Nr. 73 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 27. März 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme dkS Montag-. Wie Sießrnrr Familien- Flitter werden dem An- idgtr im Wechsel mit „Hess. feiOnMrt" und ^Blätter *ftc Hess. Volkskunde- viermal wöchentlich beigelegt. ■ een »nitlgen em der nechmMag» für »en Mfrakn Tag rrschrtnrnden fciMt btt eorm te Uhr ■♦betcl« u ngtn fpdiefttnt abciM vorher. ■*eftiee, Expedition und •wfmi: rchntßratze 7. SietzenerAnzciger ” General-Anzeiger v vezngspreir vierteljLhrl. Mk 2.20, mrnatl. 75 Psg. mit Bringerlohn; durch w< Abholestellen vierteljäl^rl. Mk. 1.90, rnonatl. 65 'pfc. Bei Postbezug vierteljLtzrl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld rille vnzetgen>vernrtttlm>Ow stellen des In- und S*lu6lanw nehmen »InjftQcn für He flfttftcntr Anzeiger entgegen, ßtlltnprtie lokal 11 Wh», auMBärtt M Psg Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen 'n Die Diskussion über die Ansprache des Kaisers an die Präsidenten des preußischen Abgeordnetenhauses wird in den Blättern fortgesetzt. Als authentisch hatte oie „National-Ztg." noch die Aeußerung des Kaisers mitge- teilt, daß „statt den allgemeinen Interessen zu dienen, Sonderinteressen verfolgt würden". Von der „Kreuz-Ztg." wurde zunächst bezweifelt, ob diese Bemerkung gefallen sei, worauf die „Nat.-Ztg." erwiderte, sie halte ihren Bericht aufrecht. Inzwischen scheint sich das konservative Organ erkundigt zu haben; es erklärt jetzt, mit jener Aeußerung sich gern abzufinden, aber keinen Anlaß zu haben, sie auf die Bewegung für einen ausgiebigen Schutz der Landwirtschaft zu beziehen. Eine solche einseitige Bezugnahme hat auch unseres Erachtens schwerlich in den Worten des Kaisers gelegen. Die Verfolgung von Sonderinteressen ist überall wahrzunehmen, hier gemildert, dort in schärferer, rücksichtsloser Form; sie liegt in den Zeitverhältnissen, in der wachsenden Schwierigkeit, im Kampf ums Dasein zu bestehen, und nicht zum mindesten in der Konkurrenz der Parteien, von denen jede nach Kräften für ihre Anhänger sorgen möchte und zu diesem Zweck ihren gesamten Einfluß aufbietet. Es ist nicht viel Aussicht, daß sich dieser Zustand bessern wird. Man thut auch wohl der Regierung mit dem Vorwurf Unrecht, daß sie durch allzuviel Nachgiebigkeit die Politik der Sonderinteressen, unbeabsichtigt, fördere. Wenn die Regierung sich nicht kümmern würde um die Wünsche, die an sie herantreten, so zöge sie sich wohl erst recht Unwillen zu. Also die „Umkehr" ist hier zunächst Sache derjenigen, die nicht müde werden, die Erfüllung ihrer Ansprüche zu fordern. Es wird bei uns viel zu viel gehetzt, d. h. die Parteien — alle, ohne Ausnahme — verfechten nicht ausschließlich ihren Standpunkt mit sachlichen Mitteln. Da handelt es sich nicht um eine- Auseinandersetzung über Ideen, Bestrebungen, Prinzipien, sondern um ein gegenseitiges Schlechtmachen. Wenn man die Parteiblätter alle liest, so kann man leicht zu der Ueber- zeugung kommen, daß wir ein Volk sind von Ausbeutern, Schwachköpfen, rücksichtslosen Prositmachern, verkappten oder offenen Reaktionären oder Revolutionären, Lügner, die patriotisches Empfinden vorschvindeln, wo es sich um egoistische Interessen handelt. Nach diesem Rezept „arbeiten" die Börsianer so gut, wie die Agrarier, die Schutzzöllner und die Freihändler, die Demokraten und die Monarchisten, und in den konfessionellen Lagern sieht es nicht besser aus. Das Herabsetzen und Verlästern der Anderen sollte aufhören, man sollte auch den Gegner als einen au ,onds anständigen Mann ansehen, der auch das Gute will; man sollte mit einem Wort mehr Gerechtigkeit üben. Im letzten Grunde gilt doch überall das ignoramus und die wirkliche schließliche Entwickelung ist doch immer die Resultante aus verschiedenen Kräften und Strömungen. Mit Ausnahmegesetzen erzielt man keine Verbesserung der politischen Sitten; hier vermag nur die Sclbsteinkehr aller wirklich zu helfen. Dies freche, rücksichtslose Herunterreißen und Verlästern alles dessen, was nicht in die eigene Meinungsschablone paßt, ist eine Kinderkrankheit der heutigen Zeit. Hier gilt es, sich zu mäßigen. Das Amt des Parteimannes, des Politikers, muß als ein officium nobile aufgesaßt werden, als ein Amt, in dem Wissen, Können und Erfahrung und anständige und gerechte Gesinnung die Hauptsachen sind. In dieser Richtung sollte sich unsere politische Sitten-Entwickelung vollziehen. Vielleicht trägt die Mahnung des Kaisers dazu bei, daß die; Verantwortlichen in allen Lagern den andern und sich selbst besser auf die Schreib-Finger und Rede-Münder sehen. Volttische Tagesschau. Höchst „diplomatisch" hat sich der italienische M i - nisterpräsident Zanardelli zu einem Vertreter des „New-Yorker Herald" über die Dreibunds-Politik Italiens geäußert. Er that den salomonischen Ausspruch, daß das Fntc^esse des Landes allen anderen Erwägungen vorangehen müsse, und deutete an, daß> da die politischen Bündnisverträge vor den Handelsverträgen zu Ende gehen, Italien lange voraus wisse, woran es sich bezüglich des einer« oder anderen zu halten habe. Mit anderen Worten: aus den Verhandlungen des deutschen Reichstages über den Zolltarif wird die italienische Regierung ersehen, welche Zollerhöhungen die Ausfuhr nach Deutschland zu gewärtigen hat, und darnach ihre Neigung zur Erneuerung des politischen Bündnisses zu regulieren. Nun, die italienische Regierung, die die Unterschrift unter den neuen Bündnisvertrag zu geben oder zu verweigern hat, wird jedenfalls nickst den Namen Zanardelli tragen. Seine Premierherrlichkeit steht auf schwachen Füßen. Charakteristisch ist, daß Zanardelli in demselben Interview nicht unterließ, seiner lebhaften Sympathie für Frankreich und die bevorstehende Flottenbewegung in Toulon Ausdruck zu geben. Tndrch hofft er vermutlich, sich das Wohlwollen der einflußreichen, fran- zosenfteundlichen Minister des Innern und Aeußern, Gio- litti und Prinetci, zu sichern. Es ist offenes Geheimnis,« daß der ehrgeizige Giolitti hinter den Coulissen den Sturz Zanardellis bereits vorbereitet, um selbst an dessen Stelle zu treten. Ueber die Politik einer späteren Zukunft braucht sich also Zanardelli den Kopf nicht zu zerbrechen. T-eutscher- seitA wird man jedenfalls an der Auffaffung des Fürsten Bismarck festhalten, der in dem Dreibund eine rein politische Allianz erblickte. Eine monarchische Verschwörung ist in Brasilien entdeckt worden. Wir teilten gestern bereits mit, daß der Admiral Mello verhaftet worden ist und der Verräter der Verschwörung, Baron Burg al, sich das Leben genommen hat. Es war beabsichtigt, durch die Ermordung des Präsidenten das Signal zum Ausbruch der Revolution zu geben. Während der allgemeinen Aufregung wollten die Monarchisten in Heer und Marine sich der Stadt bemächtigen und das Regierungsgebäude besetzen. Die Regierungsgewalt sollte einem