Nr. 302 Zweites Blatt. Dienstag 24. Dezember 1901 Es fehlt auch hin und wieder Tas lebendige Zus, Naivität, die eine stramme, mentlich in der Ra 181. Jahrgang sammenspiel in den Ensembleszenen, na- Ranfszene im ersten Akt verdiente in vollem Umfange die Anerkennung, die den Darstellern vom Publikum gezollt wurde, unter dem sich prozeßhansllustige Advokaten mehr denn sonst befanden. Den Sonntags-Vorstellungen habe ich nicht mehr beigewohnt. „'s gold'ne Kalb'l" ist nach der Inhaltsangabe — der Münchener Rubin-Verlag hatte eine etwas seltsame Art von illustrierten Textbüchern auf den RedattionS- tisch gelegt — wenig anziehend, und „Almenrausch und Edelweiß" kenne ich als ein Stück voller verlogener Reden, an denen der alpenduftige Titel, der an oberbayrische Blumenlyrik gemahnt, weitaus das beste ist. Es sind verblaßte Düsseldorfer Farben über das ganze Bühnenbild gebreitet, die Bauern sind bis ins Herz und Gebein hinein frisiert. preßt, als sie zu geben hat. (7. ' die frische und erfrischende Naivität, ..... strenge, schneidige Regie allzu sehr betont wissen will' und die dadurch gerade ihre reizvolle Keuschheit einbüßt. Bei einigen Darstellern trat diese Erscheinuüg nicht in den Vordergrund. Das gilt in erster Linie von dem Gesangsstar der Truppe, der Anna Zoller. Sie ist weitaus das größte Talent der Gesellschaft, ihre größten Vorzüge sind guellfrische Ursprünglichkeit, ungezierte Zierlichkeit, Aufgeräumtheit und vor allem eine leichte Einbildungskraft, die sie befähigt, für alle Situationen die rechte Stimmung zu treffen und die verschiedensten Charakter- und Temperaments-Eigentümlichkeiten in sich selber zu finden. Daher die entzückende Unmittelbarkeit aller ihrer Wirkungen. Daß Herrn Mose r's Bühnengestalten ungezwungen wirken, ist nicht weiter verwunderlich. Er ist Berufs- schauspielcr und war Jahre lang Direktor des Münchener Volks-Theaters. Aus dem Prozeßhansl schuf er eine prächtige, derbe Bauerngestalt, die über Künstelei weit hinausging, und ganz dem Leben nachgeschasfen schien. Die Szenen mit Toni, der von Hertl ganz wirksam dargestellt wurde, hatten ja freilich etwas Larmoyantes an sich, aber da, wo es darauf ankam, die schroffen Seiten dieses Querkopfes zu betonen, da stand die Kunst des Herrn Moser auf ihrer Höhe. Viel weniger dagegen gefiel mir der Gemeindediener Schlaucherl des Beni Glas. Hier fehlte ganz und gar die Unmittelbarkeit, alles war erzwungen, gemacht. Welcher Unterschied zwischen ihm und dem prächtigen Linnbrunner, dem früheren Komiker der Tegernseer-, der dem Schlierseer Terofal fast gleich und Dreher sehr nahe kam. Mehr befreunden konnte man sich schon mit Resl EinüdsHofer, und auch andere kleinere Rollen fanden prägnanten Ausdruck. Reizend waren einige Gesangseinkagen und das erste musikalische Quartett des ersten Zwischenaktes, wobei Streichmelvdion und Guitarre die Haupiinstrumenl^ sind. wegung berichtet, die auf die Wiederherstellung des Kaiserreiches abzielt. Uns scheint, als ob darin das Heil Südamerikas liege; nur eine starke, mit Herrschergewalt versehene Hand vermag die Korruption einzudämmen, die sich in dem Republiken system immer verderblicher breit macht, und Zustände herbeisuhrt, die eine ruhige und gesunde Entwicklung jenes zukunftsreichen Erdteils aussichtslos erscheinen läßt. Brasilien geht, wie heute berichtet wird, mit der Absicht um, fünf bis zehn Millionen