Nr. 282 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 30. November 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Kamillen- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt" und den -Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr.51. GiehenerAnzeiger General-Anzeiger “ Amts- und Anzeigeblalt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeiaea xii der sur den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anxeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf* auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der B rü h l'schen Universitäts - fDruderet (Pietsch Erben). Verantwortlich sür den allgemeinen Teil: P. Wrttko; für den Anzeigenteil: HanSBeck. der Kauzüsten bei den Landgerichten durchgesetzt; sie möge dasselbe Wohlwollen auch den anderen Beamten schenken. Er empfehle die Annahme des Antrags der Ausschuß- minderheit. Abg. Jöckel (natl.) polemisiert gegen den Abg. Mol- than, der für eine Vermehrung der dekretmäßigen Stellen der Gerichtsschreiber eintrete, die er (Redner) für absolut nutzlos halte. Zufriedenheit werde auch mit der Erfüllung des Wunsches der Hilfsgerichtsschreiber nie erreicht. Abg. David (soz) widerspricht dem unter Hinweis darauf, daß wir 111 dekretmäßige Stellen hätten, denen 197 dauernd beschäftigte Aspiranten gegenüberständen. Vor dem 32. Lebensjahre werde heute niemand Hilfsgerichtsschreiber. Er bitte dringend, den Antrag der Minorität des Ausschusses anzunehmen. Was die Titel anlange, so seien sie billig und brauche man deshalb keine Schwierigkeiten zu machen. Warum man aber ein Fremdwort nehmen solle, sehe er nicht ein. Vielleicht empfehle sich die Bezeichnung erster und zweiter Gerichtsschreiber. Der Neuorganisation stehe bis jetzt das Stempelwesen entgegen, das man. beseitigen müsse. Die Gehaltsverhältnisse der Hilfsgerichtsschreiber seien scheußlich. Bei ihrer Anstellung bekämen sie noch nicht einmal, wie sonst jeder Beamter, eine Gehaltserhöhung. Derartige Inkonsequenzen, die nur Aergernis erregten, müsse man beseitigen. Justizminister Dr. Di t t m a r: Er werde, wo es nötig sei, bessern. Er wäre glücklich, wenn er alle Wünsche, die an ihn heranträten, befriedigen könnte. Das könne er aber nicht, denn er müsse sich zunächst fragen, was ist für den Dienst nötig, und wieweit verträgt es- sich mit dem staatlichen Interesse. Wenn man in der Kammer zuhöre, so könne man meinen, die Justizverwaltung sei gegen ihre Beamten feindlich gesinnt. Man solle aber einmal die Zahlen lesen, wieviele sich zu den Hilfsgerichtssch'reiberstellen meldeten; ein Amt, das so viele Angebote aufweise, könne unmöglich so schlecht sein. Der Ausschuß, der mehr Kenntnisse als mancher der Redner hier besitze, habe selbst gesagt, daß die Gehaltsverhältnisse gebessert worden seien. Aber je mehr man gebe, desto mehr werde gefordert. Was Abg. David über Organisation rede, sei alles höchst unpraktisch; Klagen, daß der Dienst zu kurz käme, habe er noch nie gehört, auch nie den Wunsch gehört, daß der Apparat geändert werden solle. Nur die, die glaubten, alles anwenden zu müsseii, um auch besser gestellt werden zu müssen, würden sich auch gegen die Organisation wenden. Gänzlich, unausführbar sei der Vorschlag, jedem Amtsrichter einen Gerichtsschreiber beizuordnen. Das Streben der Hilfsge- vichtsschreiber, von der Aufsicht der Gerichtsschreiber frei zu werden, verstehe er wohl; aber im Interesse des Dienstes könne nicht davon abgegangen werden. Zu einer Titeländerung sei er gern bereit, man solle ihm nur sagen, wie man es besser machen solle, als es sei. Die Wiedereinführung von fremdsprachlichen Titeln widerstrebe ihm außerordentlich (Bravo!) Der Ausschuß habe recht, wenn er sage, es liege kein Grund zur Aenderung der Organisations- und Gehaltsverhältnisse vor. Er gebe zu bedenken, wenn die Kammer der Regierung zu erwägen gäbe, eine Aenderung in den Gehaltsverhältnissen eintreten zu lassen, so werde sie bei den Interessenten die Auffassung erregen, die Regierung müsse dann nun auch die Aenderung eintreten lassen. Und wenn dann die Hoffnung nicht erfüllt werde, so würde die Kammer gerade das Gegenteil von dem erreichen, was sie erreichen wolle. Abg. Wolf (freie wirtsch Vereinigg.) erkennt die Forderung der Petenten, mit den Finanzaspiranten gleichgestellt zu werden, als berechtigt an. Er sei auch für die Bezeichnung Gerichtsschreiber erster und zweiter Klasse. Den Zweite hessische Ständekammer. 31» Landtag. 76. Sitzung. Mittwoch, den 27. Nov. 1901. Am Regierungstische: Staatsminisber Rothe Exc., Finanzminister Gnauth Exc., Justizminis^r Dr. Mttmar ®jc. (später), Ministerialrat Emmerling, Obermedizin alrat Lorenz, Ministerialräte Willbrand und PÜckel. Vizepräsident Reinhart eröffnet die Sitzung um 9-16 Uhr. Das Haus tritt in die Beratung des Antrags Korell über die Maul- und Klauenseuche ein. Abg. Schönberger tritt für eine Entschädigung unter Rücksichtnahme auf besondere Verhältnisse in der Provinz Starkenburg ein und begründet Jeine Stellungnahme in längeren Ausführungen. Eine Entschädigungspflicht des Staates müsse gesetzlich festgestellt werden. Die Regierung müsse teilweise für die Seuchen infolge mangelhafter Beobachtung und Organisation verantwortlich gemacht werden. Abg. Wolf (antis.) weist die Regierung auf den Durchzug der Schafherden durch Rheinhessen hin, die namentlich von Nichthessen betrieben werden, um billige Futtermittel sich zu verschaffen. Es werde dadurch die Einschleppung von Seuchen befördert. Abg. Weidner (christl.