Nr. 281 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 29. November 1901 Erscheint täglich mu Ausnahme des Montags. Vie Giehener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt* und den ^Blättern sür , hessische Volkskunde* viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Erpeditlov und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« ui der fiir den solgenoen 2ag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle ^lnzeigcn-Vermitt« lungSstellen des In-und Auslandes nehmen An» zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'scheu Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: HanSBeck. Volitische TagesschM. AuS dem Rcichshaushslls Etat. Aus Berlin, 27. November, wird uns geschrieben: Es schien, daß auch diesmal der Inhalt des Reichshaushaltsetats tropfenweise in die Presse gebracht werden würde. Mehrere Zeitungen waren in der Lage, über Einzelheiten des Etats der Reichspostverwaltung Mitteilungen zu machen, über deren Erlangung man, so hieß es, in Regierungs- Weisen „erstaunt^ gewesen sein soll. Nunmehr ist die „Nordd. Allg. 3*9*" damit betraut worden, die wichtigsten Positionen aus dem Reichshaushaltsetat der Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Der Etat der Militärverwaltung, auf den sich die besondere Aufmerksamkeit wegen der zu erwartenden Neuforderungen richtet, befindet sich noch nicht unter diesen Auszügen. Hinsichtlich des nächsten Marine-Etats ist die Bemerkung von Interesse, daß der mehrere Millionen betragende Minderbedarf für Schiffsbauten zum größeren Teil durch Herabsetzung der Panzerplattenpreise ermöglicht ist. Die Verhandlungen des Reichstags, worin die Höhe dieser Preise, resp. des an diesen Preisen erzielten Unternehmergewinnes, mit Enschiedenheit bemängelt wurde, sind Also nicht ohne Wirkung geblieben. Die fortdauernden Ausgaben der Marine sind für das Rechnungsjahr 1902 um :b. 7 Millionen höher veranschlagt. Für die Naturaloerpflegung werden mehr verlangt rd. 250000 Mk., u. a. „im Hinblick auf die Steigerung des Brotpreises." Von oen Gegnern der Getreidezoll-Erhöhung dürste diese Begründung zum Hinweis auf die Steigerung der Verpflegungs- «osten im Heer und der Marine herangezogen werden, obwohl -nan auf Seiten der Landwirtschast bestreitet, daß höhere Ge- lreidczölle „notwendig" höhere Brotpreise bewirkten. Der Auszug aus dem Etat des Reichsschatzamts enthält ge- aauc Angaben über das finanzielle Verhältnis des Reiches zu den Bundesstaaten. Darnach sollen für 1902 gegenüber dem Vorjahre vom Reich an die Bundesstaaten weniger überwiesen werden: 7184000 Mk. aus dem Ertrag der Zölst und der Tabaksteuer, 20 338 000 Mk. aus dem Ertrag der Reichs-Stempelabgaben. Dagegen werden die Ileberweisungen aus der Verbrauchsabgabe für Branntwein re. um 824 000 Mk. höher veranschlagt. Ein recht fühlbarer Ausfall für die Bundesstaaten, der es immerhin begreiflich macht, daß verschiedene Regierungen, so die sächsische, den Wunsch nach Erschließung neuer Reichssteuerquellen zu erkennen gegeben haben. Der Etat der Einnahmen des Reiches an Zöllen undVerbrauchs steuern sieht Minderträge insgesamt von rd. 3 Millionen Mark gegen den Anschlag von 1901 vor. Unwesentlich erhöht, nämlich um 10 000 Mk., sind die fortdauernden Ausgaben im Etat für die Reichs-Justizverwaltung. Beim Reichsgericht ist eine Mehreinnahme an Gerichtskosten veranschlagt als Folge der durch das Bürgerliche Gesetzbuch veranlaßten Erweiterung seiner Geschäfte. Der Etat des Reichseisenbahnamts enthält gegenüber dem vorjährigen nur geringfügige Aenderungen. Der Etat der Reichs- d ruck er ei rechnet mit einer um 330 000 Mk. erhöhten Einnahme, da für die Druckarbeiten eine Steigerung des Betriebes zu erwarten sei. Deutsches Wich. Berlin, 27. Nov. Aus Kiel wird gemeldet: Der Kaiser begab sich heute vormittag an Bord des Kreuzers „Thetis". Der Kaiser wurde am Fallreep vom Komman- denten, Fregattenkapitän van Semmern, empfangen. Er schritt die Front der Besatzung ab, und hielt eine Ansprache. Im Anschluß hieran ließ der Kaiser mit dem Offizierkorps und der Besatzung eine photographische Aufnahme machen. — Heute abend verließ der Kaiser das Linienschiff „Kaiser Wilhelm II." und begab sich mit dem Prinzen Heinrich zum Bahnhof. Um diese Zeit traf die Kaiserin von Ploen in Kiel ein, worauf das Kniser- paar um 11 Uhr die Rückreise nach Potsdam antrat. — Me „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Der hiesige Lokal- Änz." veröffentlichte gestern eine Drahtmeldung aus Mel, die mit dem Anspruch auftrat, die „bedeutsamsten Wendungen der von dem Kaiser bei der Vereidigung der Marinerekruten gehaltenen Rede wiederzugeben. Wir sind zu der Erklärung ermächtigt, daß diese Meldung über den Inhalt der Allerhöchsten Ansprache in den Hauptpunkten vollkommen erfunden ist. Insbesondere hat der Kaiser des Krieges 1870/71 mit keinem Worte gedacht. — Kaiser Wilhelm soll als Ausdruck seiner am er ika freundlich en Gesinnung und in dankbarer Erwiderung der unserem Botschafter in Washington, v. Holleben, durch die Ernennung zum Ehrendoktor der' Harvard-Universität erwiesenen Ehre die Absicht zu erkennen gegeben haben, für das germanische Museum der Harvard-Universität Brvnzeabgüsse hervorragender deutscher Denkmäler zu stiften. Es dürften sich unter anderem das Nationaldenkmal auf dem Niederwald, das Berliner Bismarck-Standbild, und die Siegessäule deo Berliner Königsplatzes darunter befinden. — Die Kaiser-Manöver der nächsten Jahres werden in der Gegend von Frankfurt a. M. abgehallen werden. — Zum ersten Vizepräsidenten des Reichs- tageö r : ? Graf Udo Stolberg - W ernigerode (kons.) nur i.u Stimmen gewählt, Singer (Soz.) erhielt 46 Stämmen. 20 Zettel waren weiß. =3 Gras Bülow hat heute seine erste große Soiree als Reichskanzler, einen sogenannten parlamentarischen Abend gegeben. Es waren gegen 700 Per- svnnen erschienen. Neben Ministern und General-Adjutanten des Kaisers sah man Schmoller und Adolf Wagner. Daß die Sozialdemokraten fehllen, beruht aus deren bekannter Zurückhaltung. Auch Polen wurden nicht bemerkt- — Der Kanzler saß zunächst eine Zeit lang m.ll Vircho w, Tiedemann und Menzel zusammen. — Das Befinden des Abg. Dr. Lieber soll sich wesent- üch gebessert haben. — Eine Inte rpellativn wegen der herrschenden Arü eitslvsigkeit wurde von der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion gestern beschlossen. Zur Vorbereitung der ait den Reichskänzler zu richtenden Interpellation wurde eine Kommission von fünf Mitgliedern ein- gesetzt. — Dem Reichstage ging ein Gesetzentwurf zum Schutze des Genfer Neuttalitätszeichens zu; ferner ein Nachtrag zu dem Vertrage des Reiches mtt der d e u t s chen O st a f r i ka- linie betreffend die Postdampferverbindungen mit Afrika. Danach sollen vorübergehend die vereinbarten zweiwöchentlichen Rundfahrten um Afrika durch zwei vierwöchentlichss Fahrten, eine Ostlinie und eine Wesllinie mit gemeinsamem Endpunkte und selbständiger Rückfahrt ersetzt werden können. — Der „Reichsanz." veröffentlicht eine Kaiserl. Verordnung vom 24. November, na chder das Gesetz über die privaten Versicherungsunternehmungen vom 12. Mai mit dem 1. Januar 1902 dem vollen Umfange nach in Kraft tritt. — Ter Reichskanzler teilt dem Reichstage mit, daß der Bundesrat am 14. November beschlossen hat, dieVerweyd- ung von getrockneten Brennesseln und von Baldrianwurzeln zur Herstellung von Schnupf-- tabak zu gestatten und die Surrogatsteuer auf 65 Mark für 100 Kilogramm zu bemessen. Ein Gutachten des Gesundheitsamts über die Verwendung der Brennnessel als Tabaksurrogat ist der Mitteilung beigefügt. — Mit Pension wurden im deutschen Heere in der Zeit vom 1. Oktober bis 15. November, wie auf Grund der amtlichen Mitteilungen festgestellt wird, 64Offiziere Vera bschiedet, nämlich: 3 Generalleutnants, 8 General-- majors, 4 Obersten, 1 Oberstleutnant, 11 Majors, 22 Hauptleute, 6 Oberleutnants, 9 Leutnants. Sie verteilen sich auf die einzelnen Bundeskontignente wie folgt: Preußen 7 Generalmajors- 3 Obersten, 1 Oberstleutnant, 8 Majors, 11 Hauptleute, 5 Oberleutnants, 6 Leutnants (Summa 41); Bayern 2 Generalleutnants, 2 Majore» 6 Hauptleute, 1 Leutnant (Summa 11); Sachsen 1 Generalmajor, 1 Oberst, 5 Hauptleute, 1 Leutnant (Summa 8); Württemberg 1 Generalleutnant, 1 Major, 1 Oberleutnant, 1 Leutnant (Summa 4). Die ihnen zustehenden Pensionen betragen zusammen jährlich rund 240000 Mk. Ohne Pension wurden ferner im gleichen Zeiträume verabschiedet 3 preußische Leutnants, 1 sächsischer und 1 württembergischer, während ohne Pension zur Reserve und Landwehr 4 preußische Oberleutnants, 10 preußische Leutnants, 1 württembergischer und 1 sächsischer Leutnant übergeführt wurden. Der Gesamtabgang an aktiven Offizieren beträgt somit in den angeführten 6 Wochen 85 Köpfe. — Der Zentral-Ausschuß der Reichsbank war heute vovmlltag zu einer Sitzung versammelt. Präs. Dr. Koch bemerkte int Anschluß an die Wochenübersicht vom 23. November, daß die Anlage, die sonst in der dritten Novemberwoche abzunehmen pflege, sich infolge Diskontierung größerer Beträge von Schatzanweisungen beträchtlich gesteigert habe. Die jetzige Anlage sei zwar Heiner als 1899, überschireite aber die vorjährige um 109 Millionen, im Wechsel- und Lombardverkehr freilich nur um 21 Millionen. Der besondere Ursprung der Mehranlage zeige sich in den übrigen günstigen Positionen des Status. Das Metall mit 948 Millionen sei um 123 Millionen stärker als 1900, um fast 200 Millionen gegen 1899, die fremden Gelder um 138 bez. 104 Millionen stärker, die Notenreserve um 249 Millionen größer als im Vorjahre, während die Reichsbank 1899 noch mit 52 Millionen in Steuerpflicht gewesen sei. Der Privatdiskont sei niedrig, etwa 1 einviertel Prozent unter dem Vorjährigen. Die fremden Wechselkurse seien uns, nicht ungünstig. Gold fei, wenngleich zu geringen Beträgen, ins Land geflossen, und stehe noch in Aussicht. Danach- bestehe kein Grund für eine Diskonterhöhung, obschon eine wettere Anspannung bevorstehe und sich bereits zeige. Der Zentralausschuß war ohne Diskussion mit den Ausführungen einverstanden. Sodann ffcimmte derselbe der Zahlung einer Abschlagsdividende von 1 dreiviertel Prozent, vom 18. Dezember ab bei, und hatte gegen die Beleihung verschiedener Arten Stabtschuldverschreibungen nichts zu erinnern. Weimar, 27. ÄLov. Der Finanzminister beantwortete eine Anfrage wegen der Stellung zum Zolltarif dahin, die Regierung habe dem Entwurf zu gestimmt, weil er geeignet sei, einen Ausgleich der wirtschaftlichen Interessen sowie den Abschluß langfristtger Handelsverträge herbeizuführen. Ko bürg, 27. Nov. Vor kurzem waren die Groß- herzogin von Hessen und Herzogin-Witwe Marie verschiedene Male hintereinander in dem nahe bei Koburg gelegenen Dorfe Niederfüllbach, wo sich ein dem König Leopold von Belgien und der Kaiserin Charlotte von Mexiko gemeinsam gehöriges Schloß nebst prachtvollem, idyllisch gelegenen Parke befindet, das die beiden Damen eingehend besichtigten. Mannheim, 27. Nov. Das Lokalkomitee der nächstjährigen Generalversammlung der Katholiken Deutschlands hat sich gestern abend konstituiert und den Abg. Gießler zum erstem Nahenden gewählt- Ausland. Ltondvn, 27. Nov. In der katholischen Kirche in Farmstteet fand eine Requiem-Messe für den Grafen Hatz- feldt statt, der Vertreter des Königs, der Königin, des Prinzen von Wales, der Regierung, der gesamte Stab der deutschen Botschaft und das auswärtige diplomatisck)e Korps beiwohnten. Graf Hermann Hatzfeldt und Graf Metternich vertraten die Leidtragenden und die deutsche Botschaft. Lord Salisbury war unpäßlich und genötigt, das Zimmer zu hüten; es war ihm daher nicht möglich, dem Requiem für den Grafen Hatzfeldt beizuwohnen. (Zuerst Chamberlain, dann Balfour, jetzt Salisbury „unpäßlich". Tas giebt zu denken . . . D. Red.) — Ein in London ansässiger Kommerzienrat Karl Tuch mann schlägt in einer Zuschrift an die „Times" die Abhaltung von Versammlungen der Deutschen Londons und Englands vor, um gegen die „Vierleumdungen des Charakters der britischen Soldaten und die schändlichen Insinuationen gegen die britische Ehre" zu protestieren. Die „Times" bemertt dazu: „Wir bezweifeln nicht, daß Herr Tuchmann die Gesinnungen der überwältigenden Mehrheit der deutschen Bürger Englands ausdrückt, doch scheinen ihre Beziehungen zu ihren Freunden in der Heimat nicht den Haß zu mildern, mit welchem wir in Deutschland betrachtet werden." Brüssel, 27. Nov. Das hiesige Auswärtige Amt hat von der deutschen Regierung erwirkt, daß der Zo l l s a tz auf aus Belgien nach De u t s ch l a nd eingeführte H o l z s chu h e von 18 auf 3 Mark reduziert wird. Paris, 27. Nov. Ter Kriegsminister beabsichtigt, den Offizieren weitere Zugeständnisse betreffs der Frage ihrer Verheiratung zu machen. Es soll nunmehr auch der Artikel abgeschafft werden, wonach die Offiziere verpflichtet sind, vor ihrer Verheiratung ihren Vorgesetzten Angaben über die Verhältnisse der Braut zu machen und wonach dann von diesen Erkundigungen über die Ehrbarkeit der Betreffenden einzuziehen sind. — Ter frühere französische Gesandte in Peking, Pichon, erklärt, daß keine den Gesandten angehörende Dame an den Plünderungen in Peking teilgenommen habe. Dieser Vorwurf könne nur zwei Ausländerinnen treffen, die in Peking wohnten. Versteigerungen hätten allerdings Monate hindurch stattgefunden, aber in einer anderen Gesandtschaft und unter Leitung eines Offiziers dieser Gesandtschaft. Pichon deutet an, daß dieser Vorwurf die englische oder die amerikanische Gesandtschaft treffen soll. — Dem „Matin" zufolge ist das von den englischen Behörden wegen des Verdachts, Kriegskontrebanbe zu führen, seit einiger Zeit bewachte Schiff bestimmt, nach Antwerpen zu fahren und dort 100 000 Gewehre für eine südamerikanische Republik an Bord zu nehmen. Diese Gewehre sollen für die Schweiz bestimmt, aber von dieser abgelehnt worden sein. Neapel, 27. Nov. Hier sind zwei Dampfer aus Shang» Hai mit 25000illustrierten chinesischen Prachtwerken an Bord, eingetroffen. Tiefe Werke, welche aus dem kaiserlichen Palaste in Peking entwendet worden sind, sollen angeblich der N a tr onalb i b li o th e/ö einverleibt werden. Tie Blätter fordern die Regierung auf, dem Beispiele Frankreichs folgend, die Bücher wieder nach China zurückzusenden. Wien, 27. 