Nr. 229 Zweites Bkatt. 151. Jahrgang. Sonntag 29. September 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siebener Familien- blätter werden demAn- zeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den »Blättern sür hessische Volkskunde* mermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschenr Anzeiger «leben. FrrnsprechanschlußNr.bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v '*»F Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeigen au der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anreigon-Vermitt- lunqSslelleu des In-und Auslandes nehmen An- Aeigen entgegen. Zeilenpreis: lokallSPs., auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unioersitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wrttko; für den An- zeigenteil: HanS Beck. Amtlicher Feil. Kelranntmachung. Bei unterzeichneter Behörde ist die Stelle eines HilfS- schutzmanneS alsbald anderweit zu besehen. Geeignete Bewerber wollen sich bis spätestens 1. k. MtS. anmelden und vorstellen. Gießen, den 25. September 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ___________Hechl er._____________________ KeKanntmachmg. In der Zeit vom 21. bis 28. September L I. wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 silberne Broche, 1 schwarzer Damengürtel, 1 Pappelbaumstamm und 1 Spazierstock; verloren: 1 silberner Bierzipfel, 1 goldener Weinzipfel, 1 schwarz-weiß gesprenkeltes Knabenhütchen, 1 Broche und 1 Arbeitsbeutel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei un8 geltend zu machen. Gießen, den 28. September 1901. Großherzogliches Poltzeiamt Gießen. Hechler. 3writfr Deutsch» Handwerks- und Geverbekamwertag. (Originalbericht des „Gieß. Anz.") S. Darmstadt, 27. Sept. (Erster Verhandlungstag.) Den Vorsitz führt Plate-Hannover; er begrüßt zunächst die anwesenden Regierungsvertreter und Gäste. Außer dem Vertreter der Reichsregierung, Geh. Oberregierungs- iat Tr. Wilhelmi vom Reichsamt des Innern, Berlin, ist anwesend für Preußen Reg.-Assessor Tr. v. Seefeld vom Kgl. Preuß. Ministerium für Handel und Gewerbe, Berlin; für Württemberg Ministerialdirektor v. Mostlaf r om Kgl. Württ. Ministerium des Innern in Stuttgart; für Baden Geh. Oberreg.-Rat B r a u n vom Großh. Badischen Ministerium des Innern in Karlsruhe; für Hessen Ministerialrat Braun und Ober-Regierungsrat Dr. Usinger vom Großh. Hess. Ministerium des Innern in Darmstadt; für Mecklenburg-Schwerin Ministerialrat Dr. Stegmann- Schwerin; als Vertreter der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe zu Darmstadt: Regierungsrat Noack, der Kgl. Zentralstelle für Handel und Gewerbe in Stuttgart Regier- r ngsrat W e n d e l -Stuttgart, des Großh. Badischen sta- tüstischen Landesamts zu Karlsruhe Regierungs-Assessor Dr. Hecht; für die Stadt Darmstadt war Beigeordneter Bau- Tint Jäger erschienen. Es hatten 61 Handwerks- und Ge- ttrrbekammern aus allen Teilen des Reiches Vertreter ge- s. fickt. Auf das von dem Vorsitzenden am Schluß seiner Begrüßung auf den Kaiser von Deutschland und den Großherzog von Hessen ausgebrachte Hoch stimmte die Versammlung begeistert ein. Geh. Oberreg.-Rat Wilhelmi dankte im Namen der Reichsregierung für die Begrüßung und wünscht den Verhandlungen besten Verlauf; Ministerialrat Braun heißt die Versammlung im Namen der hessischen Regierung herzlich willkommen und hofft, daß die Beratungen besten Erfolg haben werden. Baurat Jäger erwartet beste Durchführung der nicht leichten Aufgaben. Tas erste Ver- bandlungsthema betrifft: „Die Zugehörigkeit der handwerksmäßigen Großbetriebe zum Hand- n> e r f". Referent ist Tr. Neuhaus, Syndikus der Handelskammer in Berlin, der nach ausführlicher Begründung folgenden Leitsatz aufstellt: „Als Fabriken im Sinne der Novelle zur Gewerbeordnung vom 26. Juli 1897 sind nur diejenigen Betriebe anzusehen, bei denen eine weitgehende Arbeitsteilung durchgeführt ist. Eine Arbeitszerlegung liegt dann vor, renn die einzelnen im Produktionsprozeß vorkommenden Arbeiten von je einem besonderen Arbeiter vorgenommen werden, oder wenn von dem herzustellenden Gegenstände einzelne, für sich unselbständige Teile von je einem besonderen Arbeiter ausgeführt werden." Als Korreferent spricht Sekretär Moritz von der Handelskammer Tortmund gegen diesen Leitsatz, da er nicht ien Verhältnissen entspreche und stellte einen neuen Leit- atz auf. — Sekr. Poe sch mann begründet einen Antrag >er Handelskammer Dresden, der die Aufhebung der durch § 154 Abs. 3 der Gewerbeordnung in Verbindung mit der Kaiser!. Verordnung vom 9. Juli 1900 erfolgte Ausdehnung der Bestimmungen im § 135 bis 139 b der Gewerbeordnung auf Handelslehrlinge und deren Lehrherrn bezweckt. Ter Antrag wird dem Ausschuß zur Behandlung ilberwiesen. Herzog-Leipzig bringt hierauf folgenden Antrag ein: § 100 f der Gewerbeordnung in der Fassung der Novelle vom 26. Juli 1897 ist dahin zu ergänzen: „Als fabrikmäßig sind nur diejenigen Gewerbebetriebe anzusehen, in welchen unter weitgehendster Verwendung von Maschinen durch Teilarbeit erzeugte Massenartikel auf Vorrat hergestellt werden. Dagegen sind als handwerksmäßige Betriebe nur solche anzusehen, die ohne Rücksicht auf die Größe und den Umfang derselben zur Herstellung von Erzeugnissen hauptsächlich handwerksmäßig und mit mehrjähriger Lehrzeit ausgebildete Arbeitskräfte erfordern und auf Bestellung Dritter Arbeit gegen Entgelt ausführen. Man müsse direkt vorgehen und könne -sich auf das Wohlwollen der Regierung nicht verlassen." Schröder- Wiesbaden wünscht ebenfalls genaue gesetzmäßige Festlegung des Begriffes, und unterstützt den Antrag deAVorredners. — Dr.Mülpfort-Halle wünscht Ab? Trennung in sog. Betriebszweige, die dann auch getrennt besteuert werden müßten. — Tigge-Köln ist für möglichst scharfe Festlegung, da sonst sehr viele größere Handwerks- meifter der Besteuerung entgehen. Die Behörde müsse hier ein scharfes Augenmerk haben, wenn das Gesetz seinen Zweck erfüllen solle. — Dr. Müller -Gotha wünscht ebenfalls gesetzliche Festlegung des Begriffes; der Hallenser Antrag sei zu kompliziert. — Dr. Lin dstr öm-Hannover hält eine gesetzliche Festlegung aus verschiedenen Gründen zur Zeit für undurchführbar und schlägt vor, daß man die Regelung der Frage dem Reichs- und Bundestag nach Anhörung der Handwerkerkammern von Fall zu Fall überlassen solle. — Reichs- und Landtagsabg. Euler-Köln staubt, daß selbst nach gesetzlicher Festlegung noch Streilragen zur Erledigung blieben; Hauptsache sei der Klammenschluß aller Betriebe. Schröder-Wiesbaden pricht nochmals für den Antrag Leipzig, der mit Mehr- jeit angenommen wird. Falk-Mainz übernimmt nach einer Pause den Vorsitz für den Rest der heutigen Verhandlungen. Tr. Lind ström - Hannover referiert über das Thema: „Befähigungsnachwei