Triumvirat, bestehend aus dem Admiral Mello, Marschall Cantuaria und dem Anwalt Lafayette Pereira, anvertraut werden. Mello ist nach der in der Bucht von Rio de Janeiro liegenden Jlha das Cobras geschafft worden, da man fürchtet, daß sein Verbleiben in Rio Unruhen Hervorrufen könnte. Eine amtliche Depesche aus Rio de Janeiro besagt: Die Regierung erlangte Kenntnis, daß Kontreadmiral Custodia Mello fortgesetzte Versuche machte, die Marine aufzuwiegeln; obgleich dies nicht gelang, ist, dä das Verhalten zu beständigen Gerüchten Anlaß gab, deren Gegenstand Mello war, dessen Verhaftung als Disziplinarmaß- nahme für nötig erachtet. Die energische Handlung der Regierung machte auf die Bevölkerung der Hauptstadt und der ganzen Republik einen ausgezeichneten Eindruck. Es besteht kein Anlaß, eine Störung der Ordnung zu befürchten. Es herrscht vollkommene Ruhe. Nach einem Telegramm des „New-York Herald" aus Rio de Janeiro sind dort ganz außerordentliche Vorsichtsmaßregeln zur Verhinderung eines Aufstandes getroffen. Alle Besorgnisse konzentrieren sich auf die Marine. Die Kriegsschiffe werden streng überwacht, da man glaubt, daß man sich auf die Offiziere nicht ganz verlassen kann. Engländer und Buren. Die kriegerischen Operationen sind, soweit sie durch die Unterhandlungen unterbrochen waren, wieder in vollem Gange. Ueber das Mißgeschick, das dem General Campbell zwischen Standerton' und Vrede zugestoßen ist und ihm rund 200 Verwundete gekostet haben soll, herrscht noch immer tiefftes Schweigen. Der jüngst gemeldete Vorstoß gegen Lijdenburg und Krügers Po st wurde von Machado- dorp und Belfast aus durch je eine Abteilung ausgeführt. Bei Krügerspost war ein Burenlager unter Erasmus gemeldet worden, das aufgehoben werden sollte. Am dritten Tage nach dem Abmarsch trafen die britischen Abteilungen zusammen, und am darauffolgenden Morgen umgaben sie in aller Ruhe das Lager der Buren. Diese hatten offenbar keine Ahnung von dem Nahen der britischen Truppen. Die Engländer eröffneten das Feuer und brachten das Burenlager in Verwirrung. Die Buren leisteten nur geringen Widerstand, sodaß die Engländer das Lager nach kurzer Beschießung stürmen konnten. 52 Buren ergaben sich, nur zwei waren während des kurzen Kampfes gefallen. Das ganze Lager bestand aus ungefähr hundert Mann mit ihren Frauen und Kindern, ferner hatten sie eine große Anzahl Wagen, Karren, Pferde und Vieh bei sich Die vielen Vorräte, die sich im Laaer befanden, deuteten darauf hin, daß sich die Buren in dem Lager ganz wohl befunden hatten. General Erasmus und die anderen Gefangenen kamen am 21. ds. in Pretoria an. Dieser Fall ist wieder ein Beispiel dafür, daß die Buren in der Nachlässigkeit des Wachdienstes die Engländer noch übertreffen. Im südwestlichen Transvaal ist D e l a r e y zu erneuter Thäsigkeit übergegangen. Jeden Tag kommt es zu Gefechten, und General Cunningham hat Mühe, seine Verproviantierung von Krügersdorp aus aufrechtzuerhalten. Im Oranjefreistaat ist D e W e t scheinbar noch mit neuen Rüstungen beschäftigt. Ueber seinen Aufenthalt meldete Kitchener am 20., daß er in der Nähe von H e i l b r o n sei. Von Te Wet haben sich in jüngster Zeit verschiedene Unterführer getrennt. So Philipp Botha. Dieser hat bei Toornberg der Abteilung des Obersten Williams ein Gefecht geliefert, das unglücklich für ihn ablief. Er selbst fiel mit sieben anderen Buren; 30 seiner Leute, darunter zwei seiner Söhne, wurden verwundet und gerieten nebst zwei weiteren Buren in Gefangenschaft. Philipp Botha war der jüngste Bruder des Oberbefehlshabers, der in seiner Nähe noch einen zweiten Bruder Christian hat. Letzterer nimmt die Stelle eines Generals ein und ist eine der wesentlichsten Stützen Louis Bothas, während Philipp Botha nur ein lleines Kommando unter sich hatte und mit diesem zuletzt im iSüdwesten des Freistaates, nahe bei Kimberley, operierte. Wenn deshalb die Londoner Blätter aus dem jüngsten Ereignis die Schlußfolgerung ziehen, daß Louis Bocha durch den Tod seines Bruders einen in militärischer Hinsicht sehr schweren Verlust erlitten habe, so ist dies unrichtig. Andererseits bietet die Todesnachricht von Phllipp Botha für die Burenfteunde sogar in gewisser Beziehung eine Genugthuung. Tie britischen Berichterstatter hatten nämlich seit sechs Monaten immer wieder behauptet, daß Philipp Botha entschlossen sei, sich mit seiner Truppe den Engländern zu ergeben und daß er in englischem Sinne auf seinen Bruder Louis einzuwirken suche. Jetzt beweist jedoch fein Tod und die gleichzeitige Verwundung seiner Söhne, daß er bisher mutig in dem Kampfe ausgehalten und an eine Uebergabe ebenso wenig gedacht hat wie seine andern Brüder. China. Englands Rückzug in China soll durch allerlei Erfind- ungen der Londoner Preffe einstweilen noch verdeckt werden. So läßt sich die „Times- angeblich aus Peking melden, der russische Minister Gras Lambsdorf sei mit der englische» Regierung dahin übereingekommen, daß ber Streitfall in Tientsin der schiedsgerichtlichen Entscheidung des Grasen Waldersee unterworfen werden solle. Selbst wenn oer Streitfall in Ti°mfin noch nicht -nischi-d-n s«n sE-, wird sich doch Gras Waldersee oder, was dasselbe sagen will, di- deutsch- Regierung doch schönstens dafür bedanken, sich Ein zweiter, der auf eigene Faust jetzt den Guerillaj- krieg führt, ist Fourie, Er sollte nach früherer Meldung bei Dewetsdorp eingekreist werden, wird jedoch neuerdings« aus Thabanchu gemeldet. Es scheint, daß er von Dewetsdorp. mit Verlust von 200 Gefangenen, 140 000 Schafen, 5000 Pferden und einer großen Zahl Rinder entkommen ist, indem er nach Süden rechts und links an dem Oberstem Hickman vorbei durchbrach Es ist nicht Nar, ob die reiche Beute Fourie selbst abgenommen oder von den Engländern zusammengetrieben wurde. Dieses Zusammentreiben ist eine der Hauptaufgaben Bruce-Hamiltons, der von Ali- wal North einen Säuberungszug durch den südöstlia)en Freistaat macht. Rouxville, Zastron und Wepener, die Vorratskammern der Oranjer, hat er schon aus geräumt. In Wepener allein soll er 30 000 Säcke Getreide verbrannt habegu. Inzwischen ist er in das Gebiet von Ladybrand vorgerückt. In der Kapkolonie kreuzte Kritzinger die Eisenbahn bei der Station Henning am 21. in nordöstlicher Richtung undi scheint am 22. schon in der Nähe von Burghersdorp gewefen zu sein. Der Oberst Gorringe folgt ihm noch immer. Eine kleine Abteilung Kappolizei von Burghersdorp geriet beinahe in eine Falle, konnte sich aber mit Verlust einefi Gefangenen zurückziehen. Schee per s Abteilung hatte am 15. westlich von Graaff Reinet ein schweres Rückzugsgefecht. Im englischen Unterhause erflärte auf eine Anfrage Chamberlain, die Friedensunterhandlungen mit den Südafrikanischen Republiken feien ae» schlo ssen. Die Regierung bleibe ganz und gar bei den von ihr bereits mitgeteilten Ansichten und habe nicht die