Ta'N' and Nah*"1’ Samstag 30, März 1001 151. Ialirgang Nr. 76 Erstes Blatt ,u Jbebiencn, ferner. Er kundig- unbescholtener Detektivs — zu bedienen, ferner, Erkundi ungen einzuziehen über den Leumund von Belastungszeug en usw. Dies alles erscheint, in richtigem Sinne, in objektiver Volitische Tagesschau. über die Fleisch gewordene Prosa in possenhaften Scherze» uns manche üortrcff» CWUIHmi, lkxvedition und Gkisdrw Ltdilpraße 7. fiMWwt täglich mit des Montag». Me fih<6mer ZamilitN- W*h/96 — da hegte man die Hoffnung, daß auch für das Stück naS letzte Stündlein geschlagen habe. „Wenn der Purpur fällt, muß der Herzog nach," heißt eS im „FieSco". Seitdem habe ich den „Königsleutnant" auch nicht wiedergesehen — bis gestern abend. Herr Liebscher hatte ihn, in Gemeinschaft mit Frl. Kugler, zum Abschiedebenefiz erwählt. Ich muß sagen: es war keine glückliche Wahl. Der Graf Thorane ist eine Virtuosenrolle, nur ein großes schauspielerisches Talent vermag der die deutsche Sprache radebrechenden geschraubten Bühnenpuppe einen hohen Charakter und eine tieffühlende Seele au geben. Herr Liebscher hat liche Hauspielerische Gabe geboten. Bekanntmachung. Samstag, 30. b. MtS., abends 8 Uhr wird Herr Direktor Dr. v. Peter auS Friedberg im Lokal von H. Sarnes IX. zu Dorf Gill einen Vortrag über „Feldbereinigung, Abschaff ung der Dreifelderwirtschaft, Einführung günstigerer Bewert schastung" halten. Ich weise besonders auf die große Bedeutung des Gegenstandes in der jetzigen Zeit hin, lade jedermann freundlichst dazu ein und bitte die Herren Bürgermeister des VortragSorteS und der Nachbarorte um ortsübliche Be tkanatrnachung. Gießen, den 23. März 1901. Der Direktor des landwirtschaftlichen BezirkSoereinS. v. Bechtold. Gießener Stadttheater. per Königsteuluarrt. Lustspiel in 4 Akten von Karl Gutzkow. Dichter als Bühnenhelden haben bisher auf den Brettern ebensowenig Glück gehabt, wie nach PlatenS bekanntem Epigramm die Hohenstaufen. Neben den heute vergessenen Gümher, Bürger-, Lessing- unb Hcinedramen wird diese Gattung des L'tteraturdramaS vornehmlich durch zwei Werke repräsentiert, die besondere GlückSnmstände bis zum heutigen Tage auf der Bühne erhalten haben: durch „Die Karls schüler" von Heinrich Laube, die wir ja hier neulich auch wieder mal zu Gesicht bekamen, und den „Königsleutnant" von Karl Gutzkow. Noch weit ärger als die Verfälschung und die Verzerrung des Lanbe'schen Bildes vom jungen Schiller ist die des Knaben Wolfgang in Gutzkows Litteratur- komödie. „Giebt es doch kaum ein anspruchsvolleres und dabei schlechteres Stück", sagt Heinrich Bulthaupt im dritten Bande feiner unlängst in 5. Auflage erschienenen „Dramaturgie des Schauspiels" (O'.den'urg, Schulze'sche Hofbuchhandlung) über dieses jedes feinere Empfinden abstoßende Machwerk, und jeder, der nur einmal in den Briefen der Frau Rat gelesen und daraus die köstliche, durch und durch gesunde grau kennen und lieben gelernt hat, der wird jenem herben Urteil au8 -ganzer Seele und aus ganzem Gemüt beipflichten und es jedesmal nur mi einer gewissen Beschämung mit ansehen, so oft uns wieder jenes plumpe verfälschte Bild Goethes geboten^wird. Gutzkow selbst befand sich in einer unbegreiflichen Selbst täuschung, wenn er in dem Nachwort zu seinem Lustspiel „gewissen Nasenrümpfern" gegenüber stolz versicherte, daß er den Knaben Goethe „ohne gesuchte Verherrlichung, ohne Prätendierung der künftigen Bedeutsamkeit" gestaltet habe, üen mij Beifauf: 'Nw, , Wüt», le», jut. 0 andere seatrüger, f, Hcher- leatMn, «ausensier- Tie bevorstehende Reise des deutschen Kronprinzen nach Wien hatten einige Weisen zu einer B r a n t s ch a u stempeln zu sollen geglaubt. Wie man s. Z. während des Aufenthalts des Kronprinzen in England für -ihn eine Braut aus dem englischen Königshause an der Hand hatte, so jetzt, wie bereits erwähnt, eine österreichische Erzherzogin. Eine Erzherzogin katholischen Glaubens? Darüber entrüstete sich der orthodoxe „Reichsb." Tar- |auf antwortet die katholische „Köln. Volksztg.": Königsleutnant, dieser wunderliche Kauz, braucht, abgesehen davon, daß er vom Darsteller ein tadelloses Französisch verlangt, eine vornehme stilisierende Kunst, die Herrn L. fern liegt, trotz aller seiner emsigen Bemühungen. Hier konnte et nicht zeigen, daß et sehr wohl das Können besitzt wahr zu charakterisieren, denn der Thorane Gutzkows, der nur leidlich wird, wenn er eine Mischung besitzt von Würde und Hoheit mit männlicher Grazie und Eleganz, ist ein larmoyan er Duselfritze, aber fein Charakter. £ruck für feine Freisprechung eintreten. Hat aber Fein Zweifel mehr Platz in feiner Brust, kann er die feste Ueber- zeugung von der Schuld des Angeklagten nicht durch die Möglichkeit, daß es dennoch anders sein könne, entkräften, so ist ihm durch die Berufspflicht sein Weg vorgezeichnet: er mag unverbrüchliches Schweigen bewahren, aber er darf nicht mehr den Schuldigerkannten als Nichtschuldigen hin- letzener tth-ater. . Ylbonut*w- M 2». Mi19tiL SSSm* kl des 6«** • in 6 allen v Ä 'Lieben. Herr v. Frage dürste schwerlich über die laufende Session hinaus den Präsidentenstuhl des Reichstages „zieren". So peinlich die Situation für ihn wie für die konservative Partei auch sein mag, so dürfte beiden der Verzicht kaum erspart bleiben.. Das Zentrum ist anscheinend fest entschlossen, gegen den bisherigen Brauch, also vor Ablauf der Legislaturperiode, die. Konservativen zur Präsentation eines anderen Kandidaten zu veranlassen und dürfte in diesem Verlangen von den übrigen Parteien schwerlich behindert werden. Zu den vielerlei Ungeschicklichkeiten und Entgleisungen in seinen präsidialen Funktionen kommt für das -Zentrum als „strafverschärfend" noch hinzu, daß Herr v. Frege, wiederholt die ausschlaggebende Partei im Reiche ziemlich abfällig kritisiert hat. Die „Germania" wirft ihm „zweideutiges Verhalten" bei der