Erstes Blatt Nr. »50 Donnerstag »4. Oktober 1901 Keuilketon 151. Jahrgang „Roten" wild gemacht. Sie scheinen sich darauf verlassen zu haben, daß die Negierung sich auf ihre Seite stellen oder ihnen wenigstens nicht entgegentreten werde, und nun erfahren sie, daß sie von dieser Seite nichts zu erwarten, ja, die Wegnahme ihrer Gewehre zu gewärtigen haben werden. Der Bürgermeister Bouveri, der seit dem letzten Streik in die Kammer gewählt wurde, und sein Adjutant Gonjon sind beide Sozialisten. Der letztere thut sich jetzt durch seine Heftigkeit hervor und scheut sich nicht, den Maire als einen Reaktionär und Klerikalen zu verunglimpfen, weil er weniger revolutionär auftritt und die Aufgeregten zu beschwichtigen sucht. Mau verdächtigt ihn schon einer ausgesprochenen Sympathie für die „Gelben" und singt vor seiner Thür das Spottlied auf die „Gelbsucht" (la Jaunisse), wie die Masse der „Gelben" genannt wird: Jl saudrait tvus les pendre — Moins y en aura — Mieux ca vaudra — A bas les Jaunes! (Man sollte sie alle hängen — Je weniger ihrer sind — Desto besser wird es sein — Nieder mit den Gelben!) Politische Tagesschau. lieber die Ermordung eines Deutschen in der Nähe von Peking liegt in der neuesten dllrmmer des „Ostasiatischen Lloyd" der folgende Bericht vor: „Mitte August tauchte in Peking, das Gerücht aus, ein Deutscher sei auf der etwa 30 Kilometer, westlich von Peking bei dein Dorfe San-chia-tien gelegenen, kaiserlich chinesischen Ziegelei Liu-li-yao ermordet worden. Die auf Drängen der deutschen Gesandtschaft von den chinesischen Behörden sofort eingeleitele Untersuchung hat bis jetzt folgendes ergeben: Auf der Ziegelei lebte seit Ende vorigen Jahres ein Deutscher Naniens Fritz Lahr. 'Der chinesische Verwalter der Ziegelei hatte ihn bei sich ausgenommen, und als Gegendienst hatte Lahr ehre mit modernen Waffen versehene, kleine Schutzwache gegen die vielen Räuberbanden in der dortigen Gegend eingerichtet. Lahr war wegen seines freundlichen Wesens bei der Dorfbevölkerung allgemein beliebt, während natürlich die Räuber viel weniger freundliche Gefühle für ihn hegten. Letzteres sollte ihm verhängnisvoll werden. Lahr war am 8. August nach Peking geritten und kehrte am 9. zurück. In der Nähe von San-chia--tien traf er mit einer Anzahl dieser^ Wegelagerer zusammen, die ihn bis zum Hua-Ho, einem reißenden Gebirgsbach, aus dessen jenseitigem User die kaiserliche Ziegelei liegt, verfolgten. Sein Versuch, in ein Boot zu steigen, mißglückte, da ihm seine Verfolger den Weg' versperrten; er lies deshalb in das Dors und suchte Schutzj in einem lleinen Kupsergeschirrladen. Die Räuber uxn». und namentlich bei weniger guter Darstellung ebenso wie sein „Primaner Kurt" durchgefallen sein. Auch trugen zu günstiger Aufnahme ein paar leidlich gut gezeichnete Figuren bei, die das Interesse eines freundlichen Publikums wach zu halten vermögen. Vor allem fesselte der prächtige Christian Hummel des Herrn Woisch die Aufmerksamkeit der Zuschauer. Das war eine Charakterzeichnung, die uneinge- schränkteAnerkennung verdient und auch vomPublikum mit freundlichstem Danke entgegengenommenwurde. Das „verkannteGenie" dieses über die Maßen beschränkten und über die Maßen gutmütigen Kunstphotographen, der da stolz und glücklich ist im Gedanken an sein großes malerisches Werk vom die' Philister mit einem ganzen Ochsen-, Pardon, Eselskopfe erschlagenden Simson ist zweifellos eine originelle Figur in unserer Bühnen- litteratur, und Herr Woisch machte aus ihr einen lieben alten Herrn, dem man wider Willen gut sein muß, trotz all der Dummheiten, die er unaufhörlich anrichtet. Herr Ramsey er war ein kerniger und tüchtiger Kommerzienrat, nur vielleicht von allzu rauher Schale, hinter der er die Tiefen seines Gemütes mehr als wünschenswert barg. Die Loney- schen Kinder stellten Frl. Brand au und Herr Z oder dar, und zwar mit recht gutem Gelingen. Namentlich freute es uns, Herrn Zoder einmal eine Aufgabe aufs beste lösen zu sehen, die nicht ganz leicht war. Er hatte ihr seine ganze Kraft und Energie gewidmet und vor allem seinen ganzen Ernst. Wir werden ihm fortan unsere Achtung nicht versagen. Besondere Wirkung übte natürlich der' Schluß des 2. Aktes aus, als die Geschwister so begeistert als sinnlos den Hamlet deklamierten. Herr Schneider als Rechtsanwalt v. Seewald und Herr Gerlach als Schauspieler Reinhard machten, wie gewöhnlich, ihre Sache gut. Herr Gerlach hatte in anerkennenswerter Selbstüberwindung seinen flotten Schnurrbart feiner gestrigen Rolle zum Opfer gebracht. Aus eine Eigentümlichlett möchten wir Theater, Kunst und Wissenschaft. P- W. Im Stadttheater führte gestern unser Ensemble das „Haus Lonei" von Adolf L'Arronge auf, einen alten Schmarrn, der in ferner Vorzeit unsere Väter belusttgte und rührte und uns jenes gut- und wehmütige Lächeln auf die Lippen lockt, das uns immer begleitet, wenn wir an die „gute alte Zett" erinnert werden mit ihrer ganzen biederen Hausbackenheit und heiligen Simplizität. In das Haus Lonei gehören eigentlich auf alle Sessel graue Ueberzüge, in die Ecken des Familienriesensophas sogen. Schoner, an die Wände goldumrahmte bunte Oeldrucke — kurz die gute Stube eines besseren Bürgerhauses vor 30 Jahren mit ihrem altmodischen Krimskrams und ihrer ganzen Steifleinenheit |teigt vor unserem inneren Auge auf, wenn wir die braven Leute da oben reden hören. Selbstverständlich fehlt in dieser Antike aus dem vorigen Jahrhundert auch nicht die ftanzösisch konversierende Frau Baronin mit dem ellenlangen Namen, der ebenso ellenlangen Schleppe und den ge- und verschrobenen Manieren und Vorurteilen aus einer vergessenen Zeit. Der gute alte L'Arronge hat sein Stück „Lustspiel" genannt, das ist es nun nicht, es ist, wenn man's wohlmeint, eine achtbare Sentimentalität mit spärlichem humoristischem Lichteraufsatz in 4 Akten, gar breit ausgesponnener ziemlich dürftiger Handlung und recht alltäglicher, banaler Konversation. Es mangelt dem Stücke ja nicht an Naturwahrhett und man kann es wohl ein „Lebensbild" nennen aus einer Zeit biederer Philistro- sität. „Haus Lonei" errang hier gestern den wohl verdienten Achtungserfolg, der ihm vor 30 Jahren wohl allenthalben zu Teil wurde. Es würde aber vielleicht, bei einer weniger wohlwollenden und liebenswürdigen Zuhörerschaft r a t u n g der Frage der Altersversorgung und des achtstündigen Arbeitstages einzutreten. In derartige Fragen müsse man mit großer Vorsicht eintreten. Die Regierung sei geneigt, die Reformen fortKusühren, welche sie begonnen habe; er wolle aber kerne Versprechungen! machen, welche er nicht halten könnte. Redner nimmt die Dringlichkeit an, lehnt aber die sofortige Beratung ab. Viviane (Soz.) und Bonory bestehen auf sofortige Besprechung. Schließlich nimmt das Haus die Dringlichkeit an und lehnt