Nr. 283 VerliandluiWn des Deutschen Reichstages dem und au Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UniversitäGdruckerei (Pietsch Erben), Gießen. Trscheml täglich mit Ausnahme des MontagS. Die Hietzener KamiUenblätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit Hess. Landwirt und Blätter sür heff. Volkskunde 4 mal wöchentlich beigelegt. 151. Jahrg. Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H. Beck. Parlamentarische Verhandlungen Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet« Nach den Kommissionsbeschlüssen betragt die Arbeitszeit der Schiffsleute, wenn das Schiff im Hafen oder auf der Rhede liegt, 10, in den Tropen 8 Stunden. Schlffsoffizieren ist im Hafen oder auf dec Rhede eine Ruhezeit von mindestens 8 Stunden innerhalb jeder 24 Stunden zu gewähren. Arbeit, welche über die Dauer von 10 bezw. 8 Stunden geleistet wird, ist als Ueberstundenarbeit zu vergüten. Die Abgg. A l b r e ch t u n d G e n. (Soz.) beantragen, zu bestimmen, daß die Arbeitszeit in den Tropen „höchstens" 8 Stunden betragen darf. Abg. Dr. Arendt (Rp.) beantragt, festzusetzen, daß in den Tropen die Arbeitszeit der Schiffsmannschaften verlängert werden darf, wenn cs sich ausschließlich um Aufsichtsdicnste oder Arbeiten zur Verpflegung und Bedienung der an Bord befindlichen Personen handelt, und ferner, daß Ueberstundenarbeit nicht vergütet wird, soweit sie zur Verpflegung und Bedienung der an Bord befindlichen Personen, zum Seeklarmachcn des Schiffes oder zur Sicherung des Schiffes in dringender Gefahr erforderlich ist. Abg. Metzger (Soz.): In der Kommission haben wir eine noch weitere Einschränkung der Arbeitszeit beantragt. Nachdem der Antrag abgclehnt ist, begnügen wir uns jetzt mit einem weniger weitgehenden Antrag, um dessen Annahme ich Sie bitte. Der Antrag Arendt hingegen bedeutet eine Verschlechterung der Kom- misjionsbeschlüsse. Ein Antrag Frese (freis. Vgg.), mit der Berathung des § 83 die des § 36 (Sonntagsruhe) zu verbinden, wird, nachdem sich die Abgg. Raab (Antis.) und Kirsch (Ctt.) dagegen ausgesprochen haben, vom Antragsteller wieder zurückgezogen. Abg. Stockmann (Rp.): Wir haben eine ganze Reihe von Aenderungen zu Gunsten der Seeleute getroffen, über cs geht doch zu weit, wenn wir auch für den Aufsichtsdienst oder den Verpflegungsdienst die Arbeitszeit in den Tropen auf 8 Stunden beschränken. Diesen Bedenken trägt der Antrag Arendt Rechnung. Unterstaatsse' ctär Rothe: Der sozialdemokratische Anttag ist unannehmbar, denn er seht voraus, daß der Dienst in den Tropen weniger als 8 Stunden betragen soll. Das würde sich aber doch nur durch einen freien Vertrag ermöglichen lassen, der mit dem Gesetz im Widerspruch steht. Gegen den Antrag Arendt habe ich nichts einzuwenden. Geh. Rath von der Hagen empfiehlt den ersten Theil des Antrages Arendt, der . ignet sei, eine ungebührliche Belastung dec kleinen Rhedereien zu verhüten. Abg. Schwartz (Lübeck) (Soz.) ersucht, den sozialdemokratischen Antrag anzunehmen. Abg. Raab (Antis.) spricht sich mit Rücksicht auf die Stewards p-gen den Antrag Arendt aus unb hält den sozialdemokratischen Antrag für überflüssig. Abg. Bargmann (freis. Vp.) erklärt sich für die Beschlüsse der Kommission und wendet sich namentlich gegen den Antrag Arendt, der durch nichts gerechtfertigt fei. Abg. Metzger (Soz.) führt aus, daß der Anttag Arendt eine übermäßige Anspannung der Schiffsleute nicht verhindern würde. Würde dieser Anttag zur Annahme gelangen, so habe er kein Interesse mehr an der Vorlage. Abg. Kirsch (Ctt.) bekämpft den Anttag Arendt in seinem ersten Theile und ersucht, den zweiten Theil anzunehmen, aber nur soweit cs sich um die Nichtvergütung von Ueberstunden in Fällen einer Gefahr handele. Abg. Frese (freis. Vgg.) macht den Vorredner darauf aufmerk- sam, daß es verkehrt sei, nur im Falle der Gefahr des Schiffes Ueberstunden nicht zu vergüten, denn es müsse doch das Seeklarmachcn des Schiffes vorausgehcn, um das Schiff zu retten. Abg. Stockmann (Rp.) bestreitet, daß der Anttag Arendt eine Verschlechterung der Vorlage bedeuten wurde. Es wundere ihn, daß der Abg. Metzger an der Vorlage, falls dieser Anttag zur Annahme gelange, kein Interesse mehr zu haben behaupte. Herr Metzger müsse doch bedenken, daß die Novelle sehr erhebliche Verbesserungen für die Schiffsleute enthalte. Die Sozialdemokraten würden sich doch wohl sehr besinnen, die Vorlage abzulehnen. Abg. Schwartz-Lübeck (Soz.) behauptet, daß die Arbeitszeit der Stewards eine viel zu lange sei; man müsse auch die Stewards durch den Paragraphen schützen. Geheimrath von Jonquicres tritt für den Anttag Arendt ein. Niemand verlange, daß ein Kellner, der über 10 Stunden arbeite, Ueberstunden bczahli bekommen müsse. Es sei kein Anlaß vorhanden, hier für die Stewards eine solche Bestimmung zu treffen. Die Ablehnung des Antrags Arendt würde auch eine Inkonsequenz fein im Hinblick auf die späteren Bestimmungen der Vorlage, in Denen ebenfalls die Stewards ausgenommen seien. Abg Frese (freis. Vgg.): Der