Nr. 301 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Sonntag 22. Dezember 1901 Erscheint täglich mü Ausnahme des Montags. Die Giehener Familie«' blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt" und den .Blattern sür hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FkrnsprechanscklußNr.51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« zu der sür den folgenden Tag erscheinenden Nr. dis vormittag- 10 Uhr. Alle Anzeigen-Dermitt- lungsstellen deS In-und Auslandes nehmen Anzeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12$L auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'fchen UnioersttätS • Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für den allgemeinen Teil: P. Witt ko: für den Anzeigenteil: HanS Beck. ßrste Kammer der Stände. 15. Sitzmrg. Darmstadt, Freitag den 20. Dezember 1901. Beginn der Sitzung 10 Uhr. Am Regierungstisch: Staatsminister Rothe, Justizminister Dr. Dittmar, Finanzminister Gnauth, Ministerialräte Dr. Breidert, Braun, von Biegeleben. Die erste Kammer nimmt auS den 76 Einläufen die Mitteilung entgegen, daß Abg. Reinhart zum dritten Präsidenten und Abg. Brauer zum Sekretär der zweiten Kammer gewählt sind. Zur Mitteilung der zweiten Kammer bezügl. des Antrags der Abgg. Ulrich und Genossen eine Sammelausgabe sämtlicher geltender Verfassungs- und Verwaltungsgesetze betr. bemerkt Staotsminister Rothe, die Regierung wünsche gleichfalls eine solche Sammelausgabe; doch sei die jetzige Zeit hierzu nicht geeignet, da die hauptsächlichsten Gesetze sich jetzt in Umarbeitung befänden. Die Regierungsvorlage bezügl. des Gesetzentwurfs den Denkmalschutz betr. wünscht Graf Solms-Lich von der Tagesordnung abgesetzt. Graf Erbach-Schönberg habe nämlich den Mitgliedern des Hauses zu dieser Vorlage ein Prome- moria zugehen lassen, das man bei der Kürze der Zeit noch nicht habe prüfen können. Dem Antrag des Grafen Solms- Lich wird stattgegeben. Zu der Regierungsvorlage die Abänderung des Gesetzes vom 25. November 1871, die Versicherung von Mobilien in Feuerversicherungsanstalten betr., hält Geh. Kommerzienrat Michel es für nützlich, nochmals zu wiederholen, daß es wünschenswert erscheine, an die Errichtung einer Landesversicherungsanstalt für landwirtschaftliche Betriebe und das Mobiliar der zugehörigen Wohnungen, die sich der Gunst der Feueroersicherungsanstallen nicht erfreuten, nach den Grundsätzen der Zwangsoersicherung, der Gegenseitigkeit und des Umlageverfahrens heranzugehen. Es werde sich empfehlen, Ermittelungen über die landwirtschaftlichen Betriebe nach dieser Richtung hin anzustellen. Bei der Mitteilung der Zweiten Kammer bezügl. des Antrags des 2lbg. Köhler, die Besteuerung der Luxuswagen aufzuheben, bemerkt Fürst Isenburg-Büdingen, auch er sei damtt einverstanden, daß an diesem Gesetze nichts geändert werde. Man solle das Gesetz über den Urkundenstempel nicht noch verhaßter machen, als es sei. Die Luxuswagen, die heute versteuert würden, seien zumeist gar keine Luxuswagen; er kenne Fälle, wo die Leute ihre sog. Luxuswagen recht nötig hätten. Aber er wolle einmal auf andere Besteuerungen Hinweisen, die viel gerechter seien, so auf die Annoncensteuer. Auch die Reklamekataloge solle man versteuern. Die Geschäftsleute würden dabei nicht geschädigt werden. Er werde geradezu mit Katalogen überschwemmt. Den zu dem Antrag des Abg. Korell, die Fleischbeschaugesetzesvorlage betr., gefaßten Beschluß der Zweiten Kammer hält Geh. Kommerzienrat Michel für durchaus überflüssig. Wenn ein Gesetz zu Stande gekommen sei, sei es doch ganz selbstverständlich, daß die Regierung auch für baldige und richtige Ausführung des Gesetzes sorge. Er trete daher dem Beschluß der zweiten Kammer nicht bei. Zu dem Beschluß der Zwetten Kammer bezügl. des Antrags Ulrich die Ueberführung der Apotheken in Staatsbetrieb ftagt Graf Solms-Laub ach zu seiner Orientterung an, ob bei Konzessionierung einer Apotheke an eine Gemeinde jene widerruflich oder unwiderruflich erfolgt. Staatsminister Rothe beantwortet dies dahin, daß, soviel er im Augenblick sagen könne, die Konzessionierung widerruflich gegeben werde. Da Graf Solms-Laubach die Frage von großer Wichtigkett für sich hält, beantragt er, im Einverständnis mit der Regierung diesen Punkt von der Tagesordnung abzusetzen, was geschieht. Zur Regierungsvorlage die Regelung der Gehaltsver- hältnisse der Landwirtschaftslehrer betr. findet der Berichterstatter Graf Solms-Laubach die Fragestellung, die der Beschlußfassung der Zweiten Kammer zu Grunde gelegen habe, nicht für präzis genug. D'e Negierung würde es nicht bedürfen, die Zustimmung der Zweiten Kammer zu ihren Grundsätzen einzuholen. Es handele sich hier nur darum, den Begriff „akademische Bildung für die Landwirtschaftslehrer" klar zu stellen. Dies werde erreicht, wenn die Erste Kammer sich der Zweiten anschließe. Es tritt darauf die Erste Kammer dem Beschluffe der Zweiten Kainmer bei. Eine Debatte erhebt sich dann noch bei der Beratung des Nachtrags zur Nebenbahnvorlage. Hier trüt Fürst Psenburg-Bttdingen warm für die von der Zweiten Kammer beschloßene Seementhalbahn ein. Er könne sich dem Antrag des Ausschusses auf Ablehnung dieser Bahn nicht anschließen. Es sei zwar keine Hoffnung, daß die Bahn gebaut werde. Aber trotzdem wolle er sie nicht definitiv abgelehnt wissen. Früher schon habe sich die Erste Kammer dahin ausgesprochen, daß die Bahn unbedingt gebaut werden müsse. Nehme die Erste Kammer jetzt den Antrag ihres Ausschusses auf Ablehnung an, so hieße es, die Kammer setze sich mit ihrem früheren Beschlüsse in