Irr. 71 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 24 März 1901 Erscheint täglich mit Un»nahmk des MsnragS. M< Gießener Zamilten- »lütter werben dem Än» ^er m> Wechiel mit „Hess. 4n»irt" und „vläner Nk Hess. BolkSkunde" vier« »«l wöchentlich beigdegt. »«nabet Den Cnitieen M »er ne*ortttaflB für Den W*ttnben Zag crfifcttntnbeu ■mcimt btt Denn 10 Ubr K» b 11111 u ■ q t n IpditflenB abeaM »orher. Ekbeftiee, Expedition und •nzdrrei• tchulpraße 7. GietzenerAnzeiger Te Gesellschaften), nmrde an allen Mauer- ecken der 'Stadt angeschlagen. Bolkshaufen drängen sich vor den Anschlägen, um sie zu lesen. lieber eine angebliche Krisis im „Flottenverein" er- fährt die „Wat. Ztg.", daß u. a. „in weiten Kreisen ber1 Mitglieder die sehr kostspielige, aber wenig erfolgreiche China-Expedition des Vereins keinen Anklang gefunden fyat". Tas ist kein Wunder. Tiefe Nachrichten-Expedition, die mit allem nur denkbaren Material ausgerüstet wurde, um ihre journalistische Aufgabe zu erfüllen, die die feinsten Empfehlungen an die maßgebenden Personen mit auf den Weg bekam, bat lediglich dadurch von sich reden gemacht, daß sie sich in ein trapistenmäßiges Schweigen hüllte. Solange diese Expedition schwieg, hatte sie sogar das besser« Teil erwählt. Ein paar Mal brach sie das stille Gelübde, ihre bescheidenen Wahrnehmungen für sich zu behalten, und die Folge war, daß einer Berliner Zeitung, die sich anscheinend das Vorzugsrecht der Publikation gesichert hatte, eine Ente comme il faut serviert wurde, lieber diesen unerwarteten Erfolg bestürzt zog sich die famose- Expedition auf den früheren Standpunkt vornehmer Reserve zurück. Tie Bezeichnung „wenig erfolgreich" ist für die „Thätigkeit" der Expedition ausgesucht mild und delikat. Amtlicher Feil. Bekanntmachung. In der Zeit vom 16 bis 23. März 1901 wurden in hiesiger Stadt gefttttbcn: 1 Geldstück, 1 Taschenmesser, 1 Schere, 1 Boa und l Packet mit Chokolade; verloren: 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 Packet mit schwarzer Seide. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände beliebe» ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 23. März 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bckanntmaibung. Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 27. März ds. IS. in Wetzlar anstehenden BiehmarkteS an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine, den Markt in Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 42 des Kreisblattes von 1901 veröffentlicht worden find. Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags. Aus der Provinz Oberheffen des GroßherzogtumS Hessen dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden. Wetzlar, den 18. März 1901. Der Königliche Landrat. Politische Tagesschau. Die übertriebenem Selbftbewußtsein entspringende Erwartung der New-Aorker Finanziers, Deutschland werde auch bei der Begebung fernerer Anleihen den amerikanischen Geldmarkt in Anspruch nehmen, ist gründlich getäuscht worden. Ein deutsches Konsortium, aus den Bank- häusern bestehend, mit denen die Reichs- und die preußische Finanzverwaltung von jeher derartige Transaktionen »nachten, hat die neue 300 Millionen-Reichs-An- leihe übernommen und wird sie anfangs April zur Zeichnung stellen Es ist sicher, daß der Betrag überzeichnet werden wird. Denn nach den bitteren Erfahrungen der letzten Zeit ist die Beliebtheit der Staatspapiere, auch der niedrig verzinslichen, erheblich gewachsen. Die Meldung »om Abschluß' der Anleihe hat an der Börse eine Befestigung der Stimmung hervorgerufen. Das Gegenteil wäre eingetreten, wenn man an der glatten Unterbringung der Anleihe im Inland zu zweifeln Anlaß hätte .Es geht auch ohne die New-?)orker Hochfinanz. Die „Nordd. Allg. Ztg." teilt mit, daß der E m i s s i o n s- kurs auf 8 7 ein halb festgesetzt worden ist. Tie Ankündigung der Begebung wird in der kommenden Woche, die Zeichnung noch vor Ostern erfolgen. Tie Einzahlungs- iermine werden sich bis tief in den Sommer hinein verseilen. — Wie der „B.-E." hört, findet die Emission cm 3. April statt. Der geprellte Friede. TemenglischenParlamentsinddieSchrift- itücf e ü 6er d ie Friedensverhandlungen mit t>en Buren nunmehr ergangen. Rach diesen Berichten sind die Bedingungen, die den Buren angeboten wurden, von Botha aber abgelehnt wurden, folgende: Sobald sich alle Burenstreitkräfte ergeben, gewährt die eng- lifdje Regierung in den Kolonien Transvaal und Oranje Amnestie. Gegen die Engländer indessen, die aus Natal oder der Kapkolonie ftafnmen, soll nach dem in diesen Kolonien während des Krieges zur Anwendung gelangten Ausnahmegesetz verfahren werden. Die auf Helena, Ceylon und anderswo in Kriegsgefangenschaft befindlichen Buren sollen in die Heimat zurückgefördert werden. Die jetzige, Militärverwaltung soll durch eine Verwaltung als Kronkolonie ersetzt werden. Es soll ferner in weitestem Maße Selbstregierung zugestanden werden. Tas Kircheneigentum, der Besitz öffentlicher Gesellschaften, die Fonds für die Waisen sollen respektiert werden. Die englische und holländische Sprache sollen gleicher Weise zur Anwendung gelangen. Tie englische Regierung kann nicht verantwortlich gemacht werden für die Schulden, welche die letzten republikanischen Verwaltungen gemacht haben, _ift aber bereit, eine