Nr. 27V Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 27. November 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Zie Siebener Familien, olatter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt* und den „Mattern für hessische Volkskunde* viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Tchulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprkchanschlußNr.51. SiehenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« au der sür den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Verrnitt- llmgsstellen des In-und Auslandes nehmen An- zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen UnioersitätS - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Gießen, 22. November 1901. Betr.: Das Volksschulwesen im Großherzogtum Hessen. Die Großh. Kreisschulkommission Gießen tut die Schulvorstände und Großh. Bürgermeistereien des Preises. Jnr Verlag von Emil Roth dahier ist erschienen: DaS Volksschulwesen im Großherzogtum Hessen, ein Hand- und Nachschlagebuch für Schulbehörden, Schulvorstände und Lehrer von Greim und Müller. Zweite Auflage, neu bearbeitet von P. Müller Großh. Kreisschulinspektor zu Oppenheim. Da sich dieses Buch bei Schulbehörden, Schulvorständen und Lehrern als praktisches und zuverlässiges Nachschlagebuch bewährt hat, ernpfehlen wir Ihnen die Anschaffung desselben für Ihre Bibliothek. v. Bechtold. Volltische Tagesschau. Zum Zolltarif. W. T- B. meldet: Dem Reichstage ging am Montag rckend erstens der Entwurf des Zolltarifgesetzes nebst Zolltarif und zweitens die Begründung zum Zolltarisgesetze zu. Letztere zerfällt in einen kürzeren, allgemeinen Teil und einen umfassenden besonderen Teil. Der besondere Teil enthält eine kurze Begründung zu den 12 Paragraphen des Gesetzes und sodann eine umfassende Begründung zu den 19 Abschnitten des Zolltarifs. Der zweibändigen Begründung zwei starke Hefte Anlagen beigegeben, von denen das er.'J vorwiegend statistischen Inhalts ist, während das -weite., eine Pergleich'ung des alten und neuen Tarifs enthüll •»!’ Die^allgemeine Begründung des Zolltarifentwurfs, -deren 'Fertigstellung also doch „technisch möglich" gewesen tr gt der Regierung einstweilen wenig Lob ein. Die Urteile der Berliner Zeitungen lauten in steigendem Grade unfrcui Lid). Der Begründung wird „Oberflächlichkeit", das „Fehlen eines streng logischen Zusammenhangs" zum Vor- Ivurf gemacht; andere vermissen das „Neue", die „besondere Belehrung". In Bezug auf die Forderung neuer ^Gesichtspunkte darf man aber wohl nicht allzu anspruchs- .tec ifljoin, nachdem die öffentliche Diskussion so anhaltend irnjjj'o erschöpfend den Zolltarifentwurf, und was damit ÄU-, hängt, behandelt hat. Auch die führenden Männer des^ö . tags werden einigermaßen in Verlegenheit fein, OvigmH Ideen zu diesem Thema zu produzieren. Darauf Lommt ja nicht an. Es brauchte in der Begründung gar nichts nes enthalten zu sein; vielmehr, je eingehender der Nu' der bisherigen, gemäßigt schutzzöllnerischen Handel» Politik dargelegt worden wäre, um so befriedigender Würde vie Ausnahme gewesen fein. Aber der Kurs ist leben ein anderer, und das heiße Bemühen, einen Aus gleich zu finden zwischen dem alten und dem neuen «.System, macht die Begründung fv zwiespältig. Lebte Pie Zwillingsschwester. Daß neueste Lustspiel von Ludwig Fulda, das an diesem Donnerstag, den 28., zur Aufführung im Gießener Theaterverein kommt, erschien im Laufe des letzten Winters und ist seitdem auf den meisten Bühnen schon gegeben worden. Besonders bekannt wurde es sofort dadurch, daß Agnes Sorma am Lessingtheater in Berlin die Titelrolle zuerst spielte, die sie bei allen ihren Gastspielreisen nun mit Vorliebe giebt. Die Wirksamkeit des Lustspiels beruht ganz •auf der Kunst der Schauspielerin, welche die Zwillingsschwester verkörpert, und in der That kann nur durch eine bedeutende Künstlerin die Fabel des Stücks wahrscheinlich gemacht und der Erfolg wie er bei den Sorma-Vorstcllungen zu Tage tritt, verbürgt werden. Dieser Ruf einer vortrefflichen Darstellerin geht Frl. Luise Willig, die am Donnerstag in Gießen zum ersten Male gastiert, voraus. Schon seit drei Jahren bestand der Plan, die Dame zu einem Gastspiel zu gewinnen, jetzt endlich realisiert er sich. Frl. Willig, eine noch jugendliche Künstlerin befindet sich schon gerampe Zeit in der bevorzugten Stellung der ersten Liebhaberin am Hostheater in Wiesbaden, an dem als erster Liebhaber Herr Leffler wirkt — welchen wir vor drei Jahren als Darsteller des Grafen Waldemar in Gustav Freytags gleichnamigem Schauspiel hier sahen. Beide sind in der letzten Zeit besonders durch ihre Teilnahme an den vom Kaiser in5 Leben gerufenen Wiesbadener Festspielen weiteren Kreisen bekannt geworden. HZuren-Kpigramme von Fritz Sommerlad. L Gräber. 1. Hier ruhen Buren. — Von den Gräbern öde Tönt dumpf der Klageruf: „D Welt, du schnöde! Hast uns gedrückt in Ungerechtigkeit?" — Im Abendrot erzittern rings die Lüfte; Sie spielen leise um die stillen Grüfte Und singen tröstend von Unsterblichkeit' Miquel noch, ihm würde sicherlich dies Werk zugeschrieben werden, das „einerseits" der Landwirtschaft, „andererseits" der Industrie und dem Handel Wohlwollen bekundet, „zwar" die Möglichkeit einer „Belasttmg der verbrauchenden Bevölkerung" durch erhöhte Nahrungsmittelzölle zugiebt, „dennoch" erklärt, 'biefe Belastung „müsse ertragen werden, um weit ernstere Gefährdungen der Staatswohlfahrt hintanzuhalten . . ." „Trotz der entgegenstehenden wichtigen Bedenken" erschien es „angezeigt", der Landwirtschaft den Getreide-Doppeltarif zu gewähren. „Die Industrie bedarf feiner allgemeinen Verstärkung ihres Zollschutzes" — so