Mittwoch 25. Dezember 1901 Nr. 303 Erstes Blatt 151. Jahrgang Ki GietzenerAnzeiger« -Ä-. W General-Anzeiger v ESS und Druckerei: v (Pietsch Erben) ■s3» Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieße« «UM FernsprechanschlußNr.bl. V 1 zelgenteil: HanS Beck. Kekanntmachung. BeLr.: Die Strafregister; hier: Die Nachweisungen der im zweiten Halbjahr 1901 verstorbenen bestraften Personen. Der Großh. Ober-Staatsanwalt beim Landgericht der Provinz Oberheffen a« sämtliche Ortspolizeibehörden des Kreises. Sic werden ersucht, die oben erwähnten Mchweisungen bezw. Fehlanzeigen bis zum 1. Februar k. I. ohne nochnralige Erinnerung an mich einzusenden. Gießen, den 23. Dezember 190L Dr. Güngerich. Transvaal von Otto Klingelhöffer. 1. Wie ist der Krieg entstanden? Um die umlaufenden Friedensgerüchte auf ihre Glaubwürdigkeit zu prüfen, wird es erforderlich sein, die Entstehungsgeschichte des Krieges sich zu vergegenwärtigen. Der Jamefonsche Einfall in Transvaal war mißglückt, und die Königin Viktoria mußte ein Bittgesuch an Krüger schreiben, worin die Freigabe der Gefangenen erbeten wurde. Die Bestrafung der Schuldigen wurde ausdrücklich versprochen, sowie Schadenersatz zugesichert. Krüger gab seine Einwilligung. Die Bestrafung der Schuldigen wurde zu einer lächerlichen Kvmödre herabgewürdigt, die Entschädigungszahlung hinausgeschleppt, und ist bis heute nicht erfolgt. Die Bestürzung des eigentlichen Anstifters des Jamesvn'schen Aufstandes und seiner Helfershelfer in London war groß, aber Cecil Rhodes gab seinen Plan nicht auf, und sprach sofort offen aus, das Ziel müsse auf anderen Wegen' erreicht werden; denn bittere Not stand vor der Thür. Durch die Verstaallichung Rhodesias^ die gewaltigen Ersenbahnbauten usw. war eine solche Schul- denmasse aufgehäuft, daß der Bankerott der Chartered Compagny unausbleiblich schien, wenn nicht außerordentliche Hilfsmittel herbeigeschafft wurden. 9tun wurden die Fäden gesponnen, welche die englische Regierung zu einer direkten Einmischung in Transvaal veranlassen sollten und ^wußten. Zunächst wurde die Komödie über das Stimmrecht der Uitlander ins Werk gesetzt, und dann folgten immer weitere Provokationen, um den Anlaß zum Krieg gegen Transvaal vorzubereiten. Das wurde dort auch bald erkannt, da die Einmischung Englands immer deutlicher unb frecher hervortrat. Die Buren mußten sich in Verteidigungszustand setzen, und rüsteten nach Kräften, während man tn England immer emsiger die Vorbereitungen zum Krieg betrieb. Der Oberkommandant im Capeland, Butler, nicht Buller, der spätere General in Natal, Butler, der für den besten Kenner der südafrikanischen Zustände galt, warnte zwar in London eindringlich vor ernsten Verwickelungen mit den Buren. Seine Berichte sind notorisch nicht beachtet, ja teilweise nicht einmal gelesen worden. Es war genau dieselbe Geschichte wie im französischen Krieg. Die deutschen Soldaten haben auf dem Schreibtisch Napoleons im Schlosse zu St. Cloud uneröffnete Warnungsbriefe des Baron Stoffel gesunden. Man wollte in London den Krieg. Butlers Hände sind von den Kriegstreibereien und dem üblen Verlauf nachfolgender Ereignisse rein geblieben, wichtig für Jeden der den Eichener Anzeiger in «w M. Abonnementrpreir einschließlich besonderer Zustellung des Reichstagrberichtr: monatlich IRL 0.75, vierteljährlich „ 2.20; bei den hierneben angeführten Abholestellen: monatlich IM. 0.65, vierteljährlich „ L90. Abholestellen in Gießen: PH. Mootz, Neustadt 50. 2. Zrau Rühl lvwe., Seltersweg 89. 5. Kaufmann £. Loth, wallthorftr. 25. 4. Lhr. Schönhals, Weserstraße |. 