wer® Nr 25 EEes Blatt Mittwoch den 30. Januar 1901 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Aints- und Zlnzergeblutt für den Ttveis Gietzen Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für tat folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorrn. X) Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Bezugspreis vierteljährl. Ml. 2JO monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelleu vierteljährl. Mk. 1.90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.— vierteljährl. ohne Bestellgeld. 151. Jahrgang Erscheint täglich »ü Ausnahme deS Montags. Die Aießener Ma»ikte«vtLtter werden dem Anzeiger ta Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" »Schtl. 4 mal beigelegt. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandmirt, Klätter für hessische Uotkskunde. Redattts«, Expedition und Druckerei: rchalftrahe Nr. 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Sieh«. Fernsprecher Nr. 5L Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und AuS- landes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf,, auswärts 20 Pf, Der Grundsatz von Leistung und Gegenleistung verbietet bei der Festsetzung der Gemeindesteuer den Abzug der auf den steuerbaren Objekten lastenden Schulden. Der Grundbesitz erfordert Leistungen der Gemeinde für Feldschutz, Feldwegebau, Straßenunterhaltung und -Reinigung, Schulen und Armenpflege; der Gewerbebetrieb macht Aufwendungen für Straßenbau, Straßenunterhaltung und -Reinigung, Kanalisierung, Beleuchtung, Schulen, Armenwesen, Polizei, Verkehr- und Wohlfahrtseinrichtungen aller Art u. bergt Diese Leistungen sind aber unabhängig davon, ob die Steuerpflichtigen der Gemeinde mit Schulden be- oder gar überlastet sind. Würden bei der Steuerveranlagung die Schulden in Abrechnung gebracht, so würde der überschuldete Grundbesitzer, obwohl er die verschiedenartigsten Leistungen von feiten der Gemeinde beansprucht und gebraucht, je nach der Größe des nominell noch ihm gehörenden Gutes vielleicht am allermeisten ausnutzt, der Gemeinde auch nicht die geringste Gegenleistung bieten, er würde frei ausgehen. Dasselbe wäre mit dem überschuldeten Gewerbetreibenden der Fall, obgleich er beträchtliche Aufwendungen der oben angeführten Art verursacht. Mithin ist es allein richtig, den Gemeinden die Realsteuern zu überweisen ohne Rücksicht auf die auf Grundbesitz und Gewerbebetrieb ruhenden Schulden. Grund- und Gewerbesteuer sind also zunächst in ihrer seitherigen Veranlagung zu belassen, wenn auch zugestanden werden muß, daß das ftur Zeit hestehende Gewerbesteuergesetz grundsätzlicher Verbesserung bedarf, die nach Abschluß der Steuerreform in Aussicht gestellt ist. Ta die seither bestehenden Normalsteuerkapitalien auch für die Gemeindebesteuerung in Wegfall kommen sollen — wie es bei dev Staatssteuer bereits durchgeführt ist — so ist es nötig, die richtige Form für ihre Berechnung zu finden, und zwar eine solche, die auch dem einfachen Laien verständlich erscheint. Um dies zu ermöglichen, sollen für den Grundbesitz und den Gewerbebetrieb fixierte Reinerträge aufgestellt werden — etwas anderes waren auch die Normalsteuerkapitalien nicht — und für diese soll ein Steuerausschlag von 15 Prozent als Grundzahl erhoben werden. Demnach ist von jedem steuerbaren Objekt der fixierte Reinertrag zu ermitteln, von diesem Reinertrag bilden 15 Prozent die Grundzahl. Nach Art. 11 steht der Gemeinde neben der Realsteuer auch die Einkommensteuer zu. Das seitherige Verhältnis von 2:1 soll weiter bestehen bleiben. Die Gemeindeeinkommensteuer, die gegen die Realsteuer nur zur Hälfte herangezogen werden darf, soll in Prozenten zur Staatseinkommensteuer erhoben werden. Mithin kommt auch der Gemeinde die verschärfte Pro- Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: »Die Deranstaltung von Verlosungen innerhalb des Großherzogtums. Der Marktausschuß der Stadtverordneten-Bersammlung z« Bingen beabsichtigt mit dem am 18. April d. Js. daselbst stattfindenden Rindvieh- und Pferdemarkt eine Verlosung von Pferden, Rindern pp., sowie von Landwirtschaftlichen Gc brauchsgegenständen zu verbinden, um die Mittel zur Prämi ierung zu gewinnen. Großherzogliches Ministerium des Innern hat die nach- gesuchte Erlaubnis zur Veranstaltung dieser Verlosung unter der Bedingung erteilt, daß nicht mehr als 20 000 Lose zu 1 Mk. das Stück, ausgegeben werden dürfen und mindestens 70 Prozent des Bruttoerlöses aus dem Verkaufe der Lose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu verwenden sind. Zugleich ist der Vertrieb der Lose im Großherzogtum gestattet worden. Gießen, den 28. Januar 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießern I. V.: Boeckmann. Der Gksktzkutwurf über die Gememdellmiageu. Noch unter dem Finanzminister Küchler wurde der Zweiten Ständekammer ein Gesetzentwurf vorgelegt, der die Gemeindebesteuerung mit Rücksicht auf die bereits durchgeführte Staatssteuerreform neu regeln soll. Vor kurzem ist nun der gedruckte Bericht des Zweiten Ausschusses darüber bei der Kammer eingegangen, der grundsätzliche Aender- ungen enthält. Auch sind verschiedene Korporationen, so die Grube Messel, die Handelskammern Mainz und Bingen und das Farbwerk Mühlheim (Dorrn. A. Leonhardt u. Co.) vorstellig geworden, die mancherlei Wünsche und vermeintliche Verbesserungsvorschläge Vorbringen. Wie verlautet, ist man innerhalb der Regierung selber mit dem Entwurf nicht mehr ganz einverstanden; namentlich soll Finanzminister Gnauth gewichtige Ausstellungen daran haben. Man wird »bwarten müssen, wie die Vorlage aus den Kammerverhandlungen hervorgehen wird. -Wie die Gemeinden zur Erreichung ihrer notwendigen Kommunalbedürfnisse ihre Bürger nach dem Plane der Regierung zu besteuern berechtigt sein sollen, dies zu wissen ist nicht allein interessant, sondern nützlich. Der Grundsatz des Entwurfes ist in Art. 1 ausgestellt, wonach den Gemeinden das Recht zustehen soll, direkte Gemeindesteuern vom Grundbesitz und vom Gewerbebetrieb, sog. Realsteuern, sowie vom Einkommen der Steuerpflichtigen (E i n k o m m e n st e u e r) zu erheben. Das Recht der indirekten Besteuerung wird nicht alteriert. Als fernerer Grundsatz ist der Gedanke fest- gehalten, daß jeder Leistung des Bürgers in Form von Gemeinde st euer an seine Gemeinde auch von dieser eine entsprechende Gegenleistung an den Bürger in Form der Gemeindeeinrichtungen u. der gl. gegenüberstehe. Daher erklärt sich die Beibehaltung der Realsteuern als Grundlage der Gemeindesteuer im Gegensatz zur Staatssteuer, bei der die Einkommensteuer die Grundlage abgiebt, die Vermögenssteuer aber als Entlastung jener und darum nur als Ergänzungssteuer gedacht ist, und derWegfallder Kapital-St euer. Hiermit ist nach dem Vorbilde Preußens eine neue Bahn betreten, da seither auch die Gemeinden, wie der Staat, das Kapitalvermögen steuerlich belasten konnten. Aus dem Entwurf ist zu entnehmen, daß aus dem Prinzip von Leistung und Gegenleistung heraus der Rentner deshalb mit Kapitalsteuer nicht belastet werden kann, weil er das, was die Gemeinde ihm an Leistungen öffentlich rechtlicher Natur gewährt, nicht so erheblich sei, daß durch die Steuer, die auf feinem®in