Zweites Blatt. Nr. 174 Samstag 27. Juli ltM)l Zetteln "d h» ^23 'Ol 85’ti;. D l ^NoteMeÄ^ ern, W ju gen Nedaktion, Expedition und Druckerei: Lchnlstrahe 7. Adresse für Depeschen; Anzeiger Sichen. FernsprechanschllihNr.bl. 151. Jahrgang. i Don m. 000 einet Queren ßnS, Md em oloniLlvarrv Met iumM bei 15OOO M zst «erlauft Tü tti vorhanden ist, nach Knrichlvlig fleni fein, N nd sehr fleräumtfl Javvtstraße litflV u.-M- N und l Cfletten unter ■ Aped erbeten. China. In Weihaiwei sind die Befestigungsarbeiten eingestellt worden. Tie Kaufleute und Grundeigentümer sind darüber ungehalten, da sie fürchten, daß die von ihnen kürzlich erworbenen Rechte nicht genügend geschützt sind. Nach aus der iNongolei in Brüssel eingetroffenen vom 9. Mai datierten Nachrichten weilt der Nachfolger des ermordeten Bischofs Hamer, der apostolische Vikar Bermyn, gegenwärtig in Santaoho im Nordwesten des Ordoslandes, wo sich .Prinz Tu an aufhält. 2000 Christen seien dort dem Hungertode nahe. Bermyn habe von dem französischen Gesandten in Peking europäische Soldaten oder Waffen und Munition erbeten, jedoch keine Antwort erhalten. Tie Mongolen bedrohten die Christen fortgesetzt mit dem Tode. Tas Erscheinen einiger hundert europäischer Soldaten würde genügen, um die Mongolen niederzuhalten. Bermyn fordert die Rückkehr der 15 jüngst über Rußland heimgekehrten Missionare, um den in Not befindlichen Christen zur Seite zu stehen. Ter „Standard" meldet aus Shanghai vom 24. Juli: Chinesischen Meldungen zufolge erlitten chinesische und russischeTruppen im Südvsten der Mandschurei eine ernste Niederlage durch Aufftändische. Die Letzteren zerstören jetzt die Telegraphenlinien. t Aus Hongkong wird gemeldet: Nachdem der Lloyp- dampfer „Bayern" mit dem Prinzen Tschun hier eingetroffen war, begab sich der Prinz sofort in das Regierungsgebäude; später gaben ihm die in Hongkong ansässigen chinesischen Großkaufleute ein Festmahl. Am Nachi- mittag erwiderte der Gouverneur den Besuch des Prinzen, worauf die „Bayern" die Reise nach Deutschland fortsetzte. Im englischen Unterhause stellte Lambert (Liberal) die Frage, ob die Regierung bestimmte Zusicherungen von der deutschen, französischen und japanischen Regierung verlangt habe, daß deren Truppen nur zeitweilig in Shanghai stationiert sein sollten. Unterstaatssekretär Cranborne entgegnete, der Tag der endgiltigen Räumung Shanghais wie der anderen von den verbündeten Truppen besetzten Orte sei noch nicht festgesetzt. England habe aber keinen Grund, anzunehmen, daß irgend eine der genannten Regierungen ihre Truppen dauernd in Shanghai zu belassen wünsche. — Der französische General Voyron ist abberufen worden. S.. M- S. „Bussart/' ist am 23. Juli in Chinkiang und S. M. S- „Iltis" am 23. Juli in Kanton eingetroffen. S. M. S- „Säger" ist am 23. Juli in Mukiang eingetrossen und geht am 25. Juli von dort wieder in See. tah6 0> 35 sf«. 8$ W otagen) '-45,2 M. ■■85 3 m 1.50 M. 2.80 Mr. 170’»«««. l.»5 M. lO,öÜH. frzichvg tle bet Ehe. ’n 5188 Sticker. ebfe unb reine ,#r unb ibtet 'tuen lügt.' i. e\t ■’Rx. T. biene dü lubinm,ber$Qtei hne mit auf die i, unb hoffentlich t frei genug von )erie, um es bet et ju empfehlen.' t Germania.“ »ben 4 M. Lrscheiut ISgllch mit Ausaahme bei Montags. füe Gießener ZamUlen- lätter werben dem An« xeifler im Wechsel mit „Hess. Landwirt" unb „Blätter Kr Hess. Volkskunde" vier- al wöchentlich beigelegt. pauahme Don Unielgen in der nachmittag« für den folgenben Tag erscheinenden Kummer bi« vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten« abend« vorher. vczugrprels vkrtrltShrl. Dtt. 2.20, monatl. 75 Pfg. mit Bringerlohn: d . : t-tt Abholestcllrn vicri zährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Pfg. Bei Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgelb. Alic Anzciaen-Ber-mittlung», stellen dco In- und AuSlande« nehmen Anzeigen für den (Liepener Anzeiger entgegen. Zeilcnprciü. lokal 12 Psg^ auvwärt« 20 Pfg. at, SSL •SS* ®e ift Gartenbau-Zölle. Meder ist ein Zipfel des Schleiers gehoben worden, \ der den Zolltarifentwurf verhüllt. Tie in der „Deutschen i stAärlnerztg." mitgeteilten Sätze für die Erzeugnisse des ; ^Gartenbaues sind als authentisch zu betrachten. Das jGartenbaugewerbe gehört zu denjenigen Interessenten- ■ gruppen, deren Mitglieder sehr verschiedener Ansicht sind über die Zweckmäßigkeit eines Zollschutzes. Eine Anzahl Handelsgärtner und Blumengärtner hat den Zoll für schädlich erklärt. So sagte der Vorsitzende des „Verbandes Deutscher Handelsgärtner und Blumengärtner", Riemer- IKöln, in einer Versammlung von Gartenbauinteressenten in Köln u. a Folgendes: Die italienische Regierung werde «deutsche Gartenbauzölle sofort mit Gegenzöllen beantworten; die aber würden deutsche Jndushrieprodukte treffen. Dieselbe Repressalienpoliti! würde natürlich gegen unsere Industrie auch von den anderen Staaten, Belgien, Holland, Frankreich eingeschlagen werden, von denen wir Garten- ^auprodukte beziehen. Die Versammlung beschloß aber mit 547 gegen 26 Stimmen: daß die Einführung eines Schutzzolls für Gartenbauerzeugnisse jeder Art zur Erhöhung der Leistungsfähigkeit und einer angemessenen Rentabili- ität des einheimischen Gartenbaus dringend geboten fei. Ebenso wurden die Zollbestrebungen vom „Bund der Landwirte" und vom Zentrum unterstützt, mit dem Hinweis vuf die außerordentlich gestiegene Einfuhr von Garten- lbauprodukten. Auf dem deutschen Gärtnertag in Leipzig fanden, August 1898, die Schutzzoll-Vorschläge zwar die Mehrheits-Zustimmung, ober auch hier wurde die Frage Aufgeworfen, ob die Regressivmaßregeln der anderen