Nr. 224 Erstes Blatt. LSI. Jahrgang. Dienstag 24. September 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des MonlagS. Die «lehener Somtlien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt' und den .Blättern sür hessische Volkskunde' viermal wöchentlich bei- gelcgt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchulstratze 7. Adrefle für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen Annahme von Anzeiaea au der für den folgenden xag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Anzeigen-Vermitt- lungsstellcn des In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf^ auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen UniversitatS - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Seit.: Den Beginn deS Unterrichts an der landw. Winterschule Alsfeld. Auf die nachstehende Bekanntmachung weise ich die Landwirte deS Bezirks mit der Empfehlung hin, diese Gelegenheit zur Ausbildung ihrer Söhne nicht zu versäumen. Der Verein giebt denjenigen, die zwei Winterkurse durchgemacht haben zur Anerkennung je zwei gute Bücher im Werte von mindestens 15 Mk. und leistet in geeigneten Fällen außerdem noch eine bare Beihilfe zu den Ausbildungskosten in Höhe von mindestens 26 Mk., soweit die Mittel reichen. Für diejenigen Landwirte, welche lieber in Friedberg oder Büdingen die Schule besuchen wollen, bemerke ich, daß demnächst auch bezüglich dieser noch Bekanntmachung ergehen wird. Gießen, den 16. September 1901. Der Direktor des landw. Bezirksvereins. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Wie oben. Die landwirtschaftliche Winterschule zu Alsfeld beginnt shren 29. Winterkursus Montag den 4. November d. Js., vormittags 11 Uhr. Indem wir zum Besuche der Schule einladen, bemerken wir, daß die Schule das Ziel verfolgt, jungen Landwirten diejenigen Fachkenntnisse, welche heute zur rationellen Bewirtschaftung bäuerlicher Güter notwendig sind, in zwei fünfmonatlichen Winterkursen zu vermitteln. Zur Erreichung LieseS Zieles lehren an der Schule drei Landwirtschaftslehrer und vier Hilfslehrer. Die Schule ist mit einer reichen Lehr- rnittelsammlung zweckentsprechend ausgerüstet. Ausgenommen werden junge Leute im Alter von 14 HiS 20 Jahren, welche das Unterrichtsziel der Volksschule erreicht haben; in den oberen Kursus nur solche, welche schon den unteren Kursus mit Erfolg besucht haben, oder welche nachweisen, daß sie die Kenntnisse, welche der untere Kursus vermitteln soll, bereits besitzen. Aeltere Landwirte können ailS Hospitanten ausgenommen werden. Die jungen Leute stehen während ihres Hierseins unter Aufsicht der Lehrer und müssen sich der Schulordnung unbedingt unterwerfen. Sie nehmen Wohnung in bürgerlichen Familien und können Wohnungen zu 30 bis 40 Mk. per' Monat von dem Vorsteher der Schule, Herrn Oekonomierat Lerthiger, nachgewiesen werden. Das Schulgeld beträgt für frag Wintersemester 25 Mk. Anmeldungen sind an den Aufsichtsrat oder an Herrn Oekonomierat Leithiger zu richten, welcher auch bereit ist, sfpeziellere Anftagen zu beantworten. Alsfeld, den 1. September 1901. Der Aufsichtsrat der landwirtschaftlichen Winterschule Alsfeld. Dr. Melior. Politische Tagesschau. Mac Kinleys Mörder ist der amerikanischen Polizei kein Fremder. In der amerikanischen Verbrechergalerie findet sich bereits folgendes Signalement des Präsidentenmörders eingetragen: Leon F. Czolgosz alias Frank Niemann. Verbrechen; — — — —, Alter 28 Jahre, Größe 5 Fuß 57/8 Zoll, Gewicht 138 Pfund, Gestalt schlank, Augen blau, Haare braun, Teint mittel, Gesicht glatt, geboren in Detroit, Michigan. Gewerbe Drahtarbeiter. Der Vater des Verbrechers ist kurz vor dessen Geburt aus Ostpreußen eingewandert und ist polnischer Na- tionalttät. Er lebt jetzt als Farmer bei Cleveland. — In der dortigen, vom Anarchismus besonders stark infizierten Atmosphäre wuchs der Mordbube heran, der als Drahtarbeiter das Leben zu beschwerlich fand, und sich deshalb auf andere Weise durchzuschlagen wußte. Er übernahm eine Kneipe, in der sich ein anarchistischer Klub bildete. Dieser soll den Namen „Gewalt" geführt und aus 22 Mitgliedern bestanden haben, als der Attentäter die Stadt verließ. Er hat sich dann in vielen Städten herumgetricben und war namentlich Czolgosz. auch in Chicago. Hier fiel sein Verkehr mit anderen Anarchisten auf, besonders mit der schon früher vielfach in den Vordergrund getretenen Emma Goldmann, die einen tiefen Eindruck auf den Burschen gemacht zu haben scheint. Bei seiner Verhaftung hatte er entschieden geleugnet, Mitschuldige zu haben, aber ausdrücklich erklärt, daß er durch die Reden und Briefe dieses Weibes zu seiner That angespornt wurde. Da in Paterson bekannllich die Ermordung des Königs von Italien ausgehcckt wurde, so scheint die — in Cleveland oder Chicago vorbereitete — Ermordung des Präsidenten nur ein weiteres Glied in einer ganzen Kette von Verbrechen zu sein, welche die amerikanischen Anarchisten, begünstigt von der bestehenden schrankenlosen Freiheit planen und in aller Gemütsruhe vorbereiten. Wie bekannt, ist Czolgosz, nachdem das Attentat den Tod Mae Kinleys zur Folge gehabt hat, des Mordes unter erschwerenden Umständen angeklagt worden. Hiergegen wendet sich die anarchistische Presse mit einer stechen Begründung. Es wird das Ergebnis der an der Leiche Mac Kinleys vorgenommenen Sektion benutzt, um darzutun, daß der Präsident nicht an der Wunde, sondern an Nikotin-Vergiftung gestorben sei, daß der Schuß den sicheren Tod nur beschleunigt habe. Es ist wohl ausgeschlossen, daß die amerikanischen Gerichte sich auf einen solchen Schwindel einlassen, und etiva, wie diese Gesellschaft fordert, den Mörder nur der schweren Körperverletzung schuldig finden könnten; immerhin ist schon der Versuch charakteristisch für das, was in dieser Richtung auch heute noch, Angesichts der erschütternden Kata- sttophe, geschrieben und gesagt werden kann. Wie verlautet, wird Czolgosz schon heute (am 23. September) vor Gericht gestellt, und wenn er, wie sicher zu erwarten steht, zum Tode verurteilt wird, durch Elektrizität hingerichtet werden. Zur Beurteilung des gegenwärtigen Standes der Wohnungsfrage ist der vor einiger Zeit von dem Verein für Sozialpolitik herausgegebene Schlußband seiner Neuen Untersuchungen über die Wohnungsstage in Deutschland und Oesterreich sehr schätzbar. Es ist darin zusammengcfaßt, welche Maßnahmen zur Herstellung und zur Förderung des Baues gesunder und billiger kleiner Wohnungen einerseits durch Arbeitgeber und gemeinnützige Gesellschaften, andererseits durch Gemeinden und Staaten getroffen und welche positiven Ergebnisse bis jetzt auf diesem Gebiet erzielt worden sind. Die Gesamtzahl der in Deutschland von industriellen Ar b eit - gebern erbauten Arbeiterwohnungen betrug am 1. Oktober 1898: 143 049. Das würde, wenn wir die gesamte industrielle Bevölkerung Deutschlands gemäß der letzten Berufsstatistik auf rd. 8 Millionen veranschlagen, rd. 18 Wohnungen