Nr. Viertes Matt. 151. Jahrgang. Sonntag 24. November 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siebener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit oem „Hess. Landwirt* und den „Blättern sür hessische Volkskunde* viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition unb Druckerei: Schnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FtrnsprcchanschlußNr.51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v ** Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige» äu der sür den folgenden Tag erscheinenden Nr, bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellen des In- und Ausla>rdes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 13Pf, cniswärtS 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen UniversitätS - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wrttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Ium Iall MasKorvitz wird uns aus unserem Leserkreise von geschätzter Seite geschrieben: Tie Bewegung gegen das Duell, deren Anfänge ja sehr weit zurückreichen, ist seit kurzem wieder einmal besonders lebhaft geworden. Verschiedene Ereignisse der letzten Zeit, namentlich der Vorfall in Insterburg, haben das allgemeine Interesse'dafür in Anspruch genommen und die Wichtigkeit der Frage grell beleuchtet. Eine eingehende Beurteilung des letzteren Falles ist auch nicht möglich, da die Einzel- heiten leider immer noch nicht bekannt gegeben sind. Das Eine aber steht jedenfalls fest: Wieder einnral hat eine jugendliche Ausschreitung und Unüberlegtheit, die zwar sehr bedauerlich, aber doch keineswegs unsühnbar war, ja bei der für ein gesundes Empfinden eine andere Beilegung unbedingt hätte ein treten muff en, unter der Herrschaft der Tuellunsitte den Anlaß gegeben, daß ein junges Menschenleben ein erschütterndes Ende sand, ein um so beklagenswerterer Fall, als dabei eine glückliche Braut, die hoffte, in kurzem mit ihrem Verlobten vereint zu werden, sowie ein ergrauter, ehrwürdiger Vater in unvorhergesehener, furchtbarer Weise in tiefste Trauer versetzt würben. .Hoffentlich hat gerade dieses lebte Vorkommnis wenigstens die Folge, daß man nicht wieder in öder Gedankenlosigkeit oder aber, in erstarrten Vorurteilen befangen, mit der gewohnten Vertuschungsmanier über diese wichtige Frage hmweggehen kann. Je lauter und nachdrücklicher sich im Volke die Stimme der Entrüstung erhebt, um so besser. H ier muß endlich einmal Wandel ge- scyaff en w erbern Ist es wirklich eine Forderung der Offiziersehre, jederzeit, auch um einer Lappalie willen, denn anders werden die merften Duellanlässe von Gebildeten nicht beurteill, das Leben aufs Spiel zu fetzen? '.Xie zustimmerrdeu Aeußerungen, die Superintendent Gcmmel auf feine scharfe Verurteilung des Duells von höheren Offizieren zugegangen find, beweisen, wie ältere, gereimtere Offiziere darüber denken. Dem Offizier soll das Bewußtsein auch erhalten bleiben, daß die Ehre ihm höher stehen muß, als das Leben. Gewiß — nur muß dieser Grundsatz recht öerftanben werden. Die Ehre des Offiziers verlangt von ihm, daß er ohne Zaudern fein Leben einsetzt, wo es eine richtige Anforderung seines Dienstes und Berufes, namentlich vor dem Heinde, erbeischt. Aehnliches gilt ja auch in anderen Ständen, von denen manche fortwährend mit Lebensgefahr rechnen müssen, und ist darum dem Bolks- empfmben keineswegs fremd. Der Arzt darf auch dem mit ansteckender tätlicher Krankheit Behafteten nicht fern bleiben, der Geistliche hat auch dorthin, ohne Rücksicht auf das eigene Leben, die letzten Tröstungen der Religion zu bringen. Oder sollte das Duell etwa als