Behauptung des Abg. Schwartz muß ich entschieden entgegentreten. Die Arbeitszeit der Stewards ist auf unseren Dampfern durchschnittlich keine übermäßig große, sie ist kürzer als auf den englischen und französischen Dampfern. Das geht auch daraus hervor, daß die Leute immer gern auf den Schiffen bleiben. § 33 wird mit den Anttagen Arendt (Rp.) unter Ablehnung des sozialdemokratischen Anttags angenommen. § 34 regelt den Wachdienst und bestimmt u. A.. daß für das Masel,inenpcrsonal auf transatlantischen Fahrten der Dienst in 3 Wachen geteilt fei. Die Sozialdemokraten beantragen: 1. die Worte „auf transatlantischen Fahrten" zu streichen und die Bestimmung auf ' Schiffsoffiziere in Bezug auf den Dienst auf Deck auszudehnen; 2. dem Paragraphen die Vorschrift zuzufügen, daß die Stewards nur in : dringenden Fällen verpflichtet find, länger als 10 Stunden zu ' arbeiten. • Abg. Frese (freis. Vgg.) wendet sich gegen den ersten sozial- ; demokratischen Antrag. Wir haben die Sache in der Kommission ; gründlich durchgesprochen und sind danach zu unserem Beschluß ge- i kommen, den ich Sie aufrcchtzuerhalten bitte. Die Annahme des I Antrags Albrecht würde namentlich für kleinere Schiffe sehr un- - zweckmäßig sein, i Deutscher Reichstag. 100. Sitzung vom 29. November 1901« •f Uhr. Das Haus ist sehr schwach besetzt. Am Bundesrathstisch: Graf P o s a d o w s k y u. A. Anläßlich der hundertsten Sitzung prangt auf Präsidententisch ein schönes Blumenarrangement von weißen rothen Rosen mit der aus Veilchen hergestellten Zahl 100 Weißem Grunde. Abg. Raab (Antis.) zieht nach dieser Aufklärung seinen Antrag zurück. § 84 wird unter Ablehnung des sozialdemokratischen Anttags unverändert angenommen. Die §§ 35—36b regeln die Sonntagsruhe an Bord des Schiffes. Absatz 1 des § 35, der Sonntagsarbeiten an Bord nur zuläßt, tn soweit sie unumgänglich, unaufschieblich oder durch den Personenverkehr bedingt sind, wird ohne Debatte angenommen. Absatz 2, der von der Kommission neu hinzugefügt ist, lautet: „Dampfschiffe in transatlantischer Fahrt dürfen an Sonn- und Festtagen planmäßig innerhalb des Reichsgebiets die Ausreise nicht vornehmen. Ausgenommen sind die Dampfschiffe, welche die kaiserliche deutsche Post befördern." Hanseatischer Bundesrathsbevollmächtigter Senator Dr. Klüg- mann: Ich bitte Sic dringend, den zweiten Absatz ganz zu streichen. Die Bestimmung geht von ganz unrichtigen Voraussetzungen aus. Am Sonntag selbst sind bei dem Auslaufen der Schiffe nur sehr wenig Arbeiten zu verrichten, cs handelt sich fast nur um die Aufnahme der Passagiere, was wenig Arbeit macht, alle anderen Arbeiten werden an den vorhergehenden Tagen erledigt. Wenn Sie nun das Auslaufen am Sonntag verbieten, dann wird es am Montag tattfinben, und es werden nun die Behörden bestürmt werden, daß ie zahlreiche nothwcndige Arbeiten, wie Einnahme von Kohlen, Effekten u. dergl., zulasten. Den Schiffsbienst können wir vergleichen mit einem Uhrwerk, aus dem man auch kein Rädchen herausnehmen darf, ohne daß das ganze Werk zum Stillstand gebracht wird. Im Weiteren werden Sic unsere Linien durch das vorgeschlagene Verbot stark beeinträchtigen, es wird Vieles, das uns jetzt zu Gute kommt, den ausländischen Dampfern zufließcn. Endlich liegt ja auch gar kein Grund vor, den Schifffahrtsverkehr nach anderen Priiizipicn zu behandeln, als den Eisenbahnverkehr, der dach auch am Sonntag stattfinden muß, um dem allgemeinen Interesse gerecht zu werden. Abg. Cahensly (Ctr.): Der Einwand, daß unser Sonntags- Verkehr ausländischen Linien zu Gute kommen wurde, ist nicht stichhaltig, da es ausländische Rhedereien, die ihre Schiffe auch am Sonntag auslaufei, lasten, kaum giebt. Das thut nur unsere Hamburg—Amerikalinie. Der Herr Bundesbevollmächtigte irrt übrigens, wenn er annimmt, daß die Aufnahme der Passagiere wenig Arbeit mache. Dabei wirken viele Leute indirett mit: Aerzte, Spediteure, ferner die Droschkenkutscher, welche die Auswanderer zum Dampfer befördern. Glauben Sie, daß diese Personen nach Verrichtung ihrer Arbeit noch zur Kirche gehen? (Heiterkeit.) Ich bitte Sie, den Kommissionsbeschluß aufrecht zu erhalten. Abg. Stockmann (Rp.): Ich beanttage die Streichung d e s A b s a tz e s 2. Das Verbot des Auslaufens am Sonntage soll sich nicht crsttecken auf Schiffe, welche die deutsche Post führen. Dadurch, daß ihnen diese Arbeit zu Gute kommt, sind sie ohnehin schon vor anderen Schiffen bevorzugt, es würde also durch diesen Absatz nur noch eine zweite Bevorzugung hinzugefügt werden. Darin aber läge eine ungerechtfertigte Differenzirung, die wir nicht wünschen. Es kommt weiter hinzu die Thatsache, daß es nicht mehr sehr lange dauern wird, bis wir einen täglichen Verkehr mit Amerika haben. Würden bann unsere Dampfer am Sonntage nicht auslaufen, so würben zweifellos ausländische Rhedereien sich diesen Umstand zu Nutze machen. Das wäre ein schwerer Schaden für uns. Endlich haben wir mehrere Linien, auf denen die Ausfahrt regelmäßig nm 1. und 15. jedes Monats