Sonntag 31. März 1901 151. Jahrgang «r. 77 Zweites Blatt ait 40 Vfg. G Hf(j. (r verkör. der Sy- Zur Ansprache des Kaisers wird uns noch aoS Berliju morn 29. März geschrieben: Ueber die gestrige Ansprache deS Kaiser- an das 'Alexander- Regiment, speziell über die Rede mit der Anspielung «uf daS Verhalten der Stadt Berlin im Jahre 1848, rechten Zeit erfolgte. <5o sehr Tolstoi von der russischen Jugend als Retter begrüßt und gefeiert wird, so sehr wird der 55 , 70 65 . 7V 80 Ldrrfle für Drpesch«« Anzeiger Siehe». Kernsprechanschluß 9tr.H. «rpedwon und •wdtw*: rchnlßrah« 7. tf/iMf1 kk 5 (fi nterlJöW nodsprokuratvr Pobiedonoszew gehaßt. Gr pert in seiner Person alles, was in Rußland Rückschritt heißt. Der Einfluß datiert daher, daß er einstmals Er- '• *’l. tt*11' 0t«. 018 ? ■■MeOw M Montag». •te Meß—er |aet1iee- Mtkl nxrlXH btm Km *c taa mit iei*e*t* an» „Blätter Mr tzoß. ••Ititunbc*' »irr« *e( WOchrnUUh bäylcgt. »•■•»■< »•» ■■>c<|tn y bet BMtrartuoQ« für dr», M|nk«t t(| rr(*eintnbtn Wammir M wna 10 Ult tH<|<<(>>gtn fpdttftcnt bten, vor Uff ms„ellt w 0**' >aller e«6 g,a* geb. Kaiferredeu. Me Rede desi Kaisers aus dem neuen Kasernenhofe des Kaiser Alexander-Garde-Grenadier-Regiments in Berlin ist in den Blättern mit verschiedenen Abweichungen wiedergegeben worden. Wie dem „Vorwärts^ „zuverlässig" mit* geteilt wird, soll die wichtigste Stelle der Rede, die sich gegen eine in Zukunft mögliche Empörung Berlins richtet, wörtlich wie folgt gelautet haben: „Wenn die Stadt Berlin noch einmal wie im Jahre 48 sich mit Fr echh eit und Unbotmäßigkeit gegen den König erheben wird, dann seid Ihr, meine Grenadiere, dazu berufen, mit der Spitze Eurer Bajonette! die F r e ch e n und Unbotmäßigen zu Paaren zu treiben." Tah die Kaiserworte also gelautet haben, bezweifeln wir auf das Entschiedenste. Wir meinen im übrigen, daß eine Rede bei solcher Gelegenheit, wo der Kriegsherr zu seinen Soldaten spricht, an sich anders zu bewerten und zu beurteilen ist, als Worte des Monarchen an anderer, öffentlicher Stelle. Rian würde es verstehen und billigen können, wenn in derartigem Falle nach Möglichkeit dafür gesorgt würde, die betreffenden Aeußerungen überhaupt nicht bekannt werden zu lassen. Indes, das hat in unserem Zeitalter seine Schwierigkeiten, und so wäre das Angemessenste und nach jeder Richtung Zweckmäßigste, wenn der offizielle Wortlaut kaiserlicher Auslassungen sofort der Presse zugänglich gemacht würde, um überhaupt nicht erst unbeglaubigte Fassungen aufkommen zu lassen. Tas ist nun auch diesmal wieder nicht geschehen, und so ist leider von neuem die unerfreuliche Situation geschaffen, daß die Öffentlichkeit Kaiserworten gegenüber Stellung JX nehmen hat, ohne ganz sicher darüber unterrichtet zu sein. Denn ignorieren lassen sie sich schlechterdings nicht, schon darum nicht, weil das Warten auf einen authentischen Bericht voraussichtlich vergeblich bleiben würde, dann auch, weil die Worte, oie das wesentlichste Interesse in Anspruch nehmen, in ziemlicher Uebereinsttmmung von verschiedenen Seiten gemeldet werden. Es handelt sich um den Hinweis des Monarchen auf die muß, schmerzlichen — Hinweis des Monarchen auf die Möglichkeit, daß das Regiment berufen sein könnte, in einer Zeit erneuter Auflehnung gegen den Herrscher in der Stadt zu seinem Schutze thätig zu sein. Gewiß hat das Heer neben der Aufgabe, das Vaterland gegen äußere Feinde ,;u schirmen, auch die Verpflichtung, im Lande selbst ein Wall gegen Unruhen und Unordnungen zu sein. Eine erfreuliche Pflicht wird das für einen Soldaten, der nicht vollständig die Empfindung, auch Bürger seines Staates zu sein, abgeworfen hat, niemals bilden. Dennoch wird fle von jeder innerlich gefestigten und unerschütterten Irmee erfüllt werden. Wir befinden uns jedoch in Zeit- ।duften, in denen auch nicht der Schatten der Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, daß innerhalb einer selbst weitgesteckten Frist die Nötigung, den Volksgenossen mit der Waffe in der Hand entgegenzutreten, sich ergeben werde. So fragt man sich was den Monarchen dazu getrieben l^aben mag, auf die Kluft hinzuweisen, die unter ungünstigen, sehr ungünstigen Umständen einmal zwischen Volk und Fürst, zwischen Bürgertum und Heer bestanden Tjat. Nicht der geringste Anhalt liegt vor, daß sie sich wieder in der Art, wie vor Jahrzehnten, aufthun könnte. Meinungsverschiedenheiten zwischen der Krone und der Bevölkerung giebt es, und sie werden niemals fehlen, aber für ihre Ausgleichung sind Mittel und Wege gegeben, die sich immer wirksam erweisen müssen, solange die Achtung vor den verfassungsmäßigen Einrichttingen auf allen Seiten gewahrt bleibt. Sie sind ein Ventil, das jeder gewaltsamen Entladung in vollem Maße vorbeugt, zu der es auch niemals kommt, wenn nicht ein Volk durch lange und schwere Mißstände und Mißhandlungen in seinen Tiefen aufgerüttelt und erregt worden ist. Daß von solchen Verhältnissen für jetzt und für absehbare Zeit keine Rede sein tarnt, liegt auf der Hand. Selbst die Sozialdemokratie ist längst einsichtig und besonnen genug geworden, mit diesem Gedanken nicht zu spielen, geschweige ihn ernsthaft in Er- ivägung zu ziehen. Sie weiß, daß sie damit ihre Pläne weder fördern, noch überhaupt voraussichtlich zu einem Erfolge gelangen würde. Sttaßenkrawalle und Ausschreitungen können auch in Deutschland vorkommen. Man braucht nur an Könitz zu denken. Für den Gedanken an revolutionäre Ausbrüche aber ,an ernste Angriffe auf das Schloß und den narchen sehen wir nicht die geringste Berechtigung. Der Kaiser hat noch im Beginne des Jahres anläßlich des Krönungsjubiläums seinem Danke für die Mitwirkung des preußischen Volkes an der Erringung der Größe des Staates, seinem Vertrauen auf die Treue und Zuneigung der Bevölkerung lebhaften Ausdruck gegeben. Man kann mir hoffen und wünschen, daß die unverkennbare Verstimmung über mancherlei Mängel des Volkslebens, die sich des Monarchen bemächttgt hat, und die in der An- Iprache an das Präsidium des Abgeordnetenhauses zuerst hervorbrach, einer unbefangeneren und vertrauensvolleren Auffassung der Verhältnisse bald wieder Platz machen möge. Vezvgrprelr viert rtMhM Mk. 2.20, monotl. 