N*. 197 Zweites Blatt. 161. Jahrgang Freitag 23. August 1901 3*öN*r mb „Blätter Mw»«« NN Kirchhöfe der Ausländer zu errichten, be: von mdt na- atttob Artikel 6. «. * « j Offiziell schwebt also jetzt der Friedensengel über dem oie Niesenreiche der Sonne. Tas hindert aber die braven Bernden Forts zu. Artikel 9. von eine zahlt es schon 15000 Taels. Ibreffe für DeprschE, Anzeiger 6k|ca. FernsprkchanschlubNr.GR. rm Hessens. die hieraus erwachsenden Ausgaben Artikel 5. Sicherheit dient. Ter Erhöhung der Zölle wurde unter der Bedingung zugestimmt, erstens, daß die Zölle, feste Kölle, nicht Wertzölle seien; als Basis der Wertbestimmung wird der Durchschnittswert der Jahre 1897, 1898 und 1899 angenommen; daß die Läufe des Whang-Poo und Pei-Ho, sowie die Zugänge zu Schang-Hai und Tien-Tsin unter i^teiligung chinesischen Kapitals verbessert werden. Tie Kollerhöhung tritt zwei Monate nach Unterzeichnung des Protokolls in Wirksamkeit, mit Ausnahme der innerhalb 10 Tagen nach Unterzeichnung auf See befindlichen Waren. Artikel 7. Dieser Artikel bestimmt das Gebiet des Äesandtschafts- Pjertels und bestätigt das Recht der Gesandtschaften auf ein ausschließlich für die Fremden bestimmtes verteidig- nrgsfähiges Viertel, sowie das Recht, dauernde Gesandt- sck astswachen zu halten. Artikel 8. China stimmt der Schleifung der Taku-Forts und an- "dwer die Verbindung zwischen Peking und der See hin- Ein Edikt ohne Datum verbietet die Einfuhr Soffen und Munition auf zwei Jahre, eventuell auf weitere Periode von zwei Jahren, wenn erforderlich. ’’ *'*?, 1.50 hxj. ’ rstreße, rant, Ue ie: tzner Nachdem China ein gewilligt^ hat, Sühne-Denkmäler für die entweihten Mt. 2.20, monetL 75 fh nut BrtKgrrlotjn ; bur* Ä Lbholrftellen BurtcljMet Mk. 1.90, menatl. 65 Bei Postbezug vierteitlhm, Vtt. 2.00 ohne Befreie* ■ le en|ttflfn Bermlttlgeefr fUBen bei In- unb HuIIhM nehmcu Vnjetaen für bca •iefcener UnKtger tntfCMa Rdlcnprtt». letal U VNfc. euiwärte to B4». w mit teils unter zS krik 4 Nach dem Urteil. Man schreibt uns aus Berlin, 21. August: Man behauptet nicht zu viel, wenn man sagt, daß die Oeffentlichkeit vom Gumbinner Militärprozeß dasselbe Endresultat erwartet hat, wie nach der ersten Verhandlung: die Freisprechung beider Angeklagten. Die Verurteilung des Unteroffiziers Marten zum Tode erregt großes Aufsehen. Und selten hat die Presse eine solche Einmütigkeit bekundet, wie in diesem Falle, indem sie der öffentlichen Meinung beipflichtet. Die Berliner Zeitungen, die heute morgen die Prozeßverhandlungen erörtern, gaben schon dem Gedanken Ausdruck, worin die Mehrzahl der Abendblätter übereinstimmt: daß für einen Spruch von dieser Schwere, für eine Entscheidung über Leben und Tod, das Beweismaterial nicht ausreichend erscheint. Selbst die reichsparteiliche „Post" bezeichnet die Einmütigkeit des Urteils der Presse als einen sehr wichtigen Maßstab für den Ernst der öffentlichen Stimmung. Die „Nationalztg" befürchtet, daß das Gerichtsurteil als ein Widerspruch gegen das Rechts- bewußtscin weitester Volkstreise empfunden wird. Die „Voss. Ztg." hält für sehr erklärlich, daß sich der Gemüter der bange Zweifel bemächtigt, ob nicht ein menschlicher Irrtum vorgefallen sei. „Ein Beweis", schreibt die „Germania", „daß Marten seinen Vorgesetzten erschossen habe, ist nicht geliefert worden." Als sicher nimmt die „Tägl. Rundschau" an, daß das Todesurteil nicht vollstreckt wird, solange der Beweis der vollen Schuld nicht in ausreichenderem Maße erbracht ist, als bisher. 'Durch Edikt vom 29. Mai willigte China in । , iinp einer Entschädigung von 450 Millionen Taels, die durch Amortisation in 39 Jahren zu decken und in halbjährlichen Noten mit 4 Prozent zu verzinsen ift Als Sicherheit hierfür werden angewiesen: Der Ueberschuß der Seezölle, der sich ergiebt aus der Erhöhung derselben aus 5 Prozent (ein- schließlich der zur Zeit zollfreien Artikel mit Ausnahme von Reis und ausländische ZßKkalien, Mehl, geprägtes, uugeprägtes Gold, Silber), desgleichen die einheimischen Zölle, die in offenen Häfen durch die kaiserlichen Seezoll- behörden verwaltet werden sollen, sowie das Einkommen aus der Salzsteuer, das nicht für fremde Anleihen als Hiernach ist das Maß der Zugeständnisse Chinas in Anbetracht der langwierigen Verhandlungen kein außerordentliches; mit so milden Friedensbedingungen sich einverstanden zu erklären,»erfordert kaum Ueberwindung. Der Hauptübelthäter Prinz Tu an wird nur verbannt, hingerichtet find die minder Schuldigen, die vielleicht mehr den Befehlen der Kaiserin-Witwe und Tuans gehorchten, als selbst die Initiative ergriffen. Deutschland erhält die Ge- nugthuung, daß Prinz Tschun „das Bedauern" über die Ermordung des deutschen Gesandten aussprechen wird, und daß die Errichtung eines Gedächtniszeichens an der Mvrdstelle begonnen ist. Ferner werden Sühnedenkmäler für die entweihten Kirchhöfe der Ausländer errichtet. Zugestanden worden ist, was neuerdings fraglich war, die Schleifung der Takuforts. Sonderbarerweise er- streckt sich das Verbot der Einfuhr von Waffen und Munition zunächst nur auf zwei Jahre. Der öffentliche Anschlag von Edikten u. a. gegen fremden- feindliche Gesellschaften (Verbot der Mitgliedschaft bei Todesstrafe- hat kaum großen Wert, denn bekanntennaßen sind in China die Ge h e i m - Edikte die maßgebenden. Mit 450 Millionen Taels ist die Kriegsentschädigung bemessen, in 39 Jahren zu decken und mit 4 Prozent zu verzinsen. Eine lange Frist für die Zahlung. Dieser Schuldner braucht sich wahrlich nicht zu sorgen. Chinesen nicht, Blutthaten auf Blutthaten gegen die europäischen Eindringlinge zu begehen. Wiederum ist es ein Deutscher, der ermordet worden ist, und zwar diesmal ein hessischer Landsmann. Aus Peking kommt heute folgende Nachricht: „In der Umgeaend der Hauptstadt wurde vor unge^ fahr 14 Tagen ein Fremder von Räubern überfallen und ermordet. Wie sich herausstellt, handelt es sich um einen Lloyd st eward Fritz Lahr aus Wendelsheim in Rheinhessen, der im August v. I. hierher gekommen sein soll. Wegen Verfolgung und Bestrafung der Mörder ist das Erforderliche sofort veranlaßt worden." Sehr schön gesagt „das Erforderliche"! Indem wir den gewaltsamen Tod eines wackeren Hessen beklagen, können wir nur wünschen, daß es allen unseren Landsleuten, die sich -- Z- noch auf den blutdurchtränkten ostasiatischen Gefilden befinden, wohl ergehen möge. Die Sühnegesandtschaft, die demnächst in Berlin eintreffen wird, wird uns gewiß die Worte Schillers in feinem „Wilhelm Teil" ins Gedächtnis zurückrufen: „Der Friede wohnt in diesem Kleide, In Euren Zügen wohnt der Friede nicht!" 