5. R. Schlabach Nachs., Ludwig;platz4- 6. Kaufmann Pfeiffer, Lcke Liebig- nnd Lbelstrahe. 7. Kaufmann Lenhard, Klinikstraße 22, (Ede Zranifurterftrahe. wohl aber hat der damalige Kriegsminister Landstowne die Sache in die Hand genommen, und ihn mit seinen Kollegen trifft die Verantwortlichkeit für das kommende Unheil. Wie verhält's sich nun mit der dreisten und beharrlich .aufgestellten Behauptung der englischen Regierung, England sei zu dem Krieg gezwungen worden? Sie ist nichts anderes als eine dreiste Unverschämtheit, eine freche Lüge, nur dazu bestimmt, den hohen und niederen Pöbel in den Kneg zu Hetzen. Diese Lüge ist denn auch durch Bestechungen usw. so verbreitet worden, daß sie in einem großen Teile des englischen Volkes Glauben gefunden hat. Wie unverständig und verblendet die Kriegstreiber waren, ergiebt sich auch aus einer drasti- chen Aeußeruna des Finanzministers im Parlament; der- elbe sagte, über di- finanzielle Regelung der Kriegs- rage solle man sich keine Sorgen machen, die Buren eien reich genug und könnten bezahlen. Hören wir nun auch, was Lord Kitchener, der jetzige Oberbefehlshaber nach Ausbruch des Krieges aber noch vor Uebernahme seines Kommandos selbst gesagt hat: (Siehe Mil. Wochenbl- Sg. 2552. 1899.) „Diese Leute, gewisse Minister voran, haben sich den Krieg in Südafrika als einen militärischen Spaziergang vorgestellt, sie haben den braven Butler beinahe gesteinigt, als er zur Mäßigung mahnte, und auf den Ernst der Lage hinwies ufro." So und nicht anders ist der Krieg in Südafrika entstanden, und der englische Pöbel läßt sich noch heute die Lügen Chamberlains vortragen und leiht ihnen offene Ohren. Welche Summen Geldes sind darauf verwendet worden, dieser Lüge Glauben zu verschaffen! 2. Ausgleich zwischen England und Transvaal. Nachdem wir den Anlaß des Krieges zwischen England und Transvaal beleuchtet haben, müssen wir unS die Frage vorlegen, ist ein Friede zwischen den beiden Völkern möglich? Mit Rücksicht auf die Thatsachcn, welche den Krieg herbeigeführt haben, können wir diese Frage nur entschieden verneinen. Mit den Leuten, die diesen Krieg angefangen haben und die Vernichtung eines braven Volkes anstreben, kann ein dauernder Friede nicht herbei- gesührt werden. Nur, wenn anständige Leute an der Spitze der Regierung stehen, kann dieses geschehen, schon deshalb, weil solche Leute einsehen müssen, daß dieser Krieg zum Ruine Englands führen muß. Alle Feinde Englands sehen einer Fortsetzung des Krieges mit Behagen entgegen, weil sie wissen, daß dadurch ein Herabsteigen Englands von seiner Höhe herbei- geführt werden muß. Anständige Engländer müssen daher dafür sorgen, daß auch anständige Leute an die Spitze der englischen Regierung gestellt werden. Sobald solche ans Ruder kommen, ist ein Uebereinkommen leicht und schnell zu erreichen. Dieses sollte man in England beherzigen. Klar ist, daß diejenigen Leute, welche den Krieg gemacht haben, überhaupt keinen Frieden schließen können, weil sie die Vernichtung des Burenvolkes herbeiführen wollen. Wenn aber eine andere Regierung ans Ruder kommt, könnte man beispielsweise folgenden Friedens- Vertrag zu Grunde legen: § 1. Der Satus quo vor dem Kriege wird sofort wiederhergestellt. § 2. Transvaal tritt an Großbritannien die Stadt Johannisburg mit den umliegenden Goldminen, die näher zu bezeichnen sind, ab, und erhält ßine mufikalische Weihnachtsgaöe [egte uns heute der Vorstand des „Akademischen Gesang-Vereins" auf den Tisch, als er uns in dankenswerter Weise mitteilte, welche Ausgaben sich der Verein für das kommende Jahr zu stellen gedenkt. Wir wollen vor unseren Lesern nichts