76 ffe mit Bringerlohn; durch !■ Lbtzolefteüen viertelMM Mk. 1.90, monatl. 6b W» Bei Postbezug vierteljsttzM. «L 2.00 ohne Bestell*». eac btO In. und lullewe» b di in tu SiQttaen für ettfKwer »n*«lqtr tntgeeWi SiiUnprtli letal iS WW« eneeartfl to Pf,. Leo Tolstoi, den berühmten Dichter, einen Mann von tiefer Religiosität, ist bekanntlich die Exkommunikation durch die oberste kirchliche Behörde, „die Heilige Synode" erfolgt, was in Rußland kolossales Aufsehen erregte. Interessant ist, daß Tolstoi, als er kurze Zeit darauf vor einer Menschenmenge, die ihn auf den Straßen Vvn Moskau begrüßte, erklärte, „sein Prinzip sei, man soll sich dem Uebel nicht mit Gewalt widersetzen. Da nun aber einmal das Volk sich gegen das Uebel in Dernonstratton wahrt, so sei es eine Sache der Konsequenz, hierin fortzufahren." Er veröffentlichte außerdem in den westeuropäischen Zeitungen, mit denen er in Verbindung steht, ein Dankschreiben für die vielen Kundgebungen, die ihm aus Anlaß der Verfügung der Heiligen Synode dargebracht wurden. Tas Schreiben lautet: Herr Redakteur! Ta ich nicht in der Lage bin, allen denen zu danken, die — beginnend mit den höchsten Beamten und endigend mit einfachen Arbeitern, mir sowohl persönlich als auch mit der Post und telegraphisch ihre Sympathie aus Anlaß der Verfügung der heiligen Synode zum Ausdruck gebracht haben, ersuche ich Ihre geehrte Zeitung, allen diesen Leuten meinen Tank zu übermitteln, wobei ich die Sympathie, die mir kundgegeben worden ist, nicht so sehr auf die Bedeutung meiner Thätigkeit zurückfuhre, als darauf, daß die Verfügung der heiligen Synode so geistteich ist, und so zur Degischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 28. März. Die Sitzung wird um ein Viertel 10 Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Staatsminister Rothe, die Ministerialräte Braun, Breidert und Ewald. Die Debatte über die Schutzzölle des Reichs wird fortgeführt. Abg. Ulrich hebt hervor, daß seine Partei kein Htm- melsstürmer sei, sondern sie wünsche nur eine weitere Zollerhöhung der Lebensmittel vermieden. Die Sozialdemokratie vertrete in dieser Frage den gleichen Stan^ punkt, und wenn alle gegen sie sind, und wenn die Wett voll Teufel wäre. Selbstmord eines Vernünftigen sei wenn man den Forderungen des Abg. Köhter-Langsdor» folgen wolle. Staatsminister Rothe habe festgestellt, daß die Regierung keine Bedenken trage, dem Antrag Haas- Tarmstadt zuzusttmmen, weil er so nichtssagend sei, daß der große Agrarier Graf Oriola Arm in Arm mit dem Bauer Köhler-Langsdorf marschiere. „Ein schönes Bild'. Man rede so viel von Patriotismus. Er nehme den Patriotismus geradeso in Anspruch, wie seine Gegner und de» Patriotismus sei nicht nur bei den Agrariern zu Hause. Tort gehe der Pattiotismus nur bis an den Geldbnitol. Schon Kaiser Wilhelm habe zu seinen Ministern geäußert: „Sie können mir nicht zümuten, daß ich Brotwucher treibe , als es sich um neue Zollerhöhungen handelte. Der klein« Bauer habe kein Interesse an der künstlichen Steigerung des Brotgetreides, da in Hessen nur 40 Prozent Landwirt« mehr als 1 Hektar Land besitzen. Durch die Erhöhung de» Getreidezölle werde dem Arbeiter sein Brod um 4 Pfennt, verteuert. Tas bedeute für das Jahr einen vollen Wocheu- lohn, den der Arbeiter dem Agrarier opfern müsse. All« Lebensmittel seien fast um das Doppelte gesttegen uni. durch die Erhöhung der Zölle werde nur der Arbeiter am stärksten getroffen, weil er den größten Stand im deutsche, Reich darstelle. Die Sozialdemokratie sei daher auch die einzige Partei, die heute noch auf dem alten Standpuntt des Freihandels stehe. Jede Zollerhöbung treffe den Deutschen Arbeiter. Da wundere man sich, wenn man von Drotwucher und von Hungerzöllen spreche, wenn de» Arbeiter 139 Mark pro Jahr Zölle an den Fiskus abliefern müsse, wenn er sich und seine Kinder ernähren wolle. Gegen solche Zumutungen müsse sich jeder Gutgesinnt» sträuben. Aber der Agrarier habe kein Herz für den Arbeiter. . Nach einer kurzen Pause tritt die Kammer in die Jx* ratung der Rückäußerungen der Ersten Kammer, I^sctve ist dem Antrag der Zweiten Kammer auf Gewährung A n w e s e n h e i 1 s g e l d e r n im Deutschen ^lfr )üb€Iß2 nicht beigetreten. Die Kammer beharrt auf ihr f Beschlust Auch dem Antragder Ucbernal uw der »*w *" V« fofort gefutbt. Anunitt, LudichSvlatz |5, rtettnio und icbt. M MtSr if. Hause lilaftn lann, rüfta für mthxere logti flffudit. tot), Mstr. U, vn zieher Alexanders III. war und seitdem konsequent für die geistige Abwendung der Russen von Westeuropa wirkt. Einen Ausfluß der herrschenden Stimmung gegen diesen gefürchteten Mann kann man darin erblicken, daß in de» Nacht vom 21. zum 22. März