Sicherheitsmaßregel für notwendig gehalten werden, um mancherlei Ausschreitungen in Offiziers kreisen vorzubeugen, denen nicht gut anders begegnet werden fönnte? Eine solche Begründung wird man doch nicht emsllich aufrecht erhalten wollen. Tas würbe doch ein sehr bedenllicyes Licht auf den Geist unseres Offizierkorps werfen, das wäre entschieden die größte Beleidigung, die man gegen es aussprechen könnte, wenn es nur unter Aufrechterhaltung des Duells möglich wäre, einen erträglichen Modus vivendi kameradschaftlichen Zusammenseins zu schaffen. Leute, die nicht anders in Zucht gehalten werden können, gehören nicht in das deutsche Offizierkorps der Gegenwart. Um den guten Geist unseres Ossizierkorps auftecht zu erhalten, dazu würden die Ehrengerichte, allerdings bei veränderter Auffassung ihrer Aufgabe, nämlich bei Ausschaltung der Möglichkeit, auf bte Notwendigkeit eines Zweikampfes zu erkennen, völlig ausreichen durch Erteilung von Verwarnungen und Rügen, und eoentueUen Ausschluß von Unwürdigen. Freilich, nicht durch Verordnungen und gesetzliche Maßregeln allein wird das Duell wirksam bekämpft werden können. Es gilt, durch die Erziehung der Jugend unserer geblldeten Stände den Ehrbegriff zu vertiefen, sodaß es allerdings als Ehrensache gilt, bei ernsten Anforderungen des Berufs auch das Leven einzusetzen, nicht aber im Zweikampfe, bei oem ja, auch bei den schärfsten Bedingungen und bei dem tragischsten Ausgang, vernünftigerweise von einer Wiederherstellung der Ehre niemals die Rede sein kann. Ein dunller Ehrenmann wird nicht dadurch ein einwandfreier Gentleman unb gesellschaftsfähig, daß er vielleicht ein oder mehrere Duelle mit Glück ausgefochten hat. Wo die wirllich ehrenhaste, ernste Berufsauffassung vorhanden ist, da muß es, abgesehen von allen religiösen Gründen, ganz selbstverständlich sein, daß das Leben viel zu wertvoll ist, als daß man es den sinnlosen Zufälligkeiten des Duells aussetzen dürfte. Die Anschauungen von Lebemännern aber, bereit Dasein vielleicht weniger wertvoll für bte Gesellschaft unb weniger unentbehrlich ist, haben nicht das Recht, den Ehrenkodex eines sittlich gesunden Volkes und seines Heeres zu beeinflussen. Es darf übrigens bei dieser Gelegenheit wohl die Erwartung ansgesvrochen werden, daß die berufenen Lehrer und Erzieher unseres Volkes/ namentlich der Jugend unserer höheren Stände, in Zukunft mit noch viel größerer Entschiedenheit, als bisher, für diese Anschauungen eintreten, ohne ängstliche Rücksichtnahme auf beftehenbe Vorurteile unb Unsitten. Und zwar wirb bas unter ben akademischen Lehrern nicht nur ben Theologen überlassen bleiben bürfen, von deren Hörern ja ohnedies keine Verteidigung des Duells angenommen werden kann, sondern es wäre auch in philosophischen, juristischen, pädagogischen Vorlesungen geeigneten Orts entsprechend zu berücksichtigen. Auf einen Punkt muß endlich noch ganz besonders aufmerksam gemacht werden. In unserem Ofsizierkorps und den Kreisen, ans oenen es hervorgeht, ist wenigstens eine offizielle — und hoffentlich doch nicht nur offizielle Rücksicht auf die Glaubenssätze unb ethischen Forderungen bes Ehristentums überliefert. Bei ben Trauerfeierlichkellen anläßlich der Beisetzung des Leutnants Blaskowcp murven ebenfalls alle kirchlichen Formen gewahrt, die Regimentsmusik spielte den Choral: Jesus, meine Zuversicht- Wird man sich denn nicht endlich einmal des grellen, geradezu blasphemischen Widerspruches bewußt, der zwischen diesen kirchlichen Formen, die mau in einem solchen Falle doch nicht entbehren möchte, und der herrschenden Duell- praxis besteht, der doch auch