Mittwoch 30. Oktober 1901 Nr. 255 151. Jahrgang Erstes Blatt Vom an- von der als Weden und Walen.*) afrikanischen Kriegsschauplätze liegt uns folgende Meldung des „Reuterschen Bureaus" vor: Ein Telegramm aus Klerksdorp meldet, daß eine englische Abteilung, welche seit einigen Wochen das Land südlich von Rustenburg durchstreift hat, am 17. ds. Mts- in Klerks- dorp mit 250 Buren, die sich nach verschiedenen Plätzen zurückgezogen hatten, eingetroffen ist. Je weniger die in den Händen der Engländer befind- *) Dieser Artikel war für die gestrige Nummer bestimmt, in der er jedoch wegen drückenden Raummangels keine Aufnahme finden konnte. D. Red. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Zamilien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrnspcechanschlußNr.51. Litteratur, Theater, Kunst und Wissenschaft. Frankfurt, 25. Okt. (Stadttheater.) Im Schauspielhause werden in der bevorstehenden Winterspielzeit zum ersten Male gegeben werden: „Die Hoffnung" von Herm. Heyermans jr. Deutsch von Franziska de Graasf; „Brugnaulle und seine Tochter", Lustspiel von Alfred Capus (erste deutsche Aufführung); „Nacht und Morgen", Drama von Paul Lindau; „Die größte Sünde", Drama von Otto Ernst; „Abu Seid", von Oskar Blumenthal; „Hof- gunfty/, von Trotha; „Der Tugendhof", von Skowronnek; „Der Gvoßkaufmann", von Stein; „Wieberfinden", von Rudolf Rittner; ein neues Drama von Sudermann usw. Bon Neueinstudierungen werden zunächst erscheinen: eine Anzahl Shakespeare'schen Lustspiele, wovon „Was Ihr wollt" in neuer szenischer Einrichtung zunächst gegeben werden wird; Gutzkow's „Uriel Acosta"; Lessing's „Miß Sara Sampson" (neue Einrichtung); Schillers „Demetrius Fragment"; „Die Mitschuldigen" und „Die Launen des Verliebten" von Goethe; „Die gelehrten Frauen" von Moliere (neue Uebertragung von Ludwig Fulda); „Die Grille" von Charlotte Birch-Pfeiffer. tadeln und verwerfen diese Formen keineswegs — es wäre auch wahrhaft undankbar von uns, dies zu thun! — es ist geradezu eine Notwendigkeit, daß der jugendliche Geist in dieser Periode eine Stätte findet, wo er sich in voller Urwüchsigkeit loslassen kann. Aber wir meinen, daß ein Gegengewicht vorhanden sein muß, wenn die Freiheit, an der der junge Student sich erfrischen will, ihn nicht Rechten soll, wenn die Formen, die ein Ventil für den Ueberschwang der Jugend bilden, nicht für immer seinen Geist prägen sollen. Was für den Bruder Studio paßt, steht dem reisen Manne übel; und doch: wie oft begegnen wir akademisch gebildeten Personen, die sich in den guten Formen feingebildeter Gesellschaft nur mit Mühe und Widerwillen bewegen und erst dann auftauen, wenn die Männer am Biertische sitzen und sie sich allen Zwanges entschlagen dürfen. Bei einer solchen Persönlichkeit kann man mit ziemlicher Gewißheit die Diagnose stellen, daß es ihm in seinen Studcntenjahren an passendem Familienverkehre gemangelt hat. Wohl pflegt der Student verächtlich von der „Familiensimpelei" zu sprechen, und jene geschniegelten Studenten-Herrchen, die Abend für Abend an Soupers, Gesellschaften, Bällen Teil nehmen, sind gewiß nicht eben erfreuliche Erscheinungen. Nicht die Quantität macht den Wert des FamUienumganges aus. Wenn aber ein junger Student einer Familie von feiner Bildung begegnet, deren Kreis von vornehmer Gesinnung, warmer menschlicher Teilnahme und geistigen Interessen erfüllt und von edlen Frauen belebt ist, dann soll er auf jede Weise Zugang zu ihm zu gewinnen trachten. Er wird hier lernen, was ihn keine Universität lehren kann. Denn all sein Wissen ist tot und unfruchtbar, wenn er mit der einen Hälfte des Menschengeschlechtes unbekannt bleibt. All sein Bemühen um Entfaltung und Bildung seines Geistes ist vergebens, wenn nicht feine Frauenseelen dabei mitwirken. Ein solcher Familienkreis ist sozusagen der ständige Regulator für die Ideen des zum Ueberschwang neigenden jugendlichen Geistes und oft genug auch für seine — Selbsteinschätzung; er eröffnet ihm unschätzbare Einblicke in das Leben und seine Jnteressenkreise, und unwillkürlich wird der Student den feineren Geist, den er hier ein-' gesogen hat, auch in den Kreis seiner Kommilitonen mitnehmen und sich dadurch davor bewahren, in Rohheit oder Trägheit zu versinken. Man erkennt: der entscheidende Punkt ist der, daß der junge Student in sich die Kraft findet, um der ihm gebotenen Freiheit selbst ein Maß zu setzen. Ganz ebenso steht es um sein Verhältnis zur Wissenschaft. Nur ist hier die Gefahr eine so ernste, daß fite bereits zu einer öffentlichen Angelegenheit geworden ist. Es ist bekannt, daß Professoren Der verschiedensten Fächer darüber geklagt haben, daß die Bildung bei den Studenten ihrer Fächer im Sinken begriffen sei. Es ist unzweifelhaft, daß das Niveau der allgemeinen Bildung der Akademiker heut ein erheblich niedrigeres ist, als vor einem halben Jahrhundert. Bei einzelnen Ständen ist dieser Niedergang