s im Handwerk" und führt u. a. aus, daß kein Wort tetr, der Vorbildung, den Beruf usw. verschiedenartiger ausgelegt werden könne, doch sei die Frage Herzenssache jedes Handwerkers und deren Erledigung von größter Bedeutung. Die Schwierigkeiten seien aber sehr große, die Frage noch nicht ganz reif, und man müsse erst durch die Meisterprüfungen die Träger des Befähigungsnachweises schaffen. Beim Bauhandwerk müsse man allerdings sofort vorgehen. Er stellt folgenden Leitsatz auf: „Wir halten grundsätzlich daran fest, daß das letzte Ziel der Ordnung des Handwerks darin besteht, daß das selbständige Handwerk nur von denen aus- geüot werde, die den Nach weis der Befähigung für ihr Gewerbe erbracht haben. — Bei denjenigen Gewerben, wo die mangelhafte Ausführung der Arbeiten Leben ober Gesundheit von Menschen gefährdet, ist die Einführung des Befähigungsnachweises schon jetzt errei chbar; für das Handwerk in seiner Gesamtheit ist aber der Befähigungsnachweis nicht mit einem Male durch eine gesetzliche Verordnung von außen durchzuführen, sondern auf dem Wege einer allmählichen Entwickelung, einer Erneuerung des Handwerks von Innen heraus. Dazu gehört vor allem die A u s g e st a l t- ung der Innung so rganisation, der Gesellen- und Meisterprüfung zu einer das gesamte Handwerk umfassenden Einrichtung. Nicht die Vernachlässigung der im neuen Handwerkergesetze gegebenen Grundlagen, sondern ihre sorgsame Ausnutzung und Weiterbildung bringt uns dem Ziele des Befähigungsnachweises näher." Euler-Köln hält die Ausführungen des Vorredners für gut, meint aber, das Hanowerk fei zur Einführung des Nachweises schon vollständig reif; durch Einführung der Gewerbefreiheit sei die frühere gute Saat verdorben worden. Vor allem sei es nötig, das Standesbewußtsein des Handwerkers zu heben, das u. a. durch die Zuchthausarbeiten usw. sehr gedrückt sei; das Handwerkbedürfe des Schutzes, wie ihn andere Berufsstände auch haben; in einzelnen Betrieben sei der Befähigungsnachweis schon eingeführt. Er stellt einen veränderten Antrag. — Zu dem Antrag Hannover sprechen noch: Behrend-Schwerin, Schröder-Wiesbaden, Spengler-Dillenburg, Rothenhofer- Stuttgart, Neidhofer-Koblenz, Karschuk-Gumbinnen, Rollfuß-Zittau, Hartgenstein-Hildesheim. Ter Antrag wird mit knapper Mehrheit, 31 gegen 27 Stimmen, angenommen. Ueber den „Erlaß von Vorschriften der Handwerkskammern über die H ö ch st z a h l der von den einzelnen Handwerkern zu haltenden Lehrlinge, sowie über die Dauer der Lehrzeit" entspinnt sich eine lebhafte Debatte, an welcher sich der Referent Tr. Brehmer-Lübcch Falk-Mainz, Wollschläger-Berlin, Scholl-Aachen, Epp-Stettin, Karthaus- Osnabrück, Hartgenstein-Hildesheim, Behrens-Schwerin, Faster-Berlsn, Entzer-Kaiserslautern u. a. beteiligen- Zum Schluß tourbe nach Ablehnung zweier Anträge ber nach- folgente Antrag Kaiserslautern angenommen: „Es ist ber Hanbwerkskammer ans Herz zu legen, möglichst frühzeitig und schon jetzt, an die Frage der Höstzahl ber Lehrlinge unb dann ber Lehrzeit heranzutreten, selbstverstänblich unter Berücksichtigung ber einschlägigen Verhältnisse ihres Bezirkes, ba hierin Wanbel zu schaffen als eine unbedingte Notwendigkeit erachtet werden muß. — Um die Schädigungen zu vermeiden, sollen sich die Kammern Ausnahmebestimmungen Vorbehalten. Tamit schloß der erste Verhandlungstag; es fand darauf ein Festessen statt, bei dem die Kapelle der 23. Dragoner konzertierte; hieran schloß sich Besichtigung ber Künstler-Kolonie und große Abenbunterhaltung im Burgbräu. —1 Deutsche Chinakrieqer in Wien. Wien, 27. September. Das zweite Bataillon des 2. ostasiatischen Infanterie- Regiments ist auf seiner Heimfahrt heute vormittag 11 Uhr 10 Minuten hier eingetroffen und hat denselben herzlichen Empfang, den es auf seiner Durchfahrt durch Oesterreich bisher überall erfahren hat, gefunden. Tie deutschen Offiziere sowie die Mannschaften waren von dem Augenblicke, als sie die Waggons verließen, der Gegenstand der herzlichsten Sympathiebeweise. Auf dem Wege, den die deutschen Truppen nahmen, hatten 5000 Mann der Wiener Garnison in Parade-Uniform zur Spalierbildung Aufstellung genommen. Ter ganze Weg vom Bahnhof bis zum Schwarzenbergplatz einerseits sowie von hier zur Burg und der Al- brechtskaserne im hinter andererseits war von einer nach l Tausenden zählenden Menschenmenge besetzt, welche beim Vorbeimärsche den deutschen Truppen herzliche Willkommen- grühe entboten. Zum Empfange auf dem Bahnhofe hatten sich eingefunben: Koxpskommanbant Graf Uexküll-Gyllcn- chand mit Joem Generalmajor Fialla unb Generalstabs-Obcr leutnant Fox, Oberleutnant Arz mit den übrigen Herren des Stabes, ferner ber österreichisch-ungarische Generalstabs- hauptrnann Voyczik, welcher in China dem Stabe des Grasen Walders/e zugeteilt war, Bürgermeister Dr. Lueger mit ben beiden Vizebürgermeistern, alle drei geschmückt mit ber Äen Ehrenkette, der deutsche Botschaftsrat Freiherr nberg mit dem Personal ber Botschaft, ber bayerische Geschäftsträger Gras v. Moy, ber sächsische Geschäftsträger Prinz von Schönburg, ber deutsche Generalkonsul Freiherr v. Liebig mit bem Vizekonsul, Abvrbnungen ber reichsten t scheu Vereine in Wien, ter Präsibent ber Südbahu- gesellschaft Chlumecky sowie Generalbivektor Eger. Als das Signal zum Eintreffen bes Zuges gegeben war, trat Korpskommandant Graf v. Uexküll-Gyllenband mit den Herren des Gefolges und Bürgermeister Tr. Lueger mit den Vizebürgermeistern vor. Punkt 11.10 Uhr fuhr ein ungemein langer, mit zwei Schnellzugsmaschinen bespannter Zug in die Halle. Sobald derselbe zum Stehen gebracht war, entfliegen der Mitte des Zuges die deutschen Offiziere und kamen dem Korpskommandanten entgegen, welcher mit feinem Stabe den deutschen Gästen entgegeneilte. Nachdem Major v. Förster dem Korpskommandanten Grafen v. Uex- küll-Gyllenband Meldung erstattet hatte, hielt dieser an den Major folgende Ansprache: „Ich begrüße Sie auf das Herzlichste und bitte Sie, überzeugt zu fein, daß wir sehr erfreut sind, Sie in unserer Mitte zu sehen, und das umsomehr, als es dem Bataillon vergönnt war, sich unter ben schwersten Verhältnissen ganz besonders auszuzeichnen." Auf die Ansprache bes Grafen Uexküll dankte Major v. Förster mit herzlichen Worten. Tann trat Bürgermeister Dr. Lueger vor und sagte: „Meine Herren Offiziere und Mannschaften! Dem Auftrage Ihres Kaisers folgend zogen Sie auf ben so weit von Ihrer ! Heimat liegenben Kampfplatz, um in selbstloser Aufopferung, aber auch mit großen Strapazen Sühne für ben maßlosen Friebensbruch zu erlangen. Der Friebe i)t eingetreten unb Sie kehren in die Heimat mit dem Bewußtsein treu erfüllter Pflicht zurück. Heute sind Sie in der Residenz- unb Hauptstadt Wien eingetroffen, bem Mittelpunkt des