Widerspruch. Er nehme daher den Antrag Oriola und Bähr wieder auf und bitte um seine Annahme. Berichterstatter Freiherr Riedesel zu Eisenbach bemerkt demgegenüber, daß der Ausschuß nicht gegen die Bahn durch das Seementhal sei, der Finanzminister habe aber dem Ausschuß dargclegt, oaß die Bahn unmöglich gebaut werden könne, und um keine falsche Hofftumgen zu erwecken, habe man ihre Ablehnung beantragt. Finanzminister Gnauth: Die Regierung sei der Meinung, daß wir im Großherzogtum an Bahnen, die ganz und ausschließlich auf Staatskosten gebaut und betrieben würden, gesättigt, ja übersättigt seien, daß die Zeit, wo neue Nebenbahnen gebaut würden, fern lägen schon mit Rücksicht auf das Budget und die Rentabilität der Bahnen selbst. Sie sei der Meinung, daß neue Bahnen nur unter Mitwirkung von Privaten zu bauen seien. Diese Haltung nehme die Regierung auch gegenüber dem Projekt der Seementhalbahn ein. Würden sich Privat-Unternehmer finden, die für das Bedürfnis der Bahn einträten und die Bahn bauen wollten, so solle es an der Unterstützung des Staates nicht fehlen. Die Regierung möchte aber nicht wünschen, daß bei ihr die Initiative liege. Der Beschluß der Zweiten Kammer schiebe der Regierung die Initiative zu und schiebe ihr damit zugleich auch die Schuld zu, wenn die Seementhalbahn nicht gebaut werde. Stimme auch die erste Kammer dem Beschluß der Zweiten zu, so stehe die Negierung einem übereinsttmmenden Beschluß gegenüber, der ihr die volle Schuld an dem Nichtzustandekommen der Bahn zumesse. Es würde den Wünschen und der künftigen Thätigkeit bezw. Unthätigkeit der Regierung besser entsprechen, wenn die Erste Kammer den Antrag ihres Jlusschusses annähme. Fürst Psenburg-Büdingen zieht hierauf seinen Antrag zurück. Freiherr Heil zu Hernsheim wünscht eine andere Motivierung deS ablehnenden Standpunktes der Ersten Kammer in dieser Frage. Geh. Kommerzienrat Michel bittet, dem Antrag auf Erbauung einer Seementhalbahn nur zur Zeit keine Folge zu geben, um den Anliegern an der projektierten Bahn doch nicht alle Hoffnung abzuschneiden. In dieser Fassung findet dann der Ausschußantrag Annahme. Bei den übrigen noch auf der Tagesordnung stehenden Punkten tritt die Erste Kammer ohne Debatte den Beschlüssen der Zweiten Kammer bei; die Regierungsvorlage betr. Staats- vertrag zwischen Hessen und Oldenburg wegen Vertriebes der Lose der hessischen Landeslotterie in Oldenburg findet gleichfalls debattelos Annahme. Damit vertagt sich das Haus auf unbesttmmte Zeit. Schluß der Sitzung 11 Uhr. Volittsche Tagesschau. lieber die Kunstrede des Kaisers die wir gestern Wiedergaben und von unserem eigenen Standpunkte aus beleuchteten, liegen nur wenige Preßsttmmen vor. Die Lex Heinzefreundliche Berliner „Germania" denkt sofort daran, politisch daraus Kapital zu schlagen. Sie hebt die gegen die Moderne feindliche Stelle hervor und schreibt: „Erfreulich ist, daß der Kaiser die „sogenannten modernen Richtungen und Strömungen" in der Knnst nicht billigt, besonders erfreulich aber, daß er von der Kunst verlangt, sie solle „mithelfen, erzieherisch auj das Boll einzuwirren", sie solle „auch den unteren Standen Nach harter Mühe und Arbeit die Möglichkeit geben, sich an den Idealen wieder aufzurichten". Der Kaiser Wilk nur die Kun stloben, „die erhebt, statt daß sie in den Rinnstein niedersteigt". Diele Worte des Kaisers enthalten eine ornste Mahnung an die ganze deutsche Kunst und auch an alle Kreise, die berufen sind, mitzuhelfen, daß die Kunst erzieherisch auf das Volk einroirfe, aber auch zu verhindern, daß die Kunst in den „Rinnstein" der sittlichen Gemeinheit niedersteige. Die Erinnerung an die „Lex Heinze" drängt sich hier unwillkürlich auf, und die weitere Diskussion über diese Kaiserrede wiro wohl noch hinreichende Gelegenheit bieten, diese Gedanken weiter zu erörtern." An die Lex-Heinze freundlichen Parteien denkt die „Tgl. Rdsch" wohl, wenn sie schreibt: „Ter Monarch hat über Kunsts Kunstübung und Kunsd- richtungen seine persönliche Ansicht ausgesprochen. Tie sich in diesen Stücken zu gleichen Auffassungen bekennen, werden ihm begeistert zujubeln." Ueber die andere Partei aber sagt das Blatt: „Die anders meinenden werden kaum überzeugt worden sein." Der „Hamb. Korr.", der sich stets sehr gemäßigt ausdrückt, spricht in diesem Fall offen aus, daß die der Gießener Tßeaterverein. Die Z'widerwurz'rr. Nach Herrn, v. Schmid von R. Manz. Mit einer ins Oberbayrisch - Bäurische übertragenen Shakespeare'schen „Zähmung der Widerspenstigen" haben die Tegernseer am Freitag ihr weihnachtliches Gastspiel fortgesetzt. An der „Z'widerwurz'n" erfreuten sich leider wieder nur wenige Gießener Freunde der alpinen Frohnatur. Die derbe Gesundheit der Tegernseer vermöchte aber nicht nur auf Alpenfteunde Eindruck zu machen. Und „Die Z'widerwurz'n" zumal ist ein für unsere jungen Dämchen eigentlich ganz lehrreiches Stück. Sie brauchen Tegernsee und fein Drum und Dran nicht zu kennen und auch nicht besonders viel und Einflußreiches von der modernen Bewegung der Frauenemanzipation und Gleichberechtigung der Geschlechter zu wissen und könnten dann um so mehr und um so leichter ihre Nutzanwendung ziehen. — Doch um Himmelswillen feine Moralpredigten! Dagegen lob ich mir doch die fidele Sttrnrnung, die die Tegernseer wachrufen selbst mit einer so beinahe grotesken Symbolik und so erz-hausbackenen Moral. Man sieht auch aus diesem Erfolg der Tegernseer so etwas von großdeutscher Brüderlichkett. Die gute Darstellung trug zu dem Erfolg wieder wesentlich bei. Die Sklavenmoral Petrucchios gegenüber