mit 329 gegen 254 Stimmen die sofortige Beratung ab. Saint Etienne, 22. Oft. Die heutige Sitzung des Bundesausschusses der Bergarbeiter wurde mittags unterbrochen. Die Beschlüsse werden geheim gehalten. Der Bundesausschuß richtete an Lamendin, den Sekretär der Bergarbeiter des Departements Pas de Calais ein Schreiben, in dem er diesem nahelegt, im Falle der Proklamierung des allgemeinen Ausstandes eine Versammlung des internationalen Ausschusses ettlzuberufen, damit man sich auf die ausländischen Verbände stützen könne. In der Stadt und Umgebung herrscht vollständige Ruhe. Paris, 23. Okt. Der Ausschuß des Bergarbeiter-, Verbandes in St. Etienne hat sich, nachdem ihm die Resultate der heutigen Kammersitzung telegraphiert worden waren, bis zum nächsten Februar vertagt. Heber seine Beschlüsse bezüglich des Generalstreiks hat er nichts veröffentlicht, doch es scheint, daß er überhaupt keinen Beschluß hierüber gefaßt hat. M o n t c e a u - l e s - M i n e s, 22. Okt. Eine Verfügung des Präfekten des Departements Saone-et-Loire untersagt provisorisch den Verkauf und Transport umgeänderter Mi- kitärgewehre und die dazu gehörige Munition. Die Besitzer solcher Gewehre werden angewiesen, dieselben innerhalb dreier Tage aus der Maire oder dem Polizetkom- missariat abzuliefern. Nach Ablauf dieser Frist werden die nicht abgelieferten Waffen beschlagnahmt, und wird gegen die Schuldigen gerichtlich vorgegangen. den geschätzten Darsteller aufmerksam machen, die ihm nicht zum Vorteil gereicht, die sich aber wohl bei einigem Bemühen unterdrücken und vertreiben läßt. Herr G. überhastet sich manchmal im Sprechen derartig, daß er schlechterdings unverstanden bleibt. So fiel z. B. seine große Erzählung seinem Freunde Bruno, wie später den beiden Damen gegenüber unter den Tisch. Erfreulich aber war seine liebenswürdige und muntere Ungezwungenheit den ganzen Abend über. Herr Sandor hatte als der Exhaushofmeister derer v. Seewald- Drosselheim eine vortreffliche Maske gemacht und war in Haltung und Gebühren tadellos. Und schließlich haben auch die Damen v. Heilbronn, Feist-Schaub und Hohenfels durchaus befriedigt und das ihre dazu beigetragen, um das alte verstaubte Stück über Wasser zu hatten. In der Oktober-Ausstellung des Hermes'schen Kunstsalons in Frankfurt finden wir eine Menge bedeutender Namen, wenn auch nicht lauter bedeutende Werke namhafter Künstler. Ein großer Name bürgt ja noch nicht für ein großes Werk, und es bleibt dem Beschauer immer selbst überlassen, unter einer Reihe von Kunstwerken das ihn besonders Erfreuende zu suchen, das Gefundene ganz für sich zu genießen und in ungetrübtem Genuß auf sich wirken zu lassen. — Als eins. der bedeutendsten Werke der gegenwärtigen Ausstellung möchten wir Professor Trübners Stück „Park", das in seiner frischen, kräftigen Art erquickend wirkt, erwähnen: ferner einige uns schon von früher her bekannte und be^ liebte Thom a's, von denen wir das „Abendlied" in seiner schlichten, einfachen Linienführung für das wertvollste halten. Von Böcklin sehen wir ein wohl aus früherer Periode stammendes, für seine Art sehr charakteristisches Bild, „Dryaden" benannt. Eine außerordentlich farbenfreudige, lebendig wirkende Landschaft, „Une belle Matinee de Novembre", bringt Franz Courtens. Leider wird die feine Stimmung des Bildes durch einen ganz unkünst- Der französtsche Keneralstreik. Man schreibt aus Paris unterm 21. ds.: In Saint-Etienne wurde am 20. der Beschluß wegen des Generalstreiks der französischen Grubenleute noch nicht gefaßt. Das Kvnritee der Föderation nationale, das darüber zu entscheiden hat, ob 162000 Grubenleute die Arbeit umstellen sollen, besteht aus sieben Delegierten, eigentlich aus acht, aber einer, Buissonnier, Delegierter des Zentrums, meldete sich krank. Lotte, der Generalsekretär, der das größte Wort führt, ist nicht stimmberechtigt, aber sein Einfluß ist maßgebend. Er versicherte denn auch wieder, der Generalstreik müsse und werde Anfang November ausbrechen' es habe nichts auf sich, wenn nur 50 000 Grubenleute sich am Referendum beteiligten, 40 000 für den Ausstand und 10000 dagegen — die anderen werden wie eine Herde Schafe mitgehen. In dem einen Punkte stimmen alle Berichterstatter der Pariser Blätter überein, daß die Lage in Montceau- les-Mines am bedenklichsten sei, und dies hauptsächlich wegen der 1200 Arbeiter, die nach dem langen Streik vom letzten Frühjahr nicht wieder ausgenommen wurden. Es soll dies nicht eine Strafe für die Ausschreitungen, sondern, wie der Direktor Cvste beteuerte, eine Notwendigkeit gewesen sein, weil keine Verwendung für sie da war. Man hatte Schritte gethan, um die Leute anderswo unter- Hubringen, aber ohne großen Erfolg, da die Bestellungen überall inmitten der Krise der Metallindustrie nachgelassen hatten, besonders jedoch, weil die Leute ihren kleinen Besitz, Haus und Garten oder Acker nicht verlassen wollten, um in die Ferne zu ziehen. Einige junge Burschen, die sich hatten bereden las) en, im Pas-de-Calais zu arbeiten, kamen entsetzt wieder beim wegen des ungewohnt rauhen Klimas, wegen des Dünnbiers, das sie statt des Weines hätten trinken sollen, und weil in vielen Gruben nicht stehend, sondern liegend gearbeitet wird, eine wahre Hölle, sagten sie. Die Arbeitslosen bilden nun in Montceau den Kern des Heeres der Unzufriedenen, denen man versprochen hat, der Widerstand werde die Bewilligung besseren Lohns, einer kürzeren Arbeitszeit und eine reichliche Alterspension bringen. Ein sozialistisches Blatt der Gegend, „Le Petit Chalonnais", schrieb kürzlich: Die Grubengesellschaften und die Militärbehörden vereint wollen die Grubenleute zu einer That der Verzweiflung treiben. Die Dinge werden diesmal so ablaufen, daß zahlreiche Leichen, den Boden bedecken und Blut das Straßenpflaster röten wird. Die Gesellschaft hat die Arbeiter vor die schmerzliche Wahl gestellt, vor Hunger zu krepieren oder sich zu unterwerfen. Da ist eine tragische Lösung vorauszusehen. Wenn die Regierung nicht Rat schafft, so bricht in Montceau bald eine blutige Revolution aus. Schon hört mau Todesdrohungen, wenn Herr Loste seine Wohnung, von Gendarmen geleitet, verläßt. Was wird es erst diesen Winter sein, wenn 1800 Arbeiter, Frauen und Kinder, hungern, frieren, obdachlos sind; denn die Gesellschaft wirft unbarmherzig die hinaus, die sie nicht mehr beschäftigt? Wenn doch gestorben sein muß, so werden die Opfer zuerst von ihren Henkern Rechenschaft fordern. Montceau steht auf einem Vulkan, ein Funke kann alles in die £uft sprengen. In dem neuen Kampfe, der sich furchtbar und erbarmungslos gestalten dürfte, werden die Grubenleute wohl daran thun, ihr kaltes Blut zu wahren. Ruhe und Würde sind die wahren Zeichen der Stärke und des Rechts. Die Antwort des Ministerpräsidenten auf die Frage des