Ueberweisung des Toleranz- antrages an die Kommission vor; er habe auf ein „Begräbnis" in der Kommission spekuliert, habe aber dabei nicht die Zustimmung der konservativen Kommissionsmitglieder gefunben. Die „Germania" meint zum Schluß, daß dieser „Fehlschuß erster Ordnung" leider nicht der einzige, vielleicht aber der letzte in der PräsidialführuuL des Herrn v. Frege sein wird. In einem anderen Zentrumsblatt wird, anscheinend von parlamentarischer Seite, die Besetzung des ersten Vizepräsidentenpostens mit einer geeigneten Kraft auch besonders mit Rücksicht auf die dringend wünschenswerte Entlastung des Grafen Ballestrem in der kommenden Session gefordert. Die „Schles. Volksztg." erinnert an die überaus schwierige Die größte Thorheit ist es, anzunehmen, daß es der Wunsch der Katholiken bezw. der Jesuiten sei, eine „ka tholische Prinzessin auf den preußischen Königsthron zu bringen". Ter „Reichsbote" irrt auch in der Annahme, daß "noch nie eine katholische Prinzessin Königin von Preußen geworden sei, denn bekanntlich war die Gemahlin Friedrich Wilhelms IV. katholisch. Später trat sie zum Protestantismus über. Wenn das auch uuu bei einer nachmaligen katholischen Königin. unterbleiben sollte, so wäre doch die protestantische Trauung und Kindererziehung selbstverständlich, luomit eine solche Fürstin sich selbst von der Kirche ausschlösse. Demnach können verständige Katholiken nur den Wunsch des „Reichsboten" teilen, daß der Kronprinz eine protestan tische Prinzessin heirate. Die Katholiken würden keinen Vorteil davon haben, wenn unter solchen Umständen eine katholische Prinzessin dem Kronprinzen die Hand zum Ehebunde reichte, und die hohe Dame dürfte, falls sie eine ernsthafte katholische Ueberzengung besäße, sich m der Berliner Hofluft auch höchst unbehaglich suhlen. Uebrigens ist die Kombination, daß der Kronprinz eine österreichische Erzherzogin heiraten könne, von einem notorischen Klatsch- und Sensationsblatte ausgegangen: in Wien denkt man zweifellos nicht daran. JÄwnfalls liegt viel näher, daß der Kronprinz eine deutsche oder englische protestantische Prinzessin heiratet, unb das ist auch der Wun^h vernünftiger Ka- ^Jm großen und ganzen wird das deutsche Volk dem katholischen Blatte beistimmen, bis auf die englische Prinzessin. _________ Amtlicher Feil. Gießen, den 28. März 1901. Betr.: Luxuswagen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen en die Gr. Bürgermeistereien der Laudgemeiudeu des Kreises. Diejenigen von Ihnen, welche unsere Verfügung vom 23. Januar dS. Js. noch nicht erledigt haben, wollen bv dort verlangten Berichte unfehlbar binnen 8 Tagen einsenden. v. Bechtold. Weise ausgeführt, umsomehr berechtigt, als es zwar die Aufgabe des Staatsanwalts ist, auch die entlastenden Momente zu berücksichtigen, das Organ der Staatsanwaltschaft aber, die Polizei, nach einer in dem jüngsten Berliner Sensationsprozeß gefallenen Aeußerung, nicht nötig hat, solche entlastenden Momente herbeizuschaffen. . Persönlich wird sich schwerlich ein Staatsanwalt auf die Suche darnach begeben. Ter in Haft genommene Angeschuldigte ist natürlich ganz außer stände, mehr als Wünsche zu äußern, deren Ausführung sich seiner Kontrolle entzieht. Widerspruch ruft dagegen der Ausspruch des Professors v. Lißzt hervor, daß der Verteidiger die Freisprechung des Angeklagten beantragen müsse, selbst wenn er die entgegengesetzte Ueberzengung hege, uno selbst in dem Falle, daß ihm der Angeklagte die Schuld eingestanden habe. In Anivaltskreisen wird diese Auffassung, trotz der glänzenden lauf GietzeimAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen II. I«M iMl MM« DAOe.l.V. f Sonntag^ StoSl.Wrr 2580 Tour III bi k gMügtl- Glnbrrz. - »° „ilL D^bWrüdi Bezugspreis viertelMM Mk. 2.20, monatl. 75 PU. muBrmgerlohn; durch le Abholdesten mertdjiw* Mk. 1.90, monatl. 65 «ch Bet Postbezug vierteljth«!. Mk. 2.00 ohne Bestesttz-». Ode flnjelaen^BenntttluM»« stellen de» In- und AuSland«O nehmen einzelnen für d« Siebener Anzeiger entgeew. ZeUcnprciü lokal 12 auswärts tO Pfg. »ß, M. L. Dtfotb, bahr 15. 05282 flick ober müntliA en gute Pension. 98 Kirckenvlatz 8. iciechei — n Ilmenau i re Pachtet«1« t ■ chinen-Iiru.*». M liau-Teduite i. ■ IketorjMlie^Ä Position des Reichstags - Präsidenten im vorigen Jahre während der Kämpfe nm die lex Heinze und fährt dann fort: „Graf Ballestrem ist geistig und körperlich von einer wunderbaren Leistungsfähigkeit; aber er ist doch auch nur ein Mensch, und da er damals wegen der Schwäche des er st en Vizepräsidenten und der Oppositionsstellung des zweiten Vizepräsidenten Tag für Tag die ganze furchtbare Last allem zu tragen hatte, so war die Erschöpfung auch seines großen Kraftvorrats nur eine Frage der Zeit. Jetzt ist in Hinsicht auf die künftigen Zollkämpfe die Sache durch die Berufung eines anderen zweiten Vizepräsidenten etwas gebessert. Aber angesichts des größeren Umfanges und der größeren Schwierigkeit der bevorstehenden Lage wäre es bringend zu wünschen, daß auch der erste Vizepräsident eine volle Kraft nach jeder Hinsicht darstellte. Äesen praktischen Gesichtspunkt möchten wir der konservativen Partei, die den Posten des ersten Vizepräsidenten zu stellen hat, zur rechtzeitigen Erwägung anheimgeben." Tie konservative Partei wird also wohl oder übel au' Die Wiederwahl des Herrn v. Frege verzichten und einen geeigneteren Kandidaten präsentieren müssen. In der Royal United Service Institution /hielt Ende Februar Kapitän Murray vom Regiment der Gordou-High- landerS einen Vortrag über Englands Nahrungsmittelzufuhr i» Kriege. Der Vortrag war vom marine-militärischen wie staatSwirtschaftlichen Standpunkte aus ungemein interessant und lehrreich. Der Vortragende versuchte an der Hand statistischer Zahlen nachzuweisen, wie bei einem Kriege Englands mit einer oder mehreren Seemächten durch Verteuerung der Lebensmittel