1111 Das chinesische Friedensprotokoll. Die „Times" veröffentlicht in einem Telegramm aus Peking vom 20. d. M. das den chinesischen Bevollmächtigten Übermittelte Protokoll. Dasselbe hat folgenden Inhalt: Artikel 1. Abschnitt a. Durch kaiserliches Edikt vom 9. April wird Prinz Tschun zum Sondergesandten nach Deutschland entsandt, um das Bedauern Chinas über die Ermordung Ket- telers auszusprechen. Prinz Tschun ist am 12. Juni ab- gereish Abschnitt b. China leitete die Errichtung eines Ge- bächtnismals an der Straße, in der Ketteier ermordet wurde, in die Wege. Der Bau begann am 26. Juni. Artikel 2. Abschnitt a. Edikte vom 13. Februar und 21. Februar belegten die hauptsächlichen Urheber der Verbrechen mit folgenden Strafen: Prinz Tuan wurde nach Turkestan verbannt; zu lebenslänglichem Gefängnis wurden verurteilt: Tschuang. Ping-Vien und Tschao-Tschu-Tschiao er- hi?lten Befehl, sich selbst zu töten. Ynh-Sien, Techiu-Shui und Hsu-Tscheng-Mu wurden zum Tode verurteilt; Pang- ßd, Hsu-tung und Liping-heng wurden zur Degradation noch dein Tode verurteilt. Ein Edikt vom 13. Februar rehabilitiert Hsu-yung-yi, Li-shan, Lien-Yuan, Yuan-tschang und Hsu-tsching-tscheng, welche im vorigen Jahre hingerichtet wurden, weil fie gegen die Ausschreitungen als eine Verletzung des Völkerrechts Widerspruch erhoben hatten. Andere Edikte setzen Tung-su-siang ab und bestrafen die Beamten, welche an Verbrechen beteiligt waren. Tschuang beging am 21. Februar Selbstmord, Pung-Yien und Tschao- tsbu-tschiao am 24. Februar, Puh-sissn wurde am 22. Fe- bniar, Tschiu-tschui und Hsu-tscheng-yu am 26. Februar Eingerichtet. Abschnitt b. Ein Edikt, dessen Datum noch offen ge- l-rffen ist, bestimmt, daß alle offiziellen Prüfungen auf füllf Jahre in den Städten eingestellt werden, in denen Ausländer niedergemetzelt oder mißhandelt wurden. Arttkel 3. Als Sühne für die Ermordung des japanischen Ge- ftrdtschaftssekretärs Sugi-Pama wurde durch Edikt vom 18. Juni Natung als Spezialgesandter ernannt, um in Japan das Bedauern der chinesischen Regierung zum Ausdruck zu bringen. Artikel 4. Dieser enthält das von China bereits am 16. Januar -gemachte Zugeständnis, daß die Mächte berechtigt sein -jollcn, die für die Aufrechterhaltung der offenen Ver- b iiöung zwischen Peking und der See notwendigen Punkte iu besetzen, nämlich Huang-tsun, Lana-tang, Yang-tsun, kien-tsin, Chun-lian-chang, Tang-ku, Lu-tai, Tang-schan, Lm-ckan, Chang-li, Ching-wan-tao und Shan-hai-wan. Arttkel 10. China stimmt zu, daß während zweier Jahre öffentlich ^geschlagen werden: Tas Edikt vom 1. Februar 1901, ivZches die Mitgliedschaft in jeder fremdenfeindlichen Ge- stlschast bei Todesstrafe verbietet; das Edikt, welches die vollzogenen Bestrafungen aufzählt; das Edikt, welches die Prüfungen verbietet, und schließlich das Edikt vom 1. Fe- -bruaT, welches erklärt, daß die Vizekönige, Gouverneure ihit» die für die Aufrechterhaltung der Ordnung verant- iPrtlichen örtlichen Beamten, falls sie schuldig find, ent- Uif-tn und niemals wieder angestellt werden sollen. Ter Mentliche Anschlag dieser Edikte wird zur Zeit in China -Äir- chgesührt- WIMNf befischt, r GiehenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen Artikel 11. China ist bereit, über Abänderungen der Handels-Verträge zu beraten. Es wird zur Verbesserung des Whang- Poo und Pei-Hoo beisteuern, wenn die provisorische Regierung in Tientsin sich dazu versteht, 60000 Taels jährlich für die Instandhaltung der Verbesserungen beim Peiho zu zahlen, sowie die Hälfte jährlich auf 20 Jahre hinaus für die Verbesserung des Whang-Poo. Arttkel 12. Turch Edikt vom 24. Juli wurde das Tsung-Li-Pamen in dos' Ministerium für auswärtige Angelegenheiten umgewandelt mit dem Vorrang vor sechs anderen Staatsministerien. Auch ist ein Abkommen getroffen bezüglich der Abänderung des Hofzeremoniells beim Empfang der fremden Gesandten. Nachdem China zur Zufriedenheit der Mächte die Einzel- besttmmungen der Note vom 22. Dezember erfüllt hat, welche der Kaiser durch Tekret vom 27. Dezember völlig genehmigte, sind die Mächte übereingekommen, der durch die Unruhen im letzten Sommer geschaffenen Sachlage ein Ende zu machen. Tie fremden Gesandten sind daher ermächttgt, zu erklären, daß mit Ausnahme der Gesandtschaftswachen die internationalen Truppen Peking völlig räumen (Datum offen gelassen) und mit Ausnahme der erwähnten Orte sich aus Tschili zurückziehen (Datum offen). Ter Schwerpunkt des Belastungsmaterials gegen den Unteroffizier Marten lag einmal darin, daß er für die Zeit der Ermordung des Rittmeisters v. Kposigk, also für ungefähr 10 Minuten, keinen Beweis für feinen Verbleib beizubringen vermocht hat, und daß der Belastungszeuge Skopeck, der vom ersten Gericht einstimmig für unglaubwürdig erachtet, und deshalb nickst vereidigt wurde, diesmal dem Gerichtshof als glaubwürdig erschien. In Bezug auf das fehlende Alibi wird man, in Anbetracht des überaus kurzen Zeitraumes, um den es sich handelt, zugeben müssen, daß es auch für andere Leute sehr schwer, wenn nicht unmöglich sein dürfte, Minute für Minute über den Aufenthalt und die Handlungen eines bestimmten Tages Rechenschaft zu geben. Ter Verteidiger bezweifelte, daß es dem Staatsanwalt gelinge, nack-zuweisen, wo er vor acht Tagen nachmittags zwischen 4,35 und 4,45 gewesen sei. In der Thal, frage sich doch jeder selbst einmal, ob er ohne weiteres Auskunft zu geben vermöchte, genau bis auf die Viertelstunde, womit er sich vor zwei Tagen beschäftigt hat? Es wird sich manche Lücke ergeben. In diesem Prozeß hat die Minutenberechnung eine große Rolle, gespielt, eine verhängnisvolle, entscheidende Rolle; denn wäre Marten in der Lage gewesen, den verlangten Alibi- Nachweis für jene 10 Minuten zu führen, so würden alle anderen Belastungsmomente, sein Groll gegen dVn Ermordeten, fein Benehmen nach der Todesnachricht usw., hinfällig geworden fein. Nun Aum Belastungszeugen Skopeck, der zunächst selbst als des Mordes verdächtig verhaftet worden war. Skopeck hat dem Gendarmen Melzer und dem Vizewachtmeister Schneider auf Befragen gesagt: eigentlich habe er nichts gesehen. Vor Gericht aber, auch in der ersten Verhandlung, bekundete Skopeck, daß er unmittelbar vor der Thai zwei Unteroffiziergestalten, mit Schirmmützen, vor der Reitbahn stehen sah. Kriminalkommissar v. Bäckmann hat allerdings die überraschende Lösung dieses Widerspruchs, und zwar erst in der letzten Verhandlung, dadurch gegeben,-daß er erklärte^ von ihm sei Skopeck veranlaßt worden, allen Ausfragungen auszuweichen. Aber vor Gericht sollte natürlich Skopeck die Wahrheit sagen. Wir greifen aus dem diesmaligen Verhör des Hauptbelastungszeugen folgende Sätze heraus: Skopeck: „Ich sah zwei Leute an der Bandenthür mit runden Mützen stehen". Präsident: „Dachten Sie, es könnten wohl Unteroffiziere fein?" Skopeck: „Ich dachte, es könnte der Wachtmeister fein. Ich ging in den Krümperstall und fragte, wieviel Uhr es sei". Präsident: „Es ist dock- aber -merkwürdig, daß niemand Sie gesehen hat!" Skopeck beteuert wiederholt, daß ein Dragoner Stephan ihn gesehen, ihn beinahe umgerannt habe, als er, Stephan, mit den Worten hereinstürmte: Ter Rittmeister hat sich erschossen! Der Präsident bezeickMet nochmals „sehr merkwürdig", als „wunderbar", daß weder Stephan, noch sonst irgendwer Skopeck im Stalle erblickte. Wo ist denn nun das Alibi des dochi auch der That verdächtig gewesenen Skopeck? Derselbe Zeuge, der früher so bestimmt bekundete, zwei Unteroffiziere mit Schirm-^ mützen und schwarzen Schnurrbärten kürz vor der That an der Reitbahnthür erblickt zu haben, antwortete diesmal auf die Frage des Präsidenten „Haben Sie gesehen, wie die Leute aussahen?" : „Nein. Ich konnte nur die Kopfbedeckung sehen". Präsident: „Wie sah diese aus?" Skopeck: „Wie runde Militärmützen". (Also nicht „fteife" Mützen, wie sie die Unteroffiziere tragen.) Präsident: „Und haben Sie sonst nichts erkannt?" Skopeck: „Nein". Präsident: „Auch keine Schnurrbärte?" Skopeck: „Nein, es war zu dunkel". Aus diesen Proben wird man kaum die Ueberzeugung gewinnen, daß Skopeck ein „klassischer" Zeuge ist. Der Präsident selbst erklärte: „Man sieht. Sie sagen bald so, bald so aus". Umsomehr mußte überraschen, daß trotz der widersprechenden Aussagen Skopecks dessen Vereidigung erfolgte, uni) die ausdrückliche Feststellung im Urteil, daß Skopeck vom Gerichtshof für durchaus glaubwürdig erachtet wurde. Hoffentlich ist die Revision beim Reichsmilüärgericht von Erfolg. Das Todesurteil gegen Marten beruht selbstverständlich auf der besten, sorgfältig geprüften lieber» Beugung der Richter, aber es entspricht dem Rechstsempfin- oen weiter Kreise der Bevölkerung nicht. Nicht aus dem Grunde weil eine starke Ueberzeugung von der Nichtschuld Martens besteht — verdächtig erscheint Marten in mancher Hinsicht —, sondern aus dem Grunde, weil der Schuldbeweis nicht über allen Zweifel erhaben geliefert worden ist, weil die Gewißheit fehlt, und immer noch die ^og^ lichkeit einer schrecklichen Verkettung von Umständen blewt. 17. Berbandstag der deutschen landwtrt- schaftlichen Geuoffenschafteu. ' München, 21. Aug. Unter dem Ehrenpräsidium des Prinzen Ludwig von Bayern trat hier der allgemeine Verband der deutschen landwirffchaftlichen Genossenschaften zu feiner 17. .Hauptversammlung zusammen. Die gestrigen Verhandlungen begannen mit einer Versammlung der Revisoren, in welcher der Bericht über die Revision der Spar- und Darlehnskassen des Verbandes erstattet wurde. Diese Kassen bilden den eigentlichen Untergrund des gesamten iaiidwirtschaftlichen Genossenschaftswesens, da von den 6144 dem Allgemeinen Verbände angeschlossenen Genossenschaften 4077 zu dieser Gruppe gehören. Die 4077 Kassen haben ein Betriebskapital von 209,9 Mitt. Mark, wovon 14,2 Mitt. Mark eigenes Kapital waren. Die Gesamtsumme der im Jahre 1899 gewährten Kredite betrug 143,3 Mill. Mark, und zwar wurden hiervon 83,5 Mill. Mark in laufender Rechnung, 58,8 Mitt. Mark als Darlebn auf feste Zeit gewährt In gesteigertem Umfange wandten sich die Darlehnskassen dem Bezüge von landwirtschaftlichen Bedarfsartikeln zu, es wurden nach Ausweis der Stattsttk für aBg,F^ I I ”1 i r». BtHfN Mi to it 2Bein wtM fitre immVvb. kchmä . Hof. 9 MM. Mark gegen 5,3 Mill. Mk. int Vorjahre Bedarfsartikel seitens der Kassen bezogen. Tie Bezugsgerrossen- schasten, deren Zahl von 1013 auf 1055 stieg, und deren Mitgliederzahl sich von 78 284 auf 83 472 vermehrte, hatte einen gemeinsamen Warenbezug in Höhe von 24 Mill. Mark gegen 19,7 Mill. Mk. im Vorjahre. Tas, gesamte Betriebskapital stieg von 9,9 auf 11,7 Mill. Mk. und machte damit 53 Prozent des Einkaufswertes der Waren aus. Tie Molkereigenossenschaften vermehrten sich um 65, sodaß ihre Zahl zur Zeit 859 beträgt. Tie 74 394 Mitglieder der Genossenschaften lieferten insgesamt 1039 Millionen Liter Milch gegen 942 Millionen im Vorjahre ein. Tie Gesamtzahl der Mitglieder der Spar- und Tarlehnskassen des Verbandes beträgt nach den in der Versammlung gemachten Angaben gegenwärtig 290 367. Am Nachmittage fand in demselben s^aale die Generalversammlung der Be-< amten - Wohlfahrtskasse statt, an die sich eine Sitzung des Ausschusses der Versicherungskasse anschloß. Beide Institute sind dem Wohle der zahlreichen Beamten des Allgemeinen Verbandes gewidmet. Ter Genossenschaftstag wurde durch den Verbands-Anwalt Geheimrat .Haas eröffnet. Prinz Ludwig von Bayern übernahm auf Einladung den Ehrenoorsitz mit einer längeren Ansprache, worin er betonte, daß neben allen sonstigen notwendigen Maßnahmen zur Hebung der Landwirtschaft aucy der Landwirt selbst thätig vorwärts streben und dabei mit anderen sich zusammenschließen müsse, um seine Produkte richtig auf den Markt zu bringen und zu entsprechendem Preise verkaufen zu können. Hierfür seien die Genossenschaften eines der besten Mittel. Ter Prinz verbreitete sich dann über die verschiedenen Arten der landwirtschaftlichen- Genossenschaften, die Einkaufs-, Kredit-, Verkaufsgenossenschaften und andere nnd betonte dabei, wer einer Genossenschaft sich anschließe, gebe einen Teil von seiner eigenen Selbständigkeit auf. Ter Vorteil, der daraus entspringe, komme jedoch nicht nur ihm selbst, sondern der Allgemeinheit zugute. Auf die Rede des Prinzen, die mit lebhaftem Beifall ausgenommen wurde, folgten Begrüßungsansprachen seitens der Vertreter des bayerischen Ministeriums des Innern, der Stadt München, des preußischen Landwirtschaftsministeriums und der österreichischen Genossenschaften. An den Kaiser und den Prinzregenten wurden Huldigungstelegramme gesandt. Tann hielt Reichsrat Freiherr von Soden einen Vortrag über die geschichtliche Entwickelung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens in Bayern. Im weiteren Verlaufe der Verhandlungen wurde > eine Resolution des preußischen Land- tagsabg. Ring-Düppel angenommen, die betont, daß im Hinblick auf den stetig wachsenden Viehverkehr von Süddeutschland nach Norddeutschland die genossenschaftliche Zusammenfassung der deutschen Produzenten dringend erfor- derlich und sofort in Angriff zu nehmen sei. Votttische Tagesschau. Steuerfragen werden in der kommenden ReichstagSsesfion wiederholt Gegenstand der Erörterung sein, gilt es doch, angesichts des Defizits im Etat dem Reich neue Einnahmequellen zu erschließen. Schon die zweite Lesung des Schaumwein- steuergesetzeS dürfte die fieuersuchenden Parlamentarier an der Arbeit sehen. Das Centrum ist, wie es heißt, geneigt, zu beantragen, daß der Steuersatz für die Flasche Schaumwein, den die Kommission bereits auf 60 Pfg. erhöht hat, um weitere 40 Pfg., also auf 1 Mk., heraufgesetzt wird. Der dadurch sich ergebende Mehrertrag würde zwar nicht unerheblich sein, aber nicht entfernt ausreichen, die Lücke im Reichshaushalt zu füllen. Auch ist mit dem Protest der Schaumweinfabrikanten zu rechnen. Daß eine Reichsbiersteuer in Aussicht genommen ist, wurde vor einiger Zeit — irreu wir nicht, seitens des Oberbürgermeisters von Danzig — auf Grund spezieller Informationen versichert. Gin offiziöses Dementi erfolgte bisher nicht. Wenn nicht Alles trügt, ist am ehesten mit der Möglichkeit einer ge- staffelten Biersteuer zu rechnen. Wie die „D. W." aus wohlunterrichteten militärischen Kreisen erfährt, ist, nach den nunmehr getroffenen Dis- Positionen, die aller Wahrscheinlichkeit nach! eine Abänderung nicht mehr erleiden werden, das ehedem geplante Zusammenwirken von Heer und Flotte bei den Kaiser-Ma- növern, die am 17. September früh in Gegenwart des Kaisers ihren Anfang nehmen, aufgegeben worden. Die Annahmen der Manöverdispositionen sind derartig, daß voraussichtlich auch ein erzwungener Uebergang über die Weichsel unnötig sein wird. Die Behauptung, daß Kanonenboote zur Deckung des Ueberganges der einen Kriegspartei in Aussicht genommen seien, korrigiert sich insofern von selbst, als diese Fahrzeuge wegen der Stromverhältnisse nicht hätten Verwendung finden