Absicht, die Unterhandlungen wieder zu eröffnen. Die Verhandlungen des deutschen Auswärtigen Amtes mit der englischen Regierung wegen der Entschädigungsansprüche der aus Transvaal ausgewiesenen Deutschen sind bereits teilweise zum Ab- schlutz gelangt. Eine Deputation Transvaal-Ausgewiesener, die unter Führung des Justizrats Kuhlow im Auswärtigen Amte in Audienz empfangen wurde, erhielt die Mitteilung, daß die englische Regierung sich bereit erklärt habenden; ausgewiesenen, jetzt zum größten Teil in Berlin ansässigen» deutschen Eisenbahnbeamten Entschädigungen zu gewähren. Für einzelne der Ausgewiesenen sind bereits Beträge bis zu. 5000 Mk. als Entschädigung festgesetzt worden. Die Summen sollen im Laufe des April zur Auszahlung gelangen. Eine Anzahl englischer Offiziere wird sich in d^n nächsten Tagen nachHomburg zur Kur begeben. ES si^d dies Offiziere, die am Kriege in Südaftika teilgenommen haben und invalide oder verwundet in die Heimat zurückkehrten. Die Gräfin Georgina Dudley trägt die gesamten Kosten der Offiziere in Bad Homburg. Wie verlautet, werden die Afrikakämpfer von der Kaiserin Friedrich empfangen werden. Merkwürdig, daß immer nur englische Offiziere, nicht aber auch Vertreter des Burenvolkes sich so hoher Aufmerksamkeiten erfreuen dürfen. Neutralität ist das doch wohl nicht. In feinem Buche „Zweimal gefangen" berichtet Earl Rosflyn folgendes Erlebnis mit Dewet: In einem Gefecht, in dem die Jnniskilling Füsiliere heftige Verlusts hatten, blieben nur zwei Mann und zwei Offiziere übrig, die umzingelt und gefangen wurden. Der eine Ofsizie» erzählte mir, daß er vor Dewet gebracht wurde. (£r bat diesen um Erlaubnis, den verwundeten Engländern Wasser geben zu dürfen. Sofort beorderte Dewet einige seinek Leute, Wasser zu holen und befestigte mit eigener Hand ein weißes Tuch um den Arm des englischen Offiziers. So, nun können Sie ungehindert umhergehen und Ihre Landsleute mit Wasser versehen." So wurde dieser Offizien anstatt Gefangener Krankenpfleger. Präsident Krüger wird, auf Anraten seiner Aerzte, im April nach Hilversum verziehen, wo Wald und Heide seinen Gesundheitszustand hoffentlich bessern werden. ♦ • Telegramme des Gießener Anzeigers. Loudon, 26' März. Das Reuter'sche Bureau meldet aus Pretoria: Offiziell wird mitgeteilt/ an 350 Pochwerke sei die Ermächtigung erteilt worden, die Arbeit in den Randminen wieder aufzvnehmen. Loudon, 26. März. Kitchener telegraphiert auS Pretoria vom 25. d. MtS.: Die Kolonne Babington griff südwestlich von BenterSdorf 1500 Buren unter Delaretz an und schlug sie völlig. Er verfolgte sie rasch und erbeutete 2 Feldgeschütze, 320 Geschosse, ein Pompom-Geschütz, 6 Moximgeschütze, 15000 Kartätschen, 160 Flinten, 53 größere und 24 kleinere Wagen. — 14u Buren wurden gefangen genommen, viele gelötet und verwundet. Unsere Verluste sind gering. habet schiedsgerichtlich die Finger zu verbrennen. Wahrscheinlicher als jene „Times"-Meldung klingt baß in London umlaufende Gerücht, daß die Russen, nachdem die Engländer die von ihnen innegehabten Positionen in Tientsin verlassen hatten, dort wieder russische Flaggen gehißt hätten. Daß vor der Hand noch keineswegs volle Ruhe in Tientsin eingetreten ist, beweist folgende Meldung des R. B. aus Tientsin vom 25. d. M.: Bei einer Schlägerei unter Soldaten verschiedener Nationalität wurden am Sonnta; abend zwei Leute der WaleS-Füsiliere und ein Mann des Viktoria-Kontingents, die in der Ausübung von Polizei- Liensten begriffen waren, mit der blanken Waffe angegriffen und niedergemacht. Also drei englische Soldaten sind von Soldaten anderer europäischer Nationen ermordet worden. Im englischen Unterhaus fragte Bartlett an, ob die russische Regierung der chinesischen Regierung das zwischen dem russischen und chinesischen Vertreter in Porth Arthur abgeschlossene Abkommen in etwas abgeänderter Form unterbreitet habe und ob Rußland sich von dem sogenannten euro päischen Konzert zurückgezogen habe. Der Unterstaatssekretär des Auswärtigen Granborne erwidert, soviel die Regierung wisse, werde über die Einzelbestimmungen des Abkommens noch weiterberaten. Die russische Regierung habe der eng Üschen Regierung mitgeteilt, daß sie nicht beabsichtige, auf daß Zusammengehen mit den übrigen Mächten zu verzichten. ♦ • * Telegramme des Gießener Anzeiger-. London, 26. März. „Daily Chronicle" meldet auß Hongkong von gestern: Der zur Zeit in Amoy ankernde Kreuzer „Terrible" erhielt telegraphisch die Anweisung sofort nach Taku zu gehen. Loudon, 26. März. Edward Grey hielt gestern bei einem Diner der liberalen Imperialisten eine Rede, worin er hervorhob, der Konflikt in China zwischen Rußland und England sei nicht so viel wert, daß man sich schlage. England müsse aber Rußland darauf aufmerksam machen, daß dieseß seine Bestrebungen auf eigene Kosien, nicht aber auf die Englands verwirkliche. DaS wahre Interesse Englands in China liege in der Politik der „offenen Thür". Wenn die Mächte versuchen sollten, besondere Privilegien zu erlangen und ihre ehrgeizigen Pläne auf Kosten anderer zu verwirklichen, so würde daraus sicher ein Konflikt entstehen. Deutsches Reich. Berlin, 25. März. Der Kaiser empfing am Sonn- lag den Statthalter von Elsaß-Lothringen, den Fürsten £ Hohenlohe-Langenburg. Heute hatte der Statthalter eine Besprechung mit dem Reichskanzler Grafen v. Bülow. Es - soll sich um wichtige politische Fragen für die Reichslande handeln. Der Besprechung wohnte auch der Unterstaatssekretär von Elsaß-Lothringen, Herr v. Puttkamer bei. — Der Kaiser und die Kaiserin werden, gutem' Vernehmen nach, anfangs'Mas d. I. in T o n au e schi n g e n eintreffen, um den Fürstlich Fürstender gschen Herrschaften einen kurzen Besuch abzustatten. — An den letzten Abenden soll der Kaiser wiederholt iS tat gespielt haben, den er liebt, aber nicht höher, als nm ein Viertel Pfennig zu spielen pflegt. Sehr häufig wird dazu Exellenz v. Podbielskr geladen, der ein vorzüglicher Spieler ist. Mit diesem zusammen waren, wie der Hof- dericht meldet, Mitchvoch abend Admiral Hollmann und Generalleutnant v. Kessel eingeladen. —,/®ie Kaiserin empfing am Samstag im Schlosse nie Präsidenten des Zentralkomitees für Lungenheilstätten, Ine Geheimräte Fränkel-Berlin, Ziemssen-München, den Generalsekretär Oberstabsarzt v. Pannwitz, sowie elf Hauptvertreter der deutschen Heilstättenbewegung in einstündiger Audienz, und gab in eingehendsten Gesprächen, namentlich auch mit Professor Ziemssen-München ihrer lebhaftesten Teilnahme für die Heilstätten-Bestrebungen Ausdruck. — Die.Besserung in dem Befinden der Kaiserin Friedrich hat, wie aus Cronberg gemeldet wird, auch in den letzten Tagen angehalten, obwohl die Ausfahrten der hohen Frau, der rauhen und stürmischen Witterung wegen, auf Anraten des Leibarztes Dr. Spielhagen zeitweilig eine Einschränkung erfahren mußten. Bei dem gegenwärtig sehr