Nr. 279 Zweites Blart. 151. Jahrgang. Mittwoch 27. November 1901 Erscheint täglich vrü Ausnahme deS Montags. Die Siebener FamUlen» blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt^ und den „Blättern für bessische Volkskunde^ viermal wöchentlich bet- gelegt. Äeboftion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige» zu der für den folgenden Lag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf* auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unioersitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Eine Kundgebung wider das preußische Kultusministerium hat dieser Tage der ordentliche Professor der klassischen Archäologie in Straßburg, Dr. Aoolf Michaelis, erlassen, in der er Klage erhebt über die Verwaltung, die im preußischen Kultusministerium den Angelegenheiten der Universitäten zu teil wird. Prof- Michaelis geht in seinem Pronunciamento, wie das „Berl. Tgbl." die Kundgebung nennt, vom Fall Spahn aus, den er näher beleuchtet. Die Straßburger Fakultät hatte für die erledigte Prvfessorstelle vier Vorschläge gemacht: Marcks, Schäfer, Mei nicke, Rachfahl. Während der Universitätsferien wurde die Universität damit überrascht, daß die Regierung, nachdem die Berufungen von Marcks und Schäfer sich als unmöglich« erwiesen hätten, neben .der bestehenden ordentlichen Professur eine zweite gleiche Professur zu errichten beabsichtige, und darüber mit Mei necke und SH ahn in Verhandlungen treten werde. Es habe aber „ein wissenschaftlicher oder aus den Lehrbedürfnissen der Fakultät beruhender Grund zu dieser Verdoppelung der Geschichtsprofessur nicht Vorgelegen, die Fakultät durfte um so eher überzeugt sein, durch chre Vorschläge ihrer statutenmäßigen Verpflichtung nachgekommen zu sein, als neben dem von ihr vorgeschlagenen Dr. Meinecke noch Lwei ältere, ausgezeichnete und gern gehörte Privatdozenten, Dr. Bloch und Dr- Ludwig, neuere Geschichte vortragen, denen nun der bedeutend jüngere Professor Spahn vorgesetzt werden sollte. Die Fakultät konnte also in diesem zweiten, den Universitätsetat unnötig belastenden Ordinariat für neuere Geschichte nichts erblicken, was die Regierung aus wissenschaftlichen Gründen hätte veranlassen können, ohne die bisher stets begehrte und bewährte Mitwirkung der Fakultät vorzugehen." Die Fakultät sei ,Mrem Grundsatz, bei ihren Vorschlägen nur nach der wissensch«astUchen Befähigung und Bewährung zu fragen, auch diesmal treu geblieben, indem sie neben drei hervorragenden protestantischen Forschern auch einen tüchtigen Katholiken, Professor R a ch f a h l in Halle, jn Vorschlag brachte. Hätte die Regierung überhaupt nur einen Katholiken gewollt, und Rachfahl als einzigen Vertreter der neueren Geschichte berufen, so wäre die Fakultät völlig zufrieden gewesen, und hätte auf das beste Einvernehmen mit diesem wirklich wissenschaftlichen katholischen Kollegen zahlen dürfen." Die Schuld an dieser Einschränkung der Rechte der Universitäten, die für Straßburg einen plötzlichen und schroffen Bruch mit der seitherigen Tradition bedeutet, mißt Prof. Michaelis einer Persönlichkeit bei, mit welcher der preußische Ministerialdirektor Althof f, der früher Professor in Straßburg war, gemeint ist. Von chm sollen alle Beschränkungen der seitherigen Freiheiten der Hochschulen und ihrer Lehrer, alle Eingriffe in die internen Angelegenheiten derselben, ausgehen. „Ueberall treten einem Beispiele in Fülle entgegen von den dabei beliebten Mitteln: Grobheiten, Ern- schüchterungen, Drohungen, Reverse, die die Frecheit des Berufenen einschränken, oder seine Interessen schädigen, Strafprvfessuren usw. Von einem gegenseitigen Vertrauen zwischen den Universitäten rurd der Unterrichtsverwaltung ist kaum mehr die Rede, bureaukratiscke Gewalt jst an die Stelle der einst freien und blühenoen akademischen Selbstbestimmung getreten. Vestigia terrent". Es erscheint uns dringend geboten, daß diese Angelegenheit einmal im Reichstage einer gründlichen Erörterung unterzogen wird, wenn nicht die Gefahr für die Freiheit der Wissenschaft weiter anwachsen soll. Dagegen schreibt die „Kreuzzeitung": Das „Berl. Tgbl." hat durchaus Recht, wenn es die Kundgebung des Straßburger Professors als ein „Pro- nunoiamento gegen die preußische Unterrichtsverwaltung" bezeichnet. Ihm ist dabei offenbar entgangen, daß gerade in der Wahl dieses Ausdruckes eine'scharfe Verurteilung jener Kundgebung liegt. Denn von Pronuneia- mentos pflegte man bei uns zu reden, wenn in Spanien oder in den südamerikanischen Republiken ehrgeizige Soldaten oder Parteiführer chre Anhänger gegen die bestehende Ordnung ausriefen. Zwischen diesen Fällen und dem. vorliegenden besteht freilich ein wichtiger Unterschied insofern, als die gegen die preußische Unterrichtsverwaltung gerichtete Kundgebung außerhalb Preußens chren Sitz hat. Der von uns bereits beleuchtete Charakter der Münchener Erklärung — der jetzt auch eine ui ähnlichem Sinne gehaltene der Heidelberger Professoren gefolgt ist — tritt auf diese Weise in ein noch grelleres Licht. Die „Rordd. Allg. Ztg." kündigt an, sie werde den Artikel, in dem der Verfasser auf Veranlassung der Berufung des Professors Spahn nach Straßburg die preußische Uuiversitätsverwaltung der letzten Jahrzehnte einer absprcchenden zkritik unterziehe, in den nächsten Tagen aus Grund des ihr inzwischen zugegangenen Materials einer so eingehenden Beleuchtung unterziehen, wie er es verdiene. — Die Arbeitslosen-Frage im Verbände deutscher Arbeitsnachweise. Tie Ausschußsttzung des Verbandes- deutscher Arbeitsnachweise, die am Samstag in Berlin stattfand, und deren Hauptergebnis bereits gemeldet worden ist, förderte eine Fülle von Nachrichten zu Tage, die auf die gegenwärtig viel besprochene Lage des Arbeitsmarktes ein teilweise überraschendes Licht werfen. Der Vorsitzende Dr. Freund-Berlin eröffnete die Sitzung, die als einzigen Gegenstand ihrer Tagesordnung die gegenwärtige Arbeitslosigkeit und die Mittel zur Abhilfe hatte, mit einem zahlenmäßigen Ueber- blick über die Einnahmen sämtlicher Landes-Versicherungsanstalten Deutschlands. Die Zahlen aus der Jnvaliden- Versicherung geben ein besseres Bild zur Beurteilung des Beschäftigungsgrades, als die aus der Kranken-Versicherung, weil diese nicht sämtliche Erwerbszweige umfaßt, insbesondere die unständig beschäftigten Arbeiter außer acht läßt. Selbst bei Uebertritt von