151. Jahrgang Nr. 47 Erstes Blatt Sonntag 24. Februar 1901 Amtlicher Heil. v. Bechtold. Rebaftion, Expedition und Druckerei Zchulftrahe 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprcchanschlusz Nr. 61. was ihnen begegnet, auf sie einwirkt, werden Menschen geschildert. Wie hat der Dichter dem mütterlichen Boden der Heimat und dessen urwüchsigem Bolle, in dem die starken Wurzeln seiner Kraft liegen, die Wortsparsamkeit abgelauschl Was der Gebildete mit vielen Sätzen sagt, deutet die Schlicht heit des Empfindens nur mit einigen Silben an. Diese seltene Kunst beherrschte, in anderer Art freilich, einst der Dichter oes mhd. Nibelungenliedes; sie ist eS, die die Wirkung so unendlich erhöht. Auch die Oekonomie der Stoffverteilung ist vortrefflich ausgefallen; die kurze Fabel, deren Inhalt sich mit zwei Sätzen anbeuten läßt, ist auf 5 Akte auSgebreitet, und diese 5 Akte einzeln und zusammengenommen sind so einheitlich, so in sich geschlossen, so konsequent und lückenlos trotz allen retardierenden episodischen Beiwerks, daß diese Bühnendichtung auch heute noch die größte dichterische Leistung Hauptmanns mir zu sein scheint, weil sie ihre Bilder wie auS des Lebens Urkraft herauSgeholt hat. Diele find heute immer noch der Ansicht, daß die Wahl des Stoffes von wesentlicher Bedeutung für den Kunstwert eines Kunstwerkes ist, daß z. B. die dramatische Litteratur große Probleme nicht entbehren kann. Dem läßt sich leichi widersprechen. Wie z. B. des Malers Max Liebermann wunderbar schlichtes Bild, das nichts als eine Frau und ttoet Ziegen auf weiter nüchterner Heide zeigt, ein Meisterwerk ist, oder der Charakterkopf eines simplen Holzknechtes von Wilhelm Leibl, wie das berühmte antike Bildwerk des Apoxeuomenos, so kann es auch die dramatische Leidensgeschichte eines kleinen Mannes sein. Es kommt eben in oer Kunst nie auf das „WaS", sondern stets nur auf das „Wie" an. Hauptmann hat mit seiner „Versunkenen Glocke" gezetgt, daß er als Schüler Böcklins an seinen großen Meister ntcht im entferntesten heranreicht. Als Jnterieurmaler aber ist er der grüßte Schüler Tolstois und scheint er mir ebenbürtig dem großen französischen Maler Manet. Das zeigt sein Gegen die Heyl'sche Tabakrechnung richten sich verschiedene Zuschriften aus Pflanzerkreisen, die die „Südd. Tabakztg." veröffentlicht. So schreibt man aus der Nachbarschaft von Mannheim, wo alles so teuer ist wie in der Nachbarschaft von Hamburg, erheblich teuerer als in der Umgebung von Berlin: „Ilvesheim, 18. Febr. Die Produktionskosten für einen Zentner Tabak hier und in Seckenheim betragen 16 Mk. Der Morgen kostet hier 1800 Mk. Der Durchschnittserlös für Tabak seit drei Jahren 15.50 Mk. pro Das chinesische Abenteuer. Man kann nicht behaupten, daß die Expedition, die wir nach China unternommen haben, sich in Deutschland einer besonderen Popularität erfreut. Woche um Woche, Monat um Monat sind nun vergangen, seitdem die ersten Truppenschifse nach Öftersten zogen, um die gebührende Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießmer Zamilien- »lätter werden dem An- zeiger im Wechsel mit „Hess, kandwirt" und „Blätier Nk Hess Volkskunde" vier« mal wöchentlich beigelegt. ■ ■na^me t>on Unietgen jb der nachmiklagi! für den folgenden Tag erlcheinenden Hummer bi6 norm 16 Ubr Addestet l ungen Ipäteften» abends vorher. Bekanntmachung. vetr.: Herdbuchführung für Vogelsberger Vieh. Ich bringe hiermit zur Kenntnis der Züchter des Vogelsberger Viehes, daß vom Präsidium des Verbandes der Herd buchgesellschaflen für daS Vogelsberger Rind der 2. Band des Herdbuches erschienen ist, und daß in demselben ca. 1500 Zuchttiere dieser Rasse aus der Provinz Oberheffen Aufnahme gefunden haben. DaS fragt Buch dient als Nachschlagewerk, um die Ab ftammung der Zuchttiere dieser Rasse festzustellen. Ich habe daher denjenigen Bürgermeistereren, welche Vogelsberger Vieh züchten, je ein Exemplar dieses 2. Bandes deS fragt Herd bucheS zugehen lassen, und empfehle den Züchtern die Benutzung desselben. Sollten einzelne Landwirte sich daS Werk selbst anschaffen wollen, so kann dasselbe zum Preise von einer Mark von der Geschäftsstelle unseres Vereins in Alsfeld bezogen werden. Hardt-Hof, den 12. Februar 1901. Der Präsident des landwirtschaftl. Vereins für die Provinz Oberheffen. Schl en ke. Gießener Stalüthenler. Au-rmarm Keusch et. Schauspiel in 6 Akten von Gerhart Hauptmann. Hauptmanns „Fuhrmann Henschel" erlebte am Freitag in unserem Theater eine Auferstehung. Von dem Stück ist allenthalben schon so oft die Rede gewesen, daß heute ein bloßes Erinnern an seine Vorzüge genügen dürfte, um über seine Wesensart zu orientieren. Was die Schöpfung bedeutend macht, ist zunächst eine bis zum höchsten Raffinement gesteigerte Virtuosität in der Zustandsschtlderung, die auf der allerintimsten Kenntnis der Verhäl-tnisse und Stimmungen beruht und eine Versatilität des technischen Talentes voraussetzt, die bei Hauptmann immer aufs neue überrascht. Das Milieu ist mit ein paar Strichen verblüffend echt und treffsicher wiedergegeben, wie eS vordem und nachdem niemandem gelungen ist. Wenn