'otftr. E schön! toQ^en iu Mi# Äft* !5Ws*toZb. wgiea“ !"> M> Ä?5w ie ei nut fertig ne* imol bie FußbSbea Mbm find?-Mit ttNsttisDel-ra«' »eitet kein Kunst, bertrifft an Halt, idlm Trocknen m SuSsehen alle benlacke. 2929 bei: MM,;/ Wer rte (wtintzrüy) rotzen empfiehlt odlöMM WaM 12. "* p vMhev. Mstellen verkaufen. 02803 -aplaytigafse M W, erstklaffigr Maschine ' ffrpebition b.M. hoUe THÜM, >•«*' * ^Marktvlsh^__ XiTpön^ ’ooa Leiner MM S-JS r"Si MsZ äs WZ M: W = t?’A Jft, SM Nr. 172 Erscheint täglich mit DuLllahme deS Montags. Vic Gießener Kamilie«. blätter werden dem An- Lcigcr im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter Pir Hess. Volkskunde" vier« mal wöchentlich beigelegt. Annahme von Anzeigen !u der nachmittags für den olgenden Tag erscheinenden lummer bis norm. 10 Uhr. lbbestellungrn spätesten- abends vorher. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstrahe 7. i ■■ - Zweites Blatt. Donnerstag 25. Juli 1901 Adresse für Depescheu: Anzeiger Giessen. FernsprechanschlußNr.bl. 151t Jahrgang Bezugspreis vicrtcljährl. Mk. 2.S0, monatl. 75 Pfg. mit Br,ngerlohn; durch dir Abholestellen vicrtcljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Pfg. Bei Postbezug vierteljährl. Mk. 2.OO ohne . llgeld. Alte Nnzeiacn^DermiNlung-. stellen dco In- und Ausland«- nehmen Anzeigen für den «Äicstcncr Anzeiger entgegen. ZcilcnprciS. lokal is'psg^ auSwärtö 20 Pfg. GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger w Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen DMische Tagesschau. Der Rücktritt des Staatssekretärs v. Puttkrmer hat zu einer ganzen Reihe von Vermutungen über die Gründe des für die Oeffentlichkeit allerdings überraschenden Schrittes Anlaß gegeben. Mißhelligkeiten zwischen Herrn v. Puttkamer und Statthalter Fürst Hohenlohe, Verstimmung wegen unterbliebener Auszeichnung beim 70. Geburtstag Puttkamer's wurden u. a. als Motive genannt. Jetzt giebt die „Kreuzztg.- «tue einfache Lösung des ».Rätsels-, die man wohl als zutreffend ansehen kann. DaS Blatt schreibt, es erinnere sich, schon vor länger als Jahresfrist von dem bevor stehenden Rücktritt des Staatssekretärs reden gehört zu haben, eS fei doch nicht allzu selten, daß ein hoher Beamter, der das 70. Lebensjahr bereits überschritten, sich nach Zurück- -ezogenheit sehne für den Rest seines Lebens. Weiterhin macht die „Kreuzztg.- die ganz iutereffante Bemerkung, daß Herr v. Puttkamer, der vom „Vorwärts- als „Junker- mit der Engherzigkeit des feudalen Ostelbiers charakterisiert worden war, Zeit seines Lebens sich als echt national- liberaler Politiker geführt habe. So kann jemand falsch klassifiziert werden, nur weil er v. Puttkamer heißt! — Als Nachfolger für Herrn v. Puttkamer scheint in der That der gegenwärtige Oberpräsideut von Schleswig-Holstein in Aussicht genommen zu sein. Auch Herrn v. Köller's Charakterbild schwankt, durch der Parteien Haß und Gunst verwirrt, in der Geschichte. Aus den Reichslanden klängen dem ehemaligen Unterstaatssekretär nicht eben Fanfaren entgegen. Als preußischer Minister hat sich Herr v. Köller viel Antipathien verschafft. In Parlameutskreisen gilt er als jovial und umgänglich. Sein Fortgang aus Schleswig würde dort die deutsche Agitation der Abg. Johannsen und Hanffen zu neuen Hoffnungen führen. In den national- preußischen Teilen Deutschlands, im Elsaß, in Schleswig, in Posen kommt alles darauf an, daß der oberste Verwaltuugs- beamte der Provinz, resp. des Landes möglichst lange seinen Posten behält, daß er, einmal bekannt geworden mit den Verhältnissen seines Verwaltungsgebietes, die erworbenen Kenntnisse auch ausnütze. Das aber ist unmöglich, wenn diese wichtigsten Posten einem Taubenschlage gleichen. Die Klagen in den genannten drei doppelsprachigen Landesteilen gipfeln in dem fortwährenden Systemwechsel. Dem letzteren ist es auch zuzuschreiben, daß in den 30 und mehr Jahren der preußischen Verwaltung das Deutschtum in den Reichslanden und in Nordschleswig so geringe Fortschritte gemacht hat und daß die Polen seit einem Jahrhundert und mehr unter preußischer Herrschaft ihre national-politischen Streif, züge bis ins Herz von Rheinland-Westfalen bereits aus- dehnen können. Die Modernisierung der Kreuzerflotte schreitet in derselben Weise vor, wie die der Lmienschiffs- zeschwader. Nur in Bezug auf die Vermehrung der Fahrzeuge sind bekanntlich die letzeren durch das neue Flotten- gesetz besser gestellt. Deshalb überwiegen bei diesen die Neubauten, während die Auffrischung der Kreuzerflotte zumeist auf dem Wege des Ersatzbaues bewerkstelligt wird. Lm Marine-Etat für 1902 werden erste Bauraten für einen -roßen und einen kleinen Kreuzer gefordert werden. Der erstere ist bestimmt, wiederum ein Schiff der „Deutschland-Klasse" zu ersetzen. An Bord der „Deutschland" — ehemals als Panzer erster Klasse, später als großer Kreuzer in den Schiffslisten figurierend — unternahm Prinz Heinrich. vor einigen Jahren seine erste Chinafahrt. Das Schiff war nicht geeignet, die deutsche Marine zu repräsentieren; es erfuhr, wie erinnerlich sein dürfte, auf der Fahrt manches Mißgeschick. Die großen deutschen Werften sind jetzt auf den Kriegsschiffsbau vollständig eingerichtet, so daß die Bauzeit meist kürzer ist, als vertragsmäßig vereinbart. Was die Frage d5r Vermehrung der Auslands- kreuzer anbetrifft, so ist dem Vernehmen nach an maß- zebender Stelle die Entscheidung in Bezug auf den Zeitpunkt des Einbringens der Vorlage noch nicht getroffen. Dem Engländer scheint das südafrikanische „Abenteuer" noch nicht kostspielig genug zu sein. Es streift in der That im Hohn, wenn jetzt aus London gemeldet wird, die englische Nation plane eine Schi e n k u n g von 10 0 0 0 0 P f d. ün Earl Roberts .„für seine Verdienste in Südafrika und um ihm zu ermöglichen, seinem neuen Range entsprechend zu leben." Feldmarschall Roberts ist ein alter und dazu ein schlichter Mann. Er wird seine Lebensgewohn- heiten wahrscheinlich auch als reicher Man.? ' t ändern. M was die militärischen Verdienste anbetrif, . >q muß «s dem Feldmarschall zur Ehre nackMesagt werden? daß er btese selbst nicht übermäßig hoch veranschlagt. Wenn den Irrten das Geld so locker in der Tasche sitzt, dann eröffnen M sogar dem Lord Kitchener, dem die Buren gar manche Mafiose Nacht bereiten mögen, angenehme Aussichten. Doch im Ernst — sagen sich denn die Engländer nicht, daß, wenn schon einmal Geld ausgegeben werden soll, dieses ungleich Lesser zur Linderung der Not unter den britischen Soldaten, den zurückgekehrten, verwundeten wie den noch kämpfen- Len, verwendet werden könnte? Vielleicht beschämt Earl A'oberts die Spender, indem er die Dotation einem ähnlichen humanen Zweck überweist. Roberts erhielt bereits nach dem Feldzug in Afghanistan 12 500 Pfund und eine Pension von 100 Pfund, Lord Wolseley erhielt nach dem Ashänti-Feldzug 25 000 und nach dem egyptischen Krieg 30000 Pfund, die gleiche Summe erhielt Kitchener nach der endlichen Besiegung des Khalifen. Die Masse der Liberalen wird für die Schenkung stimmen, dagegen sind die irischen Nationalisten und eine kleine Anzahl der extremen Liberalen. Dem Lord M i l n e r wurde am Dienstag der Londoner Ehrenbürgerbrief in einem goldenen Kasten überreicht. Der Lordmayor rühmte Milners Hervoragende