s U(jr teil ltdeWet. Aker ein. ltStS-HiDnbK Nr. 46 Erstes Blatt. Samstag 23. Februar 1901 151. Jahrgang Erscheint täglich mit Uu-nahme deS Montags. Di« Gießener ZamilitN- dlätter werden dem An. »eiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" und „Blätter siir Hess Volkskunde" viermal wöchentlich beigelrgt. Snnahmk een Unitigen tu der nachmittag« fir den folgenhen Tag erlcheinenden Kummer bi« oorm 10 Ubr ötbbeftetlungen Ipätefien« abend« »erber. Redaktion, Expedition und Druckerei- Schulstrahe 7. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger " Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezugrpreir »ititriiW. SRI. 2.20, monatl. 76 Pßa. nut Bringerlohn; durch w Abholestellen vrerteljährl. Mk. 1.90, monatl. 65 Wt Bei Postbezug vierieljihrl. Mk. 2.00 ohne Bestellge». Alle Nnzetaen-BcrmittluaD»- ftellen be« yn. unb Au «lande» nehmen Anzeigen für d« ©lefcencr Wnjciqcr entgeaat fieilenpreiö total li yf«., aubWdrtO HO Pfg. Adresse für Depesche»: Anzeiger Siehrn. FernsprechanschlußlUr.Kl. ^252 18 Uttb Wirb öum Dttwtnbtt. ßovftank lrnverek Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Berstadt. Politische Tagesschau iv erden. slioe 1601 der Vorstand. Kumuli«. ösfentlichung dieser Bekanntmachung im Kreisblatt an gerechnet, mittels schriftlicher Beschwerde bei Großh. Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handes und Gewerbe in Darmstadt geltend zu machen. Zugleich fordere ich die außerhalb der Gemarkung Berstadt wohnenden Ausmärker auf, zur Wahrung ihrer Interessen einen in der Gemarkung Berstadt wohnenden Bevollmächtigten zu bestellen, da eine weitere besondere Zuschrift im Laufe des Bereinigungsverfahrens an sie nicht mehr erfolgt. Bei ausverkauftem Hause gelangte am Donnerstagabend ,.Der Hüttenbesitzer" zur Aufführung. Wir geben uns leinen Illusionen hin und wissen sehr wohl, daß die romantischen Unmöglichkeiten der Handlung und der Charaktere, MS tätS’Dmdtrd Friedberg, den 11. Februar 1901. Der Großh. Feldbereinigungskommissär: Sandmann. n Kapital ,-üoooo uten Nobler W perben Dfierten unter Die Titelrolle (Philipp Derblay) lag in den Händen bnseres Gastes, Herrn Hubert Dietzsch. Mit Tempera- ktent, wahrhaftiger Natürlichkeit," charakterisierte er künst- ' t, aber innerlich «laufen scher IHI«k ilB-Sttein.) 24. Februar, 8 4 Uhr an: m nftrafee161 bwN^LE^- teilt Gießener Stadltheater. per Küttkuvesther. Schauspiel in 4 Aufzügen von Georges Ohnet. Sendungen gegen die Zulässigkeit oder Rechtsbeständigkeit vH s-F !tud binnen 14 Tagen von der ersten Ver- . Lolh). ik-brmr, Uhr: rfest aalban. lufpruA. H88 Der vorftaub. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß 97 Grundeigentümer, die mit 543,86 Hektar Land in der Gemarkung Berstadt begütert sind, unterschriftlich die Feldbereinigung in der Gemarkung Berstadt und die Anlage von Wegen in den Obstbaumstücken beantragt haben. Da an diesem Unternehmen im ganzen 403 Grundeigentümer mit 993 Hektar Land beteiligt sind, so ist für das Zustandekommen des beantragten Unternehmens die gesetzlich vorgeschriebene Mehrheit (mehr wie ein Fünfteil der beteiligten Grundeigentümer, welche mehr als die Hälfte der beteiligten Fläche besitzen) vorhanden. Tas Unternehmen ist von der Landeskommission für zulässig erachtet und der Unterzeichnete zum Kommissär nach Art. 11 des Gesetzes vom 28. September 1887 bestellt worden. Tie obenerwähnten Anträge nebst einer Zusammenstellung ihres Ergebnisses liegen bei Großh. Bürgermeisterei Berstadt vom 20. l. »Mts. bis 27. l. Mts. zur Einsicht offen. Ein- l/UUJvu" u|uivii uiiniLHjLiujii'iieii uci ^juuuiuiiy unu uti nyuiuunr, t bei denen die Kritik sich verpflichtet fühlt, ein Wehgeschrei in erheben und den armen Ohnet, diese „männliche Marlitt", jit lynchen, von vielen noch lange werden bewundert 9 f, t IIee v vy 1 lUUlUUlle a,?an folIfe "un meinen, daß Zimmer, nachdem er in voller Oeffemlichkeit in so beschämender Weise an den Pranger gestellt wurde, bestrebt sein müßte, den Schauplatz seiner h »oenig ehrenvollen Thätigkeit schleunigst zu verlassen. Das * .......................... ......... finnfnCl vollendet den unglücklich liebenden. Harken, charakterfesten Derblay. Viel zu seinem Erfolg trug fcl. Schoelermann, als seine Gattin Claire, bei. In Ihr fand Herr Dietzsch eine künstlerisch gleichwertige Partnerin, die wohl an diesem Abend von ihren vielen Erfolgen den größten erzielte. Ihre in die Tiefe gehende Seelen- litrlkunst, die über das Wesen der unnatürlich exaltierten Lhnetschen Salondame weit hinausgeht, das stetige lebendige kp iel ihrer Mienen und der Ausdruck der Augen in schönem kinklang mit dem Ton der Stimme, sie halfen, das ganze pi einem Wesen gestalten, das durch echte Seelengröße sich auszeichnete. Der Darstellerin gelingt alles, was der wahren weiblichen Gefühlssphäre angehört. Sie giebt dieser papier- aem Figur Leben; tiefe Innerlichkeit und verhaltene Glut be£ aufs tiefste empörten Frauenherzens vereinigen sich bet ihr mit echter, liebenswürdiger Weiblichkeit, um ein i!e ib zu schaffen — eine Claire. In den besonders drama- IWen Szenen zeigte sie bald eine elementare Gewalt der । knupfindungen, bald malten sich bitterer Schmerz und Zorn I hin ter mühsam aufrecht erhaltener konventionell-freundlicher "ßieena in Ton und Spiel. Ihre Rivalin, jene schaden- Die Verhandlungen im Prozeß Lewy in Könitz haben ein fdjarfr« Schlaglicht auf die mannigfachen Machenschaften dort geworfen. Eine der traurigsten Rollen spielte dabei der Bürgermeister und Amtsanwalt a. D. Zimmer, der als Berichterstatter der „SkaatSb. Ztg." und des „Son. Tagebl.- uahezu tagtäglich durch Artikel die Erregung gegen die jüdische Bevölkerung in Könitz schürte und gleichzeitig den Juden seine Dienste anbot! „Mit der rechten Hand schreibt er anti semitische Angriffe gegen die Behörden, die linke Hand streckt ein v-v- - . nach dem jüdischen Gelde aus-, so charakterisiert der \ Staatsanwalt treffend diesen Ehrenmann. Man sollte nun meinen, daß Zimmer, nachdem er in ist keineswegs der Fall. Im Gegenteil; Zimmer macht sogar den Versuch, sein Verhalten den Antisemiten gegenüber zu rechtfertigen. DaS „Äon. Tagebl." veröffentlicht eine Zu sch'ift von ihm, in der er unter Bezugnahme auf eine Ehren erllärung, die ihm der Fleischermetster Hoffmann am Tage nach der Urteilsverkündigung im P ozetz Lewy ausgestellt, den Nachweis zu führen sucht, daß er nicht v on dem Rechten abgewichen sei, und zur Erklärung für seine Doppel rolle folgendes Motiv angiebt: »Mein Tri c, scheinbar eine kurze Zeit lang mit den Juden Hand in Hand zu gehen, hat zunächst insofern einen Erfolg für die gute Sache gehabt, als jetzt klar und deutlich vor der breiten deutschen Orffentlichkeit bekannt geworden ist, welche Persönl chkeiten zu dem allgemeinen jüdischen Vertuschungs- und Verduvkelungvkomitee in Beziehung stehen und welche unlauteren Dinge zur Erreichung dieses Zieles angewandt worden sind; es ist ferner offenbar klar gelegt worden, welche Elemente dazu benutzt worden sind. Möglich dieses alles zu entdecken, war eS uns nur dadurch, daß ich es wagte, die Vorgänge im Lag^r drüben aus eigener Anschauung zu beobachten. Ich glaube, mich schützt mein gut-s Gewißen (!) und der Spruch: »Das Mittel heiligt der Zweck", — namentlich in einer so wichtigen Sache." Die Erklärung scheint auch dem „Kon. Tagebl.