"d-»d«8Uh, ert vr _ 01501 ‘"■tarn el" ktl»n- Neu! W hrbeu. 2« 8 Herren. Mit QM Wför tiitn u. nnnnrna Meine Wohnung Befinret 9 h von heule an 2196 ü in Gatzhaus g $um Löwen g (5l(muWig). Sichen, 12. AB 1901. 0 lr. Koeiler.g thltrant. q IXXSTKXXJÖDnC ^vdvi-stratze 4 in neue Zögimse, knabw Mädchen. steundliSekni' me. Wiederbeginn Diensta 16. d. «tt, vor«itta-1 Ihr. - Anmeldungen mH« i* £*"> srÄrtifiMi««»” * «Ute Hi Y" ui«n»«» 7'L N mrLLLS ZWZ S-«SÄ if« fjtff Ufijü!! itiitt «c* Rlld ^flutttöaü, u 5*uul W üertoufen. :___Keuenveg 16. ’ JM^öföhrtofldpoeil. tf itr, Große Müh/gaffe 4 je Cenlner en iper Älee ju tfflufrn. WaThu’fl'Tftr 21. I Gute, ftiitzmeüephi ah mit Kalb M Cberförflet L-nelder eiS an der Lumda Nr. 93 Zweites Blatt. ’ । • Csniirnaiifl. Sonntag 21. April 1901 täglich Mit leHeNw M Montags We er jeelliei- Hifttl xrNo» btM An- *■< tat Stchkl mit ^Heff w***»" unb „Blätter Nk MJ. ••(ttfunbe*' »ier« *el »«chnetlich beigdeyt. ■ »ei «Hielten B Vwr ■■»■tttaqt ft* btn x«i «rl4elntnben Nmmmi M MTB 10 Uh* fpAteftent *«M w*r tiWw, Gwahition unb •**••*■ Jchatstratze 7. MetzenerAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen vezugrpreis »wrcc Bei Postbezug eirrteljä#* «t 2.00 ahne Bestell»«» AN» Nnzeleen ver»«ilu*aO- • eaeh« ■ er Anztiftei enigeerr» 8*1 le »trete total 11 Rt. e*»eän« »o Pf, ■ brefle für Depe(4ee: Anzeiger Siebe». $emipred)anldilu6 Wt W -er «fit Werfelder Militarbksreiings.Pr-srh. VIL Elberfeld, 18. April. Eine rricht geringe Spannung zeigte sich heute auf den Mienen aller beteiligten. Sollte doch heute der Prozeß in eine neue Phase treten durch das Erscheinen des Oberstabsarztes T-r. Schimmel als Zeugen, und durch ausführliche allgemeine Darlegungen hervorragender Sachverständiger. Sliy vor Beginn der Verhandlung fuhr in einer Droschke Dr. Schimmel in Begleitung eines Äabsoffiziers des Bezirkskommandos Barmen vor. Tr. Schimmel, eine bochgewachsene, kräftige Erscheinung, betrat in voller Uniform den Saal. Die große Reihe der Verteidiger, von denen in den letzten Tagen nur wenige anwesend waren, ist lheute wieder vollzählig erschienen. Die Zahl der Sach- verftändigen ist heute durch die Professoren Schede und Bohl and noch erhöht worden. Ter Zuhörerraum und die Batterien sind dicht gefüllt. Trotz dieser großen Menschenmenge herrschte schon lange vor Erscheinen des Gerichtshofes tiefe Stille. Rach Eröffnung der Sitzung beginnt Generalarzt Dr. Stricker-Berlin eine Erörterung der Frage, ob Krankheiten wie Herzfehler und Druchleiden heilbar sind und ob zwischen erster und zweiter Musterung solche Leiden sich mindern können oder sogar ganz verschwinden. Generalarzt Dr. H e r t e r - Berlin ergänzt diese Darlegungen und giebt dazu statistische Erläuterungen. Geh. Medizinalrat Dr. S ch e o e -Bonn bezeichnet auf Grund neuerer Forschungen sein früher ausgestelltes Gutachten, daß ein Bruch, der ausgewachsen war und wieder zurückgetreten ist, zu ernennen sein müsse, als nicht richtig. Mit dem Fall Tilima ns beginnt die Behandlung der Fälle, in denen ein Geständnis der Militärpflichtigen über Beziehungen zu Baumann vorliegt und in denen Dr. Schimmel als untersuchender Militärarzt thätig war. Tillmanns aus Wald wurde wegen eines Herzfehlers und einer Anlage zum Bruche zurückgestellt. An allen drei Orten war Tr. Schimmel untersuchender Militärarzt. Tillmanns war von Baumann jedesmal an diese Orte geschickt worden und hatte dort zum Schein seine Wohnung genommen. Zwischen den Sachver ftänbigen entspinnen sich lange Auseinandersetzungen, ob bei Tillmanns damals Herzfehler und Bruchanlagen vorhanden waren oder sein konnten. Ter Präsident befiehlt nun, den Oberstabsarzt Dr. Schimmel als Zeugen aufzurufen. Auf Antrag des Ersten Staatsanwalts beschließt der Gerichtshof, die Ber- eidigung dieses Zeugen auszusetzen. Dr. Schi m m e l erklärt auf Befragen des Präsidenten, er heiße mit Vornamen Klemens, sei 50 Jahre alt, und katholischer Konfession. 