Nr. 119 Erstes Watt Donnerstag 83. Mai 19til .Amtlicher Heil. des Feld- Theater, Kunst und Wissenschaft ■ Die Regierung werbe geäußerten Wünschen den außerordentlichen Landwirtschaft hervor. Spefcthon und MMdWrafK 7. einschließlich der Großh. zur Einficht **■*<• g« für »en » erlchktnendkn M mv*. 10 Uhr H»M«* spätesten« Ldresie für Depesche«; Anzeiger Sieben. Fernsprechanichluß Nr.A«. 151. Jahrgang In der Zeit vom 28. Mai l. I». bis 10. Juni l. IS. liegen auf dem Amtszimmer Bürgermeisterei Rabertshausen folgende Akten der Beteiligten offen: 1. das topographische Güterverzeichnis jederzeit allen in dieser Richtung entgegenkommen. Abg. Köhler- Langsdorf hebt Wert der Feldbereinigung .für die Wenn er zu wählen hätte zwischen 2. daS Verzeichnis derjenigen Grundstücke, welche in folge der Feldbereinigung an Stelle der verpfändeten alten Grundstücke getreten find. Einwendungen hiergegen find bei Meidung des Aus schluffeS innerhalb der oben angegebenen Offenlegungsfrist schriftlich oder zu Protokoll bei Großherzogl. Bürgermeisterei Rabcrtshauseu anzubringen. Friedberg, den 17. Mai 1901. Der Großh. BereinigungSkommiffär: Spanier, KreiSamtmann. Hessischer Landtag. Zweite Kammer der Stände. nn. Darmstadt, 21. Mai. Tie Sitzung beginnt um einviertel 11 Uhr. Am Ministertisty Staatsminister Rothe, Minist.-Rat Braun, Reg.-Rat Usinger und Minish-Rat Breidert. Nach Ueberweisung einer Anzahl von Anträgen an den t>or-< beratenden Ausschuß tritt das Haus in die Beratung eines Antrags des Abg. Weidner, die AussclMeiben der Großh. Regierung über die Landwirtschaft betr. Ter Ausschuß beantragt den Antrag für erledigt zu erklären. Ter Antragsteller zieht seinen Antrag zurück. — Ein Antrag der Abgg. Jockel und Genossen, die zweite Feldbereinig- ungs-Kom Mission in Oberhessen betr., giebt dem Llbg. Dr. Gutfleisch Veranlassung darüber Klage zu führen, daß die Feldbereinigung in Hessen viel zu langsam vor sich gehe. Es sei unbedingt nötig, daß die Grundbuchämter ihre Arbeiten erledigen, damit auch die Wohlthaten derselben dem Lande zu gute kämen. bereinigungsbezirks. In dem topographischen Güter. Verzeichnis ist die Wahrung der RechtSverhältniffe zur Darstellung gebracht. (Art. 25 des Feld- bereinigungsgesetzeS); Die Abgg. Koreil und Schönberger treten für Vermehrung der Kommissäre ein. Der Antrag wird hierauf einstimmig angenommen. Eine Vorstellung des Mainzer Angel-Klubs über den Angelsport im Großherzogtum Hessen wird nach, einer zusagenden Erklärung des Minist.-Rats Braun für erledigt erklärt. Auf Antrag des Abg. Dr. David soll dieser Gegenstand mit der Regierungs-Vorlage: Gesetz-Entwurf die Aufhebung des Artikel 48 des Fischereigesetzes vom 27. April 188*1 betr. das Freiangeln in Strömen, demnächst zur Beratung gelangen. Dieser Antrag findet Annahme. Die Regierungstl-lich mit /Wi»«>hWi M Montag». Seettten- WWH< Berten drm An« DßMtmSechstl mit,Hey. •■*■*** imt „Blätter M M •♦Ifttunbc" »»er« »Gchnttlich betylegt. Vorlage, die staatliche Anstellung eines T ie r zu ch t - Inspektors für die Provinz Obcrhessen betr., wird dem. Ausschußantrag entsprechend abgelehnt. Zur Bcratuilg gelangt nunmehr der Gesetz-Entwurf daS Fa s e l lv e s e n in Hessen betr. In der Generaldebatte giebt Abg. Dr. Heidenreich ein Bild von dem Faselwesew der Gemeinde, seine Entwickelung und die Stellung des zweiten Ausschusses zur Regelung eines wichtigen Zweiges der hessischen Landwirtschaft. Ministerialrat Braun erklärt, daß eventuelle Härten im Gesetz durch die Ausführungsbcstimmungen beseitigt werden können. Er bittet, das Gesetz möglichst ohne redaktionelle Aenderungen anzunehmen. Ter ganze Gesetz-Entwurf wird sodann nach den Ausschußanträgen angenommen. Die Regierungs-Vorlage betr. Regelung der Gehalts- verhältnisse der Landwirtschaftslehrer sowie die Vorstellung der zweiten Landwirtschaftslehrer um definitive Anstellung wird von der Tagesordnung abgesetzt. Zur Vorstellung des Landesgewerbevereins, die g e n o s s e n- schaftliche Organisation des Handwerker- standes betr., beantragt der Ausschuß, die Großh. Regierung zu ersuchen, dieser Angelegenheit auch weiter alle Aufmerksamkeit zu schenken und sie nach Möglichkeit zu fördern. Die Kammer beschließt demgemäß. Zur weiteren Beratung gelangt die Regierungs-Vorlage die Oberlandesgerichtsräte usw., Gerichts- s ch r e i b e r bei den Amtsgerichten usw. und die Besold- ungsordnung betr. Abg. Wolff spricht sich gegen die Erhöhung der Gehalte aus und verlangt eine Revision des gesamten Besoldungsgesetzes. Er wünscht, daß die Höchstgehalte öcc Beamten gekürzt werden. Tie Lebenshaltungen seien nicht teurer geworden und seine Freunde würden es nicht verantworten können, bei diesen Beamtenkategorien Erhöhungen der Gehalte zu bewilligen. Durch Herabsetzung der Höchstgehalte werde eine jährliche Ersparnis von 250 000 Mark eintreten. Aus diesen Gründen stimme er gegen die Erhöhung. Justizminister Dr. Dittmar erklärt, daß es sich bei dieser Frage um keine Durchlöcherung des Bcamtengesetzes handele, sondern einer Kategorie von Beamten, die bei den Besoldungserhöhungen vergessen wurden, soll nur ihr Recht werden. Im Sinne der Regierungs-Vorlage sprechen nur die Abgg. Dr. Fr en ah und Dr. Tavid, und sie wird mit großer Majorität nach den Ausschußanträgen angenommen. Damit wird die Sitzung um halb 2 Uhr geschlossen. Nach einer Mitteilung des Präsidenten Haas wird die Zweite Kammer am nächsten Donnerstag mit den Mitgliedern der Großh. Regierung einen Ausflug in den Odenwald unternehmen. Gießen, den.21. Mai. Betr.: Die Pferdemnsterung im Jahre 1901. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeiftereie» des Kreises. Auf ergangene Anfragen teilen wir Ihnen mit, daß öie G'öße der zur Borrnusterung zu gestellenden Pferde durch Sie oder durch von Ihnen zu beauftragende zuverlässige Leute zu meffen ist. Die Spalten 1 bis 3 und nötigenfalls Spalte 6 des Verzeichnisses der vorhandenen Pferde sind von Ihnen und die Spalten 4 und 5 durch den MusterungS-Kommissar aus zufülle«. OOOOOOOOOD 56211 gine alte, Me.VeuW tbenKv.rsich.-Sls. mkn Milch »Äeö., Niedrig!» cht noch Vertreter * b gegen Gehalt * i Budolt Äo**®’ - Minist.-Rat Braun führt aus, daß er schon früher auf die Notwendigkeit der Anstellung weiterer Feldbereinigungs-Kommissäre hingewiesen habe. GietzenerAnzeiger " General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Eiehen , der Erhöhung der Zölle und der Durchführung der F e l d b e r e i n i g u n g, so würde er für die letztere eintreten. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Rtngelshaufen. nnn ö> sNsr 3**Se Darmstädter Spiele 1901. Man schreibt uns: Am Donnerstag, 23. Mai, findet im Spielhause der Künstler-Kolonie ein Friedberg-Abend statt. Ter ausgezeichnete Frankfurter Künstler wird Improvisationen am Klavier veranstalten, denen er Gedichte von Heine, Holzamer u. a. zu Grunde legt. Ta es seit den Tagen von Liszt und Mendelssohn zum erstenmale wieder ist, daß ein Tonkünstler zu diesem Wagnis die Kraft in sich fühlt, möchten wir ganz besonders auf dieses Ereignis Hinweisen. — In der amtlichen „Tarmst. Ztg." lesen wir folgende merkwürdige Notiz: „Das gestrige Kü n st le r ko n ze r t im Spielhause der Künstler-Kolonie wurde durch den Allerhöchsten Besuch Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs ausgezeichnet. Fräulein Hodapp von Frankfurt am Main trug eine Reihe von Kompositionen, darunter solche des hohen Protektors der Kolonie, vor. Genaueren Bericht darüber zu bringen, ist uns unmöglich, da unserem gestrigen Theater-Referenten der Z u - tritt auf seine allgemeine Legitimationskarte nicht gestatt e t- wurde. Red." — Tagegen lesen wir folgendes in den „N. H. Bbl.": „Von hohem Interesse waren zwei kürzere Klavierstücke: „Träumerei" und „Abschied", komponiert von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog. In klaren, durchsichtigen Formen spricht der hohe Komponist seine musikalischen Gedanken aus, die sich streng logisch auseinander entwickeln und dabei natürlich und einfach sind Alle Grübelei, hinter der sich fast immer Oif Impotenz des künstlerischen Schaffens verschanzt, liegt itzm fern. Er läßt der Melodie in vollem Umfange ihr Becht widerfahren, und zu dieser reiz- und stimmungsvollen Melodik gesellt sich eine fein gewählte, immer interessante Harmonik, so daß der günstige Eindruck nicht ausbleiben tonnte. ... Se. Kgl. Hoheit der Großherzog, der den Ltand-Olbrichflügel der Firma Leopold Schütter in Auftrag «ab, lauschte mit größtem Jntereffe diesem wunderbar iveichen und ausdrucksfähigen Ton, den Frl. Hodapp dem Instrument entlockte, wie der hohe Herr überhaupt sich über in allen Teilen vortrefflich gelungenen Flügel außerordentlich gefreut haben soll. Der Flügel, im blauen Gehäuse (lapis lazulil mit farbenprächtigen Elfenbein-Intarsien icird vergoldeten Beschlägen, ruht auf smaragdgrünen, kunst- sich. ein Patent auf seine Idee geben lassen. In ber Fixigkeit ist er zweifellos seinen sämtlichen Kon kur ren tetr, überlegen. Der 31. Kongreß für I n n e r e M i s s i o n wird vom 23. bis 26. September in Eisenach abgehalten werden. Aus dem sehr reichhaltigen Programm teilen wir nur folgendes mit: Am 23. abends 6 Uhr Eröffnunggottesdienst ; am 24. vormittags findet die erste Hauptversammlung statt, Thema: „Luthers Stellung zu den sittlichen und sozialen Nöten seiner Zeit in ihrer vorbildlichen Bedeutung für die evangelische Kirche". Am Nachmittag soll ein Festakt stattfinden mit einer Festrede über „Die Lutherbibet und das deutsche Volk". Für Mittwoch den 25. sind Spezial-» tonferenzen angesetzt (1. „Die Seelsorge an den Gefangenen", 2. „Neue Wege der weiblichen Diakonie", 3. „Das Bürgerliche Gesetzbuch und die Innere Mission", 4. „Die Aufgabe der christlichen Gemeinschaften gegenüber der Kirche und ihrer Inneren Mission"). Am 26. wird in der zweite«: Hauptversammlung das Thema: „Die Knnst im Lichte detz Evangeliums behandelt: um 4 Uhr nachmittags ist Schlußgottesdienst. Auch am 24. und 25. findet je ein Abendgottesdienst statt. Für die genannten Themata wie für die Gottesdienste sind eine Reihe namhafter Männer aus verschiedenen deutschen Ländern als Redner gewonnen worden. Teutscher Anwaltstag. Auf der Tagesordnung des diesjährigen Deutschen Anwaltstages, der am 6. und 7. September zu Tanzig stattfinden wird, stehen folgende Themata: 1) Anpassung der Vereinssatzungen an' ba£ neue Recht. 2) Ist die Suspension als ehrengerichtliche Strafe zu empsehlen? 3) Tie Ordnung des Gerichtsvollzieherwesens im Deutschen Reich. 4) Bestrafung uneidlül)erl falscher Aussagen und Nichtbeeidigung unglaubwürdiger; Aussagen. 5) Theorie und Praxis seit dem 1. Januar 1900. 6) Gründung einer Ruhegehaltskasse und Witwen- und Waisenkasse für deutsche Rechtsanwälte mit Zwangsbeitritt unter reichsbehördlicher Aufsicht. Tie Theosophische Gesellschaft (I. T. V.