- völlig zu genügen, eS überläßt feinen Lesern das Urteil über bic Handlungsweise ihres Korrespondenten, ohne sich selbst hierüber näher zu äußern. Der Ehrenmann Zimmer wird also wahrscheinlich auch weiterhin den Konitzer Unfug fortsetzen. König Eduard von England wird, wie wohl angenommen werden darf, bis zum Mittwoch in Homburg bleiben, uno so Gelegenheit haben, seine kranke Schwester mehrmal za sehen und zu sprechen. Die Rückreise des Königs nach England dürste davon abhängen, wann im Parlament die verfassungsmäßige Eiörterung und Festsetzung über die Höhe der der Krone zu gewährenden Zivilliste statifindet. Lebhaft erörtert wird auch die Frage, welche Route der König bet seiner Reise nach Homburg wählen wird, diese Frage ist in der That etwas delikat. Ueber Blissingen (Holland) zu reifen, geht nicht gut an, da England sich doch mindestens inoffiziell mit Holland im Kriege befindet. Ueber Belgien zu reifen, hat auch etwas Mißliches; Sipido hat auf den j tzigen König Eduard geschossen und feit der Auslieferung chres Genoffen find die Sozialisten und Anarchisten sehr schlecht auf den Träger der englischen Krone zu sprechen. Selbstverständlich wird man es in Belgien nicht an den weitestgehenden Vorsichtsmaßregeln fehlen laffen. Es wird sogar behauptet, daß König Eduard in einem deutschen Hafen landen wird, baß könnte wohl nur Hamburg fein; wir be zweifeln bas jedoch stark, und glauben, daß der König über Belgien reifen wird. Die Thatfache, daß die Kaiserin in Berlin angekommen ist, darf leider nicht dafür ausgelegt werden, daß in dem Befinden der Kaiserin Friedrich eine Besserung eingetreten ist; die hohe Frau wird, wie angenommen wirb, wieder nach Homburg zurückkehren. Deutscher Reichstag. Berlin, 21. Fedr. Bei der fortgesetzten Beratung des P o st e t a t s vertritt Abg. Dr. Müller-Sagau (freis. Vg.) eine Reihe von Wünschen und Beschwerden der Postunterbeamten, und äußert Bedenken gegen eine zu weit gehende Anstellung von Beamtinnen. Abg. Werner (Antis.) bedauert, daß im Postdienst soviel Frauen angestellt würden. Redner wünscht die Regelung der Frage der „gehobenen Stellen", der Stellenzulagen und der Gratifikationen. Er erkennt an, daß die Behandlung der Unterbeamten besser geworden ist. Abg. Bassermann (natl.) wünscht, daß im Gegenteil der Staatssekretär bezüglich der Anstellung weiblichen Personals auf dem bisherigen Wege bleibt. Rach einigen Bemerkungen des Abg. Dr. Müller- Sagan (srs. Vp.) führt Staatssekretär v. Podbielski aus, Frauen würden nirgends an Stelle von Unterbeamten eingestellt, sondern nur an Plätzen, die früher von Assistenten versehen wurden. Auch die Postagentinnen seien in den meisten Fällen Witwen oder Töchter verstorbener Postagenten. Die Verkäuferinnen von Postwertzeichen seien keine Beamtinnen, sondern ständen im einfachen Lohnverhältnis. Bei der Anstellung von Damen sei nur maßgebend, daß die Gesundheit der Betreffenden für den Postdienst ausreicht. Die sogenannten „gehobenen Stellen" seien immer mit besonderen Funktionen der betreffenden Beamten verbunden. In der Postverwaltung wird der Kinderreichtum protegiert (Heiterkeit); in manchen Bezirken ist das Minimum der Kinder sechs. (Erneute Heiterkeit.) Was das Verlangen des Titels „Herr" anlangt, so steht fest, daß die Behandlung der Unterbeamten besser geworden ist. Zu einem Erlaß halte ich die Sache nicht für geeignet, habe aber bei meinen Dienstreisen nie einen Zweifel darüber gelassen, daß die gute Behandlung auch darin besteht, daß jedem in diesem Punkte fein Recht wird. Will man rufen: Postschaffner Meyer, so ist es gut, denn das ist der Titel, den ihm der Kaiser verliehen hat; aber will man den Namen nennen, dann soll man nicht rufen: Meyer! sondern „Herr Meyer!" (Große Heiterkeit.) Bei dem Titel Fernsprechverbindung bringt Albg. Müller-Sagan (fr. Vp.) Wünsche für Oberschlesien, Abg. Staudy (kons.) über Posen vor. Abg. Gerstenberger wünscht direkte Fernsprechverbindung der bayerischen Städte am Main mit Frankfurt. Staatssekretär v. Podbielski erkennt das Bedürfnis, an, betont aber die Belastung der vorhandenen Linien, sodaß erst neue Linien gebaut werden müßten. Er werde die Sache im Auge behalten. Bei einem anderen Titel klagt Abg. Fr. Haußmann (Deutsche Volksp.) über die Verzögerung lder Entschädigungszahlung an die Privatposten. Ter Rest des Postetats wird ohne erhebliche Debatte erledigt, ebenso der Etat der Reichsdruckerei. Es wird dann eine Anzahl von Petitionen nach den Kommissionsbeschlüssen erledigt. Die Petition über die strafrechtliche Behandlung frohe, tückische Parvenütochter, wurde von Frl. M i l a d e l a Chapelle gegeben. Der Kontrast zwischen diesen beiden Darstellerinnen war sehr groß. Athenäis, die personifizierte Jntrigue hatte wenig Natürliches an sich. Die Szene, in der es zwischen beiden „Pensionsfreundinnen" zu argem Disput kommt, hätte seitens Frl. de la Chapelle treffender gestaltet werden können, ihre Aufregung war zu künstlich, man merkte nichts von Natürlichkeit, das ungestüme Heben und Senken des Busens giebt doch allein nicht die innerliche Empfindung kund. Das mimische Spiel, die damit übereinstimmende Haltung des Körpers zur Charakterisierung der seelischen Erregungen, hat sie unterlassen. Besser war Frl. Eichenwald, die die Baronin von Prefont mit Reserviertheit zur Darstellung brachte. Ein natürliches Backfischchen war unsere „jugendliche Naive" Frl. Kugler, ihres unglücklichen Bruders Freude, Stolz und Sonnenschein, kaum 16 Jahre alt, verlobt sie sich schon und zwar mit dem Marquis Octave, den Herr M a r l i tz nach besten Kräften darzustellen sich bemühte; es ist ihm auch gelungen. Herr Balthyni als Herzog von Bligny hätte etwas mehr Würde zeigen können. Seine Darstellungskunst hat sich jedoch, wie wir feit einiger Zeit erfreulicherweise zu bemerken die Gelegenheit hatten, um vieles gebessert. Das Deklamatorische scheint er ablegen zu wollen, sein Spiel gewinnt künstlerische Abrundung, Unbefangenheit und sein Talent beginnt sich zu entwickeln Mißglückt ist leider gleich beim ersten Auftritt der Baron von Prefont des Herrn Reinhardt. Es haperte in so auffälliger Weise mit dem Text, daß ihm selbst heiße Verlegensheitsröte in die Wangen schoß. Wie immer in seinen komischen Rollen, so erregte auch heute Herr Helm schallende Heiterkeit. Sein Moulinet war sehr nett. Der Protz mit auswendig gelernten Salonmanieren, der Parvenü, der sich oder vielmehr seinem „Fräulein Tochter" einen Herzog kaufen kann, gelang ihm „spielend" leicht. Der vertraute Freund und Ratgeber des Hauses Beaulieu war der Notar Bachelin des Herrn Liebscher. Er war der Typus eines treuen, pflichteifrigen Beamten, von diskreten Manieren und Zurückhaltung. Herr Keßler als Diener, Herr L a ch m a n n als Präfekt, Herr Neumann als Dr. Servan und Herr Kirchner als Gobert trugen das Ihrige zum guten Zusammenspiel bei. Die Vorstellung unter Regie des Direktors Helm ging, abgesehen von einigen Kleinigkeiten, gut von statten und fand beim sehr zahlreichen Publikum reichen, wohlverdienten Beifall. vfl- Hleue Aühnenkunst. Am Saum eines Haines, auf dem Rücken eines Berges' soll sich das neue Theater erheben, — so farbenleuchtend, als wolle es sagen: Meine Mauern bedürfen des Sonnenscheine^ nicht. Seine Säulen sind umkränzt, und von sieben Masten wehen lange, weiße Fahnen. Auf der hohen Empore stehen Tubenbläser