Nr. 224 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Dienstag 24. September 1901 Erscheint täglich nit Ausnahme deS Montags. Die Siebener Familien- blätter werden dem An- Seiger im Wechsel mit dem „Hess. Landwirt" und den „Blättern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Tchulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß 9tr. 51. GietzenerAnzeiger w General-Anzeiger w Amts- und Anzeigebiatt für den Kreis Sichen Annahme von Anzeige« zu der für den folgenden Tag erscheinenden 9tr. bis vormittag? 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungSstellen desJn-»md Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf, auswärts 20 Psg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwersitäts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wrttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Das Zarenpaar in Frankreich. Ein glänzender militärischer Akt bildete daS Ende des vielfarbigen Weltschauspiels, das sich in diesen Tagen auf französischem Boden abgespielt hat. Es liegen darüber folgende Berichte vor: Compiegne, 21. Sept. Nach dem gestrigen Festmahl im Schloß Compiegne unterhielt sich 5er Zar mit den früheren Ministerpräsidenten Ribot und Dupuy, mit dem früheren Minister des Auswärtigen Hanotaux und mit dem Dichter Rostand. Mit Bourgeois, der Frankreich auf der Friedenskonferenz im Haag vertreten hatte, besprach der Zar deren Ergebnisse und meinte: „Wir müssen Geduld und Ausdauer haben, dann werden sich die Früchte bald zeigen, das ist meine feste Ueberzeugung." Die Fxst- vsorstellung wurde eröffnet mit einem'von (K>mond Rostand eigens zu diesem Zwecke geschriebenen Gedicht, das Frau Barthet von der Comedie Francaise sprach Die Nymphe de§ Schhoßparks begrüßt den Zaren als den Fürsten, der gekommen ist, das Schloß, ein schlafendes Dornröschen, zu erwecken. Sie ruft die Erinnerungen an das Leben im Schlosse unter dem ersten Kaiserreiche wach und wendet sich dabei vornehmlich an die Zarin. Tas Gedicht schließt mit dem Hinweis darauf, daß nun dort, wo dev aco^e Kaiser des Kriegeis. wandelte, jetzt dev große Kaiser des Friedens weile. Tie Verse sind leicht, anmutig und humorvoll. Es folgte der zweite und dritte Akt von Mussets: „Jl ne saut jurer de rien", gespielt von den Künstlern der Comedie Francaise; darauf die Sarabande aus dem „König von Paris" und das Menuett von Haendel, getanzt von deit Mitgliedern des Balletkorps. Nach der Vorstellung, die ohne Zwischenakt gegeben wurde, ließ sich der Zar die Schauspieler durch den Direktor Jules Cla- retie vorstellen, und lud sie ein, nach Petersburg zu kommen. Die Parade. Bletheny, 21. Sept. Um halb 10 Uhr stehen die Truppen in Pavadeaufstellung. Dieselbe bildet drei Seiten eines Rechtecks, während die vierte von Tribünen ausgefüllt ist. Auf der Ehrentribüne nehmen nach und nach Platz Casimir-Perier, Kardinal Langenieux, die Botschafter Constans und Jul^s und Paul Cambon, Admiral Bienaime, die Generale Saufsier, Billot, Zurlinden, Zede und Florentin, die Mitglieder der Bureaus des Senats und der Depu- tiertenkammer und andere. Kurz vor 10 Uhr trifft der kaiserliche Zug auf der Station Le Frenois ein, bum) einen Salut von 101 Kanonenschüssen begrüßt, und alsbald wird auf der Ehrentribüne die Kaiserstandarte gehißt. Um 10 Uhr langten der Kaiser Nikolaus, die Kaiserin, Präsident Loubet und die Gefolge auf dem Paradefelde an. Der Kaiser, der russische Generalsuniform trug und Kriegsminister Andre waren zu Pferde gestiegen. Ter Wagen,- in dem die Kaiserin sah, sowie derjenige Loubets und Waldeck-Rousseaus kamen die Front der Paradeanf- stellung entlang. Es dauert dreiviertel Stunden, ehe der Zug die ganze Front passiert hat und nun längs der Tribüne dem Ehrenzelte si chzuwendet. Die prächtigen Gestalten der arabischen mit Ordenssternen geschmückten Schech auf ihren reich aufgezäumten Pferden werden mit begeisterten Zurufen begrüßt. Es lebe btußland! Es lebe der Zar! erschallt es von den Tribünen. Der Zar und die Zarin erwidern freundlich lächelnd die Grüße der Menge. Im Zelte überreicht der Kriegsminister, General Aitdre, der Kaiserin im Namen aller Generäle des französischen Heeres einen Korb mit Blumen. RechjtZ ctofn- der Kaiserin nimmt Loubet im Zelte Platz. Eine halbÄ Stunde später beginnt der Vorbeimarsch der Truppen. General Brugere führt als Oberkommandierender die Truppen dem Zaren vor. Seinem Stabe folgen die fremdherrlichen Offiziere, darunter auf schönem Rappen der deutsche Militärattache Major v. Hugo. Der glänzende Trupp der französischen Offiziere grüßt den Zaren und den Präsidenten durch Senken des Degens und nimmt dann mit General Brugere an der Spitze gegenüber der Ehrentribüne in einem Abstande von etwa 600 Meter Aufstellung. Ten Vorbeimarsch eröffnet das 1. Armeekorps unter General Courbassier. Die Infanterie marschiert in leichtem Marschschritt, dem französischen Paradeschritt, divisionsweise in Bataillonskolonnen, Musik und Fahnen der Division voraus, vorüber. Der 1. und 2. Division folgt die 'Artillerie. Den Schluß bildet die 1. Kavallerie-Brigade, ein Regiment Dragoner und ein Regiment Jäger. In derselben Anordnung defiliert das 2. Armeekorps, geführt von General Lanes, bestehend aus der 3. und 4. Jnsanterie-Di- vision und der 2. ihnen zugeteilten Mvallerie-Brigade. Den Schluß der ersten Armee-Abteilung bilden die 4. und 6. Kavallerie-Division mit je zwei Kürassier-, Dragoner- und Husaren-Regimentern. Sie gehen im Trab in geschlossenen Brigaden vorüber. Nach einer Pause erfolgt alsdann der Vorbeimarsch der zweiten Arniee-Abtcilung, die General Keßler vorführt. Das 6. Armeekorps unter General Hagron macht den Anfang mit der 12., 40. und 42. Division; es folgen die Divisionsartillerie und die 6. Kavallerie-Brigade, bestehend aus dem 12. Jäger- und dem 6. 5>usaren- regiment. Als letztes erscheint das 20. Armeekorps unter General Langlois mit den Elitetruppen der 11. und 39 Division und der zugeteilten 20. Kavalleriebrigade, gebildet aus dem 12. Dragoner- und dem 5. Husarenregiment hierauf führt General Farny die 2. Kavalleriedivision vor, zwei Regimenter Kürassiere, Dragoner nnd Jäger, mit der Divisionsartillerie und General de Benoist die 3. Kavalleriedivision, zwei Regimenter Dragoner und Jäger mit der Artillerie. Um 12 Uhr 30 Min. ist der Vorbeimarsch beendet. Tie Haltung der Truppen bei dem Vorbeimarsch war vorzüglich, s ie zeigten trotz der anstrengenden 13tägigen Manöver nicht die geringste Ermüdung. Ter Kaiser und die Kaiserin von Rußland, sowie Präsident Loubet erhoben sich beim Vorbeimarsch der Fahnen. Die Menge auf den Tribünen begleitet ihn des öfteren mit den Rufen: „Es lebe die Armee! .Hoch die Fahnen!" Besonderen Beifall spendet sie den Kürassier- und» den Husarenregimentern, sowie hex Artillerie, deren Regimenter durchweg in vorzüglicher