arbeitslos gewordenen Personen in andere Gewerbe muß in dem Markenerlös diese neue Beschäftigung sofort zum Ausdruck kommen, sodaß also hier in den Minder-Einnahmen nur thatsächlich Arbeitslose zum Ausdruck kommen. Jn dieser Beziehung weist Dr. Freund darauf hin, daß z. B. die Versicherungsanstalt Berlin im Oktober eine Minder-Einnahme von 18 000 Mark, die Versicherungsanstalt Brandenburg eine Mehr-Einnahme von genau demselben Umfange gehabt hat. Daraus scheint hervorzugehen, daß ein großer Teil der in Berlin arbeitslos ae- toorbenen Personen sich in die Provinz Brandenburg begeben und dort Beschäftigung gefunden hat (sei es nun in der Landwirtschaft, sei es in anderen Betrieben). Bei fast sämtlick)en Anstalten sind in den beiden letzten Monaten dieses Jahres nicht nur feine Minder-, sondern sogar Mehr- Einnahmen zu verzeichnen. So hat im Oktober Ost- vrenßen Mehr-Einnahmen von 16 000 Mark, Schlesien 26 000, oie Rheinprovinz, einer der industriereichsten Bezirke, 74 000, Württemberg 107 000, Baden 13000, Hessen 43000, die Hansastädte 22 000 und die Reichslande 20 000 Mark. Im Königreich Sachsen, dem iudustriereichsten deutschen Staate, war im September eine Mehreinnahme zu verzeichnen, während allerdings der Oktober einen Mindererlös von 30 000 Mark ergab (bei einer Gesamteimiahme von 1 145 000 Mark). Erwägt man, daß fast für jede in der Woche beschäftigte Person eine Marke verwendet werden mutz, und daß erfahrungsgemäß unbeschäftigte Personen von der Markenverwendung Wstand nehmen, so ist es klar, daß ein starkes Sinken in der Zahl der beschäftigten Personen unter allen Umständen im Marken-Erlös zum Ausdruck kommen müßte. Ans den angeführten Zahlen kann man daher zum mindesten den Schluß ziehen, daß von einer großen Anzahl Beschäftigungsloser nicht gesprochen werden kann. Ue6er die Ehe der Königin Wilhelmina der Niederlande, brachte ein Pariser Blatt jüngst sensationelle Nachrichten. Uns schien das Pariser Blatt zü unzuverlässig und die Nachricht zu sensationell aufgeputzt, um sie zu notieren. In der That wird sie aber wirklich viel in den Nieder-^ landen als wahr kolportiert. Jetzt veröffentlicht unter Vorbehalt die „Rhein.-Westf. Ztg." folgenden Bericht ihres Amsterdamer Korrespondenten: Amsterdam, 24. Nov. Es laufen hier die seltsamsten Gerüchte. Prinz Hendrik soll sich — wegen Spielschulden! — mit seiner Frau überworfen haben, was der Anlaß zu der vorzeitigen Entbindung der Königin gewesen sei. Es bestehe überhaupt tiefe Abneigung zwischen den Gatten, sowie zwischen dem Prinzen und der Königin-Mutter. Wie ich immer betont habe, glaubte man bisher allgemein, das Verhältnis zwischen den jungen Gatten sei ein mnstergiltiges. Der Bildhauer, dem der Prinz seinerzeit auf Schloß Loo zu einer Büste saß, und der die Beiden in ihrer ungezwungendften Häuslichkeit beobachten konnte, ließ sich einem meiner Freunde gegenüber ganz begeistert darüber aus. Ich 'glaube denn auch nicht daran, wenn schon es mich, eigen berührt, daß der Prinz, während seineFraukrank ist, tagtäglichauf dieJagd geht. Hier ist nichts Bestimmtes zu erfahren. Die „Berl. Neuest Nachr." schreiben: Englische und französische Sensationsblätter scheuen sich nicht, die Ehe der Königin Wilhelmina der Niederlande den böswilligsten Aeußerungen auszusetzen. Es genügt, ein für alle Mal festzustellen, daß es sich um lügnerische Verbreitungen handelt, die das strikte Gegenteil der Wahrheit enthalten. W. T B. meldet heute aus dem Haag: Nach den letzten Nachrichten ist das Befinden der Königin sehr zufriedenstellend. Der Hof wird in der Mitte des nächsten Monats hier erwartet. — Prinz-Gemahl Heinrich wird sich am Dienstag einige Tage nach Bückeburg begeben. Deutsches Keich. Berlin, 25. Nov. Der Kaiser ist heute vormittag mittelst Sonderzuges in Kiel eingetroffen und am Bahnhofe vom Prinzen Heinrich und der Admiralität begrüßt worden. Mittags wohnte der Kaiser der Rekrutenvereidigung bei und hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er auf die jüngsten Ereignisse in China hinwies und die jungen Soldaten ermahnte, dem Beispiel der zurückgekehrten siegreichen Kämpfer zu folgen und den Fahneneid treu zu halten. Nach Beendigung der Feier, der auch Deputationen der in Kiel anwesenden russischen und türkischen Schiffe beiwohnten, nahm der Kaiser mit den Flaggoffizieren das Frühstück im Offizierkasino ein. Nach dem Frühstück begab sich der Kaiser zu Wagen nach dem in der Düsterbrooker Allee gelegenen, im Umbau besindlichen Hause für den Prinzen Adalbert und sodann wieder an Bord des Linienschiffes „Kaiser Wilhelm II.", wo Se. Majestät den Nachmittag über verblieb. Heute abend 7 Uhr sand ein Essen statt, zu dem die ortsanwesenden Admirale geladen waren. > — Die von einem englischen Blatte gebrachte Meldung, der Kaiser erwäge den Plan, den Kronprinzen auf eine Weltreise zu schicken, w i r d der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge als erfunden bezeichnet. — Das königliche Schloß zu Charlotten- bur g, das seit dem Frühjahr des Jahres 1888, wo es dem Kaiser Friedrich zum Aufenthalte diente, unbewohnt war, wird in diesem Winter vom Prinzen Heinrich nebst Familie bezogen werden. — Der Minister des Innern erwiderte auf die Vorstellungen des Magistrats betr. die Entscheidung des Oberpräsidenten von Potsdam in der Angelegenheit der zweiten Bürgermeister wähl Kaufs manns, daß er die im Erlaß des Oberpräsidenten vertretene Auslegung des § 33 der Städteordnung auch nach Prüfung der Ausführungen des Magistrats für zutreffend erachte, sie entspreche dem Wortlaute wie dem Sinne und der bisherigen Handhabung der Gesetzesbestimmung. Eine a ll e r h ö chst e E n ts che i d - ung über das Ergebnis der Wahl ist hiernach nicht herbeizuführen. Es steht den Stadtverordneten frei, die vorgeschriebene neue Wahl vorzunehmen. — Im „Reichsanz." spricht der Stellvertreter des Kommissars der freiwilligen Krankenpflege, Generalleutnant Perthes allen Spendern freiwilliger Geben für die ost asiatische Besatzungsbrigade und Marine in den Monaten August bis November den inärmften Dank aus und teilt mit, daß die Hauptsammelstelle Bremen für das ostasiatische Expeditionskorps aufgehoben ist. — Der „Reichsanz." veröffentlicht die Verlustliste Nr. 22 des vstasiatischen Expeditionskorps. Derselben zufolge ist der Gefreite Karl Schulze aus Luckenwalde an der lliuhr