auf 1000 Arbeiter ergeben. Selbstverständlich kann dieses Verhältnis nicht als allgemein giltig angenommen werden, sondern wird sich in reinen Jndustriebezirken günstiger, in Großstädten erheblich ungünstiger gestalten. Die Bemühungen des preußischen Bergfiskus zur Ansiedelung der Arbeiter gehen bis in den Anfang der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zurück. Bis Ende 1899 waren von der Bergwerks- venvaltung rd. 5 056 000 Mk. zu Baugründen und rund 7 300 000 Mk. zu unverzinslichen Darlehen im Interesse der Arbeiteransiedelung verwandt. So sind im Saarbrücker Revier nicht weniger als 42 pCt., im Hallischen Revier 27 pCt., im Revier Stolberg-Eisleben 25 pCt. der Arbeiter Haüsbesitzer geworden. Im Bereich der seit 1897 zu einer Eisenbahngemeinschaft vereinigten preußischen und hessischen Staatsbahnverwaltung waren im April 1899 rd. 30 840 aus Staatsmitteln erbaute Wohnungen vorhanden. Der zu diesem Zweck vom Landtag bewilligte Kredit beziffert sich auf 20 Millionen. Im Bereich der bayerischen Staatsbahnen waren Ende 1899 teils aus gesetzlichen Krediten, teils aus Etatsmitteln für rund 39 900 Bedienstete rd. 8000 Wohnungen vorhanden. Die sächsische Staatseisenbahnverwaltung hat bis dahin 4130 Wohnungen hergestellt. Für die Unterbediensteten bei den württembergischen Verkehrsanstalten waren Ende Mai 1899 590 Wohnungen vorhanden; doch steht dort ebenso rote bei der Reichspostverroaltung, die siber rd. 600 Wohnungen verfügt, die Förderung der Wohnungsstage noch in den ersten Anfängen. Für die verhältnismäßig geringe Zahl der Arbeiter in militärfiskalischen Werkstätten Preußens stehen rd. 500, für die dem Ressort des Reichsmarineamts unterstehende Torpedoroerkstatt in Friedrichsort und die Werft in Wilhelmshaven stehen über 1100 Wohnungen zur Verfügung. Auch das preußische Landwirtschaftsministerium hat zur Vermehrung und Verbesserung der Arbeiterroohnungen in den letzten sieben Jahren über 2 Millionen Mark verwendet. Polnische Deutsche. Wie die Polonisierung deutscher Nstmen in den preußischen Ostprovinzen zustande kommt, zeigt recht drastisch folgende Mitteilung: In dem Kalkbruch Hans- dorf bei Pakosch wohnt ein Arbeiter, der bisher unter dem Namen Szalkowski bekannt war; er schickte vier Kinder, Feuilleton. Theater, Kunst und Wissenschaft. KlareBestimmungenüberdieVorlesungs- honorare, die von der Buntscheckigkeit der auf den Universitäten üblichen Honorare vorteilhaft abstechen, scheinen die Technischen Hochschulen zu haben. Auf der Charlottenburger Technischen Hochschule ä. B. herrschen ganz bestimmte Normen. Tas Honorar wird halbjährlich entrichtet und richtet sich nach der Zahl der Stunden, die das Kolleg wöchentlich hat. Tie Stunde Vortrag ist mit 4 Mk., für Hebungen mit 3 Mk. zu berechnen; Hospitanten zahlen je eine Mark mehr. Hat ein Kolleg wöchentlich 5 Vortrags- Mnden und 5 Uebungsstunden, so zahlt der Student ein Semester-Honorar von 5 mal 4 und 5 mal 3 Mk. also zusammen 35 Mk.; beim Hospitanten stellt sich das Honorar es Hauses vorbeiströmt. Längs der von ihm bewohnt gewesenen Gemächer zieht sich ein Balkon, von dem aus man einen günstigen Blick über den Strom und hinüber zu den in blauer Ferne schimmernden Bergen hat. Wenn die Abendschatten ihn vor der neugierigen Menge verbargen, die von der dicht benachbarten Rheinbrücke aus den Balkon beobachsstete, trat der Prinz hinaus und betrachtete lange das Panorama, das ihm zu Füßen und rings um ihn ausgebreitet lag. So wird die Stimmung verständlich, der der poetische Erguß entflossen ist, und dec in wortgetreuer Uebersetzung also lautet: Am schönsten ist es, wenn die Abendsonne Hernieder auf die Erde sinkt. Von ferne sehe ich das Gebirge Und blicke hinab in das Wasser, Tas hinter dem Hanse dahinströmt. Ich sitze hier an dem Geländer Und betrachte dies Schauspiel. Tie Blumen, der Duft, die Schatten, Sie sind mir auch hier geblieben. Mitten in diesem Stück Erde, Tas die Schweiz sie nennen, Und über 40 Grad entfernt vom Aequator liegt, So dichtend, gehe ich meinen Gedanken nach Und wenn ich nachsinne, Tann kommt die Ruhe über mich Trum habe ich von Jugend an bis zum heutigen Tag Mich als Tichter versucbt. Tas sind die Blätter und Blumen, Tie in den Schoß mir fallen. Beim Weine empfinde ich keine Müdigkeit. Toch wenn ich jetzt mich erhebe, Ist mir's, als ginge ich mit trunkenen Schritten Um einen Bach herum, In dem das Licht des Mondes sich spiegelt. Schon sind die Vöglein im Nest, Und menschenleer ist es geworben. Helgoland, 22. Sept. Heute wurde die hiesige Station für drahtlose Telegraphie nach Prof. Braun und Siemens & Halske von dem Geh. Posttat Strecker- Berlin, Postrat Fritzsche-Hamburg und Prof. Kübler-Tresden besichtigt. Tie zwischen hier und Cuxhaven gewechselten längeren Tepeschen kamen bei 32 Meter Trahthöhe fehlerlos an. Tie genannten Herren gaben ihrer vollen Zufriedenheit rückhaltlos Ausdruck. „Mir auch!" Im Stuttgarter Theater ereignete sich bei der Wiederholung des Björnsonschen „Laboremus", das unser Berliner xy-Mitarbeiter dieser Tage ausführlich behandelte, ein heiterer Zwischenfall. Als Dr. Kann seinem Neffen Langfred das vernichtende Urteil der jungen Dorgnh über dessen „Undine" mit den Worten kund gab: „Mir scheint das recht eintönig", da erscholl von der zweiten ober dritten Gallerie des Hauses ein überlautes: „Mir auch!" Es entstand eine allgemeine Heiterkeit, der sich sogar die Darsteller nicht erwehren konnten. Es dauerte lange, bis die Wirkung des vielsagenden Zurufes einigermaßen abgeschwächt wurde. Um die Illusion und den Ernst des Abends war es aber geschehen. Max Halbes neues Drama „Haus Rosenhagen" (Verlag von Georg Bondi in Berlin) ist am 21. b. M. zum ersten Male gleichzeitig im Berliner Lessingtheater unb im Stuttgarter Hoftheater zur Aufführung gekommen und fand an beiden Orten ein dankbares Publikum, das allerdings dem letzten Akte gegenüber sich ziemlich kühl verhielt. Ter ehemalige Professor Leopold Schenk in Wien, der bekanntlich eine Theorie der Geschlechtsbesttmmung auf- gestellt hat, hat gegen die Wiener antisemitischen Blätter „Deutsches Volksblatt" und „Teutsche Zeitung", die ihn anläßlich der Besprechung des jüngsten medizinischen Kongresses angegriffen hatten, Ehrenbeleidigungsklage erhoben. shatte an , , Polizei von dem Direktor der machten 52 von ihrem Wahlrechte Gebrauch. Der Gewählte steht im 75. Lebensjahre. Er erfreut sich in der Gemeinde einer großen Beliebtheit. In den 70er Jahren wurde er von der Gr. Staatsregierung zum Bürgermeister ernannt und ist jetzt für die dritte Wahlperiode gewählt. -t- Alsfeld, 21. Sept. Als dritter Landwirtfchastslehrer an der landw. Winterschule Alsfeld ist Herr E. Schwarz aus Büdingen angestellt worden. Derselbe hat schon voriges Wintersemester aushülfsweise an der Schule Unterricht erteilt und ist nun, nachdem er jetzt seine Studien in Leipzig oeendet hat, als dritter Lehrer berufen worden. Im nächsten Wintersemester, das am 4. November beginnt, werden an der Schule drei Landwirtschaftslehrer, ein Kulturtechniker und drei Hülfslehrer unterrichten. w. Wieseck, 22. Sept. Samstag abend fand hier eine Bürgerversammlung statt, in der für die demnächstige Gemeinderatswahl folgende Kandidaten aufgestellt wurden: Karl Schäfer I., seitheriger Gemeinderat, Ludwig Daubert, Heinrich Reuter, Schweinehändler und August Seibert, Landwirt und Spezereihändler. 