Nr. 171 Zweites Blatt Mittwoch 24. Juli 1901 autwürt» 80 Psg. Viedaktion, Expedition und Druckerei: §chulpratze 7. 2SSb nem ■ ober L SLiffnie. Stiller- » du warf könnte daher nur stückweise vom „Reichsanzeiger" mitgeteilt oder in Buchform durch den Handel jedem Interessenten zugänglich gemacht werden. ww i Mansarden nebtz 1. oder 15. Ottobn mieten. Hnrlval-, Bankier, inhofftrck 50. 151. Jahrgang :e8 bei »tbk, W 1/86. ebiticjL- Gxßen. !, GaS, ju bei« Die Meldung des „Hamb. Sorresp.", daß die Veröffentlichung des Zolltarifeutwurfs bevorstehe, ist von der „Köln. Ztg." dahin eingeschränkt worden, daß Erwägungen schweben, ob die Veröffentlichung angezeigt sei. — Die Erwägungen dürsten auch die Form der eventuellen Bekanntgabe betreffen. Entweder Alles oder Nichts. Jede Zollposition, mag sie noch so unbedeutend sein auf den ersten Slick, hat ihre Interessenten'. Der neue Zolltarifentwurf umfaßt zirka 1400 Nummern; eS erhellt daraus, welch' gewaltige» Umfang die Publikation haben würde. Der Ent- A Zubehör, Grün« 8, eoenll. 2. Stock. Aus Anlaß bei Veröffentlichungen des pseudonymen Herrn St. Simonin über den Schn ae b e le-H an de l, wirft Desmoulins im Pariser „Gaulois" die Frage auf, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn jene Affäre, von deren Beilegung Felix Faure seinem „Saint Simonin" von'Hörensagen erzählte, zum Krie g e mit Deutschla nd geführt hätte. „Damals war Boulanger Kriegsminister, fährt er fort, der General besaß das Vertrauen der Soldaten und war populär. Wir hatten das Gefühl, daß Bismarck einen Vorwand zu einem Ausrottungskriege gesucht hatte, und wenn solche Kriege ausbrechen, liegt für den Angegriffenen eine große Kraft im Selbstvertrauen und im Enthusiasmus. Bei den Franzosen, die nur zum Angriffe aufgelegt sind, kommt das selten vor. Wir befanden uns also in einer Ausnahmestellung, wenn wir auch allen FährlichLeiten eines Krieges ausgesetzt waren. Die Regierung hat die Schsnaebele-Affäre beigelegt. Sie hat ihrer ersten Pflicht genügt, die da ist, dem Lande die Wohlthat des Friedens zu sichern. Aber auch diese Wohl- that kann mit Gefahr verbunden sein. Wir haben seit dem Kriege von 1870 soviel Blut und böse Säfte aufgesogen, daß wir damit vollgestopft sind und daran kranken. Diese Krankheit hat sich schon in zwei Krisen geäußert, die das Verhältnis eines nationalen Unglücks annahmen, im Panamismus und im Dreyfusismus. Diese zwei Bürgerkriege Haden eine solche Verderbnis bloßgelegt, daß eine dritte Krise un«sl iw ldlmLage des römischen Reichs versetzen könnte, als die Barbaren sich versucht fühlten, dem letzten Rundgang durch dasselbe zu unternehmen. Ein Krieg mit Deutschland im Augenblick des Sch.naebele-Hmrdels hätte uns den Dreyfusismus und den Panamismus erspart, und wir hätten die besten Aussichten gehabt, uns ehrenhaft aus der Sache zu ziehen. Soll etwa Frankreich im Jahre 1901 mit dem Papste Krieg anfangen, um zu zeigen, daß noch Blut in seinen Adern fließt?" Auch andere als Nationalisten haben schon gesagt, die unerhört lange (dreißigjährige) Friedenszeit sei die Haupt- ursache der Zwistigkeiten und bedauerlichen Erscheinungen im Innern. In der That ist Frankreich seit der Ueber- rumpelung von Metz (1552) niemals fünfzehn Jahre ohne Krieg gewesen. Uebrigens bereitet der ftühere Botschafterin Berlin, Herbette, den abenteuerlichen Enthüllungen des Freundes Felix Faures im „Figaro" über den Schsnaebelefall ein jähes Ende: „Ich habe nie die Urschrift des Briefes Gauisch- Schnaebele in Händen gehabt, also auch nicht dem Kaiser- Wilhelm durch den Grafen Münster überreichen lassen. Ich hatte nur ein Lichtbild des Briefes, Has ich sofort zum Grafen Herbert trug, welcher es dem Kanzler unverweilt unterbreitete. Der Schsnaebelefall bedurfte keiner Woche, um auf gewöhnlichem diplomatischen Wege erledigt zu werden. Nur durch die Aufregung der Geister hatte derselbe einen bedenklichen Charakter angenommen. Es ist daher nicht zu wundern, wenn sich gewisse Persönlichkeiten heute rühmen, zur Erhaltung des Friedens beigetragen zu haben." Damit ist die Mär abgethan, Deutschland habe durch den Schnaebelefall Krieg gesucht. Adresse für Depesche«: Anzeiger Stehen. FernsprechanschlilßNr. 51. I s- Unzufriedenheit mit den neuen landwirtschaftlichen Zolltarifsätzen — beiläufig bemerkt fallen über 300 Positionen im Zolltarifentwurf in diese Rubrik — spricht die konservative „Kreuzztg." mit folgenden Bemerkungen auS: „Wir wiffen genau, daß, wenn die vom Stuttgarter „Beobachter" angegeben Tarifsätze richtig sein sollten, es noch viele deutsche Landwirte geben wird, die sie als nicht ausreichend bezeichnen werden, um die erdrückende Konkurrenz des Auslandes fernzuhalten. Der Minimaltarif enthält ja im allgemeinen die alten Sätze, die wir schon eine zeitlang gehabt haben, um die Erfahrung zu machen, daß sie den russischen und amerikanischen Import nur zum kleinsten Teile zurückgehalten haben." Man wird nun abzuwarten haben, wie das Tableau der landwirtschaftlichen Zölle im ganzen fich auSnimmt. Es kommen z. B. noch die wichtigen Holzzölle in Betracht. Der Wollzoll, der bekanntlich von der Landwirtschaft lebhaft gewünscht worden war, hat nicht die Zustimmung der Regierung gefunden. Volttische Tagesschau. Man schreibt und aus Berlin, 22. Juli: Die Parteipreffe beschäftigt fich angelegentlich mit dem Ergebnis der Reichstagswahl Memel Heydekrug, wo sich der sozialdemokratische undder konservativ-lithauische Kandidat in der endgiltigen Entscheidung gegenüberstehen. Die Freisinnigen find auSgeschalttt und müssen in der Thal- fache Trost suchen, daß sie die Entscheidung wesentlich zu beeinflussen in der Lage sind. Vor der Hand ist der Unmut über das entgangene Mandat bei ihnen noch zu groß, als daß sie sich zur Ausgabe der Parole: „Für den antiagrarischen Kandidaten entschließen können. Die „Boss. Ztg." bezeichnet es als nicht unmöglich, daß die Sozialdemokratie aus eigener Kraft siegen werde. Doch die „Kreuzztg." glaubt an ein Zusammengehen der „feindlichen Brüder" und rät den Konservativen daher, sich allein auf die eigene Kraft zu verlassen und die zweitausend GesinnungSgenoffen, die dem ersten Wahlgange ferngeblieben seien, zu alarmieren. Der Zolltarif wird seinen Schatten auf die bevorstehende Stichwahl werfen und ihr programmatische Bedeutung verleihen. Bezugspreis vierleljöbrL Mk. 2.20, monatl. 75 Psg. mit Bringerlohn; durch btt Abholkstellen Vierteljahr!. Mk. 1.90, monatl, 65 Psg, Bei Postbezug Vierteljahr!. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. Die neuen Handelsverträge. §WaS war gefordert worden? — Unzuftiedenheit. — Der Doppelbrief. — „Erwäguogeu" über die Veröfseutltchmrg des Zolltarifeutwurfs.) Nach dem Bekanntwerden der Zollsätze für Getreide im neuen Zolltarifentwurf ist von mehreren Seiten bemerkt worden, daß zwar diese Zölle die Befürchtungen überträfen, andererseits aber hinter den Erwartungen der Landwirtschaft zurückbliebeu. Das letztere ist richtig. Es wird aber zu unterscheiden sein zwischen agrarischen Wünschen und Forderungen, wie sie in der Presse und in Versammlungen erhoben wurden — obschon immer wieder die Erklärung folgt, man wolle sich noch nicht auf bestimmte Zollsätze festlegen —, und den Anträgen, welche die agrarischen Mitglieder des Wirtschaftlichen Ausschusses bei der Vorbereitung Her Handelsverträge gestellt hatten. Diesen Anträgen gegenüber find die jetzt mitgeteilten Getreidezollsätze erheblich herabgesetzt worden. Es sollen nämlich die Vertreter der L^idwirtschaft im Wirtschaftlichen Ausschuß beantragt haben: Für Roggen einen Höchstzoll von 8 Mk. und im Mindest- larif 6,50 Mk. (jetzt 6 Mk. und 5 Mk. im Zolltarifentwurf.) Ebenso für Weizen einen Höchstzoll von 8 Mk. und 6,50 Mk. für die Länder, mit denen ein Handelsvertrag zustande kommt (im Zollentwurf 6,50 Mk. und 5,50 Mk ). Ein ähnliche Herabminderung hat gegen die Forderungen der Landwirtschaft der Zoll auf Gerste erfahren. Der Gerstezoll beträgt jetzt 2 Mk. auf den Doppelzentner. Im wirtschaftlichen Ausschuß beantragten die Vertreter der Landwirtschaft die Erhöhung dieses auf 5 Mk., ebenso unter lebhaftem Widerspruch von gewerblicher Seite wegen der Interessen der Brauereien, eine sehr beträchtliche Erhöhung des Hopfenzolles (z. Zt. 14 Mk.). Im Zolltarifentwurf ist jedoch der Gerstenzoll auf Mk. 3 int Mindesttarif festgesetzt. Wie hoch der projektierte Hopfenzoll ist, entzieht /ich vorläufig der Kenntnis. 