Summe von nicht über eine Million Pfund Sterling zur Deckung von Schadenersatzansprüchen von den Buren zu bewilligen. Den Farmern soll für ihre Verluste im Kriege Beistand durch eine Anleihe gewährt werden. Kriegs- {"teuer sollen die Farmer nicht bezahlen. Diejenigen Burghers, iie des Schutzes von Feuerwaffen bedürfen, sollen die Erlaubnis erhalten, Waffen zu tragen, wenn sie sich einen Erlaubnisschein geben und in die Liste eintragen lassen Den Kaffem soll in beschränktem Maße das Stimmrecht gewährt werden. Wenn eine das Volk vertretende Re- jaierung eingerichtet ist, soll die gesetzliche Stellung der farbigen in ähnlicher Weise geregelt werden wie in der 'Kapkolonie. Unter den dem Parlamente vorgelegten Schriftstücken Gesindel sich auch ein Telegramm Kitcheners, in dem dieser über seine Unterredung mit Botha in Middelburg am 28. Februar berichtet: Ich lehnte es ab, mit Botha über die Frage der Unabhängigkeit zu sprechen. Botha hätte es gern gesehen, wenn gleich eine repräsentative Verwaltung eingerichtet worden wäre, er schien aber auch befriedigt zu sein über den Vorschlag der Einrichtung einer Kronkolonie Botha fragte, ob den Buren erlaubt werden würde, ihre Gewehre zum Schutz gegen die Eingeborenen zu behalten, und legte namentlich Gewicht auf die Frage, ob Großbritannien die legalen Schulden der Republiken mit Einschluß der während des Krieges gemachten Schulden übernehmen würde. Botha schien nichts dagegen zu haben, daß den Aufständischen aus den Kolonien das Wahlrecht entzogen werde. Im englischen Unterhause fragte Redmond an, o b von den Führern der Buren kürzlich die Bedingungen mitgeteilt worden seien, unter denen diese bereit seien, dem Krieg ein Ende zu machen. Kolonialminister Chamberlain erklärt, es sei dies, abgesehen von der Besprechung, die Botha mit Kitchener gehabt, nicht der Fall. Aus S e n e k a l ist ein Mann eingetroffen, der glaubwürdig meldet. De Wet, Botha und zwei andere Burenkommandanten hätten am 17. einen Kriegsrat ab gehalten und den Bürgern die gefaßten Beschlüsse mitgeteilt. Sie hatten erklärt, die Buren seien noch gut aus- gerüstet mit Lebensmitteln und Munition, doch wären sie geneigt, unter folgenden Bedingungen in eine Angliederung an England zu willigen. 1. Unterricht in holländischer und englischer Sprache nach freier Wahl der Eltern; 2. das Recht, gegen Erlaubnisschein ein Jagdgewehr zu führen; 3. 3 Mill. L. Entschädigung für die durch Feuer zerstörten Farmen; 4. keine Freiheiten für die Eingeborenen; 5. Amnestie für die noch im Felde stehenden Kämpfer. Nach alledem steht fest, daß, wenn auch diese Verhandlungen gescheitert sind, doch eine recht weitgehende Annäherung stattgefunden hat, die annehmen läßt, daß das Ende des Krieges nicht mehr fern ist. Die Verhandlungen scheinen vornehmlich daran gescheitert zu sein, daß Botha auf das Entschiedenste forderte, den Kaprebellen müsse Amnestie 'erteilt werden. Diese Forderung macht dem Charakter des Generalkommandanten alle Ehre, der in seiner Rechtlichkeit nicht zulassen will, daß die Leute, die nicht nur ihr Leben, sondern ihre ganze Existenz für die Blutsbrüder jenseits der Grenze in die Schanze geschlagen haben, schlechter behandelt merben als die eigenen Landsleute. Laut hervorgehoben verdient: Nicht Botha war es, der um Frieden bat, nicht die kriegsharten Gesellen Steijns sehnen sich nach Ruhe, sondern England braucht den Frieden, England hatte die Initiative ergriffen zu diesem mißlichen Pakt. Das Volk von armen Bauern, das in der Not des Kampfes um das Heim und die Freiheit der Menschheit die eindringliche Lehre giebt, zeigt aufs neue, daß das Heldentum nicht ausgestorben ist auf Erden! Blut ist auch stärker als Gold. China. DaS Oberkommando meldet aus Peking: „Der eng; lisch-russische Streitfall zu Tientsin ist heute in gemeinsamer Besprechung mit General Wogak und General Narrow vom militärischen Standpunkte in einer beide Teile befriedigenden Weise beigelegt worden. Beide Wachen und Posten werden eingezogen unter gegenseitigem Salutieren; Engländer erklären, daß Verletzung russischer Flagge nicht beabsichtigt gewesen und daß angebliche Entfernung russischer Grenzzeichen weder auf Befehl noch mit Wissen der Militärbehörde geschehen ist. Arbeit auf fraglichem Gelände wird nicht fortgesetzt, bis die Regie rungen fich über den Besitz geeinigt haben oder besondere Verständigung darüber erreicht ist." Der englische Krieg in Südafrika rächt fich also in China. England muß vor Rußland demütig zurückweichen. Das ist der obigen Waldersee'schen Rede kurzer Sinn. Eine Meldung des „Reuter'ichen Bureaus" vom Freitag besagt: Die beiderseitigen Schildwachen wurden heute morgen von dem strittigen Landstriche bei Tientfin zurü ckgezogen. Im englischen Unterhause fragte Redmond an. ob mit Rücksicht auf den Abschnitt des englisch-deutscher. Abkommens, der für Aufrechterhaltung der Integrität des chenesischen Reiches Eintritt, die englische Regierung bei der deutschen Regierung befragen werde, ob in Bezug auf Rußlands Vorgehen in der Mandschurei irgend ein Schritt beabsichtig' sei. Der Staatssekretär des Aeußeren, Cranbome, ant roortete, die russische Regierung habe wiederholt er klärt, es sei ihre Absicht, die Integrität Chinas zu achten, und die englische Regierung habe keine