Nr. 225 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Mittwoch 25. September 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siebener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit oem .Hess. Landwirt* und den ^Blattern sür hessische Volkskunde* viermal wöchentlich beigelegt. -iedaktron, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adreffe für Depeschen: «u-etger Gießen. FernsprechanschlußNr.bl. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v '** Amts- und Anzeigeblatt für den ttreis Gießen Annahme von Anzeige» zu der für den folgenden. Lag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pf» auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Unioersitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; sür den Anzeigenteil: Hans Beck. Nach der Zareureise. Ter Zarenbesuch in Frankreich ist nun auch ein Stück Vergangenheit, wie die Monarchen-Entrevue aus der Danziger Rhede. Nicht nur in Frankreich, sondern auch in Deutschland darf man auch heute noch mit Befriedigung auf bett Besuch des mächtigen nordischen Herrschers zurück- blicken, dem wir Hessen unsere besondere Sympathie entgegenbringen, weil er der Schwager unseres verehrten Landesfürsten ist. Es erfüllt uns mit besonderer Freude, wenn wir hören, daß der junge russische Kaiser sich durch seine persönliche Liebenswürdigkeit bie Herzen aller derer zu erobern vermochte, die jetzt seiner Gesellschaft teilhaftig wurden, sei es jenseits der Vogesen oder oberhalb der Weichselmündung. Wir haben erfahren, daß er an Stattlichkeit und blühenden: Aeußeren zugenommen hat, und namentlich erfreulich für uns Hessen ist es, daß er auch auf dieser strapaziösen Reise mit rührender Hingebung sich so viel als möglich seiner Gemahlin widmete und es sich, wie verschiedene Berichte versichern, nicht nehmen ließ, ihr unausgesetzt die mannigfaltigsten kleinen Dienste zu erweisen, ja daß er mit schier eifersüchtiger Umsicht es nicht zuließ, daß andere, und wenn es auch noch so hochstehende Würdenträger waren, ihr diese oder jene kleinen Hilfeleistungen zu teil werden ließen. Bedauern aber müssen wir, daß das hohe Paar auf seiner diesjährigen Reise die Hcruptstabt unseres Gvoßherzogtums nicht berührt hat; aus welchem Grunde dieser Besuch unterblieb, ist nicht bekannt geworden. Doch persönliche Empfindungen treten in den Hintergrund gegenüber den großen politischen Gesichtspunkten. Die Vermehrung und Festigung der Friedensgarantien, die ausdrückliche Versicherung der friedlichen Absichten der verbündeten Länder, ist, wie der Zar sehr richtig sagte, ein wertvolles Element der Beruhigung für die gesamte Menschf- heit. Freilich gerade in Frankreich giebt es nicht wenig Leute, die sich zu der vom Zaren erwähnten „gesamten Menschheit" nicht rechnen dürfen. Die revanchelüsternen Nationalisten und Chauvinisten werden nicht besonders erbaut sein von manchen Worten des Abschied nehmenden Zaren. Und obendrein ist den Parisern durch das Fernbleiben des Zaren von ihrer Hauptstadt ein Wermutstropfen in den Freudenbecher gefallen; die Franzosen im allgemeinen aber können sich mit dem Bewußtsein trösten, daß auch die Provinz einen würdigen Rahmen sür die Zarenfeste geboten bat, und daß in Dünkirchen, Compiegne und Reims die mise-en-scene, in der sie ja Meister sind, immerhin noch um ein gutes Teil glänzender und reizvoller war, als auf der Danziger Rhede, wo statt der schwungvollen Ansprachen, der Huldigunasdeputationen, und statt des Jubels enthusiasmierter Volksmassen nur das knappe Kommando unserer Seeoffiziere und das martialische Hurra unserer Matrosen dem hohen Gaste entgegenscholl, und tvo statt der Ehrenpforten und Triumphbogen die eisernen Leiber unserer Panzer und die schwarzen Schlote unserer Torpedoboote emporragten. Den Ruhm, in dieser Hinsicht die Palme errungen und den Ruf edler, herzerfreuender Gastlichkeit, auf den la belle France so lange schon stolz sein darf, auch diesmal wieder behauptet zu haben, wollen wir unseren westlichen Nachbarn um so bereitwilliger gönnen, je weniger es dem objektiven Beurteiler zweifelhaft sein kann, daß an politischer Bedeutung die Entrevue von Danzig, bei der die festlichen Arrangements im knappsten Rahmen gehalten waren, und von deren Einzelheiten die Welt so gut wie nichts erfahren hat, das Beisammensein des Zaren mit dem Präsidenten Loubet und der ganzen Schar hoher und höchster Tig- nitäre der französischen Revublik doch überragt. In Compiegne fanden die leitenden Männer des Zweibundes Gelegenheit, in vertraulicher, mündlicher Aussprache über die Weltlage sich zu unterhalten; innerhalb der west-östlichen Allianz aber ist, wie selbst von französischer Seite wohl oder übel anerkannt und zugestanden wird, in allen hochpolitischen Fragen Rußland der willenskräftigere und, daher auch der führende Teil. Es konnte daher niemand darüber im Unklaren sein, daß in Compiegne bei der Aussprache der beiden Verbündeten, des gekrönten und des ungekrönten Staatsoberhauptes, und bei den Verhandlungen ihrer obersten Berater, über die Fragen der hohen Politik, d:e Direktiven von russischer Seite gegeben werden würden. Kam Nikolaus II. von Danzig mit andauernd friedlichen Dispositionen nach Compiegne, hatte er sich zuvor mit seinen: kaiserlichen Verwandten über die schwebenden Fragen verständigt, so durfte die Geneigtheit ber französischen Machthaber, die politischen Resultate der Danziger Revue zu acceptieren und ihr Verhalten mit demjenigen Rußlands in Einklang zu bringen, von vornherein als gesichert gelten. Tie politischen Konzessionen, die der Zar dem französischen Freunde und Verbündeten etwa gemacht haben mag, um ihn in guter Stimmung, vor allem aber den Anleihewünschen des Herrn v. Witte gegenüber die Gebelaune zu erhalten, konnten offenbar nur Nebendinge betreffen, an eine Aenderung der Grundlinien der russischen Politik war nimmermehr zu denken. Wesentlich anders lagen die Dinge in Danzig. Auf der dortigen Rhede trafen nicht zwei Alliierte, sondern die Repräsentanten zweier verschieoener Staatengruppen, die gekrönten Oberhäupter der leitenden Mächte des Zwei- und des Dreibundes, zusammen, denn wenn Deutschland in der Tripelallianz auch nicht eine so dominierende Stellung einnimmt, wie Rußland in der west-östlichen Kombination, so wird man doch selbst in Wien und in Rom kaum Be- benken tragen, ihm in den Dreibundsangelegenheiten eine Art Führerrolle zu vindizieren. Barg also dte nächste und nähere Zukunft