kommen ruht, nicht schon eine genügende Gegenleistung geboten werde. Außerdem ist eine auch nur einigermaßen richtige Veranlagung zur Kapitalrentensteuer mit großen Schwierigkeiten und Umständen verknüpft und nur möglich auf Grund pflichtmäßiger Selbst- einschätzung. Auch stehen die mit der Abgabe einer Steuererklärung verknüpften Belästigungen in keinem entsprechenden Verhältnis zu der Bedeutung dieser Steuer für die Gemeinde. Endlich aber werden durch sie die Steuerpflichtigen in Hessen Ungleich mehr belastet, als es z. B. in Preußen der Fall ist, und es ist darum mit der Möglichkeit zu rechnen, daß der an keinen Wohnort gebundene Rentner aus dem Lande könnte getrieben werden, wodurch für Staat und Gemeinde große Steuerausfälle entstehen würden. Aus diesen Gründen glaubt die Regierung von der Heranziehung der Kapitalrente zur Gemeinoebesteuerung absehen zu müssen, zugleich aber auch von dem Modus, daß für die Gemeinde die Steuer in Form von prozentualen Zuschlägen zur staatlichen Vermögenssteuer sollte erhoben werden können. Denn die neue staatliche Besteuerung ist so aufgebaut, daß nicht die Vermögenssteuer, sondern die Einkommensteuer die Hauptsteuer bildet, für die Gemeindesteuer jedoch die Realsteuer das Rückgrat abgeben muß. Mithin bleibt nur als der einzig gangbare Weg neben der Einkommensteuer die Steuer auf Grundbesitz und Gewerbebetrieb übrig. der unerbittlichen Logik eines Mathematikers, mit dem bitteren Ernst und der ganzen Düsternis der Weltkrankheit, so man, wenn man deutsch reden will, Pessimismus nennt, in dem von Paul Lindau für die deutsche Bühne bearbeiteten Drama „el gran Galeoto" das traurige Geschick eines falsch Beschuldigten dar. Der Schriftsteller Don Ernesto wird durch das Lesen von Dantes „Göttlicher Komödie", und im besonderen durch die Stelle, bei der Francesca da Rimini die Sage von Lanzelot und der Königin liest, die durch Galeotto zum Ehebruch verführt worden ist, angeregt, ein Drama, „Galeotto" betitelt, zu schreiben. In diesem Drama spielt „alle Welt" den Kuppler, es ist ein Drama ohne Hauptperson, vielmehr mit der vieltausendköpfigen Menge als Hauptperson, ein Drama, aus dem die Liebe von Geschlecht zu Geschlecht verbannt ist, und bei dem die Handlung erst beginnt, wenn das Stück zu Ende ist. Ein solches Drama erlebt aber Ernesto selbst in dem Hause seines alten väterlichen Freundes Don Manuel. Dieser hat eine blutjunge Gattin von kindlicher Unerfahrenheit, mit der Ernst in freundschaftlichem, aber lauterstem Verkehr steht. Die Welt zischelt und spöttelt darüber; sie bemüht sich, das reine Verhältnis in den Kot zu ziehen. Ernst verläßt daher das ihm teure Haus. In einer Gesellschaft fällt eine Beleidigung gegen Julia, die junge Frau, und Ernesto fordert den Be- Iewiger zum Duell. Auch Manuel hört von den verleumderischen Worten, auch er schlägt sich mit dem Buben, und zwar bevor Ernst sein Duell ausgefochten hat. Manuel wird schwer verwundet und in Ernsts Zimmer gebracht. Hier trifft er Julia. Zu ihren Ohren ist die Kunde von dem Duell zwischen ihrem Gatten und dem, der ihre Ehre angegriffen hat, gedrungen: sie ist zu Ernst geeilt, wo sie ihren Gatten zu treffen vermutet, um ihn von dem Zweikampfe abzuhalten. In Manuel erwacht nun aber der Verdacht der Untreue feiner Frau. Er verliert die Besinnung und wird totkrank nach seinem Hause gebracht. Weder seiner Gattin noch Ernst gestattet er den Zutritt in sein Krankenzimmer. Ernst, der mittlerweile den Verleumder int Duell getötet hat, und Julia wollen sich den Zutritt zu des Kranken Zimmer erzwingen. Da erscheint dieser selbst; er verflucht seine reine Gattin, schlägt Ernst mit seiner letzten Kraft ins Gesicht und verscheidet. Nun empfindet Ernst die Pflicht, die unglückliche Julia nicht zu verlassen; nun, an der Leiche des Getreuen, bereinigen sich die beiden, deren lauteren Verkehr man frevelhaft nannte. Man sieht, dieses Drama, das etwa zehn Jahre vor dem politischen Niedergange Spaniens der letzten Jahre eine Großmacht in der Welt der Bretter war, heute jedoch auf ihnen nur noch selten erscheint, ist von furchtbarer Peinlichkeit, aber zweifellos höchst eigenartig, und zugleich, namentlich in den letzten beiden Akten, höchst spannend und ergreifend. Es übt eine stark anregende und fesselnde Wirkung. P- W. Ileöerörettk. (Original-Artikel des „Sich. Anz") Nachdruck netbolcn. Kürzlich war hier (in Nr. 14 des „Gieß. Anz.") die Rede von einem Bändchen deutscher Chansons oder „Brettl- Lieder" und im Zusammenhang damit auch von dem Bunten Theater oder U e b e r b r e 11 l des Herrn Ernst v. Wolzogen. Inzwischen ist dieses, just am Abend des Kronjubiläums, an die Oeffentlichkeit getreten und hat, wie im voraus bemerkt sei, bei einem höchst kunstverständigen Publikum aufmunternden, teilweise sogar stürmischen Beifall gefunden. Und das von Rechtswegen! Wenn dieser Erfolg von Dauer sein sollte, dann sind wir wirklich um ein neues Kunstgenre bereichert. Dann dürfte in absehbarer Zeit das letzte Stündchen gekommen sein für Chansonetten mit kurzen Röckchen und winziger Stimme, für Glieder verrenkende Mrobaten, für dressierte Ferkel, für unmusikalische „musikalische Clowns" und was es sonst noch an derlei Dingen heute im Variete giebt. Wir werden darum keinen Trauerflor anlegen. Was das Ueberbrettl bezweckt, dürfte dem Leser noch in Erinnerung sein. Um es kurz zu wiederholen: es ist ein geadeltes Variete; ein Variete mit Seele; dem Unterhaltungsbedürfnis der Menge soll mit künstlerischen Mitteln gedient werden; Kunst im Tingeltangel. „Wir denken uns das Variete der Zukunft — sagt -tto Julius B i e r- bäum knapp und treffend — als eine Schaubühne, Die Rädchen Ait und Melken jofort oberes durch osis nberger, Selteröveg 67 'Gre Mädchen fürbess. basten nad>6ieru.au8tt> üttenbetflerMnito.M llen mer Anzeiger», Trauer. welche werden. en. 2« 1 ie nächste Hheatervereins-Morstellung. Gießen, 28. Jan. 1901. Falsch beschuldigt und nicht fteigesprochen, sondern verurteilt zu werden von der Menge und von den Liebsten, das ist eine der größten Qualen, die einem Menschen begegnen können. Die Gerechtigkeit vermag nicht aller Menschen Herzen und Thaten zu erforschen und urteilt nach dem Schein, wenn vielleicht manchmal auch mit Scharfsinn, so doch mit den beschränkten Mitteln des menschlichen Verstandes. Nicht selten ergreift sie den Arg- und Wehrlosen, der teilten anderen Fürsprecher hat, als sein reines Gewissen. Und der Denunziant ist das Gerede der Leute, der großen Welt. Dazu treten manchmal eigenartige Zufälle, Dinge oder Situationen, die den einmal gehegten Argwohn bekräftigen, ja oft den Glauben erwecken, es fei schlecht und ungerecht, wenn man verdächtige Wahrnehmungen nicht an die „große Glocke" hängt und den Vollzug der Strafe menschlicher „Gerechtigkeit" nicht erwirkt. Verleumdungen haben unter allen Umständen etwas empörendes. Sie sind im stände, eine Beunruhigung der Volksseele herbeizuführen und erwecken in ihr berechtigte Zweifel an der menschlichen Gerechtigkeit. Aber eine Verleumdung erweckt keine reine und starke tragische Empfindung, denn ihr fehlt die Voraussetzung der bewußten Schuld, sie ist ein Unglückskind der übel beratenen Kurzsichtigkeit der vielköpfigen Menge und des Zufalls. Der unschuldig von aller Welt Angeklagte und von feinen Liebsten Verurteilte ist, in der unseligen Verkettung der Umstände, gewissermaßen das Opfer eines Verhängnisses, einer höheren Macht. Er mag ihr fluchen, er darf sie aber nicht anklagen, denn auch in der unrechtmäßigen Beschuldigung bleibt das thatsächliche Unrecht als dem menschlichen Rechtsbewußtsein entsprossen. Recht. Das klingt widersinnig und ist doch wahr. Das ist ein unentwirrbarer Kreislauf des Verderbens, der das Äehirn des grübelnden Menschenfreundes in den Tod, und den Beschuldigten zu dem ihm zur Schuld gelegten Verbrechen treiben kann. Der spanische Dichter Echegaray, in seinem bürgerlichen Berufe Mathematik-Professor, als Politiker Demokrat, der 1868 an der Spitze der Revolutionäre stand, stellt mit i-lhMl nein neuen Kursus komm lülerinnen und ©cbület n und fick in meiner i, Gormenstratze 6, an« fjoiaitunoSoot! 