Generalsekretärs der Föderation, was die Regierung zu thun gedenke, hat, wie aus Montceau telegraphiert wird, die In den Kreisen des deutschen Bergarbeiterverbandes verfolgt man selbstverständlich die Bewegungen der französischen Bergarbeiter und die Anstrengungen gewisser Heißsporne, den Generalstreik zu inszenieren, mit dem allerlebhastesten Interesse. Zunächst kann als ganz sicher gelten, daß die Befürchtungen, die deutschen Bergarbeiter könnten in die Bewegung mit hineingerissen werden, vollkommen grundlos sind. Im Gegenteil, die Leiter des deutschen Verbandes, Schröder, Sachse usw., haben es nicht an Warnungen nach Frankreich fehlen lassen, von jenem thörichten unüberlegten Schritt Abstand zu nehmen. Mau weiß hier ganz gut, daß die französischen Bergleute ohne jegliche Geldmittel sind; der letzte Streik in Montceau les Mines hat alle Kassen erschöpft. Nennenswerte pekuniäre Unterstützung konnte aus Deutschland nicht zugesichert werden; der deutsche sozialdemokratische Verband hat sich zwar in der letzten Zeit etwas gekräftigt, aber ist pekuniär doch noch unendlich schwach In den leitenden Kreisen des deutschen Bergarbeiterverbandes ist man auch dafür, daß die Urab- sttmrnung in keiner Weise dahin gedeutet werden könne, als seien die französischen Bergleute Feuer und Flamme für den Generalstreik, man verhehlt sich hier nicht, daß die 77 000 französischen Beral-mte, welche sich an der Urabstimmung nicht beteiligten, als Befürworter des Generalstreiks nicht angesehen werden könnten; im Gegenteil, diese Indifferenten werden, wenn es auch gelänge, sie in die Bewegung zu ziehen, nach wenigen Tagen die Arbeit wieder aufnehmen, falls, was ganz sicher ist, sie pekuniär nicht unterstützt werden. So ist also der Generalstreik der Bergleute in Frankreich ganz aussichtslos, an Mahnungen und Warnungen aus Deutschland seitens der kompetentesten Kreise hat es nicht gefehlt, und wir glauben, daß erstere auch in den französischen Kohlenrevieren nicht ungehört verhallen werden. e Paris, 22. Okt. Die Kammer ist wieder zusammengetreten. Der Deputierte Basly, beantragte die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes in den Bergwerken. Basly forderte die Dringlichkeit und sofortige Beratung. In dem Anträge verlangt Basly auch den Achtstundentag und ein Ruh e g eh a lt von täglich 2 Francs nach 25jähriger Dienstzeit. Ministerpräsident Waldeck-Rousseau erklärt, die Regierung äußerte bereits ihre Ansicht über den Minimallohn; ihre Ansicht sei unverändert, aber er sei geneigt, in die Be- Srscheiut täglich © Annahme von Anzeige« äs»» fl*iOftiMtOI* itlM41* dem „Hess. Landwirt* W V B H M H ■ BL B M B B B ■ B BT B sä» XJ wv ll v ** l wlv lUvl -s&r Eeneral-Anzeiger » ESSs ■S2» Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Fernsprechanschluß Nr.bl.________________________ v * _ RJ zeigenteil: Hans Beck. e^,efe&ten November? *4 nach lraße ? E? Besuchet Ak« L b,e^ gegen 8upj S 60 Bille Off. unl. Nr.W Wel,, ZbisöÄochyz wio tonn Ser (fctottv lsiM Ser (imrüd- ehr, «ansa. - N Marburg«. MM T 00 Men r Art UM such Erben) i, SchuhtruM 7. «MM i Stricken lnvonStriWen mii anfltlefltnilM »tth-am- D(tt 28,^7 WM Ä w« \ w ;on ® o 20 K ßels vonälig. 88< eise billigst. H ine Höpfnei rSektionGiesseii f 0,& Oe, A,V. ? rolluerStag, < 24. Cf*' ^abends 8'/, M rcttions- abeird hafi die Huch* ' kspremberg Y m JJü hat. 'on 0cbtaö) 7011 stellten den Laden, während ein Teil von ihnen eindrang und Lahr erschoß. Seine Leiche warfen sie später in den Hua-Ho; da der Fluß in der jetzigen Jahreszeit sehr reißend ist, ist es unwahrscheinlich, daß sie je ausgcfunden wird. Die Hauptthäter sind dem Namen nach bekannt; vier an dem Dt-orde beteiligte Individuen sind bereits eingeliesert und werden demnächst hingerichtet. Es handelt sich um Mitglieder einer organisierten, berittenen und mit moderner: Feuerwaffen versehenen Räubergesellschast, die sich auf chinesisch „Pao-hsien-tu-fei", d. h. „Assekuranz-Räuber", nennen, womit gesagt sein soll, daß man sich gegen sie durch Zahlung von Prämien versichern kann. Diese Banden üben eine große Macht aus; sie terrorisieren die Bevölkerung derart, daß kein Mensch wagen würde, freiwillig gegen sie auszusagen oder sie zur Anzeige zu bringen. Auch in diesem Falle war aus den Dorfältesten von San-C Ehia-tien und den benachbarten Ortschaften, die zweifellos jedes Mitglied der Gesellschaft mit Namen kannten, nur mit vieler Mühe und nur gegen die Zusicherung, daß die „großen Soldaten" zu ihrem Schutze entsendet würden, eine Aussage zu erlangen. Selbstverständlich hatte es auch keiner von ihnen gewagt, an jenem Tage, als Lahr von den । Räubern in das Dorf verfolgt wurde, dem Europäer zu Hilfe zu kommen; um nicht Zeuge zu sein, schlossen sie sich alle, vom Bürgermeister bis zum Straßenküli, schleunigst in ihre Häuser ein und verriegelten die Thüren." Aus Stadt und Sand. Nachrichten von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 23. Oktober 1901. * * Theaterverein. Die gestrige Notiz, betr. das Gastspiel von Karl William Büller am Mittwoch dem 13. November, enthält einen entstellenden Druckfehler: das Gastspiel fällt in die zweite, nicht in die 26. Vorstellung. Die Abonnenten des Theatervereins seien bei dieser Gelegen- cheit nochmals darauf aufmerksam gemacht, daß die Karten bei Herrn Challier abgeholt werden müssen. * * Eine weitere Verbreiterung des Seltersweges und da- .mit eine endgiltige Regelung der Baufluchtlinie dieser Straße zwischen Maigasse und Goethestraße steht im kommenden Jahre, falls die Stadt ihre Einwilligung dazu giebt, bevor. Wir erfahren, daß der Inhaber der Adler-Drogerie, Otto Schaaf, beabsichtigt, das Parterre seines Hauses, also sein Geschästslokäl, umzubauen, und plant, hierbei den Vorsprung seines Hauses, wenigstens im unteren Stock, zurückzubauen. Es bleiben dann auf dieser Seite der Straße nur noch die Lampus'sche und Leo'sche Besitzung übrig, die zwischen Selters- thor und Maigafse über die Baufluchtlinie, und zwar recht störend, hervorstehen. * * Die sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. David, Haas und Ullrich haben in der zweiten Kammer folgenden Antrag eingebracht: Die Kammer wolle beschließen, die großh. Regierung zu ersuchen, zur Linderung der überall sich fühlbar machenden Arbeitslosigkeit alle irgendwie in Frage kommenden Staatsarbeiten in beschleunigter Weise in Angriff nehmen und eventuell der Kammer eine Vorlage über Notstandsarbeiten zugehen zu lassen. * * Warnung. Neuerdings hat sich ein in Aquidanana ^Matto Grosso) in Brasllien als Auswandetungsagent thätiger Carlos Rottender g er unter verlockenden Vor- fpiegelungen an auswanderungslustige Personen in Deutschland gewandt, um sie zur Auswanderung nach Brasilien zu bestimmen. Vor einer derartigen Auswanderung kann nur gewarnt werden, weil