Fragen, die den kontinentalen Großmächten zu einer gegensätzlichen Stellungnahme Anlaß geben konnten, in ihrem Schpße, so war mit der Gefahr, daß diese Interessengegensätze bei den Danziger Besprechungen: bereits in die Erscheinung traten, daß im Laufe derselben Meinungsverschiedenheiten sich geltend machten, die den vorausschjauenden Staatslenker und den friedliebenden Diplomaten mit banger Sorge erfüllen mußten, immerhin zu rechnen. Mit Spannung harrte denn cnuh ganz Europa irgend einer Meldung über den Verlauf ber Entrevue, der eine symptomatische Bedeutung beizumessen war. Allein Toaste unb Anspracljen, aus denen der Konjekturalpolitiker irgend welche Schliesse hätte ziehen können, wurden an Bord der beiden kaiserlichen Yachten nicht gehalten, und der offiziöse Telegraph beschränkte sich streng auf die bloße Registrierung minder belangreicher Äußerlichkeiten. Um so größer war allerwarts die Genugtuung, als am Tage nach der Abreise des hohen Gastes unser Kaiser selbst das Schweigen brach und bei seinem Einzuge in Danzig laut und öffennich die deutsch-russische Waffenbrüderschaft verkündete. Wenn zwei Monarchen, die über so gewaltige Machtmittel verfügen, wie der deutsche Kaiser und der russische Zar, für bie Ruhe des Weltteils sich verbürgen, und wer den Trinkspruch, ben Nikolaus II. zum Abschied Frankreich widmete, recht zu deuten weiß, w:rd dem letzten Phrasenschwall nicht besondere Bedeutung beimessen, so überschwänglich er auch klingt. So ganz ernsthaft zu nehmen ist er wohl doch nutzt. Jedenfalls aber machen selbst die französischen Chauvinisten kein Hehl daraus, daß auf Verwicklungen, die zu einer Umgestaltung des territorialen Status quo führen könnten, auf Jahre hinaus nich^ zu rechnen sei, daß Frankreich, durch das Friebensgebot seines mächtigen Alliierten im Schach gehalten werde und mit dieser Sachlage unbedingt zu rechnen habe. Sie sind vielleicht die Einzigen, denen die Friedenskunde nicht willkommen ist. Der sozialdemokratische Parteitag hat, wie wir bereits in unserer gestrigen Nummer kurz meldeten, seinen Anfang genommen. Er findet diesmal bekanntlich in Lübeck statt. Die ersten Verhanblungen gingen ja, nach den vorlregenden Berichten, ziemlich glatt von statten, vielleicht aber wird es noch zu sehr heftigen prinzipiellen Auseinandersetzungen bei der vielleicht nicht un- ntöglichen großen Debatte über die Parteitaktik und die „Bernsteinerei" komme::. Man rechnet diesmal auch auf eine dreitägige Gewerkschaftsdevatte, die ihren Ausgangspunkt in der Erörterung des Streitpunktes über die Hamburger Akkordmaurer nehmen wird. Der Kampf zwischen den Gewerkschaftlern, deren Führer namentlich die Ham- burger v. Elm und Legien sind, und der rein politischen Richtung ist sehr alt. Die Gewerkschaften wurden früher von der Parteileitung sehr stiefmüttcrltch behandelt. — So lange der Lasallesche Glaubenssatz von dem „ehernen Lohngesetz" iw der Partei Geltung hatte, bezeichnete man bie Bestrebungen, mit Hilfe der Gewerflchaftsorganisation auf die Lebenshaltung der Arbeiter einzuwirken, geringschätzig als „Palliativmittelchen", die nur geeignet wären, die „Entwicklung" aufzuhalten. Neuerdings hat nun aber bekanntlich die Gewerkschaftsbewegung eine wesentliche Unterstützung erhalten ourch Eduard Bernstein, der an Stelle des Wirkens für den utopischen Zukunftsstaat, oder wie Auer in Hannover höhnte, an die Stelle des an der Fahnenstange gleich einer Leberwurst; bammelnden „zielbewußten Endziels" die Gegenwartsarbeit setzen will. Ter Parteitag erhält seine Bedeutung dadurch, daß diesmal Eduard Bernstein persönlich eingreifen wird. Er hat sich in Karlsruhe ein Mandat verschafft und gedenkt aus ber Verteidigungsstellung zum Angriff überzugehen. Dadurch wird die diesmalige Debatte einen mehr als theoretischen Wert erhalten und gewissermaßen eine Kraftvrobe zwischen den beiden Richtungen sein: den sog. „Intellektuellen" unter Führung von Cduarb Bernstein, Wolfgang Heine und Schippel und denen, die sich um Stadthagen, Zubeil, Lede- bour und Hoffmann scharen. Zur letzteren Gruppe zählen auch die Damen der Partei, die Genossin Dr. Rosa Luxemburg und Frau Klara Zetkin. Eine ganze Reihe von Anträgen fordert ziemlich unzweideutig, den Genossen Bernstein mit seinem Anhang „hinaussliegen" zu lassen. Die Genossen des Ledebourjchen Wahlkreises (Berlin 6) beantragen: „Ter Parteitag miß^- billigt die Art der Agitation, wie dieselbe von Seiten des Genossen Bernstein betrieben wird, da dadurch unsere Ziele vollständig unklar werden." Noch schärfer aber ist die Resolution der Genossen von Berlin „©üboft", wo Adolf Hoffmann die Führung hat. Sie besagt: „Tie Parteigenossen des 4. Berliner Wahlkreises (Südost) sprechen die bestimmte Erwartung aus, daß der Parteitag zu Lübeck den neuesten Bestrebungen des Genossen Bernstein, den im Erfurter Programm der Partei festgelegten Grundsätzen die wissenschaftliche Basis zu entziehen, entschieden und unzweideutig gegenüber Stellung nimmt und die Art, wie derselbe Verwirrung und Uneinigkeit in die Reihen des kämpfenden Proletariats hineinträgt, mißbilligt. Tie Versammlung ist ber Ansicht, daß die wirtschaftliche und politische Lage schwere Kämpfe heraufbeschwören, die alle Kräfte der Sozialdemokratie zum geeinten Vorgehen gegen die Mächte der Reaktion erfordern, und verlangt von allen Parteigenossen, daß sie s:ch bei: nach eingehender Diskussion auf den seftgelegten Grundsätzen süaen, Revisionsbestrebungen in der Partei selbst und auf den Parteitagen anregen, nicht aber in das Lager der Gegner tragen und so den thätigen Genossen die Agitationsarbeit erschweren und die Partei schädigen." Auch der Thüringer Parteitag wünscht eine Zurückweisung der Revisionsbestrebungen Bernstems. Dazu kommt noch ein Antrag der Genossin Dr. Luxemburg, welche verlangt, daß die sozialdemokratischen Abgeordneten in den deutschen Landtagen verpflichtet werden solle'- in der Gesamtabstimmung gegen das Budget zu sti en. Von den weiteren 90 Anträge der der Genossen von Halberstadt unb Kalbe-Aschersleben zu nennen, welche erwarten, daß die Reichstagsftaktion unter Hinweis auf das Gumbinner Urteil die Abschaffung der Todesstrafe, und die Beseitigung der Militärjustiz, außer für Disziplinar- fälle, fordern werde. Gegen die Gewerkschaftsverbände richtet sich folgender Resolutionsantrag der Genossen von Berlin 4: „Der Parteitag hat die gewerkschaftlichen Zentralverbände zu verpflichten, die Beihilfe des Parteitages