818 eph Köhl zluslunstertheilen. grfto in ZS-» cMms tragen . 400 000 307 832 463 962 gleich Summe . 631538 im Wege einer Ver- Vizepräsident v. F r e g e ruft den Redner zur Ordnung. (Beifall rechts.) Abg. Singer (fortfahrend): Wir befinden uns in einer beschämenden Situation. Das Reichsamt des Innern erhält Subsidien vom Zentralverbande der Industriellen und das Volk soll Millionen zahlen für Weltpolitik an einige Privilegierte. (Lärm. Heiterkeit rechts.) Abg. Dr. Arendt (Rp.): Die Getreidezölke werden Inland und Ausland je nach der Konjunktur tragen. Wir protestieren gegen die Verquickung von Getreidepolitik und Dagegen ist die Gattung der Pantomime mit Rechch ausgenommen worden. Sie liegt bei uns eigentlich gan^i, brach. Hier läßt sich ein Unrecht wieder gut machen. Mit weniger Glück versuchte man eine Ballade von Liliencron „König Raguar Lodbrog" als Schattenspiel darzustellen. Etz fehlte ihr die nötige Ausgelassenheit. Richt gut beraten war man ferner, als man einen Einakter von Schnitzlet aufführte. Rach Sekt serviert man eben nicht mehr leichten Mosel. Aus alledem erhellt, daß das Ueberbrettl noch keineswegs am Ziel seiner und unserer Wünsche angelangt ist. Roch liegt die Bahn nicht glatt und eben wie eine Eisfläch« vor ihm. Es hat beherzt den ersten Schritt in die Oeffent- lichkeit gethan. Dafür kann man seinem Leiter, dem ausgezeichneten, in allen Sätteln gerechten Herrn v. Wolzogen, nicht dankbar genug sein. Aber nun treten auch Pflichten hervor, wie 'sie ,in diesem Lande noch nie zuvor gesehen an das Unternehmen heran. Jetzt gilt es, sorgsam auszuprobieren, jenes auszuscheiben, dieses hinzuzugewinnen, das eine zu vervollkommnen, das andere von der stolzen Höhe für die Allgemeinheit herabzuziehen. Jetzt gilt es namentlich, ein geeignetes Lokal zu finden; denn solche Darbietungen bedürfen lauschiger, intimer Räume, aber, nicht eines nüchternen Kastens, wie es die Berliner Sezessionsbühne ist. Das will nicht viel besagen im Vergleich zu dem, was bereits erreicht ist. Wolzogen hat sich einen- Stab vorzüglicher Mitarbeiter gesichert. Er hat ein über jeden Zweifel erhabenes Personal zusammengestellt, dem so treffliche Kräfte wie die bekannte Frau Olga Wohlbrück, Robert Koppel, Olga Destree und Bozena Bradsky angehören. Wenn er dann demnächst die geplante Reise „durch die Mittelpunkte deutscher Intelligenz und Kunstbestrebung" antritt, möge er überall ein so begeisterungsfähiges unfr -freudiges Publikum finden wie in Berlin. Dann werden wir die Genugthuung haben, das Ueberbrettl nicht a. <$>., sondern als stündige Institution zu besitzen. Dr. M. M. Summe 771 794 Hiervon bilden die Grundzahlen 15 Prozent gleich 115 769 Mk. Diese sind nach dem Grundsatz von 2:1 doppelt zu nehmen .... 231538 und zugezählt zur staatlichen Einkommensteuer Die Summe der fixierten Reinerträge vom Gewerbebetrieb (gleich den früheren Ge- Mk. Werbesteuerkapitalien) beträgt Die Summe der fixierten Reinerträge vom Grundbesitz (gleich den früheren Grundsteuerkapitalien) beträgt Aus ft® Politische Tagesschau. Ein Skandal auf der Lyoner Präfektnr erregt in ganz Frankreich gewaltiges Aufsehen. Dort waltete ein ehemaliger Unteroffizier bei den Jägern, Charles Meyer, als unbeschränkter Chef der Polizei-Brigade von *000 Mann. Er führte in allen Dingen, die den Polizei- )ienst angingen, das große Wort und besaß das Vertrauen >es Präfekten. Vor einigen Wochen wurde er krank, und so mußte der Generalsekretär Marty ihn vertreten. Da dieser einiger amtlicher Schriftstücke bedurfte, ließ er Meyer um die Schlüssel zu dem Aktenschrank bitten, und als diese nicht auS- geliefert wurden, schickte der Präsekt Boten zu demselben Zweck aus. Achtmal kamen diese unverrichteter Dinge zurück, und endlich ließ der Präfekt Meyer sagen, er werde sie selbst bei ihm abholen. Am gleichen Abend fuhr der Polizei Chef auf >er Präfektur vor und schleppte sich in sein Kabinett, alldem er sich mit zwei umfangreichen Schriftbündeln wieder entfernte. Als der Präfekt davon hörte, ließ er durch einen Schlosser die Thür des Kabinetts erbrechen und Meyer ein» aden, tags darauf dem Oeffnen der Schränke und Schub- oben -beizuwohnen. Meyer kam, brachte seine Schlüssel, leckte sie in die Schlösser und bat dann auf Grund seine- Befindens um die Erlaubnis, sich zu entfernen. War man nun fand, überstieg alle Erwartung: Briefe und Entwürfe von Zeitungs-Artikeln, aus denen hervor- ging, daß der Chef der Staatspolizei in der zweiten Stadt Frankreichs mit den Führern der reaktiv- Deutscher Reichstag. Berlin, 28. Jan. Der Kaiser hat auf die Glückwünsche des Reichstags zu seinem Geburtstage folgendes Telegramm an den Reichstagspräsidenten gelangen lassen: „lieber diese Glückwünsche hocherfreut dem Reichstage herzlichen Dank!" Die zweite Lesung desEtatsdesReichsamtsdes Innern wird beim Titel „Staatssekretär" fortgesetzt. Abg. Fischbeck (freis. Vp.): Solange es freisinnige Parteien giebt, hat es in denselben auch Landwirte gegeben, die von der Lage der Landwirtschaft durchaus unterrichtet sind und sehr gut wissen, wo es der Landwirtschaft fehlt. Diese haben stets eine Reform der Landgemeindeordnung verlangt, um den Bauern gegenüber dem Großgrundbesitz bei der Verteilung der Lasten zu Hilfe zn kommen, aber da waren die Herren von der Kouleur des Fürsten Herbert Bismarck für die Bauern nicht zu Hause. Die ihr Conto bei der Bank; daheim bei Muttern gab's nur Käs' und Rettich. Heute soupiert sie jede Nacht mit einem andern feschen Herrn; poch sie hat auch wahre Liebe kennen gelernt: bei einem Poeten im Dachstüblein. Der Gedanke an diese „heimlich süße Seligkeit" treibt ihr die Thränen ins Auge. Sie hat ihn betrogen, mit einem Assessor; er hat sie zur Treppe hinunterbefördert und verschwand aus der Stadt. Weg mit den sentimentalen Erinnerungen! Sie ist längst kein dummes Mädel mehr, Madame Adele, grande Cocotte! — Das ist ein Lebensausschnitt, von einem Dichter gegeben. Die süße Fadheit, die überströmende Weichlichkeit oder der heitere Blödsinn unserer Tingeltangel-Lieder hat mit diesem Kunstwerk nichts gemein. Auch hier hat der Komponist James Rothstein seine Aufgabe überaus geschickt bewältigt. Für die deutschen Musiker ist es kein Kleines, diesem neuartigen