Leutnant Blaskowitz zum Opfer gefallen war? Quous que tandem ? Volttische Tagesschau. Von der rnsfischen Industrie. Seit Jahr und Tag arbellet Finanzminister Witte daran, die Leistungsfähigkeit der russischenJnduftrie au heben. Die allrussische Ausstellung in Nischni-Nowgorod, die Verbindung mit hervorragenden Industriellen Frankreichs, der Entschluß Wittes, bei staatlichen Bestellungen die einheimischen Fabriken zu berücksichtigen — dies alles galt der Förderung der Industrialisierung Rußlands. Bisher hat der Erfolg den Erwartungen nicht widersprochen. Auf dem kürzlich in Charkow stattgehabten Kongreß der russischen Bergwerksbesitzer wurde die Lage der russischen Bergwerks-, besonders der Kohlenindustrie als trübe bezeichnet, und die ungünstige Entwickelung vor allem dem Rückgang der Maschinenindustrie zugeschrieben. Grade diese letztere zu heben, Halle sich Finanzminister Witte vorgenommen. Es ist ihm also nicht geglückt. Da Rußland mehr noch als früher, und namentlich für seine Landwirtschaft, der Einfuhr deutscher Maschinen bedarf — das hervorragende deutsche Fabrikat wird von den Russen bevorzugt —, so hat die russische Regierung auch aus diesem Grunde an der Erneuer ungdes Handelsvertrags mit Deutschland ein Interesse. Zur amerikanischen Handelspolitik. Man schreibt uns ferner aus Berlin, 21. Novbr.: In hiesigen amerikanischen Streifen, die als wohlvertraut mit den politischen und wirtschaftlichen Strömungen in den Vereinigten Staaten gelten dürfen, wird davor gewarnt, die Stimmen im Sinne einer Milderung der amerikanischen Handelspvlittk au überschätzen. Von einer durchgreifenden, dem Auslande wirklich förderlichen Tarif- Revision könne keine Rede fein. Diese Auffassung erhält eine Bestätigung durch die soeben gefaßten Beschlüsse des Konvents in Washington, der, aus Kaufleuten, Industriellen und Politikern zusammengesetzt, dem Kongreß anrät, den Grundsatz des Schutzes des amerikanischen Marktes aufrechtzuerhalten und den Tarif nur „in einigen besonderen Fällen abzuändern." Also es bleibt im wesentlichen alles beim alten. D-ie Amerikaner fordern für ihren Handel bescheiden „freie Bahn, nicht Bevorzugung." Den Ausfuhrländern wird zugemutet, die Bahn so zu nehmen, wie sie ist: erfüllt mit Schranken aller Art. Aus Stadt und Sand. Nachrichten von allgemeinem Interesse find uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 23. November 1901. ** Zum Totenfest geht uns folgender Artikel zu: Wie die katholische Kirche ihren Allerseelentag begeht, so hat die evangelische Kirche den letzten Sonntag im Kirchenjahr dem Gedächtnis der Toten gewidmet. Wie fest dieser Tag im Herzen des evangelischen Volkes gewurzelt ist, hat die Bewegung gezeigt, Die im vorigen Jahr durch alle Kreise ging, als der Versuch gemacht wurde, das Fest aus Anlaß des Großherzoglichen Geburtstags zu verlegen. Und bas ist ja auch ganz begreiflich Klingt doch burch alle Freuben bes Lebens, durch alles Glück der Erbe ein Ton ber Wehmut hindurch: es ist beftimmt in Gottes Rat, daß man vom Liebsten, was man hat, muß scheiden. Darum entspricht es dem tiefsten Bedürfnis der menschlichen Empfindung, wenn unsere evangelische Landeskirche das Kirchenjahr in ben Gebauten an ben Abschieb ausklingen läßt. Wohl finb es zunächst tieftraurige Gebauten, bie ba bas Herz bewegen. Alte, laug verborgene Wuubeu brechen wieder auf, raum beruhigter Schmerz erwacht mit neuer bitterer Gewalt. Das Bewußtsein, Unersetzliches verloren zu haben, vereinsamt unb verarmt zurückgeblieben zu Jein, lastet schwer auf so manchem Gemüt; unb ber Blick in eine bnulle Zukunft, bie Ahnung, baß man selbst