s»s»o, EvsteS Blatt. Jahrgang Donnerstag 22. August 1901 ■tebeftioii, Expedition und Mruckerei: Schulftraße 7. Rothe. Pfeiffer. Feuilleton. Adresse für Depeschen) Anzeiger Gießen. FernsprechanschlußNr.bl. •1*1 . in» • 123* ■13(| .ltt| ■ 163». ■ m« ■ IM». .115* b«r nachmittag» für den »enden Tag erscheinenden aunrr bi» Bonn. 10 Uhr. Gestellungen spätesten« abend» vorher. Darmstadt, den 18. Juli 1901. 8 ctr.: Sterblichkeits-Statistik; hier die Aufbewahrung der TodeSzeuguiffe bei den Großh KreiSgesundheits Ämtern. >onunaaoit Br Bank Baak . landelaget, ^febahc ihn allf «ip*1“’? Das Großh. Ministerium des Innern an die Großh. Kreisämter. Die in unserem Ausschreiben tu obigem Betreff vom 23. Sebtember 1878 zu Nr. M. d. I. 12633 getroffene Bestimmung, nach der die TodeSzeugniffe fünf Jahre hindurch in der Registratur der KreiSgesundheitSämter verbleiben sollen, hiben wir im Einverständnis mit Großh. Ministerium der Justiz dahin abgeändert, daß die TodeSzeugniffe für die Folge zwanzig Jahre hindurch bei den genannten Dienststellen aufzubewahren find. Nach dieser Zeit haben wir den KreiSgesundheitSämtern gestattet, die Vernichtung der Todes- Mgniffe zu veranlassen. Wir beauftragen Sie, von der vorstehenden Abänderung sämtliche Bürgermeistereien bezw. Polizeibehörden in Kenntnis zu setzen. Amtliche Feil. Bekanntmachung. Betr.: Gesuch des Landwirts Heinrich Damm zu Alten-Buseck um Erlaubnis zur Anlage eines Schlachthauses. Der Landwirt Heinrich Damm zu Alten-Buseck be- abfichtigt, auf dem Grundstück Flur I Nr. 550 und 553 der Gemarkung Alten-Buseck ein Schlachthaus zu errichten. Pläne und Beschreibung hierüber liegen 14 Tage lang, vom Er scheinen dieses im „Gießener Anzeiger- an gerechnet, auf dem Büreau der Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck zur «tnficht der Jnterefienten offen. Etwaige Einwendungen find binnen dieser Frist bei Meidung des Ausschluffes bei Großh. Bürgermeisterei Alten-Buseck vorzubringen. Gießen, den 17. August 1901. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. «chwngen tu. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. »ie Gießener Familien. HStter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Dsmdwirt" und „Blätter Mr Hess. Bolkskunde" vier- Mal wöchentlich beigelegt. Bezugspreis vierteljährig Ml. 2.20, monatl. 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch bie Adholestcllen vterteljährl. Ml. 1.90, monatl. 65 Pfg. -ei Postbezug vierteljährl. Mk. 2.00 ohne Bestellgeld. «alle Anzeiaen-DerwintungD« .-cd n dcö In- und Auslandes •'efjmcn Anzciqcn für den Siebener Anzeiger tntgeaen. JcllenprctS. total 12 Psg^ auSwärt» 20 Pfg. »r.® rofborf ein “ „Lu. MB- dem Kupferstich nahe verwandt. Man benützt festes Hirnholz, in das mit dem Grabstichel Linien wie Furchen eingegraben werden, beim Holzschnitt sind es die Lichter, beim Kupferstich die Linien ,die im Abdruck schwarz erscheinen sollen. Auch in der Wirkung suchen die besten Holzschnitte des vergangenen Jahrhunderts den metallischen Glanz und die straffe Gefchlossenheit von Kupferstichen zu erreichen. Die Japaner benutzen dagegen zur Herstellung des Klichees Langholz, das sie mit flachen Messern bearbeiten. Das Papier mit der Zeichnung wird auf den Klotz geklebt und dann das Holz zu beiden Seiten der Linien flach weggeschnitten, sodaß die Zeichnung als breiter weicher Grat stehen bleibt. Das Relief wird dann eingeschwärzt und das Papier darüber mit der Hand abgezogen. Tas ist das gleiche Verfahren, nach dem z. B. auch Dürers Schnitte hergestellt sind. Die Blätter gewinnen dadurch eine offene, freie und weiche Wirkung. Tie künstlerische Entwicklung des japanischen Holzschnitts, dessen Anfänge im Zusammenhang mit dem Buchr- druck in den Beginn des 17. Jahrhunderts zurückreichen, datiert erst seit dem Aufkommen des Farbendruckes, der der eigentliche Ruhm der japanischen Graphik geworden ist. Tie Herstellung farbiger Holzschnitte beschränkte sich im Abendlande wesentlich auf die Verwendung von Tonplatten, d. h. farbigen Druckplatten, die auf das fertige Blatt aufgedruckt werden und es gleichmäßig mit derselben Farbe decken. In der Herstellung mehrfarbiger Holzschnitte ist Japan unser Lehrer geworden. Zu dem Truck mit mehreren Farben bedienen sich die Japaner so vieler Klichees, wie Farben zur Verwendung gelangen, und auf jedem Klotz wird nur der Teil der Zeichnung in Relief gesetzt, der in der betreffenden Farbe drucken soll. Tas genaue Abpassen der Klötze beim Schneiden sowohl wie beim Druck ohne mechanische oder photograpische Hilfe erfordern die größte Sorgfalt. Die historische Entwicklung des japanischen .Holzschnitts, wie sie sich in der Ausstellung darstellt, wird erläutert durch einen Katalog, der allen Besuchern ein willkommener und unentbehrlicher Führer sein wird. und Amerika geübt wird, völlig verschieden. Der wichtigste Unterschied ergiebt sich aus den abweichenden Hilfsmitteln der Zeichnung. Die Japaner haben sich niemals der festen Stifte oder Griffel bedient, die für uns zum Begriff des Zeichnens gehören. Silberstift, Graphit, Kohle, Kreide und Feder sind ihnen unbekannt. Für Schreiben, Zeichnen und Malen bedienen sie sich ausschließlich! des Pinsels, der dicker oder feiner, kürzer oder länger zugeschnitten, aber stets an langem Stiel freihändig ohne Auflegen des Armes geführt wird. Daraus ergiebt sich der freie Schwung und die weiche Fülle der Linien und der Sinn für groß angelegte Flächen. Daraus folgt aber auch ein ganz anderes System in der Durchführung der Zeichnung. Während