besonders ausfällig, z. B. bei den Medizinern. Ueberraschend häufig trifft man auf Mediziner, deren Denkkraft und Menschenkenntnis höchst unvollkommen, deren allgemeine geistige Interessen überaus beschränkt sind. Bei ihnen hat die Universitas, die ja ihren Namen nicht umsonst trügt, ihren Zweck verfehlt; eine Fachschule hätte genügt, um ihnen die Art von Bildung zu geben. Die Schuld an dieser Verkümmerung trägt alle Mal der junge Student. An ihm ist es, durchaus (wie Ibsen sagt) „in Freiheit und Verantwortung" zu bestimmen, auf welche allgemeinen Grundlagen er seine Billain, dessen in deutscher Sprache verfaßtes großes Werk „Die Grundlagen des 19. Jahrhunderts" leidenschaftliche Bewunderer, aber auch grimmige Feinde bei uns gefunden hat. Wenigstens zeugt dafür die Zusammenstellung „Kritische Urteile", welche die Verlagsanstalt Bruckmann in München soeben in Form einer Broschüre von 120 Seiten (Preis 50 Pf.) herausgiebt. Hervorragende Gelehrte und Schriftsteller von Ruf äußern sich hier, zum Teil in sehr eingehender Weise, über das genannte Werk des deutsch schreibenden Engländers. Sou. a. Prof. Dr. Gustav Krüger-Gießen, der in dem Buche des Engländers einen „vertrauten Gefährten" iseht und glaubt, daß es „uns Heutigen einen Dienst zu leisten vermag, wie ihn Herders Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit unserer Vorvätern leisteten". Auch eine kurze Biographie des merkwürdigen Mannes, der außer seiner Muttersprache das Deutsche mit vollendeter Meisterschaft beherrscht und nebenbei Werke in französischer Sprache schreibt, ist dem Hefte beigegeben. Grillparzers Werke in billiger Ausgabe. Grillparzer ist eine der hervorragendsten, eigenartigsten) Erscheinungen in der Litteratur, er hat dem deutschen Volke besonders eine Reihe von Dramen geschenkt- die zu den besten gehören, die je geschrieben wurden. Es, sind Schöpfungen von Stärke und Reinheit, weihevoller Inspiration entsprungen, die überall die Hand des großen Meisters zeigen. Die Ahnfrau machte den Dichter mit einem Schlage bekannt und die weiteren Dramen: Sappho, Medea, Des Meeres und der Liebe Welten usw. fanden begeisterte Aufnahme und trugen seinen Ruhm in alle Welt. Und in der That, seine Werke verdienen es, wie die Schillers und Goethes in jedem deutschen Hause heimisch zu werden. Dazu bietet die Eotta'sche Buchhandlung nun die Hand, indem sie eine Volksausgabe von! Grillparzers Werken veranstaltete, zu äußerst billigem Preise. Die vortrefflich ausgestattete Ausgabe ist in der „Eotta'schen Volksbibliothek" erschienen und in 4 Doppelbände gebunden für Mark 4 zu haben. Jeder Band ist einzeln für 50 Pfg. käuflich. Diese Ausgabe enthält sämt- (Nachdruck verboten.) Der junge Student. Von Dr. Christian Berger. Universitätsferien haben eine respektable Länge, aber s'übst sie nehmen einmal ein Ende, und wenn die Oktober- Mime wehen, und die Natur sich allgemach zum Winter- 'chlase anschickt, kommt endlich oer Vtoment, da die ge- ouldrge Alma Mater ihre Jünger wieder LU sich bescheidet und die Musenstäbte sich wieder mit oen akademischen (Bürgern füllen. Das ältere Semester, das die Ferien dazu wenutzt hat, um sich an Mutters Fleischtöpfen von den Anstrengungen der — Wissenschaft einigermaßen zu erholen und Vaters Börse für gewisse kleine Verbindlichkeiten zu interessieren, sieht diesem Rbomente mit der Ruhe eines Philosophen entgegen. Der junge Student aber, für den das neue Semester den Eingang zur Paradiesespforte des akademischen Lebens bedeutet, hat diesem Zeitpunkte mit der höchsten Ungeduld und Sehnsucht entgegengeharrt. Ach, noch heut, wo wir ein ergrauender „alter Herr" sind, erinnern wir uns auf das lebendigste, wie wir dem verrtockneten Männlein, das man mit Magnifizenz anredete, in die Hand gelobten, ein guter akademischer Bürger zu sein und der Universitas litterarum alle Zeit Ehre zu machen. Es war ein fast beängstigendes Gefühl von Freiheit, das uns erfüllte, als wir den halbdunkel)!, altertümlich-schnörkelhaften Saal verließen, in dem der Akt stattgefunden hatte. Das Leben mit all seinen unbekannten Freuden, die Wissenschaft mit all ihren Schätzen und Genüssen — das lag nun alles offen, gleichsam bloß zum Zugreifen, vor uns da, und niemand in der ganzen Welt hatte uns eigentlich etwas zu sagen: „Frei ist der Bursch!" Es ist diese tief in der Geschichte unseres akademischen Lebens wurzelnde Freiheit so recht eigentlich der charakteristische Zug unseres Studententums, und nicht ängstlich S können wir darüber wachen, daß uns dieser Jungen rein erhalten bleibe, aus dem Jahr um Jahr neue Generationen so viel Lebensfreude, Kraft und Begeisterung schöpfen, daß es oft für ein ganzes langes von Berufs- und Philistersorgen erfülltes Dasein ausreicht. Aber nicht verkennen sollen wir darüber, daß diese Freiheit auch chre Gefahren hat, Gefahren, die jedem Studenten in den Weg treten und denen- ach! so mancher