0 Usenborn, 22. Sept. Auf der Heimfahrt mit seiner Dreschmaschine passierte dem Besitzer Johannes Gerlach aus Stockheim ein Unfall. Der abschüssige Weg von hier nach Bergheim war bis auf die schlimmste Stelle mit der schweren Maschine zurückgelegt. In der Nähe von Bergheim war noch eine sehr jähe Stelle zu fahren, wobei die Bremse tüchtig angezogen werden mußte. Plötzlich brach die armstarke eiserne Welle und die Maschine sauste die jähe Stelle herab. Der Fuhrmann hatte Geistesgegenwart und drückte die Zugtiere gegen die Böschung, sodaß die Maschine sich überschlagend in den Graben stürzte. Glücklicherweise kamen weder Menschen noch Vieh zu Schaden. Die Maschine wor arg beschädigt, einzelne Teile, Schwungrad, Hahnen, Rohre, ganz zerbrochen. k- Rohrbach, 21. Sept. Bei der gestrigen Bürgermeisterwahl wurde der seitherige Bürgermeister Heinrich Kröll einstimmig zum dritten Male wiedergewählt. Die Beteiligung an der Wahl war sehr gering. Kaum 40 pCt. der Stimmberechtigten machten von ihrem Wahlrecht Gebrauch. Bad-Nauheim, 21. Sept. Die Bäderabgabe sindet in sämtlichen staatlichen Badehäusern von Montag, den 23. September ab von 8—12L/4 und 2—57* Uhr statt. Wegen Vornahme baulicher Herstellungsarbeiten werden Bäder im Badehause des Konitzkysttsts bis auf Weiteres nicht verabfolgt. (Unterhaltungen). Frühkonzert der Kurkapelle von 7%—8^2 vormittags am Kurbrunnen. Mittwoch 25. Sept, nachm. von 47s—61/» und abends von 8—97, auf der Terrasse Konzert der Kuckapelle. Abends Wagnerkonzert. Donnerstag 26. Sept, nachm. von 47r—67z und abends von 8—91/2 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale 3. Kammermusik-Abend der Frankfutter Quartett-Vereinigung. Frettag 27. Sept, nachm. von 47, bis 67r und abends von 8—9 72 auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Zaubervorstellung des Hofkünstlers Rud. Meunier-Sölar aus Frankfutt a. M. Samstag 28. September nachmittags von 47a bis 67, und abends von 8—9 72 auf der Terrasse Konzett der Kurkapelle. Abends Sttauß-Konzett. st. Butzbach, 22. September. Das Alte zu ehren und dem Fortschritt zu huldigen, das ist wohl die Devise, die sich die maßgebenden Faktoren Butzbachs gewählt haben. Während nun auch die dritte Hauptstraße mit schönem Trottoir (Asphalt wurde zuletzt verwandt) versehen wird, das neue Realschulgebäude soeben sein hohes Dach erhält, und das Landeszellengefängnis durchgehends mit elektrischem Lichte versehen wird, versucht man andererseits durch Renovierung dem alten Postgebäude auf dem Markte wieder das Aussehen von einst zu geben. Die entstellende Ver- putzung wurde entfernt, wodurch das prächtige Gebälk mit seinen Verzierungen wieder klar hervortritt und dem im Jahre 1636 erbauten Hause wieder der Charakter des deutschen Renaissancestiles verliehen wird. Unser ehrwürdiger Marktplatz fügt seinen altertümlichen, interessanten Gebäuden eine neue Sehenswürdigkeit hinzu. — Mit Genehmigung des Großherzogs ist die Fürstengruft in der St. Markuskirche, deren Gewölbekappen mit Prächtigen Re- liefbildern geschmückt sind, bis zu der inneren Gittetthüre zugänglich gemacht worden. — Von Sonntag, den 6. Okt. ist die Bibliothek des Volksbildungsvereins, die sich sehr regen Zuspruchs zu erfreuen hat, wieder an jedem Sonntag von 9—10 Uhr vormittags geöffnet. k. Friedberg, 22. Sept. Die neu zu besetzende Bürgermeisterstelle ist bereits seit einiger Zeit ausgeschrieben. Da wächst in Friedberg immer mehr die Spannung, zu welchem Resultate man gelangen wird. Noch ist manches zu thun, und noch manche Überraschung kann kommen. Aber dabei vergißt man auch die Leute nicht, die hier noch in letzter Vergangenheit im Mittelpunkte des Lebens standen. Dazu gehört vor aUem der Altbürgermeister Steinhäußer. Dies haben auch die Väter der Stadt erkannt und wohl mit Zustimmung der ganzen Einwohnerschaft dem Altbüraermeister in treuer Anerkennung seiner Veroienste das Ehrenbürgerrecht verliehen. Heute fand die ^Ueberreichung des künstterisch ausgestatteten Ehrenbürgerbriefs durch den Gemeinderat statt.— Tie an den Altbürgermeister gerichteten Worte entsprachen der Würde der kleinen Feier, Die sich in bescheidener Weise um 11 Uhr vollzog. Der Ehrenbürgerbrief ist ein Kunstwerk ersten Ranges. Es ist eine bis in die kleinsten Details ausgeführte, überaus kunstvolle Federzeichnung, ausgeführt von dem Neuerbauer unserer Stadtkirche, dem Architekten Hubert Kratz. Oben an den Ecken trägt der Ehrenbürgerbrief das Datum des Eintritts des Altbürgermeisters ut die engere städtische Thätigkeit, 1. Oktober 1883, und daS Datum seines Ausscheidens aus dem Bürgermeisteramt, 1. Oktober 1901. Zwischen den künstlerischen Verzierungen finden sich in das Auge angenehm berührender Form der „Friede" und die „Geschichte" versinnbildlicht. Sehr dekorativ wirkende Masken stellen eine harmonische Verbindung der Figuren dar. Dazwischen ist das Wappen Friedbergs, ein Doppeladler mit schwarz-weißem Brustschild angebracht. Darunter kommen einige Partien von Friedberg, lmrs em Blick nach der toefüidjen Seite der Stadtkirche, rn der Mitte das ehrwürdige Rathaus, der Hauptort der Thatrg- teilt hierdurch Herrn Adam Steinhäußer, im Hmolrck mrs sttl erbaute, vielfach „umstrittene" .^ugusttnerschule. Der Text des Briefes ist folgender: „Die Stadt Fmedberg erteilt hierdurch Herrn Adam Steinhäuser, im Hmblrck auf seine Thätigkeit als Gemeinderat und Beigeordneter, insbesondere in Anerkennung seines 18jahrtgen pflichttreuen, nach seiner Heimat an. ** Rückkehr unseres Regiments. Das Infanterieregiment Nr. 116 kehrt, soweit bis jetzt festgestellt ist, am Mittwoch, dem 25. September, aus dem Manövergelände in unsere Stadt zurück. Das Korpsmanöver bei Worms, das den Abschluß des gesamten Manövers bildet, nimmt am Mittwoch gegen Mittag sein Ende. Darauf werden die Mannschaften rn der großen Feldküche gespeist, um dann mittels Extrazuges wieder nach der Garnison befördert zu werden, wo das Regiment voraussichtlich zwischen la und 12 Uhr nachts eintreffen wird. 4- Grebenhain, 22. Sept. Infolge der Betriebseröffnung der neuen Nebenbahn Lauterbach—Grebenhain, die voraussichtlich am 1. November statt sind et, sollen auch verschiedene Aenderungeu am hiesigen Postamt eintreten. Die Orte Bannerod, Weid-Moos und Nösbetts, die bisher zur Post- agentur Altenschlirf gehörten, werden dem hiesigen Postamt zugeteilt. Auch in dem Briefträgerpersonal sollen Veränderungen eintteten. Sichenhausen, 21. Sept. Bei der heute stattgehabten Bürgermeisterwahl wurde unser