Nr 119 Zweites Blatt. 151. Jahrgang. Donnerstag 23. Mai 1901 t,glich mit W MontogS iuatlten- Wkr awktu dem Sn- ******* MM „Blätter M» ML da^slun^e" mer« •* «rchchritlich beiyk|t. a n n c • MM ***t GietzenerAnzeiger General-Anzeiger “ Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Btjugsprtis oiertelitM Mk. 2.20, monakl. 75 mitBrmgcrlohn; durch X« Abholestellen oiertelffcM, Mk. 1.90, monatl. 65 SNs Bet Postbezug oierteHj^N. Mk. 2.00 ohne Bestell«^» ROe RnatUen^Bfnntttlnmfc stellen btl 'Jn> und tltMHnU nehmen tinitlacn für k*f etefcentr AnMgcr en Zivilkabinetts ernannt. — Unter den in den letzten beiden Monaten zur Disposition ge st eilten Generalen befinden sich, drei Generale der Infanterie rc., 9 Generalleutnants und 22 Generalmajors. Von den letzteren waren 9 Kommandeure von Infanterie-Brigaden, zwei von Kav.-Brigaden, und vier Festungskommandanten. Von den 12 am 18. d. M. zur Disposition gestellten Gen.-Maj. war der Dienstälteste der Gen.-Maj. Traudt von der 1. Feldart.-Brig. in Königsberg, der 1864 beim großh. hessischen Artilleriekorps Ofii- zier geworden jstz Er war lange Zeit Adjutant der großh. hessischen Division. Der Gen.-Maj. v. Schotten bisher! Kommandeur der 3. Jnf.-Brig. in Lyck, ist schon 1862 bei dem Kadettenkorps b. 28. Jnf.-Regt. eingestellt worden. Vom -ysurti 1894 bis zu seiner im November 1897 erfolgten Ernennung zum General-Major war er Kommandeur des l!•>. x^nf.-Regts. in Darmstadt. Der bisherige Kommandeur der .50. Jnf.-Brig. in Darmstadt Frhr. v. Buddenbrock- 5oettersdorf, der im 56. Lebensjahre steht, gehörte von 1863 bis 1885 dem Elisabethregiment an. — Die vielfach'gehegten,Erwartungen, daß eine re i ch s - gesetzliche Regelung des Vereins- uni) Versammlungsrechts in absehbarer Zeit in Aussicht genommen sei, dürften sich, wie wir erfahren, so bald nicht erfüllen. Die Reichsregierung hält ein Bedürfnis dazu nichit für vorliegend, insbesondere nachdem in Preußen erst vor einigen Jahren der Gegenstand durch die Landesgesetzgebung eine den modernen Verhältnissen entsprechende Neuregelung erfahren hat. Insbesondere haben Bestrebungen, wonach den Frauen im Vereins- und Versammlungsrechte die gleichen Befugnisse wie den Männern zuerkannt worden, keine Aussicht auf Erfolg, soweit die Reichsqesetzaebunq dabei mitzuwirken hat. — Die I st - E i n n a h m e an Zöllen und Verbrauchs- steuern hat im Reiche im April 1901 61,8 Millionen Mark oder 3,5 Millionen Mark weniger, als im April 1900 betragen. An dem Weniger ist hauptsächlich die Zuckersteuer und zwar mit 2,6 Millionen beteiligt, aber auch! die Zölle mit 0,9 Millionen, die Maischbottich- und Branntwein- materialsteuer mit 0,4 Millionen. Die Branntweinverbrauchsabgabe hat ein Mehr von 0,4 Millionen ergeben, die Tabak- und die Brausteuer kleinere Mehrbeträge. Von den übrigen Einnahmen haben die Reichsstempelabgaben einen Ertrag von 4,7 Millionen abgeworfen, wovon 2,8 Millionen auf die Börsensteuer und 1,8 Millionen auf die Losesteuer entfallen. — Im ersten Monat des neuen Etatsjahres haben die hreußischenStaatsbahnen gegen die gleiche Periode des Vorjahres eine Mehreinnah kn e von insgesamt 1 298 000 Mk. erzielt, und zwar 370 000 Mk. im Personenverkehr, 861000 Mk. im Güterverkehr und 67 000 Mk. aus sonstigen Quellen. Die Verkehrssteigerung beträgt 1,21 Prozent, sie hat damit nod} nicht diejenige Stärke wieder erlangt, welche sie vor etwa einem Jahre in sich trug. Immerhin ist aber doch für den Monat April