Nv. 300 Erstes Blatt. 151. Jahrgang. Samstag 31. Dezember 1901 Erscheint täglich rnit Ausnahme des Montags. Fle Gießener Familien- blätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit dem .Hess. Landwirt" und den .Blattern für hessische Volkskunde" viermal wöchentlich bei- gelegt. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schul st raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprechanschlußNr.51. GietzenerAnzeiger General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Annahme von Anzeige« xu der für den folgenden Tag erscheinenden Nr. bis vormittags 10 Uhr. Alle Ameigen-Vermitt- lungSstellen des In- und Auslandes nehmen An« zeigen entgegen. Zeilenpreis: lokal 12Pf., auswärts 20 Pfg. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l 'scheu Umversiläts - Druckerei (Pietsch Erben). Verantwortlich für der. allgemeinen xeil: P. Wlttko; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Eine Kaiserrede. Berlin, 19. Dezember- Bei dem gestrigen Diner im Schlosse, zu dem u. a- sämtliche Bildhauer geladen waren, die die Denkmals- aruppen in der Siegesallee geschaffen haben, hielt der Kaiser folgende (schon erwähnte) Rede: Ter heutige 18. Dezember ist in der Geschichte unserer heimischen Berliner Knnst insofern von Bedeutung, als der hoch selige Protektor der Museen, mein verstorbener £err Vater und meine künstlerisch hochbegabte Mutter heute vor 50 Jahren das Museum für Völkerkunde einweihten. Es war dies gewissermaßen die letzte große, abschließende That, die mein Vater nach dieser Richtung hin ausgeführt hat, und ich betrachte es als ein besonderes Glück, daß gerade au diesem Tage der Abschluß für die Arbeiten der Siegesallee hat gefunden lverden können. Ich ergreife die Gelegenheit mit Freuden, um Ihnen allen erstens meinen Glückwunsch und zweitens meinen Dank auszusprechen für die Art und Weise, in der Sie geholfen Laben, meinen ursprünglichen. Plan zu verwirklichen. Die Aufstellung des Programmes für die Siegesallee hat eine Reihe von Jahren in Anspruch genommen, und der bewährte Historiograph meines Hauses, Professor Dr. Koser, ist derjenige gewesen, der mich in stand setzte, überhaupt den Herren greifbare Aufgaben zu stellen. Es war soweit die historische Basis gesunden und es konnte nun weiter vorgeschritten werden, und nachdem die Persönlichkeiten der Fürsten sestgestellt waren, konnten dann auch- auf historischer Forschung beruhend, die wichtigsten Helfer der Herren au ihrem Werke festgestellt werden. Auf diese Weise entstanden die Gruppen, und, gewissermaßen durch die Historik bedingt, fand sich die Form der Gruppen. Nachdem dieser Teil des Programms fertig war, kam natürlich das Schwierigste. Das war die Frage: „Wird es möglich sein, wie ich hoffe, in Berlin so viele Künstler zu finden, die im stände sind, einheitlich zu arbeiten, um dieses Programm zu verwirklichenIch hatte, als ich an die Lösung der Frage herantrat, im Auge: wenn es gelingen sollte, der Welt zu zeigen, daß das günstigste in der Lösung der künstlerischen Aufgabe nicht in der Berufung von Kommissionen, nicht in der Ausschreibung von allen möglichen Preisgerichten und Konkurrenzen besteht, sondern daß nach der alt bewährten Art, wie es in der klassischen Zett und« jo auch später im Mittelalter gewesen ist, der direkte Verkehr des Auftraggebers mit dem Künstler eine Gewähr bietet für die günstige Gestaltung seines Werkes :unt) gutes Gelingen seiner Aufgabe. Ich bin deshalb Professor Reinhold Begas zu Tank verpflichtet, daß, als ich mit diesem Gedanken an ihn herantrat, er mir ohne weiteres erklärte, es sei absolut kein Zweifel, daß in Berlin sich allemal Künsller genug finden würden, um eine solche Idee ohne Schwierigkeit zum Austrag zu bringen. Und mit seiner Hilfe und auf Grund der Bekanntschaften, die ich in hiesigen Bildhauerkreisen durch den Besuch von Ausstellungen und Ateliers gewonnen hatte, ist es mir in der That gelungen, einen Stab zusammen zu finden, von dem ich den größten Teil heute um mich versammelt sehe, um mit ihm an diese Aufgabe heranzugehen. Ich glaube, Sie werden mir das Zeugnis nicht versagen können, daß im Hinblick auf das von mir entwickelte Pro- gramni, ich Ihnen die Behandlung desselben so leicht wie möglich gemacht habe; daß ich Ihnen die Aufgabe im allgemeinen gestellt und begrenzt, ,im übrigen Ihnen aber die a b s o l u t e st e Freiheit gegeben habe; nicht nur die Freiheit in der Kombination und Komposition, sondern gerade die Freiheit, das von sich hinein zu legen, was jeder Künstler thun muß, um erst dem Kunstwerk sein eigenes Gepräge zu verlechen; denn jedes Kunstwerk schließt immer ein Körnchen vom eigenen Charakter des Künstlers in sicb. Ich glaube, daß