Nr. 227 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 27. September 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siehener Kamillen- blätter werden demAn- -eiger im Wechsel mit Dem „Hess. Landwirt" und den ^Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Lchulstratze 7. Adresie für Depeschen: Anzeiger Gtctzeu. Aernsprkchanschlich Nr. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger M ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeigen au der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt» lungsstellen des In-und Auslandes nehinen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf, auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Sämtliche Mannschaften des Beurlaubtenstandes aller Waffen, welche zur Verwendung bei der ostastatischen Besatzuugsbrigade auf 2 Jahre vom 1. Oktober 1901 ab bereit find, wollen fich unter Einsendung ihres Militärpaffes bis spätestens 80. September d. I. unmittelbar bei dem unterzeichneten Kommando melden. Bezirks-Kommando Gießen. F. d. erkr. B.-K.: Morneweg. Der sozialdemokratische Parteitag. HL Lübeck, 25. Sept. Zu Beginn der heutigen dritten Sitzung schlägt Singer vor, um für die Luderen Fragen auch noch Zeit zu gewinnen, die Bernstein-Debatte spätestens beute mittag zu schließen. (Zustimmung.) Nachzutragen ist, daß die Abgcoro- neten v. Volmar aus München und Schippel-Berlin diesmal nicht zum Parteitage erschienen sind.' In der ihren Fortgang nehmenden Bernstein-Debatte spricht heute zunächst Leute rt (Apolda). Er sagt: Wenn Bernstein, David, Sch.ippel, Calwcr um der Wissenfchast halber studieren wollen, müssen sie auf der Universität bleiben. Wenn sie bei uns sind, müssen sie praktisch arbeiten. Für uns Arbeiter ist das zu viel Kritik. (Zurufe.) Mir ruft man soeben zu, daß wir nicht in einer Volksversammlung sind. (Große Heiterkeit.) Das weiß -ich selbst, so dumm bin ich nicht. (Erneute Heiterkeit.) Im Wahlkampfe hielt Mir ein Freisinniger die „Neue Zeit" vor, in welcher Bernstein damals geschrieben: „Die Bewegung ist mir alles, das Endziel nichts." — Wie ich das las, wurde ich leichenblaß. (Große Hetterkeit.) Unser Genosse Bebel, — er hat sich auch schon manchmal -gemausert, aber, die Hauptsache: die Beseitigung des Kapitalismus, hat er niemals vergessen. Wir wollen die Kritik nicht verbieten, aber wir verlangen, daß wir im Kampfe gegen unseren gemeinsamen Feind zusammenstchen. Abgeordneter Stadthagen (Berlin) ist für die Resolution Bebel. Die anderen seien unannehmbar. Die Resolution richte sich nicht persönlich gegen Bernstein, sondern gegen eine bestimmte Richtung. Es muß erklärt werden, daß es notwendig ish, auch an den bürgerlichen Parteien Kritik zu üben, und daß cs nicht geduldet werden kann, daß eine vermeintlichie Kritik gegen die Partei an unpassenden Stellen abgelagert wird. Ich hätte gewünscht, Heine hätte schon vor Jahren das Lob der Nationalsozialcn und der „Welt am Montag" abgeschüttelt, und nicht erst hier vorgestern. Freilich, es geht Einem ja gegen den Strich, sich mit ' jedem Schmutzfinken äbzugebeu. Im Brandenburger Wahlkampfe empfahl das nationalsoziale Organ die Wahl mit recht verständigen Ansichten, derselbe habe sogar vorgeschlagen, den sozialistischen Teil des Programms zu streichen und sich auf den praktischen ersten Teil zu beschränken, die sozialistischen Forderungen aber nur als Manifest bestehen zu lassen. Wetter hieß es in dem Artikel des Herrn v. Gcrlach, seine Wahl sei im Sinne der bürgerlich radikalen Partei; denn er bedeute eine Stärkung des rechten Flügels der sozialdemokratischen Fraktion. (Hört, hört.) Statt diese unverschämten Anrempc- leien abzuschüttetn- benutzt sie Herr Peus zur Reklame. (Hört, hört.) Bernstein solle sich freuen, daß wir alle ihm zurufen: Bernstein, bleibe bei uns, bereite uns keine Schwierigkeiten mehr. (Beifall.) Wir verurteilen, daß Bernstein von anderer Sette geschoben wird, ohne es selbst zu wollen. Wer von uns hat nicht einmal Zweifel an irgend einem Punkt des Programms. Aber dann setzt man sich in das Kämmerlein und druckst so lange, bis die Zweifel überwunden sind. (Beifall und Lachen.) Bernstein war es nicht, sondern seine sogenannten Freunde, die ihm rieten, in eine gegnerische Versammlung zu gehen und die Wissenschaftlichkeit der Partei anzuzweifeln. Wenn man den Vortrag liest, muß man glauben, Bernstein seien seine ruhigen Gedanken durchgegangen. Man macht ja auch manchmal eine Dummheit. (Rufe: Sehr richtig! Heiterkeit.) Ja, in sozialdemokratischen Versammlungen können auch Dumm- fi eiten abgelagert werden, aber nicht in aegnerifchen Versammlungen. Im Interesse der Partei bitte ich die Resolution Bebel anzunehmen. Frau Klara Zetkin (Stuttgart) stellt einen Schluß- antrag, der Annahme findet. Darnach erhält noch einmal Eduard Bernstein das Wort. Bernstein führt aus: Ich will möglichst unpersönlich sein. Ich verkenne durchaus nicht, daß beide Resolutionen mir gegenüber freundlich gemeint sind. Die Resolution Bebel spricht kein Mißtrauen gegen meine Person aus, sondern tadelt nur bestimmte Handlungen. Dennoch, muß ich die Genossen bitten, dieselbe abzulehnen, falls Bepel die Resolution nicht zurückzieht. Sie acht von falschen Vor- lLussetzungen aus. Wenn Sie die Tendenz meines Vortrags unbeeinflußt betrachten, werden Sie zu der Erkenntnis kommen, daß er dem Sozialismus mehr giebt, als nimmt. .Ich sage nicht, der Sozialismus sei keine Wissenschaft, sondern er fei und könne nicht ausschließlich Wissenschaft sein. 