9dov. In der heutigen Plenarversammlung der Produktenbörse wurde der neue Gesetzentwurf betreffend die Reform der landwirtschaftlichen Bö r f en beraten und einstimmig beschlossen, an den L>an- delsminister eine Vorstellung zu richten, die gegen die Strafbestimmungen, ferner gegen die auf Beseitigung des Selbstverwaltungsrechtes abzielenden Maßnahmen und endlich gegen biejenigen Bestimmungen Stellung nimmt, die eine verkehrshemmende Wirkung befürchten lassen. Belgrad, 27. Nov. In der heutigen Senatssitzung beantragte Senator Pawlowitsch, bei der Verhandlung' des Wahlgesetzes auch den Frauen das Stimm recht zu erteilen. Nach lebhaft^: Debatte mürbe dieser Antrag mit zehn Stimmen MehrhNt verworfen. Für die Wahlberechtigung der Frauen stimmten auch der Metrovolit und die Bischöfe. Newyork, 27. Nov. Ter „Newyork Herald" veröffentlicht ein Telegramm aus Bogota, wonach die kolum- bische Regierung ein Tekret erlassen hat, welches besagt, daß die diplomatischen Beziehungen mit Venezuela abgebrochen seien; die kolumbische Gesandtschaft in Caracas ist eingezogen worden. —. Einem Telegramm aus Colon zufolge traf daselbst ein Eiseubahnzua aus Panama ein, dessen Reisende bericht teil, Tr. Alban habe mit 300 Mann Regierungstruppen die Brücke bei Barbacoa überschritten und rücke weiter vor. Gegenwärtig fei er in Tavernilla, von wo der Rest der Liberalen sich weiter zurückziehe; sie gaben vor, keine Munition zu haben. Sämtliche gestrigen Gefechte hätten an der Brücke bei Barbaooa stattgefunden; Reisende behaupten, es seien an 100 Konservative dort gefallen ober verwundet worden; die Verluste der Liberalen seien gering» sügig. Die Buren haben neuerdings einen schwerenSchlag erlitten, wenn anders den englischen Meldungen zu trauen ist. Nach einer Depesche Lord Kitcheners aus Pretoria hat General Knox gemeldet, er habe 36 Gefangene gemacht, unter denen sich der Kommandant Joubert befinde, der verwundet ist, sowie die Feldkornete Wolmarans und Diedrichs. Ties sei fast das ganze I o u b e r t'sche Ko m m a n d o^ Ein Londoner Finanzblatt teilt mit, daß die Ges amt- ko st en des südafrikanischen Krieges bis 1. März v. Js. gramm abgesandt: geschlossen. **, Bei der Ober-Postdirektion in Darmstadt sind kürzlich, wie uns mitgeteilt wird, wieder einmal unbestellbare, aus Orten des Großherzogtums Hessen herrührende Briefsendungen durch Feuer vernichtet worden, weil die Absender sich weder auf noch in den Sendungen genannt halten und die Rückgabe an sie unmöglich war. Ihre Zahl betrug diesmal nicht weniger als 13 970. Es kann aus diesem Anlaß nur immer wieder empfohlen werden, auf den Postsendungen stets den Namen des Absenders, sei es handschriftlich, sei es durch den Abdruck eines Gummistempels, wie sie in Graveurgeschäften und Papierhandlungen billig zu haben sind, anzugeben oder die Briofkouverts usw. mit einem bezüglichen Vordruck versehen zu lassen. ** Ein frecher Bubenstreich. In der vergangenen Nacht haben Rowdies 5 Fenster unserer Verlags- und Expeditionsräume vollständig zertrümmert. Von den stechen Burschen hat man bis jetzt keine Spur. Hoffentlich gelingt es der Rührigkeit unserer Polizei, die Leute, denen, eine solche erbärmliche Dumnrejungenthat Vergnügen macht, dingfest zu machen und einer exemplarischen Bestrafung zuzuführen. ** In großen Aengsten schwebte einer unserer Musensöhne letzthin, der eine Polizeistreife von 65 Mk. zahlen sollte, * die im Fall des Unvermögens durch eine entsprechende Haftstrafe auszugleichen war. Da der Student die Strafe nicht bezahlte, bemächtigte man sich seiner Person. Guter Rat war teuer. Doch ein richtiger Student kommt nicht in Verlegenheit. Er sandte einen Boten ins Kolleg, appellierte an den Edelmut seiner Kommilitonen, und bat, ihm aus der Klemme zu helfen. Durch einen Zufall erfuhr auch der Herr Prof. | Don der eigenartigen Situation des Musensohnes, und wenn Der Student soll seitdem aus reiner Dankbarkeit, nicht ein einziges Kolleg des betreffenden Professors geschwänzt haben. Die Affaire ist allerdings noch keine 8 Tage alt. ** Vier Jahreszeiten. Am morgigen Freitag findet in den vier Jahreszeiten großes Abschicdskonzert des Croat. Damen-Ensembles „Lika" statt, worauf auch an dieser Stelle nochmals aufmerksam gemacht sei. Vom nächsten Sonntag ab tritt das Possen-Ensemble „Brabant" in dem Lokal auf. Am folgenden Vormittag traf folgende Antwort ein: „Seine Königliche Hoheit der Großherzog lassen der gestrigen Festoersammlung für aufmerksamenGeburtstags-Gluckwunsch bestens dankem Römheld, Geh. Kabinetsrat." einverstanden erklärt haben. * Ein Fr au en-Attentäter. Seit Freitag abend befindet sich besonders der weibliche Teil der Bevölkerung von Kiel in großer und berechtigter Aufregung. Am Freitag abend wurden von einem Unholde in den nördlichen Gegenden der Stadt, aber in den verschiedenften Straßen dieser Gegend, nacheinander zehn Mädchen und Frauen mit einer stiletartigen Waff e st plötzlich verletzt, daß die Verwundung erst durch. das rieselnde Blut angezeigt wurde. Der Thäter, der als eut aut gekleideter Mensch mit Schnurrbart geschildert wird, ist überall st schnell verschwunden, daß ein bestimmter Eindruck von der Persönlichkeit bei den zum Teil auch, rücklings Ueberfallenen wohl nicht zurückgeblieben ist. Der I Verbrecher hat in den letzten Tagen eine Reihe von Unthaten verüben können, st daß deren Gesamtzahl auf neunzehn I angewachsen ist. Als mutmaßlicher Thäter wurde em aus Alsfeld hatte an die Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. am 18. Oktober ein Schreiben betr. Behebung des an einzelnen Tagen bei Personenzug 531 zwischen Gießen und! Großen-Buseck eintretenden Platzmangels gerichtet. Er erhielt nunmehr den Bescheid, daß die Bereithaltung der erforderlichen Verstärkungsw agen angeordnet worden fei. Bei dem 7.53 Uhr in Gießen cintreffenden Personenzug :522 sei nach den angestellten Ermittelungen ein Platzmangä 59 280000 Lstr. betragen, die Kosten des Rücktransports der Truppen nach England sind dabei nicht mit einbegriffen!! Wird's dabei dem lieben John Bull nicht unbehaglich zu Mute? Ein Pariser Blatt berichtet aus dem Haag, Präsident Krüger habe thatsächlich von der englischen Regierung die Offerte erhalten, daß die Unabhängigkeit der Buren re publik en zu gestanden werden solle, falls dm Goldminen an England abgetreten würden. Präsident fttüger habe jedoch energisch abgelehnt. Wir glauben, die ganze Nachricht ist eine fette Ente. Wie aus Agram berichtet wird, besteht dort seit geraumer Zeit eine englische Kommission zum Pferde- ankauf für Südafrika. Gegenwärtig wird ein Stall für 2000 Pferde gekauft. noch nicht beobachtet worden, weil dieser Zug in Grünberg ausreichend verstärkt würde. •* Der Verein hessischer Forstwarte (Lokal-Verein Gießen) beging am Sonntag die Feier des Gcburtsfeltes seines allerhöchsten Jagdherrn des Großherzogs m dem neuen Lokale der Restauration zum Schipkapaß. Der Vorsitzende hielt eine kernige Ansprache, die mit einem Hoch auf den Großhcrzog schloß, in das die Anwesenden begeistert einstimmten. — Im Anschluß an die Feier erstattete der dorthin entsandte Vertreter Bericht über die 6. Hauptversammlung in Bockcnheim und gab Erläuterungen über die Stendal'schc Rodemaschine. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf die Vorgesetzten *» Homberg a d. O., 27. Nov. Groß Herzogs Ge- burtstag wurde hier durch ein Festessen gefeiert, das am Montag Abend stattfand. Die Festrede hielt Pfarrer Port, während Lehrer Müller den Kaiscrtoast ausbrachte. Im Laufe des Abends wurde an den Großherzog folgendes Tele- Aus Stadt und Sand. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 28. November 1901. LM. Das Ministerium des Innern hat anläßlich des plötzlichen Ablebens Prof. Löh le ins nachstehendes Telegramm an die Landesuniversität gerichtet: „Landesunivcrsität Gießen. Der Landesunivcrsität übersenden wir den Ausdruck aufrichtiger Teilnahme an dem schweren Verluste, welcher ste in dem unerwarteten Hinscheiden Geheimrat Löhleins schmerzlichst betroffen hat. Ministerium des Innern." *• Eine Gehaltserhöhung für unseren Bürgermeister 1 ist von den Stadtverordneten kürzlich erwogen wnrden. Man ! beabsichtigt, Herrn Mecum die ihm bei seinem Diensteintritt I nach zweijähriger Dienstzeit in Aussicht gestellte Gehalts- \ zulage von 1000 Mk. schon jetzt zu gewähren. Maßgebend hierfür ist die Erwägung, daß Herr Mecum in Solingen als! Beigeordneter das gleiche Gehalt bezog, mit dem er als Bürgermeister von Gießen angestellt wurde. Nicht verkannt darf werden, daß das jetzige Gehalt des Bürgermeisters ohne Frage im Mißverhältnis steht zu den sonstigen Gehältern, die unsere höheren städtischen Beamten beziehen, wobei zu berücksichtigen ist, daß der erste Beamte unserer Stadt als solcher auch gewisse Verpflichtungen hat, die Ausgaben erheischen, die sich nicht von der Hand weisen lassen. *• Vereinigung für hessische Volkskunde. Dienstag den 26. d. M. fand im oberen Saale tzses Cafe Ebel der neulich angekündigte erste Mitgliederabend der Vereinigung für hessische Volkskunde statt. Nach einigen Begrüßungsworten des ersten Vorsitzenden und kurzen geschäftlichen Mitteilungen berichtete Herr Professor Strack über hessische Vierzeiler. Daran knüpfte sich eine lebhafte Erörterung, in welcher eine Reihe hiesiger Mitglieder aus ihren eigenen Erinnerungen wertvolle Ergänzungen zu dem besprochenen Thema beisteuerten. Später machte Herr Professor Lucius Mitteilungen über einen in Hungen früher gepflegten, leider nun aber außer Hebung gekommenen Brauch (Wettlauf der Burschen am zweiten Pfingsttage), der offenbar auf ganz alten Ueberlieferungen beruhte. Der stattliche Besuch und die rege Beteiligung der anwesenden | Mitglieder haben den Beweis erbracht, daß der Gedanke/ derartige Abende zu veranstalten, außerodentlich glücklich war. Sie werden sich deshalb auch künftig zweifellos einer stets wachsenden Beliebtheit erfreuen dürfen. Für die nächste Versammlung, die des Weihnachtsfestes und Jahreswechsels wegen erst in etwa sechs Wochen stattfinden kann, sind Mitteilungen über Hochzeitsgebräuche in Aussicht genommen. ” Von der Eisenbahn. Der Kaufmännische Verein in Vermischtes. * Tilsit, 27. Nov. Der jugendliche Tapeziergehilfe Firmer (auch Former genannt), der vom Schwurgericht im Juli wegen der am 20. April erfolgten Ermordung des alten Tilsiter Arztes Dr. Heidenreich zum Tode verurteilt war, wurde am Samstag hingerichtet. Mit den Worten: „Mit Gott für König und Vaterland legte er sich selbst auf den Richtblock. * Wien, 27. Nov. Das heute Morgen zwischen dem Reichsratsabg. Wolff und dem Professor Dr. Steidl ausgefochtene Duell auf Pistolen verlief unblutig. Die Gegner schieden unversöhnt. * Eine romantische Eheschließung. Stadtgespräch bildet in Köln die Entführung der 18jährigen Tochter eines Millionärs durch einen Assessor jüdischer Konfession, der deshalb nicht hoffen konnte, von den katholischen Eltern seiner I heimlichen Braut die Einwilligung zur Ehe zu erlangen. Beide reisten nach London und ließen sich dort trauen, nachdem der Assessor zur katholischen Religion übergetrcten war. Nun soll sich der Vater der jungen Frau mit der Heirat aufzubewahrcn. Um seine Vorräte auch für die Notfälle der Friedcnszeit nutzbar zu umchen, hat der Vorstand mit dem Polizciamt ein Abkommen getroffen, wonach er diesem für den Fall eines größeren, namentlich Eisenbahnunglücks, leihweise die erforderlichen Trag- und Räderbahren, sowie Verbandzeug zur Verfügung stellt. Sprendlingen, 26. Nov. Eine interessante Streitfrage unterliegt gegenwärtig der Entscheidung der höheren Instanz. Die Entscheidung dürfte für die hessischen Volksschullehrer von prinzipieller Bedeutung sein. In dm Orten, in denen noch Schulgeld erhoben wird, muß ein sog. | Schulgeldregistcr aufgestellt werden, worüber die Ministerien des Innern und der Justiz unter dem 24. Januar 1877 Folgendes verfügt haben,: „Tie Schulgeldregister sind, wo nur ein Lehrer ist, von diesem aufzustellen :c., wo mehrere Lehrer beteiligt sind, vom Schulvorstande nach von den Lehrern vorgelegtcn Verzeichnissen". Der Vorsitzende des hiesigen Schulvorstandes hat von den Lehrern die Aufstellung der Schulgeldregister verlangt; diese jedoch haben sich auf Grund des obigen Erlasses geweigert. Die Beschwerde des Vorsitzenden des Schulvorstandes wurde von der Kreisschulkommission in Offenbach als begründet angesehen, obwohl der Vorsitzende des Schulvorstandes selbst zugegeben hatte, daß eine gesetzliche Verpflichtung seitens dex Lehrer nicht vorliege. Die Lehrer haben sich trotzdem geweigert, das Register auf- I zustellen. Man sieht mit Spannung dem Ausgang dieser I Angelegenheit entgegen. b. Mainz, 27. Nov. Der Vater des jungen Kaufmanns, welch' letzterer, wie wir berichteten, als angeblicher Complice des in Brüssel verhafteten Gauners Harm, der den Wert- papicren-Diebstahl bei dem Hofrat Börkel verübt hat, verhaftet worden war, ist mündlich bei dem Justizministerium in Darmstadt deswegen vorstellig geworden. •* Kleine Mitteilungen aus Hesien und den Nachbarstaaten. In Lauterbach wurde bei der Wahl eines Beigeordneten Uhrmacher Georg Habicht wiedergewählt. — Der früher lange Jahre am Gymnasium in Worms thätige Gymnasiallehrer Prof. Sold an, der sich auch um das Paulusmuseum sehr verdient gemacht hat, ist im Alter von 60 Jahren nach längerem Leiden gestorben. Nach seiner Pensionierung war er nach Darmstadt verzogen. — In Kassel wurde ein 18jähriges Dienstmädchen wegen versuchten Giftmordes verhaftet. Sie hatte das einjährige Kmd ihrer Dienstherrschaft durch eine Phosphorlösung von Streichhölzern vergiften wollen. zu sorgen. 