Nr. L77 Drittes Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 34. November 1901 «-scheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siehener Zamilkn- vlatler werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr.bl. EBHanaan GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« zu der für den folgenden Tag erscheinenden Nr» bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermill- lungssteUcn des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'schen Universitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: HanSBeck. Zweite Hessische SLändeLammer. 3L Landtag. 72. Sitzung. Donnerstag, 21. Nov. 1901. Schluß. Ministerialrat Br ann: In formeller Beziehung habe der Präsident den Abg. Köhler gerügt- In materieller Beziehung sage er, daß Köhler die Dinge auf den Kopf stelle; er habe verlangt, daß er nicht ironisch sein solle und nicht feststelle, daß ein Gegensatz zwischen ihm und Weidner bestehe. Das sei nicht ironisch, und wenn es ironisch wäre, sei es nicht seine Schuld. Es sei sein Recht, die Gegensätzlichkeit festzustellen und das lasse er sich nicht nehmen. Abg. Weidner ist nicht der Auffassung, daß die Landwirtschaftslehrer mit ihrem Studium fix und fertig fein dürften. Wolle der Landwirtschaftslehrer im Staatsdienste verwendet sein, so müsse er, wie jeder andere Beamte auch, voll und ganz seinem Beruf vorftehen können und nicht erst noch der Ausbildung bedürfen. Er wiederhole, daß es ein Unding sei, wenn die Lehrer aufs Land gingen und Zeug redeten, das niemand verstehe. In seiner vier- undzwanzigjährigen Praxis habe er sich mit den einschlägigen Fragen genügend beschäftigt, um ein Urteil zu haben. Er betone es, daß man im Lande mit den Vorträgen nicht zufrieden sei, und wünsche baldige Abhilfe. Abg. Molt Han wendet sich gegen die Regierung, die mit Kanonen nach Spatzen schieße, wenn sie sage, daß man die Qualität der Lehrer anzweifle; das thue niemand. Abg. Köhler-Langsdorf macht daraus aufmerksam, daß man großen Wert auf Position 2 des Ausschußantrags lege. Die Regierung müsse aufgefvrdert werden, daß sie nachforsche, wo der Fehler eigentlich liege. Man komme nicht weiter, wenn man nicht von der Schule aus die Vorbildung der Bauern betreibe. Den Bauern könne man nicht durch Vorträge in 3—4 Stunden alles beibringen, was sie wissen müßten. Abg. Backes stimmt dem Antrag auf Umgestaltung des landwirtschafllicheu Unterrichtswesens nicht bei, da dies einen Sprung ins Dunlle bedeute. Abg. Häusel konstatiert mit Freuden, daß sie im Kreise Erbach mit der Thätigkeit der Landwirtschaftslehrer sehr zusmeden seien, und wünscht, daß die dort befolgten Grundsätze auch anderswo Anwendung fänden. Es wird darauf beschlossen, drei zweite Landwirtschafts- lehrer definitiv anzustellen, der Antrag auf Umgestaltung des landwirtschafllicheu Unterrichtswesens mit 22 gegen 18 Stimmen abgelehnt und die Regierungsvorlage angenommen. Rach der Pause wird Abg. Reinhart mit 28 Stimmen gegen Zinßer (15 Stimmen) zum dritten Präsidenten gewählt, wofür Reinhart seinen Dank ausspricht. Dian tritt dann in die Beratung des Antrags Korell, die Fleischbeschaugesetzvorlage betr., ein- Abg. Korell führt aus: sein Antrag sei eigenllich erledigt, nachdem das Gesetz erlassen sei. Es fei zu bedauern, daß man sich nicht vorher zu dem Gesetz habe aussprechen können. Er wolle aber die Gelegenheit nicht unbenutzt lassen, auf die Regierung dahin zu wirken, daß die Ausführungsbestimmungen bald in Wirksamkeit treten. Es habe schon monatelang gedauert, bis