konstatiert stolz die Begründung, um sofort hinzuzufügen, daß „zahlreiche Verschiebungen" nn einzelnen eine „Verstärkung der ausgleichenden Wirkung der Schutzzölle erforderlich machen". Das sind nur ein paar Proben- Die Tendenz des neuen Kurses in der Handelspolitik wird in dem Satze der Begründung offenherzig ausgedrückt: daß der Zolllavifeniwur s einesseiner wesentlichsten Ziele darin erblickt, die Lage der einheimischen Landwirtschaft durch höheren Zollschutz ihrer Erzeugnisse günstiger zu gestalten. Wir lesen aber auch folgendes uv der Begründung: „Zu dem Emporblühen von Gewerbe und Handel hat die Politik der Tarifverträge wesentlich bei getragen." Dieser Satz, die Anerkennung des Bewährten, hätte an der Spitze der Begründung stehen sollen. Der besondere Teil der Begründung sagt bezüglich der Viehzölle : Die Viehzölle bezwecken die Fernhaltung einer allzu starken Einwirkung der Auslandserzeugnisse auf den Jnlandsmarkt. Anzunehmen ist, daß die einheimische Viehproduktion schon bei verhältnismäßig unbedeutender Steigerung dem wachsenden Inlandsbedarf wird folgen können. Ausreichender Schutz wird sie zu den nötigen Vorkehrungen und Kapitalaufwendungen ermutigen. Voraussichtlich tritt keine Preissteigerung ein, der Mntteil des Landwirts wird in häufigerem Umsätze und vermehrter Produktion liegen. Weiter heißt es, die Frage der Viehzölle könnte im Hinblick auf die bestehenden veterinärpolizeilichen Verbote und Beschränkungen der Vieh-Einsuhr minder wichtig erscheinen. Indessen hat der Tarif mit der Möglichkeit des Fortfalles der Verbote und Beschränkungen zu rechnen und muß unabhängig davon für die Verzollung der Waren Vorkehrungen treffen. Daher müssen im Interesse heimischer Erzeugung angemessene Vieh- und Fleisch- zölle vorgesehen werden, wenn sie. auch vielleicht erst später wirtschaftlich voll in Wirksamkeit treten. — Bezüglich der Eisenzölle heißt es, die deutsche Eisenindustrie habe zwar einen hohen Grad technischer Vollkommenheit erreicht, um die wirtschaftlichen Vorteile des Auslandes auszugleichen. Bei Umgestaltung des Tarifs wird zunächst dem hohen Werte des Stahlgusses mehr als bischer Rechnung zu tragen sein. Der Kampf beginnt. . . . Unser parlamentarischer Mitarbeiter schreibt unterm 25. November: Der Reichstag hat seit langem nicht in dem Maße das Bewußtsein gehabt, daß auf ihn die Augen gerichtet sind — und man kann wirklich sagen „Die Augen Europas" — wie jetzt. In dem bereits morgen (Dienstag) zusammen- tretenben Seniorenkonvent dürfte der Beschluß gefaßt werden, die erste Lesung der Zolltarif-Vorlage am Montag, den 2. Dezember, beginnen zu lassen. In parlamentarischen Kreisen wird eine zwiefache Einführungsrede zum Zolltarif erwartet, die eine, mehr die großen politischen Gesichtspunkte berücksichtigende, vom Reichskanzler, die andere, wirtschaftlicher Art, vom Reichsschatzsekretär Frhrn. v. Thielmann. Der Tag, an dem der Kampf um die Zölle im Parlament beginnt, wird sich zu einem Ereignis gestalten. Personen, Gruppen, Verbände, die in unserem Wirtschaftsleben auf Beachtung Anspruch erheben können, sie werden nicht fehlen wollen bei dieser auf die Dauer von zehn Sitzungstagen veranschlagten Generaldebatte. Die Anmeldungen von Besuchern der Reichshauptstadt zu diesem Zeitpunkt sollen überaus zahlreich fein. Das ist begreiflich bei den eminenten Interessen, um die es sich bei diesem Werk der Gesetzgebung handelt. Indessen ist anzunehmen, daß bei der ersten Lesung des Entwurfes fast ausschließlich im Vordergrund stehen werden: die künftige Bemessung der landwirtschaftlichen Zölle und der Getreide-Doppeltarif. Also eine Auseinandersetzung über grundsätzliche Meinungen, die gerade deshalb einen außerordentlich lebhaften Verlauf verspricht. Der Boden für die Spezialfragen des Zolltarifs ist nicht das Plenuni, sondern die Kommission des Reichstags. Es wird nicht Viele geben unter den Abgeordneten, denen die Technik der wirtschaftlichen Produktion in ihren verschiedenen Zweigen vertraut ist. Die Spezial-Begründungen, welche die Regierung in kurzen, zusammenfassenden Darlegungen ausgiebt, sind natürlich nicht viel mehr als ein Notbehelf zur Orientierung. Wenn die Interessenten des Zolltarif-Entwurfs „etwas erreichen wollen", dann müssen sie sich mit denjenigen Mitgliedern des Reichstages in Verbindung setzen, die durch ihr Verständnis des betreffenden Faches späterhin als „Spezialisten" auftreten. — Wird der Zolltarif-Entwurf zu stände kommen? So hört man vielfach fragen. Wir sind der Ansicht, daß die Frage bejahend entschieden ist in dem Moment, da eine Verständrgung unter den Mehrheitsparteien, unter den Konservativen, dem Zentrum und den Nationalliberalen, über die Höhe der Getreide-Zölle erzielt ist. Und ^rotz aller hitzigen Reden, die gehalten werden, diese Verständigung liegt im Bereich des Wahrscheinlichen. * * * Von anderer Seite wird uns geschrieben: Der Reichstagsabg. Graf Stolberg soll an Stelle bes Abg. v. Fr ege von den Konservativen für das Amt des ersten Vicepräsidenten im Reichstag in Vorschlag gebracht werden. Den Vorsitz in der Budgetkommission würde Graf Stolberg darnach niederlegen, sodaß für diesen Posten eine Ersatzwahl stattzufinden hätte. Bei Gelegenheit der betreffenden Verhandlungen zwischen den Fraktionen dürfte eine Besprechung in Bezug auf die Leitung wie Zusammensetzung der Zolltarifkommission sich an- 2. Die Engländer sprechen: „Hier Kinder! In Hunger verdorben „Und dann vor Kälte gestorben!" — „Da haben wir, tief bewegt, „Die Mütter dazu gelegt!" — 3. Sie haben kurz gelebt, ach, waren kaum geboren, Nun sind sie, ausgehungert, ausgefroren, Und um das Bischen schöne Welt betrogen, Schon in die kühle Erde eingezogen. — Ich sagte denen, die um eine Grabschrist baten: Schreibt drauf: „Hier ruhen Englands Held enthaten!" IL Ohm Paul. 1. Von Menschlichkeit und Recht hat man gesprochen Im Haage dort vor noch nicht vielen Wochen. — Im Haag sucht Krüger nun die ganze Zeit — Was sucht er denn? — — Ei, Recht und Menschlichkeit! 