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Erscheint tSglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener Familien» Glätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess, yaudwirt" und „Blätter f8r heff. VottSkunde" viermal wöchentlich beigelegt. «»nähme von Anzeigen in der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Runimex biß norm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abend« vorher. GietzenerAn;eigel General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezugspreir vierteljährL Mk. 2.20, monatl. 75 Pfo, mit Bringerlohn; durch bte Abholcstellen vicrtcljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Pfg. Bei Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Aste Anzeiaen-DermitllungS. stellen deö In- und Auslands nehmen Anzeigen für den Lietzener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis, lokal 12 Pfga auswärts 80 Pfg. Die Industrie-Zölle im Zolltarifeutwnrf. Aus Berlin, 24. Juli, wird uns geschrieben: Bis jetzt sind aus dem Zolltarifentwurf — er ist, nach der „Kreuzztg.", dem Bundesrat zugegangen — nur mehrere, allerdings wichtige landwirtschaftliche Zölle bekannt geworden, mit denen sich die öffentliche Diskussion andauernd beschäftigt. Die landwirtschaftlichen Zölle stehen aber an Zahl weit zurück hinter den Industrie-Zöllen, denn über tausend von den rund 1400 Tarifpositionen entfallen auf die Industrie. Wenn man die Frage aufwirft: „Wie wird der neue Zolltarif auSsehen?", so ist darauf unzweifelhaft zu antworten: Stark schutzzöllnerisch. Daß es in der Absicht liegt, den Zollschutz auch für eine Reihe von Jndustrieen zu verstärken, geht schon aus der Einteilung des Zolltarifentwurfs, des „TarisscheineS" hervor. Bisher ist man mit 925 Tarifuummern ausgekommen; jetzt sind eS um die Hälfte mehr geworden. Aus der starken Zergliederung des neuen Tarifs hat ein sachverständiger Beurteiler, MatlekowitS, den Schluß gezogen, daß „die Tendenz des Entwurfes als eine kolossale Erhöhung der Zollsätze des gegenwärtig bestehenden Zolltarifs zu bezeichnen sei und als eine sorgfältige Arbeit, um jedem Zweige der deutschen Produktion zur beschützenden Fürsorge deS Staates zu verhelfen". Die Interessenten bei der Borbereitung des Zolltarifs haben sich natürlich möglichst wenig in die Karten sehen laffen. Aber das darf als Thatsache gelten, daß in bedeutender Zahl aus der Industrie Anträge an die Regierung gestellt worden find, sowohl für die Erhaltung wie für die Verstärkung des Zollschutzes. Diese Bestrebungen gelangten bereits zum Ausdruck in den Antworten auf die Fragebogen, die von der Regierung zu vielen Tausenden zum Zweck der „Produktionsstatistik" inS Land hinauSgesandt waren, und worin die Industriellen ersucht wurden, ihre „Wünsche wegen Förderung deS Absatzes darzulegen". Die Wünsche und Anregungen wurden von den Regierungsstellen getreulich verzeichnet. In besonderen Denkschriften find ferner die Ergebnisse der Produktionsstatistik für die einzelnen Branchen, zmamrnengestellt worden. Bekannt ist, daß anfänglich beispielsweise die Tabak- industrie einiges Mißtrauen gegen die amtlichen Erhebungen hatte, daun aber, als mehrmals die Versicherung abgegeben war, es handle sich hier nicht um Steuer- Pläne, reichliches Material lieferte. Endlich fanden die Zollwünsche noch eine persönliche und eifrige Vertretung durch die von den einzelnen Industrien nach Berlin entsandten Sachverständigen. Wir greifen nur einige dieser Wünsche heraus. So instruierten die westfälischen Walzwerke ihren Vertreter, gegen eine Ermäßigung des Roheisenzolls, jedoch dahin zu wirken, daß in Zeiten der Roheisennot der Eingangszoll erlassen bez. zurückvergütet werden möge. Der Berg- und Hüttenmännische Verein für die Lahn-, Dill« und benachbarten Reviere empfahl die Einführung eines Schutz- zolls auf ausländische Erze. Ebenso sind die anderen Interessenten der Stahl- und Eisenindustrie, sowie die Interessenten der Kohlenproduktion auf Schutzzoll bedacht gewesen. In diesen wie in anderen Brauchen legte man besonders Wert darauf, gegen die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten bester gerüstet zu fein. Interessant ist beiläufig im Hinblick auf den der Landwirtschaft zuge- standenen Doppeltarif, Höchst- und Mindestzoll, daß der Vorstand der Nordwestdeutschen Gruppe des Vereins deutscher Eisen- und Stahlindustriellen erklärte, daß, falls für einen Teil der einheimischen Produktion der Doppeltarif aufgestellt werden sollte, die Eisen- und Stahlindustrie ihn auch für sich verlange. „Um der amerikanischen Konkurrenz entgegenzutreten", ist ferner ein höherer Zoll für Roßhäute und für Chevraux- lebcr zur Schuhfabrikatiou gefordert und vermutlich durchgesetzt worden. Der „Verein deutscher Werkzeugmaschinenfabriken" beanspruchte ebenfalls wegen des starken ameri* kanischen Wettbewerbs „hinlänglichen Schutz in schlechten Zeiten". Vom „Verein der Industriellen" des Regierungsbezirks Köln wurde geltend gemacht, daß einige Zweige, wie Fahrrad-Anfertigung und Werkzeug-Maschinenbau, angesichts des überwältigenden amerikanischen Wettbewerbs und der diesseitigen niedrigen Zollsätze, erheblich höhere Zollsätze verlangen." Die chemische Industrie, die Mufik- Jnstrumenten-, die Spielwaren-Jndustrie usw. werden, wie viele andere Industriezweige mindestens die Beibehaltung des gegenwärtigen Schutzzolls als wünschenswert bezeichnet haben. Nach dem, was in einem früheren Stadium der Vorbereitung des Zolltarifentwurfs die „Franks. Ztg." erfahren hat, beziehen sich sogar die meisten Anträge auf Zollerhöhungen. Andererseits gibt es manche Einfuhrware, über deren Zollbehandlung die Industrie geteilter Meinung ist, indem von der einen Jnteressentengruppe womöglich Zollfreiheit, von der anderen ebenso entschieden ein „wirksamer" Zoll empfohlen wird. Alles in Allem hat der neue Zolltarisentwurs die Tendenz einer Verstärkung des Schutzzollsystems. Entsprechend dieser Tendenz, die freilich auf vielen Gebieten vom Ausland schon früher befolgt worden ist, dürften die Handelsvertragsverhandlungen bedeutend schwieriger und komplizierter sich gestalten, als bei den gellenden Verträgen. Engländer und Buren. In seiner gestern von uns kurz erwähnten Rede hat Lord Milner von der allgemeinen Kriegsmüdigkeit von Freund und Feind gesprochen, und — Friedenspläne geäußert. Doch findet die Rede in den thatsächlichen Verhältnissen keine Unterlage. Die .Kriegspartei unter den Buren, an der Spitze Steijn und De Wet, will die Fortsetzung des Krieges, und wenn „Daily News" abermals ein Gerücht verzeichnet, daß in London Verhandlungen zur Herbeiführung des Friedens in Südafrika stattfänden, so kann es sich dabei lediglich um Verhandlungen im Schoße der britischen Regierung handeln, ohne Einvernehmen mit den Burenführern. Diese letzteren sollen vielmehr, wie der „Times" aus Krügersdorp vom 22. gemeldet wird, neuerdings einen allgemeinen Vorshoß nach Süden vorbereiten, ©berffc Allenby berichtet, daß vor einigen Tagen etwa 1000 Buren Kromdaai nördlich von Krügersdorp passiert hätten. Auch durch die Erzählungen von Buren, die sich ergeben Hütten, werde