Kenntnis davon, daß Rußland dieselbe verletzt hätte. Dieses lächerliche englische Geflunker ändert natürlich an der T hatfache nichts, daß Rußland in Ostasien seine eigenen unantastbaren Wege wandelt. Ter „Köln. Ztg." wird aus Peking vom 21. März gemeldet: Ein gelber kaiserlicher Erlaß, wie er im Art. 10 der Friedensbedingungen vorgesehen ist (Strafandrohung Deutsches Keich. Berlin, 22. März. Heute, als am Geburtstag Kaiser Wilhelms I. war das Mausoleum mit blühenden Azaleen, Flieder, Schneebällen und anderen Pflanzen prächtig geschmückt. Die Generaladjutanten des alten Kaisers, die Lechregimenter, militärischen Vereine hatten Kranzspenden niedergelegt. Nachmittags um 23/4 Uhr erschienen der Kaiser und die Kaiserin. Geh. Rat Mießner war vorher mit einem Kranz eingetroffen. Das Kaiserpaar verweilte kurze Zeit im Mausoleum. Der Kaiser, der heute zum ersten Male feit längerer Zeit das Kgl. Schloß verlassen hatte, war mit der Kaiserin ohne weitere Begleitung im geschlossenen Wagen gekommen und kehrte ebenso nach dem Kgl. Schlosse zurück. — Das Präsidium des Reichstages wurde heute mittag von Sr. Majestät in Audienz empfangen. Dasselbe gab zuerst den Gefühlen der fentrüflung des Reichs tage« über den Anschlag in Bremen Ausdruck und sprach alsdann die Glückwünsche des Hauses zur Genesung Sr. Majestät aus. Der Kaiser, der sehr wohl aussieht, nahm die Glückwünsche huldvollst auf und unterhielt sich bann längere Zeit mit den drei Präsidenten. Um 1 Uhr empfing Se. Majestät das Präsidium des Abgeordnetenhauses. Der Präsident v. Kröcher richtete an Se. Majestät eine Ansprache, worin er an die Anschläge auf Kaiser Wilhelm I. in den beiden Frühlingstagen 1878 erinnerte, Gott dankt, daß er Schlimmeres jetzt von Sr. Majestät abgewendet habe, und Gott bittet, den Kaiser auch ferner zu schützen. Der Kaiser entgegnete auf diese Ansprache und sprach seine Freude darüber aus, daß das Abgeordnetenhaus den Wunsch gehegt habe, seine Empfindungen chm persönlich zum Ausdruck zu geben. Er beklagte das schmerzliche Ereignis, das ihm zu- gestoßen fei. Mit sichtlicher Bewegung hob er die Zeichen der Zeit hervor, die Jugend sei demoralisiert, alle Stände ohne Unterschied trügen bie Schulb an den Zuständen, bie Maßnahmen bet Staatsregierung würben einer scharfen Kritik unterzogen, feit dem Tode Kaiser Wilhelms I. habe die Autorität der Krone stark gelitten. Hierauf erreichte die Audienz ihr Ende, indem der Monarch sich leutselig verabschiedete. Kiel, 22. März. Die städtischen Kollegien beschlossen heute abend den Bau eines Handelshafens in der Wieker Bucht und bewilligten hierfür 1 100000 Mark. Ausland. Rom, 22. März. Teputiertenkammer. Zu dem Antrag Bertesi und Genossen, die Regierung aufzufordern, baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den der Zoll auf Getreide und Mehl aufgehoben: wird, ergriff heute der Finanzminister Wollemborg das Wort und führte aus, er sei mit einer allmählichen Herabsetzung des Getreidezolles durchaus einverstanden, jedoch würde eine solche, wenn sie gegenwärtig vorgenommen werde, den künftigen Abschluß von Handelsverträgen erschweren. Man müsse es verhindern, daß eine solche Reform in den fast ausschließlich agrarischen Bezirken eine Krisis herbeiführe; das Parlament und die Regierung müßten das Land darauf vorbereiten, daß es im stände fei, eine derartige Reform zu ertragen und aus derselben Nutzen zu ziehen. Auch könne man wegen anderer dringenderer Reformen zur Zeit nicht auf die Einnahmen aus den Getreidezö11 en verzichten. Der Minister erklärte weiter, er sei bemüht, den Getreidezoll mit dem Mehlzoll in Einklang zu bringen und iverde eine dahingehende Vorlage noch vor den Osterferien einbringen. Den Antrag Bertesi müsse er ablehnen. Der Antrag Bertesi wird hierauf abge lehnt. Die Kammer lehnte gleichfalls den von der Regierung bekämpften Antrag Alberton i auf innige v » bringung einer Vorlage betreffend Herabsetzung o . Getreidezolls aus 5 Lire pro Toppelzentner ab. Wien, 22 März. Abgeordnetenhaus. Tie Alldeutschen ließen erklären, daß sie beim geringsten Versuche, die Jnterpellationsfreiheit einzuschränken, wieder mit der Obstruktion einsetzen werden. Abg. Wolf sandte seine Zeugen zum Vizepräsidenten Prade, weil dieser ihn in der gestrigen geheimen Sitzung einen L ü g n e r hieß. Eine längere stürmische Debatte entspann sich über die Suspendierun g dessozialdemokratischen Abgeordneten Seitz vom Lehramte durch den Wiener Bezirksschulrat. Hierbei kam es zu gegenseitigen Beschimpfungen zwischen Christlich-Sozialen, Sozialdemokraten und Alldeutschen. Strobach rief dem Abg. Ellenbogen „Gauner" und „Bänkeljud", dem Abg. Eisenkolb „Ausgewachsener Germane" zu. Die Alldeutschen unterbrachen Lueger mit den Rufen: „Unverschämter Lügner!" Schließlich wurde der Antrag angenommen, daß der Verfassungsausschuß noch vor Ostern über die Einstellung des Disziplinarverfahrens gegen Seitz Bericht erstatten solle. — Gestern sind hier zwei Ehrhardtgeschütze aus Düsseldorf eingetroffen, die in nächster Zeit erprobt werden dürften. Budapest, 22. März. Im Verlaufe der Budget-Debatte drückte Graf Ferdinand Zichy der U n i v e r s i t ä t s - jugend seine Sympathie aus, weil diese, wenn auch mit Außerachtlassung der Formen, für Anbringung des Kreuzes in den Hörsülen