d. I. eine Verkehrssteigerung zu verzeichnen; das ist nach der „Ztg. des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen" ein Kennzeichen dafür, daß die wirtschaftliche Lage sich nach und nach erholt und auf neubefestigter Grundlage fortentwickelt. — In der Provinz Schlesien nimmt man lebhaft Stellung zu den jüngsten Grenzrepressalien Rußlands. In Kattowitz fand eine Konferenz der Beteiligten statt, woran auch der Regierungspräsident in Oppeln sowie ocr Landrat teilnahmen. An verschiedenen Orten Schlesiens sind Versammlungen geplant, in denen geeignete Maß- regeln gegen das russische Vorgehen in der Paßfrage beraten werden sollen. ,.., ~ ^er „D. Tagesztg." wird mitgeteilt, daß die Auf- \0 ' JL” Ö c * Preußischen Abgeordnetenhauses lur^Jhtte .lugnst beabsichtigt sei. - In maßgebenden Kreisen ist von einem solchen Plane der Regierung noch nichts be- rannt, man ist vielmehr der Ansicht, daß, falls die Re- gicrung nach dem Scheitern der Kanalvorlage die Auf- £^”9 beabsichtigt hätte, sie dieselbe auch sofort herbei- gefuhrt haben wurde. Lüneburg, 20. Mai. In der D lung der deutsch-hannoverschen folgende Resolution gefaßt: elegiertenversamm- Partei wurde „Die deutsch-hannoversche Partei ist festgeg- ündet auf dem unwandelbaren Rechtsboden der zehn Gebote, sie ist eine rein politische Partei und hat in dem auf allen Gebieten zu führenden .Kampfe gegen die Revolution die Aufgabe, einzutreten für das Recht des engeren Vaterlandes Hannover und seines an ge stammte u Für st eit Hauses unter Anerkennung des Deutschen Reiches und der durch dasselbe angebahnten föderativen Einigung deutscher Länder, aber auch die Verpflichtung, für den Ausbau des Reiches als einer machtvollen Vereinigung aller deutschen Stämme unter Wahrung ihrer freien Entwickelung einzutreten. — Wirtschaftliche und soziale Fragen können in der Partei niemals eine entscheidende Wirkung ausüben, sie müssen unter sorgfältiger Festhaltung des Rechtsstandpunktes nach den Bedürfnissen aller Erwerbsklassen beraten und ent- fchiedeii werden." D ü s s e l d o r f, 21. Mai. Ter Kronprinz übernahm heute nach Ermächtigung durch den Kaiser das Protektorat über die Düsseldorfer Ausstellung im Jahre 1902. Karlsruhe, 21. Mai. Der Reichskanzler Graf von Bülow ist heute mittag hier eingetroffen und hat im Großherzoglichen Schlosse Wohnung genommen. Stuttgart, 21. Mai. Im Landtage wurde der Antrag der Sozialisten auf Abschaffung der Württem- bergischen Gesandtschaften in Berlin und Mün- chen mit 63 gegen 5 Stimmen abgelehnt. Ausland. Paris, 21. Mai. Der Abg. Graf Castellane kündigte eine Interpellation an über die Thatsache, daß der russische Botschafter in Berlin unmittelbar nach der Petersburger Reise Delcasses dem deutschen Manöver in Lothringen anwohnt. Wien, 21. Mai. Bei dem heutigen Empfange der beiden Delegationen erwiderte der Kaiser auf die Ansprachen der Präsidenten u. a. folgendes: Mit Befriedigung kann ich auch diesmal auf unser unverändert herzliches Verhältnis zu den mit uns alliierten Reichen sowie auf unsere vertrauensvollen und durchweg freundschaftlichen Beziehungen zu allen Mächten Hinweisen und aus dieser erfreulichen politischen Lage die berechtigte Hoffnung auf die w e i t c r e Erhaltung des Friedens ableiten. Die seit dem Vorjahre in China eingetretenen Wirren haben ein einvernehmliches Einschreiten der Mächte zum Schutze der dortigen Vertretungen und Angehörigen, wie nicht minder zum Zwecke der Wiederherstellung