Pfund Sterling zum Ankauf von Kriegsschiffen auszugeben. Auch Peru und Bolivia verstärkten ihre Rüstungen. Parlamentarisches aus Hessen. Der zweite Ausschuß der Zweiten Kammer hat sich über den Antrag des Aog. Wolf, betreffend Zusatz zum Artikel 41 des Feldbereinigungsgesetzes vom 28. September 1887 geäußert. Der Antrag verlangt Zusatzbestimmungen zu dem Artikel 41 des Feldbereinigungs- gesetzes, dahingehend: 1. daß die zulässige Mindestfläche bei landwirtschaftlichen Grundstüchsteilungen außer Kraft gesetzt werde für den Fall, „daß die neuen Teile mit den Nachbargrundstücken dauernd wirtschaftlich vereinigt werden"; 2. daß die zulässige Mindeüfläche bei Waldverteil- unß keine Anwendung finde bei Verteilung von „Hecken uno Holzwuchs, wie solcher häufig in Rheinhessen vorhanden ist und im Grundbuch als „Wald" bezeichnet ist." Die Regierung hat zu dem Antrag in einem Schreiben an den Vorsitzenden des ztoeiten Ausschusses ausgeführt, „daß der beantragte Zusatz zu diesem Gesetzartilel nicht gemacht werden kann, weil Letzterer überhaupt nicht meyr zu Recht besteht. Derselbe ist wegen seiner allgemeinen über das Gebiet der Feldbereinigung hinausgehenden Bedeutung durch die Artikel 94 und 95 des Ausführungsgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch sachlich ersetzt und beseitigt. Bei der bevorstehenden Neufassung des Feldbereinigungsgesetzes wird dieser Artikel 11 in das neue Gesetz nicht ausgenommen, sondern durch einen Hinweis auf die genannten Gesetzesartikel ersetzt werden. Daß aber das Ausführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuch in der nächsten Zeit abgeändert wird, erscheint ausgeschlossen. In dem von dem 2lbg. Wolf angegebenen Falle ist daher, falls nicht gleiche Eigentumsverhältnisse für das zu erwerbende Teilstück und das durch den Teil zu vergrößernde Hauptgrundstück geschaffen tverden können, nur durch eine Vereinbarung der Miterwerber des zu teilenden Grundstücks darüber zu helfen, daß jeder Miterwerber einen näher zu bestimmenden ratastermäßig unselbständigen Teil dieses Grundstücks für die Dauer seines Verfügungsrechtes über das Haupt gründ stück mit diesem wirtschaftlich vereinigt. Eine rechtliche Teilung des neu- erworbenen Grundstücks in Trennstücke unter dem Minimalmaße darf aber nicht zugestanden werden, da sonst spätestens nach dem Erlöschen des Verfügungsrechtes über das Hauptgrundstück selbständige Trennstücke von wirtschaftlichem Minderwertc bestehen würden. Bei Waldgrundstücken kann um Freigebung von dem Waldverbande nachgesucht und hierdurch die Vorschrift über die Mindestgröße der Waldparzellen (50 Ar.) beseitigt werden." Der Ausschuß überläßt es danach dem Antragsteller, die ihm notwendig scheinenden Ausnahmebestimmungen bei landwirtschaftlichen Grundstücksteilungen auf dem Wege einer Revision der Artikel 94 und 95 des Ausführunasgesetzes zum Bürgerlichen Gesetzbuch anzustreben. Hinsichtlich der Hecken- und Holzwuchsstücke dürfte der im Regierungsschreiben angedeutete Ausweg geeignet sein, eventuelle Härten au vermeiden. Es wird beantragt, den Antrag für erledigt zu erklären. schon Hetzern überlassen, dem polnischen Haß gegen alles Deutschtum Ausdruck zu geben. Den leitenden Kreisen im In- und Auslande vermögen diese Angriffe nur das Bewußtsein zu stärken, daß sie im Kampfe gegen das Pvlen- tum nicht erlahmen dürfen. Seitens der radikalen Partei des