Samstag den 26. Januar (StM Blatt 15L Jahrgang 1901 Gießener Anzeig er schwer General-Anzeiger kge der Amts- und Anzeigeblntt für den Ureis Gieren aen ■f n ftüt Stellen dit zum 1. Hinil eine tw tti( Bebnuufl von 3 bti lern. Sefl. CfierUn unter 7 an die 6rpe6it«on d 81. Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf., auswärts 20 M. Bezugspreis viertcljährl. SDif. 2.20 inonathd) 75 Psg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierlcljährl. Ml. 1.90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Ml. 2.— vierteljährl. ohne Bestellgeld. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandmrt, Klätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Siehe«. Fernsprecher Nr. 5L Redaktion, Expedition und Druckerei: Zchniprahe Nr. 7. Gießen, den 23. Januar 1901. Betr.: Wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien deS Kreises. Sie wollen vorstehende Bestimmungen bei Ausführung der Vorschriften des § 9 der Dienstanweisung zu der Verordnung, „die Hundesteuer betr., vom 4. November 1899", beachten. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Dorrn. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorber. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: DaS Gesetz vom 22. Dezember 1900, die Ab änderung deS Hundesteuergesetzes vom 12. August 1899 betreffend. Der letzte Absatz des Artikels 3 des HundefieuergefetzeS vom 12. August 1899, wonach die Besitzer von Bauernhöfen und Mühlen, welche mindestens 500 Meter vom letzten Hause des Ortes entfernt gelegen find, bezüglich je eines Hundes Steuerfreiheit beanspruchen konnten, ist durch nachstehende Bestimmung ersetzt worden: „Bon der Hundesteuer für je einen Hund find ferner befreit alle diejenigen Personen, die infolge ihres Berufes oder Gewerbes einsam wohnen, und ein Einkommen von weniger als 2600 Mk. versteuern." Es haben daher diejenigen Personen, welche auf die Begünstigung deS vorgenannten Gesetzesartikels Anspruch erheben wollen, bei der Bürgermeisterei ihres Wohnortes ent sprechenden Antrag zu stellen, und diesen in geeigneter Weise und jedenfalls bezüglich ihres Einkommens durch Vorlage ihres Steuerzettels oder einer entsprechenden Bescheinigung deS zuständigen Steuerkommissariats zu begründen. Gießen, den 23. Januar 1901. .Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. B.: Dr. Wagner. Vizepräsident Fr ege: Herr Abgeordneter, ich habe Ihren Ausfürungen, welche dahin gingen, Beispiele aus allen Teilen Deutschlands anzuführen, den breitesten Spielraum gelassen. Ich möchte Sie bitten, jetzt wieder zum Gegenstand der Interpellation zurückzukommen. Abg. Kunert(fortfahrend): Ich habe nur noch wenige Ausführungen zu machen. In einem Falle wandten ich die Beschwerdeführer an die Staatsanwaltschaft, diese iber erklärte, sie könne zu der Sache nichts thun. (Hört hört! bei den Soz.) Wenn der größte Grundbesitzer erklärt hat, die Wohnungen der Arbeiter in Ostelbien (Rufe rechts: Post! Post!) seien schlechter wie die Schweineställe, Wort flclnd) Lonl*e (Heiterkeit.) Ja, meine Herren, ich bitte, mich nicht zu unterbrechen und erst abzuwarten, was ich sage. (Heiterkeit.) Es haben im vorigen Jahre wiederum 2 Millionen Postsendungen wegen ungenauer Adressen nicht bestellt werden können; darunter befinden sich über 150 000 Postkarten, die ohne Adresse eingelaufen waren (Heiterkeit). Ein polnisches 'Blatt, der „Dziennik Polski", hatte die Parole ausgegeben: „Wir bitten unsere Leser, künftighin die Adressen der Postsendungen polnisch zu schreiben, denn die Poft ist verpflichtet, sie zu befördern." Es dauerte nicht lange und auf einmal ging die Hochflut los. (Heiterkeit.) Während früher nur vereinzelte Postsendungen mit polnischen Adressen einliefen, wußten sich nunmehr die Beamten kaum zu retten; sie kamen so wenig zurecht, daß ich' von einigen Postämtern ersucht wurde, eine Bezirksverfügung zu erlassen. (Zurufe.) Es ist eigentümlich, daß polnische Geschäftsleute, Rechtsanwälte usw., die früher deutsche Adressen schrieben, sich plötzlich, nur polnischer Adressen bedienten. Wie schwierig für die Beamten und Postboten derartige Adressen sind, mögen folgende Fälle beweisen: Ein Brief an eine Frau May war „Maja" adressiert, ein Brief an Andrzewski gar „Andrzewskiju" Eine Postsendung war nach „Glogowiew" adressiert. Es i mir gelungen, herauszubekommen, daß Glogau damit gc meint ist. Bei einer Sendung war „Nissa" als Bestimmrmgs ort angegeben; daß damit „Neisse" gemeint sei, kann der Postverwaltung nicht zugemutet werden. Glauben Sie, daß in einem deutschen Dorfe nicht jederzeit Kaffee und Essen gegeben würde? (Heiterkeit.) Ich frage das, weil den deutschen Postbeamten in einem polnischen Dorfe alles verweigert worden ist; einer der Verweigerer hat erklärt, er !würde, wenn er der -Postverwaltung etwas verkaufte, davon in die Hölle kommen. (Stürmische Heiterkeit und andauernd Zwischenrufe. Präsident: Ich bitte Um Ruhe; der Stautssekretär hat das Recht, zu sprechen und gehört zu werden.) Ich wollte damit nur zeigen, auf welcher Seite rechts!) Abg. Kunert (Soz.): Wenn 90 Prozent der Lehrer ein Polnisch und 90 Prozent der Schüler kein Deutsch ver- tehen, so kann bei dem Unterricht nicht viel herauskommen. (Sehr richtig! bei den Soz.) Dr. Sattler hat sich als blank geputztes Mundstück der Hakatisten ausgespielt. (Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Abg. H a u ß m a n n-Böblingen (D. Vpt.): Herr Schrempf ah sich bemüßigt, den Polen eine Vorlesung darüber zu -alten, was sie zu thun und zu lassen haben. (Sehr richtig?) Wenn er mit Ausdrücken um sich warf wie „polnische Wirt- djaft", die geeignet sind, unsere polnischen Landsleute zu ranken (lebhafte Zustimmung), so befindet er sich nicht im Einklang mit der Mehrheit der süddeutschen Bevölkerung, )ie freier denkt(lebhafter Beifall), und auch der Reich g will nicht, daß diesen Landsleuten die ihnen teure Muttet- prache mit Kunstgriffen erschwert hnrb. (Lebhafter Ber die Provokation liegt. (Wiederholte Heiterkeit bei den Polen und links.) Ein gewisser Biedermann (große Heiterkeit), der sich der polnischen Beschwerdeführer annimmt, hat von einer Audienz beim Generalpostmeister gesprochen. Es ist festgestellt, daß der Mann nicht bei mir war. Veröffentlichen Sie meine Rede in Ihren Blättern, der Erfolg wird nicht ausbleiben. (Große Heiterkeit links.) Abg. Roer en (Ztr.): Was d?r Staatssekretär ausführte, waren Einzelheiten über undeutliche Adressen, die ich teils an sich nicht verstanden habe und deren Zusammenhang mit der Interpellation mir andererseits zum Teil nicht klar geworden ist. (Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) Man ersieht, was unsere Behörden sich den Staatsbürgern polnischer Zunge gegenüber.glauben herausnehmen zu können. Ein Brief ist nicht bestellt worden, obgleich der Adressat der einzige