4- Grebenhain, 27. Nov. Von dem Verkehr auf der neu eröffneten Nebenbahnstrecke Lauterbach — Greben-1 Hain versprach man sich anfangs nicht viel, da man glaubte, daß der Weiterbau der Strecke Grebenhain—Gedern mit dem Anschluß an letztere Station noch nicht genehmigt sei. Nunmehr aber dürfte die Sache anders werden. Es ist bereits! der erste Güterzug auf unserer Station angekommen, da der! Personenzug die Güterwagen nicht alle mitbringen konnte.! Es kommen ganze Waggonladungen Baumaterial, künstlicher I ! Dünger u. s. w. an. Auch ist schon amtlich bestimmt, daß verschiedene Bahnhöfe mit Güterhallen an dieser Bahn so bald I als möglich vergrößert werden. — Gestern besichtigten mehrere! Herren von der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. mittelst I Sonderzuges die Stationen, um wo nötig Abhilfe zu I schaffen. I Darmstadt, 28. Nov. Die „Darmst. Ztg," veröffentlicht !folgenden Dank des Großherzogs: „Seine Königliche I Hoheit der Großhcrzog sind von den zahlreichen zum 25. No- lvember dargebrachten Gratulationen in hohem Maße erfreut I und lassen auf diesem Wege allen Glückwünschenden Seinen Iherzlichen Dank übermitteln. — Prinz und Prinzessin IFriedrich Karl von Hessen trafen gestern mittag nach 112 Uhr hier ein, wurden von dem Großherzog und der lPrinzessin Heinrich von Preußen am Bahnhofe crn- I pfangen und nahmen an der Frühstückstafel teil. Die hohen Gäste reisten im Laufe des Nachmittags zurück. — Der Hess. .LandeSverein vom Roten Kreuz hat in seinem An- I wesen, Blcichstraße 38, seit Jahresfrist ein Magazin erbaut, um darin seine für den Kriegsfall bercitzuhaltenden Vorräte, 4 namentlich Trag- und Räderbahren, Verbandzeug, Aus- : | rüitung§gegei*rtxnb< §ür -zu errichtende tzazantte u. s. w., ch. Gedern, 27. Nov. Ein heiteres Geschichtchen berichtet unser ob-Korrespondent: Ein Handelsmann von hier hatte unlängst ein Stück Vieh, das er gekauft hatte, zum Mästen bestimmt. Er kam mit einem anderen Einwohner überein, daß er den Kaufpreis trage, während der andere! das Stück Vieh füttern, resp. fettmachen solle. Jedem solle dann die Hälfte des Fleisches gehören. Nach 14 Tagen kam der Betreffende zu dem Handelsmann und erklärte ihm: „Morgen wird das fette Stück Vieh geschlachtet." Trotzdem der letztere einwandte, das Vieh sei noch nicht fett, beharrte der Fütterer auf seinem Vorsatz mit der Begründung, seine Hälfte sei ihm fett genug; der andere könne seine Hälfte l weitermästen. Das Stück Vieh wurde geschlachtet. Der Fütterer des Tieres hat einen bedeutenden Gewinn erzielt, da zum Ausmästen eines Stückes Vieh 3-4 Monate ge- __ .... „ ------------- t , hören. — Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht Dänemark gebürtiger Maler verhaftet. Derselbe bestreitet 1 - ' die ihm zur Last gelegten Vergehen, doch paßt das Signalement auf ihn; auch ist er bereits von einigen Verletzten erkannt worden. * Die eherechtliche Bedeutung des Schnurrbarts. In einem'Wirtshause in Marienburg hatte sich kürzlich ein Herr, der sich eines ungewöhnlichen itatt- liehen Schnurrbarts erfreut, verpflichtet, düsen für 100 Mark zu opfern und sich am nächsten Abende ohne Schnurrbart einzufinden. Tie Gesellschaft war bereits er- warwngsvoll versammelt, aber der Besitzer des verwetteten Schnurrbartes blieb aus. Nachdem die Stammgaste eure halbe Stunde vergeblich auf ihn gewartet hatten, brachte endlich ein Bote einen Brief, dessen Aufschrift eine -tarnen* hand verriet. Der Inhalt lautete: „Meine Herren, ^n einer Anwandlung unerklärlichen Leichtsinns hat mein Gatte sich gestern abend Ihnen gegenüber verpflichtet, gegen Zahlung von 100 Mark für einen wohlthatigen Zweck seinen schönen Schnurrbart zu opfern, und L-re waren grausam genug, diesen Vorschlag anz^m^rmw ich nun aber nicht Luft habe, unter den wohlthatigen Anwandlungen meines Gatten zu leiden, so sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß mein Mann und ich bet unserer Verheiratung die Gütergemeinschaft nicht aus- I geschlossen haben. Infolgedessen ist sein Schnurrbart ntern I Schnurrbart; er hatte kein freies Verfügungsrecht darüber, und Ihre mit nur einem berechtigten Teile eingegangene Wette ist daher null und nichtig! Sollten ^bte Berechtigung meines Einspruches anzweifeln, so steht .jljnen das Beschreiten des Klageweges frei. Hochachtend. . . ; ! _ P. S- „Mein Mann kann heute nicht bet >)hnen erscheinen, da ich einstweilen den Hausschilüssel tn Verwahr- !ung genommen habe. D. O." Die Mitglteder der Tafel- I runde sollen nun grausam genug [ein, gegen x. klagbar I borgten -ru wollen. *♦ Löh lein. Unsere gestrigen turzen Angaben über das Leben und die Werke des zu früh verstorbenen Geheimrats Prof. Dr- Löhlein, seien durch folgende Mitteilungen wesentlich ergänzt: Christian Adolf Hermann Löhlcin war am 26. Mai 1847 zu Coburg geboren- Er promovierte am 15. Juli 1870 in Berlin als Dr- med. Den Feldzug 1870/71 machte er als Feldassistenzarzt mit. Vom Oktober 1870 dis Oktober 1873 war er Assistenzarzt, von da an bis 1. Aprrl 1875 Sekundärarzt an der Frauenklinik zu Berlin- Am 1. Dezember 1875 habilitierte er sich ebenda für Geburtshilfe und Gynäkologie. Im Oktober 1888 wurde er zum ordentlichen Professor der Gynäkologie und Direktor der Entbindungsanstalt in Gießen ernannt. Einen Ruf nach Königsberg, den er im Jahre 1897 erhielt, lehnte er ab. In demselben Jahre wurde chm vom Landesherrn der Titel „Geheimer Medizinalrat" verliehen. Vom 1- Oktober 1898 bis 30. September 1899 führte er das Rektorat- Die Zahl seiner litterarischen Arbeiten, die er zum größten, ~ - ... ,, - ■ Teile tn medizinischen Zeitschriften veröffentlicht hat, ist I dieser auch nicht gerade zu den eifrigstey Besuchern seiner sehr bedeutend. Da diese Arbeiten nur fachwissenschast-l Vorlesungen gehört, griff er doch m die Tasche und löste, die liches Interesse haben, können wir es uns hier ersparen,»Strafe und die Kosten bezahlend, den jungen Mann aus. näher auf sie einzugehen. Besondere Erwähnung verdient - . . - ~ *' * '' die Durchführung der „Wiederholungslehrgänge für die Hebammen der Provinz Oberhessen". Unter den von ihm | gehaltenen Festreden fanden besonderen Anklang: „Zur Erinnerung an Karl Schröder", (Rede gehalten bei der Gedächtnisfeier in Berlin, 17. Llpril 1887), und „Leistungen und Aufgaben der geburtshilflichen Institute im Dienste der Humanität" (Rektoratsrede, 1. Juli 1899 in Gießen). Die große Bedeutung Löhleins wurzelt in zwei Dingen, in seiner eminenten Thäti.gkeit als Forscher, Kritiker unb Schriftsteller, dann als Lehrer durch die außerordentlich anregende Wirkung seines lebendigen und geistreichen Vortrags. Mit getreuer und genauer, ins Einzelne gehender Darstellung verband er die geistvollste, den Stoff völlig beherrschende und ordnende Auffassung. Reiche, wohlverdiente Ehren und Anerkennungen seitens der Regierung, der Universitäten und gelehrten Körperschaften, sowie „Sie zur Feier des Geburtstages Em. Königlichen Hoheit tm seitens der Studierenden wurden ihm zu teil. Seine un- „Frankfurter Hof" zu Homberg a. d.O. verenngte Teswerfammlung ablässiae Teilnahme an den Fortschritten der Wissenschaft, entbietet Ew. Königlichen Hoheit begeisterten und ehrerbleNgsten W .m: machten ihn zu einem der gesuchtesten und beschafttgsten Aerzte. Unser Land verliert in ihm einen der tuchttgsten und gewissenhaftesten Aerzte, die hiesige Universität eine Zierde der medizinischen Fakultät, die Studierenden einen tüchtigen Lehrer und einen väterlichen Freund. Geh. Med. Rat Löhlein war zweimal verheiratet. Es überleben ihn eine Witwe und 4 Kinder. Ostern diesmal auf einen frühen Zeitpunkt fällt. Die Kanalvorlage soll fertig im Kabinett liegen. Neber, die Eindringung derselben ist aber noch nichts beschlossen. Wildpark, 28. Nov. Ter Kaiser und die Kaiserin sind früh 8 Uhr hier wieder ein getroffen und haben fid) nach dem Neuen Palais begeben. M ü n st e r, 28. Nov- Der Kultusminister ordnete dre Errichtung von bakteriologischen Instituten in elf Regierungsbezirken an. Kiel, 28. Nov. Gestern abend wurden abermals zwei Personen von einem Unbekannten durch Dolchsttche ver^ letzt. Ter verhaftete Täne Nielse n wurde, weil die Verdachtsgründe gegen ihn ungenügend waren, aus der Hast entlassen. Insterburg, 28. Nov. Das Verfahren gegen Leutnant Rasmussen, den 2. Gegner des Leutnant Blaskowitz. wegen Herausforderung zum Zweikampf wurde auf Grund des § 204 des Str.-G.-B. eingestellt, da er sich mit Blaskowitz nach dessen Verwundung durch Oberleutnant Hildebrand auf dem Kampfplatz aussöhnte. London, 28. 9toD. lieber die von Kitchener erricht teten Blockhäuser wird berichtet: Ter Generalissimus! müsse, um das besetzte Land wirksam zu schützen, 30 000 kleine Forts errichten, und da man für jedes Blockhaus 20 Mann Besatzung vorgesehen hat, so erfordert die Durchführung dieses Systems G00000 Mann, die England niemals ohne Zuflucht zur persönlichen Wehrpflicht auf- bringen kann. Kitchener wisse das sehr wohl unb habe, um seinen Zweck denno chzu erreichen, Kasfern und Hottens totten mit der Verteidigung dieser Blockhäuser beauftragt. London, 28. Nov. Weiteren Nachrichten aus Manila zufolge bestätigt sich der Untergang des Dampfers. „Alerta". Dur Zahl der untcrgegaiigcncn Passagiere unb> Truppen beträgt nicht 100, sondern 200. Southampton, 28. Nov- Der Dampfer Canadq ist gestern mit Truppenverstärkungen nach Südafrika abgeaangen. Er hatte auch die erste Sendung Pfeifen für Die Truppen als Weihnachtsgeschenk an Bord. Darlington, 28. Nov- Lord Lau d s do w ne hielt gestern in einer unionistisehen Versammlung eine Rede, in der er erklärte, der Krieg have niemals die gutem Beziehungen Englands zum Auslande bedroht. Der Mi- nifter sagte, sollte der Krieg auch noch Monate, ja selbst Jahre dauern, so würde den Buren eine llnabi hängigkeit nicht zugestanden werden. Der Mü- nifter behandelte darauf die auswärtigen Beziehungen! und gestand, daß die England gegenüber an den Tag gelegten Feindseligkeiten während der letzt n Jahre das Vorgehen der Regierung in Südafrika und ihm seine Pflicht als Minister erschtvert habe. Redner fügte hinzu, er glaube sagen zu können, daß der König bei der Wiedereröffnung! des Parlaments mitteilen könne, daß England freundschaftliche Beziehungen zu den anderen Regierungen unterhalte. Paris, 28. Nov- Auf einem Bankett des Komitees für Handel und Jndusttie, dem auch Wäldeck-Rousseau beiwohnte, erklärte der Kabinetts-Chef, die Regierung habe an den Imperialismus niemals gedacht, weder im Innern noch im Aeußern. Ich habe manchmal, so sagte Waldeck-Rousseau, den mir nahe gelegenen Versuchen widerstehen müssen, aber ich mußte mir auch sagen, daß es sich nicht darum handelt, unser Kolonialreich zu vergrößern, sondern es zu erhalten und zu organisieren. Paris, 28. Nov- Der Generalprokurator der Lazat« risten Bettemborg erklärte einem Berichterstatter des „Figaro", die Lazaristen leugneten keineswegs, den Offizieren und Soldaten des französischen Expeditionskorps in China CHeks gegeben zu haben, die einen Anteil an der Kriegsbeute darstellten. Die Lazaristen hätten damit keineswegs gegen Gerechtigkeit und Gesetz verstoßen^ sondern in Heb er einstimmun g mit dem ehemaligen Gesandten Pichon und General Frey den französischen Soldaten zweifellos einen Dienst erwiesen. Cler rnont Ferrand, 28. Nov- Der Direktor einer Versicherungsgesellschaft, Rocher, ist wegen Unterschlagung einer bedeutenden Summe verhaftet worden. Rom, 26. Nov. Blättermeldungen zufolge ist in Pch lermo vom deutschen Konsul die dortige Villa Amato auf vier Monate für die deutsche Kaiserin gemietet worden. Nizza, 28. Nov. Hier zirkuliert das Gerücht, daß das Zarenpaar im Frühjahr nach Cor sic a kommen! und das Palais Tatono-Vizzavone bewohnen werde. Belgrad, 28. Nov. Die von englischen und franzSfi- scheu Blättern verbreiteten Gerüchte, daß Köni g Alex an< der beabsichttge, sich» von der Königin Dragck scheiden zu lassen, werden im Konak als jeder Begründung entbehrend bezeichnet. Weiter wird ver-- sichert, daß der in den nächsten Tagen eintreffenbe russische Gesandte die Einladung für das Königspaar, nach Petersburg zu fionmten, mitbringen werde. Colon, 28. Nov. Ein Amerikaner, der Augenzeuge war, erklärt, bas Kanonenboot „General Pinzon" gab 50 