begeistert sei. Kultusminister Wlassitsch erklärt, er habe das Vorgehen der Studenten mißbilligt, er halte überhaupt konfessiouelle Reibereien auf den Universitäten für besonders verderblich, weil dadurch die nationale Konzentration und die Einheitlichkeit des nationalen Lebens gefährdet werde. Die wahre Religiosität werde sich hüten, das heilige Symbol des Kreuzes Nebenzwecken dienstbar zu machen und es auf diese Art zu profanieren. Auch könne im Magnatenhause das Prinzip der Autorität nicht in der Weise verletzt werden, daß die Auflehnung der Universitätshörer gegen den Beschluß des akademischen Senats bezüglich der Kruzifixe, in Schutz genommen werde. Aus Stadt und Land. Gießen, den 23. März 1901. ** Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat zum 22. März verliehen: dem Generalleutnant v. Perbandt, Kommandeur der Großh. (25) Division, das Großkreuz, dem Oberstleutnant z. D. D e tring, Kommandeur des Landwehr- Bezirks Gießen, das Ehrenkreuz, dem Major Geppert. Bataillonskommandeur im 4. Großh. Infanterie-Regiment (Prinz Carl) Nr. 118, dem Major v. Wolff, AbteilungS kommandeur im 2. Großh. Feld-Artillerie-Regiment Nr. 61, dem Major v. Schlemmer im Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, dem Major z. D. P e y t s ch, Bezirksoffizier beim Landwehr-Bezirk Friedberg, und dem Hauptmann und Kompagniechef v. Grundherr-Alten thann im 5. Großh. Ins.-Regt. Nr. 168 das Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. Dem Stationsverwalter in der Hessisch-Preußischen Eisen bahngemeinschaft, Stationsvorsteher Armin Lotz I. zu Lauter bach aus Anlaß seiner Versetzung in den Ruhestand das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen. — Mit Ermächtigung des Großherzogs wurde der ständige juristische Hilfsarbeiter bei dem Ministerium der Finanzen, Oberfinanzassessor Frhr. Schenck zu Schweins berg zum Mitglied der 3. Abteilung der Prüfungskommission für das Finanz- und technische Fach, mit Wirkung vom 1. April d. Js. an, ernannt. P. Höhere und erweiterte Mädchenschule. Der Jahres bericht für das Schuljahr 1900 liegt uns vor. Die höhere Mädchenschule wurde von 324 Mädchen besucht. Die erweiterte Mädchenschule hatte in ihren acht Klaffen 226 Schülerinnen. Von den Schülerinnen beider Anstalten waren 481 evangelischer, 45 katholischer, 50 israelitischer Konfession und 3 konfessionslos. An den Anstalten sind 12 ordentliche Lehrer und 8 ordentliche Lehrerinnen, sowie 3 außerordentlich- Lehrer und 2 Hilfslehrerinnen thätig. Dem Bericht ist ein Aufsatz über „Ursprung, Entwickelung und Wesen des deutschen Volksgesanges bis zur Blütezeit des Volksliedes" von Gesanglehrer L. Geller beigegeben. * * PromeuadeuKouzert Sonntag 12—1 Uhr. Spielplan: 1. Ouvertüre z. O. „Martha", Flotow. 2. Mimosa- Walzer, JoneS. 3. Paraphrase über das Lied: „Home sweet home“, Voigt. 4. Potpourri a. d. Optte. „Der Obersteiger", Zeller. • * Silberne Hochzeit. Gastwirt Franz Bahlert und Frau, Ktinlkstraße hier, feierten gestern in bester Gesundheit das Fest der silbernen Hochzeit. * ♦ Lahukanalisatiou. Die Kommission zur Förderung der Lahnkanalisation hielt, den „Wetzl. Nachr." zufolge, am Mittwoch eine Sitzung in Limburg ab. Der bisherige Vorsitzende der Kommission, Justizrat Velde-Diez, hatte aus Gesundheitsrücksichten seinen Vorsitz niedergelegt. An seiner Stelle wurde von den Anwesenden einstimmig General-Direktor Kaiser-Wetzlar gewählt, als stellvertretender Vorsitzende Ren dank Frohwein-Diez. In der Sache selbst wurde beschlossen, zunächst und mit möglichster Beschleunigung alle statistischen Unterlagen zu beschaffen, sowie eine Rentabilitätsberechnung aufzumachen, um sie in Form einer Denkschrift den maßgebenden Behörden eiuzureichen. Die Handelskammer Wetzlar übernimmt diese Arbeit. •• Aus dem Theaterbureau schreibt man unS: Die längst mit Spannung erwartete Novität „Rosenmontag", Offi« zierstragödie in 5 Akten von Otto Erich Hartleben, wird am Dienstag den 26. d. Mts. hier erstmalig aufgeführt, und zwar mit Herrn Willy Loehr vom Hoftheater in Darmstadt als Gast. Herr Lochr spielt den „Hans Rudorfs", eine Rolle, mit der der Künstler jüngst in Darmstadt, wo „Rosenmontag" auf besonderen Wunsch des Großherzogs zur Aufführung kam, einen außerordentlichen Erfolg erzielte. — Die Direktion des Stadttheaters in St. Gallen ist seitens des Komitees der dortigen Stadttheater-Aktiengesellschaft unter einer großen Anzahl Bewerbern den langjährigen Leitern unserer hiesigen Bühne, den Herren Kruse und Helm unter ven günstigsten Bedingungen übertragen worden. Unsere Theaterdirektion hat also für die nächste Winterspielzeit zwo, Theater inne, und zwar wird Direktor Helm das hiesige Unternehmen leiten, während Direktor Kruse der Bühne in St. Gallen auf Wunsch des dortigen Komitees, vor stehen wird. *’ „Vier Jahreszeiten.