die Verwendung des Bleistiftes oder eines spitzen Griffels zur Ausbildung von Liniensystemen und Strichlagen führte, die auf der Fläche den Eindruck körperlicher Rundung Hervorrufen, den Wechsel des Lichts bis in alle Falten verfolgen und den stofflichen Eharakter des Targestellten wiedergeben, konnte bei der Verwendung von Pinsel und Tusche die Ausbildung solckjer seiner Liniensysteme überhaupt nicht in den Bereich' der Ueberlegung treten. Tie Kunst des Zeichnens zeigt sich bei dem Japaner vor allem in der fein empfundenen, großzügigen Linie. In den Kontur legt er feine ganze Seele und in der Feinfühligkeit dieser bewegten Linien hat man den Reiz japanischer Zeichnungen zu suchen, bei grotesken Schjauspielerfratzen sowohl wie etwa bei dem feinen Fluß des Mantels einer über ihren Rücken herabschauenden Dame. Darum ist auch der Vorwurf so unzutreffend, der japanischen Zeichnung fehle es an Perspektive. Rach den Bedingungen seines Schaffens, seines künstlerischen Sehens und Wollens lebt der japanische Zeichner in einer ganz anderen Welt, in der Körperlichkeit und Perspektive eben eine andere Rolle pielen als für den europäischen Künstler. Technisch ist das Verfahren des japanischen Holzschnitts dem der alten Augsburger und Nürnberger Meister ziemlich gleich, dagegen dem Verfahren, wie es jetzt seit über 100 Jahren in Europa und Amerika geübt wird, ganz entgegengesetzt. Die Technik des Holzschnitts ist heute bet üns Ausstellung japanischer Aaröenstotzschnitte und Wetallaröeiten. (Verunstaltet in dem SitzungSsual der Großh. Crntralftelle für die Gewerbe io Darmstsdt, Nrckarstr. 3.) Ter Verwaltung des ioroßh. Museums in Darmstadt, die z. Z. über genügende Ausstellungsräume nicht verjagt, ist es durch das dankenswerte Entgegenkommen der "!roßh. Zentralstelle ermöglicht worden, eine umfangreiche Ausstellung japanischer Holzschnitte und Metallarbeiten zu veranstalten. Die Ausstellung wurde am 8. d. M. in dem Sitzungssaal der Großh. Zentralstelle, Neckarstr. 3, eröffnet md ist wochentäglich von 10—12 und 3—5 Uhr, Sonntags ton 11—1 Uhr unentgeltlich geöffnet. Die etwa 300 Holzschnitte, die den wichtigsten Teil ter Ausstellung bilden, veranschaulichen die ganze Entwicklung dieser Technik, die sich in dem Zeitraum von uwa 1700 bis heute abgespielt hat. Ganz abgesehen von dem künstlerischen Wert dieser Blätter, die auf die Entwickelung mancher Zweige europäischer Kunst in den letzten fahren einen so entschiedenen Einfluß geübt haben, bietet diese Sammlung einen hohen und eigentümlichen Reiz. Tie Blätter schildern uns wie ein Tagebuch Ws innerste Leben des japanischen Volkes. Sie zeigen uns 'eine Verehrung für die sanfte und etwas gezierte Anmut ifiner Frauen und für die warme Schönheit seiner Heimat, Ws- heitere Leben der Straße und den pathetischen Kultus Der Heldenzeit im Theater. Außer den Griechen, die uns in ihren bemalten Vasen ein treues Spiegelbild ihres täg- iih«n Lebens hinterlassen haben, giebt es kein vergangenes oder der abendländischen Kultur fernstehendes Volk, dessen inpfinden und Wesen wir so wie in einem Bilderbuch One uns sehen, wie in diesen Blättern aus dem äußersten Citen. Künstlerisch und technisch ist der Holzschnitt der Japaner wn dem Verfahren, das seit über 1Ö0 Jahren in Europa n ltbtn m STä i ’te*- 4,0,8 A-8«, SB \ 2 bto i\- Son».-- Die Ermordung des Rittmeisters v. Krosigk vor dem Oberkriegsgericht. (Schluß des vierten Verhandlungstages.) Gumbinnen, 20. Aug. Oberleutnant v. Pö11nitz: Anfänglich in Stallu- Pönen erzählte Wachtmeister Marten, der Rittmeister sei zwar ftteng, aber er stehe mit ihm sehr gut. Allmählich muß dieses Verhältnis aber wenig gut geworden fein. Ter verstorbene Kommandeur von Hagen sagte mir, das Verhältnis zwischen dem Rittmeister v. Krosigk und Wachtmeister Marten sei kein gutes. Es würde notwendig, daß eine Aenderung eintrete. Eines Tages betrat dann Oberstleutnant v. Hagen erregt das Regimentsbureau und sagte zu mir: Born Generalkommando ist ein Bericht hierher eingegangen, daß die Tochter des Wachtmeisters Marten in Königsberg bei Exzellenz Stülpnagel gewesen sei, und (^- zellenz um die Versetzung ihres Vaters in eine anberq Schwadron gebeten habe, weil ihr Vater es bei Rittmeister v. Krosigk nicht mehr aushalten könne. Er wurde dann im Einverständnis mit beiden Eskadronchefs zur dritten Schwadron versetzt. — Verteidiger Burchard: Ist es dem Zeugen bekannt, daß der Wachtmeister Marten Beschwerden von Unteroffizieren über Rittmeister v. Krosigk unterdrückte und zu vermitteln suchte? Zeuge v. Pöll- nitz: Nein. Dem Zeugen Rittmeister Ewers fiel es auf, daß Skopeck am Mordabend ein blasses Aussehen zeigte. Zeuge Oberleutnant v. Ueckermann: Rittmeister v. Krosigk behandelte den alten Marten nicht so, wie es einem so lange gedienten, im Dienste ergrauten Soldaten zukommt. Ter alte Marten beschwerte sich auch, daß er es nicht aushalten könne. Ich erwiderte ihm, er möge sich doch beschweren. Märten antwortete mir aber, daß er sich nicht beschweren wolle. Marten sagte mir: mein Sohn hat eine gute Schwadron. Marten war ein guter Reiter. Rittmeister v. Tresckow bekundet, daß ihm die Blässe von Skopeck und Griegat auffiel. Leutnant v. Roeper: Wachtmeister Marten klagte über den Rittmeister v. Krosigk. Skopeck ist ein wenig intelligenter Mensch; er ist jedoch sonst zuverlässig, giebt sich Mühe im Tienste und erscheint mir harmlos. Rittmeister v. Tresckow: Ich stellte im Auftrag des Obersten v. Winterfeld die ersten Ermittelungen in der Mordsache