1874 sei er Assistenzarzt zweiter, 1877 Assistenzarzt zweiter, 1877 Assistenzarzt erster Klasse geworden. 1882 sei er zum Stabsarzt des Westfälischen Feldartillerie-Reai- ments Nr. 7 in Osnabrück ernannt worden. 1890 sei das Regiment nach dem Elsaß versetzt worden. 1893 fei er zum Stabsarzt des Magdeburgischeu Feldartillerie-Re- girnents Nr. 4 ernannt und 1897 als Oberstabsarzt erster Klasse zum 11. Husaren-Regiment nach Düsseldorf versetzt worden. Er sei in eine große Anzahl von Städten: Magdeburg, Halberstadt, Oeynhausen, Detmold, Hörde, Bochum, Essen uftvi zum Zwecke der Militäraushebung kommandiert worden. Zur Sache selbst bemerkt der Zeuge, daß er sich auf den Fall Tillmanns nicht erinnern könne. Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Schede erklärt, Tillmanns sei ein außergewöhnlich kräftiger und muskulöser Mensch, dessen Bruchleiden so minimal sei, daß er für den Militärdienst nicht untauglich gewesen sei. Es wird alsdann die gerichtliche Aussage des inzwischen nach Amerika ausgewanderten Kaufmannes Adolf Rhode verlesen. Sein Vater sei mit einem Manne zwecks Frei- macbung in Verbindung getreten, dessen Beschreibung voll- stänoig auf Baumann paßh Letzterer bestreitet, von der Angelegenheit etwas zu wissen. Handlungsgehilfe Gustav Heinrichs ist auf Anraten seines Onkels und seines Vaters zunächst mit Wilhelm Schmitz in Remscheid, der als Freimacher bekannt war, zwecks Freimachung in Verbindung getreten. Schmitz sei aber sehr bald, da ihm die Verhaftung wegen Münz-Ver- brechen drohte, nach Amerika entflohen. Daraufhin habe sich sein Vater an Baumann gewandt. Tiefer gab ihm Pillen mit der Anweisung, diese einzunehmen und anzugeben, daß er an Gelbsucht leide und herzleidend sei. Er habe sich zunächst in Mettmann gestellt und sei dort für dienstuntauglich erklärt worden. Als er sich zur Generalmusterung stellen sollte, sagte ihm Baumann, er müsse sich in Hörde an melden, damit er sich dort stellen könne, in Mettmann habe er (Baumann) schon zu viele. Er habe dies gethan, und sei für dienstuntauglich erklärt worden. Ter Onkel und der Vater dieses Zeugen bestätigen dies und geben an, daß sie an Baumann 1800 Mark gezahlt haben. Baumann bestreitet aufs entschiedenste, die Leute auch nur zu kennen. Auf weiteres Befragen bemerkt der Zeuge Heinrichs fr., er sei niemals herzleidend gewesen. Bei der Generalmusterung sei et einer der letzten gewesen, er habe sich deshalb gar nicht auszuziehen brauchen. Oberstabsarzt Tr. Schimmel: Diese letztere Angabe halte er für unmöglich Angekleidet werde niemand gemustert. Auch. Generalarzt Dr. Hertel bezeichnet dies für undenkbar. Die Leute müssen schon ausgekleidet ins Musterzimmer kommen. — Generalarzt Dr. Stricker schließt sich dieser Ansicht an. — Dr. Schi mmel bemerkt noch daß er höchstens einen notorischen .Krüppel auge- kleidet untersuche. Präsident: Herr Oberstabsarzt, Ivie erklären Sie es sich daß Baumann stets seine Kunden derartig dirigierte, daß sie immer