wenn ich es nennen darf, dieses Experiment, nun wo die Siegesallee vollendet ist, als gelungen betrachtet werden darf. Es hat nur des Verkehrs benötigt zwischen Auftraggeber und den ausführenden Künstlern, um jeden Zweifel zu beseitigen, jede Frage zu beantworten, und es haben sich Schwierigkeiten größerer Art nicht gezeigt. Ich glaube, daß wir aus die Siegesallee von diesem Standpunkte aus mit Befriedigung allerseits zurückblicken können. Sie haben ein jeder in seiner Art Ihre Aufgabe so gelöst, wie Sie konnten, und ich habe das Gefühl, daß ich Ihnen dazu das vollste Maß der Freiheit und Muße überlassen habe, wie ich cs für den Künstler für notwendig halte. Ich bin nie in die Details hineingegangen, sondern habe mich begnügt, einfach die Direktive zum Anstoß zu geben. Aber mit Stolz und Freude erfüllt mich heute der Gedanke, daß Berlin vor der ganzen Welt dasteht mit einer Künstlerschaft, die so Großartiges auszusühren vermag. Das zeigt, daß die Berliner Bildhauerschulc auf einer Höhe steht, wie sie wohl kaum je in der Renaisfancezeit schöner hätte sein können. Und ich denke, jeder von Ihnen wird neidlos zugestehen, daß das Beispiel von Reinhold Begas und seine Auffassung, beruhend auf der Kenntnis der Antike vielen von Ihnen ein Führer in der Lösung der großen Ausgabe gewesen ist. Auch hier sollte man eine Parallele ziehen zwischen den großen Kunstleistungen des Mittelalters und der Italiener, daß der Landesherr und kunstliebende Fürst, der den Künsttern die Aufgabe darbietet, zugleich die Meister gefunden hat, an die sich eine Menge junger Leute angeschlossen haben, sodaß sich eine bestimmte Schule daraus entwickelte und Vortreffliches zu leisten vermochte. Nun meine Herren, am heutigen Tage ist auch zu gleicher Zeit in Berlin das Pergamon-Museum eröffnet. Auch das betrachte ich als einen sehr wichtigen Abschnitt unserer Kunstgeschichte: »u.nd als ein gutes Omen und glückliches Zusammentreffen. Was in diesen Räumen den staunenden Beobachtern dargeboten wird, ist eine solche Fülle von Schönheit, wie man sie sich gar nicht herrlicher vereint vorstellen kann. Wie ist "s mit der Kunst überhaupt in der Welt? Sie nimm1 ' : Vorbilder und schöpft aus den Quellen der großen —'.er Natur. Trotz ihrer großen, scheinbar ungebundenen,^"^cenzenlosen Freiheit, bewegt sie/ oie Natur, sich doch nach den ewigen Gesetzen, wie der Schöpfer sie selbst gesetzt, und die nie ohne Gefahr für die Entwickelung der Welt überschritten oder durchbrochen werden können. Ebenso ist es bei der Kunst; und bei einem Einblick in die herrlichen Ueberrefte aus der alten klassischen Zeit überkommt einen auch wieder das stolze Gefühl: Hier herrscht auch ein ewig sich gleichbleibendes Gesetz; das Gesetz der Schönheit, der Harmonie und der Aesthhetik. Tiefes Gesetz ist durch die Alten in einer so überraschenden und überwältigenden Weise vollendeten Form zum Ausdruck gebracht worden, daß wir mit allen modernen Empfindungen stolz darauf sind, wenn uns gesagt wird bei einer besonders guten Leistung: „Das ist beinahe so gut, wie es vor 1900 Jahren gemacht worden ist". Aber „beinahe!" Unter diesem Eindruck möchte ich Ihnen dringend ans Herz legen: Noch ist die Bildhauerei zum größten Teil rein geblieben von den sogenannten modernen Richtungen und Strömungen ; noch steht sie hoch und hehr da. Erhalten Sie sie so; lassen Sie sich nicht durch der Menschen Urteil und allerlei Hin und Her dazu verleiten, diesen großen Grundsatz aufzugeben, worauf sie aufgebaut ist. Eine Kunst, welche sich über die von mir bezeichneten Gesetze und Schranken hinwegsetzt, ist keine Knnst mehr; es ist Fabrik ar beit, es ist ein Gewerbe! Das oarf die Kunst nie werden! Mit dem viel mißbrauchten Wort „Freiheit und unter seiner Flagge verfällt man gar oft in Grenzenlosigkeit, Schrankenlosigkeit und Selbstüberhebung. Wer sich aber von dem Gesetz der Schönheit und dem Gefühl der Aesthetik und Harmonie, die jedes Menschen Brust fühlt, ob er sie auch nicht aussprcchen kann, loslöst und in dem Gedankenr; einer besonderen Richtung und bestimmten Lösung mehr technischer Aufgaben die Hauptsache erblickt, der versündigt sich an den Urquellen der Kunst. Aber noch mehr- Die Kunst soll mithelfen, erzieherisch auf das Volkeinzuwirken. Sie soll auch den unteren Ständen nach harter Mühe und Arbeit die Möglichkeit geben, sich an Idealen wieder auszurichten. Und dem deutschen; Bolk sind die großen Ideale zu dauernden Gütern geworden,^ während sie anderen Völkern mehr oder weniger verloren1 gegangen sind. Es bleibt nur das deutsche Volk übrig, das an erster Stelle berufen ist, diese großen Ideale au hüten, zu pflegen und fortzupflanzen. Und zu diesen Idealen? gehört, daß wir den