-soz.) legt der Regierung ans Herz, Drittel und Wege zu finden, die schwer heimgesuchten Landwirte wie in anderen Notstands fällen zu unterstützen, wie dies der Fall gewesen sei bei den Ueberschwemmungen in Rheinhessen. Abg. Ko rell (B. d. L.) tritt wiederholt im Sinne der Vorredner für seine Wünsche ein und bittet die Regierung um baldige endgiltige Regelung der Materie. Die Debatte wird damit geschlossen. — Der Ausschuß beantragt, über die Vorstellungen der Dampft rahn en- Maschinenmeister zu Gustavsburg und Bingen, sowie des Wagenwärters Ludw. Frey zur Tagesordnung uber- zugehen. Das Haus stimmt dem zu. Das Haus schreitet sodann zur Beratung der Eingabe ver Hi lfsgerichtsschreiber bei den Amtsgerichten und zweiten Staatsanwaltsgehilfen um Aufbesserung ihrer Gehalte und Gleichstellung mit den Finanzaspiranten (Vertreter des Justizministeriums sind am Ministertische vorerst nicht anwesend). Abg. Molthan (Ztr.) geht eingehend zur Schilderung ber Verhältnisse der Petenten über. Ihre Gleichstellung mit den Finanzbeantten entspreche nur der Billigkeit. Wenn der Wunsch auf Umwandlung der Hilfsgerichtschreiberstellen in Gerichtsschreiberstellen aus finanziellen Gründen nicht möglich sei, dann möge man ein gleiches Anfangsgehalt beider Beamten-Klassen schaffen. Der finanzielle Effekt bedeute nur 12 000 Mk. jährlich. Vielleicht sei es auch möglich- 26 neue definitive Stellen zu schassen, damit die Aspiranten wenigstens irgendwelche Aussicht auf Anstellung erhalten. Wenn der Abg. Jöckel in seinem Bericht gesagt habe, das Institut der Hilfsschreiber habe sich bei uns „bewährt", so gebe er letzteres zu hinsichtlich! der Ersparnisse der Staatskasse; aber gerecht habe man gegen die Petenten bei 6em Beamtenbesoldungsgesetz nicht verfahren. Dieser Tadel treffe in erster Lnie das Justizministerium. In Betracht komme, daß die Gerichtsschreiber noch Nebeneinnahmen haben, voll welchen den Hilfsgerichtsschreibern nichts zufließt, obschon sie dieselben Funktionen und dieselbe Vorbildung mit den ersteren Beamten haben. Auch die Abänderung des geraoezu mitleiderregenden Titels „Hilfsgerichtsschreiber" sei geboten, man nenne sie doch wie in Preußen und Bayern Sekretäre. Im übrigen habe die Regierung bei der letzten Budgetberatung die Aufbesserung der Hilssgerichtsschreiber bei den Untersuchungsrichtern und Minister bitte ec, dem Landgerichtspräsidenten die Auf- sichtsbefugnis über die Gerichtsschreiber zu übertragen. Justizminister Dittmar bestreitet, daß die gleiche Vorbildung bei den Finanzaspiranten und den Hllfsgerichts- schreibern bestehe. (Zwischenrufe: Neuerdings aoer!) Bei der vom Abg. Molthan erwähnten und im Budget besser- gestellten Beamtenlategorie habe es sich um eine Frage der Organisation gehandelt. Hier handele es sich um einen Bruch mit der Beamtenbesoldung, dem hoffentlich der Finanzausschuß schon aus prinzipiellen Gründen wohl nie zustimmen werde. Der Abg. David habe ihn mit einem Zahlenmaterial überrascht, das er wohl durch Nachfrage bei den Beamten sich verschafft habe. Man habe im Finanzausschüsse keine Statistik verlangt. Er bitte wiederholt das Haus dringend, dem Ersuchen der Petenten keine Folge zu geben. Abg. Leun (antis.) geht auf die Einkommensverhältnisse der Gerichtsschreiber näher ein, die durch große Neben- einnahmen sich recht günstig gestalten. Abg. Weidner (christl.-soz.) bekennt sich als Freund der Hilfsgerichtsschreiber; er sei im Finanzausschüsse lediglich um deswillen der nunmehrigen Majorität beigetreten, weil er weitere Gesuche anderer Beamtenkategorien um Gehaltserhöhung befürchte. Aber einer Gleichstellung der Petenten mit den Finanzaspiranten rede er das Wort. Man könne dies dadurch erreichen, indem man die Nebeneinkommen der Gerichtsschreiber den Hilfsgerichtsschreibern zuwende. Ministerialrat Pückel tritt verschiedenen Bedenken der Vorredner entgegen und beharrt darauf, daß die Vorbildung der Finanzaspiranten eine bessere sei als die der Hilfsgerichts^ schreiber. Abg. Köhler-Darmstadt (natl.) tritt mit Wärme und Nachdruck für die Petenten ein. Er sei allerdings gegen einen Bruch mit dem Beamtenbesoldungsantrag, wohl aber für eine Vermehrung der definitiven Stellen. Man müsse immer im Auge behalten, daß Hilfsgerichtsschreiber und Gerichtsschreiber gleiche Vorbildung und gleiche Funktionen haben. Man solle doch endliche einmal den Beamten gerecht werden und auch ihren Wünschen auf Aenderung ihres erbarmungswürdigen Titels entgegenkommen. Abg. Dr. David (Soz.) polemisiert gegen den Justiz. Minister (der das Haus inzwischen wieder verlassen hat). „Ucberraschen" habe er den Minister nicht wollen; denn er habe annehmen müssen, daß derselbe das statistische Material selbst kenne und dasselbe selbst dem Hause unterbreiten werde. Im übrigen konftattere er, daß dasselbe ja in der Eingabe an Regierung und Landstände ausdrücklich wiedergegeben sei. (Heiterkeit.) Ministerialrat Pückel habe die Sachlage nicht geklärt, sondern nur weiter verwirrt. Der „Zug nach den Bureaus" werde von der Negierung geradezu gefördert, indem dieselbe Aspiranten in Menge annehme und keine dekretmäßigen Stellen schaffe. Das heiße man beim Kaufmannsstand Lehrlingszüchterei. (Heiterkeit und Beifall.) Bei dem Wunsche auf Abänderung des Titels spreche wohl auch das „schöne Geschlecht" mit. Die Erftlllung dieses Wunsches ermögliche manchem jungen Manne das Heiraten. (Heiterkeit.) Er bitte, dringend, im Sinne der Petenten zu entscheiden. Nach weiteren Ausführungen der