Stil gerecht zu werden. Ja, einer von ihnen, Oskar Strauß (nicht zu verwechseln mit dem Walzerkönig oder dem großen Richard) hat der Dichter entschieden überflügelt. Bierbaum schrieb eine nette Nichtigkeit „Der lustige Ehemann"; Oskar Strauß hat daraus eine Perle gemacht. Das entzückende Tanzduett wird bald volkstümlich werden; o könnte es doch alle die entsetzlichen Gassenhauer vom lieben Schaffner, von der Gigerlkönigin, von der Hulda, für die kein Stuhl da ist, bis zu der am Baume hängenden Pflaume vertilgen. Dieser Teil des Programms, bestehend aus Couplets und Chansons, wird nirgends seine Wirkung verfehlen. Sie sind die Fortpflanzung ober — um einen Ausdruck von Nietzsche zu gebrauchen — die Hinaufpflanzung der vorhandenen Varietekunst. Anderes wird jedoch nur "einem intimeren Kreis zugänglich werden. So bot man am ersten Abend eine Parodie auf den italienischen Dichter Gabriele d'Annunzio. Wer Parodien genießen will, muß das Original kennen. Da könnte es doch eines Tages geschehen, daß em ungebildetes Publikum, dem d'Annunzio fremd q u ?.arobie sür ein ernsthaftes Werk hält, und sie aus ^ibeskraften auzreht. Es wäre nicht das erste Mal, daß bie Rechnung ohne die Unbildung der üermutGA Hnb anderwärts dürfte es kaum besser, vermutlich noch zchlechter, bestellt sein. * Durchschaut. Mutter (ihre verheiratete Tochter besuchend): ,2ßo ist Dein Mann?" Tochter: „Der ist verreist!" Mutter?. „Der Feigling!" -greffion, wie sie die staatliche Steuerreform gebracht hat, zu gute. Für die Feststellung der Gemeindesteuern würde sich also für die Zukunft folgendes Verfahren herausbilden. Die Grundzahlen der Grund- und Gewerbesteuer werden zu 15 Prozent der fixierten Reinerträge festgesetzt. Aus dieser Summe und der Summe der staatlichen Änkommensteuer ist für jede Gemeinde unter Zugrundelegung ihres Bedarfs an direkten Steuern und unter Beobachtung des Verhältnisses von 2:1 zu berechnen, wieviel Prozent Zuschlag zu den Grundzahlen der Grund- und Gewerbesteuer und wieviel zur Einkommensteuer zur Erhebung kommen sollen. Nehmen wir zum genaueren Verständnis ein praktisches Beispiel an unserer Stadt Gießen. Es soll hier die staatliche Einkommensteuer be- Mk. Bauern sind nur gut genug, für sie zu bezahlen. (Unruhe rechts.) Fürst Bismarck hat sich in seiner Rede auf drei Professoren auf einmal berufen. Will er blos der praktische Landwirt sein, der von der Landwirtschaft etwas versteht, wie kann er dann den Dr. Hahn im Lande herumreisen lassen, um den Bauern klar zu machen, wo es ihnen fehle, und treibt Dr. Oertel, der sich ebenfalls über die Landwirtschaft ausläßt, dieselbe vielleicht praktisch? (Zuruf.) Ja, dann werden es wohl die Blumentöpfe sein, die an seinen Fenstern stehen. (Heiterkeit.) Ist die Lage der Landwirtschaft in der That so unbefriedigend? Man wies früher auf die große Zahl der Subhastationen hin, seit 1888 ist es davon ganz still geworden, und mit Recht, denn die Zahl ist um 46 Prozent gesunken. (Hört, hört! links.) Die Bewegung der Brotpreise ist keineswegs gleichlaufend mit der der Getreidepreise, hat Dr. Oertel ausgeführt. Tas stimmt nicht, die Preisbewegungskurven, wie sie nach den amtlichen statistischen Ziffern entworfen sind, zeigen fast durchweg einen parallelen Verlauf. (Widerspruch rechts.) Wehren Sie die Getreidezollerhöhung ab und Sie werden die Unzufriedenheit beseitigen. Abg. St ein hau er (freis. Vg.) geht auf die Verhältnisse der Landwirtschaft in den mittleren und kleinen Betrieben näher ein. Mit den kleinen Betrieben ist es nicht entfernt soweit rückwärts gegangen, wie Fürst Bismarck behauptet. Einem Großbauern mit 200 bis 300 Morgen wird durch höhere Getreidezölle ein relativer Vorteil gewährt, der kleine Landmann hat nichts davon. Fürst Bismarck erklärt sich als das Mundstück der kleinen Bauern, seiner Wähler (Sehr richtig!), in deren Interesse, also in nationalem Interesse, trte er für höhere Getreidezölle ein. So etwas sollen wir uns nicht aufbinben lassen. Abg. Hilbck (ntl.) polemisiert gegen bie Ausführungen des Abg. Sachse über bie Verhältnisse im Bergbau und weist auf bie Berichte ber Gewerbeinspektoren hin. Ein gut Teil ber Unfälle werbe von ben Bergleuten selbst ver- chuldet. Der Rebner betont, baß besonbers in ben letzten Jahren die Lohn- und Wohnungsverhältnisse im Bergbau sich erheblich gebessert haben. Abg. Frhr. Heyl zu Hem sheim (ntl.) bemerkt, die Frage der Reinhaltung der Ströme, die in mehreren Bundesstaaten gemeinsam sei, erfordere die Regelung durch einen Gesetzentwurf. Die Prüfung durch eine Abteilung des Reichsgesundheitsamtes, das keine Exekutive habe, genüge nicht. Kanalvorlage. Ich werd egegen den Kanal stimmen, auch wenn wir noch so hohe Getreidepreise bekommen. Wen« Siemens uns sage, wir treiben Weltpolitik a la Pusemuckek, » so halte ich das für besser als eine Weltpolitik nach be» Burgstraße (Börse). Staatssekretär Graf Posadowsky : Daß mein Ressort so umfangreich ist, habe ich erst in diesen Tagen erfahren. Graf Bülow gdb die Erklärung im Abgeordnetenhause als! preußischer Ministerpräsident ab und hat nur das bestätigt, was Staatssekretär v. Thielmann als Ansicht der verbündeten Regierungen ausgesprochen hat. Ich kann nicht zugeben, daß die Erklärung des preußischen Ministerpräsidenten irgendwie den verfassungsmäßigen Standpunkt verletzt hat. Dem Bundesrat liegt ein Antrag vor, der bie Kompetenz bes Reichsgesunbheitsamtes bezüglich der Beaufsichtigung der Flußläufe erweitert. Ich glaube aber nicht, daß die verbündeten Regierungen irgend ein Gesetz oder eine Verwaltungsmaßregel annehmen, wo- Kanalvorlage. Ich werde gegen den Kanal stimmen, auch petenz der Einzelstaaten in dieser Beziehung eingreifen könnte. Eine Anzahl Mißstände wird künftig jedenfalls vermieden werden. Die Gewerbeinspektoren sind Landesbeamte, auf die ich direkt keinen Einfluß habe. DeL Minister Brefeld hat nur erklärt, daß die Unterredung, nrie sie der Bueckbrief schildert, stattgefunden habe, daß er aber nach so langen Jahren sich nicht mehr entsinnen kann, oB seine Worte richtig wiedergegeben sind. Er habe damals als preußischer Minister gesprochen und werde sich über dis Angelegenheit erklären, falls er daraufhin im preußische« Abgeordnetenhause angesprochen werde. In der Nummer des „Vorwärts" vom 1. August 1898 seien die Verdienst^ Kaiser Wilhelms I. und seines großen Staatsmannes um dis Sozialpolitik ziemlich unparteiisch anerkannt. Die Ver--. quickung der Bestrebungen zu gunsten der Latze der Arbeiter mit dem Streben nach Errichtung der Republik fei ein taktischer Fehler, man könne aber über solche Bestrebungen beruhigt sein. Seit Jahrtausenden sei der schönste Zug des deutschen Volkes die Treue und so lange es seine« Charakter nicht ändere, würden die deutschen Monarchen« eftstehen auf einem roch er de bronce. (Bravo! rechts un3 im Zentrum.) Abg. Gamp (Rp.) wendet sich gegen den Abg. von Siemens, der nicht den Befähigungsnachweis erbracht hätte, ein Fideikommiß erfolgreich zu bewirtschaften. Nach einer kurzen Erwiderung des preußischen Geheimrats Wendelstein wird die Weiterberatung auf morgen vertagt. LV. $i«ln MW**’® nfotlito Sprache u WM «e Husten (mit B unb, was von Wor Sammlung an Wei lehrten (etwa vom. Eine ganze Anzahl jo: Th. Cttizena^ oon Fallersleben, Ar, Zarncke u. a.; " AerheW Mr» schrieb oberhesfischen Geso Lerein zwei St Studenten ans den hnckilS, ferner den von 1821, sowie Lange ans Darmfi lehrrr Dr. Bernbk Dr. Lange beM gestellten fchähensw « Todesfall li in bat hiesige Seid im hiesigen Arrest! als Jndenmissie hast saß. Der $ nnS nach seiner Fef e« als solcher verst habe ihn gesandt, t normalen Geschwifi Summe von 6000 er sich entfernte. . er in Sich verhaft zirka 50 Fahren , wesen ftin. * Bezüglich de onfichnnMMten Gesetzentwurf zugrg. vom 25. November Steuer der im Gr lafsenen Mobiliar-f 1901 ab statt wie der Brutto Prämie mud darauf hivgew ficherungSanstaiten £ M« scher leibet mkchchmg bn ® *”***»« Hm ™ >hrir W Mich «nirag j " NniaU S*« JS Heg die fchl“ unb afeE? LrH 8 näIf6nen^flUr und i** .