dem schönen Geschlecht kommt in dem Stück der wandernden Komödienspieler von Tegernsee in der Person des Flosser- Martl von Lenggries zur Geltung, freilich lange nicht in der rücksichtslosen Weise Shakespeares, immerhin aber in eindrucksvoller Weise, und für die richtige Wirkungder Zähmungskur ist Martls überlegene Kraft — dies Wort in seiner Bedeutung nach allen Richtungen hin genommen — erste und unentbehrliche Vorbedingung. Nirgends darf fein Gebühren den Eindruck von Brutalität hervorbringen. Franz Vogl spielte diesen kräftigen Alpensohn schlicht und recht, mit männlichem Ernste und einer Ruhe, die sich doch mitunter in dräuendes Unwetter verwandeln konnte. Man kann sich freilich diesen Zahmer des unbändigen Käthchens vom Dorfe gefühlsinniger denken. Es müßte bei ihm so etwas roie eine Paarung von Strenge und Zartheit zum Ausdruck kommen. Anna Zo.ller gab wieder ein ganz prächtiges Dirndl. Ihre Wildheit, ihr Eigenwille, ihre Zornesausbrüche waren von unmittelbarster Echtheit. Dieses Madel hat Race, Temperament. Darum glaubt man nicht recht an den Uebergang in ein sanfteres Fahrwaffer, den allerdings wohl auch der Verfasser sehr vernachlässigt hat; man traut ihr den Sieg demütiger Weiblichkeit über herbe Sprödigkeit und trotzige Emanzipationsgelüste nicht leicht zu. Aber schließlich bringt die schöne Anna Zoller doch der bösen wie auch der guten Stasi mehr von der erforderlichen Naivetät entgegen als die besten unserer Käthchen-Darstellerinnen. Daher die köslliche Frische ihrer mitreißenden Wirkung. Der Vater der Stasi, der Bauer vom Kurzendorf, ein gottsjämmerlicher Meister der Kindererziehung, wurde von Herrn Moser brillant dargestellt, am amüsantesten in der Rauschszene, die ein kleines Kabinetstück war. Die Kreszenz der Hanni Berg moser mit ihrer Jugendgeschichte und ihrer aus eigenen Erfahrungen schöpfenden Lebensweisheit bildete den Chorus des Liebes- dramas und zwar in einem etwas predigerhaften Tone. Aber sie gab doch einen wirksamen Kontrast zu ihrem taprigen Bruder und ihrer fuchsteufelswilden Nichte. Resl Einöds- hofer hatte sich gestern entsitzebutzelt und war ein putziges, busserliges Puffelchen. Einige Genresiguren, der prächtige Hausierer des Edi Hartl mit seinem Geschäftseifer und seiner weibisch-sächsischen Schwatzhaftigkeit, der ländliche Medizinalrat, der Bader des Beni Glas, der das Kunststück fertig bringt, daß einer seiner Patienten, der eine Flasche Jod austrinkt, nun tagelang jod—elt, der Hallodri des Fritz Fuchs 2C. rc. vervollständigten das alpenidyllische Gesamtbild der Handlung, die teils in der Jachenau, jenem einsamen Wald- thale, das sich von Lenggries am Jnnflusse nach dem Walchensee hin erstreckt — ein schönes Radelthal — teils auf dem Münchener Oktoberfest' spielt und das Publikum sehr zu befriedigen schien. Die Frage, was die Kunst durch die Bauerndarsteller von den oberbayrischen Seen gewinnt, habe ich schon in meinen vorjährigen Besprechungen der Schwerster Abende beantwortet. Sie tragen, unbewußt und unbeabsichtigt, auf eine aparte Weise dazu bei, dem Realismus in der Kunst zum Siege zu verhelfen, indem sie uns Volksszenen bieten, in denen, unterstützt durch eine vortreffliche, ja muftergittige fachmännische Regie, die ländlichen Sitten und Gebräuche unverfälscht zur Darstellung kommen, wenn die Daxsteller sich so recht gehen laffen. In dieser Beziehung erinnern sie an die verflossenen Meininger; sie haben dieselbe Andacht zum Unbedeutenden, denselben Sinn für eine belebte Bühne und ebenso echte, wenn auch wohlfeilere, Gerätschaften. Aber sie müffen schließlich doch für die Kunst verschwinden, wenn sie nicht von der ewigen Wiedergabe ihrer Normalstücke sich abwenden und einem wirklichen Dichter das Wort abtreten. In ihrer Mittelposition sind die Bauerndarsteller freundlicherer, ja der freundlichsten Teilnahme wert. Schule für andere zum Losreißen aus den heimischen Verhältnissen und zum LoSreisen auf Gastspiele dürfen sie aber nicht mehr machen. Das wäre ein Unheil, nicht allein für die Kunst! Mit ihnen und den Schlierseern ist es wahrlich genug! P. W. — Die „Amberger Volksztg " meldet: Seminarpräfekt Dr. Beck fand in der Provinzialbibliothek einen größeren Teil des Manuskriptes des Epos „Parsival" von Wolfram v. Esch en b ach. Das Manuskript diente seither als Buchumschlag und entstammt wahrscheinlich dem zweiten Viertel des 13. Jahrhunderts. Moderne so wenig gerecht werdende Rede in vielen gebildeten Kreisen unliebsam empfunden werden wird. „Sicherlich wird sie auch lebhaftes Aufsehen erregen und viel besprochen werden. Tamil ist freilich noch nicht gesagt, daß ihr eine nachhaltige Wirkung beschieden sein werde, und wir unsererseits möchten daran zweifeln. Bei allem Respekt vor dem großen Gedanken der Siegesallee und dem wahrhaft kaiserlichen Mäcenatentum, das sich in dessen Ausführungen entfaltet hat, bei aller Sympathie namentlich auch für die soziale Würdigung der Kunst vermögen wir doch nichtanzuerkennen, daß der Kaiser der neueren Kunst auch nur an- näherndgerechtwird. Er scheint nur ihre Schwächen Zusehen, aber nicht das frische kraftvolle Leben in ihr, das äuch ihre Auswüchse ertragen läßt. Wir persönlich halten es nicht für ein Glück, daß die deutsche BildhauereibishervondieserneuenStröm- ung nicht berührt worden ist, und möchten glauben, daß der Kaiser die Berliner Bildhauerkunst ebenso überschätzt, wie er das M-odernein derMalereiundTichtungunter- schätzt. Man erinnert sich bei diesem Anlaß daran, daß der Kaiser den Tod Arnold Böcklins unbeachtet gelassen hat." Wir freuen