bestätigt, daß, alle Burenführer sich zu einem Vorstoß nach Süden anschickten. Zugleich liegen amtliche Nachrichten über neue Unternehmungen der (Ätg- länder in der Kapkolonie vor. — Aus Middelburg! wird gemeldet:. Das Kager des Kommandos Lategans wurde am Sonntag von Oberst, Lukin überrascht. Zehn Buren wurden gefangen genommen, 105 Pferde und 70 Gewehre erbeutet. Einer dem britischen Parlament zugegangenen Druckschrift zufolge befanden sich während des Monats Juni in den Konzentrationslagern in Südafrika 85 410 weiße und 23 489 farbige Personen. Hiervon starben 777 Weiße und 5 Farbige. • V • Telegramm des Gießener Anzeigers. Hilversum, 25. Juli. Der Zar sprach durch den Minister deS Auswärtigen Grafen Lamsdorff dem Präsidenten Krüger sein aufrichtiges Beileid auS; das Gleiche that Präsident Loubet. Deutsches Reich. Berlin, 24. Juli. Aus Molde wird gemeldet: Zur Begrüßung des Kaisers wurde am Montag abend bei dem Eintreffen der „Hohenzollern" in Merok auf dem norwegischen Dampfer „Hera" ein Feuerwerk abgebrannt. DlenStag nahm der Kaiser die Vorträge des Fürsten Eulenburg und des Grafen Hülsen Haeseler entgegen. Der Kaiser gedenkt vorläufig in Molde zu bleiben. Wetter andauernd schön, aber sehr warm. An Bord alles gesund. — Der Generalmajor a. D. von Puttkamer, der vor einigen Monaten in der „Deutschen Tages-Ztg." sich scharf gegen den militärischen Drill ausgesprochen und namentlich zahlreiche Vorschriften deS Exerzierreglements gegeißelt hatte, plaidiert neuerdings in einem im „Tag" veröffentlichten Artikel für eine Verkürzung der Dienstzeit der Infanterie. Als Argument für die Möglichkeit einer Verkürzung der Dienstzeit dient ihm auch jetzt wieder seine geringe Bewertung der Parade, mit der unnütz Zeit vertrödelt werde. „Der Wert, der beim Exerzieren im Tritt auf die durchgedrückten Kniee gelegt wird, ist für die Kriegsausbildung gleich Null. Auf um ebenem Boden kann man nicht mit durchgedrückten Knieen marschieren, und im feindlichen Feuer denkt kein Mensch daran, es zu thun. Auch ein Teil der Zeit und Mühe, der auf die Einübung exakter Bewegungen in Bataillonskolonne und RegimentSkolonne verwendet wird, könnte erspart werden. Im feindlichen Feuer wäre es Wahnsinn, in Bataillonsoder Regimentskolonne zu stehen oder sich in diesen Formationen zu bewegen." — Eine jüdische Plantagen-Gesellschaft für Palästina soll von zionistischer Seite inS Leben gerufen werden. In dem betreffenden Aufruf heißt es u. a. : „Jüdisches Kapital muß inS Land gebracht werden, jüdische Intelligenz soll ihre Verwendung finden, jüdische Arbeiter sollen ihr Brod erwerben und dem Lande erhalten bleiben. Das Land selbst soll in Besitz von Juden geraten. Alles dieses zusammengenommen ist wohl jüdischnationale Kolonialpolitik zu nennen. Ein ganzes Netz solcher Plantagen- Gesellschaften soll in Zukunft Palästina umspannen." Memel, 24. Juli. Dem „M. Dt." zufolge wurde in einer Versammlung der liberalen Vertrauensmänner be- schloffen, sich bei der Reichstags-Stichwahl der Wahl zu enthalten, jedoch wurde dabei ausdrücklich betont, daß die Nichtbeteiligung an der Wahl nicht als eine Prinzipienfrage aufzufaffen sei, sondern daß eS jedem Parteigenoffen überlasten bleiben müste, zu thun, was ihm beliebt. Königsberg i. Pr., 24. Juli. Heute abend traf Handels- minister Möller hier ein. MySlowitz, 24. Juli. In der Nacht gelang es einem im hiesigen Knappschaftslazarett wegen Geisteskrankheit zur Beobachtung untergebrachten Bergmann, aus seiner Zelle zu entweichen und das Freie zu gewinnen. Nur mit Hemd und Unterbeinkleidern bekleidet, flüchtete er über die nahe Grenze bei Schabelnia-Myslowitz nach Rußland. Kaum hatte er russisches Gebiet betreten, so wurde der Kranke von einem der an der Grenze zahlreich ausgestellten russischen Wachtposten bemerkt und verfolgt. Der Flüchtling kehrte nun um und wandte sich eilig wieder der preußischen Grenze zu. Als er diese Überschritten hatte und bereits auf preußischem Gebiet war, gab der russische Grenzsoldat aus ihn zwei Schüsse vb, die beide trafen und den sofortigen Tod dlS Mannes zur Folge halten. Der Thatbestand ist amtlich festgestellt und die Untersuchung eingeleitet. Ausland. Paris, 24. Juli. Dem „Petit Journal" wird aus Pagny gemeldet: Vorgestern abend fand aus Anlaß des Kirchweihfestes in Arnaville zwischen jungen Franzosen und einigen zum Feste aus Noveant gekommenen jungen Deutschen eine Rauferei statt, bei der sieben Burschen durch Messerstiche verletzt wurden. Vier wurden verhaftet. An die Metzer Staatsanwaltschaft ist das Ersuchen gerichtet worden, die Verhaftung der Schuldigen vornehmen zu lassen. Unter den jungen Leuten von Pagny und Arnaville herrscht große Aufregung. Sie sollen die Absicht geäußert haben, sich in großer Zahl nach Noveant zu begeben, um Rache zu nehmen. Sowohl von den französischen, wie von den deutschen Grenzbehörden sind Maßnahmen getroffen worden, um die Wiederholung ähnlicher Zwischenfälle zu vermeiden. — Der „Figaro" setzt seine Mitteilungen über die Indiskretionen Felix Faure's fort. Dieselben gelten diesmal mehreren Ministern. Faure liebt insbesondere Meline. Dieser, sagte er, sei in dem thörichten Glauben abgegangen, daß die Kammermehrheit selbst! der gefallenen Regierung treu bleiben werde. Meline hatte die Ueberzeugung, daß ein anderes Kabinett unmöglich, und er bei der unausbleiblichen Neuberufung in der Lage sein werde, sich einiger seiner bisherigen Mitarbeiter zu entledigen, besonders Barthous, der zu selbstständig war. Zu den toten Gewichten des Kabinetts Meline gehörte nach Faure der Kriegsminister Billot, der Meline nervös machte, weil er nicht einmal telephonieren lernen konnte. Faure schätzte Leon Bourgeois persönlich hoch> doch war er ihm zu radikal, und Faure fühlte sich sehr unbehaglich, als er mit Bourgeois Marseille besuchen mußte, wo das Volk ihnen zuries: „Nieder mit dem Senat!" Ich sah, so erzählt Faure, den Augenblick kommen, wo ein Marseiller Spaßvogel mir eine rote Mütze anbieten würde. Dien, 24. Juli. Die Fürstin Hohenberg, die Gemahlin des Erzherzogs Franz Ferdinand, ist heute vormittag auf Schloß Konopischt von einer Tochter entbunden worden. Graz, 24. Juli. Die Sturmszenen der letzten Sitzungen des Gemeinderates bei Beratung des Antrages toegen Aufnahme einer Anleihe fanden heute ihren Höhepunkt, als der Vorsitzende die Gallerie, die dem sozialdemokratischen Redner demonstrativ Beifall klatschte, räumen ließ. Es entstund ein 1 o s e n d e r Lärm. Die Galleriebesucher nahmen gegenüber den Gemeinderäten eine drohende Haltung ein. Viele spuckten auf die Gemeinderäte hinunter. Auf der Straße wurden den sozialdemokratischen Gemeinderäten Ovationen bereitet, wobei eine Frau verhaftet wurde. Budapest, 24. Juli. Von gut unterrichteter Seite wird die Meldung über die Existenz einer Militär koni vention zwischen Oesterreich-Ungarn und Ru- m ä n i e n bestätigt, jedoch wird hinzugefügt, daß die Konvention schon im Jahre 1890 abgeschlossen worden ist, und zwar gelegentlich des damaligen Besuches des Königs Carol in Ischl. — Da der Stadtrai von Wien die Häkeleien mit dem hiesigen Magistrat in der