arbeitenden, sich. abmühenden Klassen die Möglichkeit geben, sich an dem Schönen zu erheben und sich aus dem sonstigen Gedankenkreis heraus und empor zu arbeiten. Wenn nun die Kunst, wie es jetzt vielfach geschieht, weiter nichts thut, als das Elend noch schauerlicher hinzustellen, wie es schon ist, dann versündigt sie sich damit an dem deutschen Bolk. Die Pflege der Ideale ist zugleich die größte Kulturarbeit. Und wenn wir hierin andern Völkern ein Muster sein und bleiben wollen, so mu ß das ganze Volk daran Mitarbeiten. Und soll die Kultur chre Aufgabe voll erfüllen, dann muß sie bis in die untersten Schichten des Volkes hindurchgedrungen sein. Tas kann sie nur, wenn die Kunst die Hand dazu bietet; wenn sie erhebt, statt daß sie in den Rinnstein niederfteigt. Ich empfinde es als Landesherr manchmal recht bitter, daß die Kunst in ihren Meistern nicht energischgenuggegensolcheRichtungeuFront macht. Ich verkenne es keinen Augenblick, daß mancher strebsame Charakter unter den jüngeren Anhängern dieser Richtungen ist, der vielleicht von bester Absicht erfüllt ist. Er befindet sich aber doch auffalschenWegen- Der rechte Künstler bedarf keiner Marktschreierei, keiner; Presse und keiner Konnexion. Ich glaube nicht, daß Ihre großen Vorbilder auf dem Gebiete der Kunst weher im alten Griechenland, noch in Italien, noch in der Renaissancezeit je zu einer Reklame, wie sie jetzt in der Presse vielfach geübt wird, gegriffen haben, um ihre Ideen besonders in den Vordergrund zu rücken. Sie haben gewirkt wie Gott es ihnen eingab. Im übrigen haben sie die Leute reden lassen- Und so muß auch ein rechter, ehrlicher Künstler handeln. Die Kunst, die zur Reklame heruntersteigt, ist keine Kunst mehr; mag sie hundert- oder tausendmal gepriesen werden! Das Gefühl für das, was herrli.ch und schön ist, hat jeder Mensch, auch wenn er noch so einfach ist. Und dieses Gefühl weiter im Volke zu pflegen, dazu brauche ich Sie alle; und daß Sie in der Siegesalleer ein Stück deutscher Arbeit geleistet haben, dafür danke ich Ihnen gantz besonders. Das kann ich Ihnen jetzt schon mitteilen; der Eindruck, den die Sieg es-Allee auf den Fremden macht, ist ein g an z üb e r wä lti g en d er. Ueberall macht sich ein ungeheurer Respekt vor der deutschen Bildhauerarbeit bemerkbar. Mögen Sie auf dieser Höhe stets stehen bleiben, mögen auch meinen Enkeln und Urenkeln, wenn sie mir dereinst erstehen werden, die gleichen Meister zur Seite stehen; dann, bin ich überzeugt, wird unser Volk in der Lage sein, das Schöne zu lieben, und die Ideale stets hoch zu halten. Ich erhebe mein Glas und trinke auf Ihrer aller Wohl. Und nochmals meinen herzlichsten Dank. Gießener StadNyealer. Die schöne Millibäucrin von Tegernsee. Oberbayr. Volksstück in 4 Bildern von Hartl-Mitius. Die Kochelseer sind immer noch nicht da. Sie sind die nächsten dazu. Die Schlierseer fingen damit an, daß sie ihr Sommertheatcr in die Welt hinaustcugen, dann kamen die Tegernseer, und nun sind die Kochelseer an der Reihe. Daß auch dort schon sehr lebhaft gemimt wird, sah ich bereits vor drei Jahren. „Der Schmied von Kochel" lockte damals alle oberbayerischen Sommerfrischler wenigstens auf einen Tag an den Kochelsee. Sie werden wohl jetzt nicht mehr lange auf sich warten lassen, und vielleicht ist die Zeit nicht mehr fern, daß die Südseeinsulaner, die Anwohner des Bismarckarchipels und andere erbauliche Menschenfresser, von denen neulich Herr v. Hesse-Wartegg in der Gesellschaft für Erdkunde so farbensprühend und lebhaft, so champagnermäßig anregend sprach, nach Deutschland und zu uns nach Gießen kommen, um zu zeigen, was sie auf den Brettern Anziehendes zu bieten vermögen — ob sie gleich sich selber nur wenig anzuziehcn pflegen. Doch Scherz bei Seite: Die Schlierseer wußten, was sich schickt. Nachdem sie mehrere Sommer hindurch in ihrem einstmals primitiven und jetzt höchst komfortablen Bauerntheater — wir Gießener „Stadtleut" müßten uns vor diesen Bauern mit unserem Theatersaal schämen — alle Welt zu Gaste gesehen hatten, vertauschten sie die Rollen und gingen bei aller Welt zu Gaste. Dem Besuch folgte prompt der Gegenbesuch. Urb die Tegernseer thaten's ihnen nach. Und sie sind uns heute lieber als die nun mit fremden Schätzen allzureich beladenen Schlierseer, die heute ganz und gar Komödianten geworden sind. Die Tegernseer umweht doch noch so etwas von ihrer heimatlichen Bergluft, und wenn's heute auch nur sehr wenig ist; sie sind doch noch nicht so ganz Berufskünstler geworden, wenigstens machen nicht alle von ihnen diesen Eindruck, sind bei ihnen Geberden und Ton nicht gar so theatralisch sicher geworden. Sie brachten uns gestern bei ihrer —, ich hätte beinahe gesagt Antrittsvorlesung — ersten Soiree ein Stück mit einem langen Titel und kurzen Inhalt. Es ist ein braves Stück braver Leute, wie gewöhnlich oieraktig, wie gewöhnlich reich bedacht mit Gesang und Tanz, und zwar, wie gleich im Voraus gesagt sei, sehr hübschem Gesang und sehr — nun sagen wir: temperamentvollem Tanz, die Geschichte eines unschuldig zu fürchterlichen Ehequalen Verurteilten und noch unschuldiger in den Verdacht eines Diebstahls kommenden Bauernmalers oder richtiger Malerbauern. Die Hochzeitstänze, Berglieder und Zither-Zwischenakt-Vorträge, vor allem aber eine ganz brillant gespielte Liebesszene (im 2. Akt) erheitern den ehelichen und andern Jammer des Unglücklichen, bis sich schließlich seine Unschuld in jeder Beziehung herausstellt. Es geht bei den braven Leuten vom See da unten alles so glatt und frisch, daß selbst der griesgrämigste Kritikaster wieder Mensch werden muß. Wem es in unferm rauhcren West- oder Mitteldeutschland an wünschenswerter Bildung mangelt, dem sei gesagt, daß Millibäuerin Milchbäuerin auf hochdeutsch heißt und daß die Tegernseer nicht nur ehrlich, sondern auch geschmackvoll genug sind, um mit dem Prädikat „schön" nicht leichthin um sich werfen. Der schönen 26jährigen Wittwe steht in Gestalt der Afra ein gräulicher Hausdrache gegenüber, und inmitten dieser beiden grundverschiedenen Frauen steht der „Maler-Veri" alias Laver Berglechner. Doch wozu eine Geschichte erzählen, die nicht des Erzählens wert ist. Es sei nur betont, daß mit frischer Natur treue recht gut gespielt wurde. Vor allen gefiel Anna Zoller, ein reizendes Madel mit schönem blonden Haar und feinen, klugen, etwas strengen, ernsten Zügen, die mit Anmut sich zu bewegen, mit Innigkeit zu sprechen und mit Geschmack — sie besitzt eine volle, weiche, eigenartig verschleierte Mezzosopranstimme — zu fingen weiß. Ihre Nebenbuhlerin Frau Afra gab die Resl Einödshofer. Das ist ein weiblicher Komiker mit einem echten Fitzebutze-Gesicht (man kennt das drollige Kinderbuch Rich. Dehmels, das diesen Namen trägt), von fabelhafter Derbheit, von unglaublicher Zungen- und Handfertigkeit, ein unheimliches Weib, wie geschaffen, um ewig unterm roten Gebirgsparapluie zu hocken. Der Maler-Veri des Beni Glas hätte ja wohl etwas mehr aus seiner Rolle machen können; Edi Hertl ist einkernigerer, strammerer, hübscherer Bua, weniger konventionell als Glas, ein Bursch von imposantem Wuchs, ein echter Sohn der Berge. Er war gestern leider zu einer weniger sympathischen Rolle, zu einem Renommier-Artilleristen verdonnert. Ganz famos war Mathias Mosers Dorfbürgermeister, der zugleich der Dorfschwerenöter ist, ein Mann von prächtigem Humor, der zudem auch als Spielleiter zeigte, daß er nicht Gewöhnliches auch auf diesem Gebiete zu leisten vermag. Gerauft wurde gelegentlich nach Herzenslust. Wie man aber das Zwischen- aktzithern goutieren kann, ist mir unverständlich. Nach meinem Gefühl ist und bleibt eine Zither ein gänzlich unmusikalisches Instrument, dessen Gewimmer umso unleidlicher wird, wenn es eine flotte Tanzmelodie malträtiert. Tas Haus war leider am ersten oberbayerischen Abend sehr schlecht, besucht, man unterhielt sich aber vorzüglich und zollte den Naturkünstlern tebhaftesten Beifall. P.W. welcher Schönheit, diese sich nicht mehr zertreten lassen wird/ Wollens gewiß -gestellt haben, nicht mehr aus. Was man wünschen muß, ist, daß beide Richtungen, die aristokratische und demokratische — wenn man so sagen form — gepflegt werden. Schönheit und Wahrheit, Ernst und Heiterkeit, Erhabenes und Mitleidvolles, Idealistisches und Realistisches. Bedauerlich bleibt in der Kunst immer jede ausgesprochene Apologie, die sich entweder byzantinisch, liebedienerisch, speichel- leckerisch zeigt, andererseits dem Ordinären, Perversen dient. Der französische Novellist Guy de Maupasiant ist gewiß ein großer Künstler, trotz seiner häßlichen Neigung zurLote,ebenso war es Pietro Aretino, dieser Erzlump, ebenso der lüsterii lockere Boccaccio. Es wäre erfreulich, wenn die Kunst, unentweiht, stets in der Zucht sittlichen und ernsten Denkens bliebe; doch der göttliche Funke liegt bisweilen auch in einem Erdensohne von niedrigster, charakterlosester Denkart. Nimmermehr aber kann die Kunst im Sinne der AnMa»die schöne Form über alles stellen. Als Protest gegen Uebertrewungen wird die Kaiserrede sehr willkommen sein. Der Kaiser hat auch mit dieser seiner Auslassung bewiesen, daß er als Mann der heutigen Zeit die öffentliche Aussprache über wichtige, das Volk bewegende Kräfte liebt. So trägt er auf allen Gebieten dazu bei, die Diskussion m Fluß zu hallen. Das hat ganz gewiß auch sein Gutes. die Sklaverei sein. Vollständig wird man dem Kai,er beistimmen müssen, wenn