uns, daß das genannte Hamburger Blatt, das als durchaus gemäßigt in der deutschen Presse bekannt ist und dessen Standpunkt wir auch in mancher anden Beziehung teilen, auch auf diesem Gebiete mit uns einer Meinung ist. — Dann aber lesen wir in den „Hamb- Nachr.": Je öfter wir politisch in die Lage gekommen sind, Ansichten zu vertreten, die von den Auffassungen des Monarchen -abweichen, umso lieber ergreifen wir die Gelegenheit, ihm Dank, Anerkennung und Bewunderung für die wahrhaft königliche Kundgebung auszusprechen, mit der er das Wesen, die Aufgabe und die Würde der Kunst von den Schlacken befreit hat, welche sich unter dem Einfluß der modernen Richtung anzusetzen drohten. Weite Kreise unseres Volkes werden erleichtert aufatmen, wenn sie von dieser offenen Stellungnahme des Kaisers gegen die Afterkunst unserer Tage Kenntnis erhalten und ihm begeistert zustimmen, wenn er die Pflege der Ideale ats die Aufgabe der Kunst bezeichnet und nicht, das Elend noch scheußlicher darzustellen, als es ohnehin schon ist. Diese Worte verdienen übrigens Beachtung auch über die Grenzen der bildenden Kunst hinaus. „Die Kunst soll erheben, nicht in den Rinnstein hinabsteigen und von der Reklame leben." Der Monarch hat hiermit nur ausgesprochen, was ungezählte Tausende, die es mit der Kunst ernst und ehrlich meinen, unter dem aufdringlichen 2ärm der modernen Richtungen längst empfunden haben, aber ihm bleibt das Verdienst, diese Empfindung nicht nur mit schönen und begeisterten Worten, sondern auch mit der vollen Autorität des deutschen Kaisers offen zum Ausdrucke gebracht und damit den Bestrebungen aller derjenigen einen mächtigen Antrieb gewährt zu haben, welche die Befreiung der Kunst von dem häßlichen Rebel, der sie zu ersticken droht, anstreben. Wir hoffen und wünschen, daß die Rede des Kaisers von gestern zum Ausgangspunkt einer Bewegung wird, welche sich energisch gegen alle Auswüchse der Modernität richtet und nicht eher vuht, bis die echte Kunst wieder in alle die Rechte eingesetzt ist, die ihr von ihrem Zerrbilde zum Teil entrissen worden sind. Dazu bemerkt die „Rhein.-Westf. Zta", und wir stimmen ihr vollkommen zu: Die „Hamb. Nachr." vermischen hier zwei völlig getrennte Sachen: Entgleisungen einzelner Personen in das Schmutzige um des Schmutzigen willen und das modern-künstlerische Streben nach Wahrheit, welches in der Hauptsache vom Germanentum ausgeht. Die Antike strebt nach ruhiger Schönheit, das Ideal einer deutschen Landschaft ist aber nicht Nachäffung einer griechischen oder italienischen, sondern Erfassung der Eigenart deutscher Landschaft. Von seinem Standpunkt müßte der Kaiser die ganze vlämisch-holländische Malerei mit ihren raufenden Bauern, stallenden Kühen und dem Hexengesicht der Hille- Bobbe in Grund und Boden verdammen, denn Grob-Realistischeres hat noch kein moderner Meister gemalt. Auch Dürer und Rembrandt müssen dann fallen. Wir geben zu, daß es der modernen Meister wenige giebt, aber wo sind denn die Meister der antikisierenden Kunst? Was ।ind denn die vom Kaiser protegierten Wildenbruch und L a u f f, die ganz ungeniert die Jahrhunderte umdichten und für bisher verkannte Potentaten den zugehörigen Ruhm noch zusammen entdecken, gegen Hauptmann und Stilen crion? Wir wiederholen: dem oft unwahren Streben nach Schönheit der Antike und der Renaissance setzt die zumeist vom Germanentum getragene Moderne das zur Unschönheit führen und führt bei einigen Geistern dritter und noch geringerer Ordnung planmäßig dazu, weil Mittel und Zweck verwechselt werden. Allein, daß in dieser neuen Bewegung der Fortschritt steckt, wird klar werden, wenn einmal ein Jahrhundert Vorbetgeströmt ist, wenn die öfters schmutzige Mafsenware des Tages, welche den Blick trübt, verdrängt, vergessen ist und nur noch! tote eisbedeckte Bergeshäupter die echten, die großen Künstler der Moderne "leuchten. Tann erst wird man sehen,, tote sie den Fortschritt, die schöpferische Kraft, die selbstlose Kunst verkörpern. . . . Und das führt uns auf eine andere Seite der Kaiserrede. Ter Kaiser bezeichnet die höfischen Künstler der Siegesallee als die echten Künstler, die Arbeit der anderen als „G e to e r b e", als „F a b r i k a r b e i t". Tas ist sehr verfehlt. Grade Künstler, welche kein Bedenken trugen, gegen treffliches Entgelt an jener schönen Allee uniformierter Hohenzollern in Paradestellung mitzuarbeiten, haben ihr künstlerisches Gewissen dem „Gewerbe" unterstellt. Jene Summe von Idealismus und Entsagung, die in den echten Künstlern steckt, welche um ihrer Ideale willen leiden und darben, welche Höften, daß sie endlich verstanden werden, aber nicstt wanken, jerie Künstler bat der Kaiser noch nicht kennen gelernt: v. Werner, Begas, Wildenbruch und Laufs gehören zu diesen nicht. Tie denwkratische Berliner „Dolksztg." weist darauf hin, daß die Anschauungen und Urteile des Kaisers in mehrfacher Hinsicht allgemeine Zustimmung nicht finden werden. „Was oie starke Abwehr der modernsten Kunstrichtungen durch den Kaiser betrifft, so glauben wir nicht, daß sie Den Lauf der Entwickelung, wie sie sich nun einmal aus sich selbst heraus vollzieht, ändern oder hemmen wird. Die Kunst gehorcht sowohl an sich als auch in ihrer historischen Entwicklung ihren eigenen Gesetze n." Die deutsche Rechtspartei, die, tote bekannt, die Wiederausrichtung des Welfenthrones erstrebt, hat Mitgliedern des Bundesrates vier Resolutionen zugehen lassen. In der ersten bezeugt sie ihre wärmste Teilnahme „den tapferen Verteidigern ihres Rechtes und ihrer Freiheit in den beiden südafrikanischen