Haltung ab schnitten Nach dem Vorbeimarsch formieren sich sämtliche Kavallerieregimenter, 30 an der Zahl, in einer 2 Kilometer langen Linie den Tribünen gegenüber zu einem Frontangriff auf die Tribünen, wie dies gewöhnlich den Abschluß russischer Paraden bildet, in ihrer Mitte hält General Brugere. Auf sein Zeichen stürmt das Reitermeer heran. Ter feuchte Boden verhindert fast gänzlich das Auswirbeln von Staub. Jedes Regiment ist klar zu unterscheiden, der Boden erdröhnt. Bis auf 50 Meter von den Tribünen sprengt die gewaltige Masse heran, ein brausender Beifallsturm empfängt sie. Auf dem linken Flügel sieht man einige reiterlose Pferde sich am Boden wälzen. Damit hat das imposante Schauspiel ein Ende. Nach der Parade. Sofort fahren die Vierspänner an dem Zelte vor. Die Zarin besteigt mit ihrer Ehrendame den einen, der Zar mit Loubet den andern. Unter der Führung des arabischen Schechs und einer Schwadron Kürassiere geht die Fahrt langsam an den Tribunen entlang. Nochmals jubelt die Menge, etwas begeisterter als am Anfang, ihnen nodji mit den Rufen: Es lebe der Zar! Es lebe Loubet! Von der Parlamentstribüne werden einige unverständliche Ruse gegen Waldeck-Rousseau laut. Man erzählt sich, einige Nationalisten hätten ihm ein Schimpfwort zugerufen. 'Die Fahrt des Zarenpaares und des Präsidenten geht nach dem auf dem Manöverfelde errichteten Zelte, wo das Abschiedsmahl stattfindet. Im ganzen hatten an der Truppenschau teilgenommen 140 000 Mann mit 36 000 Pferden, also doppelt so viel als 1896 in Chalons. Man hatte trotzdem den Eindruck, daß die Wärme der Begeisterung hinter der von Chalons zurückstand. Vom Paradefelde begaben sich die Majestäten in das Kaiserzelt. Nachdem die französichen Generale den Majestäten vorgestellt waren, reichte der Präsident der Kaiserin den Arm, während der Kaiser Frau Loubet in den Saal führte, in dem das Frühstück stattfand. Inzwischen hatte sich der Himmel bewölkt, und es begann zu regnen, sodaß die Menschenmassen, die gehofft hatten, noch längere Zeit im Freien verbringen zu können, eiligst ein Unterkommen suchen mußten, und 5ie bereitsteh enden Eisenbahnzüge im Sturm nahmen. Loubets Trinkspruch. Bei dem Frühstück brachte Präsident Loubet folgenden Trinkspruch aus: „Sire, indem ich Eurer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin im Namen der französischen Republik den Tank ausspreche dafür, daß Die geruht haben, den erhebenden Schauspielen dieser Tage beizuwohnen, lenkt sich mein Gedanke auf den großen politischen Vorgang zurück, der diesen vorangegangen ift, und der ihnen ihre ganze Bedeutung verleiht. Vorbereitet und geschlossen von Ihrem erlauchten Vater, dem Kaiser Alexander III., und von dem Präsidenten Carnot, feierlich kundgegeben an Bord des „Pothuan" durch Eure Majestät und den Präsidenten Felix Faure, hat das Bündnis RuUands und Frankreichs Zeit gehabt, seinen Charakter zu bekräftigen, und seine Früchte zu tragen. Wenn niemand an Der wesentlich friedlichen Idee, aus der es hervorgegangen ist, zweifeln kann, so kann auch niemand verkennen, daß es in hohem Maße beigetragen hat zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichts Zwischen den europäischen Mächten 5cr notwendigen Bedingung eines Friedens, der, um fruchtbringend zu sein, nicht unsicher bleiben konnte. Tas Bündnis hat sich mit den Jahren entwickelt (Bewegung) und die Fragen, die aufgetaucht sind, fanden es wachsam, entschlossen, seine eigenen Interessen und die Interessen der Welt versöhnend; sie fanden es ferner gemäßigt, weil es stark war, und im Voraus für die Lösungen gewonnen, die von der Gerechtigkeit und Menschlichkeit eingegeben waren. (Bewegung.) Tas Gute, was es gestiftet hat, ist ein Unterpfand des Guten, was es noch stiften wird, und im vollen Vertrauen darauf und, der edlen Begründer des Werkes pietätvoll gedenkend, dem der heutige Tag eine herrliche Weihe verleiht, erhebe ich mein Glas auf den Ruhm und das Glück Eurer Majestät, Ihrer Majestät der Kaiserin und der ganzen Familie, auf die Größe und das Gedeihen des Frankreich befreundeten und verbündeten Rußlands." Tie Musik spielte hierauf die russische Nationalhymne. Die Antwort des Zaren. Tie Antwort des Kaisers Nikolaus auf den Trinkspruch des Präsidenten lautete folgendermaßen: Herr Präsident, in dem Augenblick, wo wir Frankreich verlassen, wo wir wiederum eine so herzliche und warme Aufnahme genossen haben, liegt es mir am Herzen, Ihnen unsere aufrichtige Tankbarkeit und lebhafte Bewegung zum Ausdruck zu bringen. Wir, die Kaiserin und ich, werden stets die kostbaren Erinnerungen dieser wenigen Tage bewahren, die von so tief in unsere £er$en eingegrabenen Erinnerungen erfüllt sind und werden nach wie vor, aus der Ferne und der Nähe an allem teilnehmen, was das befreundete Frankreich betrifft. Tie Bande, welche unsere Länder vereinigen, haben sich soeben noch mehr gefestigt und haben eine neuerliche Weihe durch die Beweise gegenseitiger Sympathie erhalten, die sich hier so beredt kundgaben und in Rußland ein so warmes Echo sanden. (Bewegung.) Die innige Vereinigung der beiden großen Mächte, welche von den fried l ich st e n Ab.'. t c n beseelt sind und welche, obgleich sie ihren Rea, Achtung zu verschaffen wissen, nicht die Rechte der Anderen irgendwie zu beein trächtig en suchen, ist ein wer volles Element der Beruhigung für die gesamte Menschheit. (Erneute Bewegung.) Ich trinke auf das Wohl Frankreichs, der befreundeten und verbündeten Nation, des tapferen Heeres und der schönen französischen Flotte. (Bravo.) Lassen Sie mich Ihnen, Herr Präsident, gegenüber nochmals unseren Tank aussprechen, und Ihnen zu Ehren mein Glas erheben. Tie Musik stimmte die Marseillaise an. Audienzen und Huldigungen. Nach Beendigung der Truppenparade suchte der Präsident des Pariser Munizipalrates Dausset eine Audienz bei dem Kaiser Nikolaus nach, welche dieser bewilligte. Tausset brachte dem Kaiser die Huldigung des Gemeindcrates dar, und sprach zugleich das Bedauern der Pariser Bevölkerung aus, daß sie den Kaiser nicht habe begrüßen können wie im Jahre 1896. Der Kaiser dankte und beauftragte Tausset, den Kollegen seinen Dank für die Willkommenadresse des Gemeinderates, welche er in Tünkirchcu erhalten habe, auszusprechen. Nach dem Frühstück wurde Dausset nochmals vom Kaiser empfangen, der sein Bedauern aussprach, diesmal nicht nach Paris kommen zu können; sein Wunsch sei es, bald nach der Hauptstadt zu kommen. Am Freitag vor dem Tiner hatten der Kaiser von Rußland und Präsident Loubet eine etwa einstündige Unterredung. Am Samstag vormittag fand eine Konferenz der Minister Telcasse und Graf Lambsdorff statt. Reims, 21. Sept. Ter Kaiser und die Kaiserin von Rußland sind heute nachmittag 4 Uhr vom Bahnhöfe in Fresnes aus nach Pagny sur Moselle abgereist. Bevor der Kaiser und die Kaiserin von Rußland