galizischen Landtages wird nach neuesten Meldungen, eine große Debatte über die Vorgänge in Wreschen g-s- plant. Tie österreichische Regierung bietet aber ihren ganzen Einfluß auf, um die Debatte zu verhindern. Wie verlautet, wird der Statthalter Graf Pininski, falls die Debatte thatsächlich erzwungen werden sollte, sofort den Landtag schließen. In Warschau wurden die wegen Ruhestörungen und Herunterreißens von Wappenschildern vom deutschen General-Konsulat verhafteten 21 Studenten zu Zwei Wochen bis zu drei Monaten Arrest verurteilt. Tie Negierungen im Auslande bemühen sich also sichtlich, mit aller Schärfe jede Beleidigung des deutschen Volkes zu ahnden. Bei uns in Deutschland gehen z. Z. noch sehr die Ansichten über die Mittel, die zur Unschädlichmachung der großpolnischen Agitation am besten zu ergreifen sind, auseinander, doch besteht volle Einigkeit darüber, daß dieser Bekundung des Slavismus mit allem Nachdruck entgegen-» getreten werden muß. Am meisten Interesse beanspruchte von den Vorgängen im Auslande noch die Rede Rsoseberys, des früheren englischen Ministers und Parteiführers, die allgemein als die Einleitung zur Bildung einer neuen Partei betrachtet wird . Zwar stellte sich auch dieser Staatsmann auf den Standpunkt, daß der Krieg in Südafrika im Interesse des Ansehens Englands fortgesetzt werden muß, aber er konnte doch nicht verhehlen, daß die leitenden Kreise Englands schwere Fehler gemacht hätten und den Krieg hätten verhüten können, wenn sie vorsichtiger gewesen wären. Ein Utrechter Korrespondent des Newyork Herald hatte mit dem Buren-Delegierten Wolmarans eine Unterredung. Ter letztere erklärte zur. Rede Roseberys, die Buren-Telegierlen würden glücklich sein, wenn sich die Regierungen von England und den Buren-Republiken verständigen könnten. Wenn England berufene Vertreter nach Holland schickte, um dort mit den Buren-Delegierten über Friedens-Bedingungen zu unterhandeln, so würden diese gern dazu die Hand bieten. Tas ist nun freilich ganz unrealistische Zukunftsmusik, selbst für den Falt, daß Rosebery genügenden Zuzug aus den Reihen der liberalen Unionisten erhält, um die Bildung einer neuen Partei durchsetzen zu können, die die gegenwärtige Negierung zu stürmen vermag. Jedenfalls aber hat leme Nede das Gute, daß sie weiteren Kreisen das Gewissen geschärft hat. Ter gegenwärtigen englischen Regierung ist em Nebenbuhler erwachsen, dessen Zeit, die nach Roseberys freiwilligem Rücktritt aus der Oesfentlichkeit abgelaufen schien, noch einmal wiederkommt, und dann dürfte auch wohl im Süden des schwarzen Erdteils immerhin Einiges anders werden. Einstweilen aber schleicht der Krieg dort weiter durch das Veldt. Jeder Tag bringt beiden Parteien Geplänkel und Verluste. Der Nachteil war in der letzten Woche unverkennbar auf feiten der Buren, die Kruitzinger verloren, einen ihrer besten Führer, der den Engländern besonders in der Kapkolonie zu schaffen machte. In England ist davob natürlich großer Jubel; die alte Geschichte vom Eselstritt, der dem gefangenen resp. toten Löwen erteilt wird, bewahrheitet sich von neuem, und man ist allen Ernstes oaran, zu erörtern, ob man den gefangenen Helden nicht am besten vor ein Kriegsgericht stellen und füsilieren lassen olle. In Südamerika ist die Situation so unsicher wie bisher; Chile und Argentinien, Columbien und Venezuela bezeugen nach wie vor Luft, aufeinander