und Stillstand von Fabriken: a) mindestens 5000000 Einwohner, deren Einkommensverhältnisse so bemesien find, daß sie eine Steigerung der Lebensmittelpreise um das Doppelte nicht vertragen können, und b) 2 bis 3000000 Menschen, welche arbeitslos werden, sofort und ohne daß Englands Seeherrschaft schon direkt bedroht ist, der öffentlichen Wohlchätigkeit zur Last fallen, c) daß diese Zahl auf mindestens 20000000 Köpfe stiege, wenn Englands Oberherrschaft zur See gebrochen würde. In einem Kriege Englands gegen eine russisch- amerikaulsche Allianz braucht letztere, um England nieder- zuzwingen, nicht viel mehr zu thun, als alle Ausfuhr von Lebensmitteln aus ihren Ländern nach England zu verbieten. In einem Kriege gegen den Zweibund Rußland-Frank- reich verbieten beide die Ausfuhr nach England und laffen durch geschickte Agenten alles in den Vereinigten Staaten vorrätige Getreide, d. h. ungefähr eine ganze Jahresproduktion, rechtzeitig aufkaufen, ein Verfahren, das, wie die verschiedentlichen „Trusts" beweisen, in Amerika nicht die geringsten technischen Schwierigkeiten macht, — vorausgesetzt, daß die Finanzen beider Staaten diesem Vorhaben gewachsen find. Auch wenn diese Operation nur zum Teil glücken sollte, so würde sie in Verbindung mit den gesteigerten Frachten schon genügen, um eine schwere Hungersnot in England Hervorzurüfen. Bei einer deutsch.französisch-russischen Koalition droht England diese Gefahr in weit höherem Maße, außerdem aber wird durch das Hinzutreten der deutschen Flotte die Seeherrschaft Englands aufs ernsteste gefährdet. Es sei daher ein dringendes Erfordernis, daß England seine Flotte auf die Basis eines „three power Systems“ stellt, b. h. so stark macht, wie die Flotten der drei größten Seemächte zusammen. Aber auch bei einer solchen maritimen Stärke wäre eine Niederlage der englischen Flotte nicht ganz ausgeschlossen, und die Möglichkeit eines „Aushungerungskrieges" bliebe immer bestehen. Kapitän Murray war daher der Ansicht, daß England unter allen Umständen eine Gießener Theatergemeinde zu. Wir sind uns bewußt, daß in lhm ein ernster und gewissenhafter Anhänger der Kunst von uns scheidet, dem ein fteundliches Gedenken sicher ist. Frl. Kugler spielte den jungen Wolfgang Goethe. Die junge Dame hat in launenhaften Backsischrollen, hauptsächlich in den „Circusleuten", gezeigt, was sie kann, daß sie das Zeug dazu hat, unter einer es mit ihr besonders wohlmeinenden Regie es zu etwas zu bringen. Wie Frl. Eichenwald aber vergriff auch sie sich bei ihrem Benefiz, indem auch ihre Wahl auf eine Hosenrolle fiel. Sonderbare Schwär- merei fürs Ewig - Männliche! Der junge Wolfgang liegt Frl. K. ganz und gar fern. Gewiß, fie sah in den kurzen schwarzen Höschen, in den grauen Wadenstrümpfen, in dem koketten Spitzenjabot recht schmuck aus. Aber es fehlte ihrem Spiel Frische und Schneidigkeit, vor allem aber warme Em- pfindung. Ihre Beliebtheit beim Publikum kam in demonstrativer Weise zum Ausdruck. Kränze und kostbare Blumenarrangements brachte man in überreicher Fülle ihr dar. Sie mögen ihr der Sporn sein zu weiterem ernstem Studium, auf daß fich ihre noch tief im Keim steckende künstlerische Veranlagung zu schöner Blüte entfalte. Ganz vortrefflich war wieder einmal Frl. Eichenwald, die die Gretel mit drolliger Komik verkörperte. Die gelungenste, lustigste und erfreulichste Leistung des Abends. Ganz verfehlt war der Sergeantmajor Mack des Herrn Marntz, dessen Art von vornherein jeden humoristischen m angemessen und würdig Herr Ramsey er als Rat Goethe. Herr Lach mann, der für Chargen, wie den Prof. Mittler gar nicht übel veranlagt ist, beherrschte wieder, wie sonst immer, seinen Text sehr mangelhaft. Goethes Mutter war in den Händen der Frau Ernst noch weichlicher als das Gutzkow'fche Zerrbild. Mehr als traurig war die so hübsch mit einigen Zügen zu charakterisierende wackere Malergilde, die einander Haffen soll, während fie blöde die Köpfe zusammensteckte. P. W. — Irene Triesch ist in diesen Tagen mit großem Erfolg m Köln rid „Nora* aufgetreten staatliche Organisation schaffen müffe, die es befähigt, mindestens zwei Jahre — nämlich die Zeit, die erforderlich ist, um fich für eine geschlagene Flotte eventuell eine neue zu schaffen — von den im Lande vorrätigen Nahrungsmitteln zu leben. Diese Vorschläge, die auf die Anlegung staatlicher Getreidelager hinausgehen, sind ziemlich utopischer Natur, ebenso würde es für eine erheblich vermehrte eng ische Kriegsflotte an den nötigen Mannschaften im Lande fehlen, dienen doch heute schou tausende von Ausländern auf der britischen KriegS- und Handelsmarine. Auf die Besatzungen der Handelsflotte kann die Kriegsmarine im Ernstfall auch deshalb kaum zurückgreifen, da die meisten Handelsschiffe im Ausland sein werden und außerdem alle schnelleren Dampfer weiter für die Lebensmittelzufuhr in Anspruch genommen bleiben, während die langsameren Schiffe froh sein können, wenn fie noch rechtzeitig einen englischen oder neutralen Hafen erreichen, um dort für die Dauer des Krieges zu bleiben. Alle Versuche, die englische Landwirtschaft wieder zu heben, sind heute aussichtslos. So bleibt England bei der Deckung seines Getreidebedarfes nach wie vor auf das Ausland angewiesen. Die obigen Ausführungen zeigen aber, daß man auf mili- tärischer Seite in England nicht blind ist gegen die darin liegenden Gefahren. Degischer Landtag. Zweite Kammer der StLade. nn. Darmstadt, 28. März. Die Sitzung wird um 9 ein Viertel Uhr eröffnet. Am Ministertisch: Ministerialrat Braun. Abg. Erk tritt für eine mäßige und richtige Zoll- Politik ein. Der Standpunkt der Sozialdemokratie werde von dem Bauernstand nicht anerkannt und ihre Bestrebungen, den Bauer für ihre Ansichten zu gewinnen, werde an dessen gutem patriotischen Sinne scheitern. Der Bauer ei der stärkste Schutz des Staates und das stärkste Bollwerk gegen die Sozialdemokratie, an dem sie sich die Köpfe zerbrechen werde. Im Interesse des Staats liege es daher, für die Erhaltung des deutschen Bauers einzutreten, und bei Abschließung neuer Handelsverträge diesen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen. Minist.