Staaten oder die planmäßige Organisation der Produzenten im Auslande nicht den Nutzen wettmachen würden? Der „Verband der Blumenhändler Westdeutschlands" lehnte d-ie Einführung eines Blumenzolls ab. Der „Süddeutsche Mrtner-Verband" erklärte in einem Aufruf geradezu: der Zoll würde für die große Mehrheit der süddeutschen Gärtner isttehr Nachteile als Vorteile haben. Dagegen empfahl man in Bonn, Magdeburg, den SchuUoll. Die „Korresp. des Bundes der Landwirte" berief sich — wir folgen hier der ^achtenswerten Schrift von Dr. Georg Tischert „Zollpolitische Jnleressenkämpfe" — auf Aeußerungen der Handels- fammern von Frankfurt a. M., Magdeburg, Leipzig. Darin Wurde geklagt, daß bei der riesigen Einfuhr laus dem Süden die Frühgemüsekultur nicht mehr lohne; Berlin sage ausdrücklich, daß ohne Zollschutz für den Berliner Gärtner die Gemüsezucht und die Gemüsetreiberei teufhören müsse. Wie aus den Zollsätzen hervorgeht, haben die Schutz- zöllner im Gartenbaugewerbe gesiegt, d. h. vorläufig gesiegt, denn noch haben Bundesrat und Reichstag zu entscheiden, fordern die Rücksichten auf die Volksernährung beim Gemüse- und Obstzoll, ihr Recht. Endlich ist kein 'Zweifel, daß die Staaten, die Gartenbauprodukte mach Deutschland einfiihren, von den Zollsätzen abhandeln werben. Tie „Nat. Ztg." hält speziell den Zoll auf Kartoffeln |für „so phantastisch", daß es schwer falle, an seine Aufnahme in einen Regierungsentwurf zu glauben. Ein notwendiges Nahrungsmittel, ein Hauptgegenstand des M assen - Konsums soll in der Zeit vom 15. Februar bis 31. Juli nrit einem Zoll belegt werden, der bis auf das Sechsfache des Preises gehe? Die „Voss. Ztg." bezeichnet die Zölle teuf Gartenerzeugnisse als die „unerträglichsten Plackzölle". Bei der Einführung von Gartenzöllen werde jeder Handelsvertrag mit Italien von vornherein unmöglich. Die Offiziöse „Nordd. Allg. Ztg." nimmt auch von den neuen Tarif-Enthüllungen feine Notiz. Dies Schweigen wird nun Kcks eine Bestätigung aufzufassen sein. Ten Besuch des Staatssekretärs Grafen Posadowsky in Stuttgart kann man vielleicht mit den Erwägungen der Regierungen über die Veröffentlichung des Zolltarifs in Verbindung bringen. Da nun einmal die Zolltarif-Diskussion in Fluß gelangt ist, hat eine weitere amtliche Geheimhaltung der Zollsätze keinen Zweck. Es ist sicher, jiod) andere Tarif-Enthüllungen folgen. Politische Tagesschau. Die Balkanreise des Großfürsten Alexander Michails witsch läßt die Politiker nicht zur Ruhe lammen. Jetzt sagt auch die „Wiener Neue Presse" dem Großfürsten eine diplomatische Mission nach, und zwar soll Rußland eine Entscheidung des Sultans in Sachen der Unabhängigkeit Bulgariens und der Angliederung Kretas an Griechenland herbeizuführen trachten. Obwohl das Gerücht in Konstantinopel selbst entstanden ist, gebricht es ihm an innerer Wahrscheinlichkeit. Rußland hat wiederholt und unzweideutig zu erkennen gegeben, daß es eine Aenderung der Status quo in Südosteuropa nicht wünscht. Tas trifft auf die ehrgeizigen Pläne des Bulgarenfürsten sicherlich ebenso zu, wie auf die Bemühungen des Prinzen Georg von Griechenland hinsichtlich Kretas. Hat doch selbst die Rundreise, die der Prinz zu Beginn des Jahres bei dtzn Schutzmächten unternahm, im Interesse einer Aenderung der staatsrechtlichen Stellung Kretas zur Türkei, lediglich den Erfolg gehabt, daß die Botschafter Rußlands, Frankreichs, Italiens und Englands auf einer in Rom abgehaltenen Konferenz die Vorschläge des prinzlichen Gouverneurs von Kreta ablehnten. Prinz Georg aber fügte sich und erklärte sich bekanntlich erst kürzlich bereit, das im August l. I. ablaufende Gouverneur-Mandat wiederum zu übernehmen. Am Ende hat ja auch in Bezug auf die Zukunft Kretas der Sultan ein Wort mitzusprechen. Er ist über die Pläne des Prinzen Georg, denen die griechische Regierung naturgemäß geneigt ist, unterrichtet und hat macht ihnen den Aufenthalt auch in ausgeplünderten Gegenden leicht. Die Engländer leisten eben Danaidenarbeit. Lord Roberts hatte in einzelne größere Orte Garnisonen, meistens Fußvolk, gelegt, mit dem allgemeinen Auftrage, in der Umgegend Ordnung zu halten. Der Machtbereich war aber viel zu groß, und ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Besatzungen nicht vorhanden, sodaß die englische Infanterie gegenüber den flinken Burenreitern nichts ausrichtete und aus dem Zustande der Blokade kaum herauskam. Eine der ersten Maßregeln des neuen Oberkomman- bierenben Kitchener war dann, diese verlorenen Außenposten einzuziehen und die englische Streitmacht in wenigen großen Standlagern an den Bahnlinien zu konzenttieren, von wo aus sie beständig Streifzüge unternahmen. Dieses Spiel dauert nun beinahe neun Monate; man hat ungezählte Mengen von Pferden, Rindern, Schafen vom Lande eingetrieben, man hat die Burenfamilien von ihren Farmen, gegenwärtig 85 410 weiße und 23 489 farbige Per- onen, in jene entsetzlichen sog. Konzentrationslager zusammen gebracht, um sie beständig unter Aufficht zu haben, und noch immer ist das Ende der Kämpfe nicht abzusehen, ind die Eisenbahnen fortwährend gefährdet. Angesichts dieser Thatsachen hat sich nun Kitchener entschlossen, das System der dauernden Bewachung in neuer Form wieder aufzunehmen. Er teilt den ganzen Kriegsschauplatz in kleine Militärbezirke unter je einem Offizier und errichtet durch diese Bezirke hin Blockhäuser mit kleinen Posten, die untereinander Verbindung halten und einen ihnen zugewiesenen Gelände-Abschnitt ab patrouillieren. Begonnen hat er mit dieser Methode zuerst an den Eisenbahnen. Es ist.jetzt z. B. an der Delagoabaibahn eine Kette