loszuschlagen, und zu allem Ueberfluß wird auch aus Brasilien von einer Be- Das Publikum hat die Kunstdiandln und Kunstbuam warm und herzlich aufgenommen, und hätte jedenfalls zu einer günstigeren Zeit seine Sympathie durch zahlreicheren Besuch kundgegeben. Wenn sie auf volle Häuser gefaßt waren, dann sind sie enttäuschr wieder von dannen gezogen, an Beifall aber und selbst an Lorbeern, im ursprünglichen Sinne dieses Wortes, hat man ihnen gegenüber nicht gekargt. Zum Schluß sei eine Frage aufgeworfen: Wodurch unterscheiden sich die bayrischen Bauerndarsteller von berufsmäßigen Darstellern? Die besseren unter ihnen m. E. durch gar nichts. Die überwiegende Mehrzahl der Berufs- darsteller kommt nie über eine Kunst hinaus, wie man sie auch bei den Tegernseern und Schlierseern anttifft, über eine gute, solide und mittelmäßige Volts- und 5ranb- werkskunst, die das Gewohnte und Alltägliche, was sie stets vor Augen hat und innerlich Mitempfinden kann schlicht und ungezwungen auszndrücken versteht. Tas meiste, was wir^ zu sehen und zu hören bekommen, so gut wie die mevten Hivmane, die weiften TbLorerstücL .Mid die Gießener WalMhcater. Die Tegernseer. Nun haben uns die Tegernseer wieder verlassen. Am Samstag gab's noch einen durch Mitglieder unseres Theatervereins etwas besser besuchten Alpenabend, und am Sonntag sogar zwei Vorstellungen. Ganghofer und 'Neuert haben ihren „Prvzeß- bansl", eine oberbayrische Dorfgeschichte, die für ein bescheidenes Lesepublikum ganz amüsant sein mag, schlecht und recht für die Bühne zugestutzt. Gern sei den Tegernseern das Zeugnis ausgestellt, daß sie es verstanden haben, durch ihr frisches Spiel die guten Seiten des Stückes hervorzukehren, das an schtvachen Seiten — um paradox zu reden — stark ist. Die Darsteller traten in den Vordergrund und bemühten sich mit bestem Erfolge, die Sünden der Autoren, die mit redseliger und sentimentaler Tragik arbeiten, vergessen zu machen. Es ist den Hnren G. und 9t nicht vergönnt gewesen, im „Prozeßhansl" eine Arbeit zu liefern, die sich über das Niveau einer mittelmäßigen Erzählung erhebt, die durch etwas Lokal-Kolorit und ein paar nicht übel nach der Schablone gezeichnete Charattere so gut wirkt, wie es eben geht und die Dar- stellungsfähigkett der Tegernseer es gestattet. Eine Kunst- arbett haben Ganghofer und Neuert nicht geliefert, wohl aber aus der durchaus romanhaften und etwas verworrenen Handlung einige stark wirkende dramatische Szenen herausgeholt. Gespielt wurde sehr brav, nur vermißte man hin und wieder die ursprüngliche, aus sich selbst schöpfende Kunst, die den bayrischen Bauernschauspielern und ihren Schöpfungen zutt^eilen so eigenen Reiz verleiht. In der Darstellung machte sich stellenweise die durch sorgsälttges Studium beeinflußte Arbeit, der Drill bemerkbar, der von der, ?^dividualit^.t mehr verlangt, mest 'uns ihr heraus- Politische Wochenschau. (c-, auf das bislang lebhaft bewegt gewesene Gebiet oer Reichspolitik hat sich nunmehr der Weihnachtsfrieden gesenkt. Der seither mit unverminderter Zähigkeit geführte Meinungsaustausch über Nutzen und Schaden der von der Regierung befürworteten Zollpolitik wich zuletzt im Reichstage weniger weittragenden Erörterungen, und je mehr sich das große Friedens- und Freudenfest der Christenheit näherte desto niedriger gingen die Wellen des Parteisttettes, der politischen Gegensätze, wenn auch