der Vorhang aufgeht und man einen Blick auf daS düstere Bild in der Fuhrmannsstube geworfen hat, in der dieser Herkules im Bauernkittel mit dem Herzen eines Kindes mit seiner sterbenden Frau und der kraftstrotzenden Magd haust, dann umfängt uns eine Atmosphäre, deren unerbittliche Lebensechtheit uns mit Krallen festhält, so daß wir dem Dichter willenlos aus seinen in dunkle Tiefen führenden Pfaden folgen. Genial in der Anlage und Durchführung ist dabei die Charakteristik der handelnden Personen, die bei der Dürftigkeit der Fabel doppelt bewundernswert ist und eine fabelhafte Selbstkritik am eignen Schaffen Szene für Szene verrät. Weder vorher roch nachher hat Hauptmann die Kunst der „indirekten Charakteristik" mit solcher Sicherheit gehandhabt; keine Ab ^chtlichkeit stört, keine moralisierende, sentimentale These wird Sber die Häupter der Personen hinweg ad spectatores ge- ßagt; nur durch ihr Thun und durch die Art, wie alles, „Fuhrmann Henschel". Das Lebensbild dieses einfältigen großen Dulders ist ein Bild des Lebens schlechthin, nicht etwa nur ein Bild dieses oder jenes Lebens. Daß eS Fuhrmanns-, Kutscher- und Kellner Schicksale sind, mit denen wir da bedacht werden, beeinträchtigt das künstlerische Mitempfinden nur wenig. Das Allgemein-Menschliche des Stoffes spricht von Herz zu Herz. Und schließlich findet auch der das Seine, der die „Katharsis" des Aristoteles sucht, auf oie Lessing so viel gab und dem heute so viel blinde „Schön- deits"-Apostel unselbständig nachbeten. Die Läuterung der Seele durch Mitleid und Furcht vollzieht sich in dieser Dich- tung mit größter Wucht. Ein österreichisches Preiskollegium hat dem deutschen Dichter jgauptmahp zum zweiten Male den Grillparzerpreis zue. kannt, indem es seinen „Fuhrmann Henschel" als da« „relativ beste dramatische Werk im letzten Triennium" einschätzte. Wer weiß ein befferes aus dieser Epoche zu nennen? Und doch hatten diejenigen recht, die da s. Z. prophezeiten, man werde bald Übet dieses Stück zur Tagesordnung übergehen. Vor einigen Jahren, als die Dichtung neu war, ist sie über die Mehrzahl der deutschen Bühnen gegangen; heute erscheint sie kaum je auf dem Repertoire. Trägt daran doch vielleicht die Wahl des Stoffes Schuld, und haben diejenigen recht, die dagegen die Standard works unserer Litteratur, von der Antigone bis zum Hamlet, von dem Cid bis zum Faust, ins Feld führen? Ja und nein! — Ganz absehen will ich davon, daß sich die Mehrzahl der Theaterbesucher immer noch nur „amüsieren" will, daß sie z. B. bei einer Aufführung des „Weißen Rößl" sich halbtot lacht, nach dieser Richtung aber jedem Repertoire Vorschriften macht; — die Tragödie einer faustischen Natur wird stets ungleich größeres Interesse behalten, als die eines Fuhrmannes, deffen breit auSgesponnene einfache Lebensschtckscue nicht an, davonzuschleichen. Aber immer enger wurde der Rahmen des kriegerischen Bildes, und heute sind wir mühselig dazu gelangt, daß wenigstens formell uns eine Art von Genugthuung zu Teil wird. Hinter den Kriegslasten werden wir freilich noch| eine ganze Weile flöten können. Noch in letzter Stunde, nachdem schon vor Wochen Graf Waldersee in einem Telegramm an seine Gemahlin den Abschluß des Friedens angekündigt hatte, schien plötzlich alles zusammenzubrechen, der Ankündigung einer großen Expedition nach Singanfu folgte die Mitteilung aller möglichen Einzelheiten, und man konnte annehmen, daß wir genau auf den Standpunkt gelangt seien, auf dem wir beim Anbeginn standen. Augenscheinlich sollte es sich jedoch nur um einen Druck auf die chinesische Magengegend handeln, und nach den neuesten Meldungen darf man annehmen, daß die Wirkung, die man erwartete, schon jetzt erreicht ist. Waldersee hat den geplanten Vormarsch „vertagt", was den Chinesen gegenüber immerhin noch eine Drohung enthält, in Wahrheit wird er wohl auch für die Zukunft nicht geplant sein. Und das ist gut so. Denn auch das chinesische Problem darf nicht für sich allein betrachtet werden, man muß es ansehen als einen Faktor innerhalb eines Ganzen, das man Weltpolitik nennt. Die Expedition hätte wahrscheinlich große strategische Schwierigkeiten, gebracht, sicherlich aber wäre sie mit großen politischen Gefahren verbunden gewesen, zumal in einer Zeit der Gewitterstimmung, wie wir sie jetzt durchleben. Die öffentliche Meinung in Deutschland fordert nichts anderes, als daß wir mit Anstand uns aus dem chinesischen Abenteuer wieder herauswickeln, und sie ist keineswegs darauf versessen, daß dieser oder jener Mandarin oder Mandschuprinz um eines Hauptes Länge verkürzt wird. Es ist ohnehin schon viel Blut geflossen um des Gesandtenmordes willen, und man darf sicher darauf rechnen, daß eine Erneuerung solcher Vorgänge, wie sie das vorige Jahr gebracht hat, in absehbarer Zeit schwerlich stattfinden wird. So darf man vielleicht damit rechnen, daß in wenigen Wochen trotz aller hinterhältigen Versuche des chinesischen Hofes, in der Hoffnung auf die Entzweiung der Mächte, die letzte Entscheidung hinauszuschiebeu der Frieden zu slande gekommen sein wird. Freilich dürfte alsdann beine Abschluß