Nr. 223 Zweites Blatt 151. Jahrgang Sonntag 22. September 1901 Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Siehener Familien, blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem »Hess. Landwirt" und den »Blättern sür hessische Volkskunde" dermal wöchentlich beigelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Gchnlstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gieße«. FernsprcchanschlnßNr.51. GietzenerAMigers General-Anzeiger v Umversitats - Druckerei Amts- und Anzeigeblatt sür den Kreis Gießen MWZ zeigenteil: Hans Beck. Politische Tagesschau. Kaiser Wilhelm und Prinz Tschuu. Kaiser Wilhelm hat am Abend des 19. an Bord der „Hohcnzollern" den Prinzen Tschun vor dessen Abreise nach Berlin, sowie die Begleiter des Prinzen empfangen und dem reisefrohen Sühneprinzen das Groß kreuz des Roten Adlerordens verliehen! Prinz Tschun ist dann am Freitagvormittag von Danzig nach Berlin abgereist. Wir hatten gehofft, daß der Name des Prinzen Tschun aus dem politischen Teile der Presse recht bald verschwinden AlS man nämlich in Dünkirchen wirklich ankam, war vor dem scharfen kalten Wind auch die kleinste Regenwolke südwärts gewichen. Klarer Himmel, aber ein Meer, das schon beim bloßen Schauen vom sichern Lande aus die Magen schwindlig machte. Schaumgekrönt wälzten sich die Wogen in die kleinen Häfen und ließen die wimpelgeschmückten Han- delsflottillen wie Nußschalen tanzen. Der Straßenschmuck lag zur Hälfte auf der Straße, Dutzende schöner Doppeladler, Guirlanden und Fahnen. Solcher Brise trotzte der Flitter nicht. Und zweifellos hatte der Nordwest in 2 Stunden vernichtet, was fleißige Patriotenhände nur in Wochen mühsam vorbereitet hatten. Auf der Place Jean-Bart, wo das schwere Bronze-Standbild des Dünkircher Helden steht, hatte eine Lampionbeleuchtung sich gut erhalten; sie war ein Darlehen der Pariser Munizipalität; enorm lange Wimpelguirlanden spannten sich in prächtigem Schwung vom hohen alten Glockenturm der Altstadt zu den kleinen Häuschen nieder: Ehrenpforten mit Fischernetzen und -körben präsentierten sich reizend. Um sechs Uhr sperrten dichte Truppenreihen von der Präfektur bis zum Hafen die Straßen für die Durchfahrt des Präsidenten der Republik ab. Es war die höchste Zeit, in den Pressedampfer vom Quai aus auf gebrechlicher Lefter niederzuklettern, um den Russen entgegenzufahren. Schon um diese Stunde waren Dämme und Strand in unabsehbarer Weite schwarz von Menschen. Kaum waren wir aus dem Hafen, so gingen bereits die Wogen über den Dampfer weg, schonungslos sofort die Hälfte der Berichterstatter und Photographen — auch diese nennen sich in Frankreich „Publizisten" gründlich marode machend. Kleinere Fahrzeuge mußten in den Hafen zurückkehren, so wölbten sich die Wogen, vom Winde gepeitscht. Welch eine Chance, neben zwei, drei englischen Kollegen, von Aegirs Uebelwollen verschont, am Kiel auf dem Auslug, wenn auch bis auf die Haut durchnäßt, verharren zu können. Arn dem hohen Meere vereinigt sich eine Flotte geschmückter großer Dampfer, und nachdem die Wellen unser Fahrzeug eine halbe Stunde die Kreuz und die Quer geworfen, kommen die Russen endlich in Sicht. Voran der glatt laufende „Standart" mit derselben Flagge, dann zwei Kreuzer. Die Hurrarufe werden von den Schiffskapellen der Alliirten mit der Marseillaise erwidert. Stolz grüßen die Matrosen herüber; wie eine Fledermaus umkreist unser Dampfboot die riesigen Schiffe; Großfürst Alexis erscheint allein am Bug und schwingt unermüdlich dm Admiralshut. „Vivent les Busses“ dringen die Rufe durch den Sturm hin den hohen Schiffen zu, und als der „Standart" 21 Schüsse donnert, braust vom Lande herüber der vieltausendstimmige Willkommenruf der „Zaungäste" wie ein sich erhebender Gegenwind dem Norden zw Das Land der Begeisterung begrüßt den Herrn der kälteren Gebiete. Noch ist der „Cassini" mit den: Präsidenten unsichtbar, aber die Figur des Zaren wird deutlich auf dem „Standart" erkennbar. Mit seinem Gefolge blickt er auf das tanzende Dampfergewimmel hin. Endlich kommt Loubets Schiff, weiß wie die Müve und flink wie der Seevogel, vom Hafen her, stoppt dicht vor dem Zarenschiff, und die 21 Schüsse hallen verspätet zur Antwort. Doch kann der Präsident hier auf hoher See das Uebersetzen nicht wagen. „Cassini" geleitet also den „Standart" dem westwärts von Dünkirchen liegenden Kriegsgeschwader zu; bei diesem angekommen, werden die Boote des Präsidenten und der Minister zum Zaren hingerudert; unser Danrpfer wagt sich ganz nahe heran, und auf manchem Diplomatenkopf wird uns die verräterische Blässe deutlich erkennbar. Neptun ist mächtiger als der Zar. Die Trikolore flattert neben der gelben Standarte auf höchsten Mastes Spitze, und während die Torpedoboote blitzschnell das dunkle Zarenschiff umkreisen, beginnt die Revue, die Durchfahrt durch die Doppelreihe der Kreuzer, auf denen die Matrosen in Parade stehen und die hohen Gäste mit siebenfachem Hurrah begrüßen. Nur die Unterseeboote bleiben völlig unsichtbar. Die Zarin, die etwas bleich und gewiß nicht von den Meerunbilden verschont geblieben, steigt, von Herrn Loubet mit viel Grazie geleitet, bald darauf zum Lande nieder, und ganz Dünkirchen erfüllt in diesem Augenblick Jubel. Zwar sehen sie nichts, die Bürger, aber