er die Kunst für das Volk verlangt, wobei immer wieder zu bemerken ist, daß die Antike — und auch die .gtenaiifcmce — die Kunst n icht für das V'ol k schuf, sondern für die Privilegierten und Uebermenschien. Dü moderne Kunst hat eben das ganze Volk zum Objekt künstlerischer Darstellung gemacht, weil heute das ganze Volk etwas zu bedeuten hat; das muß sich auf allen Kunstgebieten ausdrücken; darum fommen wir zur Armeleutmalerei, zur Armeleutlitteratur u. s. rv. Und die künstlerische Darstellung aus diesen Regionen erhebt, befriedigt, läutert genau so, wie die dichterische, dramatische, stülp- turelle, malerische Verherrlichirng griechischer Könige und römls^r Jnrperatoren, der Iphigenie oder der Niobe. Gehen nicht z. B. von Schauspielen moderner Dichter Anregungen an gutem Sinne aus; wecken die Ereignisse der Bühne nicht in manches Menschen Brust weiche und mitleidige Empsin- -dungen mit dem Schicksal der Aermsten? Bestärken sie nicht die Ueberzeugung von den Pflichten, die die menschliche Gesellschaft den „Enterbten des Glücke?" gegenüber hat? Lehren diese Darstellungen nicht milder, nachsichtiger über Vieles denken, dadurch, daß der Dichter durch die Kraft seiner Ge- .staltung einen Charakter begreiflich macht? Auch das Mitgefühl, auch die werkthätige Liebe sind wert der Pflege; auch an Schilderungen, die solche Empsindiingen auslösen, kann man sich aufrichten. Immer vorausgesetzt natürlich, daß es sich um das Werk eines echten Poeten handelt, nicht um ein niederes, auf den groben Instinkt berechnetes Tendenzstück. In diesem Falle steigt allerdings die Kunst in den Rinnstein hinab — um des Schmutzes willen. Dann giebt es bei der Kunst allch kein „Soll". Die Kunst ist- und bleibt stets Selbstzweck, sie ist um ihrer selbst' willen da. Man kann ihr also keine Pflichten, keinen Zwang auflegen, will man sie nicht ihrer selbst, ihres eigensten Wesens berauben. Echte Kunst wird in den meisten Fällen .„helfen erzieherisch auf das Volk einzuwirten", sie wird auch ost „die Möglichkeit geben, sich an den Idealen wieder aus- zurichlen" — aber wenn sie das thut, so ist das nur eine Begleiterscheinung ihres mnersten Wesens, ist das nicht ihre Aufgabe, sondern — in vielen Fällen — ihre Wirkung. Durch in ganz bestinnnten Grenzen gehaltene Aufgaben^ wird die Individualität jedes Künstlers stets beeinträchtigt, zumal wenn das Schaffen des Künstlers durch ein festes Schema bestimmt und eingeengt, eingezwängt wird. Aus sich heraus kann dann ein Künstler doch nur „ein Körnlein" geben. Das lehrt uns die Kunstgeschichte an allen Ecken und Enden. -Die großen Künstler der italienischen Renaissance gaben stets ihr Bestes, wenn sie ganz nur an§ Eigenem schafften, nich fest begrenzte „2lusträge" von Mäcencn ausführten, sondern wenn diese Mäoene jeden Künstler ganz frei schalten ließen. Der große Spanier Velazguez zeigt das zur Evidenz. Seine im Auftrage des Königs Philipp IV. geschaffenen Portraits find gewiß große Kunstwerke, aber die paar großen Gemälde, die er gewisserinaßen für sich schuf, die Schmiede des Vulkan, die zechenden Bauern, die Spinnerinnen rc. überragen die auf allerhöchsten Befehl geschaffenen um ein Unendliches. Die Gesetze der Schönheit, der Äesthetik sind wandelbar, wie alle- auf Erden. Andere Zeiten haben andere Ideale, eine andere Kunst. Sie sind, wie alles in der Well, dem ewigen Wechsel unterworfen; „alle? fließt" versichert schon die Philosophie des alten Thales. Ein Gesetz der Schönheit und der Äesthetik für alle Zeiten giebt es nicht, wenn auch qewisse, sagen wir Gesetzes-Paragraphen ewig sind. Auf falschem Wege sind die modernen Künstler sofern können , von nenn Zehntel des Volkes zur Folie diente, nicht als erhebend betrachten. Was für die Griechen schön war, braucht es für uns noch lange nicht zu Die Rede des Kaisers wird nicht verfehlen, in^werten Kreisen Aufmerksamkeit und Aufsehen zu erregen, so weit sick, die kaiserlichen Ausführungen auf die künstlerische Sur* diquua und Bedeutung der Siegesallee, beziehen, werden sie wohl sehr zahlreichem Widerspruch begegnen; denn es giebt viele ästhetisch durchgebildete Leute, denen das gleichmäßige und monotone „Weiß" dieser iUlce durchaus nicht zusagt und die in der ganzen Allee dem großen künstlerischen Zug vermis, en Auch über Reinhold Begas und seine Mitarbeiter sind die Urteile recht verschieden; es giebt viele Künstler und Kritiker, die Begas durchaus den großen Styl künstlerischer Schöpferkraft ab- sie überhaupt das Recht haben, Künstler genannt zu werden, ganz gewiß nicht. Viele verwechseln aber immer noch geschickte Macher, Leute, die mit dem jeweiligen Geschmack der großen Masse im großen und ganzen mitgehen, eine gewisse Technik