an, in Bezug auf das Verhalten Hickels in der fraglichen Zeit im Stalle. Zwei Stallleute gaben genau an, daß das Anstecken der ersten Lampe im Stall d-e stattsand, als Hickel durchkam. Beim Anstecken der zweiten Lampe traf die Todesnachricht ein. Ich machte Exzellenz v. Alten Anzeige von meinen Ermittelungen. Der Vater des Angeklagten, Wachtmeister Franz Marten: Ms ich unter dem Rittmeister sechs Wochen lang Dienst gethan hatte, ging ich zu ihm und bat um meine Entlassung. Ter Rittmeister redete mir aber zu, ich möchte bleiben. Ta blieb ich denn noch kurze Zeit. Tann wiederholte sich die Geschichte. Der Rittmeister erteilte Befehle, die für mich als alten Mann unausführbar waren; nur auf dringendes Zureden blieb ich. Beim Manöver ereignete sich aber ein Vorfall, der mich veranlaßte, meinen Abschied einzureichen. Die von mir aufgestellte Einquartierungsliste lobte der Rittmeister anfänglich als gut, später tadelte er sie aber vor den Unteroffizieren. Darüber' ärgerte ich mich so, daß ich im Stalle ohnmächtig wurde. ;ust AP C. , 12.6« C. Gießen, den 19. August 1901. iSetr.: Sterblichkeits-Statistik; hier die Aufbewahrung der Todeszeugnisse bei den Großh. KreiSgesundheitS- ämtern. DÄ Großherzogliche Kreisamt Gießen «* bie Großh. Bürgermeistereien des KreiseS, Großh. Polizeiamt Gießen nud Großh. Polizei- Kommissariat AruSburg. Nachstehende Verfügung des Großh. Ministeriums des Innern vom 18. Juli d. Js. bringen wir hiermit zu Ihrer Kenntnis. v. Bechtold. M lemtn W Cfferttn wL • -rochen lag ich im Lazarett. Tann mußte ich in die-Stadt. Als ich zurückkehrte, wurde ich versetzt. Präs.: u>ar der Rittmeister jähzornig? Wachtmeister Marten: Ja, lehr; aber gutherzig. Kurz vor dem Morde fragte er miet), welche Remontepferde gut feien. Als ich bei der anderen Schwadron war, Hat mich der Rittmeister nie mehr gescholten, im Gegenteil, war er stets, wenn er mich traf, freundlich, reichte mir die Hand, lud mich auch mehrmals zum Wein und Essen ein. Daraus gebt hervor, daß er nichts nachgetragen. Als ich ihm auf seine Frage nach den Remonten einige gute Pferde nannte, sagte er:' Ganz meine Meinung, lieber Marten. Präs.: Trafen Sie den Rittmeister noch am Mordtage? Marten: Ja, vormittags. Präs.: Weshalb kam denn in Stallupönen betreffs der gegen den Rittmeister verübten Chikanen und Attentate nichts heraus? Marten: Ich war bemüht, die Thäter zu ermitteln, und .meinte, der Thäter sei nicht in der Schwadron zu suchen. Präs.: Haben Sie mit dem Rittmeister über Ihren Sohn gesprochen? Wachtmeister Marten: Vor Weihnachten lobte er ihn sehr und sagte dabei: Ter Junge ist gut, ich habe ihm auch zwei Tage länger Urlaub bewilligt. Präs.: Wie war das Verhältnis der beiden Schwäger zu einander? Marten: Anfänglich haben sie sich nicht gut mit einander gestanden. Verteidiger Burchard: Die Zeitungen meldeten einmal, Herr v. Krosigk sei in Ihrer Wohnung gewesen, um Ihre Frau zu trösten. Beisitzer Major Ziermann: Waren Sie auch der Meinung, daß in Stallupönen der Thäter nicht in der Schwadron zu suchen war? Marten: Jawohl, die Schwadron hatte so gute Leute, daß das von keinem anzunehmen war. Major Ziermann: Konnten denn das andere Leute sein? Marten: Jawohl, sehr leicht. Präs.: Sind Sie bereit, Ihre Aussagen auf Ihren vorherigen Eid zu versichern? Marten: Jawohl. Pr ä s.: Frau Hickel ist auf Antrag der Verteidiger geladen. Worüber soll die Zeugin vernommen werden? Verteidiger Horn: Es wurde behauptet, Frau Hickel habe ihren Mann gegen den Rittmeister aufgehetzt. Sie ist darüber zu befragen, ob das wahr ift Frau Hickel: Ich hatte dazu keinen Grund. Als Kriminalkommissar v. Bäckmann von Berlin gekommen war, um seine Nachforschungen nach dem Thäter zu beginnen, waren Marten und Skopeck verhaftet. Ev hatte sich zunächst in den Akten über die Art der Belastung dieser Beiden unterrichtet und gesunden, daß Marten erheblicher belastet war. Ter Zeuge bekundet: Da ich voraussah, daß Beeinflussungen versucht werden würden, so befahl ich Skopeck, auf alle Fragen von außergerichtlichen Personen zu antworten, er habe nichts gesehen. Die Aussage ist aber lediglich auf jene meine Weisung zurückzuführen. Meine Berechnungen ergaben, daß Hickel sein Alibi nicht nachgewiesen hatte. Es fehlten etwa 23 Minuten, während dieser Zeit unterstützte ihn Dornning, ich halte diesen aber für Feinen klassischen Zeugen. Präs.: Marten bestreitet, in der Nähe des Karabiners gestanden zu haben, v. Bäckmann: Er hat es selbst zugegeben. Präs.: Er fchnd aber um Fenster. Präs.: Haben Sie Haussuchungen veranlaßt? v. Bäckmann: Ja, bei dem Wachtmeister Marten. Am Karabiner fehlt der Lederriemen, und ich glaubte, Spuren zu finden, daß der Riemen verbrannt sei. Präs.: 'Haben Sie etwas Bestimmtes gefunden? von Bäckmann: Nein. Ich nehme an, daß Marten, nach der That, um die Kaserne herum zu seiner Mutter gelaufen ist, und den Riemen dort verbrannt hat. Präs.: Wäre tt MM i bqW..-. PnKeiH. AM. HMicche 10. 1 eine tüdjtige M'- ■ nung eine? M Kindern u. tltrci (k edingung. fc )et b votMl. ü fpT. unl. bM 87.' n Sertftrüinuj :7 z sllcke oer fofoilo.’ MM WsM «btit y lafttn ui der ■ GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v '*•* Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen W»! X--JIL.. - es nicht einfacher, anzunehmen, daß er gleich unter Menschen gelaufen ist? Verteidiger Horn: Ter Kommissar ist ein alter Kriminalist. Jchm ist seinerzeit Skopeck unglaubwürdig erschienen, weil er u. a. gesagt hat, daß er nichts wüßte. Ta wäre es doch Pflicht des Zeugen gewesen, diesen Umstund, daß er nämlich den Skopeck selbst angewiesen hatte, zu sagen, er habe nichts gesehen, zu den Akten mitzuteilen. Tenn das l)ätte doch den Skopeck entlastet, und niemand hätte wohl in die Nichtvereidigung Skopecks cingewilligt, wenn man geahnt hätte, daß der Zeuge jetzt mit Angaben auftreten würde, daß er Skopeck angewiesen batte, die Unwahrheit zu sagen. Nunrpehr beantrage ich die nock-malige Zitierung Skopecks. v. Bäckmann: Ich habe erst jetzt Kenntnis von den Aussagen der Wachtmeister Metzer und Schneider erhalten. k^as Gericht beschließt, Skopeck, der bereits nach Allenstein abgereist ist, zu morgen telegraphisch zurückzurufen. Auf Anregung des Verteidigers Horn schließt sich an die Sitzung ein nächtlicher Lokaltermin zur Besichtigung des Krümperstalles und der Reitbahn zwecks nochmaliger Prüfung der Angaben Skopecks. Hierauf wird die Sitzung auf heute vormittag vertagt. (Fünfter Verhandlungslag.) Gumbinnen, 20. August. Rittmeister v. Treskow: Durch Generalleutnant von Alten wurde mir zwei Tage nach dem Morde der Befehl erteilt, die Leute im Stall zu befragen, wann die Unteroffiziere in den Stall gekommen seien. Ich habe die Leute einzeln vernommen. Keiner wußte, worüber er aussagen sollte. Aus den Angaben gewann ich die Ueberzeugung, daß Hickel in keiner Hinsicht als verdächtig anzusehen sei. Kriminalkommissar v. B ä ck m a n n: Ich sagte zu Skopeck: Wenn etwa Unteroffiziere oder andere Sie ausfragen, so geben Sie immer an, daß Sie nichts gesehen haben, v. Bäckmann (fortfahrend): Ich füge dabei ausdrücklich hinzu, daß ich erst gelegentlich dieser Verhandlung aus Zeitungsberichten ersehe, daß das Hauptgewicht gegen die Glaubwürdigkeit des Zeugen Skopeck sich, aufbaue auf die Aussagen der Wachtmeister Melzer und Schneider. Bisher glaubte ich immer, daß man Skopeck in erster Instanz unvereidigt gelassen habe, auf Grund der Aussagen der Stallmannschaft. Hickel: Ter Herr Kommissar behauptet auch- ich hätte ihm angegeben, ich wäre aus dem Remontenstall gekommen. Tiefe Angabe habe ich nicht gemacht, v. Bäckmann: Es verhält sich so, wie ich in meinem Bericht angeführt habe. Es wird darauf Skopeck hereingerufen. Präs.: Kennen Sie den Herrn? Skopeck: Ja. Der Kommissar v. Bäckmann. Präs.: Hat er Ihnen die Weisung gegeben, wenn Leute Sie ausfragen sollten, so möchten Sie antworten, Sie wüßten nichts oder Sie sollten gar nichts sagen? Skopeck: Das weiß ich nicht, v. Bäck mann: Besinnen Sie sich, Skopeck, ich sagte Ihnen: Sagen Sie nur vor Gericht aus. Skopeck: Ja, das haben Sie gesagt. Verl. Horn: Ich bitte, den Skopeck zu fragen, ob er gerade mit Rücksicht auf diese Anweisung die Unwahrheit zu Melzer und Schneider gesagt hat. Skopeck: Das weiß ich nicht. Ich habe mir nichts dabei gedacht Präs.: Wen sahen Sie damals thatsächlich? Skopeck: Ich sah zwei Schirmmützen. Vert. Horn: Ich bitte, Skopeck zu fragen, ob, als er vorbeikam, sich einer der Leute umsah. Wenn einer von den beiden Schmiere stand, ist das doch anzunehmen. Skopeck: Nein, beide drehten mir den Rücken zu. Kmminalschutzmann Richter- Berlin: Ich führte mich als Kasernenhofaspirant ein, und verkehrte hauptsächlich in der Kantine in Unteroffizierkreisen, um deren Gespräche zu belauschen. Ich erfuhr zunächst die Vorgänge in Stallu- pönen und gewann den Gesamteindruck, daß die Unteroffiziere den Marten, der infolge der Stellung seines Vaters verwöhnt sei, für sehr ehrgeizig und empfindlich hielten. Buppersch sagte: Na, es ist nun mal geschehen. Ter Rittmeister war nicht, wie er sein sollte. Mir hat er auch so zugesetzt, daß ich mir das Leben genommen hätte, wenn ich nicht Familie hätte. Inzwischen meldeten die Zeitungen, daß zwei Kriminalbeamte von Berlin nach Gumbinnen gesandt seien. Seitdem waren die Leute sehr verschlossen. Präs.: Auf wen halten die Leute Verdacht? Zeuge: Von positiven Angaben hielt sich jeder zurück, höchstens wurde angedeutet, daß Marlen durch die Vorgänge in der Reitbahn empfindlich verletzt sein könnte. Einer der Beisitzer fragt, ob nicht Buppersch gesagt habe, die Wände hätten Ohren? Zeuge: Diese Worte habe ich nicht gehört, sondern nur den Ausspruch: Am besten ist's, man sagt nichts, es ist eine kritische Zeit. Buppersch sagte noch, der Rittmeister sei ein Mensch gewesen, der einen habe zur Verzweiflung bringen können. Kriminalschutzmann Schröder-Berlin: Ich war bis 1896 in Gumbinnen Oberfahnenschmied und mit dem Wachtmeister Marten befreundet, als der Angeklagte Marten in Berlin auf der Telegraphenschule war. Ich besuchte damals den alten Marten öfters. Tamals Hörle ich, daß der Rittmeister sehr streng sei. Marten sprach trotzdem seine Zufriedenheit aus, und daß er dem Rittmeister Tank schulde. Einmal erzählte er mir, sein Sohn sei in Berlin von einer Zivilperson angesprochen worden, die ihn nach dem Rittmeister ausfragte. Präs.: Marten, wer war denn das? Marten:. Ein Unbekannter. Präs.: Wenn einen eine unbekannte Person anspricht, so fragt man sie doch nach ihrem Namen. Marten: Nach dem Namen habe ich nicht gefragt. Schröder: Mich besuchte der Wachtmeister Marten auch und erzählte mir dabei, daß er seinem Sohne vorgeschlagen habe, er möge doch zur Schwadron des Herrn v. Barnekow übergehen. Ter Sohn hätte das aber abgelehnt. Es gefalle ihm bei der vierten Schwadron und er wolle da bleiben. T o m n i n g bestreitet, daß er v. Bäckmann angegeben habe, Hickel sei aus dem Remontestall gekommen. Er kam von der entgegengesetzten Seite; denn er kam an mir vorbei. Staatsanwalt Meyer hält