hier und da noch mal die eine oder andere höher auffchäumte als ihre Genoss mnen. Der Sturm, der sie zur Empörung brachte, ist eben einer vorübergehenden Abflauung gewichen; die ftritttgen Themata der letzten Zeit haben, mit Ausnahme der l^' aktuelles Interesse verloren und sind so allmählich aus dem Bereich der Tages er örterung gerückt, die sich ihrer eben noch so warm annahm. Das gilt beispielsweise vom Falle Spahn, den einzelne Blätter auch letzt noch anläßlich der neuesten historischen Beröffent- lichung des jungen Straßburger Professors ftu FH fixieren ^^£>^^ten, ohne daß sie auf sonderliche Dteigung, ihnen darin za folgen, stoßen. Die Angelegenheit ist eben so ausgiebia erörtert, daß selbst die Ankündigung von der nun thatsäch- lidj bevorstehenden Ernennung eines katholischen Philosophen für Straßburg, die denselben Motiven wie Spahns Ernennung entspringt, zunächst noch wenig Eindruck macht. Professor Mommsen, der bisher im Mittelpunkt des Kampfes wider die konfessionelle Wissenschaft stand, ersieht mrs dieser Ankündigung, daß die öffentliche Meinung in Teutschland nur dazu da ist, um von der preuß. Regierung nicht verstanden zu werden. Gegenüber dem parteipolittschen, mehr abschreckend Venn anregend wirkenden Kleinkrieg brachte die Rede des Kaisers über die bildnerische Kunst, wie sie leinen Intentionen entspricht, eine toilEBommene Erhöhung bes Niveaus der Tageserörterung. Ungeteilte Zustimmung hat die Rede in den wenigsten Kreisen geftinden, weit der Standpunkt, den sie einnimmt, zu einseitig ist. Ter alte Platen'sche Vers: „Dem ergiebt die Kunst sich willig, der sich völlig chr ergiebt, der die Freiheit heißer, als er Not und Hunger ftirchtet, liebt", wird manchem dabei eingefallen sein, weil es eine unumstößliche Wahrheit ist, daß die Kunst ab f o Lut frei sein muß, wenn sie wirklich Großes schaffen will. Jtunft ist nicht sowohl Ansichts- und Geschmacksache, als vielmehr etwas, was nur von Kunst f ü h lenden verstanden und gewürdigt wird. Wer sie nicht versteht, von ihr anderen Zweck als den Selbstzweck verlangt, hat ihren unentweihten Tempel nie betreten. Darum sollte auch nie- uianb und sei er der Gewichtigste und Einflußreichste, der Erhabenste und Heiligste einer Nation, der Glänzendste und Strahlendste und Begabteste, versuchen, sie zu uniformieren Und einem, feinem Willen unterthan zu machen, diesen Willen gleichzeittg als eine Art Evangelium verkünden, auch wenn dieses Evangelium den Künstlern in so anerkennender und liebenswürdiger Weise gepredigt wird, wie es hier geschehen ist. Die letzteren werden in allererster Linie streng ni prüfen haben, inwiefern sie das kaiserliche Lob verdienen, wenn sie nicht die Schwingen chres künstlerischen Fluges lähmen wollen. „Dem Künstler gönn' ich gern des Königs Gunst; nur zweisl' ich, ob auch zugleich sie fördert stets die Kunst!" Entsprechend der wechnachtlichen Stimmung im Innern sind auch aus dem Auslande Ereignisse von Bedeutung kaum zu verzeichnen. Sogar die heißblütigen Polen beginnen allgemach ihren nattonalen Stolz wieder einzu- dämmen und haben es nach einer Reihe wenn auch symptomatischer, so doch unfruchtbarer Kundgebungen chauvinisti- d Q Annahme oon Irtidgtw mtAfeA-gtAi* jIWM SANS vIIlIiIl III I ZI IKr lilr I ääs 'NE- , General-Anzeiger v ESEfiffi S£S£ AMz- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ' VJ zeigenteil: HanS