doch pflanzt sich die Kundgebung ahnungsvoll fort, daß das Zarenpaar nach fünf Jahren wieder auf französischem Boden gelandet ist. Ein Riesendincr mit Hummern und Fasanen harrte der geprüften illustten Versammlung in der fahnenüberladenen Handelskammer. Die geringeren Gäste Dünkirchens wurden mit geringerer Grazie für viel Geld abgespeist und dann führten zahllose Exttazüge südwärts, zur Revue der Streitkräfte des Landes. — 20 000 Truppen bewachten in der freien Republik den gefeierten Monarchen auf seiner Fahrt. werde. Leider läßt sich nun diese Hoffnung nicht erfüllen, er ist jetzt eine politische Persönlichkeit geworden, die infolge dieser ganz unerwarteten und ungewöhnlichen, die Wett überraschenden und von ihr gewiß nicht leicht zu verstehenden Auszeichnung durch den Herrscher des Landes, in das er als ein um Vergebung für schwere Blutthaten Flehender kam, nicht mit dem kühl strafenden Uebergehen und lieber» sehen behandelt werden kann, das ihr gebührt. In einigen nationalen Blättern wird darüber geklagt', daß der chinesische Prinz bei den Danziger Manövem mit Hurra- Rufen empfangen worden sei. Diesen HurraS legen wir keine Bedeutung bei. Wer die Menge kennt, der weiß, daß, wenn sie in Hurra-Sttmmung ist, sie alle möglichen Persönlichkeiten anhurrat. Bedenklicher erscheint eS uns, daß der Prinz von Allerhöchster Stelle aus mit so großer Zuvorkommenheit bedacht worden ist. Man wird sich zu vergegenwärtigen haben, welche Anschauungen ein solcher asiatischer Prinz hegt, und wie er die edel gedachten Zuvorkommenheiten betrachtet. Er wird sie als eine Huldigung entgegennehmen, die doch sicher nicht am Platze ist. Hätte man kein Aufhebens mit ihm gemacht, so wäre der Eindruck auf ihn gewiß wirksamer gewesen. Sollte er in einigen Jahren wiederkommen und China sich bis dahin anständig und ehrlich betragen haben, so mag man ihn unseretwegen feiern, wie man will. Jetzt sträubt sich des Volles Gefühl dagegen, ihn irgendwie zu beachten. Die einzige, unseres Erachtens vollkommen gerechtfertigte und zweckmäßige Aufnahme hat er bei der Mutter und Gattin des ermordeten Freiherrn v. Ketteler gefunden. Des Verfahren dieser Damen hätte wohl als vorbildlich dienen können. Eia kalter Wafferstrahl. Zur rechten Zeit werden die Telegramme veröffentlicht, die aus Anlaß der Ernennung des deutschen Kaisers zum Chef des russischen 39. Dragoner-Regiments von Wilhelm II. und Nikolaus II. an den Kommandeur dieses Regiments gelangten. Die Depeschen datieren bereits vom 13. September; sie sind wohl nicht ohne Absicht bis jetzt aufgehoben worden, um während der Anwesenheit des Zaren in Frankreich zu erscheinen und ein wohl berechnetes „Gegengewicht" abzugeben. Die betreffende, vom offiziösen Draht übermittelte Meldung kommt aus Petersburg, und es ist als sicher vorauszusetzen, daß die Publikation der Kundgebungen mit dem vollen Einverständnis der russischen Regierung erfolgt. Der Kommandeur des 39. Narwaschen Dragoner-Regiments erhielt nachstehende Depesche des Kaisers Nikolaus: „Ich habe gestern den deutschen Kaiser, König von Preußen Wilhelm II. zum Chef des Ihnen anvertrauten Regiments ernannt. Ich bin überzeugt, daß die Nar- toaer in Befolgung der alten Traditionen dieses neue Zeichen meines Vertrauens rechfertigen werden. Nikolai." Kaiser Wilhelm sandte folgendes Telegramm an den Kommandeur: „Kaiser Nikolai hatte die Gnade, mich zum Chef der Narwa'schen Dragoner zu ernennen. Durch diesen Freundschaftsbeweis Seiner Majestät, mich an die Spitze des Regiments zu stellen, das lange die Ehre hatte, als Chef den Generaladmiral Großfürsten Konstantin Nikolajewitsch zu haben, bin ich sehr erfreut. Seine Majestät drückte sich in dem Gespräche, worin er die Geschichte und Verdienste des Regiments würdigte, über dasselbe als ein hervorragendes der russischen Armee und der Garde ebenbürtiges aus. Ich beglückwünsche mich und das Regi- ment zu diesem gnädigen Urteil fernes obersten Führers. Ich bin überzeugt, daß dieses neue Band, das mich mit der ruhmgekrönten russischen Armee verknüpft, zur Aufrechterhaltung und Festigung der alten Traditionen und Waffenbrüderschaft zwischen unseren beiber- Armeen dienen wird. Mein kameradschaftlicher Gruß den Herren Offizieren und Mannschaften. Wilhelm." Dieses Telegramm des deutschen Kaisers macht gerade von demjenigen Worte Gebrauch- das die Franzosen so gern auf das Bündnis mit Rußland anwenden, und das in dem Trinkspruch Loubets die Schlußpointe bildet: „Waffenbrüderschaft". In Frankreich glaubt man gewissermaßen den alleinigen Anspruch auf diese intime Bezeichnung zu besitzen. Kaiser Wilhelm konstatiert das Vorhandensein der gleichen engen Gemeinschaft zwischen der deutschen und der russischen Armee. Er spricht seine Ueberzeugung aus, daß dies neue Band, das ihn mit der ruhmgekrönten russischen Armee verknüpft, zur Aufrechterhaltung und Festigung der alten Traditionen der Waffenbrüderschaft zwischen unseren beiderseitigen Armeen dienen wird. Diese Depesche sowie die auffällig gemessene, fast kühle Art, in der Nikolaus II. Loubets Worte von der Bereitschaft des französischen Heeres beantwortete, wird nicht verfehlen, die schon gesunkenen Hoffnungen der Republik noch weiter herabzusttrnmen. Tü der Zar trotz aller Bitten sich nicht $u einem Besuch von Paris hat bewegen lassen, so dürfte die Enttäuschung über die „Festwoche" sehr bald unverhüllt hervortreten. Der Stein des Anstoßes. Man schreibt uns aus Berlin, 20. September: Heute vormittag haben im preußischen Handelsmini- 'terium die Konferenzen über den neuen Zvlltarif- entwarf begonnen. Den zahlreichen Protesten gegen den Inhalt des Entwurfs, zumal gegen die Festsetzung von Getreide-Mindestßöllen, schließt sich soeben die Erklärung der chemischen Industrie an. Als eine im Ganzen geeignete Grundlaae für die künftigen Handelsvertragsverhandlungen ist der Tarifentwurf, soweit die Industrie in Betracht kommt, bisher nur von dem schutzzöllnerischen gefunden: verloren: 1 Paar schwarze Damenhandschuhe und 1 Kindermütze, 1 gold. Brosche, 1 gold. Brille und 1 Zwicker. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, 21. September 1901. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. I. V.: Roth. Amtlicher Feil. Bekanntmachung, In der Zeit vom 14. bis 21. September l. I. wurden in hiesiger Stadt Das Zarenpaar in Frankreich. Aus Compiegne wird voM 20. Sept, gemeldet: Die Audienz des Ministerpräsidenten beim Kaiser dauerte eine Stunde. Boisdeffre fturbe sodann empfangen. Später wohnte der Kaiser der Taufe des Enkels des Botschafters Adontebello in der Kapelle des Schlosses Compiegne bei und hielt das Kinp- selbst über die Taufe. Lambsdorff und Delcasse hatten am Vormittag eine längere Besprechf- ung. Ter Kaiser hat dem Ministerpräsidenten Waldeck- Rousseau, dem Kammerpräsidenten Dechanel und dem Senatspräsidenten Fallieres den Alexander Newski-Orben und den übrigen Mitgliedern den Weißen Adler-Orden verliehen. Präsident Loubet hat dem Kaffer von Rußland kostbare Gobelins und der Kaiserin eine Gruppe aus Sevres- Porzellan zum Geschenk gemacht. Der Kaiser hat auch Leon Bourgeois, den französischen Vertreter auf der Haager Konferenz, empfangen. Am Nachmittag unternahm der Kaiser mit der Kaiserin eine Spazierfahrt im Walde von Com- piegne. — Von nationalistischer Seite wird das Ministerium angegriffen, weil es dem Präsidenten des Pariser Gemeinderates den Zutritt zum Kaiser Nikolaus verwehrt habe, während es den Kaiser durch den sozialistischen Maire von Reims begrüßen ließ, der in seiner Ansprache sorgfältig vermieden habe, das Wort „Majestät" zu gebrauchen. Obwohl halbamtlich mitgeteilt worden war, daß der Kaiser am Freitag nicht nach Paris komme, war der Platz vor dem Pariser Nordbahnhofe und die Rue La- sayette von 10 Uhr morgens an von zahlreichen Neugierigen besetzt, die sich erst nach stundenlangem Warten entfernten. Man erwartet aber noch immer unausgesetzt den Pariser Besuch des Zaren. Der Fahnenschmuck der Häuser hat sich vermehrt. Mehrere Blätter verzeichnen das Gerügt, daß der Zar seine Abreise bi5' Sonntag verschoben habe und Sonntag für einige Stunden nach Paris kommen werde. Bon offiziöser Seite wird dagegen berichtet, der Zug des Zarenpaares werde heute (Samstag) gegen 10 Uhr abends in Pagny für Moselles erwartet. Die Bahnlinie von Aigeray wird von starken Truppenabteilungen überwacht. lieber die Rückre ise des Zaren liegt jetzt eine Meldung vor, wonach der Monarch nicht die Absicht hegt, in Darmstadt einen Besuch abzustatten. Nach einem Petersburger Telegramm der Schlesischen Zeitung soll die Rückreise des Zarenpaares aus Frankreich bis Kiel über Land erfolgen. Bon Kiel werde das Zarenpaar mit den Kindern den Seeweg nach Libau nehmen, wo der Ankunft des Zarenpaares am 23. September entgegengesehen werde. Nach Besichtigung des neuen Kriegshafens werde sich das Zarenpaar nach Skierniewice begeben und dort am 25. September Parade über die Warschauer Garnison abhalten. Nach der Parade ioerbe die Abreise nach Spala erfolgen, wo große Jagden abgehalten werden sollen. Heber das Eintreffendes russischen Kaiser- vaares in Frankreich liegt folgendes Stimmungsbild aus Dünkirchen vor: Am 17. September abends begann Paris zu den Zaren- feften auszuwandern. Präsident Loubet war rechtzeitig zu einer Feier von lokaler Bedeutung nach der altflandrischen Hafenstadt aufgebrochen, zur Einweihung des neuen Stadthauses, das mit seinen reichverzierten bunten Sandstein- facaden in flandrischem Renaissancestil einer Großstadt Ehre machen würde. Herr Loubet hat mit seinem Erscheinen Die Bürger für eine große Enttäuschung entschädigen wollen; sie, bereit Stadt den Verbündeten Frankreichs im Namen der Republik zu empfangen hatte, sollten vom Zarenpaar absolut nichts zu sehen bekommen. Drei Schritte vom Schiff Frühstück in der Handelskammer, hinter bereit Gebäude Abfahrt Les Extrazuges nach Compiegne. Zu diesem Pech kam ein Unwetter, das in die schönen Vorbereitungen'zerstörend hineinfuhr. Auch in Paris hatten am 17. September Sturm und Regen gewütet, und niemand getraute sich zum Straßen- jchnmck. Trotzdem wurden die Züge am Gare du Nord ge- itjürmt, und es ging ein wenig bunt zu. Unterwegs stoppten die Züge häufig, und es schien, als ob sie mit Hartnäckigkeit Len Anschluß an die Revue versäumen wollten. An Stimm- ring fehlte es deshalb doch nicht und in einem jeden Lichtschimmers ermangelnden Bahnhofe, von dem sich der Meß" nicht trennen zu können schien, wurde die Zeit zu einer enthusiastischen Burenhuldigung aus genutzt. „Vive