'Tie Gegner haben sich geirrt, wenn sie glaubten, mein Vor- :trag sei eine Gegnerschaft gegen den Sozialismus. Nach weiterer Debatte, über die wir noch weiter unten «berichten werden, wird beschlossen, zunächst über die Resolution Heine äbzustimmen. Die Abstimmung ist eine namentliche. Bernstein enthält sich der Abstimmung. Für die Mesolution stimmt unter anderen auch Auer. Bebel ruft «in kräftiges: Nein! Unter den Delegierten befindet sich ch der frühere württembergische Pfarrer Blumhardt aus Baden. Derselbe ftimmt mit Nein! Die Resolution wird mit 166 gegen 71 Stimmen abgelehnt. Darauf wird die Resolution Bebel mit großer Mehrheit — 203 gegen 31 Stimmen — angenommen. Bernstein und Auer enthalten sich der Abstimmung., Heine und David stimmen jetzt auch dafür. Die Resolution bat folgenden Wortlaut: „Ter Parteitag erkennt rückhaltlos die Notwendigkeit der Selbstkritik über die geistige Fortentwickelung unserer Partei an. Aber die durchaus einseitige Art, wie der Genosse Bernstein diese Kritik in den letzten Jahren betrieb, unter Außerachtlassung der Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft und ihren Trägern, hat ihn in eine zweideutige Position gebracht und die Mißstimmung eines großen Teils der Parteigenossen erregt. In der Erwartung, daß der Genosse sich dieser Erkenntnis nicht verschließt itnb danach handelt, geht der Parteitag über die Anträge zur Tagesordnung über." Bernsteins Erklärung. Darauf erhält Bernstein das Wort zu einer Erklärung; unter atemloser Spannung führt er aus: Werte Genossen! Wie ich schon in meinem Rechtfertigungsschreiben auf dem Stuttgarter Parteitage ausführte, kann ein Votum des Kongresses mich nicht an meiner Ueber- zeugung irre machen. Es ist mir' abe>; auch das Votum der Mehrheit meiner Parteigenossen nicht gleichgiltig. Meine Ueberaeügung ist, daß. die Resolution mir in objektiver Beziehung Unrecht thut, weil sie auf falschen Voraussetzungen beruht. Aber nachdem Genosse Bebel erklärt hat, daß mit der Resolution fein Mißtrauensvotum verbunden sein soll, erkläre ich daß ich das Votum der Mehrheit meiner Parteigenossen entgegennehmen werde und ihm auch diejenige Achtung und Beachtung eutgegentragen werde, die ihm gebührt." (Ein großer Tett des Parteitages begleitet diese Erklärung mit lauten Bravorufen. Ein kleiner Teil verharrt in peinlichem Schweigen.) Darauf tritt die Mittagspause ein. Ter Nachmittig brachte die schärfsten bisher dagr- wesenen Kämpfe. Im Grunde handelte es sich wieder um die frühere Debatte, nur führte jetzt die Bernsteinpartei den Angriff. Ungemein scharf, am meisten von Fischer, wurde gegen die „9icue Zeit" und bereit Mitarbeiter Parvus und Luxemberg, aber auch gegen Kants k y vorgegangen. Sodann fand eine längere, vis hart an die Grenze der Injurie streifende Polemik statt zwischen Heine einerseits, Ledebour und Stadthagen andererseits. Als dieser Debatte ein Ende gemacht war, kamen die Akkordmaurer an die Reihe. Bömelburg referierte im Sinne der Hamburger Gewerkschaften. Ihm antwortete Auer in einer Rebe von zwei Stunden. Langsam an- hebend, widerlegte er erst Bömelburg und führte alsdann die schwersten Schläge gegen die Leiter der Hamburger Gewerkschaften, Legten und Elm. Als er geendet hatte, antworteten diese in persönlichen Bemerkungen in erregter Weise, Auer der Unwahrheit beschuldigend. Mit Mühe hielt Singer bis ans Ende einigermaßen den parlamentarischen Ton aufrecht. Tie sachlichen Erwiderungen werden morgen folgen. * • » So hat sich also der Parteitag in feiner großen Mehrheit auf den Standpunkt des Abg. Bebel gestellt, und für dessen Resolution entschieden, in der die Erwartung ausgesprochen wird, daß „Genosse" Bernstein die bisherige Art seiner Kritik an der sozialistischen Partei in Zukunft unterläßt. Bernstein erklärte, sich dem Votum des Parteitages zu fügen, obwohl die Resolution Bebel von falschen Voraussetzungen ausgehe. Laute Bravorufe begleiteten diesen Akt der Selbstverleugnung, der gleichbedeutend ist mit einem Sieg der Parteidisziplin. 9211 r eine kleine Schar von Genossen verharrte in „peinlichem" Schweigen. Ob Bebel zu diesen „Unversöhnlichen" gehörte, ist aus den vorliegenden Berichten nicht zu ersehen. Schwerlich wohl, denn Bebel, dessen energischem und temperamentvollen Vorgehen wieder einmal der Erfolg beschieden war, ist ebenso schnell besänffigt, wie in Hämisch gebracht. Um als Bekehrter eine führende Rolle in der Partei zu erlangen, dazu ist Bernstein zu sehr Theoretiker. Er wird wahrscheinlich jetzt ebenso in den Hintergmnd treten, wie Abg. Schip- pel. Treu zu Bernstein gehalten hat bis zum Schluß der als „Opportunist" geltende Abg. Auer. Zwischen ihm und Bebel bestehen gleichfalls tiefgehende Meinungsverschieden - heiten. Doch Auer ist, wenn er auch im Parlament seltener hervortrttt, ein zu gewiegter Praktiker, um zu einem „Stillleben" in der Partei verurteilt werden zu können. Vom Burenkriege. Man meldet aus London: Die heutigen Nachrichten aus Südafrika lauten im allgemeinen günstiger (für die Engländer). Die Gefahr eines Bureneinfalles in Natal scheint abgewendet zu sein. (?) Den „Central News" wird aus Durban vom 27. September gedrahtet, ein Telegramm aus Standerton melde, daß die in der Nähe von Utrecht operierenden fataler Truppen in Fühlung mit den Buren kamen, diese hätten sich zurückgezogen und schienen die Absicht, in Natal einzufallen, gänzliche aufgegeben zu haben. Mennes und Scouts entgingen indes mit genauer Not der Gefangennahme; unweit Platraud wurden sie von einem stärkeren Burenkorps umzingelt, aber sie schlugen sich nach hartnäckigem Kampfe mit Verlust