über kurz ober lang scheiden müsse, stimmt auch die ernst, die noch des ungetrübten Lebensglückes sich erfreuen. Und doch wächst aus solchem Schmerz ein starker Trost nach dem anderen zu, unb es ist bie schöne Aufgabe bes Totenfestes, ben Trauembeu diese Troftesquellen zu erschließen, unb ihnen bas Herz bafür zu öffnen. Nicht bloß, daß uns au ber Größe unseres Verlustes llar wirb, wie groß ber Reichtum ist, ben Gott uns in dieses ver- gäugllche kurze Leben hiueiulegt. Das Totenfest will uns auch zu der Gewißheit verhelfen, daß die wahren Schätze un eres Lebens uuverloren bleiben, daß dies vergängliche Eroenleben nur ber Ackerbobeu ist, aus bem ein anderes un ichtbares, aber in seinen Wirkungen kraftvoll sich erweisendes Geistesleben erwächst, das unvergänglich ist; es will uns den Blick erschließen für eine andere Welt, die sich hinter unb über dieser duukelen Erdenwelt auferbaut, für die lichte Welt der geistigen Persönlichkeit, bie aus (Stott geboren, unb nach seinem Bild gestaltet, bem Tobe entnommen ist. In diese Welt hat uns Jesus den Weg gezeigt, der schon als Knabe gesprochen hat: Muß ich nicht sein in bem, das meines Vaters ist? Er, ber Feuilleton. Schon wieder einmal liegt uns die erste Nummer einer neuen Zeitschrift vor. Die Bestimmung dieses neuen Unternehmens soll sein, bie Interessenten für wissenschaftliche und belletristische Litteratur in regelmäßigen Zwischenräumen, über alle nennenswerten Neuerschein- ungen des deutschen Buchhandels zu unterrichten. Die „Blätter für Bücherfreunde, werden außer einer systematisch geordneten Bibliographie auch abgeschlossene Proben aus neuern Werken bringen, unb in einem besonderen litterarhistorischen Teile bie wichtigsten Ereignisse in der wissenschaftlichen und litter arischen Welt, sowie interessante Kapitel aus ber älteren unb neueren Litteratur- geschichte als selbständige Essays behanbeln. Die Zeitschrift erscheint im Verlage von F. Volckmar in Leipzig, unb kostet jährlich 2 Mark, bas Einzelheft 40 Pfg. Die Lau gen scheib tsche Verlagsbuchhand- knng (Pros. G- Langenscheibt) in Berlin überreicht uns ein Werkchen über beutsche, österreichische unb schweizerische, englische unb nörbamerikanische, belgische unb französische Maße, Gewichte und Münzen. Es finb mit Sorgfalt zusammeilgeftellte Ausarbeitungen, worin auch bas neue internationale Zentimeter-Gramm-Sekunden-Meß- syftem unb feine Anwendung auf die ElektrizitätsmessUng Beachtung gesunden hat. Didse Tabellen werden für viele von Interesse fein. Die deutsche Flotte, ihre Entwickelung und Organisation von Graf Reventlow, Kapitänleutnant a. D- Verlag von Fr. Lehmann's Buchhandlung, Zweibrücken, Pfalz. 142 Textbilder, 2 feine Lichtdruckbilder und 51 seinst- kolovierte Tafeln. Preis 3 Mk- — Dieses in Oktavformat mit 19 Bogen Text erschienene Buch bildet einen interessanten Beitrag zu ber augenblicklich so reichen Marine-Litte- ratur. Es entspricht bem Bebürftiis derjenigen jungen Leute, bie sich bem Dienst der Kaiserlichen Marine wib- men wollen, insofern, als.es ihnen über alles für ben» selben Wissenswerte eine ausgiebige Information bietet, unb sie schon vor bem Eintritt mit ihrem künftigen Beruf unb dessen Vorbedingungen vertraut macht. Aber auch jedermann, der den Wunsch hat, sich über bie Organisation unserer Kriegsflotte, über bie Fortschritte im Schiffs- unb Maschinenbau, in ber Schiffs-Artillerie, bem Torpebowesen ufw. zu unterrichten, findet zuverläßliche Auskunft. Diese wirb noch wesentlich unterstützt unb gewinnt an Interesse burch die cingeftreuten zahlreichen Illustrationen, sowie die beigefügten kolorierten