die gemachten Anerbietungen nur mit größter Vorsicht aufzunehmen sind. * * Militärdienstzeit und Kommunalwahlrecht. Verschiedenen aufgetauchten Unklarheiten und Irrtümern zu begegnen, sei darauf verwiesen, daß die Militärdienstzeit in Bezug auf die Ausübung des Wahlrechts so gut wie nicht vorhanden betrachtet wird. Durch sie können weder Rechte als Kommunalwähler verloren noch erworben werden. Wer also z. B. vor seiner Mllitärzeit ein Jähr in Gießen wohnte, erwirbt den Unterstützungswohnsitz bei Rückkehr nach beendeter Dienstzeit schon nach einem Jahr. Der Verlust des Unterstützungswohnsitzes, der nach zweijähriger Abwesenheit eintritt, tritt nicht durch die Ableistung der Militärdienstzeit ein. Was also aus diesen Gründen nicht Aufnahme in der Wählerliste gesunden hat, beantrage seine Aufnahme in dieselbe. * * Gewerbeinfpeklion. Die für die diesjährigen Jahresberichte der Gewerbeinspektionen zu veranstaltenden Erhebungen sollen im laufenden Jahre für die Gewerbeinspektionsbezrrke in gleicher Weise wie in den Vorjahren vorgenommen und derart bewirkt werden, daß für jeden Gewerbetricb von dem Gewerbeunternehmer selbst ein besonderer Fragebogen ausgefüllt wird. Gleichzeitig mit diesen Erhebungen soll eine Revision bezüglich der Arbeitsbücher, Anmeldungen der jugendlichen Arbeiter, Arbeitszeit, Plakate und Listen der jugendlichen Arbeiter u. s. w. ausgeführt werden. Die Ausnahm en sollen bis zum 1. November nächsthin vollendlt sein. § Münzenberg, 22. Oft. Unser landwirtschaftlicher Kreditverein, G m. u. H., hat auch im abgelaufenen Rechnungsjahre gute Fortschritte gemacht und segensreich gewirkt. Es betrugen zu Beginn des neuen Etats die Aktiva 56 677 Mk. 41 Pf., die Passiva 55 976 Mk. 85 Pf. und der Reingewinn aus 1900 über 700 Mk. Den verbrieften Darlehensausständen mit rund 29 119 Mk. und den Käuf- schillingcn mit 19 205 Mk. stehen Einlagen mit 44 686 Mk. gegenüber. Der Reservefonds ist auf 5003 Mk. gestiegen. — Das zweite hiesige Sparinstitut, nämlich die seit achtzehn Jahren bestehende Pfennig-Sparkasse, wurde im letzten Jahre recht fleißig als Sammelstelle benutzt. Die Gesamtsumme der Einlagen betrug 2616 Nck. 30 Pf. Zurückerhoben wurden 3276 Mk. 80 Pst; der Reservefonds ist auf 758 Mk. 30 Pf. angewachsen. A. Bad Salzhausen, 21 Oktbr. Unser Kurort hatte sich auch in der nun beendeten Saison eines guten Besuches 511 erfreuen. Nicht allein hatte die Zahl der Kurfremden zugenommen, auch die Anzahl der verabreichten Bäder ist bedeutend gestiegen, indem annähernd 1000 Bäder mehr als im Vorjahre abgegeben wurden. Wie man hört, soll die kürzlich neu crbohrte Quelle ein sehr stark salzhaltiges Wasser liefern; auch hofft man noch bei den jetzigen Weiterarbeiten an der Quelle auf Kohlensäure zu stoßen. ko. Mainz, 21. Okt, Ein 76jähriger Lehrer, der vor vier Wochen eine 48jährige Witwe geheiratet hatte, starb dieser Tage. Tie hinterlassene Witwe wurde nun mit ihrem Anspruch auf Pension abgewiesen, weil sie offen eingestanden hatte, daß sie die Ehe nur zum Zwecke der Versorgung eingegangen habe. Die Behörde stützt sich dabei auf einen Artikel, in dem bestimmt wird, daß eine Pensionsberechtigung nicht besteht, wenn die Ehe mit dem Verstorbenen innerhalb drei Monaten vor seinem Ableben geschlossen ist, und zwar nur zu dem Zwecke, um der Uebcrlebenden die Pension zuzuwenden. Mainz, 20. Okt. Der Mainzer „Goethebund" hatte gestern seine Getreuen zu einer Generalversammlung in die „Liedertafel" entboten. Es hatten sich etwa 100 Personen, darunter auch einige Damen, eingefunden. Der Bund zählt nahezu 1000 Mitglieder, darunter befinden sich über zweihundert Frauen. Im verstossenen Jahre hat man einen Kassenüberschuß von über 300 Mk. erzielt. Der seitherige Vorstand wurde durch Akklamation wiedergewähtt; in diesem Jahre sollen abermals verschiedene Theateroorstellungeo statt- findcn, Vorträge und Rezitationen gehalten werden. Stadtverordneter Weber will, daß den Mitgliedern des Bundes auch plastische Kunst vorgeführ; werden soll. n. Wehlar, 22. Okt. Unsere Stadt hat nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1900 8906 Einwohner (4276 männl., 4630 weibl.). An Wohnhäusern sind 1046 vorhanden. Dem Glaubensbekenntnis nach stnd 7180 evangelisch, 1516 katholisch, 134 Juden; anderen christlichen Konfessionen gehören an 71, konfessionslos sind 5. ** 4- Frankfurt, 22. Okt. Die Ausstellung für Unfall- Schutz und -Verhütung, Sanitäts- und Rettungswesen besuchten gestern der Kultusminister Dr. Studt und der Handelsminister Möller in Begleitung des Oberpräsidenten, Dr. Grafen von Zedlitz und des Geh. Oberregierungsrats Dr. Schmidt vom Kultusministerium. Sie wurden erwartet vom Organisations-Komitß, Exzellenz von Chappuis, Oberstabsarzt Dr. Funcke rc. Außerdem waren zum Empfange anwesend: Regierungspräsident Dr. Wentzel, Regierungsrat Dr. Seidel, Oberbürgermeister Dr. Adickes, Korpsgeneralarzt Dr. Großheim und viele Andere. Die Minister besichtigten zuerst das Bild des Kriegssanitätsdienstes, sowie die am Eisenbahndamm aufgestellten Hülfs- und Lazarethzüge und begaben sich hierauf in die Maschinenhalle. Hier wurden die einzelnen Objekte eingehend in Augenschein genommen, und der Handelsminister ließ sich eingehende Erklärungen über die ausgestellten Gegenstände geben. Nach Besichtigung der städtischen Ausstellung der Straßenbahn wurde die pneumatische Leiter vorgeführt, und es erfolgte dann etn eingehender Rundgang in der großen Halle. Von da aus gingen die Minister in die Behördenhalle und dann nochmals durch die Maschinenhalle zu den Gegenständen im Freien. Zum Schluffe wurde daS Kohlenbergwerk besichtigt, und speziell sprach der Handelsmini,ler seine besondere Anerkennung über die außerordentlich geschickte und wahrheitsgetreue Nachahmung der Wirklichkeit aus. Um halb 12 Uhr verließen die Minister die Ausstellung. Die Ausstellung hat derart Anklang gefunden, daß beschlossen wurde, einen illustrierten Bericht in 2 Bänden im amtlichen Auftrage herauszugeben, um das zur Ausstellung Gebrachte dauernd festzuhalten, und Kreisen, die keine Gelegenheit hallen, die Ausstellung zu besuchen, hierdurch die Möglichkeit zu bieten, sich über dieselbe zu informieren. — Bekanntlich ist die Dauer der Ausstellung bis zum Sonntag Abend verlängert. • * Frankfurt, 21. Okt. Ganz Frankfurt beschäftigt sich momentan mit dem Riejenprojekt der Internationalen Baugesellschaft, eine moderne Verkehrsstraße — die Gutenberg- 1 kraße — von dem Roßmarkt nach der neuen Mainzerstraße, bezw. der Mainzerlandstraße mit Durchbrechung der Promenaden zu bauen. Von Seite unserer Stadt wären etwa 600,000 Mark nötig; die Stimmung der Bürgerschaft ist jedoch fast ausnahmslos gegen das Projekt, weil erstens fein Bedürfnis vorhanden ist und zweitens die Promenade an einem ihrer reizvollsten