das Verbot der Büchsenfleischeinfuhr erlassen worden sei. Inzwischen sei der Bedarf für das Jahr 1901 noch rasch gedeckt worden. Es bestehe auch noch keine Kontrolle für das ausländische Fleisch während das inländische Fleisch genau kontrolliert werde. Die Landwirtschaft sei durch diese Lage beunruhigt. Hätte die Regierung bezüglich der Fleischkontrolle ihre Pflicht ^erfüllt, so hätte sie von der Landbevölkerung mehr Vertrauen geerntet. Er bitte die Regierung, auf ihren Bundesratsbevollmächtigten dahin zu wirken, daß er dafür sorge, daß die Besllmmungen bald in Wirksamkeit träten. Er hoffe auch, daß die Sozialdemokraten seiner Bitte zustimmten. Abg. Ulrich: Die Agrarier machten das Zutrauen zur Regierung davon abhängig, daß die Regierung ihnen die Taschen fülle. Ein Großagrarier sei noch schlimmer wie 10 Juden; sie wollten das Volk aushungern. Er habe cm sich gegen die Durchführung eines Gesetzes, welches wirklich den Schutz des Volkes wolle, nichts einzuwenden. Allein wie die Agrarier das Gesetz auffaßten, das habe man gesehen; sie wehrten sich dagegen, daß die Bestimmungen auch aus die Hausschlachtungen ausgedehnt würden. Das Fleisch, das sie da schlachteten, dürfe auch einmal schlecht sein. (Abg- Wolf: essen wir aber nicht!) Abg. Ulrich fortfahrend: Ja! Herr Wolf! Sie essen es nicht, aber das Gesinde muß es essen (Der Präsident schellt wieder- holt.) Die Forderung des Abg. Korell, die Sozialdemokraten sollten für sie eintreten, sei deplaziert. Sie seien nicht dazu bereit, mitzuwirken, daß das Fleisch für das arme Volk immer mehr verteuert werde. Was die Agrarier wünschten, gehe ja nur aus eine Verteuerung des Fleisches hinaus. Auch bie große Masse der Kleinbauern habe kein Fleisch mehr zu essen. Abg. Graf Oriola: Er sei nicht darauf gefaßt gefaßt gewesen, daß er heute eine allgemeine Zolltarif- und Fleifchschaudebatte erlebe. Er gehe auch nickst auf den Zolltarif näher ein; er stimme dem Ausschußantrag zu, da er es für notwendig erachte, daß mit der Ausführung des Gesetzes rasch vorgegangen werde, und zwar nicht im Interesse des Großgrundbesitzes allein, sondern der ganzen Landwirtschaft und auch der Arbeiter. Ulrich« habe über die Stellungnahme des Reichstags Aeußerungen gethan, die er nicht unwidersprochen lassen dürfe. Die Behauptung, daß nur im Interesse einer Anzahl Großgrundbesitzer vorgegangen worden sei, fei falsch. Ulrich, und David hätten im Frühjahr hier im Haufe klargelegt, daß an der Erhaltung der Viehzucht gerade der Kleinbauer ein Interesse habe. Er verstehe nicht, wie Ulrich, heute seine Anschauung umdrehe. Wenn die Herrn Sozialdemokraten sich so als die Unterstützer des konsumierenden Volkes hinstellten und sie den Agrariern vorhielten, daß sie in Bezug auf die Hausschlachtungen eine gewisse Freiheit gewünscht hätten, so frage er, warum seien die Sozialdemokraten nicht dagegen gewesen, als es sich darum gehandelt habe, unseren Arbeitern schlechtes Fleisch aus Amerika zu bringen? Den Sozialdemokraten sei es darauf angekommen, unsere Kleinbauern zu knebeln. Als es sich aber um die großen Fleisch-Trusts gehandelt habe, da sei chnen die doppelte Untersuchung des Fleisches nicht nötig erschienen. Sie, die Agrarier, seien der Meinung gewesen, daß, solange man dem Auslande nicht mit Entschiedenheit entgegentrete, es unrichtig sei, die eigenen Landwirte so zu knebeln. Das sollten sich die Bauern merken, die Sozialdemokraten seien bereit, den Bauern und gerade den Kleinbauern strenge Bedingungen aufzuerlegen. Es ist ein falscher