2. Krügers Gebet. (Ev. Lucae 22, 42.) „Herr, Du im Himmel, Herr! Dies Eine laß nicht kommen „Du hast —- ich murre nicht — mein Weib zu Dir genommen. — „Mein Lieblingssohn — mein Tjard — nun ist er auch gestorben, „Er hat — Dank sei Dir, Herr, — des Lebens Kron' erworben. „Mein Land verlieren?! — Herr, ich fleh' zu Dir: „Willst, Vater, Du, — nimm diesen Kelch von mir! HL Englisch. 1. „All right“ — ganz froh Spricht fo Freund Joe. Und drückt in guter Ruh' Sein eines Auge zu. Mü einem seh' ich nur — und das ist gut. Ich sehe nur das Gold — ich sehe nicht das Blut! „No matter, Goddam! Laßt mich doch in Ruh' All right! Ich — drück' ein Auge zu!" 2. Honny soit qui mal y pense. „Ein Schurke sei, wer schlecht darüber denkt" — Das Sprüchlein habt ihr manchem schon geschenkt. Ihr, die ihr Ehr' und Recht in Blut ettränkt. Sagt doch: „Ein Schurke sei, wer gut darüber denttI" Weihnachtslitteratur. Köstliu, D. H. A., o. Professor der Theologie au der Universität Gießen, Geh. Kirchenrat, Predigten und Reden. Gießen, I. Ricker'sche Verlagsbuchhandlung (Alfred Töpelmann), 1901. 80 271 Seiten. Broch. 3.40 Mk., geb. 4.20 Mk. „Den teuren Freunden im Amte zur Erinnerung an die gc‘ meinsame Arbeit in Friedberg, Darmstadt, Gießen" widmet als Abschiedsgruß nach 18jährigem Wirken in der hessischen Landeskirche der nun in den Ruhestand getretene Geh. Kirchenrat Prof. D. Köstlin in einem Band Predigten und Reden. Denselben sind „Pastorale Geleitsworte" vorangestellt, kurze Betrachtungen, mit denen der Verfasser im Winter 1900/01 die Zusammenkünfte int homiletisch-katechetischen Seminar einleitete. In knapper Form bieten diese eine Fülle von Pastoralcheologie und sind geeignet, den „Ratschlägen" Spurgeon's an die Seite gestellt zu werden. Die Predigten, von denen einige wenige im Druck schon früher einzeln erschienen sind, sind, soweit sie nicht Gelegenheitspredigten bei Jahressesien sind, in den drei Städten der Wirksamkeit Köstlin's gehalten. Sie bilden zum „Abschied" einen erquickenden Strauß aus der Hand des verehrten Lehrers eines großen Teils der hessischen Geistlichen. Diese wissen, was ihnen Köstlin gewesen ist und werden darum gerne zu dem vorliegenden Buche greifen. Wir möchten es aber auch sehen in den Händen derer, die, um mit Köstlin zu reden, „den Glauben an den Weltheiland in das Gebiet der Märchen und Legenden verweisen." Wer die Predigten Kostlins liest, und sie richten sich an Gebildete, der begegnet hier einem Manne voll festen Glaubens an die Erlösungs- rhat Jesus Christus', uud wird bald inne iverden, daß das Christen- tum volle Realität ist und Jesus Christus ein Mann, an dem niemand, und vor allen Dingen kein Gebildeter, achtlos vorüber- geben kann. — Die Reden sind mit Ausnahme der Gedächtnisrede am Philipp Melanchthon politische Festreden. Daß diese von christ- licy-nationalem Geiste durchdrungen sind, bedarf bei Köstlin, dem Ritter des Eisernen Kreuzes, keiner besonderen Erwähnung. Wir wünschen dem Buche eine Stätte unter dem Weihnachtsbaume. G. S. [ iche Haus!* Auf dem am Samstag zu Ehren des Großherzogs ver- Versammelten in der animiertesten Stimmung zusammen. Der Gesang patriotischer Lieder, sowie humoristische Vorträge boten eine angenehme Abwechselung. Dre „Darmst. Ztg." veröffentlicht einen längeren Ge- burtstagsartikel, dessen erster und letzter Satz also lauten: „Heute begeht das hessische Volk das Allerhöchste Geburtsfest Ihrer Königlichen Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin. Gott segne und schütze Seine Königliche Hoheit den Großherzog und das ganze Großherzog- Eme Folge des Jnsterburger Duells. Die „Königsb. Allgem. Ztg." meldet: Dem Oberst Frhrn. v. Reißwitz und Kadersin, Kommandeur des Infanterie-Regiments Nr. 147, welchem der im Duell gefallene Leutnant Blaskowitz angehörte, ist durch Allerhöchste Kabinetsordre vom 25. ds. Mts. der Abschied bewilligt worden. Die Erteilung des Abschieds wird allgemein als eine Mißbilligung des Verhaltens des Kommandeurs bei der traurigen Angelegenheit aufgefaßt. Ob der Oberst, wie man behauptet, „der Einzige" war, der das Duell hätte verhindern können, mag dahingestellt sein. Rach den Bekundungen des Duellgegners Oberleutnant Hildebrandt erklärte der Ehrenrat, euren Ausgleich nicht vorschlagen zu können. Ist also die Verabschiedung des Oberst wegen Nichtoerhinderunz des Duells erfolgt, so wird durch den Akt zugleich zum Ausdruck gebracht, daß die Herbeiführung eines Ausgleichs durch sämtliche hier zur Mitwirkung berufenen Personen dringend wünschenswert gewesen wäre. Ob Blaskowitz zurechnungsfähig war oder nicht — das Kriegsgericht hat bekanntlich im ersteren Sinne entschieden — für diesen eigenartigen Fall, bei Hem Schuld und Nichtschuld kaum zu trennen war, konnte und mußte ein Ausweg gefunden werden, der auch dem Beleidigten zur Genugtuung gereichte. Die Verabschiedung des Oberst dürste auf die Initiative des Kaisers zurückzuführen fein, ein erneuter Beweis, wie ernst es dem Herrscher ist tnit seinen Bestrebungen, dem Zweckampfe im Heere vorzubeugen. anstalteten Kommers der Darmstädter Studentenschaft wurden folgende Telegramme unter allgemeiner Zustimmung abgesandt : „An Seine Majestät Kaiser Wilhelm II., Berlin. Anläßlich der Feier des Geburtstages Ihrer König!. Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin von Hessen erneuern die Studierenden der Technischen Hochschule zu Darmstadt den Schwur der Treue gegen Kaiser und Reich und rufen in hoher Begeisterung: Ein Hoch der deutschen Einheit!" und ferner: „An Seine Königl. Hoheit den Großherzog Ernst Ludwig, Darmstadt. Die zum festlichen Kommers vereinigten Korporationen und Fachabteilungen der Technischen Hochschule zu Darmstadt ge° tatten sich unterthäniast. Eurer Königl. Hoheit zu Höchstihrem Geburtstage Glück zu wünschen und die Versicherung der Treue und Verehrung zu erneuern." In der Aula der Technischen Hochschule inDarm- tadt fand gestern vormittag die übliche akademische Feier zu Ehren des Geburtstages des Großherzogs und der Groß herzogin statt. Als Vertreter der Regierung war Finanzminister Gnauth anwesend. Nach einem einleitenden Gesang des akademischen Männerchors ergriff Prof. Wege le das Wort zu seinem Vortag über „Die Sicherheit im Eisenbahnwesen". Die Ausführungen des Redners gipfelten in einem begeistert von den Versammelten aufgenommenen Hoch auf den Großherzog und die Großherzogin. Mit dem Schluß- Chor „Salvum fac regem“ schloß die schlichte und würdige Feier. eh. Schlitz, 25. Nov. Dem Lehrer Gremm wurde am Geburtstage unseres Großherzpgs von dem Kreisrat Dr. Wallau in Anwesenheit des Kreisschulinspektors Andres, des Schulvorstandes und sämtlicher Lehrer in Anerkennung seiner reuen und ersprießlichen Dienste — Gremm hat eine 47jähr. Amtsthätigkeit hinter sich — das Verdienstkreuz Philipps des Großmütigen überreicht. Gleichzeitig überbrachte ihm Dr. Lallau die Glückwünsche des Ministeriums für Schulabteilung und der Kreisschulkommission. Am 1. Dezember tritt Gremm in den verdienten Ruhestand. Ter Großherzog hat zum 25. November nachfolgende Auszeichnungen verliehen: Dem Major a. D. Beck, Sekretär der Gvoßh. General-Adjutantur, das Ritterkreuz 2. Kl. des Ludewigs-Ordens, dem Major Frhrn. v. Normann, Distrikts-Kommandeur im Großh. Gendarmerie-Korps, den Charakter als Oberstleutnant, dem Gcrrde - Unteroffizier Grab die Krone zum Silbernen Kreuz und dem Garde- Unteroffizier Schnellbacher das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen; im Großh. Gendarmerie-Korps den Wachtmeistern Wohlfahrt und Schmidt, sowie den Fußgendarmen Gebhardt und Schäfer das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen; in der Kriegskameradschaft „Hassia": dem Mitglied des Präsidiums Franz S-c y l e r , dtotariats- beamten in Bingen, dem Bezirks-Vorsteher Earl Ranft, Fabrikant in Grünberg, und dem Bezirks-Vorsteher Wilhelm Krämer, Küfermeister in Mainz, das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen; den Schloß- beschließer Heinrich Günther zum Schloßverwalter zu Jagdschloß Wolfsgarten und den Koch Heinrich Pieper zum Hofkoch ernannt; Wilhelm Schüler aus König i. O. wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1902 zum Hauswärter ernannt. Tas Komturkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Gvoßm.: dem Ministerialrat im Ministerium des Innern Geheimerat Emmerling; das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens: den Ministerialräten im Ministerium des Innern Dr. Breidert, Ernst Braun und Dr. Eisen- Huth, sowie dem Ministerialrat im Ministerium der Finanzen Ewald, den Charakter als Geh. Kabinettsrat: dem Vorstand des Kabinetts Kabinettsrat Römhel d; das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens: dem Postdirektor H e n r i c y in Offenbach a. M. und dem Telegraphendirektor von der Mülbe in Darmstadt; den Charakter als Geh. schließen. Denn es wird, sofern man von der Einführung parlamentarischer „Nachtschichten" absieht, kaum angehen, daß Mitglieder der Budgetkommission gleichzeitig der Zolltarifkommission angehören. Eine Umbildung der ersten in der Richtung, daß die „Wirtschaftspolitiker" zur Zolltarifkommission übertreten, erscheint also unumgänglich. Das Schwergewicht liegt nun einmal auf der Seite des Zolltarifs; die parlamentarische Garde, die auserwählte Schar der Fraktronsführer und ^Autoritäten", wird srch in der Zolltarifkommission zusammenfinden. Dem Vernehmen nach ist beabsichttgt, für diese Kommission auch einen stellvertretenden Vorsitzenden zu wählen. meister Willich gen. v. Pöllnitz zu Darmstadt, dem ordentlichen Professor v. Willmann zu Darmstadt; das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens dem Mitglied deS Ortsgewerbevereins und Armenpfleger Allen do r s sen. zu Mainz, dem Oberlehrer Espenschied zu Mainz, dem Lehrer an der Viktoriaschule Form es zu Darmstadt, dem Lehrer an der Viktoriaschule Hartmann zu Darmstadt, )cm Oberlehrer Henrich zu Offenbach, dem Kreisfchul-- inspektor Karg zu Bensheim, dem Kommandant der freiwilligen Feuerwehr Fabrikant Link zu Wimpfen a. B., dem Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule T ö n g e s zu Offenbach, dem Kreisveterinärarzt des Kreisveterinäramts Bingen Dr. Weidner zu Gau-Algesheim; die Silberne Verdienstmedaille für Wissenschaft, Kunst, Industrie und Landwirtschaft dem Gutsbesitzer Ludwig zu Ober- Ingelheim, dem Gutsbesitzer Moller II. zu Wöllstein. Die Krone zum Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großm. dem Sekretär der Sparkasse Oberlehrer a. D- Roos zu Heppenheim a. d. B., das Silb. Kreuz mit der Krone des Verdienstordens Philipps des Großm. dem Kreisamtsbureauvorsteher Bensel zu Mainz; dem Polizeirommissär Praetor ins zu Mainz: dem Kassierer der städtischen Sparkasse Mach zu Mainz; dem Stadt- ekretär Schmidt zu Offenbach!; die Silb. Medaille des Ludewigs-Ordens der Gemeindeyebamme Roos zu Viernheim; das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großm.. dem