Punkte nahe dem Goldfischweiher zerstört werden müßte. Die Stadt selbst vermag das Projekt nur durch den Hinweis auf die Schaffung von Arbells- gelegenheit für Bauhandwerker zu empfehlen. Am Dienstag kommt die Sache im Stadtparlament zur Sprache. Kassel, 22. Okt. Ein interessanter politischer Prozeß hat heute nach jahrelanger Dauer vor dem Schöffengericht hier seinen Abschluß gesunden. Es handelt sich um den Beleidigungsprozeß des ankisemiti- ,chen Reichstags- und Landtagsabg. Werner gegen den Redakteur Erdmannsdörsser in Wilhelmshaven (früher Marburg). Letzterer hatte Anfang 1898 eine Broschüre erscheinen lassen, in der er die antisemitische Partei kritisch beleuchtete und u. a. die Behauptung einfließen ließ, antisemitische Abgeordnete lieferten gegen Entgelt einem jü- dischen Journalisten Nachrichten parlamentarischer Art (Kommissionsberichte). Von den „Deutsch. Soz. Blättern" des Abg. Liebermann v. Sonnenberg wiederholt aufgeiordert, Namen zu nennen, „widrigenfalls er sich dem Verdacht aussetze, Verleumdungen verbreitet zu haben", nannte Erdmannsdörsser endlich die Abgg. Werner und Hirschel. Werner drohte Klage an, diese. erfolgte aber nicht. Erst im August 1899 griff Erdmannsdörffer auf Grund eines anderweitigen Angriffs der „Deutsch. Soz. Bl." gegen ihn auf die Anklage gegen Werner zurück, und erweiterte sie mit der Beschuldigung, daß Werner, als er seine Verbindung mit einem jüdischen Journalisten ableugnete, eine bewußte Unwahrheit ausgesprochen habe. Nunmehr kündigte Werner wiederum Klage an. Als diese aber im Oktober 1899 noch nicht erhoben war, interpellierte ibn Erdmannsdörffer in seiner Zeitung und in einer Versammlung zu Hersfeld daraufhin und erhielt zur Antwort, daß Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erfolgt fei. Diese lehnte kurz darauf .die Strafverfolgung Erdmanns- dörfsers ab. Erft int April 1900 endlich wurde von Werner gegen Erdmannsdörffer die Privatbelellngungsklage erhoben. Erst im Frühjahr dieses Jahres kam es jedoch zur ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht zu Kassel. Erdmannsdörffer lehnte hierbei jede Ehrenerklärung ab, da seine Beschuldigungen wahr seien. Werner sagte, er habe nicht für den jüdischen Dr. Hamburger, sondern für den Antisemiten Dahsel gearbeitet. Was dieser mit den Berichten mache, sei ihm gleich. Erdmannsdörffer behauptete demgegenüber, daß Dahsel nur Deckadresse ge» wesen sei. Der Gerichtshof beschloß daraufhin, Zeugen kommissarisch zu vernehmen. Und zwar wurden in den nächsten Monaten vernommen: Dr. Hamburger (inzwischen wegen der Zolltarif-Verhökerung aus Deutschland verschwunden), die Parlamentsjournalisten Woth und Dahsel und die Reichstagsabgg. Müler-Fulda, Liebermann von Sonnenberg, sowie der frühere Abg. Zimmermann. Heute wurde Erdmannsdörffer zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt. Zugleich wurde dem Privatkläger Werner die Befugnis zuerkannt, das gerichtliche Erkenntnis auf Kosten des Angeklagten in der Presse zu veröffentlichen. In der heutigen Verhandlung gestand der Kläger die Richtigkeit der Behauptung des Beklagten zu. Er habe thaksächlich an Dr. Hamburger allerdings unter dem Decknamen des Journalisten Dahsel solche B e * lerrfch wirkenden protzigen, breiten Goldrahmen sehr zu seinem Nachteil beeinträchtigt. Wie oft schon wurde künstlerisches Empfinden durch solche mehr äußerlichen Mißgriffe schwer verletzt! Es wäre verwunderlich, wenn eine feinfühlende Kiinstlerseele solche Disharmonien nicht bemerken sollte, und nur anzunehmen, daß ein Agent derartige Geschmacklosigkeiten begeht. Gewiß, der Rahmen eines Bildes ist und bleibt Nebensache, aber gerade deshalb darf er auch in keinem Falle aufdringlich erscheinen;^ er soll das Gemälde zu einem einheitlichen Ganzen abschließen, die oft unruhig wirkende Umgebung durch den ruhigen Uebergang von Bild zu Rahmen und Wand mildern. Möchten doch die Künstler in ihrem eigensten Interesse auf diesen anscheinend so nebensächlichen Punkt etwas mehr Gelvicht legen! Von Frankfurts bedeutendster Malerin, Frl. Ottilie Röder stein, hatten wir mehr erwartet, als sie uns in ihrer Kollektiv-Ausstellung von Studienköpfen und Portraits bietet. Sehr korrekt in der Zeichnung, zeugen sie ja von einem bedeutenden Wollen und zugleich Können, aber sie vermögen nicht zu fesseln und zu erwärmen. Das Leben fehlt diesen Bildnissen. Sie scheinen gleichsam auf den Zauberschlag der Erweckung zum Leben zu warten. — Die Oefterreicherin Tina Blau-Lang ist mit einer Anzahl am besten wohl elegant Zu nennender Landschaften, die durch ihre Gleichwertigkeit im Ton wenig ansprechen, vertreten. Die Helligkeit ihres Tones wirkt nicht heiter, sondern matt, es fehlt ihnen auch der unbefangene subjektive Charakter, den wir heute verlangen. In Oesterreich bedeutet die Schule noch fast alles. Gut gelungen ist ihr die architektonische Perspektive der Terrasse in Dürnstein. Erwähnen wir noch Fr. v. Lenbachs vortreffliche Portraits, Ka.ser WilhelmI- und eiuen Bismarck aus dem Jahre 1894, Gil foul mit einigen breit und flott ausgeführten Bildern, worunter besonders eine Straßenszene Beachtung verdient. Ad. von Menzels charakteristisch Kohlenzeichnung „Letzte Gäste", Ed. v. Gebhardts „Kreuzigung", so werden wir wohl auf das Interessanteste aufmerksam gemacht haben. Gutes leisten außerdem noch Zimmermann, Zumbusch und C. Krummacher. Jedenfalls ist der Kunftsalon Hermes stets bemüht, dem verschiedenartigsten Geschmack des kunstliebenden Publikums Rechnung zu tragen, und es mit alten sowie auch neuen Werken der hervorragendsten Künstler unserer Zeit bekannt zu machen. w. — Unter dem Titel „Natur und Schule" wird, wie man uns mitteilt, vom Januar n. Js. an in Leipzig eine von B. Landsberg, O. Schmeil und B. Schmidt herausgegebene naturwissenschaftliche Zeitschrift erscheinen, die dem gesamten naturkundlichen Unterricht aller Schulen dienen und den Schulbetrieb aller naturwissenschaftlichen Fächer behandeln will. — Königin Elisabeth von Rumänien (Carmen Sylva) hat da§ alleinige Aufführungsrecht ihrer dramatischen Werke ausschließlich an Frau Gertrud Giers übertragen, und Frau Gertrud Giers hat ihrerseits dem Theaterverlag Eduard Bloch in Berlin die Vertretung ihrer Interessen übergeben. Von dem ftanzöfischen Schriftsteller Capus ist in der letzten Woche widerholt im Frankfurter Schauspielhause eine Komödie unter dem Titel „Glück" aufgesiihrt worden, die namentlich wegen ihrer vortrefflichen Darstellung der Hauptfiguren durch die Damen Sella und Jrmer und die Herren Bauer und Bolz vielen Beifall findet. Das Stück ist leidlich amüsant, aber ziemlich handlungslos und giebt auf die im Titel aufgeworfene Frage nach dem Glück eine geradezu ärmliche Antwort. Jetzt ist von demselben Autor ein neues Sittenstück „Brignol und seine