ftattfinbei. Dieses ganze System, von dessen Existenz zweifellos zahlreiche Verträge berührt werden, würde durch die Annahme des Kommistionsbe- schlusses durchbrochen werden, da dann die Dampfer, wenn der betreffende Termin auf einen Sonntag fällt, nicht auslaufen durften. Staatssekretär Dr. Graf von Posadowsky: Gegenüber der Behauptung, daß ausländische Dampfer an Sonntagen nicht aus- laufen, beziehe ich mich auf das Reichskursbuch, dessen Angaben ich kraft der Autorität des Staatssekretärs im Reichspostamt so lange für richtig halte, bis mir der Beweis des Gegcntbeils crbrc.br ist. Ich finde hier zunächst eine transatlantische Linie, die von Liverpool ausgeht, und deren Dampfer an jedem Donnerstag und Sonntag auslaufen, ferner eine Linie, deren Dampfer an jedem zweiten und vierten Sonntag von Marseille nach Australien abgeyen (hort, hört! rechts), dann eine Linie London—Boston, deren Dampfer gleichfalls am Sonntag auslaufen. Dazu kommt der ganze Zwischenverkehr, der von Queenstown, Southampton und Cherbourg । ausgeht unb der sich auf den Sonntag mit erstreckt. Ich glaube, 1 hieraus ergiebt sich zur Genüge, daß das Auslaufen der ttans- atlantischen Dampfer ein zu wichtiger Faktor im großen Weltverkehr ist, um durch die Sonntagsruhe climinirt werden zu dürfen. Unser , deutscher Weltverkehr nach fremden Ländern hat eine so hohe handelspolitische, wirthschaftlichc und politische Bedeutung, daß ich diesen Interessen selbst diejenigen der Sonntagsruhe untcrorbnc. Soweit dürfen wir nicht gehen, daß wir diese Interessen der Sonntagsruhe zum Cpfer bringen. Ich meine, der Reichstag selbst würde sich dagegen sttäuben. Ich erwähne hier ein Vorkommniß, das mir in einem fremden Lande paffirt ist, dessen Namen ich nicht nennen will. Als ich dort einmal am Spätnachmittage eines Sonnabends t einen Brief ejrpebtren wollte, würbe mir von bem Beamten bedeutet, ich mochte nur den Brief in irgend einen Kasten stecken, aber beeilen brauchte ich mich nicht, da er vor Montag Mittags 12 Uhr nicht befördert werden würde. (Heiterkeit.) Ja, m. H., so gut- müthig ist man bei uns nicht, daß man sich etwas Derartiges gefallen ließe. Die Aufnahme des Absatzes in das Gesetz würde zyM Möglichteiten bieten: Entweder wir müssen auch den fremden Schiffen das Auslaufen aus deutschen Häfen am Sonntag verbieten; dann würden aber die andern Staaten sich wahrscheinlich revanchiren und uns das Auslaufen von Southampton u. s. w. an Sonntagen verbieten, und cS würde unser Verkehr dadurch in die ärgsten Schwierigkeiten ge- rathen. Wenn wir aber den fremden Schifffen das Auslaufen nicht verbieten, dann würden die ausländischen Linien ihrerseits ihre Dampfer in Hamburg und Bremen auslaufen lasten und bann bie Leute, die am Sonntag reifen wollen, zu sich ziehen. Wir würden eine fremde Konkurrenz begünstigen, die im gegenwärtigen Moment sehr gefahrdrohend wäre. Es ist allgemein bekannt, daß man in fremden Staaten bie größten Anstrengungen macht, um den internationalen Ueberseeverkehr in die eigene Kontrolc zu bekommen, und daß diesen Bemühungen sehr erhebliche Kapitalkräste zur Seite stehen. Darin liegt eine ernste Bedrohung unserer Ueberseeschiff- fahrt, die sich, im Falle wir das Auslaufen am Sonntag verbieten würden, in der Etablirung eines tterndländischen Sonntagsdienstes von unseren Häfen aus uns sehr fühlbar machen würde. Ich kann Ihnen die Versicherung geben: Ich stehe durchaus auf dem Standpunkte, daß wir den arbeitenden Klassen die Sonntagsruhe erhalten müssen, unb ich glaube, wir werden in mancher Beziehung hierin noch weiter gehen können, als bisher, denn die Sonntagsruhe ist für die arbeitenden Klassen nicht nur eine wirthschaftliche und hygienische Frage, sondern zugleich eine Frage, die auf sittlichem Gebiete eine große Rolle spielt, die insbesondere für das Familienleben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung hat; — aber ich glaube, diese Fürsorge für die Sonntagsruhe darf nicht soweit gehen, daß die großen Interessen des Weltverkehrs dadurch auf das Schwerste geschädigt werden. Ich ersuche Sie daher dringend, den Antrag Stockmann anzunehmen. Ich spreche hier im Namen der verbündeten Regierungen unb im eigenen Namen und kann Ihnen die Versicherung geben, daß die Aufrechterhaltung des von der Kommission vorgeschlagenen Absatzes 2 mir die Atterernstesten, vielleicht unüberjteigbaren Schwierigkeiten bereiten würde, wenn ich das Gesetz bei den verbündeten Regierungen durchdringen will Abg. Frese (freis. Vgg.): Ich kann mich dem Wunsche des Herrn Staatssekretärs nur anschließen. Zweifellos würden sich die ausländischen Rhedereien diese Bestimmung, wenn sie Gesetz würde, zu Nutze machen und unser überseeischer Schiffsverkehr, der zum Neide anderer Staaten eine so große Blüthe erlangt hat, würde mit einem Schlage gefährdet werden. Man beruft sich immer auf die Sonntagsruhe in England; Thatsache ist aber, daß die Engländer auch am Sonntag Ausfahrten vornehmen, wie Sie foeben von dem Staatssekretär gehört haben. Ich