Nr. 280 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Donnerstag 28. November 1901 Erscheint täglich mü Ausnahme des Montags. Me Giehener Familien, blätter werden dem An- föer im Wechsel mit t »Hess. Landwirt" und den ^Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrusprechanschlußNr.51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« zu der sür den folgenden Tag erscheinenden Nr. dis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Auslandes nehmen An« zeigen entgegen. ZeilenpreiS: lokal 13Pf^ auswättS 20 Pfg. Rotationsdruck u. Vev- lag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; sür den Anzeigenteil: Hans Beck. Die kommenden Monate versprechen ganz besonders ereignisreich zu werden. Der Reichstag bringt hochbedeutende Verhandlungen und große Entscheidungen, die der „Gießener Anzeiger" ■feljr ausführlich wiedergeben wird. Die wichtigen Beratungen in den Hesstschen Ständekammern werden von keinem anderen Blatte des GroßherzogtumSso ausführlich wiedergegeben wie vom „Gießener Anzeiger". Man bestelle deshalb für den Monat Dezember bei :den Zweigstellen und Zeitungsträgern den „Gießener Anzeiger". Neu hinzutretende Abonnenten erhalten vom Tage der Bestellung bis zum 1. Dezember den Anzeiger frei zugestellt. Die Wissenschaft in Nöten. D-ie Ernennung des Herrn Martin Spahn zum Professor für katholische Geschichte an der reichsländischen Universität in Straßburg scheint das Signal zu einer gründlichen Auseinandersetzung der seit einiger Zeit schon in ihren Rechten und Ueberlieferungen gefährdeten Universitäten und Professoren mit der Verwaltung der Kultusangelegenheiten rm Staate Preußen geworden zu sein. Auf Mommsen, der kürzlich die Verquickung der Konfession mit der Wissenschaft einer herzerfrischenden Kritik unterzog, ist der Nestor der Straßburger Professoren, Dr. Michaelis, gefolgt, und seine, ihrem hauptsächlichsten Inhalt nach gestern im „Gieß. Anz." wieder- gegebenen Auslassungen beweisen, daß sich in den Kreisen der deutschen Hochschullehrer eine ganz außerordentliche Mißstimmung, um nicht zu sagen Erbitterung über die Praxis angehäuft hat, die gegenwärtig hinsichtlich der Verwaltung der Angelegenheiten vieler Universitäten befolgt wird. Wir feigen; der deutschen Hochschullehrer, denn bezeichnenderweise haben es die Professoren der preußischen Universitäten, mit einziger Ausnahme der Kieler Universität, bisher unterlassen, zu dem Artikel Mommsens offizielle Stellung zu nehmen, obgleich die Zahl der außerpreußischen Hochschulen resp. Lehrkörper, die dem greifen Gelehrten ihre Zustimmung zum Ausdruck bringen, ständig im Zunehmen begriffen ist. Wir geben heute in unserem lokalen Teile die Zustimmungsadresse von 42 ordentlichen Professoren unserer hessischen Landesuniversität im Wortlaut wieder. Bemerkenswert ist dabei, daß unsere Universität 45 ordentliche Professoren zählt, daß also nur 3 von ihnen sich dieser Erklärung nicht angeschlossen haben, und zwar zwei Professoren der theologischen und einer der medizinischen Fakultät. Die ordentlichen Professoren der juristischen und der philosophischen Fakultät sind sämtlich Unterzeichner der bemerkenswerten Kundgebung. Wenn wir auch nicht so weit gehen wie andere Blätter, die aus der Zurückhaltung der preußischen Universitäts- Professoren schließen möchten, daß der Einfluß des preußischen Kultusministeriums auf die preußischen Universitäten bereits derart groß geworden ist, daß er einen Druck au • die Entschließungen der Professoren auszuüben beginnt, muß das Schweigen der letzteren doch immerhin auffällig berühren, zumal Adommsen einer der Berufensten zur Verteidigung der Wahrhaftigkeit der Wissenschaft ist. Vielleicht ohne daß sie es wollen, liefern die preußischen Universitäten zu der schweren Anklage, die der Straßburger Professor gegen die Berliner Unterrrchtsverwaltung erhoben hat, das beste Beweismaterial. Und doch gilt es jetzt, wo es den Anschein gewinnt, Sein oder Nichtsein der Freiheiten der preußischen und, wie man sieht, auch der reichsländischen Universitäten. Die Pfeile, die Professor Michaelis gegen das preuß. Kultusministerium abschoß, haben ihr Ziel nicht verfehlt und in der offiziösen „Nvrdd. Allg. Ztg." ist bereits die Fanfare erklungen, mit der die Verwaltung der Universitätsanget- legenheiten, die sich in der Person des Ministerialdirektors Dr. Althoff verkörpert, den Fehdehandschuh aufnimmt. Es scheint eine recht umfangreiche Zurückweisung der Straßburger Angriffe vorbereitet zu werden, denn das halbamtliche Organ benötigt, obgleich die betreffende Kundgebung schon seit Samstag bekannt ist, immer noch einige Tage Zeit, um das Material zu verarbeiten und den Michaelis- scheu Artikel „einer so eingehenden