^ Man schreibt uns : Am Sonntag finden in den „vier Jahreszeiten" 2 große Spezialitäten- Vorstellungen statt. Herr Busch hat sein Restaurant wieder selbst übernommen, und nur gute Kräfte engagiert, sodaß der Besuch des genannten Lokals empfohlen sei. — (Vergl. Inserat in heutiger Nr.) ** Die Geschäftsstelle des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen schreibt uns: In der gestrigen Sitzung des.Ausschuss es des landwirtschaftlichen Provinzial-Ver- e i n s im Hotel „Prinz Carl" kamen unter anderm audj, die Angriffe des Abg. Weidner, die er in der Sitzung der 2. Kammer der Landstände vom 13. d. M., gegen den Provinzialverein erhoben hatte, zur Sprache. Die Angriffe gingen bekanntlich dahin, daß bei Errichtung der Jungviehweide Wernings Unregelmäßigkeiten vorgekommen und staatliche Gelder „verpulvert" worden seien. Das Präsidium des Provinzialvereins hatte eine Kommission, bestehend aus den Herren: Kreisrat Tr. Wallau, den Landtagsabgg. Korell und Brauer und Kulturtechniker Kunz in Lauterbach, eingesetzt, die unter Zugrundelegung der Rechnungen und Belege die Insinuationen Weidners prüfen sollten. Diese Kommission stellte nun, nach vorhergegangener, eingehender Prüfung, in der Sitzung folgende Thatsachen fest: L Ter Ausschuß des Vereins hat am 23. Oktober 1899 den zur Errichtung dieser Weide vorgelegten Voranschlag in Höhe von 10 000 Mark-gLzwhmigt. Ter Voranschlag ist von einem sachverständigen Techniker aufgestellt worden und das Projekt wurde von ihm ausgeführt. Die entgegengesetzten Behauptungen Weidners sind daher falsch. 2. Die Richtigkeit sämtlicher Rechnungen, bezw. die Ausführungen der Arbeiten, ist von dem ausführenden Techniker bescheinigt. Nur bei einer Rechnung über 2000 Mark für geliefertes Holz von der Gräflich-Laubachschen Kammerverwaltung fehlt diese Bescheinigung — ein. Versehen der Rechnungsführung. Die Richtigkeit der Rechnung steht aber außer Zweifel und die eingesetzten Einheitspreise wurden von dem Ausschußmitglied, Oberförster Diefenbach, als außerordentlich niedrig bezeichnet. Alle entgegengesetzten Behauptungen Weidners sind demnach falsch. 3. Die Rechnungen des Gutspächters Hahn wurden auf ihre Einheitsansätze geprüft und von der Kommission als durchaus normal, teilweise sogar niedrig bezeichnet. Sämtliche Rechnungen Hahns sind bezügliche ihrer Richtigkeit von dem autzführenden Techniker bescheinigt. Die entgegengesetzten Behauptungen Weidners sind daher falsch. 4. Bei dem vom Konsumverein Wenings gelieferten Thomasmehl fehlt eine Angabe über den Gehalt an Phosphorsäure. Die Kommission war daher nicht in der Lage, festzustellen, ob der Preis pro Zentner außergewöhnlich hoch sei. In der gleichen Lage befand sich aber auch der Abgeordnete Weidner, und wenn er daher die Behauptung aufstellt, daß er den Zentner um 6 Pfa. billiger in Herchen- hain habe kaufen können, so entbehrt diese Behauptung jeder Begründung. 5. Die in einer Rechnung Hahns für geleistete Arbeiten und geliefertes Heu gestrichenen drei Posten wurdeyr in der Rechnung gestrichen, weil diese Beträge nicht zu den Einrichtungskosten, sondern zu den Unterhaltungskosten gehören und dementsprechend in einer anderem Rechnung Aufnahme finden mußten. Diebezüglichen Unterstellungen des Abg. Weidner in dieser Richtung sind daher falsch. 6. Der Voranschlag ist allerdings um 4000 Mark überschritten worden. Der Grund hierfür lag in einer Erweiterung des ursprünglich projektierten Planes. Man konnte verschiedenes, da die Werningser Weide die erste derartige Einrichtung war, nicht voraussehen und die Ueberschreitung des Voranschlags ist daher entschuldbar. Die Kritik Weidners in dieser Richtung ist daher unberechtigt. 7. Tie Vergebung der Arbeiten nach vorhergegangenem Ausschreiben in öffentlicher Submission war nicht möglich, weil erst am 10. März die Arbeiten beginnen konnten und schon am 1. Juni die Weide betrieben werden sollte. Zum Teil haben sich,für einzelne Arbeiten, trotz öffentlichen Ausgebots, gar keine Unternehmer gefunden. Auch die Behauptungen Weidners in dieser Richtung sind daher unbegründet. Nachdem auch von anderen Ausschußmitgliedern das Vorgehen Weidners scharf kritisiert und die Angriffe als jeder Begründung entbehrend bezeichnet worden waren, be- chloß der Ausschuß, die Insinuationen Weidners auf das energischste zurückzuweisen, dem Gutspächter Hahn sein Vertrauen auszusprechen und ihm insbesondere dafür zu danken, daß er in uneigennützigster Weise mitgewirkt habe, die Aus- ührung des Jungviehweidenprojektes Wernings in so kurzer Zeit und zweckentsprechender Weise zur Durchführung zu bringen. - o- Lollar, 22. März. Die dem Gastwirt H. Geißler gehörige Wirtschaft genannt „Zur Germania" ging durch Kauf in den Besitz des Herrn Fritz Krämer zu Limburg a. d. Lahn für Mk. 46 500 über. Geißler erwarb zur Weiterführung und Vergrößerung seines Warengeschäftes durch Kauf das Haus, in dem früher Wirtschaft betrieben wurde, genannt daS Deutsche HauS zu Lollar für Mk. 29000. Das HauS war erst vor 14 Tagen zu 24 000 Mk. gekauft worden. Herr Ludwig Hofmann auS Münzenberg erwarb heute durch Tausch gegen sein bisheriges und von ihm 6e wohnteS Besitztum zu Münzenberg die dem verstorbenen Reinhard Buderus gehörige Villa zu Lollar. - n. Hartmannshain, 22. März. Nachdem die Gemeinden Ober-Seemen, Gedern und Hartmannshain das zum Bahn bau erforderliche Gelände bewilligt haben, dürste dem Beginn der Arbeiten nichts mehr eutgegenstehen, Zeit wäre es wenigstens dazu. — h— Kaulftos, 21. März. Heute sta r b nach kurzem Krankenlager unser langjähriger Bürgermeister und Ortsgerichtsvorsteher Heinrich Luft IV. im Alter von nahezu 72 Jahren. Nicht ganz 27 Jahre stand der Verstorbene mit Treue und Gewissenhaftigkeit, zur steten Zufriedenheit