Leistungen in Südafrika. Die Hoffnung Indiens, England werde zum Dank für die von indischen Soldaten in China und Südafrika geleisteten Dienste Anstalten machen, dem durch Hungersnot und Pest schwer bedrückten Lande zu Hilfe zu kommen, sei es auf dem Wege des Steuernachlasses oder des Staatszuschusses, erfüllt sich nicht. Es scheint im Gegenteil, als sei nach dem Tode der Königin Viktoria das Mitgefühl für die Leiden des indischen Volkes bei den Engländern geringer geworden. Von öffentlichen Sammlungen, wie sie früher im Vereinigten Königreich zur Linderung der Not der indischen Eingeborenen veranstaltet wurden, hört maw nichts mehr. Auch die Politiker schweigen. Für sie hat offenbar nur das Budget dieser Kolonie Interesse, die Höhe der Summe, die England aus seinem indischen Besitz herauswirtschaftet, und das giebt ihm zu Bemerkungen keinen Anlaß. Die Aussaugungsmaschinerie arbeitet in Indien flott weiter, und größere Ausgaben — z. B. für die so notwendige Sanierung der Bewä'sserungsverhältnisse — hält die englische Regierung für unnötig. Inzwischen aber versinkt das indische Volk immer tiefer in Elend und Armut, wachst die Sterblichikeitszifter fortgesetzt. Das Ende kann kein gutes sein, auch im politischen Sinne. Die Lehren der Geschickte lassen sich nicht in den Wind schlagen, und die Geschichte Indiens bietet solcher Lehren wahrlich genug. China. Am Dienstag ist in Bremerhafen der Reichspostdampfer „Hamburg" aus Ostasien mit 10 Offizieren, 599 Mann von der Munitionskolonnen-Abteilung eingetroffen; unter den Zurückgekehrten befinden sich 60 Rekonvaleszenten. — Nach Mitteilung des Kriegsministeriums ist der Dampfer „Gera" (mit Graf Waldersee) am 23. Juli in Suez angekommen, und wird voraussichtlich am 30. Juli Algier anlaufen. Dampfer „Sachsen" 23. Juli Port Said an und ab; voraussichtlich 8. August Bremerhaven. Dampfer „Bayern" 22. Juli Foochow an, 23. weiter. Dampfer „Wittekind^ 20. Juli Südspitze Portugals, Dampfer „Bahia" am 20. Juli Lissabon passiert. Im englischen Unterhause erwiederte auf eine Anfrage der Unterstaatssekretär des Aeußeren Cranbörne, die zeitweilige, mit den jüngsten Unruhen in Verbindung stehende Anwesenheit fremder Truppen in Shanghai bedeute in keiner Weise eine Entäußerung chinesischen Gebiets oder eine Verletzung der England von China bezüglich des Vangtse-Gebietes gegebenen Zusicherungen. Deutsches Reich. Berlin, 23. Juli. Aus Hellesylt wird mitgeteilt: Der Kaiser traf gestern abend in bestem Wohlsein nach einer selten schönen Fahrt um 11 einviertel Uhr in Merok ein. Heute etwas Regen. An Bord alles wohl. — König Oscar von Schweden-Norwegen wird als Gast des deutschen Kaisers den Manövern bei Danzig beiwohnen. — Die sozialdemokratischeReichstagsfrak- tio n hat ihren üblichen Bericht über ihre parlamentarische Thätigkeit veröffentlicht. Darin heißt es u. a.: „Bei der Gesamtabstimmung über den Etat stimmte unsere Fraktion so wie stets gegen denselben, nicht nur weil die Reichseinnahmen hauptsächlich durch indirekte Steuern gedeckt werden, die auf der ärmeren Bevölkerung am schwersten lasten, und nicht nur, weil die Sozialdemokratie dem kulturfeindlichen Militarismus jeden Mann und jeden Groschen verweigert, sondern auch, weil wir durch die Ablehnung des Budgets den grund- scchlichen Gegensatz zum Ausdruck bringen, in dem sich Die Arbeiterklasse gegenüber dem kapitalistischen Klassenstaat und seiner Regierung befindet." Danzig, 23. Juli. Heute fand hier eine Konferenz zn-ecks Besprechung der wirtschaftlichen Lage der Industrie und des Handels Westpreußens statt. Handelsminister Möller versprach wohlwollendste Erwägung der von der Handelskammer gemachten Vorschläge. Stuhm, (Westpr.), 23. Juli- Wie die Polen Hetzen, erfährt man u. a. aus einem Vorgang, der sich bei der Einweihungsfeier einer Schule im Kreise Stuhm abspielte, zu deren Bau aus dem Allerhöchsten Verfügungsfonds ein Geschenk von 11000 Mark gespendet war. Bei der Einweihungsfeier ergriff der Ortslehrer das Wort, um den Kindern zu Herzen zu führen, daß sie alle Veranlassung hätten, dem Kaiser dankbar zu sein, denn ohne das große Gnadengeschenk des Landesherrn wäre es der armen Gemeinde nicht möglich gewesen, sich ein neues Schulhaus, und noch dazu ein so schönes, zu erbauen. Da erhob sich der Pfarrer und sagte, der Lehrer befinde sich im großen Irrtum in der Annahme, daß der Kaiser der Gemeinde zu einem neuen Schulhause verhülfen habe; das seil unwahr. Nicht der Kaiser, sondern der liebe Gott habe das große Werk vollbracht; der liebe Gott habe den Kaiser angewiesen, das Geld zu zahlen. Also nicht dem Kaiser, sondern dem lieben Gott seien wir zu Dank verpflichtet. Insterburg, 23. Juli. Bei den Vernehmungen im Gumbinner Mordprozeß wurden sämtliche Mannschaften des.Dragonerregiments Nr. 11 verhört, ohne daß ein Ergebnis erzielt wurde. Memel, 23. Juli. Nach dem amtlich festgestellten Wahlergebnis erhielten bei der Reichstags-Ersatz- wahl im Wahlkreise Memel-Heydekrug am 20. d. M- Mattschull (Lithauer) 7016, Braun (Sozialist) 4941, Schaak (freisinnige Volkspartei) 2925 Stimmen. Tie Stichwahl zwischen Mattschull und Braun ist auf den 27. d. M. festgesetzt. Ausland. Kopenhagen, 23. Juli. Der König genehmigte heute folgende von Professor Deuntzer vorgelegte Ministerliste: Ministerpräses und Minister des Aeußern: Deuntzer, Justiz: der Anwalt beim höchsten Gericht Alberte, Kultus: Staatsrevisor I. C. Christen, Finanzen: (Großhändler C. Hage, Ackerbau: Landwirtschaftsftimmissar Ole Hansen, Oeffentliche Arbeiten: Redakteur Hörup, Marine: Kontreadmiral Jöhnke, Krieg: Oberst W. H. C. Madsen, Inneres: Redakteur Ensvold Soerensen. Sämtliche Minister gehören der Partei der Linken an. Madrid, 23. Juli. Äus Tanger wird telegraphiert: Ein spanisches junges Mädchen und ihr junger Bruder, die seit zwei Monaten Gefangene eines wilden Maurenstammes waren, seien jetzt nach Martern und Schändungen ermordet worden. Wenn Spanien nicht mit aller Energie die Bestrafung der Schuldigen und die Einziehung von Schadenersatz durchsetze, werde auch der Rest seines Ansehens verloren gehen. Petersburg, 23. Juli. Kaiser Nikolaus stattete heute vormittag an Bord des deutschen Schulschiffes „Charlotte" einen Besuch ab. Als die Kaiseryacht das Schul- schiff „Charlotte" passierte, wurde von den Mannschaften auf den Raaen paradiert und drei Hurras ausgebracht. Die „Charlotte" hatte über die Toppen geflaggt, die russische Kriegsflagge im Großtopp; desgleichen hatten alle übrigen im Hafen liegenden Kriegsschiffe Flaggengala angelegt. Die Kapelle der „Charlotte" spielte den Marine-Präsentier- marsch und darauf die russische Hymne. Die „Alexandria" legte an der Nikolai brücke an. Alsdann begab sich Kaiser Nikolaus, der deutsche Marineuniform trug, im Salonboot, begleitet von dem Großfürsten General-Admiral Alexei Alexandrowitsch in deutscher Admiralsuniform, dem Großfürsten Michael Nikolajewitsch in der Uniform des preußischen ersten Garde-Feldartillerie-Regiments mit den Feldmars challsabzeichen, dem Minister des kaiserlichen Hofes, Baron Fredericks, dem Chef des Marinehauptstabes, Vizeadmiral Avellan, dem Generaladjutanten Vizeadmiral Lo- men, dem Hosmarschall Grafen Benckendorff u. a. an Bord der „Charlotte". Unten am Fallreep empfing