Tomning vor, daß er früher ausgesagt habe, Hickel habe sich ein bis zwei Minuten im Stalle aufgehalten. Tomning: Nein, er hat sich mindestens zehn Minuten aufgehalten. Hickel: Domning sagte mir nur, er sei verhört, eine Zeit hat er nicht ausgesprochen. (Fortsetzung im 2. Blatt.) DolMsthe Tagesschau. Das afrikanische Abenteuer. Die Erwerbung von Erythrea als Kolonie für Italien, ist dem Heimgegangenen Crispi aus's „Schuldkonto- gesetzt worden. Freude hat das savoyische Königreich an diesem Besitz in der That nicht erlebt, wohl aber sind ihm daraus gewaltige Kosten erwachsen. Die Gesamtsumme der in den Jahren 1882 bis 1900 für Erythrea verausgabten Gelder beträgt, einer soeben veröffentlichten Aufstellung zufolge 3871/4 Millionen Lire, auf das Jahr also durchschnittlich 2P/2 Millionen Lire. Es wäre zweck dienlicher gewesen, wenn diese Gelder im Mutterlande selbst, für wirtschaftliche und soziale Reformen, verwendet worden wären. Doch Crispi hat die Entwicklung der Dinge in der afrikanischen Kolonie schwerlich voraussehen können. Kam doch der für Italien so unglückliche Verlauf des 1896 er Feldzugs gegen Abeffynien, der auch territoriale Einbußen zur Folge hatte, aller Welt überraschend. Eine vielversprechende politische und wirtschaftliche Zukunft hat Erythrea nicht. Italien behält seine Kolonie sozusagen ehrenhalber. Der mißglückte Versuch, in China — Gebiet der Sau-Mun-Bai — Landbesitz zu erwerben, dürfte den italienischen Staatsmännern vollends die Neigung für Kolonialpolitik genommen haben. Diese Politik entbehrt auch des Rückhalts im Volke. Georges Villain schreibt im Pariser „Temps- über den wirtschaftlichen Auffchwuug Deutschlands, er sei hauptsächlich dem festen Einvernehmen zwischen den Industriellen und den Kaufleuten, dem Anpaffen an den Wunsch der Kundschaft und dem Umstande zuzuschreiben, daß die junge deutsche Industrie sofort von allen Fortschritten der Wiffenschaften profitieren konnte. Wenn der Handel und die Industrie Deutschlands aber in der Ausfuhr einen großen Aufschwung nahm, so dürfe man nicht vergessen, daß der innere Markt viel zur Hebung des wirtschaftlichen Verkehrs beigetragen habe. Villarn weist dies auf Grund der Ziffern der letzten Volkszählung nach, die nicht weniger als 33 Städte von mehr als 100 000 Einwohnern aufwies, indes es 1871 nur 8 derselben gab. Diese stellenweise verblüffende Zunahme der Bevölkerung zog einen außergewöhnlichen Aufschwung aller mit dem Bau von Wohnhäusern in Verbindung stehenden Industrien nach sich, so der Zementfabrikation, die nunmehr auch einen gewaltigen Export aufweist, und der Eisengießerei. Da der allgemeine Wohlstand sich bedeutend gehoben habe, so habe auch die Kunstindustrie dadurch erheblich gewonnen, und die verbündeten Regierungen ihrerseits trugen reichlich das ihrige zu der ansehnlichen Ausdehnung des Eisenbahn- und Waffer- straßen-Netzes bei. Die neuen Bahnhöfe von Dresden, Köln, Hannover, Frankfurt a. M., Bremen usw. stellen die meisten französischen Bahnhöfe außerhalb Paris in den Schatten. Was zur Hebung des Verkehrs auf den Wafferstraßen grthan wurde, gehe aus den Ziffern des Verkehrs in Mannheim, Frankfurt a. M., Breslau, Magdeburg und Berlin hervor. Ueberall stoße man auf das zielbewußte und methodische Vorgehen der verbündeten Regierungen aus Deutschland eine Nation zu machen, deren wirtschaftliche Macht auf der Höhe ihrer militärischen Macht stehe. Columbia und Venezuela. Wenn in den Schluchten des Balkans die Grenz - Bewohner zornig auf einander schlagen, weil getreue Nachbarn Pferde und Rindvieh stahkn, oder eine blühende Maid entführten, so pflegte em fr die Menschheit zu erzittern, daß vielleicht jene .Händel den berühmten Funken im Pulverfaß bilden möchten. Jetzt hat die schöne, freundliche Gewohnheit das ihrige gethan, mit Gleichmut vernimmt man es, wenn wieder einmal dort hinten wo in der Türkei die Völker aufeinander schlagen. Auch den Kämpfen, die jenseits des Ozeans in südlichen Breiten von Bolivia, und Chile, Columbia, Venezuela und Ecuador ausgefochten werden, folgt man im allgemeinen nur mit gelangweiltem Blick; das Bild ist gar zu eintönig, und von den Schlachten, die zwischen den barfüßigen Scharen ausgefochten werden, wird kein Homer uno fein Ossian berichten. Man könnte bei uns füglich eine Prämie für den aussetzen, der den jeweiligen Präsidenten jener interessanten Republiken auch nur beim Namen zu nennen weiß. Tie Händel, die dort drüben ausgefochten werden, sind denn auch in der That herzlich gleichgiltig, so lange sie in ihrer Wirkung nicht über die Grenzen hinausgreifen. Wenn Herr Castro von Venezuela von heiligem Zorn erfüllt ist gegen Sperrn Marroquin, den hochgebietenden Präsidenten Columbiens, und wenn wieder die Einheimischen in beiden Ländern, die gerade mit der Regierung unzufrieden sind — und unzufrieden ist man immer! — unter oem General Uncle sich zu Sennor Castro und unter General Gardicis zu Sennor Marroquin schlagen, so wird deshalb der Erdball noch nicht in Trümmer gehen, 'Und der pom- mersche Grenadier kann ungefährdet seine Knochen auf den Strohsack strecken. 