Nr. 77 Drittes Blatt Sonntag 31. März 1901 BMMm, tptbthon ueb •wdewi: Schnt Kratz« 7. Üt! w*. 151. Jahrgang. Rdrefie für DepeschEt L»rie Prinzipale für ihre Angestellten. Dann wird es besser werden, wenn wir nicht nur fragen: Was habe ich zu ver langen, sondern vor allem, was habe ich zu leisten; wenn wir am Bußtage die Frage uns vorlegen: Was habe ich versäumt? Der Buß- und Bettag mahnt uns, nicht zu klagen und zu schelten über das, was uns nicht gefällt, sondern in stiller Selbsteinkehr darüber nachzudenken, wie es besser werden kann, und was jeder Einzelne von uns zur Abstellung der Nöte der Zeit zu thun vermag. Delegierten der Universitäten und beschlagnahmte revolutionäre Druckschriften sowie Schriftstücke mit Organist»- tionsplänen des Geheimbundes. Diesen Erfolg übersckstitzend, glaubte die Staatspolizei, die ganze Bewegung durch strenge Maßregeln erstickt zu haben; indessen wäre nickst Unterdrückung, sondern eine Verbesserung des Unterrickstswesens das richtige gewesen, besonders Aufhebung der unheilvollen Universitätsstatuten. Jetzt möchten maßgebende Stellen der Jugend Zugeständnisse machen, sich aber nicht dem Anschein der Sckstväche aussetzen. Der blutige Kampf zwischen der Polizei und den Studenten, sowie die fortdauernden Sympathien des Publikums zeigten den hohen Grad der Erregung an; die Lage sei ernst und man könne der Zukunft nickst ohne Besorgnisse entgegensetzen. Wie dagegen der „Times" berichtet wird, hätte ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Zaren den Beschluß gefaßt, die harten Bestimmungen des vorläufigen Gesetzes von 1899 wenigstens teilweise aufzuheben. In Zukunft würde also eine Einreihung von Studenten in das Heer als Strafe nicht mehr erfolgen. Die Satzungen der Hochschulordnung sollen einer Durchsickst unterzogen werden. Wenn sich diese Meldung bestätigt, so kann man vielleicht der Eingabe der Professoren und Senatoren eine Einwirkung auf die Entschließungen an höchster Stelle zuschreiben. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterra 28. März: Der kalendermäßige Beginn der schöneren Hälfte des Jahres ist nahe. Doch noch immer weht es rauh durch die Lande, und auch die Politik will aus der Zone scharfer Luftströmungen nicht herauskommen. Sonst pflegte um oir Wende des Märzen die Hochflut der Tagesgeschichte gemach abzuebben. Es winkten noch einige Wochen parlamentarischer Thätigkeit, die aber meist unter dem Zeichen „linder Lüfte" standen; bann kam die behagliche Sommerruhe. Die gute „alte" Zeit! Wer heute die politisckst Situation, drinnen wie draußen, betrachtet, kommt zu der Ucberzeug- ung, daß wechselvolle, ereignisreiche Sommer' tage erwartet werden müssen. Deutschland vor allem, doch nicht nur dieses, sieht sich Fragen gegenübergestellt, deren Entwickelung nicht entfernt zu erkennen ist, wohl aber jeden Tag neue Schwierigkeiten au stauchen lassen kann; die weltpolitischen Begebenbeiten in Asien und Afrika, ber Kampf um Zolltarif uno Kanal — wer vermag zu sagen, wie sich dieses und anderes mehr gestalten wird? Eins aber hat die bewegte Zeit unfehlbar im Gefolge: bie. Steigerung der Bedeutung