kleiner Blockhäuser in Zwischenräumen von etwa 3 Kilometer aufgeführt, die den Buren das Ueberschreiten der Linie höchstens noch bei Nacht gestattet. Der erfindungsreiche Tommy Atkins hat alles Mögliche gethan, um die Blockhäuser zu sichern. Er hat sie mit Draht eingezäunt und die Drähte mit leeren Blechbüchsen behängt, die im Falle eines nächtlichen Ueberfalls beim Zerschneiden der Drähte den Posten automatisch alarmieren. Außerdem hat er in den Zwischenräumen zwischen den Blockhäusern in Khaki gekleidete Strohmänner aufgestellt, die bei Nacht die Buren täuschen sollen. Auch im Innern des Landes ist mit der Durchführung des Blockhaussystems begonnen worden. Nach einer Timesmeldung ist der Kommandonek in den Maga- liesbergen mit dem südlich gelegenen Krügersdorp durch eine solche Blockhäuserkette verbunden, und eine andere Kette ist von Middelburg nach Standerton, also quer durch das südöstliche Transvaal ,in Vorbereitung. Ebenso will man in der Kapkolonie das Verfahren anwenden. Zweifellos erfordert dieses neue System viel Arbeit, Geld, Geduld und vor allem Leute, und wird wohl schließlich die Engländer auch nicht zu dem von ihnen erwünschten Ziele führen. _ Nach dem „Pester Lloyd" ist in Pretoria am 11. Funr ein Norddeutscher, Namens Krause, auf Grund eines kriegsgerichtlichen Urteils erschossen worden. Krause hatte sich wiederholt mit einigen verwegenen Genossen bis in das von Stacheldraht umgebene Gebiet Pretorias gewagt, um Pferde, Schlachtvieh und Berpflegungsartikel zu requirieren. Am 9. Juni wurde er, als er sich wieder zu seinem Kommando zurückbegeben wollte, verraten, von Patrouillen verfolgt und noch innerhalb des Befestigungsgürtels nut zweien seiner Begleiter, Namens Fenter und Delport, gefangen, während zwei andere entkamen. Auf der mißglückten Flucht hatte er einen der Verfolger angeschossen. Am nächsten Tage wurden die drei befangenen unter sol- genben Anklagen: erstens wegen ^^^0^5 zweitens wegen Bruches des ^eutra^^tatöetbe§, dritten5 wegen unerlaubten Besitzes von Waffen — vor ein Kriegsgericht gestellt: Krause wurde aller drei, Fenter und Delport wurden der zwei letzten Anklagen schuldig befunden, und daraus verurteilte man alle drei zum Tode durch Erschießen. Am 11. wurden Krause und Fenter erschossen, 1 Delport jedoch hatte man, wahrscheinlich weck er als Kronzeuge gegen die zwei Anderen ausgesagt, begnadigt Von - Meuchelmord kann natürlich m diesem Falle nicht dre Rede sein und zur Verletzung des Neutralitatseides reizen ; die Engländer alle Tage auf, indem sie Buren dazu be- ■ wegen , die Waffen gegen ihre Landsleute zu ergreifen. ^er Tod der beiden Erschossenen", bemerkt der Bencht- erftatter, „wird den Engländern wenig nützen. Sie haben im Gegenteil den Buren-Kommandanten eine gute Lehre gegeben, die Delarey bereits beherzigt hat. Dieser ließ zwanzig Buren, die sich den Engländern angeschlossen hatten und gefangen genommen wurden, niederschießen. Vielleicht wird diese Maßregel auch auf englische Soldaten ausgedehnt, welche das zweite Mal gefangen werden." Die Engländer haben besondere Korps gebildet, die Ochsen und Schafe zusammentreiben sollen, und die Sol- feinem Unmut soeben in drastischer Weise Ausdruck gegeben. Wie aus Konstantinopel gemeldet wird, beabsichtigte die griechische Regierung, ein Geschwader in die türkischen Gewässer zu entsenden. Die Pforte lehnt jedoch diese Kundgebung „freundschaftlicher Gesinnung"' ab, indem sie „aus politischen Erwägungen" ihre Zustimmung zum Besuch türkischer Häfen durch griecl-ische Kriegsschiffs versagte, ______ Die „Landeszeitung für das Fürstentum R e u ß ä. L." pflegt ihren Bedarf an Leitartikeln aus der parttkularisttscheu Presse aller Schattierungen, vornehmlich aus der welfischen „Deutschen Volksztg.", den „Mecklenb. Blättern" und dem „Bayerischen Vaterlande" zu decken. Entschließt sie sich aber einmal ausnahmsweise einer eigenen Ausarbeitung, so kann man sicher sein, daß der Humor dabei noch mehr zu seinem Rechte kommt, als in den Fällen der Ausschlachtung anderer Partikularisten- Blätter. In ihrer vorletzten Nummer fühlt sich die „Landeszeitung" gedrungen, an eine Kundgebung des Prinz- regen ten Wilhelm zu erinnern, der es anläßlich des Antritts der Regentschaft als das Programm der preußischen Politik bezeichnete, die Welt müsse wissen, daß Preußen überall das Recht zu schützen bereit sei. Den Anlaß zu dieser Erinnerung findet die „Landeszeitung" in dem Bande, an dem die „Drachen-MHxrille" — so nennt das Blatt die China-Denkmünze — getragen werden soll. Tas Band ist nämlich orangegelb, und deshalb schreibt die „Landeszeitung" wörtlich: „Orangegelb ist. . - die Farbe des Bandes des Schwarzen Adlerordens, also einer speziell preußischen Dekoration, und daher kann man auch hier wieder beobachten, wie der bundesstaatliche Charakter des Reiches außer Acht gelassen, und um so mehr das persönliche Regiment ebenso wie bei der Inszenierung des Khakizuges in den Vordergrund geschoben hat. Welch' gemischte Gefühle aber dieses orangegelbe Band an verschiedenen deutschen Häfen hervor gerufen hat, das auszudenken überlassen wir dem geneigten Leser." — Der geneigte Leser, dem die Lektüre der „Landeszeitung für das Fürstentum Reuß ä. L." nicht täglich das Leben versüßt, wird seine helle Freude an der Meinung haben, da:ß der bundesstaatliche Charakter des Reiches durch die Wahl des orange- gelben Bandes für die China-Denkmünze beeinträchtigt worden sei. Noch größer aber wird seine Freude werden, wenn er hört, daß nach Ansicht der „Landeszeitung" die Farben des Bandes der China-Denkmünze nur