916er wie am Balkan die Grenzhändel stets genährt und entfacht werden von Leuten, die ein Interesse daran haben, einen Zustand dauernder Ordnung nicht aufkommen zu lassen, weil das Fischen am Besten im trüben Wasser gelingt, so gewinnt man allmählich auch den Eindruck, als ob in den ewigen Kämpfen dort drüben ein stärkerer Arm die Mächte leitet, der bereit ist, im günstigen Augenblick die Braut zu umarmen und liebevoll heimzuführen. Wer l)at denn ein Interesse daran, der Welt die Ueberzeugung beizubringen, daß südlich vom mexikanischen Golf eine Rasse lebt, die unter gar feinen Umständen fähig ist, sich selbst zu regieren und stetige Ordnung za schaffen? Wer hat denn, längst ehe der Krieg mit Spanien ausbrach, den Tollar nach Cuba gesandt, und schließlich die' Perle der Antillen gleichmütig dem Staatsschatz einverleibt? Wer predigt denn den lockenden Lehrsatz von der Solidarität aller Amerikaner? Es sind die Vereinigten Staaten, die längst die Doktrin Monroes, die doch nur den Norden umfaßte, ausgedehnt haben auf alle Lande, die zwischen Kap Horn und der Baffinsbai liegen, die, frei von allem politischen Ehrgeiz, sich ein ungeheueres, von ihnen sklavisch abhängiges Wirtschaftsgebiet schaffen wollen, das, mit turmhohen Zollschranken umgeben, alljährlich den Zehnten nach dem Nordert sendet und jedem Einfluß der europäischen Staaten sich hermetisch verschließt. In wenigen Monaten soll zum Schutze gvgt« die Eroberungsgelüste Europas — der Wolf berief die Schafe zur Beratung — ein Kongreß in Mexiko stattfinden und ein ständiges Schiedsgericht zur Herstellung friedlicher Verhältnisse eingesetzt werden. Ist erst der Anfang gemacht, so braucht man des Endes nicht lange zu harren. Nun bestehen zwar taufend Gründe für die europäischen Staaten, einer Entwickelung, wie sie die Pankees anstreben, rechtzeitig und energisch entgegenzutreten. 9lber genau so, wie man untbätig dem Vernichtungskampfe in Südafrika zu schaut, weil jeder sich vor dem anderen fürchtet, so wird man auch geduldig es ertragen, daß dem ungeheuren englischen Wirtschaftsgebilde sich ein zweites, ebenso Ungeheures, fest in sich geschlossenes Gebiet unter der Aegide Mac Kinleys zur Seite stellt, dessen wuchtige Last uns Licht und Lust rauben muß. Zwei amerikanische Kreuzer und zwei Kanonenboote sollen bei Panama, zwei andere Kriegsschiffe bei Kolon und ebensoviel bei La Guyara stationiert werden. Der Vorwand ist ja leicht gefunden: Nach irgend einem verstaubten Vertrage haben die Pankees die Pflicht, über die Neutralität des Isthmus zu wachen. Aber es giebt auch für Für den Gang der Entwicklung sind die Verbände der japanischen Malerschulen von grundlegender Bedeutung. Diese Schulen, die sich nach dem Namen ihres Stifters bezeichnen, entsprechen künstlerischen Richtungen, etwa wie bei uns die Sezession, die sich in Auffassung und Wahl des Stoffs, in Anzahl, Art und der Pinselführung, in Farbengebung und Zeichnung unterscheiden. Die festen Tra- intionen des Schulverbandes, die sich im Anschluß an die Malweise des Meisters durch Generationen erhalten, erkennt der Japaner in viel höherem Maße als Grundlage seines künstlerischen Schaffens an, als es der individuelleren Auffassungsweise heutiger europäischer )tzunst verständlich ist. Tas Bestreben, narfy möglichster Selbständigkeit in Inhalt und Form, ist dem Japaner fremd. Wie er schon in seinem Künstlernamen sich affen als Nachfolger eines Meisters zu erkennen giebt, so will auch sein Schaffen nichts fein, als ein Ring in einer gleichen Kette. Das Persönliche, was er hinzuthut, liegt vor allem in der größeren oder geringeren Liebe, nut der er sich in die überkommene Idee zu versenken weiß Aus diesem grundlegenden Charakter der japanischen Kunst erklärt sich sowohl der Charakter wie die Vertiefung ihres Schaffens, die Beschränkung an geistigem Inhalt und das feine Taktgefühl, dem alles Täppische und Aufdringliche, alle Uebertreibung und Einseitigkeit fern ist. Auf den ersten Blick scheidet sich die ganze Menge der ausgestellten Holzschnitte in zwei Gruppen. In der älteren Periode (18. Jahrhundert) konzentriert sich das Interesse der Darstellung ausschließlich auf den Menschen, in den jüngeren Blättern auf die Landschaft, oder richtiger auf die Natur. Der Uebergang ist nicht unvermittelt. Von den ersten Versuchen der Raumandeutung durch eine Wand, ein neben die Figuren gestelltes Gerät usw. bis zur Ausbild- ung eines landschaftlichen Hintergrundes und endlich der Entdeckung eigentlicher Landschaftsmalerei durch Hokusai findet sich stufenweise die ganze Entwicklung. Ter charakteristische Zug der Beschränkung und Vertiefung tritt in den figürlichen Tarstellungen des 18. Jahrhunderts in einer Form entgegen, die für die Lebensauffassung der Japaner in hohem Grade bezeichnend ist Druck mit zwei und bald einer unbeschränkten Zahl von Als Spanbtung, als That bietet ihm das gegenwärtige Leben Platten. Tas Schwarz tritt zurück, wird aber zu einer kein Interesse. Die beschauliche Ruhe eines heiteren und wundervollen, sammetartigen Tiefe ausgebildet, die tn wohlwollenden Genießens ist das fast ausschließliche wirkungsvollem Kontrast zu den zarten Farben steht. Bor- Thema, das zu wiederholen er nicht müde n»ird. Die wiegend werden Nuancen von rot, braun und gelb ver- vornehme Dame mit freundlichem Gesicht und prachtvollem wendet. Violett spielt eine große Rolle, dagegen lutrb Anzug, auf dem Spaziergang oder bei der Unterhaltung blau vor der Entwicklung der Landschaftsmalerei ganz ver- einer Theegesellschaft, die decent gekleidete Kurtisane int mieden. Nach kurzen Schwankungen entwickelt sich das Gespräch mit ihrem Verehrer, die leichtlebige und Harm- .Farbenempfinden zu einer Feinheit, die auch die gewag- lose Anmut des täglichen Lebens, das ist es, was das testen Zusammenstellungen möglich macht. Herz der Künstler gefangen nahm. Zu diesem Fehlen aller Auch die Zeichnung hat sich unter dem Einfluß des