Nr. 25» 151. Jahrgang Erstes Blatt. Sonntag 27. Oktober 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Zamllien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« zu der sür den folgenden! Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigcn-Vermitt^ lungssteuen des In-und Auslandes nehmen An- zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. 23er* lag der Brüh l'scheu, Unioersitäts - Druckerei! (Pietsch Erben). Verantwortlich für deu allgemeinen Teil: P. Witt ko: für den Anzeigenteil: Hans Beck. Kas jüngere Reich. Die Zahl der Heinriche ist in Reuß sehr groß. Auf den Ruf: „Heinrich!" antwortet die Mehrzahl der-männlichen Bevölkerung beider Fürstentümer: „Hier!" Werden doch nach alter Ueberlieferung die Knäblein mit Vorliebe auf diesen sanften Namen getauft. Während jedoch die Bürgerlichen im späteren Leben mit ihrem Zunamen unterschieden werden, wird bei dem Fürstengeschjlechjt derer von Neuß sowohl bei den regierenden Häusern als auch den Nebenlinien diese Unterscheidung durch die römische Ziffer bewirkt. Alle Söhne des Hauses Reuß werden demnach seit uralter Zeit als Heinrich angesprochen und der Reihenfolge nach beziffert. Es waltet ledoch hierbei wiederum eine scharfe Nuance vor. Die ältere Linie zählt bis hundert, während die jüngere mit jedem Jahrhundert neu zu zählen beginnt. Zur Zeit herrscht in Reuß j. L. Fürst Heinrich XIV., der, nachdem er 27 Jahre das Steuer seines Landes gelenkt, fiel), wie wir neulich schon erzählten, durch den Erbprinzen Heinrich XXVII. dauernd in der Regierung vertreten läßt. Für Nachwuchs der regierenden Linie ist reichlich gesorgt; der dereinstige Thronerbe von Reuß j. L. — und nach Aussterben der älteren Linie wohl auch vom Gesamthause — ist der jetzt achtjährigePrinz Heinrich der XLIIL, sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Heinrich XLV. ist von einem Vordermann aus der Seitenlinie Köstritz von der Nummer XL1V. verdrängt worden, die der ein halbes Jahr ftüher geborene Sohn des Prinzen Heinrich XXV. für sich beansprucht hat. Das Fürstentum Reuß jüngerer Linie zäblt 140 000 Einwohner und ist an Bevölkerungszahl etwa doppelt so groß als sein Brüderchen älterer Linie. Beide haben eine im Verhältnis zur Größe des Landes sehr dichte Bevölkerung und starke Industrien. Beide haben eine sehr sorgsame Regierung, deren höchste Spitzen sich eingehend, nach Ansicht einiger Nörgler sogar allzuviel persönlich sür die Geschäfte zu interessieren pflegen. Während der Souverän der älteren Linie, wie bekannt nichts weniger ist als ein Verehrer der Zustände, die sich seit 1866 im deutschen Vaterlande herausgebildet haben, stehen Fürst Heinrich XIV. und sein Sohn, der Erbprinz, in enger Fühlung mit dem Kaiserhause. Erzieher des Fürsten Heinrich XIV., der jetzt im 39. Lebensjahre steht, war kein Geringerer als der Dichter Julius Sturm, der Pastor und Geheimer Kirchenrat in Köstritz war. Mit dem Prinzen Friedrich Wilhelm von Preußen, späteren Kaiser Friedrich, traf Heinrich XIV. aus her Universität Bonn im Jahre 1850 zusammen. Berde fürstliche Jünglinge schossen sich damals eng aneinander; ihr Freundschaftsbündnis aus jenen Tagen hat ungemindert für das ganze Leben bestanden und ist auf die Söhne übergegangen. Jin Jahre 1866 blieb die jüngere Linie im Gegensatz zur älteren neutral. Der jetzt regierende Fürst .ührte damals als Erbprinz die Streitmacht seines Länd- chens zwar kampfbereit na.ch der Bundesfestung Rastatt, brachte jedoch später das ganze Kontingent wohlbehalten wieder nach Haufe. Seit dieser Zeit ist Reuß j. L., das alsbald dem Norddeutschen Bund beigetreten war, ein treues Mitglied des Deutschen Reiches. Nachdem die Gemahlin des regierenden Fürsten, geborene Herzogin von Württemberg, 1886 gestorben war, bermählte sich dieser einige Jahre später mit einer Schauspielerin „Friedevike von Saalburg", die er sich morganatisch antrauen lieh. In den engen Verhältnissen des reußi- schen Kleinstaates wurde, wie wir schon neulich erwähnten, dieser Schritt schmerzlich empfunden, da die verstorbene -Fürstin außerordentlich verehrt worden war und mit einer neuen Eheschließung des Landesherrn, der sein 25jähnges Regierungsjubiläum bereits gefeiert hatte, nicht mehr gerechnet wurde. Der Fürst zog sich mit der Erwählten seines Herzens nach seinem sächsischen Gute Thallwitz zurück und ubertrug seinem Sohne, dem Erbprinzen, die Regentschaft. Wie jedoch versichert wird, behält er als Ebef des Hauses alle Familienangelegenheiten, insbesondere das Verhältnis zu Reuß ä. L., selbst in der Hand. Vom Fürsten Heinrich XIV. wird in seinem kleinen Reiche mit der größten Verehrung gesprochen. Er hat für alle Angelegenheiten des Landes stets das größte Interesse gehabt, und jedem seiner Unter- thanen, der sich an ihn wandte, nach Möglichkeit geholfen. Die patriarchalischen Gepflogenheiten des Kleinstaates sind nach dieser Richtung lediglich vorteilhaft in die Erscheinung getreten. Der Erbprinz residiert mit seiner Gemahlin Elise, geborenen Prinzessin Hohenlohe-Langenburg, auf dem Schlosse Osterstein bei Gera, das hoch über der Stadt auf dem bewaldeten Hainberg gelegen wie eine echte Zwingburg ausschaut, in seinem Innern aber mit dem behaglichen Komfort eines englischen Landhauses eingerichtet ist. Er führt dort mit seiner Gemahlin, einer Cousine unsever Kaiserin, und den beiden aus der Ehe hervorgegangenen Töchtern