tonnen. Es wären nur Torpedoboote in Frage gekommen, von deren Hinzuziehung man Abstand genommen hat, da erstlich deren Gefechtskraft gegen Landtruppen nur gering ist und ferner bei den nunmehrigen Dispositionen ein Flußübergang im großen Stile angesichts des Feindes nicht stattfinden soll. Nach, dem durch Wegfall der Festlichkeiten abgeänderten Programm ist das Eintreffen des Kaisers in Danzig am 14. September vormittags zu erwarten. Am 16. September soll die Kaiserparade auf dem Strießer Felde bei Langfuhr stattfinden, und am 17. beginnen die Manöver in der Richtung auf Tirschau zu. Die Anwesenheit des Kronprinzen bei den Kaisermanövern gilt bis jetzt als ausgeschlossen; dagegen werden Prinz Albrecht, Regent von Braunschweig, Prinz Eitel Fritz und Prinz Leopold, der im Gefechtsgelände einer Kavalleriedivision Quartier nimmt, daran teilnehmett. Herr Schroers, Geschäftsführer der „Westlichen Poch' in der nordamerikanischen Stadt St. Louis, deschiihrenden deutschen Blattes daselbst, hat an einen vertrauten Korrespondenten im Auswärtigeit Amt die vertrauliche Anfrage gerichtet, ob wohl Aussicht vorhanden wäre, daß der Kaiser Die für das Jahr 1903 geplante Weltausstellung in St. Louis besucht. Tie selbstverständlich gänzlich un- offizielle Antwort soll gelautet haben, die M ö g li ch feit, hafe der Kaiser veranlaßt werden könnte, die Tradition beiseite zu setzen und die Weltausstellung mit seiner Gegenwart zu beehren, sei immerhin nicht ganz aus- ge sch la ss en. Der Kaiser habe die Gewohnheit, sich über dre ^.radttwn zu erheben, wenn die Gelegenheit ihm dies zu rechtfertigen scheine. Tie „Newyorker Staatsztg." meint, es wurde nun dem Präsidenten Mac Kinley obliegen, eine formelle Einladung zu erlassen und zu deren Uebermittelung eine Kommission hervorragender Deutsch-Amerikaner zu ernennen. Gleichzeitig damit würde natürlich eine Einladung von feiten der Weltausstellungs-Gesellschaft, des Mayors von St. Louis und des Gouverneurs von Missouri ergehen Um diesen Einladungen noch mehr Gewicht zu verleihen sollten speziell sämtliche Gouverneure der Union ersucht werden, sich derselben anzuschließen. Eine weitere Einladung würde von den Redakteuren der 942 in den Vereinigten Staaten erscheinenden deutschen Zeitungen ergeheii und eine dritte von den Bürgermeistern der Großstädte. — Und der Zweck, für den dieser ganze Apparat arbeiten soll? Reklame für die Weltausstellung in St. Louis! Dazu aber möge man sich doch andere Leute aussuchen, als den i>cutfd}en Kaiser! Der bisher ziemlich harmlose Konflikt zwischen Frankreich und der Türkei hat sich urplötzlich scharf zugespitzt: Der Botschafter der Republik, Constans, erklärte die diplomatischen Beziehungen zwischen seiner Regierungen und der Türkei für abgebrochen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als eine Kriegsdrohung, falls der Sultan nicht in letzter Stunde eine Verständigung anzubahnen sucht und sich den Forderungen Frankreichs bedingungslos fügt. Von dem Vorwurf des Wortbruchs — er zog seine Zusage betreffend den Quai-Rückkauf und die Liquidation der strittigen Schuldforderungm zurück — vermag er sich freilich nicht mehr reinzuwaschen. Doch es dürften „mildernde Umstände" in Betracht kommen. Aus mancherlei Maßregeln, die AbdulHamid in letzter Zeit getroffen hat — es sei nur an die Ausweisung der staatsgefährlichen europäischen Gouvernanten aus der Türkei erinnert — geht hervor, daß der Sultan Einbuße an seiner Urteilsfähigkeit erlitten hat, wohl eine Folge der steten Angst vor Komplotten, Attentaten nsw. Vielleicht hat Herr Constans, ein scharfer Beobachter, dem der Zustand des Sultans schwerlich entgangen ist, in seinem Bericht an die Regierung auf diesen Umstand hingewiesen, sodaß eine Verständigung auf diplomatischem Wege immerhin im Bereich der Möglichkeit bleibt. Die Streitfrage selbst ist es wirklich nicht wert, eine ernste Situation herbeizuführen. Engländer und Buren. Eine Abteilung Buren hat sich seit einigen Wochen nach dem Bezirk von Barkly East hingezogen. Ihr Vormarsch wurde durch die Polizei der Kapkolonie und andere Lokaltruppen aufgehalten. Barkly East ist zwar besetzt, aber infolge der Nähe des Feindes völlig von der Post- und Telegraphenverbindung abgeschnitten. Die Burenkommandanten bedrohen jeden mit dem Tode, der die Kundmachung Kitcheners in Umlauf setzt. Der Berichterstatter eines Londoner Blattes führt zwei Fälle an, wo englische Offiziere, welche die Kundmachung Befehlshabern von Burenabteilungen überbrachten, ihrer Pferde und ihrer persönlichen Habe beraubt und zu Fuß zurückgeschickt wurden. — Das ist die von den Engländern veranlaßte „Auge um Auge, Zahn um Zahn--Politik. Dr. Hendrik Muller, Vertreter des Oranje-Freistaats im Haag, teilt mit, daß elf. )is zwölftausend Kapkolonisten die Waffen ergriffen haben. In dem Bericht, den er aus Südafrika erhalten hat, heißt es weiter: Der Zustand hier wird sehr kritisch, die Engländer ind rathloS. Sie halten alle Berichte auf, damit diese nicht )ic Kapstadt erreichen. Daö, was man dort hört, ist lauter Lüge. Die ganze englische Politik hier wird bald zusammen- irechen und England selbst hier verbluten.- Deutsches Keich. Berlin, 21. Aug. Aus Wilhelms höhe wird gemeldet : Gestern nachmittag unternahm das Kaiserpaar mit Gefolge einen Ritt auf den Essigberg, wo auch das Souper eingenommen wurde. Heute vormittag unternahm das Kaiserpaar einen.Ritt durch den Habichtswald. Später hörte der Kaiser den Vortrag des neuen Chefs des Zivilkabinetts, Conrad, der heute hier eintraf. — Aus Danzig wird berichtet: Tie Absperrungsmaßregeln bei der zum 14. September zu erwartenden Anwesenheit des Kaisers werden streng und umfassend ein. Tas gesamte große fiskalische Terrain, über das die Bahnverbindung von der Werft nach dem Zentralbahnhof führt, wird durch einen Eisendrahtzaun abgeschlossen und außerdem streng bewacht. Frei bleibt nur die große Zufuhrstraße zur Werst; für den Zutritt zur Werst werden besondere Vorkehrungen getroffen werden. Tas Terrain vorder Werft erhält außerdem eine großartige elektrische Beleuchtungsanlage; audji die Beleuchtungslaulage der kaiserlichen Werft wird erheblich verstärkt- Tas ständige Militär- Wachtkommando kommt unter den Befehl eines Offiziers; eine ständige, aus sechs Berliner uniformierten Schutzleuten bestehende Polizeimannschaft der Werft wird durch echs Tanziger Schutzleute verstärkt. — Ter König Don Italien mit feiner Gemahlin oll, wie eine Korrespondenz erfahren haben will, noch in diesem Herbst zum erstmaligen Besuche des Kaisers im Neuen Palais in Potsdam eintreffen. Ter Besuch dürfte voraussichtlich nach Beendigung der großen Manöver und der Landestrauer stattfinden. — Tie Geschäftsführung des Deutschen Flotten- V er ei ns ist dem Generalmajor z.. D. Menges in Darm st a d t übertragen worden. - Ter TeutscheLandwirtschaftsrat versendet, „ohne Unterschrift", wie die „Deutsche Tagesztg." behauptet, eine Erklärung, worin er sich gegen die Behauptung der „Deutschen Tagesztg." wendet, daß die Anträge des ständigen Ausschusses des Deutschen Landwirtschaftsrates zum Zolltarifgesetze von der bisherigen Stellung der Plenarversammlung dieser Körperschaft