Schüsse auf Bello P orto ab. Einige der größten Häuser wurden zerstört. Die Stabt war vorher von den Einwohnern verlassen worden. Universitäts-Nachrichten. — Nach einer Meldung aus Breslau geht heute eine Adresse an Professor Mommsen, unterzeichnet von 36 Ordinarien aller Fakultäten der Uitiversilät Breslau, nach Berlin ab. — In Königsberg soll ein Versuch, in gleicher Weise zu Mommsens Kundgebung Stellung zu nehmen, gescheitert sein. München, 27. Nov. An !rh. Mommsen hat der bayerische Landesausschuß der deutschen Dolkspartei für sich und die bayerischen Parteigenossen ein Schreiben gerichtet, um ihm „Tank uiiö Huldigung" für die „unvergänglichen Worte" auszusprechen, mit denen er „als Nestor der deutschen Universitätslehrer für die unbedingte Freiheit der wissenschaftlichen Forschung und Lehre eingetreten ist." — 95 Professoren der Wiener Universität sandten an Mommsen eine Zustimmungskundgebung. Kunst und Wissenschaft. — Rudolf Boffelt's Crnst-Ludwig-Mcdaillc, deren Modell die Aufmerksamkeit der Besucher des Bosselt'schen Ateliers in Darmstadt erregt hat, ist von einer Berliner Gravieranstalt reduziert und geprägt erschienen. Sie zeigt auf der Vorderseite das rechtsgewandte Brustbild des Großherzogs im Gescllschaftsanzuge. Tic ctnsachen Linien und sympathischen Züge des Profils sind dem Künstler vorzüglich geglückt. Aus der Rückseite hat er die „heilige Schutzpatronin" der Künstlerkolonic, die Kunst selbst, in einer nach vorn gekehrten, ruhig und ernst dastehenden weiblichen Gestalt dar- gestellt. Sie trägt ihre junge Stiftung, das Arbcits- (Ernst Oldwigs-) vaus der siebeir Darmstädter, in Händen. Tie Medaille ist in dem strengen Stil Bosselts gehalten und giebt ein neues Zeugnis seines ernsten Strebens nach Abklärung und Ruhe in Fornr und Symbol. In dem soeben erschlenenen 3. Heft des 5. Jahrgangs der ausgezeichneten Darmstädter Zeitschrift „Deutsche Kunst und Dekoration" (Verlag von Alex.Koch, pro Heft 2.50Mk.) findet man eine vorzügliche Reproduktion der Medaille. Das ganze Heft ist übrigens in erster Reihe Bosselt gewidmet und enthält eine ganze Reihe von sehr subtil ausgesuhnen Abbildungen von Bossclt- schen Medaillen, Plaketten, Bronzen re. — Hermann Sudermann weilt zur Zeit in Paris, wo er auch der Enthüllung des Heine-Denkmals beiwohnte. Der eigentliche Zweck feiner Reise aber waren Verhandlungen betreffs der Aufführung feines neuesten Werkes „Es lebe das Leben" in französischer Sprache. Der Dichter plante eine eventuelle gleichzeitige Berliner und Pariser Premiöre, und es ist iwd) nicht entschieden, ob buje zu stände kommt. Berlin, 27. Nov. Hauptmanns Tragikomödie „Der rote Hahn" fand im Deutsche. Theater eine sehr geteilte Ausnahme. Tas Problem des „Biberpelz" ist wiederholt. Zum Teil tauchen die bekannten Gestalten wieder auf. Die Eharakter- zeichnuna ist vortrefflich, aber der Mangel an Handlung und die unstete Entwicklung beeinträchtigen die Bühnenwirkung. Die Aufführung war angemessen. Stuttgart, 27. Nov. Der Vorstand des wütttembergischen Goethebundes hat auf die von Berlin ausgesprochene Anregung geäußert, daß er dem Gedanken einer Preisstiftung sympathisch gegenüberstehe. Er schlägt aber vor, einen deutschen G o e t h e p r e i s zu stiften, helfen Vergebung ganz unabhängig oon den früheren Satzungen des Schillerpreises gestaltet werden soll und der nicht allein für dramatische, sondern überhaupt für dichterische Werke zu »ergeben ist. — Zur Duellfrage bemerkt der Ausschuß, daß, so sehr er die bekannten Vorgänge verurteile, doch glaube, der Goethebund fei in erster Linie dazu da, litterarische, künstlerische und wissenschaftliche Interessen zu vertreten; es fei daher auch zu bedauern, daß fettens des deutschen Goethebundes kein Schritt in der Angelegenheit Spahn-Mommsen erfolgt sei. Arbeiterbewegung. Kairo, 27. Nov. Sämtliche europäische und nichteuropäische Schneider haben die Arbeit eingestellt. Sie verlangen Lohnaufbesserung und haben bereits eine Kundgebung organisiert. Ter Streik verdient um so größere Aufmerksamkeit, ass er der erste in Egypten ist. Gerichtssaal. Leipzig, 26. Nov. Zum zweitenmale beschäftigte das Reichsgericht der Prozeß gegen den Rechtsanwalt Dr. Ohlen- schläger in Frankfurt a. M., der die dortige Eisenbahn- direktion durch einen Artikel beleidigt haben soll. Nachdem das erste Urteil vom Reichsgericht aufgehoben worden war, hat das Landgericht Frankfurt Dr. O. am 3. Juni wiederum zu 50 Mk. Geldstrafe verurteilt. Tie von Dr. O. eingelegte Revision gegen das neue Urteil wurde vor dem Reichsgericht durch Rechtsanwalt Dr. Stulz aus Frankfurt begründet. Ter Reichsanwalt enthielt sich diesmal jeglicher Ausführung und beantragte einfach Aushebung des Urteiles und Verweisung der Sache an das Landgericht Wiesbaden. Das Reichsgericht entsprach diesem Anträge. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. — Biehmarttbericht. Auf dem gestrigen Ochsenmarkt waren im Ganzen 30 Paar Ochsen aufgetrieben. Fremde Käufer waren nur vereinzelt erschienen, die ganz schwere Gangochsen vergeblich suchten, diese waren gleid) bei Ankunft verkauft. In Gangvieh konnte ein Geschäft nur für den Bedarf unserer Provinz gemacht werden. Beste Ware ging pr. Paar mit 750—800 Mk. fort, leichtere Ware für 600—650 Mk. — Der Schweinemarkt hatte einen Auftrieb von 900 Stück. An Reflektanten, besonders ür Mittelware, war kein Mangel, dock hielten fie sich bis zur Mitte des Marktes zurück, weil die geforderten Durchschnittspreise sehr hoch waren. Diese waren infolge des starken Begehrs und des Heinen Auftriebes nicht zu drücken und fo entwickelte sich schließlich der Handel doch noch überaus flott. Die Preise waren pr. Paar für Springer, 8—10 Wochen alt, 40—50 Mk., 12—14 Wochen alt, 60—70 Mk., 18—20 Wochen alt, 100—120 Mk., 6 Monate alte Einlegschweine wurden mit 170—180 Mk. bezahlt. Der Markt blieb nur zu einem kleinen Teil überständig. Limburg a. d. L., 27. Nov. Fruchtmarkt. Durchschnittspreise pr. Malter. Roter Weizen 13.85—00.00 Mk., Weißer Weizen 00.00—00.00 Mk., Koni 10.23—00.00 Mk., Gerste 9.15 bis 0.00 Mk., Hafer 7.39—0.00 Mk., Erbsen 00.00—00.00 M., Kartoffeln 0.00—0.00 Mk. Gottesdienst in der Synagoge, Südanlage. Israelitische Religionsgemeinde. Samstag, den 30. November 190L Vorabend: 430 Uhr. Morgens: 9 Uhr. Nachmittags: 3 Uhr. Schrifterklärung. Sabbathausgang: 5,s Uhr. Hottrskienst der israelitischen Deligionsgeseüschast. Sabbathfeier am 30. November 1901. Freitag abend 400. Samstag vormittag 830. Nachmittag 339. Sabbathausgang 510. Wochengottesdienst: morgens 7 Uhr, abends 4^ Uhr. Schiffsnachrichten. „Red Star Linie" Antwerpen. Der Postdampfer „Zeeland" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 26. November wohlbehatten in New-Pork angekommen. Kriefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) Herrn Dr. med. F. C. In Ihrem freundlichen Briefchen schieben Sie »ms ja eine recht spitzfindige Absicht unter, geoen iüe wir doch gelinde protestieren muffen, so fern wir uns auch zweifellos mit dem allergrößten Teile unserer Leserschaft von den An- schauungen fühlen, die Herr Oberst a. T. Spohr in feinem Artikel über „d a ä R e i ck s s e u ch e n g e f e h in der deutschen Arme c" zum Ausdruck gebracht hat. Selbstverständlich würden wir eine Entgegnung aus ärztlichen Kreisen sofort veröffentlichen, aber, fo wünschenswert sie uns im Interesse der Allgenieinheit scheint, die meisten Aerzte denken darüber doch wohl wie sie. — Verbindlichste Grüße! 1 (1) 2 (1) Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen., Mchcntlichc liebtr|id)t btt TobtsMt in btt stabt Sietzkn. 47. Woche. Vom 17. November bis 23. November 1901. Einwohnerzahl: angenommen zu 25 900 (inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 24,09, nach Abzug von 4 Lrtsstemden 14,057a». Kinder im vom Lebensjahr: 2.—15. Jahr Es starben an: Zusammen: Erwachsene: 1 Keuchhustens 1 — Lungenschwindsucht 1 (1) 1 (1) im Wochenbett 1 1 Gehirnschlagfluß 1 1 Magendarmkatarrh 1 1 Gehirnerkrankung 2 (2) 2 (2) Brand der vaul 1 1 Vernnglückung 1 1 Knochenmarkentzündg. 1 (1) — Altersschwäche 1 1 Hinrichtung 1 (1) 1 (1) Summa: 12 (5) ‘ 10 (4) Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Höchste Temperatur am 26. bis 27. Nov. + 2,2° C. Niedrigste „ „ 26. „ 27. „ — 1,9° C. November Wetter 27. 27. 28. 755,0 754,0 748,5 3,9 3,7 4,1 81 82 89 N. SSE. SSW. 55 KD o O - u- o — 2 O 2I& 92i 725 's *8' [beb. Himmel bew. Himmel [beb. Himmel 4- 1,5 - 0,5 — 0,5 Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Offenbach, 28. Nov. Gestern wurde hier der Stationsvorsteher Seitz wegen Urkundenfälschung und Unter- schlaguug verhaftet. Er ist ein älterer Beamter und Familienvater. Berlin, 28. Nov. Die Kritik bezeichnet Gerhard Hauptmanns neue Tragikomödie „Der rote Hahn" als feine mühevollste und verfehlteste Arbeit. Leipzig, 28. Nov. 48 Professoren der hiesigen Uni- versität sandten eine Zustimmungs-Adresse an Prof. Mommsen. Kopenhagen, 28. Nov. Das Kultusministerium hat vorgeschlagen, dem Schriftsteller Georg Brandes als Ehrengabe 600 Kronen jährlich zu bewilligen. London, 28. Nov. Die „Times" melden aus Pretoria vom 26. Nov.: Es befinden sich noch 70 Burentrupps, Kommandos von 20 bis 400 Mann, im Felde, von denen 26 in Transvaal, 31 im Oranjefreistaat und 13 in der Kapkolonie stehen. Zn Transvaal befinden sich nördlich der Delagoalinie noch 7 Kommandos mit ungefähr 1100 Manu, südlich der Delagoalinie 11 Kommandos mit 1600 Mann, 8 andere Transvaalkommandos find im Westen zerstreut. In der Kapkolonie stehen 10 Kommandos im Westen der Hauptbahnlinie und 3 im Nordostbezirk. Kitchener verfügt nur über 25 000 Mann. London, 28. Nov. Der deutsche Botschafter Graf Metternich wird künftigen Montag vom König empfangen werden, um fein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Berlin, 28. Nov. Der Reichst an zier hatte Dienstag nachmittag eine längere Besprechung mit dem Grafen Ballestr em. Berlin, 28. Nov- Gestern abenb fand bei Graf Bülow ein parlamentarischer Abend statt, auf dem, der „Deutsch. Tagesztg." zufolge, Abg. Dr. Oertel mit dem Reichskanzler sich längere Zeit unterhielt. Bezüglich des Zolltarifgesetzes gab man im allgemeinen der Meinung Ausdruck, daß es wohl gelingen würde, zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Bis jetzt hofft man in Negierungskreisen, daß das Zolltarifgesetz im nächsten Sommer Erledigung finden werde. Sollte dies nicht gelingen, so halte man eine nochmalige Vertagung für geboten. Berlin, 28. Nov. Wie das „Tagebl." aus politisch gut informierten Kreisen erfährt, haben sich die Ajns- schüsse des Bundesrats in diesem Jahre so sehr wie in keinem früheren bemüht, durch kräftige Ab striche an den Forderungen der einzelnen Ressorts das Reichsdefizit herabzumindern. Man darf hoffen, daß der Fehlbetrag auf etwa 60 Millionen herabgedrückt weroen kann. Aber auch diese Summe sollen die Einzelstaaten nicht in ihrem ganzen Umfange durch Matrikularbeiträge aufbringen, vielmehr wird etwa die Hälfte durch Anleihen gedeckt werden. Berlin, 28. Nov. Der Verein Berliner Presse hat in seiner gestrigen Monatsversammlung einstimmig eine scharfe und entschiedene Protest-Resolution angenommen dagegen, daß der Redakteur Bredenbeck von der „Rhein.-Westf. Arbeiter-Ztg.", der wegen eines Preßvergehens Derurteilt worden war, gefesselt über die Straße geführt und in diesem Zustande auf der Eisenbahn weiter transporttert worden ist. — Die sozialistische Reichstags-tFraktion hat gestern abend in einer Fraktionssitzung das Zolltarifgesetz durchbe- raten. Der Vorsitzende, Abg. Singer, konnte ohne Diskussion feststellen, daß die Fraktion den Tarifentwurf in allen seinen Teilen ab lehn en und ihre ganze Kraft einsetzen wird, damtt diese Vorlage niemals Gesetz werde. Für die erste Lesung des Gesetzentwurfs bestimmte die Frattion Bebel, Molkenbuhr und Singer als Redner. Ferner beschloß die Fraktion, für Verweisung der gesamten Vorlage an eine Kommission einzutreten. Berlin, 28. Nov. Der preußischeLandtag soll zum 8. Januar einberufen werden mit Rücksicht darauf, daß Telephonischer Kursbericht Frankfurt a. 21 372% Reichsanleihe . . 100.70 30/, do. ... 89.80 3'/,% Konsols .... 100.45 3% do 89.70 3*/2% Hessen .... 98.20 80/,, Italien. Rente . . . 99.65 4 /o Griech. Monopol-Anl. 42.50 5°/_- Portugiesen .... 26.80 3% Mexikaner .... 25.70 4%7o Chinesen .... 86.75 28. November. Kreditaktien 200.60 Diskonto-Kommandit . . 181.10 Darmstädter Bank . . , 123.90 Dresdener Bank .... 128.10 Berliner Handelsges. . . 138 50 Oesterr. Staatsbahn . . . 137.00 Gotthard bahn 163.80 Laurahütte 184.00 Bochum . ..... 168.50 Harpener ..... 00.00 Tendenz: sehr fest. Nicht Jedem ist ein schönes Antlitz, interessante Zime, schöne Hände von Natur aus gegeben, aber ste weiss, zart, klar und sorgfältig gepfleg mlssehend zu machen, das steht in eines Jeden Macht. Man verwende zu seiner Toilette nur Toermg's Eulen-Seife, die beste Seife der Gegen» ivan unb der gewünschte Erfolg wird nicht aus- ol eiben: das Aussehen wird frisch sein und flehte iiuuere Unschönhetten oder Harmonieslörunqem wie rauhe Haut, Pusteln, rote Hände werden nch verlieren. Mtt teureren Seifen ist der Seifen-' hiu... ach bereichert worden, jedoch mit einer besserer wertvolleren, nützlicheren als Toermg's Eulen-Seife nicht Allen Damen wre den 'Hcüttem, zum Waschen der Babys, sei Toerina's- lieblich parsumiette Eulen-Seife bestens empfohlen. Preis nur Pfg. das Stuck. Gestern abend verschied plötzlich infolge eines Herzschlages Herr Georg Korndörfer Prokurist und Leiter unserer Hirzenhainer Hütte. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen durchaus pflichttreuen Beamten, welcher in ununterbrochener mehr als 2^jähriger Thätigkeit bei unseren Werken stets die Interessen und das Wohl derselben verfolgt hat. Sein rastloses Wirken, sein humaner und lauterer Charakter liessen ihn jederzeit als Vorbild seiner Mitarbeiter und Untergebenen gelten. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Aufsichtsrat und Vorstand der Eisenwerke Hirzenhain und Lollar, Aktiengesellschaft. Lollar, den 26. November 1901. 1774 Bekanntmachung. Behufs Vornahme einer Ergänzungswahl des Vorstandes unserer Gemeinde für das nach dem Dienstalter austretende Mitglied Herrn I. Stern liegt die Liste aller Stimmberechtigten drei Tage lang zur Einsicht der Beteiligten aus dem Bureau des unterzeichneten ersten Vorstehers offen und können Einwendungen gegen den Inhalt der Liste nur während dieser Frist zugelassen werden. Gießen, am 27. November 1901. 7766 Der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde Gießen. S. Heichelheim. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Leihgestern pro 1902/03 liegt vom 30. November l. I. ab acht Tage auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Jntereffenten offen. Leih gestern, den 26. November 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Leihgestern. _________________Heß._________________ 7773 Iergeöung von Aauaröeilen. Unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893, das Verdingungswesen betreffend, werden hiermit nachstehende, bei Vergrößerung des Amtsgerichtsgebäudes dahier vorkommende Arbeiten zur öffentlichen Verdingung ausgeschrieben: Schreinerarbeit (ca. 140 qm Riemenfußboden, ca. 190 qm Bucheuriemen in Asphalt, 15 Stück VierfüllungsthüreN, ca. 30 qm Glasabschlüffe und Glaswände, ca. 12 lfd. Meter Treppen einschl. Geländer u. s. f.); Schlosserarbeit (Beschlag von 25 Thüren, ca. 200 kg Fenster-, Thür- und Oberlichtgitter u. s. Glaserarbeit (ca. 60 qm Fenster, ca. 25 qm Verglasung der Glasabschlüffe, Glaswände und Oberlichter u. s. f.); Weißbinderarbeit (ca. 1500 qm Decken- und Wandputz); Anstreicherarbeit (ca. 1200 qm Amphibolin- und Oel- sarbenanstriche u. s. f.). Tapezierarbeit (120 Rollen exkl. Tapetenlieferung). Die Offertunterlagen sind bei unterfertigter Stelle in den Vormittagsstunden einzusehen und sind daselbst Arbeits- befchreibungen gegen Entrichtung der Kopialgebühren erhältlich. Eröffnungstermin: Samstag den 14. Dezember, vormittags 11 Uhr. Zuschlagsfrist 3 Wochen. 7776 Alsfeld, den 26. November 1901. Großh. Hochbauamt Alsfeld. I. V.: B erth, Großh. Reg.-Baumeffier. Konsumverein Wieseck. E. G. m. u. H. Donnerstag den 5. Dezember 1901, abends 8* 1/, Uhr: General-Der samml'ung bei Gastwirt Adam Ziegler. Tages-Ordnung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes und AuffichtsrateS. 2. Berichterstattung des Verbandsrevisors. 8. Verschiedenes. 7771 Für den Aufsichtsrat: Erb. Vorträge für Damen (Dr. Collin). 7780 U Das junge Deutschland am 89. November, im Auditorium 7. Die Vorträge beginnen von jetzt an 6 Uhr pünktlich. Karten für einzelne Vorträge zu 1.60 Mk. in den Buchhandlungen von A. Frees und J. Bieker und bei dem Hausverwalter G. Stork. WeligionsgeschichtlicheIorlräge Zum Besten der deutschen Heilstätte für Minderbemittelte in Davos. Freitag den 29. November 1901, abeudS 8 Uhr, im Koufirmaudeufaal der Johanueskirche. Professor D. Koltzmunn: Aas jüdische Aesetz. S. zucker'jche Univ.-Buchhandlung und Abendkasse: Einzel- karte 75 Pfg., für Studenten und Schüler 50 Pfg. Karten zu allen Vorträgen 3 Mk., Studewen und Schüler 2 Mk., für zwei Mitglieder derselben Famllie 5 Mk. 7770 Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschten Ausstattung, stilrein und preiswert die Brühl’sche Universitäts - Druckerei, Schulstr. 7 Bekanntmachung. Für einen Schmiedegesellen, 17 I. alt, wird Stelle hier oder auf dem Lande gesucht. Näheres auf dem Armenamt, Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 4. Gießen, 23. November 1901. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Die Lieferung der für die hiesige Balserische Stiftung in 1902 erforderlichen Fleisch-, Back- und Spezereiwaren, sowie der Milch, soll im Submissionswege vergeben werden. Offerten sind bis zum 7. Dezember l. I. Gartenstraße 11, part., abzugeben, woselbst auch die Bedingungen eingesehen werden können. 7764 Gießen, 27. Nov. 1901. Der Administrator. Schwellenverkauf. Der am 16. und 21. November 1901 auf Bahnhof Gießen stattgehabte öffentliche Schwelleuverkauf wird hiermit genebmigt. Das Kaufgeld ist innerhalb acht Tagen an die Stationskasse in Gießen einzu- zahlen. — Hiernach müssen die Schwellen re. binnen 3 Tagen abgefahren werden. Großh. Betriebsinspektiou 1, ___________Gießen. 7783 Versteigerung. Ein der Gemeinde Wieseck gehöriger schwerer, fetter Faselochs und ein Ziegenbock sollen Donnerstag den 5. Dezember d. I., vormittags 11 Uhr, auf dem Bürgermeisterei-Bureau dahier meistbietend versteigert werden. Wieseck, am 27. Nov. 1901. Großh. Bürgermeisterei Wieseck. Sommerlad. 7772 UWkWHW Stöbt. Schlachthaus. Freibank. Heute uns morgen: edjftnflrifd, 56 pfg. StikrficW 54 pfg. SchmivkSkisch 50 Kfg. Schellfische Kabeljau in la. feinster, blutfrischer Ware soeben eingetroffen bei 296 A. & G. Wallenfels. Markt 21. — ^ernivreck-Nr. 46. UsMartchli! und Salatkartoffeln (gelbe Mäuschen) 7769 empfiehlt zu billigsten Preisen I. Hankel, LchlÄasse 8. 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November: Zum zweiten Male Das Glück im Winkel. Schauspiel in 3 Akten von Hermann Sudermann. Sonntag den 1. Dezember, nachmittags 4 Uhr, Kindervorstellung: chokdkieschen ober: König Faulpelz und Prinz Lustig. Abends 8 Uhr: Aas M, wie es wriat nnb lacht. Volksstück mit Gesang in 3 Akten (11 Bildernr) von .Äalisch. Musik von Conradi. Sonderausgabe zu Nr. 281. Gießener Anzeiger. Donnerstag. 28. November 190t VcrhandlmWn des Deutschen Reichstages. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 98. Sitzung vom 27. November. 1 Uhr. HauS und Tribünen sind gut besetzt. Am BundeSrathstrsch: von Gotzler, u. A. Auf der Tagesordnung steht zunächst die Wahl d e S irrsten Vicepräsidenten. Die Wahl findet durch Abgabe von Zetteln statt. Nachdem die Wahl beendet ist. theilt Präsident Graf Ballestrem mit: Die Schriftführer haben 229 Abgeordnete notirt, in den Urnen aber befinden sich 237 Zettel. (Große Heiterleit.) Vermutblich kommt dies daher, daß einige der Herren meine Mahnung mcht beachtet und nicht laut und vernehmlich „Hier!" gerufen haben. Ich glaube aber im Sinne des Hauses zu handeln, wenn ich annehme, daß die Zahl der Stimmzettel maßgebend ist. (Zustimmung.) Bei der zweiten Zählung stellt es sich heraus, daß 238 Stimmzettel abgegeben sind. (Heiterkeit.) Davon entfielen 170 auf den Grafen Stolberg-Wernigerode (kons.), 46 auf den Abg. Singer (Soz.), 20 Zettel sind unbeschrieben und auf die Abgg. Heine (Soz.) und Graf B a l l e ft r c m (Etc.) entfallen je eine Stimme. (Große Heiterkeit.) Graf Stolberg ist also gewählt und nimmt die Wahl mit folgenden Worten an: Ich danke für das Verttauen, welches Sie mir durch diese Wahl bewiesen haben, und werde bestrebt sein, dasselbe zu rechtfertigen. Ich nehme die Wahl an. Es folgt die Verlesung folgender Interpellation Basser- mann und Gen. (nat.-lib.): Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben über die Vorfälle, welche zu dem am 4. November 1901 in Insterburg stattgehabten Zweikampf zwischen dem Leutnant Blaskowitz und dem Leutnant Hildebrand geführt haben' insbesondere darüber Mittheilung zu machen: ob die Bestimmungen vom 1. Januar 1897 zur Ergänzung der Einführungsordre zu der Verordnung über die Ehrengerichte der Offiziere eingehalten worden sind? Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um den Vorschriften, daß mehr als bisher den Zweikämpfen der Offiziere vorgebeugt werden soll, wirksamere Geltung zu verschaffen? Auf die Frage des Präsidenten erklärt sich Kriegsminister bon Goßler bereit, die Interpellation soforr zu beantworten. Zur Begründung der Interpellation erhält das Wort Abg. Dr. Bassermann (nat.-lib.): Am 4. November hat in Insterburg ein Zweikampf stattgefunden zwischen dem Leutnant Blaskowitz vom 147. Infanterie-Regiment und dem Leutnant Hildebrand vom Artillerie-Regiment Nr. 51. Der Leutnant Moskowitz ist dabei in den Unterleib getroffen worden und demnächst an dieser Verwundung gestorben. Der Nachruf des Offizierkorps nennt den Leutnant Blaskowitz einen tüchtigen, treuen Kameraden. Es hat dieser Zweikampf, die begleitenden Umstände und die Vorfälle, die dazu geführt haben, in den weitesten Volkskreisen, in allen Schichten unserer Bevölkerung, auch in den Offizierskreisen, wie viele Zuschriften beweisen, lebhafte Erregung hervorgerufen und die bitterste .Kritik veranlaßt. Wir haben aus Anlaß dieses Zweikampfes die vorliegende Interpellation eingebracht. Der erste Theil will über die thatsächlichen Vorkommnisse, welche dem Zweikampf vorausgingen und zu dem Duell geführt haben, nähere Auskunft haben. Diese Vorgänge sind nicht völlig klargestellt. Es scheint, daß die allerhöchsten Bestimmungen vom 1. Januar 1897 in dem vorliegenden Falle nicht eingehalten worden sind und deshalb wenden wir unS im zweiten Theile der Interpellation an den Reichskanzler, um darüber Auskunft zu erhalten, wie eß sich damit verhält, ob diese allerhöchsten Bestimmungen bei den Verhandlungen des Ehrenrathes ihre volle Erfüllung gefunden haben. Ist das nicht der Fall gewesen, so ist zum dritten die Frage berechtigt: „Welche Maßregeln gedenkt der Herr Reichskanzler zu ergreifen, um den Vorschriften, daß mehr als bisher dem Zweikampf der Offiziere vorgcbeugt werden soll. Wirksamere Geltung zu verschaffen". Es ist zunächst meine Aufgabe, die Vorfälle, die sich hier zu- getragen haben, so weit sie sich aus den vorhandenen Mittheilungen und den Berichten der Zeitungen ergeben, znsammenzustellen. Der Leutnant Blaskowitz, 25 Jahre alt, stand seit 5 Jahren im Regiment 147 in Insterburg, er war Bataillonsadjutant und galt als befähigt. Er hatte wenige Tage vor seiner Hochzeit feinen Jung- gesellen-Abschied im Kasino zu Insterburg gefeiert. EL dürfte so viel klargestellt sein, daß der Leutnant Blaskowitz sich schon eine Zeit lang vorher im Zustande der Erregung befunden hat, so daß, wie ein Ausdruck lautete, „schwer mit ihm fertig zu werden war". Am 2. November, am ?lbend des Junggesellen-Abschiedes, hat Blaskowitz, soviel steht auch fest, ziemlich viel getrunken. Leutnant Blaskowitz hat zu später Stunde das Kasino verlassen und ist in das Hotel „Königshof" zu Insterburg eingetreten und hat dort weiter getrunken, wie e5 in den Blättern heißt, Bier, Grog und eine Flasche Sekt, um auf das Wohl seiner Braut mit den dort anwesenden Herren anzuswßen. Er hat dann das Lokal verlassen und ist auf der Straße liegen geblieben, sei es, daß die kalte Luft ihn seiner Sinne beraubte oder daß er unter dem Eindruck der genossenen Getränke eingeschlafen ist. Nach den Feststellungen des Kriegsgerichts haben die Zeugen ausgesagt, daß sie den Leutnant Blaskowitz in der Reitbahnstraße gefunden haben, in einer Thür hockend. Sie fühlten sich verpflichtet, den Kameraden nach Hause zu bringen. Er hat sich offenbar ermuntert; sie haben entweder nur seine alte Wohnung gewußt, oder der Leutnant Blaskowitz hat die Wohnung angegeben — kurz, sie führten den Genannten zu der früheren Junggesellenwohnung in der Albrechtstraße. Dort ist es dann im Flur zu unangenehmen Auseinandersetzungen gekommen. Es sind Sicherungen von Seiten der Offiziere gefallen, die Blaskowitz beleidigen konnten, die derber Natur waren und die besser nicht gefallen wären, und daran haben sich Thätlichkeiten angereiht, die dann schließlich zu der Forderung geführt haben. Ueber diesen Theil ist ein völliges Licht nicht verbreitet, weil bei diesem Theil vor dem Kriegsgericht de Oeffentlichkeit in vollem Umfange nicht vorhanden war. Soviel aber steht fest, daß Leutnant Hildebrand, vielleicht auch unter dem Einfluß geistiger Getränke, sich nicht so benommen hat, wie es einem betrunkenen Mann gegenüber angemessen ist, daß er seinerseits den Betrunkenen durch Reden gereizt hat — kurz, es kam zu Thätlichkeiten zwischen Blaskowitz, dem Leutnant Hildebrand und einem anderen Offizier vom Artillerie-Regiment. Die beiden Genannten und ein dritter Offizier haben das Haus verlassen und den Leutnant Blaskowitz im Flur zurückgelassen. Sie haben offenbar versucht, einem Offizier des Regiments des Leutnants Blaskowitz zu begegnen; sie haben sich gegenüber dem Hause ausgestellt, in dessen Flur sie den Leutnant Blaskowitz zurückließen, trafen ichließlich mit dem Leutnant Schmidt zusammen und eröffneten ihm, was vorgefallen war Der Leutnant Schmidt begtebt sich tn baß Haus und findet den Leutnant Blaskowitz auf dem Flur wiederum em- geschlafen. Also, das zweite Mal ist Leutnant Blaskowitz eingeschlafen, einmal auf der Straße, einmal auf dem Flur. Leutnant Schmidt erweckt den Leutnant Blaskowitz und bringt ihn nach Hause. Anscheinend ist die Unterhaltung so, dah Leutnant Blaskowitz nicht den Eindruck machte, als ob er nicht seiner Sinne mächtig sei. Leutnant Schmidt hat ihn darauf