erliegt. Da wollen wir nun aber unsere/hoffnungsvollen cives aeademici nicht in irgend einer Weise unter Vormund- schaft stellen, sondern fte lieber in sich stark machen gegen die Gefahr, ihnen die Augen dafür öffnen und ihnen die Gegenmittel andeuten. Das gilt ganz besonders von dem jungen Studenten, der ebenso unerfahren und hilflos als begeistert ist, und in diesen: Sinne mögen vielleicht die Erfahrungen eines alten Studenten freundlich angenommen werden. Es währt nicht lange, so hat der junge Student durch Eintritt in eine Verbindung oder durch fteien Anschluß an andere Koinmilitonen seinen Kreis gefunden. Das studentische Leben hat, besonders wenn seine Formen und Gewohnheiten mit einigem Geiste gehandhabt werden, etwas wundersam Anziehendes, und oft beobachtet man, daß es den Neuling, den „Fuchs", dermaßen in seinen Bann zieht, daß er zunächst für lange Zeit von einem Verkehre in anderen Kreisen gar nichts wissen will. Ist aber dann der Augenblick gekommen- wo das Bedürfnis nach anderem Verkehre in ihm sich wieder regt, dann ist er gar ost zu schwerfällig- ja zuweilen bereits unfähig geworden, sich in Kreisen zu bewegen, die die Formen des Kneipkomments ablehnen müssen. Wohlverstanden: wir —e—■gm—a—— immni wiiii m— Feuilleton. düng stellen will. Worauf es aber dabei ankommt, das ist nicht, sich sogleich mit heißem Bemühen auf die Fachstudien zu stürzen. Im Gegenteil raten wir unserem jungen Freunde, sich junächft von ihnen fern zu halten und dafür sein erstes Semester jenen Studien zu widmen, die man in alten Tagen so schon artes liberales nannte: Geschichte, Kunst, Litteratur und die strengere Schule der Philosophie. Nicht als Fachmann soll er in diesen Gebieten arbeiten; nein, diese Studien müssen so frei und so lebendig als möglich betrieben werden. Es gilt für den jungen Studenten, überall das herauszugreifen, was für ihn ein natürliches Interesse hat, wofür er in sich Voraussetzungen antrifft. Er soll mit Behagen in einem reichblühendeu Garten wandeln, hier und dort sinnend stehen bleiben und eine Blume pflücken. Aber unvermerkt bereichert und vertieft sich seine geistige Jnteressenwelt, lehren ihn Geschichte, Kunst, Dich- tung die Welt und die Menschen verstehen, schult sich sein Denken, lernt er ewige Grundprobleme des menschlichen Geistes kennen. Unvermerkt ordnet sich vor seinem Blicke das großartige System der Wissenschaft zum Ganzen. Ganz besonders ist den Jüngern der naturwissenschaftlichen Disziplinen eine solche Vorschule zu empfehlen. Ist es doch vielen von ihnen völlig unbekannt, daß das 19. Jahrhundert in demselben Maße das Jahrhundert der historischen wie der naturwissenschaftlichen Methode ist, daß and) sie in der Periode völlig neu gestaltet worden ist und zu Ergebnissen geführt hat, die in ihrer Art nicht minder - groß und wunderbar sind, wie der Telegraph, das Diph- terieserum und die Röntgenstrahlen. Verbummelung und Uebereifer — das sind die beiden Klippen, die dem jungen Studenten drohen. Vor beiden bewahrt ihn das hier ungeratene Verfahren. Es geleitet ihn gleichsam spielend durch Gärten und Vorhallen in den ernsten Tempel der Wissenschaft. Wenn man einwendet, das Semester ober die Semester, die der Student etwa auf dergleichen „Allotria" verwendet, gingen ihm verloren, so entgegnen wir, daß der äußere Verlust geringer ist, als der innere Gewinn. Aber auch der äußere Verlust ist kaum zu befürchten; denn der geschulte Geist wird in seinem Fachstudium durch schnellere Auffassung und schärferes Verständnis die verlorene Zeit bald einbringen. Unsere Bildung heißt eine „humane", und das ist eine schöne Bezeichnung: sie soll den Menschen entwickeln. Und „Gedenke ein Mensch zu sein!" — das möchten wir dem jungen Studenten zurufen Gedenke ein Mensch zu sein nach den Formen, die du dir bildest, nach den Gefährten, die du dir wählst, nach den Interessen, mit denen du dich verknüpfest. Wer so Student ist, daß er sich nie mit dieser Forderung in Widerspruch setzt, der mag sich getrost allen Freuden des studentischen Lebens hingeben, — sie werden ihm nie zu Gefahren werden /■U'JF jfX 'VlT* O Annahme von Anzeigen ▼ zu der für den folgenden! GietzenerAnzeiger« M General-Anzeiger " «MIL Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Theatersünden. Ueber einige brennende „Zuschauerschmerzen" erhebt der Schauspieler Ferdinand Gre- gori, Mitglied des Hofburg-Theaters in Wien, im „Kunst- wart" (Verlag von Georg D. W. Callwey in München) bewegliche Klage. Er meint, die Illusion des Zuschauers werde im Theater, im Schauspiel nicht minder als in der Oper, fortwährend durch allerlei schlimme Sünden der Regisseure gestört. „Dem Kostümzeichner hat man ja von jeher einige Aufmerksamkeit geschenkt; ich verlange dieselbe für den Friseur, der die Bärte und Perrücken — zufertigen und herzurichten hat. Wie verfilzte Stücke Bärenfellen sehen aber heute die Haarsurogate untergeordneten