und zwei Knaben ein harmonisches Familienleben, immer in Fühlung mit seiner getreuen Stadt Gera, wo die Herrschaften oft bei Festlichkeiten ohne besonderen Eeremonien- zwang erscheinen. Wie eng das Verhältnis zum Kaiserhause ist, beweist der Umstand, daß die .Kaiserin zur Taufe des ältesten Sohnes des erbprinzlichen Paares erschien. Der Erbprinz hat bei den Gardehusaren in Potsdam gestanden, deren Offizierkorps er nun als Oberst a la suite angehört. Er hat in Bonn studiert, ist dort aktiver Borusse gewesen und ' gilt seiner ganzen Anschauung nach als schneidiger Offizier, der jedoch auch für nichtmilitärische Angelegenheiten gutes Verständnis hat, wie er thatsächlich oft genug eigene Initiative bei der Leitung der in bewährten Händen liegenden Geschäfte zeigen soll. Die Führung des Ministeriums hat Staatsminister Engelhardt, der im Dienste der jüngeren Linie ergraut und im Drange der Geschäfte Junggeselle geblieben ist. Der Verkehr mit der Exzellenz, die in jedem Augenblick für jedermann aus dem Volke zu sprechen ist, wird allseitig angenehm empfunden. Verwalter der Fürstlichen Kammer ist Präsident Patz, ein Jugendfteund des Fürsten Heinrich XIV., der zusammen mit ihm erzogen wurde und sein größtes Vertrauen genießt. Neben den politischen Interessen findet der Erbprinz jedoch auch Zeit, der schönen Künste zu gedenken. So will er jetzt die Einrichtungen des neuen Staüttheaters in Aachen studieren, um die Fortschritte der Technik für das Theater seiner Landeshauptstadt Gera nutzbar zu machen, denn die aufstrebende Mittelstadt, die sich in dem letzten Jahrzehnt außerordentlich verschönt hat, wünschet auch ihre geistigen Interessen in erhöhtem Maße wahrzunehmen. Das Vereinsleben steht zwar in voller Blüte; eine erschreckende Ziffer aller möglichen Vereinigungen ist festgestellt, aber die Verstärkung der Fürsorge für Kunst und Wissenschaft ist in dem großartigen Jndustrieort, der einen der hauptsächlichsten Versandplätze Deutschlands für Fabrikate aller Art darstellt, mit Genugthuung zu begrüßen. Die Beziehungen zu dem Nachbarstaate Reuß älterer Linie find, wie männiglich bekannt, gespannt, ohne daß jedoch dieser Streit bisher zu der ultima ratio von Kanonenschüssen geführt hat. Die Reußen jüngerer Linie erachten ihre älteren Vettern ersichtlich als rückständig und als im Wandel der Zeiten überzählig geworden, und diese revanchieren sich, indem sie ihre Widersacher als freudwillige Hurraschreier hinstellen. Ein solches Geplänkel von Haus zu Haus, zwischen Gera und Greiz, ist an der Tagesordnung und überträgt sich auf alle Kreise der Bevölkerung. Was sich neckt, liebt sich auch; man braucht daher diesen in Wahrheit lustigen Krieg nicht tragisch aufzufassen. In Greiz weiß man sehr gut, daß die ältere Linie einst von Gera als . ;,c Frucht mit gutem Appetit nach dem Beschluß des Schick.als und den bestehenden Verträgen verspeist werden wird/ Man ziert und sträubt sich aber gegen diese Umarmung und meint, daß es noch nickst aller Tage Abend ist. Die jüngere Linie aber lächelt und spricht das, klassisch gewordene Wort: „Ich kann warten!" Komische Tagesschau. Vom Berliner „Milchkrieg". Man schreibt uns aus Berlin, 24. Oktober: Im Berliner „Milchkriege" scheint der Sieg nickst den Milchwirten zusallen zu sollen. Die Gründung der Milchs- Zentrale durch die Agrarier versprach mehr, als sie gehalten hat. Der Gedanke war ja nicht schlecht, daß die Milch- produzcmten ausschließlich dieser Zentrale die Verwertung der Milch übertragen sollten gegen einen angemessenen^ d. h. einen höheren Preis, als die Milchhändler Berlins den Produzenten bewilligen wollten. Aber um auf die Dauer Abnehmer für kolossale Quantitäten zu sein, darf es mit dem Absatz der Ware nicht hapern. Hier hatte die Rechnung ein Loch. Man hoffte zuversichtlich,, die Berliner Hausfrauen würden in Scharen herbeiströmen, um die Zentrale-, Milch zu kaufen, auch loenit sie eine Kleinigkeit mehr loste. Ganz Berlin werde schließlich noch, zur reinen Milch der Zentrale sich bekehren und die „Händler" im Stich lassen. So wurde noch vor wenig Wochen zur Belebung des Mutes behauptet. Berlin jedoch zeigt sich recht störrisch gegen die Wohlthat und kaust noch immer da, wo es gekauft hat. Mit den dreihundert eigenen Läden, welche die Zentrale am 15. Oktober ohne Gnade und Barmherzigkeit eröffnen wollte, falls bis dahin nicht der Widerstand der Händler gebrochen sei, ist es auch nichts geworden. Die Strategen auf Seiten der Milchproduzenten haben die finanziellen Ansprüche eines solchen wirtschaftlichen Kampfes doch wohl unterschätzt, vor allem unterschätzt die Macht der Gewohnheit. Auch solche Kriege ziehen sich in der Regel länger hin, als man berechnet. Es kommt zuletzt daraus hinaus, wer es am längsten aushält. In dieser Situation sind anscheinend die Milch-, wirte nicht, wennschon bisher die übernommenen Verpflichtungen von der Zentrale erfüllt wurden. Unter den Häno-, lern sind sehr kapitalkräftige Leute; außerdem erhält der Handel von auswärts, z. B. von Hamburg aus, durch Lieferung Unterstützung. Eine Niederlage im Milchkrieg ist nicht nur an sich fatal für die Milchwirte und ihre Führer, sondern sie drückt noch weiter die Preise herab, die den Milch- wirten von den Wiederverkäufern gezahlt werden. Aus Stadt und Kund. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) Gießen, den 26. Oktober 1901. ** Auszeichnung. Der Großherzog hat dem städtischen Förster Valentin Weber zu Heiligkreuz das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" verliehen. ** Kündigungsrecht der Beamten für ihre Mietwohnungen Das Bürgerliche Gesetzbuch hat eine Vergünstigung hinsichtlich des Kündigungsrechtes bei Mietwohnungen für versetzte Staats- und Reichsbeamte eingeführt, die vielfach noch unbekannt ist. Beamte können nach §§ 565, 570 des Bürgerlichen Gesetzbuches im Falle der Versetzung nach einem anderen Orte das Mietverhältnis' Gießener Stadttyeater. Die zärtlichen Verwandten. Lustspiel von B e n e d i x. Wieder einmal ein recht luftiger Theaterabend l Die Zuhörer größer und der Beifall reicher als gewöhnlich. Der alte gemütliche Komödienonkel Benedix feierte mit den „Zärtlichen Verwandten", die nach des Verfassers launig ironischer Definitton sich als solche dadurch legitimieren, daß sie sich von morgens früh bis abends spät zanken, posthume Triumphe. Man erfreute sich wieder an dem harmlosen Humor, der durch die Verschiedenartigkeit der Wünsche, Hoffnungen und Neigungen alter „junger Damen" herbeigeführt wird, die doch nicht allzu sehr der Wahrscheinlichkeit ins Gesicht schlagen, so sonderbar sie auch zum Theil sind. Man überhörte gutmütig im behaglichen Genießen das Knarren deL verrosteten Angelwerkes der veralteten theatralischen Mache. Trotz des guten Benedix Philisterhastigkeit aus einer schier verschollenen Zeit, einer Philisterhastigkeit, die die des braven L'Arronge — man sollte es kaum für möglich halten — noch um em sehr Erhebliches übertrifft und sich selbst aus das Schloß vornehmer Leute verirrt, ist die alte Gevatter- Komödie von den „Zärtlichen Verwandten" bei aller Einfachheit der Form ausgestattet mit einer Traulichkeit des Empfindens und einer Liebenswürdigkeit des Herzens, die sie der Gegenwatt doch um einiges näher rückt. Und besonders ist es eine Figur, die das Stück hat lebensfähig bleiben lassen. Den an Geld und Dummheit reichen Kaspar Anatol Schummrich gab unser Gast, Herr Schönfeld. Das war eine Gestalt von höchst gelungener Schattierung der komischen und dummen Wirkung auf der Grundlage dickgeschmmkter Natürlichkeit. Es ist etwas Köstliches um den Humor unseres Gastes. Er giebt sich so ungezwungen, so selbstoersländlich, obwohl man tausendmal dagegen einwenden könnte: so dumme Kerle giebt's ja gar nicht! Der könnte ja einem Arzt von der psychiatrischen Klinik Interesse einflößen! DasAnatölchen des Herrn Schönfeld hat aber doch noch viel mehr Normales als andere Anatöle. Herr Bolz in Frankfurt z. B. erscheint als Anatol in blendender Weißheit mit knallroter Kravatte, der Anatol des Herrn Schönfeld dagegen in ganz menschlicher Toilette, in schwarzem Bratenrock und ganz gebildeten Unaussprechlichen, allerdings mit einem Scheitel von beunruhigender Glätte, einer Stirn von zwei Zentimeter Spannweite und einer Visage von überwältigender Thor- heit. Serenissimus im „Sünplicissirnus" würden vor Neid darüber zerplatzen. Und die Manieren l Der freche Commis voyajeur Keßler in Sudermanns „Schmetterlingsschlacht" könnte wirklich viel von ihm lernen. Namentlich in feiner Unterhaltung mit dem ledernen Herrn Barnau leistete Herr Schönfeld Unnachahmliches. Wie er in froschattiger Aufgeblasenheit seinen Rock mit dem Seidenkragen stolz auseinander schlägt, wie er in seinen Hosentaschen die Fäuste ballt im Vollgefühl seiner Unwiderstehlichkeit, das ist wert, durch einen Kinematographen vervielfältigt zu werden, damit die Herren Weinreisenden sehen, wie das Muster ihrer Kärri- katur sich im lebenden Bilde ausnimmt. Geistesärmliche Leute nennen so etwas kurzerhand „großartig". Nun, es ist so wenig groß als artig, und noch weniger großattig, aber es ist lustig. Im Fratzenschneiden findet Herr Schönfeld auch nicht leicht seines Gleichen, allenfalls kommt Büller ihm darin nahe. Von den alten, abgebrauchten Mätzchen hielt übrigens Herr Schönfeld sich fern. Als Benedix vor etwa einem halben Jahrhundert den famosen Patentknaben Anatol in die Welt setzte, da stattete er ihn nur mit einer wirklich schätzenswetten Eigenschaft aus, mit „Geld wie Heu". Etwa vierzig Jahre später, ein Leipziger Sommersemester. Da „kommt mich ein guter Freund besuchen", nach der alten Melodie, und sagt, ebenfalls nach der alten Melodie: „Komm mit nach Lindenau, da ist der Himmel blau". Und ich kam mit nach Lindenau, und der Himmel war blau, und auf der Sommerbühne der „Drei Linden" wurden „Die zärtlichen Verwandten" gegeben. Damals hatte zu seinem „furchtbar vielen Gelde" der alte Schummrich schon einen „großen Springbrunnen vor der Thür" dazu. Später habe ich wiederholt den göttlichen Anatol renommieren hören, daß sein Herr Papa einen Springbrunnen vor dem Hause und einen hinterm Hause habe; außerdem badete die so ehrenwette als reinliche Familie Schummrich, nach manchem obendrein mit einem Sprachfehler behafteten Anatol - Darsteller, zu Hause. Nach Schönfeld machen sich die lieben Schummrichs nicht so leichtsinniger Verschwendung von Wasserstoff schuldig. Dafür aber essen sie jetzt nur echten Kaviar und lassen sich Ansichtspostkatten aus Italien schicken. Das war früher nicht der Fall. Man sieht, die Familie Schummrich liebt die Abwechselung — das Publikum nicht minder! — Selbstverständlich gab wiederholter lebhaftester Beifall bei offener Szene der Freude des Auditottums über den