Beleuchtung zu unter- ziehen, wie er es verdient." Man wird also noch etwas Geduld haben müssen, ehe man die offiziöse Antwort lesen kann, und inzwischen ist es wohl angebracht, ganz kurz einmal die gegensätzlichen Anschauungen zu gliedern, die zwischen der wissenschaftlichen Welt und der preußischen Unterrichtsverwaltung stehen und durch die Ernennung Spahns, die ja den Ausgangspunkt für die nach gleichen Zielen strebenden Mommsen'schen sowohl wie Michaelis- scheu Auslassungen bildet, ganz unverhüllt in die Erscheinung getreten sind. „Unser Lebensnerv", so sagt Mommsen in seinem beachtenswerten Schreiben, „ist die vor aus - setzungslose Forschung, die nicht das findet, was sie nach Zweckerwägungen und Rücksichtnahme finden soll und finden möchte, was anderen außerhalb der Wissenschaft liegenden praktischen Zielen dient, sondern was logisch und historisch dem gewissenhaften Forscher als das richtige erscheint, in ein Wort zusemmengefaßt: die Wahrhaftigkeit. Auf ihr ruht die deutsche Wissenschaft, die das Ihrige beigetragen hat zu der Größe und der Macht des deutschen Volkes." Mit dieser Auffassung von dem Charakter der Wissen- chaft, so einleuchtend sie auch ist, scheint die preußische Regierung, die sich ja auch in der Unterrichtsverwaltung verkörpert, aber nicht einverstanden zu sein. Sie möchte die Wissenschaft am liebsten in Bahnen lenken, die ihren poltti- chen und wirtschaftlichen Absichten dereinst nützlich sein önnen, sie will, wie die höchsten Stellen, jetzt schon der Geschichte vorgreifen und das Urteil Über bestimmte Persönlichkeiten zu präjudizieren suchen, wie man der bildenden Kunst die Formen, der darstellenden die Wege anweist, die sie benutzen und wandeln sollen, so auch der Wissen- chaft das Ziel stecken, dem sie entgegenzustreben hat. Im Interesse der künftigen Politik soll auch die Wissenschaft auf ihre Jünger wirken, damit sie zu ruhigen und folg- ameu Staatsbürgern erzogen werden, denen die Weisheit >er Regierung das vornehmste Evangelium ist Daß dabei jedem Forschungstrieb der Weg verlegt, die Wissenschaft zum Erstarren gebracht, der Geist, der, wie Mommsen treffend sagt, unser Vaterland groß und in aller Welt angesehen gemacht hat, ertötet wird, kümmert die leitenden Kreise in Berlin nicht. Man möchte sich in Preußen nun auch die Stätten unterthan machen, die den Geist befruchteten und seiner Bethätigung in Staat und Gesellschaft das Feld bereiten helfen. Daß derartige Pläne nicht im Interesse des deutschen Volkes liegen können, das sich von jeher und mit berechtigtem Stolze das Volk der Denker und Dichter nennen horte, muß selbst dem einleuchten, der seine Interessen in täglicher materiell produzierender Arbeit sieht. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist.nnr unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gestattet.) Gießen, den 27. November 1901. LU. Von der Universität. Nachstehendes Schriftstück ist heute an Professor Mommsen abgegangen: Herrn Prof. Theodor Mommsen, Eharlottenburg. Den Dankes/- worten, die Ihnen 84 Münchener Kollegen für Ihre That dargebracht haben, schließen fich die unterzeichneten 42 ordentlichen Professoren der Gießener Universität vollinhaltlich uh. gez. Albert. Ehr. Bartholomae. Behaghel. D. Behrens. E. Beling. Biermann. M. Biermcr. Bostroem. R. Brauns. Albrecht Dieterich. Drews- Drude. L. Eckhard. Elbs. Gaffky. Gross. Gundermann. A. Hansen. Heimburger. Heß. Höhlbaum. KaUenbusch. Krüger. A. Leist Löhlein. (Inzwischen verstorben.) Paul Martin. Alex Naumann. Netto. Olt. Wilh. Orteten. Pasch. W. Pfeiffer. Poppert. Riegell Sauer. Arthur Schmidt. Siebeck. Sommer. Spenojel. Strahl. A. Vossius. Wimmenauer. ’* Religiousgeschichtliche Vorträge. Nächsten Freitag, abends 8 Uhr, findet im Konfirmandensaale der Johannes- kirche der zweite dieser Vorträge zum Besten der deutschen Heilstätte in Davos statt. Professor Holtzmann wird über das mosaische Gesetz, seine Entstehung und seine Bedeutung reden. Es ist vielleicht nicht genügend bekannt, daß Karten zu allen Vorträgen für zwei Mitglieder derselben Familie zusammen Mk. 5, für Studenten und Schüler Mk. 2 kosten und in der I. Ricker'schen Universitäts-Buchhandlung zu haben find. ** Hessische Handwerkskammer. Vor wenigen Tagen fand im Archüektenhause zu Berlin eine Sitzung behufs Beratung des Gesetzentwurfs über die Sicherung der Bauforderungen statt, die von Handwerkskammern sehr stark besucht war. Auch die hessische Kammer hatte ihre Vertteter entsandt. Nach dem Entwurf A des genannten Gesetzentwurfes gelten nur die als Baugläubiger, die an der Herstellung des Bauwerkes oder eines einzelnen Teiles desselben auf Grund eines Werk- oder Dienstvertrags beteiligt sind, hinsichtlich ihrer Ansprüche