gestorben, der Musketier Hoppe aus Petersgrund im Hospital zu Colombo a»n Typhus, der Musketier Leon Urban aus Hochstüblau an Bord der „Krefeld" an der Ruhr, der Musketier Max Wendt aus Stralsund an Bord der „Krefeld" an Gehirnhautentzündung. Der Reiter Ernst Willgeroth aus Ilsenburg wird vermißt. Ferner sind gestorben im Barackenlazarett Munster der Kanonier Heinrich Rinn aus Heuchelheim am Typhus, desgleichen der Unteroffizier Friedr. Kuhn aus Marienwerder, der Pionier Theodor Graß aus Erfurt und der Sergeant Karl Hörnicke aus Zieko, beide ebenfalls am Typhus. Im Gcneralhospital zu Singapore starb Unteroffizier Wilhelm Stiller aus Neuhof und im Barackenlazarett Bremerhaven der Kanonier Eduard Hesselbarth aus Benndorf, beide am Typhus. — Die Verhandlungen zwischen dem Finanz- und dem Eisenbahnminifter über Schaffung neuer Eisenbahn- sekr etärstellun gen haben das Ergebnis gehabt, daß es dem Eisenbahnminister gelungen ist, die zur Anstellung der 155 ältesten Bureaudiätare erster Klasse ans 1891 und 1892 erforderlichen neuen Eisenbahnsekretärstellen durchzusetzen. Die mit etatsmäßigen Anwärtern besetzten zwischen- liegenden 300 Betriebssekretärstellen werden in Eisenbahn- felretärfteHen umgewandelt. Hamburg, 25. 9Lov. Die „Hamb. Nachr." behaupten, daß das vor einiger Zeit verübte Verbrechen eines noch in irrenärztlicher Beobachtung befindlichen Menschen im Münch aner Odeon, dem bekanntlich ein Diener zum Opfer fiel- ein Attentatsversuch der Anarchisten auf den Prinzen Ludwig Ferdinand von Bayern und den russischen Gesandten gewesen sei. (Das Blatt müßte toegeif groben Unfugs, begangen durch Beunruhigung des Volkes, belangt werden.) — Nach einer Depesche aus Kamerun wurden d r en Kaufleute aus Bremen, Köln und Hamburg wegen Negermißhandlung mit tödlichem Ausgang ver haftet. Breslau, 25. Nov. Die Sozialdemokraten stellten Eduard Bernstein-Berlin als Reichsta gskandi- daten an Stelle Dr. Schönlanks auf. — Jn der Ausschußsitzung des Oberschlesischen berg* und hüttenmännischen Vereins erstattete der Geschäftsführer Dr. Boltz ausführlichen Bericht zum Zolltarifentwurf, und es wurde folgende Resolution angenommen: „Die Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller hält unter Zugrundelegung der derzeitigen Valutaverhältnisse die vorliegenden Entwürfe eines Zolltarifs, sowie eines Zolltarifgesetzes nur dann für geeignet, bei den bevorstehenden Verhandlungen über den Abschluß neuer Handelsverträge als zweckmäßige Grundlage zu dienen, wenn sie, insbesondere im Sinne nachstehender Ausführungen, noch wesentliche Aenderungen und Ergänzungen erfahren. Tie östliche Gruppe erklärt sich vor allem gegen die gesetzliche Festlegung irgend welcher Minimalzollsätze, auch von Minimalsätzen für Getreidezölle, unter welchen bei den Handelsvertragsverhandlungen nicht heruntergegangen werden kann. Sie steht ferner auf dem Standpunkt, daß eine etwaige Erhöhung der schon jetzt die deutsche Exportindustrie und ihre Arbeiterbevölkerung schwer drückenden Zölle für Getreide, Vieh, Fleisch und Erzeugnisse der Landwirtschaft nur in solcher Höhe zu gelassen werden darf, daß sie den Abschluß langfrifttger, günstiger Handelsverträge nicht hindert, auf Grund deren allein die deutsche Industrie die in Betracht stehende Le- bensunterhaltungs-Verteuerung für die Arbeiter zu tragen im stände ist. Als deutsche Zollsätze für die einzelnen Eisenartikel, welche nach Abschluß der neuen Handelsverträge thatsächlich in Kraft treten sollen, hält die östliche' Gruppe nach wie vor diejenigen für unerläßlich, welche der Hauptverein deutscher Eisen- und Stahl-Industrieller: dem Reichsamt des Innern als solche bezeichnet, und welcher unter Beibehaltung der jetzigen niedrigen Sätze für die gewöhnlichen Artikel, für alle Qualitäts- und sonstigen feineren Artikel und solche Erhöhungen in Vorschlag bringt, welche nach Lage der in den letzten 20 Jahren von der Industrie und Technik des Auslandes gemachten Fortschritte als zum mindesten erforderlich gelten. Kvburg, 25. Nov. Die Groß Herzogin von Hessen und die Herzogin Marie reisen am Donnerstag nach Nizza zu einem längeren Aufenthalt auf .^loß Fabrow Ausland. Loudon, 25. Noo. Die Neuarmierung der Forts, die die Themse, den Kanal von Bristol sowie die Häfen und Wersten an der Südküste schützen, ist soeben vollendet. Wählend der letzten 14 Tage sind 200 veraltete Geschütze durch mächtige in England hergestellte Hinterladergeschütze ersetzt worden. Auch die Arbeiten, die die im Norden besind- lichen Befestigungswerke uneinnehmbar machen sollen, schreiten auf das Schnellste vorwärts. (Das sieht ja sehr ängstlich aus!) — Nach einem Telegramm aus Meidenhead ist Balfour in Taplow erkrankt. Paris, 25. Nov. Der Kommandeur der vierten Küras- sierbrigade, General Forsanz, der jüngst in einem Brigade- befehl die Pensionierung des Obersten Ledochowski kritisiert hatte, wurde seiner Kommandos enthoben und General Dewitte zu seinem Nachfolger ernannt. — Die „Petit Republique" veröffentlicht heute früh einen Bericht des Generals Voyron, der sämtliche mitgeteilten Einzelheiten bestätigt. Nur erscheint die Rolle, die die 2)1 i V sionare bei den Plünderungen m Peking spielten, noch häßlicher. Sie verführten zuerst Soldaten ^zum Diebstahl von Silberbarren, kauften ihnen dann das Silber gegen Checks ab und kauften zuletzt auch diese Checks mit wucherischen Abzügen. Dieser Handel wurde indirekt durch einen Wirt namens Chantot und öfter durch einen Missionsprior betrieben. Der Befehlshaber der Truppen, General Frei), hatte keine Ahnung von diesen Mißbräuchen. General Voyron konstatiert, daß die französischen Soldaten trotz Allem noch eine beffere Haltung bewahrten, als die Truppen der übrigen Nationen. — Die Deputiertenkammer hat die Regierungsvorlage, durch welche die Höhe der China-Anleihe auf 265 Mill, festgesetzt wird, mit 295 gegen 249 Stimmen angenommen, ebenso den 1. Artikel des Anleihegesetzes. Bologna, 25. Nov. Hier trat heute ein von Sozialisten veranstalteter erster Bauern-Kongreß zusammen. Es waren 104 Vereine mit 144,178 Mitgliedern vertreten. 