von ein und demselben Arzt untersucht wurden? Oberstabsarzt Dr. Schimmel: Das ist sehr erklär- lich Baumann ging vielleicht von der nicht ganz falschen Ansicht aus, daß der Arzt, der bei der ersten Musterung einen Fehler gefunden hat, diesen bei der zweiten Musterung wieder finden wird. — Präs.: Wodurch mag Baumann erfahren haben, welcher Arzt die Musterung in den vor- schiedenen Städten vornehmen wird? — Dr. Schimmel: Tas ist ja 4—6 Wochen vorher zu erfahren, das ist durch aus fein Geheimnis. Ich habe sogar schon in Zeitungen gelesen, welche Aerzte zur Musterung kommandiert seien. Kaufmann Walter Josua Gvmmann ist angeblich wegen eines Mastdarmleidens freigekommen. Er hat sich in Detmold, Essen, Köln und im Elsaß gestellt und ist teils von Dr. Schimmel, teils von Dr. Lindemanngemustert worden. Er versichert, er habe keinerlei ungesetzliche Mittel angewendet, sondern sich in den genannten Städten deshalb gestellt, da er geschäftlich dort zu thun hatte. — Baumann erklärt auf Befragen des Präsidenten, daß ihm von der ganzen Angelegenheit nicht das geringste bekannt sei. — Geh Medizinalrat Prof. Tr. Schede be* kündet, daß er ein Mastdarmleiden bei dem Zeugen nicht entdeckt habe. Hierauf wird die Verhandlung auf Freitag Vormittag 9 Uhr vertagt. Aus Stadt und Land. Gießen, den 20. April 1901. ** Wichtig für alle Wehrpflichtigen ist die bisher geheim gehaltene, aber soeben zur öffentlichen Kennt- nis gelangende kaiserliche Verordnung über die Beförderung der im Mobilmachungsfall Einberufenen. Nach dieser neuen Anlage zur Militärtransportordnung sollen alle Eisenbahnen Deutschlands verpflichtet sein, während des mobilen Verhältnisses die Einberufenen der bewaffneten Macht (Heer und Marine) und des Landsturms ohne Fahrkarte zu kostenfreier Benutzung der Bahn nach dem Gestellungsort zuzulassen und zwar: a) die Mannschaften des Beurlaubtenstandes gegen Vorzeigung des Gestellungsbefehls oder anderer Militärpapiere; b) die Mannschaften des Landsturm- innerhalb des betreffenden Korpsbezirks auf Grund ihrer mündlichen Erklärung, daß fie dem Landsturm angehören und eingezogen sind; c) Kriegsfreiwillige und Freiwillige licher Hinweis auf die mangelnde Grazie, die der Pariserin schon in die jüngst wieder den „Briefen die seinerzeit Napoleon III. Wiege gelegt wurde, fehlt nicht, und da- hervorgeholte Wort Prosper Merimees auft an eine Unbekannte", über Bismarcks Fra», mit in Biarritz bei der Zusammenkunft mit war, ist geradezu typisch für die Taxe bet lieben Franzosen. Merimee hat nichts von Frau von Bismarck gesehen, als ihre Füße. Es sind die „größten in deutschen Landen". laneben begegnet man auch Ähilder- ungen, die sich mit dem sittlichen Niveau der Berlinerinnen beschäftigen und zu dem Resultate kommen, daß die Pariserinnen wahre Engel gegen sie sind. „Tie moralischen Skrupel, der ganze Aufwand an Schamhaftigkeit, mit dem sich in Paris selbst das junge Mädchen aus dem Volke umgiebt, macht bei der dem kleinen Kaufmannsstande angehörigen Berlinerin einer vollkommenen Indifferenz Platz usw." Eine ganz besondere Sorte des Berliners schilderte vor kurzem ein Herr Louis Bois im „Matin". Er heißt Gustav Müller und ist in jeder Straße des arbeitendem Berlins zu Dutzenden zu finden. Natürlich kann er auch Schulze ober Lehmann, Schmibt ober Krause heißen. Go- mar Unteroffizier bei der Artillerie, ist selbstverständlich Mitglied des .Kriegervereins, des „Vereins zur vollständigen Verdeutschung der