äußeren Handlung kommt dann noch die Beschränkung indi- Kolorits völlig geändert. Der schwarze Kontur wird ver- viduellen Lebens im Ausdruck der Gesichter. Bewegtes einfacht und die Pinselführung zu einer erstaunlichen Mienenspiel ist dem Japaner unbekannt, und nur die heit vervollkommnet. Um die zarte Kolorierung von einem Stellung der Augenbrauen, die leichte Neigung des Kopfes zuviel an schwarzen Linien zu entlasten, bedienen suh und vor allem die bei größter ZurückhÄtung in allen einzelne Künstler einer Blindplatte, die die Jnnenzeichnung Gesten so unendlich ausdrucksvolle Bewegung des ganzen auf weißen Flächen, z. B. auf Schnee oder auf einem Ge- Körpers find die Mittel, durch die er eine reiche Fülle wand, nur in farblosem Relief andeutet, ohne farbig mit- feinster Charakteristik zu geben weiß zuklingen. Die ihrer eigenen Mäßigung und ihres Takt- Äußer der Darstellung der Frauen hat es eigentlich gefühls sichere Freiheit gestattet in einzelnen Fällen sog^ nur einen menschlichen Typus gegeben, der den Künstler Kühnheiten, wie die Verwendung von Stickerei in Goll» des 18. Jahrhunderts gereizt l-at: die Charaktermaske des und 'bunter Seide zur Konturierung und Aussetzung der Schauspielers. Die groteske Mischung komischer Uebertreib- hellsten Lichter — Experimente, die bei uns selten anders ung und feinen Maßhalteus, die das japanische Schauspiel als barbarisch wirken. kennzeichnet, hat immer von neuem die Künstler ange- Die ausgestellten Bronzen und Eisenarbeiten bieten eme zogen, obwohl der in diesen Bildern entwickelte Realis- kleine Auswahl älterer Arbeiten, die von dem wunder- inus und die Darstellung „unehrlicher Leute" den heftigsten baren Geschick eine Vorstellung geben, das die empfindende Widerspruch aristokratischer Greife wachrief. Mit der Ent- Liebe zu künstlerischer Arbeit den Japanern verliehen YSre„, Funken •°ne «.SÄ **4 $e9ierung i, |o wird besbe”, VHnb der L E Aiochen ari «ltem Ärdeu i'ent. -teil ji(b -mmist 'm berief die Ächa stattünden r g friedlicher Anfang gemck zu harren. Sr Apäischen Sw „streben, rechtM.' enau so, tvie v: Mafrika zuM so wird mm:- en englischen > ungeheures, 's legide Mac W ls Licht und N oei Äanonenb^l ine V\ Iolor mb tau einem iW*n f)t, übatitw es giebt ach M Mntten M M vird aber i« «"" Farben raun und geft «■ olle, dagegen ^ entwickelt^ )ie auch die 9°* xÄZ tet ohne ”„b M« ■5.55*. rs»; >,1 das 7 Mst F, mtoer* n>w 111 KMdwirtschast. 4- Dom obere» Vogelsberg, 18. Aug. Die Preise des Rindviehes sind in letzter Zeit tu hiesiger Gegend sehr herunter- aegangen, jedenfalls infolge der sehr hohen Heupreise, die die Vieh- baltung nicht rentabel machen. Kürzlich hatte ein Heuhändler au« Bad Nauheim in Herchenhatn und HartmannShain zwei Waggons gutes Wtesenheu gekauft, daS an der Bahnstation Gedern verladen wurde. Der Zentner kostete frei Station Gedern 4 Mk ! Ein solcher Preis hat in unserer Gegend noch nie existiert. Jeder Landwirt, der nur etwas Heu entbehren kann, verkauft es, denn der Wert dafür ist unmöglich am Vieh wieder herauSzubrtngen. Auch sind die Landwirte gezwungen, ihren Viehbestand zu verringern, zumal auch die Aussichten auf die Grummeternte sehr schlecht sind. Litterarische Neuerscheinungen. Großer Volkskalender deS Lahrer hinkenden Boten für 1902. (160 S.) Lahr, I. H. Geiger. Müller-Herfurth, I. B., Nüchterne Briefe über die Darmstädter Kunstausstellung. (39 S.) Frankfurt, Verlag der -Sonne'. (Ein niedriges Pamphlet ohne Sinn und Verstand. D. Red.) Platen, M-, Die neue Heilmethode Heft 23/24. (5. 1793 bi« 1952, Schluß des Werkes.) Berlin, Bong u. Eo. h Heft 50 Pf- Schmidt, Dr. F. C Tb-, Die Tuberkulose. Ihre Ursache, ihre Verbreitung und ihre Verhütung. (64 S.) Braunschweig, Friedr. Vteweg u. Sohn. 80 Pfg. _ Hessenland, 15. Jahrg., Nr. 16. Kassel, Friedr. Scheel. Vierteljährl. Mk. 1.50. (Enthält u. a. einen Aufsatz von Dr. Bergör in Gießen: „Zum Kriegsjabr 1759“.) Nord und Süd. Bd. 98, Heft 293. BreSlau, Schles. Ver- lagSanstalt. 2 Mk. Bering er, H., Notizen und Zahlen. Statistisches Nachschlage- büchletn- (31 S.) Berlin, 8W. 46, Dtschr. Verlag. 30 Pfg. Björnson, Björnstjeroe, Absalons Haar. München, Albert Langen. 1 Mk. Sturm, Dr. C-, Die natürliche Heilwetfe. Lfg. 1. Stuttgart, Dtsche. Verlagsanstalt. 30 Pfg. Lürssen, Heinr., Das Lahnthal von der Lahnquelle bis zur Mündung nebst den Seitenthälern in ihren unteren und mittleren Stuf«. (XIV, 228 S. mit ca. 100 Jllustr., 5 Plänen, 4 Kärtchen und einer großen Ueberstchtskarte). Gießen, Emil Roth. Geb. 2 Mk. Aus Htadt und Fand. (Der Abdruck der unter dieser Rubrik befindlichen Original-Nachrichten ist itttt unter genauer Quellenangabe: „Gieß. Sltti.* gestattet.) Gießen, den 21. August 1901. •• Zur Frage der Krankenversicherung der Handlnngs- Gehilfen erhalten wir vom Stadtv. Ed. Krumm, z. Zt. in Gedern, folgende Zuschrift: „Meiner Auffasiung nach ent- l ehrte der Gedanke, daß bei der Krankenversicherung der Handlungsgehilfen das StandeSbewußtfein dieGründung einer eigenen Kasie für BerufSgeoosien empfehle, der Bs- ßründuug. Wenn man durch derartige, rein äußerlichen Vorgänge das StandeSbewußtfein heben will, kann man darüber nur lächeln. Nachdem schon bei der Alters- und Invalidenversicherung unsere Kollegen mit den übrigen Arbeitern zusammen versichert sind, ohne daß dies ihrem An- s hen auch nur im Geringsten geschadet hätte, wüßte ich nicht, was für die Krankenversicherung einen anderen Modus empfehlen könnte. Grade durch derartige Zersplitterungen leidet die Leistungsfähigkeit