Bürgermeister Best zu Assenheim; dem Kreisstraßenmeister Bopp zu Dieburg; dem Oberlehrer Büchler zu Nieder-Olm'; dem Oberlehrer Breidenbach zu Groß-Zimmern; dem Lehrer Debus zu Bretzenheim; dem städtischen Marttmeister und Straßenreinigungs- inspektor Dick zu Darmstadt; dem Lehrer Heeß zu Dexheim; dem Revierkommissär Heydt zu Offenbach; dem städtischen Oktroi-Oberaufseher i. P. Hölzel zu Darmstadt; dem Lehrer Keßler zu Mainz; dem Bürgermeister Klei finger zu Gau-Algesheim; dem Oberlehrer Laute n s ch l ä g e r zu Groß-Bieberau; dem Oberbrandmeister der freiwilligen Feuerwehr Manger zu Ober-Ingelheim; den: Polizeisekretär Orth zu Worms; dem Kreisstraßenmeister Oswald zu Darmstadt; dem Lehrer Schäfer zu Worms-Hochheim; dem Oberlehrer S ch m i d t zu Heppenheim a. d- B.; dem Oberlehrer Schmunck zu König; dem Lehrer Sommer zu Gau-Odernheim; dem Lehrer Wenzel zu Darmstadt; das Allg. Ehrenzeichen mit der Inschrift: „Für langjährige treue Dienste" am Bande des Verdienstordens dem Stadtrechner W e n ze l zu Erbach i. O. Verliehen hat der Großherzog den Charakter als „Medizinalrat" dem Kreisarzt des Kreisgesundheitsamtes Bensheim Dr. Groos; dem Kreisarzt in Oppenheim Dr. Herm. Stigell; den Charakter als „Professor" dem Architetten Metzendors zu Bensheim; dem Leiter des internationalen Krankenhauses in Neapel Dr. Scotti; dem Vorstand der chemischen Prüfungs- und Auskunftsstation für die Gewerbe Dr. Sonne zu Darmstadt; den Charakter als. „Kommerzienrat" dem Beigeordneten der Provinzialhauptstadt Mainz, Kaufmann und Weingutsbesitzer Haffner daselbst; dem Fabrikanten Kraft zu Offenbach; dem Kaufmann Reitmayer zu Brüssel; dem Fabrikanten Trumpler zu Worms; den Charakter als „Sanitätsrat": Dr. Blümers zu Pfeddersheim, Dr. Lipp zu Darmstadt; Dr. Reuß zu Seligenstadt; Dr. Rolly zu Oft* Hofen; Dr. Schmitt zu Mainz; Dr. Vierheller zu Groß-Zimmern; den Charakter als „Oekonomierat" dem Gutspächter Heil II. zu Habitzheim; dem Domänerrpächter^ Schudt zu Rheinfelder Hof; den Charatter als „Musik-- direktor" dem 1. Musiklehrer Schmidt zu Friedberg; den Charakter als „Rechnungsrat" dem Revisor bei der Aich- ungsinspektion Rumps zu Darmstadt; den Charakter als „Kanzleirat" dem Kreisamtsbureauvorsteher Geisler zu Äeburg.; den Charakter als „Rentmeister" dem Gemc.nde- einnehmer D u s e b e r g zu Bürstadt. Der Großherzog hat dem Pfarrer und Dekan Fuchs zu Steinbach und dem evangelischen Pfarrer und Dekan Grösch zu Kassel den Charakter als „Kirchenrat" erteilt. Ter Großherzog hat solgende Orden verliehen: das Kvmturkreuz 1. Klasse des Verdienstordens dem General- staatsanwalr und Ministerialrat Geheimerat Schlippe; das Ehrenkreuz desselben Ordens dem Oberlandesgerichtsrat Forch; das Ritterkreuz 1. Klasse dieses Ordens den Oberlandesgerichtsräten Becker, Dr. Berchelmann, Lai ft und Dr. W er le; dem Landgerichtsdirektor bei dem Landgericht der Provinz Rheinhessen Obenauer; den Amtsgerichtsräten Dr. Hohfeld und Dr. Kepplinger in Mainz- den Oberamtsriclstern Metzler in Worms und R h u m b l e r in Alzey und dem Landgerichtsrat Zimmermann in Mainz; das Silberne Kreuz dieses Ordens dem KanMrat Krast in Darmstadt; das Allg. Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" dem Ortsgerichtsvorsteher Wehr heim IV. in Rodheim und den Ortsgerichtsmännern Gontrum IV. in Münster, Hansel in Ober-Moos, Heizenröder II. in Geinsheim und Müller V. in Birklar; den Charakter eines „Wirklichen Geheimerats" mit dem Prädikat „Exzellenz" dem Präsidenten des Oberlandesgerichts Conradi; den Charakter als ,^Zustizrat" den Rechtsanwälten Görz, Dr. Mayer und Dr. Ppilipp Mayer in Mainz; das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens dem Präsidenten der Königlich Preußischen Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M- Thome; das Ehrenkreuz des Verdienstordens dem Geh. Oberfinanzrat Weigel; das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens demOberfinanzrat Bornscheuer, dem, Oberfinanzrat Dr. Fuchs, dem Oberbaurat Klingel- Höffer, dem Oberfinanzrat Dr. Rohde, dem Gräflich Görtzischen Kammerdirektor, Forstmeister Stockhausen zu Schlitz, dem Oberförster der Oberförsterei Mainz, Forstmeister Neuschäser, dem Oberförster der Oberförsterei Heppenheim, Forstmeister Hoffmann, dem Kassier, Nechnungsrat Kraus, dem Vorstand der Eiscmbahnbe- triebsinspektion Mainz, Eisenbahndirektor Weiß, dem Vorstand der Eisenbahnbetriebsinspektion Bingen, Eisenbahndirektor Frey, dem Vorstand der Maschineninspettwn Darmstadt, Cisenbahndirektor Q u e r n e r, dem Eisenbahn- Bau- und Betriebsinspektor Zschirnt in Frankfurt a. M; das Ritterkreuz 2. Klasse des Verdienstordens dem Bezirkskassier der Bezirkskasse Langen, Rendant Breitwieser, dem Bezirkskassier der Bezirkskasse Worms, Rendant Kröll, dem Eisenbahnfekretär S ch a r m a n n in Darmstadt; den Charakter als Geh. Oberfo^sttat dem Oberforsttat Krauß, den Charakter als „Geh. Baurat" dem Bauinspek- tor des Hochbauamts Darmstadt, Baurat Grimm; den Charakter als „Regierungsrat" dem Steuerkonrmissär des! Steuerkommissariats Mainz I. Stroh, dem Hauptstaatskassier Krebs in Darmstadt; den Charakter als „Forstmeister" dem Oberförster der Oberförsterei Groß-Umstadt Stork, dem Oberförster der DE>erforderet Bensheim, (Sief cm eher, dem Oberförster der Oberförsterei Dörnberg, Ruths, dem Oberförster der Oberförsteret Homberg/ L>eß, dem Oberförster der Oberförsterei Viernheim, Hein,. ilicher Treue. Im Auftrag: Der Rektor der Landesuniversität: Hansen. Die Stimmung der Teilnehmer au dem Festmahl, zu 15em unsere Regimentskapelle ihre Westen erschallen ließ, wurde bald recht lebhaft. Auch nach Beendigung des Mahles blieb