8-rs “«mite ,e.!MÄ7 -tkifamUtenhaus zu bermieten, Nikheeuliflg, hmu vavel ch alsbald »llrinhrwohm« r MaiAdernvvhn. c mit Zubehör, dorn ' 1. Oktober ab an ufl 1 iheiSt.Sn. ^adeSend V'C,‘«6 ÄS*. SS* n,it So? ?er’u dritter SS** k» Erscheint täglich mit UuSuahme deS Montags. tote Gießener Familien« platter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Heff. Landwirt" und „Blätter für heff. Volkskunde" viermal wöchentlich beigelegt. EnnaJjme von vn»rtg«n |u ber nachmittag» für den [otgenben Tag erscheinenden Kummer bt» vo»m. 10 tU)r. Abbestellungen spätesten« abends vorher. Li 'ÄSS* Oktober J^ett Die „National-Ztg." bemerkt, es handle sich bei den bisher verabredeten Zollsätzen immer nur um einen vorläufigen Entwurf, der noch der Abstimmung im Bundesrat zu unterliegen hat, und die Verhandlungen der einzelstaat- lichen Regierungen mit den Vertretern der Interessentenkreise, wie sie gegenwärtig in Bayern stattfinden, haben den Zweck, für diese bevorstehende Abstimmung im Bundesrat nochmals eine Nebersicht über die Landesintereffen und die Zollwünsche der verschiedenen Kreise von Gewerbe und Handel zu ge« mimten. Also noch steht nichts fest, und manches kann sich noch ändern. Nach der „Münchener Zeitung" ist die Form des Doppeltarifs (Höchst- und Mindestzollsätze) bei der bayrischen Regierung unbeliebt. Die bayrische Regierung würde eine machtvolle Agitation von Handel und Industrie gegen den Doppeltarif nicht ungern sehen. Dem- nach hätte die bayrische Regierung die Auffaffung des Reichsschatzamts. Dort wurde von vornherein das System des Einheitstarifs gebilligt, während das Reichsamt des Innern (Graf PosadowSki) den Doppeltarif für zweckmäßiger hielt und damit, wie man sieht, auch durchgedrungen ist. Eine etwaige neue Agitation gegen den Doppeltarif würde nun aus dem Grunde kaum „machtvoll" fich gestalten, weil, wie ein Gutachten deS Herrn Bueck vom Zentralverband deutscher Industrieller" dargethan hat, in Jndufirie- kreisen die Meinungen über den Doppeltarif geteilt sind. Der konservative ReichStagSabg. Graf Kanitz, Mitglied des „Wirtschaftlichen Ausschusses", erklärte zunächst öffentlich, auf den Doppeltarif kein besonderes Gewicht zu legen, ließ aber späterhin den Widerspruch fallen. Engländer und Buren. Lord Kitchener telegraphiert aus Pretoria: Seit dem 15. Juli wurden von verschiedenen Abteilungen 34 Buren getötet und 25 verwundet; 190 wurden gefangen und 126 ergaben sich. Erbeutet wurden 3100 Patronen, 162 Wagen, 5600 Pferde und viele Vorräte. Feathershone's Truppe erreichte Klerksdorp von Zeerust aus nach erfolgreichem Marsche. Sie begegnete nur geringem Widerstande. Methuerr marschierte rechts von Featherstpne Blood's Truppe, durchsuchte nochmals Roosenekal und säuberte das Land nördlich von ber Eisenbahnlinie vom Feinde. In der Kapkolonie drängt French die Scharen des Feindes allmähliche immer weiter vorwärts. Der „Times" wird aus Bloemfontein vom 19. Juli gemeldet: Die kürzlich erfolgte Gefangennahme der Mitglieder der Regierung des Oranje-Freistaates hat auf die Burenbevölkerung in Bloemfontein seine Wirkung nicht verfehlt. Auf die Buren hat besonders die Thatsache, daß die Papiere der Regierung erbeutet morden sind, großen Eindruck gemacht. Sie sind alle von dem Wunsche erfüllt, daß die Ruhe bald wieder hergestellt werde. Von bestunterrichteter Seite wird angenommen, daß die Einwohnerzahl des Oranje-Freistaates vor dem Kriege 75 000 betrug. Da- von befinden sich jetzt 35 000 in den Flüchtlingslagern, ungefähr 10 000 sind gefangen genommen, 17 000 leben in den von den Engländern besetzten Städten, 13 000 Männer, Weiber und Kinder gehen noch frei umher. Doch weiß man nicht, wie viele von den Männern noch im Felde stehen. Wie man sieht, ist der „Times"-Berichterstatter zur Zeit wieder sehr optimistischer Auffassung. Auch sein Kollege von der „Daily News" sendet folgendes hoffnungsfteudiges Telegramm aus Bloemfontein: Lord Kitchener macht in der Oranje-River-Kolonie und in der Kapkolonie immer größere Fortschritte. Am Montag abend machte er eine kurze Besichtigungsreise nach dem Süden und kehrte am Mittwoch morgen wieder zurück. Die Generäle Tucker, Knox, Bruee Hamilton und Blümer, sowie Oberst Pilcher sind jetzt hier. Die Mannschaften zeigen Spuren von den Strapazen des Winters, die sie durchzumachen haben. Trotzdem befinden sie sich aber in ausgezeichneter Verfassung, und die Stimmung ist durchaus hoffnungsfreudig. <5teijn und De Wet befinden sich jetzt als Flüchtlinge in dem Bezirk Vrede. Ich kann die militärische Verwaltung nördlich von Norvals Pont nicht genug loben. Es werden überall noch Leute angeworben, die den Lokaldienst übernehmen, und eine sehr vorteilhafte Aenderung ist dadurch geschaffen worden, daß die Patrouillen von jetzt ab keinerlei Gepäck mehr mitzuschleppen haben. Mit einem Wort, es werden jetzt alle erdenklichen Anstrengungen gemacht, um den Krieg so schnell und so gründlich wie möglich zu Ende zu bringen. General French hat, wie anerkannt werden must eine ungeheuer schwierige Aufgabe in der Kapkolonie. Der verstorbenen Frau des Präsidenten Krüger widmen selbst Londoner Blätter freundliche Nachrufe und besprechen den Todesfall in teilnahmsvoller Weise. Am Sonntag nachmittag fand in Pretoria die Beerdigung statt. Präsident Krüger hat aus Hilversum folgendes Dankschreiben an den Alldeutschen Verband gerichtet: „Mit tiefgefühlter Dankbarkeit habe ich von Zeit zu 'Zeit Kenntnis genommen von dem Bemühen des Alldeutschen Verbandes im Interesse unserer Sache während des grausamen Krieges mit Großbrttannrew Das Bestreben äußerte sich nicht nur in Versicherungen der Teilnahme, sondern war ein thatkräftiges, und fo wie ich. stellt das ganze Volk der südafrikanischen Republiken diese aufopfernde Thätigkeit sehr hoch und wird, sie stets in dankbarer Erinnerung behalten. Diese Thattg- keit beschränkte sich nicht allein auf das Fordern unserer Sache im öffentlichen Leben, wodurch unseren ^nt^essen auch auf politischem Gebiete gedient wurde — und mit Anerkennung denke ich W besonders an btt fcertett Reichstagsabgeordneten Prof. Tr. Hasse und Tr^ Lehr - sondern die Barmherzigkeit, von welcher ine Sammlung der beträchtlichen Summe von mehr wre 300 000 Mark Zeugnis ablegt, war unserem Volk em großer Beistand Dabei erinnere ich an die Beteckrgnng des Alldeutschen Verbandes an der deutsch-belgischen Ambulanz, wozu, wie ich informiert worden bin, der Verband bedeutende Summen verwendet hat. Ich fühle deshalb das Bedürfnis, meine Dankesworte