der Bücher sich nicht gerade ein glänzender Gewinn ergeben. Aber so, wie die Dinge liegen, darf man schon mit dem Erreichten zufrieden fein. Unsere Soldaten werden heimkehren, und die freundliche Begrüßung durch ihre Landsleute wird ihnen eine Entschädigung dafür bieten, daß der Krieg gegen China von der Geschichte nicht zu jenen Unternehmungen gerechnet werden wird, die des deutschen Namens Glanz und Herrlichkeit um ein Bedeutendes vermehrten. Sühne für den Tod Kettelers zu fordern, und auch Graf Waldersee weilt schon seit Langem im Lande der Mitte, um mit gepanzerter Faust für die Mehrung deutschen Ansehens zu sorgen. Aber man hat das Gefühl, daß ein letztes Ziel, das des Schweißes der Edlen wert wäre, sich nirgend zeigen will, und daß selbst die Ausbeute an kriegerischen Lorbeeren, daß die Vermehrung des Prestige im umgekehrten Verhältnis stehe zu der Größe der dargebrachten Opfer. Als in den letzten Tagen plötzlich gemeldet wurde, Gras Waldersee hege die Absicht, eine auf lange Monate berechnete neue große Expedition in das Innere des Landes zu unternehmen, um den Widerspruch des kaiserlichen Hofes zu brechen, da dürfte diese Nachricht schwerlich besondere Genugthuung hervorgerufen haben. Der Wunsch ist allgemein, daß wir möglichst bald zu Ende kommen und uns mit Ehren von einem Unternehmen trennen möchten, dessen Gewinn unter allen Umständen nur überaus gering sein kann. Es ist in erster Linie das Verhalten der mit uns „verbündeten" Mächte gewesen, das die Möglichkeit, einen klaren Frieden rasch zu schaffen, ausgeschlossen hat. Schon als die überraschende Kunde kam, daß von unserer Seite in dem Grafen Waldersee der Welt ein Führer präsentiert worden sei, konnte man, auch ohne zu den großen oder kleinen Propheten zu gehören, ein beträchtliches Fiasco dieses Unternehmens Voraussagen. Nicht etwa, daß man an der militärischen Tüchtigkeit des verdienten Offiziers oder an den soldatischen Eigenschaften unserer Truppen gezweifelt hätte — aber man konnte es ohne Schwierigkeit voraussehen, daß die Diplomatie, die das Wort zu führen hatte, kein Interesse daran haben werde, den Deutschen die Arbeit zu erleichtern, und als mau erfuhr, daß die Initiative zu dem Gedanken eines deutschen Oberbefehls keineswegs von Petersburg ausging, als dann eine beträchtliche Verstimmung zwischen den Hofen immer deutlicher sichtbar wurde, da konnte man mit der Gewißheit rechnen, daß Graf Waldersee nicht auf Rosen gebettet sein werde. Und die Schwierigkeiten traten in der That rasch genug zutage. Graf Bülow hat zwar im Reichstage, als es sich um den Empfang des greifen Präsidenten Krüger handelte, mit Nachdruck eine Politik zurückgewiesen, die zur Vereinsamung des allzu idealistischen Jünglings führen muß, er sah schreckensvoll die Möglichkeit, daß schon auf des Weges Mitte die Begleiter sich verlieren, daß sie treulos ihre Schritte wenden und einer nach dem andern weichen möchten; aber auf dem Boden Chinas war er gerade von den Gefahren umlauert, die er vermeiden wollte und „Immer fhller ward's und immer verlaßner auf dem rauhen Steg." Die Nankees eröffneten den Reigen, um ihre Soldaten auf den Philippinen zu verwenden und gleichzeitig für künftige, friedliche Zeiten einen Stein im chinesischen Brett zu gewinnen, die Russen folgten nach, gesättigt durch den Erwerb der Mandschurei, Oesterreich und Italien kommen überhaupt kaum in Frage. Frankreichs Leidenschaft, unter deutschem Kommando zu kämpfen, war niemals groß, und so kamen wir denn sanft und sicher zu der englischen Freundschaft, sintemal John Bull uns dringend nötig hatte, ihm den Rücken zu beeten. Zähe und getrost aber verhandelten in all den Zeiten die Diplomaten. Während der kretischen Wirren hatten wir still die Flöte niedergelegt und es den Anderen überlassen, in ihrem eigenen Fette zu schmoren. Jetzt aber spielten wir selbst die erste Violine, und da ging es füglich Bezugspreis vierteljLhrl. Mk. 2.20, monatl. 75 PH. mitBringcrlohn; durch Sm Abholestellen vierleljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 PH. Bei Postbezug vierteljLhtt. Mk. 2.00 ohne BestellgetS. Mdt «nzefoen-DermirilunOA- fltden deö In und lluClanHS nehmen Anjclorn für de» Siebener Anzeiger tntgegau LrUrnpretS lokal 12 auVwärtS 90 Pfg. Bekanntmachung. Betr.: Schafräude. Wegen Verdachts des Vorhandenseins der Schafräude haben wir über die Schafe in den Gemarkungen Daubriugcn und Mainzlar die Gemarkungssperre verhängt. Gießen, den 22. Februar 1901. Großherzogliches Kreis amt Gießen. v. Bechtold. Gießen, den 21. Februar 1901. Betr.: Das Landgestüt, hier: den Abgang der Landgestütsbeschäler nach den Landgestütsstationen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Vr. Bürgermeistereien deS Kreises. Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinoen bekannt machen zu laffeu, daß die LandgestütSbeschäler für die Land- gestütSstakionen Berstadt, Butzbach und Grünberg abge- gaugen sind. EietzenerAiMger w General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen hm *5! 