aufmerksam gemacht, daß er nicht nach Deutsch-ijkhlau abreisen könnte, wie er beabsichtigte. Die Sache hat sich dann so weiter ja entwickelt, daß in der Nacht noch von den Offizieren die Meldung an den Ehrenrath erstattet worden ist. Der Leutnant Blaskowitz hat sich am anderen Morgen — er kann nur wenig geschlafen haben — nach dem Bahnhofe begeben, um nach Deutsch-Ehlau zu seiner Braut zu fahren. Wir besitzen darüber eine Schilderung seines Vaters. Der Vater sagt aud, daß sein Sohn irgend welche Ahnung von Differenzen nicht gehabt hat, jedenfalls ihm gegenüber nicht geäußert hat, er war sogar von harmloser Freundlichkeit erfüllt. Er kommt in Deutsch-Eylau an, um seinen Polterabend dort zu feiern, und wurde alsbald durch ein Telegramm nach Insterburg zurückgerufen. Das Telegramm war die Folge der stattgehabten Meldung an den Ehrenrath. Es ist nicht richtig, wie in mehreren Zeitungen gestanden hat, daß die Ehrenräthe der verschiedenen in Frage kommenden Regimenter mit der Frage befaßt wurden. Auch wenn das Verfahren sich nicht sofort gegen den Leutnant Blaskowitz allein gerichtet hätte, würde doch nach den zuständigen Bestimmungen ein einziger Ehrcnrath bestimmt worden sein. Die Verhandlungen waren offenbar von dem Ehrenrath des Regiments 147 geführt. Es ist als fest anzunehmen, daß dieser Ehrenrath einen Ausgleichsvorschlag, einen Versöhnungsvorschlag nicht gemacht hat, und daß das Duell dann stattsand, das den Ihnen allbekannten unseligen Ausgang gehabt hat. Es hat sich dann an diesen Vorfall ein kriegsgerichtliches Verfahren angeschlossen. Die Verhandlungen sind, soweit sie öffentlich waren, durch die Zeitungen bekannt gegeben. Ich brauche Ihnen diese Einzelheiten also nicht mitzutheilen; das Resultat ist, daß Oberleutnant Hildebrand zu zwei Jahren Festung veruriheilt wurde. Ich halte es für bedauerlich, daß in diesem kriegsgerichtlichen Verfahren auf Grund des § 235 der Militärstrafgerichtsordnung die Oeffentlichkeit zeitweise ausgeschlossen war. Im vorliegenden Falle waren die Bedingungen für die Anwendung dieses Paragraphen nicht gegeben. Es war in allen Zeitungen die Mittheilung enthalten, daß Thätlichkeiten zwischen den Offizieren vorgekommen waren, die Mit- theilungen darüber gingen allerdings auseinander, nach den ersten Mittheilungen, die den Vorfall absolut unbegreiflich erscheinen lassen, hätte es sich darum gehandelt, daß Leutnant Blaskowitz in sinnloser Betrunkenheit um sich geschlagen hat, nach den späteren Berichten müßte man annehmen, daß nicht in sinnloser, wohl aber in hochgradiger Trunkenheit Schläge ins Gesicht vorkamen. Nachdem dies feststand, lag es gerade auch im Interesse aller be- theiligten Personen selbst, durch das kriegsgerichtliche Verfahren die volle Klarheit hervortteten zu lassen, damit dem Bestreben, immer weitere Kombinationen aufzustellen, Einhalt geboten würde, und auch der Oeffentlichkeit, die sich in hervorragender Weise für den Fall intereffirte, volle Klarheit gegeben würde. Das ist nicht geschehen, über den Theil der Vorgänge, über den die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war, sind wir auf die Zeitungsberic^ie angewiesen, und dadurch ist der erste Theil unserer Anfrage begründet, in der wir den Herrn Reichskanzler um Auskunft üoer diese Vorgänge ersuchen. Wir beabsichtigen, keine Erörterung hervorzurufen über die prinzipielle Stellung zum Duell; darüber ist im Reichstag ja in jeder Session verhandelt worden. Erklärungen darüber haben wir hinlänglich abgegeben. Wir haben stets daran festgehalten, daß man mit allen Mitteln für die Einschränkung desDuclls eintreten muß, einerlei, ob man baß Duellprinzipiell verwirft oder der Ansicht ist, daß es schwere Fälle geben kann, in denen da§ Duell ans gewissen Entschließungen heraus zur Nothwehr wird, daß es Fälle geben kann, in denen ein Mensch gezwungen ist, zum Duell seine Zuflucht zu nehmen. Für unseren Fall muß man aber sagen, daß dies Duell nicht ftattfinoen durfte. Man wird die Frage aufwerfen müssen, ob in dem vorliegenden Falle überhaupt eine Beleidigung vorlag, welche Veranlassung geben konnte, jede Versöhnung abzulehnen. Ein Verschulden des Leutnants Blaskowitz lag zweifellos vor, herbeigeführt durch das Uebermaß genoffener geistiger Getränke. Es liegt mir fern, den Verstorbenen gewissermaßen vor das Forum des Reichstags zu fordern, der eine durchzechte Nacht mit seinem Leben gebüßt hat. Für mich als Jurist ist das Eine klar, daß man entweder annehmen muß, daß Blaskowitz gehandelt hat im Zustande der Unzurechnungsfähigleit, daß bei ihm jede Zurechnungsfähigkeit gefehlt hat, und dann auch eine Absicht der Beleidigung, und das Bewußtsein einer Beleidigung nicht angenommen werden kann. Selbst wenn man aber annehmen wollte, daß die Zurechnungsfähigkeit nicht vollkommen ausgeschlossen war, so liegt die Sache doch so, daß der Mann gehandelt hat unter dem Einfluß des Uebermaßes der geistigen Gc- tränfe, die er genossen hatte, daß er in feiner Zurechnungsfähigkeit also beschränkt war, zumal eß sich um einen Mann handelte, bei Dem jedes Motiv für Beleidigungen fehlte, der sich offenbar nur hinreißen ließ, durch die Worte, die vorher fielen, und durch seinen Zustand. Für unS ist die Hauptfrage bei dieser Interpellation die, ob die allerhöchsten Bestimmungen vom 1. Januar 1897, die Ergänzungen der Einführungsordre für die Armee-Gerichte der Offiziere vom 2. Mai 1874, eingehalten sind oder nicht. Wir haben es mit Freude begrüßt, als aus Anlaß verschiedener Erörterungen über Duelle, die in der Oeffentlichkeit großes Aufsehen erregt haben, und auch hier im Hause besprochen sind, diese Bestimmungen ergingen. Wir ersehen aus ihnen den festen Willen des allerhöchsten Kriegsherrn, die Duelle in der Armee zu beschränken. Wenn Sie sich den Wortlaut der Verordnung ansehen, so finden Sie, daß der erste Passus folgendermaßen lautet: „Ich will, daß Zweikämpfen meiner Offiziere mehr als bisher vorgebeugt wird. Die Anlässe sind oft geringfügiger Natur, Privatstreitigkeiten und Beleidigungen, bei denen ein gütlicher Ausgleich ohne Schädigung der Standesehre möglich ist. Der Offizier muß es als Unrecht erkennen, die Ehre eines Anderen anzutasten. Hat er hiergegen in Uebereilung oder Erregung gefehlt, so bandelt er ritterlich, wenn er an seinem Unrecht nicht festhält, sondern zu gütlichem Ausgleich die Hand bietet. Nicht minder muß derjenige, dem eine Kränkung oder Beleidigung widerfahren ist, dte xur Versöhnung gebotene Hand annehmen, soweit Standesehre und gute Sitten es zulassen". An einer anderen Stelle ist dem Kommandeur eine weitgehende Befugniß eingeräumt; der Spruch deS Ehrenraths unterliegt seiner Bestätigung; der Kommandeur ist auch berechtigt, den Spruch abzuändern und seinerseits einen Außgleichsvorschlag zu machen. Wir fragen uns nun, ob diese Bestimmungen in dem vorliegenden Falle eingehalten worden sind, ob hier in dem Geiste verfahren worden ist, aus welchem heraus diese Bestimmungen erlassen worden sind. Ich glaube, daß diele Frage nicht bejaht werden kann. Der Ehrenrath hat die Befugniß, in erster Reihe einen Ausgleichsvorschlag aufzustellen, oder zu er- llären, daß er sich nach Lage der Sache außer Stande sehe, einen Ausgleich vorzuschlagen, daß vielmehr ein e h r e n g e r i ch t l i ch e s Verfahren nothwendig sei. In dem vorliegenden Falle hat der Ehrenrath nun keinen Ausgleichsversuch gemacht, er hat erklärt, daß er dazu außer Stande sei Dies scheint mir nicht gerechtfertigt zu sein, und zwar deshalb nicht, weil wir auf Grund dec von mir angeführten Feststellungen annehmen müssen, daß Blaskowitz entweder völlig unzurechnungsfähig oder doch so b■'digrabig betrunken war, daß er lediglich in diesem Stadium sich zu _ .u lichtesten hinreißen ließ, ebne dabei irgend welche Bcleidigungsavnchi zu haben. Diese Anschauungen sind auch in vielen Veröffentlichungen zu finden, die durch die Presse gegangen sind, u. A. auch in Darlegungen eines alten Offiziers, dec zu denselben Konsequenzen kommt, die ich hier entwickelt habe. Auch von miiltärgerichtlicher Seite sind ausführliche Darlegungen bcröffcntlicbt worden, die darin gipfeln, daß der Be- trunfenc ein ungewöhnliches Kraftgefühl hat; er wird gewaltthätig, impulsiv, handelt triebartig, zwecklos und unüberlegt. Auch diese Ausführungen fornmen zu dem Resultat, daß Blaskowitz sich in einem solchen Zustande der Trunkenheit befand. Wenn das aber der Fall war, dann mußte der Ehrenrath dazu kommen, einen Ausgleichsvorschlag zu machen Er hat das nicht gethan und cs kann ja schließlich von ihm nicht erzwungen werden. Wohl aber lag es dann in der Hand des Regimentskommandeurs — der übrigens, wie in den Zeitungen stand, in den letzten Tagen seinen Abschied bekommen hat — seinerseits das Richtige zu finden und nach dem Sinn und Geist der Bestimmungen vom 1. Januar 1897 zu handeln. Das ist nicht geschehen: auch der Regimentskommandeur hat offenbar keinen Ausgclich versucht, sondern den Spruch des Ehrenraths bestätigt. Es ist nicht ganz klar, inwieweit die höheren Instanzen an dec Angelegenheit beteiligt sind. Nach einzelnen Berichten war auch der Divisionskommandeur beteiligt; ich bin nicht in der Lage, das zu prüfen, die Allerhöchsten Bestimmungen geben auch feinen Anhaltspunkt dafür. Jedenfalls glaube ich, daß, wenn man ausgegangen wäre von dem Willen, der in den Allerhöchsten Bestimmungen seinen Ausdruck gefunden hat, daß dann allerdings der Ehrenrath einen Ausgleichsvcrsuch hätte machen müssen. Er hätte den Leutnant Blaskowitz veranlassen müssen, um Verzeihung zu bitten für die Vorfälle der kritischen Nacht, und, wenn er sich dessen weigerte, mußte das ehrengerichtliche Verfahren seinen Lauf nehmen. Aber auch nach einer zweiten Richtung ist die Allerhöchste Verordnung vom 1. Januar 1897 nicht befolgt worden. Es heißt da, daß, lvenn ein Ausgleichsvorschlag nicht gemacht wird, ungesäumt nach der Verordnung über die Ehrengerichte der Offiziere im preußischen Heere zu verfahren ist. Es ist weiter bestimmt, daß dem Allerhöchsten Kriegsherrn über Fälle, in denen unter Umgehung des Ehrenraths oder vor der Entscheidung des Ehrengerichts ein Offizier einen andern Offizier zum Zweikampf herausfordert oder eine solche Herausforderung annimmt, sofort -u berichten ist. Es ist also ganz klar zum Ausdruck gekommen, daß kein Duell stattfinden soll, ehe das ehrengerichtliche Verfahren seinen Gang genommen hat. Es ist meines Erachtens eine sehr weise Bestimmung, daß stets zunächst das ehrengerichtliche Verfahren durchgeffihrt werden muß. In diesen Verfahren kann in leichteren Fällen auf Verwarnung erkannt werden — daS wäre im vorliegenden Fall wohl nicht in Betracht gekommen; es kann aber auch, bei schweren Verfehlungen, daS Urtheil auf schlichten Abschied ober Entfernung aus dem Heere lauten. Wäre die Sache auf diesem Wege erledigt und zunächst ein ehrengerichtliches Verfahren durchgeführt worden, auch bann wäre der Fall ohne Duell geregelt worben. Auch in dieser,Hinsicht ist die allerhöchste Verordnung verletzt worden; es ist also unsere zweite Frage wohl berechtigt. Daraus ergiebt sich bann auch ohne Weiteres die dritte Frage, welche Maßregeln der Herr Reichskanzler zu ergreifen gedenkt, um den Vorschriften in Zukunft mehr Geltung zu verschaffen. Die SBoraängc, die zu dem Duell geführt haben, sind bedauerlich vom menschlichen Standpunkt aus; sie sind beklagenswerth im Interesse unserer Armee und unseres Offizierkorps. Sie müßten eigentlich ausgeschlossen sein durch die Erziehung und den Geist der Selbstzucht, von dem jeder Offizier beseelt sein sollte. Es ist jammervoll, daß es über einen Zwist, dem jede sachliche Basis fehlt, zwischen Leisten, die niemals irgendwie verfeindet waren, sondern die lediglich unter dem Einfluß des Alkohols handelten, daß eS darüber zum Duell kommen und daß dieser namenlose Jammer die Familie und die Braut des jungen Mannes treffen mußte. Es ist dringend nothtoendig, darauf hinzuwirken, daß die kaiserlichen Bestimmungen vom 1. Januar 1897 zur Anwendung kommen m allen Fällen, und daß dem allerhöchsten Willen, der in diesen Bestimmungen klar und unzweideutig zum Ausdruck kommt, überall Geltung verschafft wird. Wir sind stolz auf unser Offizierskorps und feine Leistungen im Krieg und im Frieden; wir wissenwelche Anforderungen auch der Friedensdienst an unser Offizierkorps stellt, wir wissen aber auch ganz genau, wie schwer es ist, gerade in kleinen Garnisonen, wo die Langeweile des Abends zum Trinken verleitet, alle Zeit den richtigen Geist aufrecht zu erhalten, und wir müssen dafür sorgen, daß dieser gute Geist dauernd erhalten bleibt. Weil wir das aber wollen, darum dürfen wir auch nicht davor zurückschrecken, auf Wunden, die sich zeigen, den Finger zu legen, und da, wo sich Schatten neben den vielen Lichtseiten zeigt, auf den Schatten hinzuweisen, um mit der Kriegsverwaltung bestrebt zu fein, Mißstände aus der Welt zu schaffen. Deshalb wünschen wir, daß die Kriegsverwaltung energisch dahin wirkt, daß den Bestimmungen vom 1. Januar 1897i volle Geltung in der Armee zu Theil wird, damit das verwirklicht wird, was der Kaiser im Eingänge dieser Bestimmungen sagt: Ich will, daß Zweikämpfen meiner Offiziere mehr als bisher vorgebeuat wird. (Lebhafter Beifall.) Preußischer Kriegsminister v. Goßler: Ich erkenne zunächst an, daß der Herr Interpellant in wohlwollender und gerechter Weise die traurige Angelegenheit besprochen