auf der Haltestelle Frenois den Zug besteigen, unterhalten sie sich mit oen zur Verabschiedung erschienenen Personen. Die Kaiserin drückt der Gemahlin des Präsidenten Loubet die Hand und spricht ihren Dank aus für die ihr erwiesenen Aufmerksamkeiten. Tann reicht sie auch den Gemahlinnen der Minister die Hand. Ter Kaiser schüttelt dem Kriegsminister Andre die Hand, behält dieselbe in der feinigen, und spricht seine lebhafte Anerkennung über die Fortschritte der französischen Armee aus. Hierauf unterhält sich der Kaiser mit dem Ministerpräsidenten Waldeck-Rous- feau und verabschiedet sich von den Gemahlinnen Loubets, Deschanels, Fallieres und Waldeck-Rousseaus. Präsident Loubet und Frau Loubet begleiten die Kaiserlichen Herrschaften in den Zug, wo sie auf das herzlichste Abschied nahmen. Der Präsident und seine Gemahlin verlassen nunmehr den Waggon, und das Abfahrtssignal wird gegeben. Am Fenster stehend grüßen der Kaiser und die Kaiserin, die Truppen präsentieren unter den Klängen der Musik, die Geschütze feuern Salut, brausende Hochrufe auf Rußland erschallen, und der Zug setzt sich in Bewegung. Bei der Verabschiedung von Loubet sprach der Zar fein Bedauern darüber aus, so schnell abreisen zu müssen. Ter Präsident entgegnete: „Majestät wissen, wie glücklich wir sein werden, die Kaiserin und Sie wiederzusehen." Kaiser Nikolaus erwiderte: „Ich hoffe, daß wir bald wieder kommen werden." Kaiser Nikolaus zog auf dem Bahnhof Fresnois auch die zur Verabschiedung erschienenen Botschafter ins Gespräch, besonders den Marquis de Noailles. Dem Ministerpräsidenten Waldeck-Rousseau teilte er mit, daß er der Stadt Paris 100 000 Francs, den Städten Dünkirchen, Compiegne und Reims je 16 000 Francs spendete. Pagny sur Moselle, 21. Sept. Ter kaiserliche Zug passierte sur bestimmten Stunde die Grenze. Kurz zuvor richtete Der Kaiser folgendes Telegramm an den Präsidenten L ou bet: „Unter dem glänzenden Eindruck berk in Frankreich verlebten Tage ist es uns, der Kaiserin und mir, ein Bedürfnis, Ihnen den lebhaften Ausdruck der Gefühle zu wiederholen, welche uns beseelen. Tief bewegt, indem wir den französischen Boden verlassen, bitten wir Sie, den Ausdruck unserer aufrichtigen Tankbarkeit entgegenzunehmen und denselben allen denen zu übermitteln, welche mit einer rührenden Herzlichkeit an den Kundgebungen teilnahmen, deren Gegenstand wir waren. An die von Rußland so geliebte und geschätzte französische Nation richten wir unseren aufrichtigen Dank und verbinden damit unsere herzlichsten Wünsche. Nikolaus." Köln, 22. Sept. Der Zug mit dem russischen Kaiserpaar passierte heute ftüh 6 einviertel Uhr Köln ohne Aufenthalt.' Hamburg, 22. Sept. Das russische Kaiserpaar ist heute nachmittag 3 einhalb Uhr hier angekommen und fuhr nach wenigen Minuten nach Kiel weiter. Ter russische Minister des Aeußern, Graf Lambsdorff verließ den Zug, um nach Berlin zu fahren, von wo er heute abend die Reise nach Petersburg fortsetzt. Kiel, 22. Sept. Tas russische Kaiserpaar traf um 6 einviertel Uhr hier ein, empfangen vom Prinzen und der Prinzessin Heinrich von Preußen, den Großfürstinnen- Töchteru, Dem .Herzog und der Herzogin Peter von Oldenburg und dem Prinzen Nikolaus von Griechenland. Die hohen Herrschaften begaben sich alsdann ins Schloß. Kiel, 22. Sept. Tas russische Kaiserpaar mit den Töchtern ist abends 9 einviertel Uhr von hier abgereist. Prinz und Prinzessin Heinrich geleiteten dasselbe zum Bahnhof. Paris, 21. Sept. Präsident Loubet sowie Minister- Präsident Waldeck-Rousseau und die übrigen Mitglieder der Regierung sind heute abend 6 dreivierte'l Uhr hier wieder cingetroffcn, nnd lebhaft begrüßt worden. Präsident Loubet begab sich alsbald nach dem Elysee. Paris, 21. Sept, sine Nof des „Temps" erklärt: Tie diesmalige Reise des russischen Kaiserpaares hatte keinen Aufenthalt in Paris in Aussicht genommen. Weder Präsident Loubet noch, die Regierung haben irgend welchen Anteil an dieser Entschließung des' Kaisers, der für die Kaiserin und sich selbst eine Wiederholung der Anstrengungen des Pariser Besuches vom Jahre 1896 befürchtete. Aber das Kai serpaar wird wiederkommen, und dann wird Paris das offizielle Ziel beß Besuches sein. Der Kaiser hat dem Präsidenten Loubet und den Ministern dieses formelle Versprechen gegeben. Paris, 22. Sept. Präsident Loubet hat an den Marineminister Lanessan ein Schreiben gerichtet, in welchem es heißt: „Tie Flottenparade bei Dünkircl^en bot ein herzerfreuendes Schauspiel oar. Tas Kanalgeschwader verstand es trotz der ungünstigen See, zu beweisen, daß es stets des Vertrauens der Regierung und des Parlaments würdig ist. Die Marine weiß, welche unentbehrliche Kraft sie der Regierung der Republik leiht, um bis an das äußerste Ende der Welt den Respekt vor unserer Fahne und den Schutz unserer Interessen sicherzustellen. Ihre Hingebung steht auf derselben Höhe wie ihre Aufgabe." Tas Schreiben schließt mit dem Ersuchen an Lanessan, dem Kanalgeschwader die Glückwünsche des Präsidenten und der Regierung zu übermitteln. — In einem Schreiben an den Kriegsminister sagt der Präsident: „Die Manöver, denen wir beiwohnten, waren eine bewundernswerte Kundgebung der Macht Frankreichs. Die Opfer, welche das Lano jjo willig gebracht hat, sind durch dieselbe vergolten. Die Trappen haben trotz der vorausgegangenen Anstrengungen bei oer Schluß-Revue mit bemerkenswerter Strammheit und Lebendigkeit defiliert. Aufs neue hat sich! die Armee die Achtung unserer Lohen Gäste und das Vertrauen der Regierung und des Landes^ erworben." Loubet schließt, indem er den Truppen feinen Glückwunsch und denjenigen der Regierung ausspricht. Vom südafrikanischen Kriegsschauplätze. Während die Welt unter dem spannenden Eindrücke der Zarenreise nach Frankreich steht, die, wie wir an anderer Stelle ausführlich berichten, ausging wie ein rührendes Liebesduett eines mittelalterlichen Troubadours — von so bedenklicher Siedehitze sind die gegenteiligen Versicherungen ewiger Liebe und Treue — kommen vom südafrikanischen Kriegsschauplätze heute weniger erfreuliche Nachrichten. Wir erhalten folgende Privat-Meldungen: London, 23. Sept. Lord Kitchencr meldet aus Pretoria vom 21. September: Oberst Wille ams hat das ganze Kommando Cock, daö westlich von Adenburg operierte, gefangen genommen. — Weiter berichtet Kitchener unterm 22. September: Es gelang den Buren während eines Angriffs bei Marrcscamp, bei Eintritt der Dunkelheit ein Geschütz zu entfernen, das ihnen nach heftiger Verfolgung von den Engländern wieder abgcnommen wurde. Die Buren scheinen dem Kommando Kruitzingrr anzugehören. Sie haben einen Toten und 22 Gefangene verloren. — Aus Bloemfontein wird gemeldet: Seit vier Tagen sind 40 Buren im Oranjefreistaat gefangen genommen worden. Der Weg nach Kimberley steht offen. London, 22. Sept. Nach einer Meldung aus Pieter- maritzbury verlautet, Louis Botha habe sich vor einigen Tagen mit 1500 Mann nach Ermeloo begeben. Man nimmt an, daß er nach Balanbugo gegangen ist. Er war begleitet von den Kommandanten Meyer und Grobelaar und wie es heißt auch vom Präsidenten Stcijn. London, 23. Sept. Die gestern Abend veröffentlichten Verlustlisten vom südafrikanischen Kriegsschauplatz beziffern sich auf 2 Offiziere und 26 Mann Verwundete, 6 Offiziere uud 23 Mann sind in Gefangenschaft geraten. 