Vorwurf, daß die Regierung und der Reichstag mit dem Gesetze nichts anderes bezweckt habe, als den Großagrariern zu nützen. Man habe immer nur gesagt, daß es ein hygienisches Gesetz sei. (Bravo!) Abg. Wolf weist mit voller Entrüstung die Ausführungen Ulrichs zurück. Dieser wisse wohl nicht, daß der Bauer mit seinem Gesinde an einem Tische esse; er habe keine blasse Ahnung von den bäuerlichen Verhältnissen. Abg. Korell bemerkt, daß er mit seinem Gesinde an einem Tisch zusammen esse, und daß es öfters in der Woche Fleisch gebe, obwohl er kein Großagrarier sei. Abg. Ulrich behauptet, daß das amerikanisck)e Fleisch durchaus von guter Qualität sei; sie wendeten sich nicht dagegen, daß das Volk vor schlechtem Fleisch geschützt werde, sondern sie wendeten sich nur dagegen, daß die Fleischeinfuhr nahezu unterbunden würde. Abg. Graf Oriola erwidert, daß die Sozialdemo- fraten im Reichstag für doppelte Fleischbeschau bei Haus- schlachtungen gestimmt hätten, und aufs eifrigste bemüht gewesen seien, der Einfuhr von Fleisch möglichst Thür und Thor zu öffnen- Er frage, ob bei dem ausländischen Fleisch die genügende Sicherheit bestehe, die Ulrich von unseren Kleinbauern verlange. Seine Erfahrungen in Amerika belehrten ihn eines anderen. Nachdem Abg. Schönberger an einigen Beispielen die durchaus schlechte Qualität des amerikanisck>en Fleisches und Fettes näher dargelegt hatte und die Abgg. Wolf und Ulrich wegen des gegenseitig gebrauchten Ausdrucks „Gemeinheit' sich einen Ordnungsruf zugezogen hatten, wurde beschlossen, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrat dafür zu wirken, daß das Fleischbeschaugesetz im vollen Umfange in Kraft tritt und die notwendigen Bundesrats-Verordnungen so rasch wie möglich erlassen werden. Zu dem Antrag des Abg. Dr. Frenay, die jährliche Einquartierung von Mannschaften in den um Mainz liegenden Gemeinden betr., den dieser näher begründet, bemerkt Staatsminister Rothe: Die Regierung habe sich um die Wünsche und die ihr zugegangenen Beschwerden nach allen Richtungen hin verwendet, und sich auch bemüht, höhere Zuschüsse für die betreffenden Gemeinden zu erhalten. Sie werde in ihren Bemühungen fortfahren, ein Erfolg aber bleibe abzuwarten. Eine Lösung werde wohl nur dann zu finden sein, wenn sich die Armee entschließe, einen größeren Armee-Exerzierplatz zu schaffen. Die Regierung sei auch in dieser Hinsicht bemüht gewesen, könne aber noch nicht sagen, mit welchiem Erfolg. Abg. Wolf wünscht, daß die Magazinverpflegung anf- höre, was von Abg. Graf Oriola als nicht hierher gehörig bezeichnet wird. Abg. Haas-Mainz verspricht sich einen Erfolg nur vom Bau von Baracken. Es wird dann beschlossen, die Regierung zu ersuchen, bei ihren Verhandlungen mit den Reichsbehörden daraus hinzuwirken, daß durch Erbauung von Baracken den um Mainz liegenden Ortschaften die Einquartierungslast erleichtert wird, und den betreffenden einzelnen Gemeinden die zur Verpflegung der Mannschaften erforderlichen Zuschüsse aus der Reichskasse vergütet werden. Schluß der Sitzung einhalb 2 Uhr. Vermischtes. * Madrid, 21. Nov. In Coruna fand heute eine furchtbare Explosion stall, wahrend Artilleristen alte Patronen öffneten. Drei Artilleristen wurden auf der Stelle getötet, 17 tätlich verwundet. • Hongkong, 20. Nov. Heute Nachmittag stieß der deutsche Dampfer „Taicheong" beim Verlassen des hiesigen Hafens mit einem unbekannten emlausenden Schiffe zusammen. Infolge dieser Kollision stießen zwei andere Schiffe mit dem nach Manila auslaufenden Schiffe „Pella" zusammen. Das Schiff, das mit dem „Taicheong" zusammenstieß, sank; der „Taicheong" sinkt ebenfalls. Die „Pella" ist schwer beschädigt. Esroerden Verluste an Mensch enleben befürchtet. Einzelhellen sind noch nicht bekannt. Maudereien aus der Kaiserstadt. (Nachdruck verboten.) Konzerte und kein Ende. — Halir, der Erbe Joachims — Vom Ueberbretll.Krieg. — Die Nachtreter Kempinski's. Die .Hochflut auf musikalischem Gebiete nimmt in der 'Novemberwoche geradezu bedrohliche Formen an. Außer den ständigen Ko'nzerten im „Zoologischen Garten" und im „Neuen Konzerthaus" bei dem fröhlichen Meister Einods- hofer, außer den Virtuosen-Borführungen der Konzert- direkllon Wolfs in der „Philharmonie" tritt die Sing- Akademie mit der Bach'schen „Trauerode" und dem „Deutschen Requiem" von Brahms auf den Plan; das „Theater des Westens" bringt die Beethoven'sche „Messe" und das „Thalia-Theater" den Mendelssohn",chen „Elias". .Bald hinterher, am Montag, den 2. Dezember, dirigiert Siegfried Wagner im Berliner und Berlin-Potsdamer Wagner- Verein mit Muck zusammen ein großes Konzert mit Bruckner'scheu und Wagner'schen Kompositionen, während inzwischen Arthur Ni lisch, ErikaWedekind und wer weiß wie viele andere berühmte Namen von den Litfaßsäulen locken werden, um die musikliebenden Berliner zum Billetkaufen zu verführen. Und diese Konzertbillete sind nicht immer billig. Zwar regnet es — zumal bei unbekannten Klavier-Virtuosen, die nur der Reklame wegen in Berlin auftreten — Freikarten über Freikarten; aber bei dem Wagner-Konzert kostet der Eintritt zur Generalprobe am Lage vor der Ausführung schon 3 und 2 Mark. Das kann sich wahrlich nicht jeder leisten. In der verflossenen Woche gab auch Professor Earl Halir, der Königl. Kammermusiker, ein Violin-Konzert mit Begleitung des Philharmonischen Orchesters., und entzückte durch seine wunderbare Technik, die sich mit einem seelenvollen, innigen Vortrag paart, alle Hörer, unter, denen sich neben vielen musikalischen Koryphäen .auch sein greifet* Meister Joseph Joachim befand. Ich habe Halir den Erben Joachims genannt Er erinnert an ihn in vielen Stücken und hat zweifellos die Höhe seines Richmes noch vor sich. Das Instrument, das er spielt, i ft eine Joachim'sche Gei^e, die dieser seinem Lieblingsschüler auf Lebenszeit überwie,en hat. Darin liegt also gar eine Art materieller Erbschaft; und man kann wohl sagen, daß der Geigerkönig seine geliebte Stradivari keinen besseren Händen illerantworten konnte. Jedenfalls ist der großherzige Entschluß Joachims der fruchtlosen Verfügung Pagcminis vorzuziehen, der bekanntlich seine wunderbare Geige irgend einer italienischen Stadt — wenn ich nicht irre: Parma — vermacht hat, wo sie unter einem Glasdache den Reisenden gezeigt wird, ohne je wieder ihren zauberischen Klang unter der Hand eines Meisters ertönen lassen zu können. Paganini war eben ein Geizkragen und das ist unser Joachim nicht; auch sein Jünger Carl Halir nicht; man sieht es ihm auf den ersten Blick an. Denn Halir hat eine respektable Leibesfülle, die zu den ätherischen Tonen seines Instrumentes in einem merkwürdigen Gegensatz steht, aber Zeugnis davon ab legt, wie vortrefflich man in seinem Hause zu kochen versteht. Eingeweihte versichern schmunzelnd — natürlich unter Diskretion —, daß der treffliche Mann daheim sogar den Geigenbogen mit dem Kochlöffel vertausche und sich symphonische -Dichtungen für Zunge und Gaumen komponiere, die seinen Konzerten nicht nachständen. Das ist übrigens eine Neigung, die er mit