- itt Deutschland wird ihre diesjährige Konvention am Pfingstmontage zu Leipzig abhalten. Die religionsphilosophischen: Vorträge werden die Themen: „Keine Religion ist höher als die Mahrheit" (Wahlspruch der Gesellschaft, und „Ueber unsere Krafts behandeln. voll geschliffenen Krystallkörpern." Dasselbe Blatt weiß noch, folgendes zu melden: Es ist strenge verboten, ohne besondere Ermächtigung hierzu, in der Ausstellung auf der Mathildenhöhe photographische Aufnahmen zu machen oder Gegenstände nachzuzeichnen. Frankfurter Oper. In der für Pfingstsonntag angesetzten Aufführung von Lortzings „U ndine" wird Fräulein Elsa Schweitzer zum erstenmale die Titelpartie singen. — Vielfachen Wünschen entsprechend, kommt am Pfingstmontag Bizets „Carmen" mit Fräulein Emmy De st in n zur Darstellung. Billetbestellungen zu dieser Vorstellung, die außer Abonnement stattfindet, werden an der Kasse des Opernhauses entgegengenommen. — Am Freitag, den 31. ds., gelangen in neuer Ausstattung an Dekorationen und Kostümen nach Bayreuther Muster Wagners „Meistersinger" zur Aufführung. Die Besetzung ist folgende: Eva: Frl. Schweitzer: Magdalene. Frl. Weber. Die Partie des „Walther von Stolzing" wird zum erslen- male Herr Alois Burgstaller singen. Die Rollen des „Hans Sachs", „Beckmesser", „Pogner", „David" und „Kothner" liegen in den Händen der Herren Dr. Pröll, Maesler, Greef, Schramm und Buers. In den übrigen Partien der „Meister" wirken die Herren Anders, Brinkmann, Hauck, Hensel, Hunger, Kruthoffer, Reitz und Zeitzechel mit. Ta das Werk in diesem Falle ohne alle Striche zur Wiedergabe gelangt, hat die Intendanz den Beginn der Aufführung aus 6 Uhr festgesetzt. Ein Schnelldramatiker. Dem wahrhaft modernen Dramatiker ist nichts zu schwer: wenn er sich auf seine Zeit versteht, teilt er alle Ereignisse, die bedeutend genug sind, seinen Geist anzuregen, allsogleich in Szenen und Akte. Wenn man dem einen oder anderen Schwank- und Lustspielautor nachsagt, daß er ein paar Bände „Fliegende Blätter" auf seinem Arbeitstische liegen habe, so darf man von dem „aktuellen" Dramatiker behaupten, daß ihm immer die letzte Nummer der Zeitung den Geist zu unsterb- lick-en Werken einflößt. Einer dieser Schnelldramatiker hat -s jetzt besonders eilig. „Damit mich niemand bezichtige", schreibt er: „daß ich mir eine fremde Idee angeeignet habe, teile ich schon jetzt mit, daß ich bereits dabei bin, ein Drama „K ö n i g i n D r a g a" in vier Akten und einem Vorspiel „Ter überrumpelte König" zu schreiben." Sämtliche Dichter Europas sind also gewarnt! Wir aber meinen, der eilige Dramatiker, dessen Name verschwiegen sei, sollte ■ gen, liefert zu Fabrikpreisen oedner, Seltersweg. LöerkMt Ml.M silb M 11. isach einfdilagenben arbeiten, föne«, sowie Meichne^von M Hadler. vezngrprek ouruiNM Ml. 2.20, moRQtl. 76 Vfe mil vringerlohn; durch * Abholkst<Ü«n tHerteljiK Mk. 1.90, menatl. 66 W» B« Postbezug virrteljch^. Mt. 2.00 ohne Bestell*». R(te eut|ttflcn BenntttluM»- ßtfltn dr» In- und auüfeew ntfnntn Anzeigen für »"• •»«(jener Anzeiger entgewe ßetlenprcts lokal 11 auswärts SO Psg. !IB R*? uf Ml KsGr Alt 1. 4$ WmbaneS Detail- aorn roweg 35 Wxt Kaas M). Ml aparter und solider wtuten antttanttt btfctß Men Ronturtm Kirae« 2879 v. Bechtold. Bekanntmachung. GroßherzoglicheS Ministerium des Innern hat dem ge» schäftSführenden Ausschuß der ^Internationalen Ausstellung für Feuerschutz und Feuerrettungswesen Berlin 1901" die Erlaubnis erteilt, die Lose einer in Verbindung mit der bezeichneten Ausstellung zu veranstaltenden Verlosung von AuSstellungS- und anderen Gegenständen nach Maßgabe des von dem Königlich Preußischen Ministers des Innern genehmigten Spielplanes innerhalb des Großherzogtums zu vertreiben. Indem wir dies zur öffentlichen Kenntnis bringen, bemerken wir, daß nach dem von der zuständigen Behörde genehmigten Verlosungsplan 300 000 Lose L 1 Mk. ausgegeben werden dürfen und 90 000 Mk. zum Ankauf von Gewinn- gegenständen verwendet werden müffen. Gießen, den 21. Mai 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Kolorrialpost. Aus unferen afrikanischen Kolonieen. Vom Gouverneur Deutsch-Ostafrikas, dem Major Goetzen, find schon, wie verlautet, ziemlich umfangreiche Berichte eingegangen. Sie bestätigen das, was schon aus seinem Rundschreiben bei Uebernahme seines Amtes hervorging, nämlich, daß der neue Gouverneur namentlich die wirtschaftliche Entwickelung des Schutzgebietes im Auge hat. Schwierigkeiten scheinen die Finanzen zu machen; schon seit einer Reihe von Jahren war es eine ständige Klage der aufeinanderfolgenden Gouverneure, baß die bereitstehenden Mittel nicht ausreichten, um diejenigen Neuerungen durchzuführen, welche für wirtschaftliche Fortschritte notwendig erklärt wurden. Jeder neue Gouverneur ist außerdem noch dadurch beschränkt, daß verschiedene schon vorher begonnene Maßnahmen durchgeführt werden müssen und somit ein Teil der Mittel schon feftgelegt war. In der Finanzverwaltung OstafrikaS ist neuerdings insofern eine wichtige Aenderung eingetreten, als ein Fachmann im Etatsund Kassenwesen an die Spitze gestellt worden ist. Vorher waren meist VerwaltungSbeamte mit der Leitung des Finanz wesens betraut. Durch die fachmännische Aufstellung des Etats wird eine bessere Uebersicht erlangt, die natürlich auch die gesamte Verwaltung erleichtert. — Major v. Estorfs, der zum Stellvertreter des Gouverneurs ernannt war und das Kommando über die Schutztruppe hatte, ist dem Ver- nehmen nach sofort nach der Ankunft des Gouverneurs Grafen v. Goetzen von Dar-eS-Salaam abgereist und hat sich über Capstadt auf seinen neuen Posten nach Südwestafrika begeben, wo er schon früher fünf Jahre der Schutztruppe angehörte. Nach seiner Ankunft in Windhoek wird Oberstleutnant Müller, der einen Urlaub erhalten hat, die Reise in die Heimat machen. Vermutlich wird er nicht wieder nach Südwest-Afrika zurückkehren, da es nicht wahrscheinlich ist, daß neben