bitte Sie, zu bedenken, daß diese planmäßigen Abgangstage auf einer internationalen Vereinbarung beruhen. Es kann nicht Ihre Absicht sein, diese Vereinbarung umzustoßen. Ohne dringende Nöthigung wenigstens dürfen wir das nicht thün.. Sie haben schon von dem Staatssekretär gehört, daß außerordentlich große Ansttengungen gemacht werden, bic deutsche Schifffahrt unter eine gewisse fremde Kontrole zu stellen; wenn Sie solche Einmischungen vornehmen, wie es hier beabsichtigt ist, dann werden Sie diese Besttebungen, denen Sie doch ganz gewiß nicht freundlich gegenüberstehen, auf das lebhafteste unterstützen. Es kommt noch ein anderes Moment hinzu: bekanntlich fährt der Schiffer am Freitag nicht aus. Sie mögen das einen Aberglauben nennen, aber jedenfalls ist es ein so fest eingewurzelter Aberglaube, daß S,e ihn in absehbarer Zeit nicht auSrotten werden. Aehnlich wie mit dem Freitag verhält es sich mit dem Montag. Sie würden also mit dieser Bestimmung vielleicht erreichen, daß, wenn am Donnerstag eine Expedition stattgefunden hat, die nächste erst wieder am Dienstag stattfinden würde. Wir stehen aber- doch im Zeichen des Verkehrs; da können wir solche Bestimmiingen nicht gebrauchen. Ebensowenig wie etwa daran gedacht werden konnte. Sonntags den Eisenbahnverkehr einzustcllen, ebensowenig können wir den Schiffsverkehr am Sonntag in dieser Weise einschränken. Ter Absatz würde nach meiner Ueberzeugung die Rhedereien außerordentlich schädigen, und nicht allein die Rhedereien, sondern auch die Arbeiter, die von ihnen beschäftigt sind, und auch die Passagiere, ne auf unseren Dampfern fahren. Es würde das ein uiihcilvollcr, chwer wieder gut zu machender Fehler sein. Denn wein, einmal diese Bestimmung Gesetz geworden ist, dann wird das Feld von anderer Seite erobert werden, unb es wird dann sehr schwer fein, es wieder zu gewinnen. Es ist immer schwieriger, wicderzuge- winnen als zu erobern. Ich hoffe daher, daß Sie den Absatz streichen werden. (Beifall.) Abg. Schwartz begründet einen sozialdemokratischen Anttag, der das Auslaufen von Schiffen am Sonntag ganz verbieten will« Abg. Rettich (kons.): Meine Freunde werden für die Sttei» djung des zweiten Absatzes des Kommissionsvorschlages stimmen. Was die Befürworter des Kommissionsanttags erreichen wollen, erreichen sie auf diesem Wege doch nicht, denn die lärmenden Arbeiten und die Komptvirarbeiten, die sie Sonntags abschaffen wollen, gehen ja schon am Tage vorher vor sich. Abg. Hilbck (nat.-lib.): Auch ich bitte Sie, den zweiten Absatz zu sttetchen. Wenn das Schiff nicht am Sonntag fährt, so muß es mn Montag fahren. Glauben Sie denn, daß sich ein einziger Passagier findet, der am Montag eine größere ttansatlantische Reise anttttt? Es ist ein alter Aberglaube im Volke, daß das, was man am Montag beginnt, nickst Wochen alt wird. Gegen diesen Aber- glauben können Sie nicht ankämpfen. Sie würden also Ihren Zweck doch nicht erreichen unb ber ganzen Sache mehr schaden, als nutzen. Dazu kommt, daß wir unter keinen Umständen die Kon- t!"renzfalngleit mit den anderen Staaten aufs Spiel setzen dürfen, ■öii Wirklichkeit toerbenja bie Schiffsleute burch ben Kommissions- antrag auch gar keine Sonntagsruhe haben, weil sie boch die noth- wcndigen Arbeiten verrichten müssen. y 2 Ibg. Bargmann (fr. Vpt.) äußert sich in demselben Sinne tretei?nterC C E^elner muye hinter bem der Gesarnrniheit zurück- , Abg: Metzger (Szb.) befürwortet den sozialbemokratischen Anttag. Die Schiffsleute hatten schon so wie fo keine Sonntagsruhe. Präsibent Graf Ballestrem: Ich eröffne bie hunbertste Sitzung in dieser Session. Aus diesem Umstande haben die Herren Schriftführer Veranlassung genommen, hier den Präsidententisch so herrlich zu schmücken; hierfür spreche ich meinen Dank aus. Hierauf setzt das Haus die zweite Berathung der Seemannsordnung fort bei § 33, der die Arbeitszeit regelt. Abg. Raab (Antis.) stimmt den sozialdemokratischen Anträgen M- Der Dreiwachendienst sei schon vielfach eingeführt; es stehe nichts seiner Verallgemeinerung im Wege. Abg. Schwart, befürwortet die sozialdemottatischen Anttäge. Abg. Frese (frs. Vgg.): Ich kann nur dringend davor warnen, die allgemeine Durchführnug des ein großes Personal beanspruchenden Dreiwachendienstes auch für Schiffsoffiziere zu beschließen. Schon jetzt ist es den größeren Rhedern oft schwer, die nöthigen Offiziere zu finden; die Annahme des Antrages würde die Rheder nur zwingen, Personen ohne das Zeugniß für die großen Fahrten als Offiziere anzustellen. Wenn solche Offiziere dann die Wache beziehen, so haben sie oft in wichtigen Fällen Entscheidungen zu treffen, die bester von Leuten getroffen würden, die das Zeugniß haben. Darin liegt eine gewisse Gefahr, nicht nur für die betreffenden Schiffe selbst, sondern auch für die Schifie, die ihnen begegnen. Diese wissen nicht, was für Offiziere auf dem anderen Schiffe find und richten sich nicht danach ein. Es wird dadurch auch für sie eine Gefahr herbeigeführt. Diese Bedenken gelten hauptsächlich