^erte. aiernng ^dk eines M feine moralische, sondern ästhetische Anstalt sein will. Es soll schön und heiter auf ihm zugehen, vielleicht — nein: gewiß auch übermütig, aber alles blos Rohe und Wüste, alles was des Maßes der Schönheit entbehrt, soll keinen Platz auf ihm haben". In den Pariser Cabarets auf dem Montmartre hatte diese Kunst schon lange eine Heimstätte. Langsam und mühsam war sie hier erwachsen. Junge Künstler, denen die rauhe Wirklichkeit keine Rosen auf den Weg gestreut hatte, traten in den Kneipen auf und trugen ihre eigenen Gedichte vor. Die tragische Note herrschte darin vor. Das ließ sich ganz heiter an, und endete plötzlich mit einem schrillen Mißklang. Aber von diesen Bohemien-Gedichten gingen stärkste, erschütternde Wirkungen aus. In einem Dutzend Zeilen stieg menschliches Weh, mit Dprnenkrone geschmückt, herauf. Daneben gedieh hauptsächlich die politische Satire, der in unserem geliebten Deutschland noch immer Der Maulkorb umgeschnallt ist. Diese Pariser Kleinkunst soll also nun auch bei uns ge- Pilcgt werden. Und Wolzogen hat damit den Anfang ge- macht. Wenn seinem Ueberbrettl anfänglich noch die eigene Physiognomie fehlt, so ist das ein Uebelstand, der |icl) mit jeoen Tag verringern kann. hnn M^,^bntümliche der Gattung sei an zwei Gedichten öen nT„ rs.CftcllL -'bnä Lausmädel", das fümmprt8 ti, S9 treppab rennt. Aber was fommt ein «$cgcn ?"b Strastcnschmich t „morgen •cin ^aron oder em Kommeriierifolm" Und bie »leine ichleppt ihren Robes-Kastcn von Laus ,u Saus Was thus.z? Nächste Woche kommt ein Prin?" Mtt e nem Wate steigt die ganze Tragik diese» Lansmüdeldaseins ste" •nf: die arme Meine ist schwindsüchtig Ter^nirhitn kommt mit Geigenklingen, aber nicht mehr für fte- $ 9 Bald ein End Ijat alle Not Frühling wird's — dann kommt der Tod" Wo haben wir in Deutschland bis jetzt diese Mifchuna von Himmelhochjauchzen und Zutodebetrübtsein gehabt? Und nun tritt die Musik hinzu und vertieft noch die Wirkung. Dem Komponisten Bogumil Zepler ist es in diesem Falle glänzend gelungen, die Kontraste herauszuarbeiten. — Oder „Madame Adele" von Wolzogen. Sie ist eine Brettlkönigin, jung, blond, schön, sündhaft. >?eute hat sie 28.» Mit, bZX°6lt ’Wtln Un8lj b> । Sm.'8 98le» s Abg. Singer (Soz.) erklärt, seine Partei bleibe bei der Behauptung, daß die Religion Privatsache sei, für Stöcker und andere sei sie allerdings Geschäftssache. Man letrachte die Sozialdemokraten als außerhalb der Ver- assung siebend. Es könnte gelingen, ' assungsänderung Deutschland zu einer Republik zu machen. (Heiterkeit.) Die Rechte habe doch auch wiederholt Verfassungsänderungen vorgeschlagen. Giebt es etwas Brutaleres, als wenn die Konservativen täglich für den Brot- und Kornwucher eintreten? (Große Unruhe rechts.) Tie Rechte habe fromme Wünsche für die Arbeiter; die Partei )es Redners wünsche, daß es den Arbeitern auf Erden gut gehe, und wenn es ihnen dann noch im Himmel gut gehe, hätten die Sozialdemokraten nichts dagegen. Was diese Vorschlägen, sei zum Besten der Gesamtheit; womit die Rechte komme, sei zum Besten der privilegierten Klassen! (Heiterkeit rechts.) Hundsgemeineres und ekelhafteres als die Behauptungen des Abg. Stöcker bezüglich des „Vor- wärls"-Artikel vom 18. Januar habe ich noch nicht gehört. Für die Rechte sei die Kanalvorlage nur ein Kompensntions- objekt für hohe Getreidezölle. (Widerspruch rechts.) Tazu wurde die Erklärung des Reichskanzlers abgegeben in einem Hause, das nur als Karrikatur der Volksvertretung bezeichnet werden kann. wodurch wir die Grundzahl zur Gesamtsteuer erhallen. Bedarf nun die Stadt Gießen an direkten Steuern 600000 Mark, so wären an Gemeindeeinkommensteuer zu zahlen 95,006 Prozent der Slaatseinkommenfteuer gleich 380025 Mark und an Gemeinderealsteuern 190,012 Prozent der Grundzahlen gleich 219 975 Mk. Die Heranziehung zur Einkommensteuer erfolgt grundsätzlich am Wohnsitz des Steuerpflichtigen; für Personen, die außerhalb Hessens wohnen, aber an dem Orte des Grundbesitzes ober Gewerbebetriebs. Jedoch sind diese in dem Falle von der Steuer entbunden, wenn der Staat ihres Wohnsitzes in gleichem Falle Angehörige Hessens zur Gemeindesteuer nicht heranzieht. Gewerbsgehilfen und Dienstboten, die von ihren Herren bei einem Einkommen von weniger als 500 Mark Kost und Wohnung erhallen, sind (feuerfrei, während andere Gemeindeglieder bei weniger als 500 Mark Einkommen zur Steuer herangezogen werden und zwar bei 300 Mark mit 0.60 Mark, bei 400 Mark mit 1.50 Mark und bei 500 Mark mit 3 Mark. Die Eisenbahnen sind gleichfalls mit ihrem Einkommen an den Orlen steuerpflichtig, an denen sie Personen- oder Güterabfertigungsstellen besitzen, und zwar mit dem Betrage des Ueberschusses der Einnahme über die Ausgabe nach Abzug einer dreieinhalb prozentigen Verzinsung. Personen mit mehrfachem Wohnsitz werden mit entsprechenden Bruchteilen zu den einzelnen Gemeinden herangezogen, ähnlich wie die Gewerbebetriebe, die sich auf mehrere Gemarkungen erstrecken. Mit Rücksicht darauf, daß die staatliche Steuerreform in ihrer Wirkung noch nicht zu überblicken ist, soll der vorliegende Gesetzentwurf nur einen interimistischen Charakter tragen, bis später diese Materie definitiv geregelt werden kann. -j- SSÄftfg. «Öfe itn,St”b S,i- v“9 "« b r S’ L-vZ UV-? Nr?L ÄTJ^-oB <ÜL Sje.M über die ‘ Vh- Vschei ipigen, die den Polizei« besaß das Vertrauen irde er krank, und so vertreten. Da dieser iefc er Meyer um bie b als bitfe nidjt aui» t zu demselben Zweck - Dinge twM nnb t werbe \\t selbst bei der Polizei Ches aus n sein Kabinett, auS Schnstbündeln wieder :e, ließ er durch einen rchen und Meyer ein« Schränke und Schild- ichte seine Schlüssel, nn auf Grund seines $u entfernen. Was rtung: W und iu8 denen hervor- tSvolizri in der srern der reaktro« ßmtomime mit W# ms eigmM S SkZZ en herrn^ Pflichten treten --H "’e Sfam * jilt H , “LiwiW SÄ« 1SL « lS blt | hl'lW1 ' Hi* Er vul ((t dem VH^ i****’'**’ wären Partei in engen Beziehungen gestanden hatte und ihnen Material zu Angriffen gegen die Regierung lieferte. Ja, noch mehr: im doppelten Boden eines Kastens entdeckte man eine vollständige elektrische Batterie mit Mikrophonen, sogenannten „fils lumidre“, die oürch die Fußböden und Wände hindurch nicht nur in die Kabinette des Präfekten und des Generalsekretärs, sondern auch in den