dem Gouverneur Oberstleutnant Leutwein noch zwei Stabsoffiziere bei der Schutztruppe bleiben. — Der Sitz der Zentralverwaltung des Schutzgebiets Kamerun ist am 1. April d. I. von der Stadt Kamerun (jetzt Duals) nach der Station Buea verlegt worden. Buea liegt etwa 1000 Meter hoch am großen Kamerunberg und hat außerordentlich günstige gesundheitliche Verhältniffe. Die Stadt Kamerun (Duala), die immer noch der bedeutendste Handelsplatz des Schutzgebiets ist, bleibt der Sitz eines Bezirksamts. Aus Stadt und Land. Sieben, 22. Mai 1901. Zu dem Entwurf einer Gesetzes über die ärztlichen Ehrengerichte wird uns von ärztlicher Seite geschrieben: Durch das Gesetz würde dem in einer unzweifelhaften Notlage befindlichen Stand der Aerzte nicht unwesentlich gedient werden. Sünden der Regierungen Deutschlands gegen den Aerzteftand giebt es gar manche. So viel ich aus meiner praktischen Thätigkeit und aus meiner Bekanntschaft mit Kollegen die Ansichten der Aerzte über die Notwendigkeit de« Erlasses eines Gesetzes über Ehrengerichte beurteilen kann, glaubt man, daß eS wohl wünschenswert sei, mit Hilfe dieses Gesetzes fortwährend unkollegial und unwürdig sich gerierende Aerzte in die Schranken zu weisen. Man hat aber auch die Ansicht, daß Unkollegialität und unlauterer Wettbewerb in sehr vielen Fällen bitterer Not entspringen und daß, wenn der Staat mehr thun würde zur Verbesserung der Lage der Aerzte, anstatt noch weiter an der Verschlechterung derselben zu arbeiten (vgl. einseitiges Zulassen der Realgymnasialabiturienten zum Studium der Medizin), viel weniger derartige Auswüchse gezeitigt würden. Die Hebung der materiellen Lage der Aerzte ist zunächst notwendig. Wer gut situiert ist, dem fällt es leichter, sich korrekt gegen die Kollegen zu benehmen, als dem schwer um'S tägliche Brot Ringenden. Deshalb find die Ehrengerichte, ohne daß deren segensreiche Wirkung verkannt werden soll, erst in zweiter Linie notwendig. Diele Aerzte fürchten auch, sich mit dem Gesetz über die Ehrengerichte nur neue Pflichten aufzubürden, ohne besondere Rechte einzutauschen. Der Staat hat bereits ohnehin genug Pflichten den Aerzten zuerteilt (Anzeigepflicht bei ansteckenden Krankheiten, Mitwirkung bei der Statistik und Mitwirkung bei der Ausführung der modernen sozialen Gesetze), während die Rechte der Aerzte eigentlich nur darin bestehen, daß sie die Wahl zum Schöffen- und Geschworenenamt ablehnen könnten. Eine ganz objektive Mitteilung der Stimmen aus dem ärztlichen Lager kann also den Gesetzentwurf zwar wohlwollend kritisieren, darf aber doch den Umstand nicht verhehlen, daß die Regierungen mit dem Erlaß von Gesetzen über ärztliche Ehrengerichte — auch Sachsen, Bayern und Preußen haben solche erlassen — vorläufig einmal das „billigste" gewählt haben von den Mitteln, die ihnen zur Hebung des Aerztestandes und zu Geschenken an denselben zur Verfügung standen. ** Jubilä um. Sein 40jähriges Dienstjubi- käum feierte gestern der Schichtmeister und Kassierer der Gießener Braunsteinbergwerke, Herr Louis Dauernhei m. Er erfreut sich bei seinen Kollegen allgemeiner Beliebtheit und seine Vorgesetzten zollen ihm wegen seines Pflichteifers und seiner Treue die größte Achtung. Seiner Schlichtheit ist es zuzuschreiben, daß das Jubiläum erst ”n $re^e seiner Familie und der Beamten plötz- nry.bekannt geworden ist. Die Bureau- und Grubenbeamten haben es sich nicht nehmen lassen, ihre Sympathie dem Jubilar durch ^ine Adresse nebst einem Sessel, in dem er ]eine freien stunden verbringen möge, Ausdruck zu ver- »eihen. ^er zurzeit abwesende Direktor des Werks sandte ein prachtvolles Geschenk, und der frühere Chef des Jubilars ein größeres Geldgeschenk. ~ o u.L o tternjahr scheint bevorzustehen. Aus allen Teilen Mitteleuropas, besonders aus dem Alpengebiet, wird berichtet, daß man niemals so viele dieser ae- jährlichen Schlangen beobachtet habe. ** Münzprägung. In den deutschen Münzstätten find im Laufe des April für 1021920 Mk. Toppclkronen und für 3 686 940 Mk. Kronen, beide Beträge aus Privatrechnung, für 472500 Mk. silberne Fünfmarkstücke, für 2259996 Mk. Zweimarkstücke und für 6 809.99 Mk. Ein-- Pfennigstücke geprägt worden. Marburg, 21. Mai. Ter außerordentliche Professor der deutschen Philologie an der Universität Dr. Eugen Joseph, der am 17. d. M. seinem Leben ein Ende machte, war 1854 zu Stargard geboren und ein ^Hiller Wilhelm Sjcherers, nach dessen peinlich exakter Methode er sein betrieb. 1885 *rst promovierte Joseph nach einer langen Studienzeit bei der Straßburger philosophischen Fakultät auf Grund der Dissertation „Konrads von Würzburg Klage der Kunst", worin er in mustergiltiger Analyse und Stiluntersuchung das bezweifelte Gedicht endgiltig dem Würzburger zuschreibt, und den gereinigten Text mit Anmerkungen herausgiebt.' Zwei Jahre später habilitierte er sich an der Straßburger Universität, und zwölf lange Jahre wirkte er dort als Privatdozent. Während er das Gesamtgebiet seiner Wissenschaft, Linguistik sowohl als neuere Litteraturgeschichte, auf dem Katheder vertrat, blieb feine Schriftstellerei fortdauernd der alt- und mittelhochdeutschen Sprach»- und Litteraturgeschichte zugewandt. Ausnahmen bilden nur seine, allerdings auch dahin zurückgreifenden, schönen Volkslied- und Kunstlyrik-Untersuchungen „Tas Heidenröslein", seine kritische Ausgabe von Wilhelm Meisters Wanderjahren (1894—1901) und seine Rede „Goethe und Lilli" (1899) in den „Straßburger Goethevorträgen". 