Angelegenheit der Benennung Ofen-Pest statt Budapest fortsetzt, und jetzt auf den Adressen wohl Budapest, int Text der Zuschriften aber Ofen-Pest schreibt, hat der hiesige Magistrat an den Wiener Stadt rat unter unerledigter Zurückweisung dieser Zu- fchriften ein überaus scharfes Schreiben gerichtet, in dem dieses Vorgehen als böswillig bezeichnet und mit scharfer! Retorsion gedroht wird. Port Said, 24. Juli. Im Auftrage der Hamburg- Amerika-Linie wurde hier dem Feldmarschall Grafen Wal- bersee ein Blumenarrangement überreicht. Am Vormittag' stattete der Kommandant des englischen Stationsschiftes dem Feldmarschall einen Besuch ab. Mittags ging Graf Walderfee an Land und besuchte das deutsche Konsulat. Am Nachmittag machten die Mannschaften, die seit der Abfahrt von Nagasaki zum ersten Mal wieder Landurlaub erhalten hatten, eine Hafenrundfahrt. Die „Gera" lief mit Gesundheitspässen des englischen, französischen und ita- lienischen Konsulats versehen, am Abend von hier aus. Tuberkulose-Kongreß. ii. London, 24. Juli. Heute veranstaltete die medizinische und pathologische Sektion des Tuberkulose-Kongresses eine gemeinsame Satzung, worin über Tuberkulin verhandelt wurde. Dr. Be- r o n eröffnete die Sitzung mit einem Vortrage, tn dem er für den therapeutischen, diagnostischen Wert des Tuberkulin entschieden eintrat, und versicherte, daß die hauptsächlichen Einwendungen, welch)« gegen die Anwendung des Tuberkulin als Heilmittel erhoben werden, aus Vernachlässigung der von seinem Entdecker gegebenen Vorschriften entsprungen seien. Zur sicheren Diagnose der .Krankheit komme Tuberkulin kein anderes Mittel gleich. Dr. Beron schloß mit einer warmen Anerkennung der Verdienste Koch's. Prof. Koch, der, als er sich zur Erwiderung erhob, mit lebhaften Beifallskundgebungen begrüßt wurde, setzte die große Bedeutung des Tuberkulin für die Feststellung der Schwindsucht in frühen Stadien auseinander, und machte Angaben über zweckmäßige Verfahren bei der Anwendung. Prof. Fränkel- Berlin erklärte Tuberkulin, wenn bei Anwendung mit Geduld und größter Vorsicht vorgegangen werde, für ein wichtiges therapeuthisches Mittel. In der heutigen öffentlichen Sitzung des Kongresses hielt Prof. Brouardel den Hauptvortrag, in dem er u .a. darlegte, daß er sich der Anschauung Kochs, wonach die Schwindsucht durchMilch und Fleisch genommen. und elsaß-lothringischen Bahnen gewähren für sämtliche Ans stellungSgegenstände freien Rücktransport; eine gleiche Zusage steht seitens der süddeutschen Bahnen in Aussicht. — Der KreiSauSschuß hat in seiner letzten nichtöffentlichen Sitzung eine Polizeiverordnung gegen die Spargel-Schädlinge an gedenkt der Hundstage als der unerträglich heißen Zeit, die besonders viele Gallenkrankheiten erzeugt. Die Richtigkeit dieser Beobachtung beweist übrigens auch dieselbe Erscheinung bei Nordländern, welche in heiße Gegenden übersiedeln! Preisen.'^ bis 50 W baren dietz rechten heutigen bi Nsungsnl, Abbruch. lebt. — Gemäß Anordnung des Gerichts wurden bei einem Weinproduzenten in Alzey sämtliche Fässer unter Siegel gelegt. Anlaß dazu gab eine bei der Polizei eingrlaufene Anzeige, daß bei dem Produzenten ein Wein verabreicht würde, deffen Bestandteile nicht denjenigen entspreche, welche das Weingesetz vorschreibe. Eine von dem chemischen Unter» suchungSamt vorgenommene Kellerprobe bestätigte die Anzeige^ indem man nur einen langgestreckten Tresterwein sand. Gerichtssaal. -h- Gießen, 24. Juli. (Gewerbegericht.) Den > Vorsitz führt Stadtverordneter Keller. — Der Knecht Joh. Bali von hier verlangt von Fuhrunternehmer Philipp Sch w a n von hier 3 Mk. Restlohn. Schwan bestreitet die Höhe der Forderung und erklärt sich zur Zahlung von 1.94 Mk. bereit. Der Kläger erklärt sich damit zufrieden und zieht seine Klage zurück. — Die Taglöhner Gotthilf Höh und Karl Bögler von hier klagen gegen den Unternehmer Konrad Rübsamen von hier auf Zahlung rückstäntügen Lohnes. Der Beklagte macht Schadenersatz geltend, weil die Kläger ohne Grund und Kündigung die Arbeit verlassen hätten. Die Kläger wenden ein, daß der Vorarbeiter Greb ihnen ausdrücklich gesagt habe, er habe im Auftrage des Beklagten die Erklärung abzugeben, daß die gegenseitige Kündigungsfrist aufgehoben sei, und daß jeder Arbeiter abends mit der Arbeit aufhören könne und sein Geld be-- kommen werde. Sie hätten die Kündigmigsaufhebung angenommen. Der Beklagte bestreitet dies. Das Gericht erläßt Beweisbeschluß, um den Vorarbeiter Greb als Zeugen zu vernehmen. — Der Schreinermeister Emil Heinrich Müller von hier verlangt von dem Schreinergesellen Earl Wenzel Wiederaufnahme der Arbeit, widrigenfalls letzterer eine nach dem Ermessen des Gewerbegerichts festzusetzende Entschädigung zu zahlen habe, weil er die Arbeit ohne Grund und Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfrist verlassen habe. Der Kläger ist zum heutigen Termin nicht erschienen. Da Beklagter einen Antrag nicht stellte, ließ das Gericht die Sache fallen. D. Gießen, 23. Juli. (Strafkammer.) Die Strafsache gegen den Ludwig Debus zu Reiskirchen wurde zum Zwecke weiterer Beweisaufnahme vertagt. — Desgleichen wird ausgesetzt die Strafsache gegen Steinmetz Paul Fromme von Stolp, der beschuldigt ist, im Anihjahr 1901 zu Vilbel den Gendarmeriewachtnwister Roth daselbst mit der Begehung eines Verbrechens bedroht zu haben, und der deshalb vom Schöffengericht Vilbel, gegen dessen Erkenntnis er Berufung verfolgt, in eine Gefängnisstrafe von drei Monaten verurteilt worden war. — Der Schneidermeister Lotz steht unter der Anschuldigung, am 30. November 1900 bei dem Amtsanwalt eine Anzeige erstattet zu haben, durch die er den Pfandmeister M u l ch in Gießen wider besseres Wissen der Begehung einer strafbaren Hand- lung und der Verletzung seiner Amtspflicht, nämlich des Hausfriedensbruchs, der Körperverletzung, Bedrohung und Beleidigung, während er im Dienste war, beschuldigte und deshalb gegen ihn Strafantrag stellte. Durch Urteil des Gerichts wird nach erfolgter Beweisaufnahme, die feine Schuld ergiebt, gegen ihn deswegen eine Gefängnisstrafe von sechs Wochen, erkannt. — Vertagt wurde ferner die Strafsache gegen den Friedrich Weidling zu Büdingen wegen Unterschlagung, da der Angeklagte aus die Vernehmung eines ausgebliebenen Zeugen nicht verzichten zu können erklärt. — Ausgesetzt wurde endlich die Privatflage des Landwirts Karl Weiselll. von Muschenheim gegen die Elisabethe Wer- n e r in Bernsfeld wegen Beleidigung. — Zum Schluß staud die Privatklage des Grafen Friedrich und der Gräfin Margarethe von Alt-Leiningen-Westerburg gegen den Redakteur Fritz Mathern in Frankfurt zur Verhandlung. Der Angeklagte ist beschuldigt, ine Privatkläger öffentlich durch einen Artikel, der sichern scharfer Weise mit ihren Personen beschäftigt, beleidigt zu haben. Das Schöffengericht zu Friedberg verurteilte deshalb den Angeklagten wegen Beleidigung durch die Presse und erkannte wegen Be-- eidigung des Grafen auf eine Geldstrafe von 200 Mk., dev Gräfin von 300 Mk. Gegen dieses Erkenntnis hatte der Angeklagte Berufung eingelegt. In der heutigen Sitzung kommt zwischen den beiden Parteien ein Vergleich des Inhalts zu stände, daß die Privatkläger ihre Privatklage zurücknehmen, der Privatbeklagte die Kosten des Verfahrens trägt und erklärt, daß der Privatkläger nicht wegen Ehebruchs mit der Privatklägerin bestraft worden sei, sowie daß er keine Prozesse geführt habe, die als anrüchig bezeichnet werden mußten, und daß er bedauert, auf Grund älscher Informationen den fragt. Artikel ausgenommen zu haben. Gumbinnen, 24. Juli. Wir hören, daß die Nachricht, gegen den Gendarmeriewachtmeister Metzer-Gumbinnen und den Dragoner-Vizewachtmeifter Schneider sei eine Untersuchung wegen versuchter Beeinflussung des Dragoners Skopek eingeleitet, durchaus unzutreffend ist. B. Bieber, 24. Juli. Am Sonntag feierte der hiesige Gesangverein „Liederhain- bei Gastwirt L. Schlierbach 2“'*f ha Mm im Nie tjj. 