esangverein 1 * Tante men.« BIM 1. ;ert ichaiftags ä'/2 Ohr, ns Girtea irekters 8. Trutim. le: M ae StiHgirt (Bopnu). aor). ibariton). Bau). •Regleeals „Ittir llbelm m. Ibe's faust ir ron Robert Schein. t 8 Mk.) sind in der Iwi- in Ernst Challier und ibeods Mk. auch bei Herrn Hane- i haben. bet acbmittags 5 Ubr. rkartan 50 Pfg- Wb Wmi«. Probe: , Aprib 8 Uhr. iRom abeodS 8'/r Uhr. arte»: ?ag Mq,»!Äas (Strierml HJilM* Die fiebnrt «ne» § te,imie*l«tenac .eige»“ ""8 ISMesdy Anoageb'BO 0 HnfgntHe.be** „ml »"l' U'«"« A.elSI 161 c-»rtn Nr. 97 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Freitag 26. April 1901 täglich «tt ■aieabw des Montag« Me ei**er Lamlllee. Hitttc «erben dem Mn» Mkftr iw Wechsel mit,Hefi W*wtrt* unb „Blätter flk Hl 8ol!6funb<* vier» mal wöchentlich betgelegt. a*eÜUe, tn>ebition nnb Budmi tchnlftrotze 7. «n|cla«a Mr »,chwa»«-a flr »em grab«« Tag erf*elnenle* MM« M MTB 10 Ubt GietzenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Vejvgrpreir vierOljlchtt. Mk. 2.20, monotl. 75 mit Brmgerlolm; burch W Abholeftelleo »lerteljäH Mk. 1.90, monatl. 65 Pßg Bei Postbezug vierleljähtt. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. ■Be W*8tig«n.BerwlttlinieB. stellen »es Sn» ewb MuOtanw ■ cb®cn ÄiijclQeR |6c bce •tefeewcr Htnzeloev eBtgeeee. 8etkn»rei6 total 11 We» oMC*ärte M Pfg. Adresse fär Depesche«: Anzeiger Gieße«. Kernsprechanschluß Nr. M. Bekanntmachung. Wir bringen zur ÄenntntS der ^ntc, ■ ffenten, daß jeder gelt auf den rachbenannten sechs Zuchista'lonrn des Vvgel und GefiügelzuchtcereinS Gießen frische Eier von rusfereinen Hühnern zur Nachzucht leistungefäh'qen GtflÜgelS zu b-zieher sind. Bezüglich der Znchtstation auf der Hardt wolle man sich an den Vorsitzenden des Vereins, Herrn August Schwär hier, Sel'ereweg, bezüglich der Übrigen an die Besitzer der Zuchtftanonen wenden. Die Tier kosten für Mitglieder des Vereins i 15 Pfg., Mchtmikgll der ä 20 Pfg. Zuchtstation Hardt: rebhuhnfarbige Italiener, schwarze Mi orka; Hch. Hochreuther hier: gesperberte Plymouth RockS; Hch. Leib Ww., Philosophenwald: rebhuhnfarbige I aliener; Julius Zimmer, Bingmühle: rebhuhnfarbige Italiener; Ioh. Engel, Birklar: schwarze Minorka, gesperberte Italiener; H. Döpfer IV., RöthgeS bei Laubach: rebhuhnfarbige Italiener. Gießen, den 19. Aptil 1901. Der Dir-.ktor des landw. Bezirksvereins, v. Bechtold. Der Kaiser in Bonn. Bonn, 24. Aprff, Die Ankunft des Kaisers. Eine große Menschenmenge, zu der die nähere Umgebung )aS Hauptkontmgent gestellt hatte, durchwogte schon von der frühen Morgenstunde an die Stadt. Gegen 8 Uhr durch brach die Sonne das Gewölk, einen Fortbestand des präch Ligen Flühliugswetters in Aussicht stellend. Der Flaggen« schmuck tm Innern der Stadt ist heute noch allgemeiner geworden. Zahlreiche Schaufenster haben entsprechende Dekorationen erhalten. Auf der Koblenzerstraße stellten sich in der Frühe die militärischen Vereine zur Spalierbtldnng auf. Bahnhofstraße. Kaiserplatz, Hofgarten, Koblenzerstraße wurden von 9 Uhr ab für den Fußgängerverkehr gesperrt. Eine ungeheu re Menschenmenge sammelte sich infolgedeffen zu beiden Seiten der Straßen an, indrß wurde es den Polizei beamten, die aus Düsseldorf, Elberfeld und Köln Verstärkung erhalten hatten, nicht schwer, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Um 9 Uhr 55 Min. lief der Kaiserliche Sonder Zug, worin sich auch der Kronprinz befand, in die hiesige Bahnhofshalle ein. Zur Begrüßung hatten sich, wie wir bereits gestern meldeten, eingefunden: Prinz Adolf von Schaumburg-Lippe nebst Gemahlin, Eisenbahndirektionspräft bent Stieger (Köln) und Oberbürgermeister Spiritus (Bonn). Kaiser und Kronprinz bestiegen nach kurzer Begrüßung die bereitstehenden Wagen und fuhren unter Hochrufen der Menge zur Billa Schaumburg. Im ersten Wagen hatte der Kaiser zur Rechten seiner Schwester, der Prinzessin von Schaumburg- Lippe, im zweiten Wagen der Kronprinz mit dem Prinzen Adolf Platz genommen. In den folgenden drei Wagen befand sich das Gefolge des Kaisers, darunter Kultusminister Studt. Der Kaiser sah vortrefflich aus. Die Huldigungen des Volkes beantwortete er durch Grüßen. Auch der Kronprinz legte fortwährend zur Begrüßung die Hand an seinen Helm. Den Kaiser scheinen die ereigni-vollen Tage der letzten Wochen etwas angegriffen zu haben. Der Kronprinz machte hier denselben Eindruck, den er jüngst beim Wiener Publikum hervorgerufen hatte. Er riß sofort alle hin, nnd seine ge winnende Erscheinung, sein so überaus einfaches, bescheidenes Wesen eroberten ihm schnell Aller Herzen. Seine hoch- aufgeschosiene Gestalt mit dem fast bleichen Antlitz, die sich in der Uniform des GardeleutnavtS überaus schmuck ausnahm, war bei diesem Empfang in Bonn der Miitelpunkt aller Huldigungen des Publikums. Dem kaiserlichen Wagen ging weder ein Wagen noch eine Begleitung voraus. Keine radelnden Leibgendarmen, leine galoppierenden Gendarmen oder Schutzleute waren zu bemerken. Dem neuen Bonner Musensohn galt alle Be gcisterung der Masten, namentlich die Damenwelt huldigte dem ältesten Sohne unserer von allen deutschen Frauen so Hochverehrten Kaiserin in herzlichster Weise. Die Immatrikulation des Kronprinzen. Bor dem Hauptportal der Universität war ein Baldachin ausgestellt, unter dem der Rektor, Profestor Freiherr Äon La Valette St. George, der Senat, der Kultus Minister Dr. Studt und der Kurator der Univerfitäi Dr. v. Rottenburg den Kaiser und den Kronprinzen er» »arteten. Beide trafen uw 12 Uhr ein und wurden vom Rektor unter Vorantritt des Senats durch ein Spalier von Lorbeerbäumen in die Aula geleitet. Pedelle eröffneten den Zug, der Prinz und die Prinzessin von Schaumburg-Lippe, igotoie die Herren der Umgebung schloffen sich an. In der Aula war ein T'sch ausgestellt, auf de» Album, Matrike und Erkennungskarte lag n. Im Hintergründe sah man ein Loi beer-Arrangcment, 20 Chargierte mit Fahnen flankierte, dasselbe. Die Versammlung bot ein glänzendes, fa> den prächtiges Bild. Zahl'eiche Eorengäste waren anwesend: Generaloberst v. LoS, Obcrpräfivent Nuffe, Regierungs oräsident v. Richthofcn, die Oberbürgermeister von Köln nnb Bonn, die Rektoren der Unwerst'ät verlin, der Akademie in Münster und der Techn,scheu Hochschule in Aachen, die §p tzen der Zivil und Miliiärbehö'den, die evangelische nnb katho ische Geistlichkeit. Der Kaiser nahm vor dem ge nannten Tische Aufstellung, links von ihm der Kronprinz. Nachdem die Kapelle des 140. Infanterie Regiments einen Musch öorqetraflen, hielt der Rektor folgende Ansprache: Kaiserliche nnb Königliche Majestät 1 Ew Majestät wallen dem zeitigen Rektor der Univeisität Allergnädigst gestatten, den erhabenen Schirmherrn unserer alma water ehrfurchtsvoll zu begrüßen. Hochbeglückt sind wir durch die Anwesenheit Sw. Majestät, Allerhöchstwelche ja wie auch der hochselige Kaiser Friedrich es nicht Verschmäht haben, zu unfern Schülern gerechnet zu werden. Mit Stolz und Dank blicken wir auf die selbstgezeichneten Namen, welche unser Album zieren. Die schönen Hoffnungen, zu denen der Jüngling berechtigte, erfüllt der zum Mann gereifte Herrscher in herrlichster Weise. Ew. Majestät starker Arm sichert Deutschlands Grenzen; die deutsche Flagge weht auf allen Meeren, und Kunst und