15t| .Zirkulare, i Adressen, ich Diktat) lgungen,so- ie vor- ireiberelei Lielben er ; 83,Laden benil LieostmtÄ . üWr. 12, L *tiW$ irtws L, alL W- r siM-ne"' «rjebrilh W , SS« aitbam tflier. die ReiMule Bet einer fl Ngehenda ltWmi r LchrM i» M *” Hbf -M «2 ÖIf uckerei J Eite« II rp\t, Gtiianoplulik. , Herstellung von isenauflagen. uns auf hie Dauer ermüden, trotz aller dichterischen Genialität in Einzelheiten. Nicht aber auf die Größe des Problems, sondern auf die Größe des Charakters des dramatischen Helden kommt es an. Nicht ein Mensch, der als Sprelball bcm Schicksal blindlings unterliegt, sondern einer, der dem Schicksal gewachsen ist, der ihm mit Größe trotzt, vermag uns dauernd zu fesseln. Und auch Hauptmann wird erst dann den Gipfelpunkt des dichterischen Propheten erreicht haben, wenn er uns den Menschen zu zeigen vermag. Anfänge dazu sind in seinem „Michael Kramer- vorhanden. Daß für ein solches Werk aus niederer Kultur, wenn es eindringlich wirken soll, die Darstellung viel, sehr viel be deutet, ist selbstverständlich. Jede Darstellung des „Fuhr mann Henschel" hat von vornherein mit einer Schwierigkeit zu kämpfen: der Beherrschung des schlesischen Dialekts. Mit diesem Dialekt gab sich unser Gast, Herr Dietzsch, alle Mühe. Er führte seinen Versuch mit größter Konsequenz durch, und daS ist der Anerkennung wert. Sonst wurde Herr D. dem Fuhrmann in Gestalt, MaSke, Kleidung, Gang und Bewegung allen an die Äußerlichkeiten der Rolle zu stellenden Anforderungen fast völlig gerecht. Ich gebe aller bingS zu bedenken, daß der Fuhrmann des, im Grunde cigcnt- Itd) ziemlich überflüssigen und leicht mit ein paar Worten zu ersetzenden ersten Akte« ein anderer ist als später. Im Vorspiel ist er nichts als der, wenn auch plumpe, so doch von voller ManneSkraft strotzende biedere Fuhrmann, und später der seelisch gebrochene, von den Lebues,chicksalcn erschöpfte Mensch. Dieser WesenSunierschied hätte vielleicht deutlicher in die Erscheinung treten können. Wie tief sonst Herr D. in die Innerlichkeit dieser einfachen Natur gedrungen war, daS bewies er namentlich in der großen Szene des 4. Aktes, in der er in namenloser Wut jähzornig ausbraust und seinen Schwager mit eiserner Kraft festhä't. Ec machte es begreif, lich, daß ein ganzes Zimmer voll Menschen vor diesem einen Mann zittert und sich nicht an ihn heranwagt. Und auch sonst noch hatte Herr D. viele vortreffliche Momente. Wenn er aber schon vorher bisweilen in verschiedenen Situationen die wünschenswerte Lebenswahrheit nicht erreicht hatte, so zeigte sich daS besonders im letzten Akt, der freilich auch manches Gute brachte, z. B. den sichtlichen Versuch des Vlsionären, daneben aber Momente, in denen die rücksichtslose Wahrheit Hauptmanns in die Theatralik Wildenbruchs übertragen schien. Zugegeben sei, daß diese Szenen, in denen sich «eine Sinne verwirren und Wahnvorstellungen ihm das Gespenst seiner ersten Frau vorzaubcrn, außer ordentlich schwierig sind für den Darsteller, und etwas Vollkommen-s gibt eS nicht. Im Ganzen hat Herr D. den Dichter wohl verstanden, und dem entsprach im wesentlichen sein Spiel. DaS ist schon etwas, was man nicht von jedem jagen kann. — Wie ich höre, ist Herr D. für die nächste Spielzeit an das kgl. Hoftheater zu Kaffel engagiert. Es ist wohl anzunchmen, daß er uns von dort aus bisweilen besuchen wird, und eS wird uns eine Freude sein, sein fünft lerischeS Wachstum zu verfolgen. Sein Wille ift gewiß der größte und damit läßt sich vieles erreichen. Mit großer Sorgfalt war auch Frl. Schoelermann auf die Absichten des Dichters eingegangen und hatte sich der Aufgabe einer ernsten Charakterschilderung mit mancherlei dem Leben abgelauschten Details gewidmet. Wenn sie auch mit dem Dialekt nicht sehr zurcchtkam, so charakterisierte fv doch die harte, empfindungslose Bauern Messalina recht gut übertrieb nur ein wenig die Tonart und gab manches zu absichtlich. Schlechtigkeit hört immer mehr auf, unsympathisch zu sein, wenn sic als etwas Selbstverständliches, in der innersten Natur Begründetes erscheint. Ihre Kraftäußerungen, die f>eche Drohung am Schluß des zweiten Aktes verfehlten ihre Wirkung nicht, noch weniger ihre am besten gelungenen Lamentationen im letzten Akte. Ein ganz gutes Charakier Zentner. In Seck«heirn kostet der Morgen 1900 Mk. Der Durchschnittspreis ist daselbst seit drei Jahren 22 Mt." Obgleich in diesen Orten, so bemerkt das genannte Blatt dazu, noch weiter Tabak gepflanzt luirb lind zwar sehr viel weil die Pflanzer auch die Kräfte ihrer Jamilienglieder gut veriverten können, die zum richtigen Arbeiten zu jung oder zu alt sind, was nicht der Fall wäre, wenn sie keinen Tabak mehr bauen würden so kann doch nur gewünscht werden, da st in solchen Orten der Tabakbau aufhöre, ivo nur der geringste Pfeifeutabal erzeugt lverdeu kann, der die stärkste Konkurrenz in den Rippen, den Abfallstengeln der Zigarrentabake, hat. Da Jnlandsrippcn pro Zentner für kaum 2 Mk. zu haben siltd, hilft keiu Herrgott dem Pfeifen tabal. Austerdem geht bekanntlich der Pfeifentonsum bei uns in Dentschlaud seit Jahren beträchtlich zurück. Ein anderes Bild bietet W i in p f e n , das im hessischen Reichstagswahlkreise