Speisesaal und das Schlas wimmer des Präfekten führten, der so regelrecht von früh bis spät ausspioniert werden konnte. Meyer scheint noch nicht verhaftet, sondern erst abgeletzt worden zu sein. Aus Stadt und Kund. Gießen, den 29. Januar'1901. L.U. Dou der Universität. Dank der Munifizenz der Großh.Regierung ist der hiesigen Universitätsbibliothek jüngsthin eine interessante und wichtige Sammlung zugeführt worden: der handschriftliche Nachlaß Dr. L. Max Weigands, der im Jahre 1878 hier als Professor der deutschen Sprache und Litteratur verstarb. Er besteht aus Weigands Kollegienhefteu, den Handexemplaren seiner Schriften (mit zahlreichen Randbemerkungen und Nachträgen) und, was von besonderem Wert ist, aus einer umfangreichen Sammlung au Weigand gerichteter Briefe von deutschen Ge lehrten (etwa vom Jahre 1845 ab bis zu seinem Todesjahre). Eine ganze Anzahl bekannterer Namen ist darunter vertreten, so: Th. Creizenach, L. Dieffenbach, Frommann, Hoffmann von Fallersleben, Lexer, E. Steinmeyer, I. ZacherS. Fr. Zarncke u. a. m. •• Oberhesfischer Geschichtsverein. Dr. C. Lange aus Nieder-Olm schrieb vor einigen Tagen an den Vorstand des Oberhessischen Geschichtsvereins, daß er beabsichtige, dem Verein zwei Stammbücher von einstigen Gießener Studenten aus den 70er und 90er Jahren des 18. Jahr- Hunderts, ferner den Brief eines Gießener Studenten von 1821, sowie Bleistiftzeichnungen von Ludwig Lange aus Darmstadt als Geschenke zu überreichen. Oberlehrer Dr. Bernbeck, der Schriftführer des Vereins, hat Dr. Lange bereits den wärmsten Dank für die in Aussicht gestellten schätzenswerten Geschenke ausgesprochen. ** Todesfall im Gefängnis. Am SamStag Abend wurde in das hiesige Leichenhaus auf dem Friedhöfe die Leiche eines im hiesigen Arresthause verstorbenen Mannes gebracht, der als Judenmissionar wegen Betrugs in Untersuchungshaft saß. Der Judenmissionar namens Feiger hatte, wie uns nach seiner Festnahme in Lich seinerzeit geschildert wurde, eS als solcher verstanden, unter dem Vorwande, der Heiland habe ihn gesandt, der Heiland brauche Geld, die geistig nicht normalen Geschwister M. in Lich zu veranlaffen, die bare Summe von 6000 Mk. ihm zu geben, nach deren Empfang er sich entfernte. Bei einem späteren zweiten Versuch wurde er in Lich verhaftet. Der Verstorbene soll im Alter von zirka 50 Jahren gestanden haben und aus Berlin gewesen fein. ** Bezüglich der Versicherung von Mobilien in Feuer- oerficherungsanstalten ist der zweiten Kammer der Stände ein Gesetzentwurf zugegangen, der eine Aenderung des Gesetzes vom 25. November 1871 in der Weise vorsieht, daß die Steuer der im Großherzogtum zum Geschäftsbetrieb zuge- laffenen Mobiliar-Feuerversicherungsanstalten vom 1. April 1901 ab statt wie früher jährlich 2 pCt. künftighin 3 pCt. der Brutto Prämieneinnahme betragen soll. Begründend wird darauf hingewiesen, daß manche Staaten die Feuerversicherungsanstalten bis zu 5 pCt. heranziehen und daß die gegen früher wesentlich verbesserten Feuerlöscheinrichtungen den Anstalten selber in hohem Grade zugute kommen. Durch die Erhöhung der Steuer um 1 pCt. soll ermöglicht werden, daß aus der Landesfeuerlöschkaffe nunmehr auch zu der so notwendigen Uniformierung der Mannschaften, zur Erbauung und Unterhaltung der Spritzenhäuser und mehr als seither zur Unterstützung verunglückter Feuerwehrleute und ihrer Ang ehörigen Mittel verwilligt werden können. Die Abgg. Ulrich und Köhler (Langsdorf) haben einen weiter gehenden Antrag eingereicht, der die Verstaatlichung der Mobiliar-Feuerversicherung im Großherzogtum herbeiführen soll. Diesem Antrag glaubt die Regierung nicht zustimmen zu können. Ganz abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, die sich bei einer erfolgreichen Durchführung ergeben werden und daß der hessische Staat für die nächste Zeit an weit wichtigere und dringendere Aufgaben auf wirtschaftlichem Gebiete herantreten will, so hat eine von der Centralstelle für die Landesstatistik angefertigte Zusammenstellung der Prämien-Einnahmen und Entschädigungssummen ergeben, daß der Reingewinn dieser Anstalten keineswegs so verlockend fei, um eine Uebernahme durch den Staat herbeizuführen. Die Regierung glaubt daher genug zu thun, wenn sie eine Erhöhung der von den Anstalten zu entrichtenden Steuer um 1 pCt. eintreten läßt. — Wenn nur nicht die Feuerversicherungsanstalten die erhöhte Steuer auf das Publikum abwälzen, was umsomehr zu befürchten ist, als die Regierung selber zugiebt, daß der Reingewinn kein hoher sei. w. Nidda, 28. Jan. Der in Darmstadt neulich verunglückte Dragoner war aus Nidda. Es ist so gut wie sicher, daß ein Unglücksfall, aber fein Selbstmordversuch vorliegt. 4- Bermuthshain, 27. Jan. Trotz der sehr ungünstigen Witterung bewegte sich heute nachmittag ein stattlicher Trauerzug durch unfern Ort nach dem Friedhof. Der 28 Jahre als Gemeinde-Einnehmer hier thätig gewesene Sebastian Eschenröder I. wurde zur letzten Ruhe begleitet. Er stand in gutem Ansehen sowohl hier als auch in der Umgegend. 4- Hartmannshain (Kreis Schotten), 27. Jan. Gestern nachmittag 1 Uhr fand in der Wirtschaft von Schmalbac; eine Versammlung in Betreff der Nebenbahn Greben- hain—Crainfeld—Gebern statt. Anwesend waren Vertreter der Kreisämter Schotten und Lauterbach, sowie die Bürgermeister resp. deren Stellvertreter der in Betracht ommenden Gemeinden Grebenhain, Bermuthshain, Hart- mannshain, Herchenhain, VolkartShain, Ober-Seemen und Gedern. Die Bahn soll nahe an Hartmannshain Vorbeigehen, Da bei dieser Strecke, die viel kürzer ist, etwa 1 Million Mk gespart wird. Die Angelegenheit wird noch einmal im Land- age zur Besprechung kommen. In 2 Jahren soll die Strecke chon befahren werden. Von den Bürgermeistereien werden >emnächst für jede Gemarkung 2 Personen zur Abschätzung >eS Geländes dieser Strecke ernannt. Somit ist nun endlich liefe Frage zum enbgiltigen Abschluß gekommen. w. Büdingen, 28. Jan. Zur Zeit bestehen in unserem kreis in 35 Orten Pfennigsparkassen. Nach der lieber icht über die GeschäftSthätigkeit dieser Kassen von 1899 be- rug die Zahl der Einleger am Anfang des Jahres 2370, lie ein Guthaben von insgesamt 111 306,43 Mk. besaßen. Im Jahr 1899 wurden 42 300,49 Mk. eingelegt und 31445,08 Mk zurückerhoben. In Borsdorf, Düdelsheim und Ober-Widdersheim haben sich die Pfennigsparkassen aufgelöst. Darmstadt, 28. Jan. Heber die Beerdigun gSfeier lichkeiten für den verstorbenen Generalmajor Frhr. von Senarclens-Grancy in Petersburg berichtet die „Darmft Ztg." folgendes Nähere. Die Ueberführung derLeiche aus dem Winterpalais in die lutherische St. Petri-Kirche erfolgte am 7. (20.) Januar abends. Anwesend waren der Großherzog, Großfürst Wladimir und Großfürstin Maria nebst Kindern. Am 23. (10.) Januar, vormittags, wurde in der St. Petri-Kirche am Sarge des Dahingeschiedenen Gottesdienst in Gegenwart dcs Großherzogs und der Großherzogin, der Großfürstin Sergius, der Familie des Großfürsten Wladimir, sowie der Gemahlin, des Sohnes und der Schwester des Verstorbenen und zahlreicher Würdenträger und Vertreter des diplomatischen Korps abgehalten. Die Predigt hielt Pfarrer Walter; ein Sängerchor umrahmte diese mit den Liedern „Jesus, meine