Krüger", ,,Vive Nieolas", baS wollte kein Ende nehmen, auch nicht die ironisch gefärbten Zwischenrufe „Hoch die Haager Konferenz". Tie vielen Detekttvs, die sich in Scharen in die Züge gemischt hatten, konnten in solch' kleiner Anarchie nichts Gefährliches finden. Bedenkliche Gesichter zeigten aber die Camelots, die sich mit russischen „petits vents du Nord" auf den Weg gemacht hatten, und denen der echte große Nordwind jegliche Aussicht auf das bescheidenste Geschäft mahm. toter, ese, Mehrer. September ab jewMtt Elfende Arbeit Geschäfte”! esl der Wäscher .nmnSOD • ndivirtjchasE elnuHa- 2 B-E $3* n li$t sich als schuldig und baten um Gnade, der Rest wurde für schuldig befunden. Das Urteil ist noch nicht verkündet. Zwei'Gefchü tze der je unter- der Eskorte bereits überschritten — eine Wiederwahl abgelehnt. Auf über 30 Jahre erstreckt sich seine segensreiche Wirksamkeit, die ja auch vor einigen Jahren durch eine Ordensverleihung anerkannt wurde, in unserer Gemeinde. Konnte et auch in den letzten Jahren manchmal nicht allen Wünschen, die in- olge verschiedener Neuerungen in unserer Gemeinde — es ei hier nur die eben noch im Gange befindliche Feldbereinig. ung erwähnt — an ihn gestellt wurden, gerecht werden, so hat er doch gethan, was er konnte. Eine lebhafte Wahlagitation ist im Gange. Es sind mehrere Kandidaten auf. gestellt worden. e. Bad.Nauheim, 20. Sept. Bei der gestrigen Ge. meinderatswahl wurden Rentner Fritz, Weißbinder- meister Stamm und Spediteur Meier wiedergewählt, Oekonom Schäfer und Schreinermeister Beruh. Fisch neugewählt. Erst in später Nachtstunde wurde das Wahlresultat bekannt. Es herrschte vor und nach der Wahl eine recht lebhafte Stimmung in Nauheim. In 14 Tagen findet die Bürgermeister- wähl statt. Bad-Nauheim, 19. Sept. Die Zahl der Badegäste betrug bis zum 19. September 19 432. An Bädern wurden bis zu diesem Tage 282120 verabreicht. Friedberg, 20. Sept. Am 18. Sept, fand in der Burg- kirche die feierliche Entlassung der fünf Kandidaten Bernhard, Eckel, Hoch, Siebeck und Wagner statt. Es hatten sich zahlreiche Festbesucher (meist Geistliche aus dem Friedberger und den Nachbar-Dekanaten) eingefunden; auch von Seiten der evang. Gemeinde war die Beteiligung stark. Die Hauptrede hielt Prof. Schoeler über 1. Kor. 4,1 2. Hieran schloß sich nach dem Gesang der Seminaristen die Entlasi- ungsrede des Direkors 1). Weiffenbach über Röm. 12, 12 und die Uebergabe der Entlassungsurkunde. In seiner Rede begrüßte D. Weiffenbach auch die fünf Geistlichen, die zur Feier ihres Abgangs vor 10 Jahren erschienen waren, (Diefenbach, Freundlieb, Ritter, Schmidt, Weißgerber), mit herzlichen Worten. Es folgte dann ein Kandidaten-Chor. Namens der scheidenden Kandidaten sprach Kand. Sieb eck auf Grund von Röm. 12, 1—8 erweckliche Abschiedsworte. Als Vertreter der obersten Kirchenbehörde richtete zuletzt Ober- konfistorialrat D. Walz auf Grund von A.-Gesch. 13, 62 erbauliche Worte an die abgehenden Kandidaten. An die kirchliche Feier schloß sich ein Festmahl im Hotel Trapp und eine gesellige Zusammenkunft im Restaurant Weith. Darmstadt, 19. Sspt. Der dem Zentrum angehörige Landtagsabgeordnete v. Brentano teilte der „Franks. Ztg." mit, daß er zwar mit den Beschlüssen des hessischen Bcmern- ages nicht ganz einverstanden gewesen fei, aber als Gast nicht dagegen gesprochen habe. 8. Darmstadt, 20. Sept. An der heutigen Wagenährt des Forstvereins für das Großherzogtum Hessen durch die Darmstädter Forsten nahmen etwa 100 Herren teil. Auch das Großh. Ministerium war vertreten. Nachmittags 5 Uhr fand auf dem Heiligkreuzberg ein gemeinschaftliches Essen statt, an dem u. a. Staatsminister Rothe, Finanz- Minister Gnauth, die Ministerialräte Braun, Breidert und Willbrand teilnahmen. Die Feier nahm einen schönen Verlauf. Die Verhandlungen beginnen morgen. Mainz, 20. Sept. Der Großherzog und die Großherzogin sind mit der Prinzesfin Beattice von Sachssn- Koburg und Gotha, dem Großfürsten Kyrill von Rußland und dem Prinzen Arthur von Connaugt nebst Gefolge um 7 Uhr mit Sonderzug nach Alsheim gefahren und begaben ich von dort ins Manövergelände, zunächst auf die Höhen üblich von Dorn-Dürkheim. t'o Frankfurt a. M., 20. Sept. Die amtliche Unter- üchung über die Ursache der Explosion in der Droguerie von Glocke u. Tscharnke hat ergeben, daß die Explosion durch Leuchtgas erfolgt ist, das infolge eines Defekts der Kellerleitung aussttömte. Das Gas konnte nicht abziehen, da der Keller keinerlei Oeffnung, weder nach der Straße noch nach dem Hofe hatte. Benzin und Spiritus sanden sich noch in den Gefäßen vor. Diese zeigten das Maß an, das sie vor der letzten Entnahme hatten. Ein Teil der Schuld fällt immerhin auf den Lehrling Einschütz, der entgegen seiner Instruktion das Stteichholz angesteckt hat. — Der hiesige Polizeipräsident hatte das Auftreten der Burentruppe de Casper im Hippodrom-Variöte verboten, weil er antienglische Demon- ftraHonen befürchtete. Der Regierungspräsident in Wiesbaden hat jetzt das Verbot wieder aufgehoben. Aus Stadt und Land. Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist ««runtergenauer Quellenangabe:,,Gieß, Anz." gestattet.) Gießen, den 21. September 1901. • • Ernennung. Ernannt wurde der Stellenanwärter Hoboist August Zis sei zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. Oktober an zum Ministerialkanzlisten bei dem Ministerium der Finanzen. * * Pensionierung. In den Ruhestand wurde versetzt der Lokomotivführer in der Hess.