gelegentlich der Ueberreichung der Adresse am 10. Dezember v. I. schriftlich zu wiederholen, und dem Alldeutschen Verbände aus! der Tiefe meines Herzens und im Namen des Volkes der beiden südafrikanischen Republiken meinen innigsten Dan' auszusprechen. Hochachtungsvoll S. I. P. Krüger. „ Staatspräsident der Südafrikanischen Republik. Zu der Duellgeschichte beim sächsischen Fußartillerie-Regiment Nr. 12, wonach! ein Oberleutnant des Regiments mit schlichtem Abschied entlassen worden war, weil er einem Kameraden gegenüber, der in sinnloser Trunkenheit ihn thätlich beleidigt hatte,sich zur fried- lichten Erledigung geneigt gezeigt haben sollte, . äußert sich jetzt der Sachsenspiegel wie folgt: „So viel wir unterrichtet sind, glaubt man an zuständiger Stelle davon absehen zu müssen, nähere Mitteilungen zu machen — nicht deshalb, weil die Oeffentlich- keit in dieser Angelegenheit zu scheuen wäre, sondern weil der Offizierstand die Wahrung seiner Standesehre für alle Fälle als sein eigenes Recht in Anspruch nehmen muß. Im übrigen ist die Schilderung der fraglichen Affäre durch die „Straßb. Bürgerztg." stark tendenziös gefärbt. Dieselbe enthält neben einigen richtigen Mitteilungen fast nur unrichtige Angaben, sodaß es nicht ratsam erscheint, schon jetzt prinzipielle Erörterungen an den Fall zu knüpfen. Sollte die Angelegenheit nockMalsi im Reichstage zur Sprache kommen, fo wiro hierzu noch immer Zeit sein." Das klingt ganz so, als ob die zuständige sächsische Mv- litärbehörde hinter dieser Auslassung stände. Bis zum Zusammentritt des Reichstages gehen noch mehr als vier Monate ins Land. Erfolgt ivann erst eine Richtigstellung, so bleibt sie unwirksam. Im Interesse der „Wahrung der Standesehre" würde die zuständige Militärbehörde handeln, wenn sie „tendenziös gefärbten" Berichten sofort öffentlich entgegenträte. GietzenerAnzeiger ** General-Anzeiger v 'e*7 Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen bchchnldMbZm.. BadchM«, W nem per sofort ober mieten. 4518 Lüdarrlatt M- [nnmerwoUnung, mj ne Treppe toM« »fort oder später i» H 22 i&elterbMjL unb 2 ewielne vM lecher Stemmest lltrW»1’ orn SSiSyf 3‘- evtl. 4"8mnnei$ Mlatz, @aitenant >em. Löbechr.S, wn choltstraße. utt, Telegramm deS Giehener Anzeiger-. Washington, 22. Juli. Der amerikanische Gesandte Rockhill tn Peking telegraphiert, der Plan zur chinesischen Entschädigungszahlung wurde nunmehr endgiltig angenommen. Die Tilgung der Bonds, die zur Ausgabe gelangen, beginnt 1902 und nimmt eine völlige Abzahlung von Kapital und Zins bis 1940 in Aussicht. Man erwarte, daß China 23 Millionen jährlich aufbringe. Diese Summe soll dazu dienen, die Zinsen zu zahlen und die Tilgung des Kapitals bis zur letzten Restzahlung zu bewirken. Zur Steuerveranlagung in Hessen. Zu den Erklärungen, die in der Sitzung der Stadtverordneten vorn 18. d. M. Bürgermeister Mecum über die Steuer-Veranlagung gegeben, teilen wir folgendes mit: In letzter Zeit ist hier vielfach die Meinung geäußert worden, man müsse in Gi e ß e u erheblich höhere Steuern entrichten, als in preußischen Städten. Das mag richtig sein für Staats- und Gemeindebeamte, die in Deutsches Reich. Berlin, 22. Juli. Aus Floroe, wird gemeldet: Der Kaiser nahm am 20. ds. nachmittags die Vorträge der drei Vertreter entgegen; auch gestern hörte Seine Majestät Vorträge. Am Nachmittag lief der Dampfer „Auguste Viktoria" vor Laerdalsoeren ein. Seine Majestät stattete dem Dampfer einen Besuch ab. Später erfolgte die Besichtigung der „Hohenzollern" seitens der Passagiere der „Auguste Viktoria". Zur Abendtafel waren geladen die Gattin des Staathalters Grafen Kielmannsegg aus Wien, Muktar Pascha, Legationsrat von König mit Gattin und einige deutsche Offiziere. Heute früh Abfahrt nach Merok. Die Hitze ist sehr groß An Bord alles wohl. — Ueber den Vortrag des preuß Justizministers beim Kaiser in Sachen des jüngsten Elberfelder Militär-Befreiungs-Prozesses wird bestätigt, daß thatsächlich die Stellung des Justizministers erschüttert gewesen ist. Der Kaiser ließ sich ausführlich über den Ursprung, den Verlauf und das Ende des Prozesses berichten, auch über die Person des Untersuchungsrichters Spieß, über den der Justizminister äußerte, daß er ihn nur aus den Arten kenne. Der Kaiser ordnete alsbald an, daß ihm nochmals über jene Affaire Vortrag gehalten werde, und zwar erschöpfender, als das erste Mal. Die Positton weiterer höherer Justizbeamten gilt nach wie vor als erschüttert. Der General, der den Düsseldorfer Stabsarzt Schimmel in Untersuchungshaft abführen ließ, hat inzwischen den erbetenen Abschied erhalten. — Tie seitherigen Steigerungen in denEinnahmen der vereinigten preußischen und h essischen Eisenbahn e n sind im Juni einem starken Rückgänge ge- wichen. Während im Juni v. I. sich die Einnahmen dieser Bahnen noch auf 117 809 000 Mk. beliefen, betrugen sie im abgelaufenen Monat Juni nur 111406 000 Mk. Der Hauptanteil an der Mindereinnahme entfällt auf den Personenverkehr mit 5 346 000 Mk. Die Gesamteinnahmen der Bahnen von Beginn des neuen Betriebsjahres (1. Apr.) bis Ende Juni sind im ganzen nur unwesentlich hinter den vorjährigen Einnahmen zurückgeblieben; sie betrugen 339 793 000 Mk. oder nur 112000 Mk. weniger wie voriges Jahr.,— Die Einnahmen der bayerischen Staatsbahnen im Jahre 1901 bis 30. Juni betragen 70199106 Mark, also 1364 916 Mark weniger als im Vorjahre. — Ein unglaubliches Beispiel von polnischem Fanatismus wird aus Dölzig, Kreis Schrimm, berichtet: ,,Das hiesige Postgmt hatte eine polnische Adresse, die an den Dolziger Arzt Dr. Kowalski gerichtet war, der Ueber- setzungsstelle überweisen müssen, wodurch die bekannte Ver- zogerung in der Bestellung eintrat. Nun bekam der Post- vorsteher, ern von einem schweren Lungenleiden heimgesuchter Mann, vor einigen Tagen wieder einen Anfall, so 2ttätes in Anspruch genommen werden mußte. Er schickte zu Dr. Kowalski. Dieser aber antwortete: ^ostvorsteher nicht den praktischen Arzt Dr. •"SSV"1 //CqU^ °anJt. /bunt dieser auch nicht den Posv- wr^l€tt bkie Aeußerung zunächst für einen schlechten Scherz. Alv er dann aber merkte, daß sie ernst gemernt war blieb ihm nichts anderes übrig, als 14 . öwn Arzt zu schicken, was ihm unter Umständen hatte verhängnisvoll werden können. Dr. Kowalski ist der einzige Arzt für Dölzig und Umgegend. Hamburg, 22. ^uh. Ueber den Empfang des Grafen Waldersee durch vcn Kaiser ist F^gen^s bMmmt worden^ Der Kaiser wird mit der „Hosteuzolleru" ton Emden nach Hamburg fahren, und am 10. August mittags China. Im englischen Unterhause erklärte in DeanMortu»g verschiedener Anfragen betreffend China Hnttrftcio f Granborne: In Shanghai befinden sich jetzt an fremdländischen Truppen: 1945 Engländer, 750 Franzosen mtt sechs schützen, 850 Deutsche mit vier oder sechs Geschützen und 300 Japaner. Es ist vereinbart worden, daß die Zahlung der Entschädigung in vierprozentigen erfolgt zahlbar seitens Chinas an jede der beteiligten Machte. Em erheblicher Fortschritt ist kürzlich in den Verhandlungen über bte für den Zinsendienst der Bonds zu verwerteten Einnahme quellen gemacht worden, ich bin aber mchtin der Lage, gegenwärtig eine eingehendere Mitteilung hierüber zu machen. Prinz Tuan befindet sich nach den letzten Nachrichten bei seinem Verwandten, dem mongolischen Fürsten von Alaschan. Tungfuhsiang ist im westlichen Teil von Kausu. Darüber, daß Tuan an der Spitze einer bewaffneten Truppenmacht stände, ist uns nichts bekannt. — Schatzkanzler Hicks