verwirklichen zu helfen, damit nicht, tote es in letzter Zeit teilweise geschehen ist, die Institutionen der Partei bekämpft werben und in den gewerkschaftlichen Organen die noch nicht aufgeklärten Arbetter der Partei entftemdet werden." Lübeck, 22. September. Um sieben Uhr abends war die weite Halle des Lübecker Vereinshauses so ziemlich bis auf den letzten Platz gefüllt. Etwa 2—3000 Personen mögen anwesend sein. Neben Bebel, Auer, Singer, Stadthagen u. s. w. sind Bernstein und sein Antipode Kautsky erschienen. Schwarz-Lübeck begrüßt die Delegierten. Bebel dankt für die Begrüßung. Lübeck sei zwar kein parteihistorischer, aber doch eminent historischer Boden. Hier in Lübeck hat das Bürgertum zum ersten Mal das; Fürstenjoch abgeschüttelt, ohne freilich die Klassenherrschaft der Patrizier ab werfen zu könnet:. Dieses Patriziat blieb auch in der Reformation katholisch gegenüber bem protestantischen Volke, es hat seine Macht bis heute erholtem Es ist den Lübecker Genossen noch heute nicht gelungen, in der BürgerscArft der Stadt Fuiß zu fassen, und für die Gesinnung der Lübecker Patrizier zeugt ja schon das eine Wort: Streikpoftenverbot. Dennoch ist Lübeck eine Hochburg der Sozialdemokratie geworden. Es entsandte schon 1891 Schwarz in den Reichstag, ging 1893 freilich noch einmal verloren, wurde aber 1898 wieder gewonnen und wird nicht mehr verloren gehen. Leise stzreist Bebel die Zwistigkeitet: in der Partei. Es gebe einige Fragen von heikler Natur zu verhandeln. Aber es möge jeder nur nach bestem Gewissen reden, so würde der Parteitag doch ersprießlich verlausen. Auf Noltens Antrag beschließt man durch Akklamation, Singer und Schwarz das Präsidium zu übertragen. Singer dankt für sich und Schwarz und läßt ein Hoch auf die Sozialdemokratie ausbringen. Zur gedruckten Tagesordnung fügt Singer einen neunten Punkt hinzu, den der Vorstand inzwischen beschlossen hat, einzuschieben: Zolltarif und Handelsverträge, Referent Bebel. Dann erklärt Singer weiter: der Antrag, über die Parteipresse in geschlossener Sitzung zu verhandeln, solle sich nur auf die finanzielle Seite beziehen, keineswegs aber auf die Erörterung über Haltung und Leitung der Presse. Das letztere solle vielmehr wie immer öffentlich verhandelt werden. Dr. Quark-Frankfurt bekämpft die Ansetzung geschlossener Sitzuqjgen überhaupt, solange der Fraktionsvor- stand deren Notwendigkeit nicht begründe. Jr: jedem Falle werde dadurch ein Präjudiz geschaffen. Schwere Kämpfe hätten in der Partei schon früher stattgesunden und könnten wieder stattfinden, deren Vorkommen aber könne sehr wohl einmal verleiten, dieses Präjudiz einmal zu mißbrauchen. Man solle sich doch an die wenig schönen Streitigkeiten z. B. zwischen. Lassalleanern und Gothaern erinnern. An gewissen idealistischen Grundforderungen dürfe nun einmal nicht gerüttelt werden. Bebel: Dr. Ouarck habe an ben Idealismus dev Partei appelliert, der in Gefahr sei, untergraben zu werden. Dann hätte die Partei früher unter dem Sozialistengesetz also keinen Jdealtsmus gehabt, denn damals mußte sie geheim verhandeln. Ein Präjudiz sei nie gefährlich, denn jeder Parteitag könne in jedem Augenblicke beschließen, was er wolle. Frau Dr. Luxemburg hat mit Ueberraschung gelesen, wie der Parteivorstano in jugendlichem Uebermute ein neues Verfahren oktroyieren (Oho!) wolle. Bebel habe sie nicht überzeugt. Der schönste Augenblick jedes Parteitages sei, wenn Singer am Schlüsse sage: Man zeige mir die Partei, die solche heftigen Kämpfe tote wir öffentlich ausftcht! Um diesen Genuß solle man doch Singer und den Parteitag nicht bringen! Nach übermäßig ausgedehnter Diskussion nimmt die Majorität den Antrag auf teilweisen Ausschluß der Oeffent- lichkeit, nämlich für die finanzielle Seite der Preßfrage, an. Auf Antrag bes Vorstandes soll die Hamburger Akkord'm aurerfraae als besonderer Punkt der Tagesordnung behandelt werden, mit Auer und Bömelburg als Referenten. , , Die Debatte darüber verschärft sich durch Ausfälle von Silberschmidt, den der Vorsitzende ermaffnen muß, nicht in die materielle Debatte der Frage einzutreten. Nach fast einstündiger Debatte über die Frage, ob Auer Referent ober Korreferent sein sott, beschließt der Parteitag das letztere, Bömelburg soll Referent sein. Tie Krise will Südekum nicht mit dem Zolltarif zusan:men, sondern als besonderen Punkt behandelt wissen. Bebel bekämpft das. Der Parteitag schließt sich Bevels, Meinung an und geht dann endlich zum letzteren Teile des heutigen Programms über. Am Nachmittag entspann sich eine lange Polen - debatte, die schließlich durch Uebergehen zur Tagesordnung unter den Tisch siel. Sodann begannen die Verhandlungen über die Par Leip resse. Der Redakteur des „Vorwärts", Dr. Gradnauer, antwortete zuerst Bebel auf dessen gestrige Angriffe gegen das Organ. Bebel nahm den Kampf sofort auf. Mit dem ganzen Sturme seines Temperaments geht er mit dem Zentralorgan ins Gericht. Was er der Redaktion am meisten vorwirft, ist ihre Laschheit gegenüber Bernstein. Da diese Frage Buch, also hier ,bic Kritik — so solle man es halten. gegen Deutschland und dessen Kaiser zu Hetzen. gutgemeinte Grobheit verübeln dürfe. Aus Stadt und Land MW Gießener Anzeiger Oktober November Dezember das ältefte und vcrbrcttcVc Blatt Obcrbeffms und der umliegenden Bebtete/ für die Monate Bestellen Sie gest- fofort bei unterer Expedition/ Schulstraße 7 / den Crägcm oder Iweigftellen oder bei der kost den Gießen, 24. September 1901. •* Militärdieustuachrichteu. Zu Oberleutnants wurden befördert die Leutnants der Reserve im Jnf.