Darsteller in der Regel aus, und ob sie aus dem Glaskasten eines Coiffeurs kämen, die der „ersten Kräfte". Fast jede Vorstellung zeigt uns beiderlei. Hier ein Charakterkopf, aus Empfindung und Beobachtung komponiert, dort die süßliche Schablone des „schönen" Mannes mit blonden Pfropfenzieherlöckchen und dem fußsackähnlichen Barte des Kaukasiers aus dem Schul- Geographiebuche. Traditionell und mit bleibendem Erfolg wird bei allen männlichen Charakterfiguren im Alter von 18 bis 50 Jahren seit langer Zeit angewendet die Barnay- und die Nikischlocke, erstere ein wenig seitlich übers Auge fallend, letztere über die Stirnmitte geführt bis zur Nasenwurzel. Ueber 50 Jahre hinaus giebts dann die graue lockige Titusperrücke für Fürsten und Geringere, die von guter Gemütsart sind; für Rektoren, Theologen und Schufte hat man strähniges langes Haar aus Lager; ür alle, die Witze ui machen haben, die Glatze. Eine eltene Einmütigkeit oer sonst recht eigensüchtigen Schau- pieler prägt sich auch in der Zeichnung der Augenbrauen aus: immer die gleiche dünne schwarze Linie, für jedes Alter und jede Haarfarbe einheitlich-wirkungsvoll festgelegt. Soll ich noch von der besonderen Raffiniertheit im Charakterisieren reden, welche die Nasenlöcher rot schminkt und falsche Grübchen aufsetzt?" In diesen munteren Uebertreibungen steckt gewiß eine beherzigenswerte Wahrheit. Ebenso in dem Appell, den Gregori an die Regisseure richtet, auf eine finngemäße Handhabung der Requisiten Bedacht zu nehmen. „Wer gewinnt es über sich, auf der Bühne einen Brief so zu lesen ober zu schreiben, wie zu Hause? Wer sieht sich bie Geldstücke an, bie er beim Bezahlen aus bent Beutel ober ber rechten Westentasche holt? Wie beliebt ist es noch, mit ber Faust bie scharfgeschliffene Schwertklinge anstatt bes Knaufs zu umfassen ober wohl gar burch bie Hand zu ziehen, als wollte man bie Elastizität Prüfen! Wie thöricht verfährt man mit gefüllt sein sollenben Trinkhörnern unb Bechern; sie werben, bevor man sie an ben Munb setzt, in bie Luft geschleudert, baß der Wein an bie Decke spritzen müßte." Ein „beutscher" Engländer. Sympathischer als der vielgenannte englische Kolonialminister.Joseph Chamberlain ist sein Namensvetter Houston Stewart Chamber- ticfjen Telegraphenbureaus Nachrichten vom Kriege in die Welt hinaussenden — sie mögen guten Grund zum Schweigen haben —, um so mehr wird von englischen Ministern und solchen, die es werden wollen, geredet. Außer Chamberlain hat Herr Miln er wieder einmal geredet. Er führte aus, das Ziel der Wünsche aller sei ein glückliches und gedeihlich voranschreitendes Südafrika und eine große Gemeinschaft unter englischer Flagge; aber man möge damit nicht recbnen, daß es Plötzlich erreicht würde. Selbst der Beste und Weiseste könnte der großen Tugend der Geduld nicht entraten; hiermit meine er aber nicht ein hilfloses Zusehen, wenn die Dinge schief gehen sollten. — Campbell Banner mann hielt in Stirling anläßlich einer liberalen Kundgebung eine Rede, die größtenteils eine abfällige Kritik des Krieges enthielt. Der Krieg, so bemerkte der Redner/ schwäche das britische Reich in allen Weltteilen, und die Ursache seines langsamen Verlaufes fei, daß die Politik der Regierung sowohl während des Krieges, wie während der Verhandlungen, die diesem vorangingen, gründlich falsch war. Die Regierung habe durchweg einen beklagenswerten Mangel an Umsicht bekundet, und gewisse Methoden der englischen Kriegführung müßten als barbarisch bezeichnet werden. Der Krieg müsse „natürlich" energisch fortgesetzt werden, bis er einen erfolgreichen Abschluß gefunden habe, aber dann müßten versöhnliche Methoden angewendet werden in der Behandlung jener, die künftighin britische Unterthanen werden müssen. „Unser Zweck sollte die Zufriedenstellung Südafrikas unter der Vormacht Großbritanniens fein. Wir müssen tapfere Gegner in gute Freunde verwandeln, aber unser Ministerium macht durch seine Politik dies unmöglich." Die Bank von England hat ihrer Filiale in Johannesburg Anweisung erteilt, kein von irgendwelchem .Hilfs- Komitee auf dem Festlande von Europa zur Auszahlung an bedürftige Frauen und Kinder etwa gesandte Wechsel zu honorieren, es sei denn, daß die Militär-Behörde konstatiert hat, daß dieses Geld nicht solchen Frauen zu Gute komme, deren Männer noch im Felde stehen. — Auch ein Zeichen außevordentlicher Humanität! Zwei irische Abgeordnete sind nach den Vereinigten Staaten abgereist. em Lande leben, die Auserkorenen sind. Die Engländer eben in Städten, die Buren auf Farmstätten, — die Eng- ! änber von Raub und Diebstahl, wir von den Früchten der Erde, welche Gott erschaffen. Es war eine schöne Predigt, nur machte sie nicht auf alle Zuhörer gleichen Eindruck. Viele sind Ochsenzüchter und haben niemals Mais gebaut. Da ich von den Schätzen der Erde spreche, muß ich Dir noch sagen, daß ich das Dynamit nicht gesunden habe, welches