schwarz-weiß-rot fein dürfen, weil es bei dem China-Feldzuge sich um eine reine Reichsangelegenheit handelte! Sollten auch die „verschiedenen deutschen Höfe", die laut der „Landeszeitung" durch das orangegelbe Band erschreckt worden sind, plötzlich die gleiche Begeisterung für schwarzemeiß-rot wie die „Landeszeitung empfinden, so wäre der Humor bei dieser Geschichte vollständig. Jene „verschiedenen deutschen Höfe" indessen werden sich samt der „Landeszeitung" vor ihren welfischen und sonsttgen Busenfreunden wegen ihrer schwarz-weiß^roten Anwandlung wohl gründlich zu rechit- ferttgen haben 1 Engländer und Buren. Es fängt auch dem britischen Oberkommando an aufzudämmern, daß die grausame, zugleich Mann und Tier der eigenen Truppe aufreibende Steifzugtaktik gegenüber den unvergleichlich ausdauernden, beweglichen und anspruchslosen Buren dauernde Erfolge nicht schaffen kann. Wie oft find z. B. die Transvaalbezirke südlich der Linie Zeerust, Magaliesberge, Pretoria, Delagoabaibahn schon durchzogen und ,gesäubert" worden, unb immer wieder heißt es nad) kurzer Zeit, daß die Buren wieder da sind, gelegentlich in so überraschender Zahl, daß englische Abteilungen schwere Schlappen erleiden. Es fei nur an den blutigen, beinahe gelungenen Ueberfall von Vlakfonteiu am 29. Mai erinnert. Ihre Beweglichkeit ermöglicht es den Buren eben, wie sie sich schnell vor einem übermächtigen Gegner davonmachen, so auch zurückzukehren, sobald die Briten den Rücken gewandt haben, und ihre Genügsamkeit GietzenerAnzeiger General-Anzeiger ** Amts-WdAnzeigeblatt füröen Kreis Metzen baten erhalten dafür ober sollen erhalten außer den ^normalen Gebühren eine Prämie für jedes erbeutete Stuck Vieh. Bescheinigungen werden den Eigentümer!: des Brey es nicht gegeben und auch neutrales Eigentum toiro nicht respektiert. Tiefe Aushungerungsmethooe ist nach Ansicht des Berichterstatters des ungarischen Blattes zwecklos, da die Engländer gar nicht so viel Leute haben, um das erbeutete Vieh genügend zu bewachen, und so holen es srch die Buren wieder. , 13 kriegsgefangene Buren sind in Dordrecht als Rebellen zu lebenslänglichem Gefängnis verurteilt worden und fünf werden nächste Woche in Kenhardt hingerrchtet werden. • Telegramm deS Gießener Anzeigers. London, 26. Juli, Eine Depesche Kitcheners aus Pretoria vom 25. meldet: Berittene Truppen von Garattes Abteilung überfielen am 21. einen Eonvoi der Buren in der Nähe von Reitzburg, machten 25 Gefangene und erbeuteten mehrere Wagen. Aus Seite der Engländer wurden 2 Offiziere und 6 Mann verwundet. Deutsches Keich. Berlin, 25. Juli. Zum Kaiserbesuch in Brun s- büttel gelegentlich der Abschiedsfeier der Süd-Polar- Expedition am 11. August wird aus Hamburg gemeldet, daß mit dieser Feierlichkeit ein größeres Diner verbunden ist, das der Kaiser zu Ehren der Expeditions-Mitglieder an Bord seiner Dacht „Hohenzollern" veranstaltet. Das! Sül^Polarschiff „Gauß" liegt gegenwärtig zur Vervollständigung der Ausrüstung im Hafen von Bremerhaven, wird aber schon in den nächsten Tagen durchs den Kaiser Wilhelm-Kanal nach Kiel gehen, um dort die Mitglieder der Expedition an Bord zu nehmen. Am 10. August tritt bann bas Schiff von dort seine Reise an, und zwar wirb es, den Kaiser Wilhelm-Kanal passierend, zunächst bei Brunsbüttel vor Anker gehen. Nachdem am 11. August der Kaiser sich persönlich von den Mitgliedern verabschiedet hat, wird die Expedition nach dem Südpol in See gehen. — Eine neue Schießauszeichnung für seine sieben Leib-Jnfanterie-Regimenter hat der Kaiser in.Form einer am Bande zu tragenden Medaille gestiftet. Die Regimentsschießen Haden bereits daraufhin stattgefunden. Beim 1. Garde-Regiment zu Fuß hatten die 6. und 12. Kompagnie abzustechen, wobei die erstere die beste wurde. Nunmehr treten die sieben besten Kompagnien der betreffenden Regimenter in engeren Wettbewerb darum, welcher von ihnen die Medaillen zu verleihen sind. Diese dürfen die Mannschaften bei ihrer Entlassung mitnehmen. — Aus New-Dork wird gemeldet: An den deutschen katholischen Zentralverein, der seine Generalversammlung rm September in Bridgepoort (Konnektikut) abhält, hat Bischof Horstmann von Kleveland das Ersuchen gerichtet, die Frage der Bildung einer allgemeinen katholischen Vereinigung ohne Rücksicht auf die Nationalität in Erwägung Zu ziehen, und auf der (Generalversammlung zur Beratung zu stellen. Unter den deutschen Katholiken findet dieser Vorschlag günstige Aufnahme. Botschafter Dr. von Holleben und zwei dem Zentrum angehörende Mitglieder des Reichstags werden für die Generalversammlung des Zentralvereins als Gäste erwartet. P i l l a u, 25. Juli. Handelsminister Möller traf heute nachmittag hier ein, und besichtigte die Hafenanlagen. Dann erfolgte die Weiterfahrt nach Neuhäuser, wo im Kurhause ein Diner zu Ehren des Ministers stattfand. E m d e n , 25. Juli. Ein Telegramm des Ministers der öffentlichen Arbeiten an den Oberbürgermeister Fürbringer besagt, die Einweihung des Emdener Hafens werde wahrscheinlich am 7. Augüst stattfinden. Hamburg, 25. Juli. Der „Hamb. Korr." erfährt, daß die Publikation des Zolltarifs besttmmt in acht bis zehn Tagen erfolgt. Duisburg, 25. Juli. Das vorläufige Ergebnis der heutigen Reichstagserfatzwahl ist: Beumer (nl.) 25 368, Rintelen (Ztr.) 20 000, Hengstbach (Soz.) 14 312, Renck- hoff (freis.) 