Wissenschaft, Handel und Wandel erblühen unter dem verständnisvollen Schutze unseres genialen Kaisers. Daß Ew. Majestät der Bonner Studentenzeit sich freundlichst erinnern, haben wir oft genug erfahren. Der höchste Beweis gnädiger Huld und ehrenden Vertrauens wird uns beute zuteil, wo Ew. Majestät den eigenen Sohn, Seine kaiserliche und königliche Hoheit den Kronprinzen des deutschen Reiches und von Preußen unserer Universität zusühren. Wie Ew Majestät seinerzeit sich hier aller Herzen gewonnen haben, so.Mrd auch der neue hohe Kommi litone es bald erfahren, wie treu und warm ihm unsere Herzen ent- gegenschlagev I Der Kronprinz schrieb sich hierauf in das Album der Universität ein und erhielt dann Matrikel und Erkennungs karte. Der Dekan der juristischen Fakultät Überreichte das Sollegienbuch. Nach Beendigung der Feier trat der Kaiser an den Rektor heran und drückte ihm unter Dankesworten hie Hand. Unter den Klängen des Torgauer Marsches ver l eßen die Herrschaften die Aula und kehrten nach der Billa Schaumburg zurück. Nach der Ansprache zeichnete sich der Kronprinz in das Slburn ein. Der Rektor veipflichtete den Kronprinz dann durch Handschlag, der UniversilätSrichter überreichte die Erkennungskarte, der Dekan der juristischen Fakultät mit einer kurzen Ansprache duS Kollegienbuch. Nunmehr begrüßte der Rektor den Kronprinzen als jüngsten Kommilitonen und gab dem Wunsche Ausdruck, daß auch er die ernste Wiffenschaft mit frischem Jugendmute vereinigen möchte. Er schloß mit einem Hoch auf den Kaiser, das brausenden Widerhall fand. Die Musik spielte die Nationalhymne. Der Kaiser reichte dem Rektor die Hand und begrüßte sodann verschiedene An wesende und ließ sich die Mitglieder des Senats vorstellen. Dann schritten der Kaiser und der Kronprinz und die Be gleitung im Zuge hinunter zum Portal, von wo die Abfahrt unftr jubelnden Hochrufen des Publikums, insbesondere der versammelten Studenten, erfolgtes 5 jDie Matrikel des Kronprinzen. Die in Währung der überlieferten Form für den Kron Prinzen ausgefertigte Matnkel hat folgenden Wortlaut: Qaod bonum fei ix fanstumqae eit praeeonte ac jubente summa mj^etate Guilelmi eecundi, Impe atoris Gennanorum, Boruaeiae Regis, auguetieeimi potentisaimi universitatis Friderieiae Guilelmiae rhenanae conaervatorie clementiaaimi rectore Adolpho libero barone de la Valette 8t. Geerge, medicinae et chirurgiae ac philosophiae doctore, anatomiae profeaaore publico ordinario, inatituti anatomici direotore, regia ab intimia medicinae conailiis ordinum, regia bornaaici aquilae rubrae et coronae quite Friedericua Guilelmua Victor Augustus Ernestus, Guilelmi Imperatoris filius generosissimus ex regia Boruaaorum stirpe princepa, Imperii Germanici et Regni Borusaici hcres, atudiosas jaris data dextra, juriajurandi loco, legibus magiatrati- buaque academicis fidem oboedientiam reverentiam pollioitus, numero civium univeraitatis Friedericiae Guilelmae Rhenanae legitime ad- acriptua est, cujus rei testea haaoe litteras sigillo univeraitatis munitas. et rectoris manu subscriptas accepit. — D. Bonnae, d XXIV menaia Aprilia anni MCMI de la Valette. Seoretarius univeraitatis Carolus Hoffmann. In freier Uebersetzung: Glück sei und günstige Vorbedeutung? In Gegenwart und auf Befehl Seiner Majestät Kaiser Wilhelms II., Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, des mächtigen und gnädigen Förderers der rheini- sck>en Friedrich Wilhelms-Universität und unter dem Rektorat Adolfs Freiherrn de la Valette St. George, Doktors der Medizin, der Chirurgie und Philosophie, ordentlichen Professors der Anatomie, Geheimen Medizinalrats, Ritter des Roten Adler- und des Kronenordens gelobt — Fried- drich Wilhelm Viktor August Ernst — der edle Sohn des Deutschen Kaisers, Prinz von Königlichem Stamme Preußens, des Deutschen Reichs und der Krone Preußens Erbe, als Student der Rechte mit Handschlag statt bes, Eidschwurs Treue, Gehorsam und Achtung den akademischen Gesetzen und Beamten und ist nach Ablegung dieses Gelöbnisses in die Zahl der Hörer der rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität ausgenommen worden, wofür Zeugnis ist diese Urkunde mit beigedrucktem Jnsiegel und der Handschlag des Rektors. Gegeben Bonn, 24. April 1901, gezeichnet be la Valette, als Rektor: Karl Hoffmann, als Sekretär der Universität." * * Nach der Imm trikulterungSfeier machte der Kaifer mit öem Kronprinzen mehrere Besuche Hierauf fand F'ühstückS- tafel beim Prinzeupaar von Schaumbu g-L'Ppe statt. Am Nachmittag wurde eine Dampf erfaßet auf dem Rheiu gemacht. Der Kaiser-Kommers. I« reich mit stuventischen Emblemen geschmückten sieethovenfaale fand abenvS der Fe st komme rS der gesamten Studentenschaft statt. Auch die Gale icn waren von Studenten besetzt. An der Borussia Tafel saßen viele Ltudi ng »offen des Kaisers. Die Mafik wurde von der Kapelle der 7. Husaren ausgeführt. Von den Ghaigi-rten geleitet und mit brausenden Hochrufen begrüßt, betrat Punkt 8 Uhr der Kaiser ix der Uniform der Leibhusaren, mit dem Kronprinzen und dem Prinzen von Schaumburg Lchpe den Saal und nahm an der auf einem erhöhten Podium befindlichen Ehrentafel zur Rechten des ersten Chargierten der „Borussia", v. AlvenSlebc«, Platz. Rechts vom Kaiser saß der Kronprinz. An der Tafel saßen ferner der Kurator und der Rekior der Univerfität und die Umgebung des Kaisers, hinter der Kaisertafel der akademische Lehrkörper. An alle Teilnehmer des Kommerses gelangte ein Liederbuch nut dem Bild des Kronprinzen zur Verteilung Nach dem zweiten Liede hielt der erste Chargierte der „Borussia", v. AlvenS- leben, foloenbe Ansprache an den Kaiser: k ®ro. Majestät geruhten allergnädigst, heute unter uns zu erscheinen. NamenS der gesamten Studentenschaft wird mir die hohe Ehre zu Teil, Ew. Majestät in unserer Mitte ehrfurchtsvoll zu begrüßen. Die Universität Bonn blickt mit Stolz auf die Zeit, da Ew. Majestät allerhöchst selbst ihr angehörten. Seit jener Zeit bewahrten Ew- Majestät der Bonner Studentenschaft stets immer das gleichbleibende allerhöchste Wohlwollen und Jntereffe. Der heutige Tag ist unS ein neuer Beweis der allerhöchsten Gnade und des Vertrauens. Sichtbare Zeichen aber hierfür dürfen wir ganz besonders darin erblicken, daß Ew Majestät heute geruht haben, den Kronprinzen in die Zahl der akademischen Bürger aufnehmen zu taffen, daß wir die hohe Ehre haben, den Kronprinzen in unserer Mitte willkommen heißen zu dürfen. Die Bonner Studentenschaft wird stets als ihre vornehmste Pflicht betrachten, sich der hohen Ehre würdig zu zeigen. Unverbrüchlicher Gehorsam, nie wankende Treue zum angestammten Herrscherhause der Hohenzollern wird unser Dank für die allerhöchste GnadL sein. Dieses G-löbms bekräftigen wir, indem wir nach altem studentischen Brauch auf das Wohl E«. Majestät einen kräftigen Schoppensalamander mit unserem Rest reiben. Die Musik intonierte die Nationalhymne, worin sich Hochrufe mischten, während der Kaiser sich wiederholt verneigte. Dann sprach der Kaiser. Die Rede des Kaisers. Auf dem Kommers hielt der Kaifer in Erwiderung der Ansprache des Vorsitzenden des Korps „Borussia" folgende Rede: Es bedarf wohl für Sie, meine lieben jungen Kommilitonen, nicht besonderer Erwähnung oder Betonung, welche