in dem Distrikt vergraben sein soll. Aber ich fand ein Maximgeschütz, doch war es so verrostet, daß ich es dem Feinde überließ, der uns folgte. Der Feind verkündete darauf der Welt, ein Geschütz erbeutet zu haben. Great Victory! Trifsst Du auf vereinzelte Feinde, schieß sie nicht gleich tot, nimm nur ihre Pferde und Waffen und laß sie laufen. Sie bekommen bann neue Pferbe und Waffen, unb ich habe neue Waffen nötig. Nun zoolang Bruder Morais! Denke daran, daß, wie die Amoriten vor Gideon geschlagen wurden, so werden /nufere Unterdrücker von dem Herrn Goll geschlagen werden Dein Freund Piet Hoffmann, Kommandant. Aus Stadt und Land. -rachrichteu von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werben augemcfferr honoriert. Gießen, 29. Oktober 1901. Lü. Von der Landesuuiversität. In unsere gestrige Mitteilung, daß der Privatdozent Dr. E. Leu tert in Königsberg den Ruf an unsere Landesuniversität angenommen hat, hat sich ein Druckfehler eingeschlichen. Dr. E. Leutell wird seine Thätigkeit hier nicht im Laufe „der nächsten Monate", andern im Laufe „des nächsten Monats" beginnen. ** Mitglieder des Schulvorstandes aus der Lehrerschaft. Bisher war die Lehrerfchaft in den Gemeinden mit mehr als vier Volksschulklaffen im Sinne des Schulgesetzes mit zwei Lehrern im Schulvorstande vellreten. War aber in solchen Gemeinden ein Oberlehrer ernannt, so trat dieser allein in den Schulvorstand ein. Die Lehrerschaft war also in diesem Falle, zumal der Oberlehrer doch nur eine Stimme im Schulvorstande abgeben konnte, entschieden im Nachtell. Die Großh. Ministerialaltteilung für Schulangelegenheiten ha darum jetzt die Anordnung getroffen, daß in allen Gemeinden mit mehr als vier Schulklassen und nur einem Oberlehrer auch der dem Oberlehrer im Dienstalter am nächsten stehende Lehrer als Mitglied des Schulvorstandes zu erachten sei. Den Wünschen des Lehrerstandes ist damll höheren Olles nunmehr entsprochen worden. ** 2)cr ärztliche Landesvereiu für das Großherzogtum Heffcn hat durch Medizinalrat Dr. Krug eine Denkschrift über das Krankenkassenwesen im Lande ausarbeiten lassen. Es werden für die Reform des Krankenkassengesetzes die folgenden Vorschläge gemacht: 1. Es sollte die Bildung zu kleineren Kassen gemieden werden und es sollen nur größere, auf den Kreis oder selbst auf die Provinz ausgedehnte Krankenkafsen eröffnet werden, weil auf solche größere Verbände einzelne schwere Erkrankungen der Mitglieder weniger verhängnisvoll einwirken als auf kleinere Verbände. 2. Bei den Krankenkassen überhaupt, besonders aber bei den Landkrankenkaffen, sollte die Feststellung beS durchschnittlichen Tagelohnes den thatsächlichen Verhältnissen entsprechend statt- ftnden. 3. Würde diese Maßregel nicht ausreichen, die Kasse in Stand zu setzen, ihren Verbindlichkeiten ordenllich nachzukommen, so müßten die Betträge von 1 und 1,57 v. H. auf 2 v. H. und nötigenfalls noch mehr erhöht werden. 4. Es müßte strenge darüber gewacht werden, daß die zum Ein- tlltte in die Kaffen verpflichteten Personen ihnen auch wirllich beitreten. Es sollte möglichst auf die Errichtung von Kreis- krankenhäusern hingewillt werden, in denen Schwerkranke, namentlich aus solchen Ollen, wo es an ärztlicher Hilfe und in der Regel auch an sonstigen Einrichtungen für eine geordnete Krankelipflcge mangelt, untergebracht werden tonnten. 6. Innerhalb der Krankenkaffenbezirke sollte freie Aerztewahl unter allen im Bezirke verkehrenden und zur Annahme der Vellräge gewillten Aerzten gewährt werden. 7. Die Verträge mit den Kassen sollten unter Mitwirkung der staatlich anerkannten ärztlichen Kreisvereine abgeschlossen werden. 8. Zur Schlichtung von Streitigkeiten zwischen Kaffen und Aerzten ollten Schiedsgerichte eingesetzt werden, in denen die Aerzte- vereine in der gleichen Stärke vertreten sind, wie die Kassen. 9. Es sollten überhaiipt zeitweilige Besprechungen der gemein» samcii Angelegenheiten zwischen Vertretern der Kassen unb, des Aerzlestandes stattfinden. 10. Es sollte kein Kassen- Üatut genehmigt werden, welches auf eine Erweiterung der Leistungen abzielt, bevor nicht der Reservefonds in notier; Höhe angesammelt ist, mit den Aerzten ein Abkommen geschlossen ist, das die Billigung der Standesoellretung erlangt hat, und bevor nicht wenigstens die Wahrscheinlichkeit nach- gewiesen ist, daß mit den Mitteln der Kasse die beabsichtigte Mehrleistung ailch durchführbar ist.,, •* Aus d:m Theaierbureau. Hermann Hersch's historisches Lustspiel „Die A n n a - L i s e" oder „Des alten Dessauers erste Liebe" geht Mittwoch als dritte volks-| tümliche Vorstellung zu kleinen Preisen in Szene. Für! kommende Woche steht Jaffe's hier noch nicht aufgefühlles! Schauspiel „Das Bild des Signorelli", welches seiner Zeit u. a. im Darmstädter Hoftheater einen stallen Erfolg erzielte, auf dem Spielplan. Als nächste Novttät ist Alfred Capus' erfolgreicher Schwank „Leontinens Ehemänner" in Aussicht genommen. Björnson's berühmtes Schauspiel „Neber unsere Kraft" (Teil 1 und 2) soll auch noch im Laufe des November zur Aufführung gelangen. ** Techniker als Bürgermeister. Die Fälle mehren sich, in denen Stadtgemeinden, in der Erkenntnis, daß höchst! wichtige Aufgaben der Städte auf technisch-wirtschaftlichem; Gebiet liegen, bei der Besetzung der Bürgermeisterstellen oon; der ausschließlichen Bevorzugung der Juristen Abstand nehmen. Nicht nur bei uns in Gießen vertlltt man diese von allerbesten Erfolgen begleitete Ueberzeugung, daß technisch gebildete Beamte an die Spitze der städtischen Verwaltung ge--, hören. Auch die Stadt Mainz hat bei Ausschreibung der Stelle eines zweiten Bürgermeisters die Bewerbung oon, Technikern gestattet. Und neuerdings hat in Fürth die Stadtverordnetenversammlung im Gegensatz zum Magistrat zur Be-; Werbung um die erledigte Bürgermeisterstelle nicht nur Juristen, sondern auch Techniker und Volkswillschastler zugelassen. in. Groß Karben, 27. Okt. Gestern mittag wurde der, hier wohnhafte, nahezu 8Ojähllge Auszügler Wiesenbach in der nahe unserem Olle gelegenen „Sandgrube" durch Geröll verschüttet. Der Verunglückte war damit beschäftigt, einem Knechte, der Kies auf seinen Wagen lud, diesen zuzuschöpfen, als sich plötzlich von der neben dem Standorte W.s sich erhebenden Kalksteinwand eine Masse von etwa zwei Kubikmeter Inhalt loslöste, auf den Nichtsahnenden heruntersauste und ihn vor den Augen des Knechts i begrub. Durch die sofort aufgenommenen Rettungsarbetten konnte zwar nach etwa einer Stunde W.s Körper völlig zu Tage gefördert werden, doch war durch die Schwere des auf; ihn gestürzten Gesteins und infolge Erstickung der Tod offenbar alsbald nach dem Unfall eingetreten. Wiesenbach war trotz seines hohen Alters noch sehr rüstig und arbeitsam. — Der seit etwa 14 Tagen vermißte G. Beck von hier wurde f gestern in der Nidda liegend unterhalb der Niddabrücke als Leiche aufgefunden. Der Verstorbene, der hier sehr beliebt war, sollte zum Militärdienst einrücken und besuchte deshalb nochmals seine auswärtigen Verwandten. Nach der, Rückkunft kehlle er in einer nahe der Station gelegenen Willschaft ein und wollte sich gegen Mitternacht nach Hause begeben. Bei der herrschenden Dunkelhett und wohl auch infolge Trunkenheit verfehtte B. offenbar den Weg, kam zum> Niddaufer und stürzte in den Bach. + Aus dem Vogelsberg, 27. Okt. Zu unserer Notiz Nr. 252 über die Seltenheit des Totenkopfes und dessen; massenhaftes Auftreten in diesem Jahre sowohl als Insekt, als auch im Puppenzustand erhalten wir von einem Freunde! unseres Blattes noch folgende interessante Mitteilungen übet] das Wesen dieses Tierchens: Den Totenkopf müssen wir wohl, als einen Ueberreft früherer Zeiten ansehn, der, wie mannigfaltige Versuche bewiesen, bei uns keine neue Generation er-; zeugt, da die Puppe während des Ueberwinterns zu Grundel geht. Wir müssen vielmehr annehmen, daß die Mütter des neuen Geschlechts aus südlicheren Gegenden einwandern, wozu, sie die Ställe ihres Baues und die Flugkraft wohl fähig macht, weshalb wir auch den Nachtfalter, je weiter wir nach Norden gehen, in desto geringerer Zahl finden. Ein Bruder> des Totenkopfes, der Windenschwärmer, war in diesem Jahre ein vielgefundenes Sonnenkind. Maffenhaft traf man seine Puppe unter der Erde. Keine Pttppe hat eine so auffallende Rüffel- oder Zungenscheide wie die des Windenschwärmers. Ueberhaupt sind fast sämttiche Tette des Schmettellings an der Puppe bemerkbar. Diese liefell den Schwärmer noch im Herbst ober nach der Ueberwinterung im Mai des folgenden Jahres. b. Mainz, 27. Okt. Bauunternehmer Görz läßt hinter der Konservenfabrik an der Wallstraße einen Neubau auf» führen, der schon bis zum zweiten Stockwell gediehen ist. Sett einigen Tagen bemerkten die Arbeiter, daß der dahinter liegende hohe Wall bedeutende Risse aufwies, infolgedessen nur mit der größten Aufmerksamkeit gearbeitet wurde. Am Samstagnachmittag wurde wahrgenommen, daß der schwere Letteboden hinter dem Fundament ins Rutschen kam, worauf sämtliche Arbetter den Bau verließen und sich auf der Straße aufstellten. Nach und nach stürzte gegen 5 Uhr der Bau durch die nachrutschende Erdmasse stückweise in sich zusammen. Der schwere Letteboden zeigte ungeheure Sprünge und Riffe und kann bei den Aufräumungsarbetten nur mit der größten Vorsicht verfahren werden. Das verwendete Material bei dem Neubau war von guter Beschaffenheit. Auch bei dem Bau der Konservenfabrik entstanden f. Z. Rutschungen des Erdreichs. — Eine erfreuliche Mitteilung kann das „Mainzer Tageblatt" den Gläubigern des von hier verschwundenen Terazzo-Unternehmers Mion machen. Wie man dem Blatt von vertrauenswürdiger Sette versichell, werden sämtliche Gläubiger nach Felligstellung des Neubaues, also in aller Kürze, vollständig befriedigt werden, da die Paffwa die Attiva keineswegs