einigermaßen abweichen. Tiefe Behauptung sei völlig aus der Luft gegriffen, da in den Plenarversammlungen des Deutschen Landwirtschaftsrates über die Höhe der Zollsätze bisher keine Beschlüsse gefaßt worden seien. Dagegen habe die diesjährige Plenarversammlung den ständigen Ausschuß beauftragt, zu eingehender Beratung und Beschlußfassung über den Entwurf eines neuen Zolltarifgesetzes zusammenzutreten. Ter ständige Ausschuß habe deshalb nur seine Pflicht gethan und werde der nächsten Plenarversammlung über seine Beschlüsse Rechenschaft ablegen. Die „Deutsche Tagesztg." erwidert auf diese Erklärung ziemlich gereizt. Man hätte sie sich ersparen können. Mindestens erschien die Redewendung: „völlig aus der Luft gegriffen" ungerechtfertigt. Die Auffassung, daß die Anträge des ständigen Ausschusses des Deutschen Landwirtschaftsrates von der bisherigen Stellung der Plenarversammlung dieser Körperschaft „einigermaßen abweichen", hält das Matt vollkommen aufrecht. Im übrigen möchte es sich in keine weitere Polemik einlafsen, sondern die Entscheidung der ganzen Frage der Plenarversammlung des Deutschen Landwirtschaftsrates überlassen. — Die vereinigten preußischen und hessischen Staatseisenbahnen vereinnahmten im Juli bei einer Betriebslänge von 30 950,10 Km. (Plus 435,74 Km.) aus dem Personen- und Gepäckverkehr 42 806000 Mk. (Minus- 142 000 Mk.), aus dem Güterverkehr 72 727 000 Mk. (Minus 758000 Mk.). Verschiedene Einnahmen ergaben 6 588 000 Mark (Minus 104 000 Mk ), die Gesamteinnahmen im Juli betragen somit 122121000 Mk. (Minus 1004000 Mk.). Auf 1 Km. entfallen 3955 ,Mk. (Minus 83 Mk ). Seit dem 1. Aprib werden insgesamt 462510000 (Minus 3 650 000 Mk. > vereinnahmt. Tie Kilometereinnahme beträgt 15 003 Mk. (Minus 352 Mk.). — Trotz den Schwierigkeiten, die mit Rücksicht auf die gegenwärtige Sage der Finanzverhältnisse im Reiche dem Plane einer Erweiterung der Kommission für Arbeiter st ati st ik entgegenstehen, rechnet man in den beteiligten Kreisen doch mit ziemlicher Bestimmtheit darauf, den Plan mit Hilfe des Reichstags verwirllicht zu sehen und zwar erforderlichensalles auf dem Wege der Einbringung eines Nachtragsetats. Rix d o r f, 21. Aug. Ein Ko nflikt zwischen Bürgermeister und Magistrat ist ausgebrochen. Tie Stadtverordnetenversammlung hatte beschlossen, an den Reichstag eine Petition zu gunsten langfristiger Handelsverträge abzusenden. Ter Magistrat war diesem Beschlüsse beigetreten, dagegen erklärte der erste Bürgermeister den Magistratsbeschluß für ungesetzlich, da es sich hierbei nicht um eine Gemeinde-Angelegenheit handelt. Ter Magistrat protestierte gegen diese Auffassung und beschloß gegen die Beanstandung seines Beschlusses durch den Bürgermeister im Verwaltungsstreitverfahren Klage zu erheben. K a 11 o w i tz , 20. Aug, Gestern abend zwischen 9 und 10 Uhr wurden auf russischem Gebiet, 70 Meter von der Grenze entfernt, bei Borken hiesigen Kreises, zwei russische jüdische Schmuggler vermutlich! von Grenzsoldaten erschossen. ■ Fulda, 21. Aug. Ms gestern früh die Landgräfiu von Hessen vor dem Dom anfuhr, empfing sie der Bischof von Fulda am Portal und geleitete sie zum Grab des Bonifazius, wo die Bischöfe, die heute ihre Jahreskonferenz beendeten, zur Eröffnungsandacht versammelt waren. Die Landgräfin reichte jedem Bischof die Hand. Sigmaringen, 21. Aug. Ter Generalminister der Franziskanerorden, Lauer, ist hier gestorben. Ausland. Ediuburg, 21. Aug. Der deutsche Kronprinz ist heute hier eingetroffen und hat sich später nach Dalmeny zum Be- suche Lord Rosebery's begeben. Paris, 21. Aug. Wie nunmehr feststeht, trifft die Zarin zugleich mit dem Zaren auf der Dacht „Standard" in Dünkirchen ein. Die Dacht „Swetlana- trägt das Gefolge res Kaiserpaares. Die Zarin bringt eventuell alle ihre Töchterchen, sogar ihr jüngstes, mit, falls sich ermöglichen läßt, die schottische Milchkuh, ein Geschenk der Königin von England, mitzuführen. Den Zaren begleiten sein Onkel, Großfürst AlexiS, Fürst Dolgoruky, Graf Benkendorf und General Heffe. Im Programm der Festlichkeiten von Tom- piägne figuriert eine große Treibjagd, wozu sämtliche Jagd- besitzen der Umgegend das Wild beitreiben werden, sowie eine intime Galavorstellung im kleinen Theater des Schlaffes. Ueber Besuche des Kaiserpaares in Paris, deren mindestens zwei sicher sind, werden Details erst später festgesetzt. Belgrad, 21. Aug. Von zuständiger Seite wird gemeldet: Ein türkischer regulärer Soldat namens Uso scho- in der Nähe des GrenzwachthauseS Tuuovo auf den Serben Perischa Obradowitsch, der sich auf seinem Felde befand, und verwundete ihn schwer. Uso gestand seine That vor dem erbischen und dem türkischen Patrouillenführer und gab an, n dem Glauben gehandelt zu haben, eS sei ein türkischer Flüchtling. CS ist festgestellt worden, daß die That auf serbischem Gebiete geschah. — Ja der Nacht vom 18. zum 19. August versuchten türkische Schmuggler bei den Wacht- Häusern Kainovicse und Scharpelatz die serbische Grenze zu überschreiten, wurden jedoch von einem serbischen Grenzwächter bemerkt und zogen sich nach kurzem Kampfe auf türkisches Gebiet zurück; hier wurden sie von türkischen Grenzwächterv empfangen. Dabei fiel ein Schmuggler. Aas Stadt und Land. Stachrckchten von allgemeinem Jntereffe sind UNS stets willkommen unb werden arrgerrrefser» honoriert. Gießen, den 22. August 1901. *• Personal-Nachrichten. Der Großherzog hat dea Stellvertreter des evangelischen Dekans des Dekanats Grün- berg, Pfarrer Friedrich August Röschen zu Winnerod auf fein Nachsuchen wegen geschwächter Gesundheit von diesem Amte enthoben. — Der Groß Herzog hat der durch die Dekanatssynode des Dekanats Nidda für den Rest der laufenden Wahlperiode vollzogenen Wahl des Pfarrers Lad' wig Fischer in Eichelsdorf zum Dekan und des Pfarrer- August Hildebrand in Echzell zum Dekanstellvertreter bei Dekanats Nidda die Bestätigung erteilt und den Revision!' koutrolleur bei dem Hauptsteueramt Offenbach Philipp Weiß zum HauptfieueramtSkontrolleur bei dem Hauptfieueramt Gießen ernannt. •» Prof. Dr. Steiubrügge f. Ein schwerer Verlust hat unsere Landesuniverfität betroffen: Gestern nachmittag verschied nach längerem, schweren Leiden der außerordentliche Professor der Medizin Dr. Steiubrügge. Hermann Johann Friedrich Steinbrügge wurde am 25. Juli 1831 zu Hamburg geboren. Ec studierte von Oktober 1851 bis zum Herbst 1854 in Heidelberg. Im Oktober 1854 promovierte er bei der medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg und wurde im folgenden Jahre Assistenzarzt an der medizinischen Klinik derselben Universität. 1857 ging er als Assistent der chirurgischen Station des Allgemeinen Krankenhauses nach Hamborg und im Sommer 1858 studienhalber nach Wien. Bon 1859—18 wirkte er als praktischer Arzt in Hamburg. Am 5. November 1881 habilitierte er sich in Heidelberg und am 24. Januar 1885 in Gießen für Ohrenheilkunde. Am 29. Januar 18» i erfolgte seine Ernennung zum außerordentlichen Professor. Am 5. Februar 1889 erhielt er den Lehrauftrag für Otiatne, von welcher Zeit ab er die otiatrische Klinik leitete. Die Leiche wird am Freitagnachmittag 3 Uhr nach seinem Geburtsort Hamburg übergeführt. ** In Amerika verstorbene Heffen. Mathias Hartleb au- Albig bet Alzey, gest. in Erie (Pa.), 78 3. alt. — Heinrich Preffer aus Rheinheffen, gest. in LomSvtlle (Sy.), 40 3. alt. — Konrad Bickel aus Bleichenbach, gest. in LouiSvtlle («Y ), werd»n. -M- gekentert * Saragossa, 21. Aug. Frankfurt, deu 22. August Ten-’en» ruhig- «•8 Wett« August £ § 86 N. NE. 2 755 4 755,8 754,8 . 