1 Offizier und 9 Mann sind an Krankheiten gestorben. Ferner wird aus Middelburg (Kapkoloie) vom 17. September gemeldet: In der Kapkolonie werden die kriegerischen Operationen lebhaft fortgesetzt. Der neueste Einfall einer erheblichen Anzahl von Buren, welche östlich von Alival den Oranjefluß überschritten haben, wurde durch eine entsprechende Vermehrung der britischen Truppen in jener Gegend erwidert. General French hat energische Maßregeln getroffen, um einen weiteren Einfall abzuschlagen. An der Eisenbahnlinie von Vryburg nach Alival sind Blockhäuser errichtet. Die Buren erhalten Unterstützung von den Farmern, während die britischen Truppen Schwierigkeiten haben, Mitteilungen zu erlangen. Die Meinung ist allgemein, daß die Proklamation Kitcheners keine Wirkung gehabt habe. Das konnte man sich denken. Die englischen Verluste, wie sie sich aus der obigen Veröffentlichung des Kriegsamtes ergeben/ beweisen, daß die Briten außer den letztgemeldeten drei Schlappen bei Dejagersfontein, Elandsriverpoort, Tarka- stad und Blakfontein noch verschiedene andere Unfälle erlitten haben. Außerdem stellen sich die Verluste des von Smuts bei Elandsriverpoort überfallenen Ulanen-Regiments als größer heraus, als zuerst gemeldet wurde. Die Stimmung in England ist infolge der jüngsten Hiobsposten aus Südafrika ganz allgemein sehr trübe geworden. Die Presse macht ihrem Unmut vielfach durch Angriffe auf die Regierung Luft, weil diese nicht ftir ein ausreichendes Heer gesorgt habe. Unterdessen waltet am Kap der Zensor ganz besonders streng, was auch nicht gerade zur Beruhigung des englischen Publikums beiträgt. Deutsches Deich. Berlin, 22. Sept. Aus R ominte n wird gemeldet: Der Kaiser ist heute Abend gegen 7 Uhr im Nominier Jagdschloß eingetroffen. — In der Presse tauchen die verschiedensten Mitteilungen über geplante Besuche des deutschen und des österreichischen Kaisers bei dem Zaren auf. Ob der Kaiser von Oesterreich den Zaren besuchen werde, ist hier natürlich unbekannt. Ebensowenig weiß man etwas von einem in Aussicht genommenen Besuche des deutschen Kaisers. Eine Einladung soll bisher nicht erfolgt sein. — Generalleutnant z. D. v. Boguslawski tritt, wie die „Tägl. Rundschau" meldet, am 1. Oktober in den Redaktionsverband dieses Blattes, wo er die militärische Redaktion übernehmen wird. Herr v. Boguslawski ist bereits seit längerer Zeit als externer mllitärischer Mitarbeiter der „Tägl. Rundschau" thätig. — Zum Gumbinner Mordprozeß wird der „Rat. Ztg." geschrieben: Die Militärbehörden scheinen wegen der Maßregelung der Gumbinner Unteroffiziere einlenken zu wollen, um den üblen Eindruck ihrer früheren Schritte abzu- chwächen. Gerüchtweise verlautet, der Unteroffizier Domning oll in ein anderes Regiment vom 1. Oktober 1901 ab ver- etzt werden. Mit dem Vizewachtmeister Schneider soll weiter kapituliert werden. Wachtmeister Buckpesch soll bei seinem Ausscheiden am 1. Oktober eine Jnvalidenpension erhalten. — Das erneute Gesuch des Oberbürgermeisters Kirschner um eine Audienz beim Kaiser in Sachen der Ueberführung der städtischen Straßenbahn über die Linden ist endgiltig ab gelehnt worden. Der Kaiser habe, so wurde ihm bedeutet, nicht die Absicht, irgendwelche Vorstellungen in dieser Angelegenheit entgegenzunehmen. Bremerhaven, 22. Sept. Der aus Ostasien angekommene Lloyddampfer „Neckar" landete heute die 3. Jnfanteriebrigade (ausschließlich 9. Komp.), Bataillonsstab und 1. Batterie chwere Feldhaubitzen, die Telegraphen-Abteilung, die Feldintendantur, das Trainkommando, die Proviantkolonne 1, 2 und 3, das Feldlazarett 6, das Etappen-Kommando und das Kriegslazarett-Personal, zusammen 55 Offiziere und 2002 Mann. Lübeck, 22. Sept. Der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie wurde heute abend hier eröffnet. Von Mittag an sind die etwa 220 Delegierten angekommen. Unter ihnen befinden sich Bernstein und Kautsky. Zu Präsidenten werden Singer und Schwarz gewählt. Singer teilte mit, daß der Vorstand beschlossen habe, außer den schon bekannten Punkten einen neuen auf die Tagesordnung zu setzen: den Zolltarif mit Bebel als Referenten. Sodann erklärte er, der Vorstand habe den Antrag, von der Erörterung der Parteipresse die Oeffentlichkeit auszuschließen, dahin modifiziert, daß sich das nur auf die finanzielle Seite beziehen solle. Trotz mehrfacher Opposition auch hiegegen geht die Versammlung auf den so geänderten Antrag ein. Auch über die Akkordmaurerfrage wird gestritten. Auer wird, was nach langem Kampf festgestellt wird, darüber als Korreferent prechen. Die Tagesordnung ist sehr belastet und dürste wohl die ganze Woche in Anspruch nehmen. Posen, 21. Sept. Der Kaiser hat dem Grenadier- Regiment Graf Kleist von Nollendorf (1. westpr. Nr. 6) die Büste des General-Feldmarschalls Grafen Kleist von Nollendorf, seines verewigten Chefs, überwiesen. Magdeburg, 21. Sept. Das zum Andenken an die in dem Kriege 1870/71 gefallenen Angehörigen des Feldartillerie- Negiments Nr. 4 errichtete Artillerie-Denkmal in der Friedrichstadt ist heute feierlich enthüllt worden. Fürth, 21. Sept. Heute begann hier der 21. ordentliche Parteitag der Deutschen Volkspartei. Die erste Versammlung leitete Dr. Rößler-Frankfurt. Den Parteibericht erstattete L. Sonnemann, der die Ansicht vertrat, die Volkspartei brauche nur auf dem eingeschlagenen Wege zu beharren, um ruhig der Zukunft entgegensetzen zu können. Parteikassirer Haurand erstattete hiernach den Kaffenbericht, der ein relativ günstiges Bild bot. lieber den Reichstag und dessen Thätigkeit sprach Kammerpräsident Payer. Als Vorort wurde wieder Frankfurt gewählt. Die Beratung der Abänderung des Parteistatuts wurde verschoben und eine Kommission gewählt, die dem Ausschuß, den Volksvercinen und dem Parteitag des nächsten Jahres neue Vorschläge unterbreiten soll. Rechtsanwalt Dr. Zirndorfer referierte über die Wohnungsfrage. Ausland. London, 22. Sepl. Während des letzten Herbstes beschloß die verstorbene Königin Viktoria, dem Hier zog AlfredvonSachsen-Koburg-Gothain den Garten von Balmoral ein Denkmal zu setzen. Die Königin suchte selbst den Platz, und zwar in der Nähe der Bronzestatue des Prinzgemahls aus. Tie Statue ist jetzt an Ort und Stelle aufgestellt worden und soll im Laufe der nächsten Woche von dem König selbst enthüllt werden. Die Figur steht auf einem Piedestal, und das ganze Denkmal, das ungefähr 16 Fuß hoch ist, ist aus weißem Granit angefertigt. Die verstorbene Königin hatte bereits angeordnet, daß das Standbild die folgende Inschrift trauen sollte: „Errichtet dem Andenken ihres Sohnes, Alfred Ernst, Herzog von Sachsen-Koburg-Gotha, Herzog von Edinburg, von seiner trauernden Mutter Viktoria, R. I. Treu und fest." Die beiden letzten Worte in deutscher Sprache. Budapest, 21. Sept. Gestern ereignete sich! bei einer Jagd, an welcher Erzherzog Friedrich teilnahm, ein aufregender Vorfall. Der Erzherzog vürschte mit zweien seiner Forstbeamten in den zu seiner Besitzung bei Mohacs gehörenden Wäldern. Bei dieser Gelegenheit wurden mehrere Wildschützen aufgescheucht, die in einem Dickicht auf der Lauer lagen. Einer der Wildschützen gab auf den in Begleitung des Erzherzogs besindlichen Oberförster einen Schuß ab, der aber das Ziel verfehlte. Der Oberförster schoß hierauf aus den Wilderer, fehlte aber gleichfalls. Die Wildschützen entkamen. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Die Nachricht von einem Attentat auf den Erzherzog ist völlig unbegründet. Aus Stadt und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet. Gießen, 23. September 1901. ** Wissenschaftlicher Fortbildungskurs»« für Volksschullehrer. Es sei an dieser Stelle nochmals darauf hingewiesen, daß im Laufe dieser Woche und zwar nächsten Samstag, 28. September, Geh. Hofrat Prof. Dr. Behaghel von 4 bis 6 Uhr in der großen Aula des Universitätsgebäudes zwei Ergänzungsvorlesungen halten wird über „Personennamen" und über „Sprachgebrauch und Sprachrichtigkeit". ** Der evangelische Arbeiterverein (gemischter Chor) hatte gestern nachmittag auf der Liebigshöhe eine Festlichkeit veranstaltet. Die Beteiligung war so groß, daß viele wieder umkehren mußten, da sie kein Plätzchen mehr fanden. Der Chor trug einige Lieder vor, die den ungeteilten Beifall aller Anwesenden fanden. Und in der That muß man den guten Vortrag und die tüchtige Schulung der Mitglieder des Vereins loben. Auch ein Theaterstückchen „Ein neuer Hausarzt" wurde aufgeführt. Der von Schmerzen, die aber mehr in seiner Einbildung bestehen, arg geplagte Landgerichtsrat wird von einem Doktor kuriert, den er für den bestellten Arzt hält, der aber in Wirklichkeit ein Assessor mit dem Doktortitel ist und um die Tochter des Landgerichtsrats anhalten will. Weil nun aber seine erste Kur solchen Erfolg hatte, erhielt er auch von dem wieder in gute Laune versetzten Landgerichtsrat die Hand der Tochter zugesagt. Die Mitspielenden gaben sich die größte Mühe, die Personen, die sie darstellen sollten, recht naturgetreu wieder zugeben. Und dafür, daß ihnen dies gelang, ist der beste Beweis der geradezu stürmische Beifall, der sich am Ende des Stückchens erhob. Am Schluß wurden noch zwei lebende? Bilder aufgeführt, „der aus China heimkehrcnde Krieger, der den Hinterbliebenen eines verstorbenen Kameraden als letztes Andenken deffen Uhr überreicht", und „der Empfang des heimgekehrten Chinakriegers". Auch diese Darbietungen fanden reichen Beifall. Daran schloß sich ein Tänzchen, dem Alt und Jung in eifrigster Weise huldigte. Und nur das eine bedauerte man, daß es zu schnell zu Ende ging. ** Entsprungen. Ein zur Beobachtung seines Geisteszustandes in der hiesigen psychiatrischen Klinik untergebrachter Verbrecher namens Gustav Jäckel, der seinerzeit hier einen Einbruchsversuch verübte, ist am Samstagabend aus der Klinik entsprungen. Er sollte heute morgen der Staatsanwaltschaft wieder zugeführt werden. Jäckel ist zirka 1,78 Meter groß, kräftig gebaut, blond, hat blaue Augen und einen ganz schwachen Schnurrbart. Er war bekleidet mit blaugestreifter Leinenjacke und Weste, brauner Hose und hatte keine Kopfbedeckung, sowie keine Fußbekleidung an. • * Verhaftung. Ein in der Lahnstraße wohnhafter Taglöhner verübte, wie schon oft, am Samstagabend in seiner Wohnung und außerhalb derselben durch lautes Schreien wiederum ruhestörenden Lärm. Auch ängstigte er, da er mit einem offenen Messer in der Hand umherlief, die Paffanten. Den ihm Ruhe gebietenden Schutzleuten leistete er keine Folge, sodaß er ins Haftlokal gebracht.werden mußte. * * Diebstahl. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurde einem hiesigen Einwohner ein Weinstock an seinem Hause in der Bergstraße abgerissen. Auch wurden ihm Trauben davon entwendet. * * Plötzlicher Tod. Ein pensionierter Eisenbahnbeamter wurde gestern auf einem Spaziergang in Begleitung seines Sohnes am alten Steinbacherweg von einem Schlaganfall betroffen und auf der Stelle getötet. Die Leiche wurde in das Leichenhaus gebracht. * * Ein Raufbold. Heute Nacht gegen 12 Uhr wurde in der Grünbergerstraße ein Studentendiener von einem berüchtigten Raufbold angerempelt und mit einem Stock auf den Kopf geschlagen, so daß der erstere eine blutende Wunde davon trug. Der Raufbold wurde zur Anzeige gebracht. * * D a s 46. Stiftungsfest der Gießener Freiwilligen Feuerwehr nahm am Sonntag mit einer Uebung auf Oswalds Garten seinen Anfang. Ter Hebung wohnten Vertreter des Kreisamts, der Stadtverwaltung, der Branddirektor, mehrere benachbarte Feuer- wehren und die freiw. Gail'sche Feuerwehr bei. Als Objekt eines darauffolgenden Brandangriffs diente ein dreistöckiges Wohnhaus in der Steinstraße; es wurden hierbei sämtliche Lösche und Rettungsgeräte in Thätigkeit gesetzt, die städtische Wasserleitung stand unter Hochdruck, so daß ausgiebiger Gebrauch von den Hydranten gemacht werden konnte. — Um 3 Uhr nachmittags bewegte sich ein stattlicher Festzug durch die Stadt nach dem Gießener Festsaal. Der 1. Kommandant der Korps, Wiegand, begrüßte hier die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, sowie die Kameraden der einzelnen Feucrwchrn, wünschte dem Feste einen guten Verlauf und bradyte auf den hohen Protektor der hessischen Feuerwehren, den Großherzog Ernst Ludwig, em dreimaliges „Gut Wehr"' aus. — Kreisamtmann Boek mann überbrachte die Grüße und Glückwünsche des Kreisamts und erklärte, daß die Regierung es sich stets angelegen sein lasse, das Feuerlöschwesen zu unterstützen, das Kreisamt habe eö immer gethan und werde es auch ferner thun; der von der Wehr ausgeführte Brandangriff habe gezeigt, was sie leisten könne, die Bevölkerung könne sich in Stunden der Gefahr auf sie verlassen. Redner wirft einen kurzen Rückblick auf die Zeit seit Bestehen der Wehr, sowie die Neuerungen und Verbesserungen in den Löscheinrichtungen und die Neu- KHrganjif,atiiJo{ni K>esl Löschwesens, fordert zum Zusammenhalten und treuer Pflichterfüllung auch für die Folge auf, er wünscht der Wehr noch viele Jahre des Bestehens und bringt schließlich auf sie ein „Gut Wehr" aus. — Hierauf fand die feierliche Uebergabe der von der Bürgerschaft Gießens der Feuerwehr gestifteten Standarte statt. Dem unermüdlich/en Eifer einiger