1890 besorgte Joseph die 2. Auflage von Moritz Haupts Ausgabe des Engelhard fron Konrad von Würzburg. Anknüpfend an die Bahn brechenden „Deutschen Studien" Scherers griff er sodann in eine der brennendsten Fragen unserer heutigen Germanistik ein, die Anfänge des deutschen Minnesangs. In diesen Forschungen, „die Frühzeit des deutschen Minnesangs. I. Die Lieder des .Kurenbergers" bewährt er wiederum die geschickteste Arbeitsweise. Bei einem so heiklen Thema konnte natürlich fachmännischer Widerspruch gegen seine Resultate nicht ausbleiben. Von den 15 Strophen, welche sich in der großen Heidelberger Liederhandschrift unter dem Namen des von Kürenberg überliefert finden, läßt er dem auf die Zeit um 1180 festgelegten Dickster nur sechs, rekonstruierte, Wechsellieder. Von seinen zahlreichen Zeitschriftenbeiträgen und Rezensionen feien folgende Abhandlungen erwähnt: „Zwei Vers- versetzungen im Beowulf" „Ter Dialog des alten Hilde- brandslieds", über das Gedicht „De Heinrico" und „Diiej Komposition des Muszilli". Im vorigen Jahre folgte Joseph einem Ruf auf die y^rch Albert Kösters Weggang nach Leipzig erledigte außerordentliche Professur der neueren deutschen Litteraturgeschichte an der Universität Marburg. Kassel, 21. Mai. Am 18. und 19. Mai fand, wie wir bereits kurz mitteilten, anläßlich der Eröffnung dey „Alldeutschen und Marine-Ausstellung" eine Ausschuß- uüd Vorstands-Sitzung des Alldeutschen Verbandes statt. Ter Verband hat seit 1. Januar 689 neue Mitglieder gewonnen, sodaß die Gesamtzahl der Mitglieder gegenwärtig 22 424 beträgt; die Zahl der Ortsgruppen ist von 201 auf 215 gestiegen. Die Summe der vom Verbände eingeleiteten Sammlung für die Opfer des Burenkrieges leläuft ficfji auf 307 921 Mk. Hiervon sind bisher verbraucht worden 181277 Mk., die durch die Vertrauensi- männer des Alldeutschen Verbandes insbesondere in Johannesburg und Kapstadt zur Linderung der Not unter den Frauen und Kindern verwendet wurden. Desgleichen wur- >en die Gefangenen in St. Helena, Ceylon und Portugal unterstützt. Für die aus Transvaal ausgewiesenen Deutschen wurden im ganzen 18414 Mk. ausgegeben. Aus- chließlich der Alldeutsche Verband hat sich dieser Notleidenden angenommen, die sonst direkt vor dem Verhungern gestanden hätten, da ja auch heute noch die Aussicht auf Flüssigmachung der Entschädigungsgelder seitens der englischen Regierung wohl mehr als unsicher bezeichnet werden muß. Ein Teil dieser Ausgewiesenen wurde auf Kosten des Verbandes nach Südbrasilien beordert, um sich! dort in den deutschen Ansiedlungen niederzulassen. — Ferner wurde darauf hingewiesen, daß insbesondere eine wirffchaftliche Unterstützung des Deutschtums in Oesterreich motwendig fei, und hierbei die Unterstützung der Volksbanken in Oesterreich« durch die Verbandsmitglieder empfohlen. In der Vorstandssitzung wurden dem Vorstande des Alldeuffchen Verbandes folgende; Herren zugewählt: Landrichter Dr. Neumann in Lübeck; Oberlehrer H. Pohl in Mülheim (Ruhr); Kreisamtmann Dr. Merck in Mainz; Kunsthistoriker Karl Ernst, Osthaus in Hagen i. W.; Redakteur Schrempf in Stuttgart, Reichstagsabgeordneter (nationalliberal); Schriftsteller und Oberleutnant cl D. Liebermann von Sonnenberg in Groß-Lichterfelde bei Berlin, Reichstagsabgeordneter (Res. Partei). Die Stadtkirche zu Friedberg. e. Friedberg, 21. Mai 1901. Am 26. Juni findet die feierliche Einweihung der renovierten evangelischen Stadtkirche in Gegenwart des Gr o ß her zo g s, der Geistlichkeit und der Behörden statt. Die Kirche ist 1260 bis 1410 gleich nach der St. Elisabethenkirche in Marburg (1255—1283) und nach deren Vorbild erbaut worden. Da wo in Friedberg die im frühgotischen Stile erbaute Kirche steht, stand ffüher eine romanische Kirche oder eine Basilika. Am 7. April 1896 begannen die Renovationsarbeiten; für die gesamte Bauleitung hatte man den Architekten Hubert Kratz gewonnen, der mit großem Verständnis und vollständig im Sinne des ersten Baumeisters, dessen Name übrigens nicht bekannt ist, die schwierigen Arbeiten ausführte. Die Kirche zeigte schon in den Jahren 1821—24 im Chor an den Mauern Risse und Senkungen. Man reparierte, ebenso 1842—45, aber alles half nichts, da man die wahre Ursache des Verfalls der Kirche nicht erkannte. Schon 1886 sagte in einem Gutachten Professor Schmidt-München, daß allein ein Umbau der Ostseite die Kirche vor dem Zusammenstürzen retten könne. Aus Pietät wollte man so gewaltige Reparaturen nicht treffen, auch fehlten die nötigen Mittel. Es wurde also 1896 mit Verbesserungen an dem Dache und an den Mauern angefangen. Bei diesen Arbeiten aber sah Archi-i tekt Kratz, daß alle Schäden an dem l>errlichen Gebäude nur durch die schlechte Fundamentierung gekommen waren. Der Bauplan wurde nun verlassen und man schritt zum vollständigen Umbau der ganzen ösllichen Seite der Kirche. Bei der Fundamentaufdeckung fand man ein unverantwortlich schlechtes Material, das zuweilen ohne Lager einfach in den Lehmboden gebettet war. Tie Fundamentbreite entsprach oft knapp der Sockelkante, ja es war vermutlich stellenweise den Leuten die Kenntnis, wo das Fundament lag, verloren gegangen. Auch das ausgehende Mauerwerk entbehrte des verbandfähigen Materials und des binde- Mhigeii Mörtels. Tie tragenden Architekturteile waren ohne Verband in sich und mit dem Mauerwerk; es wurde also auch schon vor 800 Jahren gepfuscht. Bei den Renovationsarbeiten fand man wertvolle Deckenmalereien, man legte die alte Kirche frei und hat überhaupt oll die herrlichen Bausteine mit Bildhauerarbeiten sorgfältig wieder an die alte Stelle gefetzt. Ganz Friedberg rüstet sich zur feierlichen Einweihung der rekonstruierten Kirche und ist stolz auf dieses Bauwerk, das bei jedem Beschauer