dieses Namens am Orte war, blos weil „Seine Hochwohlgeboren" polnisch geschrieben war. Der Absender schickt denselben Brief mit englischer Adresse „right honorable" ab, und jetzt wird der Brief anstandslos bestellt! (Große Heiterkeit.) Wenn jetzt einige strebsame Unterorgane Handlangerdienste der ödesten Art dem Hakatismus leisten, so sollte die Zentralverwaltung diesen Herren klar machen, daß sie nur ihres Amtes zu walten haben. (Lebhafter Beifall.) Staatssekretär v. Podbielski: Ich habe mich bei meiner Amtsführung niemals von politischen Erwägungen leiten lassen, sondern handle ganz objektiv. Gewöhnliche Briefe sollte man aus den vom Vorredner angegebenen Gründen nicht als unbestellbar zurückerhalten. Ganz anders liegt dagegen die Sache bei Wertsendungen, für welche die Post die Verantwortung trägt. Warum sollen wir ein altes Verhältnis verlassen (Heiterkeit), bloß weil einige Agitatoren dahinterstecken? Abg. Kunert (Soz.): Wir haben von dem Postminister rcht gehört, daß die Post eine neutrale Institution sein und bleiben soll; das müssen wir aber zum mindesten von ihm verlangen. Er hat sich leider als Vorgesetzter seiner Untergebenen zum Helfershelfer der Polizei gemacht. Das ist nicht so sehr eine Schädigung des Polentums, als vielmehr eine furchtbare Blamage für das Deutschtum. (Sehr wahr! bei den Polen.) In Hamburg, Bremen, Königreich Sachsen werden keine polnischen Arbeiterversammlungen ge- tattet. (Zuruf: Zur Sache!) Ueberall wird der Grundsatz aufgestellt: das Versammlungsrecht deckt sich mit den Grenzen der Sprachkenntnisse der Polizeibehörde. (Rufe: Zur Sache!) dann haben diese Arbeiter auch ein Recht, sich in ihrer Muttersprache darüber zu unterhalten. (Rufe: Post! Post!) Wir bekriegen die Chinesen, die sich doch nur gegen fremde Eindringlinge wehren (Rufe: Post! Post!) und wir selbst führen einen Krieg im eigenen Lande gegen deutsche Reichsangehörige. (Rufe: Post! Post!) Herr v. Miquel sagte: Die jetzige Polenpolitik entspricht der öffentlichen Meinung des deutschen Volkes; keine andere Regierung läßt sich so viel gefallen wie wir. So viel Sätze, so viel Irrtümer, so viel Unwahrheiten. (Stürmische Rufe rechts: Zur Sache! Glocke des Präsidenten.) Vizepräsident v. F r e g e: Herr Abgeordneter, Sie haben selbst erklärt, Sie wollten nur noch kurze Ausführungen machen. Ich bitte Sie jetzt dringend, zum Gegenstände der Interpellation zurückzukehren. Abg. Kunert (fortfabrend): Keine Regierung läßt sich so viel gefallen, wie die unserige! Da kommt doch jedem eine kleine geschichtliche Reminiszens. Sollen sich die Polen mit offenen Armen an die biedere Männerbrust des Ministers Dr. v. Miquel stürzen? (Große Heiterkeit.) Was hat die Regierung für die Polen gethan? Sie hätte für die Arbeiter eine Sozialreform durchführen können. (Rufe rechts: Post! Post!) Sie hätte für die Industrie, für den Handel, auch für die Landwirtschaft mehr thun können. (Rufe rechts: Post! Post!) Abg. Fürst Radziwill (Pole): Nicht um eine Agitation handle es sich, sondern um ein gutes Recht der Reichsbürger polnischer Zunge. Abg. Dr. Müller-Sagan (fress.): Tie Erklärungen des Staatssekretärs seien nicht genügend, um das verloren gegangene Vertrauen in die Sicherheit der Briefbestellung wieder herzustellen. Nicht die polnischen Preußen, sondern die Postbßhörde sei provokatorisch vorgegangen. Staatssekretär v. Podbielski: Es handelt sich um eine unzulässige Erschwerung des Verkehrs. Auch die polnisch-deutsch sprechende Bevölkerung müsse verständliche Adressen schreiben. Thatsache sei, daß seit dem Herbst die polnischen Adressen gewaltig zugenommen haben. Befehle habe er aber nicht gegeben. Abg. Dr. v. Dziembowski (Pole): Eine moralische Genugtuung haben wir in der Einmütigkeit, mit der die Redner die Praxis der Posener Behörde verdammt haben. (Zustimmung.) Ein Brief ist nicht bestellt worden, weil anstatt „Frau" „Madame" auf der Adresse geschrieben war. (Große Heiterkeit.) Wir sind nicht in Kaum, sondern in Posen! (Erneute Heiterkeit.) Ein Brief an das Consistorium generale archiepiscopale, der aus Kosten nach Posen kam, wurde zurückgewiesen, weil lateinisch ebenso unzulässig sei wie polnisch. (Stürmische Heiterkeit.) Ich stelle diese Briefe zur Verfügung mit der Bitte, sie dem Reichspostmuseum einzuverleiben im Jahre des Jubiläums des Weltpost-Vereins. (Wiederholte Heiterkeit.) Eine Bismarckia-Straße war in Posen nicht zu finden, eine Bismarckstraße giebt es dort. Findigkeit der Post, wo bist du hier? (Heiterkeit.) (Große Heiterkeit, Rufe rechts: Sie haben ja so recht!) Abg. Dr. Sattler (nl.): Die von den Polen angefachte Bewegung bezweckt nur, die Regierung zu zwingen, überall polnische Postbeamten aufzustellen. (Zustimmung.) Staatssekretär v. Podbielski erklärt,-cs liege ihm fern, die Polen zu chikanieren. Wollte er dies thun, so würde er andere Mittel anwenden. .Ihm sei mitgeteilt worden, daß die Zahl der Postsendungen mit polnischen Adressen sich stark vermehrt habe, und daß dadurch den Beametn große Schwierigkeiten bereitet würden. Diesen Schwierigkeiten suche man zu steuern. Abg. Roer en (Ztr.) verteidigt nochmals kurz seinen Standpunkt gegen verschiedene Angriffe. Abg. Schrempf (kons.): Wir Süddeutschen hören von Polen wenig, höchstens einmal vom polnischen Reichstag oder polnischer Wirtschaft. (Oho! bei den Polen.) Die Polen sollten nicht vergessen, daß sie froh sein können, die Wohl- thaten der deutschen Reichspost zu genießen. (Unruhe.) Die polnischen Kinder genießen deutschen Schulunterricht, und müssen daher später in der Lage sein, das Wort Herr zu schreiben. Wenn sie das nicht thun, dann steckt Tendenz dahinter. (Sehr richtig! rechts.) Vom nationalen Stand- mnkt weisen wir das Verlangen der Polen zurück. (Bravo öftere tüchH-i chM- i Wckckl Heim. SÄner. XÄ« ^erarbeitet bei hohem Lohn bauend ffl, Rosenthal, ßiebiflftroBe 18- OföfMiiörSS arf Euler, fotnmW2_ (iirWj&y kies, freundliches Wo einzelner Dam baldigst g ätLSebt^roW^ MiMMchundöanii »(Blei ins 9 Manche pcer|flj u. . Deutscher Reichstag. Berlin, 24. Januar. Präsident Graf Ballestrem teilt mit, daß vom Kaiser ein herzlicher Dank für die Trauerkundgebung des Reichstags eingegangen ist. Es folgt die Interpellation der Polen wegen Nichtbeförderung von Postsachen mit polnischen Adressen und Ztädtenamen. Staatssekretär v. Podbielski erklärt, daß en vom Reichskanzler ermächtigt sei, die Interpellation zu beant- Worten. Abg. v. Glebocki (Pole) begründet die Interpellation unter Anführung einzelner Fälle, bei denen das Verfahren der Postbeamten der Postordnung und dem Weltpostvertrag widersprochen habe. f Staatssekretär v. Podbielski: Ich bin überzeugt, daß nach meinen Ausführungen ich sowohl im Hause wie ian gesamten deutschen Volk Zustimmung finden werde. ltten Clock Wiatofook HW dabnbMlake 35. ®er 2. Cwck Aründntzv «B andenveil \\x Den W Hammel, TrMMr -obl. ssimmrr an rutjifr :n Z.venn. BeitanlofleßO.1 fort zu vermieten. __»it68talit 2.L I. V.: Dr. Wagner. Bekanntmachung, betreffend: Bezug von künstlichen Düngemitteln. Auch in diesem Frühjahre wird der Verein einen gemein schaftlichen Bezug von ThomasphoSphatmehl und Kaiuit übernehmen unter folgenden Bedingungen: 1. für Mitglieder des Vereins übernimmt dieser die Transportkosten bis zur Ablieferungsstation bei Be stellungen, die und soweit sie den Betrag von 40 Mk, nicht übersteigen; 2. auch für Nichtmitglieder werden Bestellungen auS- geführt; dieselben haben aber keinen Anspruch au freien Transport der Ware; 3. bei Ankunft der Ware in Gießen wird eine Analyse durch die landwirtschaftliche Versuchsstation Darmstadt veranlaßt; 4. die Zahlung deS Düngers hat bei Empfang alsbald zu erfolgen; 5. Bestellungen sind bis spätestens 10. Februar dS. Js. bei dem Unterzeichneten einzureichen. Die Herren Bürgermeister werden ersucht, die vorstehende Bekanntmachung in ihren Gemeinden zu veröffentlichen, Be- Mungen entgegenzunehmen und bis zum 10. Februar d. Js. emzufeuden. Gießen, den 23. Januar 1901. Der Direktor des landwirtschaftlichen Bezirksvereins. v. Bechtold. R* 22 Grscheint tägNch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener MamlllenVkälter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" »dchtl. 4 mal brigelegt. von 63 000 Mk. sich ermäßigt auf 44 000 Mk. Auf Befür- Mk. 79 000), an Ausgaben Mk. 86 325,28 (Voranschlagf Stadt festgesetzt werden, gewöhnlicher Branntwein nicht ver- Kommerzienrat K o ch und Kommerzienrat Heichelheim, durch Akklamation für das neue Jahr wiedergewählt. 1. Geschäftsbericht. Der d e u t s ch e D r o g u i st ende r b a n d hat an den Reichstag eine Eingabe gerichtet, auf ein ersprießliches Zusammenarbeiten der Mitglieder und ein erfolgreiches Wirken der Kamnrer auch im neuen Jahre aus. Hierauf werden der bisherige 1. und 2. Vorsitzende, dem Hause Frankfurierstraße 1 befindlichen Borgarten. — Forst wart Arft hat für seine Ehefrau um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im „F or st h aus H o ch w arte" nachgesucht. Das Gesuch ist von der Oberförsterei befürwortet worden. Die landwirtschaftliche Kommission hat sich für Genehmigung des Gesuches unter dem Vorbehalt des Widerrufs und der Bedingung ausgesprochen, daß die Preise unter Kontrolle der Mk. 79 000). Unter den Einnahmen sind verzeichnet: von Gebäuden und Grundstücken Mk. 3301,62, Kapitalzinsen Mk. 10 608,01, Zuschuß aus anderen Kassen (Zuschuß der Stadt) Mk. 40 452,38, Ersatz von Verpflegungsgeldern Mk. 19 786,22, eingebrachtes Vermögen der Pfleglinge Mk. 5170,35. — Die wesentlichsten Posten der Ausgabe sind: Gehalte und Pensionen Mk. 4740,67, Geldunter- stützungen und sonstige Gaben Mk. 30 768,41. Aerztliche Behandlung und Arzneien Mk. 13 196,10, Begräbniskosten Mk. 1066,28, Kosten des Hospitals Mk. 10183,39, Kosten für Verpflegung von Epileptischen und Idioten Mk. 2439,78, aus Stiftungen Mk. 2009,51, Unterbringung armer Kinder in Familien Mk. 5619,51, Fürsorge für verwahrloste, blinde und taubstumme Kinder Mk. 3146,42. — Der Voranschlag der Armenkasse für 1901/1902 sieht eine» Ausgleich in Einnahme und Ausgabe vor von Mk. 79 500, einen Zuschuß aus der Stadtkasie von Mk. 47 150,45, an Unterstützungen Mk. 59 800, für Pflege und Erziehung armer Kinder Mk. 9600, Verwaltungskosten Mk. 7542,22. — Das Kapital vermögen beziffert sich auf Mk. 264 900 Mk. Rechnung und Voranschlag werden, nachdem über deren Prüfung be richtet, genehmigt. Für die Anschaffung von Läden zur Verdunkelung des physikalischen LehrsaalS der höheren und erweiterten Mädchenschule werden 90 Mk., für Anschaffung mehrerer großer Subsellien 455 Mk., für Anschaffung von 12 nachstellbaren Wandtafeln Mk. 600 bewilligt. Die Kosten des neuen Grundbuches find bis zum Jahre 1895 von den Interessenten nach Verhältnis ihres Grundbesitzes getragen worden; betreffs der Frage, wer hier die Kosten für die inzwischen erfolgten Veränderungen im Kataster zu tragen hat, beschließt die Versammlung, die Kosten (2400 Mk.) auf die Gemeindekaffe zu übernehmen. Für Verbesserung des von der Ueberführung in Nähe »er ehemals Rüsing'schen Hofraite nach den Lagerplätzen an »er Margaretenhütte führenden Weges werden 4500 Mk. bewilligt, desgl. für die Beschaffung einer Kokosmatte in dem Sitzungsaal des Bürgermeistereigebäudes 90 Mk. Die Rechnung über die in letzter Zeit in verschiedenen Stadtteilen ausgeführten Asphalteurarbeiten im Betrage von 307.25 Mk. wird genehmigt. Zur Anlage erhöhter Bürgersteige im EtatSjahre i 901/1902 waren in Vorschlag gebracht die Ludwigsstraße von der Gartenstraße bis zur Goethestraße (Voranschlag 13500 Mk.), die Nordseite der Goethestraße von der Süd- aulage bis zur Wieseck (2000 Mk.), die Bismarckstraße von »er Südanlage bis zur Ludwigsstraße (8800 Mk.), die Moltkestraße von der Ostanlage bis zur Wieseck (4400 Mk.), >te Wiesenstraße aus 70 Mtr. Länge (3200 Mk.), die Bleich- traße von der Südanlage bis zur Stephanstraße (7000 Mk.), )ie Senckenbergstraße an der Südseite (3300 Mk.), die Kirch- Iraße (1000 Mk), die Anlage einer „Insel" auf dem Lindenplatz (750 Mk.), die Südseite der Bruchstraße (2200 Mk.), »er Nordseite der Grünbergerstraße einschl. Neubepflanzung »erselben (17 400 Mk.), der Eingang zur Lonystraße (320 Mk.). Der Antrag der Baudeputation lautet auf Streichung der Grünbergerstraße und der Bruchstraße, so daß der Voranschlag Die Rechnung der Armenkasse für 1899/1900 ergiebt an Einnahmen Mk. 86 468,28 (Voranschlag traße mit erhöhtem Trottoir zu versehen. Betreffs der Ärünbergerstraße bemerkt Bürgermeister Me cum, daß ledig- ich die hohen Kosten die Baudeputation veranlaßten, deren Zurückstellung zu beantragen; die Straße solle jedoch im nächsten Budget an erster Stelle vorgemerkt werden. Zu der vom Stadtv. Huhn weiter in Erinnerung gebrachten Verlegung des Bruchgrabens bemerkt Bürgermeister Mecum, daß für die auf 44000 Mk. veranschlagten Kosten noch keine Deckung vorhanden sei.Stadtv. Lö ber littet, bei Anlage von Trottoirs Rücksicht auf solche Straßen zu nehmen, die in besonders schlechtem Zustand seien, und verweist u. a. auf den verlängerten Asterweg. Das Gesuch der Firma Alexander Salomon L Co. um Erlaubnis zur Anbringung zweier Bogenlampen an ihrem Hause in der Schulstraße mit einer bis zur Mitte der Lampen j u bemessenden Ausladung von 90 Zentimeter (zulässig ist ine Gesamt-Ausladung bei mindestens 3,50 Meter Höhe über dem Straßenniveau von 1,5 Meter) wird aus Widerruf genehmigt. Zu dem Gesuch des Kommerzienrats Gail und des Christoph Schmidt um Erlaubnis zur Anlage einer VerbindungSftraße zwischen BiSmarck- und Goethestraße hinter der Stefanstraße spricht sich die Versammlung im Prinzip ür Genehmigung aus. In der bezeichneten