überfteigen. b- Mainz, 27. Okt. Mit dem heutigen Tage wurde der Vellehr der Nebenbahnstrecke Simmern-Castellaun für die Beförderung von Personen, Gütern re. eröffnet. Die neu eröffnete Bahnstrecke ist normalspurig und hat eine Länge von 15.10 Kilometer. Die Stationen der Strecke sind Cülz, Alterkülze und Castellaun. Leider ereignete sich schon am Eröffnungstage ein schwerer Unglücksfall. Dem Zugführer Zangerle von Bingerbrück wurden vom Festzuge beide Beine abgefahren. Mainz, 28. Okt. Vom 1- Januar k. Js. ab soll hier die Erwerbung des Bürgerrechts unentgeltlrch erfolgen. Für Reichsinländer war die Erhebung von |og. Einzugsgeld bei Erwerbung des Ortsbürgerrechts bereits vor einigen Jahren aufgehoben worden, nun soll auch das Einzugsgeld in gleichem Falle bei Reichsausländern nicht mehr erhoben werden. Die seither erhobene Summe betrug 200 Mk. — Auf die bei der hiesigen Handelskammer vor- aebrachten Beschwerden, daß von verschiedenen auswärtigen Weinversteigerern, die in Mainz ihre Versteigerungen ab- aehalten haben, eine Wandergewerbesteuer erhoben worden sei, war die Kammer mit den zuständigen Steuerbehörden in Verbindung getreten. Wie sie nunmehr von dem Großh. kommissariat benachrichtigt wurde, hat das Ministerium bestimmt, daß Weinversteigerungen, wenn sie in der in Rheinhessen üblichen Weise regelmäßig unter Mitwirkung von Notaren usw. abgehalten werden, nicht zu den wanderlager- steuervflichtigen Veräußerungen im Sinne des Art. 9, letzter Absatz, des Gesetzes vom 22. Dezember 1900 zu rechnen sind und daher von der Steuer für Wanderlager befreit bleiben. , r .. . ru. Alzey, 22.Okt. Die alte Schloßruine, die sogen. „Alzeyer Burg", soll teilweise wieder ausgebaut und zu staatlichen Bureaux, zur Unterbringung des Amtsgerichts u. s. w. verwendet werden. Die Burg wurde urkundlich schon um das Jahr 1070 erwähnt, etwa hundert Jahre später kam sie in den Besitz der Pfalzgrafen bei Rhein, die über sechs Jahrhunderte Besitzer der Burg waren. Als die Franzosen 1689 in Alzey einrückten, wurden die Stadt und die Burg ein Opfex der Flammen. Von der Burg blieben nur die Um- -fafsungsmauern stehen. Homburg, 26. Okt. Bei den Ausgrabungen an der Saalburg wurde unterhalb der Usinger Chaussee ein Keller bloßgelegt. In demselben wurden zwei sehr gut erhaltene Amphoren, 80 Centimeter hoch und 55 Zentimeter im Durchmesser, gefunden. - Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Ortsgewerbeverein zu Viernheim nahm nach einem Vortrage des Redakteurs Dr. Brüß-Hanau eine Resolution gegen jede Zollerhöhung und für langfristige Handelsverträge an. — Der frühere Reichstagsabgeordnete Leopold Sonnemann, Herausgeber der „Frankfurter Zeitung", begeht heute (29. Okt.) den 70. Geburtstag. Sonnemann gehört bekanntlich zu den Führern der süddeutschen Volkspartei. Er hat sich auch litterarisch und wissenschaftlich eifrig bethätigt. Hervorragend ist seine Beteiligung als Stadtverordneter am kommunalen Leben von Frankfuä. — An der Bürgeler Grenze bei Offenbach wurde im Main eine männliche Leiche geländet und als die des seit einigen Tagen von hier verschwundenen Kellners Fritz Koch agnosziert. Ob Selbstmord oder ein Verbrechen vorliegt, konnte noch nicht festgestellt werden. — Dm feinsten Kaffee machen Sie, wenn Sie ats Zusatz eine Kleinigkeit von der sehr ergiebigen Liude'scheu Essenz nehmen. Ueberall zu haben! Gerichtssaal. — Ein interessantes gerichtliches Urteil gegen den Eiscubahnfiskus scheint uns von so prinzipielle r Bedeutung, daß wir uns trotz des äußerst geringfügigen Streltolyektes nicht versagen können, den Fall zur Kenntnis der weiteren OeffentlichkeU zu bringen. Es handelt sich hierbei um die oft beklagte, leidige Ueberfüllung der Wagenabteile. Der Sachverhalt ist folgender: 21m Hiinrnelsahrtstage löste auf dem Bahnhof Friedrichstraße in Berlin der Justizrat Wagner zwei Fahrkarten nach Potsdam und bestieg mit seiner Gattin einen Wagenabteil zweiter Klasse in dem Zuge, der morgens 7 Uhr 45 Min. vom Bahnhof abgeht, in dem Abteil befanden sich noch zwei andere Personen. In Charlottenburg kamen zwei Herren dazu, sodaß der für sechs Personen bestimmte Abteil vollständig besetzt war. Kurz vor Ab- qanq des Zuges bestiegen noch 15 (!) Personen dasselbe Abteil, obwohl sie nicht Fahrkarten der zweiten Klafse hatten. In dem Abteil befanden sich nunmehr dicht gedrängt einundzwanzig Personen. Der Justizrat Wagner machte fernen^Wrder^ruch gegen eine derartige Ueberfullung sowohl bei dem Bahnhossvor- Iteher in Charlottenburg als auch spater m Grünewald geltend. Mer ohne Erfolg. Tie B e a m t e n machten nicht den geringsten Versuch zur Abhilfe, sie schienen vielmehr die Ein pferch ung der Reisend en als ettvas S e l b st o er st a n d l i ch es anzujchen. Erst in Wannsee verließen die meisten Personen den Wagen. Der Justizrat Wagner erhob in der Atemung, daß ein Reisender, der den vollen Fährpreis zahtt, auch eme entsprechende ßetftung bei Eisenbahn verlangen kann, Klaae gegen den Eisenbahnsiskus und verlangte die Rückzahlung des Preises zweier Fahrkarten für die Strecke von Charlottenburg bis Wannsee nut 80 Pfennigen, oder doch, da er ja thatsächlich bis Potsdam gefahren war, den Unterschied des Preises sür die Fahrkarten der Zwecken Wagenklasse und der b i l l i g st e n Personentransportpreise, der Militärsahv- karte, mit 60 Pfennig. Diesem zweiten Anträge hctt das Berliner 2lmtsgericht > stattgegeben und den Fiskus zur Zahlung v o n 60 Pfennig en v erur teilt. Zpirlplan der vereinigten Frankfurter StadUheater. Opernhaus. Mittwoch den 30. Okt.