den Eindruck des Gewaltigen her- vorruft. Ist die Burg Friedberg mit ihren Türmen, ihren charakteristischen Bauten und mächtigen Mauern ein sckchnes, eigenartiges und ein Stück wahrhaft deutscher Vergangenheit widerspiegelndes Bild, so ist die Stadtkirche, die mit ihren mächtigen Baumassen die Stadt überragt, die Krone der Stadt, ein Wahrzeichen nicht nur der Frömmigkeit, sondern auch der Tüchtigkeit und des Fleißeß der einstigen Bewohner Friedbergs. Gaben zur Zeit ihrer Erbauung die Friedberger freudig ihren Verdienst hin, wohnten sie gern eng und beschränkt, wenn nur das Gotteshaus recht groß und gewaltig hinaus in die Lande ragte, so hat auch jetzt sich dieser Opfersinn wieder gezeigt. Die umfangreichen Wiederherstellungsarbeiten haben 640 000 Mk. gekostet, die Großh. Regierung gab dazu einen Staatszufchuß von 200 000 Mk., die 440 000 Mk. aber schaffte der Friedberger Stadtkirchenbauverein herbei. Man sieht daraus, was geleistet werden kann, wenn arbeitsfrohe, kunstsinnige und energische Männer an der Spitze einer Bewegung stehen. Vermischtes. * Berlin, 21. Mai. Zur Feier des 50jährigen Bestehens der Berliner Feuerwehr fand General- Appell auf dem festlich geschmückten Exerzierhofe der Hauvi- feuerwache statt. Anwesend waren Prinz Friedrich Heinrich, die Minister v. Rheinbaben, v. Hawmerstein, Studt, v. Pod- .bielsky, Oberpräfident v. Bethmann Hollweg, Oberbürgermeister Kirschner und zahlreiche geladene Gäste. Beim Eintreffen des Prinzen präsentierte die in Parade aufgestellte Feuerwehr, die Musik spielte die Nationalhymne. Nach der Festrede des Garnisonpfarrers GoenS verlas Minister v. Hammersteiu eine KabinetSordre, worin der Kaiser der Feuerwehr zum heutigen Ehrentage seinen Gruß entbietet, und bedauert, der Feier nicht persönlich beiwohnen zu können Der Rückblick auf Die verflossenen 50 Jahre weise einerseits eine ununterbrochene schwere Arbeit auf, liefere aber anderseits ein ruhmvolles Zeugnis aufopferungsvoller Treue, wodurch sich die Mannschaft unter Leitung bewährter Offiziere allezeit auSzeichneten. Die KabinetSordre betont weiter, daß die Berliner Feuerwehr mustergiltig nicht nur für die Feuerwehren des engeren Vaterlandes, sondern fast aller Länder Europas geworden sei, infolge ihrer ausgezeichneten Leistungen und ihres vortrefflichen Verhaltens sich des besonderen Schutzes der Kaiserin Augusta und der jetzigen Protektoration der Kaiserin Auguste Viktoria erfreute, und schließt mit dem Wunsche, daß der vortreffliche Geist, der bisher die Offiziere und Mannschaften beseelte, auch fernerhin fortleben möge, damit sie tüchtig bleiben und ihrer Aufgabe, zum Wohle Berlins und deffen Einwohner gerecht werden. Der Minister sprach sodann persönlich seinen Glückwunsch aus, und betonte, es sei ihm eine besondere Freude, als eine seiner elften Diensthandlungen an der Feier teilzunehmen. Hierauf gab Polizeipräsident v. Windheim die vom Kaiser verliehenen AuS- zeichnungen bekannt und schloß mit einem Hoch ans den Kaiser und die Kaiserin. Letztere übersandte 1000 Mk. für die Königin Augusta-Stiftung. • Tilsit, 21.Mai. Einen gänzlich unerwarteten Ausgang wird voraussichtlich die Anklage wegen Ermordung des 85jährigen Dr. Heydenreich durch den Tapezierer Former aus Insterburg nehmen. Der Angeklagte ist des vollendeten Raubmordes geständig, man erwartete deshalb, daß er noch in der vorgestern zum Abschluß gelangten zweiten diesjährigen SchwurgerichtSsesfiou in Tilsit zur Aburteilung gelangen würde. Weshalb dies nicht geschehen, verlautet jetzt. Dr. Heydenreich ist an einem Herzschlage gestorben, wie die Sektion der Leiche ergeben hat, der Mörder hat seine Bestialität wahrscheinlich an einem bereite Toten a uSgelassen, den er aber noch für lebend hielt, und den er selbst durch Erwürgen und einen nicht tiefgehenden Messerstich getötet zu haben glaubt. Für dieses Verbrechen den einschlägigen Strafgesetzbuch-Paragraphen zu finden, dürste nicht ganz leicht sein; hinzu tritt das vollendete Verbrechen des schweren Diebstahls. * Konstantinopel, 21. Mai. Jrn hiesigen Arsenal meuterten mehrere hundert Seeleute, bie, nachdem sie ihre achtjährige Dienstzeit abgeleistet hatten, Urlaub verlangten. Die Meuterer richteten im Arsenal einigen Schade« an. Der Adjutant des Sultans begab sich alsbald ins Ar- fenal. ES gelang ihm, die Unzufriedenen zu besänftigen und die Ruhe wieder herzufiellen. Das Gerücht, daß eine Anzahl Meuterer von den Truppen verwundet wurde, ist unrichtig. * „Weil der Ceasor verreist ist", können in der Stadt Borgä in Finnland seit einigen Tagen keine Zeitungen erscheinen. (Die Herren Kollegen in Borg« haben'S aber gut! Anm. d. Red.) • Junge und alte Brautleute. Alte Herren wählen in der Regel eine auch dem Lebensalter nach „junge Frau"; die AlterS-Differenz der Neuvermählten ist aber oft eine recht beträchtliche. Die Fälle, daß die Frau um 30 Jahre und darüber jünger ist, zählen nicht zu deu Seltenheiten. Unter den zirka 2000 Eheschließungen des JahreS 1899 befanden sich nach den Ermittelungen des Statistischen Amtes der Stadt Berlin nicht weniger als 102 Paare, von denen die Ehemänner im Alter von 45 bis 75 Jahren ftanben, während ihre besseren Hälften 25, ja 30 und mehr Lenze weniger zählen. Unter den Heiratslustigen desselben Jahrganges fanden sich vier Greise im Alter von 75 und mehr Jahren, das biblische Alter von 70 Jahren hatte außer ihnen schon ein Dutzend erreicht, und 34 würdige Männer waren nahe daran. Rund 4000 Männer wählten sich eine 5 bis 10 Jahre jüngere Lebensgefährtin, und in 8572 Fällen war die Braut nur wenige Jahre jünger als der Mann. Der umgekehrte Fall, daß die Frau älter ist als der ^etfoerf. 