Zuversicht" und „Wenn ich einmal soll scheiden" und fang nach der Einsegnung das „Wie sie so sanft ruh'n". Zahlreiche Kränze, darunter von den Kaiserinnen von Rußland, von dem Großherzog, den Großfürsten, von der Großh. Hess. (25.) Division, von den Großh. Oberhof- und Hofchargen und den Offizieren der Großh. Generaladjutantur, schmückten den Sarg. Nach der Einsegnung wurde der Sarg vom Kaiserlich russischen Adjutanten und den Herren des Gefolges des Großherzogs aus der Kirche zum Leichenwagen verbracht. Hierbei salutierte bie Trauerparabe, bestehend aus einem Bataillon des Garde- Regiments Preobraschensky und einer Garbebatterie zu vier Geschützen. Nach l^-stündigem Wege langte ber Kondukt am Smolensk-Kirchhofe an, wo der Verstorbene beigesetzt wurde. Bei der Einsegnung wurden Gewehr- und Geschützsalven abgegeben. Offenbach, 28. Jan. Jrn Juni 1900 faßte die Stadt- verordneten-Versammlung den Beschluß, alle amtlichen Bekanntmachungen der nationalliberalen „Offenb. Ztg." und dem sozialdemokratischen „Offenb. Abendbl." zu gleicher Zeit zugehen zu lassen. Oberbürgermeister Brink beanstandete beim Kreis-Ausschuß diesen Beschluß, indem er darauf hinwies, daß bei dem Zustandekommen des Beschlusses ein Privatbeteiligter, der Stadtverordnete Ulrich, der Drucker und Verleger des „Offenb. Abendbl." sei, mitgewirkt habe. Der KreiSausfchuß erkannte, daß dem Rekurs des Oberbürgermeisters Brink nicht stattgegeben werden könne. Gegen diese Entscheidung meldete der Oberbürgermeister Rekurs beim Provinzialausschuß an, ber in seiner letzten Sitzung entschied, baß der Kreisausschuß in dieser Frage nicht zuständig gewesen sei, die Entscheidung habe zunächst nur dem Kreisamt zugestanden. Mit dieser Entscheidung erklärten sich die Stadt- verordneten in ihrer letzten Sitzung nicht befriedigt und beschlossen, in der Angelegenheit bie Entscheibung ber höchsten zustänbigen Behörde anzurufen. Mainz, 27. Jan. Sonntag morgen wurde an der Wagenthüre des Artillerieschuppens auf der EiSgrube ein junger Mensch von etwa 19 Jahren in sitzender Stellung erhängt aufgefuuden. Der Unglückliche stammt von hier, war elternlos und ein Krüppel. Bingen, 27. Jan. Der Küfermeister Kirschner ist unter Zurücklassung von Frau und Kindern verschwunden. Jetzt hat er von Basel auS einen Brief hierher geschrieben. Vor seinem Verschwinden hat er noch auf den Namen seines Schwiegervaters einen Wechsel im Betrage von 1470 Mk. gefälscht. Vermischtes. i • Hüll, 28. Jan. Ein neuer Pestfall ist im hie- > sigen Hospital konstatiert worden. • Haag, 28. Jan. Bier Schiffer, die sich auf eine i Eisscholle gewagt hatten, versanken plötzlich und konnten i bis jetzt nicht aufgefuuden werden. > * Das Einkommen des englischen Königs. - Als der bisherige Prinz von Wales heiratete, gewährte ihm, t altem Brauche gemäß, das Parlament seine eigene Zivilliste, i Gladstone sagte damals: „Der Prinz nennt nicht einmal ein paar Silberlöffel sein eigen", und Palmerston schlug - vor, dem Prinzen ein jährliches Einkommen von 40000, der Prinzessin von 10000 Pfd. St. zu gewähren. Dazu kamen noch die Einkünfte des Herzogtums Cornwall, die sich au etwa 60 000 Pfd. St. jährlich beliefen. Nun sollte man n zwar glauben, daß 2J/4 Mill. Mk. per Jahr ein ganz nettes c Einkommen sei: bedenkt man jedoch, welch' große Summen 3 die Repräsentation und Wohlthätigkeit verschlingen, so wird - man zugeben, daß das kronprinzliche Paar nichts übrig :. hatte. Eine der Merkwürdigkeiten englischer Gesetze um t Bräuche nun ist es, daß ber neue König gar kein Einkommen hat. Seine Zioilliste als „Prinz von Wales" ist mit dem Tage erloschen, an bem er aufhört, es zu sein. Seine Zivilliste als König hingegen muß ihm erst vom Parlamente gewährt werben, benn sie ist nicht mit dem '- Regierungsrechte als solchem verbunden, sondern muß dem e jeweiligen Inhaber des Thrones von Fall zu Fall aufs Neue t durch Abstimmung zuerkannt werden. Das Einkommen der verstorbenen Königin war, nach ihrem Aufgeben gewisser Krongüter, vom Parlament auf 385 000 Psd. St. festgesetzt worden, und dem eben zu einer außerordentlichen Session zufammengetretenen Parlamente werden wahrscheinlich ähnliche Vorschläge gemacht werden. Doch würden — wie die „Westminster Gazette" hervorhebt — sich bei ber Lösung biefer Frage „Schwierigkeiten ergeben". Immerhin steht nicht zu befürchten, baß ber neue König werbe Hunger leiben oder zu Gelbverleihern feine Zuflucht nehmen müssen. "EinPrunkmobiliarfürden Kaiser ist gegenwärtig im Berliner Kunstgewerbemuseum zur öffentlichen Besichtigung ausgestellt. Es ist eine Barockeinrichtung für einen Salon und eine Rokokoeiurichtung für ein Schlafzimmer. Barock und Rokoko find die beiden Stilarten, welche für den Kaiser vorzugsweise in Betracht kommen, wenn er Neuanschaffungen von Möbeln für eines der köing- 'ichen Schlösser anordnet, weil diese selbst fast ausschlietz- lich in diesen Stilen eingerichtet sind, und der Kaiser größten Wert darauf legt, daß der ursprüngliche Geist, aus welchem heraus die Schlösser entstanden sind, erhalten bleibe. Beide Zimmereinrichtungen waren in der Pariser Weltausstellung ausgestellt, und da schon bei ihrer Her- tellung dieser Nebenzweck ins Auge gefaßt war, so erflärt ich daraus zum Teil die außergewöhnlich prunkvolle und kostbare Ausführung der Möbel. Die im Stile Ludwigs XV.. gehaltene Schlafzimmer-Einrichtung besteht aus einem Paradebett, einem dreiteiligen Toilettenschrank, zwei Kommoden und Büchergestellen, einer Standuhr und einem Theetisch, ferner einem Schreibtisch, einem Prunkkamin und einem Blurneutischchen, wozu noch gestickte Seidendecken, Teppiche, Gobelins, Leuchter, Vasen und Uhren gehören. Alle Möbel sind aus kostbaren Hölzern geschnitzt und mit reichen, feincifelierten Goldbronzebeschlägen und Dekorationen versehen. Satinholz, Königsholz, Eedern-, Rosen-, Arnaranth- und Palisanderholz bilden das Material ür die überaus kunstvollen Schnitzereien und bringen m hreu verschiedenartigen Zusammenstellungen einzigartige Farbenwirkungen hervor. Neben diesen graziösen, zierlichen Rokokomöbelu, bei denen die natürliche Farbe und Struktur der verschiedenen Holzarten eine, überaus glückliche, dekorative Verwendung fanden, nimmt sich die vergoldete, massige Barockeinrichtung beinahe steif aus. Die Einrichtung besteht aus einem Prachttisch mit wundervoll Heller Marmorplatte, Sofas und Sesseln mit steilen Lehnen und. großgeblümten Bezügen aus grünem Seidenrips. Die Holzteile weisen ebenfalls reiche Schnitzarbeit auf, durch die Vergoldung aber werden die zarten Formen mehr oder weniger verwischt und die Ornamentik erscheint steif und spröde, im Gegensatz zu den überaus weichen und zarten Formen, welche bei den Rokokomöbeln der Ciseleur aus der Bronze herauszuarbeiten wußte. Das läßt sich nun aber nicht ändern, denn die Vergoldung gehört eben zum Charakter der Barockmöbel, und streng stilgerecht mußte ja auch diese Einrichtung sein. Für die Leistungsfähigkeit des deutschen Kunsthandwerks legen die königlichen Prunkmöbel, welche aus den Werkstätten zweier, als hervorragend tüchtig bekannter, Berliner Kunsttischler hervorgegangen smd, neuerdings rühmliches Zeugnis ab. UnwersiWs-Uachrichten. — Prof. Dr. Hermann Käst in Karlsruhe, zweitem Beamten der Großh. Münzverwaltung, wurde die Stelle eines Assistenten an der Landesgewerbehalle übertragen. — Der Privatdozent an der Universität in Wien Dr. F. Schmid ist zum a.