-Rat Braun stellt fest, daß die Angelegenheit elbst vor das Forum des Bundesrats gehöre. Trotzdem müsse er den Ausführungen des Dr. David in vielen Punkten widersprechen. Die Preise auf den kleinen Fruchtmärkien seien für den Bauer maßgebend, und in Betracht komme, was der Bauer am Produktionsort erhalte. Auf Grund statistischen Materials könne er feststellen, daß der Kleinbauer in Hessen thatsächlich sich in der schjvierigften Lage befinde gegenüber Gewerbe, Handel und Industrie. Die Zunahme der Verarmung an Grund und Boden betrage beispielsweise in Oberhessen jährlich dreieinhalb Millionen. Die Ursache dieser Erscheinung liege in dem steten Sinken der Getreidepreise und in )er Erhöhung der Produktionskosten. Da sei es Pflicht >er Großh. Regierung, den Ursachen dieses Rückganges auf )en Grund zu gehen und dafür zu sorgen, daß der hessische Bauer wieder in den Sattel gehoben werde. Dies könne aber nur erreicht werden, wenn alle Faktoren sich in >er Ansicht vereinigten, daß nur durch eine die Notlage der Landwirtschaft berücksichtigende Zollpolitik im Deutschen Reich dem deutschen Bauer geholfen werden könne. In der Stunde der Entscheidung werde auch die hessische Regierung wissen, in welchem Lager sie zu stehen habe. Abg. v. Brentano tritt für Erhöhung der Getreidezölle ein, glaubt aber, daß auch dadurch ein Paradies ür den Bauer nicht geschaffen werde. Hier müsse noch mrch Gründung von Produktionsgenossenschaften und durch >ie Hebung der Viehzucht geholfen werden. Die Lehren der Sozialdemokratie seien für den Landwirt alte Geschichten ohne realen Hintergrund, mit denen der Bauer nichts an- angen könne. Ihre Losung „Keine Zölle auf Getreide und Lebensmittel" sei nicht ernst zu nehmen. Wenn die Regierung für die richtige Erhöhung der Schutzzölle im Bundesrate eintrete, würde sie sich den Tank der Landwirtschaft erwerben. Der Entschluß werde aber dem ganzen hessischen Volke zum Segen gereichen. Abg. Graf Oriola bekämpft in längerer Rede die Ausführungen des Dr. David. Die Stärke der deutscheu Landwirtschaft liege in dem Körnerbau. Daneben sei aber auch die Fleischproduktion zu fördern. Dr. David wolle so billig wie möglich geliefert haben, und deshalb sei er gegen den Zoll. Was sage nun Dr. David dazu, daß z. B. die sibirische Butter heute schon im Preis mit der deutschen konkurriere, und daß für fremdes Pökelfleisch gerade die; Sozialdemokratie schwärme? Alle anderen Staaten hätten ich mit Schutzzöllen umgeben, warum sollte da Deutschland zurückbleiben? Erfreulich sei es, daß sich endlich einmal die Landwirtschaft aufraffe und für ihre Interessen eintrete. Die Zollpolitik des Reiches müsse gestärkt und nicht mrch einseitige Jnteressenwirtschaft geschwächt werden. Die Bestrebungen des sozialdemokratischen „Hamb. Echo", die Junker für die schlechte Lage der Landwirtschaft verantwortlich zu machen, müsse er mit Entschiedenheit zurückweisen. Zur Herbeiführung einer richtigen Schutzzollpolitik müsse auch jeder deutsche Bauer eintreten. Abg. Euler stellt fest, daß die Lage der deutsck)en Industrie in den letzten Jahren nicht so rosig gewesen sei wie es den Anschein habe, da Amerika einen scharfen Konkurrenzkampf mit deutschen Produkten führe. Tie deutsche, Papier-Industrie und auch die Leder-Industrie habe einen schweren Kampf mit Amerika und auch mit anderen Ländern zu bestehen, sodaß auch von einer Notlage der Industrie gesprochen werden könne. Durch geeignete Schutzzölle und Unterstützung der deutschen Zollpolitik hoffe er aber, daß Industrie und Landwirtschaft zufrieden sein werden. Abg. Köhler- Langsdorf wendet sich in scharfer Weise gegen die Ausführungen der Abgg. David und Haas, insbesondere gegen die Behauptungen, daß durch Erhöhung der Getreidezölle eine Verschlechterung der Lage der Industriearbeiter herbeigeführt werde. Die Professoren seien bei sozialen Fragen mit ihren Deduktionen immer bei der Hand. Ihre Vorschläge seien aber bei dem Bauernstand nicht durchführbar. Der eine wolle dem Bauer mit Obstbau Rübenbau oder Weinbau helfen, während der andere für Viehzucht oder sogar für Wermutbau eintrete. Dem Kleinbauer sei nur mit einer richtigen staatlichen Unterstützung zu helfen. Auch der Herrenbauer habe seine Not, weil er unter dem Arbeitermangel leide. Abg. Dr. Gut fleisch erklärt, daß er nur das Beste für die Landwirtschaft wolle. Die gestern und auch heute gehörten Ausführungen hätten ihn aber nicht überzeugt, daß mit Erhöhung der Schutzzölle dem Bauer allein gedient sei. Seinen Ansvruch auf die bona fides lasse er sich nicht rauben, und aus diesem Grunde könne er auch nicht für den Antrag Haas-Darmstadt und Genossen stimmen. Abg. Weidner ist für eine Erhöhung der Getreidezölle, obwohl er keine große Hoffnung auf eine Besserung der Lage der Landwirtschaft hat. Das richtige Maß bei den Zollverhandlungen zu finden, sei schwierig. Er hofft aber, daß, die Großh. Regierung das richtige treffen werde. Die Verhandlungen werden um 1.15 Uhr geschlossen. Morgen 9 Uhr Fortsetzung der Beratungen. Sechste evangelische Laudessynode. (Ausführlicher Bericht.) III. Darmstadt, 28. Marz. Eröffnung der Sitzung um 9 Uhr 15 Min. mit einem durch Dekan Dr. Wagner (Offenbach) gesprochenen Gebet. Es steht zunächst zur Beratung der Voranschlag des Zentral-Kirchenfonds für die Rechnungsjahre 1901/1905. Synodale Wahl (Langen) erstattet Bericht. Bei Pos. 1: „Beitrag des Staats zu den Bedürfnissen der evangelischen Kirche", wird der auf Einstellung des Betrags von 310000 Mk. gehende Ausschußantrag einstimmig angenommen. Zu Punkt 2: „Erträgnis des Einkommens