Mgg. Weidner und Molthan sowie des Oberjustizrats Lor buch, er beantragt der Abg. Weidner die Zu rückvcrweisungderEin- gabe an den Finanzausschuß. Präsident Reinhart stellt diesen Antrag zur Abstimmung; er wird mit 17 gegen 16 Stimmen angenommen. Es entsteht nun eine längere Debatte darüber, ob durch Nichtanhörung des Berichterstatters ein Fehler in der Geschäftsführung vorgekommen sei. Das Haus lehnt einen Gießener Theatervrrein. Die Zwillingsschwester. Lustspiel in 4 Aufzügen von Ludwig Fulda. Die Dichter von heute erfechten nur noch bescheidene Siege. Gerhard Hauptmann hat am Dienstag in Berlin mit seinem neuesten Drama, das unter dem Namen „Der rote Hahn" einen zweiten Teil seines prächtigen „Biberpelzes" bar- stellt, so etwas wie einen kühlen Achtungserfolg errungen, Max Halbe ging es unlängst mit seinem „Haus Rosenhagen" nicht sehr viel besser, und Herr Ludwig Fulda — nun, Herr Fulda verschmäht es ja längst, das Löwenfell auch nur umzuhängen, er scheint schon seit Jahren gar nicht einmal mehr den Ehrgeiz zu haben, ernst genommen zu werden, im Gegensätze zu den beiden genannten, so geschickt er auch gelegentlich einmal die ernste Kunst zu verteidigen versteht. Es ist noch nicht gar so lange her, daß er mit Oskar Blumenthal ein Versgefecht ausfocht, als die Freie Bühne, deren Vorsitzender er ist, ein Schauspiel des jungen Grafen Keyserling zur Aufführung gebracht hatte. Damals bespöttelte Blumenthal jene freie Bühnendramatik als sogen. „Arnlleutdichtung". Fulda veröffentlichte umgehend ein paar geharnische Verse gegen Blumenthal, in denen er viel von der „Richtung nach oben in mutigem Flug" sprach. Blumenthal aber antroodete postwendend mit einem „Postscripturn", in dem er u. a. seinen Gegner also charakterisierte: „Ach nein! Du bist fein kühner Rebell, Der bei den Philistern gesiebt ist, Du bist ein schmiegsamer, guter Gesell, Der allgemein „beliebt" ist." Daß Blumenthal nicht unrecht hat, zeigen neben anderem Fuldas kürzlich im Verlage der I. G. Cotta'schen Buchhandlung in Stuttgart erschienenen „Neuen Gedichte". Tas ist ein rechtes echtes Familienweihnachtsbuch. Man erkennt, wenn man den Band durchblättert, den sinnigen Beobachter des Weltverlaufs, das liebevolle Sichversenken in jede sympathische Einzelerscheinung, die herzliche Teilnahme an Freud und Leid. Fuldas Muse ist nicht stürmisch und leidenschaftlich, nicht kühn und nicht rebellisch, sie ist helläugig und klar, und man versteht es, daß sie ihre freundlichen Weisen hat hören lassen, wenn es sich darum handelte, eine Gedenkfeier mit einer dichterischen Ansprache einzuleiten; so finden wir hier Dichtungen, die zu Ehren Anzengrubers, Kuno Fischers, Theodor Fontanes, Wilh. Jordans, Paul Heyses und anderer gesprochen worden sind. Auch in Aphorismen zur Lebensweisheit und in Parabeln hat sich die Eigenatt des Dichters naturgemäß beteiligt. Sprache und Versmaß sind bei Fulda immer mit Sauberkeit und Gewandtheit gehandhabt. Im Hinblick auf die Form des Dargebotenen überragt dies Buch die meisten lyrischen Erzeugnisse des Tages, ebenso wie seine „Zwillingsschwester" die meisten Verskomödien unserer Tage um einiges überragt. Aber von einer „Richtung nach oben" verspürt man bei ihm heute nichts mehr. Er ist ein sehr sanfter Löwe geworden, sehr zahm, und brüllt nur noch ganzspianissimo und in den glattesten, gefeilten Versen. Herr Fulda, der mit besonderer Aufmerksamkeit die graziöse Lustspiel-Verskunst Jordans verfolgt hat und sehr wohl weiß, daß „Deutsches Volk ihn liebgewann durchs Ohr", wie Fulda seinen Prolog zu Wilh. Jordans reizendstem Lustspiel zur Feier von dessen 80. Geburtstage im Frankfurter Stadttheater schließt, — Fulda hat dem großen alten Poeten in unserer benachbarten Main- großstadt ganz hübsch das Aeußere seiner Lustspielkunst abgeguckt. Er hat zudem noch mehr als Jordan Geschmack am bunten Spiel und farbenprächtigen Kostümen; denn das erfreut des Publikums Herz. So hat er „die Zwillingsschwester" geschrieben, eine Renaissance-Komödie, besser als jene, die wir im vorigen Jahre in unserem Theaterverein sahen, und mit der sich gestern unsere große Theatervereinsgesellschaft angenehm und ohne Aufregung unterhielt. Es ist die alte Geschichte und wird auch niemals neu. Das Ende kennt man schon am Anfang. Das Stück spielt in der Zeit der Renaiffance, des Kostüms wegen und um anzu- deuten, daß dergleichen heute unmöglich wäre. Damit ist aber noch lange nicht der Beweis erbracht, daß sie damals möglich gewesen wäre. Aber derlei ist auch nicht nötig. Man höre die Geschichte von dem Ritter Orlando della Torre (wie das klingt, echt italienisch!), der sein süßes Weibchen Giuditta zwar liebt, das ihm aber im Laufe der Zeit etwas langweilig geworden ist. Den „Narrn des Glücks" wieder zum Bewußtsein seines Besitzes zu bringen, ersinnt Giuditta eine Theaterlist. Sie hat in Süditalien irgendwo eine Zwillingsschwester, die ihr zum Verwechseln ähnlich ist. Sie reitet — in kostbar heller Schlepprobe! — angeblich auf Monate von bannen, und kommt als ihre Zwillingsschwester schleunigst wieder. Der Mann ist bald aufs neue verliebt, die Verführerische siegt, betrügt ihn und sich mit sich selbst! Denn der Gatte liebt ja doch wieder die Abwechselung. Zum Schluß heitere Lösung: auch die wirkliche Zwillings- schwester erscheint, mit dem echten, nicht mit dem angelegten Muttermal auf der Brust; ironischer Triumph, glückliche Heilung des Flatterhaften — für die nächsten fünf Jahre, wenn's hoch kommt! Tie oft gehörte Weisheit