befriedigenden Zustande der Kaiserin Friedrich darf eine erneute Konsultation resp. Berufung des Professors Dr. Renvers an das Krankenlager der hohen Frau auf absehbare Zeit als völlig ausgeschlossen gelten. In diesen Tagen werden Prinz und Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe von Bonn zurückerwärtet. — Der Kronprinz wird, wie aus Bonn berichtet ivird, am 24. April zur Ausnahme seiner Universitäts- shudien dort eintreffen und zunächst mehrere Wochen im Hotel Royal wohnen. Der Kronprinz wird sich in Bonn nicht auf «juristische Studien besch-ränken, sondern auch historische, litterarhistorische, naturwissenschaftliche und sprachliche Vorlesungen hören. Auch wird er nicht nur „Privatissima" hören, sondern wie jeder andere Student an privaten und öffentlichen Vorlesungen teilnehmen. — Wie in Neiße in militärischen Kreisen verlautet, wird der frühere Gouverneur von Ostafrika, Generalmajo v. Lieb er t, an Stelle des Generalleutnants v. Massow, der in den Ruhestand tritt, zum Kommandeur der zwölften Division ernannt werden. schreiben^^ $$$ Stöcker veröffentlicht folgendes Dank- „Mir sind infolge meiner zweitägigen Kämpfe mit oer Sozialdemokratie im Reichstage so viele Aeußerungen von Teilnahme und Entrüstung, Glückwünsche, Zustimmungen, Freudenbezeugungen und Ermunterungen zugegangen, daß ich unmöglich jedem einzelnen, der mich begrüßt hat, antworten kann Ich spreche hiermit allen Freunden meinen ausrichtigen Dank aus und grüße fte in der Gemeinschaft des Geistes und der Ueberzeugung. Berlin, 25. März 1901. Adolf Stöcker" — In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank bemerkte Präsident Dr. Koch im An- Muh an die letzte Wochenübersickst, daß die Lage seit Er- -mäßigung des Diskonts um ein halbes Prozent nicht erheblich verändert ist. Die Anlage sei noch etwa ebenso «groß wie in der gleichen Zeit des Vorjahres bei einem Rückgang der diskontierten Schatzanweisungen um etwa 30 Millionen, nämlich 808 Millionen, und höher als in den beiden Vorjahren, das Metall ist um 65 Millionen besser, und die fremden Gelder sind nicht unwesentlich höher als in den vergangenen drei Jahren. D-er Privatdiskont sei gestiegen, der Kurs der ftemden Wechsel sei bei sehr unbedeutenden Goldbewegungen stetig gefallen. Eine Diskontveränderung empfehle sich jetzt um so weniger, als gegen Schluß des Vierteljahres sicherlich eine bedeutende Inanspruchnahme der Reichsbank bevorstehe. Gegen diese Ausführungen wurde von keiner Seite Widerspruch erhoben. Hierauf wurden die Deputierten des Zentralausschusses und deren Stellvertreter sämtlich auf ein Jahr wiedergewählt. — Eine Deputation der Synode II hat bei dem Generat- superintendenten gegen das „große Aergernis", wie das Stöckersche „Volk" sich ausdrückt, protestiert, „das der Kv n- sistorialrat Reike als Mitglied des Goethebundes zum Schuß der Unsittlichkeit in Kunst und Litteratur gegeben bat." Das „Volk" meldet jetzt, daß jetzt die Ans^ trittserklärung des Konsistorialrats Reike aus dem Vorstand des Goethebundes wirklich erfolgt sei und fügt hieran die Bemerkung: „Das Aergernis ist freilich damit nicht ans der Welt geschafft und die nächste Generalsynode hätte alle Ursache, den wunderbaren Konsistorialrat einmal gründlich bei Licht zu Pesehen!" (Der arme Sünder kann von Glück sagen, daß die Zeit der „gesegneten Scheiterhaufen" vorüber ist. D. Red.) Aus Stadt Md Aand. «iefcen, 26. März 1901. * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag dem 28. März, nach mittags 4 Uhr: 1. Gesuch des L. Huhn und W. Engel. Hardt um Anlage eines Kanals nach dem Schoorgraben zwecks Entwässerung ihrer Häuser in der Blockstraße. 2. Gesuch der Witwe Leierzapf um Erlaubnis zur Anlage einer Ueber- brückung nach ihrem Hause in der Schützenstraße. 3. Auffüllung der verlängerten Aliceftraße; hier: Zahlung von Vergütung für Grundauffüllung. 4. Verkauf eines Bauplatzes an der Moltkestraße an A. K. E. Noll. 5. DiSPensatiouSgesuch Zurbuch. 6. Unterhaltung des Erbbegräbnisses der Familie des Professors Dr. Bix von Gießen. 7. Gesuch der städti- scheu Straßenkehrer 3. Lohnklasse um Lohnerhöhung. 8. Prüfung der Rechnung der Stadt Gießen für 1898/99; hier: Bemerkung 22 und 47, 9. Beschädigung eineß Baumeß in der Löberstraße durch Wilhelm Hilgärtner; hier: Gesuch desselben um Erlaß deß Schadensersatzes. 10. Gesuch der Unterstützungßkaffe für hilfsbedürftige Deutsche in Budapest um Gewährung einer Beihilfe. 11. Neubesetzung der Stelle deß Stadtkaffedienerß. 12. Gehalte der Forstwarte. 13. Voranschlag der Realschule zu Gießen für 1902/03. 14. Er- richtung eineß Bezirkßschulhauseß. 15. Gesuch deß Jakob Noll zu Gießen um Erlaubnis zum Wirtschaftßbetrieb im Hause Selterßweg Nr. 13. * * Winternnterhaltung. Am Samstag veranstaltete die Bürgergesellschaft ihre letzte Winterunterhaltung in der Turnhalle deß Turnvereins. Die gemischten Chöre: „Frühlingspolka" von Zedtler, „Braun Maidelein" von Jüngst und „Ueberß Jahr, mein Schatz," von v. d. Stacken, sind unter der umsichtigen und bewährten Leitung deß Dirigenten Lehrer Mulch flott und exakt zur Ausführung gekommen. Außer diesen Gesängen wollen wir noch der drei Theater tücke gedenken, die recht gut gespielt wurden und zur Er« Weiterung der zahlreich erschienenen Mitglieder mit ihren Familien viel beigetragen haben. Ein flotter Tanz hielt die Anwesenden biß zum frühen Morgen in gemütlicher Stimmung zusammen. — Am Sonntagnachmittag vereinigten sich die Familien auf Textorß Terrasse und auch dort wurde noch mancheß schöne Lied zum Besien gegeben. P. Mit dem Frühling sieht es noch ziemlich faul auß. Gestern abend trat bei unß starker Schneefall ein. Heute haben wir einen schönen sonnigen Wintertag. Aus Berlin meldet man Tauwetter mit Schneefall, vom Niederrhein Frost und Schneefälle. Vielleicht werden wir noch zu Ostern die Eisbahn bevölkert sehen, 5 biß 6 Grad Kälte wie heute morgen fabrizieren in 2 bis 3 Tagen die schönste Eisbahn. Falb, der unfteiwillige Wetter-Witzbold, prophezeit zwar vom 23. biß 27. März: „die Regen setzen sich mit etwaß geringer Stärke und Außbreitung fort, die Temperatur hält sich aufbedentenderHöhe. Stellenweise treten Gewitter ein." 8 Butzbach, 25. März. Auch die hiesige Gegend wurde in letzter Zeit von Zigeuner,r heimgesucht. Eine Bande )ieses fahrenden Volkes, das Ende verflossener Woche in dem Nachbardorf Hoch-Weisel übernachten wollte, mußte ob ihrer Zudringlichkeit zum Weiterziehen aufgeordert werden; diesem Verlangen kam die braune Gesell- chaft aber erst nach, als die Bürger mit der Feuerspritze gegen sie losrückten und ihrer Aufforderung den entsprechenden Nachdruck verliehen. — In Münzenberg hat sich kürzlich ebenfalls eine Ortsgruppe des hessischen Bauernbundes gebildet. § Butzbach, 26. März. Heute früh um 4 Uhr erscholl hier Feuerlärm. Ein Seitenbau des Fabrikanwesens der im Dezember auf tragische Weise geendeten