Beach teilt mit, die Gesamtkosten der chinesischen Expedition, ausschließlich der Kosten für die Marine betragen 4 350 000 Pfund Sterling. Kürzlich wurde gemeldet, daß zahlreiche Reservisten, die sich im Vorjahre für China gemeldet hatten, aber damals nur vorgemerkt wurden, jetzt durch eine schlimme Botschaft in Gestalt eines Gestellungsbefehls für die ostasiatische Be- satzungSbrigade überrascht worden seien. Kein Mann — hieß es — habe Anspruch aus Zurückstellung. Im Anschluß an diese Mitteilung sprach ein Blatt von „zwangsweiser Ver- schickung von Freiwilligen nach China-. Bald darauf wurde diese Behauptung durch einen angeblichen Einzelfall aus dem Landwehrbezirk Diedenhofen bekräftigt, wonach zwei Chinafreiwillige, die der Einberufung keine Folge leisteten, unter sicherer Bedeckung vor die Behörde gebracht worden seren. Diese Angaben sind unwahr, besonders auch über die zwangs weise Vorführung. Jeder Einzelne konnte seine Meldnng ohne Weiteres zurücknehmen. In dem betreffenden Korps bezirk wurden die Leute, die sich seiner Zeit gemeldet hatten, telegraphisch zur ärztlichen Untersuchung beordert mit dem Zusatz Hfaög noch für China bereit-. Zwei Mann von dem vorbezeichneten Bezirkskommando sind zur Untersuchung nicht erschienen; sie find aber in keiner Weise zur Verantwortung gezogen worden. Ausland. Paris, 22. Juli. Der „Gaulois" berichtete, am 7. Juli habe eine Regimentsmusik zu Luneville in »er Kirche spielen wollen. Der Kriegsminister Andre yave dies drahtlich untersagt mit dem Zusatz: „Das Heer muß entchristlicht werden." Nun stellt sich heraus, daß Andre gar nichts um die Sache wußte, der in Luneville befehligende General Farvy, ein Nationalist, me Musik verweigert hat. „ ,, Paris, 22. Juli. Generalratswahlen. Bis 12 Uhr mittags waren im Ministerium des Innern die Ergebnisse für 14444 Sitze bekannt; es fehlen nur noch! die Ergebnisse für 10 Sitze. Gewählt sind: 557 Republikanrn:, 477 Radikale und sozialistische Radikale, 33 Sozialisten, 54 Ralliierte, 29 dLationalisten, 209 Konservative. Es sind 80 Stichwahlen erforderlich. Bis jetzt haben die Republikaner 47 Sitze gewonnen. Im Generalrat des Departements Les Charentes haben die Republikaner zum erstenmdle die? Ma- jorität erlangt. — Gelegentlich der Generalratswahlen haben ich in Roubaix gestern ernste Zwischenfälle ereignet. Maniestanten durchzogen die Straßen, haben die Fensterscheiben mehrerer Läden zertrümmert und in einem Kaffeehaus Verwüstungen angerichtet. Mehrere Polizeibeamte wurden verwundet. Fünf Personen wurden verhaftet. — In Nrmes überfielen Sozialisten eine Nationalversammlung, in der General Bertrand eine Rede hielt, und gebrauchten Knittel und Steine. Nach dem ersten Schrecken ermannten sich me Versammelten und warfen die Störenfriede auf die Gasse, wo indessen noch weiter gehauen wurde. — Ein guter Normanne, Graf de Saint-Quen de Pierrecourt, der vor drei Monaten starb, hatte einen Jahrespreis von 100000 Franken ausgesetzt, der jeweilen einem stattlichen Riesenpaare in Rouen verliehen werden ollte, auf daß es z u r H e b un g d e r n i e d er g e h e n/d en Rasse beitrage. Wie man vernimmt, haben sich bereits 30 Paare oder Heiratslustige angemeldet, die sich die Fähigkeit zutrauen, die Rasse zu verschönern und zu starken. Unter den Kandidaten sollen sich auch Ausländer befinden, Engländer und eine deutsche Offizierswitwe, die sich erkundigt, ob die germanische Rasse mit der rornani- chen konkurrieren dürfe. Die Munizipalität von Rouen scheint übrigens nicht für Riesenvolk zu schwärmen und möchte lieber fünf schönen Paaren, wie man sie unter der normannischen Bevölkerung leicht findet, je 20000 Franken ür ihre Aussteuer geben. Ob die Sache sich aber so em- richten läßt, ist fraglich; jedenfalls müßten die Erben des Grafen de Pierrecourt damit einverstanden sein. W i en , 22. Juli. Nach einem Bericht der „Polit. Korr." aus Ueskueb fand am 11. Juli im Rogozno-Gebirge ein Zusammenstoß statt zwischen einer Patrouille und einer Bande, bei dem von der letzteren ein Mann getötet wurde, während zwei gefangen nach Mitrowitza gebracht wurden. Bei einem von der Gensdarmerie unternommenen Streifzug nach dem Dorfe Kolaschin, im Bezirk Mitrowitza, wurden zwei Pferdeladungen mit 30 Gewehren und Munition mit Beschlag belegt. Zur Fahndung nach weiteren Waffen verlangten aber die Mohamedaner eine sttenge Durchsuchung der christlichen Behausungen, weshalb sich eine über 100 Mann zählende Schaar in Mitrowitza versammelte. Der türkische Brigadegeneral beschwichtigte die aufgeregte Menge, sodaß diese nach Absendung einer Depesche an den Sultan ihren Plan, den Markt zu sperren, aufgab und in ihre Wohnstätten zurückkehrte. Budapest, 22. Juli. Fürst Ferdinand von Bulgarien reiste heute von seiner Besitzung Szent-Aetal nach Deutschland ab. Konstantinopel, 21. Juli. Infolge der Beschlagnahme amtlicher serbischer, an die serbischen Konsulate in Macedonien gerichteter Postsendungen durch die türkischen Behörden in Zibeftsche an der serbisch-türkischen Grenze unternahm der serbische Gesandte Gruitsch bei der Pforte entsprechende Schritte. Der türkische Minister des Aeußern Tewfik Pascha erklärte, er habe bereits Befehl gegeben, die betreffenden Postsendungen unbehelligt zu lassen, da es sich um ein Mißverständnis handle. — Türkische Briganten griffen in diebischer Absicht das griechische Konsulat in Brussa an, flohen aber unter Zurücklassung der gestohlenen Sachen, als die Kawassen des Konsulats Feuer gaben. Der griechische Konsul erhob beim Vali in Brussa Einspruch und verlangte Garantie für die Sicherheit seiner Person und die Bestrafung der Schuldigen. Der griechische Gesandte in Konstantinopel, Fürst Maurocordato, unternimmt entsprechende Schritte bei der Pforte. 1 Uhr an der St. Pauli-Landungsbrücke eintreffen. Der Norddeutsche Lloyddampfer „Gera", mit dem Grafen Wal- berfee an Bord, wird bei Brunshausen vor Anker gehen; dort wird der Kaiser den Feldmarschall begrüßen. Graf Waldersee begiebt sich dann auf die „Hohenzollern" und fährt mit dcm Kaiser nach Hamburg, wo an der St. Pauli- Landungsbrücke die Landung erfolgt. Bis zum 11. August öll die „Hohenzollern" an der St. Pauli-Landungsbrücke liegen bleiben. _ Straßburg, 22. Juli. Tie plötzliche Entlassung P u 11 k a m e r s bildet ein völliges Rätsel. Es sei schwer, zu erklären, daß, kaum nachdem die Blätter mit ihrer lobenden Schilderung der 30 jährigen Thättgkeit des Herrn v. Puttkamer im Reichslande und ihrem lebhaften Wunsche, daß es ihm im Interesse des Landes noch recht lange vergönnt sein möge, sein Wirken fortzuführen, zur Kenntnis der maßgebenden Stellen gedrungen war, der Ent- 'chluß gefaßt wurde, auf die Dienste des so allseitig anerkannten Staatsmannes zu verzichten. Es könne sich nur o verhalten, daß es irgend einer sehr mächtigen Stimme gelungen ist, maßgebenden Orts den Eindruck zu erzeugen, daß die Kundgebungen der öffentlichen Meinung zum 70. Geburtstag des Staatssekretärs falsch, bewußt oder unbewußt unrichtig gewesen seien, und der zum Ausdruck gebrachte Wunsch, S?err v. Puttkamer möge noch lange an ber Spitze des Ministeriums verbleiben, nicht erfüttt werden dürfe. Es wird bestätigt, daß der Rücktritt des Staatsekretärs von Puttkamer den Statthalter Fürsten Hohenlohe- Langenburg völlig überrascht hätte. Eine Statthalterkrisis erscheint als Folge des Sturzes v. Puttkamer's keineswegs ausgeschlossen. Preußen bekanntlich die Begünstigung genießeiy däß sie zur Gemeindesteuer