Nr. 100 Erstes Blatt.
Dienstag 30. April 1901
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die Regierung noch wärmer, als es
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151. Jahrgang
Vezvgspreis DtertdjH*, Mk. 2.20, monatl. 76 Ma. mit Bringcrlohn; durch Ä AbholesttSen vikrlelrStzet, Mk. 1.90, monatl. 65 M^
Bei Postbezug vierteljHHM» Mk. 2.00 ohne BesteSHM
§ 8. Die Bestimmungen in § 24 der Instruktion für die Feldgeschworenen vom 23. Februar 1833 (Regierungsblatt Nr. 21 S. 110), des Nachtrags dazu vom 12. September 1834 (Regierungsblatt Nr. 73 S. 471), der Bekanntmachung vom 8. Februar 1840 (Regierungsblatt Nr. 5 S. 56), der Bekanntmachung vom 14. August 1872 (Regierungsblatt Nr. 38 S. 309) und der Bekanntmachung vom 18. Dezember 1874 (Regierungsblatt Nr. 63 S. 784), die Jnsttuttion für die Feldgeschworenen betreffend, werden hiermit aufgehoben.
Darmstadt, den 10. April 1901.
. seine Weisung, die ihm erteilt wurde, obschon sich die Minister hätten sagen können, das; der antisemitische Nationalismus in Algier nicht versöhnlicher ist, als in Paris. Tie Antisemiten Algiers haben denn auch seine Ankunft gleich wieder mit Sttaßentumulten gefeiert, und der Bürger meister Max Regis, wirrer der feurigsten Anttsemitenhäupt- linge, erließ eine Polizeiverordnung, die den Juden verbietet, eine Tracht zu tragen, die sie als Juden kenntlich mache und der Wut der Menge aussetze. Das klingt wohlwollend, hat aber thalsächlich die Wirkung einer Tenun- ciation, denn die Juden können und werden nicht von heute auf morgen ihre althergebrachte Tracht ändern.
Im Lande des guten und dicken, oder wie andere sagen, des „dicken und dummen" Königs von Portugal sind die katholischen religiösen Vereinigungen durch ein Dekret gc- zwungen worden, sich binnen eines halben Jahres zu verweltlichen ; sieben Klöster wurden sofort geschlossen. Man ist dort, wie einst zu des bekannten portugiesischen Staatsmannes Pombal Zeiten, wieder der Meinung, daß die Herrschaft des Klerikalismus und namentlich des Jesuitismus das spanische Nachbarreich, in dem dereinst die Sonne niemals unterging, heute so weit gebracht habe, daß die Sonne dort niemals aufgeht. Von dieses ewigen Finsternis will man sich in Portugal durch Bekämpfung und Vernichtung des Klosterwefens und der Mönchsherrschaft schützen.
Rußlands kalte Beziehungen zu Frankreich wurden in diesen Frühlingstagen angewärmt durch den Besuch des französischen Ministers des Auswärtigen, Telcasse, in St. Petersburg. Vielerlei Vermutungen sind an diese Reise geknüpft worden, als wenn Telcasse von einer Lockerung des Treibundes stützen ziehen wollte oder gar als wenn anderseits der bedenklich schwache Faden zwischen Paris und St. Petersburg stärker geknotet werden sollte. Man wird wohl am sichersten gehen, wenn man den Zweibund für ebensowenig gelockert ansieht wie den Dreibund. Wegen Ostasiens allein haben die Herren in St. Petersburg schon genug zu reden, und eben wegen Ostasiens dürfte Rußland Frankreich ganz gewiß einen erheblich längeren Wunschzettel entrollen als umgekehrt, und gegen eine beschränkte Anzahl schöner Worte und opulenter Frühstücke gute blanke französische Goldbarren einwechseln. Freilich hätte dann, so sollte man sagen, Rußland nach Paris gehen sollen; aber es ist ja von jeher ein besonderes Vergnügen der französischen Herren Republikaner gewesen, vor „Väterchen" auf ihren schlanken Bäuchlein zu rutschen.
Aus China wurde berichtet, daß der General Liu, der westlich von Paotingfu mit einer starken Truppenmacht stand, dem ihm zugegangenen kaiserlichen Befehl Folge geleistet und sich außerhalb des Bereichs der militärischen Interessen der Verbündeten zurückgezogen hat. Die Expedition der Arm in Arm in den Kampf ziehenden Franzosen und Teutschen unter den Generalen Bailloud und v. Ketteler wurde dadurch gegenstandslos. Tie chinesische Regierung, d. h. die allmächtige Kaiserin-Witwe, hat an Stelle des bisherigen Staatsrates eine neue Behörde, das Generalamt für Staatsangelegenheiten, geschaffen, das „Reformen" beraten soll, die ganz gewiß niemals das Licht der Welt erblicken werden.
ndpnen Anzeigen fir Ma •tefcener an»ctger tMtMML Zeilenprei« lokal 11 WA, «ueeflne W psg.
Adrefle für Depesch^t Anzeiger »letze«. Ferusprechanschluß Ät.M.
Sanllulmlst des „Gießener Anzeigers".
Das gräßliche Unglück, daS eine große Auzah Arbeiterfamilie» in Griesheim um Hab nnd Gut gebracht hat, schreit zum Himmel. Obdachlos wandeln Biele einher und groß ist die Zahl derer, die den Ernährer verloren habe». Wir appellieren daher an die Mildthätigkeit der Gießener Bürger und ersuchen um reichliche Zuwendung von Gaben, die wir sofort an die Bürgermeisterei der Stadt GrieSheim gelangen lasten werden. In der Expedition deS „Gießener Anzeigers", Schul' straße 7, werden Gaben in Empfang genommen.
Geschäften innerhalb der Gemarkung des Wohn- 3 Mk.;
Geschäften außerhalb der Gemarkung des Wohn-
Bekanntmachung, die Keöü-re» der Ieldgeschworenerr Vetreffend.
Vom 10. April 1901.
Großherzogliches Ministerium des Innern.
Rothe. Petr
der Reichskanzler jetzt im Plenum gethan, für den Vertrag ein treten sollte.