junger Damen (Frl. Neuling und Strack) war es, dank dem Opfersinn unserer Einwohnerschaft, gelungen, die Mittel zu einer in prachtvoller Stickerei ausgeführten Standarte zusammenzubringen, die Frl. Neuling in poetischen Worten überreichte. Tie dazu gehörige Schleife überreichte im Namen der Frauen und Jungfrauen des Korps Frl. Faber. — In der nunmehr folgenden Weiherede gab Pfarrer Tr. Naumann zunächst der Freude darüber Ausdruck, daß der sehnliche Wunsch der Feuerwehr, auch eine Fahne zu besitzen, sich erfüllt habe. 46 Jahre lang habe die Wehr ohne Fahne ihr Werk treu gethan, jetzt solle ihr das Zeichen werden, das sie verdient. Tie Fahne bringe und bedeute den Tank der Bürgerschaft. Gar manchmal habe die Wehr ihr Werk gethan, ohne Anerkennung, jetzt könne sie empfinden, daß die Bürgerschaft ihrer gedenke. Die Fahne bedeute das Zeichen der Einheit und Einigkeit. Ter Korpsgeist werde durch die Fahne dargestellt; die Fahne bedeute Ehre und Kraft, unter ihr werde die Wehr als geachtete Gemeinschaft marschieren bei ihren Festen und bei denen anderer Vereine, trauerumflort werde sie nachgetragen, wenn ein Mitglied der Wehr der unerbittliche Tod gefordert hat; die Fahne werde die Wehr höher stellen in den Augen der Behörden, die ihr nichts mehr versagen werden, wenn sie die im Interesse des Dienstes notroenoige Unterstützung fordert. Tie Fahne sei aber auch eine Erinnerung cm Gott: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" stehe auf dem Banner geschrieben; aus alter Zeit sei der Wahlspruch gekommen, Gott sei der Schutz und Schirm and) der Feuerwehr. Tie Fahne rede auch ein ernstes Wort: sie mahne zur Einigkeit, zum festen Zusammenstehen auch in Stunden der Not und Gefahr, zur Pflege des Korpsgeistes, zu Gehorsam, Zuckst und Ordnung, zu rechtschaffenem Wandel. Der Beruf oes Feuerwehrmannes sei schwer, wer ihn freiwillig übernehme, müsse auch pflickstgetreu sein. Gott und der Fahne treu, fest im Glauben, der zum Mute führt. Ter Redner fordert die Wehr auf, die Fahne hm« zunehmen mit dem Gelübde, ihr immer treu zu bleiben, sie sei geweiht im Glanze des alten und doch ewig neuen Wahrspruchs „Gott zu Ehr, dem Nächsten zur Wehr , zum Zeichen der Einheit und Einigkeit, als Zeichen tat Ehre, Zucht, Ordnung und Treue, als Banner der sich selbst opfernden Menschenliebe; keine Feigheit falte sie beflecken, allzeit sei sie ein Wegweiser hinauf zu Gott. Rauschender Beifall folgte den trefflichen Worten des der Feuermehrsache so rückhaltlos zugethanenen Redners. — Branddirektor Traber überbrachte an Stelle des durch Unwohlsein verhinderten Bürgermeisters die Glückwünsche des Stadt- vorstiandes und damit der Stadt; als Zeichen deren Anerkennung schlug er den ersten Nagel in den Fahnenschaft, und mit dem Wunsck>e, daß das bisher zwischen der Wehr und dem Branddirektor bestehende gute kameradschaftliche Verhältnis auch in Zukunft sortbestehen möge, einen zweiten von ihm gestifteten Nagel. — Stadtv» Löder schlug unter Anerkennung der ruhmvollen Vergangenheit der Wehr und zum Zeichen brüderlicher Gesinnung den von der Bäckerin n u g gestifteten Nagel ein. — Pfarrer Dr. Naumann ergriff nochmals das Wort, um den oben genannten beiden Damen, Töchtern von Feuerwehrmännern, und ihren Mithelferinnen an der Sammlung von Beiträgen zur Beschaffung der Fahne den ihnen gebührenden Dank abzustatten; seine Ansprache klang aus in einem Hoch auf die Sammlerinnen. — Kommandant Wigand nahm hierauf die Fahne im Namen des Korps entgegen. Mit dem Tank des Korps sprach er die Hoffnung aus, daß die Wehr sich jtetö bewußt bleiben werde der von ihr übernommenen Pflicht und versprach, daß die Wehr, eingedenk ihres Wahrspruchs: „Gott zur Ehr, dern Nächsten zur Wehr"" stets bereit sein werde, Leben und Eigentum der Vaterstadt zu schützen. — 'Ter Hauptmann der Feuerwehr Herborn überbrachte die Glückwünsche seines Korps, Kommandant Vetz- berger-Nidda diejenigen der Niddaer Feuerwehr und des hessischen Feuerwehrverbandes; sein Hoch galt den Feuerwehrschwestern. — Branddirektor Traber überreichte dem Obmann der Gießener Pflichtfeuerwehr, Faber, unter Anerkennung des von demselben betätigten Eifers das durch Beschluß des Stadtvorsfandes gestiftete Diplom für 15jährige Dienstzeit. Obmann Faber nahm diese Auszeichnung mit dem Ausdrucke des Tanks und der Aufforderung an die jungen Feuerwehrleute entgegen, sich allezeit chrer Pflicht bewuK zu sein; er leerte sein Glas auf das Blühen und Gedeihen der Gießener Feuerwehr. — Kommandant Wigand stattete den staatlichen und städtischen Behörden den Dank des Korps für ihr Erscheinen und das dem Korps bewiesene Wohlwollen ab; zu Ehren der Behörden stieg ein kräftiger Feuerwehr-Salamander. — Unter weiteren Äxrsten, Abflügen von Liedern und den vorzüglichen Darbietungen der Kapelle Gröninger verflossen die Stunden, bis um 8 Uhr der vorgesehene Ball den jüngeren Teilnehmern Gelegenheit zum Bergnügtsein bot. § Sichenhausen, 23. Sept. In Nr. 223 des „Gieß. Anz." teilten wir von dem schweren Unglücksfall mit, von dem der Arbeiter Weber betroffen wurde, der von nieder- stürzenden Erdmassen verschüttet wurde. Seit heute hat der Schwerverletzte das Sprachvermögen verloren. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. § Grebenhain, 21. Sept. Bei einem Schweine des Heinrich Rasch IV. in dem benachbarten Bermuthshain wurde Rotlaufseuche festgestellt und die erforderlichen Schutzmaßregeln von Seiten des Großh. Kreisveterinäramts Lauterbach nach dem Viehseuchengesetz angcordnet, speziell auch noch, daß sämtliche Schweine in dessen Gehöft geimpft werden müssen. Der Geschädigte bekommt seinen Schaden dem Gesetz entsprechend bezahlt. (-) Burkhardsfelden, 21. September. Die Einweihung unseres schönen neuen Schulhauses soll nun bestimmt am 13. Oktober stattfinden. Dasselbe enthält im ersten und zweiten Stock je einen Schulsaal, im zweiten Stock noch ein Zimmer für Lehrmittel usw. und im dritten Stock und auf dem Speicher die Wohnung für einen Schulverwalter. Darmstadt, 22. Sept. Bei dem gestern anläßlich der 13. Tagung des Forst Vereins für das Goßherzog- tum Hessen stattgehabten Festessen toastete Ministerialrat Milbrand auf den Großherzog, Forstmeister Uhrig begrüßte die Vertreter der Großh. Regierung. Sein Hoch galt dem Staatsminister und dem gesamten Ministerium. Exz. Rothe rief den Forstmännern einen herzlichen Willkommengruß zu und leerte auf das Wohl der Hüter und Pfleger des Waldes sein Glas. Oberforstrat Dr. Walther toastete auf das Wohl der Stadt Darmstadt und Oberbürgermeister Morneweg, worauf dieser dem Hessischen Forstverein ein Hoch ausbrachte. Ferner sprachen noch Oberförster Freiherr v. Schmittburg und Pro- feffor Dr. Wimmenauer. — Aus Anlaß seines 50jährigen Jubiläums seiner Akademie für Tonkunst erhielt Musikdirektor Philipp Schmitt den Titel Profeffor. k. Mainz, 