Eheleute Hermann Küchel stand plötzlich in Flammen, die sich rasch auf die übrigen Gebäude der Farbenfabrik verbreiteten, sodaß um 7 Uhr baß ganze Anwesen mit Ausnahme beß Wohnhauses eingeäschert war. Mit großer Mühe würben ein in ber Fabrik schlafender Knecht, sowie die Pferde aus dem anstoßenden Stalle durch bas Eingreifen einiger Herren gerettet. Der Branbschaben ist enorm, er wirb je« boch teilweise durch Versicherung gebeckt. () Grebenhain, 25. März. Bei der Fischerei-Verpachtung in Bermuthshain waren diesmal Pächter die Herren Karl Strauch, Gastwirt, Postverwalter Breittvieser und Dr. Bruchhäuser, alle von Grebenhain auf weitere zwölf Jahre. Darmstadt, 25. März. Das Großh. Ministerium des Innern hat den nackfftehend genannten Kriegerve r e i n e n die Erlaubnis erteilt, Fahnen mit dem Landes- wappen tu führen: Aspisheim, Dirlamm, Engelstadt, Feld- krücken, Gabsheim, Hühnlein, Jugenheim, Kelsterbach, Maulbach, Merlau, Ober-Breidenbach, Raibach, Rockenberg, Ruttershausen, Schwalheim, Steinau, Trösel, Wahlen, Wem- bach-Hahn. — Die Gewinne der Hassia-Ge sell schäft s- lotterie müssen bis zum 1. April d. I. abgeholt sein, andernfalls verfallen sie zu Gunsten ber allgemeinen Unterstützungskasse des Landesverbandes. — Nach Erfiillung der satzungsmäßigen Pflichten sind folgende Vereine in die „Hassi a" ausgenommen worden: Veteranenverein Feuerbach, Bezirk Nidda, mit 41 Mitgliedern, Kriegerverein Lehnheim, Bezirk Grünberg, mit 15 Mitgliedern. Sch. Darmstadt, 26. März, 1 Uhr 15 Min. (Tel.. Meld. b. „Gieß. Anz.") Die 6. evangelische Landeß- syu obe würbe heute vormittag vom Vorfitzenbea Geh. Justizrat Dr. Weber aus Offenbach unb durch ein baran an* schließenbeS Gebet des Pfarrers Fink aus Zwingenberg eröffnet. Es erfolgte bie Vereibigung ber neu einge- tretenen Synobalmitglieber, Mebizinalrat Dr. Vogt aus Butzbach, Pfarrer SchönhanS aus Großen-Linben unb Pfarrer Vogt auß Lauterbach. Oberkonsistorialpräfibent Buchner stellt hierauf ben neuen Oberkonfiftorialvertreter Dr. Flöring vor. Gewählt würbe zum welUichen Abgeordneten im Dekanat Friebberg Mebizinalrat Dr. Vogt auß Butzbach, zu dessen Stellvertreter Bürgermeister Steinhäuser aus Friedberg, als Stellvertreter beß weltlichen Abgeorbneten beß Dekanatß Friebberg Rechnungsrat Hermann auß Zwingenberg. Alsdann wurde in bie Besprechung ber dringlichen Interpellation ber Abgeorbneten Bernbeck unb Genossen eingetreten, betreffend baß Ausschreiben beß Großh. Oberkonfistoriumß vom 21. Oktober 1900. Oberkonsistorialpräfibent Buchner verliest eine auß« führliche Erklärung, in ber ber Stanbpunkt beß Ober-Kon- fistoriumß festgelegt unb alle ihm gemachten Vorwürfe zurückgewiesen werben. Bei ben sich hieran anschließenden Erklärungen unb wegen Zursprachekommen ber internen Der- Handlung mit dem Großherzog unb seinen Beratern wirb bie Oeffentlichkeit für kurze Zeit ausgeschlossen. fc. Wixhausen, 25. März. Am Samstag Abend betrat der Fabrikarbeiter Georg Jung mit einem brepnendenLicht ben Abort seines an ber Lubwigsstraße gelegenen Hauses. Plötzlich erfolgte eine heftige Explosion, burch bie Jung gegen eine Mauer geschleudert wurde. Er erlitt furchtbare Brandwunden, und wurde derart zugerichtet, baß er kaum wieber zu erkennen ist unb in baß Hospital nach Darmstabt gebracht werben mußte. Die Explosion, bie wohl auf auSgeströmte Gase zurückzuführen ist, war so stark, baß bie ganze Straße erzitterte. fc. Bingen, 25. März. Ein baß hiesige Technikum be- suchenber junger Mann vom Nieberrhein stammend, verübte heute nacht einen Selbstmordversuch. Trotzdem er sich eine Kugel in den Kops und zwei in den Unterleib jagte, befindet sich der Schwerverletzte im hiesigen Hospital, wohin er noch in ber Nacht gebracht würbe, noch am Leben, aller- bings mit bem Tobe ringenb. Leichtsinnige Streiche machten bem jungen Manne Sorge, unb biese trieben ihn zum Selbstmord. Frankfurt a. M., 25. März. Der Verein zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt für Süd- und Westdeutschland hielt hier am Sonntag eine Versammlung ab. Es waren Handelskammern und andere Korporationen vertreten aus den Städten Frankfurt a. M., Offenbach, Hanau, Wiesbaden, Koblenz, Metz, Würzburg, Gießen, Weülar, Limburg und Niederlahnstein. Nach einem Referat oes Herrn Schloßmacher, Syndikus der Handelskammer in Offenbach, über die Bedeutung der M i t t e l - landkanal-Vorlage wurde die von ihm vorgeschlagene Resolution angenommen. Die Resolution sagt, die Vorlage sei ein dankbar zu begrüßender Ausfluß weiser Staatsfürsorge. Ihre Annahme sei eine im dringenden Interesse aller Erwerbskreise der beteiligten Landstriche und der gesamten Nationalwohlfahrt gelegene wirtschaftlich-politische Notwendigkeit. Der zweite Referent, Dr. Gertz-Koblenz, vertrat die Interessen der Mosel. Die Versammlung beschloß, der vreuß. Staatsregierung zu empfehlen, im Interesse des Hanoels, der Industrie, des Klein geiverbes und nicht zum mindesten der Landwirtschaft die Kanalisierung der Mosel baldmöglichst in die Wege zu leiten, und zwar ohne Rücksicht auf andere Kanalprojekte, da die Kanalisierung der Mosel ihre Bedeutung für sich habe. — Auch die Interessen der Lahn fanden ihre warme Vertretung durch Generaldirektor Kaiser-Wetzlar. An die von ihm vor geschlagene Resolution knüpfte sich noch (wie auch bei den anderen Resolutionen) eine Diskussion, in der R.-A. Dr. Tahlen-Oberstein betonte, daß durch das Zurückgehen der Lahnschifffahrt die Existenz des Mittel st andes so ziemlich ganz vernichtet fei. Das sei auch in der Resolution zu betonen. Diele besagt, daß die geplante Kanalisierung (Rhein-Elbe) und Mosel den Wettbewerb der Jahrhunderte alten Erz- und Eisen-Industrie des Lahn- und Dillgebietes schwer schädigen lverde, und hält die längst geforderte Kanalisierung der Lahn im wirtschaftlichen Interesse für dringend geboten, fc. WachterSbach, 25. März. Prinzessin Elisabeth zu Isenburg unb Bübingen in Wächtersbach, geboren am 12. November 1883, eine Urenkelin beß letzten Kurfürsten von Hessen, hat sich in Lugano mit bem Grafen Edward Dißroussiaux verlobt. ** Kleine Mitteilungen tu8 Hessen und ben Nachbarstaaten. Ein irrsinnig gewordener Reisender, namenß Nowotny auß Kastel, machte in Mainz einen Mordversuch gegen feine Frau. Er verletzte sie durch einen Stich in den Halß lebensgefährlich. — Daß Domkapitel in Mainz hat den Professor Dr. Ludwig Benedix zum Domkapitular gewählt. — In gemeinschaftlicher Sitzung beß Magistrats unb ber Stadtverordneten zu Marburg wurde zum besoldeten Beigeord- neten ber Stabtbaumeister Emil Schimpfs aus Rastenburg in Ostpreußen gewählt. ' Schimpfs ist Darmstäbter von Geburt. Vermischtes. * Dreßben, 25. März. Zu ber Ermordung beß DreSbener Kammermusikers Gunkel, über bie wir bereits berichteten, werben noch folgenbe nähere Einzelheiten berichtet: AbenbS nach Schluß des Theaterß, fuhr Gunkel wie gewöhnlich