geordneter Zustände nötig gemacht. Unsere Teilnahme an dieser Kollektiv-Aktion bewegte sich von Anbeginn an innerhalb jener Grenzen, die durch die Großmachtstellung der Monarchie und durch den verhältnismäßigen Umfang unserer dortigen Interessen gezogen sind. Meine Kriegsverwaltung hat für das nächste Jahr, wie die Vorlagen zeigen, die Ausgaben auf daS Aeußerste beschränk t. Die Versuche zur Schaffung eines neuen Ge- fchützmaterials werden noch fortgesetzt. Der Präsident der Ungarischen Delegation hob in seiner Huldigungsansprache an den Kaiser hervor, daß die fern von Europa eingetretenen Komplikationen die Eintracht der europäischen Mächte nicht berührten; dadurch werde die Aufrechterhaltung des Friedens gesichert. Seit Jahren bilde der Dreibund, der den Interessen Oesterreich- Ungarns so sehr entspreche, den Grundstein der auswärtigen Politik. Er wünsche, daß die Völker Deutschlands und Italiens gleiche Sympathien für Ungarn bekundeten, wie Ungarn sie für diese beiden Nationen fühle. Bei dem Empfang der Oesterreichischen Delegation drückt^ der Präsident Prinz Lobkowitz den Wunsch auf einen baldigen befriedigenden Abschluß der Operationen in O st a s i e n aus. Er betonte, daß trotz der Verschiedenheiten der politischen Anschauungen der Völker Oesterreichs-Ungarns die- elben nur ein Gefühl der Liebe zum Kaiser, der Anhänglichkeit an das gemeinsame Vaterland und der entschlossenen Bereitwilligkeit beherrscht, die Integrität und Unabhängigkeit des Vaterlandes vorkommenden Falls mit Gut und Blut zu verteidigen. Konstantinopel, 20. Mai. Soweit Deutschland in Betracht kommt, ist der Post-Konflikt beendet. Vorgestern hatten sich die Botschafter in der deutschen Botschaft versammelt, um eine identische Note, die von der Pforte wegen der Verletzung der Postbeutel der fremden Postämter Genugthuung verlangt, zu unterzeichnen. Inzwischen war jedoch eine Aenderung der Lage dadurch herbeigeführt worden, daß der Sultan den Minister des Aeußeren, Tewfik Pascha, zu den vier Botschaftern gesandt hatte, um denselben weitgehende Entschuldigungen zu machen, und bindende Versicherungen gegen eine Wiederholung gleicher Verletzungen abzugeben. Auf deutscher Seite nahm man die offiziellen Entschuldigungen und die Zusage der Herstellung des Status quo ante an und der deutsche Botschafter lehnte nunmehr für sich die Absendung der entworfenen Note ab. P e t e r s b u r g, 20. Mai. Im Marienpalais fand heute in Anwesenheit des Zaren und sämtlicher Großfürsten die Feier des hundertjährigen Bestehens des ms sich en Reichsra-ts, der höchsten Behörde des Zarenreiches, statt. Der Zar leitete persönlich die Festsitzung, verlas und unterzeichnete den Ukas, durch den der Thron- olger zum Mitglied des Reichsrats ernannt wurde. Yokohama, 21. Mai. Drei russische Offiziere wurden. in contumacium zu je!f e ch sM o n a t e n G e f ä n g - nis verurteilt. Sie sind beschuldigt, Zeichnungen des Hafens von Nagasaki, in der Nähe der Befestigungen gemacht zu haben. Ans Stadt und Land. Gießen, den 22. Mai 1901. ** Hessische Landes Lotterie. Bei der heutigen Ziehung fiel 1 Gewinn von 55 000 Mk. auf Nr. 9788 (nach Mainz), 1 Gewinn von 15000 Mk. auf Nr. 20402 (nach BenSheim), 1 Gewinn von 10 000 Mk. auf Nr. 28012 (nach Alzey), 1 Gewinn von 5000 Mk. auf Nr. 29422 (nach Darmstadt), 2 Gewinne von 3000 Mk. auf Nr. 15890 (nach Mainz), Nr. 38313 (nach Darmstadt), 3 Gewinne L 2000 Mk. auf Nr. 10896 (nach Darmstadt), Nr. 11910 (nach Darmstadt), Nr. 27391 (nach Mainz), 5 Gewinne ä 1000 Mk. auf Nr. 8461 (nach Darmstadt), Nr. 9306 (nach Isenburg), Nr. 14633 (nach Büdingen), Nr. 33102, Nr. 37332 (nach Mainz), 10 Gewinne L 500 Mk. auf Nr. 3661, 7597, 11438, 12138, 13749, 34617, 38267, 40228, 42572, 42864. • • Militär-Personaloachrichteu. Haasrn, Bizefeldw. im Landw.