In O e st e r r e i ch hat die Uebernahme des Protektorats über den katholischen Schulverein durch den Thronfolger, den Erzherzog Franz Ferdinand, Sensation hervorgerufen' Ter hohe Herr soll sich ganz von den kleinen weißen Händen
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seiner ihm zur lchken Hand getrauten Gemahlin leiten lassen, einen sehr ehrgeizigen, in sttengstcn katholischen Anschauungen erzogenen Dame. Die Frau Gräfin ist an der Spitze der nach Zehntausenden zählenden Mitglieder der katholischen Vereine Wiens durch die Straßen der Kaiserstadt an der schönen blauen Donau in feierlichem, bunt ausgeputztem Aufzuge gewandelt. Man hat diesen merkwürdigen Vorfrühlingsspaziergang wohl mit Recht als eine Gegenkundgebung gegen die erfolgreiche Los-vonRom-Be- wegung und allerlei gegen die Beichte gerichtete Angriffe aufgefaßt. Die Alldeutschen Oesterreichs und Deutschlands haben Ströme von Spott und Hohn über diese Promenade ausgegossen und im Abgeordnetenhause einen Antrag eingebracht auf Beseitigung der Bestimmung, wonach eine persönliche Kritik an Mitgliedern des Herrscherhauses nicht statthaft ist. Der Ministerpräsident v. Körber hielt diese. Bestimmung entschieden aufrecht und wies darauf hin, daß thatsächlich sehr ausgiebige Kritik geübt worden fei und werde, womit er andeutete, daß nur wirkliche Beleidigungen zur Strafe gezogen würden.
Tie vom sozialistischen Bergarbeiterkongreß im Norden Frankreichs gegen die Regierung ausgesprochene Drost ung mit dem allgemeinen Ausstande, für den Fall, daß die Minister den ausständigen Arbeitern in Montceau-lcs Mines nicht wieder zur Anstellung unter den von ihnen verlangten Bedingungen verhelfen würden, scheint gegenstandslos geworden zu sein. Offenbar wollen Sozialisten dem Kabinett eine Brücke bauen, indem sie dringend zur Wiederaufnahme der Arbeit auffordern. Tie Ausständigen sperren sich noch, aber ihr Beharren im Streik war doch dadurch veranlaßt worden, daß sie von anderer Seite fortgesetzt aufgereizt wurden. — Algerien soll durch eine neue Politik beruhigt werden. Der neue Gouverneur Jonnat soll eine Politik der Versöhnung anbahnen, so ist
Amtlicher Teil.
Bekanntmachung.
Detr.: Die Gebühren der Feldgeschworenen.
Nachstehende Gr. Reg.-Bl. Nr. 29 v. l. I. erschienene Bekanntmachung bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntnis.
Gießen, den 26. April 1901.
Großh. Kreisamt Gießen.
v. Bechtold.
Ter Krieg in Südafrika kostet den Engländern, wie >as neuerliche Bekenntnis des Schatzkanzlers ergiebt, so viel, daß jetzt angeblich neue Anbändelungsversuche des Oberstkommandierenden Kttchener mit Botha eine merklich andere Aufnahme finden, als die ersten. Zweifellos hat Kitchener auch diesmal die Anregung dazu gegeben, daß Frau Botha sich wiederum zu ihrem Manne begab. Tie englische Presse thut allerdings so, als habe die Frau den Schritt ganz aus eigenem Antriebe gethan, aus der Er-
Mit Allerhöchster Ermächtigung Seiner Königlichen Roheit des Großherzogs wird, nachdem sich eine Erhöhung der Tagegelder für die Feldgeschworenen, sowie eine teilweise Neuregelung der Gebührenbezüge für den Steinsatz 4» notwendig erwiesen hat, Folgendes bestimmt:
§ 1 Bei allen Besichtigungen und Regulier- nngen der Grenzen, dieselben mögen nach Vorschrift des § 20 der Feldgefchworenen-Jnstruktion vom 23. Februar I8>.> (Regierungsblatt S. 110) regelmäßig wiederkehren, ober durch Auftrag der Behörden oder durch besonderes Anrufen der Interessenten veranlaßt werden, haben die Feldgeschworenen Anspruch auf Tagegelder.
Für die über den Befund etwa zu erstattenden schriftlichen Anzeigen, sowie für die Führung des Tagebuchs rc. wird in keinem Falle eine weitere Vergütung geleistet.
§ 2. Für jedem S teinsatz, tvelcher aus Anlaß von Grenzbesichtigungen an dem nämlichen Tage vorgenommen wird, haben die Feldgeschworenen keine besondere Vergütung in Anspruch zu nehmen, da dieselbe bereits in den Tagegeldern mit einbegriffen ist. Wird dagegen nur Stein- sah ohne vorherige Besichtigung der Grenzen an bereits bestimmten Punkten vorgenommen, dann sind keine Tagegelder, sondern Steinsatzgebühren mit der im § 5 vorgesehenen Ausnahme in Ansatz zu bringen.
§ 3. Die Tagegelder der Feldgeschworenen be-
Wenn das Gesckzäft nur einen halben Tag in Anspruch nimmt, ist nur die Hälfte dieser Beträge in Ansatz zu bringen.
Bei Geschäften außerhalb der Gemarkung kann auch noch eine Vergütung für den Transport verlangt werden.
Die Transportkosten betragen für je 5 Kilometer (1 Stunde) Wegentfernung bis zur Arbeitsstelle 60 Pfennig, tvorin auch ^bie Vergütung für den Rückweg enthalten ist. Eine Strecke von weniger als 2,5 Kilometer bleibt außer Ansatz, eine solche von 2,5 Kilometer bis 5 Kilometer wird .als eine Stunde gerechnet.
Die Gebühren für den Steins atz betragen: - a. für den an einem Tage zuerst gesetzten Stein 1 Mk.
20 Pfg.
6. für jeden weiteren Stein, welcher an demselben Tage gesetzt wird, 25 Pfg
§ 4. Im Falle der Verrechnung von Steinsatzgebühren finb die Kosten für die an einem Tage gesetzten Steine einschließlich der Mehrkosten für den ersten Stein nach Maß gäbe der Gesamtzahl der gesetzten Steine auf die Beteiligten zu verteilen. Ebenso sind die Kosten für einen mehrere Tage in Anspruch nehmenden Steinsatz nach der Zahl sämtlicher gesetzten Steine auszuschlagen, falls ein solcher Steinsatz infolge eines Auftrages notwendig geworden sein sollte.