13 sozialistische Abgeordnete waren anwesend. Man beschloß, einen Nationalbund aller Landarbeiter, Pachtbauern und der kleinen Landwirte zu gründen, der von einem aus 6 Landarbeitern nnd 5 Pachtbauern gebildeten Rat geleitet wird. 4 Wien, 25. Nov. Abgeordnetenhaus. In der Kongregationsdebatte sagte Baron Morsey (klerikal), es bestehe ein konzentrischer Vorstoß von geheimen Gesellschaften in den verschiedensten Staaten, in Spanien, Portugal, Brasllien, Frankreich und bei uns. Weil Dreyfus verurteilt wurde, sollte an den Orden und Kongregationen Rache genommen werden. Die alldeutsche Bewegung inDeutsch- land sei eine gefährliche Bewegung. Die Proselytenmacherei gehe im größten Maßstabe vor sich. Der evangelische Bund wurde unter dem Motto: Kampf gegen Rom! gegründet. Die Lehrbücher der Protestanten sind angefüllt mit Vorurteilen gegen die Kirche und das Haus Habsburg. Der Redner wurde von den Alldeutschen vielfach unterbrochen. Der Jungczeche Holansky spricht von „ungeheuren Greuelthaten der deutschen Regierung gegenüber polnischen Kindern, und meint, daß nach diesem Vorgehen der preußischen Behörden, das vergeblich bei den wildesten Völkern auf dem schwarzen Kontinent gesucht werde (Den lächerlichen Bruder Böhm hat wohl der „Ruhm" Chamberlains nicht schlafen lassen. D. Red.), die Behauptung Eisenkolbs bezüglich der preußischen Freiheit der Wahrheit nicht entspreche. (Lebhafter Beifall rechts.) Zu einer stürmischen Szene kam es nach der Rede Luegers, der sich der „barmherzigen Brüder" annahm und dem Abg. Malik ein Pfui zurief, in das die Christlichsozialen einstimmten. Malik ruft Lueger zu: Feigling, Frechling, Lump, Kerl! worauf mehrere Christlichsozialen auf ihn los stürz en wollen, was jedoch verhindert wird. Weiter kam es zu einem großen Krawalle, als die Alldeutschen durch einen Zwischenruf die Ehrlichkeit Luegers anzweifelten. Schließlich wurde die Dringlichkeit bei sämtlichen vier Anträgen: Erlcr gegen die Einwanderung von Kongregationen, Eisenkolb gegen die Errichtung von Klöstern, Schuhmeier gegen den Religionsstörungsparagraphen und Klofac gegen die „tote Hand" abgelehnt, da nicht die erforderliche Zweidrittelmajorität erreicht wurde. Iom südafrikauischeu Kriegsschauplätze Däe Herrschaft über den Südosten des Transvaal scheint den Engländern nahezu völlig aus den Händen gewunden zu sein. Die Fühlung mit General Botha, der sein Hauptquartier bei Ermelo hat, ist ihnen seit der blutigen Niederlage des Obersten Benson offenbar gänzlich verloren gegangen, und jetzt taucht plötzlich Kommandant Grobelaar im Süden von Johannesburg auf, natürlich nicht ohne den Engländern sofort einen empfindlichen Beweis ferner Gegenwart zu liefern. Kitchener hatte kürzlich eines Gefechtes bei Villrersdorp Erwähnung gethan und darüber berichtet, daß ein Burenkommandant gefangen worden, daß aber über die britischen Verluste noch nichst bekannt sei. Jetzt meldet eine Depesche Lord Kit- cheners aus Pretoria vom 23. d. M.: Aus dem weiteren Bericht über das Gefecht Major Fischers bei Villiersdorp am 20. d. M. geht hervor, daß in der Nacht vom 19. d. M. Patrouillen, die von den Posten Fischers bei Reitfontein nach Kalkspruit ausgesandt waren, um einen Zandsdrift beherrschenden Hügel zu nehtznen, diesen Hügel vom Feinde besetzt fanden. Fischer rückte mit Tagesanbruch nach diesem Hügel vor, und wurde von 9Lorden und Süden gleichzeitig angegriffen, doch gelang ihm, nach und nach eine gedeckte Stellung zu erlangen. Um 9 Uhr morgens flohen seine Pferde plötzlich nahe beim südlichen Ende seiner Stellung in wilder Hast und in Verwirrung und der Feind setzte sich fest. Fischerund Hauptmann Langmore sind lebensgefährlich verwundet. Die ganze Äbte i l u n g F i s ch e r s wurde von dem ungefähr 3 5 0 M a n ni zählenden Feinde gezwungen, sich um 10 Uhr zu ergeben. Pimingtons Kolonne kam um 11 Uhr an, als der Feind mit Ausnahme einer kleinen Nachhut sich bereits zurückgezogen und die Gefangenen zurückgelassen hatte. Der Äurenführer Buys, den Pimington gefangen nahm, war verwundet. Das war also wieder einmal eine regelrechte Nie -- 4> er läge der britischen Truppen, deren Befehls- hapex auch hier gefallen ist, ebenso, wie kürzlfth Kapitän. Elliot in der Kapkolonie und vorher Oberst Bens m in dem Kampfe bei Berkenlaagte. Auch sonst sind die englischen Verluste an Offizieren in der letzten Zeit auffallend hohe; man muß annehmen, daß entweder die Buren jetzt in erster Linie die Führer der ihnen entgegentretcnden feindlichen Abteilungen aufs Korn nehmen, oder daß die britischen Soldaten durch ihr Verhalten im Felde die eigenen Offi- jiere zwingen, sich über Gebühr zu exponieren. Wenn man ieht. wie auch in diesem Falle wieder ganze Truppen-Abtell- ungen si'ch von den Buren gefangen nehmen lassen, rann wird man über die Qualität der Mannschaften, die Kitchener noch zur Verfügung hat, allerdings kaum ein günstiges Urteil fällen können. In einem Telegramm an die „Daily Mail" erklärt, noch einer Meldung aus London, Lord Kitchener die Behauptung, daß die englischen Truppen bei einem Zusammentreffen mit einer stärkeren Burenabteilung in der Nähe von Graspan sich vor deren Geschossen dadurch zu chützen suchten, daß sie Burenfrauen und Kinder zwischen sich und der feindlichen Abteilung aufstellten, als vollkommen unwahr. Ein Kind sei getötet und eine Frau, owie ein Kind-' d»urch Buren verwundet worden. — Wir wollen im Interesse der Menschlichkeit diesmal ausnahmsweise diesem Dementi Kitcheners Glauben schenken. Aom Krikg in Kerüral-AmenKa. Das Kanonenboot der kolumbischen Regierung „Pincon" meldet: Das Landen von Truppen am Nordende Colons verursachte dort große Aufregung in den Straßen. Die Leute flüchteten auf die amerikanischen Kanonenboote oder uchten Zuflucht längs der Bahnlinie. Das amerikanische Kanonenboot „Concord" ist vor Panama eingetroffen. Der Agent der Panama-Eisenbahn in Colon telegraphiert, der Kommandant des Kanonenbots „Machias" untersagte das BombardementvonColon und setzte noch mehr Truppen an Land. Kommandant Perry vom amerikanischen Kriegsschiff „Iowa" telegraphiert, Gouverneur Alban mit 600 Mann ei an der Bahnlinie in der Nähe von Empire mit den ' usständischen im Gefecht. Der Transitverkehr sei gefährdet. Er, Perry, sei mit einer Truppenabteilung an Land gegangen, und mit einem Eisenbahnzuge abgegangen, um die Linie aufzuklären und die Truppenabteilung hier auf- - Ustellen. Kommandant Mc. Crea erbat telegraphisch Jn- trukt-ionen wegen des drohenden Bombardements von Colon. Er erhielt die Instruktion, Schritte zu thun, um die ame- vikanischen Interessen zu schützen. Wre man annimmt, ver- eiht diese Instruktion Mc. Crea diskretionäre Gewalt, das Bombardement zu verhindern. Der kolumbische Geschäftsträger in Washington erhielt von dem stellvertretenden Gouverneur folgende Depesche aus Panama vom 25. Nov.: H e e r R e b e ll e n bei Culebra Emperada vollständig geschlagen. Gouverneur mar- chierte in vergangener Nacht auf Colon. Aus Stadl und Knud. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen .Original-Nachrichten istlnttr unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 26. November 1901. " Als Antwort auf das Glückwunschtelegramm, das die akademische Festversammlung gestern an den Großherzog gerichtet hatte, lief bei dem Rektor der Universität folgendes Telegramm ein: Darmstadt, 26. Noo., 11 Uhr, 15 Min. Rektor Hansen, Magnificenz. Seine Königliche Hoheit der Großherzog lassen der gestrigen Festversammlung für aufmerksame Geburtstagswünsche bestens danken. R ö m h e l d, Geh. Kabinettsrat. * * Geheimerat Löhlein f. Emen schweren, unerwarteten Schlag hat unsere Landesuniversität erlitten. Der Geheime Medizinalrat Prof. Dr. Hermann Löhlein, Direktor der Frauenklinik, ist am Montagabend in seinem Arbeitszimmer in der Klinik von einem Schlaganfall betroffen worden und um 10^3 Uhr in seiner Wohnung verschieden. * * Auszeichnung. Das Ritterkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großmütigen wurde verliehen dem Eisenbahnsekretär Rullmann (nicht Kullmann wie es infolge eines Druckfehlers in unserer gestrigen Nummer heißt.) * * Französische Vorträge und Rezitationen. Morgen Mittwoch findet der erste Vortrag des Lektors Goetschy, — und zwar in der kleinen Aula des Kollegiengebäudes — statt. Das Thema ist „Voltaire et Frederic II.1“ Die Rezitation am 4. Dezember wird folgende Stücke bieten: Paul Bourget, La journee d’une Parisienne au 19. siede; La Fontaine, Le corbeau et le renard; Pierre Loti, Pecheurs d’ Islands (Hauptscenen); Victor Hugo, Hymerillot; A. Daudet, Les Nieux. * • Stiftungsfest. Das in den weitesten Kreisen bekannte und sehr beliebte Kronbauersche Quartett begeht, wie wir hören, am Samstag in 8 Tagen, dem 7. Dezember in Steins Garten die Feier seines 25 jährigen Bestehens. * * Aus der Bürgermeisterei. Eine interessante Entscheidung haben unsere Stadtverordneten in der letzten nichtöffentlichen Sitzung getroffen. Es wird uns darüber olgendes mitgeteilt: Es handelte sich um die definitive Wiederbesetzung des Sekretärpostens für den städtischen Arbeitsnachweis, die Abfertigung der Jnvaliditäts- und Altersversicherung, womit gleichzeitig eine Auskunstsstelle für die Arbeiter über Fragen der Gewerbeordnung rc. verbunden ist. Der Stadtverordneten-Versammlung war der Vorschlag gemacht worden, diese gut dotierte Stelle mit einem Militäranwärter zu besetzen, der allerdings während seiner aktiven Dienstzeit Bureauarbeiten zu verrichten gehabt hat. Als Grund wurde u. a. angeführt, daß der Betreffende besonders zu repräsentieren verstehe. Trotzdem er von seinen früheren militärischen Vorgesetzten der städtischen Verwaltung ganz besonders warm empfohlen war, wurde doch aus der Mitte der Stadtverordneten erklärt, daß es bei der Auswahl eines Beamten zur Besetzung gerade dieser Stelle weniger darauf ankomme, ob jemand die besondere Gabe der Repräsentation besitze; wohl aber müsse man in erster Linie darauf sehen, daß der Anzustellende jedermann zuvorkommend und höflich sei. Es wäre daher zu empfehlen, einen der jüngeren Beamten der städt. Verivaltung in diese Stelle einrücken zu lassen, der sich bewährt habe. In der sehr lebhaften Debatte kam seitens einzelner Redner unzweideutig zum Ausdruck, daß man nicht etwa prinzipiell gegen die Anstellung von Militäranwärtern im städtischen Dienst sei, wenn solche sich für vakante Stellen melden,, man müffe aber verlangen, daß diese Bewerber von unten herauf in die besser bezahlten Stellen, wie jeder andere Beamte der Stadt, einzurücken suchen sollten. Es würde einer Bevorzugung der Miiitäranwärter, gegenüber andern städtischen Beamten, die aus dem Civilstand heroorgegangen sind, gleich kommen, wenn man den ersteren die gut dotierten Stellen gebe. Die Mehrheit der Versammlung lehnte die Anstellung der vorgeschlagenen Militäranwärter ab und gab der Verwaltung anheim, von zwei namhaft gemachten jüngeren Beamten einen in die Stelle vorrücken zu lassen. ** Für Geländespekulatiou hat sich gestern hier eine stille Gesellschaft von Kapitalisten gebildet und zu diesem Zweck i/2 Million Mark zur Verfügung gestellt. Die Genossenschaft hat sich als Feld ihrer Thätigkeit nicht etwa unsere Stadt auserschen, sondern sie will ihre Landspekulationen in der Ferne unternehmen. ** lieber schlechte Geschäfte klagen in diesem Jahre unsere Kaufleute wie nie zuvor. Die Inhaber von Lagern mit Nahrungs- und Genußmitteln klagen über den geringen Umsatz und behaupten, daß der Konsumverein für Eisenbahnbeamte und der neuerdings von Arbeitern ins Leben gerufene Konsum- Verein ihnen' viel Kundschaft wcgnehme. Hierzu komme, daß auch besser gestellte Beamte vielfach einen großen Teil ihres Bedarfs von außerhalb kommen lassen. B. Laug-Göns, 25. Nov. Hier wurde eine Sammlung für die Buren veranstaltet, die 340 Mk. ergab. Die Summe wird durch den Kirchen- und Ortsvorstand abgesandt werden. -i- Nidda, 24. Nov. Der Großherzog hat dem Gendarmerie- Wachtmeister Schmidt hier das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. it. Friedberg, 25. Noo. Dieser Tage hielt Rektor L P. Lang aus Frankfurt a. M., ein geborener Friedberger, hier ■einen Vortrag über „einen Besuch im Vatikan". Der geräumige Saal des Hotels „Trapp" war bis auf den letzten Vlatz besetzt, und die Zuhörer folgten mit großer Aufmerk- amkcit den interessanten Ausführungen des Redners. Er entwarf zunächst ein Bild von den um den Vatikan gelegenen ärmlichen Stadtteilen mit ihrem Leben und Treiben, und kam dann auf den herrlichen Petersplatz und die großartigste Kirche der Welt, die Peterskirche, zu sprechen. Alsdann schilderte er den Vatikan in seiner ganzen Pracht und verbreitete sich besonders eingehend über die herrlichen, kostbaren Kunstschätze, die diesen berühmten Palast zieren. — Gelegentlich der letzten hier abgehaltenen Kontrollversammlung wurde von einem Reservisten in der Wirtschaft „zur Schillerlinde" die Büchse für arme Kinder der Stadt erbrochen. Dem frechen Dieb wurde jedoch sofort von Kameraden