-Bezirk Crefeld, ist zum Leutnant der Res. deS Jnf.- Regts. Raifcr Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, befördert worden. * • Personal-Nachrichten. Ernannt wurden die Forst, accesfisten Eduard Eckstein aus Grünberg und Karl Thum aus Laubach zu Forstaffefforen. * * Das Großh. Regierungsblatt Rr. 35, auSgegeben am 20. Mai 1901, enthält: 1. Gesetz, die höheren Bürgerschulen betreffend. Bom II. Mai 1901. — 2. Gesetz, die Abänderung des Gesetzes über die landständische Geschäftsordnung vom 17. Juni 1874 betr. Vom 18. Mai 1901. * * Das Amtsblatt des Großherzogl. Ministeriums der Justiz- Nr. 10, vom 27. April, enthält ein Ausschreiben an sämtliche Justizbehörden, betreffend die Geschäftsordnung für die Großh. Gerichtskosten-Revisoren. — Das Amtsblatt N r. 11 vom 2. Mai richtet sich ebenfalls an sämtliche Justizbehörden und betrifft den Erlaß einer Dienstordnung für die Provinzialarresthäuser und Haftlokale • • Mathematiker-Versammlung. Wir werden um Aufnahme der nachstehenden Zeilen gebeten: AuS unserer heutigen Anzeige geht hervor, daß noch nicht für alle Mitglieder der Mathematiker-Versammlung Wohnung gefunden ist. Wir machen deshalb auch an dieser Stelle auf die Anzeige aufmerksam. Gleichzeitig bringen wir in Erinnerung, daß der WohnungSauSschuß auch unentgeltlich zur Verfügung gestellte Wohnungen gerne annimmt, uud dafür zu großem Danke verpflichtet ist. Gütige Angebote nimmt ebenfalls Herr Oberlehrer Block, Alicestraße, entgegen. • • Kriegerkameradschaft „Hasfia". Nach Erfüllung der satzungsmäßigen Pflichten sind in den Landesverband der Kriegerkameradschaft „Hasfia- ausgenommen worden: Kriegerverein UellerShausen, Bezirk Lauterbach, mit 27 Mitgliedern , Kriegerverein Grolsheim, Bezirk Bingen, mit 25 Mitgliedern, Kriegerverein Nieder-Breidenbach, Bezirk Alsfeld, mit 11 Mitgliedern, Kriegerverein Breungeshain, Bezirk Vogelsberg, mit 22 Mitgliedern, Krieger-Veterauen- vereiv Klein-Zimmern, Bezirk Darmstadt, mit 32 Mitgliedern, Kriegerverein Billertshausen, Bezirk Alsfeld, mit 18 Mitgliedern. e. Bad-Nauheim, 21. Mai. Von den Kranken aus dem China-Feldzug ist gestern der erste Mann, als Badegast hier eingetroffen. ES ist ein Gefreiter von der 5. leichten Haubitzen-Batterie im Ostasiatischen ^Feld- Artillerie-Regiment, Garnisonsort Tientsin. — Am Samstag wird der neue Saal des Medico-mechanischen Zander- Instituts eröffnet. — Die Arbeiten, die der Staat an den ausgedehnten Wirtschastsgebäulichkeiten des Teichhauses hat vornehmen lassen, sind nun vollendet. Jetzt können bequem 3—4mal soviel Personen am Teichhaus Platz finden, wie in früheren Jahren. Auch die neuen Plätze am Ufer des Teiches mit zahlreichen Bänken find sehr hübsch getvorden und finden bei den Kurgästen viel Beifall. fc. Echzell (Wetterau), 21. Mai. Aus dem Pensionat Lucius (Forsthaus) dahier ist seit 14. d. M. ein 14jähriger Knabe namens Leo verschwunden. Der Vater setzt auf die Wiedereinbringuug des Knaben eine Belohnung von 100 Mk. Darmstadt, 21. Mai. Der Großherzog und die Großherzogin empfingen gestern den Besuch der Prinzessin HeinrichvonBattenberg, die von Schloß Heiligen- berg hierherkam und mit den Allerhöchsten Herrschaften die Mittagstafel nahm und die Ausstellung der Küustlerkolonic besuchte. Nach dem Thee, der in der Ausstellung eingenommen wurde, kehrte die Prinzessin nach Schloß Heiligenberg zurück. In ihrer Begleitung befand sich die Hofdame Miß Bultil. 