bisheriger Bürgermeister Appel einstimmig wiedergewählt. Von 67 Wahlberechtigten gedenken anstandslos betrieben wurden. Tie Handwerkskammer hat nun in verschiedenen Fällen, wo Handwerkern große Schwierigkeiten, sogar die Einstellung der Betriebe und Entwertung deren Grundstücke drohte, sich der Bedrängten angenommen und an maßgebender Stelle darau hingewirkt, daß der § 16 nicht zum Nachteile derselbe: gedeutet werde. Ein eklatanter Fall, in welchem ein seit langen Jahren in Mainz bestehender normaler Schlosserei- betrieb unter den Begriff „Anlagen zur Herstellung eiserner Brücken oder sonstiger eiserner Baukonstruktionen" gebracht werden sollte, sei hier geschildert: Der Schlossermeister Gottfried Strobel hat seine Werk- stzätte an der Breidenbacher,traße. Es wurden bei der Polizei von dem Direktor der Kreissparkasse häufig Be- S-erden über die lärmenden Arbeiten erhoben und in- edessen erhielt der Meister schon ungezählte Proto-« «obwohl er tticht lärmender und lauter arbeitet, wie feder andere Schlvssermeister. Die Polizei kam schließlich zu der Ansicht, oaß bei der Schlosserei das Angeklagten eine Anlage in Betracht komnre, die einer besonderen Genehmigung int Sinne des § 16 der Gewerbeordnung bedürfe. Diese Ansicht der Polizei gründete sich auf den Umstand, daß Strobel in seinem Hofe im vorigen Jahre für den Bau der St. Marienschule einen Träger gelocht, sowie ein Balkongeländer und Ziergeländer hergestellt hat. Sie faßte diese Thätigkeit als Herstellung belange, so sei diese nicht, wie aus der Beweisaufnahme hervorging, in ungebührlicher Weise erfolgt und müsse auch hier Freisprechung eintreten. Die Staatskasse wurde mit den Kosten belastet. ** Militärdienstnachrichten, v. Mosch, Major z. D., zuletzt Bats.-Kommandeur im 2. Nass. Jnf.-Neg. Nr. 88, wurde zum Kommandeur des Landw.-Bezirks Gießen ernannt. Hauptmann und Komp.-Chef Clößner im Jnf.- Regt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, wurde unter Versetzung zum 5. Großh. Hess. Jnf.-Negt. Nr. 168 zum überzähl. Major befördert uno dem betr. Regt, aggregiert. Hauptmann Mohr, 6. Thüring. Jnf.-Regt. Nr. 65, wurde unter Enthebung von dem Kommando als Adjutant jei der Kommandantur von Breslau und Versetzung in das Jnf.-Reg. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 zum Komp.-Chef ernannt. Wolf, Leutn. im Jnf.-Neg. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 wurde vom 1. Oktober ab auf ein Jahr zur Dienstleistung zum TelegraphenBat. Nr. 1 kommandiert. Dr. Rochs, Gen.-Oberarzt, Div.-Arzt ;er Großh. Hess. (25) Div., wurde zum Korpsarzt bei dem XVII. Armeekorps, unter Beförderung zum Generalarzt ernannt. Oberarzt der Landw. 1. Aufgebots Dr. Weber (Gießen) wurde zum Stabsarzt, befördert. Die Unterärzte >er Reserve Dr. Meyerhofs und Dr. Strack (Gießen) wurden zu Assistenz-Aerzten befördert. Dr. Braun, Stabsarzt der Landw. 1. Aufgebots (Friedberg) wurde der Ab- chied bewilligt. *• Unsere jüdischen Mitbürger feiern heute das Versöhnungsfest, dessen vollstümlicher Namen La n g er Tag ist (Jom hakkipurim) und als heiligstes der israelitischen Feste auch „Sabbat der Sabbate" genannt wird (3. Mos. 23, 32). Es ist der Tag, der für die Versöhnung des bußfettigen Sünders bestimmt ist. Er wird mit Fasten begangen, das zehn Tage vorher mit dem ersten Neujahrstage beginnt und mit dem (Eintritt der Nacht des 10. Tischri endigt. Die ganze Fastenzeit begreift die „zehn Bußtage" in sich. In naher Verbindung mit dem alljährlich von den Juden am 23. September gefeierten großen Versöhnungstage steht das hebräische Wott Asasel, das eine streitige Bedeutung hat. Nach den mosaischen Vorschriften über die am Versöhnungstage zu beobachtenden Gebräuche (3. Mos. 16) wurden vom Hohenpriester zwei Ziegenböcke als Opfer dargebracht. Nach dem Lose wurde der eine von ihnen Gott geopfert; über den anderen für Asasel bestimmten legte der Hohepriester ein Sündenbekenntnis für das ganze Voll ab, worauf dieser nun symbolisch mit der Sündenschuld beladene Bock (daher das Wott Sünden bock!) in die Wüste getrieben wurde. Hiernach wird Asasel von den hervorragendsten Vertretern der neueren Schriftauslegung als ein Wüstendämon aufgefaßt. *• Der Sultan von Johore, jener indische Fürst, der bekanntlich bei dem so schön verlaufenen Jahrmarktfeste zu Gunsten des Gießener Saalbaues in Steins Garten mit seinem Gefolge viel Aufsehen erregte, weilt zur Zeit in Berlin. In Baden-Baden, wo er zuletzt einen Teil des Sommers zubrachte, hat man mit ihm, der als englischer Vasall ein vielfaches Milllionen - Jahresgehalt bezieht, infolge seines Reichtums und seiner Freigebigkeit sehr viel Aufhebens gemacht. Als vollendeter Gentleman wünscht er aber doch jedes Aufsehen zu vermeiden. Der indische Fürst hat in Frankfutt a. M. und auch in Berlin seinen Marstall vervollständigt und größere Pferdeeinkäufe gemacht. Er begiebt sich von Berlin nach Genua, um als eifriger Sportsman selbst die Verschiffung der Pferde zu übernehmen, und tritt von dort die Rückreise eiserner Baukonstruktionen auf, die konzessionspflichtig sind. Strobel hatte die Baukonstruktion auf dem Bauplatze hergestellt. Das Kreisamt verfügte, daß die Werk- Mtte des Strobel eine Anlage sei, die der Genehmigung bedürfe. Auf Anrufung des Ministeriums entschied dieses ebenfalls auf Grund des polizeilichen Materials, daß Strobel konzessionspslichtig sei. Als nun Strobel gegen zwei Strafbefehle — der eine war ergangen, weil er gegen die Gewerbeordnung im Sinne des § 16 sich vergangen, und der andere wegen ruhestörenden Lärms (indem er hämmern lieh) — beim Schöffengericht Einsprache erhob, wurde die Strafe auf 10 uno 15 Mk. ermäßigt, der Angeklagte aber für schuldig erklärt, da auch das Gericht auf Grund her ministeriellen Entscheidung der Meinung war,' daß eine Gewerbeanlage, die der Genehmigung bedürfe, vorliege. In der Berufungsinstanz betonte Strobel, daß er handwerksmäßigen Betrieb habe, und nicht verstehen könne, warum er der Genehmigung bedürfe. Bei seinem Werkstättenbau habe er ohne jeden Anstand den baupolizeilichen Besch.eid erhalten. Der erste Richter hatte auch irrtümlich angenommen, daß jede Schlosserei eine Anlage im Sinne des § 16 der Gewerbeordnung sei. Gewerberat Bäntsch gab sein Gutachten dahin ab, daß der Hof und die Werkstätte des Angeklagten nicht als eine Anlage aufgefaßt werden könne, in der eiserne Baukonstruktionen herzustellen seien. Die Herstellung eines Balkongeländers u. s. w. könne nicht als eiserne Bau- konstruktvon betrachtet werden. In Mainz sei keine Schlosserei konzessionspflichtig. Die Strafkammer entschied dahin, daß eine Schlosserei nur dann genehmigungspflichtig sei, wenn sie auf ihrem Platze eiserne Baukon- strnktionen herstelle, das sei aber bei Strobel keineswegs der Fall gewesen und müsse dieserhalb Freisprechung eintreten. Was den weiteren Fall der Ruhestörung an« sämtlich Knaben, in die torfige Schule. Das älteste von den Kindern ist 14 Jahre alt und