für kleinere Rhedereien; gerade die Heineren Rhedereien dürfen wir nicht in dieser Weise schädigen. Ucber die Stewards ist ja bei § 33 schon ausgiebig gesprochen worden. Ich will hier nur darauf Hinweisen, daß es sich bei deren Arbeit um die Befriedigung individueller Bedürfnisse handelt; wir können nicht eine schematische Bestimmung über die Dauer ber Arbeitszeit geben. Die Hauptsache ist, baß bafür gesorgt wirb, baß bie Ruhepausen lang genug sind, unb ich behaupte, bas sinb sic im Allgemeinen, namentlich währenb der Zeit, wo bic Schiffe im Hafen sind. Unter staatssekrctär Rothe: Alle zu ber Vorlage gehörigen Materien sind in der Kommission in breimaliger Berathung durch- gefiebt worden. Auch die Einwendungen des Abg. Schwartz haben ausführliche Erörterung gefunden, und ihre mangelnde Berechtigung ist in jedem Punkte klargestellt worden. Insbesondere haben sich die Bedenken wegen einer zu langen Dienstdauer der Stewards als unbegründet erwiesen. Ich bitte Sie, an der Äommisjions- faffung festzuhaltcn. Abg. Raab (Antis.) beantragt, den Ausdruck transatlantische Fahrt zu ersetzen durch „große Fahrt". Kapitän zur See Schmidt: Der Ausdruck ttansatlantische Fahrt ist zwar bisher in Gesetzen nicht vorgesehen, kann aber nicht zu Mißverständnissen führen, da er von den Seebcrufsgenossen- schaften fanftionirt ist. Die Seeberufsgenossenschaften unterscheiden zwischen Wattenfahrt, kleiner und großer Küstenfahrt, atlantischer unb langer Fahrt. Die atlantische Fahrt ist bic Fahrt über den atlantischen Ozcan, die lange Fahrt diejenige über den stillen Ozean. Beide zusammen fallen unter den Begriff ber transatlantischen Fahrt. Samstag, 30. Novemver 1901 Giehener Anzeiger der heutigen Bcralhung. Schluß 57. Uhr. tem Rechnung trägt, denn es laßt ja eine besondere Vereinbarung rj. Aus der Ost'ce ist es jo auck seit längerer Zeit Sitte, daß die Offiziere Theil nehmen an dem Erlös aus den Ueberstunden. Kapitän zur See Schmidt bemerkt, daß bei den großen Lmien die Offiziere direkt erklärt haben daß sie in der Streichung der Bestimmung des § 36 b eine Schädigung ihrer Stellung erblicken. § 36b wird unter Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages 'unverändert angenommen, ebenso §§ 37—39, die weitere Bestimmungen über das Vertragsverhaltmß zwischen den Rhedcrn und den Mannschaften enthalten. Rach § 40 soll die Heuer vom Tage der Anmusterung, falls diese dem Dienstantritt vorangeht, sonst vom Tage des Dienstantritts an zu zahlen sein. . Abg. Herzseld (Soz.) beantragt, auch den Endtermin der Heuerzahlung festzusetzen und zwar als solchen den Tag der Ab- muiterung. oder wenn diese ohne Verzögerung der Diene unausfuhrbar sei, den Tag der Beendigung des Dienstverhältnisses zu bestimmen. , .. Der Antrag wird abgelehnt, § 40 in der Kommisiionsfassung angenommen. , Hierauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung: Sonnabend, 1 Uhr: Fortsetzung ES sek also durchaus berechtigt, im Interesse der Schiffsleute das Auslaufen am Sonntag überhaupt zu verbieten. Abg. Cahcnsly (Ctr.) spricht sich nochmals für den Absatz 2 aus. Hiermit schließt die Debatte. Der sozialdemokratische Antrag wird gegen die Stimmen der Antragsteller abgelehnt. Auch die Kömmissrons- s a s s u n g des Absatzes 2 wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Cenlrums a b g e l e h n t. Absatz 2 des 8 35 ist also g e st r l ch e n. Absatz 3 (Einschränkung des Löschens und Ladeiis am Sonntag) gelangt zur Annahme in der Kommisslonsfastung unter Ablehnung eines vom Abg. Metzger (Soz.) befürworteten, vom Direktor im Auswärtigen Amt Dr. Körner bekämpften sozialdemokratischen Antrags, wonach Ausnahmen von der Vorschrift des Löschens und Ladens nur durch die höhere Verwaltungsbehörde erfolgen können. Die übrigen Absätze des § 35 werden ohne Debatte angenommen. § 36 beschränkt die Sonntagsarbeit auf See auf das noth- tvendige Maß und bestimmt in seinem zweiten Absatz, daß auch auf See der Schiffsmannschaft Gelegenheit zur Theilnahme am Gottesdienst ihrer Konfession zu geben und der hierzu erforderliche Urlaub zu ertheilen ist. Abg. Cahenslv (Ctr.) befürwortet einen Zusatzantrag, wonach der Schiffsmannsä^ft auf Wunsch die Theilnahme an gemein- schaftlichen Andachten ihrer Konfession zu gestalten 'st. Mit diesem Zusatz wird 8 36 angenommen, ebenso dcbatteloS § 36a, welcher bestimmt, welche Tage als Festtage gelten. Den 8 36b, wonach die Vorschriften über Bezahlung der Ueber- stundeii und über Sonmagsarbei: auf Schnfsoffiziere keine Anwendung finden, sofern mchr em Anderes vereinbart ist, beantrag: Abg. Schwartz (Szd.) zu streichen. Bremischer Bundesratbsbevollmöchtigter Senator Dr. Pauli: Wenn auch die O'n.siere die Ueberstunden bezahlt bekommen, so haben hc ein Interene an möglichst vielen Ueberstunden. wahrend das Intereste der Rhedereien eine möglichst schnelle Erlebigulig des Dienste^ erfordert. Die Offiziere geraden oliv hier in einen Inter- essenkonslik!. Eine Seemannsordnung ba: bereits die Bestimmung der Bezahlung von