von zwei Toten und zwei Verwundeten durch. Der Burenverlust betrug neun Tote und Verwundete. Als britische Verstärkungen anlangten, verschwanden die Buren. Wie das „Rcutersche Bureau" aus Matjesfontein vom 23. September meldet, haben sich viele Farmer in dem Distrikte von Sutherland mit den Kommandos unter Maritz Louw und Smith vereinigt. Cs mehren sich, so meldet Reuter weiter, die Zeichen dafür täglich, daß die Kap- ko lvnie der Schauplak der letzten Ereignisse des Krieges sein wird. M a I a n rückt nach Suth er land vor, nachdem er in dem Oranje-Freistaat mit Dewet Rücksprache genommen. Major Copper griff Th eron an, der am 22. September die Eisenbahn südlich vom Tvuws-Fluß mit etwa 100 Mann überschritten hat. Der Erfolg des Gefechtes ist nicht entschieden. Scheepcrs ist nach 9ä>rb- weshen über Mairingsposrt durch gebrochen. Es wurde ein Farmer umgebracht, der beschuldigt wird, den Engländern falsche Informationen gegeben zu haben, die es möglich machten, daß Therou die Bahnlinie überschritt. Eine große Burenabteilung unter Botha hat von De- jagersdrift kommend, am 21. ds. Zululano passiert- Sie lagerte am Khandiberg, an der nach Transvaal hin gelegenen Seite. In Bloemfontein klagen die Engländer, daß die Zufuhr an Nahrungsmitteln sehr knapp ist und nicht den Bedürfnissen entspricht, wodurch große Unzuträglichkeiten verursacht worden sind. Gegen zehn Burenführer, die sich seit dem 15. ds. tn englischer Gefangenschaft befinden, wurde auf Verbannung aus Südafrika für immer erkannt. Tas britische Unterhaus hat in seiner letzten Tagung für die „Transvaal- und Oranje-River-Colony" 6 ein Halo Million Pfund auf das Jahr, bis 31. März 1902 als Hilfsfonds bewilligt. Davon sind 1 einhalb Millionen zur Deckung des Defizits bei der Zivilverwaltung Transvaals bestimmt; für das Pvlizeiwesen 2 einhalb Millionen, für die Eisenbahnen 2 Millionen und für Unvorhergesehenes 500 000 Lstz:l. Diese Summen, mit Ausnahme derjenigen für die Polizei, werden als Vorschüsse betrachtet, die aus Den späteren Anleihen für diese Kolonien zurückgezahlt werden sollen. Der Rest für die Polizei soll zu Den Kriegskosten geschlagen werden; welcher Anteil davon dieser „Kolonie" zufällt, soll später entschieden werden. Die von England beschützten Uitlanders und die Goldmagnaten werden diesem Beschlüsse mit gemischten Gefühlen entgegen- l'cQcn. Politische Tagesschau. Der Bruch des Zollbundnifies. Aus Berlin, 25. September, wird uns geschrieben: Immer entschiedener wird von den Zeitungen der ton- servativep Partei die zuerst von agrarischer Seite ausgegebene Parole befürwortet, daß alle Jndustrieschptzzölle im neuen Zolltarifentwurf abgelehnt werden müssen, falls die Mindeftzollsätze für Getreide nicht die Genehmigung der Reichstagsmehrheit fir&en sollten. Besonders ist es die „Kreuzztg.", die den ins Politische übertragenen Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn" mit wachsender Erregung verficht. In starken Zorn ist die „Kreuzztg." durch die Erklärung der westfälischen Nationalliberalen gebracht worden, wonach die preußische Regierung bei einer Erhöhung der Kornzölle alsbald die Kanalvorlage wieder einbringen müsse. Mindestzölle für Getreide werden abgelehnt. „Tas ist", so schreibt heute abend mit urkräftiger Deutlichkeit die „Kreuzztg.", „der Gipfel unverschämter Zumutungen an die Freunde der Landwirtschaft!" Ferner wird in dem Artikel von dem „blanken, baren Egoismus der Liberalen gesprochen, von einer „perfiden Taktik", die in der Dortmunder Erklärung enthalten sei. Wie man sieht, sind die Ausdrücke in diesem Kampf der Geister bereits recht massiv. Eine (Steigerung erscheint kaum möglich Allenfalls steht in der parlamentarischen Debatte noch das Zischen und der Superlativ empörter Kundgebung in dem Psui-Rus zur Verfügung. Aber dieser „Schrei der Entrüstung" ist eine gefährliche Genugthuung, weil er unnachsichtlich mit dem präsidialen Ordnungsruf geahndet wird. Trotzdem dürfte cs manchen geben, der sich „mit Stolz" diese Rüge zuziehen wird, befriedigt, seinem Herzen Lust gemacht zu haben. Der erste Präsident des Reichstags, Graf Ballestrem, geht einer außerordentlich schwierigen, seine ganze Kraft und Umsicht erfordernde Aufgabe entgegen. Uebrigens wird durch die Zolltarif-Diskussionen zwischen der Rechten und der Linken bestätigt, was früher eifrig bestritten wurde: daß nämlich thatsöchlich gewisse Vereinbarungen getroffen waren zwischen den agrarischen und zwischen den industriellen Schutzzöllnern, Vereinbarungen, die im Wirtschaftlichen Ausschuß zur Vorbereitung der Handelsverträge ihre Kraft bewährten, nunmehr aber zu Boden gefallen sind. Dre „Kreuzztg." erhebt gegen die Industrie den Vorwurf, daß von ihrer Seite das Bündnis zwischen Industrie und Landwirtschaft als aufgelöst betrachtet wird. Die Erklämng der westfälischen Nationalliberalen habe noch gerade gefehlt, um darüber auch dem best- gläubigsten Agrarier die Augen zu öffnen. Im Reichstag wird aller Wahrscheinlichkeit nach ein Mehreres über dies Bündnis" und die Verpflichtungen desselben enthüllt werden, wobei gar nicht einmal die Enthüllungs-Spezialisten der äußersten Linken in Aktion zu treten brauchen. Bei den Konservativen ist der Groll über den Bruch des Vertrags, auf der Basis gegenseitiger Unterstützung wirksamer, d. h. hoher Schutzzölle, derart heftig, daß rückhaltlos die Akten ofiengelegt werden. Zwischen Zentrum und Polen dauert die P r e ß f e h d e an. Bereits im vergangenen Jahre während der parlamentslosen Zeit begann der Streit. Die polnischen Blätter werfen