soll jetzt im Herbst aus der Schule entlassen werden. Zu diesem Zweck brachte der Knabe eine standesamtlich? Geburtsbescheinigung bet Mit Erstaunen ersah der Lehrer aus dieser, daß der Knabe nicht Szalkowski, sondern Schall heißt. Auf Rückfrage bei den Standesämtern stellt sich nun die sonderbare That- sache heraus, daß die beiden älteren Knaben bei dem Standesamt Kruschwitz unter dem Namen Schall, dem rich? figen Namen des Vaters, angemeldet worden sind, während die beiden jüngeren in der Geburtsliste des Standesamtes Bortschin unter dem Namen Szalkowski eingetragen sind. Bei der Ortspolizeibehörde unoi in der Schiule smd ober- sämtliche Kinder unter dem Namen Szalkowski angemeldet. Nach, Aussage des ältesten Knaben erllärt sich diese befremdliche Thatsache folgendermaßen: Der Vater stand bei einem polnischen Besitzer in der Gegend von Gnesen (der Name und genaue Wohnort des Betreffenden ließ sich noch nicht ermitteln) im Dienste. Dieser fayte ihm kurzweg, er (nämlich Schall) heiße nicht Schall, sondern Galkowski, und habe seine Kinder auch, so anzumelden. Natürlich wurde die Anweisung des Herrn befolgt, und so kam es, daß die Kinder ein und desselben Vaters verschiedene Namen führten. Aus Stadt und Kand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Anz." gestattet. Gießen, 23. September 1901. ** Zur Anlegung der neuen Grundbücher. In vielen Ge- ttchtSbezirken unseres Hessenlandes wird seit Jahresftist eifrig an der durch die moderne Reichs-Grundbuchordnung und deren Ausführungsverordnungen gebotenen Anlegung neuer Grundbücher für die hierzu vom Großh. Mini- stettum bestimmten Gemarkungen gearbeitet. Als System dieser Bücher ist das Personalfolium eingefühtt, weil sie volle Gewähr für die nötige Uebersichtlichkeit der einzelnen Grundbuchblätter bietet, wenn in diesen nur für etwaige weitere (Eintragungen noch Raum vorgesehen wird. Die neuen Bücher bleiben bei dem Amtsgericht als künftiges Grundbuchamt; an diese Behörde muß man sich dann behufs Ueberschreibung ober Belastung von Liegenschaften, wegen der Aenderung eingetragener Rangverhältnisse u. dgl., sowie zum Zweck der Einsicht der Bücher und Etteilung von Grundbuchsauszügen 2c. wenden. Infolgedessen sind die Amtsgerichte wesentlich neu belastet, sodaß eine Beamtenvermehrung nötig geworden ift; aber auch für die Landbevöllerung bringt die Erledigung ihrer gettchtlichen Geschäfte der genannten und auch andrer Att künftlig eine Mehrbelastung: das Zurücklegen größerer Wege und die Öftere Reise nach dem Gettchtssitze verursachen einen beachtenswetten Zeitverlust sowie erhebliche Mehrausgaben 2C. Es ist daher mit Freuden zu begrüßen, daß unsere Regierung durch Vermehrung der Amtsgerichte dem Bedürfnisse möglichster Verkehrserleichterung namentlich in dichtbevölkerten bezw. in Gebirgs-Gegenden Rechnung zu tragen bemüht ist. ** Erneuuungeu. Der Großherzog hat den Hauswätter im südlichen Kollegiengebäude zu Darmstadt Johann Georg Schwör er zum Kreisdiener bei dem Kreisamt Groß-Gerau mit Wirkung vom 1. Oktober l. Js. an ernannt. — Den Staatsanwalt bei dem Großh. Landgericht der Provinz Rheinhessen Dr. Ernst Jungk zum Amtsrichter bei dem Großh. Amtsgericht Mainz mit Wirkung vom 1. Oktober und den Gettchtsaffeffor Dr. Otto Stallmann aus Wald-Uelversheim zum Staatsanwalt bei dem Großh. Landgericht der Provinz Rheinhessen mit Wirkung vom gleichen Tage und den Amts- ttchter bei dem Amtsgericht Mainz Joseph Pirsch zum Landttchter beim Landgericht der Provinz Rheinhessen mit Wirkung vorn gleichen Tage ernannt. •• Bestätigung. Der Großherzog hat der am 26. Juli durch die Stadeverordnetenversarnrnlung zu Bingen erfolgten Wahl des Weinhändlers Karl Geßner I. zu Bingen zum ersten Bürgermeisterei-Beigeordneten der Kreisstadt Bingen die Bestättgung erteilt. " Pensionierung. Der Großherzog hat den Kreisdiener bei dem Kreisamt Groß-Gerau Johann Georg Luley auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treugeleisteten Dienste mit Wirkung vorn 1. Oktober in Sen Ruhestand versetzt und ihm das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. **HessischeHandwerkskammer. In letzter Zeit sind an verschiedenen Orten des Großherzogtums Klagen gegen Handwerksmeister anhängig gemacht worden, daß sie in Ausübung ihres Handwerks Störung und Belästtgung der Nachbarschaft verursachten. In manchen Fällen ging man sogar so weit, sich hinter den § 16 der R.-G.-Ordnung zu verschanzen, der bekanntlich eine Reihe von Gewerben ver- zeichnet, die einer besonderen Genehmigung bedürfen. Es sind dies solche, welche erhebliche Nachteile oder Gefahren für die Nachbarn mit sich führen und in der Hauptsache der Großindusttie angehören, sowie solche, welche schädliche Ausdünstungen oder erhebliche Belästigungen aÄerer Art verursachen. Niemals aber rechnete man hierzu die normalen Handwerksbettiebe, wie sie seit Menschen- legensreichen Wirkens als Bürgermeister das Ehrenbürgerrecht. Friedberg, den 1. Okt. 1901. Beigeordnete und Gemeinderat." — Es folgen sodann die einzelnen Namen der Gemeinderatsmitglieder. Links davon, in halber Mitte, ist eine geschmackvolle Gruppe, zwei kleine Knaben mit einer- weiblichen Figur, zwei Schilde tragend; das einer derselben erinnert an die zuletzt erfolgte Eingemeindung Fauerbachs, das andere an die neu errichtete Gewcrbeakademie. Der eine der Knaben trägt ein mit dem Sinnbild des Bauhandwerks geziertes Sclftld, sehr bezeichnend für Friedberg gerade im Hinblick aus den imposanten Bau der Stadtnrche. Unter dem Ganzen befindet sich als deckendes und abschließendes Längsbild eine Darstellung der ganzen Stadt von Süden, bekannt unter dem Ausdruck „Stadlcrweitcr- ung". Das formvollendete Kunstwerk ist von einem äußerst geschmackvollen, in Eichenholz gearbeiteten Rahmen umgeben. Dieser ist bei der Firma Bindewald hergestellt und nach den Angaben des Herrn Kratz von dem Bildhauer Friese in gefälliger, zugleich wuchtiger Form ausgcarbcitet worden. Oben in der Mitte befindet sich wieder das Wappen Friedbergs, ein mächtiger, formvollendeter Adler. So ist durch das Zusammenwirken zweier Künstler ein präck)tiges Kunstwerk entstanden. Es ist zu wünschen, daß eS eine Zeitlang ausgestellt wird, damit es auch weitere Kreise besichtigen können. Worms, 21. Sept. Kurz nach 4 Uhr stürzte das Haus der Gebrüder Hartenbach, das bereits unter Dach stand, ein. Fünf Personen wurden verschüttet. Die beiden Brüder Hartenbach, ein Verwandter von ihnen des gleichen Namens sowie der Maurer Junker wurden alsbald mit weniger schweren Verletzungen aus den Trümmern hervorgezogen. Einer der Brüder Hartenbach ist ins Krankenhaus überführt worden, und Maurer I. wurde schwer verletzt aus den Trümmern hervorgczogen und ins Krankenhaus gebracht. Wetzlar, 21. Sept. In dieser Woche ist unter dem Vorsitze des Landrats Sartorius hier ein Verein gebildet worden, der eS sich zur Aufgabe macht, unseren auf eine mehr als 1000jährige Geschichte zurückblickenden, architektonisch