besitzen, einiges Raffinement, ctivas mehr verstehen als die Masse, etwas mehr Geschmack haben als sie, und diesem oder jenem Großen der Kunst mancherlei Aeußerliches abgegiickt haben, mit den) echten Künstlern, die, wie der aiser sagt, „wirten, wie Gott es ihnen emgab", die intuchv aus sich heraus ihr Bestes geben, ob eS nun der Menge gefällt oder nicht, ob es von maßgebender Seite für „ideal" angesehen ivird oder nicht. Was dem Einen für „ideal" gilt, gilt dem anderen oft für verwerflich. Seinem Ideal aber strebt jeder echte Künstler nach. Darum ist der echte Mäcen der, der, wie unser Großherzog, jeden Künstler seinen Idealen nachstrcben läßt und ihm im übrigen nur materiell zur Seite steht. Was der Kaiser von der Reklame sagt, ist ganz gewiß richtig: Wahre Kunst braucht keine Reklame, keine Markt- schrcierci, keine Konnexion — wohl aber die Kunst, der Berliner Siegesallee, die Kunst der vom Kaiser so gerühmten „Berliner Bildhauerschule". Ein Künstler, der auS seinem Herzen herausschafsen will, muß sich in einer materiell unabhängigen Lage befinden, oder er ist ungewöhnlich anspruchslos. Aber vermag der Künstler wirklich in unserer Zeit der Presse zu entraten? Die Künstler, die in voller Aufrichtigkeit diese Frage bejahen, werden äußerst gering an Zahl sein. Oder es müssen Leute sein, die mch der 'Presse schlechte Erfahrungen gemacht haben und die Kritik deshalb hassen, weil sie nicht den Gefallen thut, zu loben. Ohne Kritik würde ein reges Kunstleb.'u, würde die Beteiligung der Oefsentlichkett daran heutzutage nicht denkbar sein. Die Presse, die den Wert der künstlerischen Leistungen auf den verschiedenen Gebieten abwägt, die das Talent der Nichtbeachtung entreißt — die Presse hat auch eine schöne und bedeutende Ausgabe. Auch sie hilft die Ideale pflegen, auch sie verrichtet Kulturarbeit, auch sie trägt die großen Ideen der Kunst in das Volt hinein. Jedenfalls kommen wir heute mit dem einseitigen Schönheitsmaß, das die Griechen unter ihrem „ewig blauen Himmel" für verliebte Götter, Göttinnen, Uebermenschen und Hetären zum ästhetischen Genuß privilegierter Kasten auf- Nachrichteu von allgemeinem Interesse sind uns stets willkommev und werden angemessen honoriert. Gießen, 20. Dezember 1901. Gedenket der hungernden Vögel! ** Die Vorschriften für den Kleinhandel mit Kerzen, welche jüngst vom Bundesrat erlassen toor den sind, waren bei der Vorlage des Entwurfs dieser Vor- schriften an den Bundesrat mit einer erläuternden Denkschrift versehen, der wir nach dem „Reiiysanzeiger" ent. nehmen, daß der Verkauf von Kerzen an gewisse Gewichts, einheiten gebunden werden soll, um Täuschungen des Publikums hinsichtlich des Inhaltes von Paketen mit Kerzen zv verhindern. „Das Publikum vermutet in den seilgehaltenen Packungen ein bestimmtes Gewicht, ohne jedoch dessen Inne Haltung zu prüfen. Diese Gepflogenheit wird von unredlichen Gewerbetreibenden sowohl, zur Unterbietung der Kon kurrenten als auch in der Absicht, die Käufer zu Übervorteilen, in mehrfacher Beziehung ausgenutzt; das Rohgewicht der einzelnen Packung wird vermindert, indem aus einem Zentner Kerzen an Stelle der üblichen und vorausgesetzten Menge von 150 Packungen deren 160 oder mehr hergestellt, oder indem in einem Pakete statt 8 nur 6 Lichte von demselben Einzelgewichte vereinigt werden. Sodann wird nicht selten die Tara über das durch den Zweck der Verpackung erforderte Maß erhöht." Altarkerzen unterliegen nicht den neuen Vorschriften, wenn sie ausschließlich nach Stückzahl gehandelt werden. Das Gleiche gilt zum erheblichen Teil von Luxuskerzen (sogenannten verzierten Kerzen und Renaissancekerzen): soweit sie aber in Packungen verkauft werden, wird ihnen eine Sonderstellung nicht ein- geräumt. Die neuen Vorschriften behalten die üblichen Packungen zu einhalb, eindrittel und einv^rrel Kilogramm bei. Tie einhalb-Kilogramm-Packung ist sür alle drei in Betracht kommenden Kerzenarten eingeführt. In einviertel-Kilo- - gramm-Packungen werden nur die Christbaum- und die kleinen Laternen- und Lampionkerzen gehandelt, deren Einzelgewicht 25 Gramm oder weniger beträgt. Tie Packung zu eindrittel Kilogramm ist ausswüeßlicb bei Paraffinterzen üblich, wie sie von minder wohlhabenden Verbrauchern besonders in den gebirgigen Gegenden gern gekauft werden. Mit Rücksicht auf diese Kreise muß b-e Packung zu eindrittel Kilogramm beibehalten werden. Wenn man demgegenüber auf die Gefahr der Verwechselung hingewiesen hat, so ist zu bemerken, daß der Unterschied zwischen der eindrittet Kilogramm- und der einhalb Kilogrammpackung immerhin erheblich und sinnfällig ist, während die Beschränkung der einviertel Kilograrnrnpackungen auf Christbaum rc.