Tafeln unb Uebersichts- Tabellen. Die Tafeln veranschaulichen bie verschiebenen Schiffstypen unb technischen Einzelheiten; bie Textbilber bringen u. a. hervorraaenbe Persönlichkeiten unserer deutschen Marine, geschichtliche Wmente derselben, sowie Szenen ans bem Leben ber Offiziere unb Mannschaften an Borb und an Land zur Darstellung und gereichen bem ganzen Werk zum befonberen Schmuck. Ein geschmackvoller Einband mit farbigem Deckenbild verleiht ihm außerdem noch ein elegantes Aussehen, unb bie im Lichtbruck-Ver- fahren vortrefflich hergeftellten Titelbilber bes Kaisers, sowie des Prinzen Heinrich von Preußen erhöhen noch feinen Wert Litterarische Neuerscheinungen. (Besprechung vorbehalten.) , D ' A n n u n z i o, Gabr., „Die Jungfrauen vom Felsen". Roman. (Die Romane der Lilie.) (289 S.) Berlin, S. Fischer, 3.50 Mk. Büchner, Prof. Dr. Ludw., „Kraft und Stoff pber Grundzüge der natürl. Weltordnung". Nebst einer darauf gebauten Sittenlehre. 20. Ausl. Wohlfeile Ausgabe. XV, 290 S. Leipzig, Th. Thomas. 2.50 Mk. „Die Theater der Welt." Herausgeber Dr. I. Gum- binner und Hans Forsten. Nr. 3. (Enthält u. a.: Vereinigte Frankfurter Ctadttheater mit zahlreichen Illustrationen.) Berlin, Hallesches Ufer 11, Pacific-Verlag. i Nr. 60 Pfg. S ch n e e f l o ck e n", Heft 25—30. (Rosegger, Als ich das erste Mal auf dem Dampswagen saß. Auf der Wacht. — Blomberg, Zwei Geschwister. — Sohnrcy, Ter Waisenknabe aus der Lüneburger Heide. — Groschke, Der alte Golt lebt noch. — Pfann- schmidt'Beutner, Was ein Tannenbmrm erlebte.) Berlin, Martin Warneck. & 10 Psg. Spyri, Johanna, „Die Stauffer Mühle". Mit Original« Zeichnungen von Fritz Rüdiger. (102 S.) Ebenda. 1 Mk. Berndt, Will). Ter neue deutsche Zolltarif. (Gesetzentwurf.) Vergleich der größeren Erhöhungen zwischen dem jetzigen Lertragszoll und dem'neuen Tarif nebst eingehender Darsiellg. Der Ein- und Ausfuhr, sowie der agrar. Verhältn. des Deutsch. Reiches. (6 Tafeln.) Wien VII., 1, G. Frey tag u. Berndt. S t r u ch, Dr. Carl, Die Fettleibigkeit, ihre Entsthg., Verhütung und naturgemäße Vehandlg. (53 S.) Leipzig, Edmund Demme. 80 Pfa. Raabe, Wilh. Halb Mähr, halb mehr. Zwei Erzäblgn. Jubiläumsausg. mit Jllustx. von Carl Rohling. 4. Tausend. (126 S.) Berlin. G. Grote'sche Vcrlagshdlg. m. Goldsch. kart. W ag en mann, Adolf. Künstliches Gold! Entdeckg. eines eines auf Grund neuer rvlssenscl)astl. Anschauungen berlchenden VeftahrenS zur Verwandlg. der Swffe. (71 S.) Stuttgart, Schwa- bacher'sche Verlagshandlg. Siet, ein eigenes Hotel. ** Der Verbrauch an Tabak stellt sich nach den neuesten statistischen Angaben auf den Kopf der Bevölkerung in den Niederlanden auf 2,8 Klg., Schweiz 2,8, Belgien 2,5, Vereinigte Staaten 2,4, Oesterreich-Ungarn 2,4, Deutschland 1,8,1 Dänemark 1,5, Schweden 1,3, Rußland 1,0, Frankreich 0,91, Serbien, 0,87, Italien 0,7, Rumänien 0,2, Finland 0,1 Klg. In staatswirtschaftlicher Beziehung nimmt der Tabak eine hervorragende Stelle em. Da die Tabakfabrikation in einigen Ländern Regierungsmonopol ist, in anderen wieder Einfuhr und Verbrauch mit hohen Zöllen und Steuern belegt sind, so liefert der bezügliche Konsum dem Staatsschlage ansehnliche Erträgnisse. Sie erbringen beispielsweise pro Jahr nach Abzug der Regiespesen in Frankreich annähernd 187,2 Mill., in England 179,5, in den Vereinigten Staaten 172,8, in Ungarn 96, in Italien 72,9, in Rußland 38,4, in Deutschland 31,6 Mill. Mk. ** Die Plakate in den Wartesälen sollen nach den neuesten Entschießungen der preußischen Eisenbahndirektionen ganz verschwinden. Nachdem verschiedentlich sogar die Wände zur Aufhängung mit Plakaten