hochinteressanten, aber leider halb verfallenen Dom vor weiterem Untergange zu bewahren und wieder in Stand zu setzen. Zu den über eine Million veranschlagten Erneuerungskosten stehen Beihilfen deS Staates und der Provinz in Aussicht. Exzellenz Nasse, Landeshauptmann Klein und die übrigen Mitglieder des Provinzialausschusses haben im Sommer vorigen Jahres den Dom, der, durch einen hohen Lettner in zwei Teile geschieden, Katholiken und Protestanten als Gotteshaus dient, eingehend besichtigt und ebenso wie eine kürzlich hierher gesandte Ministerialkommission seinen hohen künstlerischen Wert und seine Wiederherstellungswürdigkeit anerkannt. Marburg, 22. Sept. Zu einer interessanten Verhandlung über die Haftpflicht der Lehrer kam es in der letzten Stadtverordnetensitzung. Das Lehrerkollegium der Mädchenbürgerschule hatte den Antrag gestellt, daß die Stadt die einzelnen Lehrer gegen Haftpflicht versichern möge, und das damit begründet, daß sie ja bestimmungsgemäß verpflichtet seien, am Sedantag mit ihren Klassen Ausflüge zu unternehmen, wobei bei der großen Zahl von Schülern es dem Einzelnen nicht möglich ist, die Klassen so zu beaufsichtigen, daß Unfälle vermieden würden, eventuell könne also der Lehrer auf Grund des Haftpflichtgesetzes belangt werden. Nach längeren Ausführungen des Stadtverordneten-Vorstehers, Rechtsanwalts Dörfsler, der betonte, es handle sich hier um eine Agitation von Versicherungsagenten, die eine Gefahr an die Wand malte, wo gar keine sei, wurde der Antrag abgelehnt. Dagegen wurde einem Antrag zugestimmt, demzufolge die Stadt die Haftpflicht für einen Lehrer über- nimmt, falls dieser bei einem Ausflug einen Unfall zu verzeichnen hat, für den er haftpflichtig gemacht werden soll, unter der Voraussetzung natürlich, daß ihn dabei kein Verschulden trifft. -h- Kassel, 21. Sept. Die Konferenz deutscher Jünglingsvereine wurde heute in Anwesenheit von 600 Teilnehmern aus Deutschland und dem Auslande feierlichst eröffnet. An den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt. Vermischtes. * Fulda, 22., Sept. Die Landgräfin-Mutter von Hessen, geb." Prinzessin Anna von Preußen, hat sich also der römisch-katholischen Kirche, wie wir bereits meldeten, in aller Stille angeschlossen, lieber ihre gar wechselreichen Schicksale und verschlungenen Lebenswege haben wir bereits vor einigen Wochen einiges berichtet. Neben dem Unglück mit zwei Söhnen — der eine ertrank, der andere ist fast blind — und ihrer jüngsten Tochter, die mit einem unvermögenden Herrn v. Vincke sich verheiratete, gegen den Willen aller ihrer Angehörigen, mit einziger Ausnahme ihrer Mutter, hat die hochgestellte Konvertitin auch politisch so manches durchmachen müssen. Als Tochter des Bruders vom ersten deutschen Kaiser wurde ie, die Prinzessin Anna von Preußen, die zweite Gemahlin tes dänischen Thronerben Landgrafen Friedrich von Hessen; eine erste Frau war die Großfürstin Mexandra, eine Tochter Kaisers Nikolaus I. von Rußland, welche bald (int Jahre 1844) nach kinderloser Ehe starb. Dadurch hatten die verwickelten Erbfolge-Verhältnisse in der vormalig dänisch-holsteinischen Monarchie eine bedeutende Tragweite angenommen. Landgraf Friedrich war zugleich präsumtiver Erbe des Kurfürstentums Hessen und zog diese fette Pfründe der Kopenhagener Zukunfts-Aussicht vor; deshalb schenkte er das Erbrecht seiner Schwester Luise, welche mit dem Prinzen Christian von Holstein-Glücksburg vermählt war und 1898 als Tänen-Königin und „Schwiegermutter Europas" starb. In ihrer Kopenhagener Zeit war die als preußische Prinzessin geborene hessische Landgräfin persönlich sehr beliebt und auch nach der Katastrophe von 1864 hat es in Dänemark noch eine starke Partei für den Landgrafen Friedrich von Hessen, ihren Gemahl, gegeben. Jetzt ist natürlich alles anders geworden; man ist in dieser Sache zur Tagesordnung überaegangen. Auch die Ereinisse von 1866 sind überwunden und, seit König Wilhelm 1868 den jüngsten Sohn seiner Nichte aus der Taufe gehoben, ausgesöhnt; dieser jüngste Prinz ist später der Schwager Kaiser Wilhelms geworoen. Am 18. d. M. waren es gerobe 500 Jahre, daß, das Hohenzollerngeschlecht entstanden ist; am 18. September 1401 schritt der Burggraf von Nürnberg, Friedrich VI., zum Ehebündnis mit Elisabeth von Bayern-Landshut. * London, 20. Sept. Soweit bisher bekannt, waren neunundsiebig Personen an Bord der „Cobra", sodaß siebenundsechzig ertrunken sind. An vierzig bis fünfzig Mann stürzten sich in vollständiger Panik in das zweite Boot, das infolgedessen umschlug. Fast alle Jnsaffen ertranken. Der Schiffskommandeur, Leutnant Cosworth Smith, stand bis zuletzt mit gefalteten Armen auf der Kommandobrücke und ging ruhig mit dem Schiffe unter, ohne jeden Versuch, sich zu retten. Das Schiff klappte nach dem Auflaufen so schnell zusammen, daß viele in der zerbrochenen Maschinerie zerquetscht wurden. Kurz nach dem Sinken boten die im Wasser mit dem Ertrinken Kämpfenden einen herzzerreißenden Anblick, doch machte die stürmische See ihren Qualen bald ein Ende. — Die „Cobra" war von der Marinebehörde noch nicht abgenommen und zurzeit gerade auf Probefahrten begriffen. Bemerkenswert war der Typ dieses Schiffes durch die Ausrüstung der Maschinen mit Dampfturbinen und durch die dadurch erzeugte außerordentlich große Geschwindig- kett. Das 350 Tonnen große Schiff wurde vermöge der Parson'schen Turbinen mit einer Maximalgeschwindigkeit von zirka 70 Km. fortbewegt. Die acht Schiffsschrauben befanden sich bei der „Cobra" paarweise auf je einer Schraubenwelle zu beiden Seiten der Mittschiffslinie. Die Turbinen indizierten zusammen 11 000 Pferdekräfte; das ist eine enorme Leistung, wenn man die geringe Größe des Schiffes berücksichtigt. Die „Cobra" besaß nämlich folgende Abmessungen: Länge 65 Meter, Breite 6,5 Meter, Tiefgang 2,8 Meter und ihr Deplacement betrug, wie oben erwähnt, 350 Tonnen. Ein Kardinalfehler war das kleine Kohlenfassungsvermögen von nur 85 Tonnen, was um so schwerer ins Gewicht fiel, als bei äußerster Fahrt der Kohlenverbrauch ein ganz enormer war. Das Schiff besaß zunächst noch keine Armierung, vorgesehen waren aber für seine Verwendung im Kriegsdienst ein 7,5 und fünf 5,7 Schnellfeuergeschütze, sowie zwei Torpedo- lanzierrohre. Erwähnt sei noch, daß die „Cobra" erst im vorigen Jahre vom Stapel gelaufen i|t und somit, gleich der „Viper"; die ein Jahr früher hergestellt worden ist, ein nur kurzes Alter erreicht hat. * lieber ein Eisenbahnunglück, das sich in der Nacht zum Freitag bei Palota (Rumänien) ereignet hat, wird folgendes gemeldet: Von den 38 Passagieren wurden 3 2 getötet. Das Unglück ereignete sich dadurch, daß die Bremse eines Petroleumzuges auf scharfem Gefall versagte, der Zug infolgedessen eine Strecke von 48 Minuten in 7 Minuten zurücklegte und in einen Schnellzug hineinfuhr, dessen Führer überdies die Notsignale des nachfahrenden Zuges mißverstand und seinen Zug zum