auf die in Geld vereinbarte Vergütung, sofern diese Verttäge von dem Eigentümer der Baustelle oder für dessen Rechnung geschlossen worden sind. Da in der Begründung zu dem Entwurf A gesagt ist, daß im Allgemeinen die Maurernteisler, Zimmermeister, Dachdecker, Tapezierer, Steinsetzer usw. geschützt seien, die Schreiner aber beispielsweise nur dann, wenn sie die von Ihnen hergestellten Thüren usw. selbst i n das Gebäude einfügen, während sie die Rechtsstellung eines Lieferanten haben, wenn sie die Thüren lediglich abzuliefern haben, ist die hessische Handwerkskammer m entschiedener Weise dafür eingetreten, daß auch die Lieferanten (Entwurf B) geschützt werden, da in häufigen Fällen der Handwerker auch gleichzeitig als Lieferant wird bezeichnet werden müßen. ♦♦ Der landwirtschaftliche Verein Gießen hielt gestern abend im Lenz'schen Felsenkeller unter dem Vorsitze des Oekonomierats Schien ke seine erste Sitzung in diesem Wintersemester ab. Ter Präsident sah von den geschäftlichen Angelegenheiten ab und verschob den Rückblick über das vergangene Halbjahr auf die nächste Sitzung. Er erteilte darauf der Ärndwirtschaftslehrerm Frau Ho sch das Wort zur Erklärung eines Apparates für Verwertung der Milch. Dieser ist hergestellt von Fabrikant I. Walter aus Dutenhofen in der Rheinpfalz und bezweckt vor allem eine sorgfältige Entrahmung der Vollmilch und Ausnutzung der auf die denkbar einfachste Art gewonnenen süßen Milch. Der Apparat leistet bei solider Konstruktion und verhältnismäßig billigem Preise das denkbar Möglichste und ist wegen seiner einfachen Handhabung den vielfach in Gebrauch befindlichen Zentrifugen vorzuziehen, um wieviel mehr erst jenem Verfahren, wie es in einem großen Teil unserer Dörfer besteht, wo man die Milch in Tövsen zur Abrahmung aufbewahrt, oft an Orten, die den schädlichsten Einfluß auf riefe so sehr empfindliche Substanz ausüben. Dazu ist die Ausbeute an Butter eine viel geringere, die Mühe aber eine größere. Man denke nur au die langwierige Reinigung der benutzten Gefäße. Ganz abgesehen davon bietet der Apparat, wie die Rednerin ausführte, noch den Vorteil, daß er der entrahmten Milch den Zuckergehalt nicht entzieht, wie das bei dem früheren Verfahren der Fall war, ein Vorzug, der um so weniger zu unterschätzen ist, als dadurch eine weitere Verwendung der Milch zu dtährzwecken bei Schweinen und namentlich bei Kälbern ermöglicht wird. Die ganze Ausführung war durch einen Versuch, der das gewünschte Resultat hatte, begründet. Auch eine Zentrifuge aus der Fabrik v. Heinrich Lanz-Mannheim war ausgestellt, an der der Versuch wiederholt wurde. Die Rednerin schloß mit dem Anerbieten, die einzelnen Ortschaften zu besuchen und dort unentgeltliche Lehrkurse abzuhalten. Oekonomie- rat Schlenke widmete dem von Frau Hosch Msgeführten noch einige empfehlende Worte, an die sich eine lebhafte Diskussion anschloß. Zu der Versammlung mar Prof. Dr. Albrecht erschienen, der verhieß, ein ebenso rühriges und eifriges Mitglied des Vereins werden zu wollen ivie~ fein Vorgänger Pvof. Dr. Thaer. Der Vorsitzende hieß ihn herzlich willwmmen und sprach die Hoffnung aus, daß auch er eine Stütze für ihre Bestrebungen auf landwirtschaftst Gebiet werden möge. Tie nächste Sitzung soll Anfang Dezember stattfinden. - Bufs.Strauß Konzert (am 4. Dezember). Ein sehr günstiges Urteil über Frl. Hedwig Strache entnehmen wir einem Konzettbericht aus Frankfurt a. O., das, sowett es die junge Künstlettn betrifft, lautet: Frl. Hedwig Strache hat sich hier bereits recht vorteilhaft eingeführt. In Hinsicht auf Noblesse des Tons, sauberste JiUona- tion, vorzüglichen Strcch und unfehlbare Technik erinnert sie sehr an die unvergeßliche Arma Senkrah. Klassisch war ihr Vortrag der beiden letzten Sätze aus Mendelssohns einzigem Violinkonzert zu nennen; mit feinem Verständnis und in sauberster Ausführung wußte sie uns die reichen Schönheiten dieser unvergänglichen Ton- fchöpfung nahe zu bringen. Die Eantilene des Spohr'schen E-mol- Adagios klang auf ihrem Instrument überaus reizvoll; in der charakteristischen Humoreske von Palashko bewies sie ihre Meisterschaft im Staccatospiel. Große Tonfülle.