Beck. (Stürmischer Beifall.) Wen dies das wäre das deutsche Volk Die Wahrung des Amtsgeheimnisses der Redakteure. Gegen den Redakteur der „Kemptener Allgäuer Ztg.", Siebcrtz, ist zurzeit ein Verfahren wegen Zeugnis Verweigerung anhängig. Da er den Namen des Verfassers eines in der ,Allg. Ztg." erschienenen inkriminierten Artikels nicht angeben wollte, wurde er im Zeugniszwangsversahren verhaftet. Im Interesse der Aufgaben der Presse, die durch keine andere Einrichtung erfüllt werden können, ist die Wahrung des Amtsgeheimnisses ebenso für den Redakteur zu verlangen, wie er für den Arzt, Notar oder Pfarrer besteht. Die Anonymität ist für die Zeitungen aus technischen und inneren Ursachen eine Grundlage, die sie niemals verlassen können. Thäten sie's auch, so würden dieselben Aufgaben der Hervorziehung öffentlicher Uebelstände doch von anonymen Pamphletisten erfüllt werden, die dann in derselben Lage wären wie heute die Zeitungen. Die Gerichte haben eine ausreichende Handhabe, wenn ste für ein Preßvergehen den verantwortlichen Redakteur zur Rechenschaft ziehen. Das sonst durchaus gestmde Bestreben unserer Rechtsprechung, stets den Thäter selbst zu fassen, statt halbschuldiger oder halbunschuldiger Mitthäter, ist hier nicht am Platze, da in jedem geordneten Betriebe entweder der Redakteur den Artikel so genau kennt oder kennen muß, daß er als verantwortlicher Thäter gelten kann oder, wo das nicht der Fall ist, dev Thäter selbst für ihn eintreten wird. Tas ganze deutsche Zeitungswesen ist heute zu einem großen Teil auf der Anonymität aufgebaut und wird cs bleiben. Deshalb liegt die einzige Lösung der heute noch der Presse von den Gerichten bereiteten Schwierigkeiten in der Verleihung des Rechts der Zcugnisocrweigcrung an die Redakteure, sobald er selbst für den Artikel eintreten und die Wahrung des Amtsgeheimnisses im Interesse des Verfassers für nötig halten. Aus Mül>t und Lund. (Ter Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Ottginal-Nachrichten tsi nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Auz." gegattet.) Gießen, den 23. Dezember 1901. ** Personal-Nachrichten. Ter Gerichtsassessor Brehm in Alzey wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrlchtungen eines Amtsrichters am Amtsgericht Pfeddersheim, der Gerichts- asscssor Dr. Krug in Worms mit Wahrnehmung solcher in Alzey und der Gcrichtsasscssor Winckler in Ober-Flörsheim mit Wahrnehmung der Dieltstverrichtungcn eines Amtsanwalts in Worms beauftragt. Ernannt wurde der Militäranwärter Wilhelm Güßefeld aus Kalbe a. d. M. mit Wirkung vom 1. Januar 1902 an zum Hauswärter im nördlichen Kollegien- gebäude, der Heizer bei der Main-Neckar-Lisenbahn Emil Arheilger zum Lokomotivführer und der Hilfsheizer bei der Main-Neckar-Eisenbahn Rudolf Müller aus Darmstadt zum Heizer, beide mit Wirkung vom 1. Januar 1902 an. ** Errichtung einer kaufmännischen Krankenkasse. Auf den eitens der Grogh. Handelskammer an die Bürgermeisterei gerichteten Antrag, eine besondere Ortskrankenkasse für alle im kaufmännischen Gewerbe beschäftigten Personen einzurichten, hat die Bürgermeisterei Anfragen an die organisierten Handlungsgehilfen gerichtet, um deren Ansicht in dieser Sache zu erfahren. Diese sollen sich, wie wir hören, gegen eine olche Sonderkasse ausgesprochen haben. ♦* Das (Safe Leib geht am 1. April k. I. in andere Hände über. Der ven seiner Thätigkeit im Caf