-Kerzen die Täuschungsgefahr wesentlich abschwächt. Ta sich eindrittel Kilogramm mit den durch die Maß- und Gewichtsordnung im öffentlichen Handelsverkehr zugelassenen Gewichtsgrößen nicht zusammensetzen läßt, schlägt der Entwurf vor, die Größe der bisher als eindrittel Kilogrammpackung bezeichneten Einheit auf 330 Gramm festzusetzen. x Rudingshain, 19. Dez. In einem Nachbardorfe wurde vor einigen Tagen eine ruchlose Thal verübt, indem eine Person am Abend einen faustdicken Stein durch das Fenster in die Wohnung des Lehrers schleuderte. Glücklicherweise verfehlte der Stein sein Ziel. Die Gendarmerie von Schotten stellte sofort Recherchen an, jedoch fehlt bis jetzt noch jede Spur von dem rohen Menschen. -I, HartmannShain, 19. Dez. Durch den dichten Nebel werden die Vermessungsarbeiten an der Nebenbahnstrecke Grebenhain — Gedern sehr gehemmt, jedoch hofft man sie in etwa 7—8 Wochen beendigen zu können. Der Bahnhof wird in unmittelbarer Nähe des Gasthauses zum „Darmstädter Hof" errichtet werden. fixtedjen. . , ., . <, Daß Kommissionen und Konkurrenzausjchreiben nicht unmer zum Ziele führen, ist bekannt und ebeiiio ist richtig, daß Auftraggeber und Künstler allein oft Tüchtiges zu sttmde bringen. Im allgemeinen liegt die Sache aber doch io, daß sechs Leute von Geschmack und Bildung e in besseres ästhetisch es Urteil extrahie ren, als der Einzelne. ,. . . Die Bedeutung der kaiserlichen Rede liegt in ihrem Widerspruch zu den m odernen Richtungen. Tiefer Passus wird starken Widerspruch Hervorrufen. Und sicherlich mitRechl. M a n f a n n b i e K u n ft n t ch t auf ewige Gesetze festlegen. Tie Kunst kann auch; nicht universal, sondern nur national fein. Wenn die Kunst wirklich der feinste Extrakt aus dem feinsten individuellen Seelenleben eines Volkes ist, so kann sie nur national fein; denn je höher sich die Nationen entwickeln, desto bisse- rentierter ist ihr Gefühlsleben, sind ihre Empfindungen, ihre Anschauungen. Die Kunst der Antike ist das Produkt der klimatischen und sozialen Verhältnisse Griechenlands. Danach richtet sich die griechische Architektur und Skulptur mit ihrer Betonung des Nackten; darum ist das griechische und römische Drama Königs- und Heroendrama, weil das Volk als solches keine Rolle spiett. Die griechische Kultur rannte kein Mitleid und kein Erbarmen, darum gab es weder Armeleutdramen, noch Armeleutmalerei; die Kunst war äschetische Religion einer herrschenden und bevorzugten Kaste. Weil es heute — Gott sei Dank! — anders ist, ist auch d tc Ku «l't e i n e andere! Es geht also nicht an, die Ku n ftp rinzi p i e n, die eine Nation vor 20 00 Jah-ren unter ganz anderen klimatischen, -sozialen, philosophischen, religiösen und damit auch ästhetischen Voraussetzungen geschahen hat, als „ewig giltig" den Deutschen vorzuführcu. Ein Volk ist nur in dem Maße wirklich geistig selbständig, den Kinderschuhen ent- wachsen, als es sich seine eigene Litteralur, eine eigene Kunst schafft, die das Substrat seines individuellen " " und Könnens ist. Tie Griechen hatten Schönheit in der Kunst, aber wir als den „Großen Kurfürsten" in den Mittelpunkt einer deutschen Geschichte jenes Jahrhunderts stellen. . . . Was die Hohenzollern mit Hilfe ihrer Beamten und ähnliche bie Wettiner in der Erziehung, der „Einschulung" der Massen zu kultureller Thätigkeit geleistet haben, gehört zu den größten staatlichen Erfolgen. . . . Man ist heute so fleißig daran, die „preußische Legende" zu „zerstören", das Bild' des gewaltigsten Hohenzollern im Dienste der „Vorau§s^- ungslosigkeit" zu zerzerren. Ganz gewiß: das Menschliche von ihm ioll in seiner Charakteristik zum Ausdruck gebracht werden; aber der Grund, der dazu berechtigt, kann allem der sein, seiner geschichtlichen Erscheinung das volle allsettige „Leben" zurückzugeben, ihn uns in einer Ganzheit zu zeigen. Wenn einer unter den Großen der Geschichte einen Anspruch darauf hat, als Eii'.heii begriffen zu werden, so ist es der Kurfürst bei der Wirrsal der Verhältnisse, aus der er sich emporarbeiten mußte, und bei der Sittlichkeit und dem Ernst, die die Wurzel seines Daseins bildeten. . . . Unsere als deutsche von Naiur christlich-gläubigen Gelehrten, Leibniz an der Spitze, mehrten sich 40 Jahre lang gegen die knüvfnng der Wissenschaft mir dem Nationalismus, aber nicht mir Crjolg — mit Dhor.'a gelangte die .tufklärung auch bei uns zum Siege —-, und iie ist es nun gewesen, die eigentlich erst das ichus, was wir heute unter Prio-- t e st a n t i s m u s verstehen, erst sie hat das P r i n z i p der Duldung, der Freiheit, der Kritik und Forschung als dem P rötest an tismus eigentümlich verkündet. Merkwüroig ist, wie teilnahmslos der süd deutsche Katholizrsmus all diesen großen Bewegungev gegenüberstand, seine geisttge und religiöse ^riebivast ver ,agte fast ganz, obwohl ihm die allgemeine Stimmung Deutschlands günstig war und reiche äußere Mtttel (die meisten süddeutschen Universitäten ihm zur Verfügung standen. Vielleicht roeun ^Ojei 1. von Oesterreich nicht gar io srüh gestorben wäre, wäre es anders geworden; eine besondere und sehr gestaltungsfähige .