-Reg. Nr. 116 Politische Tagesschau. Nach den Flascheumachern die Tabakarbeiter. Aus Berlin wird geschrieben: klärung in den sozialdentokratischen Blättern gewiß lesen. .Die armen Flaschenmacher sind recht übel dran; sie müssen I noch 14 Tage hungern, denn die Arbeiten in den Glasfabriken I können wegen technischer Schwierigkeiten selbstverständlich erst nach zwei Wochen ausgenommen werden. Es ist ferner auch mir natürlich, daß die Glasindustriellen die Haupthetzer nicht! ^geschminkter Ausdrucksweise, was den Ton der Diskussion so urkräftig und deutlich macht. Eine große Anzahl von Sozialdemokraten steht untereinander auf dem Duzfuße. Unseres Erachtens fördert diese schöne Vertraulichkeit sehr beträchtlich das Bewußtsein, daß es nicht nötig sei, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, und daß der Freund und Bruder keine Emele, Handwerkskammersekretär Engelbach zu Darmstadt, Realgymnasiallehrer Kahl und Architekt Schermann zu Darmstadt; über Genossenschaftswesen, Hilfskassen und Volkswirtschaft: Reallehrer Emele, Handwerkskammersekretär Engel- Schierholz und Schürz. *• Vorträge in den Ortsgewerbevereinen. Auch im kommenden Winter stellt die Großh. Zentralstelle sür die Ge- Itrirb fortgesetzt. Der Beschluß über drei besonders interesiante Punkte, nämlich Agitation, Litteratur und Prcsie, in geschlossener Sitzung zu diskutieren, wird zweifellos dem sozialdemokratischen Parteitage viel von seinem pikanten Reiz nehmen. Einigermaßen überraschend ist die große Majorität, womit der Llntrag auf Ausschluß der Oeffentlichkeit zur Annahme .gelangte. Man hatte, da es sich doch um Durchlöcherung eines „Prinzips" bei dieser sonst so prinzipienfesten Partei ^handelt, einen weit stärkeren Widerspruch erwartet. — Dr. Quarck verwies auf die „üblen Konsequenzen" der ge- Wie die Flaschenmacher ihren Streik verloren haben, so werdsn auch in wenigen Tagen die Tabakarbeiter Nordhausens sich für besiegt erklären müssen. Die ganze sozialdemokratische I Arbeiterschaft Deutschlands hatte zwar durch Beschlüsse in den Versaminlungen den Streik der Nordhäuser Tabakarbeiter zu einer Parteisache gemacht, aber bei den Beschlüssen war es geblieben, Geld nicht in genügender Menge gekommen und der von der Berliner Gewertschastskommission verhängte Boykott über Nordhäuser Tabakfabrikate erwies sich als ein Schlag ins Wasser. Die Genossen kehrten sich nicht an den Boykott und rauchten vergnügt Nordhäuser Fabrikate weiter. Selbst . , „ in sozialdemokratischen Konsumgenossenschaftsläden sind viele werbe wieder eine ganze Reihe von Vorträgen geeigneter Wochen nach dem verhängten Boykott die Nordhäuser Fab-1 Kräfte den Ortsgewerbevereinen zur Verfügung. So haben rikate weiter verkauft worden. Die Kommission der Tabak- sich bereit ecklärt zu sprechen: Ueber gewerbliches Unterrichtsarbeiter Berlins hält zwar, wie sie in einem Aufruf bemerkt, wesen und Lehrlingsprüfungen Prof. Brockmann zu Offen- den Nordhäuser Streik noch nicht für verloren. Aber noch I bach a. M., Reallehrer Emele zu Karlsruhe, Realgymnasial- nicht verloren heißt bereits vollständig verloren, und I lehrer Kahl zu Darmstadt, Dr. Meisel, Direktor der Gewerbe- nach wenigen Tagen werden wir eine derartige Er-1 schule zu Darmstadt, Gewerbeschulinspektor Meyer zu Darm- | ftabt, Gewerberat Wagner zu Darmstadt; über Organisation des Handwerks und gewerbliches Vereinswesen: Reallehrer mit den Kommissionen nicht mehr verhandeln zu können. Die Arbeiter müssen einzeln antreten und um Wiederbeschäf- tigung bitten. Bei der Firma Heye werden Mitglieder des freunde unteres Blattes bitten wir für weiter- Verbreitung des Meßener Anzeigers" durch freundliche Empfehlung }u wirken(Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet. schlossenen Sitzung. Das ist allerdings wohl möglich, daß dem ersten Schritt andere in derselben Richtung folgen werden. Immerhin bieten die Themen der öffentlichen Versammlungen noch Anlaß genug zu hitzigen Gefechten. Es ist vielleicht nicht so sehr das Bedürfnis nach gründlicher Aussprache oder die aus der Oppositionsstellung herrührende Gewohnheit un- Schmahnngeu auf Deutschland. In einer unglaublich rohen und zügellosen Sprache fällt das französische Blatt „L'Eclair" gelegentlich der Besprechung der Danziger Begegnung und des Falles Krosigk über Kaiser Wilhelm und Deutschland her. Da der „Eclair" die Herzlichkeit der Beziehungen zwischen den beiden Monarchen nicht wegzuleugnen vermag, sucht er wenigstens die politische Bedeutung der Danziger Zusammenkunft auf ein Mindestmaß I in den Augen seiner ftanzösischen Landsleute dadurch zu reduzieren, daß er von maßlosen Uebertreibungen deutscherseits spricht. Wie es aber in dem Deutschland zugehe, welches der in Frankreich so sehnsüchtig erwartete Zar auch mit seinem Besuch beehrt, und welcher Monarch an der , Spitze des Deutschen Reiches stehe, soll ein zweiter Artikel in derselben Nummer des „Eclair" zeigen. Es regnet eine Flut von persönlichen Beleidigungen auf Kaiser Wilhelm, welchen der Autor dieser nichtswürdigen Schmähungen, Camille Pelletan, nur „Kaiser Berlinois" oder „Kaiser de Berlin" nennt. — Wir hängen diese unqualifizierbaren Ausfälle des „Eclair" deshalb niedriger, weil man bei uns in letzter Zeit anläßlich einiger Höflichkeitsbezeigungen seitens hervorragender Franzosen sich der Hoffnung hingiebt, als seien in Frankreich die traurigen Politiker ausgestorben, welche sich ein Gewerbe daraus machen, wurde dafür von der Vereinskeitung folgendes Programm aufgestellt: Am Dienstag, 1. Oktober, soll abends 8 Uhr eine Sitzung des Vorstandes mit den Abgeordneten der Zweigvereine im Gasthaus „Zur Krone" stattfinden. Die Tagesordnung dafür lautet: 1) Geschäftliches. 2) Die Resolutionen für die Hauptversammlung. 3) Mitteilungen und Anträge aus den Zweigvereinen. 4y Wahl des Ortes für die nächste Landesversammlung. Am Mittwoch, 2. Oktober, tagen vormittags 8 Uhr die Vertrauensmänner des Hessischen Hilfsausschusses für die evangelische Bewegung in Oesterreich im Gasthaus „Zum Ochsen", um den Jahresbericht des Vorsitzenden, den Bericht des Preßausschjnsses und die Rechnungsablage entgegenzunehmen, über die vorliegenden Anträge zu beraten und den Vorstand für das nächste Jahr zu wählen. Um 10 Uhr beginnt in der Wvrr- städter Pfarrkirche oer Festgottesdienst, dessen Festprediger Pfarrer Rückert von Bedungen ist. Um halb 12 Uhr folgt barm die Hauptversammlung des Evangelischen Bundes im Gasthaus „Zum Ochsen" mit folgender Tagesordnung: 1) Eröffnung und Begrüßungen. 2) Jahresbericht- 3) Rechnungsablage. 4) Referat des Dekans Groschin Castel über römische Wiedertaufen in Hessen. Um 2 Uhr findet ein gemeinsames Mittagessen im Gasthaus „Zur Traube" und um 4 Uhr eine öffentliche Festversammlung ebendaselbst statt. Das hierfür aufgestellte Programm sieht vor: 1) Begrüßung durch den Vorsitzenden der Evangelischen Vereinigung Wörrstadt. 2) Vortrag von Pfarrer Dr. Weitbrecht in Wimpfen a. N. über „Römische Toleranz". 3) Ansprache von Pfarrer Loos in Groß-Umstadt über die evangelische Bewegung in Böhmen. 