den Herren vom Zentrum vor, daß sie sich nicht energisch genug der Interessen der „entrechteten" Polen annähmen, und drohen, die „Heeresfolge" zu versagen. Man verlangt, daß die polnisch-nationalen Forderungen den katholisch-kirchlichen gleichwertig erachtet wnd oehandelt werden, und entrollt u. a. die düstere Perspektive, daß für die Wiederwahl des Reichs- togöpräfibcnten Graf Balle st rem in seinem oberschlesi- schcn X-u.y,.reife so gut wie keine Aussichten eröffnet der soll geneigt sein, seiner Mutter alle königlichen Ehren freiwillige Unfallversicherung Lei der staatlichen Versichere einzuräumen und ihr auch aus seiner Zivilliste eine Jahres- ungs-Anstatt. = Hieran reihte sich noch eine längere De- apanage zu gewähren, falls sie sich mit der Königin Draga versöhnen wollte. Petersburg, 25. Sept. Ter Zar wird sich dem- bätte. r-^ Zum Schluß wurde aus der Versammlung der Antraa gestellt, darauf hinzuwirken, daß in Gießen oder Lich eine Beschäl st ation errichtet würde. — An die Ver- ammlung schloß sich ein gemeinsames Mittagessen. Bürgermeister Köhler-Langsdorf protestiert gegen die gleiche Wahlart bei der Wahl des Ausschusses, besonders gegen die Wahl des in Vorschlag gebrachten Bürgermeisters von Gießen. Er begründet e§ damit, daß die Landwirte Stolz genug haben müßten, um sich zusammen zu schließen und den Fehdehandschuh aufzuhcben, den die reihändlerisch gesinnte Stadt Gießen und deren Presse (? Uns ist von einer freihändlerischen Gesinnung der Gießener Presse nichts bekannt! Der „Gieß. Anz.", und er allein kommt ja hici- in Betracht, ist unausgesetzt bestrebt, wie über alle poli- tim)en Vorgänge, auch in Dingen der Handels- und Agrarpolitik, rein sachlich seine Leserschaft zu orientieren und weder mit der einen noch der anderen Seite zu liebäugeln, wie das andere Blätter in merkwürdiger Zerfahrenheit thun. Für uns haben die Handels- wie die landwirtschaftlichen Interessen genau das gleiche Interesse und wir berichten au§ beiden Lagern stets ohne jede Voreingenommenheit nach einer be- timmten Richtung hin. Herr Köhler weiß das übrigens ganz genau. Gerade der „Gieß. Anz." war es z. B., der einen, wie selbst seine „Dtsche. Volksmacht" s.Zt. ausdrücklich anerkannte, rein sachlichen Original-Artikel von stattlichem Umfange über das Bauernbundesfest in Langd veröffentlichte. Schon daraus werden unsere Leser zu ermessen wissen, welche Berechtigung diese neuerliche Köhler'sche Unterstellung hat. D. Red. d. „Gieß. Anz.") den Landwirten hingeworfen habe. Gegen Herrn Mecum persönlich habe er nichts, aber er sehe nicht ein, warum man den Vertreter der Stadt Gießen in den Ausschuß wählen solle. Daran schließt sich eine heftige Debatte, in welcher die Ausführungen des Herrn Köhler teilweise heftig zurückgewiesen werden. Vor allem wird auf die noble Haltung der Stadt Gießen und ihrer Einwohnerschaft aufmerksam gemacht, und besonders die finanziellen Opfer der Stadtverwaltung und die eifrige Mitarbeit des vorigen Bürgermeisters, des jetzigen Finanzministers Gnauth, außerordentlich lobend erwähnt. Als die Wahl zur Abstimmung kam, erhob sich kein Widerspruch, Herr Mecum wurde einstimmig gewählt. Aus Stadt und Kund. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 26. September 1901. * PevsoualuachrichUN. Der Großherzog hat dem Musikdirektor Philipp Schmitt zu Darmstadt den Charakter als Professor erteilt und dem Kapitän des Dampfbootes bei dem Großh. Wasserbauamt D?ainz Peter Frank das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ver- liehen. — Ernannt wurden die Militäranwärter Adam Scheide! und Wilhelm Ranft in Mainz zu Hilfsgerichts, schreibern bei den Untersuchungsrichtern am Landgericht der Provinz Rheinhessen mit Wirkung vom 1. Oktober 1901 an. — In den Ruhestand wurde versetzt der Gefangenwärter an dem Hastlokale in Friedberg Adam Heck mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts seines Nachfolgers an und unter Anerkennung seiner langjährigen Dienste. •• Zur Staufenberger Gemeinderattwahl. Gestern veröffentlichten wir eine Korrespondenz aus Staufenberg über die am 23. d. M. dort erfolgte Gemeinderatswahl. Heute teilt uns der in den Gemeinderat gewählte Herr Bureaugehilfe Heinrich Becker NI. von der Main-Weser-Hütte mit, daß er keineswegs, wie in jener Korrespondenz gesagt worden ist, der Sozialdemokratie angehört, daß er vielmehr dem politischen Parteiwesen überhaupt völlig fern steht; es scheine hier die Absicht vorzuliegen, ibn persönlich zu verdächtigen. Wir geben diese Erklärung des Herrn Becker gern wieder und werden keinen Anstand nehmen, den Einsender dieser werden können. Gras Ballestxem wie die katholischen Magnaten Schlesiens überhaupt erscheinen nämlich« den dortigen Polen allzusehr „wm deutschen Geiste durchdrungen". Selbstverständlich nehmen die Polen hier den Mund voll, um im Zentrumslager Bestürzung hervorzurufen. In Wirklichkeit ist an eine Erschütterung des „Zentrumsturmes" in Oberschlesien nicht zu denken, solange die dortige Geistlichkeit ihn stützt. Tie polnische Presse bellt, doch die polnischen Parlamentarier beißen nicht. Sie sind bisher mit oem Zentrum gegangen und werden es wohl auch in Zukunft thun, wenn sie nicht der Bedeutungslosigkeit anheunsallen wollen. Die polnische Bevölkerung nimmt an diesen Dingen übrigens nicht derart Anteil, wie die polnische Presse glauben zu machen sich bestrebt. Deutsches Deich. Berlin, 25. Sept. Aus Rominten wird gemeldet: Wie alljährlich, so besuchte das Kaiserpaar auch in diesem Jahre die von chm erbauten Arbeiterwohnungen und unterhielt