Straße sollen zweistöckige Villen mit je 3 Meter breiten Vorgärten, bei Meter Straßenbreite und beiderseitig 1V2 Meter breiten Bürgersteigen errichtet werden. Der Antrag, anstatt 8 Meter Straßenbreite 9 Meter festzusetzen, wird zum Beschluß erhoben. Die zur Festsetzung der Straßenfluchtlinie entlang der Rodheimerstraße nötigen Geländeteile sind erworben bis auf das vor dem Hause des Chr. Haubach II. befindliche Gelände. Der Besitzer desselben fordert 6000 Mk., die ! Zaudeputation hat 2500 Mk. geboten. Die Versammlung reschließt, daß bis auf Weiteres auf den Erwerb dieses Geländes verzichtet werden soll. Das Gesuch von Karl Euler um Erlaubnis zum Gastwirtschaftsbetrieb im Hause Hammstraße 16, das bereits im Jahre 1898 eingereicht, aber abschläglich beschieden wurde, wird mit Rücksicht auf den in dortiger Gegend inzwischen gesteigerten Verkehr befürwortet, desgl. daS Gesuch von Heinrich Hettler um Erlaubnis zur Ausdehnung seines Wirtschaftsbetriebs auf ein weiteres Zimmer und den ver Sitzung drr Stadtverordneten. Gießen am 24. Januar 1901. Anwesend: Bürgermeister Mecum, die Beigeordneten Georgi und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emme lius, Euler, Flett, Dr. Fuhr, Dr. Gaffky, Dr. Gutfleisch, Hanau, Haubach, Helfrich, Heyligen staedt, Huhn, Keller, Kirch, Leib, Löber, Loos, Orbig, Petri, Dr. Schäfer, Schiele, Schmal! und Wallenfels. Entschuldigt Beigeordneter Grüneberg, die Stadtver ordneten Heichelheim, Jughardt und Krumm. Bürgermeister Mecum teilt vor Eintritt in die Tagesordnung mit, daß er aus Anlaß des Ablebens der Königin von England Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog das Bei leid der Stadt Gießen und deren Vertretung über den schmerzlichen Verlust, den das Großherzogliche Haus betroffen, telegraphisch übermittelt, und der treuen Anhänglichkeit der Stadt an das Großh. Haus Ausdruck gegeben habe, in der Ueberzeugung, die Zustimmung der Versammlung nachträglicb zu erhalten. Im vorigen Jahre faßte die Stadtverordnetenversamm^ lung den Beschluß, der Stadt die Konzession zur Er- !«t(^LunJLcinc.r fünftcn Apotheke zu sichern. Das Großh. Ministerium hat nunmehr an die Bürgermeisterei die k k» S Langen lasten, daß nach Bericht des KreiSamls und des KcerSgesundheitsamtS die Zeit zur Errichtung der Apotheke noch nicht gekommen sei; sollte die weitere Ent- Wickelung der Stadt die Vermehrung der Apotheken nötig machen, solle du «stabt bei Vergebung der Konzession in erster Lime berücksichtigt werden. Der dahier verstorbene Fabrikant Louis Scheid bat der Stadt ein Legat von 2000 Mk. vermacht, mit der Be stimmung, daß die Zinsen davon in Beträgen nicht unter 20 Mk. jährlich an Wittwen und Waisen armer Kaufleute oder an diese selbst, ohne Unterschied der Konfession, ausge- zahlt werden. Auf Antrag der Armenbeputation erfolgt unter Ausdruck des Dankes an den Stifter die Annahme der Stiftung. irtljber er1 unfeineneue, den Verkehr mittHeil Mitteln außerhalb der Apotheken freier als seither regelnde Verordnung bat. Auf Veranlassung von Interessenten ihres Bezirks hat die Kammer diese Petition beim Reichstag unterstützt. Die Zentrale für Spiritus-Verwertung in Berlin hat die Herabsetzung der Frachten fürSpiritus und Sprit von einigen nordöstlichen preußischen Stationen nach deutschen Seehäfen beantragt. Diese Detarifierung würde eine weitere Stärkung der Position der Zentrale und eine Schädigung der Spiritus verarbeitenden inländischen Industriezweige bedeuten. Die Kammer hat sich daher gegen den Antrag ausgesprochen. Der Verein der deutschen Zu cke r i n d n str i e hat in einer Eingabe an die zuständigen Reichsbehörden um ein völliges Verbot der gewerbsmäßigen Verwendung künstlicher Süßstoffe, sowie der Verwendung von solchen im Haushalte, ferner um eine Beschränkung des Kleinhandels mit diesem Artikel auf die Apotheken bei gleichzeitigem Rezepturzwang und endlich um eine Besteuerung desselben zu einem Satze von 100 Mk. pro Kilogramm petitioniert. Auf Anregung von Interessenten ihres Bezirks hat sich die Kammer in einer Eingabe an den Reichstag entschieden gegen diese maßlosen Forderungen ausgesprochen. Die Königliche Verkehrsinspektion in Fulda hat die Kammer um eine Aeußerung darüber ersucht, ov der beabsichtigten Verlegung des Schlusses der Dienststunden für dieAnnahmevonStückgütern in Alsfeld von 7 Uhr auf 6 Uhr abends Bedenken entgegenstehen. Die Kammer hat diese Frage für den Fall verneint, daß jed* Sendung angenommen würde, die vor 6 Uhr am Bahnhok ist, wobei der Expeditionsschalter verpflichtet wäre, die Frankierung aller vor 6 Uhr angefahrenen Güter auch nach 6 Uhr noch zu bewirken. Nach Mitteilung der genannten Verkehrsinspektion soll nun die Aenderung am 1. Februar eingeführt werden. Dieselbe erstreckt sich nur auf die Stück- gutannahme und -Ausgabe im Güterschuppen. Die Dienststunden der Güterkasse und Abfertigung bleiben unverändert bis 7 Uhr bestehen. Anläßlich der Versendung der Kammer-Steuerzettel sind eine Reihe von Anfragen über die Berechnung und Erhebung der Steuer eingelaufen. Mit Rücksicht hierauf wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Kammer»- steuer nach einem für alle Wahlberechtigte gleichen Prozentsatz der Gewerbesteuer berechnet wird. Die Erhebung erfolgt deshalb lediglich durch den hiesigen Stadtrechner, weil vom Großh. Ministerium der Finanzen die Aufstellung nur eine9 ÄKrK der 23 , * Zollte h * h ÄW en fall.) Wenig glücklich scheint der !Abg. Schrempf zum Studium der Polenfrage die Muße benützt zu haben, die ihm sein Landtagswahldurchfall gelassen hat. (Stürmische Heiterkeit.) Es ist schade, daß es nicht möglich ist, diese Debatte mit einem Antrüg und einem Beschluß des Hauses abzuschließen (Zustimmung), dann würde sich zeigen, daß die große Mehrheit des deutschen Reichstages überzeugt ist, daß hier trotz alter Ableugnung schneidige Germanisierungstendenzen vorliegen und daß er in seiner großen Mehrheit die vor- gekommenen Chikanen scharf mißbilligt. (Lebhafter Beifall.) Abg. ,S chr e m p f: Im Punkte der Vaterlandslosigkeit hat sich die süddeutsche Demokratie noch von niemand übertreffen lassen. (Große Unruhe links.) Präsident -Graf Balle st rem: Herr Abgeordneter, wenn Sie den Vorwurf der Vaterlandslosigkeit gegen ein Mitglied dieses Hauses erhoben haben (Rufe rechts: Nein, nein!), so würde dassgegendie Ordnung des Hauses verstoßen. Abg. Schrempf: Ich habe nur gegen die Demokratie in Süddeutschland, nicht hier im Hause mich gewandt. (Große Heiterkeit.) Was meinen Durchfall bei den Landtagswahlen betrifft, so bin ich nur durchgefallen infolge einer unverschämten demokratischen Wahllüge: ich sei von norddeutschen Junkern bestochen. Das haben möine Wähler geglaubt. (Große Heiterkeit rechts.) Abg. Haußmann -Böblingen: Die württembergische Demokratie ist.... Präsident Graf B a l l e st r e m: Sie haben keine persönliche Bemerkung im Namen der württembergischen Demokratie zu machen! (Heiterkeit.) Abg. Haußmann: Ich glaube, daß die Wendung, die gebraucht worden ist, sich auf meine Person bezog. (Widerspruch rechts.) Präsident Graf Ballestrem: Dazu liegt keine Veranlassung vor. Sie haben nur das Recht, etwas zurückzuweisen, wenn Sie persönlich angegriffen find. Abg. Haußmann: Da der Abg. Schrempf meinen Namen im Zusammenhang genannt hat, gebe ich die Erklärung ab ... . Präsident Graf Ballestr em: Herr Abgeordneter, ich bitte, daß Sie respektieren, was ich gesagt habe. Sie dürfen nicht Ihren Willen Hegen den Präsidenten durchsetzen wollen. (Bravo! rechts.) Abg. Haußmann: Ich respektiere, aber ich weise zurück, was gesagt worden ist. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Relikten Versorgung für die Teilnehmer an der Chrna-Expedition. Abg. Graf Stollb erg (kons.) bedauert, daß die Vor- lage nicht schon früher eingegangen ist, und spricht den Wunsch aus, die Bezüge dieser Vorlage auch den alten Kriegsveteranen zu teil werden zu lassen. Reichskanzler Graf v. Bülow: Die vom Vorredner * 1 ausgestellte Forderung, daß die den Invaliden und deren Hinterbliebenen aus der Chinaexpedition zu gewährenden erhöhten Versorgungsgebührnisse auch den Invaliden und Hinterbliebenen von den früheren Feldzügen zugewendet werden,. erkenne ich als berechtigt an (Hört! hört! und Beifall.). Ich nehme auch keineil Anstand, eine Aufbesserung der Bezüge aller Kriegsinvaliden und ihrer Hinterbliebenen zu ihrer Sicherstellung gegen Not und Sorge für dringlich und unaufschiebbar zu erklären. (Beifall.) Wenn dem Bedürfnisse einer ausgiebigeren Ver- sorgung hinsichtlich der Invaliden der Chinäexpedition Rechnung getragen wird, so darf auch eine gleiche Aufbesserung der gesetzlichen Bezüge dem durch frühere Feld- 1 züge Dienstunfähiggewordenen und den Hinterbliebenen der , durch Kriegsbeschädigung Verstorbenen nicht verweigert wer- , den. (Beifall.) Ich werde ohne Verzug das Erforderliche veranlassen, um noch in der laufenden Session (Beifall) eine G l e i ch m äß i g ke i t in der Behandlung der Invaliden sämtlicher Feldzüge herbeizuführen. (Lebhafter ■ Beifall.) 1 Darauf wird die weitere Beratung auf Freitag vertagt; 'außerdem wird die Beratung des Etats des Reichsamts . des Innern fortgeführt werden. zapft, an Waldarbeiter überhaupt nichts verabreicht wird. Auf Befürwortung der Stadtv. Orbig und Kirch wird von dem letztbezeichneten Vorbehalt in Uebereinstimmung mit der zur Prüfung der Bedürfnisfrage eingesetzten Kommission Abstand genommen, und das Gesuch im Uebrigen befürwortet. Bor Schluß der öffentlichen Sitzung ergreift Stadtv. Schmal! daS Wort zu einer Interpellation. Eine Anzeige im „Gieß. Anz." vom 20. d. Mts., welche sich mit der Errichtung einer dritten LandeSirrenaustalt und mit dem angeblichen Bestreben der Stadt Gießen, diese Anstalt in der Nähe von Gießen errichtet zu sehen, befaßt, habe in der Bürgerschaft unliebsames Aufsehen erregt. Er richte deswegen an die Stadtverwaltung die Anfrage, ob und was eventuell sie in der Sache zu thun gedenke. — Bürgermeister Mecum gab nach Hinweis auf die gelegentlich der Debatte über das städtische Elektrizitätswerk am 10. d. MtS. vom Beigeordneten Wolff eröffnete Aussicht, daß die Irrenanstalt in der Nähe von Gießen errichtet werden würde, aus daS darauf im „Gieß. Anz." erschienene, mit M. unterzeichnete Eingesandt, auf die weiter in unserer (des „Gieß. Anz.") Nr. 13 auf G-und der Erläuterungen zum Staatsbudget gegebenen Darlegungen des Sachverhalts die Erklärung ab, daß es der Urheber deS iu Nr. 17 des „Gieß. Anz." erschienenen, ebenfalls mit M. unterzeichneten Inserates nicht für nötig gehalten, sich zu informieren, sonst hätte er sich nicht in so gehässiger Weise äußern können. Mit Rücksicht auf den in diesem Inserat angeschlagenen Ton und darauf, daß derselbe den bescheidensten Forderungen gesellschaftlicher Formen bar sei, habe man sich mit der Person des Einsenders nicht weiter zn beschäftige«. (Aus ähnlichen Gründen haben wir s. Z. die Aufnahme dieses Schriftstückes unter der Rubrik „Eingesandt" abgelehnt. Daraufhin hat sich Herr M. an die Anzeigenstelle unseres Blattes mit mehr Glück als bei uns gewendet. Die Red- daktion des „Gieß. Anz."). Zur Sache selbst bemerke er, daß Herr Beigeordneter Wolff sich erst über die Möglichkeit der Errichtung der Irrenanstalt in der Nähe Gießen« geäußert habe, nachdem die Erläuterungen zum Staatsvoran- schlag veröffentlicht waren; bei der Wahl des Platzes sür die Irrenanstalt habe die Regierung nach Einholung ärztlicher zc. Gutachten sich lediglich von sachlichen Erwägungen leiten lassen; alle sonstigen Unterstellungen entbehrten der Begründung. 1. Sitzung Hroßh. Kandelsüammer Hießen für die Kreise Hießen, Alsfeld und Lauterbach. (Pcotokollauszug.) Gießen, 22. Januar. Anwesend find die Herren: Kommerzienrat Koch, Balser, Dürbeck, Grünewald, Jhring, Moll, Nowack, Rinn, Röhr, Schirmer, Schmal!, St ein ecke und Zur buch, sowie der Sekretär Dr. Ke hm. ___ Entschuldigt fehlen die Herren: Kommerzienrat Heichelheim,Hoos,Katz,Ramspeck und Wallach. Vor Eintritt in die Tagesordnung giebt der Vorsitzende, Kommerzienrat Koch, der Genugthuung der Kammer darüber Ausdruck, daß durch die im Dezember vorigen Jahres kattgehabten Ergänzungswählen die nach den gesetzlichen Bestimmungen ausgeschiedenen Kammermitglieder, Kommerzienrat Heichelheim, Grünewald, Ramspeck und Steinecke, € i d'EM ein«1 SSg-SS ÄftS ■‘■'■^ortete, angeM KSZ limj5 unten arbeite«, i liMBu"terM-" Smno einbezogen've ?ie Minier i|t oei Singriff 9*”™^ lMsgesetzes, daslM nnn, es augenblicklich leidenden und ui m teaeanenbeu Antrag ni länsig der Argemeist riickzustellen. 3. Bezugs dev n ten Projekts einer Ha ^(ihn im Norden G finit, baß die Errichtung Lerlehrs-Bediirsnis ist, sm mit bet hiesigen < anzustreben. Zu diesem. bestehend aus Kammer Schmal! niedergesetzt. I Nachdem aus \ Jahresberichtsfro Morten eingelausen sin diesem Wege nochmals her Bitte um Beantwi Michzeitig wird bestim berichte im allaem versandt werden sollen, Einsendung eines, toe; ihre Branche bezw. ih übrigen Firmen soll es: aus dem Kammerbure, zu zahlreich zu bemess be* Jahresberichts ei sollen seinerzeit in Sa Hörden unterbreitet w 5- Wejiiglid) bet . ”'//, begrüßt sodann die neugewählten - - - - v " - -- - Herren K. Rohr und W. Zurbuch und spricht die Hoffnung Itbereinft; * $ foftb W ation k? !*>• ***.??