1089, Czarlinski (Pole) 2717 Stimmen. Stichwahl zwischen Beumer und Rintelen. Davm:stadt, 25. Juli. Das Justizministerium beschleunigt die Anlegung der neuen Grundbücher in den einzelnen Gemarkungen. Mit dieser Aufgabe sind die Amtsrichter bettaut, ihre Respiziate werden während dieser Zeit von Assessoren verwaltet. In einer Zuschrift an die ,'Frkf. Ztg." wird bezweifelt, ob das im Interesse der Rechtspflege liege. Es wird behauptet, es fehle diesen Assessoren (die bis vor kurzem Amtsänwaltsgeschäfte meist besorgt haben) die nötige Erfahrung für längere Wahrnehmung des Richteramts. Es wäre deshalb zu wünschen, daß das Justizministerium sich darüber schlüssig machte, ob nicht im Interesse der Rechtspflege weitere richterliche Kräfte behufs ordnungsmäßiger Abwickelung der Amts- geschäste heranzuziehen wären. Stuttgart, 25. Juli. Der Präsident der Generaldirektion der Posten und Telegraphen v. Weizsäcker ist in den Ruhestand versetzt, und der Abteilungsdirektor von Böltz zum Präsidenten der Generalbirektion der Postent und Telegraphen ernannt worden. Ausland. Christiauia, 25. Juli. „Mvrgenbladef erklärt die Nach richt, König Oskar werde den Manöver« bei Danzig beiwohnen, für unrichtig. Loudon, 25. Juli. Unterhaus. Im Laufe der Sitzung äußerte der Präsident der Lokalverwaltung, Long, die Theorie Professors Robert Koch von der Nichtidentität der Schwindsucht bei Menschen und Rindern könne gegenwärtig nicht als von der wissenschaftlichen Welt allgemein angenommen gelten. Die Frage werde sehr sorgfältige Erwägung erfordern, aber er könne nicht versprechen, auf Grund der treffen^ ÜOn ®c*tcn der Regierung Maßnahmen zu — Bei den Leutnants ift bet Säbel als Kriegs ab geschafft worden. Diese wichtige Verordnung, die für nichtberittene Offiziere der Infanterie erlassen worden ist, und die m kontinentalen Armeen jedenfalls unter den Leutnants und wohl noch mehr unter den Degenfähnrichen großes Herzzerbrechen verursachen würde, jedoch als weniger rabtlaler Eingich empfuuben wirb, weil man Ossiziere in llnisorm außer Dienst wenig aber gar nicht zu sehen be- tommt bestimmt daß in Zukunft «urbilduug im Jusauterie säbel-Fechten nicht mehr statlfinben wirb, da di- aenauntcn Ossiziere künftig bei Manävern utib im Krieg statt ber Zabel Karabiner zu tragen haben, Nur bie zu Ehren- bezeugungen nötigen Griffe werden beigebracht. Brüssel, 25. Juli. Die sozialdemokratischen Abgeordneten brachten in ber Kammer einen militärischen Gesetzentwurf ein, nach dem die Milizsoldaten in drei Klaffen geteilt werden sollen. Jede Klaffe hätte ein Drittel des jährlichen Kontingents zu liefern. — Das Journal „Le Soir" meldet, daß die Verhandlungen zwischen England und dem Kongostaate über das Gebiet Bahrel Ghazal durch ein Uebereinkommen beendet worden seien. In dem letzteren werde festgesetzt, daß ein Teil des bezeichneten Gebiets, ausgenommen die Enklave Lado an den Kongostaat überlaffen wird, über nur während der Lebzeiten des Königs Leopold. Später sollen die Gebietsteile wieder in englisck-egyptischen Besitz zurückkommen. Paris, 25. Juli. „Eclair" veröffentlicht ein Interview mit dem sozialistischen Deputierten Biviani, der erklärte, für ihn sei es unzweifelhaft, daß der Ministerpräsident Waldeck- Rouffeau Annäherung an die gemäßigten Republikaner suche und eine Konzentration der Parteien anstrebe, von der die Sozialisten ausgeschloffen fein sollen. Gleichzeitig giebt dasselbe Blatt eine Unterredung mit einem gemäßigten republikanischen Deputierten wieder, welcher sagte, daß seine Partei eine Verständigung mit Waldeck Rousseau nicht zurück weisen würde, wenn dieser den von ihm begangenen Irrtum eiusähe und den Kampf gegen den Kollektivismus aufnähme. — In der Budgetkommission stellte ber Sozialist Meillet den Antrag, daß in den Gefängnis.Hospitälern keine geistlichen Krankenpflegerinnen verwendet und die Bezüge, die Pfarrer für ihre Thätigkeit als Gefängnisgeistliche erhielten, gestrichen werden sollten. Budapest, 25. Juli. Von gutunterrichteter Seite wird gemeldet, daß zwischen Oesterreich und Ungarn darüber Einigkeit herrsche, daß ein freihändlerischer Zolltarif unmöglich sei, und daß den Agrarprodukten ausreichender Schutz gewährt werden müffe, ebenso wie der Industrie. Ngrarzölle fordert insbesondere die ungarische Regierung, um sich den österreichischen Markt zu sichern, sie weist aber gleichzeitig Prohibitivzölle für die Industrie zurück, weil dies den ungarischen Markt zu stark belasten würde. — Ungarn wünscht jedenfalls ohne Rücksicht auf den Zolltarif anderer Staaten die Aufstellung eines solchen Tarifs, der die Erneuerung der Handelsverträge ermöglicht. Konstantinopel, 25. Juli. Die kürzlich erfolgte Verbannung der Favoritin des Sultans wegen des von ihr angeblich herbeigeführten Zimmerbrandes hat noch weitere Opfer gefordert. ES wurden sowohl der Ober-Eunuch Abdul Gani als auch 10 Eunuchen gewöhnlichen Ranges als der Mitschuld verdächtig nach verschiedenen Teilen Arabiens zu ebenSlänglicher Verbannung mit Zwangsarbeit geschickt. Petersburg, 24. Juli. Nachdem sich Prinz Adalbert heute Vormittag beim Kaiser als mit dem AndreaSorden dekoriert gemeldet und dem deutschen Botschafter Grafen v. AlvenS- ebeu und Gemahlin einen Besuch abgestattet hatte, lichtete das Schulschiff „Charlotte" um 11 Uhr unter den Klängen der russischen Nationalhymne die Anker. Washingtou, 25 Juli Präsident Mac Kinley erließ eine Proklamation, wonach Freihandel zwischen Amerika und Portorico besteht und eine Zivilregierung in Porto- rico eingerichtet wird. Toronto, 25. Juli. DaS hiesige Handelsamt hat an die Regierung Kanadas eine Denkschrift gerichtet, in welcher baß bringenbe Ersuchen ausgesprochen ist, gemeinschaftlich mit Großbritannien bie Beseitigung ber von Deutschlanb auf kanabischeS Getreide gelegten Sonderzölle zu betreiben. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist «Ur unter genauer Quellenangabe: „Gieß, tttlfc* gestattet.) LU. Bon der Landesuniverfitat. Der ordentliche Professor )er Landwirtschaft, Geh. Hofrat Dr. Albr. Thaer, ist auf ein Ansuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen mit Treue und Eifer geleisteten Dienste unter Verleihung »es KomthurkreuzeS 2. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit dem 1. Oktober in den Ruhestand versetzt worden. • * Das Amtsblatt deS Ministeriums der Justiz Nr. 13 vorn 3. Juli 1901 enthält ein Ausschreiben an sämtliche Justiz behörden, betreffend das BeurkundungSwesen bei dem Amtsgerichten und Notaren. — Nr. 14 desselben Amtsblatts »ringt ein Ausschreiben an die Amtsgerichte betreffs Prüfung ber Geschäftsführung bei ben Amtsgerichten für 1900. (!) Diebstahle. AuS einem Hausgarten in ber Westanlage wurden die noch unreifen Pfirsiche gestohlen. Einer ber Diebe wurde in dem Augenblick, als er über die Mauer kletterte, erwischt. Verschiedene in letzter Zeit gestohlene Wäschegegen- tänbe sind wieder zur Stelle geschafft worden, wodurch es möglich wurde, die Diebe zu finden. • • Mänuer-Xuruvereiu. Am nächsten Sonntag veran- taltet der hiesige Männer-Turnverein sein Wald fest am LudwigSbrunneu. Für Unterhaltung durch Spiele rc. ist bestens gesorgt und es dürfte den Teilnehmern ein gevnß. reicher Nachmittag in Aussicht stehen. Bei ungünstiger Witterung findet eine kleine Festlichkeit im Cafe Leib statt. * * Der bekannte Gedankenleser und Hypnotffeur Cumberland und die Gedankenleserin Frl. Emmy Fey werden am nächsten Montag im Theater-Saale des Casv Leib eine Vorstellung geben. Heber die Erfolge, die das Paar auswärts zu verzeichnen hatte, lesen wir in einem Blatte folgendes: „Fräulein Fey leistete auf dem Gebiete des Gedankenlesens wirklich Erstaunliches. Mit verbundenen Augen auf der Bühne stehend, erklärte sie jeden Gegenstand aus dem Saale, vom Publikum gegebene Sachen bis in die kleinsten Details. Ebenso bewies Herr Cumberland, daß er Meister im Hypnotisieren ist und daß ihm der Wille des Menschen in diesem traumhaften Zustande unterthänig ist. Eine spiritistische Sitzung erregte durch ihre Komik die Heiterkeit des Publikums. Zum Schluffe führte Herr Cumberland den Besuchern einige Taschenspielerkünste vor." • * Regenbogen bei Mondschein. Von einem Leser wird uns freundlichst folgendes geschrieben: Gestern abend gegen 10% Uhr konnte man eine äußerst seltene HimmelSerschetnung wahrnehmen, nämlich einen Regenbogen bei Mondschein. Farben waren nicht zu erkennen. Man sah ben Bogen nur als mattweißleuchtenden Streifen sich an dem trüben Nachthimmel abheben. Er war ungefähr 5 Minuten über der mittleren Stadt sichtbar. Als ber Mond hinter Wolken verschwand, verlor ber Bogen sich Ziemlich rasch. T. Trohe, 25. Juli. Am vorigen Sonntag und Montag fand hier in der Wirtschaft „zum Burgkeller", vom schönsten Wetter begünstigt, baß Kirchweihfest statt. Eine große Anzahl von Festgästen auß ben umliegenden Ortschaften und auß Gießen hatte sich eingefunben, um.hier einige vergnügte Stunden zu verbringen. M Beuern, 25. Juli. Am Montag geriet hier eine Frau beim Mähen mit einem Fuß so unglücklich in bie Sense, daß sie sich die Flechsen durchschnitt und wahrschein- lich einen lahmen Fuß behalten wird. Bad-Nauheim, 26. Juli. Arn Dienßtag feierte Herr Carl Machtß sein 25jährigeß Jubiläum als Musikdirektor beß Badeß Nauheim. Während des Tageß erschienen mehrere Deputationen, um dem Jubilar ihre Glückwünsche auszu- sprechen. Den Glanzpunkt beß Tageß bildete baß Jubiläums- Konzert, welches trotz ber unsicheren Witterung von mehr als 1500 Personen besucht war. Als der Jubilar baß Orchester betrat, würbe er mit einem breifachen Tusch vom Orchester uub einem förmlichen Beifallssturm seitens beß Publikums empfangen. Das Geschenk ber Kurkapelle an Den Jubilar ist ein prachtvoller silberner Pokal. — Wie gemeldet wird, sollen bei der am 15. ds. Mtß. stattgehabten Submissions-Eröffnung auf die Kurhaus - Restauration Offerten von 6000 Mk. biß zum Höchstbetrage von 20,000 Mk. abgegeben worden sein. Von hiesigen Reflek- tanten wurden Angebote von 6000, 8000, 12,000 und 12,500 Mk. gemacht. Schotten, 25. Juli. Daß dreitägige Fest beß oberhessischen Musikbundes erreichte am 22 Juli sein Ende. ES wurde eingeleitet durch ein Konzert auf dem Fest- platze „Bockzahl" unweit bet Stabt; außerdem wirkte der „Bereinigte Turn- und Gesangverein" durch Stellen von Marmorgruppen und Vortrag von Chorliedern mit. Am Sonntag trafen mit allen Zügen Bundesvereine ein. Gegen lf/2 Uhr nachmittags fetzte sich der Festzug in Bewegung und unter ben Donnerschlägen eines nahenben Gewitters kam man zum Festplatze. Hier begrüßte Geh. Regierungßrat Schönfelb-Schotten bie Festgäste und schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und ben Großherzog. Dann sprach der Bundespräsident Kriegk-Gettenau. Sein Hoch galt dem deutschen Vaterlande. Hieran reihte sich ber Vortrag ber Gesamtchöre und ber Einzelchöre eines jeden Vereins. Die Vereine zeigten gute Schulung und brachten die Stücke exakt zum Vortrag. Der Besuch auß Nah und Fern war überauß zahlreich; bie brei Festhallen waren vollständig besetzt. Gegen abend wurde ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt. Der nächste Tag war nur von Schotten und der nächsten Umgebung besucht. Mainz, 25. Juli. Die „Mainzer Neuesten Nachrichten", daß theateroffiziöse Organ ober „Steinbachblatt", wie man eß hier auch nennt, war gestern in der Lage, dem Publikum bekannt zu geben, daß eine Verlängerung ber hiesigen Theatersaison auf acht Monate beabsichtigt sei. Angesichts