Ueberstunden an Offiziere, ober auck nur eine, die norwegische, und dort und schlechte Erfahrungen damit gemacht. Der Sck'.iNsverkebr Norwegens hat eine Einbuße erlitten und andere Länder hoben den Verweil. Dazu kommt, daß die Ofw ziere die Dienstordnung atü dem Schiß und die Disziplin aufrecht erhalten und in 'dieser Beziehung dem Kapitän zur Seite stehen sollen. Die Folgen davon, wenn der Ofnzter in die Interessen der Mannschaft hinemgezogen wird, brauche ich nicht weiter auszumalen. Die Offiziere sind ein außerordentlich wichtiges Element des Schilfsdienstes. sie müssen vor Allem das Jntereife des Dienstes wahr nehmen, sonst leidet darunter die gelammte Schifffahrt. Durum ist dieier Paragraph einer der wichtigsten des ganzen Gesetzes. enn ge'agt wird, daß die Offiziere zuweilen bittere ’tt) leiden und daß ihnen die Bezahlung der Ucbcr|i. .;en wohl zu gönnen fei, so mache ich darauf aufmerk,am, daß das Gefetz int jungst, L>r. pniL m Elfen a. yrtuiv nur Geborene. Die kommenden Monate Entscheidungen, die der tanks der 9hn 23. Nov Katharine Fuhrmann dahier mit Marburg, 30. Nov- Wie man bestimmt hört, hat Pros. Frhr- v. b. Ropp die ihm angebotene Berufung §um.. Direktor des preußischen historischen Instituts zu Nom angenommen. Ropp richtete bekanntlich in Gemeinschaft mit den Professoren v. Below und Brand: eine Eingabe an den Reichskanzler um Reorganisation des romischeL sind die Bestimmungen über den geändert worden: § 1. Für den daß zu den Einzelbesprechungen mit dew Reichskanzler u. a- die Abgg. Rösicke, Gothein, Archen- Düsseldorf, Sattler, Bassermann und v. Levetzow geladen! feft. * Aus der Schule erzählt die „Ostpreuß. Ztg.": Der Lehrer in Kl. Wanniglauken bei Szemlauken behandelte mit seinen Kindern den Satz „An Gottes Segen ist alles gelegen". Als er den Kindern alles klargclegt hatte, fragte er: „Wenn der Landmann seinen Acker auf das Sorgfältigste bearbeitet, alle Mühe und allen Fleiß angewandt und den Samen zur rechten Zeit hineingelegt hat, was fehlt nun zu einem rechten Gedeihen?" Ein Junge von dreizehn Jahren antwottct mit der größten Sicherheit „Superphosphat". Die wichtigen Beratungen in den Hessischen Stände- Ikümmern werden von keinem anderen Blatte des Großh erzogt u ms soaussührlich wiedergegeben wie vom versprechen ganz besonders ereignisreich zu werden. Der Reichstag bringt hochbedeutende Verhandlungen und große „Gießener Anzeiger" Vermischtes. ’ 2er neue Schillerpreis. Wenn wir der dies- twöchentlichen Münchener „Jugend" Glauben schenken dürfen, ^^Hranffurt a. M., 30. Nov. Der Staatssekretär des) Roichspostamts Kraetkc ist gestern abend mit dem Kölnep Schnellzug hier eingetroffen und wird heute das hiesigL Post- und Telegraphenamt besichtigen. .. K ö l n, 29. Nov. Zu dem Eisenbahn-Ungluckbei Horrem erfahren wir, daß einer der schwer Verwundeten! heute vormittag gestorben ist. Der Personenzugverkehr wird noch immer durch Umsteigen bewerkstelligt. Heute mittag hat sich eine Gerichtskommission an Ort und Stelle begeben' weil unbedingt ein Verbrechen angenommen wird Nach einer Meldung der „Köln. Ztg." dagegen jinfr bereits fünf Leichen geborgen. Die Zahl derjenigen, welche ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen mußten, soll, über 30 betragen. 'Zur Untersuchung hat sich der vorttagcnde i Rat int Reichs-Eisenbahnamt, v. Mtsani, an Ort und Stelle begeben Erlangen, 29. Nov. Geheimrat Gen gler, Prv§ fessor der Rechte an der hiesigen Universität, ist gestern! gestorben. .... . London, 30. Nov- Der Herzog Vvn Teck stürzte bei einer Parforcejagd mit dem Pferd und erlitt emei Airreiaer". >Gehirnersch.ütterung und einen Rippenbruch. ♦ Madrid, 30. Nov. Der Führer der forderalisttschen Man bestelle deshalb für den Monat Dezember beiI Republikaner, Piymargall, der 1873 Präsident der Exeku- den Zweigstellen und Zeitungsträgern den Wi-«?30^N°? Di- M-nd-tSniederl egung Wolfs hübet das politische Tagesgespräch. Wie verlautet, " ~ e besteht eine Spaltung in der Alldeutschen Partei. Nach einer 9teu hinzutretende Abonnenten erhalten vom -tage der ^^^Meldung hat Wolf in intimen Beziehungen zu der Bestellung bis zum 1. Dezember den Anzeiger frei zugestellt. K ^tpr )-cmeS Fraktionsgenossen Dr. Tskhan, der Braut des gäbe hat folgenden Eingang: „An die "Abgeordneten des Hohen Deutschen Reichstags, diel das deutsche Voll im Vertrauen darauf erwählt hat, das; sie nach bestem Wissen und Gewissen für das Wohl ihrer Wähler sorgen, richten 220 000 deutsche Bauern, geeinigt in den unterzeichneten I christlichen Bauern-Deremen, die Bitte, chnen zu Zollsätzen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu verhelfen, wie sie in den nachfolgenden Ausführungen bargelegt und begrünbet sind. Sie wissen s jjDlilifdjr Tagesschau, mne Eingabe de.stcher christlicher Bauern. Dte Vereinigung christlicher deutscher Bauernvereine, zu ->er gehören der Badische, Bayerische, Elsaß-Lothringische, Hessische, Nassauische, Ost- und Wcslprcußische, Rheinische, Schlesische, Trierischc und Westfälische