besonders verpachtet worden sind, soll nunmehr eine Ausnahme nur gemacht werden zugunsten derjenigen, die für Wohlthätigkeüsanstalten, Unterstützungen bezüglich reisender Personen, für Frauen- und Mädchenheime fertigen Möbel wurden erhalten. ** Kleine Mltteilnugen aus Hetzen und den Nachbarstaaten. In Ober-Schönmattenwag wurde ein 61jähriger Witwer, Maurer, verhaftet, weil er dringend verdächtig ist, ein Wald-Michelbacher geisteskrankes Mädchen vergewaltigt zu haben. — Erhängt aufgefunden wurde un Walde an der Zementfabrik in Offenbach der in der Buchdruckerei von Karl Jacobi beschäftigte, 17 Jahre alte Hilfsarbeiter Mahr aus Dudenhofen, der seit' Freitag ver- selbst der Weg, die Wahrheit und d-as Leben ist, kann | i solch Heimatgesühl auch uns schenken. Und dann wird i der Gedanke des Abschieds zum Gedanken der. Heimkehr in j die Heimat unserer Seele, und daraus schöpfen wir Kraft 1 und Freudigkeit, auch die Bitterkeit des Todes und den I Schmerz des Scheidens zu tragen und zu überwinden; und . selbst erhobenen Hauptes durch die dunkle Pforte zu gehen, die uns zur Heimat führt. ** Städtisches Archiv. Vor Beginn der ^tadt- verordnetensitzung sprach Dr. Ebel, der seit einigen! Jahren mit der Ordnung und Verwaltung des städtischen Archivs betraut ist, in etwa einstündiger Rede gestern über die Ergebnisse seiner Thätigkeit. Nach einem Ueber- LÜck über den früheren Zustand des Archivs, über die bei den Ordnungsarbeiten angewendete Methode und über die jetzigen Bestände gab der Vortragende eine kstrze Darstellung der Verfassungsgeschichte der Stadt auf Grund städtischer Archivalien. Sodann besprach er die Finanzverwaltung Gießens im Mittelalter und erläuterte im Anschluß hieran das älteste erhaltene Zinsregister, aus dem er Angaben über die Größe der Stadt am Ausgang des 15. Jahrhunderts machte- Mit einem Blick auf die Stellung Gießens im hessischen Landtag schloß der Redner seine wissenschaftlichen Ausführungen. Auf dem Tisch des Hauses waren zahlreiche Archivalien (Rechnungsbucher, Ge- richtsprotokolle, Urkunden, Abbildungen, Siegel u. a.) zur Ansicht ausgelegt. Herr Bürgermeister Mecum sprach dem Vortragenden für seinen Vortrag und seine sellherige Thätigkeit den Dank der Versammlung aus. ** Arbeiterfürsorge im Eisenbahn-Be--! trieb. Um zu verhüten, daß Arbeiter infolge des eingetretenen Verkehrsrückganges, oder aus anderen, von .ihnen nicht verschuldeten Ursachen entlassen werden, hat die Eisenbahndirektion in Mainz bereits Ende Oktober Ar-I beitsausgleichstellen errichtet, und zwar in Darmstadt für die rechtsrl-einischen, und .in Mainz für die linksrheinischen Dienststellen. Die Inspektionen und Dienststellen haben dafür zu sorgen, daß entbehrlich werdende tzilfsbedienstete und Arbeiter möglichst bei anderen Dienststellen an dem bisherigen Stationsorte oder bei benachbarten Dienststellen untergebracht werden. Bietet sich hier zur Weiterbeschüf- tigung keine Gelegenheit, so sind sie den Ausgleichstellen in Darmstadt bezw. Mainz bchufs Weiterverwendung bei anderen Dienststellen namhaft zu machen. Die Entlassung von .Hilfsbediensteten und Arbeitern aus Anlaß des Ver-! kehrsrückganges ist untersagt. ** Lehr-er als Einjährig-Freiwillige. Die Erfahrungen, die bisher mit der den Volksschullehrern eingeräumten Befugnis, als Einjährig-Freiwillige zu dienen, gemacht worden sind, können im allgemeinen als recht günstig bezeichnet werden. Das ergiebt sich auch aus der Thatsache, daß die große Mehrzahl der bisher in den verschiedenen Teilen des Reiches als Einjährig- Freiwillige oder als Staats-Einjährige eingetretenen Volks- schullchrer