der Tagespresse. Tie Zeitung ist heute mehr denn je für Jedermann unentbehrlich Tas Sommerhalbjahr wird allem Anschein nach ereignisreicher und interessanter werden als die winterliche „Hochsaison" der Politik. Bettlern und straffälligen Bankerotteuren oder zu überaus angefehenen, vornehm läck>elnden Millionären werden. Die kommunalen Steuerlasten Groß-Berlins sind in ganz erheblicher Weise ungleich verteilt, da die verschiedenen Vororte, die organisch dem Großstadtkörper längst innig angegliedert sind, und dieselben Pflichten für die Anforderungen des Verkehrs, der öffentlick)en Sicherheit usw. erfüllen müssen, ihre eigene Venvaltuug und somit auch eigenen Steuer-Etat haben. Leider müssen gerade jene Gemeinden am meisten aufbringen, resp. die höchsten Zuschläge von ihren Einwohnern nehmen, in denen sich die ärmere Bevölkerung Groß-Berlins angesiedelt hat Die Gemeinde Berlin begnügt sich wie auch Schöneberg mit l00 Prozent Zuschlag; das vornehme Schlorendorf, Pardon: Charlottenburg, braucht sogar noch 3 Prozent weniger. Rtxdorf dagegen klettert schon auf 140; Pankow begnügt Och noch mit 120, während das arme Neuweißensee mit seinen großen Arbeiterkasernen 175 Prozent nötig hat, und Britz, das wegen seines RosenreichtumS von gutmütigen -seelen Klein^Schiras genannte, die am allenvenigsten rosige ie auf dem beißen Boden der Börse tanzen unb nach dem ^Ausfall irgend einer gewagten Spekulation je nad)bem zu GietzeimAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen IhW. ft.1** Ien6 Srfvrgi. itM «Tfütbi ' gesucht gW, bd flfln Nation, jut 6t. jpN.iergeslbift, ’orotion) bei [2416 > ödMaofr 16. vWn gen Kinde auf halb m unter X124« on dieses Miet, ^chtige «.sch, wie laut gtfutt. ' ßrpthition b. 81. «ädchev gesicht. lftatze 8», Ul. NMädLen ent rtn gleich ge- KUnttve, 12. »acht i. SDIM, to. n. n. i. L. ffrau-».-ich 12 hinter der VSrse. -l. 2087 Erscheint täglich *tt E"'nehme M ÜJleetefl». »ie liegenrr^flHilten. Mittet werden dem Mn« ■tyr im Wechsel mit „Hess, unb „Clätier ffc Hess BvllSkunde" owr. cwrf »scheuUich beigetegt. »m liitlft* her de« put«« Xq rrichrt«e«den imewr W M>na >« Uhr HtiM Mrtyr behus schiedsgerichtlicher Schlichtung aller Streit fälle ge'chlosstu würde. No«, 28. März. Dcr „HecaId"Sarrespondeut würd' vom König Viktor Emauael empfangen. Der König hielt daranf, feinen Besucher durch Nugensche« z» überzeugen, daß er seiner Offizieraueiang für einfache Ledenaweise treu • blieben. Im Gespäche war wiederholt von König'» H lena und Königin Margherita die Nede, deren der König mit Herzlichkeit gedachte. (Dieser Empfang ist interessant, weil er beweist, daß Viktor Emanuel die bekannten Aeußerung n seine- Ministers Zauardelli nicht nur gekannt und ztm Voran« gebilligt hat, sondern weil er dem Verbreiter jena Erklärungen noch einen besonderen Guustbeweis liefern wollte indem er ihu in seinen Privatgemächern empfing. D. Red.) Gerichtssaal. Worms, 27. März. Eine nette Pflanze verspricht die schon im Alter von 13 Jahren mit vier Wochen Gefängnis w-elgen Diebstahl bestrafte, jetzt noch nicht 15- Dähriae Anna Knöß aus Worms zu werden. Sie machte angeblich