mit bem sogen. „Theaterwagen" ber elektrischen Straßenbahn nach Hause. Auf betreiben Seite wie er Äbtnb betrat :epntnbtn Licht jenen Haust«, uch bie Jung edilt Furcht, zugnichtet, daß ! Hospital nach iofwn, bie wohl it so stark, daß t Tkchllikuw bt» ftammenb, Der* Trotzdem er Unterleib sagte, -ospital, wohiu Leben, aller* [innige Streiche trieben ihn zm &**£%*& rit I»" Ereilt zur iffahrt für utag eine Berit» andere Äot* Mrt a. M., Mchura, (Mein, ^ach aW der Han* aderMittel- n vorgeschlageue sagt, die Bor* ß weiser vtaals- ,enden Jnteresie iche und ber ge* i 3ntere)ie des und nichts nur der Mstl rotit ohne W* MtisierungM ch die Inte» durch GeneA n anderen W rSalxl'6'^ sH ,5“ rss$ M Alibi» Prose^ lflt M - 9 ÖeT it * der d* r aus in ' öOD ^hlen, $ent Äütz DE «'N- in di -rein tCc*n&;n, ®». (IH,. *2=nb.e. MS»»» , l*b«aii an. ; ^^nbera " nea einoec ,at Dr. boat Minben m [norialoräfibent tftorialnertreter 'eltlicheo «bge- ra/®r. Sogt >t'ster Stein, de» weltlichen ^rchaungsrat lrde in bie Ve- r ^geordneten end das Ans- ».21. Oktober rliest eine ans. des Dber-Ron* orwürfe zurück* kchließenden Tr. internen 8er* Beratern wirb Frankfurt, den 26. März 8>/i % ßeichaanieihe . Tendenz ruhig. 8% »VeO/o 8% 8Veo/o Höchste Temperatur Niedrigste „ am u Kreditaktien . . . Dißkonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oeeterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Lamahütte , . . Bochum . . . . Harpener . . . . do Konsole . do Heesen . 98.25 . 88 10 . 98.40 . 88.10 . 94.25 . 95.80 43.70 . 25.25 . 25.60 . 81 50 Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. fc. Frankfurt cu M., 25. März. Die Verwaltung der Frankfurter Ledenhverstcheruvgsgetelltchait schlägt 14 P- oz. Dividende (im Vorjahre 10'/, Proz.) vor. — Eisenwtrke Htrzenham und Lollar zu Lollar 8 Proz. (t. B. 6 Proz.) auf bie Vrtorttäts- und 6 Proz. (t. V + 5.60 c. — 5.80 c. Bremen, 26. März. Tie Untersuchung gegen Weiland ist abgeschlossen. Weiland wurde in eine Krankenanstal't zur Beobachtung seines Geisteszustandes überfährt. Zürich, 26. März. Der Brauer Rumpe, Dater von echs Kindern, hat in Gemeinschaft mit seiner Frau, da- etwas mehr.als zwei Jahre alte S ti e fläch ter chen monate- ang schändlichst mißhandelt. Sie faßten das Kind an den Beinen, warfen es an den Ofen, hielten es nackt viertelstundenlang unter laufendes kaltes Wasser, würgten es täglich, bis ihm der Schaum aus dem Munde, das Blut ouS der Nase und den Ohren lief, gaben ihm Fußtritte und ießeu es halb im Unrat verkümmern. Die Frau erhielt ein Jahr Gefängnis. Der völlig stupide Ehemann soll vorerst zur Beobachtung in eine Irrenanstalt gebracht werden. . 227 70 . 187 00 . 186 20 . 148 10 . 154.10 . 149 00 . 165.20 . 215 00 . 198.75 . 179 9) Eisenbahn Zeitung. fc Frankfurt a. M., 25. März. Die Unterbauarbeiten für die Bahn Höchst-Königstein wurden d.r htestgen Firma Aktiengesellschaft für Hoch- und Tiefbauten norm. Ph. Helfmann für die Summe von 210 000 Ml. übertragen. Die BetriebSeröffnung auf der Bahn soll in 7—8 Monaten eriolaen. Krieskasten der Redaktion. Anfragen ohne volle Angaben der Adresse bleiben uoberückstchtigt. Brsist.che Auskunft erteilen wir nicht. Alle Anfragen sind zu richten: Briefkasten der Redaktion deS „Gießener Anzeigers". (Sprechstunde 6—7 Uhr nachmittags.) «. B. 100, x (o) sind 0-Beine. 1 y heißt unausgebildete Plattfüßigkeit. 1 p heißt die alS Bruchanlage bezeichnete bloße Erweiterung deS äußeren Leifienringes oder Heroorwölbung der verdünnten Bauchwand in der Gegend des Leistenkanals bei Hustenstößen usw. 8.ta allgemeine Körperschwäche. (121) W. R. 80. Anl. III Hrz. heißt: vorübergehende Herzaffektion. y = siehe 121. 1 — leichte Krümmung deS Nackens und geringe, im bekleideten Zustand nicht auffallende Schiefheit des HalseS bei vollkommener Bewegungsfreiheit desselben. (120) Gerilhtssaat. Mainz, 25. März. Die Strafkammer des hiesigen Landyerichts verurteilte heute dm Schriftsteller Otto Dunkel wegen Betrugs in fünf Fällen und Anmaßung des Doktorritels zu einer Zuchthausstrafe von 2 Jahr 6 Monat, einer Haftstrafe von 30 Tagen und einer Geldbuße von 750 Mk. Außerdem werden Dunkel die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren aberkannt. Berlin, 25. März. Die erste Strafkammer des Landgerichts sprach auf Antrag des Staatsanwalts den Rechtskandidaten Helm ecke, der wegen fahrlässiger Tötung des Studenten Peine angeklagt war, frei 24.-25. März n ii Meteorologische Beobachtungen der Station Gieren. 5°/c Italien. Rente . . 40/0 6riech. Monop.-Anl, 8 °/o Portugiesen . . 8 0/0 Mexikaner . . . 41/g 0/0 Chinesen . . . Ärmste Meldungen. G. Darmstadt, 26. März. 1 Uhr 45 Min. (Telephon- Meld. d. „Gieß. Anz.") Heute morgen 9 Uhr setzt die Zweite Kammer mit der Beratung des Gesetzentwurfs über das Faselwesen die Sitzung fort. Ministerialrat Braun stellte est, daß der Gesetzentwurf als Grundgedanke eine intensivere Züchtung, größere Selbständigkeit der Zuckit und Ausdehnung des Faselwcsens^auf Schweine und Ziegen enthalten und die Großh. Regierung es für nötig gehalten habe, die Frage zu regeln. Nachdem die Abgg. Weidner, Wolff und Leun sich mit Entschiedenheit acgen den Gesetzentwurf ausgesprochen, wird dieser an den Ausschuß zu- rüctverwieseu. Darauf wird der Antrag der Abgg. Ulrich und Haas (Darmstadt) über die Erhöhung der Getreidezölle zur Beratung gezogen. Abg. Heidenreich als Berichterstatter giebt dem Hause ein eingehendes Bild von dem Stande der Landwirtschaft und deren Notlage. Um 1 Uhr wird die Sitzung auf Mittwoch 9 Uhr vertagt. 4 Droz.) euf die Stammaktien. — Leberwerke oorm. Ph. I. Spicharz- Offmbach 3 Proz. (wie im Vorjahre). — Frankfurter Margirin-Ge- cllschast: Be.lust Mk. 25 613 (L V. Gewinn Mk. 23 049). vietzen, 26. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Psd. JC 0.90—1,00, Hühnereier per St. 6—0 4, 2 St. 00-00 Enteneier 2 St. 00—16 .3, Gäw-- eiet per St. 00—00 .3, «äse 1 St. 5—8 <£, Käsematte 2 St. 5—8 Erbsen per Liter 22 , Linsen per Liter 84 , Tauben per Pan: 1.00—1.20, Hühner per St. JC 1.50—2 20, Hahnen per Stück X 1.80-2.00, Enten per St. M 2.00—2.30, Gänse per Psd. M 0.00 bu 0.00, Ochsen fleisch per Pfd. 68—74 3, Kuh. und Rindfleisch per Pfund 60—64 Schweinefleisch per Psd. 64—74 4, Schweinefleisch, gesalzen, per Psd. 78 4, Kalbfleisch per Pfd, 60—66 3, Hammelfleisch per Pfd. 50—66 4, Kartoffeln per 100 Kilo 6.50—7.50 JC, Weißkraut per St. 00— 00 Zwiebeln per Ctr. M 6.50—7.50, Milch per Liter 18 4. Arbeiterbewegung. -k- Mainz, 25. März. Während der bevorstehenden Osterntage indet hier der achte Kongreß der Bäckereiarbetter Deutschlands statt, die Dauer ist auf vier Tage berechnet worden. Der Kongreß soll eine allgemeine Kundgebung zu gunsten des Moximalarbeitstags bilden. Außerdem wird der Kongreß auch zu dem geplanten General» treik bei Abänderung der Bäckereiverordnung Stellung nehmen, und über )ie