Prinz Adalbert den Kaiser, während zugleich die Standarte des Kaisers am Großmast gesetzt wurde. An Deck erstattete der Kommandant der „Charlotte", Kapitän ^ur See Büllers, dem Kaiser den Frontrapport, worauf der Kaiser den gleichfalls an Bord anwesenden deutschen Botschafter begrüßte. Nach der Vorstellung des Offizierkorps schritt der Kaiser die Front ab und begrüßte die einzelnen Divisionen mit „Guten Morgen, Kameraden!" Hierauf besichtigte der Kaiser eingehend das Schiff. Danach besuchte der Kaiser den Prinzen Adalbert in dessen eigenen Räumen und überreichte ihm persönlich den Anderas-Orden. Später ließ der Kaiser sich noch die Seekadetten v. Schweinitz, Sohn des langjährigen, ehemaligen, kürzlich verstorbenen deutschen Botschafters, unb Freiherrn v. Maltzahn vorstellen. Nach dreiviertelstündigem Aufenthalt verabschiedeten sich der Kaiser und die Großfürsten vom Prinzen und begaben sich auf die „Alexandria" zurück. Als der Kaiser das Schulschiff verließ, hatte die Besatzung abermals in den Raaen Paradeaufftellung genommen und begrüßte den Kaiser mit Hurrarufen. Der Kommandant des Schiffes und der Gouverneur des Prinzen, Kapitänleutnant v. Ammon erhielten Ordensauszeichnungen. Wien, 23. Juli. Eine Verfügung des Reichskriegsministeriums ordnet an, daß von nun an die Präsidenten und Vizepräsidenten sämtlicher Militär-Kasinos nicht mehr gewählt, sondern von dem jeweiligen Korps-Kommando aus dem Aktivstand des Offizierkorps bezw.'der Generalität ernannt werden. Eine außerordentliche General-Versammlung des Wiener militärwissenschaftlichen und Kasinovereins acceptierte einstimmig diese Verfügung und beschloß eine diesbezügliche Aenderung der Statuten. Konstantinopel, 23. Juli. Es verlautet, der Adjutant des Sultans, Onori Bey, der nach Tibra (Dibre?) entsandt war, sei dort von Arnauten ermordet worden. Die That wird als Akt der Rache für die im Juni erfolgte Gefangennahme des Arnautenführers Hamdi Bey angesehen. Dar SYUrigk Stiftangsftß der Burschenschaft „Germania". Gießen, 24. Juli. (Schluß.) Am Wend des zweiten Tages versammelten sich die Festteilnehmer, mit Einschluß der Damen weit mehr als 300 in dem schön geschmückten Stein'schen Saale zum Kommers, der einen würdigen Verlauf nahm. Nach dem kraftvollen Arndt'schen Eröffnungslied: „Sind wir vereint zur guten Stunde", erhob sich Direktor Brand, um in beredten Worten dem Kaiser, und dem Großherzog zu huldigen. Den anwesenden Gästen rief Pfarrer Bv- litsch ein herzliches Willkommen zu, und der Burschen- chaft gedachte Justtzrat Schm e e l in warm empfundenen Worten. In längerer Rede schilderte er die Entwickelung der burschenschaftlicheu Sache in Gießen, insbesondere seit dem Jahre 1848; er betonte dabei die Richtigkeit der bur- chenschaftlichen Ziele und Ideale und schloß mit einem Hv»ch suf die Burschenschaft, das beifällig aufgenommen und bekräftigt wurde durch das Burschenlied: „Schwörts bei dieser blanken Wehre". Der nächste Redner, stud. math- Waldeck, stattete noch einmal den Dank der Aktiven an die alten Herren ab, und gelobte namens seiner jungen Bundesbrüder, unentwegt den Bahnen folgen zu wollen, die ihnen die alten Herren gezeigt hätten. In humorvoller Weise dankte sodann der Rektor der Umber)itat, Justizrat Prof. Dr. Schmidt- Er entwickelte die Gedanken, die er bei der Wanderung durch das neue Burschenhaus empfunden habe, und wünschte der Germania, nachdem er ihr die Mahnung zugerufen, sich frei zu halten von aller Engherzigkeit, ein weiteres, fröhliches Gedeihen, ^hm folgte als Redner Provinzialdirektor v. Bechtold, der, anknüpfend an den Stammbuchvers eines alten Burschenschafters, der Germania seine Glückwünsche überbrachte. Au das Wohl der Damen ließ Gerichtsaccessist Fuchs einen donnernden Salamander reiben, und dem Dank und Glückwunsch der Bereinigung alter Burschenschafter in Gießen gab Oberbibliothekar Professor Dr. Haupt (Arminia- Würzburg) in beredten Worten Älusdruck; namens der Vereinigung alter Burschenschafter in Dillenburg stattete Prof. Regel (Arminia-München-Berlin) den Tank ab. Weitere herzliche Glückwünsche überbrachten sind. Wölfel namens der hiesigen Burschenschaft Alemannia und cand. Müller (Arminia-Marburg) im Namen der anwesenden auswärtigen Burschenschafter. Die lange Reihe der eingelaufenen Telegramme zeigte, daß man auch außerhalb Gießens des Jubelfestes der Germanen wohlwollend gedachte. So nahte unter Gesang und Reden das Ende des offiziellen Teils, der in dem Landesvater seinen Höhepunkt erreichte; inoffiziell aber „tagten" noch viele alte und junge Germanen mit ihren Gästen weiter. „Auf die Anstrengungen dieses Tages und Abends muß eine treffliche Erquickung am anderen Morgen folgen", so hatte wohl die Festkommission gedacht, als sie für den Donnerstag morgen statt des üblichen Katerfrühschoppens ein Katerfrühstück in das Programm aufnahm; und daß sie damit das Richtige getroffen hatte, bewies die frohe Stimmung, die bald in allen Räumen des Burschenhauses Platz griff. Einen besonders glücklichen Griff aber hatte sie darin gethcm, daß sie an Hotelier Mundt (Hotel Viktoria hier) die Zubereitung und Leitung des Frühstücks übertragen hatte; denn es herrschte nur eine Stimme des Lobs über das ganze Arrangement. Der Nachmittag brachte der Stadt ein ungewohntes prächtiges Bild. Unter der Führung von vier Chargierten zu Pferd und in Begleitung zweier Musikkapellen fuhren die Festteilnehmer in ca. 50 schön geschmückten Wagen durch die Stadt nach dem Windhofe, diesmal aber nicht um Mannesmut und körperliche Gewandtheit im Spiel der Waffen zu erproben, sondern um dem «stattlichen Damenflor ein Fest zu bereiten, der mit Extrazug hierher gefolgt war. Das Fest, das nunmehr im prächtig geschmückten Garten und in dem festlich gezierten Saale stattfand, wird sicherlich allen Teilnehmern noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben. Am anderen Morgen fand der erste Frühschoppen auf dem neuen Hause statt, zu dem sich auch die Damen wiederum zahlreich eingefunden hatten. Auch hier verkürzten und würzten wie beim Gartenfeste einige Solovorträge und heitere Duette in Abwechselung mit fröhlichen Reden die Stunden. Besonderen Anklang fand ein von Reg. Rat Hippenstiel verfaßtes, und komponiertes Lied auf die Burschenschaft Germania, das hier zum ersten Mal vorgetragen wurde. So läßt es sich tdohl verstehen, daß das Mittagbrot später als gewöhnlich eingenommen wurde, und daß man sich beeilen mußte, um wieder rechtzeitig zum gemütlichen Zusammensein auf dem Hause zu kommen. Auch diese Veranstaltung nahm ebenso wie der Schlußfrühschoppen am nächsten Tage einen schönen und würdigen Verlauf. Die frohen Tage sind verrauscht; das neue Germanenhaus hat sein Festgewand abgelegt. Im schlichten Alltagskleid grüßt es nun von der Höhe unser liebes Gießen und seine Umgebung. Möge es allezeit sein und bleiben Dein Bollwerk echten Burschengeistes" und möge es allezeit ein freies Geschlecht begrüßen, das dem deutschen Vaterlande tüchtige und überzeugungstreue Männer giebt. In diesem Sinne „Germania vivat, crescat, floreat in aeternum!" Tuberkulose-Kongretz. (Eine neue Entdeckung Kochs.) London, 23. Juli. In der heutigen öffentlichen Sitzung des Tuberkulose-Kongresses hielt Geheimrat Professor Dr. Robert Ko ch - Berlin einen von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über „Die Bekämpfung der Tuberkulose im Lichte der Erfahrungen, diebeidererfolgreichen Bekämpfung anderer Infektionskrankheiten gewonnen worden sind". Redner führte aus, nach der Entdeckung des Tuberkelbazillus sei an der Möglichkeit der allmählichen vollständigen Beseitigung der Tuberkulose als Volkskrankheit nicht mehr zu zweifeln. Dev Weg hierzu müsse durch genaue Erforschung der Art der Uebertragung der Krankheit gefunden werden. Der Grund- satz, jede der Infektionskrankheiten nach ihren besonderen Eigentümlichkeiten zu bekämpfen, habe zu bedeutenden Erfolgen geführt. Die Bekämpfung der Pest werde fortschreiten, wenn erst der Grundsatz, daß nicht die erkrankten Menschen (von den wenigen Fällen von Lungenpeft abgesehen), sondern die Ratten die Uebertrager der Krankheit sind, die amtlichen Maßnahmen beherrschen werde. Die Beseitigung der Cholera werde vor allem durch Besserung der Trinkwasser-Verhältnisse erreicht. Die Hundswut müsse durch allgemeine Einführung des Maulkorbszwanges zum Verschwinden gebracht werden. Besonders lehrreich seien die bei Bekämpfung der Lepra erzielten Erfolge. Diese Krankheit, die nur von Person zu Person übertragen werde, sei in Norwegen durch zwangsweise Mschließung der schwer Erkrankten in ihrer Ausbreitung beträchtlich gehemmt wor- den. Was nun die Tuberkulose selbst angeht, sei die Uebertragung von Mensch zu Mensch durch den Auswurf zweifellos die Hauptursache ihrer Verbreitung; Vererbung hingegen komme nur sehr wenig in Betracht. Die Frage der Möglichkeit der Uebertragung der Krankheit durch Milch! oder Fleisch tuberkulöser Rinder auf den Menschen der- hÄ-'j fn Redner zu eingehenden Versuchen, die er mit Unterstützung des Preußischen Landwirtschaftsministeriums Einsam mit Professor Schütz von der Tierärztlichen Hochschule in Berlin zwei Jahre hindurch ausführte. Es ^5^bs sich die vollkommene Unmöglichkeit, die menschliche C F16 Veffuchsrinder, denen fortgesetzt in . verschiedener Weise menschliche Tuberkel-Bazillen beiae- ubeVra9en- Damit war die völlige Verschiedenheit zwi^en der Tuberkulose der Menschen und der Rrnder unwiderleglich dargethan. Der Vortragende bemerkte, daß die deutsche Regierung Maßnahmen für die Fortführung derartiger Untersuchungen getroffen habe. Die Uebertragbarkeit der Tuberkulose der Rinder auf 'den Menschen hält Professor Koch für höchst unwahrscheinlich, da die Falle äußerst selten seien, in welchen primäre Tuberkulose der Eingeweide nachgewiesen werden könne. Maßnahmen gegen diese Art der Uebertragung seien entbehrlich. Redner erörterte nunmehr die Mittel zur Bekämpfung der Uebertragung von Menfch zu Mensch, durch deren Ausbau die Seuche allmählich zu beseitigen sei. Vor allem müssen durch planmäßiges langsames Vorgehen die Wohnungsverhältnisse der ärmeren Bevölkerung verbessert, ihr allzu dichtes Zusammenleben verhindert werden. Alle schwerer Erkrankten müssen, um sie nicht zu einer Quelle der Ansteckung werden zu lassen, der Krankenhaus-Behandlung zugeführt werden. Zu diesem Zwecke seien besondere, leicht und bei geringen Opfern zugängliche Krankenhäuser oder Abteilungen für Schwindsüchtige zu gründen. Dies sei die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung der Tuberkulose und hier sei eine Gelegenheit für begüterte Menschenfreunde zu dauernd Segen bringendem Wirken. In keinem Lande habe die Schwindsucht so sehr abgenommen, wie in England, das die größte Zahl solcher Hospitäler besitze. Von großer Bedeutung sei auch die Anzeigepflicht, wenigstens für schwere Fälle, wie sie in Sachsen, Norwegen, und mit großem Erfolge in New-York durchgeführt sei. Hand in Hand damit gehe die Desinfektion der Wohnungen und Gebrauchsgegenstände. Die Aufklärung der Bevölkerung über Wesen und Verbreitung der Krankheit und ihre Verhütung sei nicht minder von großem Nutzen. Zur Frage der Lungenheilstätten übergehend, erklärt es Redner für sicher, daß die Tuberkulose in den früheren Stadien heilbar ist, warnt jedoch vor einer Ueberschätzung der Bedeutung der Heilstätten. In Deutschland dürften jährlich etwa 4000 Personen durch diese Genesung finden, während 226 000 Personen wegen Schwindsucht in Krankenhausbehandlung standen. — Größerer Einfluß auf den Rückgang der Krankheit komme den vorerwähnten allgemeinen sanitären Maß^ nahmen zu. Namentlich befürwortet Redner die Nachahmung der von der Stadt New-York getroffenen Einrichtungen, dank denen die Sterblichkeit an Schwindsucht seit 1886 um mehr als 36 Prozent gesunken fei. Professor Koch schließt mit dem Ausdruck der festen Ueberzeugung, daß bei Benutzung der im Kampfe mit anderen Seuchen gewonnenen Erfahrungen, wenn unrichtige Wege vermieden und das Uebel an der Wurzel getroffen werde, der Kampf gegen die Tuberkulose zum siegreichen Ende führe. An den Vortrag schloß sich eine längere Debatte. Professor Lister sagt, Kochs Ausführungen über die Nichtübertragbarkeit der Krankheit von tuberkulösen Rindern auf den Menschen seien ziemlich überwiegend, doch handle es sich um einen so wichtigen Punkt, daß er weitere Untersuchungen für nötig halte. Er glaube, daraus, daß die Tuberkulose der Menschen nicht auf Rinder sich übertragen lasse, folge das Gegenteil noch nicht. Mehrere andere Redner sprachen sich ebenfalls für weitere Untersuchungen, einige für staatliche Untersuchungen aus. Verschiedene Sektionen des Tuberkulose-Kongresses sind heute zusammengetxeten. Die staatliche und städtische Sektion beriet über die Frage der obligatorischen Anmeldung der Tuberkulose-Fälle. Die medizinische Sektion beschäftigte ich mit der Behandlung der Krankheit und dem Einfluß des Klimas auf dieselbe, die tierärztliche Sektion mit der Diagnose der Tuberkulose bei lebenden Tieren. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet.) *• DaS Regierungsblatt veröffentlicht in Nr. 49 eine Bekanntmachung, die Prüfungsordnung für Aerzte betr. Es wird darin die Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 28. Mai 1901, veröffentlicht im Zentralblatt für das Deutsche Reich Nr. 24 vom 31. Mai 1901, durch die die seit dem 2. Jnni 1883 geltenden Bestimmungen für die Prüfungsordnung der Aerzte abgeändert worden find, zur Kenntnis gebracht. *• Kreisstraßeu. Eine für die Landgemeinden sehr wich- tige Bestimmung in Sachen des Baues und der Unterhaltung von Kreisstraßen ist am 1. Juli in Kraft getreten. Dies? Bestimmung lautet: „Endet eine Kreisstraße vor einer Ort- rchaft, ohne Fortsetzung durch dieselbe zu finden, so bleibt die Unterhaltung der Ortsstraße Obliegenheit der Gemeinde; im Falle der Bebauung der an der Kreisstraße belegenen Grundstücke gelten jedoch für die bebaute Strecke die auf die Ortsdurchfahrt bezüglichen Bestimmungen. Wird indeffen eine Ortsstraße, welche als die Verlängerung einer durch die Ortschaft nicht fortgesetzten Kreisstraße anzusehen ist, auf Kosten der Gemeinde kreisstraßenmäßig ausgebaut, so kann dieselbe auf Antrag der Gemeinde in die Unterhaltung des Kreises und der Provinz übernommen werden.