— namentlich auf der O-Scüte — entwickelte die Künstlerin in dem von Wilhelm: für Violine transskribietten Albumblatt von Wagner. Für seine Berceuse konnte Godard kaum eine beffere Interpretin finden; das con sordino gespielte Stück atmete ungemein viel Innigkeit. Eine, musckalisch weniger gehaltvolle Mazurka von Miersch wurde unter Frl. Straches Händen immerhin recht annehmbar. Tas Publikum war entzückt von diesen Leistungen und gab seiner Empfindung entsprechenden Ausdruck. Becde Damen, durch Hervorrufe geehrt, spendeten bereitwilligst Zugaben. ** Militärisches. Wie uns von dem Tele^ graphen-Bataillon Nr. 3 mitgeteilt wird, mußten wiederum viele Gesuche zum freimütigen Eintritt in das! Bataillon wegen verspäteten Eingangs der Anträge,abschläg- lich beschieden werden. Ein Teil der jungen Leute hatte sich andrerseits darauf verlassen, bei der Musterung Berücksichtigung eines Gesuchs zur Einstellung in das Bataillon zu finden. Das war jedoch unmöglich, weil der Ersatz des Bataillons sich fast ausschließlich aus Freiwilligen! ergänzt und zur Deckung des geringen Bedarfs an Ersatz- reiruten der gesamte Westen des Reiches herangezogen wird.' Es empfiehlt sich deshalb, daß diejenigen jungen Leute, die beabsichtigen, im Oktober 1902 als Zweijährig-Freiwillige bei dem Telegraphen-Bataillon Nr. 3 in EoblenK einzutreten, möglichst bis zum 15. Februar 1902 einen Lebenslauf unter Beifügung eines Meldescheins zum freiwilligen Eintritt an das „Geschäftszimmer des Telearaphen- Bataillons Nr. 3 in Eoblenz" einsenden. Der Lebenslaufi muß persönlich geschrieben fein und Angaben über Schulbildung und Profession enthalten. Ten Meldeschein stellt der Zivilvorsitzende der Ersatzkommission des Aufenthaltsortes aus. Wie man uns weiter mitteilt, ist der Andrang von Freiwilligen bei dem Bataillon sehr groß, sodaß aufi eine Einstellung als Ersatzrekrut dort kaum zu rechnen ist. ♦* Eine Verjährung alter Forderungen tritt mit Ablauf des Jahres 1901 in bedeutendem Umfange ein. Die alten Ansprüche, die jetzt einer zweijährigen Verjährungsfrist unterliegen, werden Ende 1901 verjähren und nicht mehr eingenagt werden können, soweit sie nicht nach' altem Recht schon früher verjähren. Zu solchen Forderungen gehören u. a- die Ansprüche: 1. der Handwerker, für Lieferung von Waren, Ausführung von Arbeiten: 2. der Gast- und Speisewirte für Wohnung und Beköstigung; 3. der Vermieter von beweglichen Sachen wegen des Mietzinses; 4. derjenigen, die die Besorgung fremder Geschäfte oder Dienstleistungen gewerbsmäßig betreiben, also der Haus- und Geschäfts-Makler usw.- 5. der Privalangestellien wegen Gehalts; 6. der Arbeiter wegen des Lohnes- Die Verjährung läuft nicht, solange die Forderung gestundet ist. Sie wird unterbrochen und muß neu beginnen, wenn der Schuldner dem Gläubiger gegenüber seine Verpflichtung durch Zins-a oonto-Zahlung, Sicherstellung oder sonstwie anertennt. Außerdem aber kann die Verjährung gehindert werden durch Erhebung und Zustellung der Klage oder eines Zahlungsbefehls. )( Grimberg, 26. Nov. Heute abend nach 6 Uhr erschoß fich hier auf einer vom „Verkehrsverein" am Brunnenthal aufgestellten Bank ein Fremder, anscheinend ein Reisender aus Heidelberg. Außer verschiedenen Papieren und Briefen fand man einen größeren Geldbetrag bei der Leiche des Lebensmüden. ng. Bad-Nauheim, 26. Ncov. Am vergangenen Sonntag wurde im Ortsgewerbeverein der erste Wintervortrag gehalten. Als Redner war 5?andwerks- kammersekretär E n g e l d a ch von Darmstadt gei nnen wor- den. Der 2. Vorsitzende Schlossermeister Knipp eröffnete die Versammlung und erteilte dann dem Redner das Wort, deri n einstündiger Ausführung die Handwerkskammer, ihre Aufgaben und Bedeutung für den Handwerkerstand behandelte. Das Jahr 1897 habe in gesetzgeberischer Beziehung eine wichtige Aenderung in der Reichsgewerbeordnung gebracht, u. a- die Errichtung der Handwerkskammern, wodurch ein langjähriger Wunsch des Handwerkerstandes z. T- erfüllt worden sei. 71 Kammern seien im deutschen Reiche errichtet worden, unter denen die hessische Kammer wohl eine derjenigen sei, die den ausgedehntesten Bezirk besäßen. Eine der wichtigsten Aufgaben der Kammern sei die Regelung des Lehrlingswesens. Der Abschluß eines schriftlichen Lehrvertrags sei bei Einstellung eines Lehrlings unerläßlich und werde durch das Gesetz erfordert., Insbesondere feien die Pflichten des Lehrherrn wie diejenigen des Lehrlings durch die Bestimmungen der Gewerbeordnung festgelegt worden. Das Anleiten von Lehrlingen stehe nur solchen Personen zu, welche das 24. Lebensjahr vollendet und die von der Handwerkskammer vorgeschriebenc Lehrzeit zurückgelegt sowie die Gesellenprüfung bestanden haben oder 5 Jahre das Handwerk selbstständig ausgeübt resp. als Werkmeister thätig gewesen sind- In Betreff des Meistertitels teilte Redner mit, daß für die Zukunft nur solche Handwerker diesen Titel in Verbindung mit der Bezeichnung eines Handwerks führen dürfen, die die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen erworben und die Meisterprüfung bestanden haben. Auf die Nichtbefolgung der Vorschriften seien zum Teil erhebliche Strafen angesetzt, so werde der nicht ordnungsgemäß erfolgte Abschluß des Lehrvertrags mit einer Geldstrafe bis zu 20 Mr, die unbefugte