hinsichtlich ihres Gehalts nur mit dem halben Betrage desselben veranlagt werden. Diese Begünstigung wird aber auch in Preußen meist als ungerecht empfunden. Die preußische Regierung ist sck>on häufig um Aufhebung derselben angegangen worden, jedoch bisher ohne Erfolg. Bei einem Vergleich der Steuern in Gießen und in preußischen Städten ist zumeist zu berücksichtigen, daß in Preußen die Kommunalsteuerzuschläge von nur 100 Prozent selten sind, daß die Zuschläge meist 150 Prozent und. mehr betragen, und in einzelnen Orten den Satz von 400 Prozent übersteigen. Stellt man zunächst die Steuern für solche Einkommen gegenüber, die lediglich aus nutzbringender Beschäftigung (Arbeitsverdienst) entspringen, so sind die Staatssteuern für Einkommen bis zu 1649 Mark in Hessen höher als in Preußen, für Einkommen von 1650 Mk. bis 3299 Mk. bald höher, bald niedriger, weil die Steuerstufen in beiden Staaten nicht mit denselben Beträgen des Einkommens pringen, durchschnittlich aber annähernd gleich, für Einkommen von 3300 Mk. bis 5999 Mk. in Hessen überockl niedriger sind als in Preußen, von 6000 Mk. bis 7499 Mk. in beiden Staaten genau gleich, von 7500 Mk. bis 9999 Mk. in Hessen überall geringer als in Preußen, von 10 000 Mk. bis 13 499 Mk. bald höher, bald niedriger, von 13 500 Mk. bis 13 999 Mk. in beiden Staaten gleich, und von 14 000 Mk. an in Hessen durchweg höher. Einkommen von 14 000 Mk. allein aus Arbeitsverdienst kommen äußerst selten vor. Bei den hohen Einkommen wird in der Regel solches aus Grundbesitz und Kapitalvermögen mit beteiligt sein. Die hessische Vermögenssteuer ist durchweg um. ein Geringes höher als die preußische Ergänzungssteuer. Ein Vergleich der Grundsteuern wird nur mit solchen preußischen Städten möglich sein, die Grund- und Gebäude- teuer nach dem gemeinen Wert umlegen. Dieses erst eit 1893 zulässige Verfahren hat wegen der gerechteren Verteilung der Lasten in letzter Zeit vielfach Eingang gefunden, und die weitere Annahme desselben wird von der preußischen Regierung energisch gefördert. Der Steuerbetrug beträgt bei 100 Prozent Steuerzuschlag etwa 2 Prozent, bei 150 Prozent Steuerzuschlag etwa 3 Prozent vom gemeinen Wert. Ein genauer Vergleich der Gewerbe- und Betriebs steuer wird kaum möglich sein, weil die Art der Veranlagung zu sehr verschieden ist, und in öietw preußischen Städten der durchschnittliche Steuerzuschlag auf )ie verschiedenartigen Gewerbebetriebe je nach deren Anorderungen an die Gemeindelasten (Armenpflege, Sttaßen- unterhaltung usw.) sehr verschieden verteilt wird. Nachstehend lassen wir einen Vergleich der Steuern zwischen Gießen und preußischen Städten — bei letzteren einmal Wit 100 Prozent Zuschlag und 2 Prozent Grundsteuer, das andere Mal mit 150 Prozent Zuschlag und 3 Prozent Grundsteuer folgen: Einkommen, allein ans Arbeitsverdienst. Einkommen Art der Steuer Gießen Preußische Stadt mit einem Zuschlag von 100% 150% 1200 Mk. Staatssteusr 14 50 Mk. 12.— Mk. 12— Mk. Gemeindesteuer 14.50 „ 12.— , 18.— „ zusammen 29.— Mk. 24.— Mk. 30.— Mk. 1800 Mk. Staatssteuer 28.- Mk. 31.— Mk. 81— Mk. Gemeindesteuer 28.— „ 31.- „ 4650 zusammen 56.— Mk. 62 — Mk. 77.50 Mk. 2400 Mk. Staatssteuer 39.— Mk. 44.— Mk. 44— Mk. Gemeindesteuer 39.- „ 44.- , 66— „ zusammen 78.— Mk. 88.— Mk. 110— Mk. 3000 Mk. Staatssteuer 57.— Mk. 60.— Mk. 60.-- Mk. Gemeindesteuer 57.- „ 60— , 90— „ zusammen 114.— Mk. 120.— Mk. 150— Mk. 5000 Mk. Staatssteuer 126.— Mk. 132.— Mk. 132— Mk. Gemeindesteuer 126.- „ 132.— „ 198— „ zusammen 252.— Mk. 264.— Mk. 330 — Mk. 8000 Mk. Staatssteuer 230.— Mk. 232— Mk. 232— Mk. Gemeindesteuer 230.— „ 232— „ 348— , zusammen 460.— Mk. 464.— Mk. 580— Mk. Einkommen aus Arbeitsverdienst, Kapitalvermögen nnd Grundbesitz. (Die Unterlagen für die Besteuerung des Grundbesitzes in Gießen find der letzten Veranlagung entnommen.) Grundbesitz: Wert 36 620 Mk., Ertrug 1700 Mk., Steuerkapital 262 Mk., Arbeitsverdienst: 4000 » Einkommen 5700 Mk. Steuern in Gießen: Staatssteuer: Vermögenssteuer 19.80 Mk. Einkommensteuer 144.— „ 163.80 Mk. Gemeindesteuer: Grundsteuer 78.60 Mk. Einkommensteuer 144.— „ 222.60 Mk. zusammen 386.40 Mk. Preußische Stadt mit 2%o Grundsteuer 3%o Grundsteuer und 100% Zuschlag und 150% Zuschlag Staatssteuer: Ergänzungssteuer 19.— Mk. Einkommensteuer 146.— „ 165.— Mk. Gemeindesteuer: Grundsteuer 78.24 Mk. 109.86 Mk. Einkommensteuer 146— „ 219.— „ 219.24 Mk. 328.86 Ml. Dazu Staatvsteuer 165.— , 165 — „ zusammen 384.24 Mk. 498.86 Mk. Grundbesitz: Wett 45 000 Mk., Ertrag 1200 Mk., Steuerkapital 170 Mk. Kapitalvermög. „ 12 000 , „ 500 „ , 40 , Arbeitsverdienst 4000 „_________________________ Vermögen 57 000 Mk., Einkom. 5700 Mk. Steuer in Gießen: Staatssteuer: Vermögenssteuer 30.80 Mk. Einkommensteuer 144.— „ 174.80 Mk. Gemeindesteuer: Grundsteuer 51.— Mk. . Kapitalrentensteuer 12.— „ zusammen 881.80 Mk. Preußische Stadt mit 2%, Grundsteuer 3e/oo Grundsteuer und 100% Zuschlag und 150% Zuschlag Staatssteuer: Ergänzungssteuer 29.40 Mk. Einkommensteuer 146.— „ 175.40 Mk. Gemeindesteuer: Grundsteuer 90 — Mk. 135.— Mk. Einkommensteuer 146— , 219.— „ _ 286.— Mk. 354.— Mk. Dazu Staatssteuer 175.40 „ 175.40 „ zusammen 411.49 Rk. 529.40 Mk. Grundbesitz Wert 170 000 Mk. Ertrag 6400 Mk., Steuerkap. 982 Mk. Kapttalverm. w 30000 „ , 1200 . , 96 , Arbeitsverdienst 5000 , Vermögen 200 000 Mk., Sink. 12 600 Mk. das- r -s nur" ne Zatzt ben Aen. -lngNols ^tben jp?011 ;?;S tfj® ie? -e> 'N SS&* Ner en in r ..Q^ öS«? °blden L"konnnens L^Än- H /499 Mf 9999 Wf ^000® ' ^W000 ? Von 14 om rQUN Jta veteüwt jein .^^chweg um ur mit solchen undGebäT «*?*• erst rechteren Per- pa MMn, vvn der preu- l Äeuerbetraa 2 Prozent, ^nt vom qe- ewerbe-und V weil die Art Md in viel'Ä -uerzuschlatz auf «ach deren Anlage, Sttaßen- t wird. 1 der Steuern - bei letzteren nt Grundsteuer, und 3 Prozent UufU chW TM m Zuschlag von » 150% Mk. 12.- M. . 'S.- . M. 30.- M. M. 31.- SRI , 46.50 , M. 77.50 Ät DH. 44.- M. , 66- , N. 110- M. W. Mt , 90.- , Mk. 150.- M. Mk. 132.-M , 188.- , Mk. 330 - M. M. 232.— Mk. „ 348.- . Mk. 580.- Mk? ialvmsögm tze4 in Eirßen find MrkapÄMNt, 10 Mk. WM 40 Mk. Stadt mit 3«/m Srundsteu« und 150% ZuM 109.86 Ml- 219t2_l—- 165^_j__— 498^6^. Sleu*»«11^' 17180 $lt i «# "gntebfl* ^lA»* $»■ m- * TU- >w- 497.20 Mk. 234.60 Mk., Gemeindesteuer: Grundsteuer 708.40 3°/oo Grundsteuer 150% Zuschlag u. Steuer in Gießen: _ Staatssteuer: Vermögenssteuer 112.20 Mk. Einkommensteuer 385— , Preußische 2%0 Grundsteuer u. 100% Zuschlag Staatsstmer: ErgLozungssteuer 100 Mk. Etnkommmsteuer 390 „ 490 Mk. 'Gemeindesteuer: Grundsteuer 330 Mk. Einkommensteuer 390 „ zusammm 1205 60 Mk. " S'adt mit 790 Mk. dazu Staatssteuer 490 Mk. zusammen 1220 Mk. Kopltalrentrnsteuer 28.80 Einkommensteuer 385 510 Mk. 585 „ 1095 Mk. 490 Mk. 1585 Mk. Aus Stadl und Land. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist nur unter genauer Quellenangabe: „Gieft. gestattet.) •• Personal-Nachrichten. Der GerichtSaffefsor Engel in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Michelstadt, der GerichtSaffefsor Reitz in Fürth mit Wahrnehmung solcher bei dem Amtsgericht Höchst und der Gerichtsaffessor Neurath in Wimpfen mit Wahrnehmung solcher bei dem Amts- gericht Bad-Nauheim beauftragt. •• Der KriegervereiuSbezirk Gießen hielt am Sonntag Nachmittag im Lenz'schen Felsenkeller eine Bezirksversammlung ab. Bei der Vorstandswahl wurde der seitherige Vorstand wieder mit der Leitung betraut. ES wurde Bruchhäuser- Gießen wieder 1. Vorsitzender, Bürgermeister Leun-Großen- Linden 2. Vorsitzender, Verwalter Keller-Gießen Schrift- führer und Volkmann-Heuchelheim Kassierer. Außerdem machte der Vorsitzende die Mitteilung, daß beabsichtigt sei, im Herbst in einem noch zu bestimmenden größeren hiesigen Lokale Kriegsspiele zur Aufführung gelangen zu laffen. *• Felddieustübungen. Montag vormittag rückte das hiesige Infanterie-Regiment aus und marschierte zugweise durch Kleinlinden und Großen-Linden, um bei Lang-GönS Halt zu machen. Schon unterwegs und hauptsächlich in der Nähe des letzteren Ortes wurde Feldwachtdienst geübt. Die Hebungen spielten sich zwischen den Orten Gießen (Norden), Butzbach (Süden), Groß-Rechtenbach (Westen) und Lich (Osten) ab. Unser Infanterie-Regiment operierte diesmal in Gemeinschaft mit den beiden hessischen Dragonerregimentern, die am Freitag und Samstag seine Gegner waren. Den Feind markierte am Montag das 168. Infanterie-Regiment, das Husaren-Regiment „Röntg Humbert von Italien" und die Hanauer Ulanen. Die Husaren hatten am Sonntag in der Gegend von Brandoberndorf, Gröffelbach und Kleeberg gelegen, während die Ulanen östlich der Main-Weserbahn in der Umgegend von Lich Quartiere genommen hatten. Um die Mittagszeit kochten die 116er auf ihrem Lagerplatz bei Lang Göns ab. Gegen y25 Uhr brachen sie den Felddienst ab und marschierten durch Großen-Linden und Kleinlinden nach Gießen zurück. Nur eia Wachtkommando blieb zurück. Dienstag, 23. früh übt unser Regiment in der Gegend von Holzheim. Hier wird voraussichtlich ein Feldlager aufgeschlagen. Nachmittags kehrt das Regiment wieder hierher zurück. Auch die vier Kavallerie-Regimenter begeben sich alsdann wieder in ihre Garnisonen zurück. ** Mauöverbestimmungen. Für die Herbstmanöver der größeren Truppenverbände des 18. Armeekorps find folgende Zeitbestimmungen getroffen worden: Brigademanöver: 41. Infanterie-Brigade vom 13.—16. September bei Mainz, 42. Infanterie-Brigade vom 12.—14. September bei Babenhausen; Divisionsmanöver: 21. Division vom 17. bis 21. September zwischen Oberursel und Groß-Gerau, 25. Division gleichfalls vom 17.—21. September zwischen Worms und Gau-Odernheim; Korpsmanöver: Am 23. und 24. September in den Provinzen Starkenburg und Rheinhessen, am 25. September Rückkehr in die Garnisonsorte. (!) Verhaftung. Ein bei dem hiesigen Elektrizitätswerk beschäftigter auswärtiger Arbeiter drohte gestern einem Wirt in der Ludwigstraße, der ihm, weil er angetrunken war, feine Getränke mehr verabreichen wollte, er werde ihm die Därme aus dem Leibe holen und die Knochen zerschlagen, so daß der Wirt mit seiner Familie flüchten mußte. Da der Ar' Heiter in der Wirtschaft weiter tobte, wurde die Polizei zu Hilfe geholt, die ihn verhaftete. Auf dem Transport erklärte er dem ihn begleitenden Schutzmann in ruhigem Tone, in dem kalten Hamburg hätte man wegen einer solchen Kleinig keit kein solches Aufsehen gemacht und nicht gleich die Polizei gerufen. ** Unfall. Gestern nachmittag ist in der Nähe der Wellersburg ein hier durchkommender Meldereiter des 23. Dragoner-iRegiments vom Pferde gestürzt. E blieb im Steigbügel hängen und wurde eine Strecke weit vom Pferde nachgeschleift. Man schaffte ihn, da er ohnmächtig geworden war, ins Garnisonlazarett, wo festgestellt wurde, daß er eine Verletzung am Kopfe erlitten hatte, die indessen, wie wir hören, nur leichter Natur ist. ** Anlegung von Mündelgeld. Auf Grund des § 1807 Absatz 1 Nr. 4 des Bürgerlichen Gesetzbuchs hat der Bundesrat unterm 7. beschlossen, daß verbriefte Forderungen gegen, eine inländische kommunale Körperschaft oder die Kreditanstalt einer solchen Körperschaft zur Anlegung von Mündelgeld geeignet sind, wenn die Forderungen von feiten des Gläubigers kündbar sind oder einer regelmäßigen Tilgung unterliegen. Es können hiernach Sck>uldverschreib- ungen deutscher Städte, die einer regelmäßigen Tilgung unterliegen, zur Anlegung von Mündelgeldern Verwendung ftnden. ** Rechtsanwalt Wagner teilt uns mit, unter Bezug auf unsern gestrigen Schöffengerichtsbericht, — er wurde bekanntlich wegen Betrugs zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt — daß er gegen das Schöftengerichtsurteil Berufung eingelegt habe. (-) Großen-Linden, 22. Jnli. Gestern und heute fand unser Kirchweihfest statt. Wie alljährlich, so erfreute sich auch in diesem Jahre unser Städtchen wieder reichen Zuspruchs von auswärts, sodaß die Lokale der beiden Fest wirte Schaum und Weigand bis auf den letzten Platz dicht besetzt waren. Dank der günstigen Witterung nahm das Fest einen recht schönen Verlauf. B. Lang-Göns, 22. Juli. Heute zogen verschiedene Abteilungen des Gießener und Butzbacher Militärs durch unsere Gemarkung. W. B. Dorfgill, 22. Juli. Gestern abend ereignete sich hier ein schwerer Unglücks fall. Mehrere junge Leute machten Scherze, die jedoch bald einen ernsten Streit hervorzurufen drohten. Plötzlich stieß einer der Burschen einen anderen vor die Brust: der Gestoßene sank um und war sofort tot. Allem Anscheine nach hat den Hingeschiedenen, Namens Mulch, einen 20jährigen jungen Menschen, ein Herzschlag getroffen. § Lauterbach, 22. Juli. Auf der hier stattgehabten außerordentlichen Generalversammlung des Pferde-Ver- sicherungs-Vereins für den Kreis Lauterbach wurden als Ersatz für zwei verstorbene Ausschußmitglieder Zimmer- meister Henkel und Fuhrmann Günther neu in den Ausschuß gewählt. Zum Direktor an Stelle des ebenfalls verstorbenen Direktors Steuerrats Sommerlad wurde Hotelbesitzer Schütz von hier gewählt. T Bermuthshain, 22. Juli. Ein frecher Einbruchdiebstahl wurde hier verübt. D-em hiesigen Gemeindeschäfer Dietrich wurden während seiner Abwesenheit aus der Schäferhütte zwei Teppiche im Werte von 1.5 Mk., das Kopfkissen im Werte von 5 Mk. gestohlen. Das Schloß ist mittelst einer Feile oder eines Meisels ausgestoch^n worden. Man ist dem oder den Thätern auf der Spur. Tübingen, 22. Juli. Das gestrige, von unserem Turw verein veranstaltete Schauturnen im Jägerthal, das anfangs zu verregnen drohte, nahm schließlich einen recht schönen Verlauf. Auch die fürstliche Familie zu Isenburg-Büdingen besuchte das Fest. Die turnerischen Leistungen legten Zeugnis davon ab, daß im Turnverein Streben und DiSciplin herrscht. Durch den Erbprinzen Wolfgang zu Isenburg-Büdingen wurden die zuerkannten Preise resp. Diplome an die besten Turner verteilt. Darmstadt, "22. Juli. Am 10. August begiebt sich der Groß Herzog zu den Festspielen nach Bayreuth und wird acht Tage dort bleiben. Die Gemahlin des verstorbenen Prinzen Wilhelm und dessen Sohn mit Gemahlin trafen bereits in Bayreuth ein und haben vorläufig auf 14 Tage ihren Aufenthalt dort bemessen. Offenbach, 22. Juli. Noch einmal versammelte fich gestern die Offenbacher Bevölkerung und die Turnerschaft auf dem Turnfestplatze, um die Schlußfeier des Jubi- läumsfestes zu begehen. Die unermüdlichen Knabentrommler voran, zogen um 3 Uhr die Turner zum Festplatze, woselbst Schauturnen, Ballspiele und Ringen stattfand. Daneben fand auf dem Turnplätze die Ballonfüllung statt; um 6 Uhr stieg Frl. K. Paulus mit ihrem Ballon in die Lüfte und ent- schwand bald den Blicken der Zuschauer in nordöstlicher Richtung. Ein Sängerchor von 800 Mann sang am Abend in der Festhalle seine Weisen, doch war die Halle nur noch halb gefüllt. Desto besser dagegen waren die Bierwirtschaften, der Tanz- und der Juxplatz besucht. Am Nachmittag war in einer eigens dafür gebauten Bretterbude der angekündigte Ochse am Spieß