sein Raub abgenommen und er selbst durch die Polizei hinter Schloß und Riegel gebracht. — Zeichenlehrer Roth am hiesigen Gymnasium hat einen neuen Zeichenblock konstruiert und hat ein Patent darauf erhalten. — Das im Oktober eröffnete Technikum erfreut sich eines starken Besuches. Die Schülerzahl beträgt gegenwärtig 80. Der Direktor der Anstalt hofft, daß ihre Zahl in den nächsten 2 Jahren auf 2 bis 300 steigen wird. Es haben sich auch bereits zwei Verbindungen aufgethan; Tanzlehrer Noack erteilt den jungen Leuten Fechtunterricht. Mainz, 25. Noo. Die wegen des Diebstahls bei Hoftat Börkel von hier in Brüssel erfolgte Verhaftung des Gauners Harm hat st'ir einen hiesigen jungen Kaufmann, der Sohn einer angesehenen Familie, große Unannehmlichkeiten zur Folge gehabt. Bei der Vernehmung wurde Harm gefragt, ob er Komplicen bei dem Einbruch in Mainz gehabt habe. Der Gauner bejahte die Frage und nannte den Namen des jungen Kaufmanns mit dem Hinzufügen, daß er mit dem Betreffenden noch einen Einbruch in dem bekannten belgischen Badeort Spa verübt habe. Das Resultat der Brüsseler Vernehmung wurde der Mainzer Polizeibehörde übermittelt, worauf zunächst bei dem Kaufmann eine Haussuchung vorgenommen und er selbst verhaftet wurde. Der junge Mann teilte jedes Mitwissen an der Sache entschieden in Abrede, und räumte nur ein, daß er mit Harm in guter Gesellschaft, in Brüssel bekannt geworden sei. Bezüglich des angeblich in Spa gemeinschaftlich verübten Diebstahls war der Kaufmann in der Lage, sein Alibi sofort nachzuweisen. Nichtsdestoweniger wurde er in Haft behalten. Inzwischen hat sich die völlige Unschuld des jungen Mannes herausgestellt und zu mitternächtlicher Stunde öffneten sich ihm die Gefäng- nisthüren und zwar wurde durch den Ersten Staatsanwalt felb|t die Freilassung des Inhaftierten bethätigt. Hanau, 25. Nov. Zum Amtsanwalt an dem hiesigen Amtsgericht wurde der Hauptmann a. D. Euger aus Eberswalde ernannt. — Der von dem Schwurgericht zum Tode verurteilte Ziegelarbeiter Johann Gläser hat durch seinen Verteidiger Revision einlegen lassen. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Wormser Zeitung (Nr. 263) entnimmt der „Köln. Ztg." einen Artikel über Lesbos, in dem es heißt: „Im Westen, fast an der Ecke der Insel, unweit des Dorfes Erissos, führt der Weg über das von Asphodelos durchs wachsene Trümmerfeld der alten Stadt, wo Sopha, die be^ rühmteste Lesbierin, geboren wurde." Berühmt ist sie ja, aber einen so ordinären Namen hat sie nicht geführt. — Dr. Marx aus D a r m st a d t wurde zum Provinzialrabbiner- in Westfalen, mit dem Sitz in Dortmund, durch einstimmige Wahl berufen. — In der Hanauer Zeitung vom 18. Nov. ist zu lesen: „Es sind gerade fünfzig Jahre her, daß Helmholtz den Eulenspiegel gefunden hat." Ein Eulenspiegel scheint sich unter die Setzer der „Han. Ztg." eingeschlrchm zu haben._________________ Vermischtes. • Mädchenmord. Wie aus Königshütte gemeldet wird, wurde in einem Abflußgraben das 19 jährige Hausmädchen Anna Rudsky aus Königshütte ermordet aufgefunden. Das Mädchen war vorher vergewaltigt worden. Der Körper der Ermordeten wies zahlreiche Spuren äußerer Gewalt auf. * Hannover, 24. Nov. Vor einigen Tagen ging durch die Blätter die Nachricht von einem Duell zwischen dem Oberleutnant v. Stockhausen und dem Chemiker Dr. phil. Schütt, bei welchem letzterer durch cmen Schuß in die Brust schwer verletzt sei, während ersterer einen Schuß in den Arm erhalten habe. Jetzt hat sich herausge-. stellt, daß weder eine Forderung überreicht ist, noch ein Dueb, stattgefunden hat. lieber den Vorfall, der das Duell herbei-, geführt haben sollte, .erhält die ,Jrkf. Ztg." .jolgende Dar-j stellung des Sachverhalts. Dr. Sch., welcher als Einjähriger im Regiment 73 diente, unternahm im Juni ds. Jrs. an einem Sonntage einen Spaziergang in der Umgegend Hannovers und betrat hierbei eine Waldpartie, deren Besitzer Rittmeister der Reserve v. Rh. ist. Er traf hier nut dem . Besitzer zusammen und geriet mit ihm in Differenzen, weil er die Wcgvorschristen nicht befolgte. Die Angelegcnhctt wurde dem Regiment gemeldet und eine Untersuchung gegen den Einjährigen eingeleitet, die Oberleutnant v. St. als Adjutant zu führen hatte. Tas Ergebnis der Untersuchung war eine Disziplinarsttafe für den Einjahrig-Freiwilligen, womit die Angelegenheit bis heute noch erledigt ist. Die dem Oberleutnant v. St. zugeschriebenc beleidigende Aeußerung, welche die unmittelbare Veranlassung zu dem Duell gewesen sein sollte, wird auch als unzutreffend bezeichnet. • Buk, 25. Rov. In der Familie des Arbeiters Miebzal erstickten in Abwesenheit der Eltern vier Kinder durch Kohlendunst. Drei waren sofort tot, ein viertes ist nachträg- lich gestorben. * München, 25. Rov. Im Hoftheater, wo „Der zerbrochene Krug" aufgeführt wurde, stürzte plötzlich Frau Conrad-Ramlo (die Gattin des Schriftstellers Dr. M. G. Conrad, eine sehr bedeutende Darstellerin. D. Red. des Gieß. Anz.) auf offener Scene zusammen; sie wurde hinausgetragen ,und die Vorstellung abgebrochen. Anscheinend erlitt die Künstlerin einen Schlaganfall, doch ist bereits eine kleine !Besserung eingetreten. • Paris, 25. Rov. In den Bergwerken des Rord- ^Hepartements wurde heute die Arbeit wieder allgemein rufgenommen. In der ganzen Gegend herrscht vollständige Ruhe. In Harnes sind drei Arbeiter, welche Telegraphen- und Telephon-Leitungen zerstört hatten, verhaftet -worden. • Triest, 25. Rov. Auf dem ganzen Karst-Plateau wütete bei 4 Grad Kälte eine Bora und heftiges Schnee- tteiben. • Krakau, 25. Rov. Nachdem sich die Demonsttattonen gestern wiederholten, verzichtete das Militärkasino auf die weitere Vorstellung des Berliner „Ueberbrettl's" unter Direktor Ewers und zahlte eine Abstndungssumme von 10000 Kronen. Theater, Kunst und Wissenschaft. Freiburg i. Br., 25. Nov. Der Neubau eines Stadttheaters rückt seiner Ausführung um einen Schritt näher. Auf das Ausschreiben des Stadtrats sind 20 Entwürfe eingelangt, darunter jene der drei zur Konkurrenz besonders eingeladenen Spezial- firmen H. Seeling in Berlin, Heilmann u. Luttmann, sowie M. Dülfer, letztere in München. Lahr, 25. Nov. Dieser Tage sprach hier der ordentliche Professor der Archäologie an der Universität Gießen, Dr. Bruno Sauer, in der Kasinogesellschaft und dem Kaufmännischen Verein über Schliemann und die Auffindung des homerischen Troja. . Als vor etwa einem Menschenalter Schliemann seine Ausgrabungen begann, belächelte man den Eifer dieses „Schwärmers" mttleidia, und als im Jahre 1890 der Telegraph aus Neapel die Nachricht von seinem Tode nach Deutschland trug, da war ein weltberühmter Mann aus dem Leben geschieden. Ter fesselnde Vortrag wurde durch Karten und viele Bilder, worunter einige von Schliemann selbst hergestellte Photographieen, und namentlich die Nachbildung der prähistorischen Zimmerdecke von Orchomenos, sowie durch Vorzeigung nachgebildeter aufgefundener Geräte und Waffen wirksam unterstüHt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Kassel, 25. 