-o. Professor der Statistik, sowie der Verwaltungslehre und des österreichischen Verwaltungsrechtes an der Universität Innsbruck ernannt worden. — Zum Nachfolger des nach Bonn berufenen Professors Dr. K. D. Bülbrtng wurde Dr. I. H. Kern, Privatdozent an der Universität Leiden, zum Profeffor für englische Sprache und Litteratur an der Universität Groningen ernannt. — An der Dominikaner - Lehranstalt Freiburg i. d. Schwei- wurde Pater v Langen-Wendels zum Profeffor für praktische Moral ernannt. An die Stelle des zum Bundesrichter ernannten Prof. Perier trat al- Profeffor des Schweizerischen Rechts der Freiburger Staatsanwalt Fr. Philips na. In der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät ist an Stelle von Prof. Arthus, der als Leiter des Pasteur-Instituts nach Lille berufen wurde, Prof. M. Dheri mit dem Lehrstuhl für Physiologie betraut worden. — In Berlin ist der Privatdoz-nt Dr. phil. Hermann Gerlach gestorben. Er hat mehrere theologische Schriften („Die letzten Dinge" und „Schleiermacher, Staatskirchentum und Religionsfreiheit" rc.) verfaßt und war auch journalistisch thätig. — Geheimrat Prof. Dernburg in Berlin ist am Montag am Schluffe seines Kolleges von einem leichten Schlaganfall betroffen worde,«. Nach der Ansicht des behandelnden Arztes Geheimrates Dr. Mend-l dürfte der Unfell ohne ernstere Folge« vorübergehen. Landwirtschaft. w- Friedberg, 28. Jan. Die letzte Faselbesichtigung durch die Körkommission hat gezeigt, daß sich in unseren Kreisgemcmden Dank der Belehrung und Anleitung durch den Landwirtschaftl. Verem und die Direktion der Landwirtschaftl. Winterschule die Viehzucht recht gehoben har. Von den 173 im Kreis ausgestellten Bullen befanden sich nicht weniger als 100 in guter, 15 in sehr guter Pflege. Bei 43 war die Pflege genügend und nur bei 12 schlecht und bei 3 ungenügend. Der S.mmen- thaler Raffe gehören 55, Simmenthaler Kreuzung 113 und der BogelS- berger Raffe 5 Bullen an Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Billiges Brandmateriai. Wie uns mitgeteilt wird hat man in der Nähe von Wilhelmshöhe bei Kaffel eine ganz vorzügliche Braun- und Schwarzglanzkohle gefunden und bereits tmt der Förderung der ersteren Sorte begonnen. Die Kohle soll, soviel wir von Interessenten gehört haben, sich gegenüber den bisher bekannten Braunkohlen in Betreff des Heizeffektes zu ihren Gunsten unterscheiden und auch für jede Feuerung, für Hausbrand wie für Jndustriezwecke, geeignet sein und somit einen Ersatz für Steinkohlen bieten. Es steht außer Frage, daß bei der billigen Fracht von Wilhelmshöhe bis in unseren Kreis diese Kohle als brauch bares Produkt dazu angethan ist, eine Umwälzung auf dem Kohlenmarki herbeizuführen. Auch ist mit besonderer Freude zu begrüßen, daß die Braunkohlenbergbau-Gewerkschaft „Ver. Glückauf Kaffel" das neue Produkt in verschiedenen, gleich für den Gebrauch fertigen Sorten auf den Markt bringt, indem sie Nuß I unv II, Stücke, Melierte, Grus sowie aufgebefferte Melierte Kohlen zu angemeffenen Preisen versendet. — Dos neue Brandmaterial dürfte bald bei den Konsumenten Eingang finden und eine längst ersehnte Hilfe in der großen Kohlennot und Feuerung schaffen. »erlitt, 28.Jan. Die Aktionäre der Deutschen Grundschuldbank beschlossen, in dieLiquidation einzutreten und wählten drei Liquidatoren. Ferner wurde mitgeteilt, daß die bestehenden Differenzen mit der Preutz- Hypotheken-Aktienbank wegen 41,6 Millionen minderwertiger Hypotyek- mögen de» Friseur« K. Conrad in Gießen habe ich ein Verzeichnis der bei bei Schlußverteilung zu berücksich tigenden Forderungen zur Einsicht der Beteiligten auf der Gerichtsschreiberei Großherzogl. Amtsgericht Gießen niedergelegt Die Forderungen betragen JL 2488,71 während der ^'sion Wilk fditttnann, Sanac^r 22 950 Va. Lpeisekarloffklu (magnum bonum) empfiehlt 46 I Weisel, SomeuÄllke 6. Herren Philipp Strobel, Konzerteänger (Bariton), Ott® Soldan, Konzertmeister (Violine), beide aus Marburg, und Wilhelm Schmidt, Gymnasialgeeanglehrer und Kantor aus "Wetzlar Emser Pastillen mit Plombe, dargestellt aus den echten Salzen der König Wilhelms-Felsenquellen, sind ein bewährtesMittel gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung, Magenschwäche und Verdauungsstörung. Zum Gurgeln, Inhaliren und zur Verstärkung des Emser Wassers beim Trinken benutze man das aus den nämlichen Quellen hergestellte natürliche Emser Quellsalz mit Plombe. Um keine Nachahmungen zi» erhalten, beachte man, dass jede Schachtel mit einer Plombe Donnerstag: den 31. Januar, abends S Uhr9 im Saale des Hotel zum Grossherzog von Hessen: Konzert (Klavierbegleitung). Programm. 1. Noctumo (op. 27 Ko. 2) Chopin-Wilhclmy. Capricio Valse, Wieniawsky. 2 Mondnacht; Die beiden Grenadiere, An den Sonnenschein, Schumann. 3. Fantasie Caprice, Vieuxtemps. 4. Gute Nacht; Doppelgänger; Frühlingsglaube, Schubert. 5. Adagio a. d. 9. Konzert, Spohr. 6. Die Zigeunerin; Ich hab dich lieb,. W. Schmidt. Bajazzo - Prolog, Leoncavallo. 7. Konzert-Fantasie, 0. Soldan. 8. Das Erkennen; Tom der Reimer, L5we. Das Stelldichein, Schumacher. Karten im Vorverkauf ä 2 und 1 Mk. (Studierende 1 Mk.) is der Musikalienhandlung des Herrn Challier, sowie 50 Pfg. teure» dDchrere beffere Mädchen für beff. Herrscbaflen nach hieru.auöw. ges. Frau Hütten berger,Seltersw.67 Am Samstag dem 2. Aeöruar, «»fangend am Kohlbusch am Nouueuröther Weg, morgens IO Uhr: Bauholz- u. Derbstangen- Versteigerung. 20 Fichten Schnittholz, 28 bis 47 cm Durchmesser, 3 bi« 20 m Lange — 314t/iee fm, 13 Kiefern - Schnittholz, 32 bis 40 cm Durchmesser, 4 bi« 15 m Länge — 9*/ioo f™, 15S Kiefern-Ttämme, 18 bis 27 cm Durchmesser, 5 bis 18 m Länge — 68,11 fm, 22 Aichteu-Ttämme, 20 bi« 28 cm Durchmesser, 4 bis 21 m Länge — 11,14 fm, 11 Lärcheu-Ttäwme, 14 bis 22 cm Durchmesser, 12 bis 16 m Länge = 3,13 fm, 1247 Fichten-Derbstangen — 71,8 fm, geeignet zu Wallach; M.Krause,Hirschapotheke; in der Engelapotheke und in den Apotheken und Drogenhdlg. 702 Jeder Voselliebhaber sollte seine Vögel mit Ainkenstedt'S Vogelfutter füttern, dasselbe enthält in großer Mannigfaltigkeit alle diejenigen Samen, welche die Vögel in ihrer Freiheit zu finden gewohnt sind und erhält dieselben daher stets muntc, gesund und sangesfreudig. 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S einigen Mitglieder tuf der „dohenzoli tuet) Lord Roberts, fchen Admirals, em zollern". Die Bef Musik spielte bie !hee auf der der Kaiser und der Familie wieder nm In Berlin w Gottesdienste in d Albrecht mit seinen offizielle Essen sta Offiziere des Großt 100 Offiziere des R> einigt. Der Kaiser f) sebetär des Ausvät den nis ’S -ellenz verliehen. In München urlaubtenstandes zu dachte in seiner Kaiser Wilhelm feil begehe. Weiter bet strebt sei, dem D ^er Feldzug ge nur eine debitier, meld Äat l-chh°b derPrinz, W aus Bayern ^?gte, die Tha dem übrigen bei 2 !° großer Jgbl ■ &&& Mit», u, abc fc feit eiS« w Sfwiit feiL S'n.Oj ffk S,'a,"be.