des dünnen Tändelspiels der Porzellansigurinen also ist: „Was man nicht hat, das eben brauchte man, und was man hat, das kann man nicht gebrauchen." Doch das Reimspiel, das der Virtuose mit allen Reizen der Sprache, mit zierlichen Wendungen und feinen Pointen höchst sinnengefällig unckleidete, klingt sehr fein und anmutig aus, mit einem nachdenklichpsychologischen Sprüchlein, das den ewig-männlichen Zug nach dem Anderen mit zärtlich schmollendem Fächerschlage berührt: Antrag David auf Wiedereröffnung der Debatte mit Stimmenmehrheit ab und beharrt auf seinem Beschlüsse. Finanzminister D-r. Gn auth beantwortet dann die Anfrage des Abg. Nioack. die Beamtenverhältnisse an der Main-Neckarbahn betr. dahin: Die Regierung habe geglaubt, die Beantwortung der Anfrage so lange verschieben zu sollen, bis der Stand der Verhandlungen betreffs der Main-Neckar- Bahn einen besseren Uebcrblick gestatte. Tie Verhandlungen seien nunmehr dem Abschlüsse sehr nahe gekommen; dabei sollten auch die Verhältnisse im einzelnen geregelt werden. Die Regierung stelle e s aber der Kammer anheim, die Besprechung der vorliegenden Anfrage von der Tagesordnung abzusetzen, da man bei Gelegenheit der Beratung des Staatsvertrags bezüglich der Main-Neckarbahn wieder darauf zurückkommen könne. Auf Antrag Köhler-Langsdoxf (freie wirtsch. Vgg.^ wird die Besprechung der Anfrage ausgesetzt und eine Reihe sich auf die Main-Neckarbahn bezüglicher Vorstellungen an den Ausschuß verwiesen. Auf die Anfrage des Abg. Berthold (Soz.), den zwischen der Großh. Domanialverwaltung und der Gemeinde Nauheim bei Groß-Gerau geplanten Waldtausch betr., erwidert Finanzminister Gnauth, daß sich die Tiomanialver- waltung zu einem Tausche bereit erklärt habe, aber noch ohne Antwort der betreffenden Gemeinden sei. Nachdem Abg. Berthold (Soz.) bemerkt hatte, die Gemeinden Königstädten und Nauheim wollten von dem Waldtausche nichts wissen, wird die Besprechung vertagt und die Vorstellung der Gemeinde Königstädten und Nauheim an den Ausschuß verwiesen. Schluß der Sitzung 1 Uhr 30 Min. * * « Beginn der Sitzung 4 Uhr 10 Min. D4e Vorstellung des Bezirkskassiers Meißinger in Friedberg wird an den Ausschuß verwiesen. Die Anfrage des Abg. Bähr, die Bureaukosten der Bürgermeister betr., die Vorstellung des Abg. Weidner, das Tiensteinkommen der Bürgermeister betr. und diejenige des Abg. Pitthan, den Gesetzentwurf, die Dienstbezüge der Forstwarte betr. werden aus Antrag Gutfleischs (freis.) von der Tagesordnung abgesetzt. Die Anfrage des Abg. Köhler-Langsdorf (freie wirtsch Vgg.), die Vergütung der Ortsgerichtsdiener für Mühewaltung bei Anlegung des Grundbuchs betr., beantwortet Justtz- minister Dr. Dittmar^ Die Ortsgerichtsdiener hätten eine Gebühr zu beanspruchen. Die Beträge würden auf der Hauptstaatskasse angewiesen. Die Anweisung von Gebühren sei stets erfolgt, wenn darum nachgesucht worden sei. Sollte es bei den einzelnen Ortsgerichten versäumt worden sein, so könne es nachgeholt werden. Abg. Köhler-Langsdorf (freie wirtsch. Vgg.): Als er die vorliegende Anfrage an die Regierung gerichtet habe, sei ihm durch den „Gießener Anzeiger" die Antwort zu Teil geworden, daß er sich im 3rrturne befinde. Wenn ein Grundbuch angelegt werde und die Ausmärker sollten eingetragen werden, so beauftrage das Ortsgericht den Ortsdiener, die Zustellungen vorzunehmen. Anlaß zu der Anfrage habe ihm gegeben, daß das Amtsgericht Lich die Vergütung seines Ortsgerichtsdieners verweigert habe. Mit der Antwort des Justizministers könne er zufrieden sein. Es wird sodann die Anfrage der Abgg. Gundrum und Korell, die Erbauung einer normalspurigen Bahn von Alsfeld nach Hersfeld betr., vom Finanzminister Gnauth im wesenllichen dahin beantwortet: Auf den übereinstimmenden Beschluß beider Kammern hin sei die Regierung in die nochmalige Verhandlung mit dem preußischen Eisenbahnminister getreten. Die Verhandlungen seien durch unseren Gesandten in Berlin geführt worden. Der preußische Minister beharre jedoch bei seiner Ansicht, daß die Bahn Alsfeld-Hersfeld nicht die Bedeutung habe, daß man sie auf Staatskosten baue. Bei dieser Sachlage sei die Regierung leider nicht im stände, dem Ersuchen der beiden Kammern zu entsprechen. Sie könne nur empfehlen, mit den Interessenten in Preußen in Verbindung zu treten, die auch eine Bahn durch das Jossa-Thal nach Alsfeld anstrebten. Die Regierung sei gerne bereit, für den in Hessen gelegenen Teil der Bahn eine Beihilfe in Aussicht zu stellen. Abg. Gun drum (freis.): Er müsse bedauern, daß die Regierung eine bessere Antwort nicht habe mitteilen, können.. Die Strecke als Kleinbahn zu bauen, sei eine Ungeheuerlichkeit, worauf schon der vierte Ausschuß hingewiesen habe. Die Weigerung Preußens sei einfach ein Skandal in der Eisenbahngeschichte. Bei Preußen herrsche eben nur der rein fiskalische Gesichtspunkt. Man habe in Oberhessen die Erfahrung gemacht, daß alle Eingaben aus Oberhessen, woher sie auch kämen, bei der Eisenbahndirektion in Frankfurt immer abgewiesen würden. Die Handelskammer in Gießen habe dem auch schon unzweideuttgen Ausdruck gegeben. Die Erbitterung sei nachgerade bis aufs höchste gestiegen. Finanzminifter Gnauth: Da sich Abg. Gundrum zu der vorliegenden Frage der Bahn Alsfeld-Hersfeld nur kurz geäußert habe, so könne er sich auch kurz fassen. Er weise nur daraus hin, daß es sich bei dem Wunsch der Antragsteller um eine Linie handele, deren überwiegender Teil in Preußen liege, und daß man anerkennen müsse, daß die