Führung des Meistertitels oder das unbefugte Halten und Anleiten von Lehrlingen mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mk. geahndet- Ferner habe die Kammer noch die Aufgabe, die Staats- und Gemeindebehörden in der Förderung des Handwerks durch thatsächliche Mitteilungen und Erstattung von Gutachten über Fragen, welche die Verhältnisse des Handwerks berührten, zu unterstützen sowie die Wünsche und Anträge des Handwerkerstandes zu beraten und den Behörden vorzulegen. Die Handwerkskammer solle überhaupt in allen wichtigen, die Gesamtinteressen des Handwerks oder die Interessen einzelner Zweige berührenden Angelegenheiten gehört werden. Die Förderung des Genossenschaftswesens lasse die Kammer sich ebenfalls angelegen sein; hier gebühre aller Dank der Staatsregierung, die in hervorragender Weise durch Gewährung von Mitteln ihr Interesse an dem Genossenschaftswesen bekunde. Insbesondere sei aber auch die Kammer auf dem Gebiete des Vergebungsw-esens thätig gewesen. Redner führte mehrere Fälle an und schloß mit der Aufforderung, daß auch der Handwerker mitarbeiten möge an der Erneuerung des Handwerks. Die Kammer sei angewiesen auf die Mitwirkung des Handwerkerstandes. Eine lebhafte Diskussion hielt die Teilnehmer noch längere Zeit zusammen. w Nidda, 26* Nov. Heute hatten wir Winterwetter, Schnee und auf den künstlich bewässerten Wiesen Eis, auf dem die Jugend schon dem Vergnügen des Schlittschuhlaufens zu huldigen versuchte. — Hier hat man mit dem Eintritt des Winters erfreulicher Weise schon die ersten Veranstaltungen getroffen zur Fütterung unserer Standvögel. Es wäre zu wünschen, daß allerwärts der Tierchen gedacht würde. Mainz, 26. Nov. Wie der Hauptmann die Disziplin (einet Untergebenen durch Arrest aufrecht erhätt, so verschafft der Regisseur seinen Befehlen Respekt durch den „Strafzettel", der die Monatsgage der Künstler oft ganz wesentlich kürzt. Hat ein Darsteller schlecht memoriert, extemporiert er, kommt oder geht er durch eine andere Thür als er soll, versäumt er gar eine Probe, kurz, folgt er nicht den Anordnungen des Regisseurs — flugs droht der „Strafzettel"! Daß aber ein Darsteller in «Strafe genommen wurde, weil er auf den Beifall des Publikums nicht vor die Rampen ging, das dürfte eine Revision der Behauptung des allen Akiba veranlassen. Vor einiger Tagen spielte hier in einer «Schülervorstellung Herr Bauer den Tell, und die leicht empfänglichen Zuhörer spendeten enthusiasttschen Applaus. Alle Darsteller folgten blitzschnell dem Künstlerohren so wohlthuenden Geräusch, nur der Befteier der Schweiz blieb hinter den leinenen Gletschern. Der Regisseur befahl: „Sie muffen hinaus!" Und als auch die Prophezeiung: „Das wird Sie ein schweres Stück Geld kosten" den Künstler nicht bewegen konnte, sich seinen Verehrern zu zeigen, kam einige Stunden drauf der „Strafzettel" geflogen. Da Herr Bauer in diesem Fall, wie es scheint nicht mit Unrecht, die rechtsverbindliche Kraft dieses Stück Papiers bestteitet, so wird sich das «Schiedsgericht der „Bühnengenosienschast" mit der Angelegenheit zu befassen haben. Wiesbaden, 26. Nov. Wie das „W. V." erfährt, beabsichtigt die Verwaltung des Fürsten Metternich, «Schloß Johanni Z-Berg, das berühmte Weingut im Rheingau, zu verpachten. Ein Konsortium soll bestehen, das auf Johannisberg ein Hotel errichten will, verbunden mit Weinhandel, Sektkellerei u. s. w. Der drllte Liebhaber aber soll die kgl. Regierung sein, die für den Kaiser das Schloß mieten will, der beabsichtige,, eoent. mit der kaiserlichen Familie einige Sommermonate dort zuzubringen. Der verlangte Pacht preis soll 1000000 Mk. betragen. Bis jetzt haben sich aber keine Liebhaber gefunden, denn der Preis ist viel zu hoch und nach Ansicht Sachverständiger nie herauszuwirtschaften. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Langd war am Sonntag eine Frau mit Kaffeekochen beschäftigt, wobei sie nach dem erfolgten Uebergießen das Wasser- zefäß auf den Ofen stellte. Während dieses Augenblickes schluckte ein 3^/,jähriger Knabe an der Oeffnung der Kanne von dem noch kochenden Kaffee, wobei er sich innerlich schrecklich verbrannte. Aerztliche Hilfe war bald zur Stelle doch war das Kind nicht mehr zu retten. Dienstag Nach ist es seinen Verletzungen erlegen. — Der Regierungsasseffor Graf zu Solms-Laubach zu Hirschberg i. «Schles. ist dem Landrat des Landkreises Hannover zur Hilfeleistung in den landrätlichen Geschäften überwiesen worden. — In Fulda fand in Anwesenheit eines Vertreters des Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten von Kassel, des Oekonomierates Rexerodt, des Generalsekretärs der Landwirtschaftskammer und der Landräte aus den umgebenden Kreisen eine Versammlung von Landwirten statt, in der u. a. beschlossen wurde, eine Genossenschaft m. b. H. in Fulda zwecks Errichtung eines Kornhauses zu gründen. Wetter November s w KD Temperatur am 25. bis Höchste 25. Niedrigste 754,0 754,9 755,3 916 9" rp5 89 100 100 2,6 0,0 1,7 4,9 4,3 4,0 n 2 2 2 Wir empfehlen uns als vorteilhafteste Bezugsquelle in So« louialwareu, Konserve«, Delikatesse«. Verlangen Sie gest. Preisliste Gebrüder Berdax Bahnhofstraße 27. Lindenplatz 12. Telefon 231.. Der gute Hefchmack des Kaffees hängt wesentlich vom richtige« Zusatz ab. Ei« vorzüglicher, billiger «ud dabet ergiebiger Zusatz, der jede« Kaffee verbeffert, ist Liude's Effeuz für Kaffee. 