in glühenden Gewändern und lassen ihre langgezogenen Rufe weit über das Land und die Wälder ertönen. Es öffnen sich langsam die großen Thor- flügel, und man tritt hinein in den hohen Raum. Hier sind alle Farben tiefer gestimmt, wie zur Sammlung. Der Formen überwältigende Kühnheit, der Einklang der Farben, Wohlgerüche feierlicher Art, das Brausen der Orgel, jubelnde Geigen, das Siegesbewußtsein der Trompeten: alles eröffnet unsere Seele einem zweiten, ihrem ewigen Leben . . . Ein altes Traumgebilde ist dieses Theater. Seit sv vielen Jahren schon haben sich unsere jungen Künstler daran berauscht, und wir haben bereits davon geredet und phantasiert, in jenen allerersten Zeiten der neukünstlerischen Bewegungen, da selbst der Naturalismus noch bei uns barfuß als armer Gassenjunge umherlaufen mußte und von freien Bühnen noch keine Ahnung besaß. Wer kannte damals seine «geringsten Einzelheiten, jede Säule, leben Schnörkel, jedes Ornament besser als Paul Scheerbart, ve seligste aller Phantasten, wenn er, an einem trocknen DM Bohemien-Brot kauend, mit Richard Dehrnel den Milliarden bau seines „Glanz- und Rauschtheaters errichtete. Und perverser sexueller Neigungen, die nach dem Kommisions- vorschlag als zur Erörterung im Plenum nicht geeignet erachtet werden sollte, wird behufs anderwerter Berichterstattung an die Kommission zurückverwiesen. Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. Strandungsordnung und Wahlprüfungen. Parlamentarisches aus Hessen. Die Abgg. Dr. Schmitt und Genossen beantragen, die Zweite Kammer wolle beschließen: die Regierung um eine Gesetzesvorlage zu ersuchen, durch welche die Volks - schullehrer in der Berechnung der Dienstzeit den Zivilbeamten insofern gleichgestellt werden, daß auch den früher pensionierten Volksschullehrern im Falle ihrer Wiederanstellung die Pensionszeit ebenso an-, gerechnet wird, wie den übrigen Beamten. Die Regierung legt einen Gesetzentwurf vor, die Er- qänzuna der Bestimmungen über die Bildung der Schulvorstände betreffend. Dem Gesetz, das Volksschulwesen betreffend, soll als Artikel 69 a folgende Bestimmung ber- aefügt werden: Außer den in der Gemeinde angestellten Geistlichen treten dem Schulvorstand einer gemeinsamen Schule diejenigen Personen bei, welche auf Grund der bestehenden Bestimmungen zu den Verrichtungen eines Geistlichen oder Religionslehrers für eine Religionsgemeinschaft zugelassen worden sind. Der Beitritt erfolgt auf Beschluß der Gemeindevertretung und setzt voraus, daß in fcer gemeinsamen Schule Kinder von Angehörigen der betreffenden Religionsgemeinschaft vorhanden sind, daß der Geistliche re. die Reichsangehörigkeit besitzt und in der Gemeinde, in der er Mitglied des Schulvorstandes werden soll, wohnt. Der Beschluß der Gemeindevertretung bedarf der Genehmigung der Kreisschulkommission. Gegen die Entscheidung der letzteren ist innerhalb zweier Wochen die Beschwerde an das Ministerium des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, zulässig. Abg. Leun beantragt, die Zweite Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, Nummer 32 des Tarifs zum Urkunden st empelgesetz vom 12. August 1899 und § 17 der Verordnung, die Gerichtskosten betreffend, vom 23. Dezember 1899 dahin zu berichtigen,, daß, wenn der beantragte Erbschein nur die Ueberschreibung von Grundstücken außerhalb des Großherzogtums bezwecken soll, auch nur der Stempel und die Gerichtskostengebüh r nach dem Werte des zu überschreibenden Grundbesitzes zur Erhebung gelangen. Abg. Ulrich beantragt, die Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrat dahin zu wirken, Laß Zollerhöhungen auf Lebensmittel, insbesondere auch bei Erneuerungen oder Neuabschlüssen von Handelsverträgen, vermieden werden. Eine längere Vorstellung des Mainzer Angelklubs betrifft den Angelsport im Rhein im Gebiet des Groß- Herzogtums^ Aus Stadt und Land. Gieße«, 22. Februar 1901. Gedenket der hungernden Vögel! L.U. Von der Universität. Zur Habilitation für das Fach der englischen Philologie wird morgen (23. Febr.) 12 Uhr Dr. Wilhelm Horn aus Rehbach (Kreis Erbach) eine öffentliche Vorlesung halten über das Thema: „Schrift spräche und Mundart im Englischen." P. Gymnasium, Realgymnasium und Realschule zu Gießen. (Statistik für das Jahr 1899/1900) I. Das Gymnasium: Als ordentliche Lehrer, einschließlich des Direktors waren 17 Herren thätig, dazu kommen noch 3 Lehrer für Religion und 1 Lehrer für Gesang, im ganzen also 21 Lehrer. Davon waren 15 definitiv angestellt. Von den Lehrern sind 10 über 30 bis 40 Jahre, 4 über 40 bis 50 Jahre, 2 über 50 bis 60 Jahre und 1 über 60 Jahre alt. Von den ordentlichen Lehrern haben Einkommen: 2 Lehrer (darunter der Direktor mit Dienstwohnung) über 5500 Mk., 2 Lehrer über 5000 bis 5500 Mk., 1 Lehrer über 4500 bis 5000 Mk. 1 Lehrer über 4000 bis 4500 Mk., 1 Lehrer über 3500 bis 4000 Mk., 3 Lehrer über 3000 bis 3500 Mk., 4 Lehrer über 2500 bis 3000 Mk., 1 Lehrer über 2000 bis 2500 Mk. und 2 Lehrer über 1500 bis 2000 Mk. Die Schülerzahl betrug tm ganzen 418. Sie verteilte sich auf folgende Klasien in angegebener Stärke und zwar: la 23, Ib 18, zusammen 41 Schüler. II a 30, II b 40, zusammen 70 Schüler. Illa 30, IIIb 40, zusammen 70 Schüler, IV 38, V 41, VI 40, zusammen 300 Schüler. Dazu kommt noch Vorschule 1) 36 Schüler, 2) 38 Schüler und zuletzt 3) 44 Schüler, zusammen also 118 Schüler. Die Gesamtzahl beträgt dem nach 418 Schüler. Nach dem Alter sortiert, ergibt sich folgendes: 32 waren 6 Jahre, 36 7 Jahre, 34 8 Jahre, 31 9 Jahre, 39 10 Jahre, 41 11 Jahre, 27 12 Jahre, 28 13 Jahre, 29 14 Jahre, 23 15 Jahre, 28 16 Jahre, 35 17 Jahre, 14 18 Jahre und 21 19 Jahre alt. Von ihnen waren 339 evangelisch, 31 röm.-kath, 14 israelitisch und 2 anderer Konfession (davon 1 konfessionslos). 233 Schüler waren aus Gießen, 109 aus anderen hessischen Orten, 73 aus anderen Staaten des Deutschen Reiches und 3 aus nichtdeutschen Staaten. Nach dem Stand und Beruf der Eltern der Schüler waren 14 Landwirte, 8 Handwerker, 138 sonstige selbständige Gewerbetreibende, 43 Aerzte, An wälte, Geistliche, Gelehrte, Künstler, 119 Beamte des Staates und des Hofes, 50 Beamte der Gemeinden, Volksschullehrer, 26 Angestellte von Privaten, 13 Militär und 7 Rentner rc. Abgegangen sind am Schluß des Schuljahres a) Maturum: 2 im Alter von 17 Jahren, 5 18 Jahre, 7 19 Jahre, 3 20 Jahre und älter, zusammen 17 Schüler; b) mit dem einj.-freiw. Zeugnis: (im Laufe und am Schluß des Schuljahres) 2 Schüler 17 Jahre alt, 1 18 Jahre, zusammen 3 Schüler. Schulgeld zahlten 326 Schüler zu den Normal sätzen, 81 zu ermäßigten Sätzen, 11 Schüler zahlten kein Schulgeld. An Schulgeld kamen ein: 31 997 Mark. — II. Realgymnasium und Realschule (zusammen). Als ordentliche Lehrer (eiuschl. Direktor) waren 27 Herren thätig, dazu kommen noch 3 Lehrer für Religion und 1 Lehrer für Gesang, im ganzen 31 Lehrer. Davon waren 26 definitiv angestellt. Von den Lehrern ist einer 20 bis 25 Jahre alt, 19 sind 30 bis 40 Jahre, 4 über 40 bis 50 Jahre und 3 50 bis 60 Jahre alt. Ueber 5500 Mk. Einkommen haben 2, 1 über 5000 Mk., 2 über 4500 bis 5000 Mk., 5 über 4000 bis 4500 Mk., 5 über 3500 bis 4000 Mk., 3 über 3000 bis 3500 Mk., 6 über 2500 bis 3000 Mk., 2 über 2000 bis 2500 Mk. und 1 über 1500 bis 2000 Mk. Die Schülerzahl betrug im ganzen 726. Von ihnen waren 23 6 Jahre, 39 7 Jahre, 41 8 Jahre, 45 9 Jahre, 69 10 Jahre, 101 11 Jahre, 80 12 Jahre, 84 13 Jahre, 82 14 Jahre, 60 15 Jahre, 42 16 Jahre, 32 17 Jahre, 16 18 Jahre, 12 19 Jahre und älter. Von den Schülern waren nach Con fession 635 evangelisch, 31 röm. katholisch, 60 israelitisch. 