Sprache", gehört außerdem dem „Verein der fröhlichen Radfahrer von Spandau" an und — man lese und staune, auch dem „Verein der Wagner- freunde". Natürlich ist er vom Militär her streng und, ordnungsliebend, und nicht nur die Kinder, nein auch die „sanfte dicke Grete", seine Frau nämlich zittere, wenn er heimkommt. Denn es regnet mitunter Ohrfeigen. Nur am Sonntag schmilzt die harte Rinde, die sein rauheS Herz umgiebt. Er führt seine Familie dann, mit dem nötigen Futterkorb versehen, ins „Grüne". Da gehts auß einem „Tingltanal" in den andern, auch ein paar „Tanzböden" werden absolviert. Eine Kneipe macht den Beschluß. Ta Gustav Müller Wagnerfreund ist, so verfehlt er natürlich nicht, seine Harmonika mitzunehmen, und seiner Familie darauf Wagner vorzuspielen. Man muß hören, wie er auf diesem Instrument den--„Walkürenritt" spielt? faßt ernsthaft Herr Louis Bois. — Sie bleiben ein lustiges Völkchen, die Franzosen, ob sie wollen oder nicht? önb1 ihre wirklich hellen .Köpfe, die sich in diesen Tagen übec die Fortschritte unserer Jndusttie, unserer sozialen Einrichtungen, unserer Museen usw. geradezu begeistert ausgesprochen haben, werden noch lange tauben Ohre» jrebigen. Für die Pariser bleiben wir nach wie vor Gustav Müllers, unsere Frauen haben die größten Fuße und unsere erbeuteten Kanonen sind von Holz? -sei es drum. A. R. lich, als ob etliche derselben „von Holz" wären, und natürlich dürfen wir doch eine so beschämende Thatsache nicht merken lassen. Seine weiteren Liebenswürdigkeiten, die sich auf die Figur der Drake'schen „Borussia" beziehen, von der wir ja schon selber wissen, daß sie „das einzige Frauenzimmer in Berlin ist, das kein Verhältnis hat", erschöpfen sich fast in Hohn und Spott. So vergleicht er das Fettreichen mit dem eisernen Kreuz, das die Borussia in der Linken hält, mit einem Besenstiele und erinnert dadurch, allerdings ohne es zu wollen, an das fräftige Arndt'sche Wort vom Marschall Vorwärts, der „mit eisernem Besen das Land rein gemacht hat." Aber er täuscht uns trotz aller ironischen Künste nicht: einen heimlichen Respekt vor dieser „trostlosen ©tobt", die ihm, vom Rathausturm aus gesehen, wie ein großer Oelfleck erscheint, der sich allmählich immer weiter ausdehnt, hat er doch! lieber die Genußsucht der Berliner fand ich vor etlicher Zeit von einem anderen Franzosen ein bedeutsames Kapitel Er hatte beobachtet, wie ein Mann des Mittelstandes in einem Bierpalast drei Portionen Pökelfleisch mit Sauerkraut und dazu sechs halbe Liter Bier vertilgt hatte. Und das alles in einer halben Stunde? Er ließ bescheiden burchblicken, daß wir mehr ober minder alle derartiger ßeiftunaen fähig wären. Auch über die guten Manieren, durch die wir uns auszeichnen, zumal wenn wir beim Weißbier sitzen, tischt man den Parisern herrliche Tinge auf. „Das Weißbier hat nämlich feine besonderen Eigenheiten, von denen man in der Gesellschaft nicht zu sprechen pflegt. Man verstehe mich recht. Das Bier entwickelt sehr viel Kohlensäure: ist dieselbe einmal eingefangen, so muß sie auf irgend eine Art einen Ausweg finden . . . und nun giebt man sich immer einer Beschäftigung hin, die namentlich die Engländer nach dem Essen mit Vorliebe zu üben pflegen: man geniert sich! bei eintretender Gelegenheit durchaus nicht, durch ein tief empfundenes Rülpsen zu bezeugen, daß man gut gespeist hat." usw. usw. Ja, wenn wir so gar wenig Schliff haben, kann man's den feinen Parisern eigentlich kaum