0- ■ Bei de'n^urde fl(i Mupt ftr( J? ^Qii (eOf. °t9^ti9 ivieder^lichen r je. ** die sSs-fi» SÄ ** ®sttaA'b’e mit «r bet »Sy« »tone Be,t ihrer GriL6 n* l9e,t Miu, tDohnfen ?'10 bie '.rMs ä'.AÄa ■*s>- licht baray T«« LLZK? LS. ?«« dl, öOjäbtfaen m i«d sL 5trM°ie der Hauvi- "uvz Friedrich fieintii Stnbt, v. $ob- WH OberbLrger- ladm Säfte. Stirn eiB. ’,e ,D Parade aofgestM ationchyme. Nach der Goeos verlas SDliniftei »orio der Kaiser der ! seinen Gruß mbiiut, ich beiwohnen zn l-nnrn ^ahre wüst einrrsrite t iiesere aber anbei PsernngSvoller Lrene, wo eitnng bewährter Osßziere tSordre betont weiter, daß g nicht vnr sür die Feversondern saft aller Länder r ausgezeichneten Leistungen sich des besonderen Schützer etzigen Protrktoration der te, und schließt mit dem st, der bisher die CffW fernerhin foülebeu möge, rcr Äiifßa&e, znm Wohle cht werden. Der Minister kwunsch anS, und betonte, t, al» eine \faxt *i iiMehmn. Hieraus gab )vm Kaiser verliehenen M ■ einm Hoch ans den Kaiser sandte 1000 Ml. für die gänzlich unerwarteten Auslage wegen Ermordung i(h durch den M» ®tr Sngeklagte ist de- man erwartete deshalb, Abschluß gelavMMrn in M ^r Mrlck - nicht ÄJ "*, -iW «r^lxs t fugst begab sich < und S®"i"w,btl" tiSw-* !' ? «Ite H-r-" tflSSj-Ä» £*$ let (0’ 95 j" "Ljiiiii & «* t voll lviirdlö «x (in' LA-..M Ehegatte, findet fich seltener; immerhin gab eS 29 Ehen, in denen der Manu 20 bis 30 Jahre weniger zählte, als die Frau, lieber 300 Männer wählten Frauen, die ihnen bei der Eheschließung 10 bis 20 Jahre „über" waren; leider ist dies Mißverhältnis ein dauerndes. Mteratur. — Die Monatsschrift »Berliner Äthin* (Freier Verlag), hat für daS Heft 9 die Mehrzahl ihrer Bilder der Weit der Koultffen entnommen Von der Eröffnung der „Secessionsbühne' mit JbfenS ,Komödie der Liebe' erhalten wir ein szenisches Bild: Darsteller rmd Darstellerinnen des Stückes in den famosen Biedermeiertostumen im Rahmen der vom Maler Hendrich entworfenen stimmungsvollen Blütendekoration. Die erfolgreiche Premiöre des Friedrich Wilhelmstüdtischen Theaters: „Der Tugendring' reizte ebenfalls zu einer Aufnahme, und daS Bühnenbild erzählt von der Pracht der Ausstattung und dem pikanten Genre der Operette. Dem „Verkauften Sklaven' deS Geisha-Komponisten und den Größen deS König!. Schauspielhauses sind ein paar gefällig «rangierte Blätter gewidmet. Einen fast gleichen Antell an den Jllu- strationen hat man der Malerei und der dekorattven Kunst eingeräumt. Moderne Interieurs auS Keller u. Reiners Kunstsalon wie Schulte- Salon werden besonderes Interesse erregen, ebenso der Besuch des Kaisers in der Großen Berliner Kunstausstellung. — Mit den Porträts der Prosefforen der Technischen Hochschule zu Charlottenburg wird eine Reihe der in dem ersten Helt deS Jahrgangs bereits veröffentlichten zum Abschluß gebracht. Im Gegensatz zu den nicht immer dankbaren Atelierauf« nahmen enthält die- Heft eine amüsante: der bekannte Lustspielautor Gusta» von Moser al- Modell in dem Studio deSAPorttätisten Profeffor Kraut. — Auch die Typen, die diesmal aus dem vollen Berliner Leben herausgegriffen sind, muß man als glückliche bezeichnen. Da ist der „Mann mit dem Kaaks', die „Waschfrau', der „schwarze Mann', der „Gipsfiguriverkäuser" u. a. Der Preis des vornehm ausgestatteten HefteS, das im Feuilleton eine köstliche Rovellete von der Gyp, ein Gedicht von Hugo Salus und einen poetischen Beitrag vonZjFranz Evers bringt, beträgt 50 Pfg. Umoersitäts Nachrichten. Marburg, 20. Mai. Von jetzt an soll für alle studentischen Ver. sammlungen, Umzüge rc. zunächst die Genehmigung des Rektors der Universität und dann erst die der Polizei etpgeholt werden. — Rach der nunmehr erfolgten entgiltigen Zusammenstellung beträgt die Zahl der unsere Universität besuchenden Studierenden in diesem Sommersemester 1*230 gegen 1053 im letzten Wintersemester und 1153 im vorigen Sommer semester. Die Zahl der Studierenden beträgt also in diesem Semester 77 mehr alS im entsprechenden Semester deS vorhergehenden JahreS. Petersburg. 20. Mai. Die Regierung gestattete die Begründung zweier wissenschaftlicher studentischer Vereine, eines medizinischen Vereins an der Universität Kasan und eines naturwiffen- schaftlichen an der Universität Moskau. In früheren Jahren durften derartige Vereine in keiner Universitätsstadt begründet werden, da der frühere Unterrichtsmtnister dem studentischen Dereinsleben durchaus feindlich gegenüberstand. Der jetzige Unterrichtsminister Wannowski will dagegen das studentische Vereinswesen nach Möglichkeit fördern, zunächst durch Gründung fachwiffenschafllicher Vereine. ijiinhirijlijiljcs. Vokbirettuug -um Beruf. Lehrer: „Ja, Seppel. ro.-nn Du nrnter fehlst, wenn wir hier etwas wichtiges durchnehmen, was soll denn da aus Dir werden? Seppel: „Vielleicht 'n RtichStaaSabaeordnet.r Herr LehrerI' Derträgt Aabn immer die Milch? Ein Wort an Mütter und Wöchnerinnen. Zuweilen vertragen Säuglinge und Kinder die Milch nicht, weil sie im Maaen zu schnell gerinnt. Mondamin dagegen besitzt den kostbaren Vorzug dies zu verhindern. Man koche nur einige Minuten eine Obertasse Milch mit einem Theelöffel Mondamin gut durch. In größeren Mengen ist Mondamin mit Milch gekocht eine gesunde, leicht verdauliche Speise für die Kleinen, allerdings erst nach dem Zahnen. 814 M Arorvn & Wolsons ONDAMIN __________ist zu haben in Paketen ä 60, 30 und 15 Psg.