- r. Beuern, 23. Juli. In der vorigen Woche ging über unsere Gegend ein so starker Hagel nieder, daß es, als das Wetter vorüber war, aussah, als ob wir im Winter lebten und es habe geschneit. e. Bad Rauheim, 23. Juli. Nachdem der Gemeinderat )ie Einführung der Städteordnung abgelehnt hat, stellten die Gegner des jetzigen Systems noch in derselben Sitzung den Antrag, das bestehende hohe GehaltS-Regulativ solle abgeschafft und die bisherigen Kosten der Bürgermeisterei herabgesetzt werden. Er sand schließlich nur vier Stimmen ind wurde abgelehnt. Die Antragsteller hoben hervor, daß ie die hohen Gehälter nur deshalb hätten einführeu helfen, weil sie sicher auf Einführung der Städteordnung gehofft hätten. Die Gehälter sollten aus 7000 Mk. ermäßigt werden. Die Gemeinderatsmitglieder, die gegen die Einführung der Städteordnung gestimmt hatten, hielten aber an dem GehaltS- Regulativ fest und erklärten, die städtischen Angestellten verdienten die betr. Gehälter, einerlei ob Nauheim nach dieser oder jener Art verwaltet werde. Die Führung der Geschäfte ei in Nauheim recht schwierig, auch wolle man die erst vor einigen Monaten eingeführte Gehaltsskala nicht schon wieder umstoßen. Dieser Ansicht schloß sich auch der Vertreter der Regierung, Bergrat Professor Dr. CheliuS, an. — Mit Stimmeneinheit dagegen wurde der Antrag auf Errichtung einer zweiten Apotheke angenommen. Der hiesige Apotheker ist nur Pächter, da die Apotheke der Stadt gehört. Auch der ärztliche Verein, das Kreisgesundheitsamt und das Mini sterium sind für eine zweite Apotheke. Die hiesige Apotheke ist mit Arbeiten während des Sommers überhäuft, auch läßt die Bedienung manches zu wünschen übrig, sodaß viele Nauheimer und Kurgäste die beiden Apotheken in Friedberg benützen. Der Gemeinderat beschloß, das Ministerium uw Konzessionserteilung für Errichtung einer zweiten Apotheke zu bitten und dann eventuell das jetzige Schulhaus, sobald diese- durch den Schulhausneubau frei wird, für die zweite Apotheke zu verwenden. Später soll ein geeignetes Grundstück in paffender Lage erworben werden. — Ferner wurde vom Gemetnderat die Vergrößerung des Amtsgerichtsgebäudes durch Aufbau eines Stockwerks genehmigt, trotz der nicht unerheblichen Kosten von 35 000 Mk. Friedberg, 23. Juli. Gestern ist die für Friedberg und Bad-Nauheim errichtete R e i ch s b a n k n e b e n ft e l l e ins Leben getreten. Die wichtigsten Geschäftszweige, mit denen sie sich befaßt, sind folgende: 1) die Reichsbank kaust Wechsel von ihr bekannten Firmen mit drei, mindestens aber zwei, ihr gleichfalls bekannten guten Unterschriften an; 2) sie erteilt Darlehen auf Wertpapiere und Waren verschiedener Art; 3) sie besorgt Firmen, die sich ein Girokonto bei ihr einrichten Ioffen, die kostenlose Ueberweisung von Geldbeträgen an alle Firmen, welche gleichfalls ein Konto bei der Reichsbank besitzen; 4) sie nimmt Einzahlungen auf das Konto solcher Firmen an allen Orten entgegen, an denen sich Reichsbankanstalten befinden; 5) fie übernimmt das Einziehen von Wechseln und Checks auf alle Reichsbankplätze; 6) fie besorgt den An- und Verkauf von Wertpapieren sowie den An und Verkauf von Checks und Wechseln auf das Ausland; 7) fie vermittelt die Auszahlung von Zinsbeträgen an diejenigen, welche ihre Wertpapiere bei dem Kontor der Reichshauptbank für Wertpapiere in Berlin niedergelegt haben. i. Laubach, 23. Juli. Gegenwärtig fieht man hier seit einer Reihe von Wochen eine nicht geringe Zahl von Fremden, die fich in unseren herrlichen Wäldern erholen wollen. Auch zwei Frankfurter Ferienkolonien find seit vierzehn Tagen hier im Gasthaus zur Traube und im Solmser Hof untergebracht. Die Preise find hier noch sehr bescheiden in Gasthäusern sowohl als bei Privaten. 1. Schotten, 23. Juli. Die Pfarrsamilienzusammenkunst auf dem Hohenrodskopf am Montag war gut besucht. Pfarrer Fritsch von Ruppertsburg hielt einen Vortrag über die Poesie des Pfarrlebens, der voll von Humor, aber auch tiefernst war. k. Gonterskirchen, 23. Juli. Am Montag wurde hier unter allgemeiner Teilnahme die 35jährige Ehefrau deS Fabrikarbeiters Kröll beerdigt. Vor kurzem befand sie sich mit ihrem einjährigen Kinde im Freien, als eine wildgewordene Kuh daherraste. Die Mutter wurde vor Schrecken starr und starb nach mehrtägigem Krankenlager. Dieburg, 22. Juli. Die gestern nachmittag in der Festhalle des städtischen Schloßgartens dahier tagende Versammlung der Katholiken des RodgaueS und de« vorderen Odenwaldes war von ca. 2000 Personen besucht. Die Versammlung wurde um 4 Uhr nachmittags durch den Stadtrechner Uebel-Dieburg eröffnet und dauerte bis halb 8 Uhr abends. Bürgermeister KrauSmann von hier entbot den erschienenen Gästen namens der Stadt ein herzliches Willkommen. Als erster Redner sprach Rechtsanwalt und Landtagsabgeordneter Dr. Frenay-Mainz über die Thätigkeit der hessischen Zentrumsfraktion in politischer und sozialer Hinsicht. Sodann sprach in nahezu zweistündiger Rede Reichs- und Landtagsabgeordneter Dr. Heim, Reallehrer zu Ansbach (Bayern), über die wirtschaftliche Frage und insbesondere über die in letzter Zeit so viel besprochene Getreidezollfrage. Redner beleuchtete die sozialdemokratischen Schlagwörter wie Brodwucher und Volksausbeutung besonders scharf, wendete fich aber auch ebenso entschieden gegen die allzuhohen Forderungen der Mitglieder des Bundes der Landwirte. Ausgleichende Gerechtigkeit, eine gesunde Mittelpolitik in dieser hochwichtigen Frage erscheine ihm als unbedingt notwendig. Aus diesem Grunde trete er für einen Zoll von 6 Mk. ein. Als letzter Redner sprach Benefiziat Rat geb-Dieburg über die Presse und deren hohe Bedeutung in der Gegenwart. Mainz, 23. Juli. Wie der „Mainz. Anz." erfährt, be- indet sich die Gattin des Oberleutnants R. im hiesigen Provinzial-Arresthause. Der Grund zur Inhaftnahme der Dame soll in einem angeblichen, an ihrem Manne begangenen Vergiftungsversuch zu finden sein. Uebcr den Gang der Untersuchung wird tiefes Stillschweigen gewahrt. — In der Heugasse versuchte sich gestern nachmittag in ihrer dort gelegenen Wohnung die 26 Jahre alte Witwe Veit durch Trinken einer gifthaltigen Flüssigkeit das Leben zu nehmen. ' Sie war kurz vorher in einer Untersuchungssache polizeilich vernommen worden; nach Hause zurückgekehrt, beging sie den Selbstmordversuch. Durch ein geeignetes Gegenmittel wurde die Frau gerettet. Mainz, 23. Juli. In einer gestern nachmittag abge- halteueu Sitzung der vereinigten Elektrizitäts-, Straßenbahn- und Baukommission wurde beschlossen, nach Ablauf des Vertrags mit der Süddeutschen Eisenbahngesellschaft sechs elektrische Ringlinien zu erbauen, und zwar drei sofort, während die übrigen für später Vorbehalten bleiben sollen. — Vertraulich wurde mitgeteilt, daß der Friede zwischen Stadt und Eisenbahndirektion wieder hergestellt ist, indem die Letztere bei dem Bau der zweigeleisigen Eisenbahn von Kostheim nach Mombach mittelst Uebetbrüdung des Rheins mit Anschlüffen nach Wiesbaden den Wünschen der Stadt entgegenkomme. Haltestelle, Fußweg über die Brücke, sowie der eiserne Viadukt, womit der Jndustriehafen für die Stadt gesichert ist, find genehmigt. Kassel, 23. Juli. Ein geradezu furchtbares alles zer- äörendes Unwetter, verbunden mit wolkenbruchartigen Nieder- chlägeu, orkanartigem Sturm und neben heftigen elektrischen Entladungen von einem verheerenden Hagelschlag begleitet, )at Sonntag nachmittag fast das ganze nördliche Kurheffen nebst den angrenzenden