verdenken, daß sie lieber nach Petersburg fahren und von Berlin nur den Friedrich- straßen bahn Hof zu sehen bekommen. Je weiter nach Osten, je höher und vornehmer die Kulturformen, das ist seit dem Besuch des verstorbenen Schahs von Persien eine bekannte Geschichte, und in verschiedenen Fürstenschlössern an den Fenstervorhängen illustriert worden. Was die deutschen Mädchen und Frauen betrifft, so figurieren sie in manchen Berichten noch immer als mehr oder minder gelehrige blonde Bärinnen mit viel Unbeholfenheit, Schüchternheit und Sentimentalität. Sin gelegent* Kerliner Kries. (Plaudereien aus der Saiserstadl.) (Nachdruck verboten.) Kranzbsifcheb über Deutschland: Die Sanoneu an der Sieges- finit. — Berliner beim Weißbier. — Die deutsche Weiblichkeit., — Gustav Muller im Grünen. — Meinungen der Unparteiische». Ich konstatiere von vornherein, daß ich des Glaubens ihn, auch wir erhalten von unseren lieben deutschen Plauderern an der Seine manches über Paris aufgebunben, unb die Herren Franzosen macken sich, wenn sie es lesen, mit vielem Behagen über uns luftig. Es beruht eben alles woher sie kamen, und als ich eines Tages den König bat, mir Kenntnis vom Inhalt derselben zu geben, da sagte er lächelnd: „Wenn ich Ihnen alles geben wollte, was mir jeden Tag Schlechtes über Sie geschrieben wird, würde ich nicht fertig werden". Der Kaiser kannte mich als treuen Diener und ließ sich durch nichts irre machen." Und poch ein anderes glaubte ich in Varzin unter den Bäumen gefunden zu haben, die Auskunft über die Bildersprache, die Bismarcks Reden den größten Reiz verlieh Ueber feine Wortbilder und Bilderworte besteht heute schon eine ganze Sitteratur, in der man nur zu häufig dem Ausdruck „Bilderschmuck" begegnet. Davor muß gewarnt werden. Ihm war das Bild nie ein Ornament, sondern stets nur ein Mittel zur Verdeutlichung. Auch hier hat Bismarck eine besondere Mission erfüllt. Er hatte einen Sprachschatz vorgefunden, der von Denkern und Dichtern einer thatenlosen Zeit und eines beschaulichen Volkes geschaffen worden war. Diesem Sprachschatz hat er das politische Auge eingesetzt, den Wirk- lichkeitssinn und den Thatgeist. Und feine Bilder holte! er aus der Welt des Land- und Forstlebens, der ursprünglichsten Schule für den Wirklichkeitsfinn. Dort war ferne Phantasie zu Hause. Bei dieser Gelegenheit bemerkte Professor Oncken, einer der populärsten Aussprüche Bismarcks, den er im Jahre 1867 that: „Setzen wir Deutschland in den Sattel, reiten wird es schon selber". Dieser Ausspruch soll in nächster Zeit in Frankfurt am Main durch ein Denkmal plastisch dargestellt werden: eine Germania hoch zu Roß, das bereit zum Ansprung ist; Bismarck steht daneben und hat eben die Zügel des Pferdes losgelassen. Unter seinen Bäumen - so schloß Professor Oncken den Vortrag — ruht er jetzt an der Seite seiner Gattin, die ihm im Tode borangegangen, nachdem sie ein langes, gesegnetes Eheleben hindurch wie eine Priesterin über dem Heiligtum seines Hauses gewacht hatte, keiner anderen Aufgabe lebend, als dem großen Manne, der ihr Gatte war', eine schlichte deutsche Hausfrau zu fein, die ihm am häuslichen Herde jederzeit eine Stelle warm hielt, wo immer Glück und Seelenfrieden zu finden waren. Und da ruht er jetzt, wo bei jedem Gedenktage deutscher Geschichte das deutsche Volk ihn sucht und findet, wo geheimnisvolle Geisterstimmen ihm das nationale Gelübde zutragen, daß wir getreu seinem Spruche leben wollen: Patriae