% J®” mit hetn ; !uJe Anstalt iö b? 1 Uchte bestceaen nn !’b “« tbtntmn st ^Debatte über bo« anfM,8e'9eoibn^ "ö#Mt m bet NLHe •jWartj, auf die •13 auf Giülid brr des n6 Wbtt des J’ M t,9 gehalten, sich » gehässiger Weise 'n °chm Jnsnat an, tlbe ben bkscheideusteu ar sei, habe man fit '/"er zu beschäftige,, f. Z. bie Aufnahme -'«gesandt» abgelehnt, luzeigkvsteüe unsere- Mndet. Die Red- ! selbst bemerle er, übet die Müglichtrit ' Nähe GiehenS gr- •u M Ttaatsvoran- !ahl der Platzes süi nach Einholung Lrzt- achlichen Etwägllngln ungen entbehrten der Hieße« für die -reife «tcr'öaiß. in, 22. Januar, vmmerzienrat Koch, , Jhring, Moll, .rmei, vchmalk, e der Sekretär Dr. rren; Kommerzienrat 'ped unb Wal lad), jiebt ber Mrjtyenbe, g Der Kammer bar* aber vorigen Jahres rach den MM» mermWeder, Korn- mspeä und Stemecke, rmndieneugewähllcn , lvricht die vossnunz >eiten der Mitglieder mmer auch im nem | einzigen Hebregisters für den ganzen Kammerbezirk an- | geordnet worden ist. Ans dem Bericht über die Plenarversammlung des I deutschen Handels tags ist hervorzuheben, daß die | Kammer, gemäß einem Ende Dezember durch Zirkular ein- 1 geholten Beschluß, mit der Majorität des deutschen Han- I delstags gegen jede Erhöhung der Zölle auf Lebensmittel 1 gestimmt hat, und der Vorsitzende in gleicher Weise die V. Schwesterkammer Friedberg in deren Auftrag vertrat. In * der Frage der Errichtung "einer Reichshandelsstelle hat sich I die Kammer dem Kompromißantrag der Handelskammer zu I Düsseldorf, der eine Auskunftsstelle mit beschränkten Zielen I befürwortete, angeschlossen. Dieser Antrag wurde mit I großer Mehrheit angenommen. 2. Bei der hiesigen Bürgermeisterei ist von feiten der I hiesigen Ortskrankenkasse der Antrag eingebracht worden, J durch Ortsstatut auf Grund des § 2 des Krankenv er sicher- ungsgesetzes von 1892 Hausindustrielle dem Ber sicheren g s z w a n g zu unterwerfen, und zwar auch dann, wenn I sic die Roh- und Hilfsstoffe selbst beschaffen, und auch für I die Zeit, während sie vorübergehend für eigene. Rechnung | ai beiten. Ferner sollen auch Handlungsgehilfen und Lehrlinge mit unter 2000 Mark Jahresgehalt in die Zwangs-Versicherung einbezogen werden. Die Bürgermeisterei hat die qmnnier um eine Aeußerung über diesen Antrag ersucht, i Tie Kammer ist der Meinung, daß angesichts der in - Angriff genommenen Neugestaltung des Krankenversicher- ' ungsgesetzes, das leicht eine ganz andere Rechtslage schaffen ' kann, es augenblicklich unzweckmäßig ist, einen so tief einschneidenden und in mancher Hinsicht berechtigten Bedenken - begegnenden Antrag näher zu treten, und beschließt, vorläufig der Bürgermeisterei zu empfehlen, den Antrag zu- i riiazn stellen. 3. Bezüglich des neuerdings wieder öffentlich erörterten Projekts einer Halte st elle der Main-Weser- H a h n i m N o r d e n G i e ß e n s ist die Kammer der An- )if)t, daß die Errichtung einer solchen Stelle ein dringendes Verkehrs-Bedürfnis ist; sie beschließt demgemäß, gemeinsam mit der hiesigen Stadt Die Erreichung dieses Ziels ar-.ustreben. Zu diesem Zwecke wird sofort eine Kommission bestehend aus Kommerzienrat Heichelheim, Balser und Schmal! niedergesetzt. 4. Nachdem auf die anfangs d. M. ausgegebenen sß Inhres b e r i ch ts fr a g eb o g e n nur sehr wenige Ant- werten eingelaufen sind, beschließt die Kammer, sich auf diesem Wege nochmals an die rückständigen Firmen [mit der Bitte um Beantwortung der Fragebogen zu wenden. Gleichzeitig wird bestimmt, daß die Kammer-Jahresberichte im allgemeinen nur an diejenigen Firmen versandt werden sollen, die ihr Interesse an diese durch - Einsendung eines, wenn auch nur kurzen, Berichts über ihre Branche bezw. ihren Betrieb bekundet haben. Den . übrigen Firmen soll es überlassen bleiben, sich einen Bericht turf dem Kammerbureau abzuholen, so lange der nicht i>u zahlreich zu bemessende Vorrat reicht. Die anläßlich den Jahresberichts eingelaufenen zahlreichen Desiderien sollen seinerzeit in Sammelpetitionen den zuständigen Behänden unterbreitet werden. 5. Bezüglich der hiesigen Telephonverhältnisse werden allseitig lebhafte Klagen vorgebracht. Die , Kammer beschließt, nach Einholung weiteren Materials in der Angelegenheit an zuständiger Stelle vorstellig zu werden. Die Eingabe der Kammer an die Königl. Eiseubahn- " bircftion Frankfurt a. M. betr. Einrichtung von Personen- k beförderung bei dem Güterzug 9247 Gelnhausen-Gießen (an bürßen 1,50 Nachm.) ist von letzterer abschlägig beschießen worden, da ein allgemeines und dringendes Verkehrsbedürfnis nicht anzuerkennen sei. Die Kammer kann sich ^hierbei nicht beruhigen, und wird in dieser Angelegenheit nochmals Schritte thun. — und 2. Vorsitzende. nratSeichelhem, r wiedergelvahlt. tscheTroglnsttn « king.be gmchtt mitheilmrtteui seither regelnde W Ä» «fei itti »SW*1' Mich »w e’ .ooWpaSW»- s°.'5'S -x::,-K4 >*»»■ ' 7. Unter den Eingängen befinden sich u. a.: eine Mit- ; leilung des Ausschusses der Düsseldorfer Ausstellung, nach ’ ber die Hess. Jindustriellen im allgemeinen zu dieser zwar nicht zuzulassen seien, dagegen über die Zulassung einzelner ■ türmen von Fall zu Fall entschieden werden soll; die beiden ersten Nummern des von der Königl. Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. neuerdings herausgegebenen „Tarif-Anzeigers"; das Protokoll der Sitzung des letzten Hess. Haube! skammertags; vertrauliche Mitteilungen über eine demnächst in Madrid ins Leben tretende Aktiengesellschaft bie sich mit der Einfuhr von landwirtschaftlichen und Berg- werksmaschinen, sowie von Kunstdünger befassen wird; ferner über Lieferungen nach Bulgarien; zweifelhafte Firmen in Madrid, Rustschuk und Braita, endlich ein Katalog spanischer Exporthäuser. Ueber diese Eingänge wird Jnter- ch'enten auf dem Bureau der Kammer näheres mitgeteilt. Aus Stadt und And. Gießen, den 25. Januar 1901. *• Personaluachrichteu. Die Hilfsgerichtsschreiber am Landgericht der Provinz Rheinhessen Ruppel und am Land zericht der Provinz Oberhessen Rhode sind aus Anlaß ihrer Ernennung zu Militärgerichtsschreibern mit Wirkung vom 1. Januar ihres Dienstes entlassen worden. ** Gießener Zither-Klub. Am Sonntag gab der „Gießener Kither-Klub" in Dillenburg ein Konzert über das die „Ztg. für das Dillthal" schreibt: «Wie wohl nicht anders zu erwarten war, übte das Konzert des kießener Zitherklubs unter Leitung des Dirigenten Herrn R. kiödiger eine starke Anziehung aus; der Blechersche Saal war bis auf ien letzten Platz besetzt. Die Leistungen der Spieler zeugten von guter kchulung und erfüllten die auf Grund einer früheren Notiz gehegten Er- tactungen in vollstem Maße. Sämtliche Nummern des Programms «mieten lebhaften Beifall, besonders stark applaudiert wurden die beiden )yl ophonsoli, welche wiederholt werden mußten. Wir wollen hoffen, daß ter Gießener Zitherklub sein in Aussicht gestelltes 2. Konzert richt allzulange hinausschiebt." Ein Gruppenbild des „Zither-KlubS" ist indem kigarrengeschäft Lindenplatz ausgestellt. A Gedern, 24. Jan. Gestern wurden durch den Land gerichtsrat Sandmann aus Gießen und durch zwei Mutige Rechtsanwälte die Quellen der hiesigen projektierten Wasserleitung in Augenschein genommen, da