erfolglosen Brautzug des Anatol bezeichnenden Ausdruck. Die männettolle, hochehrbare Jungstau Irmgard gab Frl. Ungar. Dame Irmgard hat es sich vorgenommen zu heiraten en tont cas — wen ist nebensächlich. Frl. U., die wir gestern zum ersten Male in einer größeren Partie sahen, stattete sie mit einer Unmenge von arg verwitterter Grazie, mit der immergrünen schämigen Mädchenhaftigkeit eines kugelrunden alten Schächtelchens gar lieblich aus. Manchmal sind die Männer wirklich blind, der stättste Farbenaustrag nützt zuweilen nichts; die armen alten Mädchen! In den beiden letzten Mten war Frl. U. so etwas wie eine lebendige Reklame für ein Weißzeuggeschäft, oder, um im Tone des seligen Tl)eodor Fontane zu reden, der sprechendste Ausdruck von Weißzeug mit einem blauen Bündchen um die Mitte. Die dtttte in diesem unvergleichlichen Bunde lächer- in Ansehung der Räume, die sie für sich und ihre Familie an dem bisherigen Wohnort auf längere Zeit gemietet haben, vorzeitig kündigen. Die Kündigung ist, wenn die Versetzung in oen ersten drei Werktagen eines Kalendervierteljahres verfügt und dem Beamten bekannt gemacht wird, nur für den Schluß dieses laufenden Vierteljahres, anderenfalls nur für den Schluß des auf die Versetzungs- Verfügung folgenden Kalendervierteljahres zulässig und Hal im ersten Falle spätestens am dritten Werktage des laufenden Vierteljahres und im zweiten Falle spätestens am dritten Werktage des auf die Versetzungsverfügung folgenden Kalendervierteljahres zu erfolgen. * * O f fiziere als Z ei tun g s ko rr esp o n d e n - teu. Im Laufe der letzten Zeit sind die einzelnen Offizierkorps wiederholt aus höhere Anordnung, dem Vernehmen nach auf die des Kaisers, auf ihren Diensteid hingewiesen worden, und zwar lediglich im Hinblick auf eine etwaige Thätigkeit als Mitarbeiter von -Zeitungen und Zeitschriften. Wenngleich es den Offizieren n i ch l verboten ist, sich auf dem Gebiete des Feuilletons für Militär-Zeitschriften nützlich zu machen oder sonst für monarchisch gesinnte Zeitungen Beiträge aus dem militärischen Alltagsleben zu liefern, so hat der Offizier nach dem erwähnten Hinweis doch unter allen Umständen das militärische Dienstgeheimnis zu wahren. * * Portosätze für Postsendungen an Soldaten. Für die Angehörigen der zum Militär Einberufenen geben wir in Nachstehendem die Portosätze für Postsendungen an Soldaten bis zum Feldwebel aufwärts bekannt. Postkarten und Briefe bis zum Gewichte von 60 Gramm sind portofrei. Postanweisungen bis 15 Mark einschließlich kosten 10 Pfg., Pakete bis zum Gewichte von 3 Kilogramm einschließlich 20 Pfg. Die Sendungen und Begleitadressen müssen mit dem Vermerk: „Soldatenbrief. Eigene Angelegenheit des Empfängers" versehen sein. Alle anderen Postsendungen insbesondere auch Wert- und Einschreibesendungen, sowie Drucksachen unterliegen der vollen Pvrtozahlung. * * Das Reichspostamt teilt uns mit: Die zum britschen Kolonialbesitz gehörigen Cook- (ober Hervey-) Inseln sind in das Gebiet der britischen Kolonie Neu-Seeland einbezogen und damit dem Weltpostverein angeschlossen worden. Der Briefverkehr nach den Cook- (ober Hervey-) Inseln regelt such fortan nach bcn Bestimmungen bes Vereinsbienstes. * * m. Wetlerfeld, bei Laubach 24. Okt. Behufs Anlage einer Wasserleitung hat sich, wie wir seinerzeit mitteilten, hier eine Wassergenossenschaft gebilbet, bcr sich nahezu alle Ortsbürger angeschlvssen haben. Die Kosten ber Anlage sinb auf insgesamt 16 000 Mk. veranschlagt worben. Als Quellengebiet würbe bas Gelänbe ber zwei Kilometer in norböstlicher Richtung von unserem Dorf gelegenen sog. Schutzdach, unweit ber Kreisstraße von Laubach nach Lauter, gewählt, wo sich treffliches Wasser vorsindet. In bieser Woche wird mit ber Legung ber Rühren begonnen. Laubach, 24. Okt-. Bei Gelegenheit des im vorigen Jahre gefeierten 25 jährigen Jubiläums des hiesigen Gymnasiums wurde ein Medaillon-Bild des Begründers der Anstalt, des Grafen Friedrich zu Solms-Lau- b a ch gestiftet von der Stadt Laubach, dem Gymnasium übergeben, und am 3. August enthüllt. In dieser Woche hat das Bild seinen endglltigen Standort aefunden. Als Platz des Denkmals, wodurch die Stadt Laubach ihren Wohlthäter nicht minder aber auch sich selbst geehrt hat, ist, wie die „Darmst. Ztg." schreibt, der unmittelbar an der Friedrichstraße gelegene Vorhof des Gymnasiums gewählt worden. Auf wuchtigem, staffelförmigem Sockel erhebt sich ein stattlicher Obelisk, in der Höbe von gegen drei Meter. Als Material ist grauer Lungstein (Dolerit) aus den Rabenauischen Basaltbrüchen bei Londorf gewählt worden. Dieser Obelisk ist nach dem Entwürfe des Kreis- bauinspektors Kranz von Bildhauer Leonhardt zu Grünberg hergeftält worden. Sehr wirkungsvoll bebt sich der Denkstein von seinem grünen Hintergründe, dem kicher Bühnengestalten war Frau Kruse als die gelehrte Ulrike. Die Rolle bietet ja wohl zur Entfaltung von Komik in Kostüm und Spiel mehr als Fr. Kr. gab. Ich habe die zukünftige Redaktrice ber Mitternachtszeitung einmal sogar ihre ganze verwanbschastliche Zärtlichkeit einem Mops zu- roenben sehen. Aber man „mopste" sich gestern auch ohne bies nicht. Die Direktion Kruse hält Maß; wer wirb chr bar ob gram sein! Jedenfalls schien zum Beispiel Ulrikens schwesterliche Warnungsrebe gestern ernsthafter, als ich sie sonst je gehört habe, unb es liegt burchaus kein Grund vor, sie nicht