-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Georg Frutig zu Gießen auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treuen Dienste mit Wirkung vom 1. November ab. " Zur Lage des Arbeiterstandes und der Industrie. Das Ministerium läßt soeben durch die Handelskammern des Landes Erhebungen über die von feiten der Kammern gemachten Wahrnehmungen über die Lage des Arbeiterstandes und der Industrie veranstalten. Insbesondere ist es der Wunsch der Regierung, die allgemeine Lage des Arbeitsmarktes, der Produktions- und Arbeitsverhältnisse und die Lebenshaltung der arbeitenden Bevölkerung kennen zu lernen. * * Millionäre im Großherzogtum Hoffen. Die Zahl der im Großherzogtum Hessen festgestellten Millionäre beträgt gegenwärtig 205. Davon entfallen 60 auf die Stadt Darmstadt, die hiermit alle übrigen Städte des Landes, auch Mainz, bei weitem übertrifft. • * Verhaftung. Bei einer in der vergangenen Nacht durch die Schutzmannschaft am Bahnhofe und in den Anlagen vorgenommenen Razzia nach Obdachlosen wurden mehrere fremde Frauenzimmer wegen liederlichen Umhertreibens am Bahnhof, sowie einige Betrunkene in den Anlagen verhaftet. ft Londorf, 20. Sept. Seit einigen Tagen halten sich in dem Walde zwischen hier und Wermertshausen, im sog. „Sicknes", drei Sttolche auf, die die vorübergehenden Leute anrempeln und bedrohen. Es sollen beschäftigungslose Italiener sein, die an der Bahnstrecke Londorf—Lollar gearbeitet haben. Es wäre zu wünschen, daß diesen Taugenichtsen seitens der Polizei das Handwerk gelegt würde. - h- Sichenhausen, 20. Sept. Heute ereignete sich hier bei den Schachtarbeiten des Frankfurter Tiefbauamts ein Unglücksfall. Infolge des mehrtägigen Regenwetters war ein 9 Meter tiefer Schacht zum Teil zusammengerutscht. ,2)er Vorarbeiter beauftragte vier Arbeiter, das Schachtholz herauszuschaffen. Dabei stürzten plötzlich weitere Erd- und Steinmassen herab und begruben den verheirateten Arbeiter Heinrich Weber von hier vollständig; die übrigen drei konnten sich retten. Sofort stellten sämtliche Arbeiter Rettungsversuche an. Der Verschüttete konnte nach langer mühevoller Arbeit, wobei ihm ein Arbeiter unglücklicherweise mit der Hacke zweimal auf den Kopf schlug, befreit werden. Bewußtlos wurde Weber in feine Wohnung gebracht. Der sofort durch einen Eilboten gerufene Kreisassistenz-Arzt Dr. Langermann-Gedern leistete die erste Hilfe. Heber die Verletzungen läßt sich noch nichts Bestimmtes sagen. Anscheinend hat der Mann innere Verletzungen davongetragen, auch klagt er über heftige Schmerzen im Rücken. X. Rudingshain (Kreis Schotten), 20. Sept. Der in diesem Frühjahre zum Bürgermeister gewählte Karl Ludwig Deubel hat nunmehr die kreisamtliche Bestätigung erhalten. ü. Beuern, 20. Sept. Bei der Gemeinderatswah- wurden die drei ausscheidende Mitglieder Lindenstruth, Krämer und Lepper wiedergewählt. Für das verstorbene Mitglied Arnold wurde ein Baptist, Philipp Damm II., gewählt. Wie verlautet, ist gegen diese Wahl Protest eingelegt worden, weil nicht genügend Hüchstbesteuerte im Gemeinderat ver- treten waren und weil etliche Wähler noch im Rückstand mi der Gemeindesteuer waren. y. Garbenteich, 20. Sept. Nächsten Freitag findet hier die Bürgermeisterwahl statt. Der bisherige Bürgermeister Schwarz hat aus Altersrücksichten — er hat das 60. Jahr Deutsches Deich. Berlin, 20. Sept. Der Kaiser ist heute mittag von Danzig nach Marienburg ab gereist und dvrt um 2 Uhr eingetroffen. Gr fuhr dort, ohne den Zug an der zum Empfange auf gestellten Rampe anhalten au lassen, direkt nach dem Bahnhofe durch. Bon hier begab der Kaiser sich zu Wagen nach den neuen Festungswerken und besuchte darauf die Marienburg, wo er etwa anderthalb Stunden sich aufhielt. Kurz vor 6 Uhr reifte der Kaiser mit Sonderzug über Elbing nach, Cadinen. — Der Kaiser ließ! dem Oberpräsidenten Goßler folgende allerhöchste Kundgebung zugehen: Ich kann es mir am heutigen Schlüsse der diesjährigen Manöver nicht Äu, erneut zum Ausdruck zu bringen, wie wohlthuend e vielen Bewerfe treuer Liebe und Anhänglichkeit berührten, die mir und der Kaiserin in diesen Tagen aus allen Kreisen der Bevölkerung entgegengebracht worden sind. Wie in Danzig, so wetteiferten aller Orten die Bewohner, ihre Königstreue und patriotische Gesinnung durch jubelnde Begrüßungen und festlichen Schmuck der Häuser und Strasten kundzugeben. Bewegten Herzens spreche ich hierfür unseren herzlichsten Dank aus und beauftrage Sie, dies zur Kenntnis der Provinz zu bringen. Einem Teil der Provinz mußte durch die Manöver trotz der in diesem Jahre herrschenden landwirtschaftlichen Schwierigkeiten besonders hohe Einquartierungslast auferlegt werden. Mit besonderem Danke erkenne ich daher die vortreffliche, bereitwillige Aufnahme an, welche die Truppen in allen Kreisen und Ortschaften sanden. Danzig an Bord der Hohen- zollern W. R. Der General der Infanterie v. O b e r n i tz, General- Adjutant und Chef des Grenadier-Regiments „König Friedrich der Große"", ist in Honnef gestorben. Der König von Württemberg hat der Witwe