im Auftrage ihrer wegen Geisteskrankheit entmündigten Mutter (Ehefrau des verstorbenen Schutzmanns Knöß) Ende Februar eine Reise nach Mainz, um dort einen kleinen Geldbetrag einzukassieren, und in einer ganzen Rteihe von Geschäften daselbst sowie in Frankfurt a. M., Darmstadt und Bensheim Betrügereien auszuführen. Sie gatte einen Schließkorb mit uno gab sich in Mainz in drei Geschäften als von Dr. W. geschickt aus, wobei sie Jo geschickt operierte, daß, sie Waren im Werte von ca. 90 Mark erhielt. In Frankfurt a. M. arbeitete sie in vier Holzv ersteigermng. In den Mitgebrauchswaldungen der Gemeinde Treis a. d. Lda. roerben versteigert: 1. Montag bett 1. April 1901, von vormittags 9 Uhr an, im Distrikt Aspeustranch: A. Bau- und Werkholz. 6 Eich n-Stämme mit 2,27 cbm Inhalt 2 Nadel- , ,, 0,48 „ 1 Buchen Stamm „ 0,83 „ N 352 Nadel Derbstangen „ 12,52 M „ B. Brennholz. 166,4 rm Buchen-, 9 rm Elchen«, 1 rm Aspen-Scheiter 62 .. „ 4 „ „ 8 „ „ «Knüppel 445 „ „ 10 „ „ 82 „ Nadel-Zopfreis 6 „ Nadel-, 4 „ AspewStöcke. 2. Dienstag den 58. April 1901, von vormittags 9 Uhr an, anS den Distrikten Zipfenwald, Alte- Unner und Bnchwald: A. Bau- und Werkholz. 43 Eichen-Stämme .mit 18,84 cbm Inhalt 17 Kiefern- „ „ 4,44 „ „ 9 Fichten- „ „ 1,23 „ 7 Eichen-Derbstangm mit 0,40 cbm Inhalt 86 Fichten- M „ 8,79 „ M B. Brennholz. 55 rm Eichen-, 4 rm Nadel-, 18 34 „ „ 8) „ „ 17 2 „ Buchen-Knüppel, 6 „ „ 18 110 M E chen-, 185 „ „ 90 770 „ Ravel'Stammreis. rm Kiefern-Scheiter „ „ -Knüppel „ „ -Stöcke ,/ „ -Zopfteis Zusammenkunft ist am ersten Tage Im Distrikt Aspen« strauch bei Nr. 8 am Wege von Treis a. Lda. nach Beuern, am zweiten Tage im Distrikt Buchwald an dcr Straße nach Mainzlar. Treis a. Lda., den 26. März 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Treis a. Lda. Benner. 2353 M-MlMWm Ich habe meine Praxis wieder aufgenommen. 2882 A M Der Weltruf, den die Pfay«Nühmaschinen ge- nießen, begründet sich lediglich auf daS ernste und . unablässige Bestreben der Fabrik: „Nur das Beste zu liefern". Diesem bewährten Grundsatz hat die Fabrik nicht nur ihre Größe, sondern auch die Thatsache zu verdanken, daß die Pfaff-Näh« Maschinen die gesuchtesten und beliebtesten auf dem Markte find. — Die Pfaff. Nähmaschinen eignen sich auch vorzüglich znr Urmpftickerei. Alleinverkauf für Kietzen und Umgegend — bei H. Kraft, Mechaniker, 46 Neuenweg 46. Wt Neparotnewertstätte für Nähmaschinen und Wahrräder. Andere heworragend« Fabrikate, wie Clemene Hüller in Oreaden und G. Wlueelmann in Altenburg, preiswert und unter reeller Garantie. 788 Gefstngbücher i* großer Auswahl zu billigsten Preisen empfiehlt m9 Carl Bourgeois, 1 Markt 1. Geschäften mit gleichem Erfolg, auch in Bensheim und Darmstadt hatte sie Glück und erschwindelte Waren im Wert von mehreren hundert Mark, die man allerdings, als man die Spur verfolgte, alle in der Wohnung in Worms fand. Die Angeklagte, die geständig ist, macht den Eindruck einer Zwanzigjährigen. Sie wurde in elf Fällen des vollendeten und in fünf Fällen des versuchten Betrugs für schuldig erkannt, und in eine Gefängnisstrafe von vier Monaten, 26 Wochen und 30 Tage verurteilt. Letztere gelten als durch die Untersuchungshaft verbüßt. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Firma Krupp. Dem letzten Jahrbuch für den Oberberg-Amtsbezirk Dortmund entnehmen wir folgendes: Im Besitz der Firma Krupp befinden sich: die Gußstahlfabrik in Essen; das Stahlwerk in Annen; das Grusonwerk in Buckau-Magdeburg; Hochofenanlagen bei Duisburg, Neuwied, Engers und Rheinhausen; die Sayner Hütte; die Zechen Hannover und Hannibal und teilweise auch Sälzer- Neuack; Eisenstein grub en im Siegerland, an der Lahn, in Lothringen und Bilbao (Spanien), welch letztere der Firma jedoch nur teilweise gehören; der Schießplatz bei Meppen; 3 Seedampfer; Steinbrüche; Thon- und Sandgruben usw.; die Schiffs- und Maschinenbau-Aktien-Gesell- schaft „Germania" in Berlin und Kiel, deren Betrieb der Firma überlassen ist Auf allen diesen Werken werden insgesamt 46 679 Personen beschäftigt, davon 26 670 in Essen. Die Zeche Hannover beschäftigt 3298 Mann. Die übrigen Personen verteilen sich auf die anderen oben angeführten Werke. Die Firma verfügt ferner über einen Grundbesitz von insgesamt 1404 03 Hektar. Die Gußstahlfabrik in Offen umfaßt davon allein 389,44 Hektar, die Zechen Hannover und Hannibal 230,25 Hektar. Hannoversche Bahnindustrie, G. m. 6. H. Unter dieser Firma ist in Hannover eine Fabrik errichtet, in der die für Bal)n-Oberbau und -Betrieb erforderlichen Materialien hergestellt werden, insbesondere Weichen, Dreh- scheiben und Transportwagen für Voll- und Kleinbahnen, sowie Anschluß-, Feld- und Industriebahnen jeder Art. Die Gesellschaft übernimmt auch in einer besonderen Ab Leitung die Vorarbeiten und Ausführung derartiger Anlagen einschließlich Lieferung des gesamten Baubedarfs. Der sechste deutsche Handlungsgehilfentag wird am 8. April in Mannheim abgehalten werden. Nach den bisherigen Anmeldungen dürften etwa 1200 Städte ver treten werden und über 1500 Handlungsgehilfen an den Beratungen teilnehmen. Die Tagesordnung umfaßt folgende Punkte: 1. Die Krankenversicherung für Handlungsgehilfen. Berichterstatter: A. Tarnowski-Hamburg. 2. Die Erfahrungen mit dem Ladenschlußgesetz. Berichterstatter: E. Clauß-Mannheim. 3. Kaufmännische Schiedsgerichte. Berichterstatter : P. Elberding-Elberfeld. Dem Handlungsgehilfentag geht in üblicher Weise am Ostersonntag der! Verbandstag des 45 000 Mitglieder zählenden Deutsch-nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes voran. Spazierstöcke stets Neuheiteu. Casseler Schirmfabrik Gießen, SelterSweg 9. 5 Sohle Pflüge vorzüglich umwendend, leichtester Gang bewährteste Konstruktion. A. Kröll Söhne Giessen. Einseitiger Pflugkörper. [2287] Wendepflugkörper. Abeehrifton,Zlrkulart, Offerten und Adressen, Schreiben nach Diktat, Vervielfältigungen, BO- eamtliche vor- —-- kommende Sehreibereien Unterricht im Maechlneneehreiben erteilt Damen und Herren ADOLF HOFFMAHB, Selternweg 83,Laden. Täglich gehen prachtvollegNeuheiten ein NWivMA 8M 1808 Gaslampen und elektrischen Lampen Wilh. Orbig Nachfolger Emil Pistör"Nachfolger Marktflrahe 10. * Giessen. 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