'pt*. Wtlerfj | ein Senget SÄ öÄ dein Uef)Cr nE, Hei sKd-n w.® «fee UtidN funden- MtE" (her nZ scher führung/ Ä U Ägentui dieser neue nicht sich an und Mnch< Lechcherunl cingesuhrt sicherungen bruch-Tiebst der Feuerve Proras dem Rildeusü jährlich 644! Mstchermge- 747MM । Sir ist die bt sondS für Sei kafserifondsk 6572712 SRI in mäaöelfick 6614285 M- io Hypotheken, dü Gruodstüc der Umstand t We in 198! yotattommm auf 17271549 des Jtiufprdfei 6etragen. «ittzen los! 6t M i, ei« per bi U Erbsen pa A * 0.75-0.90 * 0.80-1.40 0.00, Ochsenslk 60-64 i 6d per Pfd- «4 50-70 i, Rt 00-00 e), ja Rr#n per M Sauet bet Kßtütti nannte ^alob begünstigt wo Besuch des $ lich Ferkeln, Preise hielte letzten Markt durchschmttli 80 Mark, je OUlri markt", eine. vorgestern, t und Aindviek jähren, und an die sriihei der durch dei herrschte ein so daß das m Preise sür de ein kleines A uasser Mer ^s-Lchlachv lvreßener M das zur Ac> 7O,80bi§li Mtrigen zu Mdvieh n. Zaltnissc ini, Mrge Schi Bergmann'schen Verkohlungsverfahren. Die Gläubiger der ö“ Leipziger Bank werden hoffentlich diesem Wink erfahrener ge f Fachleute näher treten. i Mainz, 24. Jnli. Jüngst meinte ein Wirt, der verdrießlich über schlechten Besuch seiner Lokalitäten war: „Dem Hannes sein Namenstag müßt jeden Summer gefeiert wer'n, wie vor'ges Joahr.- — „Wem sein Namenstag?- fragte ber einzige Gast, der den RestanrationSsaal füllte. — „Na, dem „Lichtspender-, dem „Gutenberg- feiner- . . . Dieselbe Klage, in anderer Form, wurde im Laufe diese- Sommers schon gar häufig laut. Gasthosbefitzer und Geschäftsleute haben diese- Jahr nicht- zu loben. Für Gutenbergsest, Pariser Weltausstellung, die im vergangenen Jahre den Ber- kehr belebten, hat sich jetzt kein Ersatz gesunden. Ameri ~ — - kaner, Engländer, Franzosen und Russen find dünn gesät Shtht imh ITmth n ^aLn.ä'.24- Juli. Der „Mainz. Anz." berichtigt feine j • I gestrige Mitteilung, daß Vie feit dem letzten Samstag hier ( “*«?“** Untersuchungshaft sich befindliche Frau Oberleut- ««r unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Am.-" gestattet.) nant R. angeblich einen Vergiftungsversuch an ihrem e* Personalnachrichten. Der Großherzog hat deml^aune begangen haben sollte, dahin, daß die Verhaftung Bürgermeister Ernst Lucius zu Jugenheim in Rheinhessen Men Di ebstahlsverdacht erfolgt ist. — Dasselbe da- Ritterkreuz 2. Klaffe de- Verdienstordens Philipps des erfahrt zu der durch die Blätter gegangenen Nachi- Großmütigen verliehen. - Der Großherzog bat ben f ™ne.r ^“6Wtgteu JO? onar cf) en 5 u f a m nt e Un@C,r X i« " U .Leb™ ft/nl bei ber Zentral, bei der Bürgermeisterei bis heute irgend etwas von der stelle für bie LandeSstattsttk unter Berlechung des Charakters beabsichtigten Hierherkunft bekannt sei.— Me hiesige Militär- alS RegiemngSrat an Stelle des Charakters als Profeffor behörde gelangte in den Besitz eines Dampfapparates, der mit Wirkung vom 1. Oktober 1901 an ernannt. — Der zur Vertilgung des Ungeziefers in den Mannfchaftsstuben Großherzog hat ferner den BezirkSkasfier der Bezirkskaffe bient. In wenigen Minuten soll mit dem Apparate eine Nieder-Olrn RegierungSaffeffor Robert Bangel zum Kon- Temperatur von über 1OO Grad Reaumur erzeugt und da- troDbeamten der Lokalkaffestellen für den Bezirk Darmftabt II Kur^'..ewe radikale Vertilgung des Ungeziefers erzielt wer- ^ B-rirk-kasi- Dieburg Philipp mfeiftetra^n;it!ennun9 treu Polizei betriebenen Recherchen haben gestern zur Verhaft- geleisteten Dienste biS zur Wiederherstellung feiner Gesundheit ung mehrerer Personen geführt. Diese wurden durch Kri- m den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß den minalbeamte teils hier, teils in Hechts heim verhaftet Charakter als „Rendant" verliehen. und geschlossen in das Arresthaus eingeliefert. — Der schon ** Fleifchaufschlag. Die hiesigen Schweinemetzger haben brej Juhre schwebende Prozeß um die Oktroifreiheit beschloffen, infolge der seit zwei Monaten eingetretenen hohen I givischen der Stadt und den Militärbehörden ist heute in Einkaufspreise für Schweine mit dem heutigen Tage eine ^r vom Landgericht zu Ungunsten des Militärs ä »■"" - «-»ääs»”i?äs •«W* Der vergangene Dienstag war für be^V^ toetoe^te^ kommen da- hiesige Regiment Der vierte und letzte Tag, an dem es in Wegfall, da die Militärbehörde selbst die Verträge ge- gemeinschaftlich mit den beiden hessischen Dragoner-Regi- kündigt hatte. — Zur Wahrung ihrer gemeinsamen Jn- mentern, den Hanauer Ulanen, den Bockenheimer Husaren teressen haben gestern nachmittag im großen Saale des und den IGSern Borpostendienst übte. Zwischen 7 und I Brauhauses „Zur Stadt Mainz" etwa 80 anwesende Vieh- 8 Uhr morgens rückte das Regiment aus, die einzelnen Händler von hier und aus der weiteren Umgegend definitiv Kompagnien in Kriegsstärke, was durch Flaggen markiert^gründet, dem^der Namf „Verein hessi- wurde. DaS 3. Bataillon marschierte über Sckiffenbero Händler" beigelegt wurde. Das Eintritts- ^aufen Garbenteick b s hl Sn PeIb wurde aus 1 MaA und der Jahresbeitrag auf 5 Mark XW.11",, ‘ft? Hof- ftstgescht. Wegen der Statuten wurde es fern VorMnd at baS l.und 2. Bataillon über Steinbach überlassen, einen Entwurf auszuarbeiten und der nächsten am Albacher Hof vorbei biS in die Nähe von Lich, wo sie Mitgliederversammlung zur Beschlußfassung vorzulegen, das Vorpostengros bildeten. Die Landwehr dieser beiden fc. Wiesbaden, 24. Juli. Der wegen des Königsteiner Bataillone war zur Sicherung des Gros bis unmittelbar Raubmordes verdächtigte Taglöhner Wetteroth wurde aus vor Lich vorgeschoben. DaS Gros des Feindes befand sich der Irrenanstalt Eichberg wieder hierher in Untersuchung- in der Richtung auf Friedberg zu. Gegen 1 Uhr waren haft gebracht. Sein Geisteszustand ist normal. die Hebungen beendet, und unser Regiment marschierte nach Wiesbaden, 24. Juli. Der Kaiser verlieh dem Füsilier- Gießen zurück, wo es gegen 4 Uhr wieder eintraf. Diese Regiment von Gersdorff, Hessisches Nr. 80, von dem hier viertägige Uebung war hauptsächlich darauf berechnet, fest- zwei und in Homburg v. d. H. ein Bataillon liegen, die , ^v'e es mit dem Aufklärungsdienst bei der Kavallerie Gar de litz en. Chef des Regiments ist die Kaiserin Friedrich, bestellt ,st. An den Hebungen beteiligte sich auch die kürzlich - Kleine Mittellmtgen aus Hessen und den Nachbarstaaten, m