ein Mordversuch aus de, Synodsprokurator gemacht wurde. Das ist die zweite Go- ivaltihat, die binnen kurzer Zeit das russische Volk in Aufregung versetzt hat. Bekanntlich ist der Unterrichts Mi- nister Bogoljepow dem Attentat, das ein Student gegen ibn verübte, erlegen. Jedenfalls ist die Situation ernst, da neben den Studenten die Gelehrten aller Gruppen uni besonders die Offiziere sich im offenen Kamps gegen dal herrschende Regiment befinden. Ueber den Anschlag auf Pobjedonoszew kommen aui Petersburg noch folgende ausführliche Mitteilungen: Pvb- jedonoszew saß in der ersten Morgenstunde nahe de» Fenster seiner Studierstube, die zu ebener Erde gelegen ist, als der eine der Attentäter, Loukianoff, von draußen eine« Schuß durch das Fenster abgab. Die Kungel durchbohrte aber nur die Scheibe und blieb im Holze der Rouleaux sitzen. Als Pobjedonoszew bestürzt ans Fenster trat, feuert» Loukianoff zum zweiten Male, jedoch wieder ohne AO treffen. Die Kugel verlor sich im Studierzimmer. Po^ jedonoszew, der imnwr noch keine Ahnung hotte, das ein Attentat gegen ihn geplant war, ging jetzt. zum Portte« hinaus, um Erkundigungen einzuziehen. „Wissen Sie nicht- - fragte er den Mann - „was dieses Einwerfen meineo Fensterscheiben bedeuten soll?" Der Portier vermutete, eß seien wohl einige elektrische Lampen gesprungen. In diesem Augenblick schlug eine andere Kugel durch die GlaS- thür ein. Auf der Straße waren infolge der schpaten Stunde nur wenig Leute unterwegs und die Verbrecher — Loukianoff hatte noch einen Genossim namens Jwano» — wären entkommen, wenn nicht ein Nachtwächter unö ein Polizist sie gestellt hätten. Loukianoff verteidigte fuft wie ein Verzweifelter und feuerte seinen Revolver auf den Nachtwächter ab, schoß aber fehl. Jetzt wurde es in der Nachbarschaft lebendig. Notpfeifen ertönten und PoU- zisten kamen hinzugeeilt. Es gelang, die Attentäter zu verhaften. Später erstattete der Generalprokurator demEHH der Polizei und dem Departementsdirektor emen BesmH ab. Im ersten Verhör weigerten sich die Attentäter übe» ihren Anschlag irgend welche Auskünfte zu geben, gestände« aber schließlich ein, daß ihre Thal ein Racheakt fet fu» die Exkommunikation des Grafen Tolstoi und die Mast- regelung der aufrührerischen Studenten. GietzenerAnzeiger ” General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen Mnrsns, M am 15 April i im gdn- uvd ela zu eröffnen. MflchdMndi» i Ms Pleil hestraße^oll. >des. Srbeittria NW !k btm Wse. eustra^iN. W in und bringt heute die offiziöse w3torbb. Allg. Ztg.", entgegen bem Herkommen, keinen eigenen Bericht. Das Blatt zittert viel mehr den Bericht der konservativen »Kreuzztg.". Inzwischen ftnb von ber Presse vier verschiebcne Lesarten bes betreffenden markanten Satzes veröffentlicht worden. Welche Version den Anspruch auf Genauigkeit hat, muß vor der Hand unent ichieden bleiben. In den Zeitungserörterungen war die Frage nach dem Anlaß der kaiserlichen Aeußerung aufgeworfen worden. Die „Kreuzztg.", die in diesem Falle als unterrichtet gelten darf, erwähnt die Mitteilung ber »Freis Ztg.-, wonach s. Zt. in den Verhanblungen ber Budget kommisfiov über den Neubau der Kaserne des Alexander Regiments betont wurde, die Wahl des Platzes im Zentrum bet Stadt sei zweckmäßig, um vorkommenden Falls bet Sttaßenuntuheu Truppen zum Schutze de- Schlaffes in der Nähe zu haben. Die „Kreuzztg." bemerkt dazu: „Der Hin- weis des Kaisers auf diese Möglichkeit kann unter diesen Umständen nicht überraschen,- Leo Tolstoi und Pobjedonoszew. In Rußland gührt es. Die beiden Hauptvertteter der Weltanschauungen, die sich dort feindlich aegenüberstehen, führen wir unseren Lesern heute im Bilde vor. Ueber Zweiten Kammer empfiehlt, dem Verrnittelungsvorschlag der Ersten Kammer auf Einstellung von 30 000 Mk. als Dispositionsfonds für Entlastung bedürftiger Gemeinden beizutreten. Finanzminister Gnauth stellt nochmals fest, daß ein 2 Millionen-Defizit vorhanden sei, und die Regierung habe die Pflicht, dafür zu sorgen, daß dasselbe beseitigt werde. Da empfiehlt es sich auch, böi Aufstellung des Budgets sparsam zu sein. Er bittet das Haus, dem Antrag der Ersten Kammer beizutreten, waS auch geschieht. Der von der Zweiten Kammer gestrichene Zuschuß von 6000 Mk. für den Viktoria-Melitaverein für Herstellung kleiner Wohnungen wurde von der Ersten Kammer wieder eingestellt. Die Zweite Kammer tritt diesem Ansinnen hei. An die Verwilligung von 3000 Mk. Zuschuß für die landwirtschaftlichen Winterschulen knüpft die Erste Kammer den Beschluß, diese Summe auf die drei Provinzen zu verteilen. Tie Kammer beharrt auf dem früheren Beschluß. Bezüglich der Errichtung einer Handelshochschule beantragt die Erste Kammer, der Angelegenheit näher zu treten. Tie Zweite Kammer beharrt auf dem früheren Beschluß. Bezüglich des Gesetzes, die Gemeinde Umlagen betreffend, sind einige Tissenze mit dem anderen Haus ausgetreten. Ter Ausschuß ist der Meinung, daß die Wünsche der Ersten Kammer als gerechtfertigt anzusehen sind, und empfiehlt Beitritt zu den Beschlüssen. Abg. Gras Orivla beantragt, daß die Regierung ein Gesetz veranlassen soll, da>ß, falls kein Tesinitivum bis zum Jahre 1904 eingetreten sei, das jetzt bestehende Gesetz noch weiter bestehen soll. Die Kammer tritt dem Beschluß der Ersten Kammer bei. Her Antrag Oriola findet Annahme. Hierauf vertagt sich die Kammer bis nachmittags um 3 Uhr. Am Ministertisch Ministerialräte Braun und