der.evange- lischen Pfarrstellen", sprechen Wahl (Langen) und Stamm (Stockstadt). Der Antrag des Ausstosses, zu diesem Punkt 943 748 Mk. in Einnahme zu stellen, wird angenommen. Zu Pos. 3: „Umlagen auf die evangelischen Kirchen- und Stiftungsfonds", ist beantragt, statt 25 000 Mk. den Betrag von 28 000 Mk. einzustellen. Der Antrag wird genehmigt. Pos. 4: betrifft „Umlagen auf die Angehörigen der evang. Kirche". Es ist hier seitens der Mehrheit des Ausschusses beantragt: Einstellung des Betrags von 703 753 Mark in Einnahme. Dieser Antrag wird angenommen. Zu Pos. 5: „Ueberschüsse verschiedener Stiftungsfonds", wird der Ausschußantrag, 10 000 Mk. in Erwartung einer durch Erhöhung des Zinsfußes hervorgerufenen Mehr-Einnahme einzusetzen, einstimmig angenommen. Desgleichen wird auch Punkt 6: „Kapitalzinsen", der Ausschußantrag auf Einstellung des vorgesehenen Betrags von 129 500 Mk. in Einnahme einstimmig angenommen. Punkt 8: „Ertrag des Gesangbuchs rc.", wird unter Beibehaltung der Ansätze des vorigen Voranschlags angenommen. Pos. 9 betrifft „Beitrag verschiedener Fonds zum Gehalt des Rechners". Hierzu stellt Synodale Aul der den Antrag, den unter dieser Position für den Zentral-Kirchen- fonos als Einnahme eingesetzten Betrag zur Unterstützung armer Pfarrwaisen und -Kinder zu verwenden. Ober-Kon sistorialpräsident Buchner sagt dies zu, worauf Synodale Aulber seinen Antrag zurückzieht. Hierauf nrirt> der Ausschußantrag einstimmig angenommen; ebenso Pos. 11. Als Pos. 12 ist neu eingesetzt: „Beiträge der Geistlichen zu den Gehalten der Vikare und Assistenten". Hier sind als Einnahme vorgesehen 3000 Mark. Bei der Abstimmung wird der Ausschußantrag einstimmig genehmigt. Es folgt nun die Beratung der „Ausgaben" des Voranschlags. Pos. 1 betrifft: „Kosten der Landessynode". Synodale Wahl-Schlitz begründet seinen Antrag, der aus Schaffung einer Geschäftsordnung für das erweiterte Konsistorium geht. Ober-Konsistorialpräsident Buchner bemerkt, daß das Ober-Konsistorium das Bedürfnis einer Geschäftsordnung anerkenne und die in seinem Antrag liegende Anregung berücksichtigen werde. Synodale Wahl zieht seinen Antrag zurück. Die unte» dieser Position angeforderten 5000 Mk. werden sodann bewilligt. Punkt 2 der Ausgabe betrifft: „Kosten des Ober-Konsistoriums"; es sind hier 64 237 Mk. gefordert, deren Bewilligung vom Ausschuß beantragt wird. Synodale Wahl-Schlitz fragt an, welche Anordnung das Kirchenregiment zu treffen gedenke, um bei der zurzeit im Gange befindlichen Neuanlegung der Grundbücher eine Schädigung der Kirchengüter zu vermeiden. Ober-Konsistorialpräsident Buchner erklärt, daß das Oberkonsistorium in dieser Hinsicht ein Ausschreiben des Justizministeriums angeregt habe. Er hoffe jedoch, daß die Angelegenheit bald zur allgemeinen Zufriedenheit geregelt werde. Es hätten sich namentlich hinsichtlich der Einschreibungen der Güter der Kirchengemeinden und der sogenannten Pfründengüter, sowie auch bezüglich der Eintragungen der Kirchen und Pfarrhäuser Schwierigkeiten ergeben. Es werde Sorge getragen werden, daß die evangelische Kirche hier keine Schädigung erleide. Synodale Brand spricht über die Stellung des Oberkonsistoriums gegenüber der Regierung und rügt, daß in vielen Fällen, namentlich bei Besetzung von Vakanzen, eine Intervention des Ministeriums stattgefunden habe. Namentlich habe er es unangenehm empfunden, daß das Oberkonsistvrium im Verkehr mit der Regierung eindn Mangel an Selbstbewußtsein fühlen lasse. Er empfehle hier eine etwas selbständigere Stellung. (Beifall.) Ober-Konsistorialpräsident Buchner: Das Ober-Konsistorium sei bei einer Reihe von Angelegenheiten, namentlich bei Grunderwerb, dem Ministerium des Innern unterstellt. Bei Besetzung von Pfarrstellen werde von dem Ober-Konsistorium die vorgeschriebene Anzeige gemacht desgleichen bei Anstellungen im Konsistorium und im Prediger- Seminar. Auch bei Pensionierungen müsse die Zustimnrung, namentlich mit Rücksicht auf die pekuniäre Seite derselben, eingeholt werden. Es handle sich jedoch in all diesen Fällen lediglich um eine Informierung darüber, daß gegen die fraglichen Personen persönliche Bedenken nicht vorliegen. Seiner Erfahrung und Ansicht nach sei die äußere Form des schriftlichen Verkehrs mit dem Ministerium, das sich übrigens im allgemeinen in der Form des Verkehrs zwischen gleichgestellten Behörden halte, von untergeordneter Bedeutung für das wirkliche Verhältnis devselben zu einander. „ r.„ „ Bei der Abstimmung werden die für bie)€ Position an geforderten 64 237 Mk. einstimmig bewilligt. Pos. 3. der Ausgaben betrifft Büreaukosten der Superintendenten, xie angefvrderten 926 Mk. werden einstimmig bewilligt. Desgl- bas Rch SsK VrH K? s"9 kt8oae 6"6 5r schloffen. !hnode. - 28. März. E einem Mnen (fehet. Zuschlag des >re 1901/1905. n Mürben Anstellung be? Antrag einstim- ns der.evange« (Langen) und Schusses, zu eilen, hnrb an- ischen ftirtfaen- 5000 M tat llrag wird ge- >ehöriaen der chell des Aus- s von 703753 angenommen. üstuntzsfvndß", :wartnng einer enen Mehr-Ein- !N. itchinsen", der ehenen Betrag- angenommen. ", wird unter inschlags ange- ds zum Äehalt .her den An- )enttchArchem t Unterstützung den. Ober-Kon vraus Synr^ale nrirb bet Ms- 'o N 11. M Geistlichen zu hier sind als timmngtoird Len" des M- )essl>node". Ty- ttrag, der aus erweiterte Kon- emerft, daß das Geschäftsordnung ;ende Anregung M Wunl? den sodann be* des Ober-Son- dert. deren A° M Morduung nbei der jrundbüchet tine KLtz NlfÄ d« landen u LE""' di. :ide- , Ober- Wellung de» tz in lnd eugt' eine M- :«be» % H» iiinW,., eirf" o* Ei £*'*”' and ^su^Dvlng' die ^p^eiben, i «HÄ di' dL^lE ’S« ^'1 w» diese + « h^r -ie unter Pos. 4 und Pos. 5 angeforderten Betrage. Po,. 