§ 5. Sollte die Bezahlung für den Steinsatz in einzelnen Fällen nicht den Tagegeldern, welche die Feld- geschworenen für die betreffende Gemarkung zu bean- svruchen Ijafcen, gleichkommen, dann find sie berechtigt, anstatt der Steinsatzgebühren die ihnen nach den §§ 3 und 6 zustehenden Tagegelder in Ansatz zu bringen.
§ 6. Ten Feldgeschworenen in Städten oder in solchen Crten, in denen es die Lohnverhältnisse notwendig erscheinen lassen, können auf Beschluß der Stadt oder Ortsoorstände den örtlichen Verhältnissen entsprechende höhere Wagegelder von uns bewilligt werden, welche bann an Stelle berjenigen imi § 3 Absatz 1 zu treten haben.
§ 7. Bei Aussteinungen von größerem Umfang, wie bei Feldbereinigungen, Katastervermessungen usw., ist bie Re- zierungsbehörbe befugt, auf Antrag der Interessenten geringere, als die in § 3 angegebenen Steinsatzgebühren iestzusetzen, wenn die Feldgeschworenen durch Bezug letzterer l'öebüyren eine zu hohe Vergütung, welche mit der Mühe des Geschäfts und dem dafür zu verwendenden Zeitauf- toanbe in keinem richtigen Verhältnisse stünde, erhalten tourben. Aus gleichem Grunde können seitens der Voll- mgskommissionen für Feldbereinigungen, oder seitens der Ortsvorstände oder anderer Interessenten vor Beginn des vteinsatzes mit den Feldgeschworenen vertragsmäßig, ohne laß es einer Mitwirkung der Regierungsbehörde bedarf, geringere als die im § 3 festgesetzten Gebühren vereinbart Derben.
Polttische Wochenschau.
Um der Immatrikulation seines Sohnes, des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, in der juristischen Fakultät Bonn beizuwohnen, begab sich der Kaiser am Mittwoch zur rheinischen Universitätsstadt. Die Feier ging schnell vorüber; um so näher trat Se. Majestät abends der Studentenschaft, da er an einem Kommers zu seinen Ehren teilnahm. Bei dieser Gelegenheit hielt er eine längere Ansprache, die mit ihren romantischen Anklängen wie mit ihren ernsten geschichtlichen Hinweisen und Mahnungen für die Zukunft der akademischen Jugend gleich stark zu Herzen gegangen fein wird. Der Kaiser erinnerte an bie Fürstlichkeiten, bie früher schon bie Universität Bonn bezogen, und gedachte vor allem der glücklichen Zeit, die er selbst dort verbracht hat. Bei der Erwähnung des Prinzen Albert von Coburg gedachte er seiner Großmutter, die stets ein friedliches und freundliches Verhältnis zwischen England und Deutschland angesttebt habe. Dann empfahl der Kaiser die Pflege des nationalen Gedankens im Sinne strenger Abgrenzung nach außen; diese habe dem alten deutschen Reiche gefehlt, und dessen Entwickelung im deutschnationalen Sinne sei deshalb unmöglich gewesen. Die Besitzer starker Fürstentümer seien dann leider in Konflikt mit Kaiser und Reich gekommen, sie hätten die Kaiser um ihre Macht beneidet, der Adel beneidete die Städte, der Bauer den Adeligen. Was für unselige Folgen seien daraus entstanden I So solle denn die akademische Jugend den festen Vorsatz ässen, als Germanen an Germanien zu arbeiten, ohne dsmopolitische Träumereien, ohne Parteitendenz, in dem ittlichen Ernste, den der Blick auf Lehre und Beispiel des
Heilandes verleihe.
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Ter Reichstag befaßte sich mit dem Süßstoffgesetze. Dieses will zu Gunsten des Absatzes des natürlichen Zuckers den Verbrauch des Saccharins, jenes unverdaulichen Süßstoffes, der aus Theer gewonnen wird, einschränken. In Belgien ist Saccharin überhaupt verboten und zwar aus gesundheitlichen Gründen. Früher war die Stimmung im Reichstage für eine sehr starke Einschränkung des Verkehrs mit Saccharin günstiger als heute, immerhin wird wohl in der Kommission, an die der Entwurf verwiesen wurde, der Gedanke zum Turchbruch gelangen, daß, wenn der Zucker besteuert wird, auch künstliche Süßstoffe gerechterweise einer Steuer unterworfen werden müssen. Gleich darauf folgte die Beratung eines Branntweinsteuergesetzes; dieses ist nötig geworden, weil die 1895 eingefuhrte Branntweinsteuer nur bis September dieses Jahres erhoben werden darf; auch hört mit diesem Termine der Tenaturierungs zwang für nicht zum Genüsse bestimmten, billigen Spiritus auf. Tie Kleinbrenner haben von dem jetzigen Gesetze wenig Vorteil gehabt, namentlich von dem Tenaturierungs- zwang. Tie Regierung erklärte, bei dem Entwürfe zu beharren, damit der Landwirtschaft auch bei leichterem Boden ein gefährlicher Preisrückgang des Spiritus erspart bleibe. Weiterhin kam wieder die ostafrikanische Kolonialbahn zur Sprache. Nach dem an den Reichstag gelangten Entwürfe soll das Reich eine Garantie für die von privater Seite zu bauende Bahn von Dar-es-Salaam nach Mrogoro übernehmen. Nur die Nationalliberalen konnten sich ganz mit dem vorgelegten Finanzplane befreunden; während die übrige Linke in herkömmlicher Weise den Bahnbau überhaupt bekämpfte, hatten Zentrum und Konservative gegen den Vertrag mit der Privatgesellschaft ernste Bedenken. In der Budgetkommisfion wird voraussichtlich eine Ablehnung erfolgen, selbst wenn die Regierung noch wärmer, als es
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Unverschämt! Quatschkopp?)