sich eingehend mit den Bewohnern. — Die Jagdbeute des Kaisers beträgt bisher zwei kapitale Achtzehnender. — Auch die Kaiserin wird sich demnächst nach dem benachbarten Grenzstädtchen Wyschtyten begeben, um die Brandstätte dort in Augenschein zu nehmen. — Wie aus gut unterrichteten militärischen Kreisen mit- geteilt wird, ist demnächst zu erwarten, daß der Groß- herzog von Baden, sowie der Prinzregent Albrecht von Braunschweig von ihren Stellen als Armee-Inspekteuren zurücktreten. Als Nachfolger des badischen Fürsten wird General-Oberst Graf v. Haeseler, der kommandierender General des 16. Armeekorps in Metz ist, genannt, und für den Prinzen Albrecht soll General v. Lentze, der kommandierende General des 17. Korps in Danzig, die Armee- Inspektion in Berlin erhalten. — Ein Exzeß auf dem Kreuzer „Gazelle", deffen Kommandant der vielgenannte Korvettenkapitän Neitzke ist, fand, während das Schiff auf der Danziger Rhede lag, statt. Die Mannschaften begingen Unbotmäßigkeiten, die gegen da8 Kommado gerichtet waren. Die an dem Exzeß Beteiligten warfen Verschlußstücke der Geschütze und Schiffsinventarstücke über Bord. 15 Mann wurden bereits in Untersuchungshaft genommen. Die Reservisten des genannten Kreuzers find bisher nicht zur Enlassung gelangt. — Am 1. Oktober feiert der General der Infanterie z. D. Alexander v. Spitz sein bOjähriges militärisches Dienst- fubiläum. — Der Aufenthalt des Prinzen Tschun in Deutschland geht seinem Ende entgegen. Der Prinz wird in den letzten Tagen dieses Monats seine Rückreise nach China antreten, und zwar fährt er direkt nach Genua, wo seine Einschiffung am 1. Oktober erfolgen soll. — Nach einer Meldung aus Rudolstadt verbot die Regierung 14 von den Sozialdemokraten einberufene Versammlungen, in denen über die Versammlungs- und Vereins-Freiheit im Fürstentum Rudolstadt referiert werden sollte, weil die einberufenen Versammlungen als eine Demonstration gegen den Staat zu erachten seien. — Entgegen der^Mitteilung einiger Börsenblätter, daß die Regierung sich beeilen werde, dem Reichstage bei seinem Wiederzusammentritte eine Novelle zum Börsengesetze vorzulegen, die den Wünschen der Börse in einigen Punkten entgegenkommt wird „von kundiger Seite" versichert, daß weder die preußische Regierung noch die Peichsregierung über die sogen. Börsengesetzrefornr bisher irgend welchen Beschluß gefaßt haben. Es wird im Gegenteil angenommen, daß die Regierung keine Neigung haben werde, vor Erledigung des Zolltarifs und des Zolltarifgesetzes die Abänderung des Börsengesetzes ihrerseits in Angriff zu nehmen. — Wie die „Staatsbztg." mitteilt, ist der Verlagsbuchhändler Dewald heute Mittag aus der Haft entlassen worden, nachdem Gesinnungsfteunde desselben die Strafe von 100 Mk. bei Gericht eingezahlt hatten. — Der fünfte Kongreß der durch Vertrauensmänner zentralisierten Gewerkschaften Deutschlands hat hier gestern getagt; tiefbetrübt teilte der Bäcker Klammeck mit, daß die Bäcker ihren Verpflichtungen nicht nachkommen konnten, weil der Kassierer der Organisation die ganzen Gelder unterschlagen hat. (Es muß eine wunderbare Kontrolle gewesen sein, wenn der Kassierer die ganzen Gelder unterschlagen konnte.) Danzig, 25. Sept. Von den in Thorn verurtellten bezw. freigesprochenen 15 polnischen Abiturienten wurden sieben zu der mündlichen Abgangsprüfung zugelassen, acht wegen mangelnder sittlicher Reife zurückgewiesen und wegen Teilnahme an einer unerlaubten Schülerverbindung von ihren Anstalten verwiesen. — Der Kaiser sprach in einer KabinetS- ordre an General v. Lentze seine besondere Zufriedenheit mit der Haltung und den Leistungen des 17. Korps aus. Ausland. • t Llondott, 25. Sept. Ein Telegramm der „Times" aus Tokio enthält den Wortlaut des vom Kaisern onChina an den Kaiser von Japan gerichteten Entschuldigungsschreibens. Ter Kaiser von Chma druckt hierm sein tiefstes Bedauern aus, daß der japanische Gesandt- chaftssekretär Sugiyama das Opfer wüder Leidenschaften wurde. Ter Kaiser von Japan sprach rn fernem Antwortschreiben die Ueberzeugung aus, daß die Beziehungen beider Länder in Zukunft immer enger würden, und druckte die ernste Hoffnung aus, daß der Friede durch das vom Karfcr von China zu erwartende große Reformwerk dauernd ge- ^bHÄ^i^25. Sept. In Le Haye du Puits veranstalteten die Truppen gegen den General Houry eine Kundgebung, weil der General nach, den Manöver» emen größeren Marsch angeordnet hatte, obgleich die gruppen total ermüdet waren. Die Reservisten sangen revolutionäre Lieder und verweigerten den Weitermarsch — Wie aus halbamtlicher Quelle verlautet, ist die Ausnahme einer bedeutenden russischen Anleihe rn Frankreich bei dem Zarenbesuch zwar erwähnt, auf Verlangen einer bedeutenden französischen Persönlichkeit aber vertagt worden. Dieselbe dürfte nickst vor Mitte nächsten »Jahres zum Abschlüsse gelangen. Belgrad, 25. Sept. Ein Vetter der Königin Natalie, Fürst Demeter Murussi aus Odessa, ist hier eingetroffen, wie es heißt, auf Ersuchen des Königs Alexander, um zwischen diesem und Natalie zu vermitteln, damit die letztere ihren L.egW. fcte Königin Draga einstM, König Alexan- falschen Nachricht wegen groben Unfugs zu belangen. — Rattmpia-e. Die Anwohner der Wieseck können sich in diesem Jahre vor Ratten nicht retten. Die Tiere laufen am hellen Tags auf den Höfen der Grundstücke der Südanlage umher. D'as Aufftellen von Füllen hat wenig Wett, da nur wenige Ratten dumm genug sind, hinein zu gehen. Zur Vertilgung des Ungeziefers empfiehlt eS sich, wenn hier gründlich vorgegangen werden soll, Gift zu legen, was nur, wie eine Zuschrift an uns meint, die Stadt, die Eigentümerin der Ufer der Wtzseck ist, kann. Ratten sind ja bekanntlich die Träger und Verbreiter vieler Krankheiten und schon um deswillen sollte man behördlicherseüs diesen energisch den Garaus machen. •’ Jubiläum. Heute begeht der Schneidermeister Georg Bingel in Gambach die 25jährige Wiederkehr de8 Tages, an dem er für die Firma I. Schmücker in der Marktstraße hier die erste Arbeit fertigte. Er hat diese Arbeit als Lehrling seines Vaters hergestellt, dessen Geschäft er nach beendeter Militärzeit übernahm. 