__________ Kunst-Ausstellung. auflbtcllnng im Turmhaus am Brand ißt täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet Mittwochs auch noch von 8 bil 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 8 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Niehtmitglieder an Werktagen 50 Pfg. an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. schwarz und 20 Prozent ÄUv Carl jtowadi * JOvIjvll farbig. Modewaren. Specialität: Seidenstoffe. Km des PlmiMl-Ächmhmses zu Gießen. Die zur Erbauung der Anstalt nötigen x 1. Erd-, Maurer- und Asphaltarbriten, 2. Zimmerarbeiten, 3. Dachdeckerarbeiten, 4. Trägerlieferungen, und 5. Grobschlosserarbeiten sollen im Wege des schriftlichen Angebots vergeben werden. Verdinguugsanschläge und Bedingungen find gegen portofreie Einsendung Arbeiten unter Nr. 1, « n «2, M n ff b, ,/ » #4, n n » &f (Gasthaus zur Stadt Lich) zu Gießen, zu beziehen und die Pläne dort selbst einzusehen. Die Angebote find bis Freitag den 7. Juni, vormittags IO Uhr 80 Miu, auf dem Baubüreau einzureichen, woselbst die Oeffnung derselben in der angegebenen Reihenfolge der Arbeiten erfolgt. ZuschlagSftist bis 17. Juni d. I. Gießen, den 20. Mai 1901. 3732 Namen» des Provtnzial-Ausfchuffer der Provinz Oberheffen. von Bechtold. Bekanntmachung. In das hiesige Handelsregister wurde bezüglich der Firma .Julius Hahn" zu Gießen eingetragen: Am 17. Mai 1901 ist an die Ehefrau des Wilhelm Hahn, Henriette, geb. Spahr, daselbst, Prokura erteilt worden. Gießen, den 21. Mai 1901. 3730 Großherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Samstag den 8. Juni 1001, vormittag- *1,7 Uhr, findet zu Gießen auf de« Trieb (Exerzierplatz) eine Bormusteruug deS Pferdebestaudes statt. Nach § 4 der Pferde AuShebungrvorschrift vom 17. Juli 1900 ist jeder Pferdebesitzer verpflichtet, seine sämtlichen Pferde zur Musterung zu gestellen mit Ausnahme: a. der Fohlen warmblütiger Schläge unter 4 Jahren, b. der Fohlen kaltblütiger oder kaltblütig gemischter Schlage unter 3 Jahren, e. der Hengste, d. der Stuten, die entweder hochtragend find oder noch nicht länger als 1-* Tage abgefohlt haben (als hochtragend find Stuten zu betrachten, deren Abfohlen innerhalb der nächsten 4 Wochen zu erwarten ist), e. der Vollblutstuten, die im Allgemeinen deutschen Gestütbuch oder den hierzu gehörigen offiziellen — vom Union- lub geführten — Listen eingetragen und von einem Voll- bluthengst laut Deckschein belegt find, auf Anlrag de» Besitzers, f. der Pferde, welche auf beiden Augen blind find, g. der Pferde, welche in Bergwerken dauernd unter Tag arbeiten, h. der Pferde, welche bei einer ftüheren Pferdemusterung f als kriegsunbrauchbar bezeichnet worden find, i. der Pferde unter 1,50 Meter Bandmaaß. Von der Verpflichtung zur Vorführung ihrer Pferde sind am»genommen: a, die aktiven Offiziere und Sanität«off^iere bezüglich der von ihnen zum Dienstgebrauch gehaltenen Pferde, b. Beamte im Reichs- oder Staatsdienst hinsichtlich der zum Dienstgebrauch, sowie Aerzte und Tierärzte hinsichtlich der zur Ausübung ihres Berufes notwendigen Pferde, von 3 Mk. 10 Pfg. für- die H 1 tt 90 ff »ff ff 1 ff ^O „ n tt w * n 80 nun _ 70 V II •V 1 M H vorn Baubüreau, Licheistraße 59 c. die Posthalter hinsichtlich derjenigen Pferdezahl, welche von ihnen zur Beförderung der Posten kontraktmäßig gehalten werden muß, d. die Staatsgestüte. Unter besonderen Umständen, namentlich in dringenden Fällen kann Großh. Kreisamt Gießen Befreiung von der Vorführung eintreten lassen. Wir fordern hiernach sämtliche Pferdebefitzer hiesiger Stadt aus, ihre Pferde in dem angegebenen Termin vorzusühren, bezw. vorführen zu lassen und zu diesem Zweck eine halbe Stunde vor Beginn der Musterung zur Stelle zu sein. Pferdebesitzer, welche ihre gestellungspflichtigen Pferde nicht rechtzeitig oder vollzählig vorsühren, haben außer berge setzlichen Strafe zu gewärtigen, daß auf ihre Kosten eine zwangsweise Herbeischaffung der nicht gestellten Pferde vorgenommen wird. Das Vorführen der Pferde durch Kinder oder durch alte, gebrechliche Leute ist verboten. Insoweit bi» zum Musterung»termin Veränderungen im Pferd?bestand durch Zu- oder Abgang eintreten, hat der be treffende Pferdebesitzer hiervon sofort auf dem Bürgermeisterei- Bureau (Zimmer Nr. 15) Anzeige zu erstatten. Am Schluffe der Pferdemusterung findet eine Musteruug der vorhaudeneu kriegsbrauchbareu Fahrzeuge statt und find daher auch diese zur Stelle zu schaffen. Als solche sind nur vierrädrige Wagen anzusehen, welche ein kräftige» Untergestell mit Achsen von Stahl oder Eisen, mindestens 18 Gentner Tragfähigkeit haben und nicht über 14 Gentner wiegen. Gießen, den 20. Mai 1901. 3718 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. __________________I. V.: Wolff.__________________ Einladung. Die verehrlichen MÜglieder des Spar- und Leihkaffe- Vereins Gießen werden zu einer DouuerStag deu LS. Mai l. I., nachmittags 4 Uhr im Saale der höheren Mädchenschule (Schillerstraße) dahier stattfindenden außerordentlichen Hauptoersammlung ergebenst eingeladen. Tagesordnung: Endgültige Festsetzung der Satzungen nach den von Großherzoglichem Ministerium de» Innern zum EMwurfe erhobenen Bemerkungen. Gießen, am 17. Mai 1901. Direktion des Spar- und Leihkasse-Vereins. I. V.: Dornseiff. 8675 Die General-Ansammlung deS Vereins Hessisches Lehrerinnenheim unter Allerhöchster Protektion A. A. £. der Hroßyerzogin findet am 5. Juni 1901, nachmittags V34 Uhr, im Aathaussaate z« Darmstadt statt. Hages-Hrdnnng: a) RechnungS-Ablage; b) Jahresbericht; c) Voranschlag für daS laufende VereinSjahr; d) Gesellige Vereinigung im Darmstädter Hof. 3728 Um zahlreiche Beteiligung bittet Der Vorstand. 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