voraushaben, und hoffen allen Musikfreunden eine Freude damit zu bereiten, wenn wir an dieser Stelle in ein paar Worten die uns gewordenen Mitteilungen weitergeben. Die Zuschrift kommt zunächst nochmals auf die jüngste That des Vereins, das letzte Konzert des Konzert-Vereins, zurück, ©ie sagt darüber: Eine That, ja ein Wagnis war es, das sehr schwierige Werk Wolfrum's zur Aufführung zu bringen. Wolf- rum's Weihnachtsmysterium darf man getrost als ein geradezu klassisches Werk moderner Musik bezeichnen; der Komponist hat es verstanden, die modeime Form mit allen Hilfsmitteln eines modernen großen Orchesters und im Dienste modern-realistischer, psychologisch vertiefter Verkörperung zu k l a s s i s ch e r G r ö ß e zu führen. Wozu von Anklängen da reden, wo unverkennbare Eigenart und Größe zu uns spricht? Wem fällt es ein, einem Beethoven Eigenart abzusprechen, weil er im wesentlichen Züge von Mozart gelernt hat? Weshalb nennt man eine ganze Gruppe „die Klassiker", wenn nicht deshalb, weil sie wichtige Züge g eure ins am haben? Berlioz, Wagner, Liszt, Strauß zu ihnen gehört auch Wolfrum; sie sind in ihrer Art auch Klassiker! Nur ein hervorragender Dirigent kann ein so schwieriges Merk, wie das W o l f r u m's zu einer siegreichen Aufführung bringen. 1 n ser Dirig ent hat es so trefflich verstanden, daß der Komponist selbst die Aufführung als eine ganz ausgezeichnete anerkannt, ja sie über die Ausführung in einer weit größeren Musikstadt gestellt hat. Wacker unterstützt hat ihn das OrchesterunseresRe- gimentes und eine sehr schöne Leistung vollbracht, der es fürwahr keinen Abbruch thut, daß einige auswärtige Künstler zugezogen werden mußten; Gießen wird ja noch lange nicht in der Lage sein, alle zu einem modernen großen Orchester gehörigen Kräfte selbst zu stellen. Die maßgebenden Stellen in der Führung unseres Regiments haben sich den wärmsten Dank für das weitgehende Entgegenkommen in der Ermöglichung zahlreicher Proben, ohne die ein auch technisch so schwieriges Werk nicht zu bewältigen wäre, verdient. Die Leistung des akademischen Chores hat seinen Vorstand nun ermutigt auf der Bahn großer Aufgaben vorwärts zu schreiten, getreu der Mahnung, daß Stillstand Rückgang wäre. Besonders erfteulich hat uns die Aussicht berührt, daß der Chor in absehbarer Zeit in der Sage zu fein hofft, alljährlich ein drittes Konzert veranstalten LU können, das z. B. im Jahre 1902 in einer Wiederholung des musikalischen Teils von Wolfrums Weihnachtsmysterium bestehen könnte; denn zu diesem dritten Konzert muß natürlich auf Werke zurückgegriffen werden, die keiner vielen Proben mehr bedürfen. Möchte sich diese Hoffnung erfüllen! Zur nächsten öffentlichen Aufführung ist eines der gewaltigsten und erhabensten Werke aller Zeiten gewählt worden: L. van Beethoven mit feiner großen Messe, „Miff a solemnis" hat über die anderen zum Vorschlag gebrachten Werke (Liszts Heilige Elisabeth; Tinels Franziskus; Haydns Jahreszeiten u. a. m.) gesiegt. Damit stellt sich der Verein wohl eine der höchsten Aufgaben, die er sich überhaupt stellen kann; anspruchsvollere Aufgaben stellen andere Werke nur noch in der Hinsicht, daß sie etwa größere Chormassen (8- oder lßftimmige Chöre) erfordern; wird die gestellte Aufgabe gelöst, dann braucht der Verein vor keiner Aufgabe mehr zurückzuschrecken, der er numerisch gewachsen ist. Hoffen wir daher, daß es gelingen möge zur Bewältigung solcher Aufgaben, die große Chormaften erfordern, das Interesse aller zu fesseln, die sangesfreudig und sanges- funbig finb; „getrennt marschieren unb vereint schlagen" muß der Wahlspruch fein: Wo bie größten Aufgaben winken, ba muß unb wirb es wohl gelingen, auch bie Kräfte heranzuziehen, beneu es sonst nicht möglich ist, bem Verein selbst anzugehören. Als ungefährer Termin ber Aufführung von Beethovens herrlicher Missa ist Mitte Juni in Aussicht genommen worben; ba bas Werk gerabe für ben Chor äußerst zahlreiche Aufgaben enthält, konnte wohl an eine Aufführung im laufenden Wintersemester nicht gedacht werden. Stehen doch, wenn die erste Probe am 6. Januar ist, selbst bis zum Juni kaum 20 Proben zur Verfügung. Dazu kommt, daß der Verein feinen Mitgliedern und Freunden noch eine besondere Festfteude zu bereiten gedenkt, indem er Robert Schumanns des Rose Pilgerfahrt im engeren geladenen Kreise bringt. Das Werk soll mit Klavierbegleitung aufgeführt werden und zwar bereits Ende Februar; es muß also neben ben Proben zur Missa bewältigt werben. Sicherlich wird aber dies reizende frische Werk dem Vereine zu seinen alten zahlreiche neue Freunde werben. Nach Beethovens Missa wird bann wohl eines ber anberen obenerwähnten Werke, etwa Tinels Franciskus in Aussicht genommen werben ober auch Liszts Heilige Elisabeth. Wir wünschen dem akademischen Gesangverein von Herzen ben besten Erfolg. x. dafür einen Landstrich int Osten. § 3- England verpflichtet sich eine Pauschalsumme als Entschädigung für das vernichtete Privateigentum an beide Republiken zu zahlen. § 4. Die Entschädigungssumme für den Jameson-- schen Einfall ist sofort an Transvaal auszuhändigen. § 5. Es tritt sofort eine gegenseitige Amnestie für alle Vorkommnisse aus dem Krieg ein, einschließlich der Kapkolonisten. § 6. England erhält das Recht, eine eigene Bahnverbindung von Johannisburg in nördlicher Richtung nach seinen Grenzen zu führen. Bis zu deren Fertigstellung sind die Republiken verpflichtet, bett englischen Verkehr nach Johannisburg unter, Kontrolle frei ju lassen, jedoch nicht länger als auf zwei Jahre. § 7. Alle sonstigen gegenseitigen Ansprüche erlöschen mit dem Friedensschluß. § 8- Zur Verhütung künftiger Streitigkeiten wird em Schiedsgericht eingerichtet, dasselbe setzt sich aus Dänemark, Holland und der Schweiz zusammen, dergestalt, daß Dänemark selbständige Vertreter ernennt, Holland die gleiche Zahl, und die Schweiz sämtliche Mitglieder seines höchsten Gerichtshofes ernennt. Die Abstimmung erfolgt nach absoluter Majorität und der Beschluß ist sofort rechtskräftig. Die Abtretung der Minen erachte ich für keinen Nachteil, wohl aber für einen großen Vorteil, da die Buren dadurch vor künftigen liebeln bewahrt bleiben. Ein Terri- itorialersatz kann ja leicht im Osten ausbedungen werden. Der Paragraph über die Garantien des Friedens ist nicht ohne Erwägung aller politischen Zustände abgefaßt, er verhindert jedenfalls die Einmischung anderer Mächte. Aus Stadt uni» Saud. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind nn6 stets willkommen und.werden angemessen honoriert. Gießen, 24. Dezember 1901. Gedenket der hungernden Vögel! ** Weihnachten. „O du fröhliche, o du selige ^nadenbringende Weihnachtszeit!" So klingt es in dieser Weihnachtszeit aus Kindermund durch die .Häuser und Straßen unserer Stadt. Und wir Alten horchen auf und stimmen mit ein. Es ist wie ein Zauber darin, der uns .gefangen nimmt. Und wäre es nur der Kinder Jubel,, der les uns augethan hat. Denn der Jugend Freude, ist der lAlten Lust, der Alten Verjüngung. Aber das ist's doch micht allein. Was macht denn die Jugend so fröhlich am sWeihnachtsfest? Ist's nicht die Liebe, ine sie umgiebt? Was die Augen glänzen macht, ist erfahrene Liebe und ITreue. Und ist das nicht int letzten