*) „Der fliegende Holländer". Donnerstag den 31. Okt. „Tie Hugenotten". Freitag, den 1. Nvoember. Geschlossen. Samstag, den 2. November. „Die Regimentstochter". Hierauf: Phantasien im Bremer Ratskeller". Sonntaa. den 3. November, nachmittags 31/, Uhr. „Mamsell Angot". Abends 7 Uhr, „Lohengrin". . . , Schau,prethaus. Mittwoch den 30. Okt/) „Tie rote Robe". Donnerstag dem 31. Okt., abends Uhr. „Das Glück". Freitaa den 1. November, Wie die Blättert Samstag den 2. November. „Mu Seid"., hierauf „Fritzchen", zum Schluß „Abschied vom Regiment". Sonntag , den 3. Novenwer. 31/, Uhr. .Das Glück", 7 Uhr „Die Grillet Montag den 4. November. „Flachsmann als Erzieher." ♦) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Die Landtagsabgeordeeten Molthan, v. Brentano und! Horn haben bei der Zweiten Ständekammer die Wetterführung der Bahn Darmstadt—Groß-Zimmern über Groß-> Umstadt durch das Bachgau nach Aschaffenburg beantragt. — Die Verhaftung eines Arztes ist, wie man aus^ Zürich meldet, dort auf Requisition der Staatsanwaltschaft in Frankfurt a. M. erfolgt. Es handelt sich um den Arzt br. med. Gutmann, der bereits 1896 von der Strafkammer des Berliner Landgerichts I wegen Urkundenfälschung zu einer längeren Gefängnisstrafe verurtettt wurde. Gutmann hatte damals gegen Honorar wiffentlich falsche ärztliche Atteste ausgestellt. Gutmann, der sich im Jahre 1897, in das Ausland begeben hatte, wird beschuldigt, in Wien und später auch m Frank- urt a. M. Betrügereien in Höhe von mehr als 10 000 Mk. vollführt zu haben. vermischtes. * Thorn, 28. Okt. Großes Aufsehen erregt hier die Verhaftung des Zahnarztes Dr denk. surg- Grün, welche auf Anordnung der Staatsanwaltschaft durch den Polizei-Inspektor erfolgte. Grün wird beschuldigt, sich gegen ein Dienstmädchen des Kreis-Tierarztes Matzker, welches sich zu ihm in Behandlung begeben hatte, wahrend der Narkose sexuell vergangen zu haben. Dem Angebot des Angeschuldigten, ihn gegen eme Kaution von 70000 Mk. freizulassen, wurde nicht entsprochen. . * Brixen, 28. Okt. Das tausendjährige Bestehen Brixens wurde gestern glänzend gefeiert Rach dem Pontifikalamt im Dom bewegte sich ein historischer Festzug durch die Straßen. Mends fand em Festmahl statt, nachts wurden die umliegenden Höhen prächtig beleuchtet. Als Vertreter des Kaisers wohnte Erzherzog Eugen der Feier bet t c _ ♦ Lemberg, 28. Okt. Der Kommandant der 30- Infanterie-Division Feldmarschall-Leutnant Pino von Friedenthal stürzte bei einem Spazierrit vom Pferde und wurde schwer verletzt. _ , „ , 3 .. * Brüssel, 28. Okt. Nach dem „Soir" kam es gestern zwischen Soldaten des bei Mecheln gelegenen Forts Wälhem und Einwohnern der Ortschaft Wälhem zu einem heftigen Zusammenstoß. Mit Spaten und Heugabeln bewaffnete Bauern trieben die Soldaten zurück. Drei Soldaten wurden getötet. AitrerarlMe Neuerscheinungen. (Besprechung Vorbehalten.) Deutsche Kunst undDekoration. V,Heft2.Künstlerkolonie Darmstadt, Hans Christiansen. Darmstadt, Mex. Koch. 2.50 Mk. ~ t Die Gesellschaft. 2. Oktoberbeft. (Enthalt u. o.: Freder, Ein Bolkstheater für Frankfurt.) Dresden, E. Pierson. 75 Pfg. Heyer man s, Hermann, Die Hoffnung (Op hoop van zogen). Ein Seestück in 4 Akten. Einzige autorisierte Uebersetzung. D^ttsch von Franziska de Graafs. (236 S.) Leipzig, K. F. Köhler. Kritische Urteile über „Die Grundlagen des 19. Jahr-» Hunderts von H. St. Chamberlain. (V11I, 108 S.) München, F. Bruckmann. 50 Pfg. L i tz m a n n, Prof. B., Ibsens Dramen. 1877—1900. Ein Beitrag zur Geschichte des deutschen Dramas im 19. Jahrhundert« (176 S.) Hamburg, Leop. Voß. Geb. 3 2)IL Meyer, Dr. Herrn., Die Privat-Kolonien in Rio Grande do Sul. (25 S.) Leipzig, Bibl. Institut. O CD Ä • ■ eO CJ "TD o 'E ■ er o P V jQ N o X» p s 5 n Z o "2 p ZZ Cl> o cs £ ‘&T & eS" N : >p ^p P o ZZsß ZZ 5 csä'CD'3 p « a-L g §p TD ü ,P U -P so« o f «S -E-a 5# P p K -P C3 u“ P.-P p o p p 'p- oy-* p 2 C 3 öS CD o o o CJ -g E .E E P «TWS L u ZN-P p«.^ p x» p «4 p73 «o 'S« p e-p'p-p Q ö ö P=p E äW C pjQ QöDD V P p C L? 's S o 4zr> o ♦ jO o o Z :zs jp p '■p io P-^.L c 1O *5 £:>£> 05 S-5 8S.e «R ■p cs Z -o « p p ZZ CD ’P P arr -p p Ä s VD -2i s JQ C p„ — pO-E^P p S p VD p S .2 C m S >£3'^0
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