hat, ich meine aber dem Zwecke der Interpellation damit nicht zu dienen, wenn ich alle Einzelheiten, die nicht einmal vor dem Gericht zur Sprache gebracht sind, hier anführe. Ich würde damit meines Erachtens über den Nahmen meiner Kompetenz hinausgehen. Ich meine auch, die Nebenumstänbe sind an sich bedeutungslos. Ich muß die That- sachen möglichst klarstellen und dann zu einem Schluß barübet kommen; was hätte geschehen sollen und geschehen müssen. Ich möchte mich dem Vorredner darin anschließen, daß daS Ereigniß tm höchsten Maße beklagenswerth ist, und daß es einen jungen Offizier getroffen hat, den Leutnant Blaskowitz, der bis dahm vorwurfsfrei gedient hat und eine gute Zukunst versprach Die Mstderungsgründe, die der Vorredner angeführt hat, erkenne ch an. Er war in hochgradiger geistiger Erregung im Hinblick auf die bevorstehende Hochzeit mit einem Mädchen, das er liebte Dwse Erregung wird ihn in einer Weise beeinflußt haben' daß er leine Selbstbeherrschung verloren hat und sich zu Ausschreitungen hat hinreißen lassen, die nicht zu rechtfertigen sind die andere Offiziere mit ins Unglück gerissen haben, die in echter Kameradschaft sich feiner angenommen haben, als er hilflos war Wenn ich die Tatsachen nun in ihrer vollen Nacktheit darstelle so ist Folgendes der Th a tbestan d: _ Ein junger Leutnant betrinkt sich in einem öffentlichen Lokak. niÄ rm @tQnbe' uach Harne zu gehen, sondern sinkt auf der Straße zusammen. Andere Oss re finden ihn in diesem n Gefühle beschlich. g aus Er Halle en der Trunkene ist störrisch geh) drastischer Warnung die eines Ausgleichs vorhanden Der Herr Minister hat ansdrücilick ! Ot..brfidw Verfahren ciuleitete, stellte sich nun eine so starke Stirn- . . < I ' < t ' 1 1 ‘ - / l ■ L I M A »■ ft T ft t > t Centrum, bei den Freisinnigen und den Sozialdemokraten.) gSÄ? KÄÄ'iÄ ,» üOcAhrJ«». »-rase i„ Sieger Kabinetsv-dr-, d-nn sie gestattet di- Aussöhnung Man 6™t ba'äuf hinqdcT 'n baß c „Mac Duette durch Znnuc-n cit nur bann - Herr Basscrmann hatte da- zu erwähnen t-erg-sten - verursacht sind aber es'mutz awgeiprachen werden, das; van einer wenn Standesohre und gute Sitte es zu a,,en Wenn das aber der Verbreitung der Trunksucht im Lsii gersstand nicht die Rede sein । Fall ist, das unterliegt doch allein dem sub)ekttveg Standpunkte der t°m5 ne""er eignet. W«m.9 .B Ä S« eine ® das Unterlassen des gen en. : gut gemeinte trunkenen Zu- Korridor ein der thätliche den Hause entstanden. Natur (Heiterkeit.) ,, ,, Hiermit schließt die Besprechung. Die Interpellation ist damit erledigt und das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung Donner st ag 1 Uhr. (Zweite Berathung der Seemannsordnung.) — Schluß 51 Uhr. nells wird schwerer bestraft als das " ächten Abschied. Ist es da nicht besser, ionate auf Festilng — und wenn der Bevölkerung. Was nun oen Fa Urtheil des Ehrenraths nicht dem Sinn ordnung. Wäre korrekt verfahren, f werden oder aber der Ss )cn Konflikt als er sich Staates halten, müssen das Duell überhaupt grundsätzlich verurtheilen. Ich habe noch niemals gehört, daß Jemand, der gestohlen hat, sagt: In diesem Falle darf ich stehlen. Bei.den Duellvergehen aber sagen die Duellanten jedesmal: In dwiem Falle und war ' vor io beginnen sollte. ' _-;fall im Centrum und links ) Abg. Schrader lfr. Bgg). (schwer verständlich): Mehr als bei den aktiven Offizieren.kommen Duelle bei den Reserveoffizieren vor, die im 'bürgerlichen'Leben stehen und in Folge dessen' leichter der Gefahr eines Konfliktes ausgesetzt isnd. Solange das Duell nicht aus der Armee verschwindet, wird es auch im bürgerlichen Leben nicht verschwinden. Der Zwang, unter deni die Offiziere stehen, wird in den Offizierskreisen selbst sehr schwer empfunden: es würde zu keinen ' Schwierigkeiten führen, wenn das Duell in der Armee überhaupt verboten würde. Es müßte direkt gesagt werden, daß ein Duellant nicht mehr werth ist, der Armee anzugehören. Das ist nicht schwer durchzuführen. Wo ein Wille ist.' da ist auch ein Weg. In Englands ist es gelungen, die Duelle abzuschaffen zu einer Zeit, wo der Duellunfug weit mehr in Blüthe stand als bei uns. Für die Beseitigung der Duelle würden Armee und bürgerliche Kreise von Dank erfüllt werden, und cs würde eine lohnende Aufgabe für einen KriegS- minister und ein großes Verdienst sein, unseren Offizieren die Sorge abzunehmen, die der Duellzwang ihnen bereitet. (Beifall links und im Centrum.) ... Abg. Graf von Bernstorff (Np.): Der Fall Blaslowitz muß aus der Diskussion ausscheiden, da hier eine Nektifikation der Zuwider- ' Handlung gegen die Allerhöchste Verordnung bereits erfolgt ist. Aber so anerlennensiverrh die Allerhöchste Verordnung auch ist, ganz befriedigt sie mich doch nickt. Der Kriegsminister sollte darauf, sehen, daß Duelle noch weit mehr als bisher vermieden werden. Nöthrg ist dann allerdings eine Verschärfung der Strafen für Betern die m u ß. (Bewegung.) Vernehmung des erinnert habe, daß und es ist ferner i, er lei (Hört. hört!). leidigungen. . Abg. Haase (Soz.): Es . liegt mir gewiß fern, das Ossizter- korps in seiner Gesammtheit anzugreifen und es insgesammt verantwortlich machen zu wollen für die Excesse Anderer. Ich wurde nur wünschen, daß man auch sonst so verfährt und z. V. tvegen vereinzelter Ausschreitungen eines Arbeiters nicht die gesammie Arbeiterklasse beleidigt. Ich stehe der Trunkenheit nicht gerade günstig gegenüber (große Heiterkeit), aber sie ist doch wohl ein mildernder Umstand. Die kaiserlichen Bestimmungen wollen das Duell nicht mir allen Mitteln unterdrücken, sondern nach ihnen hat der Ehrenrath die Bedingungen sogar zu verschärfen. Eine zur Versöhnung gebotene Hand braucht auch nickt immer angenommen zu werden, sondern nur dann, „wenn cd Standesehre und gute Sitten zulassen". Ja, meine Herren, da liegt ja gerade der Hase im Pfeffer. (Heiterkeit.) In einem Falle wurde durch Eingreifen des Königs von Sachsen ein Oberleutnant mit schlichtem Abschiede entlassen, weil er die Neigung zur friedlichen Beilegung eines Ehrenhandels zu erkennen gegeben hatte. (Hort V Hört!) Daraufhin erfolgte dann die bekannte Aeußerung jenes Metzer'Regiments- kemmandeurs: „Meine Herren! Fordern Sie auf alle-Fälle, mindestens auf Säbel!" (Hört! Hört!) Eine solche Standesehre sei-., sich skrupellos über alle Forderungen deö Gesetzes und der Religion hinweg, haben doch auch notorische Lumpen manchmal ehrenhafte Leute vor die Pistole gefordert. DaS menschliche Leben ist ein sehr hohes Gut, und man muß verlangen, daß öS geachtet wird. Die Behörden lassen leider in der Bekämpfung des Duells viel zu wünschen übrig. Es wird eben mit zweierlei Maß gemessen. Sächsischer Bundesrathsbevollmächtigter Krug von Nidda: ^cr Fall Hoffmann, auf den der Vorredner anspielte, läßt sich niit dem zur Besprechung stehenden Falle nicht vergleichen. Der Vorredner bat den Thatbestand so wiedergegeben, wie er in den meisten Sei; tnngen stand, diese Darstellung ist aber unrichtig. Der Fall negr so:' Der Oberleutnant Hoffmann wurde von einem betrunkenen, jungen Offizier in Gegenwart anderer Personen, insbesondere auch einiger Reserveoffiziere, thätlich beleidigt. Es handelte sich hier nicht etwa um ein zufälliges Stoßen, wie die Zeitungen behaupteten, sondern um Schläge ins-Gesicht, die so stark waren,, .daß man da- Klatschen deutlich im Nebenzimmer hören konnte. Hoffmann hat nun dem betreffenden Offizier mittheilen lassen, daß er sich zufriedne .Blaslowitz ber hatte früher Albr wenigen Tagen in die übergesiedelt. Das h Es ist festgestellt worden durch Leutnants Blaslowitz, daß er sich dessen nicht sckeidung des allerhöchsten Kri „ Ich gebe zu, daß die Kabinetsordre auf ges aber die Folge davon ist, daß man suchen muß. ' Der Geist, der Duelle in reckligt hält, muß in der Armee bc solcher Fälle, wie sie sich in f) rerursackt. denn n dem dunllen diese Weise ist Wenn das kein vornehmes Vergehen ist, dann weiß rchs mcht. Ich habe mal den Vorschlag gehört, man solle das Duell tn bie unteren Volkskreise hiuetntragen; wenn es da Boden fasse, würde cs oben aushören. Man lasse endlich eme gründliche Aenderung ciri treten. Man befehle den Offizieren an. stets die ritterliche Hand anzunehmen, und ent* ferne den aus dem Heer, der sie ausschlägt. Vor zweitausend Jahren hatte man kein Duell und ich glaube, es wurde keine M00 Jahre dauern, bis es wieder verschwunden fern wird. Der Ritter von La Maucha hatte auch ritterliche Sitten. Das Duell ist nichts weiter als eine Donqmchoterie. Blut ist Jin ganz bqonberer Saft und dicker als. Wasser; wir werden die Verantwortung für diese Blutflecke nicht eher von uns abwälzen können, als bis wir die ganze Institution beseitigen. Abg. Bcbcl (Szd.): Die vielfach erwähnte Kabinetsordre spricht nicht von.einer' Beseitigung, sondern nur von-einer Einschränkung der Duelle. In dem deutsch-französischen Kriege waren Duelle zwischen Offizieren aufs strengste verboten und früher wurden Duellanten glcick Mördern sogar mit dem Tode bestraft. Leider haben wir kein Minister - Verantwortlichkcitsgesetz; sonst könnte der Kriegs- Minister auf so und so viel Monate in? Gefängmß wandern. (Große Heiterkeit.) Dir Fälle, in denen die Oeffentlichko.it durch solche Vorkommnisse erregt wird, mehren sich in erschreckender Weise. Ware der Reichstag nickt so sanft, sondern entschieden und rücksichtslos aufgetreten, so würden auch die entscheidenden Stellen eine andere Haltung ei»» nehmen. Nach dem Verlauf des Falles in Metz begreife ich daS Verhalten des Obersten von Reißwitz in Insterburg sehr wohl. Ich will auf den Fall nicht eingehen, .aber ist eS pshchologisch denkbar, daß ein junger Offizier, der unmittelbar vor seiner Vermählung steht, seine ganze Existenz anf's Spiel setzt? Nun sagt der Kriegsminister, daß auch der oberste Kriegsherr das Duell gemißbilligt hat. Da sehen Sie, wohin eine solche Verordnung führt! In Metz wird so, in Insterburg so entschieden. Jene Verordnung liegt nicht un Jiiteresse der Armee. Solche Fälle wie in Insterburg toeröen immer wicderkehrcn, wenn nicht endlich mit den falschen Vor- urtheilen und den falschen Ehrbegriffen aufgeräumt wird. Verschwindet das Duell erst aus der Armee, so wird es auch aus der Bevölkerung verschwinden. Ist es nicht geradezu unerhört, wenn, wie im Prozeß Steinberg, der Vertheidiger den Staatsanwalt iuegen einer angeblich beleidigenden Aeußerung fordert! Die Halttnig des Interpellanten beruht wohl darauf, daß er früher Korpsstudent und. nachher, Offizier war. Aus diesem Grunde hielt er das Duell für eine nothwendige Einrichtung. Der S. O - Komment enthält sogar den Duellzwang und widerspricht also den Gesetzen. (Redner verliest einen Paragraphen aus dem 5. C.» Komment. Rufe rechts: Zur Sache! Schluß!) Wenn es Jhnur Tuuji gefällt, können Sie hinausgehen! (Heiterkeit.) Sozial- demokraken sollten nur einmal versuchen, die Rcichsgesetze unwirksam zu machen! Eine Volksversammlung, die das thate, wurde sofort aufgelöst, aber der,S. c. darf ruhig rhun, was ihm beliebt, auch wenn cs im Widersprilch mit dem Strafgesetz steht, Wenn sich kein Staatsanwalt findet, der dagegen einschrettet, so beweist daS, daß alle Staatsanwälte auf dem Boden des KlastenstaateS stehen. So wie bisher kann es nicht weiter gehen. Alle ^zahre ver- haiideln wir hier über Duelle, und wenn wir wieder zusammentreten, dann können wir von vorn anfangeu. Das entspricht nicht der Stärke des deutschen Reiches und der Würde des Reichstages. iBcifall bei den Sozialdemokraten.) .... KricgSminister von Göhler: Eine Ordre von 1870/71, die da» Duell verbietet, leime ich nicht. Es ist eme alte traditionelle Sitte in der Armee, daß, so lange man vor dem Fernde stcht, Privatstreitigkeiten niemals durch Duelle ausgefochien werden dürfen. Der \>(bg • Bebel hat mir die Freundlichkeit erwiesen, mich ins Gesangmv schicken zu wollen. (Heiterkeit.) Ich will lieber ins Gefangnitz gehen, als auf das Schloß am Meere, das Herr Bebel besitzt. (Larnr und Rufe: Au! bei den Sozialdem.) Er will mich für bte Gegenzeichnung der Verordnung verantwortlich machen. Ich mache ihn darauf aufmerksam, daß diese Verordnung überhaupt nicht gegen» gezeichnet ist, da derartige Bestimmungen, als Ausfluß der Kommandogewalt überhaupt nicht gegengezeichnet werden. Er hat Wetter übersehen, daß, wie ich früher schon nackgewtesen habe, die Bestimmungen gegen das Duell bedeutend verschärft worden und. Wenn dann wieder einmal verlangt worden ist, daß neben den gesetzlichen Strafen für Offiziere verordnungsmäßige Strafen festgesetzt werden, wie Tieuftentlassung und.Kassation, so erwidere ich, daß das meines Erachtens ungesetzlich sein würde. Ick kann außerdem nur ^uuner »vieder darauf zurückkommen: Es hat die Todesstrafe aus dem Duell gestanden, es hat Kassation darauf gestanden, und die Duelle haben trotzdem nicht aufgehört. Die richtige Lchung der Frage mutz meines Erachtens durch das Strafgesetz geschehen, mcht aber durch Verordnung. Zu den Angriffen auf die Armee hatte um so weniger Veranlassung vorgelegen, als die Zahl der Duelle verschwindend klein ist. Hätte sich die Zahl vermehrt, so wurde ich es ja verstehen, daß hier eine solche Debatte stattfindetz so Ä-er wundere ich mich darüber allerdings sehx. Es wird gesagt, daß den Ehrcnrätheir und Kommandeuren eine zu große Verantwortung aufgeburdet ser. Wir wollen gerade Persönlichkeiten haben, die verantwortlich sind? cs wird sich dann ja entscheiden, ob sie .ihrer Stellung gewachsen sind ober nicht. Ich kann also nur bei meinen ersten Ausführungen stehen bleiben. Ich habe aus den Worten des Herrn Bebel nicht entnehmen fönnep, daß sein Standpunkt richtiger Ware, al§ der meine. (Beifall rechts.) „ , Y Abg. Stöcker (b. t. P.): Der von dem Abg. Munckel angewandte Ausdruck.