Mainz zusammengetretene Radfahrerkompagnie, besonders Auf der Bahnlinie Darmstadt—Aschaffenburg zwischen den nm Montag, wo sie unserem Truppenkörper den Vormarsch Stationen Messel und Dieburg ereignete sich am Morgen von Großen-Linden bis Lang-GönS erschwerte. Der hiesige des 23. Juli ein entsetzlicher Unfall. Eine etwa 30 Jahre Regimentskommandeur Oberst v. Dewitz ist vom 24. Juli alte Dame sprang aus dem in voller Fahrgeschwindigkeit zum 4. August beurlaubt; Oberstleutnant Herrlein dahinrasenden, um 7 Uhr 21 Min. in Darmstadt abgehenden übernimmt in dieser Zeit seine Funktionen. I Schnellzug Mainz—Darmstadt—Aschaffenburg, ohne sich « ? Die Sternschnuppen im Zuli und August. Die Meteore indeß ernstlich zu schaden, denn Paffagiere sahen dieselbe find im ersten Teil des Jahres im allgemeinen selten, und rasch aufspringen und dem Walde (Meffeler Park) zueilen, im Mai und Juni ist das Dämmerlicht so stark, daß es alle Die Lebensmüde hoffte wohl durch den verwegenen Sprung schwächeren Sternschnuppen überdeckt und nur die besonders schon ihrem Leben ein Ende zu machen. Da dies Vorhaben „n$tenbJ:n "»den lagt, aber schon mißglückte, wartete sie einen bald daraus in entgegengesetzter !”®erb‘"- obgleich der Nachthimmel auch noch recht Richtung von Dieburg kommenden Güterzug ab und wars r? “ie e Limmelserscheiuungen häufiger und glänzender, sich vor diesem rasch auf die Schienen. Sie wnrde voll, besonder» in der letzten Woche diese» Monat». In den ständig zermalmt bald daraus ausgefunden Bei der Uu- 84tnnaro9bnr&fL^HV\,4f”7 B°°b. glückliche« wurde ein größerer Geldbetrag von 1870 Mart achtungeu durchschnittlich dreimal so viel Sternschnuppen am vorgefunden, sowie eine Anzahl Briese Diese weifen die Achten de» Frühjahr» und adreffe @ra6rnü[i.ffieilbarbe m nberfl n\ - der Beobachtung von Stern- Schiffsjunge Frankenberger au» Bretzenheim, der vor schnuppe» widmet, findet im Juli und august die lohnendste einigen Tagen in Mainz in den Rhein fiel und ertrank, ist •• DI- ____ _ ,.r” .23-3“11 °d,-nd» gelandet worden. Ein vor längerer bia 93 «n^Ease umschließen die Zett vom 23. Jnli Zeit aus Kastel desertierter Pionier ist an demselben Tage Hundsstern^'i ®er im^üb^nLnfrM vorn in Mainz festgenommen und der Militärbehörde abgeliefen od hellstrahlende Sirius, der worden. — Der Inhaber des seit 1. Avril in «uerback ^uli erscheint, so daß man eröffneten Lang'schen KonsumgeschäfteS ist seit letzter Woche Aufgang fällt übrigens au^mU^bem1 (£intti?tCnh Hlnterlaffung bedeutender Schulden, da- Zeichen des Löwen,^des Uerisch7n Kerr!l^^k°^^ I EuSnahme find alle Lieferanten und Handwerker. Zone, zusammen, weshalb auch untere Landl-,?»-* fotodt fie "tt Lang nur m irgend einer Weise in Verbindung „©enn die Sonne in den Löwen gehet, die große empfindlich gefchäbigt worden. Jahr anfährt.. Schon HippokrateS im «Hen® ®^e|eVlal„" | ®^teÄ S W Ä» T ckuberkulöser Rinder nicht auf Menschen übertragen werden könne, keineswegs anschließe. Brou- nrdel fordert, strenge Beaufsichtigung der iNvl- lereierzeugnisse, wie sie in Schweden und Norwegen eingeführt sei. Auch dieser Gelehrte erklärte für zweifellos, daß die Tuberkulose heilbar sei. Auch er forderte zum Ä^n^6ebriei6ÄaÄte Ltterun? in I s-m Stiftung-fest. Dai Fest, da- sich zahlreichen Zuspruch» jeder Gemeinde jeder Provinz und jebem Staate verbreitet erfreute, verlief bei Konzert und Tanz in schönster Weise. werden, auf daß sich alle zusammenthun, um diese Geißel b. Reinhardsham, 23. Juli. Bei der heute hier statt- der Menschheit auszurotten. gehabten Bürgermeisterwahl ging es sehr lebhaft her. * * • „ 66 von 71 Wahlberechtigten waren zur Wahl erschienen. Trotz der von beachtenswerter Seite geäußerten Bedenken Als Sieger ging Landwirt Graulich ans dem Kampfe her- gcgenüber den ungemein wichtigen Koch schen Ausführungen vor, hatte 36 Stimmen. Sein Gegner, Inspektor erregen diese doch begreiflicherweise uberal nicht nur in ö ch e l, erhielt nur 30 Stimmen. der wißen,chastlichen Welt, ba» größte Auffehen. Hatte 24 ^uli STür die hier vom 14 Fii« 25 K<-v doch bisher die Wissenschaft eine nicht zu unterschätzende . , ' xuu* “ur Oie gier oom 14 vis 2ö. Sep Gefahr in der Verbreitung der Tuberkulose durch rohe lember stattfindende Gartenbau-Ausstellung find be Milch und Butter erblickt, und Vorsichtsmaßregeln dagegen "ttS hundert Ehrenpreise gestiftet, darunter je einer vom empfohlen, speziell das 2lbkochen der Milch. Ebenso wurde Deutschen Kaiser und von den Großherzögen von Heffen und noch vor kurzem im Hinblick auf die Gefahr der Rindvieh- Baden, außerdem von vielen Kommunen und Privaten. Die Tuberkulose für die Volksgesundheit seitens der Preu- Anmeldungen find so zahlreich, daß der Ausstellung-Platz ver- ßischon technischen Deputation für das Veterinärwesen bie größer! werden muß. Die Direktionen ber preußisch hessischen Anzeigepflicht zur Einführung empfohlen. Jetzt sollen aUe1 ............. - - — " - jene wissenschaftlichen Erfahrungen und Fesfftellungen als Irrtum erkannt sein? Es wäre ja gewiß ein mit Stolz erfüllender Triumph deutscher Forschung, wenn es sich so verhielte, wenn die Entdeckung Kochs jeder Probe Genüge leistet. Aber, daß auch ein verdienstvoller, hoch- bedeutender Gelehrter zu Ergebnissen gelangen kann, die von der Praxis dementiert werden, das ist leider eine bekannte Thatsache. Das Tuberkulin Kochs, das, als Heilmittel angewendet, auf manchen Kranken ungünstig ge- Nnrkt haben soll, hat jetzt allerdings, wie wir oben sehen, einen Lobredner gefunden. Aber was man damals in wissenschaftlichen Kreisen sagte: Koch sei mit seiner Entdeckung! zu ftüh hervorgetreten, das wiederholt sich heute. Wir sehen, daß hervorragende Gelehrte durchaus anderer Ansicht sind, als Koch. Es ist daher davor zu warnen, sich der Sicherheit zu überlassen. Stellt sich die Theorie Kochs als unzutreffend heraus, so kann namenloses Unglück angerichtet werden. Handel und Uerkchr. Volkswirtschaft. -k- Stockheim, 23. Juli. Die hiesige Zucker- abrik hat soeben ihren Verwaltungsbericht herausgr- geben. Danach kamen im verflossenen 17. Geschäftsjahre 488 100 Zentner Rüben zum Kaufpreise von 417 737.93 M^ zur Verarbeitung. Der Durchschnitt^uckergehalt der Rüben war 13.47 Prozent. Fertiggestellt wurden: 3100 Zentner Krystallzucker im Preise von 14.35 Mk., 20 742 Zentner Rohzucker im Preise von 9.51 Mk. und 14 181 Zentner Melasse int Preise von 3.04 Mk. pro Zentner. Tas finanzielle Ergebnis des Jahres stellt sich wie folgt: Nach Vornahme der Abschreibungen und Deckungen der vorjährigen Unterbilanz, owie nach Zahlung, weiterer 10 Pfg. pro 100 Kgr. für ifflichtrüben der Aktionäre verbleibt ein Reingewinn von 12 429.30 Mk. Die Nachzahlung für Pflichkrüben sind den Lieferanten gut geschrieben. Für die kommende Kampagne inb 3100 Morgen Rüben ausgesät. Die Generalversammlung findet Freitag den 16. August, nachmittags 3 Uhr, bei Gastwirt Hartmann zu Stockheim statt. Kassel, 24. Juli. Das Mitglied des Auffichtsrats der Trebergesellschaft Ernst Otto aus Dortmund wurde heute nachmittag im hiesigen Verwaltungsgebäude der Trebergesellschaft auf Anordnung der Staatsanwaltschaft