Reiches, bas mit bem Ihrigen verbündet und verbrüdert ift Die Bevölkerung begrüßt in Ihnen tapfere, bem Kaiser treue Soldaten, welche ben Ruhm des deutschen Namens im fernen Osten vertraten. Wir begrüßen Ihr Erscheinen als ein neues Unterpfand der Freundschaft, welche die Völker Oesterreichs mit den Ihrigen verbindet und welche bestehen bleiben möge für immerwährende Zeiten. Möge Ihnen der Empfang, den man Ihnen in Wien bereitet, die Wahrheit meiner Worte bekunden. Es ist uns nicht vergönnt. Sie in den Festräumen des Rathauses zu begrüßen unb einige Stunden in echter Gastfreundschaft zu verbringen. Nehmen Sie den guten Willen für die Thal. Ich heiße Sie nochmals herzlich willkommen, möge es Ihnen wohl gefallen in unserer Stadt!" Major v. Fö rst e rentgegnete: „Ich danke Ihnen bestens für die hohe Ehre und den herzlichen Willkomm. Wir wissen, daß wir in Wien auf das Vortrefflichste aufgehoben sind. Ich danke Ihnen nochmals herzliche für die Begrüßung und dafür, daß Sie namens der Bürgerschaft hier erschienen sind. " Nachdem Botschaftsrat von Romberg und der Präsident der Südbahn noch Ansprachen gehalten hatten, erfolgte die Vorstellung der Offiziere. Tann verließen die Mannschaften den Zug, von 8er Musik des Berliner Kaiser Franz-Regiments erwartet, die sich an die Spitze des Bataillons fetzte, welches der Korpskommandant Graf Uexküll fetter in die Stadt führte. Die Begrüßung ber Bevölkerung war überwältigenb, Hüte und Tücher wurden geschwenkt, aus den Fenstern Blumen gestreut mit stürmischen Zurufen. Am Schwarzenbergplatz schwenkte die Fahnenkompagnie zur Hofburg ab, wo Kaiser FranzIo - seph in preußischer Generalfeldmarschallsuniform ber Fahnenübergabe beiwohnte. Die übrigen Truppen würben vom Grafen Uexküll nach der Albrechtskaserne geführt. Tie Offiziere des ostasiatischen Bataillons nahmen das Frühstück im Offizierskasino des Infanterieregiments Nr. 43 ein, die Mannschaften wurden in ber Kaserne bewirtet. Tie Offiziere waren am Abend zur Hoftafel beim Kaiser geladen. Es wurde ihnen ein Album mit Ansichten von Wien überreicht. Bei der Hoftafel brachte Kaiser Franz Josef einen Toast aus, worin eS heißt: „Kaiser Wilhelm, mein teurer Freund, hat angeordnet, daß bas aus China zurückkehrende Bataillon zuerst an unserer Küste Europas Boden betrete. Durchdrungen von treuer Waffenbrüderschaft, entbietet meine gesamte Wehrmacht dem Bataillon ein kameradschaftliches Willkommen. Wenn Sie in die Heimat zurückkehren, mögen Sie auch der Tage gerne gedenken, welche Sie mit ihren österreichischen Kameraden im fernen Osten und jetzt hier zu- sammenführten." Der Toast schloß mit einem Hoch auf Kaiser Wilhelm. Beim Frühstück in der Offiziers-Menage brachte Major von Forster einen Trinkspruch auf Kaiser Franz Joseph aus, Oberst Ruek auf Kaiser Wilhelm II. Beide Trink- sprüche wurden mit stürmischem Jubel aufgenommen. Oberst Zednik vom 43. Infanterie-Regiment, zugleich Kasernen- Kommanbant, welcher die China-Truppe Namens ber Kaserne begrüßen sollte, stürzte kurz vor bem Eintreffen ber Truppen über ein Drabtgitter, unb zog sich einen Bruck' des rechten Armes zu, sodaß er an dem Empfang nicht teilnehmen konnte. Nach- dem Anlangen der Fahnenkompagnie des China- «mrcnuvns tut Mn'ern des Burgplatzes nahm die Kompagnie Aufstellung mit der Front gegen die Reichskanzlei, den Gemächern des Kaisers gegenüber. Major von Förster kommandierte: „Präsentiert das Gewehr!" worauf der Fahnenführer mit der Fahne vortrat, die Musik intonierte die Volkshymne uud unter den Mangen der Hymne wird die Fahne, neben welcher Major von Förster mit gesenktem Säbel schritt, in die Reichskanzlei geleitet, wo sie in demselben Saale untergebracht wird, wo der Säbel des Marschalls Grafen Radetzky sich befindet. Nach der Rückkehr Des Majors v. Förster ertönt ein neuer Kommandoruf, die Kompagnie marschiert gegen das Kaiser Franz-Denkmal. Noch einmal wird präsentiert, die Musik intonierte wieder die Volkshymne. Aus dem mittleren Portal der Reichskanzlei tritt der Kaiser, begleitet von einem der Generaladjutanten. Braufenoe Hochrufe ertönen über den weiten Platz. Der Kaiser schritt die Front der Kompagnie üb, und kehrt in die Nähe des Kaiser Franz-Denkmals. Hier spricht er einige Minuten mit dem Major v. Förster. Die Kompagnie ordnet sich zur Defilierung vor dem Monarchen. Kolonnenformation erfolgt. Tie Musik spielt den Radetzkymarsch. Mit strammem Schritt marschieren die einzelnen Züge an dem Monarchen vorüber. Major v. Förster nahm hinter dem Kaiser Stellung. Tie Kompagnie ordnet sich! in Kolonnen zum Abmarsch und defiliert nochmals vor dem Kaiser. Unter den Klängen des Radetzkymarsches verläßt die Kompagnie die Burg. Erst als der letzte Zug vorüber ist, kehrt der Kaiser unter brausenden Hochrufen in seine Gemächer zurück. Flügeladjutant Tietrichshein begab sich um 1 Uhr in die Albrechtskaserne, um das deutsche Bataillon Namens des Kaisers zu begrüßen. "Politische Tagesschau. ' Ein Umschwung. Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 27. September: Durch die Presse gehen Mitteilungen, wonach Graf Bülow bei seiner Anwesenheit in Berlin sich dahin ausgesprochen haben soll, eine Revision des Zolltarifentwurfs in wesentlichen Punkten werde kaum zu umgehen sein. An sich ist es ja nicht unwahrscheinlich, daß der Reichskanzler den öffentlichen Kundgebungen in diesem Sinn Berechtigung zumißt. Aber man wird deshalb noch nicht als nahezu gewiß betrachten dürfen, daß der Doppeltarif für Getreide bereits im Bundesrat beseitigt wird. Die Information stammt „aus Berliner politischen Kreisen, die nahe Beziehungen zum Reichsamt des Innern unterhalten". Es wäre sonderbar, wenn gerade dies Reichsamt, dessen Chef, Graf Posadowsky, sich für den Doppeltarif am meisten ins Zeug gelegt hat, den „Umschwung", also die eigene Niederlage, prophezeite. Die Berufung auf diese Quelle vermehrt erst recht die Zweifel an der Botschaft. Lord Kitchener. Man hat sich wohl schon häufig gefragt, ob Lord Kitchener, der Oberstkommandirende der englischen Truppen in Südafrika, nicht endlich die ganzen Mißerfolge und halben Erfolge satt habe und nach einem Rücktrittsmotiv sich umsähe. Nach einer uns gestern telegraphierten Meldung der „Daily News" stände jetzt Kitchener auf dem Punkte, seine Demission zu geben, und zwar wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Kriegsminister Bro dick. Kitchener habe das Ersuchen abgelehnt, eine von ihm, dem Höchstkommandierenden, getroffene Entscheidung wieder aufzuheben. Nichts könnte der Sache der Buren mehr nützen, als der Rücktritt Kitcheners. Für sie würde dieses Ereignis eine gewonnene Schlacht aufwiegen ; die Aussichten auf eine gütliche Schlichtung des mörderischen Streites könnten sich dadurch nur verbessern. Das