noch längere Zeit eine große Anzahl derFestgäste in zwang- -lofer Unterhaltung beisammen. Am Abend feierte unser Regiment kompagnienweise 'm den verschiedenen Lokalen den Geburtstag des Großherzogspaares. Theateraufführungen, komische Vorträge und ein sich anschließendes Tänzchen boten unseren braven Mannschaften >ine angenehme Abwechselung. Auch die Kriegerkameradschaft Gießen beging Hestern abend bei Kamerad O. Luft im „Löwen" die Geburtstagsfeier des Großherzogs und der Großherzogin in fest- 'licher Weise. Der Vorsitzende brachte den Trinkspruch auf amser Fürftenpaar aus, worauf die Herren Kasten, Gemhard imb Junker durch Musikvorträge die Anwesenden angenehm unterhielten. Ein Hoch auf den Deutschen Kaiser schloß sich au.' Am Nachmittag war an den Großherzog ein Glück- ;wunschtelegramm abgesandt worden, auf das abends folgende Antwort eintraf: „Herzüchen Dank für freundliche Glückwünsche. Ernst Ludwig." Das Telegramm wurde verlesen und mit großer Begeisterung aufgenommen. Die mit großer ^Fertigkeit gespielten schönen Zithervorträge wie auch wie übrigen vorgettagenen Musikstücke fanden vielen Beifall Bis lange nach Mttternacht blieben die Kameraden und deren Familienangehörige zusammen. Der Krieger verein in Dau bringen oeranftaUete jgestern in dem Lokal des Gastwirts Albäch eine Geburtstagsfeier. Der Vorsitzende eröffnete die Feier mit einer zündenden Ansprache, die in ein dreimaliges Hurrah auf den ,Großherzog auZklang. Bis zum späten AÜnd blieben die Tie Jeier des 25. November. Gießen, 26. November 1901. n. Der Geburtstag des Großherzogspaares wurde gestern Nachmittag von den Behörden und der Bürgerschaft Gießens im Gesellschaftshause festlich begangen. Der Rektor der Landesuniversität Professor Dr. Hansen brachte den Toast auf den Großherzog nnb die Großherzogin aus. Der Trink- fpruch hatte folgenden Wortlaut: Der Geburtstag Sr. Königlicl)en Hoheü des Großherzogs und Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin, ein Festtag für das ganze Heffenlcmd, hat auch uns, wie alljährlich zu gemeinsamer Feier verfanrmelt. Wir feiern unfern erhabenen Landesherrn als Freund feines Volkes, als Förderer der Wohlfahrt, als Schirmherrn non Kunst und Wissenschaft. Wir danken ihm, daß es uns vergönnt ist, unter seiner Regierung einer freien Entwickelung nach- zuaehen. Aber wenn mir uns hier versammelt haben, um unserm lerttmchten Herrscher unsere Huldigung darzubringen, so geben wir diesem festlichen Lage zugleich noch eine andere Deutung. Wohl hoffen wir voll Zuversicht, im Bewußtsein unserer Kraft und red- llicheu Willens aud) gegenüber anderen Nationen, daß unser deutsches Vaterland mrd init ihm unser Großherzogtum frei bleiben •mögen von schweren Kämpfen und Verwickelungen. Dennoch fönneit tvir in einem politisch und sozial ungeklärten Zettatter wie dem unsrigen nicht sorglos sein. Daher dürfen wir gerade an einem ITage wie dem heutigen bekräftigen: So wie wir hier zusammengekommen sind zu 'froher Festesfeier, ebenso wird Se. Königliche Hoheit uns auch in ernster Stunde jederzeit bereit finden, in Treue zu ihm zu halten, wenn er uns rufen follte. M. H. ich fordere Sie aus, dieser Gesinnrng, die, mögen auch die Worte alte sein, doch in jedem Jahre neu und frischleoendig ist, Ausdruck zu geben und mit einem Hoch auf Se. Königliche Hoheit den Großherzog ein Hoch auf das Großherzogliche Haus zu vereinigen. Se. König- üche Hoheit Großherzog Ernst Ludwig und das Großherzogliche Haus hoch! hoch! hoch! Begeistert stimmten die Anwesenden in das Hoch ein. ,Darauf verlas Prof. Dr. Hansen folgendes Glückwunschtelegramm, das unter allgemeiner Zusümmung an den Großherzog ab gesandt wurde: Sr. Königlichen Hohett dem Großherzog, Darmstadt. Die zur Feier des Geburtstags Sr. Königlichen Hoheit im 'Gesellschaftshaufe zu Gießen vereinigten Festteilnehmer übersenden •mit ehrerbietigsten Glückwünschen die Versicherung unverbrüch- Oberrechnungsrat dem Oberrechnungsrat Dr. Otto Fischer; den Charakter als Rechnungsrat: dem Ministerialregisttador Spam er, sowie den OberrLchnungsrevisoren Feick, Graubert und Schmitt; das Rittertteuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großm.: dem Oberrechnungsrevisor Rechnungsrat Spiegel; das Komturkreuz 2. Kl. des Verdienstordens Philipps des Großm. dem Provinzialdirektor der Provinz Starkenburg Frhrn. v.Senarclens- Grancy zu Darmstadt; das Ehrenkreuz des Verdiensd- ordens Philipps des Großm. dem Kreisrat Geh. Regier- ungärat Gros zu Bensheim; dem ordentlichen Professor Gey. Baurat Lincke zu Darmstadt; dem Kreisrat i. P. Geh. Regierungsrat Frhrn. Löw von und zu Steinfurth zu Darmstadt; dem Geh. Ober-Medizinalrat Dr. Neidhart zu Darmstadt: dem Domdekan Dr. Raich zu Mainz; dem Kreisrat Geh. Regierungsrat Spam er zu Bingen; das Rittertteuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großm. dem Oberregierungsrat B e ft zu Darmstadt; dem evang. Pfarrer Dekan Bergmann zu Babenhausen, dem Verlagsbuchhändler Credner zu Leipzig, dem Kreisarzt Medizinalrat Dr. Dannenberger zu Dieburg, dem Regierungsrat Dr. Dietz zu Darmstadt; dem katho- lischeit Pfarrer Dekan Faßbender zu Bieber, dem Di- rettor des Neuen Gymnasiums Dr. For bach zu Darmstadt; dem ordentlichen Professor Gutermuth zu Darmstadt, dem Kommerzienrat Henkell zu Mainz, dem Direktor des Gymnasiums und der Realschule Dr. Hensell zu Offenbach, dem Kreisrat v. Hombergk zu Vach zu Offenbach» dem Bankdirektor Hügel zu Darmstadt; dem Kommerzienrat Kupferberg zu Mainz, dem Oberlehrer Professor Maul zu Offenbach, dem Kommerzienrat Mettenheimer zu Mainz, dem Oberlehrer Profefior Dr. Munier zu Mainz, dem Oberkonsiftorialrat Nebel zu Darmstadt, dem Regierungsrat Nvack zu Darmstadt, dem Oberlehrer Professor Tr. Nover zu Mainz, dem Baurat Georg Pöhlmann zu Darmstadt, dem Direktor des Schullchrerseminars Tr. Scheuermann zu Alzey, dem Rektor Professor Tr. Schweis gut zu Darmstadt, dem latholischen Pfarrer Seebacher zu Neustadt i. O., dem altkatholischen Pfarrer Stein wachs zu Offenbacl), dem Oberregierungsrat Web.