Tochter" herausgekommen, das, wie man aus Paris berichtet, den starken Erfolo bei der (Generalprobe am Odeon-Tbeater der glänzenden Charakteristik eines liebenswürdigen, modernen Bruders Lüderlich dankte. — In Dresden ist der Landschaftsmaler Geh. Hofrat Prof. Friedrich Preller am 21. Oktober gestorb en. Preller, der am 1. September das 63. Lebensjahr vollendet hatte, hinterläßt die dauernden Zeugnisse eines reichen Schaffens. Er verfolgte die Richtung seines Vaters, der zu den Hauptvertretern der historischen Landschaft in Deutschland gehörte und namentlich durch seine Weimarer Odysseebilder berühmt geworden ist. Preller wirkte in Dresden, wo er seit 1880 die Professur der Landschaftsmcllerei an der Akademie inne hatte. Sein Hauptwerk sind die Wandbilder für die Albrechtsburg in Meißen. — Adolf L'Arronge's Lustspiel „Die Wohl« tHüter" wurde bei der Erstaufführung im Hamburger Thalia-Theater mit Beifall ausgenommen, in Stuttgart abgelehnt. Berlin, 19. Okt. Schönthan's und Koppel- Ellfeld's Schelmenftück „Florio und Flavio" wurde im Schauspielhaus freundlich ausgenommen, aber der Schelmenstreich ist nicht sonderlich originell und lustig. Grobe Äomip muß oft die Laune ersetzen. — Aus Mainz wird berichtet: Dreyer's Einakter „Unter blonden Bestien" ging Samstag nicht ohne Opposition in Szene. Auch dem hieraus folgenden dreiaktigen französischen Schwank „Wenn die Liebe erwacht" von Veber war kein rechter Erfolg beschieden. Mit Ausnahme von zwei nicht sehr bedeutenden Rollen, von den Herren Wirth und Herz gespielt, war die Darstellung wenig ansprechend. In Halävy's „Jüdin" am Sonntag fanden die Damen Materna (Recha), Hanger (Eudoria), die Herren Krämer-Helm (Eleazar), Düssing (Cardinal). Strätz (Leopold) roieberbolt lebhaften Beifall. Wetter Oktober Z E Z bl I I Höckste Temperatur Niedrigste „ DIE KLUGE HAUSFRAU 6711 wird. 742,2 740,9 743,2 85 96 97 NE. NE, WNW. 22. 22. 23. 2“ 9 « rj 25 2 2 1 3T? 55 2 to 4-10,4; 4- 9,41 4- 9,0: 11,0° 0. 1,9° C. 8,0 8,4 8,3 am ischen Seite hin haben, mit allen Kräften für die Hebung des Zeichen-Unterrichtes einzutreten. Bed. Himmel - - Zs. , . Rg. Wir empfehlen uns als vorteilhafteste Bezugsquelle in Äo- lonialwarcu, Konserve«, Delikatessen. Verlangen Sie gefl. Preisliste (xebriider Berdux Bahnhoistraße 27. Lindenplatz 12. Telefon 231. Kirchliche Kachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag, 24. Oktober, abends 8 Uhr, Bibelstunde im oberen Konfirmandensaal Kirchstraße, Psalm 27. Pfarrer Dr. Grein. aufzunehmenden .Füchse" vorlegen und strich eine ganze M enge derselben, sodaß die Borussen im vergangenen Sommev. semester mit ihrer Zahl — 13 Aktive — die bei den Bonner KorpS übliche Starke nicht üverschritten. dem Thäter vorgefunden worden. "Typhus. Wie gemeldet wird, ist in drei verschiedenen Straßburger Kasernen der Typhus ausgebrochen. Es sind einzelne Todesfälle vorgekommen. Am schwersten betroffen ist das Regiment Nr. 126. Mehrere Kompagnien sind nach Hagenau in die Baracken ausquartiert. • Lüneburg, 22. Okt. In der benachbarten Ortschaft M . . . wurde dieser Tage ein Pferd verkegelt, das seinen Reiter vor 30 Jahren mutig in Feindesland getragen und manches Mal im heftigsten Kugelregen gestanden hat. Das ehemalige Husarenpferd wurde kürzlich an: Stammtisch eines hiesigen Gasthauses mehr aus Ulk als im Ernst für 18 Mark versteigert. Sein Erwerber wurde cs bald wieder los. Es wurde zum Hauptgewinn auf der Kegelbahn. Nun hat es der glückliche Kegelbruder für 7 Mark verkauft. Hoffentlich hat der jetzige Besitzer ein fühlendes Herz und giebt dem alten Schlachtroß den Gnadenstoß. * Paris, 22. Okt. Prinz Roland Bonaparte, der Vorsitzende des Luftschiffer-Klubs, hatte gestern Abend eine Unterredung mit dem Stifter des Hunderttausend-Francs-Preises Bankier Deutsch. Es wurde beschlossen, den Preis Sartos Dumont definitiv zuzuerkennen. * Madrid, 22. Okt. Ein schwerer Automob il- unfall hat sich nahe dem Escurial zugetragen. Ein Automobil, dessen Bremse versagte, fuhr gegen die Wand eines Hauses. Der Anprall war so furchtbar, daß von den Insassen 2 sofort tot waren, 2 andere schwer verwundet wurden. * New-York, 22. Okt. In Lowell haben zwei Kassierer der Massachusetts-Bank 1 Million Dollars entwendet. Ihre Frauen erzielten bei den Bankdirektoren einen Vergleich, indem sie durch Zusicherung der Straflosigkeit 800,000 Dollars zurückgaben. *Gabrieled'AnnunziosDuell. Aus Rom wird berichtet: Es ist möglich, daß Gabriele d'Annunzio ein Duell haben wird; der Thatbestand ist folgender: Kürzlich lud der Dichter, der sich gegenwärtig in San Gemignano befindet, einige Freunde zu sich ein, um ihnen sein neues Werk „Francesca da Rimini" vorzulesen. Einer von ihnen beging nun die Indiskretion, einem Redakteur des „Resto del Ear- lino" eine Inhaltsangabe des Werkes zu geben, die dieser schleunigst veröffentlichte und andere Blätter nachdruckten. Darob geriet d'Annunzio in die höchste Wut und richtete an die „Tribuna" einen giftigen Brief, in dem er sich über die Indiskretion bitter beklagte. Der Redakteur des „Resto del Carlino", Testoni, stellt sich dem erzürnten Dichter sofort zur Verfügung, weigerte sich jedoch, ihm den Namen des indiskreten Freundes anzugeben. Aber dieser letztere wollte, nachdem die Sache diese Entwicklung genommen hatte, seine Anonymität nicht länger bewahren und bestimmte auch seinerseits die Zeugen. So weit ist die Asfaire gediehen. Mag nun das Duell stattfinden oder nicht, in jedem Fall bedeutet diese Geschichte eine neue kräftige Reklame für baä Werk des Herrn d'Annunzio. . . *AberHerrMaier! Nachfolgende Anzeige erschien thatsächlich in der amtlichen „Vorarlberger Landes-Zeitung" vom 5. Oktober d. I.: „Erklärung. Das Gemeindeblatt für Höchst, Fußach und Gaißau enthielt eine Bekanntmachung des k. k. Bezirksgerichts Dornbirn, daß qm 2. Oktober 1901 in der Finanzwach-Kaserne Fußach 18 Bände MeyersKonver- sations-Lexikon zur Versteigerung gelangen. Hier und in Umgebung sind, wie ich aus eigener Erfahrung weih, viele Leser der Ansicht, weil das Werk den Namen Mayer fiihrt, es betreffe mich. Ich erkläre hiermit, daß mich die ganze Sache in keiner Weise betrifft, daß eine Pfändung bei mir noch nie nötig war und daß die Kredit Beanspruchenden ja ohnehin genügend bekannt sind. Fußach, 3. Oktober 1901. Joh. Georg Maier, Finanzwach- Oberaufsehe r." Vermischtes. * Berlin, 22. Okt. In der Löfflerschen Angelegenheit ist der Agent Tomaschke unter dem Berdacht, den Wucherer, dem er als Schlepper diente, ermordet und beraubt zu haben, verhaftet worden. Der 65jährige Geldverleiher Eduard Löffler wurde, wie wir seiner Zeit mitteilten, am 1. d. 9)L um 9y2 Uhr vormittags in seiner Wohnung todt aufgefunden und hatte anscheinend Selbstmord durch Gift (Strychnin) verübt. Da aber, weil allerlei Wertsachen fehlten, die