des Generals seine Teilnahme ausgesprochen und bestimmt, daß zu Ehren des Andenkens des ruhmreichen Führers der württembergischen Felddivision im Jahre 1870 eine Abordnung des württembergischen Armeekorps an der Beisetzung teilnimmt. — An der Spitze der militärischen Personal- Veränderungen, die int Anschluß an die eben beendeten Manöver bekannt gegeben werden, steht die Ernennung des Generalleutnants Prinzen zu Salm- Horstmar zum General der Cavallerie unter Belassung in dem Verhältnis als General a la suite des Kaisers und als Präses der General-Ordenskommission. Prinz Eduard zu Salm-Horstmar trat 1859 int März als Leutnant beim Husaren-Regiment Nr. 11 in den Dienst. — Die Liste der Ordensverleihungen, die aus Anlast der diesjährigen Herbstübungen stattsanden, wird im„Reichs- Anz."" veröffentlicht. Sie füllt zwei Druckseiten. U. a. haben die kommandierenden Generale des 1. und 17. Armeekorps, Graf Finck v. Finckenstein und v. Lentze, den Schwarzen Adlerorden erhalten. Beide Kommandeure sind gelegentlich des Gumbinner Prozesses viel genannt worden. — Zu den Miquel-Erinnerungen und Miquel- Enthüllungen trägt die Londoner „Finanzchronik"" folgen- >es Stück bei: „Ein Journalist erhielt gelegentlich unter seiner genauen Adresse von einem unbekannten Absender ein Aktenstück, den Entwurf des bis dahin noch verschwiegen gehaltenen Börsengesetzes. Der Empfänger hielt sich in seiner Gewessenhaftigkeit verpflichtet, mit dem Aktenstück zu dem Finanzminister zu gehen und ihn zu fragen, ob die öffentliche Wiedergabe gestattet sei. Dr. v. Miquel erörterte förmlich; er suchte sichtlich nach dem geeigneten Ausdruck und sagte nach, einigem Kampf mit sich: „Ich habe Ihnen ja das Akteustüct selbst geschickt."" — Für die besten Schießergebnisfeim Jahre 1901 erhielten das Kaiserabzeichen 18 Kompagnien der Infanterie, 3 fahrende, 1 reitende und 2 Feldhaubitz-Batterien der Feldartillerie und 1 Kompagnie der Fußartillerie. Bremerhaven, 20. Sept. Der Lloyddampf er „Stuttgart" brachte das halbe erste Bataillon des ersten ost- asiatischen Regiments und die siebente Gebirgsbatterie, zusammen 10 Offiziere und 344 Mann. München, 20. Sept. Franz Wieland, der Führer des bayerischen Bauernbundes, ist einem unheil- iaren Leiden erlegen. Er gehörte von 1897 bis 1899 dem bayrischen Landtage an und war einer der intereffan- :eften Persönlichkeiten der Abgeordnetenkammer. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. — Heilbronner Gewerbebant. Gegen die Dlrektoren Fuchs und Reefer von der Heilbronner Gewerbebank ist^Anklage wegen Untreue, Unterschlagung und Verscklererunss. dA erhoben worden, gegen den Prokuristen «rüg soll bte auf Beihilfe zur Bilanzverschleierung lauten. ,Den StönlutS chAuhalle , wird ganz unmöglich sein, und auch bte Aussichts-Msmt.g werden sich gefallen lassen müssen, baß Regreßansprüch^. gegen I erhoben werden. Gegen Englands Helfershelfer! Der Burengeneral Louis Botha hat mit seinem siegreichen Einbruch in die Natal-Kolonie den dritten Sommer- feldzug gegen die Engländer — in Südafrika beginnt jetzt der Sommer — glänzend eingeleitet. Die Kraft der Frei- hettskämpfer ist noch ungebrochen. Das werden voraussichtlich nicht nur die Brtten erfahren; erachten doch die Buren dem Anschein nach die Zeit für gekommen, auch mit dem Helfershelfer der Briten in diesem Raubkriege, mit Portugal, Abrechnung zu halten. Schlotternde Furcht hat sich des Generalgouverneurs in Loureneo Marquez und der Regierung in Lissabon ob der Nachricht bemächtigt, daß die Buren immer zahlreicher an der Grenze auftauchen und die „Proteste"" der portugiesischen Wachposten unbeachtet lassen. Man erwartet tagte ch einen Angriff auf Lourenzo Marquez, und der Kriegsminister in Lissabon hat auf eine dringliche Depesche des dortigen Generalgouverneurs hin die sofortige Mobilmachung und Absendung von Infanterie und Ar- titeerie nach Afrika angeordnet. Helfen wird's schwerlich denn die kampfgewohnten Buren werden im Ernstfälle mit ' den Kriegern Portugals wenig Federlesens machen, sodaß diese im Handumdrehen sich an der Küste wiederfinden dürsten. Die Buren würden in Lourenzo Marquez nm so leichteres Spiel haben, als die Bevölkerung dieser Kolonie der „Engländerei"" längst überdrüssig ist. Nur die Beamten halten noch zu England, aus dem einfachen Grunde, weil sie von dessen Generalkonsul regelmäßige „Gehaltszulagen"" beziehen, d. h. Bestechungsgelder dafür, daß sie in skrupellosester Weise denunzieren, mag es sich nun um angebliche Einschmuggelung von Kriegskontre- bande, um „verdächtige"" Personen oder Briefschaften handeln. Selbst Lissaboner Zeitungen klagen, daß sich unter diesem Spionagesystem unerträgliche Zustände herangebildet haben. In Lourenzo Marquez regiert in Wirklichkeit nicht der portugiesische Generalgouverneur, sondern der englische Generalkonsul. Dieser „fühlt"" sich derart, daß er sogar Befehle über die Verwendung der portugiesischen Kolonialtruppen erteilt. Nun, vielleicht hilft England für den Fall, daß die Portugiesen und Buren anein- anbergeraten, den ersteren auch mit einem Heerführer aus, der da weiß, wie man mit den Buren „umgehen"" muß. An britischen Offizieren, die in dieser Beziehung —- ob- schpn trübe — Erfahrungen gesammelt haben, ist ja kein Mangel. Auf