gebraten worden, was namentlich der Jugend viel Vergnügen machte. Auch die Nachfeier nahm, wie das ganze Fest, einen schönen harmonischen Verlauf. ** M a i n z, 23. Juli. Der in der bekannten Affaire des Schulrat Dr. Dettweiler häufig genannte Gymnasiallehrer Dr. Ahlheim, der seit jener Affaire pensioniert war, wird dem „Mainz. Anz/' zufolge am 1. September wieder in den hessischen Staatsschuldienst übernommen. — Eine größere Anzahl von älteren Landwehrleuten aus Kostheim, Kastel und Mornbach, die demnächst zum Landsturm gehen, haben sämtlich vom hiesigen Bezirkskommando eine eintägige Mittelarrest strafe erhalten, weil sie die ihnen zugegangenen Vorschriften über die Kriegsbeorderungen nicht in ihren Paß eingeklebt hatten. Die Landwehrleute müssen sich am nächsten Samstag Vormittag zum Antritt ihrer Strafe melden. Es herrscht hierüber große Erbitterung. Die älteren Leute, die meistens während ihrer Militärdienstzeit nie eine Strafe erlitten haben, — darunter sind sogar einige, die Feldwebelcharge bekleidet hatten — müssen jetzt wegen eines kleinen formellen Verstoßes ins Gefängnis wandern. Homburg, 22. Juli. Der Großherzog von Hessen trifft heute Nachmittag 5 Uhr auf einige Tage ein, und wird in Ritters Parkhotel Wohnung nehmen, um dem Osfiziers-LawntenniS-Turnier beizuwohnen. Dieses Tournier hat unter dem Präfidium des Prinzen Albert zu Schleswig-Holstein heute nachmittag unter Beteiligung einiger aktiver Offiziere des Heeres und der Marine begonnen. Vorläufig wird in 4 Konkurrenzen gekämpft und zwar im Einzelspiel mit Vorgabe um den Preis der Kaiserin Friedrich. Ferner giebt es Doppelspiel ohne Vorgabe und Doppelspiel mit Vorgabe. Zum Schluß findet ein großes Handicap um den Damenehrenpreis statt. *’ Kleine Mitteilungen ans Heften und den Nachbarstaat«. Im Großherzogtum Hessen giebt es sieben Gemeinden, die so glücklich sind, keine Gemeindesteuern bezahlen zu müssen; die sonstigen Einkünfte sind so wesentlich, daß dadurch alle Kommuuälbedürfnisse bestritten werden können. Es sind dies die Gemeinden Albach, Bergheim, Bersrod, Feldheim, Hattenrod, Ober-Steinbach und Staufenberg, sämtlich in Oberhessen gelegen. — Eine Eifersuchtsszene mit tragischem Ausgange spielte sich am 22. Juli morgens im großen Biergrund in Offenbach ab. Die Geliebte eines jungen Mannes hatte sich von einem anderen jungen Manne vom Turnfestplatz weg nach Hause begleiten lassen. Hierüber erbost, lauerte ersterer, Namens Hofmann aus Forchheim, dem Paar auf. Es entspann sich alsbald eine regelrechte Keilerei. Schließlich zog einer aer Beteiligten, der Feilenhauer Geist aus Klein-Steinheim, ein Messer und verwundete den H. schwer am Kopf und Arm. Die Verletzungen sollen lebensgefährlich sein. — JnHohen-Sülzen schlug der Blitz am Samstagmittag in einige Fruchthaufen und in die Kirche, zerschmetterte die Leuchter und Kerzen am Altar und beschädigte die Orgel. — Altbürgermeister L. Baum von Fürfeld und Gattin feierten am 20. Juli in noch ungeschwächter Kraft das seltene Fest der goldenen Hochzeit in aller Stille. Das Jubelpaar empfing von allen Seiten die herzlichsten Glückwünsche. — In Oppenheim sank int Hafen in der Nacht des 20. Juli ein mit Kies beladenes eisernes Schift der Baggereifirma Hutfließ u. Schmid aus Ludwigshafen. An der Hebung des ca. 3 Meter tief im Wasser liegenden Fahrzeuges wird eifrig gearbeitet. — In der NacW vom Samstag auf Sonntag ist der Schiffsjunge Frankenberger aus Bretzenheim, der sein Schift aufsuchen wollte, in den Rhein gestürzt und ertrunken. Die Leiche konnte bis zur Stunde noch nicht aufgefunden werden. — Am Samstag stürzte in der Weint horstraße in Mainz ein achtjähriger Knabe zum Fenster eines vierten Stocks hinaus auf den Hof. Der Junge stieß im Fall mit dem Kopfe auf ein vorspringendes Dachl, das in Trum mer ging. Er wurde mit gebrochenem Schädel von seinen Angehörigen aufgefunden. Der Zustand des Kindes ist hoffnungslos. ■ 1" 1.1- .. . Universitäts-Nachrichten. Der Bonner Historiker Professor Friedrich v. Bezold hat einen an ihn ergangenen Ruf an die Umoersilät Leipzig ubgelehnt. — AuL Leipzig wird gemeldet: Der soeben beendeten ärztlichen Vorprüfung an der Universität Leipzig unterzogen sich 29 Kandidaten, darunter eine Dame, Frl. Wachsmuth, die daö Examen mit Zensur I bestand. An den juristischen Prüfungen haben insgesamt 102 Kandidaten teilgenomnnn, oon denen fr 7 das Examen bestanden. 4 Kandidaten hatten nach erfolgter schriftlicher Prüfung von der Fortsetzung des Examens Abstand genommen. Wie aus Wien berichtet wird, stehe die Berufung des Profeffors der romanischen Philologie und Direktors des romanischen Seminars an der Wiener Universität, Dr. Wilhelm Meyer-Lübke an die Universität Zürich bevor. — In Wien wurde Samstag Frl. Emma Ott, die sich durch selbständige botanische Forschungen hervorgethan, zum Doktor der Phrlosophre promoviert. Gerichtssaal. .... -e- Gießen, 22. Juli. (Gewerbegericht.) Den Vorsitz fuhrt Stadtverordneter Keller. Als Beisitzer fungieren Schreinermeister Emil Heinrich Müller und Schriftsetzer H e n s e l von Gießen. In der Sache des Knechtes Wilhelm Kätzer von hier gegen den Wirt Otto Luft von hier, wegen Ausstellung eines Zeugnisses und Herausgabe übergebener Arbeitszeugnisse sticht heute der zweite Termin zur Verhandlung. Lust übergiebt dem Krätzer das verlangte Arbeitszeugnis über seine Tätigkeit bei ihm, und ein ihm von Krätzer beim Arbeitsengagement übergebenes Zeugnis eines früheren Arbeitgebers mit der Erklärung, daß er ein weiteres Zeugnis von ihm nicht mehr besitze. Der Kläger erklärt sich von dem ihm von Luft ausgestellten Zeugnis zufriedengestellt, verlangt jedoch noch ein weiteres dem Luft übergebenes Zeugnis zurück und außerdem Schadensersatz wegen Verzögerung der Rückgabe. Tas Gewerbegericht bemerkt, dem Kläger, daß es. nach § 3 pH. 1 des Gesetzes über die Gewerbegerichte nur zuständig sei für (Strei» tigfeiten über die Aushändigung oder den Inhalt der vom Arbeitgeber auszustellenden Zeugnisse, nicht aber für Streitigkeiten wegen Rückgabe von Zeugnissen pp., welche aus Anlaß des Arbeitsverhältnisses übergeben worden seien. Für die Entscheidung der letzteren Streitigkeiten sei bis zum 1. Januar 1902 das Amtsgericht zuständig, und erst von da ab nach der Novelle zum Gesetze betr. die Gewerbegerichte das Gewerbegericht. Der Kläger nimmt deshalb seine Klage zurück, um sie beim Amtsgericht anzubringen. — Gegen den Fuhrunternehmer Hernrüh Herzberger sind drei Klagen anhängig. Der Tagelöhner Albert Wo deler, zurzeit hier, verlangt 10.50 Mk. Restlohn. Der Beklagte erkennt an, den Betrag an Wodeler zu schulden, macht jedoch Schadensersatz geltend, weil der Kläger ihm das Fuhrwerk stehen gelassen habe. Wodeler entgegnet, daß er als Tagelöhner und nicht als Fuhrknecht engagiert worden sei. Herzberger bestreitet dies, und beruft sich auf das Zeugnis seines Venvalters Heyer. Das Gericht erließ Beweisbeschluß Nächsten Freitag soll die Vernehmung des Zeugen stattftnden. — Der Knecht Gottlob Reusch von hier verlangt 6 Mark Restlohn. Herzberger entgegnet, daß die 6 Mark dem Kläger zukämen für Fahren der Gießfässer in der Stadt an drei Sonntagen. Die Zahlung der Vergütung, für jeden Sonntag 2 Mk., solle jedoch nach ihrer Vereinbarung erst Ende des Sommers erfolgen. Da Kläger die Arbeit verlassen habe, ohne zu kündigen, mache er hiermit Schadensersatz geltend. Der Kläger bestreitet, auf eine solche Abmachung eingegangen zu fein, und da ihm Herzberger die