Stehen brachte. • Barcelona, 22. Sept. Die Provinz Barcelona wurde von Sturm und Ueberschwemmung heimgesucht. Der Fluß Llobregat ist über seine Ufer getreten. Viele Häuser und Felder wurden unter Wasser gesetzt. Der Schaden ist beträchtlich. Ob auch Menschen umgekommen sind, ist noch nicht festgestellt. * Br em garten (Aargau), 21. Sept. WegenMordes an seiner schwangeren Geliebten hat der verhaftete 26jähr. Metzgermeister Meyenhoser ein Geständnis abgelegt. Er hatte nachts bei einem Spaziergang das Mädchen mit zwei Schüssen zu Boden gestreckt und es für tot liegen lassen. Gegen 4 Uhr Morgens ging der Mörder zum Thatorte zurück, wo er die noch lebende und um Mitleid flehende Geliebte mit dem Messer tödtete. * Der Hinrichtungsstuhl für den Präsidentenmörder Cz olgosz soll bereits, wie man aus Washington meldet, seines Opfers harren. Es ist ein schwerer, stark gebauter Sessel aus Eichenholz mit Rücken- und Armlehnen und einer Kappe für den Kopf des Delinquenten versehen. Starke Lederriemen an der Rückenlehne, den beiden Seiten und an den unteren Tellen des gabelförmig gestalteten Vorderbeins dieses Stuhls dienen dazu, die hinzurichtende Person ganz festzuschnallen. Die Kappe ist im Innern mit einem Metallstreifen versehen, der sich ganz fest an den Kopf des Verurteilten anschmiegt. Desgleichen ist in demAusschnitt für das rechte Bein ein Metallstreifen so eingelegt, daß derselbe in unmittelbare Berührung mit dem eingeschnallten Bein des Verbrechers kommt. Die beiden Metallstreifen stehen mit den Leitungsdrähten des elektrischen Stromes in Kontakt. Sobald dieser nun geschlossen wird, geht der elektrische Strom vom Kop bis zu den Füßen durch den Körper des Verurteilten hindurch, und tötet ihn momentan. Der Stromschluß selbst wird durch Niederdrücken eines hinter dem Hinrichtungsstuhl befindlichen Kontaktknopfes bewirkt, von dem der Deliquent selbstverständlich nichts sehen kann. * Kitcheners neueste Depeschen. Montag. Wir griffen mit Erfolg an und bewerkstelligten darauf einen glänzenden Rückzug. — Dienstag. Oberst O'Comror sah sich plötzlich drei Buren gegenüber. Er machte 45 Gefangene und brach hierauf das Gefecht ab, um nicht von der Uebermacht erdrückt zu werden. — Mittwoch. Oberst Ellivt meldet mir, daß er fünf Kilometer von Rhinozerosfontein auf keinen Feind gestoßen sei, und sich in dieser Situation siegreich behauptet habe. — Donnerstag. Zum Beweise, daß die Buren überall fliehen, melde ich, daß von den 45 gefangenen Buren 43 ausgerissen sind. — Freitag. Tie übrigen 2 Buren formierten sich zu acht starken Kolonnen, die den General French bedrohen. Bitte dringend um Verstärkungen, da die hier verfügbaren Mfte zur Bekämpfung des total niedergeworfenen Feindes nicht ausreichen. — Samstag. Ich habe eine neue Proklamation erlassen und einen Trupp Rindvieh erbeutet. Die Ochsen sind nunmehr auf meiner Seite. („Lustige Blätter.") * Ein Urteil der Mafia. In Pagliarelli, einem Vororte von Palermo, wurde ein schreckliches und mysteriöses Verbrechen begangen. Tie Familie des Bauern Dimarco saß um den Tisch versammelt beim Abendessen, als plötzlich hinter einander drei Schüsse fielen. Tie 50 jährige Mutter Francesca mit ihren beiden Söhnen Giuseppe und Salvatore brachen tot zusammen, die 20 jährige Tochter Francesca wurde schwer verwundet. Tie Polizei hält das Verbrechen für die Ausführung eines Urteilsspruches der Mafia, welche glaubte, daß die Familie Timarco der Königlichen Quüstur Späherdienste leistete. Infolge der 9Nord- thaten ist eine Familie Saitta verhaftet worden, welche schon seit einem Jahre alle möglichen Versuche gemacht hatte, Timarco aus seinem Gütchen zu vertreiben. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. Grünbcrg, 21. September. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro 100 Kilo.) Weizen 16.40 bis 16.50 Mk., Korn 14.00 bi§ 15.00 M., Gerste 14.00 ins 00.00 Mk., Hafer 13.50 bis 00,00 Mt., Erbsen 18.00 bis 00.00 Mk., Linsen 00.00 Mk., Lein 00.00 Mk., Wicken 00.00 Mk., Samen 00.00 Mk., Kartoffeln 6.00 21k. Darmstadt, 21. Sept. In der Generalversammlung der Süddeutschen Ei s e n b a b n-G e s e ll s ch a s t, in der 6263 Aktien mit 1121 Stimmen vertreten waren, wurden sämlliche Anträge einstimmig genehmigt. , c _ — Nachdem der Zusammenbruch der Dresdener Kredrt» anstalt schon so manche industrielle UMernehmuna in Mitleidenschaft gezogen bat, scheint es auch einen argen Skandal m der Dresdener Presse zurFolge baden zu sollen. Schon vor längerer Zeit war gegen die Dresdener Presse der Vorwurf erhoben worden, daß sie die Zustände in der Kreditanstalt beharrlich mit Stillschweigen übergangen hätte. Jetzt haben die „Dresd. Nachttchten" unb das „Dresd. Journal" ihre namentlich genannten Börien- redakteure entlassen und ebenso hat die „Dresd. Ztg." ihren Berliner Börsenvertreter verabschiedet. Die Vorgänge, die zur Entlassung führten, liegen über zwei Jahre zurück. Es handelt sich um eine von der Kreditanstalt siir Industrie und Handel bewirkte Emission von Aktien einer Zigarrettenkistenfabrik, an der die Handelsredakteure von fünf Dresdener Blättern konsortial beteiligt worden sind. An der grundsätzlichen Auffassung wird dadurch nichts geändert. Es giebt nichts Entwürdigenderes für den Journalistenstand als die Käuflichkeit, und ob man durch Hundertmarkscheine oder durch Aktten sich kaufen läßt, das bleibt sich vollkommen gleich. Gerichtssaal. Schrrcidemühl, 22. Sept. Wegen Zweikampfes standen der Rittergutsbesitzer Alexander von Hartmann auf Hosstädt und der Rechtsanwalt Karl Bandlow aus Schmicgel vor der hiesigen Strafkammer. Die beiden Angeklagten standen sich am 22. Juni in der Nähe von Deutsch-Krone in einem Pistolen-Duell gegenüber, bei dem Bandlow durch einen Schuß in die Brust schwer verletzt wurde. Er ist wieder hergestellt. Beide wurden zu je vier Monaten Festungshaft verurteilt. Altona, 22. Sept. Wegen Kartelltragens hatte sich der Ingenieur Bruhn vor dem hiesigen Landgericht zu verantwortem Eines Tages geriet der Einjährig-Freiwillige M. mit den: hiesigen Rechtsanwalt I. in Differenzen, die dahin führten, daß der Em- jähriq-Freiwillige den Rechtsanwalt durch Bruhn zum Zweikampf auf Pistolen fordern ließ. Der Rechtsanwalt lehnte als Gegner des Duells die Forderung ab. Darauf ist Bruhn tm Auftrage des Einjährig-Freiwilligen au dem Rechtsanwalt gegangen und bat erklärt, daß er, falls er die Forderung nicht annehme, von seinem Gegner geohrfeigt werden würde. Nunmehr erstattete der Rechtsanwalt Anzeige. Der Einjährig-Freiwillige tft inzwischen vom Militärgericht wegen Herausforderung zum Duell zu 14 Tagen Festungshaft verurteilt worden. Tas Landgericht verurteilte den Angeklagten wegen Kartelltragens ebenfalls zu 14 Tagen Festungshaft. Als erschwerend wurde in Betracht gezogen, daß Bruhn zwei Mal zu dem Rechtsanwalt gegangen ist. GingesanA. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Arttkel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Rodheim tu d. Bieber, den 22. September. Die hiesige Gemarkung wird von Jahr zu Jahr mehr durch das Rotwild, welches aus dem Königs. Preußischen und Krofdorser Forste nachts auf die Felder tritt, geschädigt. Ganze Aecker mit Dickwurzel und Gemüse liegen verwüstet da, und bei der ohnehin großen Futternot ist der Schaden trotz Entschädigung des Jagd- pächters für die Landleute sehr empfindlich. Die Rotwildbestände nehmen durch den geringen Abschuß immer mehr zu. Die preußische Forstverwaltung hat keinen Wildschaden zu zahlen, nur die umliegenden Gemarkungen resp. Jagdpächter. Der abgegangene Oberförster wollte Alles allein abschießen und hiell keine Treibjagden ab, so daß das Wild ungestört sich vermehren konnte. Die Krofdorser Reviere sind von reichen Herren aus Westfalen erpachtet, die nur selten zur Jagd in oiesc Reviere kommen. Vor allen Dingen müßte die Königl. preuß. Regierung einmal energisch ein» greifen. Den Abschuß des Rotwildes um das zehnfache erhöhen, um so auch durch Thaten zu beweisen, daß sie für die ohnehin not- leidenden Landwirte was übrig hätte. All die schönen Reden bei landwirtschaftlichen Festen rc. für das Wohlwollen, baä gewisse Herren für den Bauer übrig haben, steht im großen Widerspruch damit, daß auf der anderen Seite so wenig gethan wird, um wenigstens den direkten Schaden, der durch Schonung des Rotwildes in den Königl. Forsten entsteht, abzuhalten. In freie Wild- bahn gehört dieses Wild überhaupt nicht mehr. Herr Landrat von Heimburg zu Biedenkopf, der ein wahrer Förderer und Beschützer der Landwirtschaft ist, hat nun auch die Schonzeit für das Rotwild in der so sehr geschädigten Gemarkung Rodheim aufgehoben. Krieskasten der Redaktion." E. Ihre Vermutung, das Gedichtchen „D's nau Schulhaus", das wir in unserer Sonntagnummer veröffentlichten und das die wohlmeinende Absicht hatte, den darin geschilderten Bau zu loben, bezieht sich keineswegs auf das neue S ch u l h a us i n K lein- linden. Das geht schon daraus hervor, daß die „Nonn" darin erwähnt wird, bekanntlich eine Anhöhe, die in der Nähe von Großenbuseck liegt Schiffsnachrichten. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl Loos. Bremen, 21. Sept (Per transatlantischen Telegraph.) Der Doppelschrauben-Postdampfer Köln, Kapt. H. Langreuter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist am 19. September, 8 Uhr abends, wohlbehalten in Balttmore angekommen. Spielplan der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 24. September*): „Mamsell Angot". Mittwoch den 25. September: „Die Hugenotten". Donnerstag den 26. September: „Der Zigeunerbaron . Freitag den 27. September: „Der Freischütz". Samstag den 28. September: „Das Glöckchen des Eremtten". Sonntag den 29. September: „Mignon". Schauspielhaus. Dienstag den 24. September*): „Die Räuber". Mittwoch den 25. September: „Die Haubenlerche". Donnerstag den 26. September, i/t8 Uhr: „Das Glück". Freitag den 27. September: „Flachsmann als Erzieher". Samstag den 28. September: „$te Zwillmgsschwester". Sonntag den 29. September, 3 /, Uhr: „Das Glück". 7 Uhr: „Die Zwillingsschwester". ) Wenn nicht anders bemerkt um 7 Uhr. Die heutige Wummer umfaßt 12 feiten. Meteorologische Beobachtungen der Station Gießen.________ September । Barometer 1 aus 0° 1 | reduziert 1 L-Z h SZ> -A Absolute Feuchtigkeit Relative 1 Feuchtigkeit 1 c -C z. i Windstärke 1 Wetter 21. 271 1 739,4 + 24,8 10,4 45 SE. 2 Sonnenschein 21. 9" 739,2 4- 13,4 10,9 96 N. 1 sternh. Himmel 22. 715 740,4 + 14,6 12,0 97 NW. 1 Sonnenschein 99 2" 738,8 + 21,4 13,1 69 SE. 1 Sonnenschein 22. 9?s 739,3 + 15,4 12,7 98. Still — bew. Himmel 23. 7’5 1 741,2 + 10,7 9,5 99 — Nebel Höchs e Temperatur am 20—2 1. September + 28,6° C. Niedrigste n + 8,8° 0. Höchste u , 21.-22. o + 25,6° C. Niedrigste tl „ 21.-22 f/ + 8,4° C. *• Geschäfts Uer legung. Gestatte mir die ergebene Mitteilung, Laß sich nunmehr mein Geschäft in meinem neuen Anmesen Seltersweg Nr. 8 bisherigen Geschäft) befindet. Sämtliche Neuheiten der Herbst- und Winter-Saison sind bereits eingetroffen und bitte ich um geneigten Zuspruch. 6357 Wilhelm Wirsig, Spezial-Geschäft fflr Handschuhe aller Art, Kravatten, Herren-Wäsche. .Sebra«1 WWW- ML 'MO- c IM- Tüchtige Vertreter gesucht. 6348 FHKMtl 5486 A waw ""97 Katalog meiner 6 Schlotzgatze Nr. 6. 6274 II. 50 Kilo Mk. 2.75 frei ins Haus empfiehlt J. Handel, erster Autoritäten, fürstlicher Personen, Behörden, Fabriken, Gastwirten, Hotelbesitzern, Oekonomen u. s. w. Weitgehendste Garantieen. — Reellste Bedienung. — Prospekte und Voranschläge kostenlos. — Auf Wunsch Ingenieurbesuch. Calcium - Carbid, Keinigungsmassen, Frostschutzmittel, Acetylen-Fahrrad-Laternen billigst. LkihbUistzek. Preis 15 Pfg. 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Steinmetzarbeiten, Los II: Zimmer- und Schreinerarbeiten, Los III: Dachdeckerarbeiten, Los IV: Klempnerarbeiten, Los V: Tischler-, Schlaffer-, Glaser- und Anstreicherarbeiten, Los VI: Maurermaterialien, getrennt stattfinden. Termin 7. Oktober 1901, vormittags 11 Uhr, im Geschäftszimmer der unterzeichneten Inspektion. Verdingungsunterlagen können daselbst eingesehen, auch gegen vostfreie Einsendung von 4 Mk. für ein Gesamtangebot, 1,60 Mk. für je ein Einzelangebot der Lose I, II, 0,50 Mk. für je ein Einzelangebot der Lose III, IV, V, VI von dort bezogen werden. Zuschlagsfrist 14 Tage. 6349 Gießen, den 21. September 1901. Großh. Hess. Eisenbahn-Betriebsinspektion I. Holz-Versteigerung. Donnerstag den 26. ds. Mts., vormittags 10 Uhr, versteigere ich im Auftrag der Konkursverwaltung des H. Geißler VII. zu Staufenberg auf dem Zimmerplatz daselbst: ea. 15 Festmeter Eichen „ 32 „ Kiefern „ 2 „ Eichen-Bohle« „ 2 „ Kiefern-Bohlen „ 6 „ bearbeitetes Holz Derbstangen, Schwaden und Brennholz und i/4 Morgen Kartoffeln. Die Steigpreise können aus Verlangen 4—5 Wochen gegen Bürgschaft gestundet werden, jedoch muß die Solvenz der einzelnen Bürgen durch die betr. Bürgermeistereien bescheinigt sein. Die Versteigerung findet bestimmt statt. 6356 Born, Gerichtsvollzieher. Die Geburt eines kräftigen Jungen beehren sich anzuzeigen Zahnarzt W. Koch und Frau Clara geb. Krausse. Giessen, den 21. September 1901. (Seltersweg 24) 6359 R -Wasche mit n2r MW AMWMs 3it verkaufen Aebaltio^ und - Schal fl fljlon Sie Slbrtli« f1 ««zeig 6in Eb)g sam-oM genbe Se J Con im früheren früheren TWer Friedens ^ar bei und 2lll! jeigen, vorste Nostand Frau Nyinph Fürsten Docnrö. das Lebe und we große 5 anmutit Akt von den Ksi banbe a haendel, der Lors sich der rette W Be Truppen eines Rt füllt i[t Platz Gaj Constans bie ton tin, bie A iieritnm $ Salut von auf dn Um ' President an. Ter Kriegsmi Wagen, und Wo stellung Es Front p zelte sic mit Orb, gezäumt, grüßt. i von den sich lächk der kriei aller Ge Blumen. Platz. Q der Tn dierende folgen ] Ro-ppen glänzen! und der dann ir Ehrentri slellung. unter C leichtem swnstvei Tiviswn ^rtllleri Regimen selben Ai Mion u