Bauern-Verein, richten an den deutschen Reichstag eine Eingabe, in der u. a. ein Mindestzoll von 7,5 0 Mk. bei einem Höchstzoll von 9 M. für die Hauptgetreidearten gesondert wird. Die Ein- ...... . „ „ , Kunst und Missenschast. I anzulegen ist, und in weißwollenen, von dem obersten Rock-1 ° 1 . kn-pf nach der rechten Schultot gehenden Fangschnüren «teV I Dichtauszeichnung. § 6. Nach seder Preisverteilung findet I Mgstspiel im Schauspielhaus als Magda in Sudernianns „Heimaf leine Feier am Grabe v. Schiller's statt. Am Schlüsse der seine enthusiastische Ausnahme. Feier wird der Sarg geöffnet und der Dichter wieder auf ~ die richtige Seite umgedreht. UeULste MeldUlMN. * Berlin, 26. Nov. Eine Schwindlerin tft bon Oriainaldrahtuteldungen des Gießener Anzeigers. Berlin. 30. Gestern haben die Nnt.°n°U.b^ des Dorfschmiedes zu Oberlatz bei Meiningen, hatte einmal raten und die freisinnige Verein igung ihre grundsatz» von einer ausgestorbenen Familie der Freiherren v. Nessen liche Haltung gegenüber dem Zolltarif festgestellt. Dte> gehört. Daihr das besser klang, als einfach Ressen, so nannte Konservativen sind fest entschlossen, weck ihre Anttage auf sie sich Margarete Freiin v. Nessen und ging nach Dresden, Erhöhung der Getreidezollposition von der Regie-! um auf Kosten anderer eän gutes Leben zu führen. Dieses! accephert werden, den ganzen Entwurf ab* .... : Arn 15. Nov. Dem Agenten Johann Baum eine Tochter, zu dramatisieren haben. § 2. Tie Bewerber haben am 10.1 Ilaria Carolina. 18. Dem Meyger Wieaand Wagener eine sJiOüCinbcr des Konkurrenzjahres früh um 6 Uhr mit rein ge- iTochter, Henriette Marie Elisabeth. Dem Besitzer einer chemischen ihres Dramas auf dem Hofe des Kaper Alexander-Garde- lavfo'itcr Karl Schmidt ein Sohn, Wilhelm Karl. Dem Kreiskaffe- Grenadier-Regiments Nr. 1 in Berlin anzutreten. Auf bem I vec[)ncr Adam Kaus eine Tochter. 24. Pern Küfermeister Justus Titel des Probedramas muß der Name, die Wohnung und l Wellhöfer eine Tochter. 26. Dem Privatdozenten und prakt. Arzte ba» Militärvcrhältnis bc8 Dichters vermerkt fein. § 3. Di« Tr. Mbolfin«“'" f‘“ M*“ Bewerber haben sich am 10. November jeden Jahres früh Tochter, Liar.anne Anmtte Udohme. 6 Uhr m der angegebenen Kaserne zur Kvntrallvena.nml.mg Darina Siauntann, geb. Kr-llchmar, 3» emzufinden, so lange die Allerhöchste Entscheidung über oen I q-Qtrc a(t Fabrikarbeiterin dahier. 16. Lisette Christiane Lein- Preis noch nicht gefällt ist. Den Erschienenen werden von karger, geb. Franke, 88 Jahre alt, Privatin dahier. 23. Lina dem Offizier du four die Schillerpreis-Attikel vorgelesen, Geyer, geb. Bartels, 54 Jahre all, Ebefrau des Stationsassiftentm woraus sie enllassen werden. Wer nicht erschemh b*,. 2ö. p—^«.aU, . . . « bet Liste der Bewerber gestrichen. § 4. Auf dem Kasernen- Diedrich Hattenhauer, 35 Jahre alt, Kellner dahier. 28. Elisa- Ätofö Stoben Sefc ÜÄ bä Reiches hoftllt das Dichten streng verboten. § 5 Der Sch.lleryre's stcthe Münch,«! Jahre alt, Prwa.m^a-,ier.------------------| ui würdigen verstehen, und erwarten von der Einsicht und der! besteht m 6800 Mk. baar, m einer goldenen ^enkmunze, Gerechtigkeitsllebe der Vettretec des Volles eine kräftige Abhilfe »die auf der linken Brust getragen wird und beim Dichten ihrer traurigen Notlage." •------1----- k ™ nkorfton Der Denkschrift ist folgendes Vorwort beigefügt: /- In den nachfolgenden Darlegungen soll eine eingehende Begründung unserer Zollforderungen gegeben werden. In einer allgemeinen Begründung haben wir uns bestrebt, die hauptsächlichsten, 'üon gegnerischer Seite bisher gemachten Einwendungen zu wider- ,legen, die spezielle Begründung soll die Höhe der einzelnen Zollsätze .rechtfettigen. A. Die dügemeiue Begründung weist nach: 1. daß die deutsche Landwirtschaft sich in einer wirklichen Not- Am 24. Nov. Karl Hofmann, Schreiner in Lich mit Maria Katharina Wenzel dahier. 26. Jakob Sandor, Schauspieler dahier mit 2lnna Rehder hierselbst. Gustav Becker, Ober°Lokomotivfuhrer dahier mit Adele Hackemann in Wunstorf. 27. Sans Beck, Zeltungs- erpedient dahier mit Dorothea Henriette Waag hierselbst. 28. ^ned-. rich Büttner, Friseur dahier mit Auguste Elisabeth Henrich ausbrach, in Sob-n. Raub ber läge befindet; 2. daß diese Notlage nur durch einen Zolltarif in der von uns I vorgeschlagenen Hohe der Sätze und zwar nur durch einen I \ ' Doppeltarif gelindert werden kann; 3.' daß niemand das Recht hat, bei unfern Forderungen von Brotwucher zu reden; I Wiederaufkommen der Landwirtschaft haben muß; Name dermaßen, daß sie für Dckdung^und^ Schonheiw^ 5, daß das (Streben nach Ausbildung eines reinen Jndusttte-1 staates dem Dolkswohl entgegen und gerade den deutschen! VerhälNiissen gegenüber am wenigsten gerechtfertigt ist; 6. daß alle Maßnahmen, welche geeignet find, die Zollsätze des! . neuen Tarifs in ihrer Wirksamkeit auch nur zu einem geringen Teile zu bchindern, hintan gehalten werden müffen;! Transitläger undMuhlenkonten müssen aufgehoben, Zollkredite I dürfen nicht mehr gewährt