des Frhrn. v. Heyl liegt nnd 6000 Ztr. Tabak produziert: Bei uns betrage» die Produttionskosteu mit Ackern,- Pflanzen, Hacken, Cinsädeln, Hängen (welches pro Ztr. 3 Mk. kostet) pro Ztr. 9 10 Mk. Der Morgen Acker (25 Ar) kostet hier für Tabakbau geeignet 500 bis 600 Mk., wovon die Zinsen den Kosten zuzurechnen sind. Die letzten drei Jahre haben einen Durchschnittspreis von gut 30 Mk. für den Zentner ergeben, womit alle Tabakpflanzer vollauf zufrieden find. Es werde» in Wimpfen pro Morgen 9 bis io Ztr. Tabak gerechnet." Roch befriedigender lauten die Berichte aus dem badi fchen Oberlande. Aus dem geringeren Distrikt des Breisgaus, luo dagegen die Zigarreniudustrie ani ausgedehntesten von ganz Deutschland ist, schreibt ein Interessent, kein Pflanzer: „Herbolzheim, 16. Febr. Hier ist der Wert eines Grundstückes von einviertel Morgen (100 Ruthen gleich 9 Ar) durchschnittlich 300 Mk. Zinsen hiervon 5 Proz. 15 Mk. Dung 3 Jahre 36 Mk. 12 „ Herrichtung des Feldes 6 „ Pflanzen 2000 St. zu je l5Pfg. 3 ,, Arbeitslohn n. AblieferungS scheine 30 „ 66 Ml. 1890er Ertrag 4 Zentner 28 Mk Von einer Seite wurde mir der Arbeitslohn auf 35 Mk., von anderer auf-27 Mk. normiert. Man müßte natürlich noch etwas für Benutznng des TabakfchopfeS, Versicherung ?c. nehmen, aber dagegen sind die Zinsen und Löhne zu hoch angenommen. Die Einzelansstellung der Löhne war ans einer Seite: Setzenlohn 2 Mk., Hacken 1.50 Mk., Hänseln 2 Mk., Köpfen 2 Mk., Geizen 4.50 Mk., Abblatten 3 Mk., Anlassen und Anfhängen 8 Mk., Abhängen nnd Binden 3 Mk., Schnüre 1.50 Mk. Ich bezahle für Anfassen, Aufhängen, Binden, Abhängen, Abliefern und SchopfmiiUe.in einem benachbarten Orte, in dem ich jedes Jahr grünen Tabak kaufe, pr. Zentner 3.15 Mk. Wie ich höre, rechnet die agrarische Landauer Genossenschaft Pro dnktionSkosten pr. Ztr. 18 und 20 Mk. Bemerken möchte ich noch, dast die Behandlung, Düngung re. des Tabaks in hiesiger Gegend recht mangelhaft geworden ist und daher nur in guten Jahrgängen Preise wie Heuer erzielt werden können. Im benachbarten Ried ist das Resultat ein viel günstigeres, dann da sind nur die Zinsen, refp. Pachtgelder höher zn veranschlagen, während die Löhne, Düngung ic. sich gleich bleiben nnd der Erlös ist selten unter 30 Mk. pr. Zentner. Politische Tagesschau. In einer Festrede zu Kaisers Geburtstag pries kürzlich der Leipziger Professor Otto Kämmel die weltpolitische Initiative Wilhelms II. (Eift durch den Chinakrcuzzvg fei die deutsche Nation eigentlich in die Reihe der wirklichen Kulturnationen aufgerückt. Unser jetziger Kaiser habe mit klarem Blick daS Ziel erkannt, auf da« die Nation hinstreben müsse, wenn sie nicht verkümmern wolle: den Anteil an der Weltherrschaft der weißen Rasse. Die Zukunft werde eü dereinst alS eine weltgeschichtliche Fügung erkennen, daß in dem Augenblick, wo die Notwendigkeit einer deutschen Weltpolitik unabweiülich her. vortrat, ein junger Herrscher da« Szepter führte, der, nicht befangen in den Traditionen kontinentaler Politik, mit freiem Blick die neue Lage erfaßte und trotz der verständnislosen oder ablehnenden Haltung weiter Bolkükreise, unbeirrt durch alle« Gerede von „uferlosen" Plänen und phantastischer „Romantik", danach handelte. Da« Ruhmesjahr 1870/71 [ei nicht nur der Abschluß einer kampferfüllten »ergangenheil gewesen, sondern es habe uns auch do« Thor geöffnet, nnll'S Gott, zu einer qroßen Zukunft. Unvergeßlich werde und solle unS die mob'nu Hero-mzeit unseres Volks bleiben, ab--r wir sollen uns mcht selbstgefällig in ihrem Glanze spiegeln) sondern uns klar machen, daß wir damals nut das Selbstverständliche nnd Unentbehrliche, was ein Volk erst wirklich zur Nation macht, sehr spät, vielleicht zu spät errungen haben: ein naiionalev Staatswesen; daß wir seit dreißig Jahren erst in eine wirklich deutsche Politik emgetreten seien und unter den Weltmächten noch keineswegs in orr ersten Reihe ständen. Aus Stadt und Land. Gießen, 23. Februar 1901. Gedenket der hungernden Vögel! » Finanzexamen 2. Kategorie. Auf mehrfache» Wunsch hatte» zwei hiesige Fachleute im September vor. Jahres einen Vorbereitungskursus für Teilnehmer an dem ans den 15. November 1900 anberaumten Examen errichtet. Von den 27 Teilnehmern haben 25 die Prüfung bestanden. Alice Schule Man schreibt uns: Aus eine Ankündigung btr Alice Schule in dem Inseratenteile Bezug nehmend, möchte» wir die Aufmerksamkeit lveiterer Kreise darauf lenken, daß neben den seitherigen Lehrkursen der Anstalt mit Beginn des Sommersemesters ein neuer Kursus in den Lehrplan eingefügt werden soll. Dem Beispiele a». derer Städte folgend, wird vom 15. April ab eine H a n d e l s schule errichtet. Unter Leitung einer bewährten Kraft soll Unterricht in einfacher, doppelter und amerikanischer Buchführung erteilt, kaufmännisches Rechne», Haudelsgeographie, Schönschreiben, Stenographie und Gebrauch der Schreib maschiue gelehrt lverdeu. Es ist somit jungen Mädchen Gelegenheit geboten, sich, außer in allen Arten weiblicher Handarbeit, Bügeln, Kochen u. s. w., auch noch während ihres Besuches der Alice-Schule in kaufmännischer Richtung ßin