriegsgericht der ersten Marine- Inspektion hat den früheren Kommandanten des Linienschiffes „Otter", Oberleutnant zur See Butterlin, wegen Unterschlagung zu 1 Jahr Gefängnis und Ausf- stoßuna aus der Marine verurteilt. «onih, 29. Juli. Rechtsanwalt OSkar Lohwaßer in Schlochau wurde wegen verschiedener Unterschlagungen und Untreue heute zu 21/i Jahren Gefängnis verurteilt. Würzburg, 29. Juli. Der stud. math. Franz Schwarzmaier aus Ramsbach war als Hilfslehrer an der Handelsschule in Marttbrett angestellt. Am Ostermontag zitterte er einen 14jährigen Schüler der Anstalt auf sein Zimmer, angeblich um ihn wegen einer Ungehörigkett zu züchtigen, nahm aber statt deffen unzüchttge Handlungen an dem Jungen vor. Die Sttafkammer verurteilte heute Schwarzmaier zu 6 Monaten Gefängnis. UnioerMts-Uachrichte«. — AuS Bonn wird geschrieben: Bei dem 50jährigen Doktorjubiläum, das der Rechtsprofeffor Geh. Rat Ritter v. Schulte an hiesiger Universität beging, wurden dem Jubllar von fast allen deutschen und verschiedenen ausländischen Universitäten Glückwunsch-Adressen übersandt. — Für den Kronprinzen steht der Studienplan im nächsten Semester 21 Stunden Kolleg in der Woche vor. Nur bei zwei Profefforen, Kayser und Litzmann, wird der Kronprinz im Auditorium Vorlesungen hören; die übrigen werden privatim gehalten. — Wie aus Wien gemeldet wird, wurde an Stelle des Geologen E. Sueß, der in den Ruhestand getreten ist, Prof. Dr. Viktor Uhlig in Vorschlag gebracht. Er ist derzeit Ordinarius der Lehrkanzel für Paläontologie an der Wiener Universität. — Der a.-o. Profeffor der systematischen Botanik in Prag Dr. V. Schiffner ist zum a -o. Profeffor dieses Faches an der Universität in Wien ernannt worden. — Man schreibt aus St. Petersburg vom 25. ds.: Gestern starb hier der Universitätsprofeffor Iwan Shdanow im Alter von 55 Jahren. Er wirkte fett 1882 als Profeffor für russische Litteratur- geschichte an der hiesigen Universität, nachdem er von 1879 bis 1882 in Kiew Dozent gewesen war. Theater, Kunst und Wissenschaft. In Berlin ist, der Maler Professor Konstanttn Cre- fi us, Mitglied der Akademie der Mnste, im Alter von 87 Jahren gestorben. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. - Krefeld, 27. Juli. Tie Verhandlungen mit der Bergisch-Märkischen Bank wegen Liquidation der Firma von Beckerath-Heilmann sind heute im Sinne baldiger Durchführung der Liquidation zum Abschluß gelangt. New-York, 27. Juli. Der Wert der in der vergangenen Woche eingeführten Waren Betrug 9 834164 Dollar gegen 10 370 877 Dollar in der Vorwoche, davon für Stoffe 2142 212 Dollar gegen 1 312 226 Dollar in der Vorwoche. — Die Goldausfuhr in der vergangenen Woche betrug 1003 Dollar; die Silberausfuhr belief sich auf 904 935 Dollar, die meistens nach Lonoon gingen. Märkte. Gießen, 30. Juli Bei dem am 23. und 24. Juli hier fiatt- gehabten Markte waren aufgetrieben 1113 Stück Rindvieh und 514 Stück Schweine. - Der nächste Markt findet am 6. und 7. August statt; am letzteren Tage ist auch Krämermarkt. r c „ Gtefferr, 30. Juli. Marktbericht. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 1.10-1.25, Hühnereier per St. 6—7 A, 2 St. 00—00 Enteneier 1 St. 7—8 4, Gänseeier per St. 11-12 Käse 1 St. 5-8 4, Käsematte 2 St. 5-8 Erbsen per Liter 22 4, Linsen per Liter 34 £, Xaufcn per Pa« X 0.75-0.90, Hühner per St. X 1.00-1.50, Hahnen per Swck X 0.80-1.40, Ä per St. 2.00-2.20, Gänse perM^t 0.006« 0.00, Ochsenfletsch per Pfd. 66-76 s5, Kch. und Rmdflersch per Pfimd 60—-64 j Schweinefleisch per Pfd. 64—80 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 84 5), Kalbfleisch per Pfd, 60-66 I H°umelflchch per 50—70 a, Kartoffeln per 100 Kilo 6.00—9.00 X, Weißkraut per St. 00—00 , Zwiebeln per Ctr. X 8.00—8.50, Milch per Ltter 18 Kirschen per Pfd. 20 Pfg. Dauer der Marktzeit von 7 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags. Die Blickensderfer 8teht 041 Leistung- ä ■ i • fähigkeit ke co bß . -,38er ‘ Nt Psnsrnma von Kietzen ß in fst. Farbendruck, auf weiß. Karton. Größe. 50x65 cm. 5 Mark. Otto Fritz, Kunstmaler, AtelierhauS: Goethestraße 48. 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