inser- viendo oonsumor! des Landsturmes auf Vorzeigung einer Bescheinigung der Ortsbehörde über Zweck und Ziel der Reise. Der Ausweis erfolgt den Organen der Fahrkartenkontrolle gegenüber. Tie Bahnverwaltungen sollen für diese Leistungen durch Gewährung von Pauschsummen entschädigt werden. §§ Die Kohlen, so schreibt man uns, werden billiger, das! Holz wird teurer. Als im vorigen Frühjahre bei den damaligen Brennholzversteigerungen die Preise ungewöhnlich in die Höhe gingen, sagte man, die hohen Kohlenpreise seien die Ursache. Die.Nichtigkeit dieser Behauptung zeigen die gegenwärtigen Brennholz- vcrsteigerungen. Hinge die Holzfrage mit der Kohlenfrage zusammen, so müßten jetzt die Holzpreise herabgehen. Statt dessen übertreffen sie aber die vorjährige schon hohe Preisstufe. 40 Mk. für vier Meter Buchenscheit und 36 Mk. für desgleichen Prügel, im Walde zu holen, das sind wirklich hohe Preise. Ter lange Nachwinter, der jetzt noch ein Heizen der Wohnstuben bedingt, hat allerdings fast gänzlich die alten Holzvorräte aufgezehrt. Tas Verlangen nach Holz ist deshalb in diesem Jahre sehr groß. Stete Nachfrage aber bringt stets hohe Preise. W. Büdingen, 18. April. Unsere 263 Mitglieder zählende Molkereigenossenschaft hat im abgelaufenen Jähr so günstig gewirtschaftet, daß sie einen Reingewinn von 12787 Mk. 84 Pf. erzielte. Die Aktiva belaufen sich auf 112 376 Mk. 60 Pf. Tie Immobilien stehen jetzt noch nach der Abschreibung mit 46 768 Mk. 97 Pf. zu Buch, die Maschinen mit 8277 Mk. 70 Pf., die Geräte und Utensilien mit 2112 Mk. 69 Pf., Reservefond und Betriebsrücklage erreichten beide die Höhe von je 9013 Mk. 65 Pf., das Geschäftsguthaben der Genossen be- ttiuft sich auf 12 306 Mk. 50 Pf. ** Kleine Mitteilungen an8 Hessen und den Nachbarstaaten. Ja der Nähe der Zementfabrik in Weisenau ist Mittwoch nachmittag aufl bis jetzt noch unbekannten Gründen ein mit Sand beladenes Schiff nntergegangen. Die auf dem Schiffe befindlichen Leute konnten sich noch rechtzeitig retten. — Zam Fall Scherte! in Gensingen können wir eine neue Entdeckung berichten. Man konnte cS seither nicht begreifen, wie es dem Manne gelungen ist, so viel Vertrauen und Kredit zu bekommen. Nunmehr hat fich herauSgestellt, daß er unter der Adresse einer Kaffe, die er verwaltete, für mehrere Auskunftsbureaus Auskunft erteilte und so die An fragen auf sich selbst stets in der allergünstigsten Weise be antwortete. Vermischter. • Ihren Mann erschlagen hat die 34 Jahre alte Ehefrau Eoeline Fehse, geb. Wandtkc, in Berlin. Fehse, der bei Borsig in Tegel arbeitete, war drei Jahre jünger als seine Frau, die ihm in die vor anderthalb Jahren abgeschlossene Ehe ein jetzt 3 Jahre altes Kind mitbrachte. Während er von ArbeitS und Hausgenossen als ein ruhiger und verträglicher Mensch geschildert wird, ist seine Frau al- zänkisch und jähzornig bekannt. Die Ehe war daher nicht glücklich. Der Streit wurde oft so laut, daß er auch die Aufmerksamkeit der Nachbarn erregte. Diese hatten am Donnerstag voriger Woche gegen 6 Uhr abends, bald nach der Rückkehr Fehses von der Arbeit, den Eindruck, als ob Die Eheleute auch thätlich an einander geraten seien. Einmal war es so, als ob jemand zu Boden gefallen wäre. Eine halbe Stunde später hatten fich die Streitenden wieder vertragen. Gegen 8 Uhr ging Fehse fort, um aufl einem Geschäfte, für das feine Frau Kragen nähte, neues Materi^ zu holen. In der Stargardter Straße brach er plötzlich bewußtlos