^twreichische Kultur (man betrachte die Blüte des Barocks dorr) schien m vollem Anzuge, und sie hätte ja einen katholischen Grimdcharakter. getragen. Es sollte indessen nich. sein, und die neue preiK zische Universität Halle, die erste deutsche Universität, ,wv wir sie heute kennen, und die Berliner Akademie der Wissen- schäften finden keinen katholischen Wettbewerb im Süden des Reichs.' Brandenburg ward kutturel» der Mittelpunkt, wie es auch potitisch die Führung.erhalten sollte. Freuen wir uns aber als Preußen der Erfolge der >7ohenzollern, so dürfen wir nicht vergessen, daß, wenn das .Haus vabsburg nicht ebenfalls Dauerndes im 17. Jahv hundert schuf, dies mehr ein Schicksal als eigenes Vev schulden war: geleistet und ersttebr hat es von 1617 biä 1711 wahrhaft Großes — und hoffen wir daraufhin, daß, wo so treulich deutsch dereinst gewirkt worden ist, Sette an Seite mit Brandenburg, das Deutschtum auch in Zukunft Professor Martin Spayn verössentlicht in der „Köln. Ata " eine Selbstanzeige seines soeben erschienenen, von der Krittk ziemlich zurückhaltend aufgenommenen Buches „Deutschland im 17. Jahrhundert und der große Kurfürst. Diese Anzeige ist nicht ohne eigenen Reiz; sie ist frisch, anregend, temperamentvoll geschrieben und sie zeigt, wie stark der blutjunge Ordinarius der Straßburger Hochschule in der Auffassung der brandenburgisch-preußisch-deutschen Entwickelung von Forschern wie Kvser, Lenz, Delbrück, Sck;mvller u. a- beeinflußt wurde. Ein paar Beispiele werden das besser erhärten. Spahn schreibt: „Stellen wir den Verlaus der politischen Bewegungen in den Mittelpunkt der Forschung, so müssen wir die Jahre 1231 bis 1617 als Verfallszeit, die Jahre 1617 bis 1871 als Zeit der Wiedererhebung und Wiederyrganisat on betrachten. Nur scheinbar ist jener Verfallsprozeß schon vor 1617 einmal unterbrochen worden durch das nur in seinem Streben, nicht im Erreichen hinreißend große Jahrhundert von 1450 bis 1555 — das Jahrhundert Bertholds von Henneberg, Erasmus, Dürers und Luthers; denn je Ernsteres und Höheres die Nation im ganzen wie ihre zahlreichen staatsmännischen Leiter und geistigen Führer im einzelnen damals gewollt haben, desto deutlicher wird uns gleich hinterher, wie unüberwindlich die Auflösung im Innern des nationalen Körpers bereits fortgeschritten war. . . . . Sollte es heutzutage nötig geworden sein, ausdrücklich darau hinzuweisen, daß nicht die Reformation es war, die, wie Johannes Janssen es mit einem methodisch so unerklärlich weit zurückgebliebenenRüstzeug darzuthun versucht hat, diesen Verfall der Nation entschied? Aber beeinflußt wurde doch auch sie von ihm, da sie sich nicht jenseits der Wolken in idealen Höhen hat entfalten können. So trägt sie genau das Gesicht, das alle Entwickelungen in dem Deutschland jener Jahrzehnte zeigen; sie findet tausend überzeugte, warmherzige Vorkämpfer und einen in feiner Volkstümlichkeit und seelischen Glut einzigen Führer, sie sindet in der ganzen Nation sofort 1517 einen lauten Widerhall, es wirten in ihrem Grunde tief religiöse, uralte deutsch-christliche Ideen, ihr ursprüngliches Wollen ist von hoher sittlicher Reinheit — aber auch auf diefem Gebiete mangelt die Kraft zur Durchbildung, zum Maßhalten, zur Organisation, zur dauernden Umschließung der ganzen Nation." Dann heißt es mit Bezug auf die innere Reorganiscttion der deutschen Staatswesen, die S saubere LuUauiucu „ „ „ 55 „ „ 1 Qualität. Citronat, Orangeat, Citronenöl, Rosenwasser, Wachs, Oblaten, Backpulver, Traubeurosinen, Prinzetzmandeln, Almeria - Trauben, Mandarinen, Apfelsinen, Citrouen, Maronen. Süssrahm-Margarine per Pfd. 80 Pfg. Paimin per Pfund 65 Pfg. Garantiert reines Schweineschmalz per Pfd. 64 Pfg., 5 Pfd. ä 62 Pfg. Gebi*üder Berdux Bahuhofstr. 27. Lindeuplatz 12. orgfältigste und prompte Bedienurrg frei Haus. 8253 Das schönste Geschenk ist ein Photographischer Apparat Katalog gratis. 8038 Heinrich Holl, Mäusburg 7< do. „ 5 do. „ 3 in den besten und solidesten Qualitäten empfiehlt 8205 Krenzplatz. Julius Schulze. Krenzplatz. Keine UenbacherLeriemiireii wie: Nortemonuaies ßigarreu-Ktuis Ailder-Atönms Z^ostkartrn- AtVums, bis zrt 1000 Postkarten fassend, empfiehlt billigst 8125 H. Tichy, Seltersweg 43. Prima frisches 8145 Majlgeflügel empfiehlt zu bill. 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