die hiesigen MLller mit der Gemeinde bezüglich dieser Quellen pro- Meren. h. Burkhards, 23. Jan. Der hiesige Landwirt Jo Hs. ilirolph IV. wollte vor einigen Tagen Maschinenstroh von ie« Scheuergerüft in die Tenne werfen. Das Stroh, auf de« der Mann stand, rutschte und er stürzte in die Tenne. Met mehreren Rippenbrüchen konstatierte der Arzt wch Gehirnerschütterung. Darmstadt, 24. Jan. Der Großherzog reiste gestern abend nach Moskau ab. Sch- Darmstadt, 23. Jan. Die Großh. Handels kammer hat in Verbindung mit den Vorständen des Detai- tiften Vereins, des Gewerbevereins, des Handel-Vereins und des Verkehrsvereins auf Mittwoch den 30. Jan. d. I. eine Versammlung einberufen, auf deren Tagesordnung die Errichtung einer Handelshochschule in Darmstadt steht, und in welcher das Kammermitglied Fröhlig referieren wird. O Kirchbracht (Kreis Gelnhausen), 24. Jan. In diesem Sommer, wahrscheinlich im Juli, feiert der hiesige Kriegerverein, dem auch Bewohner der Nachbardöcfer Illnhausen und Mauswinkel angehören, das Fest der Fahnenweihe. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten Dieser Tage schoß ein Mainzer Jäger einen Hasen, der ein verwettertes schwarz-weiß-rotes Bändchen mit einem kleinen Schellchen und einem Messingzeichen am Halse trug. — Der Hopfenhändler Geng aus Bayern hat sich schlechter Vermögensverhältnisse wegen in Biedenkopf zu erschießen ver sucht. Er liegt schwer verletzt itt der Klinik zu Marburg. Für den Judentag. Berlin, 22. Jan. Die Ablehnung des „Judentages" durch die offiziellen Vertreter des Judentums hat in den zionistischen und sonstigen Judentag-freundlichen Kreisen recht lebhafte Bewegung bervorgerufen und zu einer neuen Versammlung geführt. Die diese Forderung aufs neue mit stärkstem Nachdruck erhob. Etwa 600 Teilnehmer hatten gestern abend den Saal von Dräsels Lokal überfüllt. Den Vorsitz führte wieder Dr. niet). Jul. Katz. Dieser erklärte unter stürmischem Beifall, daß die Zionisten dafür sorgen werden, daß der Judentag nicht in Kommissionen und Subkommissionen verschwinde. Der Referent Dr. G l o e i s k i bemerkte, daß die Ge- heimthuerei immer kurz vor dem Ende komme, was man schon an dem letzten, gänzlich hinter verschlossenen Thüren geführten Parteitage der Freisinnigen Volkspartei sehen könne. Darum wollen die Zionisten jmt dieser Geheimniskrämerei im Judentum aufräumen un*e§ sich zum Prinzip machen: Schreien- schreien! Die jüdischen Mäuler sind nicht bloß zum Treife (Essen) da. (Sehr gut!) Es mag sein, daß die Parteileitung der Freisinnigen Volkspartei nicht antisemitisch fühlt, aber den freisinnigen Wählern dürfe man schon keinen jüdischen Kandidaten mehr präsentieren. Das sei also instinktiver Antisemitismus. Bei den Sozialdemokraten habe vor einiger Zeit Calwer geanti- semitelt! (Zuruf: Leider!) Die Formel: „Los von dem Liberalismus" sei zu scharf. Es müsse richtiger heißen — was allerdings gegenwärtig zufällig dasselbe sei —: Los von der In denschutz trupp e ! (Beifall.) Das Wort Liberalismus sei stark mißbraucht worden. . „Liberalismus" hat die Juden der Taufe näher geführt. In seinem Namen ist unser Gebetbuch von ungeweihten Händen zerrissen worden, in seinem Namen werden unsere Kinder in den Schulen entjudet, in seinem Namen „Zion" aus unseren Gebeten gestrichen — alles im Namen des heiligen Liberalismus . . . Die gegenwärtige Parteientwicklung nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei für die Juden von außerordentlichem Vorteil. Nun gelte es auch, solche Abgeordnete durchzubringen, welche die Interessen der Juden richtig vertreten und sich auch freundlich mit der Regierung stellen. Demi diese Regierung hat doch ihre segnenden und schützenden Hände auch über uns Juden gestreckt (Ruf: Zur Sache), wenn auch die Finger manchmal recht gespreizt sind, daß noch immer sehr viel Regen und Sturm auf die Köpfe der armen Juden rutschen kann. (Beifall.) Die Außenwelt muß erfahren, daß das Judentum nicht blos aus Börsenrittern besteht. Dazu will der Zionismus helfen, dessen Gedanken in ihren Zielen man wirklich göttlich nennen könne. Der Redner beteuerte, daß der Zionismus nicht im Gegensatz zur deutschen Reichspolitik stehe. Die Zionisten seien warme deutsche Patrioten. (Stürmischer, anhaltender Beifall.) Er verlangt energisch einen Judentag, der zur Folge haben werde, daß die Reifen endgiltig abfallen und daß eine gewisse Ethisieruug im Judentum eintrete, daß die Juden bann nicht mehr so laut seien. Dann werden wir mit einer gewissen melancholischen Bescheidenheit unsere stolze Menschennatur offenbaren! (Stürmischer, anhaltender Beifall.) .Die Diskussion war wiederum sehr lebhaft. Herr Sally Nathan verlangte statt eines Judentages eine größere Fürsorge für das städtische Proletariat. Redakteur Klausner sprach sich gegen die verlangten, allgemeinen, direkten Wahlen zum Judentage aus, die zur Zeit noch nicht möglich wären. Das Judentum müsse erst gehen und marschieren und Disziplin lernen, ehe es zur Parade antritt. Dr. Friedemann (mit stürmischem Beifall und Trampeln empfangen) verteidigte sehr energisch die Idee des Judentages. Die Judenemanzipation sei eine Lüge und die Juden wären bescheiden und dumm genug, sie zu glauben. Die Juden sollen wieder von männlichem Stolze erfüllt werden. Tie Idee des Judentages werde nicht verschwinden und wenn auch alle getauften Redakteure der Berliner Zeitungen dagegen schreiben! (Anh. Beifall.) Unser verehrter Freund und Gönner Stöcker (Stürmische Heiterkeit. Ruf: Sehr gut, sehr gut!), der hat mal gejagt: Es giebt nur eine wahre Mission, und das sist die „innerste Mission". Warum soll man nicht auch vom Feinde etwas lernen? Das Judentum sollte in der That diese innerste Mission auch mal an sich üben; auch auf moralischem Gebiete steht ihm da ein weites Feld offen. Es muß dahin kommen, daß wir uns nicht mehr fürchten und schämen, uns Jude zu nennen .... (Donnernder Beifall, Trampeln, laute Rufe.) Dr. Glociski stimmt dem zu. Eine Ethisieruug des Judentums sei die beste Bekämpfung des Antisemitismus. Wir wollen uns nicht mehr eindrängen, sondern bescheiden und still arbeiten an der großen jüdischen Kultur. Jetzt bringe ber Antisemitismus auch in bie Sozialdemokratie. Wenn auf dem Parteitage Fischer gesagt habe, man werde wohl nächstens im Interesse des Parteigeschäfts semitische Allüren ein- sühren, so genüge das gerade! — Herr Bube: Der Antisemitismus ist so stark, daß seit den Tagen von Kunitz selbst uns sonst freundliche Leute sagen: es könnte doch fein! — Redakteur Wohlberg greift das offizielle Judentum scharf an. Diese herrschende Richtung sei wie ein gewisses Reptil. Sie würge das Judentum, ja breche ihm sämtliche Knochen im Leibe entzwei, überziehe es mit ihrem Schleim des Rationalismus (Zurufe: Au! Brr!) und! chlucke es endlich ganz und gar herunter. Dabei wird