Reutersche Bureau erfährt aber schon heute, daß die Meldung betreffend die angebliche Demission Kitchener^ vollständig unbegründet sei. Das war vorauszusehen, denn man weiß, daß Kitchener doch ein zu guter Patriot ist, um Meinungsverschiedenheiten halber einen Posten im Stich zu laffen, auf dem er trotz des Mißgeschicks, das er in letzter Zeit gehabt hat, doch sehr schwer zu ersetzen sein würde. Schade. Den Buren wäre ein solcher Glücksfall zu gönnen gewesen, und am Ende dem Lord Kitchener auch, von dem Standpunkte aus, daß sein Ruhm als siegreicher Heerführer von Tag zu Tag mehr verblaßt. "DeutschesReichs Berlin, 27. Sept. Die Anwesenheit des Kaisers in dem russischen Grenzstädtchen Wyschtyten wird noch immer viel besprochen. Bekanntlich sind aus der Schatulle des Kaisers schon zu Anfang September 10,000 Mk. an die Abgebrannten zur Auszahlung gelangt. Auf ein Dankschreiben des Komitees antwortete der Kaiser: „Ich danke bestens für den freundlichen Segensgruß. Ich habe mich gefreut, zur Linderung der dringendsten Not der vom Brandunglück Betroffenen beitragen zu können, und hoffe, daß das Komitee durch reichliche Spenden barmherziger Menschenliebe in den Stand gesetzt werde, den in ihrer wirtschaftlichen Existenz schwer bedrohten Unglücklichen noch weiter Hilfe zu senden." Außer der Geldspende sorgt der Kaiser für die meist jüdischen Abgebrannten noch in anderer Weise, indem er täglich 500 Pfd. Brot und koscher geschlachtetes Fleisch durch deutsche Beamte auf dem Marktplatze in Wyschtyten verteilen läßt. — Der Staatssekretär des Reichs-Marineamts, Vize- Admiral v. Tirpitz, hat sich am 26. September abends nach Rominten zum Vortrage beim Kaiser begeben. — Prinzessin Friedlich August von Sachsen ist in Wachwitz von einer Prinzessi.n entbunden worden. Das prinzliche Paar ist seit 1891 verheiratet. Die Prinzessin hat ihrem Gemahl, dem präsumtiven Erben der sächsischen Königskrone, jetzt das fünfte Kind geschenkt. — Den Zentrumsführern, die sich in Osnabrück hervor- gethan haben, ist nun der Dank aus Rom geworden. Der Papst hat dem Justizrat Trimborn in Köln die goldene Medaille verliehen und an den Amtsrichter Engel en in Osnabrück ein Handschreiben gerichtet. — Dem „Lok.-Anz." zufolge ist der Vertrag mit dem Reichsmilitärsiskus über die Entfestigung der Südseite der Stadt Metz nach jahrelangen Verhandlungen nunmehr genehmigt und damit die Aussicht auf eine neue Entwickelung der Stadt eröffnet worden. Mit der Niederlegung der Wälle soll im Interesse der Arbeiten sofort begonnen werden. — Wie von zuständiger Seite zu den Vorkommnissen auf der „Gazelle" mitgeteilt wird, ist eine strenge Untersuchung eingeleitet, über deren Verlauf bis auf Weiteres nichts mitgeteilt werden kann. Es soll jedoch nichts vertuscht werden, und eine strenge Ahndung Platz greifen. Die Exzedenten sind zum Teil Leute, die im letzten Jahr dienen und deren Enlasiung zur Reserve natürlich bis zum Schluß des Verfahrens aufgeschoben wird. Reservisten, die zu den Uebungen eingezogen waren, sind an der Affaire nicht beteiligt. — Der „Evang. Arbeiterbote", das Organ des Gesamt- verbandeS der evangelischen Arbeitervereine, meldet folgendes: „Wie wir soeben erfahren, hat der jetzt versammelt gewesene Ausschuß des Gesamtverbandes Vorkehrungen getroffen, oaß eine Agitationsreise Naumanns ins Ruhr-Revier nicht wieder vorkommt, und daß sein Einfluß auf das ihm gebührende Maß beschränkt wird. Die Wahlperiode Naumanns läuft zudem in einem halben Jahre ab. — Am 1. Oktober wird eine besondere Vermessung S- Kompagnie bei der Flotte gebildet werden. Braunschweig, 27. Sept. Der Kongreß der deutschen Rechtspartei hat in betreff der braunschweigischen Frage folgende Entschließung angenommen: „Die deutsche Rechtspartei erblickt in der vom Bundesrate verfügten Behinderung des rechten Erben an der Besitzergreifung des Thrones eine Versaguna des dem Herzogtum Braunschweig vom Reiche geschuldeten Rechtsschutzes und eine Maßnahme, die in ihrer Begründung mit der Machtherrlichkeit des Reiches in auffälligem Widerspruche steht. Die Rechtspartei bält die baldmöglichste Beseitigung dieses rechtswidrigen und befremdlichen Zustandes nicht nur für die Pflicht der verbündeten Fürsten und freien Städte, sondern auch für eine Lebensfrage chrer monarchischen Existenz und Selbständigkeit." Die Entschließung soll sämtlichen deutschen Fürsten übermittelt werden. Stuttgart, 27.Sept. Der 1. württembergische Handelskammertag nahm folgenden Antrag betreffs der Vereinheitlichung des Eisenbahnwesens an: „Der Handelskammertag erklärt die Vereinheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens und den Anschluß der württembergischen Eisenbahn an die preußisch-hessische Eisenbahngemein- schast aus wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Gründen als vorteilhaft und dringend wünschenswert." Bei der Abstimmung über diesen Antrag stimmten 6 Handelskammern dafür und 2 dagegen. Ausland. Basel, 27. Sept. Heute konstituierte sich die „Interna tionale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschu tz". Rechtsanwalt Scherrer aus St. Gallen, der auch zum Präsidenten der Vereinigung gewählt wurde, begrüßte die Anwesenden, und Regierungsrat Philippi entbot der Versammlung den Gruß der Regierung des Kantons Basel-Stadt. Ter Sekretär der Vereinigung, Tr. Stephan Weber sprach über die Aufgaben des Internationalen Arbeitsamtes und entwickelte dessen Organisation und Ziele. Newyork, 27. Sept. Czolgosz wurde gestern abends spät, an Händen gefesselt und von einer Polizeiwache begleitet, nach dem Staatsgefängnis in Auburn abgeführt. Als er heute, 3 Uhr morgens, in Auburn ankam, machte die Volksmenge einen Angriff auf die Polizeiwache und versuchte, Czolgosz zu lynchen. Es entstand ein heftiger Kampf. Tie Polizei zog Revolver und schlug mit Knütteln auf die Angreifer. Endlich gelang es der Polizei, Czolgosz in Sicherheit zu bringen; er ist j-»tzt im Gefängnis. Czolgosz zeigte große Feigheit und schrie vor Schrecken über das feindselige Vorgehen der Volksmenge. Auf dem Wege zum Gefängnis sagte Czolgosz den Polizisten, er bedaure sein Verbrechen und bemitleide Frau Mac Kinley. — Einer Depesche aus Willemstad (Curaca'o) zufolge, ist dort die Meldung eingetroffen, daß in einem Gefecht auf der Halbinsel Goajira 300 Venozelaner mit vier Geschützen gefangen genommen, 600 getötet oder verwundet seien, bezw. vermißt würden. Unter den Verwundeten soll sich ein Bruder des Präsidenten Castro befinden. Aus Stadt und Iand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gieß en, den 28. September 1901. • • Postkarten mit aufgellebten Briefchen. Die Karten mit aufgeklebten Briefchen sollen, wie das Amtsblatt des Reichspostamts mitteilt, von jetzt ab versuchsweise zur Versendung gegen die Brieftaxe zugelassen werden, sofern die kleinen Umschläge der ganzen Fläche nach auf den Karten aufgeklebt sind. Nach der Postkartentaxe frankierte derartige Karten sind als unzureichend frankierte Briefe zu behandeln. * * Konzert. Am morgigen Soyntag findet in der Südanlage wieder die übliche von unserer Regimentskapelle veranstaltete Promenadenmusik statt. Das Programm besteht aus folgenden Stücken: Ouvertüre z. Op. „Die Felsenmühle" von Reißiger. Volksszene a. d. Op. „Der Evangelimann" von Kienzl. Venus steig hernieder, Walzer von Lincke. Hochzeitsmarsch a. d. Sommernachtstraum von Mendelssohn. • * Zn der nächsten Schwurgerichtsperiode kommen folgende Sachen zur Verhandlung: Es wird verhandelt am Montag den 30. September, vormittags O1/^ Uhr, gegen Emma Erb aus Flensungen wegen Kindesmords. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist GerichtsassessorDr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt W eidig. — Am Dienstag den 1. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Marie Schneider, Just. Heinrich Biermann und dessen Ehefiau, sämtlich aus Gießen, wegen Meineids und Anstiftung hierzu. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwalt Reuß. Die Verteidigung führen Rechtsanwalt Mendelsohn, Römheld und Grünewald. — Am Mittwoch den 2. Oktober, vormittags 8 Uhr, gegen August Gollhofer aus Kreuzbergerhof bei Trier wegen Notzucht. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Ober-Staatsanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt H o o s. Am Donnerstag den 3. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Ludwig Böckner aus Maulbach wegen Meineids. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Gerichtsassessor Dr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Römheld. — Am Freitag den 4. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Johann Debus aus Damm wegen Brandstiftung. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwalt Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Leun. — Am SamStag den 5. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Emilie Kirsch mann aus Ranstadt wegen Kindesmordes. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwalt Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Arnold. — Am Montag den 7. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Konr. Chr. Emil Storch aus Schotten wegen Meineids und SittllchkeÜS? verbrechens. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staats' anwalt Zimmermann. Die Verteidigung führt Rechts^ anwalt Grünewald. — Am Dienstag den 8. Oktober vormittags 9 Uhr, gegen Friedrich Kaut II., aus Lauterbach wegen Meineids. Vertteter der Staatsanwaltschaft ist Ge- richtsasseffor Dr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechts anwalt Engi sch. — Am Mittwoch den 9. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen Friedr. Wilh. H e b e r e r aus Homberg a. d. Ohm wegen Verbrechens im Amt. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Dr. Hetzel. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Raab. — Am Mittwoch den 9. Oktober, vormittags 11 Uhr, gegen Hermann Stahl aus Halle a. Saale wegen Notzuchtsversuchs. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwalt Reuß. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Spohr. — Am Donnerstag den 10. Oktober, vormittags 9 Uhr, gegen I. K. Re u s ch aus Langgöns wegen Not- zuchtsversuchs. Vertteter der Staatsanwaltschaft ist Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich. Verteidiger Rechtsanwalt Grünewald. Am Donnerstag, 10. Okt., vorm. 11 Uhr, gegen Konrad Büttner aus Höckersdorf wegen Sittlichkeitsverbrechens. Der Vertteter der Staatsanwaltschaft ist Ober-Staatsanwalt Dr. Güngerich. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Rosenberg. — Am Donnerstag, 10. Okt., nachm., gegen Balduin Traub aus Herbstein wegen Sittlichkeitsverbrcchens. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Ober-Staatsanwalt Dr. Güngerich. Der Verteidiger ist noch unbekannt. — Am Freitag den 11. und Samstag den 12. Oktober, jedesmal vormittags 9 Uhr, gegen Witwe Lisette Schneider und Aygust Schneider, beide aus Stammheim, wegen Mordes. Vertreter der Staatsanwaltschaft ist Staatsanwalt Zimmermann. Die Verteidigung führt Rechtsanwall Raab. P. Die Verbesserungen der Turnhalle an der Nordanlage gehen ihrer Vollendung in einigen Tagen entgegen. Der Turnverein hat seine Absicht, die vorderen Räume des Hauses zu unterkellern und int Erdgeschoß eine Restaurationsküche anzulegen, weaen der damit verbundenen großen Kosten nicht zur Ausführung gebracht. Tie elektrische Beleuchtung und Die Anlage der Bedürfnisanstalten jedoch ist ausgeführt. Meister Euler hat die große Halle zwar einfach, aber vornehm neu gemalt. Die Holzarchitekturteile des weiten Raumes sind in Resedafarbe gehalten und die Wandflächen weiß mit grünen Umrandungen gestrichen. Tie Decke ist ebenfals in lichten Farben hergestellt, so daß das Ganze den Eindruck einevornehmen Gesellschaftssaales macht. Sehr praktisch ist eine neu hergestellte Verbesserung der Verbindung zwischen dem Garderoberaum und der Halle, indem statt der früheren engen Thür eine die ganze Breite des Vorraums ein- nehmende zusammenlegbare Flügelthür den Garderoben- taui:: mit dem Saal zu einem Raum verbinden läßt. — Wir hören üorigens, daß der Konzert-Verein beschlossen ha.', Mitte Dezember in der Turnhalle ein Konzert zu veranstalten. Es soll das vom Universitäts-Musikdirektor Wolfrum in Heidelberg komponierte Weihnachts- Oratorium mit großem Orchester aufgeführt werden, das mit mimischen Darstellungen verbunden ist, welche sich auf der neuen Bühne des Turn-Vereins mit den Effekten des elektrischen Lichtes vorzüglich, und künstlerisch vollendet bringen lassen werden. *♦ Der Gesangverein „Harmoni e", bekanntes einer der ältesten Vereine unserer Stadt, feiert am 5. Oktober sein 55 jähriges Stiftungsfest im Festsaale des Cafe Leib, und mit einem Ausflug auf die Liebigshöhe am Sonntag den 6. Oktober. (Vgl. Inserat.) — Gesellenprüfung. Otto Adolph (nicht Adolf Otto) hat jüngst die Gesellenprüfung als Eisendreher mit Auszeichnung bestanden. ** Ueberfahren. Gestern abend wurde am Riegelpfad ein Kind von einem Radfahrer überfahren. Tas Kind spielte m/. mehreren andern dort und wollte von der einen auf die andere Seite der Straße laufen, als gerade der Radfahrer daherkam. So lief es ihm direkt vor das Rad. Anscheinend hat es keine großen Verletzungen davon- getragen. u. Lauggons, 28. Sept. Der Verkauf des Frankfurter HofeS, der zwischen Kath. Mohr und I. Metzger in Butzbach bereits abgeschlossen war, ist wieder zurückgegangen. ? Langgöns, 27. Sept. Nächsten Mittwoch den 2. Oktober findet hier Gemeinderatswahl