^r zu, Darmstadt, dem Landstall» dem Oberförster der Oberförsterei Heldenbergen, Au ast, dem Oberförster der Oberförsterei Storndorf, Bär, dem Oberförster der Oberförsterei Worms, Schaub, dem Oberförster der Obersörsterei Babenhausen, Eid mann, dem Oberförster der Oberförsterei Grebenau, Bus; den Charakter als „Finanzamtmann" dem Finanzassessor Spam er in Darmstadt; den Charakter als „Rechnungsrat" dem Revisionsgeometer Neuschäffer in Darmstadt, dem Minifte- rialregistrator Schönberger, dem Hauptsteueramtsrendant bei dem Hauptsteueramt Offenbach Bi-schoff, dem Ministerialrevisor Hey der, dem Sekretär Sreger, dem Hilfskassier G ö t t m a n n; den Charakter als „Rendant" dem Bezirtstassier der Bezirkstasse Oppenheim Kratz, dem Bezirkskassier der Bezirkskasse Darmstadt II Basiert; den Charakter als„Förster" dem Forstwärt der Forstwartei Groß- Steinheimer Fasanerie Müller, dem Forstwärt der Forstwartei Bessungen v. d. Au, dem Forstwärt der Forstwartei Kiliansherberge Bing, dem Forstwärt der Forstwartei Bernsfeld Schaaf, dem Forstwärt der Forstwartei Winterstein Frank. Der Großherzog empfing am 25. November zur Entgegennahme der Geburtstags-Gratulationen: den Königlich Preußischen Gesandten und bevollmächtigten Minister Prinzen zu Hohenlohe-Oehringen, den König!. Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Johnstone, den Kaiserlich russischen Ministerresidenten Prinzen Koudacheff. Der Großherzog hat dem Grafen Gustav zu Psen- burg und Büdingen in Meerholz und dem Erbgrafen Alexander zu Erbach-Schönberg das Großkreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen, dem Obersten v. Wachter, beauftragt mit Wahrnehmung der Geschäfte Allerhöchstseines Generaladjutanten, das Komturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen, dem evangelischen Pfarrer und Dekan Hermann Fuchs zu Rimbach und dem evangelischen Pfarrer und Dekan Christian Grosch zu Kastel den Charakter als „Kirchenrat" erteilt und dem Hofjägermeister Freiherr van der Hoop das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Phllipps des Großmütigen verliehen. Aus Stadt und Aaud. Rachrichteu von angemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 26. November 1901. ** Ernennungen. Der Großherzog hat den Maschinen- mgenieur Karl Schweickert aus Alzey zum Assistenten bei der Gewerbeinspektwn Offenbach ernannt. — Ernannt wurden der Heizer bei der Main-Neckar-Bahn Hemrich Brück zum Lokomotivführer bei dieser Bahn, der Heizer bei den Hessischen Staatseffenbahnen Georg Feigk zum Lokomotivführer bei diesen Bahnen, und der Heizer bei der Main-Neckar-Eisen- bahn Georg Schmidt zum Heizer bei den Hessischen Staatseisenbahnen. ** Erhöhung der Verkaufspreise der Schweinefleischwaren. Wir werden um Veröffentlichung folgender Potiz gebeten, die man mit sehr gemischten Gefühlen zur Kenntnis nehmen wird: Infolge der seit nahezu sechs Monaten abnorm hohen Einkaufspreise der Mastschweine, und da and)! keine Aussicht auf deren Verbilligung vorhanden ist, so lange nicht Deutschland seine Grenzen gegen die Zufuhr lebender Schweine aus dem Ausland öffnet, sieht sich das hiesige Metzgergewerbe genötigt, eine Erhöhung der Verkaufspreise für einzelne Waren eintreten zu lassen und den Verkauf allgemein zu regeln. Es sei auf die Bekanntmachung im Annoncenteil verwiesen. i. Ruppertsburg, 24. Nov. Nachdem am letzten Sonntag in Laubach im gut besetzten Saale des Schützenhofes Pfarrer V o l p über die evangelische Bewegung in Steiermark gesprochen hatte, hielt derselbe am Donnerstag im Beckerschen Saale hier einen Vortrag über dasselbe Thema. Der Gemeindeabend verlief sehr anregend ; geistliche und weltliche Volkslieder wurden gefunden, der Ortspfarrer sprach zwei Mal; der Redner des Abends hielt noch eine Schlußansprache, worin er zur Achtung und Duldung gegen Andersgläubige mahnte, die oft noch große Treue des katholischen Volkes gegen seine Kirche prres und zeigte, wie die Evangelischen durch das Leben beweisen müssen, ob sie die Wahrheit haben. Sowohl in Laubach als hier finden diese evangelischen Gemeindeabende immer mehr Anklang. Butzbach, 23. Nov. Die am nördlichen Ende unserer Stadt gelegene große Stadtkirche, die dem Evangelisten St. MarcuS geweiht ist, wurde in den Jahren 1837—39 einer allgemeinen Renovierung unterworfen. Durch den Sprung eines Gewölbes im nordöstlichen Teile der Kirche ist eine abermalige Reparatur der Kirche zur dringenden Notwendigkeit geworden, die nun stilgemäß ausgeführt werden soll, was einen Kostenaufwand von mindestens 30000 Mark verursacht. Da die Kirche über fein Vermögen verfügt, die Stadt in der letzten Zeit für andere notwendige Zwecke große Opfer gebracht hat, so wurde der „Darmsl. Ztg." zufolge vom Kirchenvorstand beschlossen, an die wohlhabenden Bewohner Butzbachs und alle diejenigen, welche außerhalb Butzbachs weilen, die freundlichste und inständigste Bitte zu richten, bei der Reparatur dieser altehrwürdigen Stadtkirche mit Gaben zu helfen. Die Namen der Geber sollen auf der vorhandenen Tafel in der Kirche für immer verewigt werden. Auf besondere Wünsche der Geber bezüglich der Verwendung der Gaben soll entsprechende Rücksicht genommen werden. — Die Gründung und der Ausbau der St. Markuskirche reicht zurück bis zum Ende des 14. oder den