„Don Quichoterie" ist nicht angebracht. (Wwer- spruch bei den Soziald.) Nun, dann nennen Sie doch Ihren Lafiaue einen Don Quichote! So tief ist das Vorurthett eingewurzelt, daß selbst ein sozialdemokratischer Agitator im Duell sein Leben laßt. Daß das Duell keine Don-Quichoterie ist, geht doch auch daraus bervor, daß Männer, bevor sie zum Duell gehen, noch das Abend- mahl nehmen. (Lachen links.) Es handelt sich um eine historische, unausrottbare Gewohnheit, und ich kann nur brmgenö wünschen, Satz Mittel und Wege zur Abschaffung des Duellsgefunden werden, »eicht ist das iiicht. Es giebt selbst orthodoxe, christliche Ethiker, die das Duell entschuldigen und es anerkennen. Wie fann man da Spott und Hohn über solche Zustände ausgießen? Wir haben cs hier zu thuu mit der dämonischen Macht de? Alkohols, rntt Ehrbe- grifsen und Gewohnheiten. In der Armee, wo die Moglichkett besteht, Beleidigungen auf das schärfste zu bestrafen, sollte der Anfang zur Beseitigung des Duells gemacht werden. Wir können, nicht wünschen, daß so ein Bruchstück aus der Vergangenheit noch tn bte Gegenwart hineinragt. Auch im Interesse des Ehnstenthums hegt ce. das Duell abzuschaffen, denn sonst können wir die ^emde des Ebristenthums nicht mit der nöthigen Energie bekämpfen. Wir wissen Alle, daß nur eine Stelle in der Armee das Duell befettt- gcn kann, und deshalb ist es, glaube ich, der Wunsch der Mehrheit des Hauses, daß diese bestimnite Stelle, die schon so Vieles gethan hak, noch weiter geht, und die Haiid zur vollständigen Besettichmg dieses Unfugs bietet und dadurch Beruhigung in das Christcntyum hineinbringt. (Beifall im Centtum.) , m Abg. Bebel (Soz.): Ich habe in dieser Beziehung mehr Vertrauen zu der Macht des obersten Kriegsherrn, als Herr Stocker und seine Freunde. Wenn Duellanten vor dem Duell noch das Mendmahl nehmen, so ist das nur ein Beweis dafür, wie konfus es in diesen »wpfen aussieht. Sie können doch nicht das Abendmahl auf eine Handlung nehmen, welche die christliche Lehre verbietet. Das Duell Lassalle- ist noch von keinem Sozialdemokraten gebilligt worden. Wenn der Kriegsminister auf das Märchen von meinem Schloß anspielte, so kann ich ihm nur das eine sagen: Wenn ich ein Schloß Hätte, so würde ich nur solche Gäste einlabcn, die mir angenehm find. Kurzem tsiraße 5 gewv sah, und Er hat : in seinem , stände Tale- Beleidigung aufgefaßt und diese Sßclvibigmig durch Schlagen erwidert. Ans 'bte Details nun noch näher ein zugehen, würde ich für meine Person für überflüssig halten. >zck will dem Tobten in keiner Weise zu nahe treten. Es fragt sich nun, was bei einem derartigen Thotbeslande nun hätte geschehen sollen. Ick habe gor keinen Zweifel darüber, baß bei einer derartigen Veranlnssnug' die A! ö gl ich leit I um Entschuldigung .'bitten würde. . . crlciitnant Hoffmann hat also eine ihm angebotene pmid gar niciii aunehmen können, weil ihm keine bnrgcbotcn wurde, sondern er pabe hiugeschickt und um die Haud bitten lassen. (Große Heiter- teir ) Die ehreugericktliebe Untersuchung des Falles ist bami ein- aclritct worden, nicht deshalb, weil es sich herausgestellt hätte, baß övnönauu eine friedliche Beilegung der Sache genehm gewesen wäre, sondern de. halb, weil eine Vorschrift ber kaiserlichen Kabinetsordre j tmm 1. vniutar 1897 verletzt war, welche bestimmt, daß von solchen Fällen unter Unterlassung aller weiteren Schritte dem Ehrenrath M i 11 b c i I u n g zu machen fei. Der Oberleutnant Hoffmann hatte aber solche iveiteren Schritte selnsiändig unternommen. Bei dein Regiment, welches das ehren- sie, sich jungen Offizieren klar gemacht werben, daß sie sich in der Armee . ngiiche! auck banu halten tonnen . wenn sie auf 'völlig geictz- -''.:chlen.' kichern Boden' stehen. Erst wenn dieser ' «Heist durch- Er Vebriingcr. ist, werden die Duelle verschwinden. Es muß darauf Üinqclu'irit werden, daß'jeder Offizier sicher ist. seine Stellung in der Arnil-e nicl't zu nniergraben, wenn er den rechtlichen Normen felgt. M-.'f ähnlichem Wege ist das Duell in der englischen Armee i-öl'lig befeitint worden. WaS in der englischen Armee, möglich ist, cm . in der deutschen möglich sein «Widerspruch nnd Lacken rechts), und icb bin überzeugt, es wird dann leicht möglich jein, wenn die -Offistere von höherer «telle hingewiesen werden auf bte .ol'ii ttiber. Rechtsnormen. und die Vorschriften bc? Chriskenlhums. Zustande und int kamera.dschai'li seiner anzunehmeu und ihn m, Geschick Hai es gewollt, daß s bestrafen, als jeden anderen Bürger de:- Reiches. Daß die Armee die Pslanzstäkte ber Duelle ist, ist völlig ausgeschlossen, beim nach ber Statistik haben ftattgefunben Duelle ;!vi- schcn aktiven'Offizieren 1897: V, 1S9S: 3, 1899: 8, 1900: 4 unb 1901: 5. Diese Zahlen sinb so minimal, baß ich offen sagen bars, baß ber gifte Ton bei ben Ossi ueren vorherrscht. (Beifall.) £d) will auch nicht lüitcrlaüen, darauf vutzuweisen. daß in den Kreisen ber bürgerlichen Bevölkerung bte Bedeutung deS Zweikampfs lange nicht mit dem Ernst aufgefaßt wird, wie in ber Armee. Bereits bei einer früheren Gelegenheit habe ick dem Gedanken Ausdruck verliehen, daß ich bas Aufhören ber Duelle von ber zunehmenden Gesittung und dem Ernst der Lebensauffassung abhängig mache. Ich bin überzeugt daß sich dann diese Frage non selbst erledigt. Allerdings würde teil wünschen, daß die Beleidigungen schwerer als bisher bestraft werden. (Sehr- wahr! rechts.) In anderen Staaten ist mit Bestrafungen wegen Beleidigung in der Regel ein erheblicher Vcrmögeusverlust verbun- liU1l UL.ul utzm,imum —u -- . v. ■ ben. Tief bebaucrlicb isi c:- aiicn, daß so vielfach m öffentlichen j ^oen wolle, wouu der.Beleidiger ihn in Gegenwart von Zeugen Blättern Armee und Offizierskorps auf das schärfste angegrirfen jim C.itscluildiguug bitten würde. Das ist bann g^schehen.^ ^er uttb belcibigt werben. (Sehr richtig! rechts. > ^ck kann auch hier nur dem Offiziers? o r p s öffentlich in e i n e A n e r - fennung aussprechen, über bie ruhige und vornehme -litt wie. diese Beleidigungen ertragen werden. (Beifall.) Wenn die Interpellation zur Besprechung kommen sollte, so bitte ick darum, das; die Redner auch in dieser'Hinsicht Mäßigung zeigen. Ich verspreche mir von einer Verschärfung der Gegensätze nie i: . Nein, diese Frage will ruhig behandelt werden. Sobald Sie den Bogen zu Uran spanne, zerspringt er, und das ist der gefährlichste Weg, den cs in meinen Augen giebt. (Beifall.) Auf Antrag des Abg. Dr. Sattler (nat.-lib.) findet eine Besprechung ber Interpellation st att. Abg. Dr. Bachem lE.): D.. Hck.s '7 . . / . h" — ----- ■ anerkannt, daß in dem Fall Blaslowitz die 'köglickleit eine ? *,*( u menzei splittcrung heraus, daß ber tomman dir ende General ein gleichs vorhanden war. und er har ferner initgetheilt, daß Seine Regiment mit dem ehrengerichtlichen Amte betraute, und Majestät zu dem Urtheil gekommen ist, daß die Allerhöchste Ordre di.-seS hat dann aus schlichten Abschied erkannt. Also die Sache liegt vom 1. März 1897 nicht befolgt ist. Man darf also aunehmen. daß. । r- ; Cbliui anders, als der Vorredner sie barftelltc. (Lebhafter Wider- stets so energisch eingeschritten wird, wie in diesem' Fälle. {sn-^ch bei den Soziald.) ‘ Das I Avg. Mnuckel (frs. Vg.): Was der Bundeskommißar hier ausführte, bestätigt nur die ?Neldnug der Zeitungen. Das nennt der Varrebner: Der Oberleutnant habe um die Hand des Beleidigers augehalteii. (Heiterkeit.) Wir freuen uns,.daß m die Sache Klarheit gekommen ist; ber Kommissar hat inbirekt bie Melbungen ber Zeitungen bestätigen müssen; unb wenn bie Interpellation keinen weiteren Erfolg gehabt hätte, so würben wir schon biesen einen mit Dank aeeeptiren. Der Fall Blaslowitz wirb ja allgemein ver- urtheilt, aber in einem Punkte sehen war Alle noch nicht klar. . Ist •es wahr, das; Blaslowitz die Hand zur Versöhnung nicht nur ritterlich Angeboten habe, sondern daß sie von einem der Beleidigten auch er Kameraden in der Nacht beleidigt i von ihm die Erklärung abgegeben bereit, um Verzeihung zu bitte u Es ist nach den klaren Bestimmungen insofern volllommeii richtig verfahren, als der Ehrenrath die . e in die Hani) ge- noinmcn hat. 9tacb der Erklärung des Leutnants Blasle'witz ivar ; wohl die Grundlage gegeben, ihn zu veranlassen, die B e l c i d ig - । ten um V.e rzeil) niig z u bitten. (Hört! Hort!) . -raß sich daran die ehrengericknii. c Uutersu. ung knüpfen mußte, weil der Leutnant Blaslowitz die Standesei)re verletzt hatte, versteht sich von selbst. Wie das Ehrengericht dann entschieden haben würde, ob auf s ch l i ch ton A b s ch i e d oder Entfernung aus dem O s f i z i e r s st a n d e , das müßte die nähere Untersuchung ergeben. Diese meine perstmlnee Ansicht wäre von ver- hältnißmäßig geringem Werth, wenn nicht die entscheidende Stelle, der Aller h ö ch st e K riegsherr , selbst die Sache sehr eingehend studirt hätte und zu der b e st i m inten A nf d) au ung gekommen wäre, daß den A b s i ch ten und d c m Sinn der Allerhöchsten Ordre nicht e n t s p r o ch e n i ft. (Hört! Hört I) Seine M a j e ft ii t haben dieser, feiner Meinung in der e r n ft c ft en F o r m Ausdruck gcgelTcn und besohlen, der Ordre Geltung z u v e r s ch a f f c n. (Lebhafter Beifall.) Ick glaube, wir tonnen dem Kaiser Dank wissen, daß er hier den reckten Weg gezeigt hat. (Erneuter Beifall.k Was die zweite Frage nach den M n ß r egeln betrifft, die der Kanzler zu ergreifen gebeult, um ber Befolgung der Ordre vom 1. März 1897 mehr Nachdruck zu verleihen, so kommt es meines Erachtens in der Hauptsache darauf an, daß die Ordre in vollem Maße durchgeführt tvird, und nach den Rlittheilungen, die ich eben gemacht habe, geschieht das. Ich wüßte and) nicht, welche Ergänzungen diese Ordre erfahren sollte. D:c Ordre isw hervor- gegangen aus Bcrathungen von hohen Offizieren und steht ganz auf gesetzlichem Boden. Fd) habe früher ^einmal erwähnt, daß m früheren Zeiten für Militärpersonen der Tod auf Duell stand und später die Kassation, und daß diese strengen Strafen nicht.vermocht haben, das Duell zu beseitigen. Fck begrüße es als einen sehr wesentlid;en Fortsdwitt, daß die Strafbestimmungen über das Duell jetzt einen allgemein-gesetzlichen Boden gesunden haben .und daß auch der Offizier diesen Strafbestimmungen unterworfen ist. Ich würde cs nickt für richtig halten, wollte man einen Offizier schwerer wenn — u . , , daß dann solche Geschichten nicht mehr vorlonimcu lucrben. ist zweifellos ein Fortschritt. Aber damit sind wir nicht am Ende der Erörterungen, die sich an die Interpellation anzusciiließen , haben. Wir müssen weiter gehen und fragen, wie es möglich ist. daß nicht nur der Ehreurath, sondern auck die höhere Instanz, der! kommaudirende General, den Sinn der Ordre so wenig befolgt haben. Wenn Sinn und Worn'aut der Ordre bisher noch nickt völlig zur Geltung gekommen sind, so liege das daran, daß man immer noch Fälle fonftruirt, in denen man das Duell ci l s berechtigt anerkennt. (Sehr wahr! im Gentrum.) Solange solche Anschauungen herrfd;en, werden wir nicht dazu kommen, imj un|0uit;ii »juue, iuhwu« uuD.|«. ......... — 7Z das Duell aus der Welt zu schaffen. Ich bedauere deshalb in ebenso ritterlicher Weise angenommen würbe, unb baß ttotzbem lebhaft daß der Herr Interpellant die Ansicht vertreten and) für diese beiden Gegner sick) die Nothwenbigtett oeS bat daß es gewisse ertteme Fälle giebt, wo das Duell unvermdid-, Duells ergeben hat? Darauf ist der Kriegs Minister nicht emge- licki'ift ^as ist und llleibt eine Halbheit. (Sehr lua()t! beim 1 gangen, und danach frage ich ihn. ^cr Reichstag ilt ja Jtctä sehr Centrum bei den Freisiiwigen und den Sozialdemokraten.) Aste! bescheiden gewesen, aber menii er sich mit den 4u»ful)rungcn bc^ diejenigen, welche die Rechtssicherheit für die beste Grundlage des Kriegsministers zufrieden giebt, dann sageich: So bescheiden war Vl.L? s.,-. a'nHi iihrrhnnht a r n n b i ä U I i di I er noch nie. lHeiterkeii.) Durch die Kabinetsordre von 1897 ist nichts Unerhörtes erreicht worden. Was hat sie überhaupt erreicht, wenn der Fall Blaskowitz mögjid) blieb Ich finde gar nicht den Hauvtanlaß zu dem Duell bei den bethciligten Personen, soiidern ÄÄ ‘ ü. ri« ber.mto". nicht. Ä.irÄ'S 4- U °« «reife Wxdc.°der-^ Duett O fern °^-s iz.« f-SÄ' uerranren so hätte dies Urtheil tassirt! werden. Der Fehler liegt wo anders^ Das Duell wird als etwas pruck des Kriegsgerichts und die Ent-> Vornehmes angesehen; wer wegen Duells auf Festungshaft saß, cherrn abgewartet werden müssen, hat sckon einen halben Adelsbrief. (Heiterkeit) Cchrenrath und ' «dickem Boden lieht, Ehrengericht befördern das Duell nur, machen es ost erst möglich. Duell xu vermeiden Das Duell wird vornehm bestraft und vornehm wird es.verziehen. .. ..,'2 - ■ n s- ii..f.'vfnfini» h-v ii.'ila HiivS {Ainfipftrnrt aI3 hnfi neu Fallen rür ve- A>a, r....... Llugesickts Duell, nämud) mit den iiierDura erc d haben reicht die man geht ein paar -------- .... o itabmetoorDre nicht aus. cV mutz unki uUcu UmMnden ben-cä aud) zwei Iah« Nttd - nnd avanci-t dann fröhlich Wetter!