aus verstänbigem geschwisterlichen Herzen entspringen zu lassen. Selbstverständ- lich erscheint daburch bie Figur um einiges glaubhafter und sympathischer. Es war genug, baß bie eiszapfengleiche Begrüßung bes Brubers in ihrer vollen Komik zur Wirkung kam. Hinter bieser possierlichen Dreieinigkeit treten bie anberen Figuren bes Stückes sehr zurück. Eine lustige Ottilie war Frl. v. Aspernburg, bie vielleicht noch etwas mehr Schalk unb Wilbfang vertragen hätte. Frl. Br an bau gefiel wieder als bie kleinmädchenhaft zurückhaltenbe Jbuna durch schüchterne Anmut unb natürliche Herzlichkeit. Als bie so unselig rührselige Thusnelbe war Frl. Hohenfels, als die ent=' setzlich zeremoniöse Frau v. Halden Frl. v. Hellbronn ganz am Platze. Die erstere zeigte wohlthuenden Ernst und Gefühl, die andere machte die ungeschickt zurechtgeschnittene Bühnensigur durch angenehme Formen synrpathischer. Herr Ger lach schien als Brandau nicht ganz bei der Sache. Allerdings rft aus diesem, vom Autor entsetzlich oberflächlich gezeichneten wackeren Manne nicht viel zu machen. Er wie Herr Schneider hätten im ersten Akte als arg bestaubte Fußwanderer, denen eine Dienerin die Thür zu weisen wagt, erscheinen müsien. An den Ernst, die Gelehrsamkeit und gesellschaftliche Unbeholfenheit des Dr. Wismar mochte man übrigens in der Darstellung des Herrn Schneider nicht recht glauben. Zu einem Dr. Wismar hätte Herr Ramseyer bester gepaßt. Einen schneidigen draufgängerischen civia aca- demicua bemühte sich Herr Zoder zu geben. Daß es ihm nicht besonders gut gelang, verschuldet zum größeren Teile der Verfasser. Benedix hat es trotz seiner eifrigen und fortwährenden Anstrengungen nie verstanden, einen lebensvollen Studenten zu zeichnen. P. W. — David Garrick, Lustspiel in vier Auszügen nach Deinhardstein von Richard Hamel, ist, wie man uns schreibt, vom ftönigU Theater in Hannover zur Aufführung erworben worden. Gerichtssaal. D. Gießen, 25. Okt. (Strafkammer.) Wegen Hausfriedensbruchs und Beleidigung war der Konrad Happ von Seibelsdorf durch Entscheidung des Schöffengerichts Alsfeld in eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen verurteilt worden. Gegen das Erkenntnis hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt, weil eine Verurteilung wegen Bedrohung — der Anklageschrift gemäß — nicht erfolgt war. Das Gericht giebt der Berufung der Staatsanwaltschaft statt und erkennt unter Einbeziehung der durch das Schöffengericht ausgesprochenen Gefängnisstrafe auf eine solche von insgesamt 7 Wochen. — Wegen Milchverfälschung war die Ferdinand Len Hardt Ehefrau von Rodheim durch Urteil des Schöffengerichts zu Vilbel in eine Gefängnisstrafe von drei Wochen und die Kosten des Verfahrens verurteilt worden. Die Angeklagte sowohl als Bosguet des Gymnasial-Gartens, ab. In diesen Obelisk wurde das in Erz gegossene Medaillon-Bild des Grafen Friedrich eingelassen. Das sprechend ähnliche Reliefbild ist in etwa sieben Sechstel Lebensgröße von PH. Rettig, Lehrer an der Gewerbeschule in Mainz, modelliert und dann in Geislingen auf galvanischem Wege in Kupfer niedergeschlagen worden. In dunkler Kupferbronze hebt sich oas Bildnis von der dunkelgrün gehaltenen eisernen Platte auf das vorteilhafteste ab. Der Kopf selbst ist in etwa drei Viertel Profil von der rechten Seite dargestellt. Unterhalb des Bildnisses liest man: „Friedrich Graf zu Solms- Laubach". Der in einfacher Vornehmheit gehaltene Nahmen endigt nach oben in der dem Gräflichen Hause Solms- Laubach zustehenden Fürstenkrone. Auf dem unteren Teile des Rahmens liegen frei und fein modellierte Eichenzweige, von einer Schleife in den Solmsischen Farben (blau-gold) gebunden, um anzudeuten, daß die Stadt Laubach ihrem Wohlthäter den wohlverdienten Ehrenkranz darreiche. Auf einer besonderen eisernen Tafel unterhalb des Bildnisses ist die Widmung angebracht: „Dem Gründer des Gymnasiums die dankbare Stadt Laubach. 1875. 1900". Die Ausführung des Bildnisses erfolgte in der Laubach benachbarten Friedrichshütte; sie gereicht dem einheimischen Kunstgewerbe zur höchsten Ehre. S. Darmstadt, 25. Okt- Unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts von Brentano tagte der 2. (Gesetzgebungs)- Ausschuß am Mittwoch, Donnerstag und heute zur Beratung einer Anzahl spruchreifer Fragen. Heute beschäftigte sich der Ausschuß in Gemeinschaft mit der Regierung mit dein Entwurf über das neue Wahlgesetz, kam aber über eine Generaldebatte nicht hinaus; die Beratungen sollen am nächsten Mittwoch fortgesetzt werden. Gut unterrichtete Persönlichkeiten wollen wissen, daß der Entwurf in der gegenwärtigen Fassung vor der ersten Kammer voraussichtlich keine Gnade finden wird. — Der 4. (Petitions)- Ausschuß tagte gestern und heute unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Z in ß er-Schlitz. Heute waren auch die Abgg. Ullrich und Erck-Nidda zugezogen. U. a. wurde die beantragte Veränderung der Oberhessi- chen Kreiseinteilung beraten, jedoch ein Beschluß ausgesetzt. — In der Narkose gestorben ist gestern vormittag in einem hiesigen Krankenhaus ein 14 jähriger Knabe, noch ehe der dirigierende Arzt die beabsichtigte Bein-Operation vornehmen konnte. Der Fall ist um so bedauernswerter, als es das einzige Kind einer Witwe aus Arheilgen ist. — In der gestrigen Stadtverordneten- itzung machte der Oberbürgermeister bekannt, daß er die Herrichtung einer Anzahl Straßen