9too. Gegen den früheren zweiten Di- reEbor der Trebergesellschaft, Boll manu, jetzt in Hannover wohnhaft, ist jetzt ebenfalls Anklage erhoben worden; er ist aber gegen eine Kaution von 20 000 Mark aus 'freiem Fuße belassen worden. Hanau, 25. Nov. Die Diamantschleiferei H. Strauß u. Co. hier hat ihre sämtlichen Diamantschleifer entlassen und be.i Betrieb vorläufig eingestellt. Märkte. Gießen, 26. November. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pfund 1,20—1,30 Mk., Hühnereier pr. Stück 8—9 Pf., 2 Stück 00.00 Pf., Käse pr. Stück 5—8 Pf., Käsematte 2 Stück 0—0 Pfa., Erbsen pr. Lüer 20 Psg., Linsen per Ltter 30 Pfa., Tauben pr. Paar 0,70—1,20 Mk., Hühner pr. Stück 100—1,20 Ack., Hahnen pr. Stück 0,70—1,20 Mk^ Enten pr. Stück 1,20—2,50 Mk., Gänse pr. Pfd. 54—02 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 66—76 Pfa., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 60—64 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 64—80 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 84 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 60—66 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—70 Pfg., Kartoffeln pr. 100 Kgr. 3,20—3,50 Mk., Weißkraut per Stück 00—00 Pfa., Zwiebeln pr. 3 en hier 4,00—5,00 Milch per Ltter 18 Pfg. Aepiel per Pfd. 9—13 Pfg., in Körben 12—15 Psg. Trauben 35—50 Pfg., Tomaten per Pfd. 18—20 Pfg. Dauer der Marktzeit von morgens 8 Ubr bis nachmittags 2 Uhr, während der ersten drei Stunden der Marktzeil darf nicht im Umherziehen feilgeboten werden. Verichlslaal. Mailand, 25. Nov. Ter Anarchist Luigi Granotti wurde heute als Helfershelfer Brcseis bei der Ermordung des Königs vom Schwurgericht in contumaciam 511 lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. zandwirtschast. Berlin, 25. Nov. Nach dem „Reichsanzeiger" beziffert sich der Saat en st and im deutschen Reiche iDlitte November, wobei Nr. 2 gut. Nr. 3 mittel (durchschnittlich) bedeutet sür: Winter- weizen 2.2 (Oktober 2,4, November 1900 2,3), Winterpilz 2,3 (2,2, 2,0), Winterroggen 2,1 (2,3, 2,3), junger Klee 2,5, 2,6). Dazu bemerkt der „Reichsanz.": Ter Witterungsverlaus war allenthalben sür die Feldbestellung und Entwickelung der Saaten günstig. Sehr häufig sind Klagen über Ueberhandnehmen der Mäuse. Roggen steht schöner als Weizen. Nach den Berichten aus Preußen, Bayern, Königreich Sachsen, Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg, in vielen Bezirken sogar zu üppig, sodaß man sür den Fall einer stärkeren Schneedecke ohne voraufgegangenen Frost Ausfaulen befürchtet. Deshalb ist in manchen Gegenden der junge Roggen abgemacht ober abgeweidet worden. Die Bestellung des Weizens ilt noch nicht überall beendet. Tie Saat ist häufig noch nicht ausgegangen; im Allgemeinen aber wird ein Vorsprung gegen frühere Jahre festgestellt. Der Stand des jungen Klees ist recht verschieden. Dlnioersüäts Uachrichtr«. — Professor Frhr. v. d. Ropp in Marburg uj als Direktor an das Preußische Historische Institut in Rom berufen worden, um dessen Reorganisation er zusammen mit seinen Marburger Kollegen G. v. Below und K. Brandi eine Eingabe an den Reichskanzler ins Werk gesetzt hat. — Zum Ehrendoktor der Theologie hat die Universttät Kiel den Unterstaatssekretär im preuß. Handelsministerium, Wirkl. Geh. Rat Lohmann, ernannt Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers. Erlangen, 26. Nov. 32 Professoren der hiesigen Universität veröffeuttichten gestern eine Zustimmungsadrefse zu der Erklärung Mommsens betreffend die Freiheit der Wiffenschaft. London, 26. Nov. Die Gräfin Hatzfeld und die Prinzessin Karl zu Hohenlohe sind gestern abend von hier nuch Eltville abgereist. Die Leiche des Grafen Hatzfeld geht morgen von London ab. König Eduard wird bei dem am Mittwoch in der katholischen Kirche stattfiudenden Requiem durch den Lordkämmerer Earl of Clarendon vertreten sein. Paris, 26. Nov. Aus dem Bericht Voyrous, den die „Petite Republique" abdruckt, fei noch folgendes wieder- gegeben: Ten Soldaten die Checks zu lassen, würde geheißen haben, ihnen eine Prämie für Erpressungen zu gewähren. Man versuchte, ihnen die Checks wieder wegzunehmen, aber die Marinesoldaten weigerten sich, sie zurückzugeben. Schließlich ließ man sie ihnen. Der Bericht fügt hinzu, daß ein Check von 5000 Frrs. von dem Bischof Favier ausgestellt worden sei an Stelle der Cheks, die die Missionare den Soldaten gegeben halten, die ihnen bei der Fortschaffuug der Barren aus dem Palast Li HuugTschaugs halfen. Washington, 26. Nov. Der chilenische Geschäftsträger teilte heute dem Staatsdepartement mit, daß Chile und Argentinien zu einer freundschaftlichen und befriedigenden Verständigung in der Greuzfrage gekommen seien. New-Z-ork, 26.Nov. Hunderte von Fahrzeugen, meist kleine, find während des letzten Sturmes gescheitert oder haben Beschädigungen erlitten. Viele Häuser wurden abgedeckt. Auch sonst ist viel Schaden an der Küste angerichtet wordeu. W. Hirzenhain, 26. Nov. Eine tragische Unterbrechung fand gestern die Geburtstagsfeier des Gr-oßherzogs, im Jungmannschen Lokal. In der fröhlichsten Stimmung befand sich unter den Feiernden der Prokurist der Bude- ruswerke Korndörfer, als er von einem Schlaganfall, getroffen wurde. In wenigen Augenblicken war er eine Leiche. Berlin, 26. Nov- Die nationalliberale Fraktion wird heute im Reichstage eine Interpellation einbringen, in welcher der Reichskanzler um Auskunft über die Vorfälle, welche zum Jnsterburger Duell geführt haben, ersucht wird. Kiel, 26. Nov- Aus der gestrigen Ansprache des Kaisers bei der Rekruten-Vereidtgung berichtet man noch folgendes: Es sind Euer so viele wie nie zuvor, aber es sind viele neue gute Schiffe zu besetzen, und Ihr