Breidert. Abg. Schmitt als Berichterstatter zieht eine Parallele zwischen der englischen und deutschen Landwirtschaft. Tie englische sei infolge der Freihandelspolitik stets zurück- gegangen, während sich die Stellung der deutschen Landwirtschaft durch den Schutzzoll auf fast allen landwirtschaftlichen Gebieten gehoben , habe. An Hand statistischen Materials weist er nach, daß trotz der Einfuhr von frenr- dem Roggen unsere deutsche Landwirtschaft feit vorigem Jahr ohne Nutzen gewirtschaftet habe. Noch nicht die Produktionskosten seien gedeckt worden. Er stellt fest, daß der Doppelzentner Roggen in Argentinien 3 Mark koste und ab Hamburg 10 Mark. Wie soll da die deutsche Landwirtschaft existieren können? Im Jahre 1885 sei trotz der Einführung des 5 Markzolles der Preis des Brotes um 4 Pfennig gesunken. Tas beweise, daß man bei der Erhöhung der Schutzzölle von Brotwucher nicht reden könne. Sonnenklar gehe daraus hervor, daß der Zoll auf das Getreide so nötig fei, wie das Brot zum Leben. Wcks dik kaiserliche Botschaft betreffe, so unterschreibe er in dergleichen Wort für Wort, denn dieselbe sei gegen den Brot- wucher des Grafen Kanitz gewesen. Tie Sozialdemokratie verlange etwas, was sie dem Bauer verweigere, den Schutz der Arbeit. Es lasse sich absolut nicht bestreiten, daß die Arbeitslöhne der Handwerker um 2000 Prozent in die Höhe gegangen und nur der Bauer solle noch zum alten Preis arbeiten. Das sei doch kein Recht. Im Lause der Debatte sei auch die landwirtschaftliche Enquete in Hessen in die Debatte gezogen worden. Tie daraus herangezogenen Zahlen seien nicht richtig Wiedergegeben. Hier in Hessen seien 123 Betriebe mit über 100 Hektaren, während von drei und einer Viertel Million Bauern mit nur 1 Hektar nicht gesprochen werden könne, da hierbei Schuhmacher, Bahnwärter und Schneider seien. Wenn der deutsche Bauer bete: „Gieb uns heute unser täglich 93rot", so bete er für sich und das ganze deutsche Volk, und es fei verwerflich, wenn die Religion von der Sozialdemokratie mit in die Debatte gezogen werde. Der deutsche Arbeiter, der geschützt sein wolle, habe für den Bauer nichts übrig, sondern lehne die Erhaltung desselben aus purem Egoismus ab. Er hofft, daß durch möglichst langfristige Handelsverträge der Industrie gute Absatzgebiete geschaffen und damit auch der Landwirtschaft neue Hilfs- und Erwerbsquellen zugeführt werden. Nach einer kurzen Pause beschäftigt sich die Kammer mit den Rückäußerungen der Ersten Kammer bezüglich des Budgets und tritt dem Beschluß der Ersten Kammer in den Hauptgegenständen bei. Hierauf wird wieder in die Debatte über die Getreidezölle eingetreten. Berichterstatter Heidenreich, legt nochmals die Grundgedanken des Antrags Haas bezüglich einer mäßigen Erhöhung der Zölle auf alle landwirtschaftliche Produkte dar. Dieser Antrag wird hierauf mit großer Majorität a n - genommen. Schluß der Sitzung um halb sieden Uhr. Morgen früh 9 Uhr Fortsetzung der Beratungen. Sechste evangelische Landessynode. (Ausführlicher Bericht.) IV. S. Darmstadt, 29. März. Die Sitzung wird nach 9 Uhr mit einem von Pfarrer Hildebrand-Echzell gesprochenen Gebete eröffnet. Die Gesetzentwürfe betreffend die Gehalte der Geistlichen, sowie betreffend die im Geschäftskreis des OberkonsistoriumS und des Predigerseminars beschäftigten Beamten re. werden nach Empfehlung durch den Ausschuß angenommen. Hierauf ivird in die zweite Lesung des Hauptvoranfchlags eingetreten; derselbe wird mit dem Zusatz-Antrage Wahl - Schlitz angenommen, der lautet: ,,Die Synode wolle beschließen, Großh. Oberkon- fiftorium zu ersuchen, mit allen Kräften dahin zu wirken, daß in dem den Landständen vorgelegten Entwurf eines Staatsgesetzes, betreffend das Eigentum an Kirchen und Pfarrhäusern rc., diejenigen Bestimmungen ausgeschieden werden, welche auf eine Erwerbung der seitherigen od- fervanzmäßigen Gebrauchsrechte der politischen Gemeinden an Kirchtürmen, Glocken, Uhren und dergleichen hinzielen." Es folgt die Fortfetzung der Beratung über den Antrag Luhl und Genossen, betreffend Festsetzung eines einheitlichen Buß- und Bettages. Die Synodalen Graf und Hildebrand treten für Beibehaltung des über 100 Jahre alten Buß^- und Bettages am Palmsonntag ein. Nach weiterer Debatte, an der sich noch die Synodalen Eck, Wahl und Bernbeck beteiligen, wird der Antrag abgelehnt. Auf Antrag des Oberkonsistoriums sollen die Gemeinden Laubenheim, Viernheim und Udenheim eine selbständige Kirchengemeinde bilden, was genehmigt wird. Auf das Ersuchen der Kirchspielsgemeinde Nieder-Modau um Trennung von den Gemeinden Klein-Bieberau, Ernsthofen und Webern wird dem Ausschußantrag entsprechend das Oberkonsistorium um weitere Erhebungen ersucht. Ein Gesuch der Kirchengemeinde zu L o 11 ar um Gewährung eines Zuschusses von 30 000 Mk. zum Neubau einer Kirche wird abgelehnt, nachdem das Oberkonsistorium sich bereit erklärt hat, im Bedürfnisfalle einen Betrag zur Verfügung zu stellen. Ein Gesuch des Pfarrers Beck in Alzey, dessen Tienstalter betreffend (Anrechnung der vor feinem Uebertritt im preußischen Staatsdienst zugebrachten Tienstjahre), wird dem Antrag des Berichterstatters Bernbeck entsprechend, für erledigt erklärt, nachdem Oberkonsistorialpräsident Buchner erklärt hatte, daß )ie dem Antragsteller f. Zt. gemachte Zusage privater Natur gewesen sei. An der Debatte beteiligen sich noch die Synodalen Dr. Lucius, Pfaff und Wahl-Schlitz. Die Vorlage des