451 Schüler waren aus Gießen, 164 aus anderen hessischen Orten, 108 aus anderen Staaten des Deutschen Reiches und 3 aus nichtdeutschen Staaten. Nach dem Stand und Beruf der Eltern der Schüler waren 45 Landwirte, 118 Handwerker, 256 sonstige selbständige Gewerbetreibende, 9 Aerzte,Anwälte, Geistliche, Gelehrte, Künstler, 143 Beamte des Staates und des Hofes, 53 Beamte der Gemeinde (einschl. Volksschullehrer), 78 Angestellte von Privaten, 9 Militär und 15 Rentner rc. Abgegangen sind am Schlüsse des Schuljahres a. Maturum: 1 Schüler 17 Jahre alt, 5 18 Jahre alt, 5 19 Jahre alt, 5 20 Jahre alt und darüber, zusammen 16. b. Zeugnis zum einj.-freiwilligen Dienst: 16 unter 17 Jahre, 7 17 Jahre, 1 18 Jahre, 1 19 Jahre alt, zusammen 25 Schüler. Schulgeld zahlten 552 Schüler zu den Normalsätzen, 143 zu ermäßigten Sätzen, zusammen 695. 17 Schüler zahlten kein Schulgeld. An Schulgeld kamen ein 47 273,20 Mk. — An allen höheren Schulen zusammen in Hessen sind im ganzen 9773 Schüler. Davon besuchen 3547 die 10 Gymnasien, 6019 die 19 Realgymnasien, Oberrealschulen und Realschulen und 207 Schüler die 1 höhere Bürgerschule in Dieburg. An den Gymnasien wirken 236 Lehrkräfte, an den Realschulen rc. 262 und an der Bürgerschule 13, woraus sich ein Gesamt lehrkörper von 511 Lehrern und Hilfslehrern ergibt. B. Lang-Gäus, 21. Febr. Fastnacht verlief hier ruhig. Am Dienstag abend veranstaltete der Gesangverein „Frohsinn" im Gasthaus zu» GambriuuS, und bet Gesangverem „Germania" im Gasthaus zum Schwane« Theateraufiühr- ungen. Beide Lokalitäten waren gut besucht, und die Theater- spieler ernteten rechten Beifall. — Bürgermeister Rompf wurde als OrtSgerichtSvorsteher verpflichtet. i. Abevdstern, 21. Febr. Stationsvorsteher Kunz dahier wird auf seinen Wunsch vom 1. März ab nach Gieße« versetzt. e. Ahbach, 21. Febr. Heute wurde hier ein sechS- wöchenilichcr HauShaltungSkursuS für junge Mädchen aus- der Bürgermeisterei Atzbach eröffnet. Der Unterricht umfaßt Kochen, Waschen, Bügeln, Flicken, Nähen und Stopfe«. Ec findet täglich von 8 bis 12 Uhr vormittags und vo« 2 bis 5 Uhr nachmittags statt. Der Besuch ist schon insofern lohnend, als die Erteilung des Unterrichtes unentgeltlich ist. Bei besonderer Bedürftigkeit kann auf Antrag der Wochenbeitrag ermäßigt werden. Am ersten Tage hatten sich 17 Teilnehmerinnen eingefunden und der Kursus wird bis zu» 3. April ausgedehnt werden. -h- Kaulstos, 21. Febr. Wie gefährlich die alten Keller- falltüren sind, beweist folgender Unglücksfall. Ein hiesiger 65 Jahre alter Bürger wollte vor einigen Tagen bei seinem Bruder in Gedern über Nacht bleiben. Sorglos trat der Mann in das Haus und stürzte, da die Thür i« dem HauSgange offen stand und alles dunkel war, in den Keller. Auf das Hilfegeschrei des Verunglückten kamen mehrere Nachbarn und brachten ihn in die Stube. Außer zwei Rippenbrüchen wurde auch von dem sofort herbeigerufenen Arzte eine Schädigung des einen Lungenflügels konstatiert. Schlitz, 21. Febr. Am 15. ds. MtS. beging man hier eine Doppelfeier: den Geburtstag des Grafen und die silberne Hochzeit des gräflichen Paares. Das Silber» paar weilt fern von der Heimat. Die gräflichen Beamten stifteten einen prachtvollen silbernen Tafelaufsatz, die Geistlichkeit eine illustrierte Prachtbibel. Die Lehrer überreichten eine von Lehrer Müller kunstvoll auSgeführte Adreffe. Am Nachmittag fand in der Hinterburg ein Festessen statt, an dem sich die gräflichen Beamten, die Geistlichen und Lehrer beteiligten. Mainz, 21. Febr. Das Reichs-VersicherungSamt hat soeben an sämtliche Handwerkskammern da« ErgebniS der auf Grund des § 35 des Gewerbe-Unfall-BersicherungS- Gesetzes vom 30. Juni 1900 erfolgten Anmeldungen amfall- versicherungspflichtiger Betriebe und Arbeiter versendet mH dem Ersuchen um gutachtliche Aeußerung darüber, ob die neu der Vcrficherungspfl cht unterliegenden Betriebe den bestehenden Berufsgenossenschaften zugeteilt, oder ob neue Berufs Genossenschaften hierfür gebildet werden sollen. In Frage kommen für die Handwerkskammern hierbei zunächst die eigentlichen Handwerksbetriebe nämlich: Schlosser, Schmiede, Brauer und Metzger. Nach dem feftgefüllten Ergebnis erfährt die Berstcherungspfl cht dieser 4 Gewerbe nachfolgende Erweiterung: Schlosser 6019 Betriebe mit 13936 versiehe- rungspflichiigen Personen; Schmiede 39 015 Betriebe mit 61 397 Peisonen; gewerbliche Brauer 3935 Betriebe mit 6808 Personen, und Mctzger 29 599 Betriebe mit 44 356 Personen. Für die erstgenannten Gewerbe bestehen z. Z. noch keine eigenen BerufSgenoffenschaften; die bereits versicherungspflichtig gewesenen Betriebe sind in verwandten Ge- noffenschaften untergebracht. Von den Schlossern und Schmieden liegt jedoch Antrag auf Errichtung eigener BerufSgenoffenschaften vor, worüber die Handwerkskammer«, ols gesetzliche Vertreterinnen des Handwerks, sich nun äußern sollen. Die Metzger haben bereits seit mehreren Jahren eine eigene Berufsgenossenschaft, in welcher rund 20 000 Betriebe bereits aufgenommen sind. Da die oben genannte« 29 599 Betriebe ohne Zweifel dieser bestehenden Genossenschaft einverleibt werden, so wird demnächst diese Genoffenschaft rund 50 000 Betriebe enthalten. Frankfurt, 21. Febr. Wie die „Franks. Ztg." meldet: haben die Elben des kürzlich verstorbenen Wilhelm Karl v. Rothschild an die hiesigen wohlthätigen Stiftungen und Korporationen Legate überwiesen, deren Gesamtbetrag sich in den Mappen des Malers Fidus liegen schon seit Jahren unveröffentlichte, in mystischen Farben glühende Entwürfe zu dem „Haus auf der Höhe", in denen sich die schwellende Phantasie dieses Künstlers am trunkensten offenbart. Nun aber soll der alte Traum Wirklichkeit werden. Bei Darmstadt liegt der Hain und der Berg, wo sich« das Theater des höheren Daseins erheben soll. Die Darmstädter Künstlerkolonie, beglückt durch die mäcenatische Gunst unseres Fürstenpaares, will es uns errichten. Peter Behrens kommt als Herold der neuen Bühnenkunst und eines neuen eleusinischen Stiles, der dem Ueberbrettl das Ueberkirchle entgegenstellt. Die neuere naturalistische Bewegung wurde ihrer Zeit mit gutem Recht vielfach mit der Sturm- und Drangbewegung des vorigen Jahrhunderts verglichen. Und wie unsere Dichter und Dramatiker gern die Erinnerungen an die Tage des jungen Goethe und Lenz, an Schiller und die Räuber-Zeit heraufbeschworen, so predigte man in den Schauspielerkreisen die Erneuerung des „Hamburger Stiles". Die Schatten Schröders und Jfflands standen an der Wiege der naturalistischen Schauspielkunst von heute, die ihre feinste und vornehmste Ausbildung im „Deutschen Theater" zu Berlin erfuhr. 