Republiken", begrüßt es als „erfreuliches Zeichen des auch im deutschen Volke wieder erwachenden Rechtsaefühls, daß dasselbe überall und nahezu einstimmig seinen Protest gegen die britische Vergewaltigung der Buren erhoben hat", beklagt es aber tief, daß der derzeitige Reichskanzler „in auffallendem Gegensätze zu früheren Kundgebungen des deutschen Kaisers und Auswärtigen Amtes das nackte Interesse als das einzige Motiv seiner auswärtigen Politik zu proklamieren sich nicht gescheut hat" und spricht nachdrückliche die Erwartung aus, daß des deutschen Volkes verfassungsmäßige Stimme wenigstens jetzt nicht versagen werde, wo die Haager Kongreßmächte in aller Form darum angegangen worden sind, das Äergernis des gegenseitigen Mordens christlicher europäischer Völker endüch aus der Welt zu schassen. In der zweiten Resolution legt die „Deutsche Rechtspartei" erneut ihre bekannte Stellung zur deutschen Frage dar. Sie fordert „Beseitigung des geschehenen Unrechts" und erklärt, daß sie eine in sich gefestigte Ausgestaltung des jetzigen Deutschen Reiches. mit freiwilligem politischem und wirtschaftlichem Anschluß der früheren Reichs- und Bundesglieder, vornehmlich Oesterreichs, erstrebt. In der dritten Resolution nimmt die „Deutsche Rechtspartei" Stellung gegen die „Revolutio n", zu deren Trägern und Werkzeugen die berufensten weltlichen und geistlichen Vertreter und Zeugen des Rechts in der alten und neuen Welt geworden sind. Die vierte Resolution endlich beschäftigt sich mit der Besetzung des braunschweigischen Thrones. Sie lautet: „Die deutsche Rechtspartei erblickt in der von dem Bundesrat verfügten Behinderung des rechtmäßigen Erben an der Besitzergreifung des braunschweigischen Thrones eine Versagung des dem Herzogtum Braunschweig vom Reick)e geschuldeten Rechtsschutzes und eine Maßnahme, die in ihrer Begründung mit der Machtherrlichkeit des Reiches in eigentümlichem Widerspruche steht. Die deutsche Rechtspartei hält die möglichst baldige Beseitigung dieses rechtswidrigen und befremdlichen Zustandes nicht nur für die Pflicht der verbündeten Fürsten und freien Städte, sondern auch für eine Lebensfrage ihrer monarchischen Existenz und Selbständigkeit." Dieser Resolution ist eine ausführliche Begründung, verfaßt vom Rechtsanwälte Martin I. in Kassel, beigegeben, die darzulegen sucht, daß der Herzog von Cumberland „von Gotttes Gnaden Herzog von Braunschweig" sei. Deutsche Festungen an der schweizerischen Grenze. Wer der Meinung war, daß der Versuch der deutschen Reichsregierung, bei Basel, auf dem badischen Tüllinger Berg einige Sperrforts zu errichten, in der Schweiz eher begrüßt als bedauert tverde, hat sich, schwer getäuscht. In der Presse aller Parteien wird das Thema variiert und das meist in beängstigendem Sinne und selbst der Bundesrat ist von Basel aus ersucht worden, in Berlin zu intervenieren und womöglich zu verhüten, daß in der Nähe Basel-' deutsche Festungswerke gebaut werden. Bei der Beurteilung dieser Frage geht die Schweiz vdn ganz falschen Gesichtspunkten aus. Sie glaubt, diese Forts richten sich gegen die Schweiz und seien der Ausdruck einer feindseligen deutschen Gesinnung. Hiervon kann nun doch int Ernste keine Rede sein. Diese vorgesehenen Bo- festigungswerke richten ihre Spitze gegen eine etwaige französische Invasion. Militärische Strategen hatten schon längst die deutsche Naivität bewundert, daß die Militärbehörden den außerordentlich passend gelegenen Tüllinger Berg, welcher die weite obere Rheinebene und das badische Wiesenthal beherrscht, militärisch nicht in den Kreis der Grenzbefestigung einbezogen und der Festung von Belfort nicht ein ausgleichendes Gegengewicht entgegen stellten. Auch die Schweiz hat dieses Bedürfnis längst empfunden und jetzt, wo es ernstlich gilt, eine alte verpaßte Gelegenheit wieder gut zu machen, sollte sie sich dessen freuen und Deutschland danken, daß es Maßregeln trifft, den alten schlummernden Erbfeind vor einem Vorstoß gegen Süddeutschiland rechtzeitig zu warnen und abzuhalten. Tie Geschichte lehrt mit unerbittlicher Konsequenz, daß die schweizerisöye Neutralität seitens Deutschlands nicht bedroht wird, wohl aber hat Frankreichs nicht davor zurück- geschreckt, die Neutralität zu brechen. Frankreich hat im 15. Jahrhundert die Schweiz dazu mißbraucht, Burgund £u zertrümmern und gegen klingende Münze an Frankreich zu verschachern; Frankreich hat seit der Reformation die Schweiz mit Geldspenden dazu zu verleiten verstanden, in Gemeinschaft mit Spanien gegen Oesterreich-Habsburg zu kämpfen und int Jahre 1798 stattete Frankreich der Schweiz den Dank dafür in der Weise ab, daß es die Neutralität mit Füßen trat, die Grenzen überschritt und die alteEidgenossen- schaft in Stücke schlug. Bis zum Jahre 1803 waltete in der Schweiz unter dem Schutze französischer Bajonette ein Schreckensregiment, das während der folgenden Jahre zum Glück wieder verdrängt wurde. Es war bisher immer Frankreich, welches auf die schweizerische Neutralität pfiff, wenn es das Interesse und der Profit erheischten. Unter den Gesichtswinkel geschichtlicher Thatsachen gestellt, muß das Vorgehen Teutschlands, auf dem Tüllinger Berg Festungsanlagen her- zustellen, schweizerischerseits aufrichtig begrüßt werden. Aber selbst wenn die Schweiz gegen die Forts Einspruch erheben sollte, müßte er als unbegründet abgewiesen werden, denn weder die Neutralitätsakte von 1815, noch der Artikel 3 des zweiten Pariser Vertrages vom 20. November 1815 geben der Schweiz irgend ein Recht, dem Deutschen Reiche, welches seine Südgrenze schützen will„ den Bau der Festungswerke untersagen zu wollen. Neues von Botha, de Wet und Delarey. Ans dem Haag schreibt die „Korr. Nederland" vom 18. Dezember: Einem soeben aus Johannesburg einge- tvosfenen brieflichen Bericht entnehmen wir folgende interessante Mitteilungen: In meinem vorigen, hoffentlich in Ihre Hände gelangten Bericht konnte ich Ihnen in der Hauptsache schon mitteilen, daß in der ersten Hälfte des November in dem Striche zwischen Springs, Ermelo, Middelburg und Pretoria sehr heftig gekämpft wurde. Die Engländer haben habet nicht weniger als 3 Obersten und 2000 Mann an Toten, Verwundeten und Gefangenen verloren. Heute kann ich Ihnen dazu noch folgende nähere Einzelheiten geben: Botha hat den Engländern bei Renosterkop (nordöstlich von Pretoria) eine Schlacht geliefert. Daß diese für die Engländer sehr verlustreich gewesen ist, beweist schon die große Zahl der hierher verbrachten Verwundeten. Sicher 100 Mann! — Bei Ermelo wurden 300Engländer gefangen genommen. — Zuverlässigen Nachrichten zufolge ist in Der vorigen Woche auch bei Springs sehr heftig gekämpft worden. Die häufige Wahrnehmung, daß Feigh eit und Insubordination im englischen Heere vom gemeinen Mann bereits auf die höchsten Stellen übergegriffen haben, erhält von dort her eine neue bezeichnende Bestätigung. Ein Kolonel hatte den Befehl erhalten, die Burenstellung nochmals zu stürmen. Er weigerte sich, den Befehl, der unter den gegebenen Verhältnissen ein zweckloser SDtorb sei, auszuführen. Darüber kam es zwischen ihm und dem General, der den Befehl erteilt hatte, zu einer sehr erregten Auseinandersetzung, in deren Verlaus sich der Kolonel an seinem Vorgesetzten sogar thätlich vergriff. Das gab den Anlaß zu einem blutigen Handgemenge unter den Engländern selbst, die nun von den Buren als lachenden Dritten mit Ungestüm angegriffen und leicht überwältigt wurden. Der betreffende» Kolonel wurde nach Komatipoort geschickt, wo wahrscheinlich das Fieber besorgen soll, was man in dem Bemühen, den ungeheuerlichen Vorfall zu vertuschen, unterlassen zu müssen geglaubt hat. — D e w e t hat bei Boshof (Oraniefreistaat, nordöstlich von Kimberley) gefochten und sich Dann nach Nordosten gewandt. Nach der Ueberschreitung des Vaal- Feuilleton. Neue, neunte Lieserungs - Ausgabe von Stielers Hand-Atlas, 100 Karten in Kupferstich, herausgegeben von Justus Perthes' Geographischer Anstalt in Gotha. (Erscheint in 50 Lieferungen (jede mit zwei Karten) zu je 60 Psg.) 2. Lieferung: Nr. 57, West-Sibirien in 1:7 500 000; Nr. 92, Mexico in 1:7 500 000, von H. tzabenicht. — Noch zeitig genug, um mit der vor wenigen Wochen erschienenen ersten Lieferung zusammen auf dem Weihnachtstisch prangen zu können, kommt soeben die zweite Lesung des altberühmten Kartenwerkes, das sich in seinem neuen Gewände und seiner billigen Gestaltung bereits zahllose Freunde errungen hat, auf den Markt. West-Sibirien und Mexico bilden den Inhalt der neuen Lieferung. Der eigenartige Landschaftscharakter West-Sibiriens dürste wohl noch nie in so packend-plastischer Weise zur kartographischen Darstellung gelangt sein, wie auf dem uns vorliegenden Blatt, das trotz einer Unmenge von Details von schlagender Uebersichtlichkeit ist. Auf der Grenze zwischen den gewaltigen Tundren des Nordens und der vegetationsarmen Hunger steppe zeigt sich der Riesenbau der sibirischen Eisenbahn, deren Stationen ebenso wie die Poststraßen und sonstige zahlreiche Einzelheiten die Karte in erwünschter Deutlichkeit verzeichnet. — Das zweite Blatt führt uns hinüber nach Mexico, in das klassische Land der Reise Humboldts, der Pflanzstätte einer nach Jahrtausenden zählenden Kultur. Auch hier überrascht und erfreut wieder die Fülle des Gebotenen, die nicht nur den Verkehrs- und wlturgeographischen Bedingungen der Gegenwart, sondern auch den hiftorisclsen und ethnographiscAn Faktoren der Vergangenheit de? Landes in ausgiebiger Weise gerecht roiro. DieStadtkircheinFried berg, Oberhessen. Tie im Juni bei Earl Damm in Friedberg erschienene, nach dem Manuskript des Architekten Hubert Kratz vom Vorstand des evangelischen Stadtkirchenbau-Vereins her- ausgegebene „Festschrift zur Wiederherstellung und Neu- einweihung der Friedberger Stadtkirche" verdient nicht nur das Interesse derer, welche die Feier der Neueinweihung dieses prächtigen hessischen Baudenkmals mitgebracht haben, sondern weiterer Kreise. Giebt sie doch durch ihren Text (71 Seiten) und durch ihre trefflichen Abbildungen (über 30, darunter 16 ganzseitige) ein anschauliches Bild der Entstehung dieser Kirche und zugleich ein großes Stück alter und neuer hessischer Kunstgeschichte. Wer sich über Kirchenkunst unterrichten will, dem tarnt dieses Büchlein eine gute Anleitung geben. Es empfiehlt sich durch seinen geringen Preis (1 Mark) als ein hübsches kleines Weihnachtsgeschenk. Zu beziehen durch die Buchhandlungen von Bindernagel und Scriba in Friedberg. Eine große Weihnachtsfreude wird in diesem Jahre den Kindern im Alter von 5—14 Jahren die Weihnachtsnummer fügend grüß" machen, welche die Firma Adolph Engel, Am Tempelhofer Berg 5a in Berlin, herausgegeben und vortrefflich ausgestattet bat für den erstaunlich billigen Ladenpreis von 1 Mark. Unter Mitarbeit bewährter Jugendschriftsteller und Maler bietet diese Nummer auf 34 Seiten großen Formates und 8 großen Farbdrucktafeln Text zur Unterhaltung unb Belehrung und Material zur Selbstbeschäftigung für lange Winterabende, sowie ein höchst drolliges Gesellschaftsspiel für Jung und Alt. Zu haben ist der „Jugendgruß" in allen Buch-, Papier- und