Großh. Oberkonsistoriums, betreffend die Ernennung des Pfarrers Theodor Weimer in Mommenheim zum geistlichen Inspektor der Epileptischen Anstalt in Nieder-Ramstadt und ein Verhältnis zu der Kirchenbehörde, wird nach einem eingehenden Bericht des Synodalen Wahl-Langen und einer vom Oberkonsistorialpräsidenten Buchner gegebenen Erläuterung einstimmig angenommen. Eine Anzahl weiterer Beratungsgegenstände wird hierauf von der Tagesordnung abgefetzt. Die Synode vertagt ich nach einem Schlußgebet des Pfarrers Hof-Babenhausen auf unbestimmte Zeit. * * Ober-Kon fist orial-Präf ident i. P. Exzellenz Dr. Goldmann ersucht uns, folgendes zu veröffentlichen: Er habe in der Sitzung der Landessynode vom 27. März nicht gesagt: es sei klar, daß die Pfarrer sich darüber geärgert hätten, daß ihnen der einzige Tag genommen würde an dem sie eine volle Kirche hätten. Seine Ausführungen hätten vielmehr wörtlich folgendermaßen gelautet: „Die Agitation hat unserer evangelischen Kirche nur geschadet. Wenn ein kirchenfeindliches Blatt gesagt hat, daß- die evangelischen Geistlichen sich darüber geärgert hätten, daß ihnen durch Verlegung des Totenfestes der einzige Tag genommen würde, an dem sie eine volle Kirche haben, und wenn das Mainzer Journal, das in liebenswürdiger Aufmerksamkeit allem, was in der evangelischen Kirche vorgeht, folgt, diesen Artikel abgedruckt hat, unter Beifügung der Worte: „das stimmt", so ist daraus zu erkennen, daß die Agitation gegen das Ober- Konsistorium unserer Kirche geschadet hat." Wir bedauern das Mißverständnis unseres Berichterstatters. Politische Tagesschau. Der bedeutendste Theoretiker der sozialdemokratischen Bartei Karl Kautsky hat eine Broschüre „Han delsPoli - t i k und S o z i a l d e m o k r a t i e" veröffentlicht, von der der „Vorwärts" einen Teil bringt, und der wegen feiner trengen Sachlichkeit und richtigen Würdigung der Sachlage aufs angenehmste auffällt. Kautsky ist natürlich ein Gegner der Zollerhöhung, weil er der Meinung ist, daß der ganxe Zoll vom Jnlande getragen wird. Ohne hier Für oder Wioer zu entscheiden, müssen wir, um zur Ermöglichung einer gerechten Beurteilung nichts außer Acht zu lassen, erwähnen, daß in den Niederlanden, dem Lande der Zoll- reiheit, in dem also kein Getreidezoll ist, das Brot nicht billiger, das Fleisch sogar teurer ift, als bei uns in Deutschland. Kautsky sagt unter anderem: „Wenn wir also gegen die agrarischen Zolle auftreten, thun wir dies nicht, weil wir den Notstand der Landwirtschaft leugnen, sondern weil wir sie für ein völlig ungeeignetes Mittel halten, ihm entgegen zu wirken. . . Ein Getreidezoll von 5 Mark, ganz abgesehen von den anderen Agrarzöllen, würde allein schon eine Steuer auf die Bevölkerung des Deutschen Reiches im Betrage von rund 500 Millionen Mark darstellen. Daß diese Summe jahraus, jahrein zur Hebung der Landbevölkerung ausgegeben würde, dagegen hätten wir nichts einzuwenden. Allerdings es sind nur 1 300 000 Betriebe an den Agrarzöllen interessiert; aber diese Minderheit der landwirtschaftlichen Betriebe umfaßt beinahe die gesamte deutsche Landwirtschaft; die ihr gegenüberstehende Mehrheit besteht aus Zwergwirtschaften, die für die Lebensmittelversorgung des Volks nicht in Betracht kommen. Die 3 236 000 Betriebe unter 2 Hektar bebauen zusammen bloß 2 416 000 Hektar, die Million Betriebe von 2—5 Hekt. bewirtschafteten, 4 142 000 Hektar, die 1300000 größeren Betriebe dagegen umfassen 36 727 000 Hektar. Diese sind es, erklären die Agrarier, die dem deutschen Volk sein Brot und fein Fleisch liefern; wenn fie verfallen, hängt die Ernährung des Volks vom Ausland ab, jeder Krieg, ja schon jeber Zollkrieg, kann sie bedenklich stören. Wie immer jich das wirtschaftliche Verhältnis eines Volkes zu feinen Nachbarvölkern gestalten mag, wie sehr es auch von dem Wachfen der Exportindustrie abhängen mag, feine Landwirtschaft muß in blühendem Zustand erhalten bleiben, sonst hängt das Gedeihen des Volkes in der Luft und kann durch jeden kräftigen Windstoß von außen um geblasen werden. Es liegt viel Wahres in diesen Bemerkungen. Namentlich die Sozialdemokratie hat alle Ursache, wo fie kann, einem Verfall der Landwirtschaft entgegenzuwirken, denn die Ernährung des Volks durch von außen gekaufte statt durch selbst produzierte Lebensrnittel, die Arbeitsteilung zwischen Industriestaat und Agrarstaat ist ein Zustand, ber nicht andauern kann und nicht andauern wird. Auf der andern Seite fällt es uns gar nicht ein, die Notlage der Landwirtschaft zu leugnen. Erscheint fie uns auch nicht so groß, wie fie die „schreienden" Landwirte malen, so auch nicht so rosig, wie ein gewisser Optimismus sie schildert, der den Maßstab für die Rentabilität der Landwirtschaft in der Zahl der Ehampagnerflaschen sieht, die einzelne Großgrundbesitzer leeren, wenn sie in die Stadt kommen. Tas ist eine ebenso sinnreiche wie bequeme Methode, die landwirtschaftlichen Zustände zu studieren. Solche Stimme aus sozialdemokratischem Lager, und zwar zu einer Zeit, in der wegen des Getreidezolles die Gemüter auf beiden Seiten fast bis zur Siedehitze steigen, wirkt wahrhaft wohlthuend und wird gewiß auch ihren Teil dazu beitragen, die Losung der so überaus schwierigen Frage erleichtern zu Helsen zum Wohle be^gcf amten Vaterlanbesr, ohne Rücksicht barauf, ob einige Jn- teressentengruppen baraus Nutzen ober Nachteil ziehen. Man schreibt uns aus Berlin, 29. März: An ber Börse giebt man sich