Initiative und Entscheidung bei dem Staat zu liegen habe, in dessen Gebiet die Bahn hauptsächlich laufen solle. Man werde es der Regierung des Nachbarstaates nicht versagen dürfen, hier ihren eigenen Interessen zu folgen. Es stehe aber einer Nebenbahn nichts im Wege; es scheine in Preußen Geneigtheit dafür vorhanden zu sein, sobald die Strecke Trehsa-yersfeld genehmigt sein werde. Sei dies geschehen, dann werde die hessische Regierung dahin zu wirken haben, daß die beabsichtigte Kleinbahn (Nebenbahn) auch auf Hessen ausgedehnt werde und staatliche Zuschüsse erhalte. Abg. Gundrum habe aber vor allem Klage über die Gemeinschaft geführt und besonders geklagt, daß die Oberhessen so wenig Entgegenkommen bei der Frankfurter Direktion fanden. Gundrum werde aber wähl in manchem sagen müssen, daß die oberhessische Direktion zur Zeit, als die Bahnen noch staatlich gewesen seien, auch nicht alle Wünsche erfüllt hätte. Das sei ein Beweis dafür, daß an den Beschwerden nicht alles richtig sei. Er könne, wenn ihm auch jedes von dem Hause gegebene Stimmungsbild von Wert sei, dgch nur dann Abhilfe versprechen, wenn ihm die einzelnen Beschwerdepunkte genau angegeben würden. Die erste Frage sei immer die, ob wir seitens der Gemeinschaftsdirektion schlechter behandelt würden, als die preußischen Gebietsteile. Dafür habe er aber noch keinen Anhaltspunkt gefunden. Die Klagen richteten sich nur immer dahin, daß mit etwas freigiebigerer Hand und patriarchalischer verwaltet werden solle. Aber das Zeugnis könne der Verwaltung nicht versagt werden, daß sie ehrlich und redlich mit gleichem Maße die Wünsche aus Hessen und Preußen messe. Hessen könne natürlich nicht denselben Anteil an der Verwaltung beanspruchen wie Preußen, da es nur mit einem Fünfzigstel an der Gemeinschaft beteiligt sei. Er könne nur wiederholen, wenn einzelne Mitglieder Beschwerde zu führen hätten, so wäre er für Substanzierung der Beschwerde dankbar und er werde in Berlin für bereit Abstellung sorgen. Abg. Korell (fre-ie wirtsch- Vgg.) bedauert gleichfalls, daß man den berechtigten Erwartungen der beteiligten Kreise nicht entgegengekommen sei. Nach den Erklärungen des Ministers erscheine der Bau der Bahn fast aussichtslos. Die Wichtigkeit der Strecke erkenne man beim bloßen Anblick der Landkarte. Auch er sage, daß in Preußen nur das fiskalische Interesse maßgebend sei. Er bedauere, daß dem einmüttgen Beschluß der beiden hessischen Kammern so wenig Rechnung getragen werde. Finanzminister Gnauth: Korell überschätze die Tragweite selbst einstimmiger Kammerbeschlüsse. Sie könne doch nicht durch, ihre Beschlüsse Preußen überzeugen, daß die Strecke nun auch .für Preußen vorteilhaft sei. Für den Fall, daß die preußische Quer-Nebenbahn Treysa—Hersfeld gebaut werde, bestehe in Preußen Geneigtheit, auch eine Bahn von Aula durch das Jossathal nach Alsfeld zu bauen, und daun liege es an Hessen, die Bahn, soweit sie durch hessisches Gebiet führe, zu bauen. Er bitte, die Angelegenheit doch objektiv zu betrachten. Abg. Molthan (Ztr-): Er bedauere, daß jede Ant- wort der Regierung über eine Eisenbahnangelegenheit die Kammer zwinge, eine Eisenbahndebatte zu halten, und er bedauere das umsomehr, als man dem jetzigen Finanzminister vollstes Vertrauen entgegenbringe. Wir seien eben auf den guten oder schlechten Willen des preußischen Eisenbahnministers angewiesen. Die Regierung könne immer nur sagen: wir haben keine Möglichkeit, auf die preußisch-hessische Gemeinschaft hinzuwirken. Ganz nebensächliche Forderungen fänden kein Entgegenkommen. Er hätte auch gedacht, daß unter den Regierungen der beiden Bundesstaaten so viel Solidarität herrsche, daß man nicht nur den Anteil an der Gemeinschaft in Betracht ziehe. Daß es aber geschehe, sei eine Bankrotterklärung unseres Einflusses in der Eisenbahngemeinschaft. Abg. Dr. David (soz.): Nach den Erklärungen des Finanzministers scheine tatsächlich eine größere Bereitwilligkeit zu herrschen, unsere Klagen aufzunehmen und nach Berlin weiterzugeben. Das sei eine Wendung, die nicht ohne Bedeutung sei. Man wolle nämlich durch, die freundlichere Behandlung Baden und Württemberg Sand in die Augen ftreuen, um sie dann auch in bie Gemeinschaft zu ziehen, und um die Main - Neckar - Bahn zu schlucken. Er schlage ein anderes Wappen für die preußisch-hessische Gemeinschaft vor: statt den Adler und Löwen : nebeneinander, einen Adler, der einen Löwen, der nur das Zipfelchen seines einen Schwanzteiles in der Kralle - halte, umkrallt hatte. Das Zipfelchen des Schwanzteiles sei die Main-Neckar-Bahn. Das wollten wir uns auf keinen Fall entreißen lassen. Es sei schon so weit gekommen, daß Preußen auch die lokalen Verkehrsintevesseu) Hessens zu entscheiden habe. Finanzminister Gnauth: David kenne doch nicht ganz die Verhältnisse unseres Gemeinschaftsverttages. Preußen könne uns nicht hindern, Bahnen zu bauen, welche wir wollten. Er hoffe doch, demnächst das Haus auch für den Main-Neckar-Bahn-Vertrag hinter sich zu bekommen, wie ihm auch beim Anschlüsse gelungen sei, aber nur bei ruhiger sachlicher Erwägung. Gerade die Bewohner Oberhessens wüßten recht sehr die Vorteile, die uns die Gemeinschaft gebracht habe, zu schätzen. Nach seiner festen Ueberzeugung habe Hessen nicht den Eisenbahn-Gemeinschafts-Vertrag zu bereuen. Abg. Leun (freie wirtsch. Vgg.) führt gleichfalls gegen die Direktion Frankfurt Beschwerde. Schon früher, als der jetzige Finanzminister noch Oberbürgermeister von Gießen gewesen sei, habe die Stadtvertretung