Ungefähr der dritte Gleich darauf ruft
Ruf: Die reine Menagerie! Heiterkeit. Ledebour beschwert sich über die pöbelhaften Zwischenrufe und wird zur Ordnung gerufen. Die Resolution beginnt: Die am 26. April vom deutsch konservativen Wahlvereiu einberufene Bersamm- lung in der Tonhalle protestiert gegen jede Erhöhung der Getreidezölle und schließt: »sie richtet an Reichstag und Bundesrat das dringende Ersuchen, für die Beseitigung sämtlicher Zölle der Lebensmittel eintreten zu lassen." •
Sofort nach der Verlesung rief einer au- der Versammlung: Wer für die Resolution ist, bitte ich die Hand zu erheben! Cs erhoben sich 2000 Hände. Dr. Hahn hat das Wort: Nunmehr erhob sich em ungeheurer Lärm, ein Toben und Schreien, ein Gestikulieren und Schimpfen. Herr v. Gerlach stand auf der Trübine und wollte reden, Dr. Hahn trat aber nicht zurück. Der Lärm legte sich nicht. Die Sozialdemokraten stimmten mehrmals ok Arbeitermarseillaise an, brachten eine ganze Menge Hochs aus und begannen den Saal zu verlasien. Stadtv. Ulrich schloß die Versammlung.
Katasteramt«.
* Eingaben an den Landtag. Der rastlose Abg. Köhler- Langsdorf hat neuerdings den Antrag eingebracht auf
Gießen, den 29. April 1901.
LU. Von der Landesnniversttat. Letzten Samstag fand die erste Immatrikulation des laufenden Semesters statt. ES waren bis dahin 165 Studierende neu eingeschrieben. Daß die Zahl des vorigen Sommersemesters (855) erheblich überschritten werden wird, ist mit Bestimmtheit zu erwarten.
H. Akademische Vorträge. Im Laufe de» Mai und Ium wird wieder, wie früher, ein Zyklus von fünf akademischen Vorträgen stattfinden. Prosesior Dr. Albrecht Dieterich wird in ihnen das Thema „Kunst und Leben in Pompeji" behandeln. Lichtbilder werden die Vorträge erläutern, deren Erlös der Universitätsbibliothek zufließen soll. Eine Einzeichnungsliste wird in diesen Tagen in Umlauf gesetzt.
*• Das Großh. Hess. Regierungsblatt Nr. 31, ausgegeben am 20. April, enthält die Bekanntmachung, den praktischen Kursus der FinanzaSpirauten betrefiend.
*• PerfonalRachrichlen. Der Großherzog hat dem Bürgermeister Johannes Rausch zu Zetlbach das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Philipps-OrdenS, der Christine Strackbein zu Mainz die Goldene Verdienstmedaille des LudewigS-Orden« und dem Mitgliede der freiwilligen Feuerwehr zu Mombach Nikolaus Schirmer das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren verliehen. — Der Groß Herzog hat genehmigt, daß die Leitung der „Großherzoglichen Baubehörde für die Erweiterungsbauten der Technischen Hochschule" dem Vorstand des Hochbauamts Alsfeld, Baurat Friedrich Kranz, kommissarisch übertragen werde. — Ernannt wurden der Gehilfe bei dem Grundbuchsbureau deS Katasteramts Heinrich Krickser zu Darmstadt und der Wilhelm Hofferbertau« Darmstadt zu Zeichnern bei dem Grundbuchsbureau deS
** Oberhessischer Geschichtsverern. In der Zeit vom 1. Jammr bis 1. April 1901 wurden dem Museum deS Oberhessisck>en Geschichtsvcreins an Geschenken über- wiesen: „Astrologisches Buch, sowie Traumdeuterer w dem 18. Jahrhundert", von Herrn Oberpostsekretär Bernhard Gießen. Mittelalterliches, großes Vorhängschloß, in einen
deutschen Truppkn verfolgt und bei dieser Gelegenheit auch Greise, Frauen und Sinder getötet worden! i Die Gefangenen im Damen, meist Boxer, die au der Er- ! mordung zweier englischer Missionare beteiligt waren, wurden ! befreit oder durften doch wenigstens unbelästigt entfliehen! ' Hierauf folgten M assen Plünderung und mutwilliges Zerstören von Eigentum. „200 Menschen wurden für Die Nacht in einem kleinen Wirtshaus eingesperrt und am andern Morgen anscheinend (!) zu einer Exekution geführt! Sie mußten niederknieen und um Gnade flehen." — Der Schlußabsatz lautet: Ich will den deutschen Befehls- Haber nicht beleidigen durch die Annahme, daß er je die Absicht hatte, diese Schar hilfloser Leute kalten Blutes zu morden, aber das ganze Verfahren war nichts desto- weniger barbarisch und unwürdig einer zivilisierten, um nicht zu sagen christlichen Nation." — Die „Berl. N. N." sind in der Lage, hierzu aus authentischer Quelle folgendes zu bemerken: Unmittelbar nach dem Gefecht (nicht Ueberfall) von Dung tfing shien lief beim Feldmarschall Grafe» Waldersee eine Denunziation ähnlichen Inhalts, von dem obengenannten englische» Missionar Morris herrührend, ein. Da sich diese zu dem offiziellen, von Major v. Haine eingereichten Gefechtsberichte in schneidendem Widerspruche befand, so wurde von Generalleutnant von Lesiel die gerichtliche und eidliche Vernehmung sämtlicher bei jener Expedition beteiligten Offiziere angeordnet. Diese Vernehmung ergab, daß der amtliche Gefechtsbericht streng wahrheitsgemäß abgefaßt war und in keinem einzigen P»nkte irgend eine Schönfärberei oder Vertuschung enthielt. Die gehässige Denunziation dagegen trug in allen Teilen den Stempel der Lüge und Erdichtung derart an sich, daß ihr keine weitere Folge gegeben wurde. — Major v. Haine, besten Sehkraft durch eine zwei Tage vor dem Gefecht stattgehabte Explosion gelitten hat, befindet sich zur Zeit in einer Augenklinik in Deutschland. Der englische Missionar Morris, der
demselben Schenker. Hessischer Mrlrtarpaß von 1,90, aue qestellt vom Generalleutnant Bernhard Weneke für Grenadier Heinrich Huhn aus Gießen; Geschenk vom W Lügentisch-Gießen. Zwei Siegelabdrücke der Friedberg Bäckcrzunst, von Herrn P. Bufs-Giesien. Ern steinernes Posw° ment 27. Etm. hoch, 10 Ctm. breit, eine menschlrche, gr bückte Figur (Fratze) darstellend, anscheinend aus ve» 16. Jahrhundert: Schenker Herr Verwalter ^dt. Zwn mittelalterliche Schlösser von dem Schlöffe auf dem Brll Uhr nach I 0^ entfernteren Orten und Städten wie Butzbach, Bad-Rau- lb/.stündiger Rededaner erklärt der Vortragende, nunmehr heim, Friedberg, jungen usw. angemeldet. Tie Vorträgt vom Allgemeinen aufs Spezielle übergehen zu wollen, werden im dritten Stock des Univcrsitätsgebäu^sin der (Großer Lärm. Schlußrufe.) Borfitzender: Der konservative großen Aula abgehalten. Der Beitrag zu den kosten v Verein hat Sie eingelgben Ruf Sie haben Ihr Ehrew trägt,6 Warf den Teilnehmer Sn der
wort gegeben. Furchtbarer Lärm. Ruf: Sre wollen so lange reden, bis wir fort find. Sagen Sie doch, wie viel Zoll wollen Sie haben? Andere Rufe: DiSkusfion? Diskussion! Wir wollen Debatte haben! — Ein Genosse unter der Tribüne winkt immerfort mit dem Taschentuch, bie CH.