700 26. 26. 27. Das Frühstück feinster Kreise ist M. T.; an Güte und Billigkeit unübertroffen, wird M e ß m e r ' s Thee jetzt auch in Bürgerkreisen mehr und mehr gewürdigt und weiter empfohlen. Probe- packele i 60, 80 Pfg. usw. bei den bekannten Verkaufsstellen. 61oi Meteorologische Beobachtungen der Station Gieße». 26. Nov. 26. „ 8. NE. NE. Du armes Düffeldors! O Hohn! Du hattest einen großen Sohn, Und fünfzig Jahre später? Mehrere kleine Väter. D. Red. des Gieß. Anz.) beb. Himmel l.bew. Himmel heller Himmel Gerichtssaal. D. Gießen, 26. Nov. (Strafkammer.) Tie Phil. Küfer Eheleute von Wohnbach waren von der Anklage der Körperverletzung durch Urteil des «Schöffengerichrts Hungen vom 16. Oktober freigesprochen worden- Gegen das sreisprechende Erkenntnis verfolgt die Staatsanwaltschaft das Rechtsmittel der Berufung. Es sind unerquickliche Familienverhältnisse, die die Gerichtsverhandlung enthüllt. Nach erfolgter Belveisaufnahme wird die Berufung verworfen und werden die Kosten der Staatskasse zur Last gesetzt. — Das Zimmermädchen Marie Schir g von Reckenroth ist beschuldigt, durch mehrere nicht selbständige Handlungen vom Frühjahr dis August zu Bad-Nauheim eine große Anzahl dem S^otetier. Reinhard Langsdorf in Bad-Nauheim gehörige Hotelgebrauchsgegenstände im Gesamtwerte von ca. 130 Mk- sich rechtswidrig angeeignet zu haben. Die Angeklagte ist im allgemeinen geständig, nur die Entwendung einiger Gegenstände leugnet sie. Die Staatsanwaltschaft beantragt, gegen die Angeklagte auf eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten unter Belastung mit den Kosten des Verfahrens zu erkennen. Die Verteidigung hebt, die mildernden Umftänbe hervor und plädiert auf eine geringere Strafe. Das Urteil lautet dem Anträge der Staats- Uermischtes. • Oldenburg, 26. Nov. Eine Bekanntmachung der Oldenburgischen Eisenbahndirektion bestätigt, daß bei der Oldenburgischen Staatsbahn Kohlenunterschlagungen vorgekommen sind. Es handelt sich jedoch keineswegs um 280 Waggons, wie angegeben wurde, sondern um Unter- chleife in weit geringerem Umfang. Gegen die Beamten, welche ein Verschulden trifft, ist mit den schärfsten Disziplinar- trafen vorgegangen. • Paris, 26. Nov. Mittags tötete der auf dem Pariser Opernplatze etablierte Coiffeur Thion seine Gattin und deren Geliebten, den Bäcker Blondin. Die beiden befanden sich in einem Fiaker; Thion riß die Wagenthür auf und gab drei Schüsse ab, der Bäcker und Frau Thion waren nach wenigen Augenblicken tot. * Bu dapest, 26. Novbr. Der Getreidehändler und Grundbesitzer Straßburger ist mit Hinterlassung bedeutender Schulden geflüchtet. * Petersburg, 26. Nov. Auf der Wladikawkas-Bahn ließ ein Personenzug mit einem Lastzüge zusammen. Zwölf Wagen entgleisten. Drei Reisende trugen Verletzungen davon. * Geheimnisvolles Ende eines Offiziers der Chemnitzer Garnison. Eine mysteriöse Geschichte, bei der ein junger Offizier den Tot fand, erregt in Chemnitz das peinlichste Aufsehen. In der Nacht meldete eine Dirne auf der Polizeiwache des Schillerviertels, daß sie von einem Offizier über ein in der Nähe des Hauptbahnhofes befindliches Ge- änber in den etwa 5 m darunter befindlichen Kohlenhof ge- türzt worden sei. Das Mädchen, das erhebliche Kopfver- letziingen aufwies, wurde verbunden und in ärztliche Behandlung gegeben, sonst legte man der Sache als völlig unglaubhaft keine weitere Bedeutung bei. Am nächsten Morgen jedoch fanden Arbeiter des betr. Hofes einen Damenhut und in einer großen Blutlache einen bewußtlosen Offizier in voller Uniform. Der Mann war offenbar mit dem Mädchen zugleich abgestürzt und hatte dabei einen Beinbruch, sowie chwcre Schädelverletzungen davongetragen. Der Verletzte wurde iiis Garnison-Lazareth gebracht, wo er, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben, in letzter Nacht verstarb. Es handelt sich um den 27 Jahre alten unverheirateten Leutnant Frhm. v. Hammerstein vom 15. Inf.