feit einiger Zeit den Anschein bes Glaubens, daß die Ungunst der wirtschaftlichen Konjunktur „nunmehr überwunden" sei, und daß insbesondere die Aktien der Eisen- und Kohlen-Jn- ) u ft r i e einen unangemessen niedrigen Preis hätten infolge der im vorigen Jahre erfolgten Verkfäufe dieser Werte eitens bes geängstigten Publikums. Seit einigen Wochen treten recht patente Käufer für Montanpapiere auf; ein großer Teil der Werte hat ziemlich beträchtliche Kurssteigcr- ungen erfahren. So sind auch heute Kursaufbesserungen von 2—4 Prozent zu verzeichnen. — Taß die Kohlenbergwerke Geschäfte machen, bei den unverändert teuren Kohlenpreisen und der langen Tauer der kalten Witterung, ist nicht zu leugnen. Die Kauflust auf diesem Gebiete der Bor s erscheint eher begreiflich. In der Eisenindustrie aber läßt die Belebung noch auf sich warten. Man verweist auf die Bestellungen für die Staatsbahnen; die Aufträge bringen aber noch keinen Zug in die Thätigkeit der Werke, und es fragt sich, ob die erzielten Preise einen größeren dwtzen gewähren. Roheisen ist teuer — die Roheisensyndikate halten unerbittlich fest an den Preisen ber Hochkonjunktur — und barunter haben sämtliche weiter oerarbeitenben Betriebe empfinblich zu leiben. Einzelne bebeutenbe Abschlüsse von Stahlwerken ins Auslanb sind in ber Börsenpreise hervorgehoben worben, bie Ausfuhr nach Rußlanb soll in Zunahme begriffen sein ufn>. Aber so große Abschlüsse werben bei bem gegenwärtigen scharfen Konkurrenzkampf ber gesamten Eisenindustrie des In- und Auslandes eben nur durch Unterbietung ermöglicht. Das hauptsächliche Kennzeichen, daß es noch nicht wesentlich besser geworden ist in der Eisenindustrie, besteht darin, daß die Betriebs-« einschränkungen und Arbeiterentlassungen, soweit erkennbar, nirgends rückgängig gemacht worden sind. Die Höherbewertung der Eisen-Aktien, das sprungweise Steigen der Kurse, entspricht nach alledem nicht den thatsächlichen Verhältnissen, und es ist alle Zurückhaltung für das Publikum gegenüber diesen Haussebestrebungen angezeigt, um ich nicht ähnlichen Gefahren auszusetzen, wie sie das vorige Jahr über viele Kleinkapitalisten gebracht hat. Aus Stadt und Kan-. Gießen, 30. März 1901 • • Die Zweite Kammer hat nach viertägiger Debatte mit allen gegen 5 Stimmen den Antrag Haas und Genossen angenommen, der dahin geht, daß die Regierung ihre Bundesbevollmächtigten instruieren möge, daß sie im^BundeS- rate eiutreten für eine ausreichende Erhöhung der bestehenden Getreide- und Viehzölle und in Verbindung damit für eine ausreichende Erhöhung der Zölle auf andere landwirtschaftlichen Erzeugnisie, einschließlich derjenigen deS Obst-, Gemüse-, Wein- und Gartenbaues, sowie ferner für einen ausreichenden Zollschutz derjenigen industriellen Zweige, welche desselben bedürfen um den Abschluß neuer Handelsverträge, in welchen die vorstehenden Wünsche nach Möglichkeit erfüllt werden. Ferner wurde ein Antrag auf Aufhebung der Transitlager und Zollkredite angenommen. (Siehe auSführl. Bericht.. • * Humoristischer Abend. Sonntagabend 8 Uhr ver- anstalten einige Mitglieder vom GießenerStadttheater im Jagdschlößchen zu Dutenhofen einen humoristischen Abend durch komische Vorträge und Aufführung eines Einakters. Die Mitwirkung der Herren Ramseyer, bi Bal- thyni und Lachmann bürgen für einen genußreichen Abend. * • Promenadeu Kouzert. Morgen findet des Palmsonntag» wegen das Promenaden-Konzert nicht statt. • * 3m Zeichen des Ostereies. Wir sind vor Ostern! Wie prächtig sind die Fenster dekoriert! Alles was das Herz ich wünscht, was der Sinn begehrt, ist zu haben, jeder Ge- chmack ist berücksichtigt, jedes Portemonnaie in Betracht gezogen. Groß und klein, aus Chokolade, Marzipan und Zucker, braun, rot, grün, weiß, in allen Regenbogenfarbcn euchtet uns beim Borübergehen das Osterei entgegen, chelmisch lächelnd fitzt der Hase daneben, betrachtet sich die Passanten und scheint sich zu freuen, wenn er recht tüchtig rewunbert wird. WaS Wunder, daß die Linder sich von liefen verlockenden Genüssen nicht trennen können, daß sie lewundernd vor den Herrlichketten stehen bleiben. „Ach, Eicrsuchen ist fein! — Käme doch der große Osterhase und brächte mir recht viele Eier!" — so und ähnlich klingen die BegeisterungSrufe der Kinder. Weiterhin drängen sich einige kleine Mädchen vor dem Fenster einer Drogerie. „Nein, die chönen Ostereier aus Seife; ob uns der Hase wohl solche auch bringt! Damit muß man sich fein waschen können!" Hier dieses wunderniedliche Ei, von zwei reizenden Engeln getragen, ist so recht geeignet für ein Geschenk, mit dem der aufmerksame Bräutigam sein Bräutchen am Feiertage überraschen will. Sinnend betrachtet ein Backfisch das elegant mit Seide garnierte Osterei. Obwohl der bevorzugte Tanz- stundenherr sich seines Versprechens, ein Osterpräsent zu machen, erinnern wird, und was für einen Geschmack wird er entwickeln? „Ja, dieses rosenfarbene Ei wöcht' ich schon haben!" Eden tritt ein junger Herr heran, auch er beschaut die Pracht, jedoch nicht gerade mit vergnügter Miene. „Na, ich muß ran, da hilft nichts!" Er hat viele Verpflichtungen, oft war er im Winter eingeladen, er revanchiert sich aber und schickt ein kostbares Ei; vielen Schönen hat er den Hof gemacht, sein mitleidiges Herz mag keine enttäifchen, darum macht er allen Geschenke. Zu solchem Zweck, wenn auch ungern, gekauft, muß es schön sein; deshalb werden die Ostereier immer kostbarer. Bei dem