als Notstandsarbeiten für den Winter vorgesehen habe. — Das hiesige bedeutende und achtbare Bankhaus N. hat bekanntlich durch den an einer hiesigen Fahrradfabrik erlittenen Verlust von ca. 600 000 Mark eine Einbuße seines Kredits erlitten. Besonders die „Süddeutsche" und die Reichsbank haben große Zurückhaltung gezeigt. N. ist durch seine Gutgläubigkeit hineingelegt worden, doch ist jede Gefahr vollständig ausgeschlossen; N. hat schon über eine halbe Million Depots usw. ausgezahlt. Selbstverständlich ist er nun auch gezwungen, die schon lange beabsichtigten Krediteinschränkungen besonders seinen Bauunternehmerkunden gegenüber eintreten zu lassen. Infolge dieses Falles ist das allgemeine Vertrauen zu den Bank- Geschäften geschwunden. Zahlreiche Depots sind von allen Seiten zurückgezogen worden. Ein Kunde erklärte dieser Tage seinem Bankier ganz offen, daß er keinem Bankgeschäft mehr traue, und beruhigter fei, wenn er seine Papiere zu Hause habe. Als er nach einigen Tagen wieder- kam, um die Papiere wiederzubringen, da er zu Hanse auch keine Ruhe habe, hat der Bankier die Wiederannahme verweigert mit dem Hinweis, daß er ja in einigen Tagen wieder mißtrauisch werden könne. Heppenheim, 25. Okt. Am 21. d. M. fand hier die 17. Jahressitzung des Kuratoriums des Hilfsvereins für die Geistes kran ken in H esse n statt. Anwesend waren mit Einschluß besonders Eingeladener 24 Herren. Den Verhandlungen wohnte als Vertreter der Staatsregierung Provinzialdirektor v. Grancy bei. Das Schriftführeramt wurde versehen von den Herren Oberarzt Dr. Römheld hier und Pfarrer Naumann von Nauheim. Nach Begrüßung der Versammlung durch den Vorsitzenden Med.-Rat Dr. Bieberbach, wurde sofort die Versammlung konstituiert und in die Tagesordnung eingetreten. Die Versammlung nahm den Rechenschaftsbericht der Verwaltung aus dem vergangenen Jahre entgegen, der ein ziemlich erhebliches Steigen der Vereinsbeiträge aus Gemeinden und von Privaten konstatieren konnte. Nach längerer Debatte wurde ein Antrag Morneweg auf Erweiterung des § 18 der Statuten mit über zwei Drittel Majorität angenommen, wonach der Zusatz gielt: „In den Städten über 20 000 Seelen ist der von der Verwaltung gewählte Vertrauensmaun befugt, durch eigene Wahl, im Einverständnis mit der Verwaltung, weitere Vertrauensmänner zur Ermöglichung einer Verteilung der Geschäfte sich zur Seite zu stellen, die sich jedoch in dem schriftlichen Verkehr mit der Verwaltung der Vermittlung des gewählten Vertrauensmanns bedienen werden." Es folgte die eingehende Durchberatung einer von der Verwaltung dem Kuratorium gemachten Vorlage, betr. die Fürsorge für die den wenig bemittelten und unbemittelten Volkskreisen angehörigen geistesgesunden Epileptiker und Nervösen (psychisch Nervösen). Die einzelnen von der Verwaltung aufgestellten Leitsätze wurden durchberaten und im einzelnen von dem Herrn Ehrenpräsidenten erläutert. Zur Sprache kam hierbei die Geldfrage, die Frage der Anmeldung solcher Kranken, die Vermittlung durch Aerzte und Vertrauensmänner, die Aufnahme solcher Kranken in die bestehenden oder neu zu begründenden Anstalten. An der längeren Debatte beteiligten sich u. a. Beigeordneter Wolff- Gießen, Dr. Vogel-Laubach und Direktor Dr. Sommer von Gießen. die Staatsanwaltschaft hatten gegen das Erkenntnis der ersten Instanz das Rechtsmittel der Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft beantragt heute gegen die Angeklagte eine Gefängnisstrafe von drei Monaten. Das Gericht erkennt wegen Uebertretung des § 10 des R. S. vom 14. Mai 1879 auf eine Gefängnisstrafe von drei Wochen und Geld- ’trafe von 60 Mk. Außerdem wird auf Publikation der Ent-, cheidung in der Friedberger Zeitung erkannt. — Der Ludwig Sch mahl in Frankenberg, vielfach vorbestraft, ist angeklagt und geständig, am 16. September zu Gießen dem Jakob Ruth von da ein wollenes Hemd im Werte von 2.50 Mk. entwendet zu haben. Unter Zubilligung mildernder Umstände wird der Angeklagte in eine Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt, unter Anrechnung eines Monats der erlittenen Untersuchungshaft. — In der Strafsache gegen den Kaufmann Robert Hecker von Gießen wurde heute )as Urteil publiziert. Unter Stattgebung der Berufung )er Staatsanwaltschaft wird der Angeklagte in eine Geldstrafe von 5 Mk. und in die Kosten beider Instanzen verurteilt. — Der Dienstknecht Wilhelm Schäfer zu Ilbenstadt ist beschuldigt, am 20. April zu Assenheim, Kreis Friedberg, in rechtswidriger Absicht eine Privaturkunbe gefälscht und dadurch das Vermögen des Steinbruchs-Be- sitzers Adolf Ewald von da um einen geringen Geldbetrag geschädigt zu haben. Er wird deswegen in eine Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt. — Der 1886 geborene Dienstknecht Karl Korne mann von Atzenhain ist angeklagt, daß er im Besitze der zur Erkenntnis der Strafbarkeit nötigen Einsicht am 18. Juli in der Gemarkung Atzenhain durch Fahrlässigkeit eine dem Johannes Müller von da gehörige Fichtenwaldung in Brand gesteckt habe. Er wird von Strafe und Kosten sreigesprochen, da das Gericht eine Fahrlässigkeit nicht als vorhanden annimmt. Die Kosten hat die Staatskasse zu tragen. — In der Privatklagesache des Kaufmanns Rudolf Erdtmann in Kursk gegen den Hotelbesitzer Karl Meisinger in Bad-Nauheim wegen Beleidigung haben beide Parteien gegen ein Urteil des Schöffengerichts Bad-Nauheim, das sie beide