von Gießen einstimmig die Erbauung des Nordbahnhofes beschlossen und trotzdem werde er nicht gebaut. Man vermute, daß das hessische Mitglied in der Eisenbahndirektion daran schuld sei. Abg. Erck (natl.): Er könne nur dem Vorwurf, als seien mir durch die Eisenbahngemeinschaft vergewälltigt worden, entgegentreten. Die Erfahrungen, die man in Oberhessen gemacht habe, seien nur gute. Man habe besser« Verkehrsbedingungen, die Frachtgüter würden rascher befördert, man habe die Wohlthat der vierten Klasse. Gerade die preußischen Beamten ließen uns Gerechtigkeit widerfahren, was früher bei den hessischen Beamten nicht der Fall gewesen wäre. Der Gemeinschaftsvertrag sei nun zu Gunsten Hessens ausgefallen. Wo wäre man mit dem Budget, hingetommen, wenn man nicht den Ueberschuß von 10 Mill. Mark aus der Gemeinschaft gehabt habe? Abg. Dr. David (Soz.): Es sei ein Trugschluß, daß die: pekuniären Erfolge ein Erfolg der Gemeinschaft wären. Dieselben Ueberschüsse habe man auch, erzielen können, toeiut, die Bahnen hessisch geblieben wären. Er fei ja auch für1 eine Vereinheitlichung der Bahnen, aber unter Reichsverwaltung, nicht unter preußischer Verwaltung. Abg. Köhler-Langsdorf (freie wirtsch. Vgg.) wundert sich darüber, daß Abg. Erck noch immer sich über die „Ver- preußung" der Bahnen freue. Richtig sei ja, daß die hessische Eisenbahnverwaltung schlecht gewesen sei, und gerade dcr- durch sei man zu dem Gemeinschaftsvertrag gezwungen war-, den. Aber es sei nichts besser geworden. Damit ist die Besprechung der Anfrage beendigt. Die Anfrage des Abg. Köhler-Langsdorf (freie1 wirtsch. Vgg.), die Anstellung von hessischen Beamten unter der preußischf-hessischen Eisenbahngemeinschaft betr., erhält durch Finanzminister Dr. Gnauth folgende Seantinortunai' Da die 18 Hilfsbremser, über deren Anstellung Beschweroe geführt werde, sämtlich hessische Staatsangehörigkeit gehabt hätten, so habe sie der preußische Minister mit den anderen Hessen und nicht zugleich mit den Preußen in der Eisenbahngemeinschaft aufrücken lassen. Der preußische Minister sei aber auf seine Vorstellung von dieser Ansicht, abgekommen und der Beschwerde der Hilfsbremser werd« abgeholfen. Abg. Kö h l e r - Langsdorf (freie wirtsch, Vgg.): Er habe die Ansicht, daß unser hessisches Interesse nicht so gegenüber Preußen vertreten werde, wie es sein sollte. Es wäre richtiger, wenn die Regierung die Preußen nicht immer loben wollte. In hessischen Eisenbahnbeamtentreisen herrsch« Unwille darüber, daß sie nach Preußen versetzt würden. Finanzminister Dr. Gnauth macht den Abg. Köhler! darauf aufmerksam, daß er über etwas rede, was nicht, hierher, sondern zu einer anderen Anfrage gehöre. Die Anfrage der Abgg. Schubart und Köhler-Langsdorf, die Vergebung von Steinlieferungen und Steinmetzarbeiteu bei öffentlichen Bauten betr., beantwortet Finanzminister Dr. Gnauth: Die Steinlieferungen und Steinmetzarbeiten für die neue Rheinbrücke bei Mainz könnten deshalb nicht an hessische Bewerber allein vergeben werden, weil diese Brücke nicht allein von Hessen gebaut werde. Auch könnte wahrscheinlich die hessische Industrie die Steine nicht m der kurzen Zeit liefern. Bei der Kirche in Heppenheisr habe man deshalb die Steine aus der Pfalz bezogen, weil sie 30 000 Mk. billiger gewesen seien. Doch würde die hessisch« Industrie sonst berücksichtigt. Abg. Br e im er (natl.) bittet um Berücksichtigung der einheimischen Industrie, da das Geschäft darniederlieae. Es vertagt sich dann das Haus bis nach Neujahr. Cbeo-Tmoort Ronne1el4t, Frankfurt a. M. Wahllos nach immer neuem Naschwerk späht ihr; Kein Schmaus zu derb für eure Flattersucht — Und eine nur von allen Frau'n verschmäht ihr, Die eigene — bis in geborgter Schale Sie sich verwandelt zur verbot'nen Frucht. Die durch die Seelenmaskerade in der sonst so stillen Frau sich vollziehende Entfesselung verborgener Geister der leichter sprühenden Laune, die den Mann umgaukeln, hat einen Sinn, der für tieferen Humor reif ist. Fulda aber hat das nicht vertieft, er begnügte sich mit einem Jeu d’eaprit, einer der Amphitryon-Sage nachempfundenen Versgavotte, in der die Reigenturen und Verschlingungen der Reime das Wesentliche sind. Es ist ja alles nur ein Spiel, ein Mummenschanz der Gefühle. Fulda macht uns klar, was wir schon längst rvußten, daß wir alle Dummköpfe sind, wir Männer, mit denen die Illusionen neckisches Spiel treiben. Fulda's „Zwillingsschwester? hat dem Berliner „Lessing-Theater" in den ersten zehn Vorstellungen eine Einnahme von rund 50 000 Mk. gebracht und ist kürzlich von einem englischen Bühnenleiter für ganz Großbritannien zur Aufführung angekauft worden. Wahrscheinlich nicht um ein Butterbrod. Kein Wunder, daß Fulda der Sohn eines reichen Frankfurter Kaufmanns, in der Uhlandstraße in Charlotten- burch ein Heim hat, in dem prachtvolle Smyrnateppiche den Boden bedecken, die Wände mit Gobelins und wertvollen Gemälden geschmückt sind, in Ecken Pariser Bronzen und kostbare Bibelots stehen, daß man sofort sieht, man befindet sich bei einem Dichter, der auf großem Vers-Fuße lebt ’ Das magere Stückchen besitzt etwas, was es vielleicht noch eine Zeit lang auf dem Repertoire erhalten wird: eine Glanzrolle. Und wie Frl. Luise Willig aus Wiesbaden, unser diesmaliger Gast, sie spielte! Sie beherrscht ihre Doppelrolle, zuerst die etwas seriös häusliche Frau und Mutter, bei der sich Ritter Orlando einigermaßen langweilt, und dann das sprühende Weltkind in allen Registern vittuos. Sie hat die Kostümschwankfigur