4) Ansprache von Pfarrer Wolf in Rumpenheim übex die evangelische Bewegung in Steier- ntarT. Musikalische Vorträge und gemeinsame Gesänge werden außerdem die Feier verschönen. — Bemerkt fei noch, daß Privatwohnungen durch? gütige Vermittelung des Pfarrers Reinhardt in Wörrstadt zur Verfügung stehen werden. Man wende sich deshalb bis spätestens 28. September an diesen. Dies gilt namentlich den Abgeordneten der Zweigvereine, sowie den Vertrauensmännern des Hessin scheu Hilfsausschusses, die bereits am Abend des 1. Oktober eintreffen. Tas Mittagessen, das trockene Gedeck, kostet 2 Mk. Anmeldungen hierzu werden ebenfalls bis zum 28. September an Pfarrer Reinhardt in Wörrstadt (Rheinhessen) erbeten. *♦ Hierher transportiert wurde der Schremer Martin Meyer von Hanau, der letzthin von der dortigen Strafkammer wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle und Betrugs zu 3 Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen verurtheilt worden war. M. hatte auch in Alsfeld Verein für Sozialpolitik. i. München, 23. September. Der Verein für Sozialpolitik begann seine diesjährige! Generalversammlung — sie tagt nur alle zwei Jahre —I heute abend in der „Jsarlust" mit einer zwanglosen, geselligen Vereinigung. Man sieht den diesjährigen Verhandlungen mit ganz besonderem Interesse entgegen. Werden doch zwei volle Tage den Verhandlungen über die Wirkung der gegenwärtigen und die Ziele der künftigen .Handelspolitik gewidmet. Hieran werden Männer aus den ver-l säftedenspen Parteilagern teilnehmen. Auch die Landwirt-! schäft hat hervorragende Vertreter geschickt. Zu der erwarteten Auseinandersetzung zwischen Geheimrat Professor! Dr. Adolf .Wagner aus Berlin, der eine Erhöhung der! Getreidezölle dringend empfiehlt — und dem Münchener I iProfessor Dr. Lujo Brentano, der eine Erhöhung aufs l heftigste bekämpft, wird es voraussichtlich nicht kommen,! da Geheimrat Wagner von seiner Reise im Kaukasus noch nicht zurück sein kann. Die Beteiligung von Gelehrten und Männern der Praxis ist sehr stark. Es sind erschienen der Inaktive Staatsminister Freiherr v. Berlepsch Professor Dr. iSchmoller (Berlin), Professor Dr. Sehring (Berlin), Professor Dr. Francke, der Herausgeber der „Sozialen Praxis" (Berlin), der bekannte Vorsitzende des Gesamtverbandes der Evangelischen Arbeitervereine Deutschlands Pfarrer Lic. >Weber (M.-Gladbach), Professor Dr. v- Philippovich (Wien), Professor Sombart (Breslau), Oberbürgermeister Dr. Zwei- ,gert (Essen), Overbürgermeister Beck (Mannheim), Ober-! bürgermeister Dr. Adickes (Frankfurt a. M.), Geh. Baurat Stübben (Köln), Landesrat Brandts (Düsseldorf), der Vorsitzende der Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinricht- ungen Professor Dr. Albrecht (Berlin), Professor Dr. Fuchs ^Freiburg i. B.) u- a. In der heutigen ersten Versammlung wurde Professor -Brentano zum ersten Vorsitzenden, der österreichische Sektionschef Jnama-Sternegg zum zweiten und Staatsminister ^Freiherr v. Berlepsch zum dritten Vorsitzenden gewählt. Professor Brentano leitete die Verhandlungen mit einem Vortrag über die Ziele des Vereins. Der Verein, sagte er hierbei, sei ein wissenschaftlicher, kein politischer Verein; man lasse jede Anschauung zum'Ausdruck kommen. Minister Frhr. v. Feilitzsch begrüßte die Versammlung im Namen der bayerischen Regierung, Bürgermeister Brunner im Namen der Staat München. Professor Schmoller gedachte der verstorbenen Mitglieder, insbesondere des Staatsministers v. Miquel. Hierauf wurden verschiedene Vorträge Uber die Wohnungsfrage gehalten. bach, Realgymnafiallehrer Kahl, Dr. Meisel, Otto Paech, Direktor der Genossenschaftsbank zu Frankfurt and das Schwert, in der anderen aber das ist eine alte Erfahrung, daß die Einzigen, die beim Buch, also hier die Krittk —. so solle man es halten. Stteik große Geschäfte machen, die Hauptagitatoren mit ihrer Nach BernMn spricht ganz vortrefflich WolfgangL, ... bf £ i. n e. Er bekennt sich selbst als Mann der Praxis. Des- -ououe ] n . ______ halb aber solle man dennoch die Theoretiker bei ihrer' Arbeit lassen und auch Bernstein nicht verketzern. Die Debatte Landwirtschaft 1885 beendeten em oder 119,4 Proz. und Ha. oder 29,8 Proz. und Ha. oder 11,3 Proz. und Ha. stellte sich stellte sich stellte sich Wetter September s s 8 1 2 2“ 924 + 22,5 + 14,4 + 13,6 65 99 97 23. 23. 24. 13,2 12,1 11,2 -5 2037 393 114 13 26 1584 209 73 9 10 742,9 743,7 743,1 bei Sommerweizen um 169 626 stellte sich auf 311 719 Ha., bei Sommerroggen um 40 303 stellte sich auf 175 611 Ha., bei Sommergerste um 188 709 stellte sich auf 1858 613 Ha., >b K ""55" 2 bei Hafer um 286 525 Ha. oder 7,0 Proz. und auf 4407 546 Ha., bei Kartoffeln um 97 693 Ha. oder 3,0 Proz. und auf 3315 851 Ha., bei Wiesen um 26 299 Ha. oder 0,4 Proz. und auf 5936 280 Ha., 1582 833 Hektar -j- Spelz 314 671 Hektar -j- Roggen 5 807 658 Hektar = 7 705162 Hektar gegenüber 8 318799, Hektar des Vorjahres. Die Gesamtabnähme der Brot- getreibcfläche beträgt demnach 7,4 Prozent. 9tach der hier vorgelcgten Anbau-Statistik stellt sich der bei der butschen Brotgetreide-Ernte in diesem 3afyre 3U erwartende Ausfall zwar als recht beträchtlich heraus, aber doch weniger erheblich, als ihn die von den Saatcnstands-Berichterstattern um die Mitte Mai angcstellte Schätzung der Auswintcrungs- und Umpflügcprozente annehmcn ließ. Sonnenschein bew. Himmel Sonnenschein bei Hopfen um 408 Ha. oder 1,1 Proz. und stellte sich au 37 599 Ha., bei Reben um 311 Ha. oder 0,3 Proz. und stellte sich au 119 560 Ha. Die Abnahmen bei den Wintergetreidearten, Winterraps und -Rübsen, Klee und Luzerne sind fast ausschließlich eine Folge der Frostschäden des vergangenen Winters. Die Neubestellung der umgepflügten Flächen mit Sommergetreide oder Kartoffeln vermehrte deren Anbau um zusammen + 782856 Hektar. Zwischen der bei der Winterung nach- gewicsenen Abnahme von — 851344 Hektar und der hier ausgewiesenen Zunahme von nur + 782 856 Hektar besteht noch eine Differenz von — 68 488 Hektar. In der Hauptsache werden jene — 68 488 Hektar mit Früchten bestellt worden sein, über welche die jährliche Anbaustatistik nicht berichtet, etwa mit: Futtermöhren, Futterrüben, Sommerrübsen, Mais, Futterhirse, Tobinambur, Lein, Dotter, Senf, Grauwicke und anderen Futterpflanzen, oder auch mit Zuckerrüben. Richtet man sein Augenmerk allein auf das Brotgetreide und faßt man Zu- und Abnahme bei Sommer- und Wintergetreide zusammen, so zeigt sich gegenüber dem Vorjahre bei Weizen eine Abnahme der Anbaufläche um — 465 051 Hektar oder — 22,7 Proz. der vorjährigen Fläche, bei Roggen eine solche um — 145 937 Hektar oder um — 2,5 Proz. Hierzu kommt noch der Spelz. Bei ihm zeigte sich infolge der Frostschäden eine Minderung ver Anbaufläche um — 2649 Hektar oder um — 0,8 Proz. Es stellt sich demnach in diesem Jahre die Brotgetreidefläche auf: Weizen die Preise für lsbera bei Der bleiben wird. te Darmstadt, 22. Sept. Bei der am 20. in den Darmstädter und Beffunger Waldungen stattgchabten Exkursion des heff. Forstvereins wurde in Gegenwart der Ministerialbehördc eine von dem Großh. Forstwart Stendal in Weickartshain erfundene Baum-Druckmaschine, die den Zweck hat, ungerodete Baumstämme nach einer bestimmten Richtung zu werfen, in Thattgkeit besichtigt. Die Maschine erregte wegen ihrer einfachen und praktischen Konstruktion und leichten Handhabung das allgemeine Interesse der Anwesenden. Es wurden Bäume verschiedener Stärke, in ebenem und unebenem Terrain, nur durch zwei Arbeiter mit geringem Kraftaufwand geworfen. Diese Baum-Druckmaschine, deren Anschaffungspreis gegenüber den Vorteilen, die sie gewährt, gering zu nennen ist, dürfte eine große Erleichterung für die Arbeiter bringen, sow'.e zur Verhütung von Unglücksfällen viel beitragen. Mit der Maschine kann man die Fallrichtung des zu fällenden Baumes in jedem Terrain bestimmen. Mainz, 21. Sept. Die General-Versammlung deS Alice-Frauenvereins für Krankenpflege fand gestern nachmittag hier unter dem Vorsitze der Prinzessin Viktoria statt. Auch Provinzialdirektor v. ®agern sowie Frau Staatsminister Rothe waren anwesend. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben: Der Verein besteht jetzt 31 Jahre. Die Zahl der Pflegerinnen des Vereins ist auf 18 gestiegen. Sie erfreuten sich in allen Kreisen der Bevölkerung der größten Achtung. Ihre Ausbildung ist unter der Leitung des Medizinalrats Dr. Reisinger im hiesigen Rochushospital erfolgt. Im abgelaufenen Jahre hatten die Pflegerinnen 4456 Tag- und Nachtpflege ausgeführt. Das Vermögen beläuft sich heute auf 111,144 Mk. Die Einnahmen beliefen sich im letzten Jahre auf 35,024 Mk., die Ausgaben auf 19,000 Mk., mithin ergibt sich ein Ueberschuß von 16,024 Mk. Einem längst gehegten Wunsche, ein eigenes Heim in Verbindung mit einem Krankenhause zu erbauen, steht jetzt nichts mehr im Wege. Sobald die Pläne genehmigt, wird in Verbindung mtt dem rothen Kreuz an die Errichtung des Baues herangetreten werden. Der bisherige Vorstand und die Revisoren wurden wieder gewählt. Den Pflegerinnen Frl. Eberhard, Hedderich und Schneider wurden durch die Prinzessin Viktoria Auszeichnungen und Diplome für ihre langjährige Thättgkeit überreicht, dann wurde die Generalversammlung geschlossen. — Die Wiederholung des großen Blumenfestes ist auf Mittwoch den 25. September, abends 7 Uhr, festgesetzt. Der Eintrittspreis ist ermäßigt. Es werden eine größere Anzahl von Sitzplätzen gegen eine mäßige Zuschlagsgebühr reserviert. Der Vorverkauf der Karten zum Blumenfest wurde gestern eröffnet. Mainz, 22. Sept. Großfürst Kyrill von Rußland ist heute nachmittag 6 Uhr 42 Min. nach Paris abgereist. Im Gefolge befindet sich Oberst Tatischeff. m. Aus dem Rheingau, 22. Sept. Welche enormen Preise für die seinen Rheingauer Kabinetweine bezahlt werden, dafür liefert der neueste Preiskourant der Flaschenweine des Fürstlich Metternich'schen Schlaffes Johannisberg einen sprechenden Beweis. Da ist verzeichnet 1893 er die Flasche, s/4 Liter, mit 80 Mk. Nächst diesem wertvollen Tropfen kommt ein 1886 er, für den ein Preis von 40 Mk. per Flasche angesetzt ist. Weiter folgen 1886 er und 1893 er zu 30 Mk., 1890 er und 1893 er zu 15 Mk., 1895 er zu 12 Mk. 1895 er zu 10 Mk., 1893 er und 1895 er zu 8 Mk. und 1892 er und 1895 er zu 6 Mk. Der billigste Flaschenwein von. Schloß Johannisberg mit Original-Ettquette, Siegel und Korkbrand kostet 4,50 Mk. Bei den alljährig auf dem Schloß Johannisberg stattfindenden Wcinversteigerungen kommen derarttge Weine nicht zum Ausgebot, vielmehr werden von den guten Jahrgängen immer die auserlesenen Sorten zurückbehalten, um wenn sie flaschenreif sind als Kabinetsweine'in der Flasche verkauft zu werden. *• Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Zum Leiter des Görlitzer Stadttheaters ist der Oberregisseur Brehm aus Mainz von Oktober 1902 ab gewählt worden. — Der Mainzer Weinhändler Gustav Hirsch, der in Konstanz, wo er zur Kur weilte, gestorben ist, hat der Stadt Mainz 100000 Mark für wohlthätige Zwecke vermacht. — Ein Fuhrwerksbesitzer von Züschen bei Battenberg war im Walde mit Berladen von Baumstämmen beschäftigt. Hierbei brach eine Winde, ein Baumstamm schlug zurüc und traf den Mann so unglücklich, daß er auf der Stelle tot blieb. — In Drommershausen bei Weilburg nahm sich der Bergmann Blank dadurch das Leben, daß er eine Dynamitpatrone in den" Mund steckte und sie anzündete. Der Kopf wurde ihm vom Rumpfe gerissen. — In Darmstadt ist der Stadtverordnete Heinrich Möser gestorben. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. bei einem Landwirt ein kurzes Debüt als Knecht gegeben, war nach seiner Entlastung nachts zurückgekehrt und in die Wohnung der Leute eingebrochen; es fielen ihm dabei zirka 1000 Mk. zur Beute. Diese That soll jetzt in Gießen abgeurteilt werden. -1- Heuchelheim, 23. Sept. In den Gemeinderat wurden gewählt: Ludwig Neidel, Landwirt, mtt 178 Stimmen, Heinrich Gilbert, Pumpenmacher, mit 174 Stimmen, Jakob Schleenbecker, Spenglermeister, mit 162 Stimmen. Die Wahl verlief äußerst ruhig. Die Bürgermeisterwahl, die ebenfalls vor der Thür steht, wird ein stürmischeres Bild zeigen. -f- Kirchgöus, 23. Sept. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr gingen zwei junge Leute, der eine im Alter von noch nicht 25 Jahren, auf die Jagd. Der hitzige Jagdhund des einen sprang vor. Der Schäferhund des unweit des Dorfes hütenden Schäfers lief ihm nach, worauf der junge Jägersmann seine Büchse anlegte und auf den Sohn des Schäfers, der seinen Hund zurückrufen wollte, Schüsse abgab, durch die dieser am Kopf und Arm verletzt wurde, jedenfalls nicht mit der Absicht, denselben zu verletzen. Dann schoß der Jäger auch auf den vorspringenden Schäferhund. Er schoß ihm das Bein entzwei, sodaß das Tier erschaffen werden mußte. — Eine schöne Sonntagsjagdbeute! — Der Schäfer kommt noch mtt einigen Schmerzen und bem Schreck davon, da die Verwundungen nicht gefährlich sind. Der eine Schuß traf ihn in der Nähe des Auges, das aber voraussichttich erhalten bestellen. Von dem Ohlauer Tabakbau wirb berichtet, daß der Anbau in diesem Jahre bedeutender gewesen ist als in den Vorjahren. Es wurde in dem zum Ohlauer Stadtbezirk gehörigen Gelände eine