verhaftet. Otto war eine Stunde vorher von Dortmund eingetroffen. Aktiengesellschaft für Trebertrocknung in Kassel. Eine Anzahl angesehener Firmen und Gesell- chaften der chemischen Industrie warnt in einem uns soeben .ugehenden Rundschreiben davor, Hoffnungen auf die„Lar- en'sche drehbare ^Retorte" zu jetzen. Experimente mit der- elben werden als ebenso aussichtslos bezeichnet wie mit dem Der JahreSüberschutz hat 243379 Mk. St. 0—0 2 et 13—14 Enteneier 1 St 7—8 d, Gänse- MLrkte. Marktberichts Auf dem heutigen per Pfd. M 1.10—1.20, Hühnereier per «ietzen, 25. Jult Wochenmarkt kosteten: Butter Kitteratur, Wissenschaft und Kunst. Darmstadt, 23. Juli. Thomas Koschat mit seinem Quintett hat am Montag abend vor einem zahlreichen Publikum im .Saalbaugarten konzertiert. Das Publikum brachte den Liedervorträgen ungeschwächtes Interesse entgegen, und erbat sich von den wackeren Sängern mehrfache Zugaben. Dem persönlichen Interesse an dem Träger des berühmten Namens gab besonders der werbliche Teil der Zuhörer dadurch Ausdruck, daß er den alten Herrn in den Pausen um Autogramme bestürmte, die er mit großer Geduld und Liebenswürdigkeit zu hunderten niederschrieb. Im Berliner Zentral-Theater beging am Sonntag „Die Geisha" das Jubiläum der 700. Vorstellung. Bayreuth, 24. Juli. Auf Veranlassung der Frau Wagne/r waren an alle noch lebenden Künstler und Künstlerinnen, die an den Festspielen im Jahre 1876 beteiligt waren, Einladungen ergangen. Die meisten folgten den Einladungen, und kamen hierher. Heute mittag fand ein Jubiläumsbankett statt, woran u. a. Albert Niemann, Eugen Gura und Frau Materna sowie sieben Orchester Mitglieder mit Hans Richter an der Spitze teilnahmen. Bei dem Festessen, wozu auch zahlreiche andere Sängerinnen und Sänger erschienen waren, hielten Siegfried Wagner und Häns Richter Ansprachen. auf 17 277 549 Mk, der letztere also im Durchschnitt nur auf 58°/0 de« Kaufpreises gestellt hat. betragen. Ite eiet per St. 11—12 Käse 1 St. 5—8 Käsematte 2 St 5—8 Erbsen per Liter 22 4, Linsen per Liter 84 4, Tauben per Paar * 0.75-0.90, Hühner per St. JM, 1.00—1.50, Hahnen per Stück * 0.80—1.40, Guten per St. M 2.00—2.20, Gänse per Pfd. M 0.00 bis 0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 66—76 , Kuh» und Rindfleisch per Pfund 60—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 64—80 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 84 Kalbfleisch per Pfd, 60—66 L, Hammelfleisch per Pfd 50—70 Kartoffeln per 100 Kilo 6,00—9.00 JfC, Weißkraut per St. 00—00 , Zwiebeln per Etr. A 8.00—8.50, Milch per Liter 18 . Kirschen per Pfd. 15 —20 Pfg. Zaun der Marktzeit von 7 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags. )( Grü n ber g, 24. Juli. Heute fand hier der sogenannte Jakobimarkt statt, welcher insofern vom Wetter begünstigt war, als der Regen den Landbewohnern den Besuch des Marktes ermöglichte. Mit Schweinen, namentlich Ferkeln, war der Markt sehr stark befahren. Die- Preise hielten sich auf der gleichen Höhe, wie auf dem letzten Markte. Das Pgaig 6 bW 8 Wochen alte Ferkel kostete durchschnittlich 48 bis 55 Mark; ältere wurden zu 60 bis 80 Mark, je nach der Qualität, verkauft. () Ulrich st ein, 24. Juli. Unser dreitägige „Jakobimarkt", einer der berühmtesten Märkte Oberhessens, wurde vorgestern, gestern und heute abgehalten. Der Bullen- und Rindviehmarkt war am ersten Tage sehr gut befahren, und erinnerte in seinem Marktgedränge lebhaft an die früheren Glanzzeiten unseres Jakobimarktes'. Trotz der durch den Futter- und Heuausfall gedrückten Preise herrschte ein flotter Handel, und ein lebhaftes Geschäft, so daß das meiste Angebot auch Absatz sand. Obwohl die Preise für das Rindvieh nolchf üiedrig waren, war doch ein kleines Anzeichen bemerkbar, was wohl der Eintritt nasser Witterung verursachte. Begehrt war insonderheit das -Schlachtvieh, das besonders von Handelsleuten für Gießener Märkte ausgebraucht ivurde. Am billigsten stand das zur Mast 'bestimmte Jungvieh, von dem Stücke zu 70, 80 bis 100 Mark leicht zu kaufen waren. Auch auf dem gestrigen zweiten Viehmarkttage war die Auffahrt mit Rindvieh noch gut, es herrschten die gleichen Preisverhältnisse wie am vorigen Tage. Auffallend viele Ziegen tvaren gestern zum Angebot gebracht worden. Der gestrige Schweinemarkt zeigte eine solch starke Auffahrt, daß von einem „Ueberfahren" geredet wurde. Dessenungeachtet entfaltete sich ein reger Handel bei recht hohen Preisen. Diese betrugen für die Ferkel zweiter Güte 40 bis 50 Mk., erster Güte 50—60 und 60—70 Mark. Billiger ivaren die Einle'geschweine, deren Preise eigentlich in keinem rechten Verhältnisse zu den Ferkelpreisen standen. Dem heutigen dritten Markttage, der dem Krämer- und Vergnügungsmarkte gehört, that das Regenwetter vielen 2lbbruch. Krefeld, 24. Juli. Seit heute nachmittag finden mit dem Bankhause von Be ck e r at h -H ei l m a n fl dahier wegen Uebernahme der Firma durch ein größeres Bank- Institut Verhandlungen statt, die jedenfalls zu einem befriedigenden Ergebnis führen werden. Die Firma von Beckerath-Heilmann ist an dem Terlindenschen , Krach mit 1 292000 Mark beteiligt. Wie von maßgebender Stelle versichert wird, ist Grund zur Beunruhigung der Gläubiger absolut nicht vorhanden. Die Versicherung gegen Einbruch-Diebstahl hat während der letzten Jahre in allen Teilen Deutschlands eine außerordentlich günstige Aufnahme gefunden. Die Gesellschaften versichern Mobiliar und Waren, Wertgegenstände und Bargeld gegen jeden Diebstahl, welcher mittelst Einbruchs oder Einsteigens, oder mittelst falscher Schlüssel, oder durch nächtliches Einschleichen zur Ausführung gelangt. Nach den Angaben des Statistischen Jahrbuches für das Deutsche Reich sind im Jahre 1898 in Deutschland 97 201 Personen wegen Diebstahl verurteilt worden. Es entfallen also auf 100 000 strafmündige Personen innerhalb eines Jahres 256 Bestrafungen wegen Diebstahls. Die Zweckmäßigkeit des Abschlusses einer Versicherung gegen die sich hieraus ergebenden Schädigungen des Eigentums scheint hiernach erwiesen zu sein. Wie sehr dieser neue Versiclwrungszweig beliebt geworden ist, er- giebt sich aus der Thatsache, daß bei der bekannten Aachener und Münchener Feuerversicherungs-Gesellschaft, welche die Versicherung gegen Einbruch-Diebstahl seit einigen Jahren eingeführt hat, bereits mehr als 20000 Personen solche Versicherungen abgesckLossen haben. Die Prämien der Ein- bruch-Diebstahl-Versich^rung sind niedriger als diejenigen der Feuerversicherung. ( • ..4 Preußische «enten-Berfichernrrg-Anftolt in Berlin. Nack dem Rechenschaftsbericht für 1900 hat die Anstalt zur Zeit an Rente jährlich 5 444 478 Mk. zu zahlen. Auherdem bestehen bei ihr noch Verstcherungen über ausgeschobene Renten im JahreSbetrage von 747100 Mk. und Kapitalverficherungen im Betrage von 4 031 440 Mk. Sie ist die bedeutendste Rentenanstalt Deutschlands. Ihre Deckungsfonds für Verstcherungen beziffern fich auf 89 688 658 Mk., ihr Spar- kaffenfondS auf 12637 006 Mk. und ihre Sicherheitsfonds tut 6572 712 Mk. Von ihrem Vermögen find angelegt 7149 427 Mk. in müudelfichern Wertpapieren und