916er auch im vorigen Jahrhundert dauerte die Mleinherrschaft der naturalistischen hamburgischen Spielweise nur wenige Jahre; dem esoterischen Gesch'mackl Goethes und der Weimarer Kunstkreise konnte sie auf die Dauer nicht zusagen, und der große Gegenschlag erfolgte. Die Seele Iphigeniens sollte die Wilbe der Schauspielkunst beleben und jede Bewegung, jedes Wort das Gepräge einer höheren priesterlichen Weihe annehmen. Das Theater des „zweiten Lebens" war auch Goethes Forderung. So geht die Entwickelung denselben Weg, den sie schon einmal gegangen ist, geht immer wieder dieselben Wege, und unsere Darmstädter erklären heute dem Naturalismus den gleichen Krieg, den Weimar vor hundert Jahren gegen die Hamburger und Berliner Realisten anzettelte. Einsts weilen soll unsere Schauspielkunst erst noch den Idealismus neu für sich wieder entdecken. Zur Zeit treibt man in Tarm- stadt noch Zukunftsmusik. Aber es ist wohl kaum eine Frage, daß der idealistische Stil in den nächsten Jahren dem herrschenden Geist des Naturalismus manches Stück Land orterobern wird. Der Geist der Schauspielkunst hat sich tets dem Geist der Dichtung auf das allergetreulichste angepaßt, und wie unsere funge Litteratur längst schon in ein Lager der Realisten und ein anderes der Idealisten auseinandersplitterte, so werden auch unsere Darsteller den gleichen Weg der Natur gehen müssen. Die neue Bühnenkunst, wie sie uns von Darmstadt her verkündigt wird, stellt sich als Kunst in einen bewußten und vollkommenen Gegensatz zur Natur, im Sinne jener alten Weltanschauungen, die zwischen Natur und Geist unterscheiden und keine Brücken von der einen zum anderen zu finden vermögen. Kunst soll nicht Ausdruck der Natur, sondern Ausdruck der Kultur sein, ihr Wesen beruht nicht in der Erzeugung von Wirklichkeitsbildern, sondern von Erscheinungen der Phantasie. Man- muß es den neuen Reformatoren lassen, daß sie diese ihre Auffassung folgerichtig durchführen und alle Dinge und Teile ihrer Theaterkunst in eine große Harmonie zusammenbringen. Der heute herrschende Grundsatz, daß man in dem Zuschauer den Glauben an das wirkliche Geschehen auf der Bühne soll erwecken, wird — sicherlich mit einem l>alben Recht — als thöricht und lächerlich verschrieen. Man muß deshalb mit allen Ueberlieferungen brechen. Coulissen, Hintergründe, Landschaftsdekorationen, Straßenprospekte soll es auf dem neuen Theater nicht mehr geben. Lebende Blumen, ein blühender Garten schmücken den Spielplatz, zu dem eine ansteigende Terrasse vom Zuschauerraum empor- sührt, und das ganze innere Haus soll dekorativ so abgestimmt werden, wie es dem Geist der Dichtung entspricht; auf der Bühne aber treffen die Farben und Formen dieser Stimmung gleichsam zu ihrem Glanzpunkt zusammen. Statt der Coulissen gicbt es feste Wände, die rein durch Schönheit die Erhabenheit des Bodens kennzeichnen. Der Hintergrund wird seinem Wesen gemäß lediglich,so ausgefüllt, daß e» die Stimmung der Handlung unterstützt. In amphitheatralischer Anordnung liegt der Zuschaue»-- raum um eine flache Bühne herum, mit vorspringende«! Proszenium. Ihre Breite ist größer als ihre Tiefe. Dabedingt eine „reliefartige Anordnung und Bewegung de- Gestalten und Aufzüge. Das Relief aber ist der markantes» Ausdruck der Linie, der bewegten Linie, der Bewegung, die beim Drama alles ist. . ." So soll auch die Schauspi^- hin ft, wie die der Coulissen und Dekorationen ein idealisch- typisierendes Gepräge annehmen, plastisch und statuarisch in Wahrheit priesterlich-unbewegt wirken. Denn das Reließ ist wohl in Hinsicht auf Malerei und Bildkunst etwas starl Bewegtes, aber in Hinsicht auf Drama und Dichtung etwa- starr Gebundenes, Das scheinen mir, so sagt Julius Harß im „Tag", die Darmstädter zu übersehen. Sie reden mehr als bildende Künstler, denn als Poeten. Ihr Stil, ihre ganze ästhetische Weltauffassung schreckt doch in Wahrhei» vor aller Erregung zurück und sucht in der That nach eine» feierlich-gemessenen Haltung. Ebenso wenig wie Coulisss und Dekoration soll der Schauspieler körperlich, sinnlich, als „brutale Wirklichkeit" wirken, — seine natürliche Körperform vielmehr zu einer künstlerischen Reliefform werde» Schön sei seine Sprache; er spreche rhythmisch, er sprech» Verse metrisch. „Wir verbitten uns, daß man unser ,Verständnis durch die absichtliche Verdrehung der Verse in Prosa zu erleichtern glaubt. Wir verstehen, die Kunst als Form und wollen diese in der meisterlichsten Art. Schön sei jede Bewegung, ein jeder Schritt, ein jeder Griff sei eine künstlerisch übersetzte Form. Dar Schauspieler ste» über seiner Rolle, er verdichte sie, bis alles Pathos ip und Pose..." Er wird ein Meister des Tanzes werden, eines Tanzes, wie wir ihn als schöne Kunst kaum noch kennen: als „Ausdruck der Seele durch den Rhythmus der Glieder". Man verhehlt sich in Darmstadt nicht, day man, um diesen Stil in die Schausviel tun ft einzuführen, ganz von vorn' anfangen muß, unb setzt deshalb sein* ausgesüllt, daß" Lt der E ls *Ö9 « V'1 , »it*1» auch Dlt.n Mvch ZSS 1° ® ? -eil- 7L Stil, J W Wahlh' t doch 1. „nA ei"' lvemg L jinnl* ■ t^Sw nenatuE^ j Aelies ^r sp^ ÄnsbifÄ Sr'-iZ : “’»« Ronnj R **!.“* "°4 6115,1 i|.i" «n sich,, tzMSbch^. r/x Unterricht T^WfOL ’f* IN h|^J HUentgelttii jk IQ9 der 8othen. ' yQtten fick 17 16 vird bi- Jlltt .ble alten SeSer. all. Sm hie. *D ragen bei «wtn. Sorglos b» bit »)i, „ lkl tDQt, in htn unglückten tamea ! Stube. Außer Mott httbeige- tn Lungesflügelk beging man hier Grafen und die $■ Da- Silber, äflichen Beamten ufiah, bit Teifi. chrer überreichten ,rte Adrefie. Am Festeffen statt, au ltchen und Lehrer Ä'R I ä*A. «?*' rsicherungSaml em das Ergebnis ifall'BerfichetungS' tmeldnngen Unfall- eiter versendet mit । darüber, ob die Betrübe den be> ober ob neue Bierden sollen. 3” rn hierbei zunW schlosser, Schmiede, Uten Ergebnis «• tttibt nachfolgende -it 13936 versteh 115 Betriebe ü ,935 vtwele«it etritbt >tbt Wen z. 3- . die dntitr vet- mwLnbteu A r Stossern lliiung eigener »1 handmerkökamM kfa nun* t mehreren Mj® i mb 200®* >« * ss«. S5ä* ä sa» sSK» auf eine Million beläuft. — Ja der gestrigen Generalversammlung der neuen Theater-Aktiengesell schasl wurde der Beschluß gefaßt, daS Grundkapital durch Em ziehung und Vernichtung von abgegebenen PrioritätS-Akt'eri um 42 000 Mk. herabzusetzen. Die Aktien wurden der Ge sellschaft unentgeltlich zur Verfügung gestellt, außerdem sollen hier reduzierte Prioritätsaktien nicht mehr ausgegeben werden. Der Theaterbesuch hat sich im letzten Quartal in beiden Häusern gehoben, besonders das Opernhaus hat gute Tages einnahmen zu verzeichnen. Der seither probeweise eingefllhrte Theaterbeginn um 7 Uhr soll bleiben, späterer Theaterbeginn wurde nicht für vorteilhaft erachtet Intendant Claar besprach die Chancen des neuen Schauspielhauses, in welchem besonders das klassische Schauspiel bevo zugt werden sollte, und Intendant Jensen sicherte die sorgfältigste Prüfung und Auswahl neuer musikalischer Erscheinungen zu und legte unter allgemeinem Beifall sein vorläufiges JahreSpro gramm dar. Vermischtes. • eine Hörnerschlittenfahrt alter Lands, mannschafter. AuS Hirschberg in Schlesien wird uns geschrieben: Arn letzten Samstag und Sonntag tagten alte Landsmannschafter — die Mitglieder des Bezirks Hirschberg des schlesischen A. H. L. C. im Loburger L. C. Verband — in HtrschbergS Mauern, um nach alter LandSrnannschasterart wieder einige fröhliche Stunden gemeinsam miteinander zu verleben. Diesmal war aber eine besondere Festivität vorgesehen, galt eS doch die winterlichen Reize des Riesenge- birgeS zu genießen und eine lustige Hörner, ober Sportschlittenfahrt Dom Kamm des Gebirges herunter mitzumachen. Darum waren aus Nah und Fern viele Landsmannschafter herbeigeeilt, um sich diesen ganz besonderen Genuß nicht ent« gehen zu lassen. Nach feuchtfröhlicher