der Giuditta ausgestattet mit einer gewinnenden Liebenswürdigkeit, geistreichen Schalkheit und Verführungskunst, die nicht nur den ungetreuen Ritter, sondern auch das getreue Publikum mit Grazie besiegte. Es war ein Triumph der hohen Schule der Schauspielkunst. Die Verse sprach sie leicht, graziös. Was aber das Wichtigste war — sie zeigte Empfindung. Der Gefühlserguß in der Szene mit dem Kinde, der zwiespältige Ausbruch schmerzlichen Triumphes und freudiger Betrübnis, da ihr Gatte, durch die Maskerade getäuscht, sich von ihr trennen will, um sich liebeglühend mit ihr zu vereinen, glückte auf das allerbeste, hier zeigte sie feinste Selbstironie gepaart mit zärtlichster Innigkeit. Schöne Erscheinung, schönes Kleid und schöner Vers — in diesem Zeichen siegte bei uns durch Frl. Luise Willig der Lustspieldichter Ludwig Fulda, Der.hervorragenden Leistung des Gastes zunächst stand von unseren heimischen Künstlern Frl. Hohenfels in der leider sehr kleinen Rolle der stotternden, beschränkten kleinen Frau des Jägermeisters, die sie mit allerliebster Natürlichkeit und Drolligkeit spielte. Herr Ger lach deklarniette den Orlando furioso mit der ihm vom Dichter verliehenen trockenen Unausstehlichleit. Als Graf Paraboseo ließ Herr Ramsey er seinem Humor alle Zügel schießen und errang mit gutem Rechte für seine prächtige Schlemmerfigur den stärksten Lacherfolg des Abends. Aber soll dieser ftöhliche Frauenjäger nicht wirklich ein „hübscher Mann" fein,- und sind die Zweifelworte Orlandos nicht nur ein momentaner; Ausfluß feiner Eifersucht? Aus den paar Watten einer tölpelhaften Dienerrolle machte Herr Woisch wieder einmal' eine Miniatur-Prachtleistung. Die Herren Schneider und? Sandor genügten. Mit der Inszenierung hatte man sich keine große Sorge gemacht. Allgemein bewundert wurde die Unerschöpflichkeit einer eigenartigen Weinkanne. Das Zusammenspiel war im allgemeinen ganz wohl gelungen, nur der erste Akt verlief, etwas schleppend. P. W. * e < — Aus Wien meldet man: Die Erstaufführung von«. Fulda's „Zwillingsschwester", die dieser Tage statt» fand, bedeutete einen Triumph der Darstellungskunst des Burg», theaters. Frohgestimmt folgte das Publikum den geistreichen, launigen Wendungen des Stückes, und herzliches Lachen begleitete das Doppelspiel. Allerdings, die unmoderne Idee der Doppelgängerschaft entbehtt jeder Jntrigue, jedev Spannung und Ueberraschung, um den Zuschauer tiefer zu fesseln und geht eigentlich ohne Lust und Leid an Einem vorüber. Frl. Witt in der Doppelrolle glänzte durch Anmut und heitere Laune und fand auch innige, tiefe Töne. Kainz aber wcw durchaus falsch plaziett und konnte der Figur des treulosen Ehemannes auch nicht eine sympathische Nuance abgciüinncn. Er spielt nun im Burgtheater das „Mädchen für Alles" und es sollte uns nicht ivundern, wenn er demnächst die Lady Milford und den Ferdinand gleichzeitig übernehmen würde. Zahnarzt Robert Tchmalm staatl. approb. Berlin 1890, Gietzen, ZSaYvhosstratze 63, L Sprechzeit: 7054 Wochentags von 8—6 Uhr. Sonntags von 8—1 Uhr. Spezialität: Erhaltung der Zähne durch die Füllung. Cervelatwurst Zangen in Dosen. Caviar. Feinsten ~ Medizinak- LeöertKran empfiehlt 6876 Wcioria-Drogerie. Adolf Bieler, Marktstraße 5. Emil Fischbach UiCMM-n, 25 Sonnenstraste 25 25 7735 zu billigsten Preisen. 7652 werden können. 7764 jeder Art, sowie vc MA enrpfiehll in bester Ausführung billigst Christ MM allerfeinsten kalifornischen, feinften westindischen 7i Tapisserie Sonuenstr. 25 WrtiMg GWklKMil Gießen, 27. Nov. 1901. Der Administrator. Die Lieferung der für die hiesige Balferifche Stiftung in 1902 erforderlichen Fleisch-, Back- und Spezereiwaren, sowie der Milch, soll im Sub- missionswcge vergeben werden. Offerten sind bis zum 7. Dezember l. I. Gartenstraße 11, pari., abzugeben, woselbst auch die Bedingungen eingesehen aller seinen Bunt- und Goldstickereien, sowie Zeichnung, Monogramms :c. werden bestens und billigst ausgeführt. 6771 Velmnimachung. Für einen Schmiedegesellen, 17 I. alt, wird Stelle hier oder auf dem Lande gesucht. Näheres auf dem Armenamt, Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 4. Gießen, 23. November 1901. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. J. H. Fuhr Sonuenstr. 25 17 Marktplatz 17 am Krieger-Denkmal gegründet 1826 Hetephoa 262 Telephon 262 empfiehlt Fße. Mhm Cemlutmkst We FrMkslllter Würstchen feinsten rnstifchen liaciar Kieler Wlinze u. Sprotten Bisinnllksteringe, Rollmtzse Sardinen rc. re. stets frisch in nur feinsten Qualitäten. 7570 feinsten westindischen 76! Bienenhonig, Fuhr 25 Sonneustraste 110 Pfennige Originalpackei MMrschntzulm das beste der Welt empfiehlt Adler-Drogerie g 7117 Sellersweg 39. Soiinfagöticrcin sör junge MMen. Die Bereinigung der Mädchen findet statt an jedem Sonntag zwischen 2 und 7 Uhr nachmittags im Saal der Kleinkinderschule. Die Mädchen können zu leder Zeit kommen und gehen. Um 4 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt mit Gesang, Ansprache, Erzählung. Gute unterhaltende Bücher und Spiele sind m großer Zahl vorhanden. Wir laden zur Teilnahme freundlichst ein. Der Vorstand des Sonntagsverems: Dr. Naumann, Pfarrer. empftehll in großer Auswahl Strümpfe für Damen und Kinder, Socken Winter-Handschuhe ,y ■ n Die Gemälde - Ausstellung Kunst"AUSStellUnQ. im Turmhaufe am Brand IkUUOl ist täglich, nut Ausnahme Samstags, von 11 bis 1 Uhr geöffnet, Mittwochs auch noch von •> uja 5 llhr nachmittags. An Sonn- und Feiertagen von 11 bi^ 3 Uhr ununterbrächeii. — Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonn-- und Feiertagen 20 Pfg.