hannoverschen, thüringischen, west- älischen und sächsischen Gebieten, sowie das Fürstentum Waldeck heimgesucht. Namentlich der Hagelschlag hat ein grauenhaftes Bild der Verwüstung angerichtet, das aller Be- chreibung spottet im buchstäblichen Sinne des Wortes. Fachmännisch geschulte Leute schätzen den Schaden auf 75 bis 90 Proz. Das Hagelwetter ist naturgemäß strichweise aufgetreten, eS kam aus dem Loffethale und Fuldathale herauf, ging nördlich von Kassel in einem etwa 1 Kilometer breiten Streifen über die erwähnten Gemarkungen hinweg und dauerte genau 17 Minuten. Die Schloffen hatten die Dicke von Taubeneieru bis zu Wallnüffen und fielen mit einer seltene« Wucht und Dichtigkeit, sodaß in den Alleen und Landstraßen nicht nur mehrere fußdicke Hefte abgeschlagen, sondern selbst eine Unmenge Singvögel und Spatzen, sogar Hühner und i. Anetes IlS tob ‘••ft >.s 2) P* ih L?r °"'°.M« V-° to. ^L^f°rgt £ ?"»» t-.w I wurde hi» Ehefrau des befand sie sich eine wildge« üor Schrecke» t. g in der Fest. agenbt 8tt« ies unb btt tyrfonen be- ilittags durch bauerte bis inn m hier labt ein Herz. Rechtsanwalt ainz über die Politischer und zweistündiger Heim, Real- östliche Frage tl btjprofynt wwtratifdjttt in^be\onhx% »ru tzM die Bundes der zesunde Mittel« e ihm als uu- t er für einen rach BenGat lohe Bedeutung Mn hin ÖOJ Fremden, *n. «uch in Tagen hier hergebracht. Gasthäusern ^ammenbM acht. Pfarrer C.Q9 über die 'der auch tief- erfährt, be- l im hiesigen »astnahme der m begangenen Den Gang der irt. - 3n btt ihrer dort ge« )t Brit durch ben zll nehmen, fache polizeilich , beging sie den jeninittel wurde Mittag abge« Straßenbahn' W W Ser- «ft i irt, wlhn» ol«. - ben Stobt uni ’m Mt mit WE" eutgt!*”*; nie b« « E . stabt g-ßch" ,ate! alti itr> gs* 5Ä“ ■Sk «*5»e ft** tt ‘iteUfg ‘X* inten totgeschlagen wurden. Namentlich die vor den Thoren Kassels liegenden Ortschaften Wolfanger und Ihringshausen haben furchtbar gelitten. Fast kein einziger Bewohner in WolfSanger und Ihringshausen ist verschont geblieben. Der Gesamtschaden wird für Ihringshausen von versicherungk- k rindigen Leuten auf 75—100 000 Mk., für WolfSanger auf 150 000-200 000 Mk. geschätzt. Frankfurt a. M, 22. Juli. Der dritte Bundestag deutscher Tanzlehrer wurde heute hier bei zahlreicher Beteiligung eröffnet. Das Programm des Bundestages, rund eine Woche umfassend, enthält auch einen Antrag auf Errichtung einer Hochschule für Tanzkunst. »• meine Mitteilungen uns Hessen und den Nachbarstaaten In Kastel ertrank am 22. Juli in dem dicht am Erbenheimer Wege laufenden Ochsenbrunnenbache, obwohl das Wasser noch keine 20 Zentimeter tief ist, ein junger Mensch von etwa 17 Jahren. Derselbe litt an Epilepsie und befand sich bei seinem Vater auf dem Felde, der ihn fortschickte, um etwas zu holen; dabei mußte er den Bach überschreiten. Er ward von epileptischen Krämpfen befallen, stürzte mit dem Gesichte in den Bach und ertrank. — Der aus der Duell- affairc bekannte Leutnant Vogt vom 13. Husaren-Regiment wurde wegen Erkrankung aus dem Militärarresthaus in Mainz ins Lazarett gebracht. — Ein seit zwei Jahren hier wohnender Rentner hat sich auf der Insel des Stau- weihers am „Rabengrund- in Wiesbaden mittelst eines Revolvers erschossen. Das Motiv der That ist unbekannt. Der Mann lebte in den besten Vermögensverhältnissen. — AuS ebenfalls unbekannten Gründen erhängte sich die Frau eines Tünchers von hier in ihrer Wohnung. — Am 22. Juli Abends erschoß sich in der Jnfanteriekaserne in Wiesbaden ein Soldat. — Bei der gegenwärtig vorgenommenen Renovierung der Gotthardskapelle in Mainz am Dom fanden die Maurer ein verschlossenes Kistchen, worin sie Dokumente oder Urkunden vermuteten. Nach genauerer Einsicht jedoch ergab sich, daß der Inhalt ein Band des seiner Zeit unter dem Sozialistengesetz verbotenen Züricher „Sozialdemokrat" vom Jahre 1883 war. — Der Verein für Vogel- und Geflügelzucht, der unter dem Protektorat des Großherzogs steht, hält am 7., 8. und 9. September eine allgemeine G e flügel-AuSstellung in Darmstadt ab. Ausführliche Programme und Anmeldebogen sind von Dr. Garth, Darmstadt (Schlachihof), zu beziehen — Zwei an der Felddienst- Übung in der Gegend von Butzbach beteiligte Husarenoffiziere machten am 21. Juli mit i&ccm Automobil eine Fahrt. Auf der Straße Brandoberndorf—Butzbach konnten sie bei der steilen Einfahrt in Espa am Eingang von Weiperfelden nicht rechtzeitig die Kurve nehmen. Das Gefährt stieß der „Butzb. Ztg." zufolge, mit solcher Wucht gegen ein Ge- bände, daß es schwere Beschädigungen erlitt und zur Weiterfahrt nach Weiperfelden unbrauchbar war. Beide Insassen wurden aus dem Wagen geschleudert, erlitten jedoch feinen nennenswerten Schaden. — Die sozialdemokratische Partei in Mainz agitiert gegenwärtig für eine Massenpetition an den Reichstag, die sich gegen die beabsichtigte Erhöhung der Getreidezölle ausspricht. — Dank der für das Heranreifen des Obstes überaus günstigen Witterung findet man in ver fchledenen Teilen der Provinz Rheinhessen bereits reife Zwetschen. Auch die Aprikosen haben sich ziemlich gut entwickelt und erzielen einen Preis von 33—35 Mk. pro Zentner. Frühbirnen kosten pro Zentner 12—15 Mk., Aepfel etwas mehr. Im Durchschnitt fällt die Obsternte nicht schlecht aus. — Ein Tapezierer in Mainz hat ein in ein zweischläfriges Bett zu verwandelnden Sopha, und einem in ein Bett zu verwandelndes Divan konstruiert und für beide Erfindungen Patent angemeldet. Ferner hat er die Konstruktion eines Divans in die Gebrauchsmusterrolle eintragen lassen, der sich in zwei mit den Längskanten zusammenhängende Betten ver- wandeln läßt. Vermischtes. * Bochum, 23. Juli. Auf der Zeche „Präsident" stürzten zwei Bergleute in den Schacht und fanden ihren Tod. * Frankfurt a. O., 23. Juli. Gestern nachmittag ging über Krebsjouche ein Gewitter nieder. Zwei im Felde arbeitende Frauen wurden vom Blitz getroffen. Die eine wurde sofort getötet, während die andere so schwer verletzt wurde, daß sie heute starb. Drei andere Frauen kamen mit dem bloßen Schrecken davon. "Die Ermordung eines Unteroffiziers. In Sablon bei Metz wurde in der Nacht zum Montag ein Unteroffizier des 131. Infanterie-Regiments erstochen auf» gefunden. Der Stich war mit dem Seitengewehr des Unteroffiziers ausgeführt worden und hatte die Halsschlagader getroffen. Heber den Thäter hat man bestimmte Vermutungen, eine Verhaftung ist jedoch noch nicht erfolgt. * Stockholm, 23. Juli. Auf dem vergangene Nacht in Gaedviggen eingetroffenen, mit Petroleum beladenen amerikanischen Dreimaster „Luise Adelaine" fand heute früh eine bedeutende Explosion statt. Das ganze Schiffs- Verdeck flog in die Luft. Das Fahrzeug brennt. Brennendes Petroleum schwimmt auf dem Wasser. Die Explosion wurde durch eine Entzündung ausstrommender Gase heror- getufen. 