Kinde spielt die Schönheit keine Rolle, es sieht mehr auf die Quantität als auf die Qualität. Je mehr, desto besser, denkt es. Und mit Freude und Rührung erinnern wir un« der Zeiten, als wir noch, in unseren Ansprüchen bescheiden, im milden Frühjahr im Freien, an kälteren Tagen in den Stuben bie von den M: iE ^ärz: 3er Zeit den f virtschqL °hlen-M »in. Serie g**ß eierungen03n ohlenbergwertr. ’M» J; ’E nirf» zu ,5 öer Böriß ^'e aber laßt weist auf die liraae bringen Werte, md rcherenNhen Syndikate halten lunktur - und enden Betriebe Abschlüsse von *■ Börsenpreise Rußland soll in roße Abschlüsse onkurrenzlamm Auslandes eben OchlicheKenn- ' geworden ist die Betriebs- soweit erkenn- ib. Tie Werse Steigen der sachlichen Ver- ;iir das Publi- angemgt, um x sie das vorige hat. l). . Wrz INI igtt Watte mit ! nab Grnvsse» Regierung ih« ße toflBunbtfr j bet bestehenden damit für eine > landwirtschast« des Dbft«, Ge- ^r einen aus- Zweige, welche handelrveüiäge, Röglichkeit ersüllt bung der Transit- lusführl, Berichts nb 8 llhr ver- Ztadttheater en humoristische» rung eines E>w eher, bi dal- Zeichen Edens. desPalwMlag« tb vor Mn! W war das Herz haben, M je in Seh*? MarzW Regenbsgesfardu wS« M * Mu» '"^et «I» * können, daß bleiben. he Osterha^ u°d L;* klingen ’e l^n sich einige w* W, du 'Ci '* \ä*S *Jr«wet : K-'-" ä I °Äg,at en ich WoD i, M/r Ja, r» Ä,-Ä *05- schaffung bet nötigen Beweismittel, ausgesetzt. Der Angeklagte erkannte bie sofortige Rechtskraft beS Urteils alSbalb an. — Gegen ein Urteil deS Schöffengerichts Gießen vom'22. Februar b. IS bas gegen ihn wegen Sachbe- schäbigung auf eine Gefängnisstrafe von 4 Wochen erkennte, hatte bet Stubierende Keßler Berufung eingelegt. Die Strafkammer erleunt auf V-rwerfung bet Berufung. — Unter Ausschluß ber Oesfentlichkeit wegen Gefährbung ber Sittlichkeit wirb gegen ben 16jährigen Heinrich Hofmann von Treis-Münzenberg wegen Verbrechens gegen §§ 176, 57 St.-G. B., verhandelt. Auf Grund der erfolgten Beweisaufnahme erkennt bad Gericht auf Freisprechung des Angeklagten von Strafe und Kosten. — Eberhard Schneider, Martin Formhllls und Wilhelm Mank von Allendors a. b. Lba. sinb ber Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeuges beschulbigt. Die Beweisaufnahme ergtebt, baß bie Angeklagten in höchst roher unb gefühlloser Weise ben betagten Nachtwächter von Allenborf Heinrich Stieb III. mißhandelt haben, unb zwar derartig, daß sich der Verletzte in längere ärztliche Behandlung begeben mußte unb noch heute nicht im stände ist, seine linke Hanb, mit ber er bie auf ihn niederhagelnben Schläge abzu- wehren suchte, irgenbroie zu gebrauchen. Das Gericht verurteilt ben Eberharb Schneider als ben Rädelsführer und Hauptbeteiligten, in eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren, den Martin Forrnhals in eine solche von einem Jahre, außerdem in eine Haftstrafe von vierzehn Tagen. Wegen Uebertretung des $ 366 pos. 7 St.-G.-B. wurde der Wilhelm Mank in eine Gefängnisstrafe von vier Monaten, unter Solidarhaftung für die Kosten des Verfahrens, verurteilt. Vermischter. * Könitz, 29. März. Kriminalkommissar v. Kracht ist von Könitz nach Berlin zurückgekehrt. Die Hoffnung auf ein positives Ergebnis der Erhebungen in der Winter'schen Mord fache scheint somit aufgegeben worden zu sein. * München, 29. März. Der Einsiedler auf dem Zugspitzgipfel, der Meteorologe EnzenSperger, erhielt vor wenigen Tagen wieder einen Besuch, und zwar waren eS drei Studierende, die sich an dieses Wagnis machten und dem Meteorologen auch Bier mit hinaufnahmen, nach dem er „lechzte". Zum Aufstieg hatten die Herren drei Tage gebraucht; am ersten kamen sie bis zur Angerhvtle, am zweiten bis zur KnorrhÜtte und am dritten auf oen Gipfel. Am 25. März kehrten sie auf Schneeschuhen von »ben zurück; um 7 Uhr früh fuhren sie ab und kamen um halb 7 Uhr abends in Garmisch an; ein längerer Aufenthalt wurde dadurch bedingt, daß im Rainthal weiches Gebiet, daS durch eingetretenes Tauwetter geschaffen wurde, zu passieren war. Bei einer früheren Fahrt, an Weihnachten, waren bei günstigeren Schneeverhältnissen zwei dieser Herren auf Schneeschuhen in 3*/a Stunden vom Gipfel ins Thal gekommen. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß der städtische Friedhof in der Zeit von fitzt bis 15. Mat 1901 von morgens 6 bis abend» 8 Uhr geöffnet bleibt und daß die auf dem Friedhof Verweilenden eine Viertelstunde vor Schluß desfilben auf diesen durch ein Glock nzcichen aufmerksam gemacht werden. Gießen, den 28. März 1001. 2460 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. In da» hiestge Handelsregister, Abt. A, wurde eingetragen unter Nr. 46 die Firma „Carl von Hunolstein, Generalagentur" zu Gießen; als I Haber: Carl von Hunol. stein daselbst.« Gießen, ben 29. März 1901. 2457 Großherzo glich es Amtsgericht. Aktiva. JL H Kaffenbestand 2616.97 Immobilien 39333.26 Abschreibung 888 26 38350.— Maschinen 13559.15 Abschreibung 1359.16 12200.— Geräte und Utensilien 5242.60 Abschreibung 782 50 4460.- Borrat an Molkereiprodukten 1308.80 Vorrat an FabrikationS- u Betriebshilfsmitteln 2015.74 Guthaben bei Banken (ein- schließ! DarlehnSkaffen) 20000.— Susftände bei Kunden 15461.73 Sonstige Schuldner 1053.62 Sonstige Aktiv-Posten______100.— Summe der Aktiva 97466.86 Gesamt-Milchlieferu n g in Mitgliederstand Enl Zugang in 1900 Abgang in 1900 Mitgliederstand Eni Hnrrgerr, den 81. Dezmeber Molkereiß Eingetr. Genossenschaft m O. Mwgethöffer, Direktor. iZI.DkMder 1900. Passiva. A H Reservefonds 6563 — Betriebsrücklage 5356.32 G.schäftSguthaben der Genoffen 14920.