Grunde das, wonach jade Herzen hungern und dürsten, auch die ältesten und die ärmsten? Ja, gerade die am meisten, wenn sie es auch vielleicht nicht worthaben wollen, weil das Leben sie zu viel enttäuscht hat, weit sie irre geworden sind an Liebe und hEreue. Da kommt denn Weihnachten, das Fest der Liebe, ftmd klopft mit seiner Himmelsbotschaft an die üebebedürf- stigen Herzen. Wohl denen, bei denen es kommt mit Liebe Her Menschen im Bunde, wo es im Hause einkehrt bei leuchtenden Augen von Jung und Alt! Wie köstlich, wenn am Weihnachtsabend die Hausgemeinde vollzählig versammelt fist, wenn die Kinder aus weiter Ferne herbeigeeilt sind, um int Elternhause um den Hellen Christbaum sich zu scharen! Wie genießen da die Eltern die Liebe der Kinder, die Kinder die Liebe der Eltern! Da rotrh es leicht, an die ewige Liebesmacht zu glauben, die die Welt mit verborgener Weisheit lenkt, und die an Weihnachten si'ch in vollem Glanze offenbart. Wollten doch alle glücklichen Herzen ijidji an Weihnachten dankbar dieser eitrigen Liebe erschließen, Möchte doch in allen frohen Häusern die Weihnachtsfeier fausklingen in das dankbare Bekenntnis: „S e h e t, w e l ch ' leine Liebe hat uns der Vater erzeiget, daß !wir Gottes Kinder sollen heißen!" Aber diese iBotschaft ist doch nicht bloß für die Glücklichen dieser Welt iba. Sie will mit ihrem Freudenschein auch in die Stüblein !ber Einsamen, der Leidenden und Betrübten, der Sorgenvollen und Geängsteten einziehen und ihnen Trost und Freude '.bringen. Es giebt in diesem Jahre in unserem Vaterlande besonders viele, die Weihnachten feiern mit banger Sorge ifür die Zukunft. Arbeitslosigkeit, drohender. Arbeitsmangel tairft dunkele Schatten in viele Gemüter. Und wenn es in Unserer Stadt damit auch noch nicht zum Schlimmsten gekommen ist, wenn die Behörden und private Liebesthätigkeit jwachsam bereit stehen, um der drohenden Gefahr zu be- tgegnen, so bedarf es doch einer besonderen Herzstärkung für bie, die ihr Brot mit harter Arbeit von Tag zu Tag verdienen müssen, nm den Mut und den Glauben an die .ewige Liebe nicht zu verlieren. Ihnen soll Weihnachten '.vor allem die Gewißheit stärken: Gottes Liebesmacht ist ungebrochen, und seine Vaterliebe ist stark genug, uns auch durch schwere und dunkele Zeiten hindurchzuführen. Das Licht, das im dunklen armen Stall zu Bethlehem der Welt aufgegangen ist, ist uns die Bürgschaft dafür. Wenn die Glocken und der Posaunen Schall von den Türmen unserer Stadt, wenn der Orgel Ton und der Gemeinde voller Chor und der Prediger Mund in unseren Kirchen diese frohe Botschaft jetzt wieder verkündigt, möchte dann in aller Herzen die rechte Weihnachtsfrende aufwachen, und mochten namentlich auch die Glücklichen und Besitzenden willig werden, Helfer der großen Freudenbotschaft bei den Armen und Gedrückten zu werden, damit auch |ic ben Mut gewinnen, mit einzuftimmen in den frohen Ruf: „Freue dich, freue dich, - O Christenheit!" b. Lollar, 23. Dez. Die Feld- und Waldjagd unserer Gemeinde, welche einen guten Bestand an Rehen, Fasanen, Hasen und Hühnern aufweist, wird demnächst zur Neuverpachtung ausgeschrieben werden. Bei der günstigen Lage des Jagdgebietes wird es an Liebhabern wohl nicht fehlen, sodaß die Gemeinde eine wesentlich höhere Pachtsumme wie bisher erzielen dürfte. — Grünberg, 23. Dez. Nachdem erst vor wenigen Wochen der zweite Geistliche unserer Stadt, Pfarrer Koch, vom Tode dahingerafft wurde, hat die Gemeinde nunmehr auch das Hinscheiden des ersten Geistlichen, des Kirchenrats Pullmann, zu beklagen, lieber 40 Jahre hat der Verblichene zuerst als Milprediger und