22. Sept. Wie man uns mitteilt, hat letzter Tage hier eine Konferenz von Regierungsvertretern aus Baiern, Württemberg und Baden stattgcfunden. Man will wissen, daß die Konferenz sich mit der projektierten süddeutschen Eiscnbahngemeinschaft befaßt habe, was aber wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat, da nicht abzusehen ist, warum eine derartige Konferenz in Mainz und nicht an einem Platz der zunächst beteiligten Staaten zusammentritt. Es dürfte sich bei den Verhandlungen um Tariffragen oder Aehnliches gedreht haben. Frankfurt, 22. September. Vom 24. bis 26. Oktober soll im Zoologischen Garten ein Wohlthätigkeitsfest zum Besten der Dolkskindergärten und Kleinkinderschulen für Kinder aller Konfessionen stattfinden in Gestalt einer internationalen Messe. U. a. soll auch ein Ueberbrettl-Theater eingerichtet werden. Daneben befindet sich das Artistenfoher mit Restauration, dessen Ausgestaltung Professor Olbrich- Darmstadt übernommen hat. fc. Homburg v. d. H., 22. Sept. Die Ausführung des Kaiserin Friedrich-Denkmals wurde nunmehr dem Bildhauer Uphues übertragen. Die Enthüllung soll im nächsten Sommer, am Todestage der Kaiserin Friedrich, stattsinden. Von der zur Verfügung stehenden Mitteln dürfte noch eine ansehnliche Turnrne zur Verfügung des Fonds für das Kaiser Wilhelm- Denkrnal übrig bleiben. Sport. — Auf dem Hcrbstbezirkstag vorn Gau 9 des Deutschen Radfahrerbundcs in Alsfeld, der am Sonntag stattfand, errang der Rcw-Klub „Germania" aus Gießen bei sehr starker Konkurrenz den 2. Preis, bestehend in zwei prachtvollen Wandtellern. Ter Verein durchfuhr eine Strecke von 133,7 Kilom, mit 7 Mitgliedern in 8 Stunden. Dauerfahren. Gruppe I. Große Vereine. 1. Preis. Radfahrer-Verein Marburg. 2. „ „ „ Laasphe. Gruppe II. Mittlere und kleine Vereine. 1. Radfahrer-Klub Dillenburg 10,1 Punkte. 2. Rad-Klub „Germania", Gießen, 9,8 Punkte. 3. Radfahrer-Klub Butzbach 8,3 Punkte. 4. „ Verein „Blitz", Kirchhain 8,1 Punkte. Reigenfabren. 1. Radfahrer-Verein Marburg. 2. „ Klub Butzback. 3. „ Verein Alsfelo (außer Konkurrenz). Paris, 22. Sept. Bei der hcutiaen Radwettfahrt um den großen Preis von Paris über 2000 Mtr. wurde Ellegaard erster, Rütt zweiter und Arend dritter. Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurt a. M., 23. Sept. Der jüdischen Feiertaoe wegen fallt heute der Frucht- und Viehmarkt aus. Der Viehmarkt findet am Tienslag und der Fruchtmarkt am Mittwoch statt. Dortmund, 21. Sept. Die hiesige Borussia-Brauerei, deren Inhaber Habich sich vor Kurzem erschoß, hat beute Konkurs angemcldct. Tie Passiva sollen sich aus 2400000 Mk. belaufen. — Der Redisiouöbcricht der Pommerschen Hypothekeu- bank ist erschienen. Die Kommission, die den Bericht verfaßt hat, bestellt aus Justizrat Kcmpncr, Direktor Dr. W. Gerschel (Rheinisch- Westfälische Boden-Kredit-Bank), Bauinspektor Walter Kern, Bankier Theodor Marcus und dem gerichtlichen Sachverständigen für Grundbesitz Adolph Oliven. Die Revisionskommission ist, wie sich aus dem Bericht ergiebt, zu dem Resultat eines Verlustes von ca. 16 Millionen Mark an Deckungs-Hypocheken und eines jährlichen Fehlbetrages an Pfandbriefzinsen von über einer Million Mark gelangt. Das Aktienkapital wird von der Revisionskommission für verloren erachtet. Tie großen Verluste resultieren im Wesentlichen aus dem Verhältnis mit der Jmnwbilien- Verkebrs-Bank. Dagegen hebt der Bericht hervor, daß die Schätzung oer Revisionskommission bezüglich der Teckungshypothekcn unter die Schätzung der staatlichen Kommission nicht heruntergeht. Was die Zukunft der Pommerschen Hypotheken-Aktien-Bank anbelangt, so läßt die Revisionskommission die Frage offen, ob die Fusion mit einer anderen Hypotheken-Bank oder die Reorganisation des Unternehmens selbst der richtige Weg der Sanirung sein ivird. Im letzteren Falle wäre eine Reduzierung der Verzinsung der Pfandbriefe notwendig. — Die „Frkf. Ztg." erhält eine Information wonach eine Fusion der Pommerschen' Hypothekenbank auch die Regierung widerstrebe, vielleicht damit die Ehance einer künftigen Besserung der Masse nicht einer aufnehmenden Bank zustatten komme, sondern den Obligationen. Kommt es zu einer Reorganisation, so würden bei der Pommerschen Hypothekenbank voraussichtlich die Besitzer der Obligationen weitergehende Opfer bringen müssen, als dies bei der preußischen Hypochekenbank geschah, wenigstens was die Zinsen anbetrifft. Arbeiterbewegung. Jcmappe les Liege. 22. Sept. Nach einer gestern abend stattgehabten Sitzung des Arbeitsrals griff eine Anzahl ausständiger Grubenarbeiter mehrere Direktoren der Kohlengruben an und verfolgte dieselben unter Steinwürfen bis an den Bahnhof. Auch in den Bahnhof drangen die Ausständigen, zertrümmerten Thüren und Fensterscheiben und schleuderten Steine gegen den Zug, worin die Direktoren Platz genommen hatten. Mehrere Arbeiter wurden durch Revolverfcküffc verwundet. Vnioersitäts Nachrichten. — In Berchtesgaden ist am 21. d. M. der bekannte Jurist Geh.-Rat Prof. Dr. Hernr. v. Sicherer aus München gestorben. Er war 1839 in Eichstädt geboren. — Der Profeffor für gerichtliche Medizin in Zürich Dr. Sans v. Wyß ist, 54 Jahr alt, gestorben. — Ter Universitätsprofeffor Bach in München wurde tot rn seinem Bett gefunden. Neueste Meldungen. Originaldrahtmeldungcn des Gießener Anzeigers. Paris, 23. September. Präsident Lonbct ist nach Rambouillet zurückgckehrt. — Ter Graf von Flandern ist hier zu mehrtägigem Aufenthalt cingetroffen. Paris, 23. September. Wie mitgeteilt wirb, hat der Zar in seiner Unterredung mit dem Abg. Faure diesem bas Versprechen gegeben, bemn ächst dcn Sübcn von Frankreich zu besuchen. Peiting, 23. September. Seit ber Abfahrt bcr fremben Truppen ist die Ruhe in bcr Stadt nicht mehr gestört worden. Die Einwohner legen im Allgemeinen den fremden Truppen gegenüber eine freundliche Haltung au den Tag. Die verschiedenen Stadtteile können ohne Gefahr besucht werden. Berlin, 23. Sept. Nachdem die letzte Nummer des Anarchistenblattes „Neues Leben", in welcher das Attentat auf Mac Kinley besprochen wurde, beschlagnahmt wor- ben ist, ist der Redakteur des genannten Blattes Polier Panzer, in seiner Wohnung verhaftet worden. Berlin, 23. Sept. Der Polizeipräsident macht bekannt, daß die Nr. 34 des in Berlin erscheinenden Witzblattes „Le Journal pour Tous“ durch Beschluß des Amtsgerichts I beschlagnahmt worden ist, weil die Abbildung auf Seite 3 in Verbindung mit dem darunter stehenden Text Beleidigungen des deutschen Kaisers enthalten. Aus dem gleichen Anlaß wurde die „Wiener Arbeiterztg." beschlagnahmt. Bei dieser sind die Beleidigungen in einem satyri- schen Artikel aus dem Tagebuche des Prinzen Tschun enthalten. Stuttgart, 22. Sept. (Telephon-Nachricht des „Gieß. Anz.") Graf Waldersee ist von seinem Fußleiden immer noch nicht ganz geheilt. Er mußte in letzter Zeit einen Teil des Tages zu Bett bleiben. Doch steht nach dem Ausspruch des Arztes eine baldige Heilung in Aussicht, worauf sich Waldersee nach Hannover begeben wird. London, 23. Sept. Lord Äitchener meldet: Buefan nahm bei Card in a ein Kommando von 45 Mann gefangen, darunter einen P. Botha, und erbeutete 48 Wagen. — Kruitzinger versuchte über den Oranjefluß vorzustoßen und das Lager der Schützen Lovatz zu überfallen. Tie Erzwingung der Uebcrgabe sei Kruitzinger nicht gelungen, über Lovatz Verluste sind sehr schwer. Unter den Gefallenen befinden sich Oberst Murray und Hauptmann Murray. New-Dark, 21. Sevt. Die Offizial-Verteidiger Czolgosz' veranlaßten, oaß dieser einer irrenärztlich^n Untersuchung unterworfen wurde. Tas Gutachten ijt unbekannt, jedoch ist es wahrscheinllich daß es sich für die Zurechnungsfähigkeit des Thäters ausspricht. 