Genoffen sollen ruhig sein. Ein Freisinniger schwenkt fort Kämpen Thon eingeschlossen, aus dem Bette der Layr. während den Hut. Auf der freisinnigen Seite herrscht große k Herrn Throm-Gießen. Eiserne Hohlkanonenkugel, vo Bewegung. .Hier bat einer in bett Saal gespuckt!' ' — —— 6 '190
(Ungeheure Heiterkeit.) Dr. Hahn: Wir wollen einen Weizenpreis von 200 Mk. (Ruf: Ah!) Tin Herr vom Borstands- tisch: Bah? (Große Heiterkeit.) Dutzende von Stimmen: Bäh! bäh! (Stürmische Nnterbrechung.) Ein Herr bittet : sofort ums Wort. Borfitzender: Wenn Sie nicht warten können, so gehen Sie nach Hause. (Lärm. Rufe: Unerhört!
Politische Tagesschau.
In Sachen des berühmten parlamentarischen Abends, den der Präsident der Zweiten hessischen Kammer veranstaltet hatte, und der zur Verwunderung weitester Kreise der Bevölkerung vorüberging, ohne daß auf unseren an wesenden Landesherrn ein Hoch ausgebracht worden war, wie man sagte, um der schönen Augen der anwesenden Sozialdemokraten willen, veröffentlicht jetzt, sehr post festum, die „Wormser Ztg." einen Brief des Geheimrats Haas, der also lautet:
Au« der wegen längerer Abwesenheit von Hause mir verspätet zu Händen gekommenen Nr. 87 der „Wormser Zeitung* entnehme ich daß der Neichstagsibgeordnete Frhr. v. Heyl fich veranlaßt gesehen hat, in einer Vertrauensmänner-Versammlung der Wormser national liberalen Partei am 14. April dS. Js. an einer in der Sitzung der Zweiten Kammer der Landstände am 22. März bl. IS. von mir abgegebenen Erklärung, welche die Preß-AuSlassungm über Vorgänge aus dem namens der Kammer von mir veranstalteten parlamentarischen Abend betrafen, Kritik zu üben. In der Annahme, daß die Berichterstattung der „Wormser Zeitung" die Ausführungen des Reichstagsabgeordneten Freiherrn o. Heyl richtig wiebergegeben hat, habe ich auf diese Ausführungen daS Folgende kurz und sachlich zu erwidern: „Parlamentarische Abende, an denen der Großherzog teilnahm, find vordem von dem StaatLminister Rothe am 27. April 1899 uno am 11. Dezember 1900 bereits veranstaltet gewesen. Hierzu ist jedesmal Einladung an alle Mitglieder der Zweiten Kammer der Landstände ergangen, wie diese jeweils sämtlich auch zu ben bei Eröffnung und Schließung eines Landtages stattfindenden Hoftafel ein- g-laden wurden. Auf deS Staatsministers Wunsch und auf ausdrückliche, dem Gebrauche entsprechende Verabredung mit ihm wurden bei den ersterwähnten Anlässen Ovationen und Ansprachen jeder Art unterlassen. Auch der Kaiser hat mehrfach parlamentarischen Abenden und Veranstaltungen d«S Reichskanzlers, sowie anderer ReffortchefS deS Reiches und deS preußischen Staates beigewohnt, ohne daß beim Empfang, während der Anwesenheit und beim Weggang deS Kaisers irgendwelche Ovationen dargebrachl wurden. Mit Fug und Recht konnte ich deshalb in meiner erwähnten Erklärung mich aus eine Gepflogenheit berufen, und die entgegengesetzte Behauptung des Reichstagsabgeordneten Freiherrn v. Heyl steht mit bm einschlägigen Thatsachen nicht im Einklang.
Darmstadt, den 23. April 1901.
HaaS, Präsident der Zweiten Kammer der Stände.