Rektor der ersten Knabenklasse, dann als zweiter und zuletzt als erster Pfarrer hier gewirkt. Mit Rücksicht auf sein hohes Alter und seine geschwächte Gesundheit legte er im Frühjahr das Amt des Dekans nieder und mußte sich auch im Pfarramt durch einen Vikar vertreten lassen. Nun ist der allezeit thätige, weithin bekannte und allgemein beliebte 70jährige Greis zur ewigen Ruhe eingegangen. § Ober • Mörlen, 23. Dez. Der von hier gebürtige Dr. tlieol. Schmidt ist nunmehr mit Versetzung der Assistentenstelle am bischöflichen Seminar in Mainz betraut worden. — Sicherem Vernehmen nach haben auch die Grundbesitzer im nahen Fauerbach v. d. H. die Absicht, Feldbereinigung eintreten zu lassen, da man sich von den großen wirtschaftlichen Vorteilen eines solchen Unternehmens .wohl überzeugt hat. Darmstadt, 22. Dez. Wie die „Darmst. Ztg." sicher vernimmt, sollen verschiedene der im vergangenen Jahre vom hessischen Staat erworbenen vormals Für st l. Isen burg- Birstein's chen Besitzungen in der Gemarkung Offenbach am Montag den 30. Dezember d. I. beim Ortsgericht Offenbach einer einmaligen öffentlichen Berste igerung ausgesetzt werden. Abgesehen von einigen Feldgrundstücken und Bauplätzen erstreckt sich die Versteigerung auch auf das vormals Fürstlich Jsenburgische Palais (sogen. Fürstliches Haus) an der Frankfurterstraße zu Offenbach. Da die Landstände ihre Zustimmung zum Verkauf bereits erteilt haben, wird bei annehmbaren Geboten am Schluffe der Versteigerung voraussichtlich der Zuschlag alsbald erteilt werden. Erwähnung verdient noch, daß iiach landständischem Beschluß aus dem Kauferlös des Fürstlichen Hauses 100000 Mk. als Baufonds für das alte Isenburger Schloß am Main reserviert werden sollen. Das letztere bleibt selbstverständlich tm Eigentum des hessischen Staats, der der 9ieftaurierung nunmehr in Bälde näher treten wird. Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Aenderung der Postordnung. Die Postordnung hat eine lange Reihe von Steuerungen erfahren, die mit dem 1. Januar in Kraft treten. Die wichtigsten sind die folgenden: Bei Warenproben kann von der doppelten Verpackung abgesehen werden bei Kästchen aus starker Wellpappe, wenn sämtliche Zwischenräume mit aufsaugenden Stoffen angefüllt und die Fläschchen pcher verschlossen sind, sowie wenn, bei Vereinigung mehrerer Fläschchen zu einer Sendung, jedes Fläschchen mit einer besonderen Umhüllung von Wellpappe verseheri ist. — Bei gleichzeitiger Abtragung mehrerer Eilsendungen durch denselben Boten an denselben Empfänger wird, wenn die Zahlung des Botenlohnes dem Empfänger überlassen ist, der Botenlohn bei Briefsendungen für eine der Sendungen zum vollen Betrage und für die anderen mit je 10 Pfg., bei Packeten aber für jedes Packet mindestens der Betrag von 40 Pfg. erhoben. Sind mit Eilbriefsendungen zugleich Eil- packete abzutragen, so koinmen die Botenlohnsätze für Packele und außerdem für jede Briefsendung der Satz von 10 Pfg. in Anwen- dun. — Briefe mit Zustellungsurkunde müssen verschlossen und au der Ausschriftseite mit der Angabe von Namen und Wohnort des Absenders handschriftlich oder durch Stempeldruck usw. versehen sein. — Für Briefe mit Zustellungsurkunde werden erhoben: 1. das gewöhnliche Briefporto; 2. eine Zustellungsgebichr von 20 Pfg.: 3. das Porto von 10 Pfg. für die Rücksendung der Zustellungs- urkunde. Tie Beträge zu 1 bis 3 müssen sämtlich entweder vom Absender sogleich bei der Einlieserung oder vom Empianger bet der Aushändigung entrichtet werden. — Tie für Bewohner von ^andorlcn mit Posthilfstelle bestimmten gewöhnlichen Bneffendungen und Packete fönnen