-Regt. Nr. 181, der erst kürzlich von Riesa nach Chemnitz versetzt worden ist. Der Verstorbene mar em außerordentlich begabter Offizier und im Besitz mehrerer Orden. * Der „König der Könige" M e n e l i k hat allerlei Ehekummcr, denn er ist nicht ganz Herr in seinem Hause. War der mit Klugheit gepaarte Ehrgeiz seiner Gemahlin Taitu dem Aufstieg des ehemaligen Negus von «Schoa bis an die Spitze des ganzen, weiten abyssinischen Reiches förderlich, so wird ihm dieser selbe brennende Ehrgeiz heute zu einer Quelle des Mißbehagens. Die Laune Tartus ist feit einiger Zeit so schlecht, wie nur möglich. Sie will es durchaus den europäischen Herrscherinnen an Schönheit, Vornehmheit und Prunk gleiche thun. Daher hat ie ihre ganze Hofhaltung nach europäischen Gepflogenheiten eingerichtet. Aber da sie unter ihrer schwarzen Umgebung nicht die geeigneten Persönlichkeiten für Hofherren und Hofdamen fand, gab es Elend die Menge. «Selbst die Erziehung mit dem Stock, den Taitu vorzüglich zu chwingen weiß, fruchtete nichts. Tie Frau eines Ras, die versehentlich eine Tasse zerbrochen hatte, wurde mit dem gefürchteten Gerät derart zugevichtet, daß sie wochenlang darniederlag. Beschwerden bei Menelik und häufige Weigerungen, über die Schwelle der Gemächer der „Kaiserin" M treten, konnten nicht ausbleiben. Als.wiederholte Bor- tellungen des braven Gatten bei seiner nicht gerade besseren hälfte erfolglos blieben, wurde er wütend und verbannte ie bis auf weiteres in ein Koptisches Kloster bei Adua; er legte also so ziemlich das ganze Reich zwischen sich und fein Weib, denn Adua liegt im äußersten Norden, Adis Abeba im Süden. Aber Taitu durchkreuzte feine schönen Pläne, indem ie — einfach nicht reifte. Wird Menelik die Abreise erzwingen? Kenner seines überaus gutmütigen Charakters zweifeln daran. Er hat übrigens noch einen zweiten Grund, Taitu zu grollen, und dieser nagt am Ende noch mehr an einem Herzen als der erstere. Er ist ein sparsamer Hausvater, seine Gattin zeigt aber Neigung zur Verschwendung. Unbekümmert um die hohen Preise, läßt sie sich von Paris und Wien kostbare Gewänder und (Schmucksachen kommen. Don Wien aus droht Menelik sogar eine Klage. Taitu hat dort einen Spiegel von gewaltigen Abmessungen int Preise von vielen tausend Gulden bestellt. Menelik weigert sich, ihn abzunehmen, weil er doch auf keinen Fall unbeschädigt in Adis Abeba ankommen werde. Das Wiener Haus aber will von dem Geschäft nicht zurücktreten, da der Spiegel eigens für die „Kaiserin von Aethiopien" angefertigt sei. * Immer modern! Der „Werkstatt der Kunst" wird aus Darmstadt berichtet: In dem «Schaufenster einer hiesigen «SchirmHandlung findet man einen zierlich zusammengerollten Schirm, dessen Stvckkttauf ein Mädchenköpfchen aus Porzellan, mit anmutigen Farben dezent bemalt, darstellt, und an diesem «Schirm hängt eine Affiche, auf der heißt es: „Moderner Schirm griff nach Professor Botticelli." („Professor" Botticelli war bekanntlich ein Maler, der von 1446—1510 in Florenz lebte! D. Red. des Gieß. Anz.) + 4,1° C. — 4,7° C. anwaltschaft gemäß. Die sofortige Verhaftung der Angeklagten wird angeordnet. — In der Privatklagesache des Julius Maier von Gambach gegen den Levi Maier von da wegen Beleidigung waren durch Urteil des «Schöffengerichts Butzbach vom 20. September der Angeklagte und der Privatkläger — als Wiederbeklagter — in eine Geld- trafe von je 50 Mk. verurteilt und beiden Teilen Publi- alionsbefugnis zuerkannt worden. Auf die Berufung des IZrivatklägers hin erkennt das Gericht, daß sie kostenfällig zu verwerfen sei. — Der Glasbläser August Wolf in Rathe ist beschuldigt, am 3. Oktober zu Büdingen die Lina Urbach — eine frühere Braut — aus Fahrlässigkeit durch einen Re- volverfchuß erheblich verletzt zu haben. Der Angeklagte leugnet seine leichtsinnige That nicht, ihre Vorsätzlichkeit aber stellt er in Abrede. Die Staatsanwaltschaft beantragt gegen ihn eine Gefängnisstrafe von 6 Monaten. Das Gericht erkennt auf eine solche von 10 Monaten in Anbetracht des außerordentlich hohen Grades der zu Tage getretenen Fahr- ässigkeit. Die feit dem 7. Oktober erlittene Untersuchungshaft wird angerechnet. — Die Berufung des Karl Magel in Solms-Ilsdorf, der durch Urteil des Schöffengerichts Grünberg vom 4. November in eine Gefängnisstrafe von 3 Monaten und eine Geldstrafe von 10 Mk. verurteilt worden war, wird wegen Ausbleibens des Angeklagten in der heutigen Verhandlung kostenfällig verworfen. — Zwei falsche Einmarkstücke werden durch Urteil der Kammer eingezogen. Elberfeld, 26. Nov. Das Oberlandesgericht Köln hat die Haftentlassung B a u m a n n ' s, des Hauptangeklagten im Militär-Befreiungsprozeß, gegen 10000 Mk. Sicherheit wegen Kränklichkeit angeordnet. Das hiesige Landgericht hatte die Haftentlassung abgelehiu. Leipzig, 25. Nov. „H art an der Grenze des Mordes" stand, wie der Vorsitzende