Samstag Kneipe wurde am Sonntag früh zunächst em Schltttenbummel nach Agneten- darf gemacht. Bon hier aus ging es per Hörnerschlitten — einige auch zu Fuß — zur Peterbaude. Nach zweistündigem Aufstieg kam man auf der in Böhmen gelegenen Baude an. Hier herrschte bereits munteres Treiben, daS aber seinen Höhepunkt erreichte, als die Landsmannschafter in ihren bunten Miltzen such noch erschienen. Nach fröhlichem Aufenthalt wurde kurz vor Eintritt der Dunkelheit die Fahrt zu Thal angetreten. In rasender Eile flog der Hörnerschlitten unter der sicheren Führung eines Gebirgsbewohners, der Sportschlitten unter bet gewandten Leitung seines Besitzers zu Thal. In kaum 20 Minuten wurde Agnetendorf wieder erreicht, wo die vielen mannigfaltigen Eindrücke auf der Fahrt einen fröhlichen Gedankenaustausch fanden. Im Schlitten ging es alsdann nach Hirschberg zurück, wo im geselligen Beisammensein die letzte P-ogrammnummer ihr Ende erreichte. Für viele Landsmannschafter wird diese Fahrt eine stete Erinnerung fein, und mancher, der das Riesengebirge nur vom Sommer her kennt, wird auch bekennen müssen, daß die Reize desselben im Winter nicht minder sind. * Das Tintenfaß auf der Zugspitze ist auch im Winter Nicht eingefroren. Dort oben, in 2964 Meter Höhe, auf dem höchsten Punkte des Wettersteingebirges in den bayerischen Alpen, dem höchsten Gipfel im Deutschen Reiche, haust Sommer und Winter I. I. EnzenSperger, der dort seine wissenschaftlichen Naturbeobachtungen macht und sie mit flotter Feder darzustellen versteht. Schon seit längerer Zeit hatte EnzenSperger die Redaktion der „Münch. N. Nachr." verständigt, baß ein Feuilleton für sie bereit läge. „Bitte, es nur holen zu lassen,- fügte er in seinem Humor, der auch dort oben im Fasching gut zu gedeihen scheint, hinzu. Da war guter Rat teuer. Aber her mußte es. Und so er suchten wir, schreibt daS genannte Blatt, den Sommerwirt des Hauses, eine Expedition in die Wege zu leiten, um das Manuskript zu holen. Den letzten Sonntag und Montag benutzte dieser mit seinem Sohne, um die schwierige Aufgabe zu lösen. Und zu großer Freude brachte uns dieser Tage die Post aus Partenkirchen einen eingeschriebenen Brief, dessen Rückseite die Worte trug: „Absender I. EnzenSperger, Zug spitze.- Soweit wäre nun die schwierige Frage gelöst, aber eine neue, viel wichtigere drängt sich vor: Wie wir ihm das w hlvcrdiente Honorar Übermitteln können. Wir kehren am Men den Spieß einfach um und telephoniere» hinauf: „Bitte, es nur holen zu laffen.** ♦ Faule Professoren und fleißige Studenten besitzt die Universität Cagliari in Sardinien. An den übrigen Universitäten Italiens pflegen die Studenten Thüren uno Fenster einzuwerfen, die Bänke und Tische zu verbrennen, wenn sie glauben, zu wenig Ferien zu haben Die Caqliaresen aber brachten mit derselben elementaren Wucht zum Ausdruck daß sie zu viel Ferien hätten. Die Studenten der Medizin entsandten darauf ein Manifest an den Minister dcS Unterrichts, daS folgenden Inhalt hat: Professor Gonella, Dozent für Augenklinik, welcher kurz vor Weihnachten den Lehrstuhl übernommen hat, ist jetzt noch nicht aus seinen Ferien zurück gekehrt. Professor Rutto, Titular für Zoologie und vergleichende Anatomie, hat bis jetzt seinen Posten noch nicht angetreten. Da jetzt die „KarnevalSferien" beginnen, kann Herr Rutto vor März nicht lesen. Professor Sauro, Dozent der Ostetrik und ostetrischen Klinik, ist drei Monate nach Beainn deS Universitätsjahres noch nicht in Cagliari einge- troffen und verlangt weitere zwei Monate Urlaub, welche ihm aber die Fakultät verweigerte, indem sie gleichzeitig das Ministerium um Ersatz bat. Das Manifest schließt mit den Worten, daß, wenn daS Ministerium nicht ein schleuniges Verfahren gegen die säumigen Professoren einleite, weitere Demonstrationen bevorständen. — Unter solchen Umständen haben die Cagliareser Studenten wirklich Recht, zu demonstrieren. * Studenten und Theaterdamen. Die be< rühmte^ Harvard-Universität in Cambridge im nordamerika- schen Staate Massachusetts' scheint seit kurzem ein reines Heiratsbureau für Operetten-Choristinnen geworden zu sein. Das Studium der verschiedenen Schönheitstypen, dem sich die Musensöhne hinter den Coulissen des Kolumbia-Theaters in der Nachbarstadt Boston hingeben, hat in letzter Zeit eine wahre Epidemie von „elopements" zur Folge gehabt. Nicht weniger als 25 Fälle, in denen Harvard-Studenten mit hübschen Choristinnen durchgingen und sich heimlich trauen ließen, resp. trauen lassen wollen, sind innerhalb dreier Monate vorgekommen. Ein Bostoner Rechtsanwalt, der die Regelung dieser pikanten Angelegenheiten bereits zu seinem Spezialfach gemacht hat, behauptet zwar, daß es gelang, die Mehrzahl der jungen Durchgänger beiderlei Geschlechts in aller Stille zurückzuholen, ehe sie einen willfährigen Geistlichen aufstöbern konnten, und sie zur Raison zu bringen, ohne Aussehen zu verursachen. Bei fünf Fällen aber war es nicht zu vermeiden, daß die Presse davon erfuhr, die es sich natürlich nicht nehmen ließ, ihren Lesern die „romantische Heirat" des Millionenerben L. . . oder die „skandalöse Liebesaffaire" des Dollarprinzen B. . . recht ausführlich zu erzählen. Manche beunruhigten Pankceplutokraten erwägen schon in al em Ernste die Frage, ob es nicht besser sei, die Herren Söhne an einer weniger bedeutenden, aber auch in weniger gefährlicher Nähe befindlichen Quelle des Wissens zu installieren. Die fünf Studenten, deren Liebes- affairen in den Kreisen der Vierhundert so peinliche Sensation erregt haben, nennen sich Arnold Lawson, John Brice, Gerald und Reginald Foster und William Kibbey. Der erstgenannte Musensohn, dem dereinst ein Erbe von 30 Millionen Dollars zufällt, wurde vor kaum acht Wochen von Detektivs daran gehindert, der liebreizenden Marjorie Lee, einem im Aufgehen begriffenen Bühnenstern, sein aegebenee. Eheversprechen zu halten. Sans facons bemächtigten sich die von seinem Vater beorderten Geheimpolizisten oes feurigen Liebhabers und entführten ihn ihrerseits nach dem einsamen Landhause des Millionärs, wo er Tage und Wochen hindurch wie ein Gefangener gehalten wurde. Die enttäuschte Miß Lee strengte sofort Die Entschädigungsklage an und verlangte 20000 Dollars. Sie mußte sich jedoch schließlich mit einer bedeutend geringeren Summe zufrieden geben, die man ihr überdies nur unter der Bedingung aushändigte, daß sie in Zukunft jeden Annäherungsversuch des jungen Mannes zurückweise. Mehr Glück mit ihrem Durchgehen hatten John Brice, der Sohn des verstorbenen Senators von Ohio, und die fascinierende Chorsängerin Florence La Vergne, geb. Ricketts, die schon eine andere, aber mit Scheidung endende romantische „Heirats-Episode" hinter sich hatte. Das Pärchen entfloh, liest sich traue«, uni} nachdem der Widerstand der Familie bc liegt war und öiefe die Ehe anerkannte, kehrte der kaum 19jährige (Satte mit feiner Frau nach Cambridge zurück, wo er nun ruhig meiter studiert. Die nächste Sensation führte Gerald Foster lca indem er mit Jessie Jordan einen kleinen Ausslug nach der Empire City unternahm. Innerhalb' weniger stunden waren sie Mann und Frau. Die Ehe wurde lehr schnell wieder geschieden und die lieblid>e Jessie klagt lefct auj Zahlung einer beträchtlichen Abfindungssumme. Ta- Beispiel dev Bruders wirkte ansteckend auf den jugendlichen nyeginalb zoster, der