zusammen. Hilfsbereite Leute trugen ihn auf einen Hausflur und ließen ihn bann, da fein Zustand sich nicht besserte, nach dem LazarnSkrankenhaufe bringen. Dort starb er bereits um 3 Uhr morgens an den Folgen eine« Schädelbruchs, der erst durch die Aerzte festgestellt worden war. Wie die Ermittelungen ergaben, hat die Frau dem Manne mit dem Theekessel einen so wuchtigen Hieb über den Kopf versetzt, daß der Schädel brach. Frau Fehse wurde daraufhin verhaftet und in Untersuchungshaft behalten. ♦ Selbstmord eines Oberleutnants. Der in Tempelhof wohnhaft gewesene Oberleutnant der Landwehr a. D. Hermann Heß hat seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht. H. hatte, nachdem er aus dem Militärdienst geschieden, in Berlin ein Künstlermagazin übernommen. Die Geschäfte nahmen indessen nicht den erhofften Aufschwung, sodaß H. in den letzten Jahren in immer größere Bedrängnis geriet, bis er schließlich zum Revolver griff. Die Kugel drang durch den Kopf und durchschlug das Fenster; sie erreichte das gegenüberliegende Haus. Der 51 Jahre alte H. hinterläßt eine Frau und erwachsene Kinder. * Dresden, 18. April. Frau Dr. Schaumann, die „Heldin" des Dresdener Ehebruchsskandals, scheint eine nette Pflanze zu sein. Sie ist die Tochter eines Schneiders in Halle a. S., und es hat sich herausgestellt, daß stevor ihrer Ehe mit Dr. Schaumann mit einem Freiherrn in Leipzig sehr eng befreundet gewesen ist. Dr. Sämumann wußte und ahnte natürlich nichts. Der freiherrliche Briefwechsel mit der Frau ist jetzt gesunden worden -varauÄ geht hervor, daß der Freiherr die Ausstattung besorgte und ihr den Rat erteilte, den „Trotte l" zu heiraten. Auch später nach der Heirat gab er ihr briefliche Anweisungen, toie sie mit ihrem Manne umgehen solle, welche Fremdwörter sie brauchen solle, um als gebildet zu erscheinen. Außer diesem Freiherrn hatte die Frau Doktor noch, zahlreiche Liebhaber, worüber sie in ihrem Tagebuche gelvif senhafte: Buchungen machte. Auch dieses Buch ist in den Händen des Ehemanns. Ein Assessor in Leipzig, ber kleine Meyer", sandte ihr auch nach der Heirat mo natlich 60 Mark und einmal 2000 Mark. Außerdem hat sich ihretwegen unlängst ein Leutnant Großer erschossen. • Die italienische Tingeltangel-Sängerin Ida Assiri hatte vor einigen Wochen bei einer kleinen Schäkerei ihrem Freunde, dem Geschäftsreisenden Ballarini, die Spitze ihres Sonnenschirmes in die Nase gestoßen. Ballarini erlitt eine schwere Verletzung des Gehirns, die feinen Tod herbeiführte. Fräulein Assiri hatte sich nun dieser Tage vor dem Gericht in Verona wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten; der Gerichtshof sprach sie jedoch frei. SM 1 otze-s^eide 'jbirni . ^nierrfic M' , __________________________________________________________________ .•fimifo inuftcr voh ------------— - * ' ' ... . , von der Hohensteiiier Seidenweberei Lotze", Hohenstein •Ernstthal , ‘ " 7\öiuglid'rr,- rr boflin'rr.int Wendepflugkörper. «inseitiger Pflugkörper. Berger’s Germania 2503 Vorrätig bei Wilh. Orbig Nachfolger Cacao Trilby. pumpen Magen 1862 für jed. Zweck aller Arten Verschiedenste Grössen u. Anordnungen in Dechnal-, gleicharmigem System. Die Klee- und Krassnmen rmpfiehlt in nur prima Qualitäten zu billigsten Preisen 2757 Herz“ 1. einen Kursus für Damm, 2936 /SvW>y5 [Qr M Emil Horst, liessen Cementwaren- und Kunststein-Fabrik Liebigstrasae 43/45 and An den Bahnhöfen. 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