Die „Times", brachte vor einiger Zeit einen skandalösen Bericht über das Gefecht von Dung-tfing-shieu, an dem Teile deS 3. Ostafiatischen Infantene-RegimentS unter Major v. Hai ne (früher im 53. Infanterie-Regiment) beteiligt waren. Der aus der Feder eines englischen Missionars, Morris stamm« nde Bericht besagte: In Dung-tsing-shien standen 300 bis 400 Mann chinesische Truppen, die mit Erlaubnis Lihungtschangs dahin gesandt worden waren, um die Boxer zu unterdrücken und die Ordnung aufrecht zu erhalten. Als der englische General Richardson am 31. Oktober den Ort „besuchte", sandte er Boten voraus, mit dem Ersuchen, während seines „Besuches" die chinesischen Truppen zurückzuziehen. Dies geschah. Nun soll Major von Haine die chinesischen Truppen absichtlich in ihrem Lager überfallen haben, während sie mit ungeladenen Gewehren exerzierten! Dann seien die chinesischen Truppen, die wahrscheinlich (!) keinen Widerstand leisteten, in die Stadt geflohen, von den
Eine tolle Versammlung tagte gestern abend in der Tonhalle und beriet über den Zolltarif. Ter deutsch- lonservative Wahl verein hatte sie einberufen. Der Saal war mit Sozialdemokraten, Freisinnigen und Rationalsozi- alcn, sowie mit Konservativen überfüllt. Es herrschte von Anfang an ein übermütiger, radaulustiger Ton in der Versammlung. Als Stadtverordneter Rechtsanwalt Ulrich eröffnete, ertönte ein lautes Kikericki in den höchjstt'w Naturtönen. Darauf große Heiterkeit. R.-A. Ulrich: „Hier ist doch eine Versammlung von Männern, nicht von Hühnern". — Großes Geschrei. — „Ich heiße alle Mitbürger, gleichviel welcher Partei sie angehören, herzlich willkommen im Namen des deutsch konservativen Wahlvereins. (Lärm.) Wir haben die Absicht, der Diskussion vollsten ungehinderten Spielraum zu lassen (Bravo!), so lange sie in sachilichen Bahnen bleibt. (Aha!)
Stadtverodneter Ewald (soz.): Ich verlange, daß die reie Diskussion schon nach dem ersten Redner eintritt, denn wenn erst zwei Referenten sprechen, so sind dann die Arbeiter nicht mehr hier, die morgen frühzeitig wieder bei der Arbeit sein müssen. (Beifall.) — Vorsitzender : Ich bin ganz der Meinung des Kollegen Ewald. (Gelächter.) Wir sind gewohnt, meine Herren, zuerst des Kaisers, zu gedenken. (Lärm. Zwischenrufe.) Ich nehme es aber niemandem übel. . . (Große Unrul>e. Wütende Rufe: Zur .Se. Majestät der
Geschäftsordnung!) — Vorsitzender: Kaiser u n d K ö n i g l e b e h o ch!" Teil der Versammlung stimmt ein. jemand: Die internationale Sozialdemokratie lebe hoch! Hier stimmt die überwiegende Mehrheit ein. Rufe: Zur Geschäftsordnung! Abg. Großdestillateur Max S ch u l z: Ich bitte schon jetzt um Einbringung einer Resolution, damit ie nicht erst nach Mitternacht zur Abstimmung kommt. (Lebhafter Beifall. Lärm.) Ulrich: Wenn Sie schon eine Resolution verlangen, noch ehe die Redner gehört ind, so haben Sie die Absicht, die Versammlung zu stören. (Großer Lärm.) Aus der Tagesordnung steht zunächst der Vertrag des Reichs- und Landtagsabgeordneten Dr. Diede- rich H ahn: „Wie wird der neue Zolltarif auf die Lebenshaltung der Großstädter einwirken?" Ich gebe dem Abg. Tr. Hahn das Wort. G r o ß e r L ä r in. W ü t e n d e R u f e. Die Stadtverordneten Rosenow und Perls stehen auf
Bure» zu besuchen, da könnte er dann Studien mckchen, wie tas „qi der Spitze der Humanität und Zivilisation marschierende christliche England" gegen christliche Gegner den Krieg führt.
Eine konservativ-sozialdemokratische Versammlung.
Berlin, 27. April.
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Tarmstedt, ZournaUstenvere Wechal MM dem ■ümtleutw. öflD lei zahredberM war die ordentlich reze TMg kmffotfften. Ter 8en getragen, ras von ,h> i)U noch mi Herbst in Lilf werben; bie noch jejonbere LMMM ienfmal soll am 19. rcchmmMagc wurde öem vom 23. bis 26. M yertentag wurde als bonnr gewählt.
schußd«Z»ntrvNam j i- Erledigung einer A totnng zusaliMUtret KS Plenums der M Damßadl, 27. Ap ist im Mischen Saal!
Gasmesser exj Ieandlvmiden am Kops unb in das Mische Tußte.
TarnM, 27. Ap! 27. Arril u. a, den Pros bin Professor Weim Dalger Don bet Ober
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Rosste Sei
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9. Mai 1901.
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Eintritt frei.
Srstüaffkg in Material und Ausführung. Sinnreich in der Konstruktion.
Gießen, am 18. April 1901. Großh. Verwaltung- Direktion der psychiatrischen Klinik.
I. V.: Dr. Dannemann.
seiner Schwester, der Frau Privzesfi« von Schamnburg.Lippe, lächelnd zuwinkend. _ , .
* Anrede der untere» Postbeamte«. Nach dem „Deutschen Postboten" hat der Staatssekretär des Reichs Postamts folgenden Erlaß au die Oberpostdirektiouen gerichtet: ES ist neuerdings zur Sprache gekommen, daß im Bereud der Post- und Telegraphenverwaltung zuweilen Beamte, namentlich jüngere, im dienstlichen Verkehr nicht genügend Rücksicht auf das Ehrgefühl der Uuterbeamten nehmen und es grundsätzlich Unterlasten, diese mit „Herr" anzureden. Ich erwarte, daß die Oberpostdirektioneu im Sinn meiner am 21. Februar d. I. im Reichstag abgegebenen Erklärung da« hin wirke« werden, daß die Beamten, wie in ihrem dienstlichen und außerdienstlichen Verhalten überhaupt, auch den Unterbeamten gegenüber unbedingt angemestene Formen be obachten und alles vermeiden, was den Unterbeamten berechtigten Grund zu Klagen geben könnte.
Verdingung.
Die Weifibivderarbeiter- M laufenden Unterhaltung des städtischen Kasemements an der Grünbergerstraße sollen Donnerstag, 2. Mai d. I.
vormittags 11V2 Uhr, öffentlich verdungen werden.