StaatSschuldbuchsorderungen, 6 614 285 Mk. in Darlehen an Kommunalverbände und 92529144 Mk. in Hypotheken. Als BeleihungSgrenze bei Hypotheken gelten 60 Prozent des Gruudstückwertes und wie diese Grenze innegehaltm wird, läßt der Umstand erkennm, daß fich der Kaufpreis der beltehenen Grundstücke in 198 Besitzwechselfällen, die während der letzten fünf Jahre vorgekommen sind, auf 29 744 799 Mk., der Betrag der Hypotheken teK Ä«8 U"terMmer SÄ des PZL W Heinrich Hellen Car? W* tau L, Vte Arbeit u Armin nicht ^llte, ließ das -r.) Ae Stras- hen wurde zum .D Desgleichen I -temmeh Paul i : im Frühjahr Ito Roth da- vroht zu haben, Mn -essen WnMsstrafe. Der Äsneidn- , am 30. W. erstattet Hießen rafbaren Hand- )t, nämlich des Bedrohung und Beschuldigte und urch Urteil des hme, die seine Gefängnisstrafe ernerdieStrch tiibingen wegen ndjmung eine« neu erklärt. — LarcdwE rlWetheWer- m Schluß stand er Gräfin Mar- >urg gegen den ir Verhandlung, kläger öffentlich Veise mit ihren Das Schöfsen- >en Angeklagten :nnte wegen Be-, m 200 Mk., dev rtnis hatte der entigen Sitzung n Vergleich des ihre ^riMtfiage des Verfahrens icht wegen Che- Mn fei, fowie üs anrüchig be- iert, auf Grund ausgenommen zu daß die Rach- r Metzer-Gum- er Schneider sn Messung dcs ü .Hat AuS-r- GeMtsjH t 417537.93 «1 ehalibtr*" ibSS /feg assss Ti* * Wn S $nit* WM D°rt»L nen ^soeben genau 2'^, ritnenle „ Zs- UmoersiMs-Uachrichten. — Der Ordinarius für klassische Philologie an der Universität München Wilhelm v. Christ begeht am 2. August seinen 70. Geburts-- tag. — Aus Braunschweig schreibt man: Die hiesige Technische Hoch, schule verlieh den Titel „Dr. Jng." dem Assistenten am Laboratorium für analytische und technische Chemie Johann Maier. Es ist dies die erste derartige Promotion an unserer Technischen Hochschule; bisher wurde der Titel nur einmal honoris causa verliehen. — Bor kurzem starb Frau Dr. Rachel Sloyd, Profeffor der Chemie an der Universität Nebraska bei Lincoln, Mitglied dec Deutschen Chemischen Gesellschaft. Arrmischtrr. * Koblenz, 24. Juli. Zwischen Höhr und Hillscheid wurde gestern abend ein lOjähriges Mädchen ermordet aufgefunden. Eine der That verdächtige Person wurde verhaftet. Eine weitere Untersuchung ist im Gange. * Magdeburg, 22. Juli. Ein Soldat des hiesigen 26. Infanterie-Regiments versuchte am Montag unter eigenartigen Umständen seinem Leben ein Ende zu machen. Nachdem er sich mit einem dolchartigen Messer vier Stiche in die Brust beigebracht, stürzte er sich aus einem Fernster des zweiten Stockes auf den Hof der Kaserne hinab, von wo er in schwerverletztem Zustande in das Lazarett befördert wurde. lieber die Beweggründe, die den Unglücklichen zu seiner verzweifelten Thal getrieben, herrscht völliges Dunkel. P l a u e n, 24. Juli. Infolge wolkenbruchartiger Regengüsse im Elstergebiet ist Hochwasser eingetreten. Die unteren Stadtteile von Plauen sind überschwemmt, der Verkehr wird durch Wagen vermittelt, und die Feuerwehr ist mit Rettungsarbeiten besHästigt. Gegen Mittag hat der Regen nachgelassen. Unglücksfälle sind nicht vorgekommen. *Zu den Thaten des geisteskranken Barons von Stietencrou auf Oberweiler schreibt die „Straßb. Bürgerztg.": Auch über die Verwaltungsbehörde und die Sicherheitsorgane, denen das exzentrische, gewaltthätige und gemeingefährliche Wesen des Barons bekannt war, ergeht sich die sonst ruhige Bevölkerung in schweren Vorwürfen, daß man diesen Mann, der anläßlich der geringfügigsten Ursachen Mitbürger mit Erschießen bedrohte, und der auch thatsächlich vor einigen Jahren auf einen Arbeiter schoß, als dieser am Hellen Tage sich einige Zwetschgen unter einem Baume auflas, nicht früher unschädlich, machte. Auch hat er vor etwa drei Jahren eine in gesegneten Umständen befindliche Frau, die es wagte, über sein Eigentum zu gehen, „verhaftet" und drei Tage ohne Speise und Trank in seinem Eiskeller interniert. Durch die polizeilichen' Nachforschungen nach dem Verbleib dieser Frau wurde sie aus ihrem Kerker befreit. Wegen Freiheitsberaubung vor ein Kriegsgericht gestellt — Stietencron ist Rittmeister a. D. der 11. Ulanen — wurde er als unzurechnungsfähig auf einige Monate einer Irrenanstalt überwiesen. Tie eigene Frau, eine reiche, vornehme und beliebte Dame, geborene Schweizerin, hatte ebenfalls unter der Gewalt- thätigkeit ihres Mannes viel zu leiden. Sie mußte mehrfach Arreststrafen bei Wasser und Brot im Eiskeller verbüßen. Den Amtsrichter, der sich auf die telephonische Mitteilung Stietencrons an die Kreisdirektion, daß er einen Italiener aus „Notwehr" erschossen habe, sofort zur Aufnahme des Thatbestandes an Ort und Stelle begeben hat, habe der Baron barsch mit der Erklärung abgewiesen, daß er Offizier sei, und als solcher nur dem Militärgericht Rede stehe. Drei Kriegsgerichtsräte aus Straßburg haben nun am Sonntag vormittag der Obduktion der Leiche des Erschossenen auf dem Rathause in Niederweiler beigewohnt und den Thatbeftand ausgenommen. Wie erzählt wird, sei vorerst von einer Verhaftung Abstand genommen worden, weil Stietencron durch ein Attest dargethan habe, daß er nicht transportfähig sei. Er habe eine Verletzung am rechten Arme, den er in der Schlinge trage, durch die er seine Notwehr nachweisen will. Inzwischen ist Baron von Stie- tencron verhaftet worden. Wie die Verletzung entstanden ist, sei bis jetzt ein Rätsel, da kein Arbeiter dem Baron, etwas zuleide gethan, dieselben vielmehr, als ihr Kamerad durch zwei Schüsse hingestreckt war, alle schleunigst die Flucht ergriffen hätten. Der Vorfall selbst sott sich wie folgt, zugetragen haben: Der Ort Niederweiler baut eine Wasserleitung, deren Leitungsrohr auf eine kurze Strecke in das Eigentum Stietencrons zu liegen kommt. St. hatte ftüher hierzu sein Einverständnis erklärt, und sich ausgebeten, ihn von dem Beginn der Arbeit in Kenntnis zu setzen. Der Bürgermeister von Niederweiler begab sich am Donnerstag ins Schloß und teilte in Abwesenheit des Barons dessen Gemahlin mit, daß anderen Tages mit den Arbeiten begonnen würde. Diese nahm die Meldung mit dem Bemerken entgegen, es sei gut, sie würde es dem Baron sagen. Als anderen Tags etwa 8 bis 10 italienische Arbeiter die Arbeit beginnen wollten, forderte sie Stieten- cron auf, sofort sein Eigentum zu verlassen. Die Italiener verstanden aber den Baron nicht, und machten sich auftragsgemäß an ihre Arbeit. Daraufhin erschien er und sein Sohn — ein beurlaubter Militärkadett — jeder mit einer geladenen Flinte bewaffnet. Der Vater legte an und schoß dem Italiener Fossi mit einer Schrotladung auf eine Entfernung von 25 Schritt unter den linken Arm, wodurch eine leichte Verletzung durch einige Schrotkörner verursacht wurde. Mit einem unmittelbar folgenden zweiten Schuß und zwar einem Kugelschuß, wurde Fossi quer durchbohrt, und der Getroffene stürzte tot nieder. Die Auftegung in der Bevölkerung ist ungeheuer. * Eine Hochzeit zu Haag in alter Zeit. Bor nicht langer Zeit füllten ganze Spalten der Tagespresse und nicht minder der Zeitschriften die Berichte über die Hochzeit der jugendlichen Königin Wilhelmina der Niederlande. Vielleicht dürfte es nicht ohne Interesse