8. Darmstadt, 21. Mai. Die hiesige studentische Verbindung „Wingolf- feierte gestern abend ihr 2. Stiftungsfest durch einen Kommers, an dem auch der Rektor Magn- Prof. Dr. Schering teiluahm. — Am Freitag findet voraussichtlich die Schlußsitzung der Zweiten Kammer statt. — In der Ausstellung der Künstler-Kolonie streikten heute von über 40 Kellnern zirka 35, obwohl sie längeren Vertrag hatten. Auf der einen Seite wird als Grund ungenügende Beköstigung angegeben, während andererseits die Kellner durch einige unter ihnen befindliche fremde Agitatoren aufgehetzt sein sollen, sodaß sie nach einer gestern bei dem ReichstagSabg. Cramer hier stattgehabten Sitzung heute früh ein Ultimatum stellten, anscheinend um bei der jetzt be ginnenden Saison einen höheren Lohn herauSzuschlageu. Die Renitenten wurden sofort entlaßen und den Arbeitswilligen durch das Sekretariat eine Gratifikation von 10 Mk. pro Mann zugebilligt. Heute abend war wieder der nötige Ersatz eingetroffen. — Der heute im Spielhause der Künstler- Kolonie stattgehabte Vortragsabend spielte sich wie gestern vor fast leerem Hause ab; es waren nur 37 Personen anwesend. fo. Mainz, 21. Mai. Gegenüber entgegengesetzten Mitteilungen toirö berichtet, daß sich Leutnant Vogt von den 13. Husaren wegen deS Duells nicht in UntersuchungS^ hast befindet. Mainz, 20. Mai. Verflossene Nacht versuchte ein Sergeant des 117. Regiments hier einen von der Polizei wegen nächtlichen Unfugs festgenommenen Techniker gewaltsam zu befreien. Die die Verhaftung vornehmenden Schutzleute griff er mit seinem Seitengewehr an und beleidigte sie außerdem mit Worten. Auf Anzeige der Schutzleute hin wurde der Sergeant von einer Patrouille verhaftet und in das Militärgefängnis eingeliefert. fo. Dietersheim bei Bingen, 21. Mai. Der Groß her« zog hat bei dem 7. Sohne des Herrn Georg Gerne« hier die Paten stelle übernommen. Worms, 21. Mai. Die nationalliberale Land- tagSfraktion hat (wie uns gestern telegraphisch gemeldet wurde. D. R.) sich mit den Aeußerungen des Abg. Reinhart zur politischen Freiheit der Arbeiter einverstanden erklärt. Auch eine Wählerversammlung am Samstag, hat sich in ähnlichem Sinne ausgesprochen. Die „Wormser Nachr.-, ein Centrumsblatt, schreiben von einer scharfen Abrechnung, die Reinhart mit den Matadoren der nationalliberalen Partei gehalten haben soll, und fügen hinzu: „Der naticnalliberale Vorstand und seine Getreuesten waren natürlich über den völligen Mißerfolg ihres Umsturzversuches gegen Reinhart völlig geknickt, und spielten demnach auch in ihren Verteidigungsreden eine Rolle, durch die sie ^Äbeati^* *9Uttt ‘901. - 2 >4 A'■■ teS"' y£s«Ä. - Z> fit bie rÄ?ft ?ÄÄ8 "lcht für ave ?un9 gefunden (ft ®2 tä**Ä5 4 «S* ’fa ?