des Schwurgerichts, Landgerichtsdirektor Dr. Müller, in der Begründung des Urteils am Schluß der gestrigen Verhandlung sagte, die That der 26 Jahre alten Fabrikarbeiterin Anna verehel. Schuster aus Borna, die ihr 9 Tage altes Kind durch Verpacken in einer Kiste er- tickt und den kleinen Leichnam dann, in Packpapier gewickelt, behufs Verbrennens in eine Fabrikfeuerung geworfen hat. Die Geschworenen bejahten die vorsätzliche Tötung und somit wurde .bie Angeklagte wegen Totschlags m 14 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. Man hatte zwar berücksichtigt, daß die Schuster bisher noch nicht bestraft und bei Begehung der That als Wöchnerin noch nicht volllommen geistig und körperlich widerstandsfähig gewesen sei, andererseits aber die Planmäßigkeit hres Vorgehens und vor allem auch die an den Tag gelegte Ge- uhlsrohheit straffchärsend in betracht gezogen. Theater, Kunst und Wissenschaft. — Ei« Heiue-Denkmal ist, wie wir bereits kurz meldeten, dieser Tage in Paris enthüllt worden. Dazu schreibt man dem „Berl. Börsen-Kurier": „Deutschland hat sich bisher gciveigerr, einem seiner größten Söhne gerecht zu werden. Ter echte deutsche Mann mag keinen Franzen leiden, doch ihre Weine trinkt er gern; er mag ebenso manchen Dichter nicht leiden, wenn er auch seine Lieder gern singt. Das Heine-Denkmal erhebt sich an einem Ort, der nicht so außer der Welt liegt. Paris ist eine sehr besuchte Ort chast, und der Montmartre-Friedhof, zu dem, um Heine's und der anderen dort ruhenden großen Toten willen, so viele Begeisterte chon früher pilgerten, wird jetzt noch mehr Schwärmer sehen. Welch' thörichte Idee von den „Patrioten", das Heine-Denkmal, das man in einer deutschen Mittelstadt so leicht unsichtbar machen konnte, an einen Ort verbannen zu lassen, auf den sich unwillkürlich die Augen der ganzen Welt richten! . ... . . Der Gesang der Loreley schloß die Feier. Der deutsche sozialistische Gesangverein hat es sich nicht nehmen lassen, dem Dichter zu huldigen, da der von der deutschen Botschaft patronisierte „Quartett-Verein" es kurzweg abgelehnt hat, dem Dichter so manchen Liedertextes die schuldige Ehrfurcht zu bezeigen. Die Herren feiern nämlich am_ 6. Dezember ihr Stiftungsfest und glaubten, im Hinblick auf diese Festlichkeit von höchster Bedeutung ihre Stimmen schonen zu sollen. Heine würde,, wenn er die Geschichte erführe, herzlich lachen oder—weinen. Bonder Höhe des Denkmals schaut er sinnend und vergeistigt auf die" Welt nieder, die noch nicht viel vernünfttger geworden ist seit den Tagen, da er, der Lebende, sich über sie lustig machte. Nur der aus der Grabplatte angebrachte Lorbeerzweig wird ihn lehren, daß er die Hoffnung aus Besserung nicht aufzugeben braucht." (Wir möchten unsere Leser an ein hübsches Berschen Ludwig Fulda's erinnern: 5 ä V OT 6? & S «ft CD 1= ‘o’ K CD 8d 4# »C Q Hö e 5 o w N- »4 2 O w . CD :3 «j «2.£ ^2 3* o Ä L i L ■C «ft at c ’S® • e vO — VD e 2 s .S iH O t± CD — i-< c «ft L L a- C «ft Dj •>2 E H SOO C? » 5 5 ’S _ tr o w s I §£c 'S ? «ft ?* / uO5 Q«X)>O 3 «ft o o H- 3 § 5 <»-~ - o »• z> « SS w «ft =c «n o ■ o ÄZZ *£> L ®J 'J3' ZI CD o o -- e >g\g£. 5 5 VD . CD . 5^2- " C0D CDO Lo ess — -SS o" C> —• CD 2 5-5 g £ £ £ o Ä W s g -2 « 5 =O‘-Q .*2 UD -4- c o o o E «■ c e 5 o VD o "o Z 2 =1 3 3r " o Öl'-1 -o 3 8 s T| -o N C ■’- iE: V-, - — HAZK *2 s S s> 3 -ZK ®S$ä CD*—Sn ä r o 2 ° ** s$ o 2 • -o e A ^.VD &g CD rr » LL 8, .LA-L^Z- 3 ■g?«^ v O^o s’C's ® SK 7? '3 o *> ®* £S?) w*'>s &> ? j— es.»o- sS* V O VD ■— o -i* ---S-U = -g\§ £ 2 CD *3. r-~. SO 's— ZI rr c.L c S»«* o • JO O oowa “X re D J» § e "b cD, *• - ’o r-, s - o a> s « Oft >o E s o S5 o lEO -o jo x» E »3? , o ajr o 4> E Ä 2 w «o V § . KZ vd cd.S o r .y .«Sä ’S 3 _cv CD CP* g 2 ö «? 2, E 5* « «ft ^.ty» - lEO w .2 cu **• Ä -2 ■i-" Ec • 2 3 3ltr K 2 E.Z- uc> a> •-zr> g ;S ^Z»~ *SL JdL /-n 3 S" ® O ** ®* J.O c t-* I- CJ *• ■— lA) '-Öl _ “^5 jo c ö 3 b ^5 s 3 L ä s o £ Z ° S 5 „ Z LZH-Z-E L-LJ 7 V HE^.Z o «*D U »e. 2 O S .2 •—S VD ?ft «ft 2 3 o o E O CD > E <5? >s> *o CD E B CD 5 s o £ O 'S o öS VD E CD>—» 3 C 3 "cd 3 E , , re CD — VD U 3 '”’ o e?L Ä *2 <3 S E -4—» ■- SCD <21 c 55® 5E^sg°“SS "S - -^ E o 5 «ft s «: Ä JO Lö 2! 3 *cri2. cd 3 cr.vD Z^LH «ft - >—- E <3D . o E Aetaiürsten-Merein. Generalversammlung Mittwoch den 37. November 1901, abends 9 Uhr, im Caf6 Ebel. Tages-Ordnung: 1. Jahresbericht. 2. Rechnungsablage. 3. Vorstandswahl. 4. Handelskammerwahl. Dre Mitglieder sind hierzu dringend eingeladen. 7712 Der Vorstand. Bekanntmachung Für einen Schreinergesellen, 18 I. alt, wird Stelle gesucht. Näheres auf dem Armenamt, Bürgermeisterei, Zimmer 9h:. 4. Gießen, 26. November 1901. 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