bei ihrer Entlassung zu Unteroffizieren befördert werden konnten. Als überaus zweckmäßig und nützlich hat sich audji die Einrichtung bewährt, daß in allen deutschen Garnisonen seitens der Lehrervereine Kommissionen zu dem Zwecke geblldet worden sind, den als Einjährige dienenden Volksschullehrern mit Rat und That, insbesondere auch bei Erlangung geeigneter Wohnungen, beizustehen. ** Für die Frauen und Kinder der Buren-l Kämpfer. Unter dieser Stichmarke brachten wir in Nr. 273 eine Notiz über die beim hiesigen Alldeutschen Verbände ein gegangenen weiteren Gaben. Es hat sich da insofern ein Irrtum ein geschlichen, als aus der Gemeinde Reiskirchen 44 Mark (nicht 23 Mk.) und aus der Gemeinde Burkhardsfelden 44 Mark (nicht 23 Mk.) kamen- ** Gefahren des Kellnerberufs. Das preußische statistische Amt schreibt: Besonders ungünstig sind die Ergebnisse der Untersuchung für die Kellner. Während bei den Kellnern die eigentlichen Trinkerkrankheiten weniger hervortreten als bei den Wirten selbst, treten bei ihnen als Todesursache besonders Tuberkulose! (Schwindsucht) — oft hervorgerufen durch! Unzucht — Selbst-1 mord und Typhus auf. Von je 1000 Todesfällen sind bei den Kellnern nicht weniger als 528 der Tuberkulose, 22 dem Typhus und 67 dem Selbstmord zuzuschreiben. — Ein Viertel aller Kellner etwa erliegt frühzeitig den Ueber- anstrengungen des Berufs oder den Folgen eines leichtsinnigen Lebenswandels. NamentUch an den Vergnügungsorten, wo die Kellner oft Tag und Nacht nicht aus den Kleidern kommen, und aus den heißesten in die kältesten Räume gehetzt werden, hält die Schwindsucht eine reiche Ernte. Nur etwa 5 Prozent erreichen das zu erstrebende * Die Hochzeit eines Hundertjährigen. Der Eorriere della Sera" berichtet: In Alatri verheiratete Delikat schmeckt jeder Kaffee, dem eine Messerspitze Linde » Essenz zngesetzt wird, die dem Kaffee auch eine schöne Farbe giebt. • In 41/2 Stunden von Berlin nach.München.L Die Studien-Gesellschaft für elektrische Schnellbahnen . hat bei ihren Versuchsfahrten auf der Militärbahn zwischen ; Marienfelde und Zossen jetzt Leistungen erreicht, die bereits einen vollen Erfolg dieses Unternehmens gewährleisten. Nach , Ausweis der beiden, die Schnelligkeit selbstthätig registrierenden Vorrichtungen, wurde die Geschwindigkeit des Wagens in der vergangenen Woche schon auf die außerordentliche I Höhe von 160,2 Kilometer in der Stunde gesteigert. Es ist dies jedenfalls die größte Geschwindigkeit, mit der sich jemals bisher ein lebendes Wesen von Ort zu Ort bewegt | chat. Geschwindigkeit bis zu 120 oder 130 Kilometern sind I bei einzelnen Versuchsfahrten von Dampfbahnen wohl schon erreicht worden. Was 160 Kilometer in der Stunde bedeuten, davon erhält man erst eine richtige Vorstellung, wenn man bedenkt, daß man damit in einer Minute vom Brandenburger Thor zum Knie in Charlottenburg, in 13/4 Stunden von Berlin nach Hamburg, tn 3*/J Stunden nach Frankfurt a. M., in 44/3 Stunden nach München gelangen würde. Die schwierigste Aufgabe der Technik bei solchen Geschwindigkeiten ist die Ueberwindung des Luftwiderstandes, die allein Motoren von 1100 Pferdestärken für die Dauer und 3000 Pferdestärken im Maximum erforderlich machen wird. Der bei der Geschwindigkeit von 160 Kilometer festgelegte Luftwiderstand von 134 Kilogramm lauf den Quadratmeter erfordert schon 80 Pferdekräfte für! denselben Flächenraum. Die der Schnelligkeit entsprechende Windstärke von 44,4 Meter in der Sekunde ist größer | als sie die Deutsche Seewarte in Hamburg beim stärksten Orkan jemals beobachtet har. Diese hat nur einmal, bei dem Orkan am 12. Februar 