Ä9 BE- ”„7 i” gr°im lallt «int tieifaOäJtttObft. •Jgtfcl b,r oen Landesverband der ausgenommen worden- Lauterbach, mit 27 Mit» Bezirk Bingen, mit ^eder-Breidenbach, Bezirk legerverein Breungeshain. -DM, KriegN'BeteraueN' Emstadt, mit 32 Mit« ftn, Bezirk Slsfeld, mit i Von den Kranken gestern der erfte Mann & ist ein Gefreiter von im Ostasiatijchen $elh* Tientsin. - Am Lams- dico-mechanischen Zander« en, die der Staat an den feiten des Teichhauses hak ndet. Jetzt können Mim Haus Platz finden, ine in Plätze am User des Teiches hr hübsch geworden und ieifall ii, AuS dm Pensionat 14. d. M. ein 14Wiger >en. letWttWaif jen ti« Wchimz wn @toS6»iog >ib du :n bin 8tfa4 d" Priu> , bie «auSchl-rtz-Wn ttotta tzmMmdu M» dn »taflltaWi»« in btt tofkOmg ehtfi'- ffin °°ch W ig befanb M di- W» bie bieffle MeM« m aal der «°r Magi te$«N findet °°rM eiten Jlantmer jtalf. - et.goloiie ^tettw 35 «bmVst WM , der Kapitän und drei Mann sind im Unwetter um gekommen. Culmsee, 22. Mai. Der Gutsbesitzer Jesinowskt, der mit seiner Frau vom Bahnhof kam, wurde von zwei Unbc kannten niedergeschlagen, so schwer verletzt, daß er alsbald v e r st a r v. Höchste Temperatur tm 20. bis 21. Mai 2(Xß0 C. Niedrigste „ , 20. „ 21. „ <5° C. Meteorologische Beobachtungen der Station Gieheu. in Cassel, die mit einer Ausstellung des Alldeutschen Perbandes verbunden ist, ist am 18. ds. Mts. von dem Reichstagsabgeordneten Professor Dr. Scaffe mit einer kurzen Ansprache eröffnet worden. — Eine Sachsen Häuser Obstfrau lag auf dem Totenbett, und schied sehr ungern von der Welt, wo sie so viele Früchte an den Mann gebracht hatte. Ihr Mann tröstete sie mit den Worten: „Gräm Dich net do driwwer, daß De sterbe mußt; des sind't sich alles nun es werd schun geh. Guck emol, amol müsse m'r all in uftserin Lewe fterwe." „Schafskopp!" lispelte die Rastlose, und richtete sich mit Mühe ein wenig empor, „das is 's ebe! Wann m'r zehe- odder zwölfmal sterwe müßt, do dät ich m'r aus dem anemal nix mache!" Dienstag morgen brannte in Kirchhain die große Festhalle, in der im vorigen Jahre die landwirtschaftliche Ausstellung war, ab. Das mit etwa 9000 Mark versicherte vebäude siel in der Zeit einer halben Stunde den rasenden Flammen zum Opfer. Alle Löschversuche waren umsonst. Man vermutet B r a n d st i f t u n g. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt, den 21. Mai Gerichtssaal. D. Gießen, 21. Mai. (Strafkammer.) Die mehrfach vorbestrafte Johannes Ernrtch Ehefrau in Gießen ist angeklagt, auch geständig, am 14 April 1901 oder um diele Zeit, dem Schreiner Jean Sann von hier eine Schürze voll Kartoffeln, einige Roterüben und ungefähr vier Pfund eingemachte Bohnen in rechtswidriger Absicht au» einem oerschloffenen Keller entwendet zu haben. Die Angeklagte behauptet, aus Not gehandelt zu haben. Die erfolgte Beweisaufnahme aber entrollt ein für die strafrechtliche Beurteilung der Thai der Angeklagten wenig günstiges Bild; denn sie beweist, daß die Angeklagte, der ausreichende Geldmittel immer zur Verfügung standen, t ur zur Befriedigung ihrer diebischen Gelüste das zur Verhandlung stehende Eigentumsdelikt beging. Die Staatsanwaltschaft beanttagt deshalb, auf «in Jahr Gefängnis gegen die Angeklagte zu erkennen, unter Anrechnung eines Monats der erlittenen Untersuchungshaft. Das Gericht beschlicht zunächst Aussetzung der Verhandlung auf eine Viertelstunde, um durch den zu sistierenden Jean Sann, dem Bestohlenen, feststrllen zu lassen, ob, falls sich das Delikt als Mundraub qualifirirrm sollte, der erforderliche Strafantrag gestrllt werde. — Es wird inzwischrn gegen den mehrfach vorbestraften Adam Pfeffer von Niederasphe verhandelt, dem die Anklageschrift zur Last legt, im Januar d. I. den Landwirt Kinkel in Miltelgründau um den Betrag von 1,20 Mk., den Wilhelm Euler daselbst um den von 1 Mk., den Heinrich Jöckck dort gleichfalls um den von 1 Mk., durch die Vorspiegelung