statt. Es sind vier Kandidaten aufgestellt worden. Bis jetzt hat sich noch keine sonderliche Auftegung aus Anlaß der Wahlen bemerkbar gemacht. ? Gambach, 26. Sept. Es dürste nicht viele Orte geben, die ein Gsmeinderatsmitglied aufiveisen können, das schon so lange für das Wohl der Gemeinde thätig ist, wie unser Ort. Es ist Gastwirt Müll von hier, der demnächst sein 50 jährigeS Jubiläum als Gemeinderat feiern kann. — Lollar, 27. Sept. Bei der heute stattgehabten Gemeinderatswahl wurden die ausscheidenden Mitglieder H. Riehm II. und H. Schön wiedergewählt und Philips Schmidt. V., sowie Heinr. Rohrbach VI. neugewählt. (ff) Lich, 27. Sept. Bei der heutigen Gemeinderatswahl wurden Joh. Heinr. Jhring, Brauereibesitzer, mit 196, Hermann Heller mit 167, Philipp Zimmermann mit 143 und Konrad Zimmer mit 125 Stimmen gewählt. Es wurden 246 Stimmen abgegeben. Büdingen, 27. Soptbr. Die Firma Siemens in Berlin, die vor einiger Zeit die hiesige Glasfabrik übernommen hat, hat auch die Braunkohlen-Zeche „Hedwig" von der Mittel- deutschen Kreditbank käuflich erworben. )!) Friedberg- 28. Sept. (Telephon-Meldung des „Gieß. Anz.") Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich gestern auf der Eisen-und Manganerz- Gewerkschaft in Oberros bb ach. In einen unter Wasser stehenden Schacht wurde ein Taucher hinabgelassen, um die Sachlage festzustellen. Als er sich außergewöhnlich lange in der Tiefe aufhielt, ohne ein Zeichen zu geben, daß er wieder an das Tageslicht befördert werden wolle, versuchte man ihn in die Höhe zu ziehen. Als man eine Zeit lang gezogen hatte, gewahrte man zum größten Schrecken, daß das Seil gerissen war; denn man brachte nur einen Teil davon und ebenso nur einen Teil des Luft- schlauches an die Oberfläche. Der Unglückliche hat rn Der Tiefe ein schreckliches Ende gefunden. Es wurden sofort Versuche zur Bergung der Leiche unternimm men, die aber bis jetzt noch keinen Erfolg hatten. e. Bad-Nauheim, 27. Hept- Ter hiesige große Teich, in dem sich erst vor 14 Tagen, wie wir damals ausführlich gerichteten« £iu LiMeMärche^ aus VadeLE- "Ä QU3 j» $un9 % iS1 ;n 9. rXNfe etet Qu» 3 °oti kctrekrbete igunq Ottober*** k ^sSS* $r£S,q< *«■ °L°? ingööne »na ' *>*»* K«*Si *Sä Ä; fccarij ^Äniwtt T, “Munt, _ Si Ä ieie5, i' V S^netbH t ®*™1' ro* Lj Smtsaimn Rechtsanwali peinigen Taga die vordem -n bec damit u«, ^luhrung gebrachte der AdüM ster Euler hat b-.- 1 neu gemalt. $• sind in Resei»: 1p mit grünen Ur ebenfals in sich den Eindruck eir !hr Praktisch ist e ldung zwischen t statt der frühe: )es Borraums r t den Garderot Minden läßt.-- Verein beM lle ein Konzert. sitäts-Musildiret:: te Weihnachl;> nifoeftytt toerir inbtn ift, M:: ins mit ben । tiinjtleri$ voll. \u", am 5. £*. tzrWole d6 G MheamSoiMz snicht Adoh Dtiol sreher mit AuSzch > wurde am Mgrl- erfahren. SaW nd wollte von im : laufen, als gerat! ihm direkt vor L Verletzungen bto:: kauf de? Frachrir Metzger in Butzbü ickgegangen. Wwoch den 2. i. Es sind vier Ko hat sich noch tc Zahlen bemerkbar G viele Orte ge können, das $c: hätig ist, «Rj* ti der demnach!! feiern kann, te ft«W* cheid-ndm M ; «M ® , «' . neufletwflt». ■ufiqen Brauereibesitzrl' J timmm ff* , Siemens ig" von sK-s ÄS rKs °ld»t gW mall zu braa- DS Achtung! Achtung! Lülly's Bittkeller. Heute, Sonntag, 29. Septbr. Aofts TNNMMW. ‘ Anfang 4 Uhr. Abends: AoßeUlltcrhliltilng. Es ladet freundlichst ein. 03837________Der Vorstand. ilankkrtbit, Wechseldiskont, Heteicbs. v und Kypothrtttll.Kapital etr. strentz diskret tn jeder Höhe. 526, LS. Hirsch Verlag, MannhrW taten überall unterlegen. Tendenz: test. ra . 100.10 . 90.40 . 100.30 . 90.45 . 98.20 . 99.05 42.60 . 25.60 . 26.00 . 83.50 Kreditaktien . . Diskonto-Kommandi Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Gotthard bahn . . Laurahütte . . « Bochum . . • « Harpener « • • . . 192.90 , . 169.80 . . 113.20 . . 118.50 . . 130.40 . . 132.70 . . 156.00 . . 174.50 . . 159.00 . . 147.50 Neueste Meldungen, vriginaldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. Berlin, 28. Cept. Der Kaiser wird in der nächsten Woche nochmals aus Romiuten zu einem kurzen Besuch Danzig 28. Sept. Bezüglich der Aufsichtsräte bet "Aktiengesellschaften besteht, wie die „Rat. lib. Cortefp." meldet, wedet bei det Reichsverwaltung noch bei bet preuhrschen Regierung die Meinung, daß es z. Z. angebtacht sei, eine Aeude- rung der Gesetzgebung in Vorschlag zu bringen. Berlin, 28. Sept. Die Kritik des Kaisers an dem Vermischtes. • Glogau, 27. Sept. Auf den vor Preußenthor am Bahnhof gelegenen Holzhöfen wütet seit dem frühen Nachmittag eine große Feuersbrunst. Um 4 Uhr standen bereits drei große Holzhöfe sowie der Lagerhof einer Speditionsfirma in Flammen. Das Feuer drohte auf die übrigen Holzhöfe überzugreifen. Die außerordentliche Hitze, welche das brennende Holz verbreitet, macht ein Herankommen an die Brandstätte fast unmöglich. An den Löscharbeiten nehmen auch Truppenteile der hiesigen Garnison teil. Hofmauu'fchen Märchenbrunneu, zu besten Aufstellung der Kaiser bie Genehmigung versagte, befand sich gestern bereits in den Händen des Berliner Polizeipräfideule». Sie war diesem vom Minister des Innern zngestellt worden. Das Original der kaiserlichen Kritik hat der Minister behalten vnd der Behörde nur einen ausführlichen Auszug zugehen lasten. Die Kritik selbst stellt sich als eine umfastende Abhandlung dar, in welcher der Kaiser fein Urteil mit aller Ausführlichkeit ebenso begründet, wie seine Vorschläge auf Abänderung des Entwurfes. Bochum, 28. Sept. Der Regierungs- und Medizinalrat Ferholt erklärt die Meldung, im Gelseukirchener Leitungswaffer seien Typhusbazilleu gefunden worden, für unzutreffend. In bakteriologischer wie chemischer Beziehung sei keine Veränderung des Masters, die auf eine Verunreinigung schließen laste, wahrzunehmen. Eine auf diesem Wege stattgefundene Infektion des Leituugswasters sei nicht nachzuweisen. Hamburg, 28. Sept. Ein bekannter Berliner SportSmann hat sich gestern im Berliner Nachmittagszuge vergiftet. Das Motiv det That ist unbekannt. Dresden, 29. Sept. Soweit die Ergebniffe bet sächsischen Laubtagswahlen zu übersehen find, find bie Sozialbemo- Rom, 28. Sept. Die Nachrichten über ben Staub bet Pest lauten fottbauetnd günstig. Die Untetsuchung bet aus Neapel kommenden Reisenden witd deshalb wiedet aufgehoben. Lemberg, 29. Sept. Eine furchlbate Feuetsbtunst hat die galizische Stadt Balin völlig zerstört. 