Fläche von 2060,15 Ar von 97 Tabakpflanzern bebaut. Die Ernte kann als eine gute Mittelernte bezeichnet werden. Anbauflächen der hauptsächlichsten Fruchtarten. In bem 3. Vierteljahrsheft zur Statistik bes Deutschen Reiches, 1901, werben bie „Anbauflächen ber hauptsächlichsten Fruchtarten im Juni 1901" für das Gebiet bes Deutschen Reiches nachgewiesen. Der 1901er Anbau nahm gegen bas Vorjahr ab: bei Winterweizen um 634 687 Ha. ober 33,3 Proz. unb stellte sich auf 1 271114 Ha., bei Winterroggen um 186 240 Ha. ober 3,2 Proz. und stellte sich auf 5 632 047 Ha., bei Winterspelz und -Emer um 2 649 Ha. oder 0,8 Proz. und [teilte sich auf 314 671 Ha., bei Klee um 2 341 Ha. oder 0,1 Proz. und stellte sich au: 1 806 115 Ha., bei Luzerne um 6 528 Ha. oder 2,8 Proz. und stellte sich auf 222 872 Ha., bei Winterraps- und -Rübsen um 18 909 Ha. ober 27,0 Proz. unb stellte sich auf 51185 Ha., nahm gegen bas Vorjahr zu: lanb" zusammen, wahrend sich eine große Anzahl Personen auf derselben befanden. Sechs Personen fielen ins Wasier, konnten aber gerettet werden. Bei der Rettung der Verunglückten zeichnete sich besonders der russische Marineleutnant Drakonoff aus, ber allein brei berselben in Sicherheit brachte. * Lonbon, 23. Sept. Wie ber „Globe" vernimmt, i't bie „Cobra" nicht burch einen Irrtum in ber Steuerung gesunken, ba burch Lvthungen bie Thalsache festgestellt würbe, baß bas Schiff auf sieben Faben Tiefe sank unb bort kein Felsen ober eine anbere gefährliche Stelle vorhanben ist. Tie Bergungsarbeiten werben leicht von statten gehen. • Kallünbborg (Seeland) 33. Sept. In der hie- igen Sägerei nnb Holzlagerei Aktiengesellschaft Kallündborg- Holzhanbel brach mittags eine große Feuersbrunst aus, bie, vom Winbe angefacht, sich über bie Stabt verbreitete unb gegen 2 Uhr mehrere Häuser ber Hauptstraße in Asche legte. Die Einwohner ber Stabt verließen ihre Wohnungen nnb schafften ihre Mobilien fort. Von Kopenhagen ist bereits eine Dampfspritze zur Hilfeleistung abgegangen. Um 3 Uhr würbe bie Telegraphen-, Telephon- unb Eisenbahn- verbinbung mit Kallünbborg abgebrochen, ba ber Bahnhof von ben Flammen ergriffen worben war. vermischtes. • Dünkirchen, 24. Sept. Im hiesigen Hafen brach die Lanbungsbrücke zu bem russischen Kreuzer „Sviet- 8E. Still NE. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. w. Friedberg, 21. Sept. Die hiesige Mtien-Zuckerfabrik „Wett er au" bat in ber letzten Campagne 931200 Ztr. Zuckerrüben von rd. 5000 Morgen verarbeitet. Ter DurchschmttSerttag betragt demnach 186 Ztr. für den Morgen. Diese Rübemnenge wurde m 89 Tagen verarbeitet. Es wurden barand gewonnen 102700 Ztr. erstes, 10340 Ztr. zweites Produkt und 23800 Ztt. Melasse. D> Erlös betrug hierfür pr. Zentner 11,30 Mk., 8,7f § Vom nördlichen Ausgang der Wetterau, 21. Sept. Ta es in der eigentlichen Wetterau wenig Obst, ast gar keine Aepfel gegeben hat, waren V" Aepfel gerade zwischen Wetterau und Vogelsberg bei kürzlich erfolgten Versteigerung sehr httch. In der Gemeinde Ortenberg wurde für Aepfel nur am Viehmarktplatz bie Summe von 3680 Mk. gelöst^ während in früheren Jahren durchschnittlich nur 2000 Mk. für diese Fläche herauskamen. Bei der Gemeindeäpfel-Versteigerung in Gläshütten und Ober-Lais brachten mitunter Aepfelbäume 36—40 Mk. In Eichelsdorf hat ein Landwirt von einem Baum 10 Malter gebrochene Aepfel geerntet. Pro Malter erhielt er 20 Mk., zusammen also 200 Mk. Tazu kommen noch 3 Malter ge- chüttelte Aepfel zu je 12 Mk., so daß er 236 Mk. löste. )( G l a u b e r g, 23. Sept. Obwohl die Aktienzuckerfabrik Stockheim an unsere Gemarkung grenzt, fährt man doch seit Jahren noch mit dem Anbau der Zwiebeln fort. Gegen- loärttg ist man bei dem schönen Herbsttvetter damit be- schafttgt, die Zwiebeln, die bisher zum Trocknen auf den Aeckern ausgebreitet lagen, auf die Böden und Speicher zu bringen. Tie Ernte war gut, die Zwiebeln sind infolge des trockenen Sommers sehr fest, besonders ist die schwefelgelbe Sorte gut geraten. Ter Preis ist bei dem reichlichen Ertrag nicht hoch, 3 Mk. für den Zentner; bei alledem lohnt sich die Zwiebelzucht noch, wie denn auch umliegende Dörfer wie Mockstadt, Florstadt ganze Fluren mit Zwiebeln Konkursverfahren betrafen: Physische Personen . . Nachlässe . . . » . Hanoelsgesellschasten ♦ Genossenschaften . . . andere Gemeinschuldner Seid. Bluse & unb höher — 4 Meter — sowie „Henneberg-Seide" in schwarz, weiß und farbig, v. 95 Psg. bis Mk. 18.65 p. Met. An jedermann franko u. verzollt ins Haus. Muster umgehend. Doppeltes Briefporto nach der Schweiz. G. Henneberg, Seiden-Fabrikant (U k. Holl.) Zürich. Zur Straßensprengung. Man muß es unserer Stadtver- wallung zum Lobe anrechnen, daß sie die Sprengung ber Straßen im Sommer gehörig in die Wege geleitet hat. Unseres Erachtens aber müßte das nur aus die heiße Jahreszeit beschränkt bleiben, resp. müßte die Jahreszeit berücksichtigt werden. Es ist wenige Tage her, daß Gott Pluvius seine Schleusen geschlossen hat. Auch unsere Straßen beherbergen noch Feuchtigkeit genug in Menge, unb wenn das Sprengen — wir verfemten das nicht — auch jetzt durchaus seinen Nutzen hat, so bitten wir doch, die Kutscher der Sprengwagen anzuhalten, es in bescheidenen Grenzen zu besorgen. Es ist nichts weniger als angenehm, wenn man einige Zett nachd. der Sprengwagen vorbei ist, die Sttaße entlang kommt, unb förmlich im Wasser waten muß. Mehrere Bürger. UmorrsMs Nachrichten. Am 15. Oktober feiert der Nestor ber Professoren an bet Breslauer Universität, Geh.-Rat Dr. G. Galle, das fünfzigjährige Jubiläum seiner akademischen Lehrthätigkeit. — Man schreibt aus Heidelberg: Der Direktor der Sternwarte auf dem Königstuhl. Prof. Dr. Wolf, hat den an ihn ergangenen Nuf an die Sternwarte in Göttingen ab gelehnt. — An der Universität Erlangen sanden im letzten Studienjahr 181 Prom o- t i o u e n statt. Davon erfolgten 1 in der theologischen Fakultät (zum Lie.), 66 (worunter nur 11 Bayern) in ber juristischen, 37 in der medizinischen und 77 in der philosophischen. Den Dr.phil. erlangten u. a. 11 Philosophen, 29 Chemiker und 20 Botaniker. Das Ausland stellte 8 Dr. — Aus Leipzig wird mitgeteilt: Am Neu- städter Gymnasium unterzogen sich 9 D a m e n der außerordentlichen R e rfeprüfung, von denen 8 das Privatgymnasium von Frl. Käthe Mndscyeid in Leipzig absolviert hatten, während eine,Dame durch Privatstudium sich vorgebildet hatte. Sämtliche Prüflinge bestanden das Examen. — In Moskau ist vor einigen Tagen die neue Universitätsbibliothek eröffnet worden. Die Einrichtung der Bibliothek ist dieselbe wie in ben Unwersttätsbch- liotheken zu Halle und Straßburg. Die Zahl der Bände, die in dem neuen Gebäude untergebracht sind, betragt 400 000. Die feierliche Einweihung der Bibliothek findet Bütte Oktober statt. Aus Athen wird der Tod des Prof, der Chirurgie an der dortigen Universität, G a l v a n i s, gemeldet. Galvanis Wirken war es besonders zu verdanken, daß das Spital „Evangelismus", eines der besten in Achen, eine überaus segensreiche Thätigkeit entfaltete. — Der Professor der Theologie an der philosophisch-theologischen Lehranstalt zu P a d e r b o r n Dr. K l e f f n e r ist zum Domherrn bei der Kathedrallirche daselbst ernannt worden.