Anfang des 15. Jahrhunderts. Sie zeigt gotische Formen, obwohl der ursprüngliche Bail im romanischen oder Rundbogenftil aufgeführt ge-j wesen zu sein scheint. In der Kirche befindet sich eine Solms- Braimfelsische Gruft und eine solche des Hessischen Fürstenhauses, welche nach Allerhöchster Verfügung demnächst zugänglich gemacht werden soll. In letzterer ruhen die Gebeine des Landgrafen Philipp III. von Butzbach, des Enkels Philipps des Großmütigen, sowie diejenigen seiner beiden Gemahlinnen. Auch Prinz Heinrich, der heldenmütige Sohn des Landgrafen Ludwig VI, der Wohlthäter der Butzbacher Armen, hat in dieser Gruft seine letzte Ruhestätte gefunden. — Die älteste Glocke der Kirche trägt die Jahreszahl 1372. Frankfurt a. M., 25. Nov. Der Bund deutscher Nahrungsmittel-Fabrikanten und Händler hielt heute hier seine General-Versammlung ab. Nach einem Referat von Dr. Kayser-Nürnberg über die Nachteile des neuen Weingesetzes wurde eine Resolution angenommen, dahingehend, an den Bundesrat das Ersuchen zu richten, die sehr erheblichen Unsicherheiten dieses Gesetzes und die Schädigungen des Weinbaues und Weinhandels zu beseitigen. Bei Besprechung des Fleischbeschau-Gesetzes wurden nach einem Referat des Obermeisters Friedrich zwei Resolutionen angenommen: 1) Der Bund möge beim Bundesrat beantragen, daß bei den Ausführungsbestimmungen zu Paragraph 9 des Fleischbeschaugesetzes die in diesem Artikel bereits vorgesehene Berufungsinstanz gegen die Entscheidung des Fleischbeschauers so gestaltet wird, daß die Rechte des Besitzers gegen Irrtümer des ersten Beschauers genügend gesichert werden. 2) Der Bund spricht sich für Zulassung unschädlicher Farbstoffe und Verwendung von Borsäure bei Fleischdauerware, sowie von Verwendung schwefelsäuriger Salze bei Bereitung von frischem Hack- und Schabefleisch unter Vorschrift einer nicht zu überschreitenden Grenze aus und unterstützt die dahingehenden Bestrebungen des Fleischergewerbes. Die ursprünglich geplante Stellungnahme zum Zolltarif erfolgte nicht. Hanau, 25. Nov. Bei der Landtags-Ersatzwahl für den Wahlkreis Hünfeld-Hersfeld wurde der Zentrums-Abg. Kaute wiedergewählt. Vermischtes. * London, 25. Nov. Hier wurde heute ein Faustkämpfer Namens Bürge unter dem Verdachte der Mitschuld an dem an der Bank von Liv erpo ol verübten Betrüge verhaftet. Die Polizei entdeckte Spuren der vermißten Checks, deren Betrag sich auf 100 000 Pfund beläuft. Die Bank von Liverpool traf die gesetzlichen Maßnahmen, um die Realisierung dieser Checks zu verhindern. "Paris 25. Nov. Der Pfarrer von St. Agatha und seine Haushälterin wurden gestern im Psarrhause ermordet aufgefunden. Die Leichen waren furchtbar verstümmelt. Den Mördern fielen 100 Franks in die Hände. Die Gerichtsbehörde von Mont Brison ist an Ort und Stelle und führt die Untersuchung. Im ganzen Departement herrscht große Aufregung. " Die Pest. Da nach Bekanntmachung der russischen Kommission zu Verhütung und Bekämpfung der Pestepidemie in ben letzten 14 Tagen in Odessa kein Pestfall vorgekommen ist, sind die sanitären Vorsichtsmaßregeln bezügl. der aus- laufenden Schiffe und Eisenbahnzüge aufgehoben worden mit Ausnahme derjenigen, welche die innere Schifffahrt betreffen. — In der Stadt Saturn (afiat. Türkei) aber ist ein Pestfall Dorgefommen, doch befindet sich die erkrankte Person auf dem Wege der Befferung. Universitäts-Nachrichten. — Tie Münchener Blätter veröffentlichen zwei Zu- st i in m u n g S a d r e s s e n an Prof. Mommsen, eine ist unterzeichnet von 31 Professoren der Universität Erlangen, die andere von 33 Professoren der Universität Würzburg. — Wie aus Kiel berichtet wird, unlerzeichneten fast sämtliche Professoren der dortigen Universttät eine Zuslimmungsadresje zu der Mommsen'schen Erklärung. — Auch die Mehrer der Technischen Hochschule in Karlsruhe haben eine Erklärung an Mommsen unterzeichnet. Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Elbing, 25. Nov. Die Schichauwerke in Elbmg-Danzig sind heute laut Vertrag in den alleinigen Besitz des Geh. Hom-> rnerzienrats Ziese, dessen Ehefrau, der Tochter des Begründers der Werke, übergegangen. Tie bisherigen Besitzer waren Geheimrat Ziese, dessen Frau, Ritlergutbefitzer von Schichau auf Adlich Pohren, der Sohn des Verstorbenen, Oberst Meyer, Schwiegersohn des alten Schichau. Spielplan der vereinigten Frankfurter Ztadttheater. Opernhaus. Mittwoch, 27. Nov., abends 7,8 Ubr. „Cavalleria ruetioana*. Hierauf „Phantasien im Bremer Ratskeller". Donnerstag, 28. 9lo- vember.*) „Alessandro Stradella". Hierauf: „Die Hand." Freitag, 29. Nov.: Geschlossen. Samstag, 30. Nov. „Mignon". Sonntag, 1. Tez., nachmittags 37a Uhr. „Der Zigeunerbaron". Abends 7 Uhr. „Die Hugenotten." Montag, 2. Dezember. Geschlossen. Dienstag, 3. Dez. „Die Maienkönigin". Hierauf: „Feuersnot". Schauspielhaus. Mittwoch, 27. Nov.') „Heimat". Donnerstag, 28. Nov. „Sie rote Robe." Freitag. 29. Nov. „Die Hoffnung". Samstaa, 30. Nov. „Im weißen Rößl". Sonntag, 1. Tez., 37, Uhr. „Flachs-- mann als Erzieher." 7 Uhr. ,^>ofgunst". Montag, 2. Dez. flacht und Morgen." ') Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Meteorologische Beobachtungen der Stativ« Gießen. November 8 Windstärke «9 c 4 Wetter 759,5 759,4 756,3 3,5 3,8 3,7 65 98 92 - 3 s 2“ 956 7“ NE. NE. W. 25. 25. 26. es '-C & + 2,4 — 2,4 — 1,7 e 5 o W Sonnenschein sternh.Himmel beb. Himmel Höchste Temperatur am 24. bis 25. Nov. + 3,7° C. Niedrigste „ „ 24. „ 25. „ — 2,5° C. AMTLICH GLiKZEXD BEGUTACHTET; Unübertroffen zur Haut- u. Schönheitspflege. ^Myrrholin-Seife Als beste Kinderseife ärztlich empfohlen.. 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