auszubilden. Von ganz besonderem Wert wird diese Einrichtung für solche sein, die in Geschäfte ein treten wollen. Sicherlich wird ihnen durch gründliche Kenntnisse in den genannten kaufmännischen Fächern der Eintritt in bessere Stellungen ermöglicht und eine bedeutsame Quelle höheren Erwerbes erschlossen. Hoffentlich wird von der neuen Einrichtung eifrig Gebrauch gemacht werden; ganz besou ders Eltern und Vormünder solcher Mädchen, die darauf angelvieseu sind, aus eigner Kraft und auf eignen Füßen stehend, ihren Lebensunterhalt zu verdienen,' mögen die sich hier bietende Gelegenheit zu lveiterer Ausbildung sich nicht entgehen lassen. Eine bemerkenswerte Konzession, die den Wünschen und Bedürfnissen des interessierten Publikums gemacht wurde, ist die, daß die Klassen des Hand arbeitskurses geteilt werden, und zwar für solche Schülerinnen, die sich ausbilden zum Erwerb und solche nur für eigenen Gebrauch. Erstere müssen selbstverständlich sich einem gründlichen, systematischen Unterricht unterziehen, denn die häufigen Klagen der Arbeitgeber über mangelhafte Arbeit sind in der kurzen, nicht ausreichenden Lehrzeit begründet. Könnte man erreichen, daß die dabei gefertigten Arbeiten verkauft würden, so wäre viele» ermöglicht, in mannigfacher Art und Richtung sich auszubilden, denen der Kostenpunkt des betreffende» Materials unter den obwaltenden Verhältnissen es verbietet. Junge Mädchen, denen es darum zu thun ist, nur in der einen oder anderen Art von Handarbeiten etwas zu lernen, könnten sich, getrennt von erstere», ganz »ach Wunsch beschäftigen. E. H. Viktoria-Mclita-Berein. Wie seiner Zeit mitgeteilt wurde, wurden in den Vorstand des Viktoria- Melita-Vereins, hessischen Zentralvereins für Errichtung billiger Wohnungen, zwei Herren aus Gießen, Justizrat Dr. Gut fleisch und Kommerzienrat Em melius, gewählt. Der Vorstand hat sich inzwischen durch Zuwahl ergänzt und u. a. auch Lackierer Jakob Ritsprt von hier, z. Z. 2. Vorsitzender des evangel. Arbeiter-Vereins, berufen. ** Platzkarten für D-Züge. Reisende, die auf Zugkreuzungsstatiouen mit direkten Fahrtausweisen aus dem einen D-Zug in den nächsten anschließenden D-Zug umsteigen, erhalten von jetzt ab, ivie die „Nordd. Allg. Ztg." feststellt, gegen Abgabe der bisherigen Platzkarte für ihre Weiterreise eine gebührenfreie Platzkarte. Nur auf den Stationen, wo die D-Züge fahrplanmäßig enden oder beginnen, ivie Berlin, Hamburg oder Altona, sind bei der Weiterfahrt neue, gebührenpflichtige Platzkarten zu lösen. § Butzbach, 22. F-ebr Am 14. März wirb hier ein* außerordentlicher Rindvieh- und Sch w ein e m ar ft, verbunden mit Prämiierung von Faseln und Rindern, a6^ gehalten; gleichzeitig findet eine Verlosung von Vieh, Oekio- nowie und Haushaltungsgeräten rc. statt, wofür 350 Ge Winne vorgesehen sind. '? Grebenhain, 22. Febr. Ein hiesiger Geschäftsmann, der mit seinem Geschirr von Hartmaiinshain kam, fand oberhalb unseres Ortes einen Menschen halb erstarrt an der Hauptstraße bei grimmiger Kälte im Schnee liegen. Rur mit aller Mühe brachte er ihn auf seinen Schlitten, transportierte ihn hierher und brachte ihn durch Reibung wieder zum Leben zurück. Der Verunglückte ist mutmaßlich von seinem Schlitten heruntergefallen und liegen gebliebe». Sei» Geschirr ist ganz allein nach Gedern gekommen, (hr ist der Knecht eines Fuhrmannes aus Gedern. i. La u b ach, 22. Febr. In der verflossenen Wock-e fand im hiesigen Schlosse in Gegenwart des Kreisamtmanns Bohn eine schöne Feier statt. Unter entsprechender Anspruch überreichte derselbe im Namen des Großherzogs dem Forst- wart i. P. W a gner vom Jägerhause, der 57 Jahre in Diensten des im vorigen Jahr verstorbenen Grafen Friedrich gestanden hatte, das Verdienstkreuz Philipps des Groß mütigen, ferner dem Kammerdiener i. P. Rehberger, der 44 Dienstjahre hat, und dem Haushofmeister i. P. B ö h m nach 30 Tienstjahreu das Allgemeine Ehrenzeichen „Für Verdienste." Wie sehr bei dem langanhaltendeu Schnee nnd der großen Kälte das Wild zu leiden hat, beiveist ein Vorkommnis von gestern Als Dr. Dietz aus seinem Wartezimmer trat, fand er vor der Thür ein dem Verenden nahes Reh. Soweit hatte der Hunger das Wild Retyieben Heute fand, unter größter Beteiligung, die Beerdigung des um seine Vaterstadt verdienten und allseits beliebte» Rentners A. Klip stein statt. Sehr nach- ahmensivert ist der Wunsch, den feine Hinterbliebenen bestimmt aussprachen, man möge von Kranzspenden absehen und lieber eine» Betrag an die hiesige Geistlichkeit abliefern zur Vergrößerung des etwa 1000 Mk. betragenden Stiftungskapitals aus früheren Zeiten zur Erbauung einer Friedhofskapelle. Wie wir hören, hat dieser Wunsch auch bereits einigen Erfolg gehabt. )( Aus b e in oberen Vogelsbe r g, 22. Febr. Der Landivirt Heinrich Jockel III. zu Bermuthshain fand ein junges Reh, das sich vor den Unbilden der Witterung unter einen im Hofe stehenden Wagen geflüchtet hatte, noch lebend vor. Ebenfo fand der Großh. Forstwart Dillrnuth gestern einen noch lebenden Hasen, der jedoch bald verendete. Vermischtes. • Bingerbrück, 22. Febr. Der um 3 Uhr 31 Min. heute