der Posthilfstelle zugeführt und entweder durch den Inhaber der Posthilfstelle abgetragen oder zur Abholung bereit gehalten lverden. — Vorausbezahlte Bestellgebühren werden nicht erstattet, wenn die Aushändigung der Sendung am Bestimmungsorte im Wege der Abholung erfolgt ist. — Drucksachen, Ge- chäslspapiere und Warenproben, die nach der Ortstaxe frannert ind, werden in den Fernverkehr nur auf ausdrücklichen Wunsch des Abfkpders oder des Empfängers nachgesendek. — Kann die Postanstalt am Aufgabeorte den Absender einer unbestellbaren oder von der Beförderung ausgeschlossenen Sendung nicht ermitteln, so wird die Sendung - than vor bem Gerichtshose und ben Geschworenen über bie litt der Blutspuren mit ben Sachverständigen unb ben, ^orsttzenben Herumstreiten zu sehen. Der Angeklagte wurde verschiedentlich von seinen Empfindungen überwältigt, als er Bruder, Schwest«, Onttt und sonstige Verwandte hervortreteu sah unb teils nut festen, teils mit schüchternen unb versagenden Stimmen erklären horte, ]tt hielten ihn der Lhat fiir unfähig, da er sich lederzett ab braver, unermüdlicher Arbeiter, liebevoller Vater, Gatte, Bruder und Lrohn erwiesen hätte und sogar der Stolz der Familie gewesen wäre. Tief ergreifend war besonders der Tloincnt, als die enizia über» lebende Tochter Brierres, die 15jährige Germaine, vor die schranken trat, auf die Knie sank und nei, ivahrend die hcroorquellenben Thräneu ihre Stimme beinahe erstickten: „Mein Bater ist unschuldig ; sprechen Sie ihn frei! Ich flehe *öic darum an. Der Blick Brierres in diesem Augenblicke zeugte von einer -tiefe der Empfindung, deren Eindruck sich selbst die Voreingenommensten' nicht zu entziehen vermochten. Zweien der Geschworenen rollten Helle Thronen bie Wangen herunter . . . Wenn man ahnen konnte, was in bem Hirne unb Herzen bieses Mann es mit den harten Zügen unb den brennenden Augen arbeitete und tobte ! Es wurden ben Geschworenen 30 Fragen vorgelegt, bie sie sämtlich bejahten. Brierre hörte bas Verbikt mit Ruhe an. Rach der Vertunbigung des Todesurteils sagte er zu den Geschworenen gewendet: Wohlan, meine Herren, ich versichere, daß i c einen U n s ch ul - bigen verurteilt haben. Brierre unterzeichnete den Ka„a- tionsantrag. Um Begnadigung will Brierre nicht nachsiichen, wett er den Tob der Zwangsarbeit vorzieht. Du überstrahlest alles Mit deinem Glanze! Wenn Schneegestöber wirbelt In lust'gem Tanze, Grüß' ich die Boten, Tie mich zum Christbaum führen Dem lichterroten. O Weihnachtszeit, du holde! Tu hauchest Leben Dem S8.ooen ein; er atmet, Und leise schweben Vom Reisgestände Aus Nacht und Frost die Engel Der Weihnachtssreude. Die Erde wird verwandelt; Tie Herzen schlagen So nicht von frohem Jubel An Frühlingstagen. In sel'gem Triebe Tie Menschen jauchzend feiern Tas Fest der Liebe. Ter Kinder reiner Glaube Füllt alle Herzen; Von Jilgeudglück erzählen Die Weihnachtskerzen. In süßem Traume Sieht sich verjüngt das Alter Am Weihnachtsbaume. Du wecktest einst die Erde Zu neuem Leben; Ter Menschheit bie Erlösung Hast du gegeben, Tie rechte Nichte; Die Welt hast du erleuchtet Mit deinem Lichte! O schöner Zeiten schönste! Im Jahreskreise Gleicht keine deinem Zauber! Es klingen leise Mir im Gemüte Die Zeiten, wo das Herz mir In Jugend glühte. August Ammann. Montag den 23. Dezember, abends 6 Uhr, entschlief nach kurzem, schwerm Leiden unser lieber Ältersgerwsse Karl Pimper. Wir verlieren in demselben einen aufrichtigen, treuen Freund unb Kollegen und werden ihm allezeit ein freunb- liches Andenken bewahren. Die Altersgenossen werden gebeten, sich bei der am 2. Feiertag, vormittags 