25 Jahre war er der Finna ein treuer Mitarbeiter. Herr Siesel, der jetzige Inhaber von Schmücker Nachfolger hat den Gambacher Meister auS Anlaß des seltenen TageS mit einer Dedikation bedacht. " Verlegung deS Ctadtbauamts. Wie wir hören, rotrb das Stadtbauamt Anfang Oktober seine Diensttäume auS dem Bürgermeistereigebäude nach dem gemieteten Hause deS Prof. Thaer in den Neuen Bäuen verlegen. •* Heimkehr unseres Regiments. Gestern kehtte das Jn- fantette - Regiment „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 aus den Manövern in seine Garnison Gießen zurück. Die ursprünglichen Bestimmungen, nach denen die Rückkehr des Regiments, wie wir mitteilten, kurz vor Mitternacht erfolgen sollte, hatte insofern eine Aenderung erfahren, als es mit zwei Extrazügen hierher befördert wurde, von denen der erste, der das 1. und 2. Bataillon beherbergte, schon gegen halb 10 Uhr hier ein* traf. Mit klingendem Spiel marschierten die Bataillone w die Kaserne. Gegen halb 12 Uhr kam daS 3. Bataillon hier an. — Morgen vormittag findet die Entlassung der ausgedienten Mannschaften zur Reserve statt. - Wittwenkaffe der hessischen Volksfchnllehrer. Die Sterbe- kasse der hessischen Volksschuttehrer, die zu Ehren des früheren aroßh. Paares den Namen „Ludwig- und Alicestistung" führt, wird vom 1. April 1902 ab, durch eine Wtttwen- pensionskasse erweitert werden. Die Kasse wird gegründet, in der vorgezeigten Richtung damit ein Anfang gemacht werden, daß man an Den Fortbildungsschulen landwirt-j schaftlichc Buchführung betreibe, doch warne er davor, daß? man durch Volksschullehrer auch landwirtschaftlichen fach^ wissenschaftlichen Unterricht erteilen lasse. — Auf Antrag des Vorsitzenden stimmt die Versammlung den Ausführungen zu," und beauftragt Oekonomierat Leithiger, etwa1 mögliche Schritte in dieser Richtung zu thun. Negierungsrat Boeckmann betont, daß die Volksund Fortbildungsschule ihren allgemeinen Charakter behalten müsse, und daß man sich höchstens durch eine Jnsatz- stunde helfen könne. Tie weiteren Posten der Rechnung nebft Erläuterungen werden debattelos erledigt. Am Schluß wird noch einmal । auf den großen Nutzen des gemeinsamen Bezugs von Futterartiteln und künstlichem Dünger aufmerksam gemacht. Tie Amtsperiode des Vorstandes und des Ausschusses ist abgelaufen, und cs mußte deshalb Neuwahl stattfinden. Der seitherige Vorstand wurde durch Zuruf wiedergewählt, ebenso der Ausschuß. In den letzteren wurden neu gewählt Fülbert und Schneider-Utphe, Klein und Heller- Lich, Dr. Schmidt-Gießen und als Vertreter der Stadt Gjicfjcn Bürgermeister Mecum. Die Versammlung giebt darauf ihre Zustimmung dazu, daß Georgi- Gießen zum Ehrenmitglied ernannt wird. Dann erhält Bürgermeister Heller-Lich das Wort zu seinem Vortrage über seine Studienreise nach Ober-Baden. Er schildert die Art der Viehhaltung, die von den hiesigen Zuchtzielen verschieden fei, die dortige Fütterungsart und verbreitet sich ganz besonders über die dortige Bullenhaltung. An die klaren und sehr lehrreichen Ausführungen schließt sich eine Debatte, an der sich hauptsächlich« Dr. Schmidt-Gießen, Oekonomierat Leithiger, Regierungsrat Boeckmann und T«r. Fülbert beteiligen. Sodann hält Regierungsrat Boeckmann einen Vortrag über Lebensversicherung, in dem er für Landwirte, sofern es nur einigermaßen möglich ist, den Abschluß einer solchen Versicherung am besten auf abgekürzte Dauer empfiehlt. Als gute Versicherungs-Anstalt wird der Stuttgarter Versicherungs-Verein empfohlen. Agenten aus den landwirtschaftlichen Kreisen sollen sich melden, die die Abschlüsse besorgen können. Nach kurzer Diskussion giebt dann - Regiermigsrat Boeckmgn.v, noch LZr.lMeMNg.eu üher die nächst von Spala zu den im Warschauer Militärbezirk stattfindenden großen Manövern begeben. New York, 25. Sept. Ter Anarchistenschrecken bewirkt, daß vereinzelte Sozialisten Verfolgungen ausgesetzt sind. So wollten beispielsweise in Sedalia (Missouri) die Bürger die Abhaltung des sozialistischen Staatskonvents verhindern und in Camden hat der Mayor Reden von Sozialisten in der Wahlkampagne für die Staatswahlen verboten. Buffalo, 25. Sept. Czio lgosz blieb während der ganzen Verhandlung gestern bewegungslos mit verschlungenen Armen auf dem Stuhl sitzen und starrte unverwandt auf dem Boden; selbst während die . Jury sich zurückgezogen hatte, erhob er weder sein Haupt noch seine Augen, noch schien er sich bewußt, daß er der Gegenstand des allgemeinen gespannten Interesses war. Die Gespräche und Geräusche ringsum störten ihn nicht, und kein Zeichen verriet, daß er sie wahrnahm. Auch der Wahrspruch ließ ihn absolut unberührt. Ezolgosz' Rechtsanwalt erklärte, zwei hervorragende Irrenärzte hätten den Angeklaaten für zurechnungsfähig erklärt. Dieses Gutachten habe den Ver- uch der Verteidigung, den Beweis des Gegenteils zu unter» nehmen, vereitelt. Generalversammlung des landwirtsch. Bezirk Vereins. (Originalbericht des „Gieß, Anz.") ** Lich, 25. /o do. . . . . 