nachmittag hier abgegangene D-Zug 109 Basel Köln ist bei St. Goar kurz vor dem Tunnel infolge Bandagen- bruckeS mit einem Wagen entgleist. Der Unfall verursachte nur Materialschaden, Personen wurden nicht verlctzt. Außer» dem entstand eine größere Betriebsstörung, die bis 8 Uhr abends wieder behoben war. * Aus Könitz wird geschrieben: In dem Plaidoyer des Ersten Staatsanwalts im Prozeß gegen Moritz Lewy war sehr der Passus bemerkt worden, „daß zur Zeit keine genügenden Verdachtsmomente vorliegen, um gegen die Familie Lewy wegen Teilnahme am Morde vorzugehen." Es ist daraus vielfach der Schluß gezogen worden, als ob solche Verdachtsmomente, wenn auch noch nicht in genügender Zahl, vorlägen und demnächst gegen die Familie Lewy vorgegangen werden würde. Die Verteidiger des verurteilten Moritz Lewy haben daher beim Staatsanwalt angefragt, ob der Entfernung der Familie Lewy aus Könitz mit Bezug auf seine obige Aeußerung irgend welche Bedenken entgegenftänden. Darauf st eine amtliche Mitteilung vom 18. Februar 1901 erfolgt, des Inhalts, daß der Erste Staatsanwalt „keine Bedenken gegen die Entfernung der Familie Lewy aus Könitz geltend zu machen habe." * Den ersten Motorschlitten Deutschlands kann man seit einigen Tagen in Nürnberg beobachten. Das Gefährt gleitet mit großer Schnelligkeit und völlig ruhigen Lauf dahin. * Aus Leo Tolstoi's Familie. In Moskau hat am verstossenen Donnerstag die Trauung des Grafen Michall bild des Hotelbesitzers Siebenhaar, zu dem des Dichter- Vater Modell gestanden hat, gab Herr Reinhardt, diskret, zahm und milde in der Tonart, wie e- dem vom Schicksal Verfolgten entsprach. Freiere Bewegungen lernt Herr R. wohl noch mit der Zeit. Die Malchcn des Frl. Korn lieh der anteilheischenden Schwerkranken, die von der Eifersucht aufgezehrt wird, ergreifende Töne. Den WermelS* kirch sah man feiner Zeit in Frankfurt fast als Operettenfigur. Herr Liebscher trug sichtlich größte- Maß zur Schau; meines Erachtens hätte er dem alte» Komödianten mehr Komödienh ifteS geben können. De» koketten Tänzelbackfifch Franzi-ka, ein Persönchen, daS der Dichter mit wenigen Strichen köstlich geschildert hat, gab Frl. Wohl brück ganz niedlich. Ein ganz famoser, redegewandter und zudringlicher Hausierer war Herr Lach mann. Die übrigen Mnwirkenden, die Herren bi Balthyni, Ram- ieyer, Marlitz, Kirchner, Heuser rc. gaben tm Ganzen eine zweckentsprechende Staffage. Lobenswert war die Sorgfalt der Regie. Vielleicht hätte man, ohne der Stimmung Eintrag zu thun, in den erste« Akten etwas weniger schleppen dürfen. Alles in allem war eine gewiffe Einheitlichkeit vorhanden, abgesehen vom Dialekt. Der Naturalismus wurde nicht übertrieben. Man kann do« einer recht befriedigenden Gesamtaufführung auch dieser Hauptmann'schen Dichtung sprechen, die von den Einen über Gebühr gepriesen wird als „das Meisterwerk jedes Naturalist muü", von den Andern über Gebühr verurteilt wird als eiu „trauriges Lebensbild aus der Atmosphäre des Pferdc stalle-.* Beide Parteien werden sich einander nähern, wenn sie sie als ein Stück ansehen, das zur Psychologie unserer heutige« Dichtung einen unentbehrlichen Beitrag liefert. P. W. (8htb01V l,d2 wt*"“! Del", W .Mist v°n Hold und« M tvaren vorbei ictntr in König- W befanden Ersten eilt $iinf als ihm die l< franf, ""d aii btt W w«7! in jener iich der Son bis nach fein lich 3U.OOO Milan keine er Titel un bischen Am weitere jöhr nah« Mila w'ndete dies melke. Ne -interiaffen. smnzirlle 81 wurden. Uir Wolga Stama 1,14 MR aufotnommt garantierte. * hock ergötzliches, lich den B tischen Gra hat faft cb lie Turnen Äetriibnis, waren, wen zum Anstra daß sie men Partner, ei kleidung a oaß ihre ( langen Röck Miß gefal Vertretern Meinen, a(i niad)ten. Si 'ixautuxöden hölzernen lieschlagen v originelle A N.erter Zusc gingen die namenlosen geliefert, d< um gut S)c ... "Ein Aizza wird ^ag, den m Hot. Tie i't "ach t>eni 9?( Menbe So 6ie huse be W Tchnei Straße. »ar gewiß Asten ui ui Flöckchen, ""d bienten « ,c bi« ju ?Eere, auf j S »men . 'ld|t ShiV'b’ widn’V’ «"Ms •■■•ei hi .©KJ» ,nt 3« ®t, ‘W Main fam ? «tarn fe»"- "Schlitte, J Sei6“nj ÄKii? ff Weben Zinnien. iienen Woche ^Mmannß Ansprache /em 5oi]u 7 J°hre iu Friedrich Groß, hberg er, erster i. P Mhaltendev ! leiden hat, ;r: Dietz aus W ein dem ger das Wild eüigung, die rdienten und i- Sehr nach- 'bliebenen beiden abfehen Weit ab- betragenden muung einer Wunsch auch. 22. Febr. Der ain fand ein Gerung unter e, noch lebend lmuth gestern verendete. Uhr 31 Mn. >9l8MM ge Bandogei« all verursachte nicht. Äußer« die bis 8 llhr M Wboyer Noch Lewy r gilt ttine MFanM n." & $ iU vd solch« Egender Zahl, ch vorgeganga m Moritz Levy der SntfemuHg rf seine obige „den. Darauf 1901 erfolgt, 'eine Sedenlen ffooitz geltend ;tttfd)hnb6 n devdachm. At Md E I« ®W,£Ä graftitW i d.