Einführung einer Arbeitslosenunterstützung Beschluß fasten. Marseille, 25. März. Die Lage ist unverändert. Kein Zwischen fall von Bedeutung ereignete sich bisher. Die Zahl der im Ausstand be- indlichen Maschinenarbeiter beträgt 1200. Einige Straßenbahnwagen verehren noch. Die Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind weniger in die Augen fallend. An den Quais arbeiten etwa 1300, obwohl Ausständige, die am Quai Joliette Aufstellung nahmen, eine gewisse Anzahl Arbeitswilliger am Betreten der DockS verhinderten. Montcea« leS Mine-, 25. März. Mehrere hundert Arbeiter vom Syndikat Nr. 2 nahmen vormittags unter dem Schutz von Genvdarmen und Soldaten die Arbeit wieder aus. Ein Zwischenfall ist nicht vorgekommen. t , Neapel, 25. Mainz. Zwischen dem Hafenkapitän, dem Handels» kammerpräsidenten und den Führern der Auslader und Hafenarbetter fand heute eine Unterredung in der Präfektur statt. Der Präfekt machte ver- öhnliche Vorschläge zur Einstellung des Ausstandes. Versammlungen beider Parteien werden morgen vormittag Über diese Vorschläge beraten. saß Frau Jahuel, mit zwei großen, schönen Bouquetts in den Händen. Plötzlich fiel in dem mit Fahrgästen stark be» setzten Wagen ein Schuß. Gunkel fiel vornüber vom Sitze und blieb sofort tot auf der Stelle liegen. Man kann sich die Aufregung denken, die die Fahrgäste ergriff. Die Ber wirrung erreichte den höchsten Grad, als Frau Jahnel den in dem einen Bouquett versteckten, sorgfältig eingebundenen Re» volver auf sich selbst richtete. Der Wagen war inzwischen zum Stehen gebracht, die Fahrgäste ergriffen die Flucht. 1 Der Schaffner stürzte sich sofort auf die dem Fahrpersonal schon längst als überspannt bekannte Frau Jahnel, riß ihre Hand zurück und entwand ihr die versteckte Waffe. Frau Jahnel warf sich auf die Leiche und fing an zu jammern. Sie hatte sich mit den zwei auf sich selbst gerichteten Schüffen nicht getroffen, der erste Schuß, den sie auf sich abgab, schlug durch das Fenster, der zweite streifte sie am Hute, den, sowie die Haare er etwas verbrannte, während er beinahe den hinter ihr stehenden, ihr die Waffe entwindenden Schaffner getroffen hätte. Alsbald erschien auch die Polizei, nahm die Thäterin in Haft, die sich ohne Widerstand in ihr Schicksal ergab, und nun erst kam man darauf, daß auch in dem zweiten Bouquett, das noch im Wagen lag, ebenfalls ein Revolver unter den künstlichen Blumen sorgfältig verborgen war. Frau Jahnel wollte noch im letzten Moment dieses Bouquett an sich reißen, sie wollte wohl einen zweiten Selbstmordversuch machen, doch wurde sie rechtzeitig daran ver- hindert. Als man die Revolver, die in dem Bouquett eingebunden waren, fand, wurde man sich erst klar, wie eigentlich die That vollführt worden war. Zwischen der Atten» täterin und Gunkel saß eine fremde Dame, rechts von Gunkel eine diesem bekannte Doktorsgattin, mit der Gunkel im Gespräch war. Seine Stellung war also so, daß sein Kopf beim Sprechen nach rechts gewendet war; während Gunkel sich so unterhielt, und auf seine weite Umgebung gar nicht achtete, schob Frau Jahnel mit der rechten Hand hinter dem Nacken der zwischen ihr und Gunkel sitzenden Dame ein Bouquett durch, in welchem ein Revolver verborgen war, und schoß Das Projektil drang dem unglücklichen Künstler in das Hinterhaupt und trat in der Augengegend aus. Die Kugel wurde im Wagen am Polster gefunden, es waren Waffen von 9 Millimeter Kaliber, also absolut tötlich. Die Angehörigen Gunkel- bestreiten, daß der Verstorbene ein Verhältnis mit Frau Jahnel, seiner Mörderin, unterhalten habe, doch geben sie zu, daß Gunkel kostbare Geschenke, wie Brillantringe, Brillanlknöpfe, einen Konzertflügel :c. von ihr angenommen habe. Ein Bruder des Ermordeten veröffent* licht folgende Erklärung: „Ein Liebesverhältnis zwischen dem KammermusikuS Adolf Gunkel und Frau Jahnel hat, nach der Jahnel eigenem schriftlichen Geständnis in mehreren Briesen, nicht bestanden. Ebenso ist eine Scheidung der Jahnel von ihrem Ehemann (dem Direktor der Oesterreichi» scheu Nordwest-DamPfschifffahrtS'Gesellschaft) wegen ihres angeblichen Verhältnisses mit Gunkel nicht erfolgt. ES haben im Gegenteil zwischen Gunkel und dem in Aussig an der Elbe lebenden Manne der Jahnel bis in die letzte Zeit hinein freundschaftliche Beziehungen bestanden. Lediglich die konsequente Abweisung der Jahnel durch Gunkel ist die Ursache deS traurigen Ausganges gewesen. Alles Uebrige werden die Verhandlungen vor Gericht aufllären.“ Inzwischen ist die Leiche deS unglücklichen Komponisten und Kammermusikus von der Staatsanwaltschaft freigegeben worden; die Beerdigung fand am Montag statt. Frau Jahuel wurde dem im Secierraum der königlichen Staatsanwaltschaft im Justizge» bäude befindlichen Leichnam ihres Opfers noch einmal gegenüber gestellt. Sie war völlig gebrochen. Im llebrigen wollte Frau Jahnel ursprünglich Gunkel schon während der Vorstellung in der Oper erschießen. Sie bemühte sich an» gelegcntlichst, mehrere Plätze in der ersten Parkettreihe zu erlangen, was aber nicht möglich war. ♦ Karlsruhe, 25. März. Aus Baden und Elsaß Uniorrsitüts Nachrichten. — Von Seiten des Kaisers von Korea ist an Dr. Albert Wagner in Stuttgart, bisherigen zweiten Lehrer der Landes Hebammenanstalt, ein Anerbieten ergangen, bie Funktion eines Leibarztes zu Übernehmen mit dem gleichzeitigen Auftrag, in Soul eine medizinische Fakultät ein- zurichten. Dr. Wagner hat aber bei den gegenwärtigen verwickelten Ber» hältniffcn im äußersten Osten vorgezogen, diesem Ruf vorerst nicht Folge zu leisten. — Aus Würzburg, 24. März, wird geschrieben: Der Privatdozent an der Universität Zürich, Dr. E. Overton, hat den Ruf als a.-o. Professor für Physiologie a; die hiesige Universität angenommen. — Prof. Dr. Waller Judeich in Czernowitz wurde auf die Professur für alle Geschichte an die Universität Erlangen berufen. — Prof. Dr. Karl Hilfe an der Berliner Technischen Hochschule tritt wegen fast völligen Der lustes der Sehkraft von seiner Lehrlhätigkeit zurück. Prof. Hilfe gehörte dem Lehrkörper der Technischen Hochschule seit 25 Jahren an. — Zum Oberarzt des Waisenkrankenhauses in Brüssel wurde Frau Deleourt- Derscheid gewählt und von der Brüsseler Stadtverwaltung in dieser Stellung bestätigt. — Man meldet aus Braunschweig: Der Professor an der Technischen Hochschule Dr. Johann KlooS, ein bekannter Geologe, namentlich Kenner des Kali-Bergbaus, ist gestorben. „Henneberg-Seide“ — nur echt, wenn direkt von mir bezogen — für Blusen und Roben in schwarz, weiß und farbig, von 95 Pfg. bis 18.65 p. Meter. An jedermann franko und verzollt ins Haus. Muster umgehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. 