Gefühle mein Herz dnrchzittern, wenn ich mich tm lieben Bonn wieder unter Studenten b-finde. ES entrollt sich vor meines Geistes Auge herrlich bei schimmernde Bild voll Sonnenschein und glücklicher Zufiicdenhett, welches die Zeit meines Hierseins damals erfüllte: die Freude am Leben, die Freude an den Leuten, alt wie jung, und vor allem die Freude an dem erstarkenden Deutschen Reiche. So ist denn auch der Wunsch, der mich vor allem jetzt erfüllt, in dem Augenblick, da ich meinen teuren Sobn in Ihre Mitte reihe, daß ihm eine ebenso glückliche Studienzeit beschieden sein möge wie mir einst geworden. Und wie sollte das auch eigentlich anders möglich sein! Ist doch Bon«, die liebliche Stadt, so gewöhnt an das Treiben lebensfroher Jünglinge, und von Natur wie dazu geschaffen, findet der Kronprinz doch Erinnerungen an feinen herrlichen Grotzvater, der nimmer Bonns oer- gtffen konnte — fein Auge leuchtete, wenn der Name der ihm so lieb gewordenen Stadt genannt wurde, an feinen Urgroßvater, den edle» Prinzgemahl, den Lebmsgefährtm jener jetzt oe-klärten königlichen Frau, die stets ein friedliches, freundliches Verhältnis zwifchm ihrem und unserem Volk, die ja beide germanischen Stammes sind, an- aestrebt hat, und so manchen andern edlen deutschen Fürsten, der hier seine Vorbereitung für seinen späteren Beruf durchlaufen bat. Aber weiter noch: Bonn liegt ja am Rhein! Da wachsen unsere Reben. Ihn umschweben auch unsere Sagen, da redet jede Burg und Stadt von der Vergangenheit Unser Rhein mit seinem Zauber soll auch auf den Kronprinzen tmb Sie seine Wirkung üben, und wenn der Becher fröhlich kreist und ein frisches Lied erschallt, dann soll Ihr Geist sich voll be< schönen Augenblick« erfreuen und darinnen aufgehm, wie es lebenSmutige« deutschen Jünglingen ziemt. Doch die Quelle, woraus Sie Freude schöpfen^ sie sei rein und lamer, wie der goldene Saft der Reben, sie sei tief und nachhaltig wie der «ater Rhein! Blicken wir umher im wonnigen Rheinland, da steigt vor uns unsere Geschichte in greifbarer Gestalt empor. Ja, freuen sollen Sie sich, daß Sie junge Deutsche find, beim Durch- ziehm der Strecken Aachen bis Mainz, das heißt von EaroluS Magnus zur Glanzzeit DeuffchlandS unter Barbarossa! Aber warum ward nichts aus all der Herrlichkeit, warum sank daS Deutsche Reich dahin? Weil das alte Reich nicht auf streng nationaler Basis begründet war. Dec Universalgedanke des alten römischen Reiches deutscher Ration ließ die Entwickelung in deutschnationalem Sinn nicht zu. Das Wesen der Ration ift in der Abgrenzung nach außen der Persönlichkeit d-s Volkes und seiner Rasseeigentümlichkeit entsprechend. So mußte Barbarossa's Glanz erbleichen und deS alten Reiche« Bestand zerfallen, weil eS durch feinen UniversaliS- mus an dem Krystalltsationsprozeß zur Nation gehindert wurde, und zwar zur Nation im ganzen; denn kleinere Kerne krpstallifierten sich in der Form starker FürsteMümer und gaben den Grundstock für daS neue Staatengebilde ab, aber dadurch mußten sie und ihre Oberhäupter leider in Konflikt mit dem, dem Universalismus dienenden Kaiser und Reich gelangen, und so ging der innere Friede dem stets schwächer werdenden Reich verloren. Leider muß auch über diese Entwickelung unseres deutschen Volkes das schwerwiegende Wort des große« Kenners Germaniens, TacituS, geschrieben werden: wpropter invidiam“. Die Fürsten neidettti den Kats«nr ihre Macht, wie einst dem Arminius trotz seines Steges. Der Adel de» neidete di» reich gewordenen Städte und der Lauer beneidete den » . Was für unselige Folgen, welch schweres Unheil h«t *ns^ tteb^ Vat^lmd „propter invidiam* erlittenI Davon können die Gestade des Vater Seltern Parterre und Nur r frachtfreie Li( Per ,"*Ä” Ä'-ft *as* J«; L" #8S P®»tetheNbtt v°tt do" ? \^Ä*S** eine ff»9 ^9e,Ä teA* "hm äh-« •m. 0 ■ ^i' Ot,äW$f y^ie über ? /Die Oi trolliien«• ^jsche syk- Sfcl. srfs s'sL 5 gewonnene Ä’-ar Häfff Liren «tig niemals -o-ederkeho lassen wollte, und größerem Erfolg de Lehrmittel abweichk offenbar sehr unte 1 Mtt> emscham dieser Äußerung: „Es iß von ligleit, daß bai studierenden Me Nur durch Lorfi Studenten die A jüngsten Zweig i l)jeisteskrankheite Patienten allge Ze mehr Patten: Wbildung der eines Beweises ni chiater neue Rätst mit anderen Kr Mir haben bi nicht von einem K Sebattion des „Ai Nun ist betau heiten nicht allein tranken gebunden des Leichenbefund! frotschreitende Ern Irrenanstalt dann Serzte dieser Ansti ung einer unbed können. Zu allen s gischen Znstituts i weisen, wie wahrer jeit ermöglichte h Fakultät, des inne Millen ungetoitynfi oder bei Mischen interlurnnter, bqo Deutscher Reichstag. Berlin, 24. April. Ter Zusatzvertrag zu dem Auslieferungs- Vertrag zwischen dem Reiche und Belgien vom 24. Dezember 1879 wird in dritter Lesung -angenommen. Os jfolgt der Gesetzentwurf betreffend Uebernahme der Garantie durch! das Reich für die Bahn Dar - es - Sa - laam — Mrogoro. Reichskanzler Graf v. Bülow: Tie Regierung gehe bei dem vorliegenden Gesetzentwurf von der Ansicht aus, baß, die Frage, iofb die Eisenbahn von Tar-es-Salaam nach Mrogoro auf Reichskosten oder mit Hilfe privater Mittel gebaut werde, erst in zweiter Linie stehe, da es heute einzig und allein darauf ankomme, ob die Bahn überhaupt gebaut werde, damit die Inangriffnahme kein weiteres Jahr hinausgeschoben werde. Obgleich es der deutschen Verwaltung nach langer, angestrengter Arbeit gelang, in dem Schutzgebiet von Teutsch-Ost-Afrika die Ruhe und Ordnung herzustellen, steht doch der wirtschaftlichen Erschließung der Mangel an Verkehrseinrichtungen hemmend und störend entgegen. Tem Mangel kann aus klimatischen Rücksichten durch Anlage von Straßen nicht abgeholfen werden. Die einzige Möglichkeit, eine Verkehrserleichterung in Teutsch- Ost-Afrika zu schaffen, und damit die wirtschaftliche Rettung Deutsch-Ost-Afrikas, liegt in dem Bau von Eisenbahnen. Damit ist auch das einzige Mittel gegeben, das Schutzgebiet finanziell auf eigene Füße zu stellen. Dazu kommt, wenn an Stelle des bisherigen Trägersystems nicht ein anderes konkurrenzkähiges Verkehrsmittel tritt, daß der Handel der Seedistrikte, welcher bisher seinen Weg durch Deutsch-Ost-Afrika nimmt, auf die englische Ugandabahn und im Süden auf den Nyassaseeweg abgelenkt würde. Wenn wir mit dem Bau der Eisenbahn noch länger warten, werden die Verhältnisse in Deutsch-Ost-Afrika in Stillstand und Rückgang verfallen, während in Britisch-Ost^Afrika und jn her Sambesimünduna sich blühende Handelsplätze entwickeln. Die Regierung Jege üt dem Bau der Eisenbahn ein unabweisliches Bedürfnis für das Schutzgebiet. Der Gesetzentwurf habe nur den Zweck, den Bau der kurzen. 