seiner vorgesetzten Behörde, seinem Amte vor. Am Geburtstage Ihrer König!. Hoheiten erhielt er das „Allgemeine Ehrenzeichen". (:) Schotten, 21. März. Ein orkanartiger Nord- st u r m herrscht seit Dienstagabend. In hiesiger Gemarkung, besonders in den Wäldern, hat er vielfach Bäume aus der Erde gerissen. In den höheren Gebirgsdörfern war der Sturm gegen Mitternacht so heftig, daß viele Bewohner Lichter anzündeten und sich genötigt sahen, die durch den Sturm verursachten Löcher auf den Dächern auszubessern. Es stellte sich auch ein bedeutender Schnee- fall ein. — Durch den hiesigen Kreistierarzt werden auch in diesem Frühjahre wieder Schutzimpfungen au Jungvieh gegen Rauschbrand vorgenommen. Die Maßnahme hat sich bisher vorzüglich bewährt. i. Laubach, 22. März. Am Donnerstag hielt der christlich-soziale Verein eine Versammlung im Gasthaus zur „Traube" ab. Pfarrer R ö s ch e n von Freienseen hielt einen Vortrag über „die freiwillige Ver- Sicherung von Handwerkern und Landwirten auf Grund der Abänderungen des Jnvaliditäts- und Alters- versicherungsgesetzes vom Jahre 1899". Er legte klar auseinander, wer sich freiwillig versichern kann, welche Pflichten und Rechte diese Selbstversicherung gewährt und verglich die hohen Vorteile, die das Gesetz dem Versicherten giebt, vor dem, was die Privatversicherrmgen bieten. Sehr in die Augen fallend war der Vergleich mit den Volksversicherungen. Wenn einer 25 Jahre bei der Volks-Ver- icherung wöchentlich 20 Pf. gezahlt hat, empfängt er eine einmalige Zahlung von 190 Mark, bei der Invaliditäts- Versicherung aber, wenn er nach derselben Zeit invalid wird, eine jährliche Rente von 200 Mark. Dringend mahnte der Redner, daß Mädchen, die gedient haben, ja nicht bei ihrer Verheiratung sich die Hälfte der geleisteten Einzahlungen zurückerstatten lassen, sondern sich freiwillig weiter versichern sollten, weil sie bei Krankheit oder eintret'ender Invalidität eine schöne jährliche Rente empfangen. In der lebhaften Tiskussion wurde noch auf die große Wohlthat, die das abgeänderte Gesetz bietet, nach verschiedenen Richtungen hingewiesen und an die Versammelten die dringende Mahnung gerichtet, von der freiwilligen Versicherung, wenrr ie noch nicht 40 Jahre alt sind, Gebrauch zu machen und in ihren Kreisen aufklarend zu wirken. — Nach dem Programm des hiesigen Gymnasiums besteht das Lehrerkollegium aus dem Direktor, acht Oberlehrern, den beiden Stadtpfarrern, zwei Accessisten, einepi Lehrer und einem Schreiblehrer. Der Bestand weist 99 Schüler auf, wenn man die letzten Abiturienten abrechnet. — Am 22. März wurde das Gräfliche Haus mit einem dritten Kinde, der ersten Tochter, beschenkt. Homberg a. d. Ohm, 22. März. Das Programm für die Eröffnungs-Feier der N eb e n b a h n N i e d e r * Gemü den-Homberg-Landesgrenze am 30. März liegt uns jetzt vor: 1. Abgang des geschmückten Extrazugs von Bahnhof Burg- und Nieder-Gemünden um 10 einhalb Uhr vormittags. 2. Aufnahme der Festgäste und Schulen von Maulbach und Bleidenrod in Wäldershausen (Haltetelle). 3. Aufnahme der Festigäste und Schulen von Büß- eld, Schadenbach und Deckenbach in Neuhaus (Haltestelle). 4. Bei der Ankunft auf Station Homberg Böllerschüsse. — Nach Aufnahme der Schulen von Homberg, Ober-Ofleiden und Haarhausen Abholen der Festgäste und Schulen in Nieder-Of leiden. 5. Inzwischen Aufstellung des Festzuges an der Oberförsterei zu Homberg um 10 Uhr 45 Min.; Abmarsch nach den Bahnhof durch die Neustadt und Obergasse. 6. Empfang des zurückkehrenden Eisenbahnzuges und Festakt auf Bahnhof Homberg um 11 einhalb Uhr. a) Böller- chüsse, b) Musik, c) Begrüßungsansprache durchs Herrn Zsarrer Port, d) Gesang der Schulen „Deutschland, Deutschs- land über alles". 7. Abmarsch des Festzuges mit Musik durch Homberg (Untergasse) nach dem „Frankfurter Hof"; Auflösung des Festzuges, Verteilung von Bretzeln an die Schulkinder und Abzug der auswärtigen Schulen in die verschiedenen Gasthäuser. 8. Festessen um 12 einhalb Uhr mittags im „Frankfurter Hof". 9. Festkonzert dort um 6 Uhr nachmittags. 10. Beleuchtung des Ohmviadukts um 7 einhalb Uhr abends. — Der Präsident der Königlichen Eisenbahn-Direktion Frankfurt a. M. Thome hat sein Er- cheinen zugesagt. Auch das Großherzogliche Ministerium wird erwartet, wie auch die Eisenbahnbehörde von Gießen eine Vertretung zu der Feier senden wird. Gerichtssaal. D. Gießen, 22. März. Strafkammer fitzung Die heutige Straf- kamrnerfitzung halte sich nur mit Berufungssachen zu beschäftigen. Die von Johannes Mähler von Klein-Linden gegen ein Urtext des hiesigen Schöffengerichts vom 8. Februar 1901, das ihn wegen Beleidigung der Ehefrau des Privatklägers Johann Pfeiffer, gleichfalls in Klein Linden wohnhaft, in eine Geldstrafe von 15 Mk. verurteilt hatte, eingelegte Be« rufung wird in gleicher Weise wie das von Großh. Staatsanwaltschaft eingelegte Rechtsmittel unter Verurteilung des Angeklagten in die Kosten der zweiten Instanz, verworfen — Wegen brutaler Körperverletzung seiner mit ihm im Ehescheidungsprozeß lebenden Ehefrau mittels hinterlistigen Uebrrfalles und lebensgefährdender Behandlung war Georg Karle von Stockhausen in eine Gefängnisstrafe von 2 Monaten und 14 Tagen verurteilt worden. Die seinerseits eingelegte Berufung halte kein für ihn günstigeres