37a°/o Reichsanleihe 30/0 do. Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . , Bochum . , . . , fiarpener , . . < Telephonischei* Kursbericht. Frankfurt n. M., 23. September. . 194.26 . 172.40 . 116.00 . 124.60 . 132.90 . 131.70 . 154.50 . 176.50 . 160.50 . 148.25 . 100.00 . 90.35 . 100.50 . 90.35 . 98.10 . 99.20 43.00 . 25.70 . 26.45 . 84.10 31/1°/o Konsols . . . 3% do. .... 3*/a% Hessen . . . 5O/o Italien. Rente . . 4 /o Griech. Monopol-Anl, 37o Portugiesen . . * 3O/o Mexikaner . . . W/a Chinesen . . . Tendenz: still. Submission Für die Gr. neuen Universitäts-Kliniken in Gießen soll die Lieferung nachbenannter Verzehrungs-Gegenstände auf dem öffentlichen Submissionswege vergeben werden: 20 Centner Aepfel, 600 » gute Speffekar- toffeln, 15 e sog. gelbe Mäuschenkartoffeln, 10 e untererdige gelbe Kohlrabi, 2 e obererdige Kohlrabi, 10 ■ Zwiebeln, 2 n Rotherüben, 2 e Meerrettig, 10 0 Gelberüben, 35 n Weißkraut, 150 Stück Rotkraitt, 400 n Wirsing mit Wurzeln, 200 e Lauch, 350 u Sellerie. Die ßieferu^Sbebingungen können auf dem Verwalttmgs- büreau der neuen Kliniken an den Wochentagen nachmittags von 3—6 Uhr eingesehen werden. Offerten unter Beischluß von Musterproben sind verschlossen mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Samstag den 19. Oktober, mittags 12 Uhr, auf dem oben erwähnten Büreau einzureichen. ZuschlagSfrist bis zum 24. Oktober 1901. Gießen, den 23. Sept. 1901. Gr. Verwaltungs-Direktton der neuen Kliniken. 6363 Versteigerung. Mittwoch den 25. d. M., vormittags 10 Uhr, soll das durch Erneuerung der Dach- kandeln und Abfallrohre übrig gebliebene, zum Teil wieder verwendbare alte Material öffentlich gegen sofortige Barzahlung versteigert werden. Gießen, den 23. Sept. 1901. Großherzogliches Hochbauamt. _______Neuling. 6367 Wmsteigmng. Nächsten Dienstag, nachmittags 2V2 Uhr, sollen an der Kreisstraße Gießen—Steinbach die Aepfel baumweise versteigert werden. Anfang an der Wirtschaft von Jhring an der Licherstraße. Gießen, den 22. Sept. 1901. Rohrer, 6352 Kreisstraßenmeister. f Br. med. Hans ÜCoeppe ® wohnt jatzt 03746 J G Alicestrasse 3. G Sprechstunden bis zur Fertigstellung der Strasse: 12—1 • und 2—3 Uhr in der Poliklinik, Frankfurterstrasee 10. $ ® @ 99 99 G» 99 999999 MriW ies Musikunterrichts Dienstag den 24. September. Anmeldungen Löbcrs Hof 3. 6365 Georg Kruse. Stöbt. Schlachthaus. Freibank. Heute und worqeu: UMcilch 56 Pfg. ZchwewrSM 50 flfg. MMss-r in allen Größen in großer Auswahl bei 6354 Louis Engel, BHch. o.'T-. MMM . M M *1 WWW''J WW — W — '-!■ 3u vermieten 03713] 5-Zimmer-Wohuung zu vermieten. Bleichstratze 14, Mittelstock. Lswaldsgarten. Eine Dreizimmerwohnung im 1. Stock zu vermieten. 6362 Heinrich Rausch. 2514] Die von Herrn Profeffor Dr. Waltber bewohnte s Etage Arankfurterstr. 4 ist vom 1. Ok- tober ab zu vermieten. __________ 6044] Kleines Familienlogis zu vermieten. Asterweg 6. (^reunbl 4- Zimmerwohuung V neu hergerichtet, per sofort ob. faäter zu vermieten. I. 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Frau sucht vormitt, einige Stunden Laufstelle. Näberes KaPlanSgasse 23. M b des Ver natiotia, Bedölke: kolauZ ] Haltung maliger aufs m gterung den W< Secrbigunq finbet Dienstag den 24. Septbr., nachm. 2 Uhr, vom Sterbehause, Sonnenstraße 18, aus statt. richten zu Vers den ihr danken vom Trauerhause, Schillerstr ässe 16, aus. Blumenspenden im Sinne der Verstorbenen dankend verbeten. jm 80. Lebensjahre, was wir Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme mitteilen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Minna Gröninger, geb. Gimbel, Heinrich Gross inger, Willy Gröninger. Köchin gesucht. Zum 15. Oktober wirb nach Wiesbaden in kleine, seine Familie eine erfahrene, solide und reinliche Köchin gesucht. Sehr wenig Hausarbeit, jedoch Hülfe bei der Wäsche und beim Plätten verlangt. Anfaugs- lohn 25 Mk. per Monat. Nur solche mit guten Zeugnissen wollen sich melden unter N. J. 869 bei Haasensteitt & Bögler, Todes-Anzeige. Es hat Gott dem Allmächtigen gefallen, gestern nachmittag 4 Uhr unseren lieben Gatten, Vater, Bruder und Schwager siebente meister erstenm wurde Minister 6282s Anständiges Mädchen sucht Stellung als AMüfkNU. Gell. Off. u. B 111 an bie Exp. des Wetzlarer Anzeiger, Wetzlar. verMn, Ijefai, eine mü 'm 7$ erhallen sofort artftokratischr Feinheit und Form durch Benützung von »Riol*. ,Rlole ' ' ''ehesten und edelsten eute morgen 9 ühr verschied nach schwerem Leiden unsere innigst geliebte Mutter, Schwiegermutter 62271 Nach Darmstadt zum 25. Oktober ein Mädchen für Herrschaft!. Haus gesucht (einzelnes Ehepaar ohne Kinder). Mädchen muß kochen können, hauptsächlich aber seine Stubenarbeit verstehen und Näherei. Gehalt monatlich 20 Mark und häufig Urlaub, da Herrschaft viel reist. Nähere Auskunft erteilt die Expeditton dieses Blattes. FrI. Whchen Wtmis was wir Verwandten, Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Teilnahme mitteilen. 6358 Die trauernden Hinterbliebene». Gießen, den 21. September 1901. In not man de neten ? Jnteress gedient; daß dae tigen B die neb iJemM Näheres^in der Exped. d. Bl. 5n einen feinen Haushalt (drei Erwachsene,ein Dienstmädchen) wird alsoald eine Stütze der Hausfrau gesucht, die gut kochen kanrr. Offerten unter Nr. 6288 an die Expedition di es es Blattes. Heinrich Gröninger Eisenbahnsekretär 1. P. dah feiner Runzeln und Falten bei GesichteS.Som merkprossen,Mitesser, Nasenröte rc. spurlo« verschwinden nach Gebrauch von »Riol*. »Riol* ist da» beste Kopshaar-Reinigungü-, Kopfhaar- Pflege und Haar-Berschönerungimittel, verhindert da» Ausfallen der Haare, Kahl- föpfigfeit und Kopskrankheilen. .Riol* ist auch da« natürlichste und beste Zahnputzmittel. Wir verpflichten uns, da» Geld s o- sort zurückzuerstatten, wenn man mit »Riol* nicht vollauf zufrieden ist »Riol* wird anstatt gewöhnlicher Seife benutzt. Wer »Riol* einmal benutzt, bleibt ewig dankbar. 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