gerade Anstalten traf, eine Circe mit filberblonden Locken zu entführen, als die bereits vorsichtig gewordenen Eltern Wind von der Sache bekamen und den liebeglühenden Jüngling rechtzeitig nach Hause holten D« ihr der eine Millionen-Liebhaber entschlüpft war, fing sich Miß Chase im Handumdrehen einen anderen in der Person William Kibbeys ein, der ebenso liebenswürdig und dreimal so reich ist als sein Vorgänger. Der galante Studiosus veranlaßte ganz kürzlich im Columbia-Theater dadurch eine Panik, daß er ein Streichholz anzündete, um dem Liebcheq zu zeigen, wo er saß. Man erwartet täglich ein neue« „elopement". • Felix Dah« veröffentlicht folgende Ballade: ,3obn Bull, w>S ist dein Schwert so tot?" Viel Frau'n und Kinder schlug eS tot. „Carl Roberts, was ist dein Schild nicht retat" Zu viele Flüche haften darein. „Lord K'tchener, was ist so stumpf dein Speer?" DaS rühit vom durchstoßenen Rechte her. „Fromm England, wa» treibt der liebe @ott?” Er schläft, der Buren Herr Zrbaot. Er schlief zu lang, er schlief zu fest: I tzt tft er erwacht und schicke die Pest. Meratur, Wissenschaft und Kunst. — Die Künstlerkolonie in Darmstadt baut sich auf ihrem AuSstillungtzterraln ein kleines Theaür, L- dem unter dem Name» „Darmstädter Spiele — Künstlerkolonie 1901" kleine intime szmische Darstellungen stat finden werden. An zwei obir drei Abenden jeder Woche will man geschmackvoll inszenierte kleine Dichtungen moderner Dichter, an anderen Abenden Tänze aufführen. Das kleine SpielhauS wird nur 400 Zuschauern Raum bieten, und auch intimen Konzerten, Kammermusik und Vorträgen dienen. Gerichtssaal. Jena, 20 Febr. Der Fall Strubel! von der medizinische» Klinik darf jetzt als endgiltig erledigt gelten. Die Angelegenheit war Gegenstand eines Erörterungsverfahrens bei der Staatsanwaltschaft in Weimar. Die Untersuchung ist eingestellt worden und der Erste Staatsanwalt Siefert, der daS Ber fahren geleitet hatte, veröffentlicht nunmehr das Ergebnis im „Archiv für Kriminalanthropologie und Kriminalstalistik". In dem Facit, das er zieht, erklärt der S>aats- anwakt, daß die Svitzmarke „Ein unerhört grausames Experiment an Kranken" nach keiner Richtung auf die Behandlung deS Ge.berS Hertel in der medizinischen Klinik zu Jena paffe. Die Darstellung deS Falles durch Dr. Neumann, von der die öffentliche Behandlung der Sache ausgegangen ist, bezercknet er als ein „Phantasiegebilde". „Nirgends", so erklärt der Erste Staatsanwalt, „zeigt lsich ein widerrechtliches Handeln. Weder § 223 noch § 239 des Strafgesetzbuches kann auf die Behandlunoswerse des Hofrats Dr. Stintzing und feine® Assistenten Dr. Strudel! Anwendung finden". Krieskasten der Redaktion. R. Pfund ist kein russischer Wertbetrag. Pud ist ein russisches Gewicht. Es ist gleich 40 Wund oder 16 38 Kilogramm. Familien Nachrichten. Geboren: Eine Tod?'er dem Generalleutnant z. D. von Pfubl- stein In Freienwalde ». d. Oder. — Eine Tochter dem Martin Bondß in Mainz. Gestorben: In Darmstadt: Anna Martha Bertsch, geb Hüter Susanne Osterrath, geb. Simon; Peter Schneider; Karl Sin tisson. — In Groß-Bieberau: Marg. Elisabethe Reinheimer V. Wwe., geb. Ruths. — In Rödelheim: Franz Schulz. Schiffsnachrichten. Der Postdampser „FrieSland bet „Red Star Linie", in Antwerpen, ist laut Telegramm am 19. Februar wohlbehalten in New-York angekommen. vornehrnlichste Hoffnung auf die Heranbildung junger Talente, einer neuen künstlerischen Jugend. Daß in diesem neuesten Stil älteste Kunstformen und Bestrebungen wiedör aufleben, liegt auf der Hand. In solche Forderungen klangen von jeher alle rein und ausgeprägt idealistischen Auffassungen aus, denn sie machen eben das Wesen idealistischer Aesthetik aus. Indem wir die Kunst als Darstellerin eines zweiten Lebens zu ergreifen versuchen, stellen wir uns auf den Boden Schillers, und deutlich genug tritt in allen wesentlichen Zügen die nahe Verwandtschaft dieses Darmstädter Stiles mit dem weimari- schen Stil hervor. Die Bühne aber wird wiederum zum einfachen Festfaal, wie sie es in ihren neuzeitlichen Anfängen, in den Tagen der Renaissance schon einmal gewesen ist: wohl sucht sie nicht ihr Vorbild in der ärmlichen Volksbühne Shakespeares, aber umsomehr erinnert sie dafür an die des italienischen Hoftheaters im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert, an die Bühne des Hirtendramas. Auch das „zweite Leben", das unsere Darmstädter als echte Aestheticisten in künstlerischen Spielen zu erringen hoffen, dürfte wohl am innigsten verwandt fein mit bem; „Leben in Arkadien", von dem die aristokratifch-höfifche Schäfer- und Hirtendichtung der Renaissance gesungen hat. Der Idealismus von heute zieht gegen den Naturalismus von heute zu Felde, wie damals der Schäferroman gegen den Schelmenroman sich wandte. Es ist immer derselbe Streit der einseitigen Geister widereinander, und nur beschränkte Kunst ist dort wie hier zu Hause. Die Schwächen und Gebrechen, die Begrenztheit und Enge unserer naturalistischen Schauspielkunst verlangt notwendig ein Gegengewicht, und hier vermag die Darmstädter Bewegung in vieler Hinsicht heilsam zu wirken. Was wir gestern einen Fehler nannten, das nennen wir heute einen Vorzug. Darin liegt der Wechsel des Geschmacks und der Moden begründet. Das Theater des Naturalismus verachtete und haßte nichts so sehr, wie Pathos und Pose. — Pose und Pathos ist deshalb das Ideal der neuen Bühnenkunst. Dort sollte man Verse wie Prosa sprechen, hier wird man Prosa als Verse behandeln. Die feine, melodifch-rhytmifche Reci- tation, welche alle Klang-, Farben- und Formenwerte von Reim und Maß einer kunstvoll gebundenen Sprache zum Ausdruck bringt, muß man in Darmstadt zum Gesetz erheben, wie die naturalistische Kunst die geräusperte und gespuckte Sprache des Alltags zum Gesetz erhob. Es ist gewiß, daß sich auf dem Wege, den die Darmstädter Künstler gehen wollen, viel erreichen läßt: feine, tiefe und innerliche ästhetische Wirkungen, große Weihe und reine Erhebung. Der Rahmen dieser Bühne paßt sich aufs vollkommenste dem Drama unserer Symbolisten und Neuromantiker an. Maeterlinck und Hoffmannsthal wollen in solchem Stile dargestellt werden. Ohne Frage haben die Darmstädter das eigentliche Wesen dieser unserer jüngsten Dramatik viel tiefer an den Wurzeln erfaßt, als es die Leiter unserer Berliner „Sezessionsbühne" vermochten. Der Boden einer Weltstadt ist auch wohl nicht der beste Boden, daß sich eine so zarte und ätherische Blume, wie diese neue Bühnenkunst, recht auf ihm entwickeln kann. Will sie doch die Kunst eines zweiten, übersinnlichen Lebens sein. Predigt sie doch die Flucht aus dieser Welt und rauhen Wirklichkeit. Ihr Land ist ein Land der Träume, der Stille und der Einsamkeiten. Ein Theater, wie es die Darmstädter planen, kann an keiner Heerstraße liegen. Es muß die Zuschauer mehr abwehren, als zu sich heranlocken. 