230 Kilometer-Strecke Tar-es-Salaam—Mrogoro sicherzustellen zu dem Zweck, das von der Küste nicht allzuweit' entfernte Gebirge mit der Küste zu verbinden und das ba zwischen liegende Terrain wirtschaftlich zu erschließen. Die Regierungen können sich auf die Autorität aller Kenner des Landes bezüglich der Notwendigkeit und Nützlichkeit der Bahn berufen. Betreffs der Abmachungen mit den Banken sind die Regierungen der Ansicht, daß es gelungen ift, einen angemessenen Ausgleich zu finden zwischen Interessen und Verpflichtungen des Reiches und der notwendigen finanziellen Unterstützung des geplanten Bahnbaues seitens der Banken. Tie Regierungen hoffen, daß der ReickMag e der Vorlage die wirtschaftliche Entwickelung und Erschließung, die Zukunft des ostafrikanischen Schutzgebietes ftcherstellen werde. (Beifall.) Abg. Richter (frs. Vp.) betont, die Vorlage verlange nicht weniger Opfer als die frühere, sondern größere: die geforderten Kosten ständen in keinem Verhältnis zu dem zu erwartenden Nutzem Die Erfahrungen, welche wir mit der Usambara-Bahn machten, mahnen uns zur Vorsicht. Hier werde eine Prämie an die Bauunternehmer vom Reiche gezahlt; die Aktionäre haben keine großen Verpflichtungen übernommen, wenn die Bahn keinen Ertrag bringt, haben Mein unS etwas erzählen. Nun, was damals nicht gelang, Gott gab es Einem, zu vollbringen. Aachen und Mainz find uns historische Erinnerungen, aber das Sehnen nach Zusammenschluß zu einer Nation blieb in des Deutschen Busen, und Kaiser Wilhelm der Große vollbrachte es im Verein mit seinen treuen Dienern. Drum nach Koblenz aufs „derttsche Gck" den Blick, nach Rüdesheim zum Niederwald, die Bilder lehren und beweise« Ihnen, daß Sie jetzt Germanen sind im deutschen Land, Bürger einer streng begrenzten deutschen Nation, an deren Heil und Entwickelung 'm Zukunft mitzuarbette» Sie alle zur Vorbereitung hier find. Herrlich empor,eblüht steht das Reich vor Ihnen. Freude und dankbare Wonne erfülle Sie und der feste mannhafte Vorsatz, als Germanen an Germanien zu arbeiten, es zu heben, zu stärken und zu tragen durch glühe Sie! Die Zukunft erwartet Sie und wird Ihre Kräfte gebrauchen, aber nicht, um sie in kosmopolitischen Träumereien zu verschwenden oder in den Dienst einseitiger Parteiinterefsen zu stellen, sondern um die Festigkeit des nationalen Gedankens und um unsere Ideale zu pflegen. Gewaltig find die Geistesheroen, welche der Stamm der Germanen durch Gottes Hilfe hat hervorbringen dürfen, von Bonifazius und Walther von der Vogelweide bis auf Goethe und Schiller und sie sind -um Licht und Segen der ganzen Menschheit geworden. Sie wirkten .universal" und waren doch streng in sich selbst abgeschloffene Germanen 0. h. Persönlichkeiten, Männer! Die brauchen wir heute mehr als je, wögen Sie auch dahin streben, solche zu werden. Wie soll das aber möglich sein, wer soll Ihnen dazu verhelfen? Nur einer, dessen Namen »it alle tragen, der unsere Sünden getragen und ausgetilgt hat, der uns vorgelebt hat und gearbeitet, wie wir arbeiten sollen. Unser Heiland und Herr, der pflanze den sittlichen Ernst in Sie, daß Ihre Triebfedern fletS lauter, Ihre Ziele stets hehre seien. Die Liebe zu Vater und Mutter, -um Vaterhaus und Vaterland wurzelt in der Liebe zu ihm. Dann »erden Sie gefeit sein gegen Verlockungen jeder Art, vor allem gegen Eitelkeit und Neid. Dann können Sie singen und sagen: Wir Deutschen fürchten Gott und sonst nichts auf der Welt! Dann werden wir auch fest und kulturspendend in der Welt dastehen und ich werde ruhig meine Augen schließen. Sehe ich eine solche Generation um meinen Sohn ge- schaart heranwachsen, dann Deutschland, Deutschland über alles I In dieser Zuversicht rufe ich: Es lebe die Universität Bonn! Der Kaiser kommandierte sodann selbst den Salamander auf die Bonner Studentenschaft, worauf sich endloser Jubel erhob. Bei den Stellen: „Wir Deutsche fürchten Gott" und »Deutschland über Alles" ertönten Hurrah- und Bravorufe. Hierauf begrüßte stud. Trendelenburg vom akademischen Ruderklub „RhenuS" in einer Ansprache den Kron Prinzen. Er gedachte der Schönheit des Rheinlandes. Die Studentenschaft schätze sich glücklich, sich Kommilitonen des Kronprinzen nennen zu dürfen. Der Redner schloß mit tincm donnernden Salamander auf den Kronprinzen. Hochrufe und Mützenschwenken folgten. Darauf sagte der Kronprinz mit lauter, klarer Stimme etwa folgendes: Meine lieben Kommilitonen! Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für den warmen Empfang, den Sie mir bereitet haben. Ein Willkomm, wie Sie ihn mir entbieten, bürgt mir dafür, daß ich unter Ihnen glückliche Jahre verleben darf. Somit wird das Band, das «18 alle als Söhne des deutschen Vaterlandes verbindet, mit dieser Stunde geknüpft. Daß e8 sich als fest erprobe jetzt und in alle Zu tunst, darauf leere ich mein Glas. Die Studentenschaft der Universität Bonn vivat, cresoat, floreat! Stürmische Hochrufe folgten und der Kaiser kommandierte hierauf den Salamander. Darauf jubelnde, anhaltende Hurrahrufe. die Aktionäre keinen Schaden, denn das Reich kommt für alles auf. Ties müsse als ein System der Prämienwirtschaft bezeichnet werden, wie es 1870 verboten wurde. Tie Rentabilitätsberechnung, welche die Kolonialschwärmer aufgestellt haben, zeigt nur, wie schlecht sie rechnen können. Die erste Vorlage sollte nur 15 Millionen kosten. Allerdings meine der Reichskanzler, der Bahnbau verpflichte zu nichts; wenn aber die Fortführung bis zum Tangajika-See verlangt werde, müßte man wohl —. »da „A" gesagt worden — auch „B" sagen. Hinsichtlich unserer finanziellen Lage haben wir keinen Anlaß, uns solchen Luxus zu gestatten; es scheint, als ob es nicht mehr heißt: „Deutschland, Deutschland über alles", sondern „Afrika, Afrika über alles!" Hier müsse endlich ein Strich gemacht werden. Abg. v. Waldow-Reitzenstein (kons.) ist im Prinzip für den Bahnbau und hofft, daß durch denselben endlich ein Zustand herbeigeführt werde, der unser Schutzgebiet wirtschaftlich selbständig macht. Seine Partei wolle in keiner Weise sich durch die Annahme der Vorlage für eine etwaige Zentralbahn binden. Viele seiner Freunde seien dafür, daß eine Gesellschaft die Bahn baut, denn eine Gesellschaft baue viel billiger. Die Frage sei, ob nicht nach einem bestimmten Zeitpunkt die Bahn vom Reich zu übernehmen sei. Redner bittet, den Entwurf an die Budgetkommission zu verweisen. Abg. Müller-Fulda (Zentr.) erklärt, seine Freunde haben wiederholt bewiesen, daß sie dem Bau von Kolonialbahnen nicht unsympathisch gegenüberstehen. Wenn diese Bahn lebhafte Meinungsverschiedenheiten hervorgerufen hat, so liegt es darin, daß sie von außerordentlicher Tragweite ist Durch Resolution ist der Reichskanzler aufgefordert worden, mit Hilfe privaten Kapitals die Bahn zu bauen und eine bezügliche Vorlage zu machen. Mit dem Bahnbau in eigner Regie hätte man böse Erfahrungen gemacht. Im -diesjährigen Etat seien die Kosten auf 15 Mill. Mark veranschlagt; heute wären jedoch die Kosten schon auf 24 Mill. Mark festgesetzt. Es ist ein offenes ^Geheimnis, erklärt Redner ferner, daß neben dem Banken-Konsortium, mit welchem der.Vertrag abgeschlossen worden, noch ein zweites sich bereit erklärt hat, den Bau unter viel günstigeren Bedingungen zu übernehmen. (Bewegung.) Dieses Konsortium soll aber auf den Widerstand des Kvlonialdirektors gestoßen sein, der sich verpflichtet gefühlt ha.be, durch den früher abgeschlossenen Vertrag von 1896, dem jetzigen Konsortium Prioritätsrechte zu gewähren. Das zweite Konsortium will den Bau um 20 Millionen Herstellen; hierüber müssen wir Aufklärung bekommen. Bedingung für unsere Zustimmung ist ein gründlicher Kostenanschlag. Abg. Bebel (Soz.) wundert sich, daß der Reichskanzler dem Vorredner nicht gleich geantwortet habe. Ter Reichstag habe alle Ursache, wenn das wahr sei, was der Abg. Müller ausführte, gegen ein solches Verfahren Protest Zu erheben. Heute sei der Reichskanzler persönlich für eine Vorlage eingetreten. Das ist seit den Tagen Caprivis nicht mehr geschehen. Mit der Bewilligung dieser Bahn legen wir den Grundstock zur Zentralbahn. Der ganze Vertrag ist zu Gunsten der Gesellschaft und zu Lasten des Reichs geschaffen worden. Kolonialdirektor Tr. Stübel: Als das zweite Konsortium an uns herantrat, war die Angelegenheit bereits dem gesetzgebenden Körper des Reichs unterbreitet. Ich nahm sofort Rücksprache mit den Herren, welche die Angelegenheit zu meiner Kenntnis gebracht hatten, und auch mit den Vertretern derjenigen Banken, die hinter diesem Banksyndikat stehen. Dabei ergab sich, daß das zweite Bankenkonsortium zwar der Ansicht ist, den Bahnbau unter Umständen billiger machen zu können, aber nicht bereit war, mit einer Offerte hervorzutreten. Deshalb war die Kolonial-Verwaltung nicht in der Lage, sich mit diesem Bankensyndikat weiter einzulassen. Der Bahnbau ist für unser Schutzgebiet eine Lebensfrage. 