12 Personen wurden getötet, gerettet 3 Personen. * London, 23. Juli. Einer Depesche aus Suez zu- folge ist der österreichische Dampfer „Teresa- dort angekommen und bringt die Meldung, daß er Sonntag nachmittag mit dem Dampfer „Numidia" der Anchor-Linie, der, wie früher gemeldet, bei der nördlichen Brüderinsel im Roten Meere aufgelaufen ist, gesprochen habe. Der Kapitän signalisierte, daß das Schiff finke, die Hälfte der Mann schäft ickon gelandet sei und daß er Beistand gfilebne. Unioersttäts-Uachrichte«. — Privatdo-ent Dr. Heinrich Kionka von der Breslauer Universität hat einen Rus als Professor der Pharmakologie nach der Universität Jena erhalten. — Der Ministerial-Direktor Dr. Althofs, aus dem Kultusministerium, traf Ende voriger Woche in Münster i. W. ein. Der Besuch Wgt mit der Frage der Errichtung einer juristischen Fakultät zusammen. Arbeiterbewegung. Bayreuth, 23. Juli. Infolge der Lohnbeweguna der Bäcker- z rsellen haben von 78 Meistern 10 die Forderungen der Gesellen bewilligt; bei den übrigen sind die Gesellen ausständig. Die Meister helfen sich gegenseitig aus, auch wird Brod von aufwärts bezog-n. WUkesbarre (Pennsylvanien), 23. Juli. Der Hchrrausstand ist in der gestern abend stattgehabten gemeinsamen Sitzung der Ausstands» leitung und des Vorstandes der vereinigten Grubenarbeiter offiziell für beendet erklärt worden. Gerichtssaat. Marburg, 22. Juli. Wegen Betrugs und Beihilfe dazu hatten sich vor der Strafkammer der Rittergutsbesitzer Klöpp aus Niederbe^sheim bei Homberg (R.- Bez. Kassel) und sein Schwager der Gutsbesitzer Heppe aus Niedermöllrich zu verantworten. Um in den Besitz eines Rittergutes, das von Bodenbender's Erben verkauft wurde, zu kommen, hatte Klöpp gewagte Hypothekenschiebungen vorgenommen» So hatte er, um die Kaufsumme von 310000 Mk. für das 745 Morgen große Gut voll zu machen, auf seine hoch taxierte Ziegelei bei Homberg für Bodenbenders Erben eine Hypothek von 50 000 Mk. eintragen lassen. Diese Ziegelei verkaufte er dann für 100 000 Mark an die „Firma" Epstein u. Co. in Berlin, eine Firma, die garnichts besaß. Ms dann die Ziegelei zum Zwangsverkauf kam, kaufte sie Klöpp für 20000 Mk. zurück. Mehr war sie nämlich nicht wert. Dadurch fielen Bodenbenders Erben mit 30000 Mk. aus. Nun erwirkten diese einen sofort vollstreckbaren Arrest auf die Ziegeleikaufsumme .Tags darauf erschien dann der Schwager Heppe auf dem Gute, und schaffte alles, was nicht niet- und nagelfest war, fort unter dem Vorgeben, die Sachen habe er „vertragsmäßig" gekauft. Er behauptete nämlich unter Zustimmung Klöpps, daß er an diesen eine Forderung von 10 000 Mark habe. Es besteht ^indessen der Verdacht, daß das alles nur Scheinmanöver waren. Klöpp wurde zu 5 Monaten, Heppe zu 2 Wochen Gefängnis verurteilt. Sport. Homburg, 28. Juli. Gestern hat hier das Offiziers-Lawn- tennis-Tournier seinen Anfang genommen. Es beteiligten sich etwa 25 Offiziere daran. Besonderes Interesse bringt dem Tournier der Groß Herzog von Hessen entgegen. Das Präsidium hat Prinz Albert zu Schleswig-Holstein inne. Von den ausgesetzten Preisen find die vom Kaiser gestiftete prachtvolle Silberschale, sowie eine von der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen gestiftete Kanne als hervorragend zu erwähnen. Heute vormittag wohnten der Großherzog von Hessen und das Prinzenpaar Friedrich Karl von Hessen den Wettspielen bet. Am Nachmittag störte der kurz nach 4 Uhr eintretende Gewitterregen und hinderte ein großes Fortschreiten der einzelnen Konkurrenzen. Beim Kampf um den Kaiserpreis siegte Bolongaro- Crevenna gegen Freiherrn ».König mit 6—1, 6—1 und kam dadurch in die dritte Runde, in welcher der geschickte Spieler mit Trapp um den Platz zum Entscheidungskampf streiten wird. Allg^iein sieht man in ihm bereits jetzt den endgilttgen Sieger. — Im Doppelspiel ohne Vorgabe unterlag dagegen Bolongaro Crevenna mit Freiherrn v. König schon in der Vorrunde, wo sie von allerdings sehr gefährlichen Gegnern O. v. Müller und V. v. Müller mit 6—1, 6—1 leicht geschlagen wurden. In ber selben Konkurrenz fand noch ein interessanter Vierkampf zwischen Korte- garn und Broicher gegen von Heydwolff und Freiherrn von Grancy statt, welch' letztere mit 6—1, 3—6, 6—4 ehrenvoll unterlagen Am meisten gefördert wurde heute das Einzelspiel mit Vorgabe, t welchem O. v. Müller trotz einer Belastung von 30% gegen Broicher 4- 15% mit 6—2, 6—2 und V. v. Müller (schuldet 40) gegen la Valette + V« mit 6—3, 6—4 siegten. Ferner siegten ebenfalls in der Vorrunde Bolongaro Crevenna 8 gegen Wäljen + 15 mit 6—4, 6—2; Kortegarn + 6/e gegen Graf Brockdorff + 15 mit 6—0, 6—3 und Strton durch w. o. — In erster Runde schlug sodann v. Heyd- wolff + 30«/e gegen Freiherrn v. Grancy + 15% mit 6—4, 6—1; Trapp + ’/« gegen Robertson + lö«/6 mit 6—6, 6—3; V v. Wß’t durch w. o. und Graf Dohna 4- 15% gegen Schlepps in interessantem, beißen Kampfe mit 7—5 9-7. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Darmstadt, 23. Juli. Der Au'isicytSrat dec Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft beschloß in seiner heutigen Sitzung für 1900/1901 die Verteilung einer Dividende von 61/, Prozent auf daß -rhöhte Grundkapital von durchschnittlich Mk. 17 100 000 vorzuschlagen gegen 7 Prozent aus Mk. 14 400 000 im Vorjahre. Der Rückgang oetz Erträgnisses soll hauptsächlich darauf zurückzuführen sein, daß die in Wiesbaden für den elektrischen Betrieb um« und neugebauten Bahnen erst in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres (im Winter 1900/1901), «lso zu einer ungünstigen Jahreszeit, in Betrieb gesetzt werden konnten. Infolge dessen habe der Betrieb eine Verzinsung der neu investierten Kapitalien nicht erbringen können. C a s s e l, 23. Juli. Gestern würbe auf dem in der Parkstraße belegenen Grundstück des flüchtigen Direktors der Aktiengesellschaft für Trebertrocknung, Adolph Schmidt, ein Teil der zur Konkursmasse desselben gehörigen Sachen öffentlich versteigert. Es waren dieses 8 Pferde, 7 elegante Wagen, ein eleganter Schlitten und eine Anzahl Reit- und Fahrutensilien. Trotzdem eine große Anzahl Käufer erschienen waren, wurden doch nur mäßige Beträge aus der Versteigerung, erlöst. Ein Gastwirt in Wabern erstand für 1400 Mk. ein Paar stattliche braune Chaisenpferde; ferner erzielten em Fuchs 700 AW., ein offener Einspänner-Wagen, sog. Dogcart, 305 Mk., ein sechssitziger Naturwagen (Jagd- oder Pürschwagen) 700 Mk., ein vierrädriger eleganter Kutschwagen (Coupee) 1070 Mk., ein hocheleganter Landauer-Kutschwagen 1350 Mk., ein Halbverdeck- Kutschwagen, sog. Viktoria, 1210 Mk., ein hocheleganter zweiräderiger Wagen 620 Mk., ein in Paris angefertigter Kavalier-Promenadenwagen, nur für Viererzug geeignet, 950 Mk., ein reich mit Pelz und Plüsch ausgestatteter Schlitten 470 Mk. Noch ein Opfer des Leipziger Bankkrachs. Wie aus Jauer gemeldet wird, verübte in dem benachbarten Würgsdorf der Getreidekaufmann Stenzel, eine beliebte und geachtete Persönlichkeit, Selbstmord durch Erschießen. Auch hier sollen, wie so oft, bedeutende Verluste bei der Leipziger Bank ben Mann in ben Tod getrieben haben. — Insolvenz Wie die Zeitschrift «Schuh und Lcder" mit. teilt, ist über die Lederfabrik Emil Fetgenspan in Leipziq- Lindenau der Konkurs auSgebrochen. Die Unterbilanz dürfte zttka eine halbe Million Mark betragen, die Masse etwa 40 Prozent ergeben. Der Inhaber, dessen Fabrik musterhaft eingerichtet war, ist 'fett acht Tagen verschwunden; er hinterließ einen Zettel, daß er in oen Tod gehe. Fetgenspan ist Mitte der Vierziger und lebt in rinder« loser Ehe. — Gerhard Terlinden, Aktiengesellschaft in Oberhausen. Ueber dm Zusammenbruch dieses Unternehmens erfährt man, baß der sett 10 Tagen flüchtig gewordene Leiter Gerhard