Ergebnis; denn die Kammer kam auf Grund der wiederholten Beweisaufnahme zu der Ueberzeugung, daß das erstinstanzliche Gericht in völlig entsprechender Weise sowohl in Beziehung auf die Schuldfrage als die Frage der StrafausMessung den inkriminierten Vorfall gewürdigt habe und verwarf das eingelegte Rechtsmittel. — Gegen eine vom Schöffengericht Lauterbach erlaffene Entscheidung hatte der Hotelbesitzer Wüst- hofer und der Förster Kurth, beide von Salzschlirf, Berufung eingelegt. Es galt festzustellen, ob eine den Angeklagten zur Last gelegte Grenzverletzung, deren sie sich bei Ausübung der Jagd schuldig gemacht haben sollen, als feststehend anzusehen sei oder nicht. Auf Grund der erfolgten Be. weisaufnahme ist das Gericht der ersteren Ansicht, nimmt aber zu gunfien des Angeklagten Kurth, als des Jagdgastes, an, daß er unbewußt die Grenze überschritten habe, während es zu dieser Annahme bei Beurteilung des dem Angeklagten Wüsthofer zur Last gelegten Jagdvergehens der ganzen Sachlage entsprechend und unter Berücksichtigung des Umstande«, daß dieser als Pächter sein Jagdgebiet genau kennen mußte, nicht zu ge- langen vermochte. Das Urteil lautet demgemäß auf Freisprechung be« Angeklagten Kurth, dagegen Verwerfung der Berufung des Angeklagten Wüsthofer unter Verurteilung in sämtliche Kosten des Rechtsstreites. Zn bemerken ist, daß die Strafkammer dieses Urteil, wie der Tenor hervorhebt, als Gericht erster Instanz fällt. — Die Privatklagesache des hiesigen Rechtsanwalt Dr, Spohr gegen den Redakteur der „Franfurter Ztg.", Paul Listow sky roegen Beleidigung fand heute vor der Strafkammer ihren vorläufigen Abschluß. Nach längeren Ausführungen bc8 Prioatkläger« sowie bes Berteibigers beS Angeklagten, Rechtsanwalt Dr. Herz in Frankfurt a. M., beren Referterunz nicht notwenbig erscheint, weil der .Gieß. Anz." eine ausführliche Besprechung brr Berhanblung vor bem Schöffengericht tu Gießen gebracht hatte, verwirft bas Gericht bie von bem Angeklagten Listowsky eingelegte Berufung unb beläßt es bei bem Urt-il erfter Instanz, bas gegen biefen wegen Beleibigung bes Dr. Spohr eine Gelb- >aL Mpbrft sich " ü Mtiani W geeignet S LG ESÄ MH einer Rauptet über Uebergr fi -ine unb bi-Absicht^ Zwar sei die Pr Kritik ju ziehen, aus tritt! 9Nt w”. Mratbttt unb in aber MW« sie otranlafil M irtttlung durch d, »erliege. KürMS. ton Kriegsgertl Lage wegen Beletd da einm Nachbar halte. Dar Bits- dngdeuftn wr. - Reichst eine von dn Rei< stelle mit Kassen werden. vttlly, 2' raies bet „Pr schäft', wurden Bilanz, soviel» Revisoren, wie oo die 9iligunj der londs einen Zuwa< eine IDwibenbe von langen. l m a N bie heutige Zechenl Ichlag des Beiists "ngseinschrünk schränkung, wie in Rarstillt HenSdarmerte s-phoaflasche öestavllNgSioS Steinen und F iilmbm Senöban fisten gaben dar, p. Die Straße, i m der Stadt Herr Druiden Wagen I unb beirtetSunW Neapel, 22 cedrochen. Mehre arbeiten untre btt ,MWa° M versammelten sich ausMehmen, rot Mausen k morgen beendigt K . Kletzen, Tochenmartt koste St. 6-0 2 । £-Per 6t 00-( «”1« Per Liter 100-i.ro, H -*lL80-2.00 6ni ’ä*H, to-Ti Sfr'5? «o«T yAenitl Versteig, ^uchhvlr b, W 1Ä ®tot Nur) N L-L '} Programm ffit ahn Nieder- e am 30. März letten Lxtrazugs um 10 einhalb te Md Schulen cshaufin (halte- chulen von Bilß- aus (Haltestelle». Böllerschüsse. - j, Dbe&Dfmt nb Schulen in des Festzuges : 45 Min.; Ab' M Md Oder- ndahnMs Md * a) Werde durch Henn MmdMG «qes mit Stuf'* ftanffwter W'; Bretzeln cm die Schulen in die 12 einfydb nijf -onzert dort um ^hmviadukts um der Königlcck'l ne hat sein M- (be >wW ■r9et $otb te» 4 te SS?. 8'>r en> Sie Maß- ?9 fNt der sammlilng £ Xüon^ »Ulcgelöer- ^udwirten ^undAlters- legte klar aus- ‘ann- welche J gewährt und 'M Versicherten 'n bieten. n" den Voll-- der Nks-Ver- mpsängt er eine -r Jnvaliditäts- en Zeit invalid -ringend mahnte en, ja nicht bei echten Einzahl- niwillig weiter der eintretaiber fangen. Inder flöße Wohlthat, hiedenen Richt- i die dringende sichernng.wenn zu machen und Rach dem Pro- eht das Lehrer- :ern, den beiden iter und einem iler Ms, wenn - Am 22. Marz dritten Kinde, Die heutige Str°l- HS SS M ih" ng WLoie^olt* GeM in °ls Lorsall g ® Achöff-"- «' SIÄ*1' L-stS^'ach- ha? «f* S-SSte r-W-s MSs LA--'" strafe von 150 Mk. erkannt hatte. Die Begründung der erlassenen Entscheidung war ungefähr die folgende: Es sei wohl nicht zu bezweifeln, daß die Ausführungen des Privatklägers Dr. Spohr in der frag!. Sache — es handelt sich um eine hier nichl interessierende Prioatklagesache, in der Herr Rechtsanwalt Dr. Spohr als Vertreter einer Partei aufgetreten war — geeignet gewesen seien, von Juden unangenehm empfunden zu werden; aber nicht bewiesen sei, und nach den Bekundungen deS Privat- ilägers auch nicht wahrscheinlich, daß er die ihm zur Last gelegte Rede Wendung: „Ein Jude müsse vor Gericht erst beweisen, daß er ein an» ständiger Mensch sei, könne er das nicht, so müsse das Gegenteil ange» nommen werden!" gebraucht habe. Aber selbst für den Fall, daß die dem Privatkläger zugeschriebenen Aeußerungen in der That gefallen sein sollten, sei der fragt Artikel der „Franks. Ztg." als strafbar anzusehen, da von einer behaupteten Wahrung berechtigter Interessen der Allgemeinheit gegenüber Uebergriffen einzelner nicht die Rede sein