—Der bisherige Privatdozent Dr. Hermann Simon zu Göttingen, zur Zeit Dozent des Physikalischen Vereins zu Franksurt a. M., ist zum außerordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Untuer- sität zu Göttingen ernannt worden. — In Berlin i|t der Universitäts-Professor Geh. Justizrat Lothar Perniee ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Perniee war fett 1881 Professor in Berlin und vorh er in Halle und Greifswald. und 3396,74 Mk. auf neue Rechnung vorgetragen. Konkursstatistik. Nach ber vorläufigen Mitteilung des Kais erlichen Statistischen Amts zur Konkursstatistik gelangten im zwettett Vierteljahr 1901 im Deutschen Reich 2583 neue Konkurse zur Zählung, gegen 2145 im zweiten Vierteljahr 1900. Es wurden 275 Anträge auf ^Konkurseröffnung wegen Mangels eines anch nur die Kosten des Verfahrens decketiden Massebetrages abgewiesen und 2308 Konkursoersahren eröffnet; von letzteren hatte der Gemeinde- chuldner in 1449 Fällen ausschließlich die Konkurseröffnung beantragt. Beendet wurden im zweiten Vierteljahr 1901: 1885 (2. Vierteljahr 1900: 1689) Konkursoersahren, und zwar durch Schlußverteilung 1273, diwch Zwanasvergleich 429, infolge allgemeiner Einwilligung 39 und wegen Massemangels 144. In 642 beendeten Konkursverfahren war ein Glaubigerausschuß bestellt. _ Bon den 2583 neuen und den lt„ -—----- Eingesandt. (Für Form und Matt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) te Temperatur am 22.-23. September 4- 25,4° C. «rigste o n - n+9/60 0. ________Ztt. Melasse. Der ______a yierfür pr. Zentner 11,30 Mk., 8,75 Mk. unb 8,35 Blk. Ter Zuckergehalt der Rüben schwankte zwischen 13 und 15 pCt. Die Verarbeitung war in den letzten Wochen durch den den Rüben anhastenden Schmutz sehr erschwert, die Bettiebssteuer war vermehrt uno der Steuerzuschlag auf das Ueberkontingent über 30 000 Mk. sehr bedeutend. Das alles wirkte ungünstig auf das Betriebsergebnis. Auch die Preise für die gewonnenen Produkte waren geringer als im Vorjahr. So verblieb nur ein Gewinn von 75026,88 Mk., und für den Zentner Aktienrüben konnten nur 85 Psg. und für spater gelieferte 95 Psg. bezahlt werden. Von dem Gewinn wurden 39398,14 Mk. iu Abschreibungen verwandt, 29232 Mk. als Dividende verteilt, JOOO Mk. wurden als Tanttömen und Gratifikationen verbraucht Lieferung. Samstag den 5. Oktober b, I., vorm. 9V2 Uhr, soll die Lieferung nachstehender Gegenstände auf dem Wege des schriftlichen Angebots vergeben werden: a) Berzehrungsgegenstände, ungefähr: 650 Dz. Kartoffeln. 3 Dz. Zwiebeln. 15 „ Kohlrabi. 400 Stück Wirsing. 20 „ Weißkraut. 11 Tonnen Heringe. b) Verbrauchsgegenstärrde, ungefähr: 120 qm Riemen aus Eichenholz. 2,5 cm dick, zu Fußböden. 30 , pitch-pine-^o^, 2,6 j, fr rf Möbeln. 40 , n b,3 it w B fr 30 , Kiefernholz, 2,5 „ „ „ H 40 , n 3,0 i , 15 „ n 3,0 u tf tr w 10 „ n ft e n n Die Bedingungen liegen auf der Schreibstube an den Wochentagen vormittags von 10 bis 12 Uhr zur Einsicht offen. Die Angebote sind verschlossen mtt der Aufschrift „Kartoffel- 2C. Lieferung" und kostenfrei einzureichen. Bezüglich der Kartoffeln ist im Angebot die Sorte näher zu bezeichnen; auch sind Teillieferungen, jedoch nicht unter 10 Dz., zulässig. Für die Angebote ist ein besonderes Formular vorgeschrieben, welches gegen Erstattung von 10 Pfg. Schreibgebühr zu erhalten ist. — Zuschlagsfrist 8 Tage. Marienschloß, am 19. September 1901. Großh. Direktion des LandeSzuchthauseS. Bornemann. 6319 Holz-Versteigerung. Donnerstag den 26. ds. MtS., vormittags 10 Uhr, versteigere ich im Auftrag der Konkursverwaltung deS H. Geißler VII. )ü Staufenberg auf dem Zimmerplatz daselbst: ca. 15 Festmeter Eichen „ 32 „ Kiefern „ 2 „ Lichen-Bohlen „ 2 „ Kiesern-Bohlen „ 6 „ bearbeitetes Holz Derbstangen, Schwaden und Brennholz und Vi Morgen Kartoffeln. Die Steigpreise können auf Verlangen 4—5 Wochen gegen Bürgschaft gestundet werden, jedoch muß die Solvenz der einzelnen Bürgen durch die betr. Bürgermeistereien bescheinigt sein. Die Versteigerung findet bestimmt statt. 6356 Born, Gerichtsvollzieher. Preussische Pfandbrief-Bank. Dio am 1. Oktober 1901 fälligen Zinsacheine unserer Hypotheken - Pfandbriefe, Kommunal - Obligationen, Kleinbahnen-Obfilgationen werden bereite vom 15. September er. ab an unserer Kasse und bei denjenigen deutschen Bankhäusern kostenfrei eingelSst, die den Verkauf unserer Emissionspapiere übernommen haben. Stücke zur Kapitalanlage können daselbst bezogen, und Broschüren über "Wesen und Sicherheit der Emissionspapiere in Empfang genommen werden. Die Kommunal-Obligationen sind mündelsicher. Berlin, im September 1901. * 6881 Preussische Pfandbrief-Bank. T anzunterricht. Zur gefl. Mitteilung, daß mein Tanzunterricht WA" am 2. Oktober -MG beginnt. — Anmeldungen werden ZSehstelugaffe 31 entgegen« genommen. — Honorar 13 Mark. — Privatunterricht zu jeder Tageszeit. 5816 _________________Schmidt, Tanzlehrer. Meine Wohnung befindet sich von heute ab WeMratze Wr. 3. Telephon 310. Für Tiere, besonders Hunde, die mir zur Untersuchung vorgeführt werden sollen, bitte ich, wenn möglich, die Zeit von 10 bis 11 Uhr vormittags zu wählen. 6371 Gießen, den 22. September 1901. ___________Dr. Koehler, Tierarzt. Gelegenheitskauf. Ein großer Posten 6385 feiner Oamen-Wäsche zu außergewöhnlich billigen Preisen. J. Kaan ja*., KreuzpkaH. Moritz Spiegelberger Muhöach Wetzlarerstraße (gegenüber der Apotheke) bringt hiermtt sein Tabak-, Cigarren-, Cigaretten- u. Losegeschäft en gros u. en detail ergebenst in Erinnerung. Gleichzeitig empfehle die größte Auswahl in sämtlichen Schreibmaterialien, Zeichenntenfilien, Portefeuilleumen in nur guter Qualität zu billigen Preisen. 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