Terlindm sowohl die mit ihm arbeitmdm Banken als auch feinen eigenen Aufsichtsrat seit Jahrm in der unerhSrtestm Weise beschwindelt hat. Alle bisher für die Aktiengesellschaft ausgestellten Bilanzen find gefälscht. Die Verbindlichkeiten betrugen nach einer vorläufigen Feststellung 12 Millionen Mark, denen an Vermögenswerten etwa 6 Millionen Mark gegenüber» stehen. Terlindm scheint es fett Jahrm darauf angelegt zu haben, durch betrügerifche HandlungSwetfe Millionm betfdte zu schaffen, um dann zu verschwinden. Der verhaftete Prokurist KoSpatt hat die Fälschungm in ben Büchern und Bilanzen ohne weiteres eingestandm und angegeben, daß et von Terlinden hierzu veranlaßt worden sei. Der Zusammenbruch der Gesellschaft dürfte noch weitere ZahlungS- einsteUungm nach sich ziehm. — In Bezug auf die bprozentigm Schuld- verschretbungm wird mit Rücksicht auf die Zahlungsstockung der Gesellschaft folgendes mitgeteilt: Die hypothekarisch gesicherte Anleihe ist im Dezember 1900 im Nennbeträge von 2 Millionm Mark zur AuS- gebe gelangt. Obwohl nun die Bank für Handel und Industrie und die Bankfirmm Rob. Warschauer u. Eo., I Schultze u. Wolde und Ephraim Meyer u. Sohn, w.gen der hvpotbekartschen Eintragung der bpcozentigm Anlethe'nicht der Anficht sind, daß der hfcttnn irgend eine erhebliche Gefahr droht, so wünschen sie doch nicht, daß auch nur eine Beunruhigung der Inhaber der von ihnm erst vor kurzem au8- gegebenen Schuldverschreibungen infolge der strafbaren Höhlungen des GefellschasttvorftandeS Platz greife. Sie erk ären sich dcsbalb bereit, von jedem Inhaber der von ihnen begebenen Schuldoelfch, eibungen die letzteren käuflich zum AuSgabekurS von 101 Pro,ent mit laufenden Zinsen vom l.Juli d. I. zurückzuerwerbm, wenn einer der genannten Firmen »ine dicSsallsige schriftliche E> klärung bis zum 15. August d. I. unter Beifügung der Schuldverschreibungen samt lausenden Zintzscheinm zugeht. Rewhork, 23. Juli. Der Zuckertrust erhöhte sein Kapital um 15 Millionen Dollars behufs AuSdehung seiner Operationen nach Euba und Portorico. Der Trust strebt zweifellos in der nächsten Tagung be? Kongrefff« Zollf -ibeit für Rodmcker bieder H rkunft an. Deramerika'nischeStahltr uft geht jetzt daran, seinen ganzen Besitz an Kohlen- und Cokswerken zu konsolidieren, um auf diese Weise Ersparnisse im Betriebe wie in der Leitung zu erzielen, und zwar soll laut „New- Pork. Hdls.-Ztg." der sämtliche derartige Besitz des Trusts in die Frick Eoke Eo. übergeleitet werden. Die Transaktion würde einen Aufwand von 50000 000 Dollars involvieren und Transferierung des Besitzes von' 36 000 Ackern Koks- und Kohlenländereien, zu einem Preise von etwa 700 Dollars pro Acker an die Eoke Eo. zur Folge haben. Zu den absorbierenden Gesellschaften gehören: die von der American. Steel u. Wire Eompany konttollierte American Coke Eompany, welche 5000 Acker Nohlenbesitz hat, sowie die Puritan Eoke Eompany mit 1000 Ackern; ferner die von der Federal Steel Co. kontrollierte Eureka Fuel Eo. mit 7000 Acker in Fayette Cy. und die Southwest u. Eonnels- ville Coko Eo. mit 1200 Ackern nahe Mt. Pleasant; die gemeinsam von der Federal Steel Co. und der American Steel u. Wire Co. betriebene L>uron Water Eo.: die von der National Steel Co. kontrollierte Continental Eoke Co. mit 2000 Ackern nahe Uniontown sowie 7000 Acker Kohlenländereien, welche gemeinsam von der American Tin Plate Co. und der American Steel Hoop Co. betrieben werden. Die Leitung der reorganisierten Frick Coke Eo. verbleibt in Händen des Präsidenten der Gesellschaft, Thomas Lynch. Krieskasten der Redaktion. Et. hier. Selbstverständlich liegt in unserer gestrigen Notiz über die Hundesteuer ein Druckfehler vor, und Ihre Ansicht, daß statt „im Ganzen" ,in Gießen" zu lesen sein dürfte, ist ganz richtig. Der schuldige Attentäter ist einer unserer Setzer. In Gießen rourben im Rechnungsjahr 1900/01 für 733 Hunde 7330 Mark Steuern gezahlt. Neueste Meldungen. Berlin, 24. Juli. Bei dem gestern nachmittag niedergegangenen schweren Gewitter wurde am Nollendorf-Plaß ein Kugelblitz beobachtet, der eine außerordentlich heftige Detonation mit rötlicher Lichterscheinung bewirkte. Posen, 24. Juli. In Gomblowo bei Graetz schlug der Bslitz in einen Haufen Arbeiter. Zwei Frauen und ein Kind sind tot, vier Arbeiter betäubt. Bayreuth, 23. Juli. Heute wurde „P a r s i f a l" gegeben. Die Wirkung war von Akt zu Akt steigend. Die Aufführung wurde mit starkem Beifall ausgenommen. Das Schlußbild mußte zweimal gezeigt werden. Stockholm, 24. Juli. Bei der Explosion des amerikanischen Dreimasters „Luise Adelaide" sind 13 Personen getötet, darunter befindet sich der Kapitän. Lon do n, 23. Juli. (Reuter.) Nach einem Telegramm Kitcheners aus Pretoria wurde ein aus Kapstadt kommender Güterzug, bestehend aus Wagen mit Gerätschaften und Vorräten, am 20. Juli früh 8 Meilen nördlich von Beaufort-West von Scheepers Kommando angehalten undausgeplündert. Auf Seiten der Engländer wurden drei Mann getötet und 18 verwundet. — French berichtet, Oberst Grabbe mit 300 Mann sei in den Bergen bei Cradock bei Tagesanbruch am 21. Juli von Kruitzinger angegriffen worden. Die Pferde der Engländer gingen durch. Cradbe mußte, sich auf Mortimer zurückziehen, nachdem der Kampf den ganzen Tag gedauert hatte. Di« englischen Verluste sind gering. Rom, 24. Juli. Die Zeitungen melden, daß in dem Schiedsgericht über den Aus st and derSchiffsmann- schäften in Genua die Rheder sich weigerten, zuzugeben, daß die Schiffsmannschaften in diesem Schiedsgericht durch Ligner vertreten würden, während der Vertreter der Signet darauf bestand, als solcher aufzutreten. Zanardelle habe seinen Spruch dahin abgegeben, daß man die Rheder nicht zwingen könne, sich damit einverstanden zu erklären, daß die Schiffsmannschaften im Schiedsgericht durch Signet vertreten würden und daß, wenn die beidM^Parteien sich nicht über diese Frage einigen, man keinen^chiedsspruch fällen könne. Konstantinopel, 24. Juli. Hier sind neuerdings drei Pest fälle vorgekommen, wovon einer tötlich verlief, außerdem wurden zwei pestverdächttge Fälle festgestellt. Der Sanitätsrat ordnete die ärztliche Untersuchung und die Desinfektion gebrauchter Wäsche und Kleioer im Hafen von Konskanttnopel an. Die Herkünfte aus Konstantinopel wurden mit der Besttmmung nach anderen türkischen Häfen einer 48 stündigen, die Herkünfte aus Egypten einer 10 tägigen Quarantäne unterworfen. Meteorologische Beobachtungen der Stativ» Gietzeu^ 23. 24. 24. 9« 7“ 2« o *tr 3 8 Z-L 82 - -S~ ZZ b w 742,7 741,7 740,9 + 16,5 + 14,6 + 18,9 12,1 11,7 13,9 Höchste Temperatur am Niedrigste „ „ iS 2 e- £ 5 I 86 94 86 W. W SSW 22.-23. Juli Wetter 1 Bed. Himmel 1 Regen 1 Bed. Himmel + 23.60 c. + 15.00 C. Telephonischer Kursbericht- Fraakfnrt, den 24. Juli. 31/1 o/0 Belohßanleiho . . 101.00 8 c/o do . . 90.35 91/| 8/0 Konsole .... 100.80 3 0/e do .... 90.50 8V1 °/o Heeaea .... 99.00 5°/g Italien. Bente . . . 97.05 40/0 Griech. Mopop.-Anl. 42.90 8 0/0 Portugiesen . . . 25.75 8 0/0 Mexikaner «... 26.40 zu 98V8%. Wir sind beauftragt, Anmeldungen zu der am 26. Juli 1901 stattfindenden I Zeichnung zu den Original-Bedingungen des Prospekts entgegen zu nehmen. Giessen, den 24. Juli 1901. 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