3‘/a% Hessen . . . 50/0 Italien. Rente , . 4’/0 Griech. Monopol-Anl. 35/o Portugiesen . . . 8O/0 Mexikaner . . * 4i/g0/g Chinesen . » . bald eine Versammlung eiuzuberufen zur Stellungnahme zur Zolltariffrage. Köln, 26 Sept. Gestern begann vor dem Schwur« gericht unter starkem Andrang des Publikums die Verhandlung gegen den Möbelfabrikschreiner Dies! er. der in der Nacht zum 12. Februar versuchte, seine Frau und seine 7 Kinder und daun sich selbst zu ermorden. Der Angeklagte giebt au, ans Not gehandelt zu haben, weil er stellenlos war und keine Nahrung für seine Kinder schassen konnte. Es wird ihm allseitig das beste Leumundszeugnis ausgestellt Seine Ehe fei glücklich gewesen bis zum Eintreten der Stellungslosigkeit- Chemnitz , 26. Sept Die Polizeibehörden sämtlicher sächsischen Jndustriebezirke verboten die Anwendung der pol- nischeu und tschechischen Sprache. Weimar, 26. Sept. Ernst v. Wildenbrnch hat ein neues großes Trauerspiel, vollendet, das den Titel „König Lau rin" hat. Das Stück schildert die Anfänge der Kämpfe zwischen dem Reiche der Ostgoten und dem Kaisertum Byzanz. Metz, 26. Sept. Heute früh wurde in dem Pfarrhaufe zu Peltre ein Einbruch verübt. Es wurden Wertpapiere in Höhe von 23 200 Mk. gestohlen. Von dem Thäter fehlt jede Spur. Antwerpen, 26. Sept. Die Bnreukommaudauten Laun und Plockaby hielten gestern in einer von vielen Tausenden besuchten Versammlung Vorträge über den Bureukrieg. Hierauf wurde ein Umzug durch die Stadt improvisiert, wobei die Menge ’S* Anfällen beteiligt zu sein. — Auf dem Neubau der Ge- meindeschule im Norden Berlins stürzte der Dachstuhl ein und begrub 5 Zimmerleute. Einer derselben wurde schwer verletzt. — In der Gasanstalt zu Oberschönweide stürzte ein im Bau befindliches Gewölbe ein. Ein Arbeiter wurde getötet. — T>er im August verstorbene Rentier Korte setzte die Gemeinde Berlin zur Universalerbin seines Vermögens von etwa 150000 Mk. ein, das zur Vergrößerung des bereits bestehenden Kinderasyls dienen soll. Höchste Temperatur am 24.-25. September + 21,3' C. Niedrigste w „ .. » 1o.n0 Telephonischer- Kursbericht. Frankfurt a. ML., 26. September. Gerichtsstml. Dresden, 25. Sept. Vor dem hiesigen Schöffengericht sollte heute der Prozeß gegen den Mitarbeiter der sozialdemokratischen „Sächs. Arbciterztg.", Lebius, wegen Beleidigung des Offizierkorps verhandelt werden. Die Klage ist aus der bekannten Affäre des Hauptmanns v. Beust und des prakt. Arztes Dr. Schaumann entfuningen. Tn der Angeklagte zum Termin nicht erschienen war, wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen. WeümnrM. OriginaldrahrmeLdmrgerr des Gießener Anzeigers. Darmstadt, 26. Sept. GroUürß Nikolaus von Rußland ist gestern abend in Schloß Wokssgarten ein- getroffen. Berlin? 26. Sept. Die „Nattib. Korrefp." schreibt: Wie rms von einer dem Zentrmnsaögeordneten Dr. Lieber nahestehenden Seite angedeutet wurde, ist die neuerliche Erkrankung des Parteiführers wesentlich darauf zurückzuführen, daß er wegen dec Behandlung der politischen Frag«? seitens des Zentrums sehr ernstliche Auseinandersetzungen mit einem Teil feiner Parteifreunde hatte. Berlin, 26. Sept. Der „Vorwärts" meldet, daß auf dem Lübecker Parteitage allgemeine Freude über die Erklärung Bernsteins herrsche. Viele Genossen, die für die Resolution gegen Bernstein eingetreten seien, hätten ihm die Hand gedrückt. die Pferde an den Wagen der beiden Dureusöhrer ausspamn* und diese im Trinmph durch die Straßen zog. Wahrend der Versammlung ergriffen auch Zwei Engländer daS Won und sprachen gegen den Krieg. t ... Neapel, 26. Sept. Seit gestern abend ist kein neuer Pestfall vorgekommen. . . Ä Marseille, 26. Sept. Auch an Bord des Dampfers ..Senegal" wurde kein weiterer Pestfall konstatiert. Morgen werden die Paffagiere aus der Quarantäne eutlaffcu werden. Bad Salzbrunn, 26. Sept. Heute voruuttag wurde die Generalversammlung des Vereins der Kurärzte und Mineral- quellenintereffenten Deutschlands, Oesterreich-Ungarns und der Schweiz eröffnet. Laibach, 26. Sept. Die heute aus Triest in Wien ein- getroffenen Ehiuatruppen werden aus dem Bahuhof festlich bewirtet werden. Die Offiziere der hiefigeu Garuiso" geben ,ben deutschen Offizieren aus dem Bahnhof ein Souper. Um y38 Uhr erfolgt die Weiterreise. Berlin, 26. Sept. Eine öffentliche Protestversammlung gegen den Zolltarif-Entwurf hatte die freisinnige Volkspartei gestern abend einberufen. In der sehr stark besuchten Versammlung hielt zunächst Albert Träger eine einleitende Anspracl)e. Tie Redner des Abends, darunter Fräulein Tr. Anita Augspurg unb Dr. Siem er sprachen sich sämtlich gegen den Zolltarif- Entwurf aus. Es wurde eine Resolution gegen die Erhöhung der Lebensmittelzölle und den Minimaltarif sowie eine solche gegen die beabsichtigte Monopolisierung der Milchversorgung Berlins durch die Agrarier angenommen. Berlin, 26. Sept. Ter Rentier Friedrich Nack aus Wesendahl, ein Greis von 70 Jahren, und seine 20 jährige Enkelin, die Bauerntochter Martha Pretsch, sind gemeinsam in den Tod gegangen, nachdem es sich herausgestellt hatte, daß die Pretsch ein Kind bei feite geschafft hat, dessen Vater der Rentier Nack war. Berlin, 26. Sept. Der Bankier Karl Notschild, der in der Spandauerstraße Nr. 44 etabliert war, hat sich vor ungefähr zehn Tagen aus Berlin entfernt. Tie Summe, um welche Rothschild seine Gläubiger geschädigt hat, beläuft sich, soviel bis jetzt feshgestellt ist, auf 60000. Mark, doch soll damit die Schuldenlast noch lange nicht erschöpft sein. Wie e§ heißt, hat Rothschild, der aus- Baden