Vergütung nicht ausgezahlt habe, sei er befugt, die Arbeit ohne Kündigung zu verlassen. Auch in dieser Sache wird Beweisbeschluß erlassen, in dessen Erledigung der Verwalter Heyer ebenfalls vernommen werden soll. — Der Knecht Wilhelm Launhardt, zurzeit hier, verlangt ebenfalls Auszahlung rückständigen Lohnes. Die Sache liegt genau so, wie die eben geschilderte. Nur verlangt Herzberger noch 1,50 Mk. Ersatz für eine verlorene Wagenkapsel. Es soll auch hier durch Vernehmung des Verwalters Heyer Beweis erhoben werden. — Weiter hat der Maurer Ludwig Rapp aus Hattenrod gegen den Bauunternehmer Georg Becker von hier, wegen Zahlung rückständigen Lohnes geklagt. Der Beklagte erklärt sich bereit, den Lohn zu zahlen, jedoch abzüglich 2.50 Mk. für das Umsetzen eines Sinkkastens, den Kläger an eine falsche Stelle gesetzt habe. Der Kläger ist mit dem Abzüge einverstanden. — In der letzten Sache verlangt die Kellnerin Marie Stan- schuß, zurzeit hier, von dem Wirt Ludwig Kratzer 15 Mk. Reiseentschadigung für die Fahrt von Düsseldorf hierher, weil sie der Beklagte schon nach drei Tagen ihrer Thätia- keit ohne Grund entlassen habe. Ta die Klägerin nicht erschienen ist, und der Angeklagte keinen Antrag stellte, läßt das Gericht die Sache fallen. Kermischte«. * Bon einem Scherzwort des Kaisers erzählen die Kieler Mitglieder der bevorstehenden Südpolarexpedition. Als der Kaiser in Travemünde das Expeditionsschiff Ganß besuchte und die Mitglieder den Monarchen bei windigem Wetter entblößten Hauptes an Deck empfingen, bat der Kaiser sie unter Hinweis auf die zum Teil schon stark gelichteten Scheitel der Gelehrten, sich zu bedecken, und meinte lachend: »Sonst könnten den Herren auch die letzten Haare noch wegwehen, die Ihnen die Wiffenschast gelaffen." • Eine furchtbare Katastrophe hat am Sonntag Nachmittag unweit des Ausflugsortes Hankels Ablage bei Berlin sieben Menschenleben vernichtet. Infolge eines Wirbelsturmes kenterte das mit drei Männern, drei Frauen und vier Kindern besetzte Segelboot „Albatroß" des Herrn Rich. Holzmann. Die Manner wurden durch eiligst vom Lande herbeieileude Rettungsmannschaften gerettet, während die Frauen und Kinder, die sich in der Kajüte befanden und diese nicht verlaffen konnten, ertranken. Es ist dies wohl der furchtbarste Unfall, von dem die Seglerschast auf den Gewässern der Umgegend Berlins jemals betroffen worden ist. Ertrunken find Frau Holzmann und zwei 11 und 9 Jahre alte Kinder, ferner Frau Leffer, geborene Holzmann, mit zwei Kindern im Alter von 9 Jahren und 2 Monaten und Frau Konditor Meyer. ♦ Wien, 22. Juli. Der bei Besteigung des Berges Tribulaun bei Goffensaß durch Blitzschlag getötete Wiener Tourist ist der Dr. med. Robert Wilhelm, Sekundärarzt des Wiener KinderspitalS zu St. Anna. Er war 35 Jahre alt, der Sohn eines noch lebenden, angesehenen Advokaten in D.1 *6 fr Telephonischer Kursbericht! zu verkaufen. 5046 02849 Gießen, den 23. Juli itOL Giessen, den 23. Juli 1901. 5138 3-Zimmerwohnung im 3. Stock, 15. August bezieh bar, zu vermieten. Reuüadt 14. Ordentliches, braves Dienstmädch. gesucht Wilhelmftraße 5, III 124 5102 Frankfurt a. M. (Äut erhalt. Schneider-Nähmasch. zu verk. Katharinengaffe 8. Löw'engasse 22 Lose „Der sLebrauchtes Sopfta zu der« kaufen. Schillerstratze 5. j^auspenglerei empfiehlt 4855 rang su billigen Preisen 192 Stift« |«|tr ii trilttifn. lltttea, IttftlHUgHi» Irin«, ifn. Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Wittko; für den «nzeigenteil: HanS Beck. — Druck «nb Verlag der Brühl'schen UniverfitätS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. 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Berliner Hondelage*. Oeeterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . • H^rpener .... rahig. f Höchste Temperatur am 21.—22. Juli Niedrigste , ' , veranschlag bitte Die glückliche Geburt einer Tochter beehren sich anzuzeigen Schlachthofdirektor 3C/0 8Vi Vo 3'78 37t Vi Konstantinopel, 22. Juli. Großfürst Alexander Michajlowitsch wurde heute in Begleitung des russischen Botschafters vom Sultan in Abschiedsaudienz empfangen. Newyork, 22. Juli. Depeschen aus den westlichen Staaten melden, daß das Wetter heute wieder heißer und trockener gewesen ist. Die Verhältnisse in den maisbauenden Staaten seien kritisch. Von verschiedenen Orten werden heftige Erkrankungen infolge der Hitze gemeldet. Von Chicago wurden 8, von Missouri und Kansas 14 Todesfälle und 40 Hitzfchläge innerhalb der letzten 36 Stunden gemeldet. Auch von anderen Gegenden wird von Hitzschlägen und Todesfällen bericht^. Das Thermometer zeigte 109° Fahrenheit. In Decatur (Illinois) war die Hitze am größten. Valparaiso, 22. Juli. (Reuter-Meldung). Die Regierung bereitet einen Gesetzentwurf vor, welcher dem Kongreß vorgelegt werden soll, und die Verschiebung der Konversion und die Ansammlung von weiteren 50 Millionen Dollars binnen 3 Jahren für alle Eventualitäten bezweckt. Ferner ist beabsichtigt, auf Alkohol eine Verbrauchkabgabe zu legen und andere innere Abgaben zu erheben. Die Einkünfte hieraus und das Geld, was aus dem Verkauf des dem Staate gehörenden salpeterhaltigen Geländes erzielt wird, sollen benutzt werden, um Heer und Marine möglichst vollkommen in Stand zu setzen. 00—00 s, Zwiebeln per Ctr. M 8.00—8.50, Mich per Liter 18 4« Kirschen per Bsd. 15— 20 Pfg. Dauer ver Marktzeit von 7 Uhr vormittags bis 1 Uhr mittags. Gietzen, 23. Julu Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. M 1.15—1.25, Hühnereier per St. 0—0 «9, 2 St. 13-14 <$, Enteneier 1 St. 7—8 4, Gänse- eier per St. 11—12 Käse 1 St.5—8 Käsematte 2 St. 5—8 <9, Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 84 Tauben per Paar JC 0.75-0.90, Hühner per St. JfC 1.00—1.50, Hahnen per Stück jfC 0.80—1.40, Enten per St. M 2.00—2.20, Gänse per Pfd. 0.00 bis 0.00, Ochsenflcisch per Pfd. 66—76 Kuh' und Rindfleisch per Pfund 60—64 Schweinefleisch per Pfd. 64—74 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 78 , Kalbfleisch per Pfd, 60—66 , Hammelfleisch per Pfd. 50—70 , Kartoffeln per 100 Kilo 6.00—9.00 JC, Weißkraut per Sl. Qflhrttt mit oder ohne Wohn., zu vllUill beim., -rnch einz. Zimmer dazu. Näb. Remstädt 14, prt. Laden mit Zimmer, auch Wohnung, in guter Geschäfts!., für jedes Geschäft geeignet, sofort oder per 1. Okt. zu verm. Offerten unter Nr. 02844 an die Exped d. Bl. Arthur Liebe und Frau W Alma, geb. 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Zu Ehren der Teilnehmer des TuberkuloseukongresseS gab James Blyth ein Diner, woran auch der Herzog von Cambridge teilnahm. Unter den Geladenen befinden sich die Professoren Fränkel, Gerhardt, Koch und Leyden-Berlin, Schrötter Wien, Cautacuzene- Budapest sowie zahlreiche Vertreter des britischen Aerzte- ftandeS. Neapel, 22. Juli. Der Zustand Crispis ist unverändert. Die Herzschwäche dauert fort. Konstantinopel, 23. Juli. Der türkisch-serbische Handelsvertrag ist gestern unterzeichnet worden. Stadt. Schlachthaus. UreGsuk. &ii8 Heute und morgen: Zchwemesteisch 35 pfg. Neue Wetterauer Frühkartoffeln § versendet zu Mk. 3.— per 100 Pfund mit Sack ab Friedberg— Frankfurt a. M. gegen Nachn. A. Stahl WweM Inhaber M. Stahl, Friedberg (Hessen). Karloffet-Erport. Telephon 22. Um die treffend Vers tynterbtieben svrdermssen Serforgungsi träge zu ver suchen mögW die miliche ' Müen. b und d MA *6 Sr. V »dfttrt Wir bri des Königs, lanntmachm tragen Sie, scheiden. Di der Bekannt einzusenden. 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