9hir durch den Bahnbau können die deutschen Steuerzahler entlastet werden, und kann der Zuschuß, den das Reich leistet, allmählich aufhören. Abg. Dr. Hasse (natl.): Die geplante Bahn ist unbedingt notwendig zur wirtschaftlichen Erschließung des Gebietes. Die Möglichkeit, aus dem Lande etwas herauszuholen, ist schon naturwissenschaftlich gegeben, aber es thut Eile not; die Engländer bauen mit Staatshilfe eine Linie, ne unser Gebiet nördlich umklammert und uns scharfe .Pm- kurrenz bereiten kann. Abg. Tr. Arendt (Rp.) hofft, daß die Budgetkommission Tifferenzpunkte befriedigend aufklären wird. Abg. Tr. v. Siemens (Fr. Vgg.): Ich spreche nur ür mich persönlich. Von einem Teil meiner Fraktionsgenossen habe ich den Auftrag, zu erklären, daß sie sich von dem Bau der Bahn nicht die Vorteile für die wirt- chaftliche Entwicklung Ostafrikas versprechen, welche die Freunde der Vorlage erwarten, und daß sie zugleich der Ueberzeugung sind, es sei nicht richtig, daß das Reich das Risiko für Den Bahn bau und alle daraus sich weiter ergebenden Konsequenzen übernehme. (Sehr richtig! links.) Bebel hat ganz richtig gesagt, daß ich mich mit einem gewissen Fanatismus für die ostafrikanische Zentralbahn erklärt habe; ich glaube, daß die Bahn in Mrogoro nicht tehen bleiben kann. Wenn sie der Kolonie nützlich sein oll und wirklich politischen Vorteil schaffen soll, so muß ie bis an die See gehen, wo die Zentralbahn von Cecil Rhodes von Norden nach Süden Vorbeigehen wird. Tas Verständigste wäre, daß die Reichsverwaltung selb ex den Bahnbyu in die Hand nähme und alte Chancen übernehme. Tas ist abgelehnt worden, und man hat der Regierung den Rat gegeben, sich mit einem Privatkonsortium in Verbindung zu setzen. Tie Negierung wandte sich an die be treffenden Bankiers, diese sagten: mit dem größten Vergnügen, aber sie fügten hinzu: Wir haben keine Studien gemacht, wir können nur auf Grund der Studien, die die Regierung uns zur Verfügung stellt, ein Angebot machen. Ta die Ziffern nicht fixiert werden konnten, so sagten die Banken der Regierung: Uebernimyr Tu dies Risiko! Wenn nun der Bau gemacht wird in der vorgeschriebenen Weise, dann fragt es sich: Was wird mit den 24 Millionen gemacht? Ter Ueberschuß gilt als Reservefonds für weitere Ausgaben nach dem Vertrag. Das heißt, es wird soviel zur Herstellung der Bahn genommen, als gebraucht wird. Alles übrige wird angesammelt und dem Reichskanzler wird überlassen, wo das Geld hinkommen soll. Ob 24 oder 20 Mill, ift ganz gleichgiltig, es fragt sich nur, wieviel gebraucht wirb. Tie verbündeten Regierungen haben von diesem Vorschlag allerdings Vorteile; wollten sie für ihre eigene Rechnung diese Bahn bauen, so würden sie nach dem heutigen Zinsfuß ungefähr 3,5 Proz. bezahlen. Wenn nun die Aktien ■ö« der am 20. März l. I. stattgehabten Sitzung der Zweiten Kammer der Landstände hat der Abgeordnete Ulrich mit durchschlagendem Erfolg den Standpunkt ver» treten, daß es sich nicht empfehle, die Frage, an welchem Ort der Provinz Oberhessen die geplante dritte Landes- irrenanstalt zu errichten sei, ohne weiteres durch die Kammer entscheiden zu lassen, da die Prüfung der Platzfrage zunächst der Staatsregierung obliege. Dieser Stand- punkt erscheint in der Thal als der allein richtige. Er erinnert an die landständischen Verhandlungen, die in den Jahren 1857 und 1858 der Errichtung der Landesirrenanstalt bei Heppenheim vorausgegangen sind. Auch damals war die Platzfrage strittig. Aber wie in der Ersten, so gelangte man auch in der Zweiten Kammer der Landstände zu der Erkenntnis, daß die Platzfrage in der Hauptsache eine spezifisch irrenärztliche Frage darstelle, deren Prüfung und Lösung in erster Linie dem Ermessen und der Verantwortung der Staatsregierung anheimfalte. Nur die Regierung sei im stände, mit völliger Sachkenntnis und Unbefangenheit sowohl das Beste der Anstalt als die Interessen Dritter, welche hier in Betracht kommen, abzuwägen und! der Sache selbst könnte nicht gedient sein, wenn durch einen vielleicht mit einer Majorität von wenigen Stimmen gefaßten Beschluß der Ständekammer eine nur zufällige Entscheidung nach, der einen oder anderen Richtung hin provoziert werden sollte. (Erste Kammer 1857, Beilage 65 zum 19. Protokoll.) Nur die umsichtigste Prüfung aus gegenseitiger Abwägung aller für und gegen sprechender Gründe dürfe einen Ausschlag bestimmen, wie er durch eine Abstimmung der Ständekammer nach Stimmenmehrheit für das Interesse der Anstalt unmöglich gesichert sein könne. (Zweite Kammer 1858, Beilage 348 zum 77. Protokoll.) Der entsprechende Beschluß wurde in der Ersten Kammer am 5. November 1857 einstimmig gefaßt, in der Zweiten Kammer am 4. Juni 1858 mit^allen Stimmen gegen drei. Bekanntlich war dieses ErgAmis in erster Linie dem Eingreifen des damaligen Ersten Präsidenten der Ersten Kammer, Sr. Durchlaucht dem Herrn Fürsten Ludwig zu Solms-Hohensolms-Lich zu verdanken. Seit sener Zeit sind über 40 Jahre verflossen und während dieser Zeit ist in der Entwickelung der Irren- Heilkunde als Wissenschaft und in. der Gestaltung der öffentlichen Jrrenfürsorge in Deutschland eine gewaltige, noch immer im Flusse befindliche Bewegung eingetreten; daß und wie unser engeres Vaterland dieser Bewegung sich angeschlossen hat, ift bekannt und wird mit besonderer Deutlichkeit durch die Eröffnung der psychiatrischen Klinik an der Landesuniversität Gießen im Jahre 1896 dargethan. Tie Eröffnung der Klinik regte ihrerseits, wie vorauszusehen war, neue Fragen an und führte insbesondere zu der in jüngster Zeit brennend gewordenen Frage, ob und warum es sich empfehle, die geplante dritte Landesirren- anstalt mit der psychiatrischen Klinik, die ihrem Wesen nach eine gewisse Größe bekanntlich nicht überschreiten darf, und ihren Krankenbestand fortwährend wechseln und erneuern muß, in geeignete Verbindung zu bringen und deshalb in unmittelbarer Nähe von Gießen und möglichst nahe der Klinik zu errichten. Tie Mehrzahl der unter den jetzigen Verhältnissen in die psychiatrische Klinik eintretenden Geisteskranken fällt durch die Aeußerungen ihrer geistigen (Störung ohne weiteres auf. Es sind sog. akute