Möglichkeit eines Raubmordes nicht ausgeschlossen war, hatte die Kriminalpolizei alle Spuren verfolgt, die zur Entdeckung eines etwaigen Thäters führen konnten. Bekannte Löfflers hatten eine Beschreibung seiner gotdenen Uhr und Kette geliefert. Da fiel es dieser Tage auf, daß Tomaschke, der kurz vor seiner Verheiratung mit einer Wittwe steht, genau so eine Uhr und Kette trug. Gestern darüber zur Rede gestellt, gab er an, daß er die Uhr mit der Kette schon lange besitze und nicht uichr wisse, wo er sie gekauft habe. Kriminaliuspektor Braun wies ihn: jedoch nach, daß er sie erst in der letzten Zeit erworben und wo er sie gekauft hat. Eine genaue Betrachtung zeigt aber, daß diese Ühr und Kette nicht die Löfflers war. Es fehlten gewisse Merkmale, die nur der alten Uhr eigentümlich waren. Tomaschke hätte also gar keine Ursache gehabt, über den Erwerb falsche Angaben zu nwchcn, wenn nicht irgend ein Zusammenhang mit der alten Uhr bestände. Es zeigte sich denn auch bald. Tomaschke hatte zunächst die Uhr Löfflers getragen, sie dann aber, als in den Zeitungen auf deren Verschwinden aufmerksam gemacht wurde, sich ihrer entäußert und sich eine ganz ähnliche neue gekauft. Die alte Uhr mit Kette ist bereits ermittelt. Dazu kommt, daß man in der Wohnung Tomaschkes auch Strychnin gefunden hat und zwar in derselben Papierhülle, wie eine vor dem toten Löffler lag. Nach amtlicher Darstellung hat Tomaschke nach hartnäckigem Leugnen sich schließlich zu dem Geständnis bequemen müssen, daß die bei der Leiche gefundene minderwertige Uhr ihm gehört; er will sie am 30. September mit Löffler gegen dessen goldene Uhr eingetauscht haben, angeblich t weil Löffler Pfändung befürchtete. Die geraubte Uhr ist bei Schiffsnachrichten. „Red Star Linie" Antwerpen. Der Postdampfer „Zeeland" der Red Star Linie, in Antwerpen, ist laut Telegramm am 21. Oktober wohlbehalten in Nerv- York angekommen. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen. Gerichtssaal. Köln, 22. Okt. Der 68 Jahre alte Hvsgoldschmietz Gabriel Harmening von hier, Inhaber verschied.ner Ordew wurde wegen Verbrechens gegen § 218 des StrafgesetzbuchL zu acht Aüonaten Gefängnis verurteilt. Ein Mädchen imX eine Ehefrau wurden wegen Beihilfe zu 4 und 6 SJtonote® Gefängnis verurteilt. Berlin, 21. Okt. Der Zigarrenhändler Oska, W i tz k e war im Februar 1900 in Rixdorf angezogen. BM darauf erhielt er von der Polizeibehörde die Aufforderung^ Rixdorf freiwillig zu verlassen, andernfalls hätte er fein« Ausweisung zu erwarten. Da Witzke der Aufforderung nicht nachkam, erhielt er am 5. Mai 1900 vom Regierungspräsidenten eine Ausweisungsverfügung, da er als ein für die öffentliche Sicherheit gefährlicher Mensch im Sinne des § 2 Nr. 2 des preußischen Gesetzes über die Ausnahme neu. anziehender Personen vom 31. Dezember 1842 anzru sehen sei. 9cad) fruchtloser Beschwerde erhob Witzke Klage gegen den Oberpräsidenten. Er beantragte, die Verfügung aufzuheben. Witzke war 1889 wegen Störung einer gottesdienstlichen Verrichtung zu drei Mo< nuten Gefängnis verurteilt worden, ferner war er 1893 wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeitev mit neun Monaten und 1895 wegen Majestätsbelei. digung mit drei Monaten Gefängnis bestraft worden. Rechtsanwalt Liebknecht rvies vor dem Oberverwaltungsgericht darauf hin, daß Witzke feit 1895 keine Strafe mehr erlitten habe, er sei Familienvater und ernähre sich und seine Familie auf anständige Weise. Das Obcrverwaltungs- gericht wies jedoch die Klage als uubegrünoet zurück, da die Polizeibehörde Witzke für einen Menschen halten konnte, welcher für die öffentliche Sicherheit oder l'Noralität gefährlich sei; die Ausweisung erscheine daher gerechtfertigt. Universitäts-Nachrichten. Bonn, 22. Okt. In einem Aufsatz über den hiesigen Aufcnt- halt des Kronprinzen liest man: Tie Zahl der fangen Aristokraten, die im Hinblick auf den Eintritt des Kronprinzen in das Korps „Borussia" ausgenommen zu werden wünschten, war sehr groß. Der Kaiser ließ sich jedoch die Liste der eventll. Der Aeichen-ZLnterrichL. Man schreibt uns von geschätzter Seite: Obgleich Fachmänner nicht müde geworden sind, die ideelleundpraktischeBedeütungdesZeichen- Uuterrichts zu betonen, wird doch der Zeichen-Unterricht in den Erziehungsanstalten unserer Jugend immer noch als Nebensache behandelt. Viele Autoritäten auf allen Gebieten menschlicher Geistesthätigkeit haben sich schon in demselben Sinne geäußert. In der Kunst, der Wissenschaft und der Technik haben sich gewaltige Veränderungen vollzogen, die mit Naturnotwendigkeit ein allgemeineres Verständnis der Zeichnung als Ausdrucksmittel neben demjenigen der Sprache fordern. Das Handwerk steht heute vor der Wahl, sich entweder der Maschine auszuliefern, ober sich durch starkes Hervorkehren des Individuellen zum Kunsthandwerk emporzuschwingen. . Die Vorurteile über den geringen Wert und Nutzen des Zeichenunterrichts, sowie die Ansichten über das erforderliche Talent, das zum Zeichnen gehören soll, sind heute leider noch so stark vertreten, daß es noch längerer Zeit bedürfen wird, bis man zur Einsicht kommt. Wenn man nur bedenken wollte, daß der Schüler für das Verständnis der Mathematik und der Sprachen mindestens dasselbe Talent wie für das Zeichnen braucht, so würde dem z. Z nebenbei behandelten Zeichenunterrichte sicher bald die gebührende Bewertung widerfahren. Es ist deshalb Pflicht aller Freunde des Zeichenunterrichts, immer und immer wieder auf den „g e iftb ild enden" Wert und die praktische Bedeutung des Zeichenunterrichts hinzuweisen. Man nimmt allgemein an, ja, es ist sogar ein durch die Schul-Pädagogik sanktioniertes Dogma, daß der Mensch erst durch die Sprache zum wahren Menschen wurde, daß die Sprache erst ihn zu einem folgerichtigen Denken befähigte. Ein Gedanke wird in uns um so klarer, je mehr wir uns bemühen, ihn in treffende Worte zu kleiden. Genau denselben Vorgang aber können wir beim Zeichnen beobachten und verfolgen. Beim Zeichnen unterrichtet man sich über die Größe, Beleuchtung und Farbe der einzelnen Teile eines Gegenstandes; mit Rücksicht auf den jeweiligen Zweck ordnet man das Unwesentliche dem Wesens lichen unter; man zerlegt den Gegenstand in seine Teile und verschafft sich Klarheit über die Beziehungen dieser zu ein- ander und über ihren besonderen Zweck; man legt ,ich Rechenschaft ab, warum diese oder jene Linie f ound so verschoben, biese un b jene F<"l> e so un o so abgetönterscheint; man prägt sich wahrend des Zeichnens die gezeichnete Form dem Gedächtnisse viel nachhaltiger ein, als man es durch bas b loße Betrach t e n aethan haben würbe. Durch vieles Zeichnen bereichert man nach unb nach sein Gehirn mit einer gvoß^u Anzahl von Vorstellungen, bie beim Betrachten unb Würdigen von Kunstgegenstänben rc. als Vergleichsochekte