manchem anderen großen Mann teilt, und es ist eben durchaus nicht nötig, als Violinvirtuose so lang und mager zu sein wie weiland Louis Spohr oder gar Nicolo Paganini. Einer der magersten Leute Berlins ist. Herr Oskar Straus, der schnell bekannt gewordene Komponist des ,Lustigen Ehemanns", der Ringelrosenkranz mit seiner Fran tanzt und sich dabei wie ein Pfau dreht. Um dieses musikalische Ausruftmgszeichen war ein harter Kämpf entbrannt; denn Wolzv gen wollte ihn nicht sreilasfen, und Bausenwein, der erfolgreichste Nachtreter des Theater-Barons, hatte ihn mit der besten Soubrette Wvlzogens, der Bozena Bradsky, für seine Bühne, die unter der Flagge Detlev von Lilieukrons segell, gekapert. Natürlich wurde das Gericht angerufen, das nach verschiedentlichern Hin und Her den Streit vorläufig zu Gunsten Bausenweins entschied. Oskar Straus begleitet wieder am Alexanderplatz. Sein erstes Wiederauftreten war ein Ereignis für alle Ueberbrett- ler und heller Jubel hallte durch das noch immer vollbesetzte Haus. Es war aber auch ein Genuß, diesen längsten aller Komponisten, der in fernem Frack wie ein in die Tinte gefallener Storch aussieht, feine steifleinene Verbeugung machen zu sehen! Seine Lieder treffen sehr glücklich den fröhlichen Volkston. Der „Lustige Ehemann" ist ja denn auch schon richtig auf der Leierkasten-Walze. Kann man populärer werden? Wie auf dem Gebiete des Brettl's Wolzogen Schule gemacht hat, so kann sich von den Berliner Weinwirten Kempinski rühmen, Pfadpfinder gewesen zu sein. Kem- pinskis gute und dabei billige Küche, seine in allen Preisen zu habenden Weine, sowie die für den Berliner Verkehr notwendigen kleinen Tische, an denen man zu zlvei-en oder dreien sitzen kann, haben sein Lokal schnell bekannt gemacht, sodaß man zu gewissen Zeiten thatsächlich keinen Stuhl dort bekommen kann. Eine ganze Reihe von Wein- Restaurants sind nach und nach a la Kempinski umgewandelt worden. In jüngster Zeit hat sich ihm gegenüber in der Leipziger Straße eine große Mnknrrenz „Zur Traube" auf- gethan, die in ganz raffinierter Weise Eleganz und Behaglichleit mit einander verbindet und das Publikum massenweise anlockt, sodaß Hunderte wieder hinausgehen müssen, ohne Platz gefunden zu haben. Indessen ist es bei Kempinski nicht etwa leerer geworden. Und dabei klagen die Berliner über schlechte Zeiten! . . . A. R. A. Reinig Optische Waaren Giessen Seltersweg 30 Wasche mit hns Wasch- Extract. M.'- 3 I Xan LÄ Xau eröffnen, und sie mit einer „genügenden Zahl von Teufeln'< versorge. Letztere pflege sie in Miete zu geben, wenn es sich darum handele, einen Racheakt auszuüben, Leute untereinander zu verfeinden usw. Natürlich ließ sie sich gut bezahlen. Das Geschäft ging recht flott, und der Ruhm des „Kontors" wuchs immer mehr. Besonders stark war die Nachfrage nach Teufeln zur Erledigung von Prozessen. Ter Frenkel konnten eine ganze Reihe ähnlicher Gaunereien nachgewiesen werden. ff g Asphalt-Dachpappen, Asphalt-leobr- ▲ A ▲ Baufach. Platton> Patcol-Falzta™“ „KOSMOS“, 'gJJ Holzccment, Lacke, Carbollneum, Asphalt- material aller Art, sowie fertige Asphaltlrungen preiswürdig B bei A. W. Andernach in Beuel am Rhein. Muster, Prospecte, Preise postfrei und umsonst! ® Zu haben in Gießen auf dem Fabriklagcr bei Herrn Emil Horst, Siiegelpfad. 