199 00 . 174.80 . 120.90 . 130.50 . 137.80 . 185.80 . 158.00 . 187 00 meldet, daß gestern Abend ein Vergnügungsboot ist, wobei fünfzehn Personen ertranken. 15,0 11.3 22,2 22 6° C. 7,9° C. 10,9 9,6 9,0 Oeeterr. 8taatsbahu Gotthardbahn Laurahütte . . Bochum . . . Harpen er . - . sternb. Himmel Nebel Sonnenschein 9»» 7« 2“ £ -O s 8 . 100 95 . 91.10 . 100.95 . 91.10 . 98.50 . 99.00 43.50 . 25.70 . 26.45 . 8300 5 % Italien. Rente . . 4°/o Griech Jtanop.-AnL 8 o/o Portugiesen . . 8 O/o Mexikaner . . 4,/b O/o Chinesen . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit . Darmstädter Bank . . Dresdener Bank . . . Berliner Handelsgea. , Reichaame he . do Konsole . . . do . . . Hesset? . . . 1 -s . . 167.75 . . 155.00 21. 22. 22. Kittrratur, Wissenschaft und Kunst. — Der Litterarhistoriker und Privatdozent an der Berliner Uni« oerfität Richard M. Meyer ist zum außerordentlichenProfeffor ernannt worden. — Veethovenfest in Eisenach vom 5.-7. Oktober. Man schreibt un8: Da« Programm für das Beethovenfest in der altehrwürdigen Wartburgstadt gelangt soeben zur Ausgabe. Wir entnehmen daraus, daß das Soloquartctt für die Neunte Sinfonie mit folgenden hervorragenden Künstlern besetzt ist: Frau Aaltje Noordewier RedingiuS, Fräul. Maria Phllrppi, Raimund von Zur-Mühlen und Fritz Haas. Professor Karl Halir wird das Violinkonzert, Frederic Lamond daS Es-dur-Klavierkonzert vortragen. In der Matinee am 6. Oktober werden außer den drei Ouvertüren zu Leonore das Rondino für 8 Bläser, der Liederkreis „An die ferne Geliebte" (von Zur-Mühlen), die zwei Diolin-Romanzen (Halir) und ein selten gehörtes späteres Werk des Meisters das Terzett „Tremate, empj, tremate“ für Sopran, Tenor und Baß zur Aufführung gelangen. Den Chor stellt der Musikverein Eisenach, daS Orchester die bedeutend verstärkte Herzogliche Hoskapelle zu Meiningen. Leiter deS Festes ist Generalmusikdirektor Fritz Steinbach. — Bei dem Wettbewerb um den Bau des Stadttheaters zu Bielefeld erhielt Professor Sehring in Berlin den ersten Preis. 8% 8Vi*/o 8C/a 6Ve6/5 Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. fc. GerrtSheim, 21. Au,. Mit netto 500000 Mk wird jetzt die Konkursmasse der bankerotten Rheinischen Zuckersabrik angegeben. — Zur Verhaftung TerlindenS wird gemeldet, daß der deutsche Konsul gegen den in Milwaukee verhafteten G. Terltnd-n einen Prozeß angestrengt und die Beschlagnahme seines Eigentums verlangt hat. Der Bundeskommissar bat den Vrr- handlungstermin bt8 zum 6. Septrmber verschoben. T. ist vermutlich dem in Deutichland wett verbreiteten Irrtum zum Opfer gesall-.n, daß die Vereinigten Staaten nur Mörder ausliefern. Ja Wtrkttchkttt wird jeder behördlich verfolgte Verbrecher ausgeliefcrt, wenn dl« r-quirierende Behörde bezw. die Regierung des Heimatlandes die nicht unerheblichen Kosten der Auslieferung und deS Transportes hinterlegt. T. hat dies offenbar auch nicht gewußt und sich in Milw-uk-e so sicher gefühlt, daß er aus der Identität seiner Persönlichkeit kein Geheimnis machte und seine Barschaft von 100OCO Mk. in aller Ge- mütsrube d> panierte. ZH e» iS w «Z der Alten Mainbrücke in Frankfurt a. M. die Leiche eines etwa 50 Jahre alten Mannes aus dem Main ge- ländet und nach dem Sachseuhäufer Friedhof transportiert. In den Taschen des unbekannten Verlebten, der etwa vier Tage im Wasser gelegen haben mag, fand sich nur ein preußischer Pfennig, sowie ein österreichischer Kreuzer vor. — Die Ehefrau eines Schlossers machte au demselben Morgen in ihrer Wohnung ihrem Leben durch Erhängen ein Ende. Die Ursache dazu ist unbekannt. — Die Eheleute Franz Baur eis I. in Viernheim feierten am Mittwoch ihr goldenes Ehejubiläum. DaS greise Jubelpaar erfreut sich noch einer ebenso seltenen geistigen wie körperlichen Frische — Im Nebengeleise zwischen Oberstadtbahnhof und Güterbahnhof in Kassel ereignete sich am Montag ein bedauernswerter Unfall. Ein etwa 30jähriger unverheirateter Rangierer aus Rothenditmold geriet beim Rangieren der Wagen zwischen die Puffer, sodaß ihm verschiedene Rippen gebrochen wurden und er schwer verletzt nach dem Landkrankenhause geschafft werden mußte. — Am Montag verunglückte ein fremder junger Radfahrer beim Bahnübergang über die Fuldaer Chaussee bei Schlüchtern. Im Begriff, beim Heraunahen eines EisenbahuzugeS vor der Schranke sein Rad anzuhalten, fuhr er damit gegen einen Prellstein, sodaß das Rad zerbrach und der Fahrer kopfüber heruuterflog. Durch den Sturz brach er das Rückgrat. Der Verunglückte lebte noch eine halbe Stunde, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Seine Leiche wurde ins Schlüchterner Spital übergeführt. Er und sein Kamerad wollten nacb Straßbura. Meteorologische Beobachtungen -er Station Gieße». Höchste Temperatur em 20. bis 21. August Niedrigste „ , 20. „ 21. „ 5O-S sM LS-S Vermischtes. • Altenburg, 20. Aug. Beim Bürgermeister Germann, über dessen Zusammenstoß mit der Stettiner Polizei berichtet worden ist, hat sich ein hochgradiges Nervenleiden eingestellt, daS seine Unterbringung in der Zehlendorfer Heilanstalt nötig gemacht hat. * Brest, 21. Aug. Eine Depesche auS Treguier Infolge eines heftigen sind in Sturmes, der in der hiesigen Gegend wütete, Villanueva Jiloca vierzig Häuser eingestürzt. Sechs Personen wurden getötet. 97 . Still 46 ' NE. ouvrillzistk Dalveny M f trifft dieZam 't «Standard n tragt das Schlge eventuell alt ihre ßch emvMri l der MM ve» gleiteu süu OA if Btnltnboif u) lichteilen van i:i ozu sämtliche toetben, fowit ritt litt des , beten wivdchvl ■ festgesetzt. ■ Seite wirb ge imtnfi llsv v tn Tcn iMr befand n) tiBt Thal tiot ta sthrer und gab a, iS fei ein cklW daß die Thrl-r Nacht vom 18. jD zler bei den M serbische Srenj« If i serbischen irzem Kampfe« jie von türkis^ M. tert. , Äogust M. >ßherzog^ deS Delanati ;n zu WM 8 für d-° g unb M unb bin °b°ühin aus, daß eine Erhöhung dieser Zölle die Seifenfabrikation so empfindlich schädigen müsse, daß die Existenz vieler Seifenfabrikanten dadurch in Frage gestellt werde. L» sei ihr daher mit allen zuläffigen Mitteln entgegenzu- rvirken und auch dahin zu ftreben; daß die ätherischen Oele, welche in der Seifenfabrikation Anwendung finden und seither zollfrei eingingen, nicht mit einem Zolle belegt werden, wie ihn der Entwurf eines Zolltarifs für das Deutsche Reich i orfieht. Bezüglich der Erhöhung der Getreide- und Schlacht- vir hzölle war man darin einig, daß sie eine Verteuerung der Lebensmittel und dementsprechende Lohnerhöhungen zur Folge haben würde, welche die Seisensabrikatiou nicht vertragen könne, weshalb auch hiergegen entschieden Stellung zu nehmen sei. Bensheim, 21. August. Zwanzig Veteranen und Mitglieder des hiesigen Kriegervereins unternahmen am 15.. ds. MtS. einen gemeinschaftlichen Ausflug nach den großen Schlachtfeldern des glorreichen Feldzuges 1870/71. Di« Fahrt ging Über Saarbrücken nach Metz, Straßburg, Wörth und Weißenburg. Die Rückkehr erfolgte am Montagabend. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der Nacht des 18. August wurde der Landwirt Scior von Hetzbach durch einen Stich in den Unterleib lebensgefährlich verletzt, er starb auf dem Transport nach Darmstadt. Der Mörder ist leider verheiratet und hat die feige That in der Aufregung Über die kürzlich stattgehabte und nicht nach seinem Sinn ausgefallene Bürgermeisterwahl vollbracht. — Etwa um dieselbe Zeit wurde in dem benachbarten Unter-SenSbach mit dem Messer „gearbeitet", wobei einer der Beteiligten durch einen Stich in die Brust erheblich verletzt wurde. — In Hainstadt herrscht seit nahezu drei Jahren die gräßlichste Parteiwut, die am letzten Montag ein neues Opfer forderte. Zwischen Hainstadt und Rosenbach wurde der in letzterem Orte wohnhafte M. Weber in seinem blute liegend bewußtlos aufgefunben. Sein Körper war schrecklich zugerichtet. Weber schwebt auch heute noch in Lebensgefahr. — In Untersuchungshaft kam ein Unteroffizier des Feldartillerie-Regiments Nr. 63 in Mainz, ber sich im tzferdestalle eines Verbrechens ber wibernatürlichen Unzucht hat zu schulben kommen lassen. — In Laubenheim ist ein Reblausherb von etwa 60 Schenkeln seitens ber Reblaus- lommission entdeckt worben. Der Platz ist labgesperrt unb die zustänbigen Behörben find benachrichtigt. — In Pfaff en- Itzwabenheim wurde der 20jährige Mechaniker Schüler ton einem 19 jährigen Burschen aus Hackenheim im Verlauf eine« Streites ins Herz gestochen, sodaß er sofort seinen Seist aufgab. Der Thäter ist verhaftet. — Der 24 jährige Landwirt Jean Schickert ans Spiesheim stürzte auf einer Xubtour unb blieb schwer verletzt über Nacht auf der Straße fugen. Am Morgen wurde er aufgefunden und nach seiner Löhnung verbracht, starb aber auf dem Transport dahin. - In Alzey biß bei einem Streit ein Bursche seinem Segnet die Nasenspitze durch. — In Biedenkopf brach im 21. August Großfeuer aus. 7 Scheunen wurden »geäschert. DaS Feuer greift infolge deS WaffermangelS Hut um sich. — Dieser £age stürzte beim Strohlegen der Laglöhnet Wilhelm Kautz aus NiedetFlotstadt ans dem Straft in die Scheuertenne und war sofort tobt. — ®en Spenglergeselle Joh. Gerlach, der beim Anlegen eine« Rubels am Karmeliterschulhause in WormS beschäftigt war, fi.l durch das Ablösen eines Steines Mittwoch Vormittag tone Dache und blieb sofort tot auf dem Platze. Der ver- ogllückte ist verheiratet. — Am 20. d. M. wurde oberhalb 7 oooS; Ss tx,Wx\ f I SSs Sltt» 5m Lb ^klickt e9eaut und das Fleisch in Fetzen von den Beinen hingen. Sehr schwer verletzt wurde auch der Heizer Rudolf Groth. Von deir Passagieren war der Bauführer Derlei aus Berlin am schlimmsten davougekommen. Außer ihm wurden noch der Gärtner Foth und Herr Schönberner aus Berlin verbrüht. Kandwirlschast. — Saalenstand in Preußen um die Mitte August 19011 (No. 2 — gut, No. 3 — mittel (durchschnitt), No. 4 — gering.) 15. ~ ~ Winterweizen Sommerweizen Wmterroggen Sommerroggen Gerste Hafer Kartoffeln Klee Luzerne Wiesenheu In den Bemerkungen der ^Statist. Korresp." heißt es, der ganze Osten des Königreiches, mit Ausnahme etwa des Regierungsbezirkes Gumbinnen und einzelner Teile von Schlesien, habe wenig bestiedigende Ernteergebnisse gezeitigt, die bei der einen oder anderen Frucht oft an eine Mißernte grenzen. Die Dürre habe das durch den Winter stark angegriffene Getreide an Kräftigung und Entwickelung gehindert und vielfach Schädlinge und Unkraut aufkommen lassen, sodaß die dünnen Bestände oft daS nicht hielten, was sie selbst kurz vor der Ernte noch versprachen. Ebenso habe der Nordwesten erheblich unter großer Trockenheit zu leiden gehabt. Der größte Ausfall treffe die leichteren Böden. Die schwereren hätten noch länger den notwendigen Feuchtigkeitsgehalt zu bewahren vermocht, wenn auch stellenweise der Boden knochenhart eingetrocknet gewesen sei und Riffe aufgewiesen habe, die eine Brette von 30 Centimeter zeigten. Unter diesen Umständen sei, wenn nicht bald ein durchweichender Regen eintrete, auch eine erhebliche Erschwerung der Herbstbestellung zu befürchten. An vielen Stellen habe sich einpfindlicher Wassermangel in Brunnen und offenen Gewäffern gezeigt. Verhältnismäßig am besten habe Gerste die Trockenheit vertragen und, da sie durch tadellose Ernte erheblich an Wert gewann, zum teil sogar sehr gute Erträge geliefert. Sommerweizen und Roggen wie'en noch mehr wie die Winterung daS Zeichen der Notreife auf. Besonders treffe dieS auf Hafer zu, der sich am wenigsten widerstandsfähig gegen die Dürre erwiesen habe und häufig schlechten Rispenansatz wie kurze Halme zeige. Auch habe am Hafer die Zwergcikade, die wie die Fritfliege strichweise häufig auftrat, viel Schaden angerichtet und manche Felder völlig zerstört. Die Hackfrüchte zeigten im allgemeinen keinen schlechten Stand: doch sei zu befürchten, daß bei noch längerer Dürre das Kraut der Kartoffeln welke. Die Knollen seien durchgehends klein, während das Kraut im Bestreben, möglichst viel Feuchtigkeit, die der Boden nicht gab, der Luft abzugewinnen, üppig wuchere. Der Klee habe den Winter meist sehr schlecht überstanden und werde in weiten Gegenden kaum einen zweiten Schnitt gestatten; die Wiesen zeigten eine braunrote, ausgebrannte Farbe. Die Vegetation sei abgestorben und die Grummeternte falle aus. Eingesandt. (Für Form unb Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Sttrtifel übernimmt die Redaktion bem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) arankeuv-rsicherungSzwang für Handlungsgehilfen. Ein Kommentar zu den gestern gebrachten Ausführungen des Herrn Stadtv. Krumm dürfte wohl am Platze sein. Dieser Herr bespöttelt als Anhänger der Sozialdemokratie daS in genannter Sache zum Ausdruck kommende Standesbewußtsein. Wunder kann das allerdings nicht nehmen, wenn man die Erfolge dieser Partei in ihrem LiebeSwerben um die Handlungsgehilfen in den letzten Jahren betrachtet, denn diese Erfolge mb gleich Rull. Die HandlungsgehUfen aber wenigstens in einer Beziehung auf die Stufe des gewerblichen Arbeiters zu stellen, dazu bieten allerdings die fast durchweg unter sozialdemokratischer Leitung stehenden Ortskrankenkassen die beste Handhabe. Die Frage, wo die Handlungsgehilfen die größte Gegenleistung haben, ist schnell beantwortet: bei den freien Hilfsraffen der großen kaufmännischen Verbände. Diese, Aug. 01. 15. Juli 01. 15. Aug. 00. 3,7 3,7 2,6 3,0 2,9 2,6 3,1 3,1 3,1 3,2 3,1 3,1 2,8 2,8 2,6 3,0 3,0 2,5 2,7 2,7 2,4 3,7 3,8 3,4 3,5 3,6 2,9 3,6 3,4 8,0 Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten mache ich hierdurch die Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, meinen geliebten, unvergesslichen Gatten nach längerem, schwerem Leiden am 21. d. Mte. aus seiner irdischen Laufbahn in die himmlische Heimat abzurufen. Mit der Bitte um stille Teilnahme Giessen, den 22. August 1901. Elisabeth Steinbrügge. 5732 Die Ueberführung der Leiche vom Sterbehause, Südanlage 9, nach dem Bahnhof erfolgt Freitag den 23. d. Mts., nachmittags 3 Uhr. Submission. Nachfolgende Arbeiten sollen im Wege einer öffentlichen Submission vergeben werden: Weißbinderarbeiten laut Voranschlag ca. JC. 250.