Kranke. Soll aber die Klinik ihren Zweck als Lehranstalt wirklich erfüllen, soll sie den zu- ünftigen praktischen Arzt, den Polizeiarzt, den Gerichtsarzt in den Stand setzen, auch diejenigen Geisteskranken richtig zu erkennen und zu demonstrieren, deren im Interesse der Kranken jelbst, der Familie, der Rechtspflege, der allgemeinen Wohlfahrt so überaus wichtige, sichere Beurteilung ein besonderes Sachverständnis des Arztes vor- aussetzt, sollen endlich die Aerzte befähigt werden, da ver- hütend und vorbeugend einzugreifen, wo der Eintritt eine, Geisteskrankheit droht, oder, wo man, wie leider so oft, den Geisteskranken erst dann als solchen erkennt, wenn er sich selbst und seine Familie ruiniert, fremdes fiebert und Eigentum zerstört hat u. s. w., so müssen der psychiatrischen Klinik neben jenen akuten Kranken auch Geisteskranke anderer Art jederzeit als Lehrmittel zur Verfügung stehen, und zwar die neuen wie die anderen schon deshalb in großer Zahl, weil die einzelnen Geisteskranken nach ihrer Art außerordentlich voneinander verschieden sind. Mit Rück- icht hierauf besteht ja auch die Absicht, unter Benutzung >er in der Provinz Oberhessen gelegenen Strafanstalten Marienschloß und Butzbach der geplanten neuen Landesirrenanstalt eine Abteilung für geisteskranke Verbrecher anzugliedern. Errichtet man nun die dritte Landesirrenanstalt in der Nähe der psychiatrischen Klinik, so wird es ohne Schwierigkeit möglich werden, geeignete Pfleglinge der Landesirrenanstalt in dem erforderlichen Maßstab zu jeder Zeit der Klinik zum Unterricht zu überlassen, sei es nun, daß man ie temporär in die Klinik versetzt oder daß man sie in der Landesirrenanstalt selbst den Studierenden vorstellr. Je geringer die Entfernung zwischen der Anstalt und der Klinik ist, um so leichter lassen sicy alsdann auch solche Geisteskranke demonstrieren, deren Zustand jeden Transport verbietet oder die nur in größeren Zwischenräumen über nur für kurze Zeit für den Lehrzweck wichtige Erscheinungen zeigen. Ferner könnte man die Studierenden durch den Augenschein über den späteren Verlauf derjenigen Fälle unterrichten, die sie in der Klinik in einem früheren Stadium der Krankheit kennen gelernt hatten und hierbei würde sich dem Leiter der Klinik die bei dem gegenwärtigen Stand der Jrrenheilkunde noch immer sehr wichtige Setz ach 87 Jahren amortisiert werden, so kostet das Geld nicht 3,5 Proz., sondern 3,4 Proz. und das Reich bekommt das Kapital zurück. Das sind Vorteile, die nicht unterschätzt werden dürfen. s2(bg. Graf Stolberg (kons.): Je größer die Summe ift, bie wir zur Verfügung stellen, um so weniger sparsam wird gewirtschastet. Abg. Lucke (B. d. L.) verlangt eine genaue fundamentale Berechnung für die Vorlage. 5>ie Vorlage wird der Budgetkommission überwiesen. Nächste Sitzung Donnerstag. (Zwecke Beratung des Pr i va t- versicherungsgesetzes.) Die Errichtung einer Landesirrenaustclt in unmittelbarer Nähe von Gießen. Bon Dr. G. Ludwig, Gch. Medizinalrat in Heppenheim (In der „Darmst. Ztg."). 2955 Nur gediegene erstklassige Fabrikate Abgabe sämtlicher Möbel auch einzeln Frachtfreie Lieferung nach auswärts. Billigste Preise. Grösste Auswahl am Platze. Continental Caoulciiouc & Gmperßha ßcmp., Hannover Hessischer Hof «rata« Nr. A. B./l. 3153 Wilh. Fischer 3046 NB. Für Nichtpaffendes Geld retour. Man spart Aerger und Verdruß, wenn man diese Bereifung wählt. Im Leben nie wieder! 355 Stück Wichtige Schmuckgegenstände um nur 3 Mark. 1 pracktv. vergold.Uhr samt sch.Kette.m. ijähr. frbriftl. Garant-, 6 St. f. Taschentuch., färb. ob. weiß, HalSkollier mit Orient. Perl, schönst. Domenschmuck, 1 büb- scher Herrenring mit imit. Edelstein, o.f.Damen, 1 Garnitur Doublegold - Mansch.- u. Hemdenknöpfe, alles mit Patentschloß, 1 prachtv. Zigarrensp. m. Bernst.: 1 ff Taschenmesser. lSt. wohlr. Toilettenserfe, : Leder Portemonnaie, 1 Toilettenspieg. m. Etui, 1 Paar Boutons mit imit. Br-llant. sehr täusch.; 1 ewiges Notizbuck, 20 Gegenst. f. 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Wenn so tüchtige Männer, wie sie diese- junge Unternehmen geworben hat, sich die Hand reichen zum Kampf gegen Ignoranz und Jn- wleranz, so ist anzunehmen, daß die Arbeit nicht umsonst sein wird. Möge eS ein gutes Omen sein, daß die Zeitschrift in der Stadt das Licht der Welt erblickt hat, in der Goethe geboren ward und Schopenhauer so lange lebte. Aus den vorliegenden beiden ersten Heften, die viel Interessantes und Lesenswertes bieten, empsiblen wir unseren Lesern besonders die Aufsätze von Prof. Dr.A.Dodel (Zürich), Prof. Dr. Ferd. Tönnies (Altona) und Prof. Dr. Ad. Mannheimer (Frankfmt a. M.) R. H. — Deutsche Schill,vEtiftung. Der Bericht über die Thätig. kett im Jahre 1900 bringt die Trauer zum Ausdruck anläßlich des Hinscheidens des Protektors der Stiftung, des Großherzogs Karl Alexander von Sachsen. Wie in den vergangenen Jahren haben auch diesmal wieder u. a. das deutsche Kaiserpaar, der Kaiser von Oesterreich, der Großherzog von Sachsen und der G r o ß h e r z o g von Hessen der Stiftung namhafte Beträge zugewendet. Hofrat Prof. Dr. Friedrich Bezold überwies der Stiftung 4000 Mk. An Beiträgen, sonstigen Zuwendungen und Stiftungen sowie Zinsen wurden 60 805 Mk. vereinnahmt, denen an Ausgaben für lebenslängliche oder vorüberg.hende Pensionen sowie einmalige Bewilligungen einschließlich der Zuwendungen einzelner Zweigstiftungen 62 580 Mk. gegenüberstehen. Außerdem konnte der Vorstand aus den Einnahmen aus der von ihm verwalteten Reuterstiftungen rc. ca. 5000 Mk. als Legate verausgaben. Die Zusammenstellung des Vermögens der Centralkaffe und der Zweigstiftungen für 1901 ergiebt ein solches von 1 674 780 Mk., 89 550 Gulden, 45 800 Kronen und 2000 Frks. Auf dem deutschen Jrrenärztetage gab der Vortrag Prof. Sommers (Gießen) über Ergebnisse der dreidimensionalen Auflösung von Bewegungsstörungen bei Nerven- und Geistes, krankheiten zu längeren Erörterungen Anlaß. Sommer hat die Methoden der experimentellen Psychologie benutzt, die Lehre von der Erkennung der Nerven- und Geifieskran kheittn zu vertiefen. Er hat zum Gegenstand seines Studiums zunächst die Ausdrucksbewegungen gemacht. Er prüft experimmtell psychologisch die Bewegungen der Hand, der Beine und der Stirnmuskulatur, mit Apparaten, welche die Aufzeichnung der Bewegungen in Kurven ermöglichen. Eine andere Reihe von Untersuchungen Sommers hat den Ablauf von Reflexen (Kniephänomen) bet verschiedenen Krankheiten zum Gegenstände. Sommer legt im einzelnen dar, wie sich seine Methode verwerten läßt, die Bestimmung eines KrankheitS- falles zu sichern, u. a. bei der Beurteilung von Unfallkranken und in der gerichtlichen Medizin. Er erachtet die genauere Analyse der Bewegungserscheinunzen als eine wichtige Ergänzung der klinischen Untersuchungsweise. Empfehle meinen öürgerliche» Wittagstisch m 60 Psg. an unb HSHn, Abeud-rtammesseu 60 Pfg. Ausschank ff. kraakstrttt Sier, Iah. Sech. Hkarich sowie vürgerbrän München. Von Henle an prima Speierking Aepselwein im Zopf. AorzSzllch« Meine. Kran,. Aillard. Mereiurzimmer arben, Lacke, Materialwaren Spezialität: Fussbodenanstriche dester Qualität, empfiehlt 29ö4 Adter-progerie Settersweg 39, Otto Schaaf, Jebrs Quantum billigst. Nahe und gute Abfahrt- Auch können dieselbe!', an die Bau stelle geliefert werden. 