werden; " 7. daß alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse durch den neuen Zolltarif einen gleichmäßigen Schutz erhalten müssen, damit! alle landwirtschaftlichen Produktionszweige wieder gleichmäßig rentabel werden; Erzenanisse, welche in unferer Auf-1 stellung nicht speziell aufgeführt sind, müssen daher durch einen den angeführten Zollfätzen ähnlicher Erzeugnisfe entsprechenden I Zoll geschützt werden. I B) Lln diese allgemeine Begründung schließt sich fobann eine I spezielle Besprechung der Gründe, die uns zur Aufstellung der ein-! zelnen Zollsätze veranlaßt hat. Es ist dabei von, dem Grundsatz ausgegangen roorben, baß der neue Zolltarif bie Aufgabe hat, allen! bäuerlichen Betriebsarten bie Rentabilität rnieber zu verschaffen, bie ihnen zur Zeit burch ben Handel genommen worden ist. C) Hieraus folgt in Tabellenform eine Zusammenstellung ber von uns geforderten Tattssätze. „ r , , D) Ein „Führer durch die ßitteratur ber Zollgesetzgebung giebt jene Quellen an, welche bas Material zur Beurteilung unserer 'derzeitigen volkswirtschaftlichen Lage in Bezug auf die Frage der 'Zollgefetzgebung enthalten. " Gerichtssaal. ’ Berlin, 29.Nov. Ein bedenkliches Abenteuer hatteI der Oberleutnant v. Sp. aus Spandau zu bestehen, als er am Abend des 9. Oktober b. I. einen Ausflug nach Berlin unter= nommen hatte. Er besuchte mit einem anderen Herrn auch das Apollo-Theater. Dort lernten sie zwei junge Mädchen kennen, welche sich bereit finden ließen, mit den Herren eine kleine!. r v- -„s. Bierreise zu unternehmen. Das eine ber Mäbchen, bie unverehe- sehr ausführlich wiedergebcn wirb, lichte OJtaric Kuhlke, machte ihre Kollegin daraus ausmerksam, daß! deren Begleiter, der Oberleutnant v. Sp., ein wohlgesülltes Portemonnaie bei sich führe. Nachdem die beiden Paare in einem Lokale verschiedene Glas Pilsener zu sich genommen, bestiegen der Oberleutnant und seine Begleiterin, die unverchelichte Elise Hentze, eine iDroschke. Der stark angetruntene Offizier schlief gleich ein. Diese ^Gelegenheit benutzte das Mädchen, ihm das Portemonnaie aus der Tasche zu ziehe,i. Sodann verlangte es, daß der Kutscher halte. Hierdurch erwachte der Offizier, der das Mädchen nicht freigeben wollte, sondern dem Kutscher befahl, bis ans Ziel zu fahren. Die Hentze schlug darauf die Thürscheibe mit ber Faust ein unb rief um Hilfe. Um Aufsehen zu vermeiden, unb ba er nicht wußte, daß er bestohlen war, zog der Offizier es vor, das Mädchen aussteigen zu blassen. Er mußte vorher aber dem Kutscher die zertrümmerte Scheibe mit 5 Mk. bezahlen. — Am folgenden Tag trafen die Hentze unb bie Kuhlke sich in ber Zimmerstraße. Die erstere erzählte von : i^rem Erlebnis, gab aber bie erbeutete Summe nur auf 200 Mk. anstatt auf 500 All. an unb erbot sich, ber Kuhlke hiervon 100 Mk. . abzugeben. Die Kuhlle nahm bie 100 All., erstattete aber bennoch ^Anzeige, ba sie annahm, baß bie Hentze nicht ehrlich geteilt habe. Im gestrigen Termin vor ber 4. Strafkammer des Landgerichts 1 zeigte sich, daß die Angeklagte Hentze bereits dreimal wegen Dieb-I stähle vorbestraft war, bie unter ähnlichen Verhältnissen begangen I , waren. Der Gerichtshof billigte der Angeklagten mildernde Um-! I stände zu und beließ es bei einer Gefängnisstrafe von einem Jahr. I -ulehnen. . Au»», — t, i— i— ----- - . M 'O. , Berlin, 30. Nov. Die vor wenigen Tagen rm R eI ch s-> schler vollständig blind wurden, für das Fraulem in Liebe üäube einem Kassenboten gestohlene Summe, entbrannten und ahr opferten, soviel iene ihnen ber passender! 3500 ist gestern in einem Nebenraum in einem Gelegenheit abzuknöpfen für gut fand. Sie erzählte i>cn I versteckt auf g efund en worden. Leichtgläubigen u. a., ihr Geschlecht habe enge Fühlung mit ^nrer ver,recrr ^ L ------------ bem S>ofe, und ihr Vater sei Stadtkommandant von Mem-I - ingen.' Nachdem sie ihre Liebhaber gehörig gerupft hatte, ließ sie diese sitzen. Bon Dresden siedelte sie nach Leipzig über, wo sie sich zur Abwechselung Dolores Frenn v. Lin- singen nannte. Endlich fand das schöne Leben ein Ende- Die Staatsanwaltschaft verfolgte die Schwindlerin, und die hiesige Kriminalpolizei nahm sie auf Grund eines Steck- ---” 7 C1 .. .. c IProf. Seydel, gestanden. , Augma SllS den Stündesmntsreglsterll der Arndt ölfßfn. Washington, 30. Nov. Hier ist ein Telegramm des Aufgebote. I amerikanischen Konsuls in Panama Gu-ges eingetroffen, M mit Matta | dem er meldet, daß die L i b e r a l e n g e s ch l a g e n seien. Die Regierung sei im Besitz von Colon. * Feuer. Man meldet ausNew-Pork, daß dort am 28. b. M. eine große Feuersbrunst in der 10. Straße Ein großer Komplex von Lagerhäusern wurde ein Flammen. Eine hohe Mauer fiel auf die Oel- Standard Oil Company, wodurch sich ein Naphta- Eheschließungen. . tanks der Standard Oil Company, wodurch fick) cm vtapyra- 23. Nov. Otto veil), Schlosser dahier mit Christiane K auf die brennenden Gebäude ergoß, der in ungeheuren August- K°r°lu^Schusth°^h.°^^ aufloberte. Set Materialschaden ist beträchtlich.^