seid berufen, an deren Bord auszuziehen, sei es im Kriege oder Frieden. Ich wünsche den Krieg ebensowenig wie mein seliger Herr Großvater, der aber, als ihm der Krieg aufgedrungcn wurde, hinauszog an der Spitze seines Heeres, und Gefahren und Strapazen mit chm teilte. Ich erwarte von Euch, daß Ihr getreu Eurem soeben geleisteten Eide, Euch Eurer Väter von 1870/71 würdig zeigt, wenn ich Euch in den Krieg führen müßte. Ihr dürft nicht denken, der Kaiser habe gut befehlen. Die Soldaten müssen schweren Dienst ausführcn, aber auch ich habe meinen Soldaten-Eid geschworen so gut wie Ihr, und muß meinen Dienst versehen so gut wie Ihr, jeder; an seiner Stelle. Kiel, 26. Nov. Korvettenkapitän Neitzke hat einen 45 tägigen Urlaub erhalten. Königsberg, 26. Nov. Hiesige Blätter melden, der kommandierende General des 1. Armeekorps v- Finken- stein beabsichtige, Mitte Januar 1902 sein Abschiedsgesuch einzureichen. I n st e r b u r g, 26. Nov. Mit aller Bestimmtheit wurde hier die V e r a b s ch i c d u n g des Regiments-Kommandeurs Oberst von Reißwitz erwartet, nack)dem ihm bereite 48 Stunden nach dem Duell die Führung des Regiments, abgenommen und dem ältesten Stabs-Offizier des Regi^ ments übertragen worden war. Die Kabinettsordre von gestern bestimmt außer dem Abschied für Herrn von Reiß- witz die Uebertragung der Führung des Regiments an Oberstleutnant P 0 llier, bisher im Infanterie-Regiment Graf Dönhoff (Nr. 44), das in Deutsch-Eylau garnisoniert. Ein Gerücht will wissen, daß die Einforderung eines Jmmediatberichtes über das Duell von der Division durch den Kaiser verlangt worden sei, und daß ferner Herr v. Reiß Witz für den Aus gang des Zweikampfes als ausgesprochener Förderer des Duells als moralisch verantwortlich betrachtet wurde. München, 26. Nov- Der Komponist Jos. Rheinberger ist gestern gestorben. (Rh- war 1839 in Vaduz geboren und ist namentlich als Lieder- und Chor-Kom- ponift allgemein bekannt. D Red.) London, 26. 9iov Austin Chamberlain, der Sohn des Kolonialministers, hielt gestern in Birmingham eine längere Rede, worin er die Angriffe der deutschen Presse gegen seinen Vater zur Sprache brachte. Redner sagte, daß ein deutsches Blatt seine Hall- ung gegen Chamberlain damit rechtfertige, indem es erkläre, sich ausschließlich der Argumente von Sir Campbell Bannermann zu bedienen. Petersburg, 26. Nov. Die Witwe des Rechtsanwalts. Wonskaja in Nischni-Ncowgorod wurde in ihrer Wohnung von ihrem eigenen Bruder ermordet und beraubt Der Mörder ist verhaftet. — In Nikolskoje wurde eine aus fünf Personen bestehende Familie von unbekannten Thätern ermordet und beraubt. Caracas, 26. Nov. Die venezolanische Regierung teilte dem deutschen Geschäftsträger mit, daß den zur Veranlloortung gezogenen Schuldigen bei dem Vineta- Zwischen fall die höchste zulässige Strafe auferlegt worden ist. N e w - 2) 0 r f, 25. Nov. Der Kommandant des vor Colon eingetroffenen Kanonenboots „General Prinzen" entschloß sich, die Beschießung Colons nicht vor Freitag -nachmittag 6 Uhr zu beginnen. Wie es heißt, hat der Gouverneur von Panama, Dr. Alban, die Liberalen bei Matachin geschlagen , und marschiert jetzt auf Colon zu. Telephonischer Kursbericht. 1?’rank fürt a. 31.. 20. November. 3 ‘/jO/o Reicheanleihe . . 100.50 8% do, ... 90.01 3V,0/0 Konsole .... 100.50 3% do.....89.90 8l/g°/0 Heesen .... 98.00 6% Italien. Rente . . . 99.70 4 /o Griech. Monopo 1-Anl 42.00 8% Portugiesen .... 26.80 8% Mexikaner .... 25.90 4l/a /o Chinesen .... 85.10 Kreditaktien.....199.20 Diskonto-Kommandit . . 178.50 Darmstädter Bank . . . 122.70 Dresdener Bank .... 127.20 Beniner Handelsges. . . 137.50 Oesterr. StaaUbahn . . . 135.00 Gotthardbahn.....161.80 Laurahütte......183.00 Bochum.......168.40 Harpener ...... 163.80 Tendenz: fest. Couverts mit ßirma billigst vrühl'sche Universitäts-Druckerei. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Lollar pro 1902/03 liegt vom 28. November l. I. ab acht Tage zu jedermanns Einsicht auf hiesiger Bürgermeisterei offen. Lollar, den 25. November 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Lollar. Nies. 7728 Bekanntmachung. Für einen Schreinergesellen, 18 I. all, wird Stelle gesucht. Näheres auf dem Armenamt, Bürgermeisterei, Zimmer Nr. 4. Gießen, 26. November 1901. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Wolff. 7737 Versteigerung. Montag den 2. Dezember L I., nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlokal Seltersweg 11 gegen Barzahlung: 1 Pianino, 1 Kassaschrank, ein Buffet, 1 Glasschrank, 1 Schreibtisch, Sofas, Kommode und 2 Regulateure. Gießen, den 21. Nov. 1901. 7635 Mulch, Pfandmeister. Versteigerung. Douuerstag den 28. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, sollen dahier mt Luft'fchen Saale, Neuenweg 28: 1. 15 silberne Taschenuhren, 19 Uhrkctteu, 35 Anzüge (alles neu), 2. 1 Kassenschrank, 1 Schreibtisch, 2 Vertikows, 1 Sofa, 12 Regulateure, 5 Kleider- schränke, 1 Divan, 1 Tru- rneaux, 1 Waschkommode, 2 Nachtschränke, 1 Kommode u. v. a. zwangsweise gegen bar versteigert werden. 7725 N.B. Die Versteigerung der Taschenuhren, Uhrketten und Anzüge findet bestimmt statt. Gießen, den 26. Novbr. 1901. Seipel, Gerichtsvollzieher. 8$: Asche 38 von 6 Kesseln, vorzüglich geeignet als Ersatz für Bausand, zum Pflastern und Fußbodenausfüllen u. f. w. giebt vertraglich für längere Zett vom 1. Februar 1902, ab 7680 tatie Frickich J. jungen. Die glückliche Geburt eines gesunden, kräftigen Töchterchens zeigen hocherfreut an Dr. Hans Koeppe und Frau, Auguste, geb. Laubenheimer. Giessen, den 26. November 1901. 04790 Die glückliche Geburt eines gesunden Töchterchens beehren sich anzuzeigen Kapellmeister Paul Polster und Frau Anna geb. Ockhardt. / Giessen, den 26. November 1901. 7733 Straußfedern, echte Amazoueu, 40—45 cm lang, in den besten Farben, habe 50 Stück abzugeben zu 2, 3 und 4 Mark das Stück. Gustav Hanstein, 04791 5 Schulstraße 5. Verein z. Förderung eines Saalbaues Kenerat-Iersammtung Douuerstag den 28. November 1901, abends 6 Uhr, im Hotel Großherzog von Hesse». Tages-Ordnung: 1. Bericht über das verflossene Vereinsjahr. 2. Rechenschaftsbericht. 3. Bericht über den Ertrag des Jahrmarktsfestes. 4. Neuwahl des Vorstandes. 7722 Packet ZO u.40 Pfg öenega 0,5 °/< 7723 Zu haben In allen grösseren Apotheken und Drogerien. J. H. 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