1765 Andreas Euler. Freiwillige Versteigerung Sterbefall- halber kommen Montag den 20. April, von vormittags 9 Uhr an, Hauptstraße Nr. 91 dahier: eine Anzahl Kühe, Rinder (teilweise trächtig), Wagen, Pflüge, Mähmaschine, Futter- schnetdmaschme, landwtrt schaftliche Geräte aller Art, Heu, Stroh u. s. w. aus- öffentlich zur Versteigerung. Lollar, 24. April 1901. Großh. Ortsgericht Lollar. In der Besprechung warnt Prof. Fürstner (Straßburg) eindringl ch vor einer falschen Abschätzung der Sommerschen Untcrsuchungsmcthode Dazu giebt ein g-richtlicher Vorfall Anlaß. ES ve,lautete in b t Presse, daß in einem viel besprochenen Gerichtsfolle (gemeint ist der Mörchinger Vorgang) die endgiltige Beurteilung des zu Prüfenden nicht von dem Er- gebniffe der klinischen Beobachtung, sondern von dem Ausfälle der Som« merschen Kurven abhängig gemacht worden sei. Gegen solches Vorgehen müffe Einspruch erhoben werden. Die Sommersche Methode sei noch nicht ausreichend geprüft. Ueberdteö wäre es durchaus unzulässig, wollte man um ihretwillen die klinische Beobachtung hintansetzen. Prof. Fürflners Ausführungen stimmt Geheimrat Schule (Jllenau) bei, der sich gegen dre Bevorzugung physikalrscher Methoden erklärt. Prof. Wernicke (Breslau) und Dr. Bratz werfen die Frage auf, ob die Vorgänge, die Sommer mit fernen Apparaten aufzeichnen läßt, nicht schon bei der schlichten Beobachtung zu erkennen seien. In seinem Schlußworte erklärt Prof. Sommer, daß er an der Anziehung seiner Forschungen in dem erwähnten GerichtvfaUs durchaus unbeteiligt ist. Sc wendet sich sodann gegen die Annahme, als ob er die experimentell-psychologische Untersuchungsweise für etwas Autonomes halte. Er stelle die klinische Beobachtung so hoch wie irgend ein anderer Kliniker. Die Kurvenmethode sei für ihn nur eines der Mittel zur genauen Bestimmung der RervlN- und Geisteskrankheiten. Ebenso wie der Mediziner optische HUfsmtttel, wie das Mikroskop, benutze, liege kein Grund vor auf exaktere Untr» suchungsapparate wie exper omentell-psychlogischen, zu verzichten. ES liege die Aussicht vor, daß sich aus dieser Kurvenmethode bei dem Studium der Bewegungs-Erscheinungen noch manches Brauchbare ergeben werde. Die zum Walzen der Kreis ftratzenftrecke vvm Lum- peumauusbruuuen bis nach Gteiubach erforderlich werdenden 1500 cbm Basaltkleinschlag sollen am Mittwoch dem 1. Mai 1901, vormittags 9 Uhr, im Wege schriftlichen AngcbotS, im Amtszimmer des Unterzeichneten, woselbst die Bedingungen zur Einficht offen liegen, vergeben werden. Angebote find bis zum gleichen Termin daselbst abzugeben. Gießen, am 19. April 1901. Der Großh. Krei-bauinspdktor Stahl. 3136 Backsteine Feldbraud. '"-ich Karl Seibel Kolonialwaren- und Delikatessen-Handlung 76 Fraukfurterstratze 76 empfiehlt seine in kurzer Zeit von vielen Seiten alS vorzüglich anerkannten Qualitäten in 3150 rohen und gebrannten Kaffees in der Preislage von Mk. 0.85 bis Mk. 1.80 per Pfund, sowie auch ,orW Kolonialwaren etc. in,"u6,SX^,en Continental PHäUMATIC Gerichtssaal. Berlin, 23. April. Gegen den praktischen Arzt Dr. meb. Sludolf Gnauck wurde gestern vor der 1. Strafkammer des Landgerichts I eine Anklage wegen Betruges verhandelt. Der Angeschuldigte, der früher eine Klintt für Nervenkranke besaß, ist in seinen Verhältnissen zurückgekommen. Am 24. Oktober v. I. erschien er in einem Juwelengeschäft der Friedrichstraße und erbat sich eine Auswahl von Schmucksachen mit der Angabe, daß er sie einer Dame vorlegen wolle, die sich einige Sachen davon aussuchen solle. Da der Kunde im Geschäft bekannt war, nahm der Prokurist keinen Anstand, ihm eine Zusammenstellung verschiedener Brillant-Schmuck, suchen, die einen Fakturenwert von insgesamt etwa 17000 Mk. hatten, ohne Zahlung anzuvertrauen. Als der Angeklagte nach 14 Tagen noch nichts von sich hatte hören lasten, schrieb die Firma einen Mahnbrief. Dr. G. antwortete, daß die betr. Dame eines plötzlichen Todesfalls wegen eine Reise angetreten und die Schmucksachen mitgenommen habe; sie kehre nach einigen Tagen zurück. Die Firma wartete vergebens, chre Angestellten versuchten, den Angeklagten in seiner Wohnung zu sprechen, et ließ sich aber stets verleugnen. Da erblickte Ende Oktober der Buchhalter Bärwolf im Vorzimmer des Dr. G. einen Mann, den er als einen „ Brillantenschieber " ärgster Art kannte. Run schöpfte er Verdacht, drang energisch darauf, den Angeklagten zu sprechen, und nachdem er dies durchgesetzt, verlangte er die Schmucksachen zurück. Dr. G. ließ sich nun bewegen, dem Buchhalter nach dem Geschäft von ©igele zu folgen. Hier legte der Angeklagte dem Chef gegenüber daS Geständnis ab, daß sich die Echmucksachen bei einer Dame in Königsberg i. Pr befänden. Er gab aber die schriftliche Erklärung ab, daß er sämtliche Gegenstände bis zum 5. November zur Stelle schaffen würde. Das Versprechen wurde nicht gehalten und nun gegen Dr. G Anzeige erstattet. In der Frühe des folgenden Tages erschien sein Schwager in dem Geschäft von ©igele und übergab dem Prokuristen zwei Pfandscheine, die über sämtliche Schnmck- sachen lauteten, die für 3500 Mk. versetzt waren. Der Besucher versprach, die Sache im Laufe des Tages zu regt In und bat, die gegen Dr. G. erstattete Anzeige zurückzunehmen. Da die Firma tatsächlich befriedigt wurde, so ward versucht, die Anzeige bei der Polizei rückgängig zu machen; es war aber zu spät. — Der Gerichtshof kam zur Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten, der wegen Betrugs zu 3 Monat Gefängnis ver- utteilt wurde. ungcn. Nun könnte aber der vorerwähnte, aus der Erricht- ung, der Landes-Irrenanstalt in unmittelbarer Nähe von Gießen erwachsende Vorteil einer richtigen Beurteilung des Leichenbefundes eine noch weit ausgedehntere Verwertung finden. Tenn es wäre alsdann auch die Gelegenheit gegeben, die Hörer der psychiatrischen Klinik in wichtigen Fällen den Leichenöffnungen in der Landes-Irrenanstalt beiwohnen zu lassen, und man würde diese Gelegenheit zum Erwerb unentbehrlicher Kenntnisse um so weniger unbenutzt lassen dürfen, weil in der psychiatrischen Klinik, im Gegensätze zur Landes-Irrenanstalt, ein Todesfall nur sehr selten sich ereignet. (Schluß folgt.) Seltersweg 68 7 Seltersweg 68 Parterre und erste Etage. ■ ■ ■ HUW «H HW Parterre und erste Etage Spezi al-Geschäft für Betten und Schlafzimmer-Einrichtungen. Permanente Ausstellung von 20 kompletten Schlafzimmern in Nussbaum, matt und blank, Amerikanisch Nussbaum, Italienisch Nussbaum, Satin-Nussbaum, echt Mahagoni, Eiche, Edelbuche etc., 'ppenheiu. leaenheit bieten, die Richtigkeit seiner früheren Angaben über die Zukunft der betreffenden Krankheitsfälle zu kontrollieren. "Tie Wichtigkeit und der Wert einer geringen Entfernung zwischen der Landesirrenanstalt und der Klinik leuchten endlich dann vollends ein, wenn man die großen Ansprüche in das Auge faßt, die heutzutage an die Medizinstudierenden gestellt werden müssen. Denn hieraus ergiebt sich sofort die Notwendigkeit, die Lehrmittel nicht allein in der besten Form und in der erforderlichen Zahl, sondern auch unter möglichst sparsamer Ausnutzung der den Studierenden gebotenen Zeit vorzuführen. Von dieser