Spielwaren- Handlungen. Einer von den jungen Neuen, unb eS sei gleich gesagt, einer von den Besten unter ihnen, her Frankfurter Ruvo l j Presber, präsentiert zum Weihnachrsfefte die zweite Auslage seiner Gedichtsammlung „Aus dem Lande der Liebe" (Dr. Ehrler & Go., Berlin). Der modern ausgestattete Sand, der wett hübschem Buchschmuck von Walter Caspari versehen ist, macht uns mit der anmutigsten Art der modernen Lyrik bekannt: frische, lebendige, volkstümliche Poesie bei originaler Form. Man findet bei Presber nichts Gesuchtes, nichts Mystisches, ihm qulllt die Lyrik, ebenso wie die poetische Satire, aus dem Herzen. * Ein neu entdecktes Säugetier. Der englische Forscher Harry Johnswn hat im Kongo-Staate ein Der Giraffe verwandtes Tier entdeckt, von Desfen Existenz die Wissenschaft bis jetzt keine Ahnung hatte. Ausgezeichnet ist dasjelbe durch zebraartige Streifung Der Obec,cyenlel an Vorder- und Hinterbeinen. Genaueres über die Lebensweise dieses seltsamen Tieres, das sich so lange den Blicken der Naturforscher zu entziehen gewußt hat, ist bis jetzt nicht bekannt. * Bei „Königs" zu Besuch. Italienische Blätter schreiben: Die Amme der kleinen Prinzessin Jolanda drückte vor kurzem den Wunsch aus, ihren Gatten, den Bauern Einti, und ihre beiden Kinder wiederzusehen. (Sinti erhielt darauf vom Königspaar eine freundliche Einladung nach Nom. Vor einigen Tagen erschien er nun mit feinen beiden Kindern in der ewigen Stadt, und die Schwiegermutter brachte er auch gleich mit. Außerdem aber brachte er für den Herrn König einen Sack mit Haselnüssen und für die Frau Königin einen Korb mit Landeiern. Mtt diesen Schätzen beladen, pilgerte er in den Oluirinal, wo er nach einer stürmischen BegrüßungS- szene, die sich zwischen ihm und seiner Gattin abspielte, von der Königin empfangen wurde. Die Königin küßte die beiden Kinder unb gab ihnen allerlei Näschereien, wahrend Sinti und die Schwiegermama zu Tisch geladen wurden. Am Abend kehrte der „Mann feiner Frau" in sehr gehobener Stimmung in sein Heimatsdorf zurück. river bei Bereeutging ist er nach Docksburg (östlich von Johannesburg) weitergezogen, um sich mit Botha zu vereinigen. Man darf, ohne sich dabei einer Ucber- treibung schuldig zu machen, behaupten, daß Dewet mindestens 6000 Mann um sich hat. Nach einem unkonlrollier- Laren Gerücht erwartet man eine große Schlacht im Herzen der Transvaalrepublik. Die Versammlung größer englischer Streitkräfte darin könnte allerdings darauf deuten. — Wie jetzt auch bekannt wird, hat dem General Dewet ein glücklicher Zufall bei Kroonstad das wichtige Dokumente enthaltende Archiv Milners in die Hände gespielt, das dem Gouverneur auf seiner Reise von Johannesburg nach Bloemfontein nachgeschickt worden war. — D e l a r e y hat bei Kockernoer (an der Bahn Klerlsdorp—Johannesburg- 600 Engländer zu Gefangenen gemacht. — Aus dem Munde eines Mannes —- kein Burens reund —, der eben aus bcr Kapkolonie kommt, vernahm ich, daß die Lage für die Engländer dort höchst ungünstig, wenn nicht gar hoffnungslos ist. Aus Stadt und Land. Nachrichten non allgemeinem Interesse sind uns sletS willkommen und werden angemessen honoriert. Gießen, 21. Dezember 1901. Gedenket der hungernden Vögel! ** Cchristbescherung. Am nächsten Sonntag, nachm. halb 4 Uhr findet in der Johannestirche eine kirchliche Feier der Ehristbescherung unserer Kleinkinder- Bewahranstalt statt. a. Watzenbvrn, 19. Dez. Gestern fand hier die Wahl eines Beigeordneten statt. Als Sieger ging der seitherige Beigeordnete Schäfer hier mit 146 Stimmen hervor. Herr Schäfer tritt nunmehr seine dritte Amtsperiode an. Ter "Gegenkandidat, Schuhmacher Pitz von Steinberg erhielt 75 Stimmen. Von ihrem Wahlrecht haben 60,5 Proz. der Wähler Gebrauch gemacht. e. Bad-Nauheim, 30. Dez. Anfangs dieser Woche weilten die Herren Finanzminister Exzellenz G n a u t h, Ministerialrat Milbrand und Geh. Ober-Bergrat Prof. Tr. Levsius hier, um die in den letzten zwei Monaten an der 'Quelle VII, d.m b.kannten „großen Sprudel' vorgenommenen Verbesserungen zu besichtigen. Minister Gnauth, der sehr großes Interesse für den hiesigen Platz hegt, war von dem Ergebnis der Arbeiten sehr befriedigt. Auch die übrigen zur Besichtigung noch eingeladenen Herren aus der Stadt sprachen sich höchst anerkennend über den großen Erfolg der recht schwierigen Quellen-Verrohrung und der Aufräumungsarbeiten aus. -h- Homberg a .d. Ohm, 20. Dez. Unsere Hoch- druckwasscrleitung, deren Buu im Jmi,begonnen wurde, ist vor einigen Tagen vollendet und in Betrieb gesetzt worden. Die Baujumme beträgt etwa 60 000 Mk. und ist infolge der günstigen Angebote und der inzwischen gesunkenen Eisenpreise um 10 000 Mk. hinter dem Voranschlag zurückgeblieben. Außerdem wurde der Gemeinde von dem Staat ein namhafter Beitrag zu dem Dau zugewiesen, sodaß bas Kapital, welches noch zu verzinsen ist,« ein verhältnismäßig geringes ist. Die Bauleitung lag in« den Händen der Firma Schmick in Frankfurt, während die Arbeiten selbst von BauunternehmWinn in Gießen auSges.chrt wurden. — Wenn nia.. nun erwägt, baß die erste Anregung zum Bau der Wa, ^rleiiung et|t im Frühjahr 1897 erfolgte und wir heute bereits uns der Vorteils dieses KulturwerleS erfreuen können, so muß man dem planvollen und umsichtigen Wirken unserer for schrittlich gesinnten Stadtleitung vollste Anerkennung zoli..i. Taß auch die Bürgerschaft selber der Verwirktichung oes Projektes niemals ernstlichen Widerstand entgegensetzte, oaß vielmehr die Zahl der Anschlüsse während des Baues sich von 90 auf 230 vermehrte, verdient lobend hervorgehoben zu