3897 Schiffsnachrichten. „Red Star Linie" Antwerpen. Ter 'Postdampfer „Haverford" der „Red Star Linie" in Antwerpen ist laut Telegramm am 20. November wohlbehalten in New-Port angekommcn. • Der Kaiser als Skatspieler. In einem launigen Feuilleton schildert Eugen Noska in der „Breslauer Zeitung" den Kaiser am Skattisch. Ter Kaiser spielt demnach nie höher als einen Pfennig pro Point, so daß besonders große Verluste am Spieltisch des Kaisers unmöglich sind und es schon zu den Seltenheiten gehört, wenn einmal ein Spieler 20 Mk. verliert. Dies passierte jedoch einmal dem durch seinen Witz bekannten Rechtsanwalt Hagemann aus Leipzig, der vor ein paar Jahren die Ehre genoß, mit dem Kaiser am Spieltisch sitzen zu dürfen. Der Kaiser war damals Jagdgast des Amtsrats v. Tietze-Barby, und als abends Skat gespielt wurde, saß der Rechtsanwalt so im Pech, daß er schließlich etwa 20 Mk. verloren hatte. Da entfuhr ihm denn die bekannte Skatspielerredensart: „Hier ist man ja wahrhaftig unter die Räuber geraten!" Alles lachte, und der Kaiser nicht am wenigsten. Als dann aber der Kaiser ein Jahr später wieder bei Herrn v. Dietzc als Jagdgast weilte, bat er den Gastgeber vorher, daß auch der damals „ausgeraubte" Rechtsanwalt wieder geladen würde, und als er diesen dann erblickte, ging der Monarch sofort auf ihn zu und überreichte ihm mit den Worten: „Von den Räubern zurück!" ein in Brillanten gefaßtes Zwanzigmarkstück. * Der Teckel. Neber den Teckel schreibt ein Schüler in Aberdeen: Der Dachshund ist ein Hund, trotz seines Aussehens. Er hat vier Beine, zwei vorne und zwei hinten, aber sie verkehren nicht mit einander. Dachshunde sind ziemlich gescheit, trotz ihrer Form. Da ihr Gehirn so weit vom Schwanz fort ist, so macht es ihnen ein bischen zu schaffen, mit dem Schwanz zu wedeln. Ich kannte einmal einen M- Ssidanstoffog^^ -MLM, von Eiten L Keussen, Handlung Krafeld. Dachshund, der viel zu ungeduldig war, um zu warten, bis das Signal zum Schwanzwedeln durch den ganzen Körper gegangen war, deshalb verabredete er mit seinem Schwänze, daß jedesmal, wenn gewedelt werden sollte, er mit dem rechten Ohr wackeln würde — und wenn der Schwanz das sah, dann wedelte er. * Eine Teufelvermieterin. Wir lesen in der „Köln. Vollsztg." In Praga, der Vorstadt Warschaus, hat man eine höcpst merkwürdige Entdeckung gemacht. Es existiert dort ein Kontor, welches Teufel vermietet. Damit hat es nach dem „Marsch. Dnewnik" folgende Bewandnis: Bei dem Pristaw des 12. Stadtteils erschienen in der vergangenen Woche mehrere Personen und zeigten an, daß die in der Grodnenskaja im Hause Nr. 43 wohnhafte Inhaberin des Kontors zur Vermietung von Teufeln, Blima Frenkel, Gaunereien treibe. So habe sie vor kurzem gegen eine Zahlung von 10 Rubel es übernommen, ihre Teufel den Richtern auf den Hals zu schicken, vor Denen ein gewisser Sch im ans li sich zu verantworten hatte. Sechs Teufel sollten beit Auftrag erhalten, die Gerichtsakten derart in Unordnung zu bringen, daß die Freisprechung SchimanskiS erfolgen müsse. Offenbar seien aber die Teufel „anderweitig in Anspruch genommen worden" (wörtliche Angabe der Kläger), aus welchem Grunde die Frenkel sie nicht habe ins Gericht schicken können. „Dadurch" (!) sei denn auch die Schuldigsprechung Schimanskis verursacht, der zu einer empfindlichen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Im Besitz dieser Taten stellte der Pristaw weitere Nachforschungen an und erfuhr, daß die Frenkel schon vor längerer Zeit das Gerücht ausgesprengt habe, sie stehe in Beziehungen zum Teufel, welcher sie beauftragt habe, ein Kontor zu AHMsjl Wßkllkldklkl j Ztun Aquarium Wallthorstrasse 5. Wallthorstrasse 5. Inhaber: Max Jaskowsky. 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