bieser Vertrautheit mit ben internsten Theater- Angelegenheiten muß es auffallen, baß baß Blatt von bem augenblicklich schwebenben Prozeß gegen bie Hanßwirtin ber Heroine des Theaters, Frl. Dora Pflüger, keine Vormerkung nimmt, obwohl bie fatale Angelegenheit baß Tageßgespräch in allen Kreises unserer Stadt bildet. Kein Wunder auch! denn nicht allein Theaterdirektor Steinbach und daß Mitglied ber Theater- deputation Stadtv. W. Usinger, fonbern auch ein j»aut»t* altionär ber „M. N. N." find als Zeugen in bieser Knp» peleiafsaire vernommen worben. — Großes Aussehen macht hier bie Verhaftung ber Frau beß Oberleutnant Richter von bem 88. Infanterieregiment. Die Frau ist beschuldigt und hat auch bereitß eingeftanben, bei einer anderen Offiziersfamilie einen Brillantring im Werte von über 500 Mk. entwendet zu haben. Bekanntlich war die Verhaftete bie Veranlassung zu einem Duell ihres Gatten mit einem Husaren-Offizier. Wiesbaden, 25. Juli. Zur Verleihung ber Auszeichnung an baß Infanterie-Regiment von Gerßborff (Hesfischeß Nr. 80) ist noch zu bemerken, baß ber Kaiser Dem Wunsche feiner Mutter, ber Kaiserin Friedrich, nachkornmeud dem Regiment die Erlaubniß zum Tragen einer Stickerei am Kragen und auf ben Armaufschlägen erteilte, welche daß Regiment Hessen- Kassel zur Regierungszeit Friedrichs des Großen getragen. Eß sind dies also nicht die eigentlichen Gardelitzen, bie eine Eigentümlichkeit ber Garberegimenter sinb. Das kaiserliche Telegramm von ber „Hohenzollern", worin ber Monarch bem Regiment die erwähnte Auszeichnung bekannt giebt, wurde bei dem vorgestern abend stattgehabten Appell der beiden hiesigen Bataillone vom Kdmmandeur Oberst von Jacoby mit einer Ansprache bekannt gegeben. Frankfurt a. M., 25. Juli. Bon dem deutschen Afrika- reisenden Freiherrn Carlo v. Erlanger ist die Nachricht hier eingelaufen, daß er mit seiner Expedition durch Süd« somalih und Einah in Mornbassa angefommen und Die Ex- pedition sehr erfolgreich gewesen sei. Wetzlar, 26. Juli. Den „Wetzl. Nachr." zufolge find seit bem letzten Sonntag aus hessischem Gebiete abwärts Gießen fast sämtliche in der Lahn befindlichen Fische zu Grunde gegangen. In den Buchten der Lahn zwischen Dorlar und Atzbach sah man in den letzten Tagen nur eine weiße Fläche von toten Fischen, bie augenblicklich bort abgefahren werben. Es sollen 6—8 Kubikmeter Fische abgestorben sein. Die Todesursache ift noch nicht genügend aufgeklärt. Teils wird behauptet, das Absterben sei durch die schlechten Abwässer der Stadt Gießen, bie ber letzte Gewitterregen in baß fast ausgetrocknete Lahnbett gebracht habe, verursacht, andererseits wird erzählt, daß in einer Chemischen Fabrik in ober bei Gießen ein Rohr geplatzt sei, wodurch das Wasser der Lahn verseucht worden sei. Wie weit diese unkontrollierbaren Gerüchte auf Wahrheit beruhen, muß dahingestellt bleiben. ** Kleine Mitteilungen tuB Hessen und den Nachbarstaat«. In Lauterbach waren am vergangenen Samstag an einem Gebäude der Riedesel'schen Ziegelei Spengler mit bem An- bringen eines DachkaudelS beschäftigt. Die Arbeit galt alß beendet. Der Spengler Stein wollte noch die Ziegel beß Daches, die er zum Zwecke feiner Arbeit hochgezogen hatte, wieder in die alte Lage bringen, als er von einem Blitzstrahl getroffen wurde. Er stürzte auf ben Dachboden des Hauses ; Nachrichten-, ittM, wie wqb dem Publikn« ’ftgen Theater» ikgefichtS dieser geulten muß i schwebenden f Styateri, mt, obwohl (M an nicht allein der Theater» ch ein Hauvt» n dieser Sup- oßeS Anssehen s Oberleut» :nt. Die Frau eiben, bei einer m Werte von intlich war die ihres Gatten des ober. ' Ni sein aus dem :® tvirltr der Stellen von u mit. !A Gegen w Bewegung Zwitters kam Kegierungsrat '6 mit eines Dann sprach n Hoch galt der Vortrag • eben Verein-. :d bit Mt b Kern Wac illständig de. ttwtrl adge- >tten und bei X »et. Kr 1 "«Käste Lj1'« «ine "ch in die 1 j! Herr ^atI i "»'tote . iU)e aus,». ’Wbsj, l von mein Nilat bafi M Dom ^Wet Mrage Wn«eM. 12.000 nnd • SuSzeichnong stscheS Nr. 80) Mansche seiner dem Ag^mnt m Kragen uni Regiment Hesse»' roßen getragen- elitzen, die eme DaS kaiserltthe , per Monarch bekannt giften Nppe5 bei r Oberst von t die NachB an durch Sk- tu und die h .« »nsolge stud 4 s ichen Fllch, SS SI& «*•» ’*s» d«eÄti la6Ä»«* 2 t 8,1 ä»**?35 i d" »JJ w» ■ra* itteber; sein Mitarbeiter eilte, um Hilfe herbei zu holen. Den vereinten Anstrengungen bet Herbeigeeilten gelang eS, den scheinbar Toten ins Leben zurückzurufen. Man brachte ihn in bas Krankenhaus. Er hat einige Brandwunden erlitten. — Frankfurt wirb demnächst eine regelmäßige Dampfschiffverbinbung mit Offenbach erhalten. Der Dampferbesitzer Pfeil läßt gegenwärtig Dampfboote zwischen Offenbach und ben bicsseitigen Ortschaften verkehren. Diese Einrichtung hat sich berart bewährt, daß eine Dampfschiff Verbindung Offenbach Frankfurt eingerichtet werden soll. — Aus dem Main wurde bei Griesheim die Leiche eines unbekannten etwa 50jährigen Mannes geländet. Ein Vilbeler Viehmarktlos Nr. 3268 wurde bei der Leiche gefunden. — Konditor M. aus Höchst fand am 22. Juli auf der Fahrt nach Frankfurt in dem Eisenbahnwagen eine Brieftasche mit 3200 Mk., welche er sofort, einem Bahnbeamten übergab. Der Verlierer hat sich noch nicht gemeldet. — In Groß- Gerau wurde ein Geschoßsplittet am 23. Juli einem Krieger von 1866 und 1870 auS dem Kopfe entfernt. Der Splitter oder der Fremdkörper, der in den Kopf eingedrungen war, stammt von 1870. Kan-el und Verkehr. Volkswirtschaft. Reichsbank. Am 12. August wird in Buchholz (Sachsen) eine von der Reichsbankstelle in Chemnitz abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kasseneinrichstung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Wechsel auf Buchholz und dessen Nachbarorte Annaberg und Klein- Rückerswälde i. O werden von jetzt ab angekauft. Dieselben sind an die Reichsbanknebenstelle in Buchholz zu girieren. Cassel, 26. Juli. Zu unserer gestrigen kurzen Meldung von der Verhaftung des Mitglieds des Aufsichtsrats Der A.