der falschen Thatsache, er wolle bei ihnen in Dienst treten, es fehle ihm aber daS zur Herbeischaffung seiner Papiere erforderliche Reisegeld, in rechtswidriger Weise geschädigt, außerdem im selben Monat durch fälschliche Anfertigung einer Privaturkunde in Büdingen einer Urkundenfälschung sich schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte ist in vollem Umfange geständig. Dem Antrag der Staatsanwaltschaft gemäß erkennt daS Gericht gegen ihn unter Anrechnung einer gegen ihn kürzlich durch U teil der Strafkammer erkannten Gefängnisstrafe von neun Monaten auf eine solche von insgesamt einem Jahr« sechs Monat«. — Es wird darauf fortgefahren in der Strafsache gegen die Johannes Emrich Ehefrau in Gießen. Der unterb-strn erschienene I «n Sann stellt formellen Strafantrag gegm die Angeklagte. DaS Urieil lauf t gegm die Angeklagte unter Aufrechnung eine» Monats beim Publikum großen Heiterkeitserfolg erzielten." Der „Wormser Generalanz." meint, der nationalliberale Vorstand habe sich in allen Punkten mit Reinhart solidarisch erklärt, und jede MeinungSdifferenz in Abrede gestellt." — Die „Wormser Zig." bemerkt, daß es nicht zulässig sei, „interne nationalliberale Parteiangelegenheiten" in einer Versammlung zu behandeln, „wo die Todfeinde unserer Partei Stimmung zu machen versuchen." *• Kleine Mitteilungen an! Hessen und den Nachbarstaaten. In Friedberg findet am 12. und 13. Juni die 37. Jahresversammlung der Südwestdeutschen Konferenz für Innere Mission statt. Am Vormittage des ersten Versammlungstages spricht Oberkonsistorialrat a. D. Waas-Gießen über: „Wie schärfen wir unserm Volk das Gewissen für seine Erziehungspflicht?" — Die kirchliche Wald- und Maifeier, die an Christi Himmelfahrt auch dies Jahr wieder am Melita- turm bei Seeheim gehalten wurde, hatte sich einer überaus zahlreichen Beteiligung aus fern und nah zu erfreuen. Die Hauptpredigt hielt Pfarrer Tr. Naumann aus Gießen. - Neble Folgen hatte für einen Schreiner in Geiß-Nidda die Gewohnheit, während der Arbeit Nägel in den Mund zu nehmen, um sie dadurch anzufcuchten. Ein Nagel tarn ihm durch einen unglücklichen Zufall in den Hals. Unter den größten Schmerzen wurde der Unglückliche zum Arzte transportiert, der ihm dann bald den Nagel aus dem Halse hervorzog. — Dienstag Nachmittag drangen fünf Schulbuben in Wetzlar in den Laden des Kaufmanns Lau, um die Kasse zu plündern. Es gelang den Spitzbuben auch in Wirklichkeit, einen Geldbetrag von ca. 8 Mark, sowie 10 Tafeln Ehokolade zu entwenden. Drei von den Jungen wurden jedoch im letzten Augenblicke gefaßt und geschlossen zur Polizei gebracht, während die beiden an- UntrrfuchungShaft auf eine Gefängnisstrafe von einem Jahre, mit der Begründung, daß nicht Mundraub, sondern schwerer Diebstahl *18 vorliegend anzusehen fei. — In der Strafsache gegm den Ernst Müller in Oppenrod und dm Heinrich W i ß n e r in Dannmrod wird die Berufung deS erstgenannten Angeklagten gegen daS Urteil Großh. Schöffengerichts Homberg vom 26. März 1901 wegen Nichterscheinens kostmfällig verworfen. Die Verhandlung gegen den Angeklagten Wißner wird, da die Anwesenheit dcS ander.n Angeklagten notwendig erscheint, ausgesetzt und besten Labung zum Termin, der auf den 14. Juni d. I. anberaumt wird, durch Gerichtsbeschluß angeordnet. ES sei bemerkt, daß beide Angeklagt n vom Gerichte erster Instanz in eine Geldstrafe von 932 Mk. verurteilt worden warm. — Der beschäftigungslose August Seipel in Lißberg, der