schuldig erkannt und in entsprechende Strafe genommen hat, Berufung eingelegt. Nach längeren Ausführungen der beiderseitigen Parteivertreter wird das Urteil erster Instanz aufgehoben. Beide Angeklagte werden in eine Geldstrafe von 50 Mk. verurteilt. Die Publikationsbefugnis wird beiden Teilen zugesprochen. — Die Berufung der Christine Ro s en kr a n z rn Osnabrück gegen ein Urteil des Schöffengerichts zu Gießen vom 20. September wird wegen Ausbleibens der Angeklagten kosten- fällig verworfen. — In der Privatklagesache des Peter Josef Fritz in Ober-Mörlen gegen den Peter Gustav Rühl von da wegen Beleidigung wird in zweiter Instanz dahin Urteil erlassen, daß der Berufung des Privatklägers stattgegeben und der Angeklagte in eine Geldstrafe von 50 Mk. anstatt in eine solche von 20 Mk. verurteilt wird. — Zum Schluß kommt zur Verhandlung die Privatklagesache der Emma Würtz in Gießen gegen die Ehefrau des Johann Schmücker daselbst wegen Beleidigung. Die Angeklagte war durch Erkenntnis des Schöffengerichts Gießen vom 13. September von Strafe und Kosten freigesprochen worden. Gegen das fteisprechende Erkenntnis hatte bie Privatklägerin das Rechtsmittel der Berufung eingelegt. Es geht ein ausgedehnter Zeugenapparat in Szene. Das Gericht zweiter Instanz grebt nach erfolgter Beweisaufnahme der eingelegten Berufung statt und erfennt gegen die Angeklagte auf eine Geldstrafe von 15 Mk. Berlin, 25. Oft Vor ber siebenten Strafkammer des Landgerichts I wurde heute gegen den Bankier August Sternberg und bie Zimmervermieterin Hedwig Riewe, geb. Hasemann, verhandelt. Die Kunde von dem Anstehen des Termins hatte einen starken Andrang nach dem kleinen Gerichtszimmer hervorgerufen, das Publikum mußte jedoch wieder abziehen, ohne seine Neugierde befriedigen zu können. Dem Sternberg, der sich während seines Aufenthaltes in der Strafanstalt fast bis zur Unkenntlichkeit verändert bat, stand Rechtsanwalt Fuchs I. unb Justizrat Dr. v. Goroon, der Angekl. Riewe der Rechtsanwalt Dr. Schwindt zur Seite. Sternberg war beschuldigt, durch drei selbständige Handlungen die noch nicht 16 jähr. Gertrud Kaper verführt, und an deren damals noch nicht 14 jähriger Schwester Klara Kaper eine unsittliche Handlung vorgenommen zu haben. Die Zimmervermieterin Riewe, die Anfang dieses Jahres drei Monate in Untersuchungshaft gesessen hat, hatte sich auf die Anklage der Beihilfe und der Kuppelei unter Anwendung eines hinterlistigen Kunstgriffs zu verantworten. Die Anklage ist eine Folge des großen Sternberg-Prozesses. Während der damaligen Verhandlungen wurde der Staatsanwalt durch eine anonyme Anzeige auf Vorgänge in der Rieweschen Wohnung aufmerksam gemacht, und die daraufhin angestellten Nachforschungen haben zur Erhebung der Anklage geführt. Für die ältere der beiden Belastungszeuginnen hatte der Vater den Strafantrag wegen Verführung gestellt, indem er behauptete, daß seine Tochter bis dahin ein unbescholtenes Mäbchen gewesen sei, und er von deren Verkehr mit St., der im Dezember 1897 stattgefunden hat, vorher nichts gewußt habe. Als die Strafsache am 18. März vor derselben Strafkammer verhandelt wurde, ergab sich infolge eines sensationellen Zwischenfalls die Notwendigkeit einer Vertagung. Die mittlerweile über 16 Jahre alt gewordenen Mädchen, die in der Voruntersuchung vereidet worden sind, und dabei den Sternberg im Sinne der Anklage belastet hatten, machten plötzlich Aussagen, die wesentlich zu Gunsten des Angeklagten ausfielen. Namentlich waren Die Bekundungen des älteren Mädchens derartig, daß danach von einer Verführung nicht gesprochen werden konnte. Diese völlig überraschende Sinnesänderung der beiden Mädchen gab dem Vorsitzenden und dem Staatsanwalt damals Anlaß, den beiden Zeuginnen ernst in das Gewissen zu reden, und ihnen vorzuhalten, daß sie sich mit ihrer Aussage selbst des Meineids beschuldigen. Die beiden Mädchen blieben jedoch trotz aller Vorhaltungen bei ihrer neuen Aussage und versicherten wiederholt, daß niemand auf sie eingewirkt habe, sie vielmehr nur ihr Gewissen erleichtern wollten, und bei ihrer ersten Bekundung über Bedeutung und Inhalt des von ihnen geleisteten Eides sich nicht im Klaren befunden haben. Infolge dieses Zwischenfalls beantragte der Staatsanwalt Braut damals die Vertagung und die Vorladung neuer Zeugen. Zur heutigen Verhandlung waren nur 14 Zeugen erschienen. Nach Verlesung des Eröffnungsbeschlusses beantragte der Staatsanwalt, die Oeffentlichkeit auszuschließen, und der Gerichtshof beschloß den Ausschluß der Oeffentlichkect für die ganze Dauer der Verhandlung. Sternberg wurde kostenlos freigesprochen, die Riewe wegen einfacher Kuppelei zu 6 Wochen Gefängnis verurteilt und diese Strafe durch die Untersuchungshaft als verbüßt erachtet. Der Staatsanwalt hatte gegen Sternberg eine Zusatzstrafe von zwei Monaten Zuchthaus und gegen die Riewe 9 Monate Gefängnis beantragt © © — o Ä Q -** Q S : ä e o Ä Q N 'S 4? c £ ,Q Sä^ :=t Z O x> _K G ->Z VD Sä e $ä | Z x> orS ' es €« *77 «st P o 2---O -o r-L > e ^> r-» »T® Z,^ 7 s 3 JD jx jQ j; " O -~c c-> $- vC',2 5 . g 2,vd x -o -g *2 3 S s — £ « sä gfe> w^v=>^ £-c^.- A-O Z s: 51 i o TT ^x-^-ZD o /x. r- - >—• * •_# o >>—^ w vT-^i *v «-. l3 '«—' *> X- >—' o o ^27--) " o 2 ~ © rt rt S - ^rtr := m T7U«dE s. — Sä - EtJ o . JE"-» ®«Ä ö Q SÄJoäS . Z . e«®^fiE^8?B.5®& et w w Sä W « ~iK2. Q '— iS^ «-» . . £ sä o X Qo$t Sä <53 X S _ w .