6 betrifft die Kosten bes Predigerseininars, es ist hier eine Erhöhung der Wohnungsvergütung des 3. Professors von 500 aus 800 Mk. vorgesehen. Hierzu erklärt Synodale Weisse nbach, daß er von der unter dieser Position g^ Iroffenen Aenderung nicht überzeugt sei. Er wolle jedoch nicht gegen einen .Kollegen stimmen, werde sich deshalb der Abstimmung enthalten. Tie Pos. 7, 8 und 9 werden einstimmig angenommen. Zu Pos. 10, Beiträge zu den Deranatsbibliotheken, fragt Synodale A u l b e r nach den Grundsätzen für die Vertretung dieser Verträge an die einzelnen Bibliotheken. Lberkonsistorialpräsident Buchner bittet, mit der Beantwortung bis zur zweiten Lesung zu warten. Pos. 11 betrifft „die Kosten der Ver,ehung des Pfarrdienstes". Der Ausschußantrag lautet auf Bewilligung der hier eingeforderten 1 636 894 Mk. Der Ausschuß ist jedoch der einstimmigen Ansicht, daß mit größtmöglicher Be- ichleuniaung der Synode eine Vorlage über feste Regelung der Gehaltsverhältnisse der nicht definitiven Geistlichen zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet werden solle. Tas Oberkonsistorium gab daraufhin eine Erklärun g ab: „Wir werden thunlichst bald der Landessynode eine Vorlage über die Grundsätze machen, nach denen die Gehalte der nicht definitiv angestellten Geistlichen erhöht werden sollen. Da diese Grundsätze bei der nächsten Tagung mach mehr vereinbart werden können, so wünschen wir Genehmigung der Landessynode, daß wir solche, wenn sie durch das erweiterte Lberkonsistorium genehmigt werde, für 1901/1902 einstweilen zur Anwendung bringen und zwar mit der Ermächtigung, die hierfür notwendigen Mittel, soweit sie nicht bereits ziffernmäßig im Voranschlag für 1901/02 vorgesehen sind, aus etwaigen Ueberschüssen dieses Jahres oder nötigenfalls des vorherigen Jahres zu entnehmen." r, Bei der Abstimmung wird der Auch chußan trag auf Bewilligung der angeforderten Summe von 1636 894 Mk. einstimmig angenommen. Hierauf wird ein Antrag des Synodalen Wahl-Langen, den Gehalt der nicht definitiv angestellten Geistlichen vom 1. April 1901 an nicht unter 1500 Mk. zu bemessen, angenommen. Ebenso wird der Kirchenbehörde die Ermächtigung erteilt, einen sich hierbei ergebenden Mehrbedarf aus Einnahme-Ueberschüssen oder aus in anderen Rubriken erzielten Ersparnissen zu decken. Rubrik 12 betrifft „die Ruhegehalte". Es ist hier von dem Ausschuß beantragt: Wiederherstellung des vorjährigen Ansitzes durch Einstellung von 133 000 Mk. Bei der Abstimmung wird die angeforderte Summe nach dem Ausschußantrag einstimmig bewilligt. Zu Rubrik' 13 werden die angeforderten 2500 Mk. zur Unterstützung erkrankter Geistlicher bewilligt. Bei Punkt 14: Studienunterstützung, werden die eingestellten 7500 Mk. einstimmig genehmigt. Die Rubriken 15 und 16 werden einstimmig angenommen. Zu Rubrik 17: „Kosten der Veranlagung und 'Erhebung der Umlage", bemängelt Synodale Dressel- ^roß-Zirnmern die Höhe des eingesetzten Betrages von 27 000 Mk. Oberkonsistorialrat R e b e l erklärt, daß eine Verringerung unter keinen Umständen möglich sei. Rubrik 17 wird hierauf einstimmig angenommen, ebenso trie Rubriken 18, 19 und 20. Zu Rubrik 21: „Witwen- und Waisengelder", wundert sich Abg. Wahl-Langen, daß das -Oberkonsistorium hier, statt wie früher 16h 000 Mk., nur 160 000 Mk. einstellen wolle. Bei der Abstimmung werden die angeforderten 160 000 Mk. bewilligt, ebenso die Rubriken 23—32, womit die erste Lesung des Voranschlags erledigt ift Nächste Sitzung heute nachmittag 4 Uhr. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen am 28. März 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Heorgi Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Euler, Flstt.Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Hanau, Haubach, Heylrgenst aedt, Huhn, Jughardt, Keller, Kirch, Krumm, Leid, Löber, LooS, Orbig, Dr. Schäfer, Schiele, Schmall und Wallenfels. Entschuldigt: die Stadtverordneten Emmelius, Grünewald, Dr. Gutfleisch und Petri. Stadtv. Orbig stellt vor Eintritt in die Tagesordnung den Antrag: Die Versammlung möge beschließen, die Großh Regierung zu ersuchen, den Vertreter Hessens im Bundesrat dahin zu informieren, seine Stimme gegen die Erhöhung der Getreidezölle abzugeben, überhaupt gegen jede Er- Höhung zu wirken; die Versammlung wolle ferner beim Bundesrat und beim Reichstage um Ablehnung der betreibe« zoll Erhöhung petitionieren. Stadtv. Orbig begründet seinen Anttag mit der drohenden Verteuerung der Lebenshaltung der arbeitenden Klassen und der Gefährdung der Handelsverträge und beantragt weiter, seinen Antrag al- dringlich zu behandeln. Nachdem Bürgermeister Mecum durch Abstimmung die Dringlichkeit des Antrages festgestelll. wird derselbe zum Beschluß erhoben. Dem Gesuch des Architekten Huhu und Schneidermeisters Engelhardt um Gestattung der Anlage eines Kanals nach dem Schoorgraben zwecks Entwässerung ihrer Häuser in der Plockstraße soll stattgegeben werden, wenn die auf Widerruf zu genehmigende Anlage nach Angabe des Stadt- hauamts erfolgt und die Gesuchsteller sich zur Entrichtung einer Anerkennungsgebühr verstehen. Das Gesuch der Witwe Leierzapf um Erlaubnis zur Anlage einer Ueberbrückung nach ihrem Hause in der Schützenstraße wird unter der Bedingung genehmigt, daß die Gesuchstellerin für Herstellung und Unterhaltung des Pflasters sorgt. Den Eigentümern der in der verlängerten Alice- "straße errichteten Häuser sollen die anteiligen Kosten für Straßenauffüllung (Mk. 1.10 per Kubikmeter) bei Berechnung )eS StraßeubaukostenbeitragS gutgeschrieben werden. Neber den Verkauf eines Bauplatzes an der Moltke Itraße an A. K. E. Noll^Äird in nichtöffentlicher Sitzung verhandelt. DaS Gesuch der Firma Zur buch um DiSpenS Liegen Bebauung außerhalb des OrtSbauplanS ist zurückgezogen werden. Der an die Stadtkaffe zu entrichtende Betrag für Unter- Haltung des Erbbegräbnisses der Familie des Pro- ffefforS Dr. Bix wird mit 987 Mk. festgesetzt. Die Straßenkehrer der 3. Lohnklaffe (22 Pfg. per Stunde) find um