-G. für Trebertrocknung Otto aus Dortmund werden folgende Einzelheiten bekannt: Otto wurde am 24. Juli nachmitags gegen halb 3 Uhr im Geschäftslokal der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung durch den in Begleitung eines zweiten Kriminalbeamten erschienenen Kriminalschutzmann Wenderoth im Auftrage der hiesigen Staatsanwaltschaft verhaftet. Er war um halb 2 Uh-r ciu§ Dortmund in Begleitung eines Freundes hier eingetroften, hatte sein Gepäck im Hotel niedergelegt und sich sofort mit seinem Begleiter zur Trebergesellschaft begeben. Hier trafen nach kurzer Zeit die genannten Beamten ein, nahmen ihn fest und führten ihn in sein Hotel zurück, wo er sein — aus einer kleinen Tasche mit wenigen, für ganz kurzen Aufenthalt berechneten Utensilien bestehendes — Gepäck an sich nahm und seinem Freunde in Gegenwart der Beamten Aufträge für seine Familie in Dortmund erteilte. Mittelst einer vom Bahnhof herbeigeholten Droschfe erfolgte dann sofort seine Ueberführung ins Untersuchungsgefängnis vor dem Leipziger Thor, der sich eine alsbaldige Vernehmung vor, dem Untersuchungsrichter anschloß. Otto soll durch aufgesundene Schriftstücke kompromittiert sein. Seine Verhaftung dürfte wegen Teilnahme an den Verschleierungen und unrichtigen Angaben erfolgt sein, die in den Rechenschaftsberichten und Bilanzen der Treber- gesellschast sich finden. Er gehörte zu den für die Gesellschaft thätigsten Mitgliedern des Aufsichtsrates und hat u. a. im Vorjahre längere Zeit auf den Bureaus der Trebergesellschaft anhaltend gearbeitet, als dort der technische .Leiter fehlte. Mit dieser Verhaftung dürften die Anstrengungen gescheitert sein, die Otto zur Erlangung eines gütlichen Ausgleichs mit seinen Gläubigern in der letzten Zeit machte. — Aufsehen erregte es übrigens in allen Kreisen, >-)ie Otto näher kannten, daß er bei der versuchten Ordnung feiner Angelegenheiten fein Vermögen außerordentlich niedrig angab und außer seiner Villa in Dortmund liquide 'Werte fast gar nicht bezeichnete. Schon in der gemeinschaftlichen Sitzung der Mitglieder des Leipziger Gläubiger- crusschusses und der Verwaltungsorgane der Trebergesell- -chaft siel diese von Otto gegebene Darstellung seiner Verhältnisse allgemein auf. Krefeld, 25. Juli. Der „Niederrh. Volksztg." zufolge zeichnete gestern eine Reihe mrgesehener^Firmen einen Garantiefonds von nahezu einer Million Mark für das Bankhaus v. Beckerath-Heilmann. Falls diese Summe hinreicht, übernimmt die „Bergisch^-Märkische Bank" die genannte Firma. Süddeutsche Eisenbahngesellschaft in Darmstadt. Als hauptsächlichsten Grund für die Verteilung von nur 6.50 Proz. Dividende gegen 7 Proz. im Vorjahre giebt die Direktion der Gesellschaft an, daß die in Wiesbaden für elektrischen Betrieb um- und neugebauten Bahnen erst in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 1900/01, also zu einer ungünstigen Jahreszeit, in Betrieb gesetzt werden konnten. Es konnte infolgedessen der Betrieb eine Verzinsung der dort neu angelegten Kapitalien nicht erbringen. Charkow, 25. Juli. Acht Mitglieder der Ver- tvaltungen der Agrarbank und Handelsbank wurden verhaftet. Die Entlassung aus der Haft kann nur gegen Stellung einer Kaution von 6 Millionen Rubel für die Mitglieder der Agrarbank und 3 200000 für die Mit- glieder der Handelsbank erfolgen. Gerichtssaat ^0 Srarttfttrt a. M., 25. Juli. Die Frankfurter Maschinenfabrtk hatte einem am 14. Juli ordnungsgemäß auS- ^etenden Arbeiter in die Jvvalidenkarte geschrieben: gestreikt". Als der Betreffende den.Fall abends in einer Versammlung vorbrachte, brschl-gvahmte der überwachende Beamte die Karte. Alle Bemühungen c ro e^t?r6ctt ä" bekommen, scheiterten, da ihn niemand ohne die Karte emstellen wollte. Er klagte deshalb auf Schadenersatz Segen die genannte Firma, und das Gewerbegericht entschied auch zu seinen Gunsten. Kirchliche Nachrichten, «vasgelische Vemeintze. Sonntag dm 28. Juli. 8. nach Trinitatis. Gottesdienst. Ire der StadMrche. VormtitagS 8 Uhr: stehe Johanneskirche. Vormittags 9 V« Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: «tnderkirche für die Mattbäusgemetnde. Pfarrer Schlosser. In der JohanneSkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Chrtstmlebre für die Neukonfirmiertm ba LukaSaemeinde. Vormittags 9«/, Uhr: Professor D. DrewS. Oiff sämtlichen Gottesdiensten Kollekt zum Besten der „Inneren Katholische Gemeinde. SamStag dm 27. Juli. l-chchmtttags um 4V| Uhr und abends um 8 Uhr: ^Gelegenheit zur Sonntag ben 28. Juli. y. Sonntag «ach Pfingsten. DormtttagS von 6c herzogich wirlschch, der Unter eruanutn der beteil trag auf: Ernestine Hopfner Grunbergerstratze 17. junger Schweizer sucht eine» t) Studenten für deutfche« Unterricht vor» jetzt bis Anfang September. Offerten an Prof. Wimmer, auer, Krank- Alle Benutzer mit Ausnahme der Studentm von ihnen entliehenen Bücher bis zum 10. August zur Musterung einzuliefern. Vom 15, August bi» 26. Oktober ist die täglich von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Gießen, den 26. Juli 1901. Der Großh. Oberbibliothekar. Prof. Haupt. Feinste Gothaer 5197 Kervelatwurst eingetroffen. L. 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