1894, eine Windbewegung von 42 Meter in der Sekunde verzeichnet. I • Aus Helgoland wird gemeldet, daß die dortiges Station der .Gesellschaft für drahtlose Telegraphie^ ! System Prof. Braun und Siemens u. Halske" am ver- I gangenen Sonntag Abend Gelegenheit hatte, der Kommandantur ihre Dienste zur Verfügung zu stellen. Da man über den Verbleib der beiden Wachtschrffe „Hay" und .Ulan" nichts wußte, war das Gerücht im Umlai,f, dieselben seien I untergegangen. Die Schiffe waren bereits um Mittag von - Cuxhaven abgedampft und weder dort noch in Helgoland -I kannte man ihren Aufenthalt. Auf Anfrage von Berlin und vom Kieler Kommando konnte keine Auskunft gegeben werden. Darauf wandte sich der Kommandant an die Funkentelegraphenstation, diese rief das Feuerschiff „Elbe I" an, bas auf halbem Wege zwischen Cuxhaven und Helgoland hegt, | und erhielt sofort die Meldung zurück, daß emes der beiden! Schiffe die Scheibe verloren habe, und daß beide Fahrzeuge bereits auf dem Wege nach Cuxhaven zurück begriffen seien. Die große Bedeutung, welche die drahtlose Telegraphie für die Schiffahrt und speziell für den Küstendiensl hat, tritt mehr und mehr hervor, und gerade die Berichte von der nicht ungefährlichen Elbmündnng bestätigen dies. Dort haben die Stationen der Braun-Siemens-Gesellschaft dadurch, daß | sie seit Monaten in ununterbrochenem Betriebe gehalten werden, der Schiffahrt und den Marine- und Zivilbehörden schon viele gute Dienste geleistet. I * Ein moderner Abend. Der kleine Saalbausaal. Gestern abend. Viele Besucher. Auf dem Podium Frl. Maximiliane Städtler. München. Sezessionistische Erscheinung in hart geschwungenen Linien. Blasser, interessanter Stopf. I Kurz gelocktes, schwarzes Haar. Toilette: Bischofsblaue Reform-Robe mit erschauernder Schleppe. Höchst moderner Frauenschmuck: Kette. Brosche, Ohrmünzen, ^.ie stilisierte I Tome rezitiert. Eine bei aller Sanftheit reich schattierende I Stimme. Die Zischlaute nervenberuhigend gemildert. Des-I gleichen jeder Affekt. Tönende Seele. Zartestes Auf und Ab. Schwachgebogene Klangkurven. Programm meldet:! Laufs, Münchhausen, Liltencron, Dehmel, Sinauer, Bodman, | Bierbaum, Renee, Holz. Drei Gruppen Hörer. Vordere verstehen. Mittlere deuten verwehte Worte. Hintere Herren in Ahnung. Ende. Stimmungmordender Beifall. Verneig- ung. Schleppe entseufzt. Nack-zitternde Erregung. Rückkehr zur Welt. (Privat: Später Haspel mit Kraut). *DerRomanderGräfinTaaffe. Die Trauung des Kaschauer Arztes Dr. Julius Feldmann, der seii^n Namen aus Demkö magyarisiert hat, mit der österreichischen Gräsin Helene Taaffe wird am 30. d. M. in Pest stattfinden. Hiermit findet ein Roman sein Ende, dessen Beginn seinerzeit sehr viel Aufsehen erregte. Die verheiratete Gräfin verliebte sich sterblich in den schönen, herkulisch gebauten ungarischen Arzt und ließ sich von ihrem Gatten scheiden, !um den Doktor heiraten zu können. Nun wurde endlich I dieser Tage der Scheidungsprozeß der Gräfin beendet und es | steht jetzt ihrer Wiedervermählung kein Hindernis mehr im Wege. Gräfin Taaffe hat als Abfertigung für ihre ver- I mögensrechtlichen Ansprüche von ihrem früheren Gatten leine Atillion Kronen erhallen. diesen Feldern Ausgrabungen vorzunehmen. Die Vermutung, hier sicher noch weitere Funde zu machen, scheint Homöopathische Anstalt FRANKFURT A. M„ Töngesgasse 33/35 £ S: zu haben [7504] Neuenweg 60. Lokomobile, gut erhaltene, fahrbar, billig zu verkaufe«. Günstige Gelegenheit für Zimmermeister u. Dreschmaschinenbesitzer. Vorteilhafte Zahlungsbedingungen. 6316 Carl Haas jr. 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