Gleichstellung im Lohne mit ihren Kollegen bet 2. Klaffe (25 Pfg. per Stunde) eingekommen. Ein weiteres Gesuch derselben richtet sich auf Wegfall der Herbftgrati fikation, an deren Stelle eine Lohnerhöhung um 2 Pfg. pro Stunde treten soll. Auf Anttag des Stadtbauamts, das die Beibehaltung der Gratifikation lediglich als im Interesse der Arbeiter selbst liegend bezeichnet, und bett, der Gleich stellung mit den Arbeitern der 2. Lohnklaffe berichtet, daß mehrere der Gesuchstellet demnächst aufrücken, die übrigen aber erst verhältnismäßig kurze Zeit in städtischen Diensten stehen, beschließt die Versammlung Ablehnung des Gesuches. Dem Fuhrknecht Hilgärtner, der in der Löberstraße unabfichtlich einen vom Stadtgättner mit 16 Mk. bewerteten Baum beschädigt hat, soll mit Rücksicht auf seine ungünstige Lage der Ersatz des Schadens erlaffen werden. Das Gesuch der Unterstützungskasse für hilfsbedürftige Deutsche in Budapest um Gewährung einer Beihilfe wird abgelehnt. StadtkassendieuerGengnagelist wegen Kränklichkeit um seine Entlassung eingekommen. Die Stelle war bisher nicht etatsmäßig, ihr Inhaber bezog 300 Mk. Fixum und etwa 800 Mk. Mahngebühren. Es wird beschlossen, den künftigen Stadtkaffendiener mit festem Gehalt anzustellen, die Gebühren aber in die Stadtkaffe überzuführcn. Als Gehalt werden 1320 Mk., steigend bis zu 1800 Mk., nach Maßgabe der für städtische Beamte geltenden Gehaltssätze angesetzt. Die Stelle soll ausgeschrieben und für die Dauer eines Jahres provisorisch besetzt werden. Der Entwurf einer Besoldungsordnung für die Forstwarte sieht ein von 1200 Mk. von drei zu drei Jahren um 50 Mk. bis zum Höchstbetrage von 1500 Mk. steigendes Gehalt vor; außerdem erhalten die in Gießen wohnenden Forstwarte, sofern ihnen eine Dienstwohnung nicht zur Verfügung steht, einen Wohnungsgeldzuschuß von',240 Mk. Für die Qualifikation der Forstwarte gelten im allgemeinen die für die im Staatsdienste stehenden Forstwarte geltenden Bestimmungen. Der Voranschlag der Realschule für 1902/3 sieht vor an persönlichen Ausgaben Mk. 108 320, an sachlichen Ausgaben 7230 Mk. Der Beitrag der Stadt beläuft fich aus Mk. 37 940.50, die Einnahmen aus Schulgeld auf 46 502 Mk., der Staatszuschuß auf 30 000 Mk. Neber die Errichtung eines Bezirksschulhauses wird in nichtöffentlicher Sitzung beraten. Das Schulhaus soll, wie wir erfahren, an der verlängerten Wiesenstraße errichtet werden. Der Voranschlag der Stadt Gießen für 1901 bis 1902 ist zur Ausgabe gelangt. Vorbehaltlich der für eine spätere Sitzung vorgesehenen Spezialberatung erklärt fich die Versammlung mit der Genehmigung der Gehalte, Löhne und laufenden Ausgaben einverstanden. Das Gesuch des Jakob Noll um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause SelterSweg 13 (Brauerei Friedel) wird befürwortet. Abonnements - Einladung. Die stetig wachsende Abonnentenzahl des Gießener Anzeigers darf wohl als bester Beweis dafür gelten, daß er allen billigen Anforderungen Rechnung zu tragen versteht. Er wird auch weiter weder Kosten noch Mühe scheuen, seinen Beruf als größte Tageszeitung Oberhessens zu erfüllen und gern jede Gelegenheit ergreifen, die Interessen der gesamten Bevölkerung der Provinz wahrzunehmen. Wünfdjt öder dir AllSgkstMug »userrs Klattrs muh beliebiger Achtung hin werben, wetm fie uns m Ohren kommen, stets »mH Möglichkeit Seröckstchtigung staben. Durch die volkstümlich gehaltenen Beilagen: e Gießener Familienblätter, Hessischer Landwirt und Blätter für hessische Volkskunde kommt die Zeitung den verschiedenartigsten Wünschen und Interessen ihres Leserkreises entgegen. Wir ersuchen namentlich auswärtige Leser, iüre Bestellung bei der Post bezw. den Zweigstellen baldgefl. aufgeben zu wollen. Aeahmsatreteabe hießgt Absmttlltrll erhalten vim rage der Sesteüaag bis 31 März ben Anreißer Kostenfrei ^gestellt. Auch schicken wir jederzeit Probe- Nummern postsrei nach auswärts und ersuchen alle Freunde des Gießener Anzeigers, ihre Bekannten darauf aufmerksam zu machen. Unseren hiesigen Lesern werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt. Hochachtungsvoll Verlag des „Gießener Anzeigers" Brühl'sche Univ.-Buch- u. Steiudruckerei ______________________(Pietsch Erben). Aus Stadt und Land. Vietze», 29. März 1901. • • Personal-Nachricht. Der Großherzog hat dem Amts- gerichtsdiener bei dem Amtsgericht Büdingen, Heinrich Wilhelm Srenkel, das Allg. Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste- verliehen. • • Parlamentarisches. Der zweite Ausschuß der Zweiten Kammer hat fich für den Antrag der Abg. Ulrich und Ge uvffen, betreffend die Entschädigung unschuldig Verhafteter, ausgesprochen und beantragt, die Regierung zu ersuchen, baldmöglichst eine Gesetzesvorlage zu bringen, dic eine feste Entschädigung von zu Unrecht verhafteten Persouen vorsieht. — Wir zweifeln nicht, daß dieser Anttag Annahme im Plenum finden wird. Dann wird Heffen wieder einmal an der Spitze der deutschen Staaten marschieren in einer Sache, die ihm zur höchsten Ehre oereidit. ** Kunst verein. Man schreibt uns: Wir mackw" dic Kunstfreunde auf die im Turmhaus am Brand ausgestellten farbigen Zeichnungen von Frl. Elisabeth W e i h r i ch aufmerksam. Die flotte und energische Zeichnung, die diskrete Färbung, die mit ihren einfachen Mitteln doch eine so intensive, malerische und Stimmungswirkung zu erreichen wissen, verleihen den Blättern einen intimen künstle» ischen Reiz, der durch das Gegenständliche der Darstellungen gesteigert wird: malerisch alte Bauten, anheimelnde Winkel und Gäßchen, zumeist in Mainz und Rothenburg ob der Tauber gesammelt. Aspekte, die man in diesem Miz und in dieser, von modernen Aenderungcn gänzlich unberührten Stimmungspoesie kaum mehr vorhanden glauben möchte, und auf die uns erst ein künstlerisch gesckMltes Auge aufmerksam machen muß, damit wir sie dann auch, wo fie uns in Wirklichkeit