werden. Bürger, wie „Zugvögel" haben nunmehr die Vorteile einer Wasserleitung kennen gelernt und freuen sich, daß die alten Zustände sich überlebt haben. Die Fertigstellung des Merkes selbst wurde am letzten Samstagabend durch einen einfachen Kommers im „Frankfurter Hof" gefeiert. Die Festrede hielt Pfarrer Port. Er wies darin besonders auf die Vorteile einer Wasserleitung hm und dankte allen denen, die sich um das nun vollendete Werk durch Rat und That verdient gemacht hatten. s. Aus dem Vogelsberg, 20. Dez. Neulich trug sich hier ein bemerkenswertes Späßchen zu. Als die neue Bahnstrecke Grebenhain-Gedern von der Zweiten Ständekammer genehmigt war, schickte ein Abgeordneter einigen interessierten Gemeinden eme Depesche, in der er dies mitteilte. Nachdem man sich durch noa-ma^iges An- srageii von der Ria-ligkeit der Depesche überzeugt hatte, wurde diese, damit aLe Gäste davon Einsicht nehmen konnten, in einer Wirtschaft an die Wand geheftet. Es erschienen nun auch aus e.nem Nachbarorte einige Bürgersleute in dieser Wirtscha,t. Sie wurden sogleich von den anwesenden Gästen aus die Depesche und ihren Inhalt auf- merisam gemacht, bezweifelten aoer die Richtigkeit, weit der Inhalt sogar nicht mit ihren Hof, nun gen üoeremstimmte. Schließlich ließen sie sich boch bewegen, die Depesche näher anzusehen. Nachdem sie sich genugeno überzeugt hatten und an ihren Tisch zurückgekehrt waren, sprach einer dieser Zweifler zu den andern: „Aich hou's auch gleich gesaht, 's äis dem W. (Absender der 'Depesche) sei Ennerfchrift!" Vermischtes. * Berlin, 20. Dez. Ter aus dem Harmlosenprozeß bekannte Reserveleutnant v. Kr ö ch er wurde laut „Militärwochenblatt" aus jedem Militärverhältnis entlassen. * K ö l n, 20. Dez. Auf dem bei Waldöreitbacy belegenen Mahlberg erfolgte gestern abend ein Erdstürz. Der ganze Mahlberg senkte sich 25 Meter. Kurze Zeit vorher in der Nähe des Berges beschäftigt gewesene Arbeiten konnten sich in Sicherheit bringen. * Braunschweig, 20. Dez. Heute früh halb neun Uhr wurde der 19 jährige Arbeiter Rühmann, der am 13. August d- I. die Schaffnersfrau Nebelung in Neu- Oelsburg ermordet und beraubt hatte, tm hiesigen Stras- gefängnis durch Scharfrichter Reindl hingerichtet. ♦ Chemnitz, 20. Dez- Wie die „Allg- Ztg." meldet, ist der Inhaber der hiesigen Eisengießern Hempel mch Hinterlassung einer Wechselschuld von 140 000 2JIL, 9 6 f *Ü2Bien, 20. Dez. Das Juwelier-Geschäft von E Wein wurde nachts von unbekannten Thiuern aus geraubt, denen Juwelen im Werte von 20 000 Kronen m die Hände fielen. ~ 2 Andreas Gaxlehn er rm Duell schwer verletzt. Aus Budapest wird berichtet: Der bekannte Besitz« von Bitterwafserquellen Andreas Saxlehner, duellierte sich in S^uhtwcißenburg mit dem Journalisten Ladislaus Fenyes. Saxiehncr erlitt im Säoeldueil schwere Verletzungen tm Gesicht, auf der Brust und dem Arm. Dor dem Duell- hätte'Fenyes crtlcLt, er habe seinen Gegner nicht beletdtgQi wollen.. Dieser verlangte jedoch eine bedingungslose Abbitte, was Fenyes' Sekundanten nicht zugaben. Die Ur^ fache des Zweikampfes war eine Zeitungspolemik. Herr: Saxlehner wurde nach Budapest transportiert. Gerichtsläal. f. Gieße«, 20. Dez. (Schöffengericht.) Auf heute waren 20 Lachen anberaumt. 4 Einsprüche gegen Strafbefehle wurden zurückgenommen und kamen daher nicht zur Verhandlung. Ter Bauunternehmer Z. hatte einen Strafbefehl ei hatten, weil ec eine Straße zum Teil zur Lagerung von Material benutzt hatte^ ohne die Erlaubnis hierzu eingeholt zu haben. -Ltc ^ache wurde vertagt. — Tie schon mehrmals vorbestrafte 2ui|e F. von Gleiberg erhalt wegen Obdachlosigkeit eine Haftstrafe von 6 Wochen und wird der 2andespolizeibehörde überwiejen. Die seit dem 13. -Le- zcinber laufende Untersuchungshaft wird ihr angercchnct. — ilus- der Untersuchungshaft wird vorgeführt, das Dienstmädchen Marien H von Alsfeld. Es hat einem anderen Dienstmädchen em Hleto entwendet. Tie Angeklagte schützt ihre Notlage vor. Sie erhaiL 14 Tage Gefängnis, die durch die Uiltersuchungshaft verbirgt smd. — Theodor K. aus Obererlenbach wird wegen Unterschlagung von 1,56 Alk. zu 9 Monaten 14 Tagen Gefängnis verurteilt, wobei ine kürzlich ihm vou der Strafkammer wegen Betrugs zudütierte- Strafe von 9 Atonalen eirrgerechnet wird. — Dachdecker Emu Je. von Gießen hatte Einspruch gegen einen Strafbefehl erhoben, ut dem ihm zur Last gelegt wurde, bei einer Reparatur nicht die erforderlichen Vorkehrungen getrosten zu haben, sodaß L>chmutzi von einem Dache auf das Bankett fiel. ->-tc eidliche Aussage eines Gehilfen widerspricht der Aussage zweier Schutzleute. Der Angeklagte wird freigesprochen. — Es wird- das Urteil gegen den hiesigen Tierarzt Dr. K., der der Ueber» lretung des Reichsjeuchengejetzes beschuldigt war, verkündet. selbe lautet auf „Freisprechung" und fetzt der ^Staatskasse die nopen' zur Last. — Die Strafsache gegen den Bäcker L. zu Giefzen wegen Vergehens gegen die Gelverbeordnuiig wird zwecks Vernehniung weiterer Zeugen vertagt. — Die Prtvatklage des R. gegen den Lehrer F. endigt mit der Freisprechung des Angeklagten und legt dem Privackläger die Kosten auf. — Den Schlug bildet die Privatklage Z. gegen Frau L. Die Aiigeklagte erhält wegen Beleidigung eine Geldstrafe von 15 Mk. event. 3 Tage Gefängnis und die Kosten. , Seidenstoffe esä von Elten & Haussen, Harrt» tuns Krefeld. Walllbed«itdQlläl Der Vorstand. 8302 8323 8317 Wettergasse. Marktstrasse 9 Allein-Verkanl der heröbmten Herz-Sthnhwaren. äuOi von: auch die Wahl von Weihnachts-Geschenken. 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