sich einer sehr umfangreichen Vorstrafliste erfreut, ist beschuldigt, im April d. I. dem Lehrer Hermann Schneider in Gießen einen Hut, dem Lederhändler Konrad Ohler dort eine Weckeruhr und einem unbekannten Eigentümer einen Ebenholzstock in rechtswidriger Absicht entwendet zu haben. Da der Angeklagte geständig ist, wird er, allerdings unter Berücksichtigung seiner vielen Vorstrafen, dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprechend, in eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren verurteilt; außerdem wegen Bettelns in mehreren Fällen in eine Haftstrafe von 4 Wochen verurteilt. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Angeklagten zur Last. Der An> geklagte wird überdies der Landespolizeibehörde überwiesen. — Die Metzgergesellen Karl Herth in Eckartsborn und Otto Nanz in Düdelsheim sind angeklagt, zu Nidda im Jahre 1901 einen Geldbetrag von 500 Mk. ihrem Meister, Metzgermeister Otto Kratz dort, entwendet, den Diebstahl auch durch Anwendung von zur ordnungsmäßigen Eröffnung nicht bestimmtm Schlüffeln verübt zu haben. Die Angeklagten sind teil= weise geständig. Die Staatsanwalffchaft beantragt gegen den Angeklagten Herth eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr, gegen dm Angeklagten Nanz eine solche von 8 Monaten, unter Zubilligung mildernder Um« stände und Aufrechnung von je einem Monat der erlittenen Untersuchungshaft. Das Urteil der Strafkammer lautet demgemäß. — Verschiedene Berufungssachen kamen nicht zur Verhandlung, da die eingelegten Rechtsmittel vor dem Termine zurückgenommen worden waren. Sämtliche Angeklagte erkannten die sofortige Rechtskraft der gefällten Urteile alsbald an. P. Gießnr, 22. Mai. Gewerbegericht. Unter dem Vorsitz des Beigeordneten Wolff beginnt um IO1/« Uhr dic Sitzung des Ge- werbegerichlS. A!s Beisitzer fungieren die Herren I. Kirch und Aug Bock. Zuerst tcmmt die Klage deS Schlossergesillen Eckart gegen den Schlosserme'fter Leierzapf zur Verhandlung. Der Kläger verlangt von seinem Meister einen Lohnrest von 5.80 Mk., wogegen der Beklagte «irc Gegenforderung einreicht. Durch die Bemühungen deS Vorsitzenden kam ein V-rgleich zu Stande, wonach der Bekiaate dem Kläger 3 Mk. bezahlt. — Eine intereffanle Verhandlung bildet die Klage des Arbeiters Franz Jur acic und 36 anderen Leuten, von denen nur 10 deS Schreibens und nur 3 der deutschen Sprache kundig sind, gegen den Unternehmer Ludw. Weimer. Der „Gi.ß. Anz." brachte vor einiger Zeit die Notiz, daß ein bei den BahrhosSumbauten beschäftigt gewesener Schachtmeister, ein Oesterreicher. mit der Löhnung für etwa 40 Arbeiter im Betrage von c«. 1250 Mk. durchbrannte. Da Jbte Arbeiter dadurch ihres 14tägigen Lohnes verlu'.ig gingen, waren sie mitt.llos. Der Unternehmer Weimer versprach »hnen als Entschädigung für diesm Verlust zweimal 5 Mark zu gewähren und zwar an d, nachmittags 3 Uhr, versteigere ich dahier Neustadt 55: Haus' und Küchengeräte aller Art, sowie eine Ladeneinrichtung zwangsweise gegen Barzahlung. 3743 Gießen, den 22. Mai 1901. Seipel, Gerichtsvollzieher Vorzüglicher deutscher u. franz. Kognak ärztlich empfohlen die Flasche von Mk. 1.50 an in gut gelagerter Qualität stets vorrätig bei 413 A. & G. Wallenfels, W einhandlung Telephon46. Marktöl. Für Hotels u. Restaurants Vorzugspreise. — Prompter Versand nach auswärts. ISonnenschirme! Nilkigster Einkauf. 01872 Aeparatureu u. Aeöerzieye« sof. I. 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