begegnen, erfassen und uns daran erfreuen. * * Der Gabelsberger S t e n o g r a p h e n - V e r - ein von 1861 (eingetr. Verein) hielt am 27. ds. seine ordentliche Hauptversammlung im Ease Ebel ab. Ter von dem ersten Vorsitzenden Prof. Dr. Pitz erstattete Bericht legte Zeugnis davon ab, daß der Verein auch in dem abgelaufenen (39.) Geschäftsjahr recht schöne Erfolge in Bezug auf die Verbreitung der Kunst Meister Gabelsbergers zu verzeick>nen hat. In vier Anfängerkursen wurden 30 Herren und 20 Damen unterrichtet. Weiter ist aus dem Bericht zu erwähnen, daß am 3. April v. I. das Damenkränzchen gegründet worden ist, und diesem zurzeit schon 20 Jüngerinnen angehören, während der Verein 62 Mitglieder zählt. — Nach der Verkündung der Resultate von dem letzten Vereinswettschreiben sand die Vorstandswahl statt und zwar wurde der seitherige Vorstand einstimmig wiedergewählt. Derselbe fetzt sich zusammen aus Prof. Dr. Pitz 1. Vorsitzender, .Kreisamts Bureauvorsteher Schiffnie 2. Vorsitzender, F. Hanstein 1. Schriftführer, H. Rothe 2. Schriftführer, W. Jullmann, Rechner und A. Mickel, Bucherwart. Es oiebt in Gießen gewiß viele Jünger Gabelsbergers, die dem Verein noch fern stehen. Im Interesse der Allgemeinheit wäre es, wenn sich diese dem Verein als Mitglieder anschließen würden, denn nur vereinte Kräfte führen zum Ziel. _____ Vermischtes. * „Rosenmontag" in Wien. Der erfolgreichen Erstaufführung von Otto Erich Hartlebens „Rosenmontag" im Burgtheater gingen zahlreiche Proben und eine Generalprobe voraus, über deren Verlauf der Theaterchronist des Wiener „Frdbl." allerhand Lustiges ausplaudert: Diese Generalprobe hatte einen ganz merkwürdigen Charakter. Es war die gerührteste, thränenreichste seit langen Jahren. Das Publikum weinte, als gäbe man eine Allerseelenkomödie und nicht eine Faschingmontagstragödie. Im Parterre saßen dichtgedrängt sämtliche Regisseure und alle dienstfreien Schauspieler mit ihren Angehörigen. Die erste große Bewegung kam von der Bühne, als Rudorff von der Kabale erfährt, der er und seine geliebte Traute zum Opfer gefallen sind. Als aber das Mädchen dem ins Herz getroffenen Geliebten feine Leidensgeschichte erzählt, da ging ein großes Schluchzen durch das .Haus. Fräulein Witt konnte sich kaum fassen, und auch ihrem Nachbarn, dem wohlbeleibten Dr. Schlenther, rannen schwere Thränen — selbstverständlich dicke — über die Wangen . . . Da6 Theaterbarometer stand ungemein tief, ober — um ein physikalisches Lieblingswort des Altmeisters Goethe zu gebrauchen — es deutete kräftigst auf „Wasser-Bejahung". Aber trotz all dieser Rührung gab es bei der Generalprobe auch manche heitere Momente. Eine urkomische Sache sogar, sie läßt sich nicht leicht erzählen, aber wir wollen es versuchen. . . Tie luftige Sache war im zweiten Akt. Da zeigt Die Szene das Wohnzimmer des Leutnants Rudorff und im Hintergrund die Thür zu dem engen Schlafgemach lieber diese Thür ist — nach Vorschrift des Buches — ein viergeteiltes kleines Fenster mit Milchscheiben angebracht, das um die Mitte verstellbar ist. Tas heißt: horizontal durch die Mitte der Scheibe geht eine Achse, so daß das Fensterchen auch wagrecht gestellt und somit das Ventil benützt werden kann; denn oberhalb und unterhalb der wagrechten Scheibe kann Luft einbringen. Im Burgtheater nun hat man vielleicht diese Thüre samt bem oberhalb befindlichen Fenster zu schmal unb biskret gemacht, so baß sich die Thüre wohl wie eine stille Pforte ausnimmt — aber nicht gerade zu einem Schlafkabinett. Tatsächlich hatte auch bas Galleriepublikum der^ Generalprobe biesen merkwürdigen Verdacht gegen bie Thüre unb was dahinter ist. Unb merkwürdigerweise bestärkte nicht nur bas Fenster aus getrübtem Glas, sonbern auch bie Dichtung biesen Verbacht immer mehr. Als nämlich der Bursche bes Leutnants Ruborsf bas geheimnisvolle Gemach zum ersten Male betrat unb schon nach kurzem Verweilen aus bemselben ging, ba machten sich die ersten Spuren von Heiterkeit kenntlich. Als aber später auch Leutnant Rudorff in das Gemach ging und es zufällig ebenfalls nach verdächtig kurzem Verweilen verließ, da konnte die Heiterkeit auf der Galerie nicht mehr an sich halten. Man brüllte! Auf der Bühne hatte man natürlich feine Ahnung, warum. Die für eine Tragödie gefährliche Stimmung des Galeriepublikums hätte vielleicht noch angehalten, wenn nicht zufällig Kommerzienrat Schmitz bald darauf feinen Schwiegersohn Leutnant Rudorff fragen würde, wo er denn eigentlich fein Schlafzimmer habe? Nun kann der Leutnant auf diese Thür weisen uno seinem Schwiegervater die eigentümlich bescheidene Schlafftelle erklären. Rudorff öffnete nun zur Freude der auf da- Merkwürdigste und Ueberraschendste gefaßten Galerie-Besucher zum ersten Male bie schmale Thür voll und ganz. „Hier ist mein Schlafgema ch", — sagt ber Leutnant — „ein kleiner Raum, ganz bunkel". Unb bamit man auch das verstellbare Fenster versteht, fügt Rudorff hinzu: „Licht und Lust kommen einzig unb allein hier oben durch dies Fenster. Das ist verstellbar. Natürlich läßt maus den ganzen Tag offen". Nun wußte bie Galerie, woran ne sei, und bald machte tieffte Ergriffenheit bem heiteren Zweifel ein Ende. W Marke Consurn VI Carton m. 24 Sassen-Portionen ?5$ \ 1 Proberolle mit 6Tassen-Portionen 20$ eine Tasse guter Cacao nur 3*/8 $. Marke Unser Stolz das beste, was in Cacao fabriziert werden kann 1 Carton m. 25 (Sassen-Portionen 1.50 1 Proberolle mit 5 Sassenport. 30 $. Für jeden sparsamen Haushalt das billigste, praktischste u. nahrhafteste Getränk. Verkaufsstellen durch Plakate ersichtlich. ■ JlJöbltertefc Ammer M vermieten. JJl GH27 Vahllho?' r. 59, I PHEUMATIC 2429 Kranz Dezember 1900 Ailanz am 31 Continental Caoutchouc & Guttapercha Camp., Hannover. 1881 Walltkorsirastr 24. Telephon 9lr. 249. Herd EUKLIDE 2408 Verdingung. 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