— Dachdeckerarbeiten ca. JC. 400.— Voranschläge und Bedingungen können auf unserem Büreau eingesehen werden. Angebote müssen bis Montag den 26. August, vormittags 11 Uhr, eingereicht werden. Der Vorstand der OrtSkrankeukasse Gießen. Gg. Dahmer, I. Vorsitzender.5726 Submission. Die Lieferung von Weißzeug, Beltwerk, Krankenkleidern, Stoff zu Stores und Kranken- teppichen soll auf dem öffentlichen Submissionsweg für das Rechnungsjahr 1901/02 vergeben werden. Bezüglich der Lieferungsbedingungen ist der Erlaß Gr. Ministeriums des Innern vom 16. Juni 1893, das Ver- dtngungswesen betreffend, und dessen Anlage A maßgebend. Die Lieferungsbedingungen und Musterstücke sind auf dem Verwaltungsbureau genannter Anstalt an den Wochentagen nachmittags von J8 bis 6 Uhr einzusehen. Offerten mit der Aufschrift „Lieferung von Weißzeug rc." find verschlossen bi» zum Samstag den 7. September 1901, mittags 12 Uhr, unter Beifügung von Stoffmustern an die Gr. Verwaltung der neuen Kliniken einzureichen. Zuschlagsfrist bis zum 14. September 1901. Die Lieferung kann auch verteilt vergeben werden. Gießen, den 21. Aug. 1901. Großh. Verwaltungs-Direktion der neuen Kliniken. 1T8 Gießener Dmibus - Gesellschaft. Die Lieferung von 100 Ctr. Hafer soll für die Zeit vom 1. September 1901 bis 3 t. August 1902 vergeben werden. Lieferbar 100 Ctr. monatlich Interessenten werden ersucht, Offerte nebst Muster bis zum 31. b. Mts. auf dem Depot abzugeben; 5734 Hrurnmetgras- Wersteigerung. Das Grummetgras von den Domanial-Wiesen der Oberförstereien Wieseck und Gießen wird versteigert: 1. in der Gemarkung Alten Buseck Ponrrerstag den 29. August, vormittags 9 Uhr, in der Wirtschaft des Herrn Otto Rabenau zu Alten Buseck; 2. in der Gemarkung Wieseck Areitag den 30. August, vormittags 9 Uhr, in der Wirtschaft des Herrn Dorfeld zu Wieseck, in der Post; 3. in der Gemarkung Gießen an demselben Tage, nachmittags 3 Uhr, in der Leib'scheu Wirtschaft im Philosophenwald beiGießen. Gießen, 21. August 1901. Großh. Oberförsterei Wieseck. Weigand. Großh. Oberförsterei Gießen. Joseph. 5725 chrummetgras- Wersteigerung. Das diesjährige Grummelgras von den Domanialwiesen wird Donnerstag den 27. August l. I. versteigert und zwar: 1. nachmittags 7a2 Uhr bei Herrn Wirt Sckulteiß in Lumda von 15 ha Wiesen der Gemarkungen Atzenhain und Lumda; 2. nachmittags 3/<5 Uhr bei Herrn Wirt Heinrich Schepp V. in Saasen von 29 ha Wiesen in den Gemarkungen Göbelnrod, Harbach, Lindenstruth, Queck- born und Saasen. Die betreffenden Wiesenwärter und Forstwarle sind beauftragt, auf Verlangen die Graslose vorher vorzuzeigen. Grünberg, den 16. August 1901. Großh. Oberförsterei Grünberg/ Schober. 5721 5730 5781 der auf der Karte vorgesehene sofort gesucht. 5728 6120 Bleichstraße 4 5724 Merschied. guterhalt. Oefeu billig zu verkaufen. Ph. Stier. Nathan Rosenthal 5719 Männer- Turnverein. Nächsten Vovutag den 15. August findet Arbeiter gesucht. Ed. ®ilbereifett, Alicevroße H Coupon-Polizen über Mk. 5,000 „ 10,000 15,000 stattfindenden 30jährigen Stiftungsfeste. Um zahlreiche« Erscheinen wird gebeten. Machyttfestunde« erteilt em Gymnasiast in allen Fächern. Offerten unt. H 03264 an d. (Kochherd u. einige Oefeu billig vV m verkaufen. Neustadt 4. Gutes Heu kaufen noch 5715 Mrkenstock & Schneider. Ja MlMllts-Vkchullulllng ^D^DieuStag, 587. August, im Bereirrslokal. Fages-Hrdnvng: 1. Sedanfest. — 2. Einladung des Krieger. Vereins Großen-Bufeck zu seinem am 1. September Tüchtige Veeküllseriu der Weißwarenbranche, sucht, gestützt auf gute Zeugnisse, zum 1 Oktober Stellung in einem besseren Geschäft GießenS. Offerten beliebe man an die Expedition des Wetz larer Anzeige, s zu Wetzlar unter Chiffre A W 111 zu richten. 5717 Prospekte werden auf Wunsch kostenfrei zugesandt. Auskunft erteilt der Hauptagent der Gesellschaft Louis Wittich, Bahnhofstraße, Ecke Wolkeagaffe 27, zahlen an Jahres - Prämie Mk. 5.— io - „ 15— Georg Philipp Gail, Gigarreufadrik. Aum Abtängen d HolzeS u. zur -O Beaussicht, d. PlatzcS such ichlz. sofort. Eintritt einen energischen u. selbständ. mitarb. Platzmeister. 6. W. Bogel, Siege« i. W., 5735 Zimmerei, Dampfsägewerk. i Erste Turngang mit Jamikie nach dem Bubenröder Hof über Kinzenbacher ^Wald, KönigSstuhl rc. statt. Abmarsch pünktl. 1 Uhr von der Lahnbrücke (schwarze mit Besuch des Himberg (rote D). Spätere wollen 2rUhr- zug nach Bieber (Bubenröder Hof) benutzen. B Mrl-iid I in der Richtung Aktienbraue'n- Bergwerk zu kaufen od. zu pachte« gesuckt. Näh^in d. Exped^ 57i» I Buxtehude b. Hamburg. £ Malerschule 1901 wled. höchste ■ Auszeichnungen, grösste Fach- ■ schule flir Dekorationsmaler. ■ _______Programm frei. 57H2 für Haushaltungen biS zum Werte von 11k. 10,000 „ «0,000 „ 30,000 c^uchr Droschkenkutscher gesucht. Wild. Suhu, Tiefenwea Acht. WMnkcht gegen hohen Lohn gesucht. Vor den bevorstehenden Sommerreisen empfehlen wir dringend, Mobiliar, Wertgegenstände und Bargeld geyen Einbruch-Diebstahl bei der Aachener und Münchener Fener-Versichernngs-Gesellschaft zu versichern Dte Bedingungen sind liberal und frei von Härten. schönes, gut gebautes HauS, dreistöckig, je 5 Zimmer, mit Garten, zu verkaufen. Näb. in der Expedition. ^367 | hunger, solider Man« sucht -O freundlich möbl. Zimmer. Offerten mit Preisangabe unter K 03263 an die Expedition. 3-Zimmer-Wohnung nebst Zubehör zu mieten gesucht. Bevorzugt Nähe der Aula. Offerten an K. Mallach, Bismarckstraße 14. 2 alleinstehende Damen (Mutter und Tochter) suchen per 1. Januar 3-Zimmer-Wohnung mit Zubehör. Offerten unter 03269 an die Expedition d. Bl. erbeten. Ein junger Kellner wird sofort gesucht. 5723 Hotel zum Schwan, Aillenvurg. Tüchtiger Pferdebursche gesucht. Wallenfels & Sauer, Für den Vertrieb eines häuöl. Bedarfsartikels wird ein fleißiger junger Mann als Verkäufer gesucht, welcher auch nebenbei das Inkasso mit zu besorgen hat. Kleine Kaution ist erforderlich Berücksichtigt werden auch intelligente junge Leute auS dem Handwerker- und Arbeiterstand. Offerten unter H 5727 an die Expedition d. Bl. erbeten. Tücht.MilMll.AMsM finden gegen guten Lohn dauernde Beschäftigung am SchulhauS Leihgestern bei Joh. Gg. SameS, Maurermeister.5720 3—4 tüchtige Sortierer Stadt. Schlachthaus. 5679 Heute und morgen: Kchstnstrisch 50 Pfg. Schwemeükisch frisch 45 Pfg., gesalzen SOPfg. ^rima Kinmachgursten und Salatgurken zu haben heute Freitag Markt- laude 10. Staunend vill. Mreife. in Gießen. 5733 unter Preis. Motorräder prima, schon ä JL 800. Motorwagen bewährte Marke JL 2150.— Billige Preise! Bei wenig Geschäftsunkosten und großem Umsatz gebe jetzt, um Raum zu gewinnen, erstaunend billig: Fahrräder, prima schon ä JL 125.— Pneumatik-Mäntel «WWF schon ä JL 7.50 BM Lttftschläuche «MMS schon ä Wnttioniere -chfen, ob e dvcs Aussicht^ Äuräumen, ; ssknüeren, fer iohrlich eine l'MunM and -.^rbantebireit verbreitete fid) sttchiichen Er ^nuss und d KrsiÄtung des totnuua, ins! Mit richtig, Mrhättniijeu, Ikaud ^"imkehr von lem I Mnteln , jchin I i bc i _ Zch' muß huldig z,l j »u»jootimb I =,"■ nm, P ZtZung nieii I aber be M-' voll Tab den» | Wpz der hP ! te AL T'e,t ! te ä