11 Uhr, stattfindenden Beerdigung vollzählig zu beteiligen. I. A.: Emil Schmall. In der JohauucSktrche. Vormittags 9'/, Uhr: Professor D. DrewS. Deichte und heil. Abendmahl für Lukas- und JohanneSgemeinde Anmeldungen vorher bei bem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Nachmittags 5 Uhr: Siehe Stadlkirche. Nach sämtlichen Gottesdiensten wird eine Kollekte für die Armen erhoben werden. Freitag ben 27.. Dezember, abends 8 Uhr, im Konfir- tnanbenjaal: Weihnachtsfeier der Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthäusgemeindc. Katholische Gemeinde. Dienstag ben 24. Dezember. Nachmittags um 5 Uhr unb abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beicht. M i 11 w o cf) den 25. Dezember. Weihnachtsfest. Vormittags von 5 Uhr an: ^Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 5 Uhr: Christ mette. „ 6 und 7 Uhr: Heil. Messen. In der Christmette und in jeder hl. Messe wird die heil. Kommunion ausgeteilt. Vormittags um 8 Uhr: Heil. Messe. Militärgottesdienst m. Predigt. „ um 9'/, Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2*/s Uhr: Fest-Andacht mit Segen. Nachmittags um 5 Uhr unb abends um 8 Uhr ist Gelegenheit zur heil. Beicht. Donnerstag den 26. Dezember. Fest des heil. Llephauus. Vormittags von 61/- Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht. „ um 7 Uhr: Die erste heil. Meße; vor unb in derselben Austeilung der heil. Kommunion „ um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. Militärgottesdieu!:. „ um 91/, Uhr: Hochamt. Nachmittags um 2'/, Uhr: Andacht. Männer-Turnverein liessen. Hierdurch die traurige Mit- tettung von dem Ableben unseres langjährigen treuen Mitgliedes ßmn Karl Pimper Schneidermeister. Die Beerdigung findet Donnerstag den 26. Dezbr., vormittags 11 Uhr, statt unb bitten wir um zahlreiche Beteiligung unserer Mitglieder. 8368 Der Vorstand. 817UJ Gute Harzer Manarun-« fäuger verkauft Frau Ernst Koch W»ve., Tiezstraße 7, II. Brennholz Trockenes, schwaches tannen - Knüppelholz zu Brennholz gut geeignet, verkaufen in Wagenladungen Gebr. 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Lebensjahr in ein besseres Jenseits abzurufen« Die trauernden Hinterbliebenen 8357 Grün berg, am 22. Dezember 1901 Die Beerdigung findet Mittwoch den 25. Dezember, nachmittags 7*3 Uhr, statt. L- Giessen, den 23. Dezember 190L Die Beerdigung findet Donnerstag den 26. Dezember, vormittags 11 Uhr, von der neuen Klinik aus statt 8373 bei 8300 Gießen, den 23. Dezember 1901. 05105 1 ■4? V»- Lina Fullmann, geb. Heusler. Anna Weissgerber, geb. Pullmann. Elisabeth Röschen, geb. Pullmann. Erna Brussatis. August Röschen, Professor. Martin Fullmann, Lehrer. Dr. Heinrich Fullmann, Arzt. Ernst Balser 11 Mänsburg 11. Allein-Verkauf und Niederlage von Edler & Krische Hannover Die Beerdigung findet am 2. Feiertage, nachmittags V24 Uhr, vom Sterbehause, Ludrvigstraße 46, aus statt. Die Beerdigung findet am 1. Feiertage, nachmittags 21 /3 Uhr, in Klein-Linden vom Sterbehause, Lützellindenergasse, aus statt. 05107 Zur Pflege E Mundes i‘,b Zähne Für die trauernden Hinterbliebenen: J, Schädel. 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Schmidt C Kaufmännische Drucksachen. txIlfbHckr Die biat zeig den und ¥ vcei Re! i Ad S Fer es 801 Dri fM leh' in des Kri Der leih Jal Zal 9« Äc lief Bo: den ver Nic zwi Gei die me: MI Lick eig Yo UI des tari gewü vW als kör gehl Pos daß Zol tigst Sol Vor roeii ma ft in tarif hier Pro geg' Red schei run könr Es nah urte Ver als aller bet ung Kai folge Miss, Aller die (j Mitb versto serve, schwer schule, T'v 8 hhter Unter ^uf bevox is ft. ^slide