— Sicherungseinlagen der Genoffen 24566 63 Schulden bei Banken (ein- schließl. DarlehnSkaffen 26000.— Guthaben der Milch- Lieferanten 10806 47 Guthaben der Waren - rc. Lieferanten 2770.76 Summe der Passiva 90970.18 Reingewinn 6496.68 900 1673 708 Kilogramm. t 1899 299 16 — 13 3 e 190) 3)2 900. 2454 enossenschaft t unbeschränkter Haftpflicht. Berthold Bender, Rendant. Bekanntmachung. In dos hiesige Handelsregister wurde zur Firma „ft. C. Bender & Co." zu Gießen eingetragen: An Kaufi mann Friedrich Bang zu Gießen ist Prokura erteilt. Gießen, den 28. März 1901. 2458 Großherzogliches Amtsgericht. Holzversteigerung in der Freiherrl. Oberförsterei Rabenau. Montag den L April l. I., nach Zusammenkunft auf der Chaussee Allertshausen—Beuern, am Distrikt KcebSkopf, vormittags 10 Uhr, auS den Distrikten KrebSkopf, Eickwald 9a und 2 (Buchkops): Stämme: Birken 5 Slück von 25 bis 33 cm m. Dm. mit 2.40 fm; Derbstangen: Fichten 38 Stück mit 1,60 fm; Schnter rm: Buchen 88, Birken 2 (Rundscheit), E chen 2; Knüppel rm: Buchen 6, Eicken 10, Nadel 2, Erlen 14; Reiser rm: Bucken 124, Eichen 118, Birken 12, Nadel 16, Erlen 68; Siöcke rm: Buchen 19, Eicken 12, Birken 2, Nadel 4. Aus Distrikt Antrefferkopf: Knüppel rm: Bucken 6, Nadel 4; Reiser rm: Buchen 24, Eicken 4, Nadel 6. Aus Aistrikt Aeugehceg: Knüppel rm: Bucken 2; Reiser rm: Buchen 14, Eicken 16. Ans Distrikt Ammenhänserhecke: Derbstangen: Fick en 29 Stück mit 2,21 fm; Knüvpel rm: Bucke,, 2, E'.cken 2, Erlen 2; Reiler rm: Bucken 20, Elchen 4; Stöcke rm: Nadel 2. Aus Fistrikt Aöpperrr- helle: Scheiter rm: Elchen 8; Knüppel rm: Erchen 4; Reiser rm: Eiken 62; Stöcke rm: Eichen 9 Aus Distrikt Jeifelvach: Scheiter rm: Kiefern 2 (Rundscheit); Knüppel rm: Kiefern 16; Reiser rm Kiefern 28; Stöcke rm: Kiefern 8. — DaS Holz aus den Distrikten Antrefferkopf, Neugeheeg, Ammenhäuserhecke, Köppernhelle und Zeise!« bacb wird nicht vorgezeigt. Steigliebhaber wollen sich dasselbe vorher ansehen. Nähere Auskunft erteilt auf Verlangen Forstwart Leyerer, Climbach. Londorf, den 28. März 1901. ** Freiherrliche Oberförsterei Rabenau. Schwörer. 2444 Meiner verehrlicken Kundschaft empfehle ich besonders MAGGI’5 BOUILLON-KAPSELN ä 12 und 16 Pfg für 2 getrennte Portionen, weil diese Marke in Güte und in praktischer Verwendbarkeit alle Präparate, die dem gleichen Zwecke dienen wollen, wett üöertrifft. «. «och Rachfl., Inh. F. Laih, Neuen-Bäue. Dn Eingang meiner Modell - Hüte sowie sämtlicher Frühjahrs-Neuheiten zeige rrgebenst an, Elisabeth Euler, 2471 Ludwigstratze 14, 1, Ttock. Bauholz- Versteigerrrng. DieuStaq den r. April, vormittags von 9 Uhr au, soll im Großen-Busecker Gememdewald, Distrikt Enten- psuhl, Kirschbaum und Hoher« ölpg nachverzeichnetes Holz ver- leigert werden: 61 Eichen-Stämme mit 26,95 Festm., 372 Nadl-Stämmemitl94,37 Festm. darunter 27 Schnittholz Stämme, 6 Buchen-Stämme mit 3,15 Festm., 178 Nadel - Derbstangen mit 22,97 Festm. Der Anfang ist im Distrikt Enter pfuhl. Großenbuseck,29.März 1901. Großh«r;ogliche Bürgermeisterei Großen Buseck. 2461 Schwalb. _____ Hohversteigerung I. Montag, 1. April d. IS., von vormittags 9*/, Uhr an, soll im Bersröder Gemeindewald, Distrikten Fuchsbau, Berg, Hainbach und Waldwiese nachverzeichnetes Holz ser- ftdgert werden: 92 rm Buchen-Scheit, 264 „ „ Knüppel, 1 n Eichen- 2 „ Nadel- „ 324 „ Buchen Reiser, I. und IV. Durchforstung, 11 „ Elchen-Reiser, 17 „ Nadel. „ 109 „ Buchen-Stöcke, 1 „ Eichen. H 2 „ Nadel- , 22 Eichen-Stämme, 8,18 fm, 163 Nadil-Derbstangen, 8,58 fm, 80 Nadel > Reisstangen, 0,83 fm. II. Dienstag, 2. April d. Js., von vormittags 91/» Uhr an, in den Distrikten Waldwiefe, Rosenberg und Drossel: 4 rm Buchen-Scheit, 14 „ „ Knüppel, 46 „ Nadel- „ 8 „ Buchen-Reifer, >74 „ Nadel- „ 37 „ Nadel-Stöcke, 3 Eichen-Stämme, 0,78 fm, 38 Nadel-Derbstangen, ;i,80 fm. Die Zusammenkunft jedesmal im Ort. Bersrod, am29.März 190!. Gr. Bürgermeisterei Bersrod. Böcker. 2149 Weißweine. pr. Fl ohne GlaS Obermofeter —.50 Mk. Lanbepheimer —,70 , Zettinger —,90 „ Lorcher 1,20 „ Deidesheimer 1,40 „ Josefshöfer 1/60 , Enkircher 2,— „ Rotweine. SönigSbacher v Fl. o. Gl. 0,76 Mk. Oderingelheimer 1,50 „ Bordeauxweine p. Fl. von Mk. 1,20 an. Schaumweine Südweine besonders empfehlenswert. Samos Ausbruch (garantiert rein) S p Fl Mk. 1,30. 5 Gebrüder Berdux, «dbnhüfftrafte 28. Hohversteigerrmg im Ruttershauseuer Gemeindewald. Mittwoch, de« Z. -prit d. vormittags von 9 Zthr anfangend, kommen in den D stritten Mausberg u. Wehr- holz zur V^steigerung: 38 nn Eichen Scheit, 54 „ Buchen und Eichen Knüppel, 79 „ Nadel-Knüppel, 2800 Wellen Buchen-, Eichen- und Nadel-Reiser, 41 rm Buchen-, Eichen- und Nadel-Stöcke, 41 Elchen-Stümme, 28,11 Festm. haltend, 72 Nadel-Stämme, 15,21 Festm. haltend, 2 Btrken-Stämme, 0,31 Festm. haltend, 10 Eichen Derbstangen 0,71 Festm. haltend, 522 Nadel-Derbstangen 33,36 Festm. haltend, 100 Nadel-Reisstangen 0,54 Festm. haltend. Das Stamm- und Stangenholz kommt zuerst zur Ver- steigerung und wird in dnn Distritt Mausberg der Anfang gemacht. Ruttershausen,28.März i 901 Großberzogliche Bürgermeisterei Ruttershausen. 2448 Klinkel. Alleinverkauf. Aukk-A-mknksklst ist die Beste Auer-Spa' kernseife hat s lbst m ausgetrocknetem Zustande volles Gewicht. 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