300 Gebäude tnb verbrannt. Loudon, 28. Sept. Die „Daily News" bestätigen die Meldung, daß seit dem 9. September bis jetzt 10000 Mann Verstärkungen nach Südafrika abgesandt wurden. Das Blatt behauptet, diese Nachricht aus amtlicher Quelle zu haben. London, 28. Sept. Det „Standard" meldet aus Schanghai: Meldungen aus Singanfu zufolge wird die Kaiserin Mittwe bei der Ankunft des Hofes in Kaifengfu ben Thronerben Puphyn enterben, weil er einen zu verschwenderischen Lebenswandel führe. London, 28. Scpt. Aus Schanghai wird gemeldet: Wie verlautet, unterhandelt China augenblicklich mit Rußland, nm diesem fünf Kreuzet im Wert von 25 Millionen zu verkaufen. Ein Bataillon regulärer chinesischer Truppen hat vorläufig die aus Marinesoldaten bestehende Garnison beseht London, 28. Sept. Lord Kitcheuer meldet aus Prä- toria - Leutnant Miers, der seinen Posten bei Riversbaal am 25. Sept, verlassen hat, um 3 Buren entgegen^ zu gehen, bie sich unter bem Schutz einer weißen Flagge näherten, würbe von biesen niebergeschosteu. Die Buren entflohen. — Ferner berichtet Kitchener: Die Posten bei Etala und Prospekt an bet Gtenze be8 Zululaubes wutbeu von einet Batten Burenabteilung angegriffen. Anscheinend kommandierte Botha. Nach heftiger Gegenwehr wurden die Buren unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Auf englischer Seite hatte man 1 Toten und 9 Verwundete. London, 28. Sept. Die tägliche Verlustliste der eng- lischen Truppen in Südafrika beziffert sich auf 2 Tote und 8 Verwundete, 2 Gefangene und 7 an Krankheit Verstorbene. Johannesburg, 28. Sept. Eine Abteilung berittener Infanterie nahm 30 Mann vom Kommando Cornelius Krügers gefangen, erbeutetete zahlreiches Vieh, Proviant und Gewehre. Schanghai, 28. Septbr. Bei det chinesischen Regierung findet das Anerbieten Rußlands, das Peitanggeschwader für fünf Millionen Rubel, welche von der an Rußland zu zahlenden Entschädigung abgezogen werden sollen, anzukaufen, eine günstige Aufnahme. Das Geschwader besteht ans 3 schnellen Kreuzern, 4 Torpedoboolszerstörern und einigen kleineren Kreuzern 3. Klaffe. S. Darmstadt, 20. Sept- Zu Beginn der heutigen Verhandlung des Handwerkskammertages wird das Thema „das Oubmissionswesen" verhandelt. Es referiert Nagel-München, der 21 Leitsätze aufstellt. Dr. Rochl-Saar- brücken stellt 8 Leitsätze als Vertreter der Saarbrücker Handwerkskammer auf. Aulbach-Mannheim verliest eine Anzahl Leitsätze der Mannheimer Kammer. Küstier-Hannover stellt den Antrag, sämtliche Leitsätze dem Ausschuß zur nochmaligen Prüfung zu überweisen und das Resultat binnen sechs Monaten den einzelnen Kammern zur Beschlußfassung vorzulegen, die ihre Beschlüsse innerhalb 8 Wochen wieder dem Ausschuß, mitzuteilen haben. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Sodann spricht Karschuck-Gum- binnen über die Konkurrenz der staatlichen und städtischen Betriebe mit dem selbständigen Handwerk. Er bespricht zunächst die Konkurrenz beim Militär und beantragt, hier Telephonischer Kursbericht. Frankfurt a. DL, 28. September. 8 ’/»®/o Reiohsanleihe . 30/n do. . . 3V,e/o Konsole . . . 3<>/o do. ♦ . . I 3l/ee/o Hessen . . . 50/q Italien. Rente . . 4 /q Grieoh. Monopol-Anl. 3 /o Portugiesen . . . 30/q Mexikaner . . . 4*/a% Chinesen . » . heim ertränkte, hat schon wieder ein Opfev gefordert. Diesmal ist der Selbstmörder nicht ein Nauheimer. Er ist vielmehr eigens zu dem Zweck hierhergereist, um _ fein unseliges Vorhaben auszuführen. Ter Selbstmörder ift der 57 Jahre alte Kaufmann A. Rh ein stein ans Frankfurt am Main, Bockenheimer Anlage 5. Dor zwei Tagen verließ er seine Familie unter dem Vorwand, geschäftlich nach Bingen zu reifen. R. fuhr aber nach Bad-Nauheim und logierte sich in einer bekannten Villa, wo feine Frau im vorigen Jahre wohnte, ein. Gestern teilte er von hier aus feiner Familie in Frankfurt seinen Entschluß, sich im Nauheimer Teich das Leben nehmen zu wollen, brieflich mit Um 6 Uhr heute früh fand ein Parkwärter am östlichen Ufer des Teichs eine Visitenkarte mit der Bleistiftnotiz: „An dieser Stelle bin ich in den Teich gegangen, um meinem Leben ein Ende zu machen!" Auch des Unglücklichen Hut lag am Ufer, an dem ebenfalls eine Visitenkarte befestigt war. Als man die Leiche in das Totenhaus überführte, trafen die Angehörigen ein. Ueber die Ursache zu dem Selbstmorde wurden bisher nur Gerüchte bekannt. Theater, Kunst und Wissenschaft. - Freue Triesch und die Theater-Agenten. Aus Frank- furt a. M. wird geschrieben: Vor der 3. Zivilkammer des Kontgl. Landgerichts in Frankfurt wurde ein außergewöhnlicher Prozey verhandelt. Beklagte ist Irene Triesch, die kürzlich ihre mtt 25000 Mark honorierte künstlerische Stellung am Deutschen Theater m Berlin antrat, Kläger der in der Theaterwelt bekannte Enaagements- vermittler Frankfurter. Die deutsche Düse hatte Herrn Frankfi^ter beauftragt, ihr ein Engagement in Berlin zu vermitteln. Das Berliner Engagement kam auch zn stände, aber nicht durch Frankfurter, | andern einen anderen Agenten, frankfurter klagte nun 5000 Mk. entgangenen Gewinn ein und brachte ein bedeutendes Aktenmaterral vor, das seine Ansprüche begründete. An diesem Material muß der Künsterlin viel gelegen sein, und thatsächlich sollen es auch sehr 1 nteressante Briese sein, die Frankfurter in Händen hat. Zuletzt 1 nnrbe eiu Vergleich vorgeschlagen, demzufolge sich Irene Trisch verpflichtet, in monatlichen Raten von 250 Mk. 3000 Mk. an -^rank- I urler zu zahlen, wogegen dieser ihr die Korrespondenzen ausliesert. Außerdem erhält der Agent eine Cession in der Hohe der Forderung cm das Deutsche Theater. Beide Parteien haben sich innerhalb 8 Tagen über diese Bedingungen zu verständigen. Dieser Prozeß 1 st auch insofern recht interessant, als er den Nachweis liefert, welche •Summe bie Künstler unb Künstlerinnen ben Agenten opfern müssen. Li<$ ist hohe Zeit, baß auch diese Verhältnisse gesetzlich geordnet imerbcn. __________ , Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gießen, 28. September. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,05—1,30 Mk., Hühn eruier pr. Stück 0 Psg., 2 Stück 13—15 Pfg., Käse pr. Stuck 5—8 Pfg,. s.1 äsematte 2 Stück 5-8 Pfg., Erbsen pr. Liter 22 Pfg., Linsen per Ui (er 34 Pfg., Tauben pr. Paar 0,75—1,00 Mk., Hühner pr. Stuck I 20-1,60 Mk., Hahnen pr. Stück 0,70—1,20 Mk., Enten pr. Stück ,1 00—0,00 Mr., Gänse pr. Pfd. 60—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Psg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweine- fleisch pr. Pfund 64—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund R4 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60-66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund foO—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kar. 4,00—6,00 Mk., Weißkraut per .