bienen. Das ästhetische Ernpfinben verfeinert sich badurch und bildet zugleich die Elemente für eigne Neuschopfungen. Ist doch alles „Neue" nichts anderes als die Hervorbringung neuer’ Verbindungen unb scheinbarer Trennungen in dem Vorstellungskreise jebes Jnbivibunms. Diese Startup der Phantasie aber ist von gleicher Bedeutung für den Kunstt ler, ben Hanbwerker, ben Erfinder, den Gelehrten Tas Zeichnen, d. h. das verständige Zeichnen, ist daher für die Erziehung des Menschen von gleicher Bedeutung wiedas Studium der S p rache. Ter §«4«ben Unterricht sollte daher an allen Erziehungs-An- ön'tit unftre Jugend den anderen Unterrichtsgcgen- sänken vöttiq gleich gestellt werden; die Leistungen « q eich neu sollten -beuso wie die der anderen Unter, richtsgegmstände "a l s Wertmesser s ü r d i e Geistes- heifasiuna des Kindes dienen. Wer das Zeichnen hrnftän^iaer Weise beherrscht, wird als Beobachter scharf Unterscheiden? und das .Bmbachtete plasttsch gestalten, mit ehtem Worte: er wird untersuchen und erforschen können. Es ist somit Pflicht aller, die eut warmes Herz für die Vertiefung des Kunstverständnisses im.Volke und für die Veredelung des Gewerbes na^ der kunstter- Der Wert der öffentlichen Bieinung kann heutzutage im öffentlichen Leben nicht mehr entbehrt werden. Gegen was sich die öffentliche Meinung richtet, das ist am Fortkommen gehindert, wofür sie sich aber erhärt, das blüht und gedeiht. Letzteres ist nun im weitgehendsten Maße der Fall mit einem Hausmittel, das im Kampf gegen Hals- und Brustleiden merkwürdige Heilerfolge gehabt hat. Der von Herrn Ernst Weidemann in Liebenburg a. H. hergestellte russische Knöterich-Brustthee hat sich jetzt in Palast und Hütte eingebürgert; er ist wie Tausende von Anerkennungsschreiben dokumentieren, das wirksamste Mittel bei den Erkrankungen' der Respiratwnsorgane, wie Kehllops- und Luftröhrenkatarrhe, Heiserkeit, Husten, Asthma, Lungenkatarrh, Atemnot, Blutspucken. Lungenaffektumery Brustbeklemmungen rc. und folgerichtig hierdurch der beste Schutz gegen die mörderische Lungenschwindsucht. Man versäume nicht, obengenannten Herrn um Zusendung einer diesbezüglichen instruktiven Broschüre zu ersuchen, die gratis und kostenlos erfolgt. Die öffentliche Meinung hat sich ganz entschieden, wie wiederholt sei, für den Knöterich-Thee ausgesprochen. , , . Um den Patienten den Bezug dieser Pflanze m wirklich echter Form zu ermöglichen, versendet Herr Ernst Weide mann den Knöterichthee in Packeten ä 1 Mk. Jedes Packet tragt eine Schutzmarke mit dem Buchstaben E. W. und sind diese sowie „Weidc- maniis russischer Knöterich" patentamtlich geschützt worden, sodaß sich Jeder vor wertlosen Nachahmungen schützen kann. Man weise daher jedes Packet ohne Schutzmarke und den Namen E. Weide- mann zurück. Um im Piiblikum Vertrauen zu erwecken, haben sich auch Nachahmer gesunden, ivelche die Weidemann scqe Broschüre teilweise abgedruckt haben (I) und damit ihren angeblich russischen. Knöterich in den Handel bringen wollen.__ richte verkauft. Das Gericht erkannte deshalb auf Freisprechung, fand aber in einer spater von Srbrnann^ börfjer veröffentlichten Briefkastennot lZ m de" „Deutsch- 9iab S3L" in' Leipzig, in bet Grbmannbborffer SBerncr öffentlich aufforberte, ihn doch wegen Beleidigung zu bea> tlagen, eine Verletzung bes § 185, also eine persönliche Beleidigung, unb erkannte bemgemäfj. ~ Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Im „Zentralanzeiger für den Odenwald" finden wir folgen c gemütvolle Anzeige: „Warnung. Ich warne jeberrnann, meiner Frau Katharina Reeg, geborene (l) Dosch, zu Vie brunn etwas auf meinen Namen zu leihen, noch zu borgen, indem ich für nichts aufkommen werde. Meine orau ist mir entlaufen, der, wo sie findet und ^bhält, bekommt 100 Mk. Belohnung. Zell, den 21.Olt.1901. B. Reeg." — Lehrer Ernst Müller aus Hörnsheim ist vom 1. November ab zum Lehrer an der eoangel. Lchulc zu Wißmar ernannt worden. — Unter den Aufgcbotcnen des Frankfurter Standesamts-Registers finden wir: gramem Anna Clara Hedwig Schacko, die Franlfurter Opernsoubrette, mit Rittmeister a. D. Gust. Ed. Paul Roßbach in Hanau. — Aus Fried berg wird geschrieben: Der erste Kammermusik- Abend der Frankfurter Quartett-Vereinigung brachte durch zwei Streich-Quartette (Dvorak unb Beethoven) erlesene Genüsse. Bei dem Vortrag von Rubinstein's Violin-Sonatc hatte Hr. Hock in Hrn. Eckel (Frankfurt) einen trefflichen Partner. — Aus Marburg wird berichtet: Der Konservator der hessischen Altertümer Dr. Bickell ist im 68. Lebensjahr gestorben. — Im Wald bei Diez ist an einer einsamen Stelle die Leiche des Lehrers August Walczuch aus Babziontau bei Breslau gefunden worben, der eines Nervenleibens wegen nach Ems zur Kur gekommen unb feit Anfang August von dort verschwunben war. Er hat offenbar Selbslmorb verübt; die Wertsachen, wie Uhr, Gelb usw., waren noch vorhanben. — Der Postrat Wachcnfeld ist zum Geh. Posttat unb Vortragenben Rat im Reichspostamt ernannt worden. Er ist erst feit Februar d. I. in der Postverwnltung thatig, nachdem er vorher der Justizverwaltung angehört hatte. 1886 zum Referendar im Bezirk Kassel ernannt, wurde er 1890 Gerichtsasseffor Und war dann bis 1895 im Justizministerium beschäftigt. Itachbem er bann einige Zeit beurlaubt gewesen war, würbe er im September 1898 Lan brich ter in Frankfurt a. M. Seit Februar b. I. war er Hilfsarbeiter und feit Mai d. I. Posttat unb stänbiger Hilfsarbeiter im Reichspostamt. kauft „Quäker Oats“ nur in Packeten mit dem geschützten Namen „Quäker Oats“ und der Quäker Figur. Sie achtet darauf, dass ihr nicht eine schlechte, ausgewogene Ware oder eine billige Nachahmung des Packetes in die Hand geschoben | Quäker Oats nur echt in geschlossenen Packeten. 21.-22. Okt. 21.—22. , EM und fern? •'r-^V' >.. Mähmaschinen wm-n Uns erj. sekreiar bei VM Semeih Der t Ä 5tc L neu schwer des SI€ jftud) nt rineam und Ä> lichen bestem Mrtsck scheu A-LerF NänG Persö NM arbeit N in aller W Eine । WH bfl§ erhe Mat den hi 5ß m pe ^esurivorl S?fl »Mmi W Keine *Näöi ueMen, dich ass SS Ä* All äolltog *lle «t ei ^derg 4VC$ feMkhj fe, W §5a6l .J ^er »e8 err v daß m beding, verbleib Aegieru verstärk beziehut Ware b treffend, auch vo mnichtig Mens t worden unter A und so xolitik ju schaj daß die Voll'spm <» 0111 Dnt Die Sieb^ Mlsverd St uv Um Ä vredal^^ Schulst Meße sür ^*2 Cigarren. Carl Schneider Cigarren. 6551 Giessen, Marktplatz 5. Spezi al®:? HenMn Madai- Cigarre Bei grösserer Abnahme und für "Wiederverkäufer Detailpreis pro Stück 6 Pfg. Preisermässigung. Zahlreiche sonstige empfehlenswerte Sorten in jeder Preislage. XXX Gießen den 't. 1901. 1. 7031 Alle 6415 freundlichst eingeladen. 7026 Strickwolle (Marke M. & K.) 6761 [6644 grösster Auswahl. in Willi. 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