Erkenntnis ausgehend, hat man in Gießen die dem medizinischen Unterricht dienenden Institute in der glücklichsten Weise örtlich vereinigt und ist bekanntlich im Begriff, dos gewonnene Werk weiterzuführen. Es wäre aber im höchsten Grade fehlerhaft, ja unbegreiflich, wenn man jetzt, wo sich die Gelegenheit bietet, durch Errichtung der dritten Landesirrenanstalt in der Nähe der psychiatrischen Klinik deren Leistungsfähigkeit in einer dem wissenschaftlichen Bedürfnis und der enormen sozialen Wichtigkeit der Geisteskrankheiten entsprechenden Art und Weise zu steigern, diese niemals wiederkehrende Gelegenheit unbenutzt vorübergehen lassen wollte, und von dem mit großen Kosten und noch größerem Erfolg beschrittenen Weg der Konzentrierung der Lehrmittel abweichen. Ich glaube hier die Aeußerung eines offenbar sehr unterrichteten Korrespondenten des „Gieß. Anzeiger" („Gießener Anzeiger" vom 22. März l. I., 1. Blatt) cinschalten zu sollen und zwar folgende Stelle dieser Aeußerung: „Es i st von höchstem Interesse und von größter Wichtigkeit, daß das Krankenmaterial in der Klinik für die studierenden Mediziner ständig oder möglichst oft wechselt. Wur durch Vorführung vieler verschiedener Fälle kann dem Studenten die Ausbildung zu teil werden, die er in diesem jüngsten Zweig der medizinischen Wissenschaft braucht. Die Geisteskrankheiten sind zu verschieden, als daß einzelne Patienten allgemeine Schlüsse zur Behandlung zuließen. Je mehr Patienten, desto mehr Gewähr für erfolgreiche Ausbildung der Studierenden. Tas ist so klar, daß es eines Beweises nicht bedarf. Neue Fälle bringen dem Psychiater neue Rätsel, deren Lösung oft wohlerst den Vergleich, mit anderen Kranken bringen kann." (Wir Haden dazu zu bemerken, daß diese Aeußerung nicht von einem Korrespondenten stammt, sondern von der Redaktion des „Gieß. Anz." D. Red.) Nun ist bekanntlich das Verständnis der Geisteskrankheiten nicht allein an die Beobachtung der lebenden Geisteskranken gebunden, vielmehr erfcheint auch die Kenntnis des Leichenbefunds als eine unerläßliche Bedingung. Der frotschreitende Erwerb dieser Kenntnis erscheint der Landes- Irrenanstalt dann im vollsten Maße garantiert, wenn die Aerzte dieser Anstalt in zweifelhaften Fällen die Entscheidung einer unbedingt sachverständigen Instanz anrufen können. In allen solchen Fällen wird die Nähe des pathologischen Instituts der Universität sich ebenso wertvoll erweisen, wie während des Lebens der Pfleglinge die jederzeit ermöglichte Hilfe anderer Vertreter der medizinischen! Fakultät, des inneren Klinikers, oder des Operateurs, in Fällen ungewöhnlicher Komplikationen der Geistesstörung, oder bei plötzlichen Unglücksfällen, oder bei dem Auftreten interkurrenter, besonders schwerer und seltener Erkrank- W? * V Ä« durch di, bre X iiCfer oer allein richtige, fr ^Handlungen, die in «tag der Landesirren. £ Auch damals ^mLderLLL ZLL« messen und der «erant. yeimsalle. Nur die Re- ^achkenntnis und Unbe. Wf als die Interessen Minen, abzuwägen und sein, wenn durch einen lugen Stimmen gefaßten ir zufällige Entscheidung irg hin provoziert werden e 65 zum 19. Protokoll.) gegenseitiger Abwägung Gründe dürfe einen Au- Abstimmung der 6M- t das Interesse bei Än. ?. (Zweite Kau« 1858, ?r entsprechet Afchluß . 5. November 1851 einimmer am 4. Juni 1858 Bekanntlich war dieses Meisen des damaligen immer, Sr. Durchlaucht rlrnschohensolms-Lich zu 0 Jahre verstossen und Ln/M'Iung der Jrren- >rr Gestaltung der ässen/- ib eine gen*’, noch eaung eingetreten-, dH b dieser Bewegung sich ib wird mit besonderer der psychiatrischen W m -iahre 1896 dargethan. ihrerseits, wie vorauszu- /führte insbesondere P Wtaett Sr»°b «"d ante dritte Landesttren- finit die ihrem Wesen SS« jetzigen VerhältnOn n ■i*"' 'ftal *** W*1” im S* ■am* Ä, M' """ S lcidn I» * man, .ennt, wenn , E «M ruiniert, MW rfÄSft d-E, slegi'N^ ^dkr 8 en, ' sdk man l'm ste der l* per- ädann Lransp^ ^er land Ächenran^,-cheiw icn 8, gichtige hurch kö-'AÄA als erstes Irüystück aa Stelle vo» KaNce oser Thee. Versuchen Sie einmal eine Buchse des nahrhaften und wohlschmeckenden Zeukcim Men Verein Plovillsial-Ausschuß für die jjrctmq Ohrrhrffru Unter dem Protektorat Lr Kgl. Hobeit des Orohherzogs voa Hrsseu und bei Athei«. Einladung zur Allgemeinen Versammlung -er im (Srotzherzoqtum Hessen wohnenden Mitglieder des Deutschen Alotten-Bereivs am Sonntag, dem 28. April 1901 in Stein« Saalbau (u Gießen. Programm. I. Teil: 8 Uhr nachmittags: 1) Begrüßung der Mit- glichet durch den Vorsitzenden d e Piooinzial-Aurschuffes Ober« htffen. 2) Öffnung der geschäftlichen B ratung. 8) Allgemeiner ThätigkeitSberickt seit Gründung des V reinS in Hessen. 4) Rechenschaft«- und Kassenbericht für 1900, Voranschlag für 1901. Antrag auf Entlastung des Schatzmeist rs. 6) Be- ratung und BesLlußf ffung über die neue Satzung. 6) Beratung üb) Musikstück: Auf nach Osted I Deutscher F ottenmarsch (Derlei). 2) Jubel Ouvertüre (Bach). 3) Vortrag des Herrn Geh Hofrat Prof.ffor Dr W Oncken-Gteßen: Deutschland» Eintritt in die Weltvolnik 4) Lebendes Bild: Kuldigung vor Sr. Majestät dem Kaiser «nd Sr. Kgt. Koffeit dem Hroßhcrzog (Dargeftellt von der Mari«everet. igung G eßen). 6) Präsepttermarsch der Kaiserlichen Marine (1. Division) Se. K l. Hobeit Prinz Heinrich von Preußen 6) Gemeinschaftliches Lied: Deutschland. Deutschland über Alles. 7) Kavatine für Trompete (Haffelmann). 8) Potpourri aus der Operette „Der Vogelhändler" (Zeller) 9) Lebendes Bild: (Einakter) Ale Macht in den Kolonien. (Darg st.llt von der M-rineoereinigung Gießen.) 10) Flagglied: Stolz weht die Flaoge schwarz weiß rot. 11) U ber den Wellen (Walzer von Rosas).- 12) Gemeinschaftliches Lied: Sind wir vereint zur guten Stunde. 13) Die Goldamsel (Solo für Piccolo Flöte von Shwer). 14) Im Zechen des Mars (Patriotisches Potpourri von Herold. 16) Lebendes Bild: Seine Majestät der Kaiser vegievt sich an Aord seiner Kacht Kohenzollern. (Dargestellt von der Marinevereinigung Gießen). 16) Kaisermarsch (Kunoth). Zum 1. Teil haben nur Mitglieder des Deutschen Flotten- Vereins Zutritt; zum 2. Teil ist jedermann bei freiem Eintritt freundlichst eingelaben. Der Proviozial-Ausschutz: Professor Dr. W Oncken. Heffmlliche Versammlung der Inhaber offener Kerbaufsflellev Samstag den 27. April 1901, abends 9 Uhr, im Saale des ßaft tzöel dahier. Bezugnehmend auf die amtliche Aufforderung des Großh Polizei- amtS dahier, betr. die Ausdehnung deS Ladenschluffes, laden wir hiermit alle Interessenten zur nochmaligen Besprechung behufs Herbeiführung einer allgemeinen Verständigung ein. 8156 Der Vorstand des NetaWen-Vereivs Gießen. Umänderungen, alle Ersatzteile, Pneumatiks re f Kirchenplatz II, Eingang Schlosegasse. J Aähma - u. Kahrradhau.tung. Backsteinkäse fett u. gelbschnitttg, biS 8/< reif. Vers, in Probekisten von 25 Pfd. an, daS Pfund zu 80 Pfg., und bei Kisten von 40—70 Pfd. das Pfund zu 28 Pfg. geg. Nachn. Nicht Paffendes nehme anstandslos zurück. Bitte um genaue Angabe der Bahnstation. Käserei Bothfelden, VA. Nagold (Württemberg), Fabrik und Handlung. 8063 S • Putzpulver (Karton 10 Pfg.) W^ ift das beste, beliebteste und > -schädlichste Putzmittel der V'// Gegenwart. 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