-nick 14—25 Pfg., Zwiebeln pr. Zentner 7,50—8,00 Mk., Milch per _'iter 18 Pfg. Aepfel per Pfd. 15-20 Pfg., in Körben 12—15 Pfg. L rauben 35-50 Pfg., Tomaten per Pfd. 18-20 Pfg. Wenig Angebot gab es von Erbsen, Gurken und Radieschen. Enten sehlten. Dauer der Marktzeit von morgens 8 Uhr bis nachmittags y Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeit darf nicht Umherziehen seilgeboten werden. mit allen Mitteln emzugreften. Auch- werde von vicleE Telegraphenbeamten das eleftroted^rifdje Gewerbe geq schädigt. \ Lübeck, 28. Sept. Ter sozialistische Parteiq t a g nahm nach sehr langen und heftigen Erörterungen über die parlamentarische Thätigkeit mit großer Mehrheit den Antrag Bebels an: der Parteitag erwartet, daß sich die sozialisttschen Landtagsabgeordneten bei Abstimmungen nicht in Widerspruch setzen mit dem Partei-Programm und den Grundsätzen des parlamentarischen Klassenkampfes, insbesondere das Gesamt- Budget ablehnen und ihre Zustimmung zum Budget nur ausnahmsweise aus zwingenden besonderen Gründen geben. Ter Partettag wird wahrscheinlich heute abend beendet werden. Hamburg, 27. Sept. Ter Kongreß deut schev Aerzte und Naturforscher schloß abends mit einem Kommers ab. Vorher hatte eine Elb fahrt nach Blankenese mit glänzender Uferbeleuchtung bei der Rückfahrt stattgefunden. Hierbei zeichnete sich die vom ReichDkanzler bewohnte Villa besonders aus. Wien, 28. Sept. Der aus der Strafanstalt Suben ausgebrochene, zu lebenslänglichem Kerker verurteilte Raub- mlörder Misliveeek wurde nachts in der Nähe von Wien von einem Gendarmen erschossen. Wien, 28. Sept. Der Parteitag der Sozialdemokraten Oesterreichs wird für den 1. November nach Wien einberusen. Wien, 27. Sept. Major Förster, sowie sämtliche deutsche Offiziere folgten heute einer Einladung des reichsdeutschen Vereins „Niederwald" zu einem Festmahle, an dem auch der deutsche, bayerische und sächsische Geschäftsträger, sowie die Mitglieder der deutschen Botschaft und die des deutschen Generalkonsulats und die Präsidenten der reichsdeutschen Vereine mit vielen Vereinsgenossen teilnahmen. Ter deutsche Geschäftsträger von Romberg brachte mit herzlichen Worten einen Trinkspruch auf Kaiser Franz Josef aus, worauf die Kapelle die österreichische Volkshymne spielte. Ter Präsident des Vereins Niederwald toastete auf Kaiser Wilhelm. Lüttich, 28. Sept. Der allgememe Ausstand der Bergarbeiter ist gestern abend in einer Versammlung der Delegierten einstimmig beschlossen worden. Die Beratung dauerte über drei Stunden. Anwesend waren 16 Delegierte, welche über 10 000 Arbeiter vertraten. Die Diskussion war eine überaus lebhafte. Ter Ausstand soll am nächsten Montag beginnen. * London, 28. Sept. Zwischen mehreren Regierungen ist darüber eine Einigung erzielt worden, daß es uner- läßlick) fei, die Anarchisten-Presse zu vernichten und in Zukunft das Erscheinen und Verbreiten von anarchistischen ©djriften unmöglich zu machen. Weitergehende Schnitte seien vorläufig nicht in Aussicht genommen. Rom, 28. Sept. Trotz aller Dementi wird tn wohl informierten Kreisen auf das bestimmteste versichert, daß der Papst infolge der kürzlichen Abkühlung sich seh« schwach und bedenklich hinfällig fühlt. Lissabon, 28. Sept. Ter Marineminister hat den großen Uebersee-Dampfer Zaire gemietet, welcher am 5. Oktober mitTruppen-VerstärkuiigennachLouren- zo Marquez abgehen soN. . Oran, 28. Sept. Tas hiesige Kriegsgericht verurteilte einen Soldaten wegen Ermordung zweier Kameraden zum Tode. Im hiesigen Gefängnis besinden sich zur Zeit 10 zum Tode Verurteilte. Durban, 27. Sept. Bei Katazv int Zululand fand am 26. ein Gefecht statt, wobei 1 Engländer fiel, 9 verwundet wurden. Bei Sonnenuntergang zogen sich dte Buren, zurück. P r e 10 r i a, 27. Sept. Neuerdings werden Erlaubnisscheine zur Rückkehr der Flüchtigen nach dem Rand in großer Zahl ausgestellt. Es besteht aller Anlaß zu der Hoffnung, daß bald Maßnahmen zur Rückkehr in mehr allgemeinem Umfange ergriffen werden. Handarbeitsunterricht Jungen Mädchen unb Kinbern erteile ich gründlichen Unterricht im Häkeln, Weitz- und Bnut- stickcn, fowie sonstigen feinen Handarbeiten. 6464 fttm Wagner, ttT Konkursimsahttil. Das Konkursverfahren über 'das Vermögen des Schuhmachers Theodor Eißfeller m Gießen wird eingestellt, da eine den Kosten des Verfahrens entsprechende Masse nicht vorhanden ist. 6491 Gießen, 25. Sept. 1901. Großh.- Amtsgericht. "SWWttlckWg. Der hinter der Verkäuferin Maria Strauß, gent. Köppel, geboren am 5. August 1880 in Butzbach, unter dem ll.Aug. 1901 erlassene, in Nr. 193 ds. Blattes aufgenommene Steckbrief ist erledigt. 6459 Actenzeichen: 6 J 871/01. Hannover, 27. Sept 1901. Der Erste Staatsanwalt. ITMMcmg/ für das Tierfpital in Gießen. Für die Zeit vom 1. Nov. 1901 bis zum 31. Oft 1902 soll die Lieferung von Heu, Stroh (Maschinen- und Handdrusch), Hafer, Weizenschalen, Futtermehl und Metzdorf'schem vundekuchen für das Tierspital oergeben^iverden. 2. Maus non Unger. Der in der Zeit vom 1. Nov. 1901 bis zum 31. Oft. 1902 gewonnene Dünger soll nach dem Gewichte, so wie er sich in der Grube findet, an den Meistbietenden verkauft werden. Reflektanten werden ersucht, ihre Angebote an die Direktion bis zum 10. Oktober d. Js. einzureichen. 6485 Die Bedingungen sind in dem Tierspital, Frankfurterstr. 85, einzusehen. Gießen, 27. Sept. 1901. Die Direktion des Tierspitals Prof. Dr. Pfeiffer. Mobiliar- Versteigerung. Dienstag, 1. Oktober d. I nachmittags 2 Uhr, werden in dem Hause Güdanlage 23, III Umzugs halber nachverzeichnete Mob.-Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: 1 Buffet, 1 Ausziehtisch, 1 ovaler Tisch, Stühle, 1 Kronleuchter, eine Braudkifte,l vollst. Bett,Neber- Vorhänge, 1 Küchenschrank mit Glasaufsatz, 1 Anrichte, sowie Haus- und Küchengeräte jeder Art. 1 6469 I. V.: Schneider. Versteigerung. Montag, 30. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, werden dahier im Saale des Herrn Ltto Lust, Neuenweg 28, 1. 50 Flaschen Liköre, 15 Fl. Cognac, 20 Gläser Citro- uen - Effenz, 350 Dosen und Gläser Einmachsachen (Pfirsiche, Mirabellen, Brrnen, Zwetschen, Kirschen, Spargel, Nüsse, Erbsen 2c.) 1 Ladentheke, 2 große Waaren- rcgale «. v. a. 2. eine größere Anzahl Ringe, Ohrringe und Eigarettenspitzen zwangsweise gegen bar versteigert. Die Bersteigerung findet bestimmt statt. 6449 Gießen, 27. September 1901. Scivcl, Gerichtsvollzieher. Stabt. Schlachthaus. Freibank. Heute und Montag: KüilksÜeisch 56 psg- WMzer weinqrün, in allen Größen empfiehlt 2vilh. Kohlermann, Küferei, Neustadt 12. Auch kann bei mir gekeltert werden. 6460 Weinstube Schott. 6470] Prima sützer Traubenmost und Kederweißer. Prima Apfelmost sowie Rausches1 empfiehlt 03853 Georg Schäfer, Licherstr. 5. Derselbe ift auch im Ausschank: Hotel Riegelmaun, Restauration Boller» „ zum Augustiner, 0 zum Wiener Hof, „ zum Taunus._____ Täglich frisch gekelterten Aepfelmost empfiehlt 6490 M. Schäfer, Grünbergerstratze 6. Süssen Aepfelmost enrps- H. Kempf, Ludwrgsir. 26. 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