anderweite Unterstützung durch England würde Portugal aber schwerlich rechnen können. Lord Mchener, dessen Feldherrnruf so in die Brüche geht, braucht jeden Halbwegs dienstfähigen Soldaten. Und mit englischem Gold lassen sich wohl noch portugiesische Beamte bestechen, aber keine Truppen mehr heranschaffen. Einzig das Eingreifen britischer Kriegsschiffe oder Landungsdetachements käme in Betracht, wenn die Buren den Krieg bis an die Delagoibai tragen sollten. Die englischen Marinesoldaten hätten dann aber hinlänglich mit dem Schutz und der Verteidigung der englischen Untertanen und Interessen zu thun, als daß sie sich noch um diejenigen Portugals kümmern könnten. Das wäre dann der verdiente Lohn, daß Portugal sich zu Schergendiensten für England hergab, in der „neutralen"' Delagoabai britisches Kriegsmaterial landen, britische Truppen durchs das „neutrale"" Gebiet von Lourenzo Marquez marschieren ließ, um den Buren in den Rücken zu sclllen usw. Die Weltgeschichte ist das Weltgericht. Für die weitere Gestaltung der Kriegslage wäre es natürlich höchst bedeutungsvoll, wenn die Buren ficty durch einen kühnen Handstreich gegen Lourenzo Marquez den Zugang zum Meere verschafften. Und General Botha ist der Manu, diese Aufgabe zu lösen. Vorläufig haben die Buren einen, wenn auch kleinen, so doch schönen neuen Erfvlg zu verzeichnen. Mchener meldet aus Pretoria vom 19. d. M.: ,„2““* J-- *• — königlichen rettenden Artillerie, welche unter einer Kompagnie berittener Infanterie von den hydraulischen Werken abgegangen waren, wurden bei Vlaksvntein, 15 Meilen südlich der hydraulischen Werke von einer überlegenen feindlichen Macht umzingelt und fielen in die Hände oes Feindes. Ein Leutnant wurde getötet Englische Kolonnen sind zur Verfolgung des Feindes äbge- fanot"', den sie natürlich nicht kriegen werden. — Ferner liegt folgende Nachricht aus Graafreinet vor: Siebzehn mit dem Kommando Lotters gefangen genommene Aufständische standen heute unter der Anklage des Hoch>- verrats und Mordes vor Gericht. Vierzehn bekannten „Bund der Industriellen" bezeichnet worden. Die demnächst stattfindende Vollversammlunwg des „Zentralverbandes deutscher Industrieller" wird kaum zu einem so günstigen Ergebnis gelangen. Der „Stein des Anstoßes" ist und bleibt der Minimalzoll für Getreide. In Handel und Industrie ist die Auffassung die bei weitem vorher rsKnde/ daß diese Besftmmung eine Gefahr bet den Vertragsverhandlungen bilde und entfernt werden müsse. Innerhalb der Regierung macht sich eine allmähliche An- näherung an diese Auffassung bemerkbar. Kmdwirtschast. + Bom nordwestliche« Vogelsberg, 19. Sept Endlich hat sich das von den Landwirten Hertz ersehnte sonnige Herbstwetter eingestellt. Allenthalben ist man denn mtt dem Grummetmachen beschäftigt. Leider hat der anhaltende Regen erheblichen Schaden angerichtet. Das auf den Wiesen ausgebreitete Futter ift vollstanüg schwarz und saft wertlos geworden. — Von den Obstsorten haben besonders die Zwetschen gelitten. Der größte Teil derselben ist herabgefallen und verfault, und die noch Hangenden Fruchte sind meistens aufgeplaht und ohne Zuckergehalt. Das ©immer (ettva ein Korb voll) wird zu 50 Pfennig abgegeben; es herrschtleboch wenig Nachfrage. — Vielfach hört man in diesem Herbst über Obstfrevel klagen: besonders auf Aepfel, die Heuer bekanntlich verhältnismäßig teuer sino, haben es die „Obstmarder" abgesehen. So wurden dieser Tage in Grünberg mehrere Diebe überrascht, die in der Morgenfrühe einen an der Straße stehenden Apfelbaum feiner Last entledigen wollten. Leider gelang es ihnen, unerkannt das Weite zu suchen; die in der Eile zurückgelassenen Säcke und ein Korb führen vielleicht zur Ermittelung der Thäter. Ein anderer Besitzer dort machte, als er auf sein etwas abgelegenes Baumstucr kam, um Aepfel abzumachen, die ebenso überraschende, als unltev» same Wahrnehmung, daß ihm ein Unberufener diese Arbeit ao- genommen hatte. Durch diese Vorkommnisse sind die Leute ängstlich geworden und nehmen jetzt schon die Aepfelernte vor, ohne zu bedenken, daß gerade jetzt das Obst noch wächst, und bte zu stuy gepflückten Aepfel bei weitem nicht fo haltbar find, wie bte gehona ausgereiften Früchte. Den Gemeinben wäre anzuraten, tm Heros! das Aufsichtspersonal durch Einstellung von Hilfsschutzen zu vermehren. Auch der an manchen Orten hiesiger legend geübte Brauch, das Gemeindeobst nicht vor dem 1. Oktober zur Versteige ung zu bringen, verdient allerwärts Nachahmung. Liter 34 3 Wetter September w D^ebi 87t% Reicheanleihe 8% do. i :slau. 6328 3. Stock, s^chön möbt Zimmer per I. Okt. zu Perm. Goethestr. 23, Mans. tMöbliertes ob. unmöbl. Zimmer zu Perm. Weserstr. 25, III. Jul. Bach 6038 L. Htthn. 6205 .Icrmictiuuien U^tYi u.i' Stellen MWstii-lWW^ 70 97 98 743,6 743,1 741,8 + 20,6 + 14,8 + 11,6 Sonnenschein Lcht.bew.Him. Sonnenschein 2 1 2” 9* 716 Ute iren :enz 12,5 12,1 9,9 Kreditaktien . . . 