sein, die Zeremonie bei der Hochzeit einer ihrer Vorgängerinnen in alter Zeit hier wiederzugeben. Am 25. Juli 1401, also genau vor 500 Jahren, wurde „die Tochter von Holland", Jakobäa von Bayern, geboren, die letzte Wittelsbacheckin auf Hollands Thron, von der die Herrschaft auf Burgund überging. Ihre Hochzeit mit dem Herzog Johann von Brabant schildert Franz v. Löher in seinem auf Veranlassung Königs Max II. von Bayern herausgegebenen Werke: „Jakobäa von Bayern und ihre Zeit" folgendermaßen: Am 10. März 1418 füllte sich in der Abenddämmerung der Rittersaal zu Haag mit glänzenden Reihen von Baronen, Rittern und Ratsherren aus Brabant, Hennegau, Holland und Seeland. Als alle versammelt waren, erschienen die Verlobten im Geleite der Herzogin-Witwe Margaretha von Burgund, des Herzogs von Berg, des Bischofs von Tournay, des Grafen von Reifferscheid! und anderer Prinzen. Der Kanonikus Wyardi von Mons trat vor und fragte in französischer Sprache den Bräutigam: „Willst Du, Johann von Brabant, die gegenwärtige Jakobäa von Bayern zur ehelichen Bettgenossin nehmen d und der Herzog antwortete: „Ja, ich will!" Dieselbe Frage und Antwort geschah seitens der Braut, darauf steckte der Herzog ihr seinen Ring an. Dann bestiegen sie ein Lager, das bereitet stand, und eine Decke wurde über sie gezogen und nachdem sie sich unter ihr einen Kuß gegeoen, wurde die Decke wieder weggenommen. Tamil ivar Johann von Brabant ehelicher Vogt über Jakobäas Person, Lande und Güter geworden. Nach der Abendtafel wurde das junge Paar feierlich zur ehelichen Kammer geleitet und am andern Morgen überreichte der Gemahl in Gegenwart der Verwandten seiner Bettgenosfin die Morgengabe. Acht Tage lang dauerten die Turniere, Gelage und Abendtänze. Es waren Festlichkeiten von königlicher Pracht. Dann begannen die Neuvermählten die Rundreise durch dtordholland, damit in allen Städten und auf den Plätzen, wo es sonst Brauch war, der eheliche Vogt der Fürstin die Huldigung empfange. An Jakobäa erinnern heute noch in Holland kleine Kännchen aus hellgrauem Thon, „Kouw Jakobas Kannetzes" genannt, welche man nach fröhlicher Sitte zuerst leerte und dann rückwärts über den Kopf warf. * Wr en, 24. Juli. In einer Kabine des Dianabades haben sich gestern zwei bildhübsche junge Mädchen, eine ^ntoristiu und eine Telephonistin, wegen unglücklicher Liebe zu einem und demselben Manne vergiftet. Arbeiterbewegung. Paris, 24. Juli. Aus Bastia (Corfica) wird gemeldet: Der Ausstand der Bahnangestellten ist beendigt. Die Züge werden von heute ab wieder regelmäßig verkehren. PittSbrrrg, 24. Juli. Es verlautet, der juristische Beirat der „American Sheet Steel Company" habe fich an die Bundesgerichte gewandt um Erlaß einer Verfügung, die es den Ausständigen verbietet, sich in die Angelegenheiten der Nichtunionisten zu mischen. Dies dürfte der erste Schritt zur alleinigen Beschäftigung von Ntchtunionisten in mehreren Betrieben sein. Imtimrirtfdjaft. Berlin, 24. 3uni. Saatenstand im Deutschen Reiche Milte Juli: Nr. 2 gut, Nr. 3 mittel (durchschnittlich), Nr. 4 gering, Winterweizen 3,5 (15/6. 1901 3 5, 1-/7. 1900 2,4), Sommeiweizen 2,8 (2,8; 2,4), Winterspelz 2.6 (2,8; 2,2), Wtnterroggen 2,9 (2,9; 2,9), Sommerroggen 2,7 (2,7; 2,4), Sommergerste 2,6 (2,7; 2,3), Hafer 2,9, (2.6; 2,3), Kartoffeln 2,5 (2,4; 2,3), Klee 3,5 (3,3; 3,1), Luzerne 3,2 (3,0; 2,6), Wiesenheu 3,0 (2,8; 2,6). Die EmteauSstchten verschlechterten sich fast durchgängig. Vielfach ist da8 Futter schon knapp; eS wird Futtermangel befü chtet. Wesentlich günstiger wird die Lage in Bayern beurteilt, wo Ende Juni und Anfang Juli reichliche Niederschläge fielen, die in den meisten Gegenden dm früher« Schaden wieder gut machten. In Südbayern ist der Saatenstand sogar sehr günstig. Sprechsaat (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt oie Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, dm 25. Juli. Die Stephanstraße ist im Laufe der letzten Zeit Nachts der Tummelplatz jugendliichen Unwesens geworden. Bevorzugt wird die Ecke Stephan- straße—Bismarckstraße, die den Herren anscheinend einen besonderen Anziehungspunkt bietet. Singmd und lärmend ziehen dieselben auf und nieder und stören sämtliche Anwohner in ihrer Nachtruhe. Wird diese Gegend nicht von den Patrouillen der Nachwache berührt, weil ein derartiger Unfug ungestört so lange vor sich gehen kann? Hoffentlich genügt dieser Fingerzeig, um Remedur herbeizuführen._________________X X Familien Nachrichten. Gestorben r Gr. LandgerichtSrat August Bergsträßer. — Apo theker Fritz Scriba in Darmstadt. — Heinrich Wellhöser in Frankfurt Verlobter Hanna Simon mit Robert Hom, Lübeck-Mainz. Wöchentliche Ueberficht der Todesfälle in Gießen. | 29. Woche. Vom 14. bis 20. Juli 1901. Einwohnerzahl: angenommen zu 25 900 (ind. 1600 Mann Militär) SterblichkeitSziffer: 22,08, nach Abzug der Ortsfremden 6,02%». Kinder Anm. Die in Klammem gesetzten Ziffern gebm an, wie oid der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießm gebrachte Kranke kommen. SS starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.- -15. Iah« Tuberkulose 3 (3) 2 (2) — 1 CD KrebS 1 (1) 1 (1) —— Herzfehler 1 (1) 1 (1) — — Peritonitis 1 (1) 1 CD — — Magenkatarrh 2 2 — — Altersschwäche 1 (1> 1 (1) — — Lebensschwäche 1 (1) 1 (1) — Krämpfen 1 — 1 — Summa: 11 (8) 8 (6) 2 (1) 1 (1) Neueste Meldungen. Berlin, 25. Juli. StaatSmiuister a. D. Bosse ist schwer erkrankt. Danzig, 25. Juli. In Zoppot ertrank der 18jährige Sohn deS Bäckermeisters Rumpelthin. t: Wetter Juli Juli 8 H 740,2 741,1 742,1 88 88 48 Heller Himmel Sonnenschein Bew. Himmel + 16,3 + 16,4 + 22,0 Still 8. 8. 4- 24.60 C. 4- 13.90 C. 2 4 9» 7« 2*3 £ 8 2 -s .0 £ 12,2 12,3 9,4 ü w Höchste Temperatur am 23.-24. Niedrigste ,„ *535 S jo 24. 25. 25. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt, den 25 Juli. 81/| % Boiohsanleihe . .10100 8 0/0 do . . 90 35 Bi/, i/o Konsole . . . . 10100 SC/e do ... 90 50 8V»% Hesse» . « . 98 90 5'Vo Italien. Bents . . . 97.10 40/0 Grieoh. Mcnop.-Anl, 42.50 8 ’Vo Portugiesen . . , 25.75 8 0/0 Mexikaner ... 26.20 Kreditaktien..... 198 90 Dißkonto-Kommandit . . 174,20 Darmstädter Bank . . . 125 90 Dresdener Bank .... 129 40 Berliner Handelsgec. . .135 10 Oeeterr. Staatshalt . . 136 30 Gotthardbahn .... 152.40 Laur&hütte ..... 181 80 Bochum......165.90 41/1 •/□ Chinesen . 80.70 Harpener Tendenz fest. ......151 00 tn jeder beliebigen Schristart und Karton» UllinflliCll sorie, sowie mit Zirkeln aller studentische» V' Vereinigungen, liefert zu mätzigen Preisen vrühl'sche Univerfitätt-Vruckerei, Zchulstratze Z Todes-Anzeige Herrn Johannes Hormann, Wildprethändler Die trauernden Hinterbliebenen 5160 Giessen, den 25. Juli 1901. Die Beerdigung findet Freitag den 26. d. Mts., nachmittags 572 Uhr, vom Sterbehause, Mäusburg 6, aus statt. Antwerpen nach OflAtÄ -u vermieten. 02866 Th. Bogt, Löwenaafse 17. en- Earl Petri. 5170 süchtiger Schuhmacdergeselle sof. * ges. Karl Müller, Liebigstr. 64 großes Lager in 5166 Vergütung gesucht. 5171 H. Schaffkaedt. Ordentliches, braves Dienstmädch. gesucht W'lbelmstraße 5, III Thratei 3 W 4524 Gießener Anzeigers. ZeWn Giessen ro