stammt, sich, mit seiner Familie nach Amerika be- Vermischtes- * Ein Denkmal der Kaiserin Friedrich in Berlin. Ter Kaiser hat die Absicht, seine verewigte Mutter, die Kaiserin Friedrich, durch ein Denkmal zu ehren, das vor dem Brandenburger Thor seinen Platz erhalten wird, und dann als Gegenstück zu dem schon in Arbeit befindlichen Kaiser Friedrich-Denkmal gedacht ist. Der Platz am Eingang des Tiergartens soll eine Umgestaltung erfahren. Tie dort vorhandenen unansehnlichen Springbrunnen und Bänke werden beseitigt, und durch vornehmere Brunnenanlagen und Ballustraden aus Marmor ersetzt. Für diese Arbeiten und Anlagen sind 311000 Mark als Ausgaben vorgesehen. Während um das Kaiser Friedrich- Denkmal zwischen der Charlottenburger Chausse und der Friedensallee, mit dem Blick nach dem Brandenburger Thor, aufgestellt wird, war über das andere Monument, zwischen der Chaussee und dem Ahomsteig, bisher noch nichts bekannt geworden. Man nahm an, der Platz solle für ein Standbild freibleiben, das dereinst dem regierenden Herrscher errichtet werden würde. Thatsächlich hat, wie sich jetzt herausstellt, der Kaiser von vornherein etwas ganz anderes im Sinne gehabt. Der Auftrag für das Denkmal der Kaiserin Friedrich ist bereits vergeben, und einem in Italien lebenden deutschen Künstler zu teil geworden. Tas Denkmal wird aus Marmor sein, und die Gestalt der Kaiserin dürfte voraussichtlich ebenfalls von zwei Büsten begleitet werden. Dem Kaiser Friedrich sind, wie man weiß, Generalfeldmarschall Graf Blumenthal und Helmholtz Beigegeben. Tie Gruppe ist von Pvof. Brütt modelliert und wird setzt vom Bildhauer'Tübbecke in Marmor aus- geführt. ------ — - --------- * Heber den Automobilunfall bei Fauquemont!worden waren, ist gestern in Könrgswusterhausen ein Mann (Valkenburg) in der holländischen Provinz Limburg (siehe I verhaftet worden. Der dringend verdächtig ist, an diesen unsere gestrigen Draht-Meldungen) wird heute gemeldet, jj Ansällen beteiligt zu sein. — Auf dem Neubau der Ge-> daß auf der abschüssigen Straße die Bremse des Autc^ mobils versagte, worauf das Gefährt gegen ein Thor raste und zertrümmert wurde. Der zu den holländischen Ma- növern kommandierte preußische Oberstteutnant v. Zieg- n» a. auch Bebel und «Stadthagen- ^uimauo eiugeorungen- waren, yaoen oie vgccny: iuiculu Kölu, 26. Sept. Der hiesige Windhorstbuud beschloß,^überschritten. Tic allgemeine Tendenz der verschiedenen das Zentralwahlkomitee der Zentrumspartei aufzufordern, als-»Buren-Kommandos unter Botha scheint die zu sein, nach September . Barometer auf 0° 1 reduziert B c 5 H der Lust Absolute Feuchtigkeit Relative Feuchtigkeit 25. 225 744,2 + 20,2 13,4 76 25. 9,& 745,1 4- 14,3 11,9 98 26. 7" 746,6 + 14,7 12,0 97 ... . . • / ' Danksagung Für die vielen wohlthuenden Beweise warmer und aufrichtiger Teilnahme beim Ableben unserer teueren Mutter Frau Johanna Kann sagen herzlichen Dank Die trauernden Hinterbliebenen Giessen, den 26. September 1901J 6427 g ÄMWWMWWW'P^WUUWK ■ W-KtzM < Kaufmännische Fachschule. Danksagung Für die liebevolle Teilnahme bei dem unerwarteten Hinschciden unseres guten, treuen Gatten und VatevS sagen herzlichen Dank Die trauernde« Familien: Plack M Wring. Bad-Nauheim, den 25. Septbr. 1901. 6422 •W K Wir bringen hierdurch zur öffentlichen Kenntnis, daß das Winter-Semester unserer Schule Dieusiag den 1. Oktober a. c* beginnt. Gleichzeitig wird auch in diesem Winter wieder ein Damen-Kursus abgehalten. Anmeldungen zum Besuche der Schule und des Damen- Kursus können vom 25. September an täglich von 12—1 Uhr -lachmittags bei unserer Schulleitung — Schillerstraße 5 — 'owie am 29. und 30. September, abends von 9—10 Uhr, in der Schule — Nordanlage 15 — erfolgen. Die Eröffnung der Fachschule ist auf Dienstag deu L Oktober, abends 8*/z Uhr, des Damen-Kursus auf Samstag den 5. Oktober, nachmittags 2 Uhr, festgesetzt Md wollen sich die Angemeldeten an diesen Tagen pürcktlich Ä der Schule einfinden, um Stundenplan, Satzungen und rndere Mitteilungen entgegen zu nehmen. Das Schulgeld beträgt: 1. Für einfache Buchführung, Korrespondenz, Rechnen, Wechsellehre und Handelsgeographie zusammen 15 Mk. 2. Für doppelte Buchführung . . . 10 3. Für Französisch und Englisch, je ^ .... 15 „ NB.: Wer Korrespondenz, Wechsellehre oder Rechnen in Klasse 1 besucht, hat für doppelte Buchführung nur 5 Mk. zu zahlen. 4. Für Damen-Kursus (einfache Buchführung, Rechnen, Schönschreiben, Korrespondenz und Wechsellehre) 20 , 5. Für Schönschreiben ♦ . ♦ 3 „ 6. Für Stenographie ♦ * . / . 4 . . . . 5 n 7. Für Maschinenschreiben ........ 10 „ Schüler, deren Prinzipäle oder Väter nicht Mitglieder des Kaufmännischen Vereins sind, zahlen für pos. 1, 2, 3 4nd 6 das doppelte Schulgeld. Auf Ansuchen können durch die Schullommission ganze oder halbe Freistellen bewilligt werden. Der Besuch der kaufmännischen Fachschule befreit vom Besuch der obligatorischen Fortbildungsschule. Wir ersuchen nun die Herren Prinzipäle und Geschäftsführer, unsere Schule zu unterstützen, indem sie ihr Gehilfen- Personal darauf aufmerksam machen, sie zum regelmäßigen Besuche der belegten Unterrichtsstunden anhalten und ihnen die nötige Zeit — namentlich auch zum Besuche des Tagcs- ünterrichts — gütigst gewähren. . 6407 Die SchulkommisSoll der haofm. Fachschule. Ernst Chaliier (Rudolphs Nacht) Giessen. Spezial-Geschäft für Musikwaren aller Art. Grosse Auswahl, solide Preise. Illustrierte Preisverzeichnisse gratis und franko. Musikalien-Handlung und -Leihanstatt. 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