bie herrschenbe Richtung natürlich bick unb fett. (Große Heiterkeit entsteht hier, da ber Rebner selbst von gar beträchtlichem Umfang ist.) Lassen wir uns nicht ummobeln von Leuten, bie zufällig noch nicht getauft. — Ein junger Herr Golbschmibt erklärt sich entrüstet gegen den Judentag. (Großer Lärm entsteht bei seinen Ausführungen. P«an ruft wiederholt: „Lesen Sie auch bie „Staatsbürger-Zeitung" ?) — Rebakteur Klausner waubte sich ebenfalls gegen diejenigen jüdischen Leute, bie mit guten Lehren kommen und dabei schon über das Taufbecken gebeugt sind. Tie Zionisten haben ein Schweineglück, wenn ihnen ber Vorredner Nordan zum Vorwurf macht und Treitschke als Heiligen vorhält. — Znm Schluß weist noch der Sozialdemokrat Bär le in heftiger Weise bie Behauptung zurück, baß bie Sozialbemo fratie antisemitisch fei, beim es fei anzuerkennen, baß bie Suben zu ben Unterdrückten gehörten. Eine Schande fei es aber auch, daß selbst Juden in Moabit den Antisemiten Ubrich gewählt haben! Schließlich wurde wieder eine Erklärung zu Gunsten be3 Judentages angenommen. Schluß 1 Uhr nachts. Vermischtes. * Jägerndorf, 24. Jan. Der Chef der hiesigen Tuchfirma Ignatz Liebel u. Bruder hat sich wegen Krankheit ersch offen. * Budapest, 24. Jan. In der Station Gany der Linie Galanta-Zsolna fand infolge Nichtbeachtens der Signale ein Zusammenstoß zweier Eisenbahnzüge statt. Zwei Personen des Zugpersonals wurden gelobtet, eine Person verletzt. • Petersburg, 24. Jan. Aus Astrachan wirb gemeldet: Der Gouverneur macht bekannt, baß neuerdings in drei weiteren kirgisischen Ansiedelungen unb in einer Ansiedelung an der Grenze von Samara pestverdächtige Erkrankungen vorgekommen seien. Alle infizierten Ortschaften sind von einem undurchdringlichen doppelten Cordon umschloffen, Die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle ist nach ben offiziellen Berichten noch nicht festgestellt, doch dürften die Privatmeldungen, die von Tausenden von Erkranl^- u n fi e n sprechen, übertrieben sein. Universitäts Nachrichten. — Der Orientalist Geheimrat Wilhelm Ahlwardt, Professor der orientalischen Sprachen an der Universität Greifswald, wird am 6. Februar sein bvjähriges Doktorjubiläum feiern. — In Berliner Juristenkreisen beschäftigt man sich lebhaft mit der Frage, wer als Nachfolger des verstorbenen Professor Eck an die Berliner Universität berufen werden soll. Es kommt eine Reihe von namhaften Rechtslehrern dabei in Betracht, insbesondere werden genannt Profesior Zitelmann in Bonn, die Professoren Mittris und Strohal in Leipzig und Professor Stammler in Halle. — Der a.-o. Profesior der Mathematik und Physik an der Wiener Hochschule für Bodenkultur Dr. Oskar Simony ist zum o. Profesior dieser Fächer an der genannten Hochschule ernannt worden. Gerichtssaal. Rom, 24. Jan. Der radikale Deputierte Cavalotti war in einem Duell mit dem reaktionären Abg. Maccola getötet worden. M. wurde nun vielfach angegriffen, daß er, ein robuster Mensch, seine körperliche Ueberlegenheit in dieser Weise gegen den alten Cavalotti ausgenützt hatte. Auch der „Avanti" hatte die That Maccolas scharf kritisiert. Dieser fühlte sich beleidigt und stellte Strafantrag; der Redakteur des „Avanti" wurde wegen Beleidigung der Duellmörders zu elf Monaten Gefängnis und zu 1000 Fr. Geldstrafe verurteilt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Reichsbank. Am 1. Februar wird in Markneukirchen eine von der Reichsbankstelle in Plauen i. V. abhängige Reichsbank- Nebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. — Wechsel auf Oberredwitz und Dörflas in Bayern, bie nach dem 31. Januar fällig sind, werden von der Reichs bank angekauft und sind an die Reichsbanknebenstelle in Marktredwitz zu girieren. Gingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter biefer Rubrik stehenb^i Artikel übernimmt bie Rebaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) -n. Kollar, 23. Jan. 1901. Der hiesige Kriegerverein feiert am 27. d. M. den Geburtstag deS Kaisers in altherkömmlicher Weise. Die Betelligung wird gewiß roiebet recht rege werben. Es finbet auch wieber ein Kaisereffen statt, natürlich nur für bie „besseren" Leute, wozu auch ab unb zu einer von ben „Nichtbesseren" eingelaben wirb. Ein schöner Brauch ist es allerbings, Kaisers Geburtstag in jeher Weise zu verherrlichen, unb es gibt in Lollar gewiß viele patriotische Bürger, bie sich auch gern an einem solchen „Festeffen beteiligen würben, nur müßte bie Einlabung in ortsüblicher Werse geschehen. Diejenigen, welche Ausnahme-Einlabungen ergehen lassen, sollten bebmken, baß sie bie anbeten Ortsbürger kränken. Besser also unterließe man Sonder-Einlabungen. Die Bürger von Lollar haben erst kürzlich bewiesen, baß hier ein gesunder Bürgersinn herrscht, eme Ernnchtung ttfer in ang-führter Weise zeitigt nur Verdruß unb Unzufriedenheit. Schon früher hat sich mancher über bicses sonderbare Borgehen gewundert. Wöchentliche Uebrrficht der Todesfälle t« Gietzeu. 3. Woche. Vom 13. bis 19. Januar 1901. Einwohnerzahl: angenommen zu 25 560 (tncl. 1600 Mann Militär) SterblichkettSziffer: 16,28, nach Abzug der OrtLsremdm 10,17 o/qo* Kinder 31 nm. Die in Klammern gefetzten Ziffern geben en, wie viec der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nacy Girtzen gebrachte Krank- kommen. ES starben an: Zusamwm: Erwachsene: im iebenSjahr: 2.- vom -15. Iahe: l.L Masern 1 — — 1 DiphtheritiS 2 (2) — — 2 (2) Lungentuberkulose 2 2 — — Bauchfelltuberkulose 2 (1) 1 — 1 (1) Lungenentzündung 1 — 1 — AUersschwäche 1 1 — — Summa!: 9 (3) 4 1 4 (3) )'> <7 ■> Kotivei'siilIons-Lexikon (»vod h ü*teu«h pm Uteri «Werke) eowie dl« andern Bttcner | BtftH gegen Teilzahlungen von monati. 3 M. an gg - M» 9. Sperling, Buoklundlanf, Stuttgart VH. 0262 ftirftfttafte «, IL Mecum. 868 Karnevals-Festzüge! 2 fm 10 H die Expedition dieses Blattes. 27 ff Mecum. 615 überall hin. 542 A. & G. 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Nähere Auskunft über die dafür in Au« ficht genommenen Bedingungen, sowie über die Verhältnisse der Stadt Gießen erteilt die unterzeichnete Stelle. Angebote für Uebernahme des Anlehens find bis spätestens I. Februar l. I., vormittags 12 Uhr, hierher etazureichen. Gießen, den 24. Januar 1901. Großherzogluhe Bürgermeisterei Gieße?!. 216] Die Parterrewohnung im Hause Bahnhofkraße 66,5 Zimmer, Veranda, Gartenanteil usw., ist auf 1. Februar, ever.tl. auch früher, zu vermieten durch ABoeck, Steinstraße 15. daselbst, Nr. 35 — 475 empfiehlt 543 A« Steinreich Lindeugaffe 2 Ecke der Marktlauben. Hohversteigerung Montag den 588. ds. Mts. soll im Grüninger und Dorfgiller Markwald folgendes Holz versteigert werden: Versteigerung von Bauplätzen an der Moltkeftraße. Montag, den 588. I uuar 1901, nachmittags $ Uhr sollen von Großh. 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