« bubt, b* i »o» krnt JJ* bei S-l.r w» b« tlf" W flirt Mk. 330. Alles per 10 Tonnen ad Mannheim. Die Mannheimer Lagermengm sind nahezu aufgezehrt und muß bereits wieder dee direkte Bahnbezug ab Zeche ausgenommen werden. Spiritus. Während der Berichtswoche waren die Zufuhren reichlich und fanden von Seiten der ringfreien Spriisabriken schlanke Ausnahme. P^eiS behauptet und schließt heute Mk. 44 20. Schiffsnachrichten. norddeutscher Lloyd. Vertreten in Gießen durch Agent Carl LooS. Bremen, 21. Februar. (Per transatlantischen Telegraph Der Doppelschrauben.Postdampser Köln, Kapt A Langreuter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist gestern 10 Uhr vormittags wohlbehalten in Baltimore angekommen. Bremen, 21. Februar. (Per transatlantischen Telegraph.) Der Schnellpostdampfer Lahn, Kapt C. Pohle, vom Norddeutschen sLloyd in Bremen, ist heute 1 Uhr morgens wohlbehalten in New-Dork angekommen. Sanatogeu Krüsliguugs-u.Auffrischungsmittel besonders für dieNeroen. Als Nährmittel bei allen Erschöpfungszuständen von Profeftoren und Aerzken glänzend begutachtet. 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Plenarversammlung der Kammer vorgenommenen Zuwahl wird hiermit gemäß § 5 deS Statuts zur '^sentlicken Kennmiß gebracht. Es wurden als Mitglieder zugewählt: § hriftia n Weeg, Schahmachermeister in Gießen, und Franz Adam Kessel jun., Schneidermeister in Offenbach a. M. Darmstadt, den 18. Februar 1901. 1547 Jean Falk, Vorsitzender. Engelbach, Sekretär. Jagd - Verpachtung. Termin. Mittwoch dem 20. März, nachmittags 2 Uhr, In der Bähr'scheu Wirtschaft Hierselbst. In der Bürgermeisterei Schöff-ngrund des Kreises Wetzlar kommen die Jagden nachstehender Gemeinden vom 1. April d. I. auf 9 Jahre zur Verpachtung: Gemeinde Gesamtfläche davon Wald Kraftsolms 550 ha 197 ha Kröffelbach 683 „ 270 „ Laufdorf 660 „ 192 ,, Nauborn 433 „ ca. 100 „ (links der Wetzbach) Neukirchen 419 „ 242 „ Ntsderqusmbach 841 „ 136 „ Niederwetz 300 „ ca. 64 ,, (links der Wetzbach» Oberquembach 570 „ 233 „ Schmalbach 579 „ 122 „ Vor Wetzlar beginnt das Jagdgebiet von Nauborn und Jtegen die Ortschaften im Kreise um Schmalbach 3 bis 5 Kilometer entfernt, während Schmalbach selbst 7 i/i Kilometer von Wetzlar liegt. Die öffentliche Verpachtung findet am Mttwoch dem 20. März d. I., nachmittags 2 Uhr, in der Bähr'schen Wirtschaft Hierselbst statt. Pachtbedingungen, Lageplan und sonst jede gewünschte Auskunft werden vom Unterzeichneten gern mitgeteilt. Schmalbach, den 21. Februar 1901. Der Bürgermeister. 1538 v. Hagen. ________Ider Suppe« Saucen, Gemüse rc., das bei der spar« samen Hausfrau ebenso beliebt ist, mu bei der guten Köchin — wen|fl®iItr°Pree genügen —, empfiehlt in ulafchchen von 25 Pfg. an bestens , * Helnr. Arnold II.. Macktftraße 28. ! zum Würzen Fr. 4- tx Alice-Schule 1507 Hetepho« 78. 30.— 20.— 1552 12.— 15.— 3.50 50.— 2675 3.— 1541 «eil. 1584 erteilt 0609 Gentner’si ThranferögsaSchuiifd (Thranfefö Der Vorstand. Ädivig; ■zu habe Antwerpen nach llormiilliotlifüiiiflil Mmkc V. c. F 1528 Ein Schlitten billig zu verkaufen 1513 ver-Ntw.rtlich für k* aflgroicinm teil: P. öittte, für kn Änjeigtnteil: Han. 8,4. Ptrschltdents 3it verkaufen p 88 1650 30.— 12.— sind am Meist« •erbreitet. 6.50 S — Jn den meisten Unerreicht Sonfiruftiox xxb Nueführuxg. 1 Monat JL 6.50 in roten Dosen mildem Wilhelmstrasse zwei HerrfchaftShänfer AU verkaufen o'er ru vermieten. 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Die Gebäude enthalten außer den Räumen für den Wirtschaftsbetrieb nebst Wohnung für den Inhaber noch iu vermietende Wohnungen, welche bisher 1000 Mk. pro Jahr Miete ernbrachten R-stektanten wollen sich unter X«. L. 345 an Haase«- «ein & A.-G., Frankfurt a. M., wenden. Sanitätsvercin. Den Mitgliedern zur gefl Nachricht, daß der seitherige Vereinsarzt, Herr Dr. Schltephake, am I. März sein Amt niederlegt, und vom genannten Tage an Herr Dr. Meyerhoff, rvoyrryaft Schutstraße 11 (Postamt), dasselbe übernimmt. «us Bk Der Bej einen rein | dieser Reise I; igtübtid). W* Schei'i Kotiz richiet ©lütter“, die zu machen gej Kaiser aus »en Gesiuuun verdiene. D deutung batii Wenn man b ruch den sch ^eußeruogen. dlatt von tim - N »ch hui 8>a bie bttiübi Nriedrich bete Charakter be Dohl aber »Ogemdnen t ^er Londoner der deutschen Englands; d L™19'9t6^ ■ölatter mit i «emerfem schreibt rm , «nun s ft« Mta Mne^eitung. LM-tzn kl, unserer, ^en würden, u Renten ai^ S-i dies »"kung von drU * M ift , u oulha •tot“ ""iug-he? b« Säfe i>( bi all fiudi 1494] In schöner, freier Lage, außerhalb ecr Stadt, ist ein noch ziemlich neues kleineres Haus mit 3 Etagen von je 3 Zimmern und Küche zu dem sehr billigen Preise von 12000 Mk. bei 2. bis 3000 Mk. Anzahlung zu verkaufen. Direkt an das HauS grenzt ein dam gehörender Garten. Nähere Auskunft erteilt A. Jacob, »oelhestratze 23. AM Handarbeiten: Unterricht im Handnähen. Flicken, Stopfen, Zeichnen, Rechnen, Deutsch Muste» zeichnen, Wäschezuschneiden, Maschinen- näyen, Zeichnen, Rechnen. Deutsch Musterzerchnen und Wäsckezuschneiden Methodischer Schneiderunterricht, Fach- und Geweibezerchnen Unterricht im Zeichnen und Zuschneiden Weiß-, Buntsticken, sowie alle modernen Stickereien Bügeln und Kunstwäscherei Ausbildung von Handarbeitslkhrerinnnen Aufzeichnen von Stickereien auf Leinen, Seide u. s. w. Holzbrandmalerei und Kerbschnitt. 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