Arbeitübrschreibung und Be- D ingungen liegen während der Dienststunden bet uns auf Zimmer Nr. 6 zur Einsicht dcr Interessenten offen. Angebote
mann, den Geheimen Oberbaurat Mayer, Vortragenden Rat bei der König!. Preußischen und Großh. Hessischen Eisenbahn Gemeinschaft, den außerordentliche« Profestor für Tierheilkunde Dr.Franz Preuße von Gießen, den Fürst lich Menburg-Büdingen'schen Oberförster Kalkhof, den Mr nisterialrat i. P. Soldan, beauftragt mit den Funktionen «»es DenkmalpfiegerS.
Offenbach, 28. April. Auf einer in den letzten Tagen abqehaltcnen Konferenz der sozialdemokratischen Partei des Wahlkreises Offenbach-Dieburg erstattete der Reichstagsand Landtagsabgeordnete Ulrich-Offenbach ein Referat über die hessische Landtags-Wahlrechtsreform. Die von ihm vorgeschlagene und einstimmig angenommene Resolution sieht zwar in der Einführung deS direkten Wahl rechts und der Sicherung des WahlgeheimniffeS einen Fort schritt, bedauert aber, daß dieser „Fortschritt durch eine Anzahl Bestimmungen des Gesetzentwurfs völlig aufgehobenwerde. Die LandtagSftaktion wird beauftragt, für „Seiet tiguna der Verschlechterungen" zu wirken. Sollte diese Be seitigung unmöglich sein, so soll eS der Fraktion überlassen bleiben, dem Ergebnis der Beratungen im Landtag ent sprechend eudgiltig Stellung zu dem Entwurf zu nehmen. Der Eiusührung der Wahlpflicht würden die Sozialdemokraten rustimmen. — Eine Ortsgruppe des deutschen Handels- Vertrags-Vereins Hut sich hier unter dem Vorsitz des Syndikus I. Schloßmacher gebildet.
Der Postdampfer „Switzerland- der „Red Star Linie", in AM- werpen, ist laut Telegramm am 25. April wohlbehalten m Philadelphia angekommen.
Vergebung
vouStratzeubauarbriteu.
Die zur Erbreiterung der KreiSftrafte Gießen — Hausen erforderlich werdenden Arbeiten und Lieferungen, und tvoat;
Srdarbeiden, veranschlagt zu
864,50 M. ßhaussierungsarbeiten,
veranschlagt zu 1734,40 Mk. teilen am Dienstag den 7. Mai 1901, vorvrittags 9 Uhr, im Wege schriftlichen Angebots, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst Vor- imschlag und Bedingungen zur § «ficht offen liegen, vergeben werden.
Gießen. 25. April 1901.
Der Großh. Kreisbauinspektor Stahl. 3238
Los von Rom Mittwoch de« 1. Mai, abends 8'/r Uhr, in Steins Garten: Vortrag* des Herrn Pfarrers Kappes au» Mürzzuschlag (Steiermark) i Das Evangelium in den österreichischen Alpenländern.
♦ Bonn, 26. April. Der unter dem Protektorate des Prinzen Heinrich von Preußen stehende Bonner Manner- aefangverein trug heute morgen dem Kaiser einige Sheber im Palais Schaumburg vor. In einer Stärke von 125 Mann sang der Verein folgende vom Kaiser selbst auSgewahlte Chöre: „Vom Rhein" von Bruch, „Der Reiter und sein Lieb" von Schulz, „Der Choral von Leuchen" von Becker, Sturmbeschwörung" von Dürrner und „Der frohe Wandersmann" von Mendelssohn. Der Kaiser stand auf der Terraste und lauschte mit sichtlichem Wohlgefallen den Gefangen. Nach Beendigung des fünften Liedes ging der Kaiser von der Terraste herunter und hielt folgende Ansprache an die Sänger: „Meine Herren, ich danke Ihnen, es war sehr schön. Ich höre, der jßcrein hat das Singen nicht verlernt. :>ch habe ja schon öfters Gelegenheit gehabt, den Verein mit Vergnügen zu hören, und ich habe mich jedesmal erbaut an den schönen Stimmen und der wunderbaren Vortragsweise. Sie haben wunderbar schöne Tenöre, ich gratuliere dazr, die findet man ja nur am Rhein. Wir werden hoffentlic» bald wieder Gelegenheit haben, in nächster Zeit ein größeres Gesanqfest zu veranstalten. Ich würde den Herren dankbar Mn, wenn ich das erste Lied noch einmal hören konnte. Nach diesem Lob wurde der Chor „Vom Rhein" wiederholt. Der Kaiser sang den Refrain „O wie wonnig ruht sichS am grünen Rhein" immer mit und schlug den Takt dazu, dabei
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Arbeits-Vergebung.
Nachstehend verzeichnete Arbeiten für das städtische Gaswerk sollen auf dem Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden: •
1. ßrd- «nb Waurerarvette«. - Bauliche Aenderungen des Reinigerhauses und Erweiterung der Theer- und Ammoniakwassergruben.
2. AimmererarbeUen. — Bauliche Aenderungen des Reinigerhaufes und Verlängerung des Daches für den Cokesschuppen.
3. IachdeLerarveite«. — Verlängerung des Daches für dm CvkeSschuppen.
4. Die Herstellung von rund 200 qm Htafakt Kopfsteill- pffaster auf dem Hofe des Gaswerks.
Die Bedingungen, Arbritsbeschreibungen und Zeichnungen liegen während der Dienststunden auf unserem technischen Büreau zur Einstchtnahme offen.
Angebote sind bis zum 4. Mai, mittags 12 Uhr, oerschloffen und mit entsprechender Aufschrift verschen bei uns einzureichen.
Gießen, den 27. April 1901. 3200
Städtisches Gas. und Wasserwerk Gießen.
Otto Bergen.
auf Vordruck, der daselbst er* hältlich, sind bis zum genannten Termin einzureichm. — Zu- ichlagsfrist 18 Tage.
Gießen, 26. April 1901.
Das Stadtbauamt.
SLmandt. 3239
Submission.
Für die psychiatrische Klinik oll die Lieferung von 100 Cent« nern guter Spelsekartoffeln curf dem Wege der öffentlichen Submission vergeben werden.