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Wie es heißt, wird König Eduard vorläufig nicht nach London zurückkchren, sondern noch einige Zeit in Windsor und Balmoral Aufenthalt nehmen. London, 21. Sept. Da8 Kolonialamt ist aus Mauritius informiert worden, daß in der Woche bis zum 10. Sep. tember 24 P estfälle vorgekommeu find, von deuen 17 tätlich verliefen. Paris, 21. Sept. Dem „Siöcle" wird gemeldet: Zn amtlichen Kreisen eingclaufene Telegramme aus Konstantinopel berichten, daß, wenn die Türkei bis Ende dieses Monats nicht sämtliche Angelegenheiten mit Frankreich geregelt habe, Frank- reich energische Maßregeln ergreifen werde. — Andere Tele- gramme berichten, Graf Lambsdorff habe Delcaffs versichert, Frankreich solle bei einem energischen Vorgehen gegen die Türkei auf die Unterstützung Rußlands rechneu. Marseille, 21. Sept. Die Leiche des Prinzen Heinrich von Orleans wird am nächsten Dienstag an's Land gebracht werden. Die feierliche Beisetzung in der Kapelle der Prinzen von Orleans in Dreux findet am 26. September statt. ~ , klauscnburg, 21. Sept. Der hiesige Gerichtshof verurteilte die beiden Polizisten Palfund Colcczin, die einen Soldaten getötet hatten, weshalb cs zu Straßentumulten kam, zu 10 bczw. 7 Jahren Zuchthaus. Konstantinopel, 21. Sept. Der Sultan empfing gestern den russischen und den englischen Botschafter in längerer Audienz. Beide ersuchten im Namen ihrer Regierungen um schleunige Abstellung der skandalösen Zustände in Armenien. Sidney, 21. Sept. Das Parlament von Ncw-Sud- Wales nahm ein Gesetz an, das den Frauen das aktive und passive Wahlrecht zum Parlament verleiht. Curayao, 21. Sept. Der venezolanische Konsul in Panama wurde von der Volksmenge angegriffen unter dem Ruf: „Nieder mit dem Präsidenten Castro". Der Konsul mußte in das Haus des Gouverneurs flüchten. — An der Grenze von Ecuador ist alles ruhig. Ein französisches Kriegsschiff ist in Colon cingetroffeu. 6301] Möbliertes Zimmer zu permieten. Diezstraße 7, II. 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Heute früh 4 Uhr wurde der Hilfsbremser Delarue von Bensheim, stationiert in Worms, tvährend des Rangierens auf der Station Griesheim überfahren und getötet. ______ Hirschberg, 21. Sept. Ein Wagen mit 12 Schulkindern wurde durch Zusammenstoß mit der elektrischen Straßenbahn zertrümmert. Die Kinder sowie der Kutscher wurden schwer verletzt. Wfürzburg, 21. Sept. Beim Einsturz eines Neubaues in Kirchheim wurde ein Arbeiter getötet; vier wurden schwer verletzt. Mannheim, 21. Sept. In Berghausen verbrannte eine 70jährige Witwe. Ihre Kleider fingen beim Lichtanzünden Feuer. P a r i s, 21. Sept. Gegenüber den Gerüchten, betreffend eine angebliche Verlängerung des Zarenpaares wird offiziös erklärt, daß die bisherigen Bestimmungen nicht geändert worden seien, und daß das Zarenpaar sich nach der heutigen Truppenschau vom Präsidenten verabschieden dürfte. — Die Ovpositionspresse erhebt gegen das Ministerium wiederum den Vorwurf, den angeblichen Pariser Besuch des Zarenpaares verhindert zu haben, um die Pariser für ihre nationalistische Gesinnung zu strafen. 4 Compiegne, 20. Sept. Am Nachmittag besuchten Loubet und Wcttdeck-Rousseau zu Fuß unvermutet die Mairie. Auf dem Hin- und Rückwege war der Präsident Gegenstand begeisterter Hmldigungen der großen Volksmenge. Abends 7 Uhr fand in dem prächtig geschmückten Festfaale Diner statt, an dem auch die Präsidenten des Senates und der Kammer, Graf Lambsdorff, das Gefolge des Kaisers, die Behörden des Departements und andere hervorragende Persönlichkeiten teilnahmen. Trinksprüche wurden nicht aus- Memel, 21. Sept. Die Schiffswerft und Maschinenbau-Anstalt KrolluEulert ist gezwungen, ihre Zahlungen einzustellen. Besonderen Anlaß da^u gab der Zusammenbruch der Rhederei Ver. Schiffer in Breslau. Pietermaritzburg, 20. Sept. (Reuter.) Am 16. trieb eine Burenaüteilung am oberen Tugela aus zwei Häusern Pferde und Vieh fort und beschädigte ein Hotel. Zur Verfolgung der Buren wujvde eine englische Truppenabteilung entsandt. Zwei von denselben wurden verwundet, einer wird vermißt. Am Nachmittag hörte man Geschütz- seuer aus der Richtung von Oliverhoek. Man glaubt, daß die Garnison in Actonhomes in ein Gefecht verwickelt ist Chicago, 21. Sept. Während des am Donnerstag zum Gedächtnis Mac Kinleys veranstalteten Umzuges wurden gegen 100 Personen im Gedränge verletzt, drei schwer. Tendenz: ruhig. Neueste WMungeil. Originaldrahtmcldungcn des Gießener Anzeigers. Loudon, 21. Sept. Aus Pretoria wird berichtet: Wie verlautet, wird Botha in seinen Operationen in Natal durch De Wet unterstützt. London, 21. Sept. ,^Daily Expreß" veröffentlicht einen sensationellen, aber tocnip glaubhaft klingenden Artikel, uach dem Rußland beabsichtigen soll, die norwegische Provinz Finnmarken zu erwerben. 6294] Schön möbl. freundliches Simmer mit fep. Eingang, part, zu perm._____Wcserstraßc 6._ 2-schön möblierte Zimmer zu permieten. Steinslraße 33. FHahnbofstraße 60, I., großes, möol. Zimmer unb 1 einfach möblZimmerinberMans^uperm. 2710] Neuenweg SV, gegenüber von Schülers Garten, ist der 8. Stock mit allem Zubehör per sofort zu vermieten._______________ 4»4i] Schöne Muusardenwoh- nung, 5 flimmer, per 1. Okt. an ruh. Leute zu Perm. Plockstraße 6. 6027] Im Neubau Liedig» strotze 68 drei größere Wohnungen und zwei Mansarden, mit allem Zubehör, zu vermieten. Näheres tm Hause selbst. Oswaldsgarten. I Eine vier» -iS Künf-Zimmer- Wohnung im ersten Stock zu vermieten. Heinrich Kunsch. 5181] Der seither von Herrn Lehrer- Mulch bewohnte 2. 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