__________________Z M. Kann, SÄ' foiW KHHm MkchlS 17 Marktplatz 17 am Kriegerdenkmal Telephon 262 gegründet 1826 empfiehlt sein reich assortiertes Lager in: sämtlichen Gemüse- Nb W-Konserven Marke E. Moitrier. 7704 Verkauf zu Fabrikpreisen. Cervelatwurst fst. Gothaer empfiehlt 7068 Emil Fischbach. I - V B** vorzüglich & ts 11 schleimlösendes Mittel bei < w Hustenffeiserkest । Verschleimung.Halskratzen etc. I Packet 20 ^^egriindet ^ßgg Kgl. Preuss. Hofkapellmeister aus Berlin Grossh. Kammersänger aus Dresden 7747 unter freundlicher Mitwirkung von Fr. Kfihnhold, Bier-Depot, Ludwigstraße 55. 7330] n J» 7794 14 Schußmarke ferner empfehle für die Feiertage 7646 Tannenbaum-Biscuits No. 6 Gar. reine Bruch-Chocolade FRANCK 7643 SCreuzplatz 5 LisiaSenpBatz 5 • » do. do. do. do. Gesundheits- Weihnachts- 170 200 3n[taIIation für ßus u. Weiher moderne Beleuchtungskörper Klofet= und Badeeinrichtungen i 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 do. do. Hochfeiner Perl-Kaffee, sehr beliebt, ff. groaabohniger Kaffee, hochfein, von mildem und angenehmem Geschmack . . . ff. Java-Blume, das Beste was es giebt per . 70 75 80 90 100 100 110 120 130 140 160 180 Pfd. do. do. Wer wirklich gute, gediegene Anzug- und Kaletotstoffe tragen will, versuche meine Celephon 243 Gt ESSEN höwengaHe 20 No. 5» Dieses altberühmte Bier, welches infolge seines großen Malz- und Würze- Extraetes und geringen Alkoholes besonders Kindern, Blutarmen, Wöch> ueriuuen, nährenden Müttern und Reeouvaleseenteu jeder Art von hohen medicinischen Autoritäten empfohlen wird, ist zu haben in Giessen bei Larfüirrerien Toilette-Artikel Adolf Vieler, Drogerie, Marktstr. 5 I do. Puppen-, Sport- und Drückwagen massive Leiter- and Kastenwagen Lädeh, Festungen, Ställe, Theater Puppen-Zimmer, -Möbel, -Küchen und Küchen-Einricht ungen Eisenbahnen, Bahnböfe Tunnels per Pfd. 50 60 80 90 100 100 125 160 50 50 15 Fräulein Hedwig Strache (Violine) aus Berlin. Programm: Lieder von Richard Strauss, Violin-Soli von Spohr, SimonelH, Strauss, Brahms-Joachim. Eintrittskarten zu Mk. 2.— (Sperrsitz Mk. 3.—) sind bei Herrn Ernst Challler (Rudolphs Nachf), für Studierende auch bei Herrn Hausverwalter Stork in der Aula zu Mk. I.— zu haben. Alle Arten Selbstbeschäftigungs- u. Gesellschaftsspiele nach Dr. Georgens Froebel. Dr. Richtersche Holz- und Steinbaukasten Laterna magieas und Klnematographen (Lebende Bilder) Schaukel- und Rollpferde Trommeln, Trompeten, Säbel und Gewehre. Haushalt- do. . . V anille-Block-Chocolade Petersburger 7479 Gummischuhe. Friedrich Magnus, Weideng. 10. stets frisch und vorrätig L Paar 25, 30 und 35 Pfg. Eigene Fabrikation. F. Schreines* Seltersweg 6P 6105 ff. Aachener Printen . „ Holländischer ßpeculatius „ Friedrichsdorfer Zwieback, 10 Stück i. P. do. do. do. do. sowie alle Zuthaten zur WeihnaeMsbbekeres do. do. do. do. Kaisers Kaffeegeschäft H. Kaiser & Co., Dülken. Filialen in Gleesen: sowie Kinder-Kochherde Kupfer-, Nickel-, Emaille- und Blechgeschirr in reichster und schönster Auswahl zu billigsten Preisen. Deutscher Kognak Hausfrauen kaufet nur Kaifer’s Kaffee!“ Extra-Konzert. Mittwoch, den 4. Dezember 1901, abends Q XJhr, im grossen Saale des tiesellschaftsVereins: Eaiodler-Abend. von H. Buff-Giessen - Richard Strauss Kaffee (mit und ohne Zucker geröstet): reinschmeckender Kaffee . . . Lennep er Fabrikate. Mer diese Stosse einmat gekauft yat, ßommt stets darauf zurück. Herr Rentner H. M. in Berlin schreibt: Ich ziehe Lenueper Ware vor, weil dieselbe notorisch länger hält, als andere Fabrikate usw. 2996 Aehnliche Anerkennungen lausen sortivährend ein. Mutter frao&o ohne Kaufzwang. GastaV Mppert, £me>. Streng reell christliche Sirmu, gegründet 1877. j ^SCHUTZMARKE.s 8 tzcht Aranck ist der beste Kaffee-Zusatz! ärztlich empfohlen garantiert frei vonEssenzen oder Farbstosfen, anerkannt vorzügl. Qualitäten p. l/t Fl. von Mk. 1.80 an MrWel.8^2« bei 7514 Carl Retter Schulstr., Ecke Sonnenstr. Des Kchten Franck KREBS — —,• ' WICHSE giebt den schönsten Glanz. guter, reinschmeckender Haushaltungs-Kaffee . . . . Kaisers Konsum-Mischung do. neue Perl- do. ff. reinschmeckender Kaffee ff. Weihnachts-Mischung» . grossbohniger Kaffee, Caracas-Mischung, sehr kräftig, . Kaisers Kaffee H hochfein . . * do. „ 5 do. „ 3 Kognak trinkt und sparen will, der macht seinen Kognak selber aus Mellinghons Kognak-Essenz Kunderttauseude thun es schon und sind seit Jahren treue Abnehmer dieser ältesten und öe- lteötesten Kognak-Essenz, und wer von ihnen je einmal eine der vielen Nachahmungen probierte, kehrte immer wieder zu der bewährten Mellinghoff» Aognak-tzffrnz zurück. Wer daher vor Nachahmungen und durch diese entstehenden Enttäuschungen sich schützen will, der achte beim Einkauf aus d. Firmenaufdruck Dr. Mellinghoff & Co., Bückeburg oder auf den Namenszug Dr. F. W. Mellinghoff auf den Etiketten und weise Flaschen ohne diese einfach zurück. Auch Melllnghoflfa Bum Arrak, P manch u.Likör- esmenzen sind sehr beliebt. Anleitung zu derenVerwenduna 5>te chetränke - Pestillierßunft für Jedermann ist gratis in den Verkaufsstellen oder direkt von 5>r. Mellinghoff & ßo., Aückr öurg, franko zu erhalten. Mellinghoffs Kognak- u. Likör- Essenzen A Flasche 75 Pfg. sind zu haben in Gießen bei Emil I Fischbach, W. Kilbiuger und Otto Schaaf. 7481 ** Heinrich Noll ClHßCtr0JJCn> Bier große Ausstellungsräume. M londohZ' ^gründet 1) » n » » » » n » n n » j»