Die für diese Lieferung gültigen allgemeinen Bedingungen (Erlaß der Großh. Mnisterien vom 16. Juni 1893) und die speziellen Bedingungen liegen an den Wochentagen nachmü- tag- von 3—5 Uhr auf dem Verwaltungsbureau offen.
Offerten find versiegelt, mit entsprechender Aufschrift ver* sehen und unter Beifügung von Probekartoffeln bis zum Tams- tag den 4. Mai 1901, vor mittags 11 Uhr auf dem erwähnten Bureau abzugeben.
Der Zuschlag erfolgt bis
-leichard-d'Orvitle, Frankfurt a. M. Eine Siegelsammlung, jcwie zwei „Gießer Anzeigeblati" von 1835; Schenker Herr Zahnarzt G. W. Koch-Gießen.
L-. Lang-Göns, 26. April. Kreisasststenzarzt ^r. König er hielt heute vormittag 10 Uhr hier ich Schul saal her ersten Klasse einen Vortrag über: „Bau und Einrichtung der Schulgebäude" vor den Lehrern der umliegenden Orte. Ta man auf dem Lande nicht überall Schulärzte haben tann, so sollen von jetzt ab auf Anordnung der obersten Schulbehörde jährlich schulhygienische Borträge abgehalten werden, um die Lehrer in den Stand zu setzen, etwaige gesundheitsschädliche Zustände selber zu beseitigen.
? Laug SSal, 29. April. Nächsten Sonntag findet btt Einweihung des neuen SchulgebäubeS statt.
§ Romrod, 27. April. Der hiesige Forstwart Rühl rhielt ein BersetzurrgSdekret in bie Forstwaitei Ortsberg bei Darmstadt.
= Hattenrod, 28. April. Der Bau unseres neuen SchulhauseS, der vor einigen Wochen begonnen würbe, schreitet rüstig weiter. Der neue Schulsaal wirb an ber Stelle aufgebaut, wo bie nunmehr abgerissene Schulscheuer danb, während der alte Schulfaal zur Vergrößerung bet Ichrerwohurrng eingerichtet wirb.
-h- KanlstoS, 27. April. In Kürze finbet hier bie Wahl eines Bürgermeisters statt. Als Kanbidat ist ber Gafi- Wib Lanbwirt Heinrich Usinger VIII. in Aussicht ge nommen.
Sch. Darmstadt, 28. April. Ter Schriftsteller- ) o u r n a l i st e n v e r e i n Tarmstadt hielt gestern abend im Knisersaal unter dem Vorsitz seines ersten Präsidenten Llierstleutnant (4ai) seine 5)auptversammlung ab. Aus dem Jahresberichte war die Zunahme des Vereins und die außerordentlich rege Thätigkeit nacy innen wie nach außen zu konstatieren. Ter Verein wurde als juristische Person eingetragen. Tas von ihm zu erbauende Goethedenkmal lull noch im Herbst in Angriff genommen uni) im März enthüllt werden: die noch fehlenden 4000 Mk. hofft man durch v^'ondere Veranstaltungen hereinzubringen; das Schaffnit- oeulmal soll am 19. Juni enthüllt werden. Nach> der Inchnungsablage wurde dem Rechner Techarge erteilt. Zu dem vom 23. bis 26. Mai in Eisenach stattfindenden Tele- qu-rtcutag wurde als Vertreter Ober-Konsistorialsekretär Sonne gewählt.
8oü. Darmstadt, 27. April. Der erste (Finanz.)Aus schuß bet Zweiten Kammer der Landstände wird am Dienstag z v Erledigung einer Anzahl wichtiger Fragen zu mehrtägiger SBetütnng zusammentreten unb steht hiernach bie Einberufung oiS Plenum» der Kammer für bie nächste Woche in Sicht.
Darmstadt, 27. April. Gestern, abenb kurz vor 10 Uhr gl im städtischen Saalbau im Souterrain neben ber Küche Jtr Gasmesser explobiert, wobei ber Hausbursche Branbwunden am Kopfe und an ben Händen erlitten Hai und in bafl städtische Krankenhaus ausgenommen werden mußte.
Darmstadt, 27. April. Der Großherzog empsing am > 21. Avril u. a. den Professor Sammet vom Realgymnasium, b sranzüsffch« Lektor der Universität Halle erhielt emen Rus an dre Umversität Münch en. — Aus Leipzig wird geschrieben: Dr. phil. W e ule, ^iDatboient an der hiesigen Universität und zweiter Direkter des MuseumsfarStel- kerkunde zu Leipzig ist zum Proteffor für Ethnographie und Prähtstorie m der philosophischen Fakultät ernannt worden.
Darmstadt. Die „merkwürdigste aller Ausstellungen" wird unsere Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt 1901* mit Recht genannt werden können. Am 15. Mai soll die Eröffnung fein. Die Eigenart dieser Ausstellung besteht nicht allein in ihrer ongmellen Form welche .hr das künstlerische Gestalten der Neuzeit gegeben hat, sondern vo ^cülem auch in ihrem Wesen. Die Bauten, die Einrichtungen, das alles ist nicht für die Ausstellung da, sondern umgekehrt- Die Ausstellung rst nur em Eröffnunasbeiwerk für die „Kolonie". Es wird deshalb in Darmstadt incht wahllos zusammengetragene Kunfigegenstände zu sehen geben, sondern .inen wirklichen lebendigen Ausschnitt aus künstlerischem Leben und Treiben einen Einblick in künstlerisches Schaffen und Wohnen. Wie moderne Künstler wohnen, wie sie schaffen, das will die Ausstellung dem groß« Publikum zeigen und darum öffnen bie sieben Mitglieder der Kolonie ihre Meinen Villen mit all ihrem künstlerischen Inhalte, darum bffnen sie ihr Arbeite- und Festhaus, den sogenannten „Ernst-Ludwigsbau . £je Besucher sollen Anregung und neue Ideen nut nach Hause in das Getriebe bet Alltagswelt nehmen, sie sollen sich mit Jntneffe erinnern, m Darrto stabt 1901 gesehen zu haben, wie moberne Künstler ihre Wohn« und Arbeitsstätten künstlerisch ausfiatten.__zp
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