aller Kassen, wie auch Ver- waltungSkosten (Gehälter, Lokalmiete, Erheben der Beiträge, Beleuchtung rc.) mit der Zersplitterung prozentual höher werden. Für die Handlungsgehilfen kommt nur in Frage: Äo erhalten wir die größte Gegenleistung für unsere Beiträge? Bei welchem Modus fahren wir am besten? Alles oitd-ere kann erst in zweiter Linie in Frage kommen. Nur reb-enbei will ich erwähnen, daß leider in vielen Fällen der Gehalt der Kollegen so niedrig ist, daß qualifizierte gewerb- htfyz Arbeiter dafür nicht arbeiten könnten. Hier ist eher dis Feld, dem StandeSbewußtfein der Kaufleute Rechnung za tragen und dasselbe nicht in der Versicherungsfrage in len Vordergrund zu stellen, wo dazu jeder berechtigte Grund fihlrt. Auch die Angabe, daß die Vorstände deS Kauf» rnainischen- und Detaillistenvereins in dieser Frage demnächst birdende Beschlüsse fassen würden, kann so nicht stimmen. Hierüber hat die Gesamtheit der Mitglieder in beiden Vereinen zu beschließen, und in den dazu ein- zuberufenden Versammlungen dürfte die Frage doch erst noch gründlich zu erörtern sein." Wir haben der letzten Bemerkung deS Herrn Krumm hinzuzufügen, daß eine vorbereitende Versammlung sich nur aus den Vorständen der gMLNnten Vereine zusammensetzte und daß demnächst eine Sowmission zur weiteren Behandlung der Frage gebildet »erben wird. •* Langsam essen! Wer gesund bleiben will, esse langsam, d. h. er kaue alles ganz klein! Denn schon im Munde siüfijcn die Speisen den ersten Grad der Verarbeitung und Berähnlichung zu Blut und Säften erleiden. Die« geschieht Ünrch das gehörige Zerkauen und die Vermischung mit Tprichel. Nach unseren Untersuchungen hatten alle sehr alt @ereorbenen die Gewohnheit, langsam zu esien. ES kommt hierbei sehr viel auf gute Zähne an. Daher zählt man die Erhaltung der Zähne mit Recht unter die Leben verlängernden Mittel. Grünberg, 19. Aug. In Kürze werden die Gemeinde- MiSneu- und Ersatzwahlen für 5 GemeinderatSfitze vollzogen. Äie Liste der Stimmberechtigten liegt feit heute auf dem Sürgermeifteceibureau zur Einsicht der Wähler offen. — Stn verflossenen SamStag stürzte das vierjährige Söhnchen tot Eheleute Ludwig Hofmann 4, das bis auf kurze Zeit Mein gelasien war, in einen Eimer mit kochendem Wasser ®b verbrühte sich in lebensgefährlicher Weise. O Ridda, 20. August. Der Tag von Gravelotte »Hebe auch hier festlich begangen durch den Veteranenverband ton Nidda und Umgegend, der an diesem Tage seine JahreS- «csammlung hielt. Der Vorsitzende Vetzberger begrüßte zahlreich Erschienenen und ehrte die im Laufe deS Jahres ^ttflorbenen (2 aktive und 2 passive Mitglieder) durch einen tmrmen Nachruf. Hierauf gedachte er, anknüpfend an die Deutung des TageS, des Kaisers und des Großherzogs und brachte beiden ein begeistert aufgenommenes Hoch. Dem 6:oßherzog wurde ein Begrüßungstelegramm gesandt. AuS ben Jahresbericht geht hervor, daß der Verband fett 1892 bisleht und jetzt 115 aktive und 58 passive Mitglieder zählt. Ssin Vermögen beträgt 720,14 Mk. An Sterbegeldern zthlte er im Jahre 1900 80 Mk. aus. Der Vorstand wurde Mdergewählt. Zum Vertreter der passiven Mitglieder wurde Pi. Werner in Nidda bestimmt. An die Versammlung im .SambrinuS" schloß sich ein Konzert der Feuerwehrkapelle ri Garten deS KarlShofs, wo noch in manchen Worten der wflvsienen großen Zeit gedacht wurde. △ Ruppertenrod, 20. August. Ein hiesiger Landwirt fanb gestern beim Schneiden eines Gerstenackers eine Lnft- bullornpost in Gestalt einer Ansichtspostkarte. Sie war mit Me einer leichten roten Schnur an vier Luftballons, wie flh auf den Märkten und Festen feilgeboten werden, befestigt. Die Karte war in Offenbach a. M. während des 25. Mittel- chin.ifchen Jubiläums-Kreis Turnfestes im Juli aufgegeben ■ib völlig unversehrt. Mainz, 20. August. Einern Aufruf des Landeskomitees |ir Kessen und Hessen Nassau" folgend, versammelten sich in Maimz die Vertreter der Bauarbeiter von Hessen und Sport. — Internationale Ausstellung von Hunden aller Raffe« zu Berlin 1001« Am 7. und 8. September veranstaltet die kyoo- logische Veleivtgung „Hektor, Gesellschaft der Hundefreunde", in Berlin eine Internationale Ausstellung von Hunden aller Rassen im Sport« vark Friedenau. DaS Programm berückstchtigt in 557 Klassen alttz in Deutschland wie im Ausland zu jeglichen Zwecken und zum Luxu» gehaltenen Hunderaffen, auch Schäferhunde und sogen. Kriegs- und Sanitätshunde. Für alle Raffen find erhebliche Geld- und zahlreiche wertvolle Ehrenpreise gestistet. Meldeschluß für Aussteller ist am 25. August. Der Fortschritt der deutschen Industrie bekundet sich u. A. auch m der Menge der in den letzten Jahren auf den Markt gekommenen Toilette» seifen, deren teilweise starker Export unseren westlichen Nachbarn und englischen Vettern gerade nicht angenehm ist, lag früher doch die Fabrckatton wirklich guter Tolletteseifen fast ausschließlich in den Händen dieser berden Nationen. Selbst heute noch, wo alle Welt die gewaltigen ^ortschrrtte der deutschen chemischen Industrie während der beiden letzten Jahrzehnte zugiebt, verfügen sie in Deutschland noch immer über emen starken Abnehmerkreis, nicht weil die ausländischen Toiletteserfen bester sind, sondern well sich Viele nicht der Mühe unterziehen, Vergleiche anzustellen. Speziell sei hier auf die ^«alutariS.Seif--' von E. «aumann t« Offen- bad) a. 3Ä» aufmerksam gemacht, welche allen Anforderungen einer gesunden Teintpflege gerecht wird. Dabei kostet per Stück nur 25 Pfg. 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