228 G. Henneberg, Seiden-Fabrikant (U k. Holl.) Zürich. gehen heute eine Reihe von Meldungen über ein Erdbeben ein: Aus dem Amt Waldkirch wird gemeldet, daß ein heftiger von Westen nach Osten gehender Erdstoß wahrnehmbar wurde, der von einem donnerähnlichen Rollen begleitet war. In Schoenau im Wiesenthal war der Erdstoß so bedeutend, daß verschiedene Personen durch die Erschütterung der Betten au dem Schlafe geweckt wurden. In Maulburg (Amt Schrop heim) wurde ein heftiger, etwa 8 bis 10 Sekunden dauernde Erdstoß verspürt. Derselbe begann mit einem sturmartigen Brausen, dann folgte ein donnerähnlicher Knall, der 1 bis 3 Sekunden anhielt und in ein Rollen überging. Häuser und Gegenstände gerieten während deS Stoßes in heftige Bewegung. Die Gläser schlugen hierbei gegen einander. Der Erdstoß ging von Nordost nach Südost. In Sulzburg war d e krdbewegung so stark, daß die Möbel hin und her chwankstn. * Gent, 24. März. „Der frühere Jesuit Renard, Professor der Mineralogie an der Universität Gent, der chon im Jahre 1882 aus dem Jesuitenorden ausgetreten t, hat seinen Austritt aus ber katholischen Kirche erklärt und sich in London mit einer Belgierin verheiratet. März Barometer auf 00 reduziert XcuipeiuiuE der Lust Absolute Feuchtigkeit 1 Relative Feuchtigkeit Windrichtung Windstärke Wetter 25. 925 741,0 2,3 8,6 94 NE. 4 Schneesturm 26. 726 742,5 5,1 2,7 88 N. 1 Frostwetter 26. 225 742,4 0,0 3,0 37 NE. 2 Sonnenschein Bekanntmachung. Freitag deu 29. und Samstag den 30. März I. I, von morgens 9 Uhr au, soll in dem Mainz- larer Gemeinde-Wald in verschiedenen Distrikten nachfiehendes Holz versteigert werden: 1) Am ersten Tage: 143 Buchen-, 76 Eichen-, 8 Nadel-, 12 Aspen-Scheit; 34 Buchen-, 37 Eichen-, 18 Nadel-, 31 Aspen-Knüppel; 5250 Buchen-, 2,936 Eichen-, 600 Na del-, 550 Aspen-Wellen; 44 Buchen-, 66 Eichen-, 16 Nadel-, 6 Aspen-Stöcke. 2) Am zweiten Tage: 16 Stück Buchenstämme — 9,55 fm; 68 Stück Eichenstämme (bis 63 cm Durchm.) — 55,18 fm; 88 Stück Nadelstämme = 31,38 fm; 1131 Stück Derbstangen = 61,82 fm; 90 Stück Reisstangen — 0,68 fm; 11 Stück Pappelstämme — 8,40 fm. Zusammenkunft am ersten Tage an der Waldecke an der Kreisstraße nach Treis, am zweiten Tage an der Lumdabrücke beim Ort. Bemerkt wird, daß die Pappelstämme zuerst zur Versteigerung kommen, und unter dem Eichen-Schett 30 rm schönes Küferholz ist. Mainzlar, am 25. März 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Mainzlar. Koch. 2351 Holzv ersteig erring. In den Mitgebrauchswaldungen der Gemeinde Treis a. d. Lda. werden versteigert: 1. Montag den 1. April 1901, von vormittags 9 Uhr au, im Distrikt Aspenstrauch: A. Bau- und Werkholz. 6 EichkN'Stämme mit 2,27 cbm Inhalt 2 Nadel- , „ 0,48 „ „ 1 Buchen Stamm „ 0,83 „ n 352 Nadel Derbstangen „ 12,52 „ „ B. Brennholz. 166,4 rm Buchen-, 9 rm Eichen-, 1 rm Aspen-Scheiter 52 „ 4 z/ „ 8 „ -Knüppel 445 „ ,, 10 „ „ 82 „ Nadel-ZopfreiS 6 „ Nadel-, 4 „ Aspen-Stöcke. L. Dienstag deu 2. April 1901, vou vormittags 9 Uhr au, aus deu Distrikten Zipfeuwald, Alte- Unner und Buchwald: A. Bau- und Werkholz. 43 Eichen-Stämme mit 18,34 cbm Inhalt 17 Kiefern- „ „ 4,44 „ n 9 Fichten- „ , 1,23 „ , 7 Eichen-Derbstang'n mit 0,40 cbm Inhalt 86 Fichten- „ , 3,79 „ B. Brennholz. Kiefern»Sch?it r 55 rm Eichen-, 4 rm Nadel-, 18 rm 34 , „ 61 „ „ 17 , „ -Knüppel 2 „ Buchen-KnÜppel, 6 „ M 18 , „ »Stöcke 110 „ E chen-, 135 „ , 90 ,, „ -Zopfreis 770 „ Nadel-Stammreis. Zusammenkunft ist am ersten Tage im Distritt Aspenstrauch bei Nr. 8 am Wege von Treis a. Lda. nach Beuern, am zweiten Tage im Distrikt Buchwald an btr Straße nach Mainzlar. Treis a. Lda., den 26. März 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Treis a. Lda. Benner. 2353 Statt. Schlachthaus. Freibank. 2394 Heute und morgen: Wtnfltifdj 54 M ßuhßkisch 50 |Jfg. Jia. KcheMit liefere ä Meter zu 10 Mk. franko Station Gießen. - Bestellungen wolle man richten an 2364 c. Sann III., Burg-Gemüude«. Wei. - Teigwaren Wir offerieren als ganz besonders preiswert: Hausmacher Nadeln in Packeten | per Pfd. 48 Pfg do. 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Callfornische Birnen per Pfd. 60 Pfg. la. do. Aprikosen , „ 75 „ la. Italienische Brünellen , „ 75 „ Gemischtes Obst ) $funb 35 ™ hochfeine Mischung < v M 4)19 Kohversteigerung im Sießellkt Stadtmld. Montag de« 1. und Dienstag den 2. April 1901, jedesmal vormittags 9Va Uhr beginnend, sollen in den Waldungen der Stadt Gießen versteigert werden und zwar Montag, 1. April, im Distrikt Haugelstein mit Zusammenkunft am Hangel- steiner Steinbruch: 4 E chenstämme mit 2,06 fm, 14 Nadelstämme m.2,32frn, 32 Nadelstangen m. 1,75 fm, 152 rm Buchen-Scheitholz, 10 „ Eichen-Scheitholz, 2 „ Nadel-Sch itholz, 68* „ Buchen Knüppelholz, 24 „ Eichen-Knüppelholz, 4 n Linden-Knüppelholz, 30 N Buchen-Stockholz, 14 „ Eichen-Stockholz, 1950 Wellen Buchen Reisig, 725 „ Eichen-Reisig, 90 „ Nadel-Reisig, 115 ,, Weichholz-Reifig. DienStag, 2. April, in den Distrikten Ober- Haag und Waldshute mit Zusammenkunft auf der Licherstrahe an der 7. Schneise: 5 Fichtenstämme m.2,31 fm 11 rm Nadel-Scheitholz, 22 „ Nadel-Knüppelholz, 48 „ Nadel-Stockholz, 4340 Wellen Buchen Reisig, 900 „ Eichen-Reisig» 450 M Birken-Reisig, 300 „ Aspen-Reisig, 1660 , Nadel-Reifig. Gießen, den 25. März 1901. Gr. Bürg«rmeisterei Gießen. Mecum. 2349 TTisitenAarten liefert rasch und billigst Brühl’sche Univ.-Druckerei. Verdingung. Die Herstellung der Fundamente für eine Signalbrücke auf Bahnhof Gießen (rd. 180 cbm Erdaushub, 130 cbm Beton, 6 cbm Klinker- mauerwerk und 8 cbm Quader) soll vergeben werden Zeichnungen und Bedingungen können hier ein» gesehen, letztere auch gegen ge- bührensreie Einsendung von 0,60 Mark von hier bezogen werden. Angebote sind bis zum 3. April d. I., vorm. 11 Uhr, gebührenfrei einzureichen, zu welcher Zeit die Eröffnung in Gegenwart etwa erschienener Bieter statlfindet. Zuschlagsfrist 14 Tage. 2860 Großh. Hessische Eisenbahn - Betriebs - Inspektion I, _____________Gießen._____________ Hohversteigenmg Montag deu 1. April d. I wird im hiesigen Gemeindewald folgendes Holz versteigert : 29 Fichten- und Kiefern- stämme von 15 bis 34 cm Durchmesser, 6 bis 15 m Länge ----- 9,43 fm, 4 Fichten-Derbstangen von 10 cm Durchmesser, 11 m Länge — 0,34 fm, 441 rm Nadel-Knüppel (hierunter find 54 rm 3 m lang), 3310 Nadel-Wellen, 99 rm Nadel-Stöcke. Die Zusammenkunft ist vormittags 9% Uhr am Ruhberg beim Lindenbaum. Großen-Linden, 25. März 1901. Großherzogliche Bürgermeisterei Großen-Lmden. Leun. 2355 (ihnpfchliiiutcii M WEIN H eigener «eittruuw, garant. rein, per Luer 60 Pfg. und höher, Rotwein 70 Pfg. und höher. Der- fandgebinde von 16 Liter an. JJ. Boftnüotn, Mainz, Arauenlobplatz 3. Red Mrline Stern kÄ ßinie ^ojldampfer von twerpen SB,nir Lehrling Mlöbliertes Zimmer billig zu ber= m mieten. Neuenweg 80, II. nach bei mir eintreten Ollvl to eo Tbärlaflick< 8eranrtwertfl4 ftr t«l alftwtdnm 2dl: P. für den Nnzd^nteik $<«<« •«<. — tatst Btrteg der vrühl'fch« trab «tetnöruckerd (Pietsch u Perm. 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