könne, vielmehr in ihm eine EhrenkcLnkung des Privatkiägers zweifellos gesehen werden müsse, und die Absicht, dem Privatkläger ein« zu versetzen, nicht zu verkennen sei Zwar sei die Presse berechtigt, Uc6ergriffe einzelner m den Kreis ihrer Kritik zu ziehen, aber in jedem einzelnen Fall dürften nicht abgerissene Ausschnitte aus dem Nahmen eines zusammenhängenden Bildes unter Kritik gestellt werden, sondern die ganze zusammenhängende Sachlage müsse betrachtet und kritisch gewürdigt werden. Im vorliegenden Fall seien aber Ausführungen deS Privatklägers ohne Würdigung der Umstände, die fie veranlaßt hätten, kritisiert worden, sodaß die Gefahr einer falschen Br Mrteilung durch den großen Leserkreis der »Franks. Zlg." zweifellos vorliege. Würzburg, 22 MLrz. Prinz Rupprecht präsidierte heute dem Kriegsgericht der 4. Division Es handelte sich um eine An Aage wegen Beleidigung gegen den Obersten z.D. Moritz v. Holleben, der einen Nachbar einen „dummen frechen Judenbuben" genannt hatte. DaS Verfahren wurde eingestellt, weil der Slrafantrag zu spät eingelaufen war. Arbeiterbewegung. Marseille, 22. März. Heute vormittag wurde einem GjenSdarmerie-Leutnant, alS er an einer Bar vorbeiritt, eine Syphonflafche tnS Gesicht geworfen. Der Offizier fiel besinnungslos vom Pferde; als er am Boden lag, wurde mit Steinen und Flaschen nach ihm und den zu seiner Hilfe herbei' eilenden GenSdarmen geworfen. Die GenSdarmen und Polizisten gaben darauf aus ihren Revolvern Schüsse in die Luft ab. Die Straße, in welcher der Vorfall sich abspielte, wurde geräumt; m der Stadt herrscht Bewegung. — Einer der wenigen noch ver- 'ehrrnden Wagen der Straßenbahn wurde von der Menge angegriffen und betriedSunsähig gemacht. Neapel, 22 März. Der AuSstand der AuSlader ist auS- »ebrochen. Mehrere hundert Arbeiter, die keinem Syndikat angehören, arbeiten unter dem Schutze der Polizei. Die Ladung deS Dampfers ,Maffilia" wird von beffen Mannschaft gelöscht. 2000 Ausständig» versammelten sich in der Arbettsbörse und beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, wenn man den von Südfrankreich kommenden Dampfern n«l Einlaufen in den Hasen verbietet. Man hofft, daß der Ausstand morgen beendigt sein wird. Vandel und Verkehr. Volkswirtschaft. — SieichSbank. Am 15. April d.J. wird in Oberlahnstein eine von der Reichsbankstelle in Koolenz abhängige RetchSbank Nebenstelle mit Kasseneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Berlin, 22. März. In der heutigen Sitzung des Verwoltungs- rated der „Preußischen Zentral - B odenkr edit-Aktiengesell- schaft", wurden von der Direktion die Jahresrechnung pro fiMO, die Bilanz, soviel Vorschläge zur Gewinnvirteilung vorgelegt, und von den Revisoren, wie vom Verwaltungsrat genehmigt, finden die Vorschläge auch die Billigung der Generalversammlung, so wird der gesetzliche Reservefonds einen Zuwachs von 164 852 Mark 59 Pfennig erhalten, und wird eine Dividende von 9 Prozent wie in den Vorjahren zur Verteilung gelangen. Esse« a R., 22. März. Der „Rh. Wests. Zig." zufolge nahm die heutige Zechenbesitzer-Versammlung des Kohlensyndikats den Vorschlag des Beirats für daS zweite Quartal keine weiteren Forder- ungseinfchränkungen festzusetzen, sondern eine zehnprozentige Einschränkung, wie im ersten Quartal bestehen zu lassen, an. Märkte. Gießer», 23. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. M 0.90—1.00, Hühnereier per Gt. 6—0 2 St. 00-00 4, Enteneier 2 St. 00—16 , Gänse- der per St. 00—00 d>, Käse 1 St.5—8 Käsematte 2 St. 5—8 Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 84 , Tauben per Paar M 1.00—1.20, Hühner per St. JC 1.50—2 20, Hahnen per Stück JKjl.80-2.00, Enten per 6t. JM, 2.00—2.30, Gänse per Pfd. JfC 0.00 bis 0.00, Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 <3, Kuh- und Rindfleisch per Pfund «0—64 4 Schweinefleisch per Pfd. 64—74 Schweinefleisch, gesalzen, per Pfd. 78 $, Kalbfleisch per Pfd, 60—66 4, Hammelfleisch per Pfd. 50—66 4, Kartoffeln per 100 Kilo 6.50—7.50 X, Weißkraut per St. 00—00 4, Zwiebeln per Str. JC 6.50—7.50, Milch per Liter 18 4. ko. F-rankfirrt a«M., 22 März. (Heu. und Strohrnarkt.) Angefahren: 12 Wagen mit Hm, 3 mit Stroh. Hm Mk. 4.30 bis Mk. 4.70, Stroh (Roggenstroh) Mk. 2.80 bis Mk. 3.40. Alles per 50 Kilo. Krieskasten der Redaktion. Alte «bonnentin. Das 15jährige Mädchen darf sich ver- mietco, wenn es die Einwilligung ber Eltern oder des Vormunde« bat; besitzt da« Mädchen ein Arbeitsbuch, so ist eine besondere Einwilligung der Eltern ober des Vormundes nicht nötig, da ein ArbritS- )uch nur mit Einwilligung der Eltern oder deS Vormundes auSqegeben wird. Hat das Mädchen ohne Einwilligung der Eltern oder deS Bor. munbfß oder ohne ein Arbeitsbuch sich vermietet, so ist diese Handlung nicht rechtsqtltig, eS bedarf also keiner besonderen Kündigungsfrist, sondern das V'hältn« SSSä"9- ■sf*- ■kt, eh, , *e Iti den S&'kis 'n der ° ^,i,d "inben “?* £ die L i" L'°NdZ Her, W1 Man ist k eine sehr nebf sie mehr oder i mit der man die freilich seh sehr viel leid) sehr hat man cimu' sei, w fönne, daß n ringe ausgel absolut falsche cs allein erkli Lebe« eine so .'i lagen über 1 ober ernsthafte Allgemeinwohl Tie Kunst Äibes Nahrunc wirtschaftlicher lennen tarni, trübt ist. 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