-^ _ C5- — Sä <^> -j— t. w e «Sg^g© «‘Sä“”^Ä?sl . »^<2 —e w a nwS'"“;i U n ° ' ä :ö 'J V +4U-W J»Ö“2 <» .52^ -£■- pr S’ti S « , ; w ♦• tä £ 5 g : “ r: =Ä Q - ä S^^-®VD o o 2> >b " o .Sä s; 2 w ■D ö’A’o E^ O S< eOJD Q <* --g g ;S «g5 <= ?C W Sä . s$? § •- ,, NT <^> r-> o co ’E D -» o 2 V ri i» ® = mc feg ■o — o ’TS -—' -- cn c Sä ’S ’"* o _ . Ä tt B M l—« 5-» K o> oj o <5^ jO jq sE^ 5S- 5 O Z 2 ^^© «e 2 « w £» =• a - es — ö O C »-Ä S C> 2? ssä ° e J5 S L§s o ro a> o 5 L. Q Sä a> 03 sä Sä' iM Z « A E 03 u- Sä Sä «t o Ovg' a b <5 sä 5^.b<9 C3g LN>2 Sä’« " ö?gJ: ^03^ E E ® o Q ö *2£ s» Sä Ö g ‘sä u o i53>xj Sä £• 2^? •» e Sä Q o D cs^o Q- i$» •f» <5 E a o X. E sä NN — 'S. o EeB Z .£e Ss2 L-d- oEN 'R3 g § sä sä ». •5 gp Jq c~$ Q -Z »« LK-N Six s: « .2 <34 x> «s g® S!Z N $».t$ S«»® E § W ? c 1j5i«q58’Sä«m 8«^ Gi sä e ■«.© E^\g — o iQi-.O o 5«°° aß- 03 Ä “g g « 6 sä w L fto ® « £ sä a s; 5 5 sä©T <-* o E p x> ü-:B E iSS-g g.S © Sä :=$ ..Sa (M nit E Fischbach Glessen. Colonial- and Materialwaren, k Farben und A Lacke, Magnnm-bonum empfiehlt, so lange der Vorrat reicht, pro Gentner zu Mk. 1.50 frei ins Haus geliefert. Konrad Roth. 6975 ^zelsgajse L jg^T\ Zöpfe, Dreher, Haaruhrketteu, k ^A^ssToupö, Scheitel »Ul uud Perücke« werden billigst an- gefertigt. Spezialität in weiße« «. graueuHaareu. H. 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Unerlaubte Requisition. 27. Auch ein Tischgebet. 28. Kriegsrat. ♦ Freitag den 1. November, nach der Eröffnung ä Person 50 Pfg.; Sonntag den 3. November, bis mittags 12 Uhr, 1111111-111^1 U|C ♦ ä Person 50 Pfg. Während der übrigen Zeit ä, Person 30 Pfg. — Kinder unter 10 Jahren zahlen die Hälfte. — Geschlossene Klassen der Volksschulen in Begleitung der Lehrer zahlen am Samstag bis vormittags 10 Uhr 3 Mark pro Klasse, doch wird um vorherige Meldung gebeten. Red Marlin llstotlje AJ Stern jU ßinle mit verbindender Dichtung und WustL. Dargestellt von etwa 150 Personen (Damen, Kinder und Kameraden der Gießener Militärvereine und Mannschaften des Regiments Kaiser Wilhelm) unter Leitung des Herrn Direktor P. Weruing aus Berlin. —= 32 lebende Bilder in 3 Abteilungen. WustL: Kapelle des Auf.-Wegts. Kaiser Wilhelm. Dauer des Aestspttls 27, Stunden, glänzende Ausstattung. 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Novbr., nachmittags 4 Uhr: für Schüler hiesiger und auswärtiger Schulen und ihre Begletter zu ermäßigten Preisen. Abends 8 Uhr: allgemeine Vorstellung. Donnerstag den 7. Novbr., abends 8 Uhr: allgemeine Vorstellimg. Freitag den 8. Novbr., abends 8 Uhr: allgemeine Vorstellung. Samstag der» 9. Novbr.. nachmittags 4 Uhr: für Schüler hiesiger und auswärtiger Schulen und ihre Begleiter zu ermäßigten Preisen. Abends 8 Uhr: allgemeine Vorstellung. Sonntag den 10. Novbr., nachmittags 3‘/? Uhr: für Mitglieder hiesiger und auswärtiger Kriegervereine und deren Famllienangehörige zu ermäßigten Preisen. Abends 7 Uhr: allgemeine und Fremden-Borstellung. Abgeschlossene 3-Zimmerwohn. mit Küche, seither als Kontor be* nützt, sof. vermietbar. Asterweg 47. Neu hergerichtete Wohnung, 2 bis 3 Zimm. m. Zubeh. a. ruh. Leute zu vermiet. Selterswcg 75. Gesucht z. 1. April 1902 in mögt, neu.Hause e.6-Zimmerw.,ev. zwei 5-Zimmerw. m. Gas, Veranda ob. Balkon, Trockenbob. Gartenant. u. sonst. Zubehör. 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Voransbestelluugen von Eintrittskarten sinb zu richten an Kaufmann Alschbach, Seltersweg. An Sonntagen Omnibusverbindung von und nach der Bahn. Ale gesamte Bürgerschaft von Hießen und Umgegend kaden wir zum Gesuche des eigenartigen vaterländischen Aestspiels herzlichst ein. Der Ehrenausschuss: Geheimrat v. Bechtolb. Provinzialbirektor, v. Dewitz, Oberst und Regiments--Kommmrbeur. Kommerzienrat Emmelius, Stabtverorbncter. Dr. Güngerich, Oberstaatsanwalt. Kommerzienrat Koch, Vorsitzenber ber Hanbelskammer. Kullmann, Lanbgerichtspräsibent. Professor Dr. Lucius Kreisschulinfpektor. Mecum, Bürgermeister. Meyer, Ehrenvorsitzenber des Kriegervereinsbezirks Gießen, v. Mosch, Major unb Bezirkskommandeur. Dr. Naumann, Pfarrer. , Professor Dr. Rausch, Realgyrnnasialbirektor. Sanbmann, Lanbgerichtsrat, Mitglied des Präsidiums ber Krieg erkamerabschast „Hassia". Professor Dr. Schäbel, Gymnasialbirektor. Schäfer, Postbirektor. Geh. Justizrat Dr. Schmibt, Professor ber Rechte. Schobert, Eisenbahnbirektor. Dr. Störiko, Direktor der höheren Mädchenschule. 7083 Der Festausschuss. Notiz: Zu den Schuler- und Kriegervereinsvorstellungeu werden — soweit der Platz reicht — auch Eintrittskarten an andere Personen zu den gewöhnlichen Preisen ausgegeben. I. Abteilung. Prolog. L Germanins Wacht am Rhein. 2. König Wilhelm und Benedetti in Ems. 3. Auf zum Krieg. 4. Einberufung der Landwehr und Reserve. 5. Truppenabschied vor dem Bahnhof. 6. Das rote Kreuz. 7. a) König Wilhelm im Mausoleum zu Charlottenburg. b) Das Eiserne Kreuz. 8. Posten vor dem Feinde. 9. Hurra! Franzosen gefangen. 10. »0 Feldwache. b) Alarmierung. c) Gefecht. 10 Minuten F*ause. 6647] Schön möbl. Zimmer Bahuhofstr. 45 p., n. vorn geleg., an nur anständ. Herrn zu verm. 6734] 2 große Helle unmöblierte Zimm., dav. 1 in. Gas x. verm. Frankfurterstraße 36, I. 6830] Schön möbl. Znnrner zu vermietem Löwengasse 22, IL 1Y. Allgemeine Geflügel- e. Vogel-Ausstellung verbunden mit der ____ II. 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