9hir mäcenatische Gunst kann es aufrecht erhalten. Indem man es sich vorstellt, denkt man zugleich an einen kleinen Residentenhof, an fürstliche Männer und Frauen, Geistesverwandte der Medici, die eine Akademie platonischer Seelen um sich versammelt. Wohl mag diesen so das Leben zu einem Feste werden, aber können ihre künstlerischen Feste auch zum Leben werden? Träumend vom zweiten Leben, vergißt diese Kunst nur zu sehr das nächste und das erste Leben. Kunst der Weltanschauung nennt Peter Behrens sie. Aber in Wahrheit verhüllt sie sich vor der Welt. Geist und Natur, Sinnlichkeit und Uebersinnlichkeit, Form und Inhalt kann die Darmstädter Aesthetik nur voneinander trennen und fd)eiben; sie hält die ewigen alten Widersprüche aufrecht und kehrß nur das, was der Naturalismus sagte, genau ins Gegenteil um. So bleibt ihre Kunst ebenso einseitig und befangen, wie die naturalistische es war und ist. Man mufc sie in ihrer besonderen Art gelten lassen, aber sie ist aud| nicht mehr als ein Stück und Teil aller Kannst. Maeterlinck kann man in dem neuen Stil darstellen, auch GoetheD „Iphigenie" und „Tasso", aber für Shakespeare reicht eq schon nicht mehr aus. Ihn wird die Darmstädter Schauspielkunst ebensowenig bewältigen, wie ihn die naturalistische Spielweise unseres „Deutschen Theaters" zu bewältigen vermochte. Tas konnte man dem „Deutschen Theater" vorher prophezeien; man kann es auch den Darmstädtern schon im voraus ankündigen. Auch die Zeit des „Weimarer» Stiles" ist gar kurz bemessen gewesen. Und Maeterlinck ist doch kein Goethe und Hoffmannsthal noch viel weniger! Wie lange wird wohl die neue Bühnenkunst Darmstadt- Gesetz sein? Heute spricht man in der hessischen Residenz mit großem Hohn und tiefer Verachtung von Naturalismus. Sollte dieser Hohn sie nicht ein wenig irre machen könnet im Glauben an ihre eigene Unfehlbarkeit? Ihnen nicht nahe legen, wie beschränkt und einseitig auch ihre fünfte lerischen Auffassungen sind? Sie kommen als Verkünde» des zweiten ewigen Lebens. Ich fürchte, daß dieses Ewig« nur etwas zu zeitlich Beschränktes und ein Menschliche- Allzumenschliches ist. — Am Großh. Hoftheater zu Darmstadt gelangte am 18. d. M. zum ersten Male „Es war einmal oder die Reise durch das Märchenland", ein Mürchenspiel in 7 Bildern von Life Ramspeck, Musik vo» Fritz Keiser, zur Aufführung. Die Verfasserin hat in diestm Stück auö dem reichen Born des deutschen Märchrnschatzes geschöpft und den Kinder« die bekanntesten und liebsten Gestalten desselben vor Augen geführt. Die Einkleiduna des Ganzen bekundet technisches Geschick und poetisches Empfind«. Die Verfasserin gebietet über eine letchtfließend« Sprache, die Naivetät tu* Poesie glücklich vereinigt. Bekanntmachung, betreffend: Die Oktroi-Rückvergütuugeu. Um eine bessere Kontrolle bei der Wiederausfuhr von Waren, für welche Oktroi-Rückvergütung beansprucht wird, zu ermöglichen, und um andererseits den Interessenten, soweit sie eine geordnete Buchführung haben, den Nachweis der Ausfuhr solcher Waren zu erleichtern, sollen nach Beschluß der Stadtverordneten-Bersammlung folgende Bestimmungen vom 1. März 1901 an maßgebend sein: Eine Vergütung der bezahlten Oktroibeträge bei der Wiederausfuhr findet nur dann statt, wenn die im Oktroitarife festgesetzten Mindestmengen täglich erreicht werden. Die (Gegenstände sind am Ausgangstbore dem Erheber zum Ztvecke der Kontrolle vorzuführen uno schriftlich nach Quantität und Qualität zu deklarieren. Wer Rückvergütungsansprüche auf Grund der Buch - Iü h r u n g unter Entbindung von diesem Vor- ührungszwange erheben will, hat sich mit einem iesbezüglichen schriftlichen Gesuche an Großh. Bürgermeisterei zu wenden, welche nach Prüfung der vorhandenen Buchführung widerrufliche Genehmigung erteilt. Kommt der Gewerbetreibende den ihm erteilten Vorschriften nicht nach, vder erhebt derselbe erwiesenermaßen unberechtigte Ansprüche, so kann die erteilte Vergünstigung entzogen werden. Die Vergünstigung kann nur denjenigen Gewerbetreibenden erteilt werden, welche regelmäßig Waren wieder ausführen, geordnete kaufmännische Bücher führen und sich verpflichten, Auszüge aus denselben nach Ablauf eines jeden Monats, spätestens jedoch bis zum 5. des folgenden Monats an ven Oktroiinspektor einzureichen. Später eingereichte Auszüge können eine Berücksichtigung nicht finden. Für die einzureichenden Auszüge sind gedruckte Formulare zu ver- svenden, welche in der Papierhandlung von W. Klee, Marktstraße 2, erhältlich sind. Die Richtigkeit und Vollständigkeit der Auszüge ist vom Geschäftsinhaber zu bescheinigen, welcher dem Oktroiinspektor auch die Einsichtnahme der Bücher zum Zwecke der Kontrolle gestatten muß. Die Rückvergütnngsbeträge sind in der Zeit vom 15. bis 25. der Monate April, Juli, Oktober und Januar bei der Stadtkasse an den festgesetzten Zahltagen zu erheben. Die bis zum 25. der genannten Monate etwa nicht erhobenen Beträge werden durch den Diener der Stadtkasse gegen Erhebung einer Gebühr überbracht. Diese Gebühr beträgt: bei Beträgen unter 5 Mark 10 Pfg. „ „ von 5—20 „ 15 Pfg. „ „ „ 20—50 „ 20 P g. „ „ über 50 „ 30 P g Falsche Deklarationen an den Hebestellen oder falsche Beurkundungen in den Büchern, durch welche eine unberechtigte Vergütung zu erlangen gesucht wird, werden nach den Bestimmungen des § 22 des Oktroireglements oder im gegebenen Falle nach den Bestimmungen des § 263 des Reichsstrafgesetzbuches geahndet. Gießen, den 19. Februar 1901. (1503 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Bekanntmachung. Das 6. Ziel Gemeindesteuer pro 1900/1901 ist innerhalb 8 Tag>n bet Meldung der Beitreibung zur hiesigen Stadlkofse zu bezahlen. Zahltage: Dienstag, Donnerstag und Samstag. Gießen, den 20. Februar 1901. 1498 Der StadtreLner: Doepfer. Km- md NMch-UnßciMllg der Stadt Gießen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen, 3 bis 5 Kilo- meter von der Bahnstation entfernt und an chauffierte Absuhr- wege angrenzend, sollen Donnerstag den 14. März 1901, vormittags IOV2 Uhr beginnend, im Saale des Lenz'schen Felseukellers zu Gieße«, in der Nähe des Bahnhofes, versteigert werden: 75 Eichen-Stämme, Schnittholz, mit 69,34 fm 61 „ „ Bauholz, 87,44 w 659 „ k Schwellenholz, H 349,14 431 „ „ Grubenholz, U 143,86 tt 808 Fichten-Stämme W 877,01 N 9 Kiefern-Siämme n 5,56 H 10 Esche i Stämme u 2,33 ff 18 Erlen Stämme tt 6,49 ff 81 Eschen-Derbstangen w 3,40 ■ 248 Fichten-Derbstangcn ff 22,26 H 2 rm Eichen Nutzscheitholz. Gegen Bürgschaft wird Zahlungsfrist bis 1. Oktober 1901 gewährt. Gedruckte Verzeichnisse über die Dimensionen der zur Ver- steigwung kommenden Hölzer sind von der unterzeichneten Stelle gegen Erstattung d r Druckkoffen erhältlich. Wrgm vorheriger Besichtigung des Holzes wend: man sich an die Forstwirte Geisel-Gießen, Arft-Hochwarte bei Gießen, C. Brück-Rödgen bei Gießen und Lotz-Wieseck. Gießen, den 19. Februar 1901. 1482 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bier-, Wein- u. Wasserschlauche flafdjrnflbfiiUfdjIäu^r, Ikröidjtutigcn irt» >rt. Srribrirmrn sowie 1361 nOc tcchnischcu Artikel für maschinelle Betriebe. Gebrüder Georg, l-pftorr Re. 249. »allthorstraste 24 Bekanntmachung. Wer noch eine Forderung hat an bie E den des verstorbenen Ludwig Hofmauu, §chmiedemetster in Bieber (P st Rodheim an der Br ber) roiro rriucht, sich spätestens bi6 zum 25. Februar 1901 :u melden._______________1469 Hohversteigerung im Ficher Stabtwolb. Donnerstag den 28.Fe- bruar, vormitt. 10 Uhr beginnend, sollen im L cker St cktwald, Distrikt Kleinhäuserberg und Etllngshäuserkopf, versteigert werden: 100 rm Buchen-Knüppel, 30 „ Eich n-Knüppel, 9000 Stück Buchen, 3060 „ Eichen. Durchforst' ungswellen. Lich, den 20. Februar 1901. Großh. Bürgermeisterei Lick. Heller. 1497 MpfklüiMM Gkigjjsknudkln, Eitt-Gmühnlldklo, Ztul. 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